kinki
nr. 6 2008 chf 6.–
beat schweizer
S. 26
Der in Bern heimische Beat Schweizer erlernte sein Handwerk unter den Fittichen des Werbefotografen Guy Jost. Seit einem Jahr ist er als selbstständiger Fotograf tätig und bebildert die Zeitung ‹Der Bund›. Der 26-Jährige hat sich insbesondere der Reportagefotografie verschrieben. Seine Serien entstanden unter anderem in der Baltischen See, bei den Roma im Kosovo sowie in Südschweden. Bilder seiner Schwedenreise waren im März in der Pariser Galerie ‹Le Bar Floréal› zu sehen. In seinem Essay, ‹Soft Warriors›, zeigt der Fotograf junge Männer in Kampfmontur, die in einem Wäldchen nahe Huttwil Kriegsszenarien nachspielen..
jürg tschirren
S. 76
Manche Leute sagen, er sei kleiner als ein Tisch, aber das stimmt nicht. In dieser Ausgabe berichtet Jürg aus der wundersamen Welt der Schwestern Marianne und Sybille, die mit selbst gebastelten Wundertüten von sich reden machen. Ansonsten schlägt Jürgs Herz vor allem für den Film. Am liebsten mag er solche, in denen mindestens ein französischer Trotzkist vorkommt oder ein Mensch einen furchtbaren Tod stirbt. Ausserdem sucht Jürg immer noch Freunde für einen Detektiv-Club!
STAY
TWICE
AS NICE S
chön, dass wir uns wiedersehen! Nach der kurzen Sommerpause schälen auch wir die letzten Reste unseres Sonnenbrandes vom Rücken und tauschen Strandkorb gegen Bürostuhl. Wenn es nur immer so schön wäre. Natürlich ist die kinki Redaktion nicht gemeinsam in die Karibik geflogen, sondern hat im Hitze geschwängerten Office Ideen ausgebrütet, wie das Heft noch knackiger
werden könnte. Und nicht nur das Papier hat den Sommer geduldig mit uns durchgestanden. Auch die Pixel wurden eifrig über den Bildschirm geschoben, damit wir euch die neue Homepage auf kinkimag.ch präsentieren können. Jetzt noch schneller, grösser, höher, weiter! Damit wir vor lauter Superlativen nicht vergessen, unsere Coolness zu bewahren, sei an dieser Stelle empfohlen: Alles nicht so heiss kochen, wie es vergessen wird. Mit hemdsärmeligen Grüssen, deine kinki Redaktion.
Titelbild: Parra
kinki
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content
standard
editorial 03 gossip 12 agenda 12 was läuft 18 querschläger 36 vive la fragrance 70 media 86 abo / impressum 88 city spotlight 96 versammelt 98
report
moral kommt in mode 20 zehn minuten mit cee-lo green 24 soft warriors 26 zeig’s mir! 34 jesus rides a rollercoaster 38
sound
cd check 42 cd des monats: seelenluft 44 the clowns 46 norman palm 48 playlist: dj brain 50
fashion
let’s get physical 52 strick mich 62 vertreter 64 schwedenhappen 66 vive la fragrance 70
art & co
cabaret voltaire 72 ist junge kunst stupide? 74 süssis, rätsel und coole sprüche 76 parra 78 top notch gallery: subaquatica 89
sport
fred mortagne: burn to earn 90 bike’n’beer 94
10
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20 moral kommt in mode
Korrekt gekleidet? Wenn es um ethisch vertretbare Kleider geht, ist Mode mehr als nur Geschmacksache. Doch wie vertrauenswürdig sind die ‹Guten› der Kleiderbranche wirklich?
26 34 46 72 zeig’s mir!
Was passiert, wenn sich der Darkroom auf die Tanzfläche verlagert? Immer mehr amerikanische Jugendliche lassen an Parties ihre Hüllen fallen, um sich vor den Augen der Anwesenden sexuellen Abenteuern hinzugeben. Exhibitionismus oder mangelnde Selbstsicherheit?
date mit einem clown Alle Kinder lieben Clowns! Neuerdings dürfen sich aber auch Fans von Garagerock und Blues über bunte Ballons und rote Nasen freuen…
cabaret voltaire
soft warriors
Waffennarren oder taktische Geländespieler? Fans von Airsoft rennen gerne schwer bewaffnet durch den Wald, wer ‹überlebt›, hat gewonnen. Beat Schweizer begleitete mit seiner Kamera eine Gruppe von Airsoftspielern auf dem schmalen Grat zwischen Kampf und Spiel.
Der Dadaismus zeigte uns, dass auch ein Pissoir ins Museum gehört und prägte die moderne Kunstauffassung wie kaum eine andere Stilrichtung des letzten Jahrhunderts. Nun stimmt die Zürcher Bevölkerung über eine Verlängerung des Mietvertrages ab. Christoph Dubler sprach mit den Leitern des DadaHauses.
78 90 66 parra
schwedenhappen
Warum die Herren und Damen aus dem hohen Norden modische Trends am Laufmeter produzieren, müssen sie uns irgendwann einmal erklären! Romy Uebel präsentiert uns eine Auswahl modischer Newcomer, die dafür sorgen werden, dass die Schweden auch weiterhin ihrem Ruf als Trendsetter gerecht werden dürften.
‹Oh, how I wanted to fuck the system›, ist nur eine der ironischen und plakativen Phrasen, welche Parra in seine grafischen Arbeiten einfliessen lässt. Seine Arbeiten überwältigen den Betrachter mittels aufdringlicher Slogans und abgedrehter Fantasiewesen, die er uns gerne in ihren intimsten Momenten präsentiert.
fred mortagne: burn to earn Wer sich Neuerungen verschliesst muss nicht unbedingt altmodisch sein: Fred Mortagne gilt als knallharter Verfechter der Analog-Fotografie, dennoch zählen seine Skateboardfotos zum Innovativsten, was die Szene zu bieten hat.
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gossip
mini macht mal mode Der kleine aber feine Flitzer der britischen Auto-Marke Mini sorgt überall, wo er auftaucht für Furore. Auf der Fashion Messe Bread & Butter in Barcelona stand nun die Modelinie ‹Mini Collection 2008/2009› im Rampenlicht. Dort bekamen Mini Fans & Co. die textile Serienausstattung für Mann und Frau zu sehen. Teil des Sortiments bilden sowohl als auch die schwarze Lady Biker Jacke und auch das Babydoll Tee in Pink. Daneben wurden T-Shirts präsentiert, die leider nur durch simplen MiniLogo-Aufdrucke zu glänzen versuchen. Der aussergewöhnlich frische Style und Kick, den wir beim Anblick des Mini Autos gewohnt sind, bleibt bei der Fashion Kollektion jedoch auf der Strecke. Die Schnitte und der Style sind eher unspektakulär ge halten. In Kombination mit dem Auto macht man jedoch sicherlich eine gute Figur.
09 agenda
19.09. Fr
the satelliters (d), man-made monster (a), Mariaberg Rorschach
quit your dayjob (swe), Kulturladen Konstanz (d)
tocotronic (d), deichkind (d), Uni Basel 25.09.–5.10.
zürich film festival 27.09. Sa
funkdoobiest (usa) bdc, Gare de Lion Wil,
garish (a) Flon St.Gallen,
radio 200’000 Salzhaus Winterthur 28.09. So
black lips (usa) Rote Fabrik Zürich
ben weaver (usa)
El Lokal Zürich
someone still loves you boris yeltsin (usa)
10 illus für alle MINI Collection 08/09. Ladie’s Biker Jacket
Treibhaus Luzern
www.mini.de
01.10. Mi
kinkimag.ch release party
Zum vierten Mal öffnet das Forum Illustrative kunstbegeisterten Menschen Tür und Tor. Vom 18.Oktober bis zum 26. Oktober 2008 kann moderne Illustration und Grafik im Messezentrum Zürich bestaunt werden. Gezeigt wird eine aktuelle Werkschau der unterschiedlichen Stilrichtungen und Genres. Die Idee, eine internationale Basis für junge angewandte Grafik und Illustration zu kreieren, wurde zum ersten Mal im Jahr 2006 in Berlin von Pascal Johanssen und Katja Kleiss umgesetzt. Neben der Hauptausstellung in Zürich, die bekannten Illustratoren, Comickünstlern und Malern eine Plattform bietet, widmet sich ein Teilbereich auch jungen kreativen Köpfen. Somit sind dann auch die neusten Trends und Stile von Illustration und Grafik vertreten. Im Vorfeld können alle jungen Kunstschaffenden selbst Initiative ergreifen und sich bewerben, indem sie ihre Arbeiten in folgenden Kategorien einreichen: Illustration, Animation 12
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und Buchkunst. Die 20 besten
Nachwuchskünstler werden nominiert und bekommen durch den ‹Young Illustrators Award› die Chance auf einen Preis und natürlich viel Pub licity. Schliesslich darf einer der drei Erstplatzierten die ‹Limited-Edition›Swatch gestalten und wird in die Kampagne von Swatch mit ein gebunden. Sein Name kann dann neben denen von bekannten Kunstschöpfern wie Kiki Picasso oder Keith Haring genannt werden, die ebenfalls schon für Swatch am Werk waren. Weitere Aktionen bilden zahlreiche Begleitveranstaltungen sowie mehrere thematische Sektionen wie die Ausstellung ‹Illustrative Fashion Salon›. Hier wird der Einfluss der illustrativen Kunst auf die Modewelt anhand von trendigen Einzelstücken der Spitzen-Modelabels c.neeon oder Ivana Helsinki gezeigt. Sie entwarfen Kollektionen, die von grafischen Trends und Traditionen geprägt wurden. www.illustrative.de
mit Filewile (live), Killer DJs Superzero.tv, Zürich 2.10. Do
zürich film festival:
Wettbewerbsprogramm onedotzero_ch mit anschliessender Preisverleihung und onedotzero_ch-party , Kaufleuten 3.10. Fr
onedotzero_adventures in moving image 04.10. Sa
ja, panik(a) Palace St.Gallen
no picasso (uk) Longstreet Zürich 05.10. So
disco ensemble (fin) Schüür Luzern 10.10. Fr
elias & the wizzkids (swe), Gare de Lion Wil
peterlicht (d),
Kulturladen Konstanz (d)
deus (bel) Volkshaus Basel 18.–26.10.
illustrative 2008,
Messezentrum Zürich (Halle 9) Vernissage am Freitagabend, 17.10.2008
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innovativ, zukunfts weisend, bewegt
kinki komputer! Mit Erscheinung der September Ausgabe wird die neue und erweiterte Version der kinki Website unter www.kinkimag.ch am Start sein. Dort werdet ihr auch eine alte Bekannte wieder finden, nämlich die bissige Rubrik ‹Klagemauer› – bekannt aus der ersten Ausgabe des Magazins – wo ihr euch mal richtig auskotzen könnt. Die gemeinsten Statements kommen dann ins Heft. Neben weiterführenden Inhalten und Zusatzartikeln, Fotostrecken und Making Of Ansichten aus dem Heft werden auf kinkimag.ch verschiedene Rubriken zu finden sein, in denen ihr euch nach Lust und Laune austoben könnt. So könnt ihr euch tonnenweise Videos ansehen, stundenlang Musik anhören und in der Community mit anderen kinki Lesern kontakten. Auch an die Künstler-, Designer- und Grafikergemeinde wurde natürlich gedacht. Sie bekommt ihren eigenen Platz und wird in der Foto- und
kinki is at home
Kunstgalerie repräsentiert. Ausserdem kann man auf kinkimag.ch an zahlreichen Gewinnspielen teilnehmen. Der heiss geliebte Blog bleibt bestehen und wird weiterhin sorgsam gepflegt. Doch nicht nur der Blog nimmt durch eure Kommentare und eure Mithilfe Form und Gestalt an, sondern auch die aufpolierte Homepage ist auf euer Feedback angewiesen. Also: keep on commenting! www.kinkimag.ch Begossen wird die neue Homepage mit Pauken und Trompeten am 01.Oktober ab 20.30 Uhr im Club Superzero (www.superzero.tv) in Zürich. Live Sound kommt von Electro Stylern ‹Filewile› mit Sängerin plus Support von den Killer Party DJs. Der Eintritt ist frei!
is this the spirit of punkrock? Alles andere als kopflos: das filmfestival onedotzero_ch
Vom 25. September bis 5. Oktober versorgt uns das Digitalfilmfestival Onedotzero mit neustem Stoff aus der Bewegtfilm-Kunst. Das kleine aber äusserst feine Festival ist nämlich im Rahmen des vierten Zürich Film Festivals zu Gast und sucht nach frischen Talenten aus der ganzen Welt. Onedotzero gilt als das grösste digitale Film festival Europas und begeistert jährlich tausende Zuschauer in über 60 Städten. Das Schweizer Pendant zum britischen Mutterfestival ‹onedotzero_ch›, das mit der Aktion Swissmix junge talentierte Schweizer durch einen Wettbewerb in die Szene einweiht, lockt mit einem spannenden Eventprogramm. Die eindrucks vollsten Filme werden am 2. Oktober im Zürcher Club Kaufleuten gezeigt und dem kritischen Urteil des Publikums überlassen. Dieses wählt den überzeugendsten Film oder Clip und verhilft dem 14
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Gewinner zur Auszeichnung mit dem hoch dotierten onedotzero_ch-Award. Auf der anschliessenden Party wird der Erfolg des Preisträgers zelebriert sowie Raum für einen kreativen Plausch geboten. Am 3. Oktober präsentiert das Festival im Kaufleuten Club aktuelle Programme des Digitalfilmfestivals ‹onedotzero_adventures in moving image› aus London. Wer mit dabei sein will – und zwar umsonst – kann hier Tickets gewinnen: kinki magazine verlost 5×2 Eintrittskarten. Einfach eine Mail mit dem Stichwort ‹onedotzero› und deiner Adresse an info@kinkimag.ch Inspiriert durch die Punkrock-Ikone senden. Marky Ramone, lanciert Tommy www.zurichfilmfestival.org Hilfiger in der Saison 2009 neben www.onedotzero.ch der klassischen Kollektion auch die ‹Rock Scene›-Collection. Diese soll den wahren Geist des Punkrocks vermitteln, wie er in den Seiten des gleichnamigen Magazins aus den 70er Jahren zu finden ist. Man darf gespannt sein auf den
Marky und Tommy Ramone auf Hilfiger Textilien
neu formierten Style von tragbaren
Lederjacken, Jeans und T-Shirts inklusive Rock Scene und Ramones Logo. Ob jedoch der Culture Clash von Punkrock und All American Hilfiger den Kunden über zeugen kann, wird sich erst noch zeigen. www.hilfiger.com
online on air ‹Hätte ich doch nur mein Laptop dabei…›
Stress im Web? Dann tauch ein in die Welt des Online-Radios ‹Soulsender› und lass dein alltagsgestresstes Seelchen von Soul und Funk streicheln. Für Shoppingvictims, die ihre Pausen im Starbucks verbringen und die Hear-Music-Collection satt haben, bietet Soulsender eine entspannende Alternative. Das Programm erspart dir klassischen Mainstream und gängige Genre-Klischees. Statt dessen wirst du hier mit Soul, Funk und Hip Hop vom Feinsten bedient, in Form einer gut gemixten Jukebox, die durch spezielle Features und Spezialsendungen ergänzt wird. Weiterhin werden vor allem zu späterer Stunde Konzerte und DJ-Mixes von diversen Lokalitäten als Live-Stream oder Mitschnitt (‹Live on Tape›) präsentiert. Soulsender läuft 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. www.soulsender.de
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25.8.2008 10:52:29 Uhr
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spielart ping pong Mit dem Design Projekt Pingpong ist die Hochschule für Gestaltung und Kunst der Frage auf den Grund gegangen, ob Mode, Grafik, Produktdesign und Konsorten eine globale Sprache sprechen. Jeweils neun Designer aus Japan und der Schweiz erhielten die Möglichkeit ein blankes Stück Stoff gemäss dem Thema ‹Shifting› zu bearbeiten, bevor dieses den langen Reiseweg zum Projektpartner antrat. Je nach Berufsstand wurde der Stoff im ersten Durchlauf als Leinwand benutzt, zu einem Objekt oder zu Kleidung verarbeitet. Zwei Wochen lang nach Erhalt des Pakets hatten diese dann Zeit sich daran kreativ auszutoben. Somit fand eine nonverbale Kommunikation zwischen Designern und Designschaffenden statt, die sich nur auf die
künstlerischer Schlag abtausch zwischen Japan und der Schweiz
Grundlage ihrer Tätigkeit stützte. Durch die Spielart des Pingpongs wurde den Design-Produkten eine doppelte Interpretation verliehen. Doch nicht nur das Wesen der Design-Unikate profitierte von dem extravaganten Austausch, auch die Teilnehmer hatten somit eine Chance zu einem internationalen Auftritt. Auf einer Ausstellung in Basel und ebenso in Tokio konnten die Früchte des Projekts bereits betrachtet werden. Natürlich hatten die Kleidungsstücke auf einer Modeschau ihren grossen Auftritt und konnten auch für Geld erworben werden. Als bleibende Erinnerung folgt im Namen des Projekts auch die Publikation in Papierform, die allen Werken auf ewig einen Platz einräumen wird. www.pingpong-project.com
bitte nicht alter, du vervst spülen! Die englische Band The Verve aus Wigan (Greater Manchester) um Frontmann Richard Ashcroft zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Britpops der 1990er Jahre. Nach den Trennungen 1995 und 1999 haben sie sich im Juni 2007 im Originalteam wieder zusammen gefunden. Die komplette Urbesetzung trat an, um ein neues Album auf zunehmen und um auf einigen Festivals zu spielen – unter anderem beim Nova Rock, Rock am Ring und Pinkpop. Am 25.08.2008 erschien das neue Werk mit dem Namen ‹Forth›. Will man das Album kurz beschreiben, lässt sich sagen: Der Sound hat sich im Vergleich zu damals nicht wesentlich geändert und Ashcrofts Hang zum Epischen und Hymnischen, der sich bereits zu seinen Solozeiten verstärkt ge16
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zeigt hat, lässt sich sehr gut erhören und erspüren. Bereits der AlbumOpener ‹Give Me The Light› zeigt seinen Schritt in diese Richtung. ‹Love Is Noise›, die aktuelle Single, ist dagegen schon etwas poppiger und lässt vielleicht das eine oder andere Bein im Takt mitwippen. Die Songs sind sehr lang, was den schnelllebigen Musikkonsu menten (aber eigentlch sind Konsumenten nicht schnelllebig, sondern eher verwöhnt oder spunghaft) von heute bestimmt abschrecken wird. Doch für diesen Menschenschlag ist dieses Album auch nicht bestimmt. Es ist bestimmt für alt eingesessene The Verve-Fans, die Wir vermuten, dass ein nicht gerinlange Jahre auf dieses Comeback ger Prozentsatz unserer werten gewartet haben. www.theverve.co.uk Leserschaft sich gerne auch auf dem stillen Örtchen die Wartezeit mit der Lektüre dieses Hefts versüsst.
Dies ist kein selbstverständlicher
Luxus, weder die Lektüre noch der
Toilettengang, denn mehr als 2,6 Milliarden Menschen verfügen noch immer über keinen Zugang zu einer Toilettenanlage. Dass dieser hygienische Notstand oft schwere Krankheiten nach sich zieht, kann man sich unschwer selber vorstellen. Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, veranstaltet das Hilfswerk Helvetas einen Videowettbewerb zum Thema ‹No toilet, no...›, an welchem ihr euch mit einem 30 bis 60 Sekunden langen Beitrag bis zum 3.November beteiligen könnt. Die besten Arbeiten werden mit fetten Preisen belohnt und der Gewinner wird im Vorfeld des World Toilet Day am 16.November prämiert. Mitmachen lohnt sich also! So, jetzt darfst du spülen. Weitere Info unter www.notoilets.ch
figaro
die glatze Herkunft diverse Subkulturen, spiritueller Hintergrund, Vererbung, Krankheit Mindset Menschen, die sich einer Gruppe oder Glaubensrichtung nahe fühlen Geschlecht weiblich und männlich Passt gut zu oranger Kutte, Lack und Leder, sogar zum Abendkleid
A
lle waren geschockt, als die ersten Bilder von Britney Spears ohne Haare im WWW erschienen. Glatzen sind mehr als nur ein Kopf ohne Haare: sie sind Mode-Statements, lassen auf eine bestimmte Gruppen- oder Religionszugehörigkeit schliessen, oder deuten auf eine Krankheit oder Ver erbung hin. Eines trifft immer zu: die Glatze macht eine Person unverwechselbar. Frauen, die sich freiwillig eine Glatze scheren lassen, sind oft offenen Anfeindungen ausgesetzt. Sie werden in die Radikalfeministinnen-Schublade geschoben, ihnen wird sexuelles Abweichlertum (wie der irischen Sängerin Sinead O’Connor) unterstellt und viele Menschen haben das Empfinden, dass von solchen Frauen eine Bedrohung ausgehen könnte, wie sich an Grace Jones sehen lässt: ihre Glatze machte sie zu einer despotischen Kampfmaschine. Ein ähnliches Beispiel ist Sigourney Weaver in der Alien-Trilogie, die von Folge zu Folge vermännlicht wurde und diese Androgynie durch immer kürzer werdende Haare – bis hin zur Glatze – zeigt. Ein TV-Ereignis aus den 70er Jahren setzte dem negativen Klischee des Glatzköpfigen als krimineller Bösewicht, Nazi oder Psychopat abrupt ein Ende: die US-Fernsehserie ‹Kojak – Einsatz in Manhattan›. Telly Savalas wurde mit der Rolle des sympathischen,
glatzköpfigen Polizisten ‹Kojak›, die ab dem Jahre 1973 im TV lief, weltweit bekannt. Seit seinem Erfolg hatten auch endlich gutmütige, glatzköpfige Filmfiguren in Hollywood eine Chance, wie zum Beispiel Capitain Picard in der Science-Fiction-Serie Star Trek. Wir wollen uns nun aber von der Promiwelt losreissen, um den soziologischen Ursprung des kahlen Kopfes in der Jugendkultur zu suchen. Sie zeigte sich erstmals in den Ar beitervierteln Grossbritan niens in den späten 1960er Jahren. Von einem starken Arbeiterklassen-Bewusstsein geprägt, fühlten sich die
Skinheads zunächst als Protestbewegung gegen die etablierte Gesellschaft und man sah sich als Gegenpol zu der von Studenten geprägten Flower-Power-Bewegung. Der unverkennbare äusserliche Unterschied der beiden Jugendbewegungen: Während sich die Hippies ihr Haar lang wachsen liessen, hatten Skinheads einen extrem kurzen Haarschnitt, durch den die Kopfhaut durchschimmerte. Auch in der Welt des Sports findet sich der eine oder andere kahle Schädel. Sportler mit Glatze strahlen Aggressivität und körperliche Durchsetzungs-
kraft aus – heisst es. Das trifft vielleicht auf den Schwergewichts-Boxweltmeister George Forman zu. Aber auch auf David Beckham? Den Fussballer, der sich in seinem bis herigen Leben immer wieder neu inszeniert und erfunden hat, umgab in der Zeit, als er Glatze trug, eher eine Wirkung der Androgynie, die in völligem Widerspruch zum kämpferischen Fussballsport stand. Lange vor Beckham trug sein Kollege Carsten Jancker den Kopf kahl. Er machte allerdings mit diesem Haarschnitt keine gute Erfahrung: ihm wurden rechtsradikale Tendenzen unterstellt.
Chinas Tibetpolitik war der Auslöser für den polnischen Gewichtheber Szymon Kolecki, sich aus Solidarität mit Tibets Mönchen eine Glatze rasieren zu lassen. Mit dieser Aktion ist er den Forderungen des IOCs, die Olympischen Spiele frei von politischen Äusserungen zu halten, wohl in die Quere gekommen. Sie blieb aber fol genlos – es gab für den Sportler keine Disqualifikation. Hätten die deutschen Wasserballer das geahnt, hätten sie ihre orangefarbenen Bademäntel sicher wieder aus dem Schrank geholt. Text: Christine Johanna Schulze Illustration: Lina Müller
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was läuft…
basel Korrespondent: Philipp Bibbo Brogli Alter: 30 minus 2 Beruf/Berufung: Stüblibueb Lieblingsbar: artstübli Stammtisch Lieblingsclub: Volkshaus Hotspot des M onats: Jungle Street Groove Parade (Münsterplatz, 20.09.08 ab 17 Uhr)
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luzern hat und eine offensiv hörenswerte Indie-Konzertreihe startet. Mit ‹dEUS› (10.10.), ‹Eskobar› (16.10.), ‹Nada Surf› (24.10.), ‹Lambchop› (11.11.), ‹Hoosiers› (16.11.) und ‹Bosshoss› (18.12.). Möge der Vorverkauf mit Dir sein! www.kaserne-basel.ch www.volkshaus-basel.ch
vereins-bar
Korrespondent: KackmusikK Alter: 26 Beruf/Berufung: Tanzbombe! Lieblingsbar: Helvetia-Bar Lieblingsclub: Toggo-Clever-Club Hotspot des Monats: Meine Boxershorts!
farbige festung
Seit der Schliessung des Kult-Kulturzentrums Boa herrscht in Luzern Da Lise, Anna und Sämi kein Wirte- ein akuter Mangel an kulturellen patent besitzen, ist ihre Bar Freiräumen. Zwar kommt es immer ‹Carambolage› für Kunst & Kultur wieder zu – meist unbewilligte – – Spielen & Lesen – Trinken Demonstrationen –, diese werden & Geniessen als Verein organisiert. aber grösstenteils bereits im Um in der Bar zu konsumieren, Keim erstickt oder enden in einem muss man fünf Franken in die Vertotalen Chaos (siehe Sonneneinskasse zahlen. Ein Schlüsberg, 2007). Das teils repressive selanhänger ist auch gleich der Mit- Vorgehen der Stadt gegen die gliederausweis, mit dem man für Forderung nach mehr Platz für Subein Bier noch um die CHF 3.30 bezahlt kulturen zwingt die Aktivisten und einen Kaffee im Billigtarif von nicht in die Knie, sondern gibt ihnen CHF 3.– geniesst! Das abwechseln- im Gegenteil Anlass dazu, ihrer de Tagesprogramm bietet von Forderung noch mehr Gewicht zu der ‹Freesöse› (einmal Haare kurz verleihen. So fand am 09.08.08 bitte), ‹Masseur bietet Hände› das Festival ‹Farbige Festung› statt. Rollbar, Solothurnerstr. 15, (Thai- & Fussreflexzonenmassage), Organisiert vom Verein ‹Korsett› www.rollbarbasel.ch bis zur ‹Singenden Säge & und mehreren Mitgliedern der ‹AktiGeige› (Musik mit Spektakel) alles, on Freiraum›, wurden auf der luwas dazu beiträgt, dass diese zerner Allmend drei ehemalige MilitärBasler ‹Erlebnis-Bar› einzigartig an- bunker besetzt und kurzerhand ders tickt. zum Festivalgelände erklärt. Während Carambolage, Erlenstr. 34, zweier Tage gab es musikalische www.carambolage.ch Leckerbissen. Eine äusserst gelungewww.scope-art.com ‹Es herbstelet im Wald, s Christne Veranstaltung, deren Organi chind chunt bald!› So schlimm ist es satoren schlussendlich noch einen noch nicht. Dennoch lohnt sich kleinen politischen Sieg verbuchen ein erster Blick auf das Konzertprokonnten. Die Stadtverantwortlichen gramm, welches diesen Herbst/ tolerierten das Spektakel, was auf Winter so abwechslungsreich und ein baldiges Ende dieser Misere hofvielseitig ist, wie schon lange fen lässt. www.myspace.com/farbigefestung nicht mehr. Die notwendige Konkurrenz blüht derzeit auf! Laurence Desarzens hat die Musikplanung der Kaserne übernommen. Zuvor war sie vier Jahre in der Roten Fabrik und zwei Jahre im Moods als Musikveranstalterin tätig. Den Anfang macht Im Hochsommer sind die Clubs tot, die Downtempo Band ‹Morcheeba› aber die Festivals leben. So auch (UK) am 04.09.08, gefolgt von den in Luzern. Am 16.08.08 fand die beAushängeschildern des Brit Rocks, reits 7. Ausgabe des offenbar ‹The Charlatans› am 27.09.08 grössten ‹Gratis-Open Air› der Schweiz und Battle Rapper ‹Kool Savas› am statt. Zu Hause auf der Lido-Wie23.01.09. Während sich Heinz se, fanden auch dieses Jahr wieder Darr, Ex-Konzertleiter der Kaserne, Tausende Besucher den Weg im Volkshaus Basel (ja liebe Zürcher zum ‹Funk am See›, um während eines auch wir haben eins;) eingenistet Miniramps gibt’s nicht nur auf freier Wildbahn. In Basel wurde eine seit neuestem in einem Keller integriert! Die ‹Rollbar› ist eine Kombination aus einem Skateshop, welcher abends in eine Kartonmöbellounge umgewandelt wird und wo sich Skater, DJs und urbane Jungkünstler zum Feierabendbier relaxt austauschen. Wer Lust verspürt, seine Knochen noch ein wenig zu bewegen, der steigt eine Etage tiefer. Wo eine 3m breite und 1m hohe Miniramp inklusive einem 3.5m hohen Wallride zum Auf- und Abrollen bereitsteht. Die iPod Docking-Stations machen den Fun perfekt!
indoormusikanten
funk am see
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ganzen Tages die neun Live-Bands zu feiern und die Mühen des OK’s zu belohnen. Nach der letzten Performance ging’s dann in der Bar 59 zur Afterhour weiter, wo die ‹Hood Regulators› mal wieder für mächtig viel Hitze sorgten. www.funkamsee.ch
cafe bar salü
Der Sommer geht langsam flöten und mit ihm gut ausgefüllte Tops und lässige Shirts mit was Schönem drin. Naja, Rollkragenpullover sind auch toll (hmmh!?). Ich mag den Sommer jedoch nicht nur wegen der Mode, sondern auch wegen des ‹Dolce far niente›-Swags. Und weil eben dieses ‹süsse Nichtstun› in der Salü-Bar meiner Meinung nach am besten funktioniert, muss ich diesem ‹Bijou› endlich mal ein Kränzchen binden. Nirgends trinkt sich ein Eiscafe oder ein guter Tropfen Weisswein mit exakt 3 Eiswürfeln so gemütlich wie in dieser Cafebar. Definitiv ein Geheimtipp! Cafe Bar Salü, Waldstätterstrasse 5, 6003 Luzern
10 jahre radio 3fach
Anlässlich des 10-Jahre-Jubiläums des Lokalsradios ‹3Fach› wird die ganze Stadt zu einer einzigen Feierzone umfunktioniert. 5 Clubs werden eben mal schnell ein ganzes Wochenende gemietet, um die wundersame Erhaltung der Radiokonzession und sich selbst zu feiern. Nebst der üblichen Indie-Mucke (ist auch nicht mein Gusto, aber die Girls.....!) und ‹Conscious-Rap› (Ja, komm hör auf...) haben mir interne Quellen einen absoluten Hochkaräter des ‹Psychobilly-Breakcore-Head fuck›-Genres im Line-Up verraten. Es ist zwar noch nichts wirklich offiziell, wir dürfen uns jedoch auf irre Australier in Latex-Kostümen mit Musik im Gepäck freuen, die etwa genau so durchgeknallt ist wie Klaus Kinski auf Speed! Am 17.10. geht’s los. www.3fach.ch
bern Korrespondent: Xymna Engel Alter: 22 Beruf/Berufung: Texterin und Studentin Lieblingsbar: Café Kairo Lieblingsclub: Dachstock Reitschule Hotspot des M onats: mein Aschenbecher
st.gallen extra für den Event entworfen wurde. Neben etlichen Sondereditionen zeigt auch der Titolo, unser Vorreiter in Sneakersachen, seine besten Modelle, wobei das Customizing Team aus Genf diese wahrscheinlich noch übertreffen wird. Gekauft, verkauft, getauscht oder frisch designt – alle stehen drauf.
Korrespondent: Die Gallus Brothers Alter: 30/31 Beruf/Berufung: Barkeeper/ Journalist Lieblingsbar: Sawadee Bar Lieblingsclub: Prestige Hotspot des monats: Rümpeltum
titty twister
Die liegt vielleicht in der ‹dihei›-Bar. Die liegt im Linsebühl. Man munkelt es gebe dort DJs mit HipHop und Minimal am Wochenende. www.sneakerness.com Wir waren aber noch nie da. Weil Pingpongtisch weiche! Die Bälle wir wahrscheinlich im Titty Twister Das St. Gallerfest ist wieder mal vor- hängen geblieben sind. Dort sollen wurden lange Zeit nicht nur in der bei, und schnell war’s vorbei. Freileer stehenden Via Felsenau hin- und sie endlich mal eine Tür ins Männertagnacht gingen schon um 1 die Bo- WC machen. Wir sind ja nicht hergeworfen, sondern auch zwixen aus, Samstags um 2. Dabei schen Genossenschaft, Bewohnern wahnsinnig prüd. Aber prüd genug. wollte die Gewerbepolizei noch eine www.tittytwisterbar.ch und den neuen Betreibern. Viele haben gedacht, die Geschichte des von der klassischen Sorte gibt’s jetzt halbe Stunde früher keinen Ton bei Kitchener. Der spanischen Kult- mehr hören, aber das gibt’s erst Clubs in Europas grösstem be wohntem Lehmhaus sei zu Ende ge- marke Camper wird nun der Raum ge- nächstes Jahr. Damit liegt St.Gallen geben, den sie verdient. Der Camauf dem gefühlten Platz 735 der schrieben, aber schon folgt der zweite Band. Herausgeber ist Peter per-Shop bietet die grösste Auswahl am längsten dauernden Stadt-, Strasan Camper Schuhen in Bern, da sen- und Dorffeste in der Schweiz. Baka mit dem Label Armada ConDie Stadt St. Gallen könnte sich ein Der Klang und Kleid zieht definitiv cepts, der Liebhaber elektronischer stell ich doch glatt mein Zelt auf. www.kitchener.ch um. Der alte Laden ist leer, nur noch Beispiel an Amriswil nehmen. Die Musik schon nach den ersten Oberthurgauer Gemeinde ist ein Viel kalte Mauern gibt’s dort. Neu gibt’s Sätzen die ganze Nacht wach hält. den bald in der Tankstelle neben faches kleiner als St.Gallen – aber Ein aufgedonnertes Soundsystem, das ‹Strassenfest›, das dort alle zwei dem Dieci. Wir sind gespannt. aufgepeppte Beleuchtung und die www.klangundkleid.ch Jahre stattfindet, dauert am Freitag aufgemöbelte Bar empfangen bis 2, Samstags ist Freinacht. Geht nun wieder nationale und internatiomal gucken, liebe Gewerbepolizei, nale DJ Cracks, wobei auch die geht doch! Kunst nicht zu kurz kommen soll. Zum www.stgallerfest.ch Re-Opening wurde der EnglänWir sollten ja auch noch Positives In welchem Moment passt die Ziga- www.amriswil.ch der Kenny Hawkes geladen, Ende vermelden. Das Rümpeltum führt am rette am besten in den Mundwinkel? September ist DJ Gogo aus Wochenende 12./13.9. ein regelOhne Frage am besten nach einer Zürich zu Gast und am 11.10. gibt rechtes Technoweekend: Am Freitag schweisstreibenden Angelegenheit. Kenny Larkin aus Detroit nach heisst’s Tanzrausch mit Afrilounge Die Rede ist hier jedoch nicht langem wieder ein Lebenszeichen von Bett-, sondern von Bühnensport. Zu gemacht hat ja das Nachwerk im und Manuel Moreno, am Samstag von sich. Damit sei allemal be Stadtkeller schon im Juni. Die haben so ein paar Jungs Geburtstag Der Basler Fotograf Matthias Willi wiesen: alle Wege führen via Via. www.via-felsenau.ch Auswirkungen dieses Ereignisses und einer geht für ne Weile weg. hat die wohl intimsten und ehr sind im KUGL zu spüren. Dort Lineup steht noch nicht ganz. Das Silichsten Momente von Stars eingeseien am letzten Elektron Männer mit rupClub Soundsystem, Pimp fangen, in denen der Puder ver nackten Oberkörpern gesichtet The System, Friends with Display flossen, die Kleider zerknittert und worden, die mit überdimensionierten und Mitsutek sollen da sein. der Körper schweissgebadet www.rumpeltum.ch Sonnenbrillen tanzen wollten – sind. Wem die Fotostrecke im letzauf der Bühne! Es soll sogar schlim- www.myspace.com/sirupclub ten kinki nicht genug war, der www.myspace.com/wearefriendswithJeder Weg sollte mit dem richtigen mer kommen: Bereits am 26. kann die komplette Serie ‹The Modisplays www.myspace.com/pimpthesystemrec Schuhwerk beschritten werden. September gibt’s im KUGL eine ment After The Show› bis zum www.myspace.com/mitustek Am 27. September geht’s im Theater 15. Oktober in der Neuen Galerie Naschwerk-Revival-Party. Sehr National an der ‹Sneakerness› früh, finden wir. Das 80er Revival hat beäugen. ‹Cheese!› heisst es da, sneakerfreakig zu und her. Der New als die Musiker direkt von ihrem Auf- ja auch über ein Jahrzehnt geYorker Sneakergott und Heraus braucht. Wir hoffen jedenfalls, dass tritt hinter die Kulissen treten. Da geber des Bounce Magazins, Robert greifen Client sofort zum Schminkdie heimatlosen Naschwerker ’Bobbito’ Garcia aka Kool Bob bald eine neue Heimat finden. stift, Farin Urlaub hält sein DauerLove, verlost die Möglichkeit, mit ihm grinsen, Mike Patton kann nur noch www.naschwerk.ch www.kugl.ch persönlich einen Sneaker zu de den Stinkefinger heben und Iggy signen und stellt sich an der After Pop kriegt nicht mal mehr den HosenParty nach 10 Jahren endlich mal stall zu. wieder hinter das DJ Pult im Waasi. www.neuegalerie.ch Verlost wird auch ein Nike Dunk, der
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MORAL KOMMT IN MODE Sackkleider, Latzhosen und unförmige Wollpullover sind Geschichte. Ethisch korrekte Kleidung ist clubtauglich geworden. Weil sich das Gewissen als Einkaufsberater einschaltet, haben die Modekonzerne ihre soziale Ader entdeckt. Einige handeln, andere verändern nur ihr Marketing.
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uf dem Höhepunkt seiner Popularität scherte sich Dov Charney nicht um den gewöhnlichen Dresscode. Der Chef von American Apparel, dem grössten Textil-Produzenten der USA, leitete sein Unternehmen nur in Unterhose gekleidet. American Apparel sollte hip und rebellisch sein, also sprach nichts dagegen, dass Charney die Produkte, die seine Firma herstellte, auch freizügig präsentierte. Er war gut darin, sich zu inszenieren. Und er war noch besser darin, seine Botschaft zu vermitteln. Diese war in etwa die folgende: Kleidung muss nicht in asiatischen Hinterhof-Nähereien produziert werden, wo Mitarbeiterinnen wie Legehennen gehalten werden. 16 Stunden-Tag, keine freien Wochenenden, Kinderarbeit, stickige Luft und ein prügelnder Sklaventreiber als Chef. Nein, auch eine Textilfirma im Hochlohnland USA ist konkurrenzfähig und muss dabei nicht teurer sein als H&M. Mehr noch: Weil in Los Angeles alles unter einem Dach produziert wird, spart man teure Transportkosten und kann seinen Angestellten das Arbeitsleben versüssen. So garantiert American Apparel seinen Mitarbeitern Gehälter über dem Mindestlohn, eine kostenlose Gesundheitsversorgung und obendrein Sprachkurse und Massagen. Charney war der Gute in der Kleiderbranche. ‹Made in Downtown L.A.› statt ‹Made inChina› hiess das Verkaufsargument. Etwa zur sel-
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ben Zeit entdeckten Soziologen und Trendforscher einen neuen Konsumententyp, den sie Lohas (für ‹Lifestyle of Health and Sustainability›) tauften. Diese Spezies wollte mit ihrem Kaufverhalten gezielt Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen fördern ohne dafür in Sackklamotten und Gesundheitslatschen herumlaufen zu müssen. Wenn Journalisten nun den Verrückten mit der Unterhose besuchten und seine Unternehmensphilosophie beschrieben, dann machten sie aus American Apparel die Bionade der Kleiderbranche: ein Kultprodukt für Trendbewusste. Lohas, so hiess es, kauften Milch und Gemüse im Hofladen der Ökobauern, führen Fahrrad statt spritfressender Boliden und sie trügen die Kleider der Guten. Von American Apparel.
ImageSchaden wegen Baumwolle
Es dauerte lange Zeit bis die ersten Journalisten misstrauisch wurden. Tatsächlich fanden sie heraus, dass bei American Apparel zwar vieles glänzte, aber einiges davon nicht Gold war. In Downtown L.A. mochte das Leben der Näherinnen angenehmer sein als in den Hinterhof-Fabriken Asiens und Lateinamerikas. Und wer sich die Kleider aus Charneys Imperium kaufte, sicherte kalifornische Arbeitsplätze. Ein Grossteil der Produktion fand jedoch jenseits der Vereinigten Staaten
statt. Rund 70 Prozent der fertigen Stoffe stammten von Drittanbietern, die Baumwolle war – wie die der meisten Textilkonzerne — nicht fair gehandelt und mit Pestiziden traktiert worden, den Grossteil der Materialien färbten Partnerfirmen. Über die Zulieferbetriebe und die Arbeitsbedingungen dort schwieg sich American Apparel beharrlich aus. Charney selbst, der in der Kombination aus Unterhose, Schnauzbart und Sonnenbrille ein ähnliches Bild abgab wie Borat im Herren-Bikini, bekam endgültig ein Image-Problem, als ihn Mitarbeiterinnen wegen sexueller Belästigung anklagten. Er gelobte Besserung. Mehr Biobaumwolle sollte her, Charney zeigte sich häufiger in Jeans und Hemd. Und Grabschen wollte er auch nicht mehr. Trotzdem: Die Berichte wurden kritischer. War American Apparel also doch nicht so gut im ethischen Sinne, sondern vor allem gut im Marketing? Millionen lassen sich die Modekonzerne ihre Image-Kampagnen kosten. Nur über soziale und ökologische Arbeitsbedingungen sagen sie so viel aus, wie wenn uns Beibei und Jingjing, zwei der Olympia-Maskottchen, versichern, China werde künftig Menschenrechte achten und keine Autos mehr kopieren. Gekonnt jonglieren die Werbetexter der Marketingabteilungen in den Umweltund Sozialberichten mit Begriffen wie ‹Nachhaltigkeit›, ‹soziale Verantwortung› oder ‹Umweltstandards›. Die Aussage davon ist gleich null. Zwischen Schein und Sein unterscheiden Gruppen wie die Schweizerische Nichtregierungs-
Der Weg vom Rohstoff bis zum Endprodukt wird nicht von allen Herstellern genau kontrolliert. lllustration: Raffinerie
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organisation ‹Erklärung von Bern› (EvB). Sie entlarven, klären auf, unterscheiden zwischen Vorreitern, Mitläufern und Tricksern. Und 20 Jahre nach dem Start der Clean Clothes Campaign besteht weiterer Aufklärungsbedarf. Dass jemand, der sein T-Shirt beim Modediscounter aus dem Wühltisch zieht, damit nicht gerade zu einem Erstarken von Arbeitnehmerrechten und Ökologie beiträgt, scheinen viele noch nicht begriffen zu haben. Fragen Meinungsforschungsinstitute nämlich nach der Wichtigkeit von fairen und ökologischen Herstellungsbedingungen, kommen dabei erstaunlich hohe Werte heraus. Werte jedenfalls, die das tatsächliche Kaufverhalten nicht widerspiegelt.
Fair Trade Boom im zweiten Anlauf
Dennoch spricht Christa Luginbühl, Leiterin der Clean Clothes Campaign bei der EvB, von einem gegenwärtigen Boom der Bio- und Fair-TradeMode. ‹Bereits in den 1990er Jahren gab es Versuche, Bio-Produkte auf den Markt zu bringen – zu dieser Zeit ist das Angebot aber noch gefloppt›, erzählt sie. Erst im aktuellen zweiten Anlauf fände das Angebot breiteren Anklang. Langsam erkennen auch grosse Modefirmen den Trend, stellen Herstellungsverfahren um, geben Bio-, Öko- oder Ethical-Fashion-Kollektionen heraus. Die Kampagnen der EvB beziehen sich auf eine Verbesserung der gesamten Produktionskette: Abnahmegarantien und faire Rohstoffpreise, soziale Rechte und menschliche Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter bei jedem Arbeitsschritt. Die Textilkonzerne sollen sich selbst und ihre Lieferanten dazu verpflichten, einen Verhaltenskodex einzuhalten. Eigentlich ist dieser Kodex keine revolutionäre Forderung. Denn er umfasst vor allem Normen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Dennoch machen staatliche Behörden in den Herstellerländern Asiens meistens keine Anstalten, ein Einhalten der Regeln zu überwachen. Also setzt die EvB die Textilkonzerne unter Druck, kämpft dafür, dass sie tatsächlich Selbstverpflichtungen eingehen – und diese von Nichtregierungsorganisationen und lokalen Gewerkschaften überwachen lassen. Allzu häufig nämlich schieben Modefirmen die Verantwortung für die Einhaltung von Mindestarbeitsbedingungen an die Lieferanten ab. Werden Fälle von Kinderarbeit oder andere Missstände aufgedeckt, ist das gespielte Entsetzen gross. Dann heisst es: ‹Wie hätten wir das ahnen sollen.› ‹Wir fordern klar von den Firmen, dass sie der Fair Wear Foundation beitreten›, sagt EvB-Aktivistin Luginbühl. Deren Mitglieder müssen sich bei der Herstellung einem strengen Überwachungsmechanismus stellen. Zudem wirbt die EvB dafür, dass Textilkonzerne auch die Rohstoffgewinnung durch das Fair-Trade-Label Max Havelaar zertifizieren lassen. Garantiert werden dabei Mindestpreise für Rohbaumwolle, langfristige Abnahmegarantien, angemessener Lohn und faire Arbeitszeiten für die Bauern. Rund 80 Prozent mehr als Baumwolle aus dem konventionellen Handel kostet der zertifizierte Rohstoff. Ein T-Shirt verteuert sich so um 15 bis 20 Prozent, rechnet Max-Havelaar-Mediensprecherin Regula Weber vor. Ein Aufpreis, den viele Kunden 22
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Moralapostel als Multimillionäre: Ökomode macht reich! lllustration: Raffinerie
Dschungel der Zertifikate
Dank des gewachsenen Bewusstseins verirrt sich der kritische Kunde nun in einem Dschungel der Zertifikate: Industrienorm SA8000, Fair Trade, Sweat-Shop-Free, Local-Made, Recycling, Bio, Öko. Eine Flut an Etiketten soll ‹gut› von ‹weniger gut› unterscheidbar machen und Unbedenklichkeit garantieren. Einige Textil-Hersteller verpassen ihren Produkten auch schon mal eigenmächtig ein ‹Fair-Trade-Etikett› ohne sich von unabhängigen Zertifizierungsstellen überwachen zu lassen. Und häufig wird wieder nur auf einzelne Kriterien geachtet. Wer ein Shirt aus Biobaumwolle kauft, muss daher weiterhin fürchten, dass es in irgendwelchen Hinterhof-Nähereien unter miserablen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass die pestizidfreie Biobaumwolle zum Färben noch ein Chemiebad verabreicht bekam. Bio ist nicht gleich ohne Chemie. Der Kaufrausch mit gutem Gewissen muss dennoch nicht mit einem mehrwöchigen Studium der Zertifikate beginnen. Die EvB-Publikation ‹Prêt à Partager› sorgt für Transparenz im Werbenebel der Textilkonzerne. 29 Bekleidungsunternehmen des Schweizer Bekleidungsmarktes wurden darin auf ihr soziales und ökologisches Verhalten hin überprüft, Vorreiter von Mitläufern und Drückebergern unterschieden. Auch wenn sich generell die Auskunftsbereitschaft verbessert hat, setzen viele Konzerne weiter auf ihre Verschleierungstaktik: ‹Im Schweigen verbündet sich die Allianz zwischen den Markenfirmen und den Kaufhäusern: Die Markenfirmen lassen irgendwo produzieren, und die Modegeschäfte verheimlichen die Herkunft der Ware›, urteilt die EvB. Fragebögen blieben unbeantwortet, veraltete Umwelt- und Sozialreports sollten beschwichtigen – mit den üblichen Floskeln: ‹Wir bekennen uns zu unserer sozialen Verantwortung› oder ‹Wir halten Mindestlöhne ein›. Daneben mehrseitige Reportagen über soziale Projekte, die mit unbenannter Summe unterstützt werden. Wer gehört nun zu den Guten der Textilbranche? Findet der trendbewusste Schweizer überhaupt Ethical Fashion, die gefällt? In England zumindest ist die moralisch unbedenkliche Kleidung, die obendrein nichts an Style vermissen lässt, schon in den Regalen grösserer Ketten wie Tesco angekommen. Kleine Boutiquen mit sauberer Kleidung setzen modische Akzente. Und langsam aber stetig wächst auch in der Schweiz die Auswahl vorzeigbarer Outfits.
Ethischer Fingerabdruck
‹Manche Firmen betreiben wohl nur ethisches Marketing. Wir sind Pioniere in der Umsetzung.› Daniéle Buonocore, Managerin der Lausanner Modefirma Switcher, klingt mit dieser Aussage wie viele in der Branche. Doch die EvB bescheinigt dem Label eine Vorreiterrolle. Switcher ist regelmässig Spitzenreiter im öko-sozialen Ranking der EvB. Seit kurzem geht die Firma nun in die Transparenz-Offensive. Jeden Schritt der Produktionskette kann der Kunde im Internet unter www.respect-inside.org nachvollziehen: Baumwolllieferant,
Spinnerei, Stickerei, Färberei, Konfektion, Exportfirma, Transportunternehmen und Vertrieb. Ein ethischer Fingerabdruck für Kleidung. Klimafreunde finden bei Switcher sogar eine Kollektion ‹CO2-freier› Kleidung. Mit Zertifikaten wird der Kohlenstoffdioxid-Ausstoss von Herstellung und Transport ausgeglichen, erzählt Buonocore. ‹Konsumenten wollen sich verändern und bewusster ihr Geld ausgeben›, ist Switcher-PRFrau Christelle Huwiler überzeugt. Jetzt soll vor allem beim Marketing nachgeholt werden. Soziale und ökologische Aspekte werden künftig stärker beworben. ‹Tue Gutes und rede darüber.› Bis 2012 will Switcher alle Produkte aus Bio-Baumwolle herstellen und von Max Havelaar zertifizieren lassen.
Wie sauber ist sauber?
Alles paletti also? Die Guten sind ausgemacht. Der Stil stimmt. Die richtigen Zertifikate prangen auf dem Etikett. Rein in die Tüte? Es lebe die Macht der Kunden? So einfach wollen es sich einige Subgattungen der Spezies Lohas nicht machen. Sie streiten weiter. Und würden sich auch in einem Philosophie-Hauptseminar an der Uni nicht einig darüber werden, was gute, saubere Kleidung ausmacht. Denn ist es nicht besser, wenn die Kleider in der Schweiz hergestellt werden, weil so heimische Jobs geschaffen werden? Oder ist die Produktion in armen Ländern nicht eine unverzichtbare Art der Entwicklungshilfe? Wäre ein Konsumverzicht nicht ohnehin der beste Weg, weil so Umwelt und Ressourcen geschont würden? Oder gefährdete man als Konsument dann die Wirtschaft und Arbeitsplätze? Um die Baumwolle für ein T-Shirt anzupflanzen werden etwa 2000 Liter Wasser benötigt. Kann es also vorkommen, dass ein Bauer lieber seine Baumwollfelder bewässert und so Nahrung für die verarmte einheimische Bevölkerung immer teurer wird? Sind deshalb synthetische Stoffe vorzuziehen, die auf dem fossilen Rohstoff Erdöl basieren? Die Liste der Streitpunkte liesse sich beliebig verlängern. So fällt bei einigen der Kaufrausch mit gutem Gewissen aus. Aber vielleicht gibt es doch einen Kompromiss für die ganz hartnäckigen unter den Guten. Vielleicht schafft die kanadische Gruppe der Medien-, Werbe- und Konsumkritiker Adbusters Abhilfe. Sie haben einen clubtauglichen Schuh produzieren lassen, der einen vor lauter ethischer Korrektheit schon ganz schwindelig macht. Beim Blackspot Sneaker besteht die Sohle aus recycelten Autoreifen, der Stoff ist Biohanf, alle Materialien wurden fair gehandelt. Gefertigt wird der Schuh in einem Betrieb in Portugal mit starker Gewerkschaftspräsenz. Das Einkommen dort liegt weit über dem Mindestlohn. Und damit der Arbeitseifer der Mitarbeiter nicht überhandnimmt, sind eineinhalb Stunden Mittagspause vorgeschrieben. Keine toten Tiere fürs Leder, keine verhassten Multikonzerne als Profiteure, die Unterstützung einer konsumkritischen Lebenshaltung. Fast 20.000 Abnehmer fand der Sneaker bislang. Um dem Erfolg noch etwas nachzuhelfen, fehlt den Machern nur noch das richtige Marketing. Eine Unterhose – wie bei American Apparel – ist gar nicht nötig.
Die Adbusters-Leute sollten wie Dav Charney auf überflüssige Kleidung verzichten. Nackt kommt der Schuh am besten zur Geltung. Und wenn die Journalisten nicht massenweise zu Adbusters kommen, bleibt noch eine andere Möglichkeit: als Flitzer ab ins nächste Stadion.
Teure Werbung, günstige Produktion
Werden für eine Jeans im Laden 100 Franken hingelegt, erhält die Näherin davon im Schnitt gerade einmal 35 Rappen. Für den Endpreis würde es also kaum ins Gewicht fallen, ihr mit kürzeren Schichten, Urlaubsansprüchen oder einer Gesundheitsversicherung die schweisstreibende Arbeit zu versüssen. Die gesamten Produktionskosten betragen so etwa 15 Franken. Auch das Material ist dabei noch ein recht geringer Kostenfaktor. Ein Kilo konventioneller Rohbaumwolle wird auf dem Weltmarkt mit weniger als 50 Rappen gehandelt. Durch Max Havelaar zertifizierte Baumwolle ist etwa 80 Prozent teurer. Bei Markenkleidung entfallen etwa acht bis zehn Franken auf Werbung und Marketing. Durch ihre Werbeauftritte dürfen sich Stars und Sternchen hiervon einen grossen Teil des Kuchens abschneiden. Damit etwa beim französischen Fussballteam Nike statt Adidas auf der Brust prangt, macht der amerikanische Sportartikelhersteller jährlich angeblich 60 Millionen Franken locker. Die Summe wird an den Kunden weitergereicht. Forschung und Entwicklung schlagen mit zehn Franken zu Buche, Fracht und Steuer mit fünf. Zehn bis 15 Franken streicht die Marke als Gewinn ein. Die Hälfte der 100 Franken für die Jeans ist Handelsmarge und Mehrwertsteuer. Je nach Produktionszahlen eines Produktes unterscheiden sich die Herstellungs- und Vermarktungskosten heruntergerechnet auf ein Kleidungsstück. Ethical Fashion verteuert sich daher häufig wegen einer geringen Produktionsmenge und nicht wegen einer teuren Umsetzung sozialer und ökologischer Arbeitsbedingungen. Jens Dierolf ist Politikredaktor in Süddeutschland. Er hat Politik, Pädagogik und Ethnologie studiert und schreibt für kinki über soziale Themen und seine Reisen. www.evb.ch www.maxhavelaar.ch www.cleanclothes.ch www.adbusters.org www.respect-inside.org
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Zehn Minuten mit Cee-Lo Green C
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Man durchlebt die Gefühle je des Mal von neuem. Das geht gar nicht anders. Das muss auch so sein, wenn man die Songs glaubhaft rüberbringen soll. Erst war das sehr schwer für mich. Aber da sich so viele Leute unsere Alben gekauft ha ben, singe ich jetzt mit viel mehr Selbstvertrauen von meinen düsteren Gedanken. Nun kann ich die Songs singen, weil ich stolz auf sie bin. Das geht nur, weil ich nun weiss, dass mein Elend Gesellschaft hat!
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Cee-Lo, du singst mit Gnarls Barkley sehr persönliche, sehr emotionale Lieder. Wie bewältigt man das auf der Bühne?
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ie viele Gedanken machst du dir im Vorfeld zu dem, was du auf der Bühne präsentierst?
Eigentlich gar keine. Ich muss einfach konzentriert sein und auf die Resonanz des Publikums reagieren können. Denn ich zie he keine Show ab. Ein Gnarls Barkley-Konzert ist keine Auf führung. Ich denke einfach laut und atme aus. Nichts Anderes. Runaway-Bride in Gedanken versunken: Soulmaschine Cee-Lo macht auch ohne seine bessere Hälfte Musik mit Tiefgang.
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kleinen Rucksack – bringt mich in den obersten Stock des Fünfsternehotels Royal Plaza in Montreux. Er scheint leicht unkonzentriert, fragt geschlagene drei Mal, wie die Zeitschrift heisse, für die ich schreibe. Doch bevor sich die Zweifel, ob dieser Herr wirklich der Tourmanager von einer der originellsten Popbands der Jetztzeit ist, konkretisieren können, stehen wir schon in der grössten Suite des Hauses. Ein kleiner, fetter, glatz köpfiger Mann watschelt heran, begrüsst uns, kratzt sich am Hintern und trällert ein ziemlich schwei nisches Liedchen vor sich hin. Dann nimmt Thomas Callaway alias Cee-Lo Green neben uns auf dem Balkon mit Blick über den Genfersee Platz.
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ein erstes Soloalbum trug den Titel ‹Cee-Lo Green... Is The Soul Machine›. Kannst du das Dain unscheinbarer Jüngling – die Turnschu tum benennen, an dem sich der Rapper in die he ungebunden, auf dem Rücken einen Soulmaschine verwandelt hat?
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Hm... ich schätze mal, das war an dem Tag, an dem das Album erschienen ist. Ich wusste, dass ich in dem Moment, in dem ich mich als Soulmaschine bezeichne, auch als solche funktionieren muss. Offensichtlich ist mir das auf einem Album nicht abschliessend gelungen. Wenn man sich die beiden Gnarls Barkley-Alben anhört, merkt man relativ schnell, dass ich nun deutlich mehr zu bieten habe.
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uf der Bühne ist Gnarls Barkley eine siebenköpfige Sixties-Soulband. Wie schwer ist es, die Computersongs mit der Band umzusetzen?
Das ist nicht wirklich schwierig. Dafür haben wir sehr wenig Zeit benötigt. Aber ich finde es schon spannend, wohin das Ganze geführt hat. Wir hatten ja ursprünglich gar nicht die Absicht, unsere Songs mit einer Band zu spielen oder gross zu touren. ‹St. Elsewhere›, unser erstes Album, haben wir komplett selber finanziert.
anger Mouse kannte damals noch kaum jemand.
Genau. Ich würde fast wagen zu behaup ten, dass ich Danger Mouse entdeckt habe. Ich habe sehr früh gemerkt, dass wir eine speziel le Chemie haben. Gleich vom ersten Beat an, den ich von ihm gehört habe, hat mich seine Mu sik unglaublich stark angezogen. Mehr als es meine eigenen Produktionen je getan haben. Wir sind wirklich seelenverwandt. inter deinen Stücken stehen oft düstere, depressive Gedanken. Ist deineMusik eine Form der Therapie?
Wenn ich hier so über den Genfersee blicke, dann muss ich sagen: ja! Ohne die Musik wäre ich schliesslich nicht hier. Das ist genau der Ort, an dem ich sein will. Ich will diesen Luxus. Und ich will weiter mit Danger Mouse Musik machen. Gott hat meine Gebete erhört. Interview und Text: Adrian Schräder Foto: Promo
THE R1G1 nixonnow.com
TURN BACK TIME
SOFT WARRIORS Airsoft, auch Softair genannt, ist laut Definition die Bezeichnung für ein taktisches Geländespiel. Bei diesem wird mit massstabgetreuen Waffenrepliken gekämpft. Die Geschichte von Airsoft hat ihre Wurzeln in Japan und ist mittlerweile längst auch hierzulande weit verbreitet.
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ls die USA Japan nach dem zweiten Weltkrieg besiegt hatten, wurden Schusswaffen für die japanische Zivilbevölkerung gänzlich verboten. Daher wich die japanische Industrie auf Waffenrepliken aus Kunststoff aus und brachte funktionstüchtige Waffennachbauten auf den Spielzeugmarkt. Ein immenser Umschlagplatz für Waffenenthusiasten war geboren und der Airsoftmarkt in Asien expandierte mit grosser Geschwindigkeit. Ständige Neuerungen der entwickelten Waffen machten diese immer mehr zu technisch hochentwickelten Kampfspielzeugen.
zählt wohl auch das Nachahmen von Vorbildern. So investieren besonders ambitionierte ‹Kämpfer› viel Zeit und Geld in teure Ausrüstungen, um ihren Kriegshelden in Gestalt und Aussehen möglichst zu entsprechen. Mitllerweile bieten unzählige Shops vom Einsteigerset bis hin zu originalen Kriegsutensilien wie beispielsweise Funkgeräten alles für den Airsoftliebhaber feil. Der ‹Air Soft Verband Deutschschweiz› und die ‹Fédération Romande Air Soft› bilden seit ihrer Fusion im Oktober vergangenen Jahres die grösste Airsoftgemeinschaft der Schweiz und fungieren als gesamtschweizerischer Dachverband namens ‹Swiss Air Soft Federation›. Diverse Klubs machen sich im ganzen Lande breit und gewinnen mehr und mehr an Popularität. Solche Klubs bieten Airsoft-Begeisterten die Möglichkeit, sich mit anderen Kampflustigen auszutauschen, sich im Netz zu treffen, auf dem Feld oder im Wald in KampfDie Amerikanische Besatzungsmacht war es montur gegenüberzutreten und zu bekriegen. dann schliesslich, die diese Spielzeuge zu uns in den Westen brachte. Der Begriff ‹Airsoft› wurde gleich mitimportiert, das Interesse daran mit wachsender Begeisterung dankbar annektiert. ‹Airsoft› mutierte auch hierzulande zu einem gängigen Hobby, einem Geländesport, der Taktik und Geschicklichkeit abverlangt. Ein Spiel mit re- In der Nähe von Huttwil begleitete der junge Beralem Kriegscharakter und beängstigend genau ner Fotograf Beat Schweizer Teams während einachempfundenen Waffenimitaten, in dem sich nes nachgestellten Kriegsszenarios mit seiner Teams oder Einzelkämpfer in einem fairen, organi- Kamera. Er portraitierte auf eindrückliche Weise sierten Kampf begegnen. Regeln sind klar defi- junge Männer, deren Leidenschaft dem Kampfgeniert, Regelverstösse können Spielfeldverweise schehen gilt und fügte die festgehaltenen Mofür die einzelnen Teilnehmer zur Folge haben. Zie- mente in seinem Essay ‹Soft Warriors› zusamle des Wettkampfes gehen vom Halten der Flag- men. Ein aufgestelltes Schild mit der Aufschrift ge bis hin zur Eroberung von Objekten, je nach ‹Wir inszenieren ein taktisches Teamszenario und Schweregrad des angesagten Wettstreites. Die spielen nicht Krieg!› sollte die Teilnehmer stets Treffer sind jeweils von den Angeschossenen daran erinnern, dass sie sich auf einem Spiel- und selbst anzusagen, da, anders als bei ‹Paintball›, nicht Kampffeld befinden. Entstanden ist eine Bilnicht Farbkugeln, sondern 6 mm grosse, harte derreihe, die eine gewisse Absurdität beinhaltet und den Betrachter den Schildhinweis für einen Plastikkugelschosse abgefeuert werden. Laut Spieler sollte der Spassfaktor, aller Ähn- kurzen Augenblick vergessen lässt. lichkeit mit einer militärischen oder polizeilichen Fotografie: Beat Schweizer Einheit zum Trotz, im Vordergrund stehen. Dazu Text: Isabelle Haklar
Ballern nach allen Regeln
Ist es Krieg oder doch nur Spiel?
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Wen erwischt’s wohl heute? Ein Softwarrior auf dem Weg in den Kampf.
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Zeig’s mir! Im Wohnzimmer krachen HipHop-Beats aus den
Lautsprechern. Betrunkene Jugendliche grölen die Songtexte mit und tanzen ausgelassen. Eine Gruppe von Party-Gästen misst sich im Wettsaufen. Im Garten hinter dem Haus hat sich eine Menschentraube gebildet. Unter Pfiffen und Anfeuerungsrufen winden sich drei nackte Körper am Boden, gelegentlich erhellt vom Blitzen der Digitalkameras.
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wei Mädchen und ein Junge sind enthusiastisch damit beschäftigt, sich gegenseitig zu lecken, zu masturbieren und zu penetrieren. Es ist eine Szenerie, wie sie dieser Tage häufig an amerikanischen College-Parties anzutreffen ist. Der neueste Party-Trend in den USA sind Blow-jobs und Gruppensex. Zwar wurden Partys schon seit jeher als Gelegenheit zu betrunkenem Sex genutzt. Während man sich früher aber in ein separates Zimmer zurückzog, wird der Akt heute immer öfter vor allen Party-Gästen vollzogen. Es geht somit weniger um den Sex an sich, sondern vielmehr um seine öffentliche Zurschaustellung. Der performative Aspekt der Sexualität rückt ins Zentrum. Für die Akteure ist es eine Art Mutprobe, durch die sie aus ihrem geregeltem Alltag ausbrechen können. Öffentlicher Sex als letzte Möglichkeit, Nonkonformität auszuleben in einer Gesellschaft, die kaum noch Tabus kennt. Gleichzeitig ist es auch ein Weg, um bleibt, liegt auf der Hand. Stars Feedback zu erhalten über die eigene Attraktivität und Starlets wie Britney Spears und Liebhaber-Qualitäten. oder Paris Hilton machen es vor. Wenn man nicht mit neuen Songs von sich reden machen kann, tut’s auch das Herzeigen der eigenen Intimrasur. Ein Sex-Tape, zur rechDer Trend zu sexuellem Exhibitionismus ist Teil ei- ten Zeit auf YouTube platziert, verner allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung, leiht so mancher ins Stocken gerabei der das Private immer mehr öffentlich wird. tenen Karriere neuen Auftrieb. Die Seit Anfang der 1990er Jahre sind Reality-TV For- Veröffentlichung von pornographimate im Fernsehen geradezu explodiert. Heute schen Bildern hat sich mittlerweile gibt es kaum noch einen Bereich des Lebens, der zur veritablen Marketing-Strategie nicht von Reality-TV Kameras eingefangen und entwickelt. Was noch vor kurzem dem prüfenden Blick der Zuschauer vorgesetzt als skandalös galt, ist heute zunehwird. Mit dem Web 2.0 ist Selbstdarstellung zum mend normal. Die Blowjob-Technik Massenphänomen geworden. Auf YouTube, Flickr von Paris Hilton wird in Online-Foren und Facebook geben Normalo-Bürger Einblick in genauso ausführlich diskutiert wie ihr Privatleben. Präsentieren und bewerten ist das ihr neuestes Kleid oder ihre Frisur. Kredo einer zunehmend auf das äussere Erschei- Sex als Mittel zur Selbstdarstellung und Identitätsnungsbild fixierten Kultur am Anfang des 21. Jahr- konstruktion ist damit in den popkulturellen Konhunderts geworden. Heute gilt: Nur was für alle text eingetreten. sichtbar und damit verifizierbar ist, ist wahr. Erst in Einen ersten Höhepunkt erreichte die Pornoder vollkommenen Zurschaustellung der intimsten Welle um die Jahrtausendwende, als der Porn-Chic Details sind wir ganz wir selbst. Dass auch Sexu- in der Mode-Branche aufkam. Für Werbekampagalität von dieser Entwicklung nicht ausgespart nen bedienten sich Mode-Labels wie Gucci und
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Sisley einer Bildsprache, die sich hart an der Grenze zur Pornographie bewegte. Hauptakteur des Porn-Chics war der Fotograf Terrry Richardson. Sein Markenzeichen war es, Fashion-Models bei echtem Sex abzulichten. Richardson fotografierte mit einer einfachen Snapshot-Kamera, wodurch die Bilder simplen Amateuraufnahmen glichen.
College Girls Gone Wild
Heute ist die Amateur-Ästhetik im Web allgegenwärtig. Immer mehr ‹normale› Menschen fotografieren sich beim Sex und stellen die Bilder online. Sex ist zu einem Mode-Statement geworden, durch das man sich selbst ausdrückt und anderen seine
Persönlichkeit offenbart. Sexueller Exhibitionismus hat sich als schicker Tabubruch im Mainstream etabliert – und wurde damit zu einem Massenphänomen. Für die leicht zu beeinflussenden Kids in den USA ist es nur natürlich, den medialen Vorbildern nachzueifern und Exhibitionismus als neusten Fashion-Trend aufzugreifen. Die Situation ist ver-
gleichbar mit den 1950er Jahren, als die damaligen Jugendlichen den Rock’n’Roll für sich entdeckten. Der Rock’n’Roll-Tanzstil stand für Nonkonformismus, Wildheit und das Übertreten von sittlichen Normen und Werten. Heute braucht es keinen Tanz mehr, um diese Botschaft zu transportieren. Die moralischen Masstäbe haben sich verschoben: An die Stelle des Tanzes ist der sexuelle Akt getreten. Bereits haben findige Unternehmer einen Weg gefunden, um aus der sexualisierten Kultur Kapital zu schlagen. Überaus erfolgreich ist die DVD-Serie Girls Gone Wild: Betrunkene Jugendliche werden auf Partys bei sexuellen Ausschweifungen gefilmt und so als Real-Life Pornostars in Szene gesetzt. Joseph Francis, der Erfinder und Produzent der Serie, fährt mit seinem Filmteam von College-Stadt zu College-Stadt, immer auf der Suche nach der ausgelassensten StudentenFete. Dort werden Mädchen animiert, sich für die Kamera auszuziehen oder mit ihren Freunden zu schlafen. Zur Belohnung gibt’s ein T-Shirt. Obwohl hierzulande kaum bekannt, hat sich Girls Gone Wild in den USA zu einem regelrechten Kult entwickelt. Die Filmteams werden an College-Parties richtiggehend von jungen Frauen bedrängt, die vor der Kamera in Aktion treten wollen. Von einem Mangel an zeigefreudigen Kandidatinnen kann somit keine Rede sein. Auf den Grund angesprochen, warum sie sich beim Sex filmen lassen, antworten die meisten Girls Gone WildTeilnehmerinnen, dass es ihnen um den Spass gehe oder darum, etwas ‹Verrücktes› zu tun. Für manche ist es auch eine Bestätigung dafür, dass sie körperlich attraktiv oder gut im Sex sind. In den Girls Gone Wild-Videos werden oft die körperlichen Merkmale oder die sexuellen Techniken der Akteure thematisiert. Das Filmteam kommentiert beispielsweise das Aussehen der Geschlechtsteile oder die Blow-job-Technik. Somit hat der sexuelle Exhibitionismus auch eine Komponente der Selbstversicherung. Durch die Kommentare und Reaktionen der Umstehenden werden Fragen wie ‹Sehe ich gut aus›, ‹Mache ich es richtig?› und ‹Bin ich gut genug?› indirekt beantwortet. Damit funktioniert Girls Gone Wild wie eine pornographische Version von Deutschland Sucht Den Superstar oder Germany’s Next Top Model. Der Sex ist die zu bewertende Darbietung und die Umstehenden geben die Jury. Anstatt eines Platten- oder Modelvertrags kriegen die Teilnehmerinnen ein T-Shirt, welches sie als Trophäe und Beweis für die eigene Hemmungslosigkeit herzeigen können. Da die meisten Teilnehmerinnen von Girls Gone Wild bei ihren Aktionen betrunken und damit unzurechnungsfähig sind, ist die DVD-Serie umstritten. Es gab mehrere Gerichtsverfahren wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten. In Anbetracht der grossen Menge an DVD-Veröffentlichungen ist die Zahl der Klagen jedoch verschwindend gering. Pro Jahr macht die DVD-Serie geschätzte zehn Millionen Dollar Umsatz. Joseph Francis ist mittlerweile Multimillionär mit mehreren Villen und einem eigenen Privatjet. Mit einem solch erfolgreichen Produkt liegt es nahe, das Geschäftsfeld zu diversifizieren: In Planung ist eine Girls Gone Wild Modelinie sowie eine Restaurantkette unter demselben Label. Exhibitionismus und
Promiskuität werden damit zu einem massenkompatiblen Lifestyle Brand. Anders als beim Porn-Chic sind nicht mehr Models die Pornostars, sondern die Studentinnen aus der Parallelklasse. Sexueller Exhibitionismus ist endgültig in die Sphäre des Alltäglichen eingetreten. Willkommen beim Intimitäts-Fetischismus des 21. Jahrhunderts – bei dem öffentlicher Sex nichts weiter ist als eine weitere Plattform zur Selbstdarstellung. Max Celko ist Journalist und Autor von Dokumentarfilmen. Seine Themenschwerpunkte sind gesellschaftliche Trends und neue Entwicklungen in Medien, Marketing und Technologie. Max studierte Medienwissenschaft und Film in Zürich, Berlin und Peking.
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querschläger
reverend beatman: ‹rock’n’roll ist mehr als elvis› Was viele Leute vielleicht über raschen mag, ist, dass du eigent lich fast jede Art von Musik hörst. Obwohl du selbst seit über zwanzig Jahren Blues und Rock’n’roll spielst, ist dein Musik geschmack alles andere als einseitig.
Und schlugst dein Publikum zusammen?
Meistens schlugen die Zuschauer mich zusammen. Irgendwann brach ich mir an zwei Stellen den Rücken und verlor für ein Jahr meine Stimme. Mein Arzt sagte mir, wenn ich nicht bald mit diesem Nightclub-Wrestling aufhören würde, bliebe mir wohl nicht mehr allzu viel Zeit auf dieser Erde. Ich überlegte mir daraufhin, wie man diese Message etwas anders rüberbringen könnte und liess mich dabei von der Anziehungskraft amerikanischer Fernsehprediger inspi rieren. Diese Prediger reden oft nur in Stichworten oder Phrasen, doch die Art wie sie dadurch die Menschen in ihren Bann ziehen, verblüffte mich.
Das ist richtig. Ich höre durchs Band weg alles. Sei das nun Drum’n’Bass, Jazz, Klassik…momentan habe ich eine Vorliebe für Musik vom Anfang des letzten Jahrhunderts, alles von 1900 bis 1912 etwa. Auch Marschmusik und griechische ‹Gossenmusik›…jedes Land hat so viele Musikrichtungen zu bieten. Zum Beispiel auch der Ländler hier in der Schweiz. Der wurde ja ur sprünglich von fahrenden Völkern in unser Land gebracht. Allerdings hat man diese Musik dermassen ‹weich- Fühlt man sich als One-ManBand eigentlich nicht manchmal gespült›, dass man sie heute kaum sehr alleine? mehr erkennt. Doch, das tut man. Das ist der einWie wurde die Figur des musizie zige Nachteil, wenn man als renden Wrestlers ‹Lightning One-Man-Band unterwegs ist. DarBeatman› zum streng katholischen um nehme ich meistens andere Prediger ‹Reverend Beatman›? Leute mit auf Tour. Eine One-ManMan findet zahlreiche Legenden Band mit fünf Roadies (lacht)! zu diesem Thema. Natürlich ist es viel geiler mit deiAuf die Idee eine One-Man-Band zu nen Bandkollegen zusammen gründen kam ich dadurch, dass und auf Tour zu gehen: man darf dreckig nachdem ich schon einige Jahre lang reden, hat Spass…ausserdem mit den Monsters unterwegs gewesen saugt einen das Publikum nach eiwar. In einer Band gilt Demokratie, nem Auftritt manchmal auch die eigene Idee lässt sich nicht immer extrem aus, jeder will etwas von dir. und vor allem nicht sofort verwirkliNatürlich finde ich das super, chen. Als ich in Amerika einen mexika- dass die Menschen interessiert an nischen Wrestlingkampf miterlebte, mir und meinem Leben sind, kam mir die Idee des ‹Lightning Beataber nach einer anstrengenden man›: ich würde alleine Musik machen Show ist das manchmal schon uch wenn er es nicht ger- Du hast Fans auf der ganzen Welt, und gleichzeitig gegen mich selbst schwierig, wenn man ganz alleine kämpfen. Ich ging also in einen Sexshop, ist und jeder irgendwas von einem ne hört: Reverend Beat- spielst Shows in Berlin und New man ist eine lebende York und tourst mit den Monsters kaufte mir eine solche Maske und erfahren will. Rock’n’Roll-Legende! Er immer wieder durch Europa. Hast fing an, auf Tournee zu gehen. Die Show Beatman, 41, veröffentlichte mit ‹The ist Sänger und Gitarrist der ‹Monsters›, du nie ans Auswandern gedacht? war ein einziges Chaos, das Ganze ‹Die Zorros›, ‹The Coronets›, Produzent, Chef des Labels ‹Voodoo Früher gab es zwei Dinge, die ich un- hatte wenig mit Musik zu tun, eigentlich Monsters›, sowie als ‹Lighnting Beatman› und ging es mir nur darum, das Publikum Rhythm›, Grafikdesigner, Schauspieler bedingt erreichen wollte: schwarz ‹Reverend Beatman› über fünfzig Tonträ ger. Wenn er nicht gerade auf Tour ist, und allein erziehender Vater, und ge- sein und auswandern! Als ich auf Tour wach zu rütteln. Dadurch dass viele lebt und arbeitet er in Bern. Beatmans Fans mir damals nachreisten, wollte niesst auch als One-Man-Band gro- die Welt kennen lernte, wurde mir aktuelle Videoclipsammlung (alle von ssen Erfolg in- und ausserhalb der sehr schnell bewusst, dass ich weiss ich die Vorstellung von Show zu Show unterschiedlichen Regisseuren realisiert!) heisst ‹Reverend Beatman: Surreal extremer werden lassen, denn ich bin, ausserdem merkte ich – vor Schweiz. Folk Blues Gospel Trash Vol. 3› und ist Beatmans Wohnung trägt die Zei- allem als mein Sohn zur Welt kam – konnte denen ja nicht jeden Abend unter www.voodoorhythm.com erhältlich. chen seiner Laufbahn. Plakate der Mons- wie schön wir es hier in Bern haben. dasselbe Spektakel vorführen. Ich ters, Gitarren, Platten und Poster aus den Meine Freunde leben hier und abschlug mich mit dem Publikum, verliess Interview und Text: Rainer Brenner Foto: Daniel Tischler Fünfzigerjahren schmücken die Wände. gesehen von den ‹Bünzlis› sind auch nach den Auftritten jeweils blutüberströmt die Bühne. Ich brach mir die Er führt uns in die Küche, wo sein die Menschen hier sehr interessant. Sohn Chet gerade mit seinem Schul- Das Traurige daran ist, dass man das Nase, die Arme und kostete die Re aktionen der Zuschauer trotzdem aus. freund zu Mittag isst. Nachdem die Kin- anscheinend gar nicht wirklich Ich spielte über fünf Jahre hinweg under wieder in die Schule aufgebrochen wahrnimmt, alle richten ihren Blick sind, kehrt Ruhe ein im Hause Beatman. immer nur aufs Ausland. gefähr dreihundert Konzerte pro Jahr…
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Jesus rides a Rollercoaster In der Region Heidelberg soll in den nächsten Jahren ein biblischer Themenpark mit dem Namen ‹GenesisLand› entstehen. Kindern und Jugendlichen soll dort mittels Achterbahnen und Multimediashows die heilige Schrift näher gebracht werden. kinki sprach mit Gian-Luca Carigiet, seines Zeichens Kreationist, Unternehmensberater und PR-Assistent des Allmächtigen.
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nser Hauptziel ist es, den Leuten aufzuzeigen, dass wir die Kinder einer biblisch-abendländischen Kultur sind. Das Projekt ‹‹Genesis-Land›› soll ein kulturhistorischer Themenpark werden, wo man den Menschen die biblischen Geschichten näher bringt. Und zwar so, wie sie geschrieben stehen›, umschreibt Carigiet seine Mission. Seine laute Stimme donnert in breitem Graubündner Dialekt ins Telefon. ‹Natürlich sollen die Besucher den Park abends mit einem guten Gefühl im Bauch verlassen›, lacht der selbstständige Unternehmensberater. Herr Carigiet redet gerne über die Planung seines Themenparks, auch wenn er von der deutschen Presse in den letzten Monaten alles andere als positives Feedback kriegte. Carigiet ist einer jener Menschen, deren ‹wieso auch nicht?› die Menschen verstummen lässt. Ein Querdenker, der sich weder von der katholischen Kirche, noch von kommerzfeindlichen Atheisten den Weg versperren lässt. Unbeirrt bewegt er sich entlang dem Wort Gottes und findet darin immer wieder Anhaltspunkte, die ihn in seinem Vorhaben bekräftigen. Auf dem schmalen Grat zwischen Kommerz und christlicher Moralerhaltung wandeln nicht viele, das weiss er. Dennoch scheinen genügend Privatinvestoren von seiner Vision eines multimedialen Bibelparks angetan zu sein, so dass die wichtigsten biblischen Geschichten schon bald irgendwo im Neckargebiet in den Boden gestampft werden dürften. Bei der Wahl des genauen Standortes
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lässt sich Carigiet jedoch Zeit, denn er möchte eine Gemeinde finden, die zu einhundert Prozent hinter seinem Projekt steht, denn ‹alles andere ist wie Perlen vor die Säue zu werfen, kennen Sie das?› Carigiet zitiert gerne aus der heiligen Schrift. Für ihn ist sie weder altmodisch noch steht darin irgendwo ein Wort, das ihm ein derartiges Projekt verbieten würde, ‹denn schliesslich brachte uns Jesus ja die frohe Botschaft, oder?› Der hohe Anteil an privaten Geldern dürfte für Carigiet vor allem in schwierigen Zeiten einen Vorteil bieten, da private Financiers – im Vergleich zu Banken – oftmals eine Weiterfinanzierung unterstützen. Selbst wenn der Park längerfristig rote Zahlen schreiben sollte, würde dies nicht zwangsläufig den Untergang des Projekts bedeuten.
Am Anfang war das Wort…
Angefangen wird mit der Arche Noah, dem scheinbaren Sinnbild und Zentrum des ‹Genesis-Landes›. Die Idee, einen solchen Nachbau zu wagen (die Masse entnimmt Carigiet selbstverständlich der Bibel), kam ihm im Laufe des Niedergangs des Mistery-Parks. ‹Warum nicht ein biblischer Themenpark?›, dachte sich Carigiet und spann seine dreidimensionale Bibelvision immer weiter: Mittagessen auf dem Turm zu Babel, Souvenir-Shopping im alten Jerusalem, Wildwasserfahrten in sintflutartigen Gezeiten und ein 3-D-Spektakel zur Passion Christi! Auf seiner Homepage präsentiert er animierte Rundgänge durch die Pavillons ‹Erde›, ‹Wasser›, ‹Wind› und ‹Feuer›. Letzteres steht sinngemäss der Hölle zu und soll den Besuchern wohl den sündhaft adrenalinhaltigen Anstoss zum Wiederkommen versetzen. Jauchzend werden sich die Kinder dort in Satans feuerspeienden Rachen werfen, um danach von ihren Eltern mit einem bigotten ‹Psst!› ermahnt zu werden, wenn sie nach einer weiteren Fahrt in der apokalyptischen Geisterbahn verlangen. Doch anfangen will man klein, das ist klar. Erst die Arche, dann der Rest. ‹Das Projekt, so wie es auf der Homepage abgebildet ist, würde uns ungefähr zweihundert Millionen Franken kosten. Unsere Berater raten uns daher, klein anzufangen und den Gewinn in die Weiterentwicklung des Parks zu investieren›, so Carigiet. ‹Genesis-Land› wird nach seiner endgültigen Fertigstellung in zwölf Themenbereiche unterteilt sein. ‹Genau wie die Bibel selbst. Nur zwei Themenbereiche umfassen Schöpfung und Sintflut›. Dennoch trägt Carigiets Park in Symbolik und Namen die Zeichen der so genannt kreationistischen Bibelauslegung. Um zu verstehen, warum ‹Genesis-Land› gerade ‹Genesis-Land› heisst und nicht ‹Gott-Land› oder ‹Bible-Parc›, bedarf es allerdings eines genaueren Blicks auf Carigiets Lebensgeschichte.
Darwin der Lügner
Mitte Dreissig durchlebte der Unternehmensberater eine wegweisende Lebenskrise, durch welche er zur heiligen Schrift fand. Als Spross einer gläubigen Familie fiel es ihm nicht schwer, Rat und Antwort für seinen ins Stocken geratenen Lebensweg in der heiligen Schrift zu finden. Was GianLuca Carigiets Glauben jedoch von dem der meiskinki 39
ten anderen Christen unterscheidet, ist seine streng textorientierte Leseweise der Bibel: seiner Meinung nach sollte man das Wort beim Wort nehmen. Viel Platz für metaphorische Interpretationen und zeitgemässe theologische Ansätze bleibt da nicht. Was in der Bibel steht, ist für den geläuterten Unternehmensberater aller Interpretationen unwürdig, denn die Inspiration der Schreiber kam schliesslich direkt vom Allmächtigen selbst. So hat er auch für die unzähligen Urknalltheorien und Evolutionsbeweise nur ein müdes Lächeln übrig: ‹Ich lehne die Evolutionstheorie nicht aus glaubenstheoretischen, sondern aus wissenschaftlichen Gründen ab! Leben kann unmöglich aus Zufall entstehen. Das wurde noch nie beobachtet. Es gibt also weder empirische noch experimentelle Beweise, die für die Evolutionshypothese sprechen würden. Somit bleibt die Evolution nichts mehr als eine Hypothese, genau wie die Schöpfung. Allerdings ist die Schöpfung der logischere Entwurf.› Carigiet widmete zehn Jahre seines Lebens dem Kampf gegen die Alleinherrschaft der Darwinschen Evolutionstheorie, schrieb ein Buch zu diesem Thema und gründete den Verein ‹Pro Genesis›, mit welchem er sich für die Akzeptanz der biblischen Schöpfungstheorie als ernstzunehmenden wissenschaftlichen Entwurf einsetzt. Der Verein lässt sich vielleicht am trefflichsten als eine Mischung zwischen Freikirche und Rebellentruppe umschreiben. Literatur und DVDs sollen den Webshopbesucher davon überzeugen, dass die Entwicklung vom Affen zum Menschen nichts weiter als eine ‹narzisstische Weltanschauung ist, welche uns als Tatsache verkauft wurde›. Trotz aller Überzeugung plädiert Carigiet allerdings immer wieder für Glaubensfreiheit, zumindest innerhalb des Christentums: sein ‹Genesis-Land› darf betreten, wer den Eintritt bezahlt.
Bibelfundamentalismus?
Pierre Bühler, Professor am theologischen Institut der Universität Zürich steht dem Projekt ‹GenesisLand› skeptisch gegenüber. Er sieht sehr wohl einen Zusammenhang zwischen ‹Genesis-Land› und Carigiets kreationistischem Glauben und zwar in der fundamentalistischen Bibelauslegung, welche beiden zu Grunde liegt. ‹Die Bibel wurde vor sehr langer Zeit geschrieben, man muss dieses Buch heute auf andere Weise lesen und verstehen, als es die Menschen vor uns getan haben.› Trotzdem spricht er dem Themenpark reelle wirtschaftliche Chancen zu. ‹Leider verfügt die Theorie des Kreationismus in Amerika bereits über sehr viele Anhänger, die es sich wahrscheinlich nicht entgehen lassen werden, diesen Park zu besuchen. ‹‹Leider›› sage ich deshalb, weil ich denke, dass sich die Bibel nicht an den Wissenschaftler, sondern an den gläubigen Menschen richtet und uns somit keinerlei Aufschluss über Themen wie den Urknall oder die Evolution geben will, zumindest nicht in wissenschaftlicher Art und Weise›, meint Bühler. Doch von derlei Kritiken lässt sich Gian-Luca Carigiet nicht die Vorfreude verderben. Immer wieder lacht er schallend in den Telefonhörer, vor allem als er die Anekdote des Theologen erzählt, der sich in den Medien zuerst so unverschämt negativ zu seinem Vorhaben geäussert hatte, auf die 40
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Frage, ob er den Themenpark denn selbst besuchen würde, dann allerdings mit einem schnellen und klaren ‹Ja, selbstverständlich!› geantwortet haben soll. ‹So etwas wie das ‹‹Genesis-Land›› gibt es nirgendwo sonst auf der Welt! Viele Menschen werden sich das ansehen wollen, egal ob es ihnen gefällt oder nicht›, freut sich Carigiet.
The People vs. Carigiet
‹Genesis-Land› wird kommen, so viel ist sicher. Sollte sich eine Gemeinde definitiv für die Realisierung dieses Projekts öffnen, so steht sie zwar anfangs sicherlich im kritischen Rampenlicht der internationalen Medien, wird sich jedoch für die nächsten Jahre auch reichlich die Taschen mit dem Geld der zahlreichen Touristen füllen dürfen, die das Neckargebiet Jahr für Jahr aufgrund seiner denkwürdigen Städte und der wunderschönen Landschaft besuchen. Auch zahlreiche Freigeister und Gegner dieses Projekts werden sich in die Cars schleichen, da bin ich mir sicher. Sei es um Fragen zu stellen, sich das Ganze einfach einmal anzusehen oder einfach nur zum Achterbahnfahren. Es fragt sich also, was man denn Gian-Luca Carigiet für sein Projekt wünschen sollte. Viel Glück? Gottes Segen? Oder vielleicht doch eher eine Erleuchtung? Carigiet ist sich sicher, dass auch der Erlöser an diesem Park seine Freude haben würde: ‹Ich denke, Jesus würde meinen Park besuchen.› Na dann… Rainer Brenner ist redaktioneller Mitarbeiter beim kinki-Magazine. Er studiert Germanistik und Theaterwissenschaften in Zürich und Bern, liest selten in der Bibel, geht nie zur Kirche und würde sich selbst dennoch nicht als Atheisten bezeichnen. Für weitere Info und Links zum Thema: www.genesis-land.ch, www.pro-genesis.ch Illustration: Raffinerie
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cd check
nach diesem sound wirst du süchtig
Ob in der Hitze der Nacht oder auf dem höchsten Berg – man sollte jederzeit in seiner Musikwahl gut beraten sein. Damit du, verehrter Leser, nicht selbst in den CD Dschungel reisen musst, haben wir unseren todesmutigen Reviewnator Florian ‹Henne› Hennefarth ins Dickicht geschickt. Auf der Henne Skala von 1 bis 10 – hier sind die Gewinner:
Eindruck leider ein wenig. Dennoch begeht ‹Romance At Short Notice› nicht den derzeit allzutypischen Fehler, immer einen draufsetzen zu wollen und die Ohrwurm-Maschinerie im Dampfhammerformat am Laufen zu halten. Weniger ist manchmal eben mehr, das haben auch Dirty Pretty Things verstanden. Mainstreamsongs verschmelzen mit Indierock der traditionellsten Sorte, Gassenfeger aus der Britpop hochphase reihen sich in ein modernes Album der stärkeren Sorte. ‹Romance At Short Notice› ist mit Sicherheit nicht das im Vorfeld angepriesene Meisterwerk. Eine kurzweilige Platte ist sie dennoch. Auch ohne Spritze im Arm.
Das hatte jedoch auch Gründe. Fräulein Palmer war nämlich alles andere als ein beliebtes Kind. Der wahrscheinlich aus dieser ‹Freund losigkeit› resultierende Wahsninn schlägt sich nun in Amanda Palmers erstem Langspieler ‹Who Killed Amanda Palmer› nieder... Während sich Amanda Palmer in ihrem Zweitprojekt Dresden Dolls gemeinsam mit Brian Viglione noch dem Punk'schen Gothickabbaret im Pop-Gewand widmete, zelebriert die zur ‹stylishsten Frau Bostons› Dirty Pretty Things: gekürte Musikerin und Lyrikerin auf Romance At ihrem ersten Solo-Langspieler Short Notice alternativen Indiepop fernab von alWährend Pete Doherty lem was Mainstream jemals be von der Musikpresse deutet hat. Extravaganter Gesang, gerne mal als Möchteschrille Arrangements, klassische gern-Genie abgehandelt wird, Pianolinien, walzerartige Bläserattagilt Carl Barat als das attraktivere und cken, wie sie schon gegen Ende auch talentiertere Überbleibsel der Zwanzigerjahre zelebriert wurden der einstmaligen Indie-Kultband Liberund das immer wiederkehrende tines. Dirty Pretty Things heisst Thema der Sexualität in den Texten Barats neues Baby. Und der kleine Popder bekennenden bisexuellen SänSchreihals ist auch wirklich zum gerin machen ‹Who Killed Amanda Knuddeln süss – aber auch ein bissPalmer› zu einem Album, das chen frech. schon mehrere Anläufe benötigt, um Mit ‹Romance At Short Notice› ge seine volle Wirkung zu entfalten: lingt dem hübschen Ex-MasterWenn zum Grande Finale von Austmind hinter den Libertines ein wahrronaut die Gitarren ausbrechen lich ambitioniertes Album. Eines und die Streicher eine regelrechte das vor Hits nur so funkeln möchte, Soundwand der Melancholie er Amanda Palmer: eines das sich in die Reihe der richten, fühlt man sich als Hörer dann Who Killed Amanda grössten Indieplatten einreihen mag, schon etwas überrumpelt. Wenn Palmer eines das einzig und allein an sich der rhythmische Gesang von Runs In Zuweilen erreicht der selbst scheitert. Ausgefeilte ArrangeThe Family urplötzlich von hoch Aberwitz wunder ments, rotzfreche Texte, die nur trabenden Violinen, epischen Schlagschöne Ausmasse. Zu- zeugfills und Synthiegedudel, das allzu amüsant gegen das britische mindest im Falle Amanda Palmers. Königreich wettern und die marpassend unpassender nicht sein kant schrammeligen Gitarrenriffs bie- Obwohl sie das Notenlesen nie wirk- könnte, durchpflügt wird, fragt man lich erlernte, komponiert die USten eigentlich besten Nährboden sich als Hörer dann schon, ob für ein bestes Album des Jahres. Die amerikanische Musikerin schon seit die charismatische Sängerin nicht frühester Kindheit eigene Songs mainstreamtauglichen Melodien, tatsächlich einen an der Waffel hat!? die berechenbaren Streicher und Blä- und kreierte bereits im Alter von nur Wer sich auf unkonventionellen zehn Jahren ihr erstes Musical. ser schmälern den tollen ersten Pop fernab aller Regeln einlassen
ein süsser indie-fratz
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wahnsinnige anmut
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kann und zudem noch ein kleines Faible für Künstlerinnen wie Regina Spektor und Konsorten besitzt, kann bei Amanda Palmer bedenkenlos zugreifen – Wahnsinn kann manchmal eben so herrlich hinreissend sein.
sympa thischer eigenbrödler
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Finn: The best lowpriced heartbreakers you can own
Patrick Zimmer sagt über sich selbst: ‹Ich weiss, dass ich kein normaler Mann bin›. Recht hat er damit. Herr Zimmer mit Wohnsitz in der City Londons ist nämlich alles andere als der typische Stangenwarenlieferant, der nur über seine Gefühle sprechen kann, wenn er sie auf einer Westernklampfe darbietet: Zwischen einem aufregend klischeefreien Leben als Designer und Konzeptionist schreibt und produziert der sympathische Eigen brödler unter dem Pseudonym Finn nämlich Musik zum Träumen, Lachen, Weinen, Schlafen, Lieben, Abhängen, Schwelgen und Hingeben – und dennoch eignen sich
Finns melancholische Weltansichten ganz und gar nicht für ‹einfach so nebenbei›. ‹Es gibt etwas, was ich schon ewig machen will: eine Herrenschneider-Lehre. Natürlich ist das von einem brotlosen Job in den nächsten, aber mich reizen einfach nur brotlose Jobs. Irgendwie ist mir das Glücklichsein wichtiger›. Finns eigene Worte, die seine Musik wohl kaum passender beschreiben könnten. Irgendwo zwischen Ra diohead und Sigur Ros, tiefer Trauer und purer Lebenslust, klassischem Songwriting und moderner Melancholie bettet sich Finn nieder, um uns mit seiner musikalischen Emotionalität regelrecht zu überrollen. ‹The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own› hält für den mutigen Hörer wunderschöne Gitarrenstücke bereit, die zwischen dem Griff zur Rasierklinge und dem Umarmen wildfremder Menschen auf den Strassen hin- und her reissen. Einerseits sind die ViolinenTeppiche und Bläser-Arrangements viel zu schön, um Schwermut aufkommen zu lassen, andererseits sind Stücke wie Dew oder Julius Caesar viel zu schwer, um als leichte Kost für zwischendurch funktionieren zu können. Wer dem grauen Welt-
bild eines Thom Yorke etwas abgewinnen kann, sich gerne mal zu Sigur Ros fallen lässt und nicht vergisst sich wieder aufzurappeln, sollte den Griff zu Finns Album wagen. Emotional labilen Persönlichkeiten könnte Finns Musik jedoch den letzten Stich verpassen – mitten ins Herz.
selbstmitleid kann so schön sein
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Philipp Poisel: Wo fängt dein Himmel an?
Sehr geehrter Herr Poisel, auch wenn Sie diese Zeilen womöglich
TOURDATEN: 22.10. ZÜRICH - MASCOTTE 23.10. WIEN - FLUC 24.10. FFM/OFFENBACH - HAFEN 2
29.10. 30.10. 31.10. 01.11.
niemals lesen werden, möchte ich mich bedanken: Danke, dass Sie es geschafft haben, Emotionalität in die deutschsprachige Musik zurückzubringen. Danke auch für Musik, die es endlich mal wieder wert ist, sich im eigenen Selbstmitleid zu suhlen. Danke für Songs wie Wo Fängt Dein Himmel An, die einem den Atem rauben und das Herz schneller schlagen lassen. Danke für Zeilen wie ‹Zu meinem Engel gebetet, für kein anderes Mädchen gedacht, tausend Stunden gewartet, hat alles nichts gebracht›, die endlich wieder Raum lassen zur Interpretation, die auch noch, nachdem die Boxen lange verstummt sind, nachwirken. Danke, dass Sie der Massekom patibilität den Rücken kehren und sich einzig und allein von Ihren Gefühlen, Gedanken und Erlebnissen leiten lassen. Danke, dass Sie das alles mit uns teilen. Ich muss obendrein danke sagen für schmachtende Epen wie Mit Jedem Deiner Fehler, die so viel Wahrheit beinhalten, dass es fast schon schmerzt: ‹Dafür dass du ständig lügst und die Jungs betrügst, siehst verdammt unschuldig aus› – Worte die jeder verschmähte Mann nach empfinden kann, die jeder schon einmal gefühlt hat oder von denen er
weiss, dass er sie eines Tages empfinden wird. Danke für die herrlich spartanischen Arrangements, die lediglich durch die warme Akustik gitarre, gelegentliche Streicherteppiche oder Pianosätze untermauert werden. Dank gebührt aber auch Herbert Grönemeyer und seinem Team, die den besonnenen Nachwuchskünstler entdeckt haben. Danke auch für all die Stunden, die mich Deine Musik noch begleiten wird. Für all die Szenen meines Lebens, für die Du den perfekten Soundtrack gelieferst hast. Und danke werden Dir auch all die anderen Menschen sagen, denen Du ganz ungeniert aus der Seele zitierst. Danke für einen neuen Stern am Deutschpop-Himmel! Bewertungsskala 1–10 (1 = voll beschissen, 10 = megacool)
Florian Hennefarth
BERLIN - LIDO MÜNCHEN - REGISTRATUR KÖLN - GEBÄUDE 9 HAMBURG - MANDARIN KASINO
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cd des monats
seelenluft: birds and plants and rocks and things
1. 7. The world through Comme dans un reve the little window of my spacecraft
Das ist einer meiner Lieblingssongs. Er hat so eine spezielle Stimmung, die zum Titel passt. Ich glaube man hört, dass ich Ende der 80er ein grosser PixiesFan war.
2. Fantasy
Dieser Song ist von 2004, er hat sich seither stark verändert, man könnte sagen es ist schon fast ein Remix vom Original. Es war der erste Song, den ich mit Florian auf genommen habe und wir haben ihn immer wieder bearbeitet, mehrmals neu aufgenommen und dazwischen immer wieder ruhen lassen. Ich bin ein Perfektionist.
3. You can dance
Dieser Song ist von 1998. Ich hab mich durch alte Sachen gehört und bin auf ein unveröffentlichtes Stück getroffen. Es hat diesen 4/4 Groove und ist trotzdem schön langsam.
4. La concierge
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eit seiner Kindheit liebt Beat Solér Musik und Instrumente, sucht nach neuen Klängen und Rhythmen, freut sich neue Stile zu entdecken und mit ihnen zu experimentieren. Das Motto von Seelenluft ist die Flagge, unter der ‹Birds and plants and rocks and things› wie ein fliegender Teppich über KlangOzeane segeln. Country, Hardcore oder Hippie, Klassik oder Jazz, Drum and Bass oder Experimental-Elektro als Begleitung für ein Synchronschwimmer – Solér hat alles schon probiert. ‹Ich kann nicht zu lang das Gleiche spielen. Mit der Musik ist es wie mit Drogen – wenn man zu lang dasselbe nimmt, braucht man irgendwann immer mehr oder etwas anderes›, sagt Solér und erzählt, dass er zur Zeit an orchestralen Sounds arbeitet, an Filmmusik mit klassischen Instrumenten. Wenn er einen Sound gefunden hat, der ihn packt, arbeitet er daran
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Ja, es geht hier um eine Frau, eine Concierge, die einen Hotelgast ermordet. Der Text ist sehr trippig. Meine Freundin Julie Lee singt auf diesem Song. Er ist eigentlich der Schlüsselsong der Platte. Er vermittelt diesen HippieSound. Ich weiss auch nicht, woher der Text kommt, aber ich finde, Texte sollten nicht immer nur von Liebe handeln. Das sollte nicht so offensichtlich sein.
teilweise jahrelang, legt die Beats immer wieder beiseite, lässt sie ruhen, um sie Wochen oder Monate später wieder aufzunehmen und solange daran zu arbeiten, bis sie perfekt sind. Dabei bleibt er immer albumorientiert, hört sich auf der Suche nach neuen Sounds von Dolly Parton bis Minimal Techno durch, schreibt viele Songs für den Papierkorb. Und plötzlich kommen ihm die Motive zugeflogen, wie er sagt. Hatte Solér für Out of the woods noch mit dem Laptop auf LA’s Strassen Sänger gecastet und aufgenommen, so wollte er für sein neues Album mit einer kleinen, festen Besetzung arbeiten, die ihn auch auf Tour begleiten kann. Der Wiener Florian Horvath, der soeben ein Duett mit Nina Persson von den Cardigans aufgenommen hat, singt die meisten Songs mit seinem brüchig-verletzlichen Gesang, aber auch Solérs Freundin Julie Lee verzaubert mit pudrig weicher Stimme.
5. Nobody held us
Auch dieser Song existiert schon einige Jahre, ich glaube, es gibt von keinem anderen so viele Versionen. Manchmal entsteht ein Song in einer Nacht, manchmal dauert er Jahre. Und ich höre nicht auf, bevor er nicht sitzt. Ich arbeite sonst gerne am Tag, aber wenns mal läuft, kann ich nicht mehr aufhören.
6. The four lifes of bottleneck-bob
Das ist mein Lieblingssong auf der Platte. Julie Lee hatte einen Freund aus Frankreich zu Besuch, der sagte, das Grösste für ihn wäre einmal am Concours d’Eurovision teilzunehmen. Ich habe versucht einen solchen Song für ihn zu schreiben, der mir dann aber so gut gefiel, dass ich ihn behalten und daraus ein Duett mit Julie Lee gemacht habe. Als Karl Lagerfeld diesen Song für die Couture-Schauen 09 li zensiert hat, zeigte sich, dass das die richtige Entscheidung war.
8. Blossom headed parakeet
Dieser Song kam als letzter dazu, weil wir einen anderen Song gestrichen hatten, der zu clubbig war. Ich habe einen Namen gesucht, der mit dem Albumtitel zu tun hätte, weil dieser Song den Bogen zu den anderen spannt. Ein blossom headed parakeet ist ein Wellensittich, ich fand ihn in einem Buch und er passte. Nein, ich hab keine Wellensittiche.
9. One step
Ich weiss nicht, was ich zu diesem Track sagen soll. Florian singt grossartig
10. Speed
Speed war der erste Song des neuen Albums, er ist anders als die anderen Songs. Ich wollte bis zu diesem Song Clubmusik machen, versuchen Kult zu sein, um mehr Bookinganfragen zu bekommen. Bei der Arbeit an diesem Stück habe ich aber gemerkt, dass ich nicht cool sein, sondern schöne Songs machen will. Tiga macht sexy Beats, ich schöne Melodien. Emotional ist der Song gewissermassen das Pendant zu ‹I wear my sunglasses at night›.
11. Horse with no name
Ich wollte schon ewig ein Cover aufnehmen, aber ich wusste nicht welchen Song ich covern sollte. Und obwohl ich nie Fan von Hippie-Musik war, hörte ich diesen Song im Radio im Auto und fand ihn toll. So hab ich diesen Hippie-Sound entdeckt, der das ganze Album beeinflusst und zu einem poppigen Appeal verholfen hat.
Dieser Song ist an einem Abend entstanden. Silvercity Bob war mein Alter Ego, wenn ich früher auf meinen Platten gesungen hab. Als ich an diesem Abend Bottleneck-Sound entdeckt hab, hab ich ihn zum Konzept gemacht, daher der Name.
Text und Interview: Vania Kukleta Foto: Promo
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Date mit einem Clown Samstag 16.00 Uhr, die Sonne brennt. Ich
betrete das Volkshaus, nach meinem unbekannten Interviewpartner Ausschau haltend, und entdecke ihn an der Bar: Frederick Obando, der Clown und Sänger der Band The Clowns. Lachen bringt. – Zwei Kiwi Martinis bitte! — Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass keiner von uns eine rote Nase trägt. Das sagt uns einfach nichts. Vor allem nach diesem jämmerlichen Red Nose Day auf Pro7. Da war es aus mit der roten Nase. Medialer Overkill.
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r sitzt schwarz-weiss geschminkt, mit roter Perücke, schwarzer Jeans und Band-Shirt an der Bar und fummelt gut gelaunt an seinem Handy. Beim Begrüssungsküsschen bleiben Make-Up-Brösel an meiner Wange hängen, die Obando mir keck abwischt. Vor lauter Lachen fällt mir Englischsprechen zu Beginn schwer, aber Obando ist charmant und schlägt gleich eine Runde Long Island Ice Tea zur Auflockerung vor, ich überrede ihn zu Kiwi Martini, dem frischesten Cocktail der Stadt.
ibt es für dich politische Aspekte am Clownsein? In den guten alten Zeiten, als es noch grosse Monarchen gab, gab es immer einen Clown am Hof. Der Hofnarr war der einzige, dem es gestattet war, Witze über den König zu machen und so manchmal die Wahrheit zu sagen. Wenn man etwas zu sagen hatte, ging man also zum Hofnarr. Wir sagen auch die Wahrheit in unseren Songs. Viele unserer Songs handeln darum von Sex, von Liebe... Barfrau kommt, sieht Obando an, dann mich, dann wieder Obando und lacht schallend los: Gott, schaut das lustig aus! Hahaha...
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ist du denn ein richtiger Clown?
Sind wir nicht alle Clowns? (zwinkert) Das ist ungefähr, wie wenn du Superman fragen würdest, ob er sein Cape abstreift, wenn er schlafen geht. Er wurde als Superman geboren und verkleidet sich als Clark Kent. Und wenn ich mich manchmal abschminke, verkleide ich mich als «normaler» Mensch. Dann begebe ich mich unter Menschen und versuche zu verstehen, was sie zum 46
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enn wir bei Fantasien sind: wie muss man sich Fortpflanzung unter Clowns vorstellen? Das wird von Generation zu Generation weitergegeben. Ich denke, damit wird man geboren. Ich pflege zu sagen, dass wir alle Clowns sind, du, ich, wir alle. Der einzige Unterschied ist, dass wir das zur Schau tragen, im Inneren sind wir genau gleich wie ihr.
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ch meinte den Akt der Fortpflanzung. Ach so, Liebe machen. Ja, das tun auch Clowns von Zeit zu Zeit. (lacht)
ngeschminkt? Kommt darauf an. (Grinst) Normalerweise nicht. Aber ganz unter uns, es gibt Mädchen, die sich eine Erfahrung mit einem Clown wünschen. Vielleicht haben sie gute Erinnerungen an einen Clown in ihrer Kindheit. Denen würde ich ja alles kaputt machen ohne Schminke. Dann wäre ich kein Clown mehr, sondern einfach ein Typ, der versucht ein Clown zu sein... (denkt nach) Naja, wie gesagt, ab und zu kommt es vor, (grinst) dass Clowns Liebe machen.
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rinken Clowns viel? Nach der Show üblicherweise schon. Aber da muss man unterscheiden zwischen Clowns, die im Zirkus oder mit Kids arbeiten und uns als Musiker-Clowns. Die einzigen Momente, in denen wir als Band fast lustig oder sagen wir ein bisschen komisch sind, ist, wenn wir betrunken sind. Aber wenn man beispielsweise auf Kindergeburtstagen arbeitet und betrunken sein muss, um witzig zu sein, dann ist das keine gute Sache. Deswegen hab ich damit aufgehört. Ich habe alles versucht, ein richtiger Clown zu sein, aber die Leute mochten mich nicht. Es hat einfach nicht funktioniert.
mit Clowns? Vielleicht kenne ich einen Clown, der dir helfen könnte...Jaja, vielleicht könnte ich da was organisieren. Die Barfrau kriegt sich vor Lachen kaum ein, stellt die Cocktails hin und verschwindet lachend: Entschuldigt mich, ich bin ein wenig müde.
Obando: Wissen Sie Lady, das ist das erste Mal, dass jemand lacht, nur weil er mich ansieht. Normalerweise muss ich dafür schon tanzen und singen. Barfrau: Nein, es ist nur so, ich muss einfach lachen, weil du so verkleidet dasitzt und sie so wie immer, haha... (Zu mir) Woher kennt ihr euch denn? Obando: Wie Sie sehen, wir haben uns gerade kennen gelernt. Das ist gewissermassen unser erstes Date. Barfrau: Hahaha, ehrlich! Ihr habt euch erst kennen gelernt? Das muss ja witzig sein, man lernt jemanden kennen, geht mit ihm aus und er ist ein Clown. Haha. Verzeihung, das ist nur meine Fantasie... Obando: Ach ja, was hast du denn für Fantasien
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it anderen Clowns? Es gibt leider nicht allzu viele weibliche Clowns, die ich attraktiv finde, nicht in der Schweiz. Und ich stehe eigentlich mehr auf normale Mädchen. Clown-Mädchen sind strange, glaub mir. Wirklich strange. Und ich bin ja auch strange, also zwei Mal strange, das ist wie zwei Mal Minus, wie Mathematik. Oh, das gäbe ja ein Plus, vielleicht sollte ich es einfach wieder probieren?
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as macht sie attraktiv? Clown-Mädchen oder generell Mädchen? Es ist die Persönlichkeit, die sie ausmacht. Es interessiert mich nicht wie ihr Make Up aussieht. Es gibt ja so viele normale
Ob Obando aus diesen Ballons auch lustige Tiere und Hüte formen kann, wissen wir nicht. Doch Gitarre spielen und singen kann er, soviel ist sicher!
Mädchen, die sich schminken wie Clowns. Sowas gefällt mir gar nicht (lacht). Wenn sie mehr Make Up trägt als ich, ist was schief gelaufen. Vor allem, wenn sie kein Clown ist.
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an sagt, dass du deine Band beim Zirkus kennengelernt hast. Dino Castelli hab ich an einer Clown-Weihnachtsfeier im Dezember 2005 kennengelernt, wo ein Haufen Clowns rumstanden, was langweilig ist, weil jeder versucht witziger als der andere zu sein. Wir lernten uns also kennen, weil wir beide keinen Spass hatten und ich erzählte ihm, dass ich schon lange diese Vorstellung von einer Clown-Band hatte und er sagte: Ich bin Bassist. Eugene, die Pantomime, haben wir an der Seepromenade gefunden, wo er ohne Schlagzeug und ohne Sticks ein 10-minütiges PantomimenDrum-Solo spielte – es war fantastisch! Ich konnte hören, dass er Musik spielte. Also gaben wir ihm ein Schlagzeug und wir legten los. So entstand unser Garage-Rock, oder besser Garage-Soul: Wie Rock `n` Roll und Soul in einer heterosexuellen 69-er Stellung, auf einem psychedelischen Teppich in einer Garage, während Blues zusieht und abspritzt. So hört sich das an.
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ibt es eine Connection zwischen Rock’n’Roll und Clown sein? Rock `n`Roll ist die Musik der Jugend und der Rebellen. So fühlen wir uns, jung und rebellisch. Da steckt aber kein Konzept dahinter, das ist einfach so entstanden. Wir hätten auch klassische Musik machen können, oder Reggae.
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ber wenn du dich schminkst hast du ein Konzept, du erfindest dich eigentlich jeden Tag. Wenn du für einen Tag in eine andere Persönlichkeit schlüpfen könntest, wer würdest du sein wollen? Eindeutig Madonna. Madonna für einen Tag, aber so wie sie in den 80ern war.
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arum? Ich will doch nicht von Guy Ritchie gevögelt werden. (lacht) Aber in den 80ern, mit Sean Penn, das wäre was anderes.
Cherish-Video gedreht wurde. Madonna im Meer, alles schwarz-weiss, ihr nasses Kleid, sie sah toll aus. Das hätte ich sein sollen.
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nd wenn du ein Verbrechen begehen könntest, für das man dich nicht verfolgen würde... Ein Herz brechen. (schmunzelt) Aber ich stehe nicht so auf Verbrechen. Ich bin ein ehrlicher Clown. (zwinkert) Barfrau zum Kollegen: Sieh mal! Sie hat ein Date mit einem Clown, haha... Interview und Text: Vania Kukleta Fotos: Adi Ehrat und Boris Müller The Clowns sind live zu sehen am 26. September im Rohstofflager in Zürich bei der offiziellen After Burner Party des Freestyle.ch-Events. Support kommt von Smith’n’Smart aus Berlin.
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u willst von Sean Penn gevögelt werden? Ich nicht. Aber als Madonna würde ich das wahrscheinlich schon wollen. Sie sah damals zumindest so aus, als hätte sie Spass daran. Aber es geht nicht um Sean Penn, ich wäre gern Madonna an diesem einen Tag, an dem das kinki
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Norman Palm: There is love and there is no warning Wenn man als startender Künstler mit Coverversionen populärer Gassenhauer das erste Echo im Musik-Biz erzeugt, wird rasch geargwöhnt. ‹Fehlende Kreativität› ist eine stammtischtaugliche Formulierung, die dann schnell fällt, ‹sichere Nummer für LiveGigs› eine weitere. wuchsstars› aus aller Welt in Palms Video wieder. Das lippensynchronisierte Ergebnis liess an Irritation nichts zu wünschen übrig. Dass sich soviel Talent auch Live rechnet, sieht man an seinen einzigartigen Bühnenshows. Denn dort wird zu jedem Song auch noch ein eigens komponiertes Visual an die Bühnenwand gebeamt. Mit unserem Musikredaktor Mathias Bartsch sprach Norman über seine erste Platte, sein Label Ratio Records und den sportlichen Spagat zwischen Musik und Artwork.
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och beim Berliner Norman Palm war es kein Ausleben von persönlicher musikalischer Sektiererei, als er mit dem zurückgenommenen The Cure-Cover von ‹Boys Don’t Cry› und dem Cindy Lauper Klassiker ‹Girls Just Wanna Have Fun› seinen ersten Airplay erreichte. Denn verdammt gut gewählt war die musikalische Balance aus Respekt vor dem Original bei gleichzeitig neuer Authentizität. Mit seiner jetzt erscheinenden ersten Platte ‹Songs› beweist Norman Palm vielmehr, dass die eigenen Stücke ebenfalls auf gutem Wege sind, um bald selbst gecovert zu werden. Cool austariert zwischen Anti-Folk und LOFI erzählen die Lieder von der Liebe und dem Leben, über Freundschaft und Einsamkeit. Von diesen vermeintlich abgegriffenen Keywords der Musik berichtet er dabei so wunderschön melancholisch wie abgeklärt. Doch der Sticker ‹Songwriter Norman Palm› ist noch lange nicht ausreichend, denn besagte Platte ist eigentlich eher ein Buch. In dem überdimensionalen Booklet von 200 Seiten kann man sich auch von seinen Illustrationen und Photographien überzeugen lassen. Das Händchen für einen medienübergreifenden Ansatz bewies ja auch schon das Video zum erwähnten Cindy Lauper Cover. Durch die Montage von verschiedenen YouTube-Clips fanden sich so performande ‹Nach48
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eschreib doch zunächst kurz deine Musik auf der Platte ‹Songs›? Die Platte heisst aus gutem Grund ‹Songs›. Es sind zwölf Stücke, alle um die drei Minuten lang, Popsongs mit schlanken Arrangements und kleiner Instrumentierung. Mir geht es darum, die Songs auf ihren Kern zu reduzieren, das gilt für Text und Musik. Dabei kommen meist sehr komprimierte, hoffentlich eingängige Songs raus.
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oher kommt die Faszination für die Musik aus den 1980er Jahren, die du so gern coverst? Ich kann nicht sagen, dass mich generell die Songs der 80er faszinieren. Meine ‹Girls Just Wanna Have Fun› / ‹Boys Don't Cry› Single ist aus dem Konzept heraus entstanden, diese beiden Songs zusammenzubringen und sie neu zu interpretieren. Natürlich sind beide Songs charismatisch für die 80er, die Emanzipation der Mädchen endlich Spass zu haben, wohlgemerkt wenn der Arbeitstag vorbei ist, und die Beklemmung der Jungs, die immer Jungs sein müssen und ihre Tränen verstecken. Es hat mich interessiert diese beiden Songs einander gegenüberzustellen, die Perspektive zu verschieben, indem ich Girls als Mann singe und Boys so traurig, dass der Text eigentlich ad absurdum geführt wird. Die Originale sind musikalisch sehr kraftvoll und fröhlich, aber die Texte sind beklemmend. Auch die Videos der Single greifen das auf und spielen mit den Rollenklischees. Übrigens: ‹Girls Just Wanna Have Fun› wurde ursprünglich sogar für einen Mann geschrieben!
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ur Platte gibt es ja auch ein umfangreiches Artwork Book dazu, was hast du alles reingepackt? Das Buch, was zusammen mit der CD erscheint, ist eigentlich mehr als ein Artwork oder eine Art Beilage. Es ist neben der Musik gleichberechtigter Teil der Arbeit. Auf 200 Seiten habe ich jeden Song illustriert, teils per Zeichnung, in Fotos oder Typographie. Dadurch entsteht eine Wechselwirkung aus Musik und Bild. Mal bestätigen die Bilder das, was man in der Musik erkennt, dann wieder führen sie auf einen anderen Weg und kontrastieren den Song. Die Musik funktioniert allein und das Buch vielleicht auch, aber zusammen macht es sicher am meisten Spass.
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elches Booklet anderer Künstler ist dein persönlicher Favorit? Ich habe viele Lieblingsbooklets und Lieblingsverpackungen, ich habe sogar meine Diplomarbeit über Grafik in der Popmusik geschrieben. ‹All Time Favourite› ist das 1997er Album von Spiritualized, welches als Special Edition in einer Arzneiverpackung veröffentlicht wurde. Der Karton sieht aus wie für Aspirin aus den 1960ern, darin findet sich ein Beipackzettel als Booklet und die CD ist wie eine riesige Pille in Aluminium eingeschweisst. Das ganze macht Sinn, denn das Album fühlt sich an, als hätte man einen Trip eingeworfen.
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as hat dir das Studium an einer Kunsthochschule für die Arbeit als Kunstschaffender gebracht? Ich habe an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee visuelle Kommunikation studiert. Die Schule ist klein aber fein und das Studium hat mich vor allem gelehrt, systematisch und konzeptuell zu arbeiten. ‹Form Follows Function› klingt immer sehr kalt und gefühllos. Aber Spass und Unterhaltung können auch eine Funktion sein und mir geht es darum, Beliebigkeiten zu vermeiden. Ich habe die Regeln der Gestaltung auch auf meine Songs angewendet, wir haben uns im Studio immer wieder gefragt: ‹Brauchen wir dieses Instrument wirklich? Was fügt es hinzu? Oder ist es im
Boys just wanna have fun: ein Berliner im Hamburger.
Grunde überflüssig?›. Mir geht es bei Musik und Bild um die Verdichtung der Aussage. Deshalb sind meine Songs wahrscheinlich so simpel, wie ein gutes Plakat sehr schlicht sein kann.
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elche Philosophie verfolgst du mit deinem Label RATIO RECORDS? RATIO RECORDS ist ein kleines Label, das ich mit Freunden betreibe. Wir bringen meine Platten raus sowie im Moment die Band ‹Faraday› aus Hamburg und ‹Hey Hey Galaxy› aus Berlin. Wir sind ein Label, was nach dem Auftreten der grossen Musikindustriekrise gegründet wurde und wir versuchen zeitgemäss zu arbeiten. Wir veröffentlichen teils nur digital, machen dann ein Vinyl und jetzt plötzlich ein Buch. Wir versuchen nicht nach den alten Regeln und Standards zu spielen und interessante Projekte zu fördern.
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as steht als nächstes in der Zukunft an? Ich habe ca. 2 Jahre an der Platte mit Buch gearbeitet, von der ersten Idee über einen Prototypen, 1000 Gespräche und Pläne bis zur ersten Auflage. Ich werde jetzt erstmal mit dem Buch durch die Gegend touren und hoffe, dass es die Leute interessiert. Ansonsten möchte ich wieder mehr als Grafikdesigner arbeiten.
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ie anstehende Tour ist ja nicht deine erste Konzertreise, was waren die bisherigen Highlights bei den Gigs? Nach der ‹Boys+Girls› Single, eigentlich sogar schon vorher, habe ich eine Menge Konzerteinladungen bekommen. Ich habe in vielen europäischen Städten gespielt, in Paris, Wien und Stockholm zum Beispiel und auch in Mexiko. Das Highlight war der Steirische Herbst, ein Kulturfestival in Graz bei dem ich 2007, ohne dass mich irgendwer kannte, ein tolles Konzert vor einem tollen Publikum gespielt habe. Im Frühjahr 2008 habe ich eine kleine Österreich-Tour gespielt, die mich unter anderem in ein Pornokino geführt hat. Dort haben wir vor dem Aufbau noch auf das Verschwinden des letzten Kunden gewartet, Liebeslieder im Pornokino waren schon sehr besonders.
Eine Seite aus dem Booklet zum aktuellen Album.
Text & Interview: Mathias Bartsch Fotos: Promo kinki magazine präsentiert die Norman Palm-Tour durch die Schweiz zum aktuellen Album im November. Mehr Info unter www.kinkimag.ch
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dj brain
Jeden Monat stellen die besten DJs der Schweiz ihre absoluten all time favourites vor.
mixmaster non phixion: mike’s intro if you got love zum beastie boys konzert in glasgow (1999)
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich vorher noch nie etwas von Turntablism gehört, geschweige denn gesehen. Besagtes Konzert wurde live auf MTV gesendet und ich habe es mir auf Video aufgenommen. Wer MMM’s Stil kennt, weiss wie verrückt seine Performances aussehen und nach ungefähr hundertmal zurückspulen habe ich mich entschlossen ‹auch einmal so etwas können zu wollen›.
dr. dre: 2001 (album)
Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich meine Mutter am Releasetag angerufen habe und sie darum bat, mir dieses Ding aus der Stadt mitzu bringen. Ich könnte bei bestem Willen keinen Lieblingstrack nennen, zu viele Lieder davon sind einem über die Jahre ans Herz gewachsen. Zu dieser Zeit (1999) habe ich noch E-Gitarre gespielt und mir deshalb noch viele Rocksachen angehört, aber nach diesem Album war es wohl endgültig um mich geschehen.
dynamite deluxe: deluxe soundsystem (album)
Hamburger Rap zur Eimsbush-Zeit war definitiv ein grosser Einfluss, da ich damals gerade selber mit dem Auflegen begonnen habe. Samy war damals für mich das Mass aller Dinge, was die Skills im deutschen Rap betrifft (bevor Berlin die Szene überrannt hat), schade rappt er heute fast nur noch so, als würde er sich keine Mühe geben.
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j Brain ist definitiv verrückt nach Musik. Über die Jahre konnte er sich für immer mehr verschiedene Stilrichtungen des Raps begeistern und spielt heute von Undergroundhymnen über die neuesten Clubbretter bis hin zu den härtesten, elektronischen Remixen alles, was ihm unter die Finger kommt. Im Jahr 2006 trat er nach 5 Jahren hartem Backpacker-Bootcamp (heisst Scratchen über ‹reale› Musik) das erste Mal mit einem Release an die Öffentlichkeit, der Mix-Cd ‹Hijackin’ Your Ghettoblaster›. Seither hat er von seinen 3 Veröffentlichungen mehrere tausend Stück abgesetzt, aus dem Kofferraum heraus, wie die Amis so schön sagen. Seit Sommer 2007 gibt es jede Woche eine neue Episode des Pod50
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casts ‹The Purple Brain Show› über iTunes oder auf seiner Website www. brain.dj. In der Sendung werden jeweils die neuesten Tracks in einem simplen Mix und mit absolut unnötigem Hosting von Brain angespielt. Eine Ausnahme ist die aktuelle kinki Spezialfolge, in der die nachfolgende Topliste gespielt wird! Es gibt noch sehr viel zu tun für den 21-Jährigen, neben Mixtape-Projekten mit Künstlern aus der ganzen Welt, Liveauftritten und dem Ablehnen von Modeljobs steht vor allem das Vorantreiben der ‹Purple Brain Show› im Vordergrund, die nächstes Jahr nun endlich offiziell ‹On-Air› gehen soll, ein entsprechender Partner vorrausgesetzt. Hier nun zehn Tracks, die Brain bei seinem Werdegang begleitet haben und es (ob er will oder nicht) wahrscheinlich immer tun werden.
rakim: when i be on the mic
Die Jugendzeiten waren schon was Tolles: Musik & Graffiti waren die einzigen Interessen von mir und den Kollegen. Man hörte am liebsten von DJ Premier oder ähnlichen produzierte Musik, die man sich während stundenlanger Trips in ver schiedenste Plattenläden besorgt hatte. Ausserdem hasste man leidenschaftlich alles, was in den eigenen Augen ‹kommerziell› oder nicht ‹real› war. Dieser Track weckt sehr coole Erinnerungen in mir.
bobba: kriminell
Ich kenne Bobba jetzt seit ungefähr 10 Jahren und er war auch dabei, als ich damals mit dem Auflegen begonnen habe. Wahrscheinlich verstehen wir uns so gut, weil wir beide auf demselben Level verrückt sind. Brother from another mother, sagt man ja. Heute ist er der beste Rapper der Welt. Wie könnte er also in meiner Topliste fehlen?
Ein unglaublicher Track zu einem unglaublichen Album. Das Album kaufte ich noch vorm Release irgendwo als Pro moversion (mit der abgeschnittenen Ecke) und die Single brachte mich über das Coverfoto zu der Marke ‹Supreme›, welche heute noch einer meiner Lieblingsbrands ist. Und das lange vor Hypebeast, hehe. Ich hörte lange nichts anderes mehr als diesen ‹Hardcore Rap› wie eben Non Phixion, Necro oder die Demigodz.
talib kweli: i try
2004 war ich zum ersten Mal zusammen mit meiner Freundin in New York. Die ‹Hip-Hop Radiostationen› haben dort die Angewohnheit, die aktuellen Hits mindestens einmal pro Stunde zu spielen und so lief uns dieses Lied die ganze Woche lang hinterher, egal an welcher Ecke oder in welchem Laden man sich gerade befand. Die positive Stimmung ist unglaublich und jedes Mal wenn ich ‹I Try› höre, fühle ich mich für einen Moment auf den Strassen Manhattans oder Brooklyns.
juelz santana: what the game’s been missing!
Das Album haben meine Kollegen und ich 2006 die ganze Zeit gepumpt, als wir unterwegs waren, um Leuten an den verschiedensten Orten in der Schweiz meine erste Cd anzudrehen. Für mich ist das Album ein absoluter Klassiker und Juelz ein sehr unterschätzter Rapper. Killer Produktionen und tonnenweise Coolness. Ich hoffe, da kommt noch mal was. AY!
dire straits: sultans of swing
Ich war ungefähr 5 Jahre alt, als ich von meinem Vater seinen alten M-Elec tronics Ghettoblaster bekommen habe (nehme ich heute noch ab und an mit nach draussen). Wir hatten massenhaft Alben von den Dire Straits zuhause und nach kurzer Zeit war ‹Sultans Of Swing› mein erster offizieller Lieblingstrack. Ich glaube ich kann heute noch jede einzelne Note aus diesem Song auswendig. Das war definitiv der Start meiner unendlichen Liebe zur Musik.
the clipse: wampercycle (a-trak remix)
Seit 2003 gehe ich einmal im Jahr nach New York mit dem Ziel, mein Konto auf 0 zu setzen. Der erste Laden, den ich dort besuchte, war Turntablelab, ein sehr bekannter Shop im East Village mit Equipment und Vinyl. Dort wurde mir die erste EP von Hollertronix empfohlen und seit diesem Zeitpunkt bin ich begeistert von Musik dieser Art, wie man sie jetzt auch immer nennen will. ATrak’s ‹Dirty South Dance› ist allen zu empfehlen, die einmal etwas Neues hören wollen. Foto von Nicole Kurmann (www.myspace.com/nicolecrack)
Let’s Get Physical
photography: sarah maurer styling: philipp junker www.philippjunker.ch haar+make-up: nicola fischer bei style-council models: ronja www.option-model.ch, matthias www.scout-model.com
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links: T-Shirt NIKE SPORTSWEAR TEE Kurzer Blazer LOU DOILLON f端r LEE COOPER Paillettenhose ALEXANDER MCQUEEN bei Trois Pommes Schuhe DIEGO DOLCINI f端r SCHOLL bei Brunello Z端rich/Luzern Hut TOP SHOP
rechts: Lederjacke JOHN RICHMOND bei Trois Pommes Jogginghose KATE MOSS f端r LENY bei Salvatore Schitto Nickytuch MARC JACOBS Schuhe NIKE DUNK T-Shirt NIKE
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Weisser Windrunner NIKE WINDRUNNER Tanktop J.LINDEBERG Gestrickte Hose WASSILISSA bei Dings Schal IKOU TSCHÜSS Oversize Strickmütze H&M
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Schuhe NIKE DUNK Lederhotpants mit Dispenser AGENT PROVOCATEUR T-Shirt MELANIE WARD f端r LENY Herzarmband YVES SAINT LAURENT, beides bei Salvatore Schitto
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Windrunner 2 端bereinander getragen NIKE WINDRUNNER Longsleeve-shirt H&M Regencape MIGROS
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Schwarzer Windrunner Nike WINDRUNNER Poloshirt mit Fliege Junk de Luxe bei Fidelio2 Cardigan Alexander Mc Queen bei Trois Pommes Uomo Jeans American Apparel Cap Lee Cooper
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Jacket Nike EUGENE TRACK JACKET Kleid mit T端llunterrock H&M Vintagesneaker Nike CORTEZ
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links: Hoody NIKE AW77 HOODY Cardigan UNDER CONSTRUCTION bei Roma, Z端rich/St.Gallen T-Shirt AMERICAN APPAREL Jeans LEVIS
rechts: T-Shirt mit print Nike Longsleefshirt H&M Schwarzes T-Shirt CHEAP MONDAY Jeans H&M Tasche HENRIK VIBSKOV bei Dings M端tze 55DSL Schuhe NIKE DUNK
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Strick mich! Stricken ist toll! Finde ich auch, weshalb ich mich neulich mit einer Freundin in ein Zürcher Café gesetzt und wild losgestrickt habe – dies natürlich erst nach einem Strickbriefing in der Wollabteilung des Einkaufszentrums Manor – anstatt mich wie gewöhnlich an Prosecco und schönen Männern zu laben. Welcher Mann würde sich von dieser Dame nicht gerne ein Paar warme Socken stricken lassen?
Potential entwickelt, wie ich dort backstage an der letzten Fashion Week feststellen durfte. Denn anstatt die Toiletten zu blockieren oder sich mit Veuve Cliquot zuzuschütten, sassen die Mannequins in Reih und Glied mit Nadel und Wolle in der Hand.
Pullis, Tangas, Nippelwärmer...
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uch wenn diese eher als altbacken geltende Handarbeit bei den Gästen des ‹Terrasse› für Erstaunen gesorgt hat, fühlten wir uns dabei so richtig wollig. Ebenfalls schön am Stricken war nun nicht nur die unverhohlene Aufmerksamkeit der anderen, sondern der angenehme Nebeneffekt, am nächsten Morgen ohne Kater & Co. aufzuwachen. Und nach diesem Erlebnis in meinem Bekanntenkreis herumgefragt, konnte ich feststellen, dass sich Stricken allmählich zu so etwas wie einer Underground-Bewegung mit Sex-Appeal – ähnlich dem heute salonfähigen Burlesque – entwickelt hat.
Celebrities im Strickfieber
Dass Stricken lustig macht, ist übrigens nichts Neues. Dies spätestens seitdem Stars wie Sarah Jessica Parker am Film-Set Wollsöckchen für ihren Sohn stricken oder die Trendsetterin par excellence Kate Moss nicht mehr an Pete Doherty dafür jetzt an der Nadel hängt. Sogar in Paris hat sich die Nadelarbeit zu einem Fetisch mit Sucht62
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Und das ist auch gut so. Wie nämlich Forscher der Harvard Medical School bestätigt haben, scheint das monotone rhytmische Klackern der Stricknadeln ebenso erholsam wie Yoga zu sein: Es baut Stress ab und ist wirksam gegen Bluthochdruck. So herrscht denn eine wahre Strickrenaissance, die signalisiert, dass Stricken nicht mehr ausschliesslich braven Mädchen und guten Hausfrauen vorbehalten ist. Ganz im Sinne von ‹strick mich› haben sich weltweit Kreise gebildet, die sich gänzlich der neuen Wolllust verschrieben haben: dem naughty knitting. Dabei ist nun nicht von Bondage-Praktiken mit Wolle die Rede – obwohl dieser Gedanke durchaus einen Reiz in sich birgt – sondern von Strick-Zirkeln, bei denen alles gestrickt wird, was drüber und vor allem drunter getragen werden kann, vom Tanga bis hin zu so genannten Nippelwärmern. Die angedeutete Verbindung zur Burlesque ist übrigens gar nicht so abwegig. Denn je nach Maschengrösse oder Muster lassen die wollenen Accessoires im Auge des Betrachters so manches neckisch hervorblitzen, das in ägyptische Baumwolle gekleidet dem Gegenüber verborgen geblieben wäre... Wer zudem etwas Erfahrung im Stricken hat, der weiss bestimmt, dass die in liebevoller Handarbeit zusammengefügten Maschen sich in Windeseile wieder lösen lassen. Und dieses Wissen kann in bestimmten Momenten einer angehenden Domiknitrix durchaus von Nutzen sein. Dita von Teese jedenfalls wäre davon bestimmt hell begeistert. Übrigens: Wer nun sein Objekt der Begierde nach allen Regeln der Strickkunst umgarnen möchte, sich jedoch das letzte Mal in der Handarbeit an eine Lismete gewagt hat, der kann den
Faden jetzt wieder aufnehmen. Denn im Zürcher Strickclub ‹Vilfil› von Silvia Spring-Johanni können Strickinfizierte jeden letzten Donnerstag im Monat ihrer Leidenschaft frönen. So besteht denn jeweils von 18.30 bis 21.00 Uhr die Möglichkeit, im Vilfil-Laden in aller Ruhe Stricktechniken zu lernen und individuell angeleitet zu werden. Wer sich aber mit seiner wollenen Sucht noch nicht an die Öffentlichkeit wagt, dem sei das Knit Kit von Anne Catherine Lüke aus Luzern empfohlen. Das sind eingeschweisste Anleitungen, die ein bisschen wie ConveniencefoodVerpackungen aussehen und Nadeln, Material sowie Zubehör enthalten. Je nach Set können Strickeristas und Strickerinnen Ballerinas, Mützen oder Schals ‹lisme› und sich so dem luxuriösen Selbermachen hingeben. Sogar ein Kater ist unter den lässigen Strick-Bausätzen zu finden, der garantiert keine Kopfschmerzen bereitet. www.vilfil.com www.knit-kit.ch Text: Irène Schäppi Fotos: Photocase.com
S/M für Einsteiger: Naughty Knitting kennt keine Tabus!
Wer einmal an der Nadel hängt... Stricken hat definitiv Suchtpotenzial.
Sag’s mit Wolle! Gehäkelte Herzkissen taugen längst nicht mehr nur als Valentinstagsgeschenk.
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vertreter
chuck taylor all star
Über die wichtigsten Schuhe von 1900 bis heute. Name Typ
Chuck Taylor All Star ursprünglich gedacht als Sportschuh; entpuppte sich jedoch später als alltagstauglicher Schuh in drei verschiedenen Höhen: flach, hoch und extrahoch Geburtsjahr 1917 Hersteller Converse Rubber Company
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908 gründete Marquis Converse in den USA die Converse Rubber Shoe Company. Auf dem Produktionsplan standen zunächst winterfeste Schuhe. Erst später wurden Sportschuhe fabriziert. Die ersten Basketballschuhe der Marke ‹All Star› kamen 1917 auf den Markt. Chuck Taylor, Basketballspieler und ConverseMitarbeiter, begann 1921 für seine All Star Schuhe zu werben. 1923 erhielten sie seinen Namen und den bekannten runden Aufnäher. Bald entstand die Bezeichnung ‹Chucks›. Nachdem die amerikanische Basketballmannschaft sie zu ihren offiziellen Schuhen machte, begann die
Erfolgsgeschichte der Stofftreter. Schon in dieser Zeit wurden die Schuhe in den USA zum Trend. Über die Jahrzehnte hinweg überstanden die Chucks alle Mode bedingten Höhen und Untiefen. Trotzdem musste das Unternehmen 2001 wegen der starken Konkurrenz durch Nike, Reebock und anderen Herstellern Konkurs anmelden und alle amerikanischen Werke schliessen. Die Produktion wurde in Dritt-Welt-Länder wie China, Indonesien und Vietnam verlegt, so dass die Schuhe weiterhin kostengünstig hergestellt werden konnten. Damit löste Converse bei den Verbrauchern und Fans heftige Debatten aus. 2003 nahm das Unternehmen ein Übernahmeangebot von Nike an. Converse ging mit 305 Millionen Dollar über den Tisch. Als in den 50er Jahren Turnschuhe aller Art immer mehr zu Alltagsschuhen mutierten, ging der Kelch auch an den Chucks nicht vorbei. Vor allem Idole wie James Dean und Elvis Presley machten das Tragen dieser Schuhe populär. Während den 60er und 70er Jahren wurden die Schuhe immer mehr zur Projektionsfläche innerer Einstellung und Überzeugung: Man verzierte die Schuhe mit Peace-Zeichen und steckte Blumen in die Schuhbandösen. Eine weitere Ikone des Rock ’n’ Roll liess die Stoffschuhe bei der Jugend in ihrem Ansehen steigen: Mick Jagger gab seiner Braut Bianca im Jahre 1971 im ‹Oben-Hui-untenChucks›-Look in St. Tropez das Jawort. Auch bei den Punks erfreuten sich die Schuhe grosser Beliebtheit. Es gibt kein Foto auf dem Joey Ramone keine Chucks trägt. Auch in dieser Szene blieben die Schuhe vor künstlerischen Ausschweifungen nicht verschont. Die Freunde des Punk Looks bemalten ihre Treter mit Anarchy-Symbolen und flickten die maroden Teile mit Sicherheitsnadeln und Klebeband, bis sie endgültig das Zeitliche segneten. Den Startschuss, der die Chucks in alle Gesellschaftsschichten transportieren sollte, machte Prinzessin Diana. Sie trug beim Besuch des Royal Husarenregiments in Salisbury Plain 1988 eine militärgrüne Uniform und dazu rosafarbene Chucks. Mittlerweile sind die Schuhe nicht mal mehr in Kombination mit Businesskleidung ein Faux Pas. Text: Christine Johanna Schulze Illustration: Raffinerie
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Schwedenhappen Okay, die Geschichte bekommt langsam einen Bart, aber sie kann leider nicht oft genug erzählt werden: Schweden sind die cooleren Menschen! Ja, kann man nix dran ändern! Sie sehen hübscher aus, sind lustiger, weltoffener, charmanter, sozialer, geerdeter, durchgeknallter, kreativer, wissen sich besser zu kleiden und produzieren scheinbar am laufenden Band Dinge, die der Rest der Welt ungefiltert geil findet.
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öbel, Musik oder Mode, man fragt sich mittlerweile, wie man vor der Welle der Nordlicht-Ergüsse, die nun schon seit einigen Jahren die Welt überspült, eigentlich leben konnte. Wir können uns nicht erinnern... Und einmal im Stylo-Olymp angekommen, geben die Skandis das Zepter natürlich nicht mehr ab, sondern beliefern uns einfach munter weiter mit neuem, heissem Scheiss. Ein Update, was die schwedische Mode neben Acne, Whyred und Filippa K. gerade sonst so zu bieten hat...gemeldet.
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Fredrik Pira und Christian Cerna beweisen mit ihrem Label Whyszeck ein weiteres Mal, dass Egoismus oft der beste Antrieb ist. Ursprünglich wollten die Sandkastenfreunde nur das perfekte T-Shirt kreieren. Die Resonanz war so gut, dass sie jetzt, vier Jahre später, ein international agierendes Label ihr Eigen nennen. ‹Das Wort Whyszeck bedeutet gar nichts, es ist ein Begriff, der im Suff entstand, als wir Teenies waren. Wir nannten dann unsere Band so. Die hatten wir aber eigentlich auch nur um Chicks klar zu machen›, lacht Christian. Der Style von Whyszeck lässt die Wurzeln im Streetwear-Bereich erkennen, trotzdem passen die schmalen Hemden, klassischen Chinos und Blousonjacken auch durchaus zu seriösen Anlässen. Die Schnitte sind simpel, die Farben meist gedeckt – Minimaldetails wie schräge Nahtverläufe oder dezente Drucke machen den Unterschied. 66
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In Schweden führen bereits 45 Shops die Marke, Schwedische Präzision: die Kleider auch in Japan und Italien gewinnt der Brand immer von Whyszeck glänzen durch die Liebe zum Detail. mehr an Gewicht. Im Moment suchen die Jungs nach einer Location für den ersten Whyszeck-Flagship store. Es scheint ganz so, als hätten sie keine Zeit zu verlieren. ‹Ich habe vorher bei einem Pharmaunternehmen gearbeitet, Frederik beim Truck-Hersteller Scania. Der Grund, warum wir mit Whyszeck immer 150 Prozent geben, ist der, dass wir um keinen Preis mehr in unsere alten Leben zurückwollen. Das war bitter langweilig.› Und Langeweile ist nun mal ein mieser Antrieb. www.whyszeck.com
Gram verkaufen ihre Schuhe pro Kilo. Und das tonnenweise!
Gram
Kurze Aufgabe an Dich, werter Leser: schätz doch mal eben, was Dein Schuh wiegt! 300, 400, 500 Gramm? Keine Ahnung? Das Label Gram aus Stockholm macht es jetzt einfach, diese Frage zu beantworten, ein Blick auf die Ferse genügt. Hier steht die Zahl, die damit gleichzeitig die Nummer des Styles vorgibt. So ist der 381g ein halbhoher Unisex-Sneaker aus Leder und beschichtetem Canvas, der 420g hingegen ein schwererer Boot in Army-Silhouette. Erst seit 2005 im Geschäft, können Alexis Holm und Anna Stenvi bereits 150 Läden weltweit zu ihren Kunden zählen. Motivation genug, den an sich dicht besetzten Schuhmarkt weiter mit ihren Sneaker-Neuinterpretationen zu schütteln. Gerade launchte das Duo die Premiumlinie GramSE. Die schnieken Schühchen sind durchnumeriert und mit allerlei Features ausgestattet, die sie absolut wetterfest machen. Designer Alex liebt das Experiment mit neuen Materialien und die lange Lebensdauer der Treter ist seine Mission. Drum werden jedem Schuh akribisch aufgeführte Pflegetipps beigelegt, mal kommen Modelle in gewachster Baumwolle, mal in speziellen HightechMaterialien. Trotzdem kommen sie nie überzüchtet und plakativ daher: ‹Unsere Schuhe sind nicht da, um zwanghaft auf sich aufmerksam zu machen. Man muss auch nicht gleich seine komplette Garderobe umwerfen, damit die neuen Schuhe dazu passen. Sie fügen sich in den individuellen Look des Trägers ein, das ist das Geheimnis›, erklärt Alexis. We like! www.gramdesign.se
Klassische Jeans-Wear, nicht nur für Nordlichter.
Denim Demon
Generell hat sich das dynamische Duo aus Stockholm zum Ziel gesetzt, das Thema Jeans weiter zu spinnen, der Weg geht dabei zurück. ‹Uns geht es darum, das Erbe der ursprünglichen Blue Jeans zu wahren. Das ist unsere Herzensangelegenheit›, erklärt Oskar. Schnickschnack und Blingbling findet man deshalb nicht, die perfekten Passformen stehen im Vordergrund, ruhige Waschungen und schöne Details machen die Buchsen zum Lieblingsstück. Bei den Männern verdampfen gerade die schlichten Loosefits aus den Regalen, bei den Mädels führen immer noch sexy Röhren die Hitliste an. Sometimes people listen more when you whisper.
Das Jeans-Business gleicht gelegentlich einer Fabelwelt, denn immer wieder kommen Marken mit geheimnisvollen, fragwürdigen Geschichten um die Ecke: diese Hose wurde in einer Mine gefunden, jene Farbe stammt von einem exotischen japanischen Baum... bla. Die Geschwister Anton und Oskar haben ihren eigenen Anspruch auf Authentizität und baten deshalb Sami, die Ureinwohner Lapplands, ihre Jeans sechs Monate lang zu tragen. Das Projekt läuft aktuell noch und lässt sich auf dem Blog der Fotocredit: Sebastian Skarp Jungs verfolgen. Ziel der Aktion: am Ende werden die www.denimdemon.se Abnutzungs-Ergebnisse in Serie produziert, echter geht’s nicht!
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Für Bougeoisie und Street Culture: Perlenschmuck von Sabina Kasper
Julian Red Das Stockholmer Brand Julian Red widerlegt seit 2005 erfolgreich das Klischee, dass in Schweden immer alles strikt diszipliniert und nach Plan verlaufen muss. Die Macher Mattias Lindt und Piotr Zaleski sind nämlich Künstler, wie sie im Buche stehen: ein bisschen verkopft, bisweilen ein wenig weltfremd. Egal, denn das Wesentliche meistern sie: sie machen Haben-muss-Sein-Klamotten! Jeder Kollektion liegt ein Kunstwerk zugrunde, das Farbauswahl oder Muster vorgibt. Für diesen Herbst war es Edgar Degas Gemälde ‹Le Defilé›, das Pferde kurz vor einem Rennen zeigt. ‹Irgendwie fühlen wir uns selbst oft wie Jockeys kurz vor dem Startschuss. Irgendwas ist in der Luft, diese Kollektion dürfte nur die Vorstufe zu etwas Grösserem sein›, mutmasst Piotr. Gerade hat das Duo einen Laden in Stockholm eröffnet und den Online-Shop ins Netz gebracht. Ausserdem experimentieren sie mit alternativen Fasern, denn in naher Zukunft sollen alle Kleider umweltfreundlich hergestellt werden. Und wer sich jetzt fragt, wer nun dieser Julian Red ist, biddeschön: die Labelgründer einigten sich, dass das Kind einen richtigen Namen bekommen sollte. Red steht für Energie, den Vornamen Julian klauten sie aus Bret Easton Ellis’ Roman ‹Less than Zero› einem sehr zerrissenem, kreativem Charakter. Nomen est Omen! www.julianred.com
Sabina Kasper
Schöngeister behaupten, dass eine Perle der Mond ist, der auf den Meeresboden gefallen ist. Die Schwedin Sabina Kasper fühlt sich von derlei Schwülstigkeiten eher zur Rebellion geneigt: anstatt die edlen Kügelchen in liebliche Silberfassungen zu zwängen und alten Damen um die faltigen Hälse zu schlingen, bedruckt sie diese mit graffiti-inspirierten Illustrationen und kreiert wertvolle Stücke für die Generation ‹jetzt›. ‹Ich möchte Schmuck aus der herkömmlichen Romantisierung entreissen, die meisten Designer orientieren sich an der Historie, mich reizt die Kollision von Bourgeoisie und Street Culture›, erklärt die 30-Jährige, die mittlerweile in Paris lebt. Das Motto ‹Regeln brechen, kann erst wer sie kennt› hat Sabina verinnerlicht. Sie lernte zunächst das klassische Goldschmiedhandwerk in den Wäldern Schwedens, studierte dann Schmuckdesign und assistierte in Labels in Brasilien und Japan. Comme des Garçons und Acne vertrauen mittlerweile auf die Fertigkeiten der Künstlerin. Zwischen 50 und 1800 Euro kosten die hübschen Geschmeide aus ihrer eigenen Linie und tragen Sabinas Philosophie stets in sich: ‹Schmuck ist Ausdruck persönlichen Stils ganz in der Stille.› Da wäre dann wieder der Meeresboden... www.sabinakasper.com
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Romy Uebel arbeitet als freie Journalistin in Berlin und befasst sich meistens mit dem Thema Mode. Publikationen wie Der Tagesspiegel Berlin, Der Standard Wien, Indie oder Code drucken ihre Sachen regelmässig. Ansonsten arbeitet sie als Trendscout, PR-Consultant und Schreibsklave für diverse Labels, will am liebsten aber immer nur am Strand rumliegen oder Yoga machen.
Julian Red wird sich auch hierzulande bald einen Namen machen
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vive la fragrance
liebe geht durch die nase
Das Altern ist heute keine schreckliche Horrorshow mehr, sondern ein tüchtiger Grund zum Abrocken. Denn mit jedem weiteren Lebensjahr riecht die Frau verführerischer und verdreht so der Männerwelt duftend den Kopf. Ein Erfolg auf der ganzen Linie wird diese unvergleichliche Verführung zudem mit unten folgenden Parfums, weibliche Sinnlichkeit quasi bottled. nicht. Denn man gönnt sich ja sonst parfum, 30ml um CHF 167.-) auf nichts, non? effektvolle Weise gelungen zu sein. Text: Irène Schäppi Hierfür verantwortlich zeichnen Illustration: Raffinerie fabelhafte Ingredienzen wie weisse Lilien und Jasmin, welche – ganz entgegen ihrer ursprünglichen Symbolik aus Malerei und Literatur – alles andere als unschuldig wirken. Die vollendete Transformation zur Schaumgeborenen erfährt die Trägerin dieses Parfums schlussendlich infolge der darin enthaltenen TuberoEs ist vollbracht! Mit stolz geschwell- seessenz, die, vermengt mit würziter Brust darf ich hoch offiziell vergen Noten, dem männlichen Riechkünden: ich bin dreissig und das ist organ den Rest gibt. Auf dass gut so! Denn was mir bislang als von allen Seiten die neckischen und ein drohendes Unheil erschien, finde zugleich wahren Worte der himmliich jetzt absolut wunderbar, weil schen Marlene Dietrich erklingen: gilt: Alt-Werden ist schön. Diese Erkenntnis verdanke ich nun nicht irgendeinem Selbsthilfebuch der Sorte ‹Liebe deine Falten›, sondern meinen neuen Superhelden von der Universität Rutgers in New Jersey. Die haben nämlich im Rahmen einer Untersuchung herausgefunden, ‹... Männer umschwirr´n mich wie dass der Duft älterer Frauen beim Motten um das Licht und wenn sie Gegenüber die Stimmung heben verbrennen, ja dafür kann ich nichts soll sowie Zugänglichkeit signal...› Von Kopf bis Fuss auf Liebe isiert. So konnte ich denn die kürzeingestellt, dürfte man ferner auch lich erworbene Drei auf meinem mit ‹Love› by Kilian (Eau de parRücken im Kreise meiner ebenfalls fum, 50 ml um CHF 314.-) sein. Insälteren und somit herrlich duftenden Freunde ‹magna cum laude› piriert von Marshmallows steuerte die Parfümeurin Calice Becker dem Willkommen heissen, anstatt ‹Oeuvre Noir› von Kilian Hennessy stundenlang hysterisch vor dem einen olfaktorischen Amorpfeil bei, Spiegel zu stehen und erste Fader mittels Iris, Moschus und lten sowie graue Haare zu suchen. Neroli die Geschmacksnerven der Zudem hat sich mir infolge oben erwähnter Studie ein weiteres Mys- jeweils Getroffenen kitzelt. Wer sich nun aber gleich der ovidianiterium erschlossen: ein Herr schen Daphne vom Duft der aus meinem amoureusen BekannLiebe bedrängt fühlen sollte und tenkreis hat sich bis heute nicht sich eher für gefährliche Liebvon seiner um einige Jahre älteren schaften in Merteuil’scher Manier Ex-Freundin lösen können – all begeistert, kann es der Marmeinen jugendlich-veführerischen quise aus Choderlos de Laclos’ Attributen zum Trotz. Und was mir damals unerklärlich schien, stinkt Briefroman gleich tun und sich in Pariser Orgien stürzen. mir nun dank genannter Theorie nicht mehr. Schliesslich regieren Ge- Dies infolge des Auftragens des gleichnamigen Parfums ‹Liairüche den Sex, weshalb es sich sons Dangereuses› (Eau de auch Alessandro GuaItieri – die parfum, 50 ml um CHF 314.-) – geniale Nase des italienischen Parebenfalls aus dem Hause by Kilian fumateliers Nasomatto – zur – wobei Pflaumen-, GeraniumAufgabe gemacht hat, den Duft weiblicher Sinnlichkeit einzufangen. und Zimtnoten für aufregende Momente sorgen, ganz nach dem Und das scheint ihm mit seiner Kreation ‹Narcotic Venus› (Extrait de Prinzip: Alter schützt vor Torheit Schon als kleines Kind bewies Irène Schäppi, unsere Kolumnistin und Duft-Fetschistin, einen guten Riecher. So zum Beispiel, als sie mit vier Jahren den elterlichen Schlafzimmerteppich mit dem damals angesagten Eau de Parfum (!) von Valentino tränkte. Mittlerweile weiss Irène zivilisierter mit den exklusiven Wässerchen umzugehen und benetzt ihre Haut nur noch mit auserlesenen Düften, wobei sie sich leidenschaftlich durch die olfaktorische Welt der Parfums schnuppert.
Von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt
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XBUDI GFFM
CABARET VOLTAIRE Am 28. September 08 stimmt die Stadt Zürich über die dreijährige Verlängerung des Mietvertrags für die Räumlichkeiten des Cabaret Voltaire ab. Gelegenheit, um den Programmleitern des DadaHauses über ihre fein modellierten Schultern zu blicken — und sich dabei eine Meinung zu bilden. Hugo Ball in Kostüm. Cabaret Voltaire, Zürich 1916
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hilipp Meier und Adrian Notz, die künstlerischen und technischen Leiter des Cabaret Voltaire, könnten Brüder sein. Die schlanken Posturen zweier russischer Balletttänzer, auf welchen die braungebrannten Köpfe postbolivarischer Freiheitskämpfer baumeln. Hochgeschossene, drahtige Körper stecken in T-Shirts und Flanellhosen; lederne, angeraute Schuhe führen sie zur Erde. Vielleicht die Kinder einer baskischen Separatistin und eines mexikanischen Bandasängers – oder umgekehrt. Einzig und allein die pierrot`sche Bleiche in Philipps Gesicht, aus welchem kleine Spitzbubenaugen schelmisch in die Weite blicken, erinnert an die kalte Heimat und deren pflasterstein behauene Gassen des Zürcher Niederdorfs. Dort, an der Spiegelgasse 1, ist 1917 Dada entstanden. Diese bis heute schwer katalogisierbare Kunstbewegung, welche aufgrund aussergewöhnlicher politischer und geographischer Umstände in Zürichs zwinglianischem Herzen ihren Anfang fand. Dada, vier Buchstaben, scheinbar willkürlich aneinander gereiht, ein intuitiver Schöpfungsakt, einmal spielerisch und einmal zähnefletschend, von ungeheurer Sprengkraft — ein linguistischer Supergau, der Zugangscode zu einer verborgenen Traumwelt.
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Dada ist alles, Dada ist nichts
‹Vermutlich ist es diese Sehnsucht in uns allen›, welche Adrian als den ‹Hauch des Rebellischen› umschreibt, ‹in welcher wir zuweilen alle schwelgen, und welche Dada diese immerwährende, zeitlose Präsenz verleiht.› Philipp und Adrian sind sich einig, dass Dada als so etwas wie die letzte gehütete Wildnis in unserer Gesellschaft betrachtet werden kann. Eine Zone ohne Gesetze und Konventionen fernab von unseren täglichen Alltagssorgen. Einer weiteren Definition verwehren sie sich. Dada ist alles, Dada ist nichts. Deshalb dieses immense Interesse, sobald der Name Dada auftaucht. ‹In der Schule hören die meisten den Namen zum ersten Mal und er bleibt als Erinnerung an diese pubertäre, aufregende Zeit haften›, erinnert sich Adrian. Die Ausstellung im Centre Pompidou in Paris mit mehreren Millionen Besuchern beweist, wie das Thema Dada die Menschen ungebrochen fasziniert. Wer waren die Dadaisten? Welche Art von Kunst haben sie praktiziert? Welches waren ihre Ziele? Mit dieser Art von Fragen nach der Geschichte sowie der Bedeutung, welcher Dada in der heutigen Zeit zukommt, befasst sich Adrian Notz, Zuständiger für Dadalogie und Leiter der wissenschaftlichen Abteilung des Cabaret Voltaire. Er kuriert und organisiert die Ausstellung im Keller und ist gerade von einer Recherchenreise aus Mexiko zurückgekehrt. Die nächste Ausstellung wird sich um die Interpretation der schillernden Persönlichkeit Arthur Karans und seiner Rolle als Projektionsfläche drehen; Arthur Karan: Boxer und Poet, Neffe von Oscar Wilde, Erfinder des lucha libre, Dandy, Dada Ikone, dadaistisches Ready Made, als das er zeitgleich in den Kreisen von Picabia, Marcel Duchamp und André Breton verkehrte. 1916 kämpft er gegen den ersten schwarzen Schwergewichtsweltmeister Jack Johnson und verliert.
Abstimmungskampf
Ein anderer Kampf wird auf der politischen Bühne ausgetragen: Die unheilvolle Allianz aus SVP und FDP stemmt sich gegen die Verlängerung des Mietvertrags um weitere 3 Jahre und der Unterstützung von jährlich 315‚000 Franken, womit die
Vorlage am 28. September vors Volk gelangt. Die SVP der Stadt Zürich kritisiert insbesondere den subventionierten Kulturbetrieb sowie ‹die Verschmelzung der Interessen der auf öffentliche Gelder spekulierenden Kulturschaffenden und der Kulturförderer der öffentlichen Hand›, wie die SVP der Stadt Zürich auf ihrer Homepage schreibt. Das Geld ist wie immer nur ein Vorwand. ‹Es ist schon erstaunlich, wie hoch die Wellen auch heute noch im Parlament schlagen, sobald es zum Thema Dada kommt›, erzählt Philipp Meier, welcher an der F und F Kunst studiert hat und anschliessend als Greenhorn das Cabaret Voltaire seit seiner Eröffnung 2004 leitet. Sein Zuständigkeitsbereich neben der Gesamtleitung, dem Lokalen und Betrieblichen betitelt er mit Post-Dadaismus: Dabei geht er der Frage nach – welche immer mit einer Behauptung verbunden ist – wie die Dadaisten auf die heutige Zeit und ihre Konventionen in der Kunst reagieren würden.
Opera’s Calling und Sex Casting
Dabei heraus kommen ganz unterschiedliche Aktionen: Bei Opera’s Calling wurde das Opernhaus von einer Künstlergruppe verwanzt und ganze Aufführungen anschliessend übers Telefon in alle Stadtzürcher Haushalte übertragen. Dies entsprang folgender Idee: Zum einen sollte das von staatlichen Geldern gespiesene Opernhaus einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden – die Öffnung elitärer Institutionen zugunsten einer hungrigen Öffentlichkeit – zum anderen wurde mit einer ursprünglichen Idee der Telephonie gespielt: Die Verbreitung von Musikveranstaltungen in einzelne Haushalte. Im Erdgeschoss-Shop des Cabaret Voltaire werden T-Shirts mit dem Blabla von RAF Mitgliedern verkauft. Die FDP hat sich in diesem Zusammenhang – gemäss Philipp Meier — zum Kommentar hinreissen lassen, dass die Stadt Zürich somit Terroristen unterstütze. Dabei ging es eben genau darum, die Ikonisierung einzelner Persönlichkeiten wie beispielsweise Che Guevaras zu hinterfragen. Auf welche Zeichen reagiert die Öffentlichkeit empört und welche werden in einen Kanon des Ertragbaren aufgenommen? Bei einem Sex Casting, in welchem es darum ging, potente und zärtliche Männer zu suchen, welche sich für eine Gruppe von Frauen zu derer Befriedigung zur Verfügung
stellen sollten, wurde das gängige Geschlechtermodell auf den Kopf gestellt. CVP und EVP empörten sich. Bei der Aktion ‹Motherland› wurden T-Shirts der Marke Dada Supreme kopiert und als Kunstobjekte verkauft. Dada Supreme wollte dies verbieten lassen. Aber wo hört Kommerz auf und wo entsteht Kunst; und wer kann und soll die Marke Dada besitzen dürfen? Hoch aktuelle Themen wie die Fälschung eines Markenartikels, Reproduzierbarkeit, Marketingrecht oder Kunstrecht im Antlitz der Globalisierung wurden dabei aufgeworfen und im Fokus Afrikas thematisiert.
Genius loci
‹Das Cabaret Voltaire soll bleiben wo es ist!› Zu diesem Schluss kommen die beiden künstlerischen und technischen Leiter des Dada-Hauses. Der Mythos von Hans Arp, Tristan Tzara und ihren Verbündeten auf der ganzen Welt umweht bis heute die Geburtsstätte einer der aufregendsten Kunstrichtungen der Geschichte. Am 28. September 2008 könnte diesem lebensfrohen Orkan die Luft für immer ausgehen.
rechts: Kunst ist alles, Kunst ist nichts
unten: Hier trafen sich vor bald hundert Jahren die berühmten Querdenker und Freigeister, um der Kunst den Sinn auszutreiben.
Christoph Dubler lebt und arbeitet als freier Journalist und Architekt in Zürich. Er wäre gerne Autorennfahrer geworden. Fotos: Dada Supreme: Flurina Rothenberger Dada Supreme, Opera Calling: www.opera-calling.com, Ausstellung: Martin Stollenwerk und Saal: Tina Sturzenegger. www.cabaretvoltaire.ch
oben: Bilder zum Kunstprojekt ‹Boutique Damani- Dada Supreme› links: Bilder zur Kunstaktion ‹Opera’s Calling›
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Ist junge Kunst stupide? Im Juli lud die Neue Galerie in Bern zur ersten Vernissage der Ausstellung ‹young & stupid› vom Künstlerkollektiv ‹Doux Jesus› aus Neuchâtel ein. Damit gelang den jungen Kuratoren Sandino Scheidegger und Luca Müller ein überzeugender Spatenstich in neues Galerieland. Generationenkonflikte geben. Wir wollen als junge Galeristen auch junge Kunst ausstellen.› Mit dem Titel ‹young & stupid› zielen die Initianten der neuen Galerie eher auf ein junges Publikum, jedoch ist jeder willkommen, der Interesse an einem aktiven Kunsterlebnis hat.
‹Willkommen ist, wer eine Idee und Motivation mitbringt.›
Das Kollektiv ‹Doux Jesus› überzeugt durch verstörende Skurrilität.
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er nicht nach der Neuen Galerie sucht, wird sie auch nicht finden! Die Suche mit Stadtplan und Fahrrad gestaltete sich auch für mich nicht unbedingt leicht. Schliesslich wurde ich jedoch in einem Berner Wohnquartier fündig. Vermutlich hätte ich die Galerie, die sich auf ca. 500 Quadratmetern im Untergeschoss eines alten Werksgebäudes befindet, gar nicht bemerkt, hätte davor nicht ein qualmender Mini Cooper gestanden, der aussah als hätte er sich mit einem Panzer angelegt. Schon beim Eintreten in die Galerie wurde mir klar, dass meine Sorgen vor einer steifen ‹CüpliVernissage› unbegründet waren. Die Stimmung war ungezwungen und man durfte getrost auch ein kühles Bier trinken. Die meisten Gäste waren zwischen zwanzig und dreissig Jahren alt, was der Ausstellung eher die Atmosphäre einer Party unter Freunden verlieh. Aber auch einige Personen der älteren Generation haben sich eingefunden, die vermutlich wohl eher durch den Hinweis ihrer Kinder in die Ausstellung geraten sind. Das Ziel der Galerie möchte es sein, für junge Kunst zu sensibilisieren. Sandino Scheidegger betont: ‹Bei unseren Ausstellungen sollte es keine 74
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Auf die Frage nach der Bedeutung von ‹young & stupid› gibt Scheidegger folgende Antwort: ‹Die Idee ergab sich während den Vorbereitungen zur Ausstellung; die junge Generation stellt sich mit dieser Ausstellung selber dar. Das ‹stupid› meint, dass wir keine Grenzen setzen und auch Kunst zeigen, die Positionen vertritt, die in einer properen Galerie in der Berner Innenstadt kaum eine Chance hätten.› Auch das Konzept der Galerie richtet sich nach diesem Credo: Die Galerie kennt keine fixen Öffnungszeiten, sondern wird nur auf Voranmeldung oder Einladung geöffnet, oft auch in Kombination mit einer Party. Die Galerie soll Interessierten als Plattform für den Austausch künstlerischen Schaffens dienen. Scheidegger sagt, dass jeder, der eine konkrete Idee und die nötige Motivation mitbringe, herzlich willkommen sei, in der neuen Galerie einen Event zu organisieren. Die alte Druckerei versteht sich auch nicht als Unternehmen mit dem Ziel, Gewinn zu machen. Scheidegger bezeichnet das ganze eher als Hobby: ‹Andere Leute geben Ihr Geld im Fitnesscenter aus. Wir möchten lieber etwas bewegen und investieren unser Geld in die Galerie, auch wenn das für uns wohl ein Konkursgeschäft bedeutet.› Obwohl die Künstler vom ‹Collectif Doux Jesus› (bestehend aus Ivan Ebel, Fabian Boschung, Renaud Loda, Sébastien Verdon und Camille Jean Pellaux) ihre Ideen alle auf sehr unterschiedliche Weise umsetzen, gelingt es ihnen dennoch, der Ausstellung eine Einheit zu geben. Die Palette der Werke reicht von Ölbildern und Aquarellen über
Installationen und Skulpturen bis hin zu Fotografien und Videoinstallationen und spricht somit wirklich alle Sinne an. Später am Abend gibt es einen Auftritt eines Cellisten, der ziemlich experimentelle Töne aus seinem Instrument holt und auch den Notenständer in sein Spiel integriert. Dieser Auftritt verwirrt das Publikum aber eher, als dass er sie begeistern kann. Allgemein gehen die Urteile der Besucher von ‹Fantastisch!› bis zu ‹Ich kann nichts damit anfangen!› – aber über Kunst lässt sich ja bekanntlich streiten. Irgendwann beginnt dann ein DJ sehr tanzbare elektronische Musik aufzulegen. Die Stimmung bleibt fröhlich und das rege Interesse an der Bar hilft mit die alte Druckerei noch möglichst lange am Leben zu erhalten. Obwohl sich die Galerie stetig leert, wagen sich um Mitternacht dennoch einige Tanzfreudige aufs Parkett. Als ich mich nach einem gelungenen Abend endlich auf die Heimfahrt begebe, ertönt aus meinem Ipod ein Lied von Saalschutz mit dem Refrain: ‹Ich plane einen Kunstraub…› – Ich denke, ich sollte mich mit den Jungs in Verbindung setzen! www.neuegalerie.ch www.douxjesus.ch Text: Benjamin Rieder
SüssiS, Rätsel und coole Sprüche Marianne und Sibylle basteln Wundertüten und füllen sie mit Süssigkeiten, selbst gemachten Rätseln, Spielen und verzierten Magneten. An einer Tüte sitzen sie bis zu zweieinhalb Stunden. Verkauft wird sie für ein bis fünf Franken. Die beiden letzten guten Menschen kommen aus Basel.
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undertüten haben keine Lobby. Zu jeder noch so hirnverbrannten Höchstleistung gibt es den passenden Eintrag im ‹Guinness Buch der Rekorde›. Das schnellste Möbelstück? Ein englisches Sofa, das mit 148 Stundenkilometern durch Leicestershire raste. Der grösste lebende Hund? Gibson, die über einen Meter hohe Dänische Dogge aus Kalifornien — aber die weltgrösste Wundertüte? Keine Ahnung. Selbst der Wikipedia-Eintrag zum Stichwort ist lachhaft klein: Bloss 2300 Zeichen (ein Drittel davon über Joints und Foto-Objektive). Viel zu wenig, um gescheit davon abzuschreiben. Zum Glück gibt es Sibylle und Marianne Müller: Die 27-jährigen Basler Zwillinge basteln eigene Wundertüten. Seit fünf Jahren. Und verkaufen sie jede Woche auf dem Flohmarkt am Petersplatz. ‹Aber nur, wenn schönes Wetter ist›, schränkt Sibylle ein. An einem guten Tag bringen sie an die zwanzig Stück unter die Leute. Angefangen hat das mit der Fastnacht. Da blieb den Schwestern einst ein Berg von Süssigkeiten übrig. Zu viel, um alles selbst zu essen. Zu lecker, um es einfach wegzuwerfen. ‹Marianne hatte die gloriose Idee, die Täfeli in Wundertüten zu verpacken›, erinnert sich Sibylle. Die ersten Versuche wurden aus Stoffresten zusammengeflickt und sahen reichlich hässlich aus. Marianne entschuldigt sich: ‹Wir hatten die falsche Stoffschere erwischt!› Mittlerweile haben die beiden ihr Handwerk perfektioniert. Und statt Stoff wird Papier benutzt. Sibylle: ‹Vorgemaltes Papier ist aber absolut tabu! Ich bemale alle Wundertüten mit einem selbst entworfenen Grundmuster, das ich mit Kugelschreiber skizziere und mit Filzstift oder Tusche ausmale. Ich habe auch schon Kreide verwendet, aber nur in einer limitierten Edition von vier Stück.› Als sie das sagt, muss sie selbst kichern.
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as gehört in eine richtige Wundertüte? Beide: Natürlich Süssigkeiten! Ausserdem kleine Spielsachen und Luftballons. Aber auch viel Selbstgemachtes: verzierte Magneten oder Kugelschreiber, kleine Sprachlehrmittel, Rätsel und Spiele. 76
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ie verziert ihr die einzelnen Gegenstände?
Mit Stoff, Wolle, schönen Farben oder kleinen Schildern, auf denen coole Sprüche stehen — zum Beispiel ‹I Love You›, manchmal auch Ausgefallenes wie ‹Glückskind› oder ‹Lucky Kid›. Den Preis für Coolness und Design gewinnen sie damit nicht. Und deine Hipster-Freunde werden ihre Nasen nicht so schnell in ein Sprachlehrmittel (‹auf der einen Seite ist das Bild einer Katze, auf der anderen das englische Wort ‹Cat›) aus der Wundertüte stecken. Aber was ist falsch daran, wenn zwei Leute so unbeschwert ihre Kreativität ausleben? Nenn es ‹Outsider Art› oder ‹Naive Kunst›, aber glaub nicht, dass Sibylle und Marianne sonderlich naiv sind. Wenn es um ihre geplante Website www.wundertueten.ch geht, reden die Germanistik- und die Soziologiestudentin nämlich wie gestandene Businessfrauen: Über die Website werden wir vorwiegend kleine Wundertüten verkaufen. Dabei kann es durchaus Abstufungen geben, etwa wenn ein Kunde Extrawünsche hat, die von der Standardgrösse abweichen. Standardgrösse ist alles, was in einem herkömmlichen A4Blatt Platz hat. Das Blatt wird natürlich von Hand bemalt und danach zu Wundertüten in der Gewichtsklasse 250 bis 480 Gramm verarbeitet.
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andbemalt, handgefaltet und gut ein halbes Kilo schwer — da hätte auch Abwegiges drin Platz: Essensreste, abgefallene Pflaster, bedrohte Tierarten. Was gehört eigentlich auf keinen Fall in eine Wundertüte? Beide: Sachen, die für Kinder gefährlich sind, Zündhölzer zum Beispiel. Aber auch obszönes Material, brutale Comics und Waffen. Auf Wundertüten mit Atomsprengköpfen hofft man deshalb vergebens. Trotzdem haben die beiden schon Nachahmer gefunden: Auf dem Petersplatz-Flohmarkt verkaufen zur Zeit auffällig viele Leute selbst gemachte Wundertüten. Sibylle: ‹Eine Siebzigjährige produziert im kleineren Stil. Aber sie ist keine Konkurrenz: Ihre Modelle sind lange nicht so aufwändig gestal-
tet wie unsere — bloss kosten tun sie gleich viel›. Bleibt die Frage: Warum machen die das? In eine Wundertüte investieren Sibylle und Marianne bis zu zweieinhalb Stunden Bastelarbeit. Die billigsten Modelle verkaufen sie für einen Franken, die teuersten für fünf (Stundenlohn bitte selbst ausrechnen). ‹Wir tun das nicht, um Geld zu verdienen›, sagt Sibylle. Sondern um zusammen Spass zu haben – schliesslich sind sie Zwillinge mit allem, was dazugehört.
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ahrt ihr eigentlich auf Zwillingstreffen? Sibylle: Das haben wir uns auch schon überlegt. Aber erst wenn wir beide genug verdienen, können wir uns leisten, einem Zwillingsclub beizutreten und regelmässig zu solchen Treffen zu reisen. Text & Interview: Jürg Tschirren Joschi Herczeg arbeitet als freiberuflicher Portrait-Fotograf in Zürich. Neben Fotografie und Kunst gilt seine Leidenschaft ausgestopften Tieren, kleinen Explosionen und starkem Kaffee. www.joschiherczeg.com
Was braucht man f端r eine gute Wundert端te? Laut Marianne und Sybille vor allem S端ssigkeiten. Wir finden: vor allem ein grosses Herz!
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Pa rr a
tem Penis, vor ihr stehend (auch nackt), trommelnd. Die Bilder und Zeichnungen sind häufig sexuell aufgeladen. Sie wirken dabei allerdings nicht ästhetisch-erotisch, sondern eher plakativ, voyeristisch und pornografisch.
Skurille Wunderwelt
Parras Kunstwerke verwirren den Betrachter auf verschiedenen Ebenen und die Mischung aus Motiv, Botschaft, Überformung und Verfremdung hinterlässt einen merkwürdig zwiespältigen Eindruck. Irgendwo zwischen Ekel und Erregung. Parra (seinen bürgerlichen Namen will er uns nicht verraten) wächst in Maastrich auf. Sein Der niederländische Künstler Parra besticht durch Vater ist Maler. Nach einer klassischen Schulausseine farbenfrohen und ironischen Illustrationen. bildung zieht er mit 22 nach Amsterdam, um dort Mit dem Shop ‹Rockwell-Clothing› wagt er den als Designer zu arbeiten und sich als Künstler zu Spagat zwischen Kunst und Kommerz. etablieren. Es treten auf: Verzerrte Figuren mit langen spitzen Nasen, sich bekämpfende Riesen-Tomaarra, wie wird man Künstler? Mein Weg begann klassisch: Ich habe ten und -Karotten, Stiefel tragende Birnen, gehälfeine Schule besucht, in der man Design tete nackte Frauenkörper, diskutierende Schuhe hätte lernen sollen. War jedoch überhaupt und rote Schnabelwesen und Andere. Szenerien: Der Blick unter einen Rock, Finger nicht mein Ding. Die Schule war eine Farce, wirkwelche an Nippeln ziehen (Nahaufnahme), einsa- lich schlecht, ich habe dort überhaupt nichts me nackte Frau auf einer Bank hockend mit Schirm gelernt. Also habe ich in Amsterdam in einer kleibei Regen, auf allen vieren kniende Frau mit einer nen Ideen- und Design-Agentur ein Praktikum Trommel auf dem Kopf (nackt), Mann mit erigier- arrangiert, gelernt was ich lernen musste und bin
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niemals wieder in die Schule zurückgekehrt. Seither bin ich in Amsterdam geblieben. Das war vor 10 Jahren.
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ie würdest du deinen Stil be schreiben?
Ironisch... erden deine Arbeiten ausgestellt?
Ja, von Zeit zu Zeit, hier und dort. Ich machte ein paar Ausstellungen in Paris, Barcelona, London, Bern, Los Angeles, Miami und eine kleine in Schweden. Ausstellungen machen grossen Spass, insbesondere die Einzelausstellungen. Es gibt gratis Drinks, man ist betrunken und für ungefähr zwei Stunden berühmt und begehrt. Und dann gibt es etwa einen Kommentar auf deiner MySpace Seite von jemandem, welchem die Ausstellung gefallen hat. Es macht wirklich süchtig.
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annst du von deiner Arbeit leben?
Ja, Gott sei Dank. Kombiniert mit ein paar kommerzielleren Jobs, kann ich davon leben, Zeichnungen zu machen. rbeitest du mit anderen Künstlern zu sammen? Mit welchem Künstler würdest du gerne etwas machen?
Ich habe nie wirklich mit anderen Künstlern zusammengearbeitet, indem wir zusammen entwarfen... oh warte! Ich machte das Titelbild eines Magazins mit meinem Freund Delta (www.deltainc.nl). Das war sehr spannend, weil unsere Stile doch sehr unterschiedlich sind. Mir gefallen viele Werke von verschiedenen Künstlern. Grundsätzlich haben alle, die mich auf visuelle Art und Weise zum Lachen, Nachdenken oder Weinen bringen, meine Aufmerksamkeit. Aber wenn ich einen Künstler wählen müsste, würde ich mich wahrscheinlich für einen griechischen Bildhauer entscheiden und ihn bitten, einen meiner Charaktere in Stein zu meisseln. Ich würde ihm helfen, den Marmor von den Stein brüchen in seine Werkstatt zu tragen, wir würden viel Wein aus Amphoren trinken, es würden mindestens 12 griechische Jungfrauen herum liegen. Ausserdem würde ich die Leier spielen. Das wäre einfach umwerfend!
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as hat es gebraucht, um an den Punkt zu gelangen, an dem du heute stehst?
Viel Arbeit und viel ‹Herumhurerei›. Viele gute Freunde und Freundinnen, viel Party machen und einen Vater, der Maler ist. Er hat mich viel gelehrt.
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rei Gründe warum es sich lohnt morgens aufzustehen?
Um den Hund aufzuwecken, den ich für drei Monate babysitte. Ein neuer Tag. Neugierde.
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arra, wie sehen deine Zukunftspläne aus?
Mehr Fruchtsäfte trinken, ein bisschen grösser werden, viel Spass haben und nett sein zu Naomi...
Interview: Matthias Straub Text: Christoph Dubler
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Vom Umschlag bis zum Abspann Man tritt in die Videothek oder in den Bücherladen und findet sich zwischen Dutzenden ‹Neu!›-Etiketten und ‹Bestseller›-Schildern wieder. Und jetzt? kinki schafft Abhilfe und frisst sich für euch Monat für Monat durch den Berg der Neuerscheinungen und Evergreens aus der Welt der Literatur und Filme.
buch
lsd, banken und bünzlis
tradition und moderne
Peter Nitsch: Bangkok. Wer den Bildband ‹Bangkok› zur Hand nimmt, findet nicht, das glit zernde, touristische Bangkok das man aus den unzähligen Touristenführern kennt. In authentischen Momentauf nahmen zeigt der Fotograf Peter Nitsch Gesichter der thailändischen Metropole, die nur bei genauem Hinschauen zu sehen sind. Es ist ein Buch über Bangkoks Alltag und es erzählt von Tradition und Moderne. Es zeigt, dass es auch in der quirligen, chaotischen Stadt der Engel Pole der Ruhe und Gelassenheit gibt. Nitsch hält in seinen Fotos Augenblicke aus ganz alltäglichen Szenen der Men schen aus dem Land zwischen Kam bodscha und Vietnam fest. Hingeführt zu diesen Bildern wird man von Jochen Müssig. Der Autor kennt Thailand seit 27 Jahren. Er ver fasste zahlreiche Artikel und Bücher über das Venedig des Ostens. Auch dem Essay zum vorliegenden Bild band ‹Bangkok› merkt man die Liebe des Autors zu dieser Stadt an. Das Buch macht in Text und Bild nicht nur Lust auf die Stadt, es öffnet auch die Augen, diese aus dem richtigen Blickwinkel zu sehen. Erschienen ist der Bildband bei Rupa Publishing und kostet CHF 67.50.–
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auch von direkt Beteiligten verfasst. Folglich sind die Texte journalistischessayistisch und wirken oft emo tional. Wissenschaftliche Objektivität wurde von keinem der Autoren angestrebt, was der Genauigkeit und Detailtreue keinen Abbruch tut – im Gegenteil. Der Bildband ist im Verlag Scheidegger & Spiess erschienen und kostet CHF 78.–
das Buch zwischendurch kleine Schwächen und kitschige Momente aufweist, ist es zwingend lesenswert und gibt zum Schluss auch eine Er klärung für das ‹Daumenkino› am Ende der Seiten, deren Bilder man nicht vergessen hat. «Extrem laut und unglaublich nah» von Jonathen Safran Foer Fischer Verlag Buchsprechungen: Christine Johanna Schulze
Fritz Billeter und Peter Killer:1968. Zürich steht Kopf. Hat die 68er Revolution auch vor der neutralen Schweiz nicht Halt gemacht? Wen diese Frage interes siert, könnte eine Antwort in dem Bildband ‹1968. Zürich steht Kopf› finden. In aufwendiger Recherche sind die Herausgeber Fritz Billeter und Peter Killer sowie 18 Autorinnen und Autoren der Frage nachgegan gen: Stand Zürich damals wirklich Kopf? Es kommen Zeitzeugen zu Wort und mit vielen Dokumenten, Fotos und Kunstwerken wird der Geist der 68er Jahre lebendig. Um das Lebensgefühl jener Zeit nahe zu bringen, werden 68 Phä nomene besprochen, wie die auf die Strasse getragenen Vietnamproteste, die Veränderung der Rolle der Frau und ihre Forderung nach Selbstbe stimmung, der Umbruch im sexuellen Bereich, das Phänomen der Kommu nenbildung und die Propagierung der antiautoritären Erziehung. Auch der Wandel der Künste dieser Zeit wird beschrieben. Es wird verdeutlicht, dass in der Bild-, aber vor allem in der Wort-Kunst die Mög lichkeiten lagen, zu den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen jener Zeit Stellung zu nehmen – also emotional wie auch intellektuell zu überzeugen. Ebenso wird dem auf kommenden Drogenkonsum als Mit tel zur Bewusstseinserweiterung ein Aufsatz gewidmet. Die Aufsätze wurden fast aus schliesslich von Zeitzeugen oder
laut, extrem und skurril
‹Extrem laut und unglaublich nah› von Jonathan Safran Foer Foer hat mit seinem Debütroman ‹Alles ist erleuchtet› für Furore ge sorgt, das Buch wurde sogar von Hollywood verfilmt. Jetzt erscheint sein zweiter Roman ‹Extrem laut und unglaublich nah› endlich auch als Ta schenbuch. Diesmal aus der Ich-Per spektive eines neunjährigen Jungen namens Oskar Blum, der bei den Anschlägen auf das World Trade Center seinen Vater verloren hat und jetzt erfahren will, wieso sich sein Vater überhaupt dort aufgehalten hat. Wer jetzt aber eine weitere Hel dengeschichte eingewickelt in die amerikanische Fahne erwartet, irrt gewaltig. Foer wäre nicht Foer, wenn seine 9/11 Geschichte nicht kom plett anders wäre. Abgefahren, wit zig und skurril, aber eben auch be wegend. In seiner Reise durch ein New York, das man so noch nie ge schrieben gesehen hat, sucht Oskar nach Antworten und findet einen Schlüssel, der ihn aberwitzige Aben teuer erleben lässt. Fast noch bes ser als sein Vorgänger, auch wenn
film
den Besitzer Ozzie Cox (John Malkovich), einen vom Dienst suspendierten CIA-Agenten, zu erpressen. Doch auch für eine Erpressung ist etwas Know-How erforderlich, das die beiden schlicht nicht haben. Dazu erschwert ihnen der charmante und sexuell umtriebige Harry Pfarrer (George Clooney) ihre Erpressungsversuche. Schon bald wissen die Amateur-Erpresser nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht. Und als wäre das nicht genug, kommen auch noch die Russen ins Spiel. ‹Burn after Reading› – Wer ver brennt sich hier die Finger? ist der neuste Streich der Brüder Joel und Rogue Ethan Coen, die zuletzt mit ‹No Nach seinem sensationellen Country For Olde Men› an den dies Erstlingserfolg ‹Wolf Creek› liess es jährigen Oscar ® Verleihungen ab Regisseur Greg McLean mit ‹Rouge› gesahnt haben. Zusammen mit ei noch härter angehen und präsentiert nem ausgelassen agierenden Cast feinsten Creature Horror der beson der Höchstliga treiben sie in dieser ders blutigen Art. Ein absolutes typisch bissig-satirischen Komödie Genre-Highlight! den Spass wieder einmal auf die McKell glaubt, dass ihn nichts Spitze. Ganz so, wie wir es von ‹Far mehr überraschen kann. Der go› und ‹The Big Lebowsky› ge abgebrühte US-Journalist hat auf wohnt sind. Herrlich! der ständigen Suche nach dem ultimativen Thrill schon fast alles gesehen. Als er sich in Australien einer Touristengruppe anschliesst, die eine Bootstour durch den Kakadu National Park unternimmt, wird ihm schnell langweilig. Er überredet die attraktive Bootsführerin, unerforschte Gewässer anzusteuern. Ein ganz schwerer Fehler, wie er feststellen muss, als ein gigantisches Krokodil aus dem Wasser schnellt und das Boot zerlegt. Die geschockten Insassen können sich auf eine schlammige Flussinsel retten. Doch die liegt mitten im Jagdrevier des gefrässigen Reptils. Ein gnadenloser Kampf ums Überleben beginnt … Starter for 10 ‹Seit ich denken kann, wollte ich schlau sein. Es gibt Leute, die werden schlau geboren. Und andere werden hübsch geboren. Zu beiden gehöre ich nicht. Ich musste mir alles hart erarbeiten. Mein Ehrgeiz war immer schon, auf eine Frage die richtige Antwort zu wissen.› Brian (James McAvoy, ‹Die Chroniken Von Narnia›, ‹Band Of Brothers›, ‹Swimming Pool›, ‹Last King Of Scotland›, ‹Abbitte›, ‹Geliebte Jane›, ‹Wanted›) kommt aus einfachen Verhältnissen und tritt Burn after Reading an der Elite Uni Bristol von einem Als die Fitnesstrainerin Linda Fettnapf in den nächsten. Als ihm Litzke (Frances McDormand) und ihr noch Kate, seine Traumfrau, über eher dümmlicher Kollege Chad den Weg läuft, tut er alles, um sie (Brad Pitt) zufällig eine ominöse CD beim Fernsehquiz ‹Starters For 10› mit brisanten Dokumenten in ihrem zu beeindrucken. Doch wie man das Fitnessclub finden, wittern sie die anstellt, steht in keinem seiner Chance ihres Lebens. Sie versuchen Bücher ...
voreilig abgebrüht
dvd
falsch gepaukt
schusselig erpresst
Eine durch und durch britische Komödie mit dem Soundtrack von ‹Motörhead›, ‹The Cure› und ‹Tears For Fears›, der die 80er wieder lebendig werden lässt. ‹Starter for 10› ist eine Komödie über Loyalität, Freundschaft, Liebe und den Unterschied zwischen Wissen und Weisheit.
chaotisch gedreht
Son Of Rambow. Nach ‹Bend It Like Bekham›, ‹Billy Elliot› und ‹Death At A Funeral› kommt mit Son Of Rambow ein weiterer Publikumsliebling voller Herz, grenzenloser Phantasie und wunderbar britischem Humor. Der Regisseur, der uns mit dem Märchen ‹Per Anhalter durch die Galaxis› schon mal auf wunderbar absurde Weise die Welt erklärte, doppelt mit ‹Son Of Rambow› auf oberwitzige Art nach. Ein langer Sommer in den frühen 80er Jahren. Der elfjährige Will (Bill Milner), streng gläubig erzogen, wächst in einer Welt auf, in der Filme und Musik verboten sind. Eines Tages tritt der Schulrabauke Lee Carter (Will Poulter) in sein Leben und verändert mit einer Raubkopie von ‹Rambo› für immer alles. Voller Begeisterung beginnen er und der Schulrüpel Lee – mit einer Videokamera und Will in der Hauptrolle – nun ihre eigene Fortsetzung zu drehen. Trotz wilder Stunts und grenzenloser Phantasie sind sie immer darauf bedacht, dass ihnen Lehrer und Eltern nicht auf die Schliche kommen…‹Son of Rambow› ist ein Film über eine wunderbare Freundschaft von zwei heranwachsenden Jungs, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Geschichte bewegt und erfreut – sie ist witzig und rührend zugleich und versetzt dich unverzüglich in deine eigene Kindheit zurück. Voller Charme und männlicher Romantik hinterlässt Son of Rambow garantiert ein gutes Gefühl. Am diesjährigen Filmfestival Locarno gewann ‹Son of Rambow› den Publikumspreis. Filmbesprechungen: Valerio Bonadei
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Illustration: Raffinerie AG für Gestaltung Bildbearbeitung und Grafische Gestaltung: Cyrill Frick | cyrill.frick@kinkimag.ch Lektorat: Peter Rösch | peter.roesch@kinkimag.ch Events: Hanna Lauer | hanna.lauer@kinkimag.ch Promotion: Franziska Bischof | franziska.bischof@kinkimag.ch Freie Mitarbeit: Mathias Bartsch, Valerio Bonadei, Max Celko, Jens Dierolf, Christoph Dubler, Isabelle Haklar, Olivier Joliat, Vania Kukleta, Benjamin Rieder, Irène Schäppi, Adrian Schräder, Jürg Tschirren, Romy Uebel Anzeigenverkauf: Aurum Communication AG | anzeigen@kinkimag.ch Aboservice: www.kinkimag.com/abo | abo@kinkimag.com Online: Orange8 Interactive AG, Mattenstrasse 90, 2503 Biel/Bienne, www.orange8.com Auflage: 40000 Druck: AVD Goldach www.avd.ch
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top notch gallery Europas wichtigste Galerien für junge Kunst
subaquatica – madrid Eintauchen in die Welt der Kunst: Subaquatica entdeckt immer wieder neue Talente und bietet ihnen eine Plattform für ihre Arbeiten.
denen die Kuratoren in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben oder denen sie sich verbunden fühlen. Während des diesjährigen Sommers ist eine Ausstellung des portugiesischen Illustrators Richard Camara zu sehen. Ein überaus talentierter Künstler, der erst kürzlich von den Galeristen entdeckt wurde.
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as ist Subaquatica? Das Wort beschreibt einen Seelenzustand, eine Utopie, ein auftauchendes Unterwassergeheimnis. Es bezeichnet auch die ‹flüssige› und sich ständig wandelnde Idee zeitgenössischer urbaner Kultur. Subaquatica ist eine Art Label, eine Firma für Creative Management und es ist gleichzeitig ein Ort in Madrid, wo Kunstgegenstände und -drucke von spanischen und internationalen Künstlern ausgestellt und zum Kauf angeboten werden. Auch Bücher, Magazine, Designer Toys und T-Shirts sind hier zu finden. Würde man versuchen die Wirkungsweise von Subaquatica in einem Ausdruck zu beschreiben, müsste man eine Wortkreuzung aus Concept
Store, Buchladen und Kunstgalerie verwenden – wobei der inhaltliche Fokus eindeutig auf junger Street Art liegt. Das Schöne an dieser Galerie ist, dass vor allem Künstler gefördert werden, die normalerweise keinen Zugang zu etablierten Galerien in Madrid und Umgebung finden. Hier können die Youngsters erste Erfahrungen im Galerien-Business sammeln und sich einen Namen in der Kunstszene machen. Künstler, die bisher bei Subaquatica ausgestellt haben, sind beispielsweise Maya Hayuk, Rinzen, Stephan Doitschinoff ‹Calma›, Blu, PMH, Derrick Hodgson, Bfree, Danny Sangra, Sixe, Danny Sangra, Ezba, 3ttman, Remed oder Pelucas. Im Mai 2008 feierte Subaquatica ihren fünften Geburtstag. Im Rahmen eines grossen Geburtstagsfestes wurden die Werke vieler lokaler und internationaler Künstler ausgestellt, mit
Subaquatica c/ Caballero de Gracia 9 Madrid, 28013 Spanien www.subaquatica.com Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 11:00 Uhr bis 14:30 Uhr und 17:00 Uhr bis 20:30 Uhr Fotos: Subaquatica
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BURN TO EARN Ein Interview mit Fred Mortagne: Filmer, Fotograf und analoger Aktivist Das französische Multitalent Fred Mortagne zählt zweifellos zu den innovativsten und umtriebigsten Aktivisten der Skateboardszene. Zu etwas Berühmtheit gelangte er durch seine Aufnahmen und detailverliebten Editings für einige der bekanntesten Skateboardvideos. Aber Fred lässt sich nicht so einfach nur in die Videoschublade packen.
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enn neben der Arbeit hinter der Videokamera und am Schneidetisch ist Fred auch ein begnadeter Fotograf mit einer – nennen wir es mal – ‹Old School Attitude›. Er ist ein Künstler, der sich wie wenig andere mit dem Medium auseinandersetzt. Ausserdem ist Fred neben seiner Begabung auch ein super netter und vor allem todwitziger Typ – er hat Fantasie für zehn und vor allem auch die Disziplin und den Perfektionstrieb, die ganzen Spielereien umzusetzen. Denn wenn es um seine Arbeit geht, die für Fred mehr Berufung als Beruf bedeutet, ist er sehr genau und 90
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auch nicht kompromissbereit. Der kleine Franzose beisst sich so lange an einer Idee die Zähne aus, bis ein Video oder Foto so aussieht, wie er es im Kopf hat. Und er hat seine ganz eigene Philosophie in Punkto Technik und Ästhetik. Wo andere Fotografen bei einer Digitalaufnahme schon längst im Photoshop einen Himmel blauer und vielleicht sogar eine Perspektive extremer gezogen haben, schwört Fred noch auf die Magie des Films. Wenn man so möchte, ist Fred vielleicht einer der letzten konsequenten Analogfotografen. Das ist ihm auch bewusst und obwohl es ihn traurig macht, dass die Welt immer mehr technologisiert wird, glaubt Fred an seine Arbeit und kämpft für ein Fortbestehen der alten Technik.
Die Schönheit des Organischen
Grund genug, sich Freds Arbeiten genauer unter die Lupe zu nehmen und ihm einen Blick über die Schulter zu werfen. In seiner aktuellen Fotoausstellung ‹One Foot in the Grave› (die bis zum zehnten März in Paris zu sehen war) waren Bilder ausgestellt, die aussahen, als hätte sie jemand aus dem Feuer gezogen. Es gab im Vorfeld schon viele Spekulationen, mit welchen technischen Tricks Fred gearbeitet habe. Die Lösung: keine Tricks – das Feuer war echt. In zahlreichen Versuchen hat Fred die Fotos ‹verbrannt›, bis er den Effekt erzielen konnte, den er sich gewünscht hat. Wenn man den ‹FeuerLook› aber viel einfacher am Computer erzeugen und später überhaupt keinen Unterschied mehr feststellen kann, ob er natürlich oder künstlich gemacht wurde:
W
o soll dann der Unterschied zwischen einem Photoshop-Filter und echtem Feuer sein?
Weisst du, es ist einfach UNMÖGLICH die Wirkung eines echten Feuers zu simulieren. Man wird niemals dasselbe Ergebnis erzielen können. No way! Ein Feuer hat viele verschiedene Effekte auf das Bild, das kann man nicht am Rechner nachmachen: es entstehen feine Risse, das Foto verbiegt sich und wenn man es dann ausdruckt, erscheinen manche Stellen unscharf und verzerrt. Du kannst einen bestimmten Filter bei verschiedenen Fotos immer nur auf eine Art anwenden, beim echten Feuer weiss man aber nie, was dabei rauskommt. Diverses Filmmaterial reagiert immer anders und es gibt auch noch grosse Unterschiede zwischen Farb- und Schwarzweiss-Film. Ich kenne nicht mal einen ‹Feuer-Filter› bei Photoshop. Ich habe mich nie damit auseinandergesetzt und wüsste auch nicht warum. Lass mich raten: vielleicht weil es schneller geht und einfacher ist? Das ist dasselbe Thema wie bei der Frage: Digi-Video oder Super 8 Film? Die Kameratechnik ist viel besser geworden, aber man wird nie die Super 8 Ästhetik erreichen. Ich filme immer noch mit Super 8, weil es keine bessere Möglichkeit gibt, diesen originalen Look zu erzielen. Super 8 ist einzigartig. Es ist wie mit dem Essen. Da gibt es auch einen Riesenunterschied zwischen dem Essen, das industriell hergestellt wird und dem, was von einem kleinen Bauernhof kommt. Das eine schmeckt lecker, das andere ist einfach nur eine fade Imitation.
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ast du schon mal digital fotografiert oder boykottierst du diese Technik aus Prinzip?
Ich hab mir vor gar nicht so langer Zeit eine Digitalkamera gekauft. Also kann ich gar nicht total dagegen sein. Aber ich nehme sie nur als Zweitkamera in Ausnahmefällen, wenn ich zum Beispiel ganz schnell ein Foto machen möchte, oder wenn ich ein Testfoto für die ‹richtige› Kamera brauche. Auch für kleinere kinki
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Aufträge, die nicht so viel kosten dürfen, oder eben manchmal, wenn ich einen ‹Stop Motion› Trickfilm machen möchte. Aber alle wichtigen Bilder möchte ich auf Film schiessen. Ich finde die Film-Qualität immer noch unschlagbar und ich könnte niemals die selben Fotos als Digi Shots machen, die ich analog fotografiere. ‹Fuck digital!›. Diese blöden Photoshop-Filter für eine grobe Körnung – das kommt niemals an einen Kodak T-Max 3200 Film heran!
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ann ist es also nur eine Frage der Qualität für dich? Manche Fotografen behaupten, dass man zum Beispiel mit einer Nikon D3 die analoge Fotografie qualitativ schon erreicht hat.
Egal wie weit sich die digitale Fotografie auch entwickeln wird: sie kann niemals den Film verdrängen. Es wird sich ergänzen, aber das eine kann das andere nicht ersetzen. Nicht einmal die CD und MP3 zusammen konnten die Schallplatte zu den Sauriern schicken. Vinyl ist immer noch am Leben und es kommt sogar mit einem grossen Bang zurück – einfach weil der Klang so schön ist. Es ist wirklich dämlich zu denken, dass man mit der digitalen Technik die analoge verdrängen kann. Heutzutage nehmen wieder ganz viele Bands mit analoger Technik auf, um den echten alten Vintage Sound zu bekommen. Und das, obwohl es heute genug digitale Programme dafür gibt. Ein Hauptproblem der Digitalisierung ist, dass man zwar abgefahrene Sachen machen kann, aber die Technik perfekt auch beherrschen können muss. Dafür braucht man ganz schön Skills. Weil sich viele Fotografen nicht so gut auskennen, fotografieren sie auch nicht im Raw Format, sondern machen JPGs. Das ist doch Quatsch. Man merkt daran, dass die Leute keinen Plan haben. Und das wirkt sich natürlich auf die Qualität aus. Sie könnten viel bessere Fotos auf Film machen, aber wählen lieber den bequemen, schnellen und billigen Weg.
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enkst du, dass man mit einer DigiKamera anders an das Foto herangeht? Weil man gewissermassen unbegrenzten Speicher hat, kann man auch ein Motiv 1000 Mal schiessen, bis es passt. Es heisst ja, dass grosse Fotografen der Alten Schule wie Andreas Feininger nie mehr als eine Handvoll Aufnahmen von einem Motiv gemacht haben, weil das Bild in ihrem Kopf schon fertig war.
Genau das ist eines der grössten Handicaps der digitalen Fotografie: Man kann soviel knipsen, wie man will. Das ist fast schon wie ein Video zu filmen, man fotografiert eine Sequence und pickt sich das beste Still heraus. Damit zerstört man die Magie des Fotografierens: nämlich den Moment einzufangen.
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it dem Tod der analogen Fotografie stirbt eine ganze Industrie. Die Firma Polaroid produziert nicht mehr, die Labore haben es verdammt schwer und man findet kaum mehr analoge Filme in den Läden. Denkst du, dass die alte Schule komplett aussterben wird, oder bleibt eine Nische für die alten Kameras?
Keine Ahnung. Vielleicht ist die analoge Technologie schon früher verschwunden, als wir uns vor92
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stellen können. Wir Fotografen haben es in der Hand. Wenn die herkömmliche Fotografie verschwindet, sind wir dafür verantwortlich. Und wenn sie weg ist, dann ist sie für immer weg. Polaroid wird nie wieder einen Film produzieren, auch wenn manche Leute den Film schon jetzt vermissen. Für die Firmen lohnt es sich einfach nicht mehr. Meine grösste Sorge ist, dass viele Fotografen mit der digitalen Fotografie unzufrieden sein werden. Sie würden gerne wieder mit Film fotografieren, aber den gibt es dann nicht mehr. So läuft es zum Teil jetzt schon. Wir müssen jetzt schnell reagieren – eigentlich hätte man schon viel früher etwas dagegen tun sollen. Es ist wie bei der Erderwärmung. Wir wollten lange genug nichts davon wissen. Und jetzt, wo sich die Situation zuspitzt, wollen alle etwas tun. Dabei ist es fast schon zu spät. Man kann die Entwicklung nur noch verzögern, aber nicht mehr komplett stoppen. Vielleicht ist es sogar gut, dass Polaroid so schmerzlich verschwunden ist. Vielen Leuten wird der Verlust erst jetzt bewusst und vielleicht bewegt sich dann etwas.
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as ist der grösste Verlust, der mit dem Tod der analogen Fotografie verbunden ist?
Mit dem Tod des Films stirbt die ‹Schönheit des Organischen›. Der einzige Grund für die Existenz der digitalen Fotografie ist ihre bequeme Handhabung und die Wirtschaftlichkeit. Das ist die traurige Wahrheit.
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iese Bilder waren ja in der Ausstellung ‹One Foot in the Grave› in Paris zu sehen. Wie sind die Reaktionen von anderen Fotografen auf die Bilder?
Ich bin echt gestoked, weil ich so viel gutes Feedback bekommen habe. Die meisten Leute fühlen sich betroffen, wenn sie mit dem Problem des Verlustes der analogen Fotografie konfrontiert werden. Nicht nur Fotografen... Ich habe in der Ausstellung einen Text über die Problematik und die Gefahren aufgehängt, die beim Aussterben der analogen Fotografie entstehen können. Damit habe ich versucht die Leute auf das Thema aufmerksam zu machen. Und tatsächlich haben viele den Text gelesen und sind nachdenklich geworden. Wenn er dazu beiträgt, auch nur in einem kleinen Rahmen etwas zu bewirken, dann bin ich schon froh. Vielen Dank an alle für eure Aufmerksamkeit.
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u hast für Videos wie ‹Menikmati› und ‹Sorry› gefilmt und sie auch editiert. Gibt es irgendwelche andere Videoprojekte, mit denen du dich gerade beschäftigst? Oder hast du dich voll und ganz der Fotografie gewidmet.
Nein, ich werde mich nie nur für das eine oder das andere entscheiden. Sowohl das Filmen als auch das Fotografieren sind spannend – zwar unterschiedlich, aber sie ergänzen sich. Ich habe mich um ein paar kleinere Projekte gekümmert, weil der Zeitaufwand bei einer grossen Videoproduktion immens ist. Gerade das Schneiden ist der Wahnsinn. Ich habe mich zum Teil zweieinhalb Monate mit meinem Computer eingeschlossen und nichts anderes
mehr gemacht. Da wird man zum Vampir: Nachts arbeiten und nur noch über Emails mit anderen Menschen in Kontakt treten. Editing ist für mich der Inbegriff einer ‹Hass-Liebe›. Eigentlich arbeite ich immer an mehreren Projekten gleichzeitig, dadurch kommt keine eintönige Routine auf. Das würde mich verrückt machen. Es gibt also gar keinen typischen Fred-Mortagne-Tagesablauf. Jeder Tag ist anders. Ausserdem bin ich seit kurzem beim ‹Ill Studio› dabei.
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as ist das genau, das ‹Ill Studio›?
Das ‹Ill Studio› ist quasi das Überbleibsel vom berühmten Chill Magazine, eine Art Agentur für verschiedene Disziplinen aus der Skateboardbranche, aber auch ausserhalb davon. Wir wollten unsere verschiedenen Begabungen unter einen Hut bringen, aber wir arbeiten nicht immer zusammen an den Projekten. Wir machen Projekte in den Bereichen Grafik Design, Video, Fotografie und Musik. Dabei entstehen Musikvideos, Anzeigen und Werbekampagnen, Web-Videos und auch Bücher. Bald wird zum Beispiel das ‹10 Jahre Cliché›-Buch erscheinen. Ich mache auch einige Jobs, die nichts mit dem Skateboardbusiness zu tun haben. Manchmal braucht man einen frischen Wind bei der Arbeit. So kam es, dass ich einer jungen, lokalen Band geholfen habe. Sie heissen ‹Coming Soon› (myspace.com/starsoon) und ich habe ihr Video und alle Bandfotos gemacht. Die Jungs sind echt cool, ich habe sie entdeckt, als ich einen Song für das Cliché Video gesucht habe. Das neue Album heisst ‹New Grids› und wird auch stellenweise im kommenden Cliché Video zu hören sein. Vielen Dank für das Interview!
Der Autor Matthias Straub ist freier Journalist, Familienvater und glückloser Skateboardfahrer. Ausserdem versucht er jeden Monat die Autoren und Fotografen des kinki magazine zur pünktlichen Abgabe zu bewegen. Fotos: Fred Mortagne
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Bike ’n’ Beer Küren Velokuriere ihren Europameister,
geht es nicht nur um die Rennen. Nebst acht offiziellen Disziplinen wurden an der diesjährigen ECMC in Eindhoven auch 9000 Dosen Bier bewältigt.
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on ‹Coolen Helden der Stadt› bis zu ‹Hirnlosen Strassenrowdys› wird Fahrradkurieren einiges an Titeln angehängt. Die echten Titel wurden jedoch Ende Juli bei den European Cycle Messenger Championships (ECMC) in Eindhoven verliehen. Dort traf sich ein bunt gemischter Haufen Velo-Afficionados mit scheinbar überdimensionierten Taschen und zu kleinen Käppis. Von Spanien bis Finnland sind sie angereist, ein paar sogar aus Amerika und Japan, um sich mit anderen Kurieren zu messen.
Lone Wolf oder Rudeltier?
Die Wettkämpfe sind jedoch kein Thema, wenn man in der Nacht vor der ECMC beim improvisierten Campingplatz auf dem Renngelände ankommt. Lautstark wird man von ein paar Dutzend Kurieren begrüsst, die sich das Wochenende davor in Paris mit Rennen und Partys auf die ECMC eingestimmt haben und dann nach Eindhoven pedalt sind. Kuriere kämpfen sich zwar alleine durch den stressigen Alltag, nach Feierabend sind es aber äusserst gesellige und gemütliche Rudeltiere. Das ist wohl auch der Hauptgrund, weshalb sie jedes Jahr zu Welt-, Europa- und anderen Meisterschaften oder Kurier-Events ziehen. Die Schweizer sind seit der ersten WM 1989 in Berlin stets in grosser Zahl und erfolgreich dabei. In Eindhoven vor allem aus Zürich, Basel und Winterthur. Am nächsten Morgen könnte man die Stadt erkunden. Im Designhuis lockt eine Velo-Ausstellung und in einem Uni-Gebäude werden Bike-Filme gezeigt. Doch auch wenn ein paar Kuriere versuchen die Szene als Urban Bike Culture zu verkaufen: Die meisten schlafen lieber aus und rollen ab Mittag zum Polo-Feld. Dort schlagen sich Dreier-Teams Bälle und manchmal auch die Schläger um die Ohren. Das Spiel ist hier zwar nicht so körperlich wie in den Staaten, Material und Mensch leiden trotzdem – vor allem beim Halbfinal von Basel gegen Kopenhagen. Die Bebbi setzen sich knapp 5:4 durch. Nicht nur weil ihr bester Mann technisch brilliert. Der kleine ‹Koblein› wirft mit furchtlosen Frontal-Checks selbst Hühnen wie ‹Jumbo› aus dem Sattel und aus dem Polo-Turnier. Das ist fast die imposantere Leistung als der Finalsieg über Moving Target aus England. ‹Jumbo› heisst nicht bloss wegen seiner Grösse so. Er ist mit seinem Rad verwachsen. Er ist der Fixie King. Fixies sind Starrlauf Velos. Die auf der Bahn gebräuchlichen Velos sind aufs Nötigste reduziert. Ein Gang muss reichen und auch auf Bremsen wird in der ursprünglichen Version verzichtet. Da 94
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re benutzen auch präparierte Schlösser. Das spart bei den Lock-up Checkpoints wichtige Sekunden. Auf die bei den anderen Veloprofis sehr beliebten Hilfsmittel wird jedoch verzichtet. Sicher würden viele bei Dopingtests positiv anschlagen, gerade hier in Holland. Wirklich leistungsfördernd wären die gefundenen Substanzen jedoch nicht. Selbst Aspirin wird in der Kurierszene vor allem gegen Kopfschmerzen eingesetzt. Wenig zu tun mit normalen Velorennen hat auch das ständige Beschleunigen, Bremsen und dabei noch Denken während dem Main Race. Die Qualifikationsläufe sind bei 30°C und suboptimal rollendem Belag hart. Der Final setzt noch einen drauf: Drei lange Stunden muss man mit gescheiter Jobwahl möglichst viel Kohle verdienen. Ein paar der 75 Finalisten und 15 Finalistinnen widmen sich vorzeitig dem Après-Bier. Freiwillig oder wegen Materialschäden wie etwa Rock’n’Rolf aus Winterthur, der zwischenzeitlich gar führt, bis sein Unterrohr bricht. Bei den Frauen gewinnt die nun in Berlin fahrende Kopenhagerin Astrid Narud, bei den Männern der Bremer Michael Brinkmann. Bester Schweizer wird als zweiter Jakob ‹Koblein› Boss, der den drittplatzierten Fixie King ‹Jumbo› erneut schlägt. Diesmal aber ohne Körperkontakt. Einen Sieg dürfen jedoch alle Kuriere für sich verbuchen. Die 8000 Büchsen Bier reichten nicht Besser passt das abendliche Alleycat. Wie bei ei- und für die rauschende Abschlussparty mussten ner Schnitzeljagd gilt es bei diesen illegalen Ren- 1000 Bier nachbestellt werden: Prost auf Eindhonen, verschiedene Checkpoints in der Stadt anzu- ven und die ECMC 2009 in Berlin! fahren und dabei irgendwelche Aufgaben zu Olivier Joliat (30) lösen. Die holländischen Autofahrer entpuppen Der Autor arbeitete lange sich dabei als äusserst hupfreudig, wenn man abZeit selber als Veloseits der omnipräsenten Velowege fährt. An Gekurier. Mittlerweile sitzt er allerdings öfter vor schichten mangelt es bei der anschliessenden dem Computer als im VeParty jedenfalls nicht. Auch nicht an Bier. 8000 losattel, denn er arbeitet als freier Journalist für diverse Zeitungen und Büchsen zu 1 Euro haben die Veranstalter organiHin und wieder fährt siert und Ziel ist es, dass alles bis zum Ende der Zeitschriften. Olivier aber gerne eine ‹NostalgieECMC wegkommt. Ein harter Job für die etwas Schicht› beim Metro Kurier Basel. über 300 Kuriere. Gut gibt es in Holland nebst Fotos: Fotoburo Brabant Heineken auch Bavaria Bier, das sich bei der www.fotoburobrabant.nl Nächste Kurier Events in der schwülen Hitze als schmackhafter Durstlöscher Schweiz: 16.-19.10. Bicycle Film entpuppt. Erst am dritten Tag dreht sich alles ums Main Race. Das Rennen ist dem Kurieralltag nachempfunden. Beim Start erhält man ein Manifest mit Aufträgen. Die versucht man so zu kombinieren, dass man mit möglichst wenig Beinaufwand durchkommt. Hirnversagen machen die strammsten Waden nicht wett. Darum versuchen vor dem Rennen nun mehr oder minder belämmerte Köpfe sich die zehn Checkpoints einzuprägen und wie man sie am besten anfährt. Zur Gedächtnis-Stütze werden Karten auf die Lenker geklebt. Viele Kurie-
man mit dem Starrlauf vor- wie rückwärts fahren kann, reguliert man alles mit den Beinen. Einst ein Minderheiten-Trend aus den Staaten, fährt der stylebewusste Kurier heute Starrlauf. Es gibt an Meisterschaften traditionsgemäss spezielle Fixie Competitions. Der Beste wird Fixie King und das ist ‹Jumbo›. 52 Kreise dreht er rückwärts, beim ‹Track Stand› (Still Stehen) balanciert er mit nur einem Fuss in den Pedalen weiter, als alle anderen längst abgestiegen sind und beim Skidden legt er mit wohl über 100 Metern die längste Bremsspur. Als besonderes Schmankerl zeigt er nach den offiziellen Fixie Wettkämpfen noch, dass er freihändig das Vorderrad heben und ein paar Meter auf dem Hinterrad rollen kann. Andere drehen freihändig auf dem Velo stehend Zigaretten und anderes. Doch nicht alle mögen den König. Zu gewissenhaft bereitet er sich vor, hat verschiedene Velos dabei und zieht für’s Skidden gar speziell rutschige Reifen auf. Solch seriöse Seriensieger harmonieren schlecht mit dem Outlaw Style vieler FixieFahrer.
Kein Radrennen ohne Doping
oben: Guck’ mal, da vorne gibt’s Fahrräder umsonst!
links: Diese Dame hat ihr Fahrrad immer dabei.
unten: Lieber den Schnaps in den Knochen als die Haut am Asphalt.
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new york by daniel cramer
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er New York besucht, begibt sich sozusagen ins Wohnzimmer der Welt! Menschen strömen von überall her mit grossen Erwartungen in den Big Apple, und genau diese Erwartungen sind es, die diese Stadt zu so etwas Einzigartigem machen. Doch was macht den typischen New Yorker aus? Warum geht er nur Montags und Dienstags aus? Warum zahlt er fürs Metroticket nur einen statt zwei Dollar? Und wer hängt all die Handschuhe und Schals an die Bäume und Sträucher? Fliegt doch einfach selber hin und findet es heraus!
Daniel Cramer ist Fotograf und verbrachte zahlreiche Monate mit und ohne Unterbrechungen im Big Apple. Laut eigener Aussage wurde Daniels Leben und Arbeit massgeblich durch die Stadt geprägt. www.danielcramer.com.
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an Airlines ), Reisezeit: 20.10. 08 bis 20.12. 08 Buchbar bis: 23.10. 08 (United ), 29. 9. 08 (Americ Rückflug: 23.12. 08. Flugangebote sind gültig in (United ), 11.12. 08 (American Airlines ), Letzer y Class, Preise pro Person. Nicht inbegriffen: Zusammenhang mit Landleistungen, Flüge in Econom CHF 36), Servicegebühren (ab CHF 40). frei wählbare Zuschläge wie Versicherungen (ab n bleiben vorbehalten. Verfügbarkeiten, Programm- und Preisänderunge
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EXPERIENCE IS EVERYTHING
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kinki
DAS COLA VON RED BULL.
Das Cola von Red Bull ist eine einzigartige Komposition an
Original-Kolanuss verwendet. Sein natürlicher, nicht zu süsser
Darüber hinaus enthält das Cola von Red Bull keine Phosphorsäure,
Inhaltsstoffen, allesamt 100%
Cola-Geschmack kommt durch die
keine Konservierungsstoffe sowie
natürlicher Herkunft. Ausserdem
Verwendung der richtigen Pflanzen-
keine künstlichen Farbstoffe
ist es das einzige Cola, das die
extrakte zustande.
und Aromen.
versammelt Name, Vorname
Laederich, Verena Wohnort
Allschwil, Basel Land Beginn der Sammeltätigkeit
Ende der Siebzigerjahre Erste Beute
Mein Mann brachte mir von seinen Geschäftsreisen Miniatur-Parfümsets nach Hause, die ich irgendwann zu sammeln begann. Letzte Beute
Ein Fläschchen von Tom Ford Teuerstes Stück
Ein Dior-Dreierset von 1947. Ich fand es in einer Parfümerie in Brooklyn, NY Beste Fundorte
Früher an Sammlerbörsen, heutzutage bei meinem alljährlichen St. Patricks Day-Shoppingtrip in Manhattan Gesamtzahl
4020 Parfümfläschchen Sammelgewohnheiten
Keine. Aber mein Mann sammelt Polizeiabzeichen. Bist du auch Sammler? Oder kennst du jemanden, der Kakteen, Autorückspiegel oder mundgeblasene Glasfiguren aus der vorderen Mongolei sammelt? Dann schick uns eine Mail an: info@kinkimag.com, Stichwort ‹versammelt›. Wir schicken dir einen Fotografen und schon im nächsten Heft wird dein Sammeltrieb verewigt.
Foto: Marvin Zilm
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kinki
American Vintage/Tiger Of Sweden/By Malene Birger/ Ella Moss/Twenty8Twelve/Drykorn/Strenesse Blue/ Cheap Monday/Whyred/UGG/Fornarina/Thomas Burberry/Sessun/Lee/Dr. Martens/Miss Sixty/Diesel/ Jee Vice/Stewart+Brown/JBrand frontlineshop.com
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