25. AUSGABE | DEZEMBER 2021
KÖNIGSPOST POLITIK WIRTSCHAFT KULTUR INTERVIEWS
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POLITIK:
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Die Donau fließt noch und die Show muss weitergehen Uta Gehard - Feminismus Die NFL in Deutschland Ein merkwüridiges Jahr im Ausland: Bildern
Lockdown für Ungeimpfte in Österreich Das neue deutsche Führungspositionen-Gesetz Der Ampelmann Zwischen "Mutti" und "Volksverräterin": Deutschland nach 16 Jahren Merkel
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WIRTSCHAFT: Die Nutzung von SocialMedia-Plattformen und rechtsextreme Gruppen
KULTUR:
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INTERVIEWS: Soll ich ein Auslandsjahr machen oder nicht? Interview mit Dario Interview mit Nicholas
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REDAKTION Liebe Leser und Leserinnen, Herzlich Willkommen zur 25. Ausgabe der King’s College London Königspost! Nach eineinhalb sehr schwierigen Jahren der OnlineUniversität hat sich Ihr Redaktionsteam sehr gefreut, bei der Erstellung dieser Ausgabe persönlich zusammenzuarbeiten! Wir hoffen, dass Sie alle die Rückkehr zum ‚in-person‘ Unterricht genauso genießen wie wir und dass Sie ein großartiges erstes Semester hatten! Diese Ausgabe besteht aus einer Konstellation interessanter und relevanter Artikel. Mit Themen wie: Politik, Kultur, Wirtschaft, Interviews und Lifestyle, und vor allem Ihrer Stimme – es gibt auf jeden Fall eine große Auswahl an Inhalten zu entdecken. Wir danken allen, die zu dieser Ausgabe beigetragen haben. Dank Ihnen ist es uns gelungen, eine so einzigartige und fruchtbare Ausgabe mit einer solchen Themenvielfalt zu gestalten. Egal, ob Sie Muttersprachler oder Deutschstudent sind, diese Ausgabe bietet Ihnen Themen vom Feminismus bis zur NFL in Deutschland. Wir danken auch den Interviewpartnern für ihre Einblicke und Ratschläge zu einer Vielzahl von sehr aktuellen Themen. Aufgrund der aktuellen Situation bieten wir sowohl gedruckte als auch online Exemplare dieser Ausgabe an. Die letzten (fast 2) Jahre waren außergewöhnlich schwierig, aber wir sind so dankbar, dass wir wieder zu einer gewissen Normalität zurückgekehrt sind. Also, es ist an der Zeit, sich etwas zu gönnen! Ob Sie dies nun auf dem Weg zur Universität oder zur Arbeit machen, oder einfach nur, während Sie die Arbeit aufschieben– wir hoffen, dass Sie sich zurücklehnen, genießen, und etwas Neues lernen! In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine spannende Lektüre! Herzliche Grüße,
Königspost
SEITE 3 | POLITIK
Lockdown für Ungeimpfte in Österreich: sollten Ungeimpfte diskriminiert werden? Wenn man an ungleiche Behandlung von Menschengruppen denkt, dann gilt das als untragbar. Doch wenn es um diejenigen geht, die sich nicht impfen lassen wollen, ändert sich der Ansatz zur Frage. Der neulich angekündigte Lockdown für Ungeimpfte in Österreich ist vielleicht ein offensichtlicheres Beispiel dafür, wie in der Zukunft mit Impgegnern und Impffaulen umgegangen wird. Die Maßnhamen treten ab dem 15.11. in Kraft und als Konsequenz dürfen Ungeimpfte das Haus nur noch aus dringenden Gründen verlassen, wie dem Weg zur Arbeit, einem Arztbesuch oder zu einem Spaziergang. Sollten die Betroffenen - das heißt etwa zwei Millionen Menschen oder besser gesagt rund ein Viertel der Bevölkerung - nicht nur in Ausnahmen rausgehen, drohen bei Verstößen bis zu 1450 Euro Strafe. Der Lockdown wirkt sich jedoch nicht auf Schüler aus und ist vorerst nur auf zehn Tage befristet, um der steigenden 7 Tagesinzidenz entgegen zu wirken. Dem Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein zufolge, sei das Ziel die Impfbereitschaft zu erhöhen und die sozialen Kontakte um etwa 30 Prozent zu verringern. Des weiteren gibt Österreichs Kanzler Alexander Schallenberg an, dass dieser Schritt nicht leichten Herzens erlassen wurde, sei er aber leider notwendig. Der Lockdown für Ungeimpfte ist gerade erst durchgesetzt worden, wirft aber die Frage auf, ob die Maßnahmen gerechtfertigt sind. Sollte man gezwungen werden, sich impfen zu lassen? Ein Gespräch darüber ist vor allem für die deutschsprachigen Länder besonders relevant, die eine erstaunlich niedrige Impfrate haben, was auch am Grundgesetzes liegen kann.
Es ist verständlich, sich die Frage zu stellen, warum der Staat in den privaten und öffentlichen Bereich eintreten möchte. Normalerweise würde es Aufregung verursachen, und das mit Recht. Es stellt sich auch die Frage, ob eine Impfpflicht auch gesellschaftlich oder staatlich durchgesetzt werden könnte. Jedoch ist es in dieser Situation so, dass die Entscheidung einer Person, sich impfen zu lassen oder nicht, Konsequenzen für Dritte hat. Dass ein Konflikt zwischen Eigeninteresse und Gemeinwohl entsteht, bedeutet, dass man eine moralische Pflicht gegenüber der Gesellschaft hat. Wenn man das ablehnt, verliert man als Gegenleistung besondere Privilegien, wie ins Restaurant zu gehen, oder man zahlt Zusatzgebühren, wie zum Beispiel PCR Tests nach einer Reise aus dem Ausland. Es stellt sich jetzt jedoch die Frage: Was ist die beste Lösung für eine Erhöhung der Impfenquote? Durch Nötigung, damit man das Zuhause verlassen kann oder bezahlt wird? Oder aus Annehmlichkeit, damit man nicht wesentliche Dienstleistungen genießen kann? Österreichs Lockdown erweist sich schon als erfolgreich mit der Steigerung der Impfquote. Ist es aber zukunftsfähig, und könnte es langfristig in anderen Ländern auch gelingen?
Agata Zaremba
SEITE 4 | POLITIK
Das neue deutsche Führungspositionen-Gesetz: ein weiterer Schritt zu mehr Gleichberechtigung von Frauen Nach Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (November 2021) sind in Deutschland inzwischen ein Drittel der Führungspositionen in Vorständen mit Frauen besetzt. Die deutschen Politiker und Organisationen bemühen sich seit vielen Jahrzehnten um eine geschlechtsspezifische Vielfalt, aber die Fortschritte sind nur langsam. In der Vergangenheit haben sie versucht, Systeme "geschlechtsneutraler" oder "geschlechtsblinder" Praktiken zu schaffen, die darauf abzielen, Diskriminierung aufgrund impliziter oder expliziter Vorurteile durch die Festlegung harter Quoten zu überwinden, doch haben solche Maßnahmen immer wieder versagt, das Problem der Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen zu lösen. Es wird sogar behauptet, dass Quoten den Prozess zur Erreichung einer gleichberechtigten Vertretung beschleunigen würden, doch stößt diese Idee auf den Widerstand der Wirtschaft. Die wichtigste Frage der letzten Jahre lautet: Wie können wir eine gleichberechtigte Vertretung von Frauen erreichen?
Das Thema Frauenquote hat in der Politik, der Privatwirtschaft, den Medien und der Öffentlichkeit heftige Debatten ausgelöst. Die Anwendung von Quoten für die parlamentarische Vertretung ist in der ganzen Welt weit verbreitet, aber nur wenige Unternehmen wenden Quoten an. Vieles spricht gegen das Quotensystem: Es schränkt die unternehmerische Freiheit ein, das Geschlecht wird zum ausschlaggebenden Kriterium bei der Besetzung von Spitzenpositionen, und es könnte die Verwirklichung von Vielfalt am Arbeitsplatz behindern. Die Argumente, die für dieses System sprechen, sind jedoch ebenso überzeugend: Zielvorgaben und Quoten tragen tatsächlich dazu bei, dass sich die Zahl der Frauen in den angestrebten Führungspositionen, einschließlich Vorstands- und Geschäftsführungspositionen, erhöht. Die Wirksamkeit von Quoten würde jedoch gesteigert, wenn sie von Unterstützungsstrategien begleitet würden, die die Akzeptanz geschlechtsspezifischer Zielvorgaben aufgrund der Unternehmenskulturen, -systeme und -prozesse erleichtern.
In der Tat war Deutschland in der Vergangenheit ein Nachzügler bei der Einführung von Gleichstellungsmaßnahmen. In den sechzehn Jahren ihrer Amtszeit haben die verschiedenen Koalitionsregierungen von Angela Merkel eine Reihe fortschrittlicher politischer Positionen zu Geschlecht und Sexualität angenommen. Das jüngste Gesetz wurde als "Meilenstein" bezeichnet und zielt auf eine stärkere Vertretung von Frauen in Vorständen ab. Am 8. August 2021 ist das Zweite Gesetz zur Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst in Deutschland (FüPoG II) in Kraft getreten. Ab dem 1. August 2022 müssen private Unternehmen, die börsennotiert und mitbestimmt sind, mindestens eine Frau und einen Mann in einen Vorstand mit mehr als drei Mitgliedern berufen (was bedeutet, dass der Vorstand zu 30 % aus Frauen bestehen muss). Von den rund 70 Unternehmen des privaten Sektors, die vom FüPoG II betroffen sind, haben rund 30 derzeit keine einzige Frau in ihrem Vorstand. Das wird sich aber hoffentlich nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes ändern.
Die Quintessenz ist, dass Frauen in Führungspositionen und als Entscheidungsträgerinnen von entscheidender Bedeutung für die Erreichung der Geschlechtervertretung und der Gleichstellung der Geschlechter sind. Durch die neuen verpflichtenden Anforderungen an die Vorstandsbesetzung werden Frauen in den Vorständen der betroffenen Unternehmen mit entsprechend großen Vorständen künftig auf jeden Fall zwingend vertreten sein. Die tatsächliche Auswirkung auf den Frauenanteil in den Vorständen insgesamt dürfte jedoch aufgrund der kleinen Zielgruppe begrenzt bleiben. Trotz der damit verbundenen Kontroversen führt dieses neue Gesetz Deutschland tatsächlich in eine gleichberechtigtere Zukunft und es bleibt zu hoffen, dass Deutschland mit seiner Hilfe das Problem der Geschlechterungerechtigkeit weiter bekämpfen kann.
Alia Molova
SEITE 5 | POLITIK
Der Ampelmann NB: Dieser Artikel wurde vor der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags am Mittwoch den 24. November geschrieben. Zwei Monaten nach der Bundestagswahl in Deutschland wird noch keine Regierung gebildet. Was können wir von einer Koalitionsregierung der Sozialdemokraten, Grünen, und Freien Demokraten, eine sogenannte Ampel-Koalition (Rot, Grün, Gelb), erwarten? In welche Richtung wird sich Deutschland nach 16 Jahren mit Merkel an der Spitze entwickeln? Diese Fragen kann nur Olaf Scholz, der Ampelmann, beantworten. Die Bundestagswahl am 27. September 2021 markierte die Wachablösung in der deutschen Politik. Nach einem Wahlkampf voller Probleme und einem Parteivorsitzenden Amin Laschet, der vielen im Vergleich zu seinem bayerischen Amtskollegen Markus Söder als die falsche Wahl erschien, erlitt die Union (CDU/CSU) eine schwere Niederlage, als sie nur 24.1% der Stimmen bundesweit gewann, 8.8% weniger im Gegensatz zu der letzten Wahl. Nach einem großartigen Anfang in den Wahlkampf erreichten die Grünen im Mai ihre höchste Zustimmungsrate in der Öffentlichkeit, als über 25% der Bürger angaben, dass sie die Grünen wählen würden, der höchste Stimmenanteil in den damaligen Umfragen. Probleme im Zusammenhang mit der Vergangenheit der Parteivorsitzenden Annalena Baerbock jedoch, vor allem Plagiatsvorwürfe, sowie der bevorstehende Wahltag führten dazu, dass die Grünen Platz eins in den Augen der Öffentlichkeit verloren. Unter all den Machtkämpfen und Vorwürfen gelang es Olaf Scholz von der SPD, unter dem Radar zu bleiben und an die Öffentlichkeit für seine Ähnlichkeiten mit ihrer geliebten Mutti, Angela Merkel, zu appellieren. Als starke, redegewandte Führungspersönlichkeit mit einer Vergangenheit in der lokalen und nationalen Politik ist es ihm gelungen, seine Führung als Kontinuität darzustellen. Große politische Veränderungen machen den Deutschen Angst, und Scholz ist sich dessen mehr als bewusst. Mit 25,7% der Stimmen erhielt er den größten Anteil der Stimmen.
Aufgrund des deutschen Verhältniswahlsystems reicht das Viertel der Stimmen von Scholz jedoch bei weitem nicht aus, um eine Regierung zu bilden. Deshalb wandte er sich schnell an die Grünen und die Freien Demokraten, um eine Koalition zu bilden. Die Union mit Laschet versuchte auch mit den zwei Parteien Sondierungsgespräch zu führen, eine Jamaica-Koalition (Schwarz, Grün, Gelb), aber es wurde schnell klar, dass die SPD der bessere Partner für die beiden Parteien war.
SEITE 6 | POLITIK
Stichwort des Papiers: Kompromiss. Die drei Parteien, die versuchen, eine Koalition zu bilden, haben den Wählern vor der Wahl eine Vielzahl von Versprechen in ihren Wahlprogrammen gemacht, die sich zum Teil stark voneinander unterscheiden. Im Mittelpunkt der Koalitionsgespräche steht die Einigung auf zentrale Themen wie Steuern, Arbeit und Klimaschutz. Das Papier macht deutlich, dass einige Aspekte der Verhandlungen schnell gelöst werden konnten, andere nicht so sehr. Die Unterstützung der FDP für die Koalition zeigt sich deutlich in der Steuerpolitik des Papiers, nämlich dass keine neuen Steuern eingeführt werden und die Steuerbremse beibehalten wird. Eine wichtige Politik für die SPD spielt in dem Papier eine tragende Rolle, der Mindestlohn soll auf 12 Euro pro Stunde erhöht werden. Außerdem soll ein Punktesystem als zweite Säule des Zuwanderungssystems eingeführt werden, um hochqualifizierte Arbeitskräfte nach Deutschland zu locken. Die Beteiligung der Grünen hat einen großen Einfluss auf die Umweltpolitik der Koalition gehabt, jedoch hat Scholz ihnen nicht alle Wünsche erfüllt. Am dringendsten für die Koalitionspartner ist ein schnellerer Ausstieg aus der Kohleverstromung und auch, dass zwei Prozent der Fläche für Windkraft ausgewiesen werden sollen. Das umstrittene Tempolimit, das von den Grünen gewünscht wurde, um Ausstöße zu reduzieren, wurde nicht bewilligt; stattdessen wird das derzeitige System beibehalten.
Drei Wochen nach der Wahl, Mitte Oktober, und nach stundenlangen Verhandlungen veröffentlichte das Parteien-Trio ein Papier für die AmpelKoalition, in dem die allgemeinen politischen Ziele der Verhandlungen dargelegt wurden. Das Papier gibt der Deutschen- und Weltöffentlichkeit die beste Vorstellung davon, was von Scholzs künftiger Regierung zu erwarten ist.
Einen Monat nach der Veröffentlichung des Papiers und zwei Monaten nach der Bundestagswahl ist die genaue Zukunft Deutschlands immer noch unklar. Die heiklen Themen werden von den Parteien noch immer ausgefochten und das Thema Kompromiss wird wahrscheinlich weitergehen. Vor allem wegen der Notwendigkeit der FDP in der Regierung werden SPD und Grüne weiterhin Kompromisse eingehen müssen, um sicherzustellen, dass sie wirklich eine Regierung bilden können. Eines ist jedoch klar, Merkels Herrschaft ist vorbei und Veränderungen werden kommen, aber vielleicht nicht die Veränderungen, die sich einige gewünscht haben mögen.
Jack Porter
SEITE 7 | POLITIK:
King's College London German Writing Competition Winner:
Zwischen "Mutti" und "Volksverräterin" Für die Weltpolitik war es schon eine kleine Sensation als Angela Merkel 2005 Kanzlerin wurde. Bereits am Anfang ihrer Karriere als Kanzlerin musste sich Merkel mit viel Skepsis und vielen Vorurteilen auseinandersetzen. Am Ende ihrer Kanzlerschaft, also 16 Jahre später, sind Umfragen zufolge etwa 80 Prozent der Menschen in Deutschland mit ihrer Arbeit als Kanzlerin zufrieden. Das erscheint zunächst etwas unverständlich, denn gerade auf europäischer Ebene war Merkel oftmals mehr als nur umstritten. In rechten Kreisen des politischen Milieus wurde Angela Merkel fast schon zu einer Verkörperung des Bösen gemacht: „Merkel muss weg“ wurde zu einem weit verbreiteten Slogan und Symbol der Spaltung der Gesellschaft, insbesondere im Osten der Republik. Das Jahr 2015 mit der sogenannten Flüchtlingskrise wird von dieser politischen Richtung das Hauptargument der Propaganda gegen die Politik und die Person der Kanzlerin.
Deutschland nach 16 Jahren Merkel Merkel ermöglichte damals Hilfe in der humanitären Katastrophe, und die damit verbundene Migration wurde ihr als negative Konsequenz vorgeworfen, die sie persönlich durch ihren politischen Alleingang zu verantworten habe. Bis heute sehen sie Rechte als Volksverräterin. Doch die scheinbar stark polarisierende Person Merkels ist faktisch gar nicht so umstritten, wie es oftmals den Anschein hat. Eine laute Minderheit verzerrt die eigentliche Realität: Denn auf der anderen Seite wurde die Kanzlerin im Volksmund auch als Mutti bezeichnet – ein Spitzname, mit dem sich wohl nicht allzu viele Politikerinnen schmücken dürfen. Der Spitzname geht auf viele Geschichten zurück, wie ihren Umgang mit Kolleg*innen, aber die wohl schönste handelt von ihrer Mutterfigur, die Schutz bietet. So wurde Angela Merkel von vielen Flüchtenden als europäische, schützende Mutter betrachtet, die sich um ihre Kinder sorgt.
SEITE 8 | POLITIK
Winner: Zuzanna Szczypek Zuzanna Szczypek
Sowohl ihre Person als Frau als auch ihre Konsequenz abseits von strikter Theoriepolitik wurde ihr hoch angerechnet. Ein berührendes Symbol dafür ist ein Fall, der medialen Wellen schlug, als eine geflüchtete Mutter ihr Kind im Dank verpflichtet Angela nannte. Merkels humane Seite wurde mehrmals auch in ihrer wichtigen politischen Position sichtbar, was viele Menschen als sympathisch werten, Kritiker*innen jedoch als mangelnde Seriosität und Objektivität. Trotzdem konnte der Machtmensch Merkel viele Leute, auch über Parteieingrenzen hinweg, durch Entschlossenheit und Handeln nach bestem Wissen und Gewissen überzeugen. Sechzehn Jahre Merkel – was bleibt? Die jetzt produzierten MerchandiseArtikel wie MerkelRäuchermännchen? Die berühmte Merkel-Raute? Ihre Begeisterung für den Fußball und ihr Jubel bei den Spielen? Oder das Pandemiemanagement? Die Eurokrise? Die Flüchtlingskrise? Die Korruptionsaffären ihrer Partei? Die Gesellschaft ist gespalten. Vielleicht auch so sehr wie niemals zuvor. Aber ist das Merkels Erbe? Merkels wahres Erbe ist die europäische Idee von Frieden, Freiheit und Demokratie. Auch deshalb kann man zu den Schlussworten kommen, die eigentlich von ihren Gegnern etabliert worden sind: Danke, Merkel!
Zuzanna Szczypek Highgate School
SEITE 9 | WIRTSCHAFT
Die Nutzung von Social-Media-Plattformen und rechtsextreme Gruppen
Ich werde in diesem Beitrag die Nutzung sozialer Medien durch rechtsextreme Gruppen in Deutschland erörtern und die Frage stellen: Inwieweit diese Nutzung des Internets kontrolliert und begrenzt werden muss, um die Verbreitung gefährlicher Botschaften (Hassreden, Anstiftung zur Gewalt usw.) an junge Menschen zu verhindern.
Deutschland hat, wie ganz Europa, in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg des Rechtsextremismus erlebt, vor allem nach der „Flüchtlingskrise“ von 2015. Dies hat nicht nur zu einem Anstieg der Unterstützung rechtsextremer Parteien wie der AfD, sondern auch zur Bildung von kleineren radikalen Gruppen wie der Identitären Bewegung geführt. Der bundesdeutsche Ableger dieser Bewegung, die Identitäre Bewegung Deutschland (IBD), bezeichnet sich selbst in einem ihrer Werbevideos auf YouTube als „Europas am schnellsten wachsende patriotische Jugendbewegung“. Die Mitglieder bezeichnen sich als deutsche „Patrioten“, die einer Ideologie des Ethnopluralismus folgen. In einem Bericht über eine Demonstration der IBD in Berlin stellte ein Journalist fest, dass die Demonstranten auf dieser Demo im Gegensatz zu den Pegida-Kundgebungen viel jünger waren.
Wie funktionieren diese Gruppen? Warum ist ihre Nutzung des Internets so gefährlich? Die IBD ist für ihre einwanderungsfeindlichen Proteste und Stunts bekannt, die in der Regel per Livestream über ihre Social-MediaPlattformen übertragen werden. Obwohl die Gruppe mit etwa 600 Mitgliedern relativ klein ist, erregt die Dramatik ihres politischen „Aktivismus“ die Aufmerksamkeit der Medien. Die Frage,
wie dieser Extremismus kontrolliert werden kann, ist aufgrund der einzigartigen Selbstdarstellung der Identitären eine komplizierte und schwierige Angelegenheit: Sie stellen sich als „tolerante Bewegung“ dar und bestehen darauf, dass es möglich sei, „stolz auf die eigene Kultur und Traditionen zu sein, ohne als Rassist oder Neonazi geteert zu werden“. Sie haben es sogar geschafft, dass andere sie als „Hipster der extremen Rechten“ bezeichnen.
SEITE 10 | WIRTSCHAFT
Der Journalist Andreas Speit weist darauf hin, dass die Identitären ihre wahren Ziele geschickt zu verschleiern wissen und in der Lage sind, Menschen zu beeinflussen und zu manipulieren, damit sie sie auf den ersten Blick als weniger dreist, weniger gewalttätig und weniger extrem ansehen. Die „Hipster der extremen Rechten“ werden als „jung, streetwise und medienfreundlich“ beschrieben, die den „normalen, alltäglichen, jungen Menschen“ ansprechen. Viele Akademiker und Forscher warnen jedoch davor, sich durch das Hipster-Image und das smarte „Branding“ der Gruppe von dem ablenken zu lassen, was in seinem Kern rechtsradikal ist. Kontrolle der IBD in den sozialen Medien Natürlich ist die Frage, wie man diese Gruppen kontrollieren kann, eine sehr knifflige, insbesondere wenn man bedenkt, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in einzigartiger Weise darum gekämpft hat, zwei Grundwerte durchzusetzen, die nun an das Internetzeitalter anzupassen sind: die demokratischen Rechte Meinungsfreiheit und Datenschutz stehen heute dem Kampf gegen Hassreden gegenüber. In Deutschland wurde 2017 ein Gesetz verabschiedet, das Social-MediaPlattformen wie Facebook dazu verpflichtet, provokatives Material schnell zu löschen oder mit Geldstrafen zu belegen. In Österreich wurde Martin Sellner, Vorsitzender der Identitären Bewegung Österreich und in der rechtsextremen Szene weltweit bekannt, von einer Reihe von Unternehmen der sozialen Medien gesperrt.
Zuletzt wurde im Juli 2020 sein YouTube-Account wegen der Förderung von Gewalt und Extremismus gelöscht. Die Löschung von Sellners Social-Media-Konten erfolgte, nachdem die Unternehmen der Social-Media-Branche wegen Reaktionen von Nutzern durch ihn verbreitete Fehlinformationen und Hassreden stärker unter die Lupe nehmen mussten. Es gibt keine einheitliche Lösung auf die Frage nach der Kontrolle von Inhalten im Netz veröffentlichter Beiträge, weil wir äußerst vorsichtig mit Zensur sein müssen, da die Redefreiheit für eine funktionierende Demokratie von enormer Bedeutung ist. Ich würde aber dafür plädieren, dass in Schulen und schon in jungen Jahren gezielter über Extremismus und soziale Medien aufgeklärt werden muss. Außerdem müssen Regierungen durch klare Gesetzgebung mit Technologieunternehmen zusammenarbeiten, um sicherstellen zu können, dass Hassreden und die Anstiftung zu Gewalt so schnell wie möglich unterbunden werden.
Hannah McCay
SEITE 11 | KULTUR
Die Donau fließt noch und die Show muss weitergehen: Ein Rückblick an das Wiener Neujahrskonzert 2021 als Reaktion Shakespeare hat einmal geschrieben: „wenn Musik das Essen der Liebe ist, spielen Sie weiter“. Dieses Zitat war im Jahr 2020 sehr relevant. Das Wiener Neujahrskonzert ist seit Dezember 1939 eine Tradition, um das neue Jahr mit klassischer Musik zu beginnen. Die politische Situation in Österreich hat sich seitdem ziemlich verändert, aber die Tradition, die dargestellt wird, bleibt dieselbe. Dieses Konzert ist weltberühmt als eine jährliche und herrliche klassische Feier. Beharrlichkeit selbst in einer Pandemie hat ein magisches Konzert hervorgebracht. Musik von klassischen Komponisten wie Franz von Suppè, Johann Strauß I und II, Carl Zeller, Carl Millöker und Karl Komzàk füllte die Wände des Musikvereins, wie jedes Jahr. Jedoch war 2020 nicht wie jedes Jahr.
Die Corona-Pandemie hat unser Leben verändert, wie wir uns es nie hätten vorstellen können. Maßnahmen wie die Maskenpflichten, vermehrte Lockdowns und die Einhaltung des Abstandes zu unseren Mitmenschen hat unser Alltag und unsere Menschlichkeit verändert. Das Fehlen eines Live-Publikums gibt eine besondere Qualität zu dem 2020 Konzert. Wie Beobachter der Pandemie festgestellt haben, kann die Pandemie als ein großes Ausgleichstor betrachten, denn diese virtuelle Form ermöglicht es jedem, diese Erfahrung zu machen und dabei schalteten 2020 etwa 3050 Millionen Zuschauer ein. Der Einfluss dieses Konzerts ist wichtiger denn die Zuschauer je erwartet haben.
Es spiegelt die Bedeutung von Kultur, Tradition und Musik als Wurzeln wieder, an denen man sich festhalten kann. Der Dirigent, Riccardo Muti, spricht von Hoffnung und der Bedeutsamkeit der Musik in dunklen Zeiten. Er sagt, das Musik die Gesellschaft verbessern versuche und betont wie groß die Macht der Musik sei. Muti sagt, das Musik Glück, Traurigkeit, Leben und Tod widerspiegelt. Es gibt also kein besseres Medium, um das Jahr 2020 widerzuspiegeln und damit Hoffnung zu geben. In der Silvesternacht gibt es immer ein Gefühl der Hoffnung, aber natürlich sind die Gefühle weltweit noch stärker. Frühlingstimmen, ein Stück vom Komponisten Johann Strauß II, war gut gewählt für dieses Jahr, denn wir hoffen für eine besseren Frühling und ein besseres neues Jahr. Dieses Konzert kann als eine Metapher für unsere Elastizität und Stärke betrachtet werden. Es zeigt, dass noch in Zeiten von Schwierigkeiten, die Show weitergehen muss.
SEITE 12 | KULTUR In Krisenzeiten ist die deutsche und österreichische Psyche seit langem mit Traditionsgedanken und romantischen Geschichtsrückblicken beschäftigt, mit denen sich die Österreicher trösten. Geschichte ist stark und Artefakte von Geschichte wie Musikstücke werden sich nie verändern, deshalb ist diese Kontinuität beruhigend in einer immer veränderten Welt. In der Nachkriegszeit, im Jahr 1955, in der Veröffentlichung des Films "Sissi", bot dieser Trost und eine Flucht vor den Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 2020 steht in diesem Konzert die Nutzung der Tradition als Eskapismus im Vordergrund. Dieses Konzert nimmt uns mit auf eine zauberhafte Reise durch Österreich auf einem Teppich aus Musik und Tanz. Und so fliegen wir durch die Silvesternacht zu Österreich. Es fängt mit beeindruckenden Bildern von dem Orchester in dem 150-Jährigen Musikverein und ihren goldenen Wände, Kronleuchtern und leuchtende Blumen an. Sogar die leeren Sitze haben eine ästetische Qualität.
Es geht weiter mit einer besonderen Feier zum 100-jährigen Bestehen des Burgenlandes als Teil Österreichs. Bilder von Frauen im Dirndl und Männern in Lederhosen transportieren das virtuelle Publikum zu einer vergangenen Zeit von Einfachheit und Glück. Trotz der Tatsache, dass diese Bilder der Heimat vor 50 Jahre entstanden sein könnten, sind sie ein wirksamer Beitrag zu diesem Ziel des Eskapismus. Zu diesem schönen klassischen Soundtrack leben wir in diesen Dörfern in den Alpen und besuchen die fasziniertende Kirche. Später tanzen wir mit dem Wiener Ballett und besuchen riesige Paläste wie der Hofburg Palast oder das Schloss Schönbrunn. Luxus, zum Beispiel, begleitet vom herrschaftlichen Kaiserwalzer und Natur von der freudigen Polka française im Krapfenwald, beide von Johann Strauß II. Es gibt also kein anderes Wort als bezaubernd für diese Aufführung. Wie immer ist das Neujahrskonzert eine erfolgreiche Werbung für Österreich und dieses Jahr ist dies nicht anders. Es verspricht Romanze, Tranquil, Kultur und am wichtigstem im Jahr 2020: Glück. Eskapismus wird da geschaffen, wo Heimat Sicherheit und Stabilität bedeutet. Wenn man jedoch aus diesem idealistischen und romantisierten Traum erwacht und berücksichtigt diesem Konzert als Reaktion von dem Jahr 2020, kann es als ziemlich problematisch wirken. Österreich ist seit längerem ein konservatives Land und ganz altmodisch in gewissen Maßen. Noch in der Wiener Philharmoniker sehen wir keine Rassenvielfalt und wenige Frauen. Erst seit 1997 dürfen Frauen bei der Wiener Philharmonikern mitspielen. Das Thema Heimat, das in diesem Konzert im Vordergrund steht, ist oft umstritten, weil es die Frage aufwirft, wer zu dieser Heimat gehört und wer nicht. 2020 war ein Jahr des Wandels, der Wut und des Protests. Eines der größten Themen war der bestehende Rassismus und die Entstehung der #blacklivesmatter-Bewegung.
SEITE 13 | KULTUR
Deswegen wenn es einen Bereich gibt, in dem dieses Konzert fehlschlägt, ist es die Inklusivität. Soll Eskapismus und einen romantisierten Rückblick diesen Fortschritt ignorieren? Das könnte einen Bereich für Verbesserung in den kommenden Jahren sein. Wenn die Uhr zwölf schlägt beginnt ein neues Jahr. Als die Uhr am 31. Dezember 2020 zwölf schlug, gab es ein verstärktes Gefühl von Hoffnung. Es ist immer ein schönes Konzert mit einer guten globalen Reaktion, aber dieses Jahr erfährt man die große Wichtigkeit von Eskapismus. Für ungefähr zwei Stunden und dreißig Minuten wird man nach Österreich transportiert und kann die Schwierigkeiten des letzten Jahres vergessen. Zwei Stunden und dreißig Minuten, inder hervorragenden Musik gehören wird und Tanz und Schönheit betrachtet werden kann. Das 2020 Konzert ist ohne Zweifel etwas Besonderes und wir können dieselben Gefühle im Jahr 2022 erfahren. Als Zuschauer fühlt man Hoffnung durch Musik sowie Komfort durch Tradition. In gewisser Weise zeigt es, wie die Welt gleichgeblieben ist und dies gibt Hoffnung, dass wir bald zur Normalität zurückkehren können. Im November 2021 ist das Coronavirus noch lange nicht besiegt, und in Österreich wurde ein neuer Lockdown verhängt.
Nach einem weiteren Jahr des Coronavirus werden wir an die Beharrlichkeit der Menschheit und die Hoffnung auf die Zukunft durch die Kontinuität der Tradition auch in Zeiten des Kampfes erinnert. Wir hören noch dieselben Komponisten und klassische Musik und durch die Noten der Musik fühlt man sich sicher. Es ist, als ob ein Jahr ein Musikstück ist, wenn das eine endet dann beginnt ein neues. Wie die Donau immer noch fließt, muss die Show weitergehen und wie jedes Jahr marschieren wir ins neue Jahr zu dem Radetzky Marsch.
Nephele Laetizia HraBak
SEITE 14 | KULTUR
TROTZ ALLER FORTSCHRITTE UND ERRUNGENSCHAFTEN ZEIGT DIE ANALYSE DER GEGENWART, DASS DER FEMINISMUS ALS PROJEKT NOCH IMMER NICHT ERLEDIGT IST Ute Gerhard, eine deutsche Soziologin und Professorin, schrieb diese Worte und behauptete, dass das Projekt des Feminismus nicht vorbei ist. Trotz der Einwände, die viele gegen diese Behauptung vorbringen würden, hat diese deutsche Feministin natürlich recht. Während der heutige Feminismus aus diesen historischen Entwicklungen hervorging, wird er nicht durch seine Geschichte bestimmt. Heute leben wir im Zeitalter des Feminismus der vierten Welle und manche behaupten sogar, der fünften Welle! Der heutige Feminismus hat seinen Ursprung in der geschichtlichen Bewegung, aber es wird nicht durch seine Geschichte definiert. Ein eindeutiges Beispiel für diese Entwicklung der feministischen Bewegung ist wie heutigen Feministinnen Alice Schwarzer und ihre Arbeit sehen. Schwarzer wird als verknöcherte Matriarchin betrachtet und das zeigt, wie schnell sich die Bewegung entwickelt.
Wörter von Ute Gerhard
SEITE 15 | KULTUR
Dem Feminismus ging es schon immer um Gleichberechtigung, aber unser heutiger Begriff von Gleichberechtigung hat sich verändert. Wir haben jetzt ein besseres Verständnis von struktureller Ungleichheit und der Bedeutung von Intersektionalität. Gleichheit für Frauen ist nicht mehr genug und macht auch keinen Sinn. Heute stellt der Feminismus binäres Denken und überholte Begriffe von Sexualität und Gleichberechtigung in Frage und analysiert moderne Weiblichkeit, Kulturen und Populärkultur. In der kurzen Zeit seit der Entstehung der feministischen Bewegung haben Frauen Vieles erreicht. Wie bereits erwähnt, gab es in den letzten Jahrzehnten erhebliche Entwicklungen für die Frauenrechte, vor allem in Bezug auf die rechtliche und wirtschaftliche Gleichstellung. Wir sollten mit diesen Entwicklungen zufrieden sein. Es wäre jedoch falsch zu glauben, dass der Rest des Fortschritts sich im Laufe der Zeit organisch vollziehen wird. Damit wird die Anpassungsfähigkeit und Nachhaltigkeit des Patriarchats missverstanden, wie sie von Cynthia Enloe diskutiert wird.
Die vierte Welle ist noch umstritten, aber die meisten sind sich einig, dass sie um 2012 begann und sich jetzt auf sexuelle Belästigung, Vergewaltigungskultur, Bodyshaming und intersektionalen Feminismus konzentriert. Diese neue Welle hat ähnliche Schwerpunkte wie die dritte Welle, sie ist aber gekennzeichnet durch die Nutzung der digitalen Medien und prominente populäre Bewegungen, wie die #MeToo-Bewegung. Außerdem konzentriert sich diese neue Welle auf Gender und Sex. Diese sogenannte “Trans-Debatte” hat den Feminismus stark geprägt und wir haben das in Deutschland mit der Bekanntheit der Gendersternchen-Debatte und der Hinterfragung der traditionellen Sprache gesehen. Dem Feminismus geht es nicht mehr nur um die Frauenrechte. Zwei deutsche Bloggerinnen, die 2018 von Kim Berg interviewt wurden und erklärt, wie sie sich gegen strukturelle Ungleichheit stellen und für Intersektionalität eintreten.
SEITE 16 | KULTUR Intersektionalität ist ein Begriff, der 1989 von Kimberlé Crenshaw geprägt wurde. Crenshaw, eine Bürgerrechtsaktivistin und Rechtswissenschaftlerin, prägte den Begriff, als sie den Ausschluss Schwarzer Frauen aus dem traditionellen Feminismus und antirassistischen Politiken diskutierte. Intersektionaler Feminismus ist ein Begriff, der heute von modernen Feministinnen verwendet wird, die verstehen, dass die Überschneidung von Identitäten komplexer ist als einfache Binaritäten. Bergs Artikel erforscht und bestätigt, wie Intersektionalität heute vom Feminismus nicht mehr zu trennen ist. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gerhards Worte der Wahrheit entsprechen. Der Feminismus ist noch nicht vorbei. Die Bewegung hat sich seit ihrer Entstehung mit der ersten Welle im späten 19. Jahrhundert sehr verändert. Die Veränderungen im Schwerpunkt der Bewegung seit der ersten Welle sind bemerkenswert, und deshalb sind Gerhards Worte heute wahr. In unserer modernen, globalisierten Gesellschaft stehen wir vielen Hindernissen gegenüber, die dem Fortschritt zur Gleichberechtigung im Wege stehen, und es gibt noch viel zu tun für den Feminismus, der noch lange nicht vorbei ist. Wenn geschlechtsspezifische Gewalt ausgemerzt wird. Wenn es Gleichberechtigung in der politischen Repräsentation gibt. Wenn die Hausarbeit in der Wirtschaft berücksichtigt wird. Wenn es eine Reproduktionsgesundheit für alle gibt. Wenn Frauen die Kontrolle über ihren Körper haben, sowohl rechtlich als auch kulturell. Wenn Kinder in einer Welt aufwachsen, die das Geschlecht nicht stereotypisiert oder stigmatisiert. Wenn die Überschneidung von Rasse, Geschlecht und anderen Identitäten in allen Aspekten des Lebens vollständig verstanden wird. Wenn es kein geschlechtsspezifisches Lohngefälle mehr gibt. Vielleicht ist es dann mit dem Feminismus vorbei. Aber heute ist Feminismus definitiv noch nicht “erledigt”.
Claudia Eeles
SEITE 17 | KULTUR
Viele Menschen und Schulen sehen den Superbowl-Sonntag sogar als Nationalfeiertag.
Die NFL in Deutschland Football (nicht Fußball) ist die beliebteste Sportart in Amerika und um ihn herum hat sich in den letzten Jahren eine ganze Kultur entwickelt. Das Leben in Amerika dreht sich in vielerlei Hinsicht um Football. Man wächst in Amerika auf und unterstützt das Team seiner Familie, geht zu den Spielen seiner High School Mannschaft, verkleidet sich für PepRallyes, spielt Football auf Jahrmärkten oder nimmt an der Marschkapelle oder dem CheerleaderTeam teil. Als Kinder haben wir Halbtagsschule, damit wir vor dem Heimspiel an der Pep-Rallye teilnehmen können.
Im College spielt Football eine noch größere Rolle. An Heimspieltagen gibt es auf dem Weg von der Universität zum Footballstadion eine lange Autoschlange, die im Wesentlichen aus Paraden von Fans, Foodtrucks, Spielzelten, Alkoholständen usw. bestehen. Jedes Jahr nehmen zwischen 20 Millionen und 50 Millionen Amerikaner an diesen Veranstaltungen teil, und ungefähr 10-30% von ihnen besuchen danach nicht einmal das Footballspiel! Football ist der Höhepunkt des Schulgeistes und damit der Studentenerfahrung an der Universität in Amerika. Football spielt eine große Rolle im Leben und im amerikanischen Traum, aber die Internationalisierung des Sports könnte das ändern. Die NFL (National Football League) regelt den Profifootball auf nationaler Ebene. Es gibt insgesamt 32 Teams in der Liga, entsprechend ist der Wettbewerb und die Rivalität sehr hart, mit einer amerikanischen Zuschauerzahl von etwa 17 Millionen pro Spiel in der Saison 2021.
SEITE 18 | KULTUR
Nach Recherchen der NFL gibt es in Großbritannien über 13 Millionen NFLFans und weitere 2,4 in Deutschland.
Der Superbowl wurde seit 2006 jedes Jahr von mindestens 90 Millionen Menschen in Amerika mitverfolgt. Diese Zahlen berücksichtigen jedoch nur die Zuschauer in Amerika. 2007 fand das erste internationale NFLSpiel im Wembley-Stadion in London statt, bei dem die Miami Dolphins die New York Giants beherbergten. Die ersten 40.000 Tickets für dieses Spiel waren innerhalb von 90 Minuten ausverkauft. Seitdem wurde bis 2011 jedes Jahr ein Spiel in London ausgetragen. Seit 2012 veranstaltete die NFL auch mehr als ein internationales Spiel.
2015 unterzeichnete die NFL einen 10Jahres-Vertrag mit Tottenham Hotspur FC, um ab 2019 mindestens zwei Spiele pro Jahr in London in ihrem neuen Stadion auszutragen, zusätzlich finden zwei weitere im Wembley-Stadion statt. Seit dem Ausbruch von Corona wurden in London zwei NFL-Spiele ausgetragen. Ich hatte das Glück, an beiden teilzunehmen, und die Atmosphäre war verrückt. Die Leute reisten den ganzen Weg von Amerika an, um ein Spiel in London zu erleben, und ich traf so viele Leute aus meiner Heimatstadt.
SEITE 19 | KULTUR
Jedes Mal, wenn ein Team in London spielt, wird ihm ein spezieller Pub für das Wochenende zugewiesen, in dem sich die Fans versammeln können. Mein Heimatteam sind die Atlanta Falcons, da ich in Atlanta geboren bin und unser Pub war das Admiralty am Trafalgar Square.
In der Kneipe drehten einige Sender Filmmaterial für Nachrichtensender, die NFL und soziale Medien. Einer von ihnen bat mich, für ihren Kanal, ein deutsches Sportsnachrichtprogramm, zu interviewen. Sie fragten mich nach meiner Meinung zu Spielen, die vielleicht in Deutschland gespielt werden, was mir neu war.
Am Tag vor dem Spiel waren den ganzen Tag über Veranstaltungen für die Fans geplant. Wir trafen das Maskottchen und einige der Cheerleader, gewannen Gratisartikel und spielten Spiele. Als ich mich hinsetzte und zuschaute, kam ein Mann auf mich zu und fragte, woher ich komme und ob ich ein lokaler oder internationaler Fan sei. Er enthüllte, dass er ein paar zufällige Deutsche getroffen hatte, die Fans unseres Teams waren. Für den Rest des Wochenendes war jeder zweite NFL-Fan, den ich traf, Deutsch. Als ich am nächsten Tag dem Spiel beiwohnte, konnte ich fast genauso viel Deutsch wie Englisch sprechen hören.
Ich habe danach nachgesehen und tatsächlich: Die NFL hat bestätigt, dass sie in den nächsten zwei Jahren ihr erstes Spiel in Deutschland bestreiten werden. Sie haben München, Frankfurt und Düsseldorf (von sieben vorgeschlagenen Städten) als potenzielle Austragungsorte für die Spiele in die engere Wahl gezogen und sind momentan dabei, die Veranstaltungen zu finalisieren.
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Aber was bedeutet das für die NFL? Die Meinungen der Fans gehen auseinander. Manche Amerikaner denken, dass Spiele nur in Amerika gespielt werden sollen, weil es unfair gegenüber denen ist, die vorhaben Dauerkarten zu kaufen oder schon welche besitzen und sich tatsächlich mit dem Spot auskennen. Internationale Spiele sind für einige Mannschaften nach wie vor Heimspiele, aber Dauerkarteninhaber können diese nicht kostenlos besuchen. Sie müssen einen zusätzlichen Einkauf tätigen sowie Flüge und Unterkunft für die Reise bezahlen. Sie verlieren dadurch einen Teil des Wertes ihrer Dauerkarten. Sie verstehen auch nicht, warum sich Europäer für den Sport interessieren, wenn er doch ein exklusiver Teil der amerikanischen Kultur ist. Sie sind Torhüter für den Football. Andere Amerikaner mögen es, dass sie die Möglichkeit haben, ins Ausland zu reisen, und sie möchten, dass der Rest der Welt etwas über Football lernt. Einige von uns, auch ich, möchten den Menschen Football beibringen und unsere Kultur mit ihnen teilen. Zumal ich in London lebe, macht der Sport viel mehr Spaß, wenn ich Freunde habe, die sich dafür auch interessieren.
Meiner Meinung nach ist es erstaunlich, dass der Sport internationale Grenzen überschreitet. Football ist ein sehr großer Teil der amerikanischen Kultur und ich vermisse ihn sehr. Ich möchte dies mit meinen Freunden teilen können, wie es ist, Amerikaner zu sein und diese Art von Kultur zu haben, die mit Ihrer Kindheit und Familie verbunden ist. Ich glaube jedoch nicht, dass die Footballkultur im Ausland angemessen reproduziert werden kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier echte „Tailgates“ stattfinden oder sich ein Schulgeist rund um den Sport entwickelt. Die Kinder werden nie mit den gleichen Erfahrungen aufwachsen, die ich hatte. Das heißt aber nicht, dass die Leute die Atmosphäre rund um amerikanischen Football nicht trotzdem genießen können. Hoffentlich wird es auch mehr Amerikaner ermutigen, ins Ausland zu reisen und sich mit fremden Kulturen zu beschäftigen! Ich freue mich darauf, in den nächsten Jahren die Spiele in Deutschland und London zu besuchen und auch meine englischen und deutschen Freunde mitzunehmen.
Kavya Sivakumar
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Jack Porter: Sankt Johann im Pongau
Daria Kosova: Berlin
Ein merkwürdiges Jahr im Ausland... Alia Molova: Winsen Luhe, Hamburg
Zack Dickerson: Haus Wahnfried, Bayreuth
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Alesha Cheah: Berlin
Zack Dickerson: Festspielhaus, Bayreuth
...aber zu Hause.
Elida Lenth: Berlin Hannah McCay: Berlin
Eve Baker & Sanika Nerurkar: Berlin
SEITE 23 | INTERVIEWS
Die Aussicht auf ein Jahr im Ausland war anfangs ziemlich einschüchternd. Stellen Sie sich vor in einem Land zu leben, dessen Muttersprache Sie nicht beherrschen, möglicherweise die falschen Worte oder den falschen Akzent zu benutzen, Schwierigkeiten zu haben, die Sprache zu verstehen oder allein in einer neuen Stadt zu sein. All das war für mich als 19-Jährige überwältigend. Meine Freundin Clarie beendete jedoch gerade ihr Auslandsjahr am KCL. Als Studentin im ersten Jahr war ich ahnungslos, und sie hat mich zur Vernunft gebracht. Mir wurde klar, dass dies eines der besten Jahre meines Lebens sein würde. Clarie sagte mir, ich solle mir die Tür weit offenhalten. Als es an der Zeit war meine Koffer zu packen und zu meinem Abenteuer aufzubrechen, brach eine weltweite Pandemie aus. Ich und viele meiner Mitschüler konnten leider nicht mehr an unserem Auslandsjahr teilnehmen. Einer meiner engen Freunde, Daniel, hielt es jedoch für eine gute Idee, ein Jahr zu pausieren und darauf zu warten, dass sich die Lage etwas beruhigt, damit er sein Auslandsjahr im nächsten Jahr erleben kann. Dank seiner Entscheidung habe ich das Gefühl, durch seine Erfahrungen einen kleinen Teil davon miterlebt zu haben und sie mit euch zu teilen. Daniel ist einer der nettesten und einfühlsamsten Menschen, die ich kenne. Ich lerne jeden Tag von ihm, also lehnt euch zurück und genießt die Fahrt. Wir haben ganz einfach angefangen.
Hannah Alkindi
Soll ich ein Auslandsjahr machen...
...oder nicht?
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INTERVIEW MIT DARIO NIEMECK Wo wurdest du geboren?
Aus dem Dorf Ich habe Dario über 'find a flatmate' gefunden. Wir brauchten jemanden, der ein Zimmer für 6 Monate in London füllt und Dario schien perfekt zu passen. Reif, sympathisch, professionell und auf der Suche nach einer Bleibe während seines Praktikums bei Amazon in London. Es war auch ein Bonus für mich, dass Dario Deutscher ist, denn so konnte ich üben, mit ihm zu sprechen. Aber er war viel mehr als nur ein 'Sprachkumpel'. Ich konnte eine Menge von Dario lernen. Ich konnte sehen, wie ehrgeizig und motiviert ein Mensch sein kann. Dario ist auf einem sehr erfolgreichen Weg und hat ohne viele Privilegien eine Menge erreicht. Aber das ist seine Geschichte, die es zu erzählen gilt:
Ich wurde 1997 in einem kleinen Dorf namens Möhsen in der Nähe von Hamburg geboren. Dort gab es nicht viele Menschen, so dass ich in ein anderes Dorf gehen musste, um die Grundschule zu besuchen. Später musste ich jeden Tag in eine Stadt gehen, um das Gymnasium zu besuchen, aber selbst diese Stadt hatte nur 25 tausend Einwohner. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich also in kleinen Orten verbracht. Das gefiel mir aber, denn so war meine Familie immer in der Nähe und zusammen. Was hast du studiert und wie hast du es geschafft, dein Studium und dein Leben zu finanzieren? Ich habe dreieinhalb Jahre lang Wirtschaftsingenieurwesen studiert, aber ein normales Universitätsstudium war nicht möglich für mich. Meine Eltern waren nicht in der Lage, meine Studiengebühren oder Lebenshaltungskosten zu bezahlen, und ich wollte nach dem Studium keine Schulden haben.
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Also beschloss ich, mich bei Unternehmen zu bewerben, die das Studium an Spitzenuniversitäten finanzieren. Man studiert 3 Monate lang und arbeitet dann 3 Monate lang. Beispiele dafür sind: Phillips und Johnson & Johnson. Ich habe für ein Unternehmen in der Nähe meines Wohnortes gearbeitet, die LMT Group. In der Vereinbarung heißt es jedoch, dass man nach dem Studium 2 Jahre lang in dem Unternehmen arbeiten muss; wenn man sich dagegen entscheidet, muss man alles zurückzahlen. Aber zum Glück wollte das Unternehmen aufgrund von COVID keinen seiner Absolventen einstellen. Als Kind aus dem Arbeitermilieu habe ich auch einige Stipendien beantragt. Ich beschloss auch, während des Studiums für ein Unternehmen namens Signify (jetzt Phillips Lighting) zu arbeiten, weil ich nicht sicher war, ob ich mein Stipendium erhalten würde, nur um sicherzustellen, dass ich genug für Miete und Lebensmittel hatte. In meinem dritten Semester musste ich einen Praktikumsplatz finden, und jemand, der für Amazon rekrutierte, meldete sich bei mir. Ich bewarb mich und begann im Mai mein 6-monatiges Praktikum als Business Analyst bei Amazon in London. Sie zahlten ein sehr gutes Gehalt und ein Umzugsgeld. Dadurch konnte ich Berufserfahrung sammeln, mein Netzwerk erweitern und für mein Auslandssemester in Mexiko sparen.
Wie schaffst du es, in so jungen Jahren ein so anspruchsvolles Leben zu führen?
Als ich für Signify gearbeitet habe, begann mein Tag um 7 Uhr morgens und endete um sieben Uhr abends. Morgens hatte ich Uni, nachmittags Arbeit und dann Beurteilungsarbeiten und Vorbereitungen für den nächsten Tag. Mein Sozialleben hat eine Zeit lang wirklich gelitten, aber ich habe viel über Zeitmanagement gelernt und darüber, wann ich mich überanstrenge. Auch wenn mein Sozialleben darunter gelitten hat, hatte ich die zweitbesten Noten in meinem Abschluss und gute Arbeitserfahrungen. Als ich für mein Amazon-Praktikum nach London ging, war ich etwas entspannter, da es die einzige Arbeit war, die ich machte. Im Moment bin ich in Mexiko, um zu studieren, und ich genieße es, ein normaler Student zu sein, ohne nebenher arbeiten zu müssen. Insgesamt musste ich viel von meinem sozialen Leben opfern, um mir das Studium und die Finanzierung meines Lebens leisten zu können. Was hast du dazu inspiriert, schon in jungen Jahren so hart zu arbeiten? Meine ganze Kindheit über habe ich meinen Vater viel arbeiten sehen. 6 Tage die Woche und viele Überstunden, nur um uns ernähren zu können, nichts Ausgefallenes.
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Am Anfang war mein Ziel das Geld, denn ich wollte ein angenehmes Leben haben, aber jetzt möchte ich mit meiner Arbeit einen Mehrwert schaffen, weil ich weiß, dass ich gut genug bin. Ich weiß, dass ich mit Leuten mithalten kann, die an den besten Universitäten studiert haben, weil sie es sich leisten konnten. Nur 1 % der Doktoranden kommen aus der Arbeiterklasse, und ich weiß, dass ich gut genug bin, um zu diesem 1 % zu gehören. Aus einem Arbeitermilieu zu kommen, ist eine Herausforderung, aber es ermöglicht eine Menge persönliches und berufliches Wachstum. Wo sechst du dich nach Mexiko? Wie sieht deine Zukunft aus? Was ich im Moment weiß, ist, dass ich nächstes Jahr in die Schweiz gehen werde, um eine Masterarbeit bei einem Pharmaunternehmen namens Bayer zu schreiben. Vereinfacht gesagt, wird meine Arbeit dort darin bestehen, das Bauchgefühl von jemandem in einen maschinellen Lernalgorithmus umzuwandeln. Aber ich habe noch keine endgültige Antwort für die Zukunft und das ist auch gut so. Ich möchte betonen, dass niemand eine Antwort auf diese Frage haben muss. Das Schöne an der akademischen Welt ist, dass man gleichzeitig studieren und Interessengebiete erforschen kann. Ich würde auch gerne einen Doktortitel machen, und ich kann mir vorstellen, Professorin zu werden oder mein eigenes Unternehmen zu gründen. Aber ich habe noch Zeit und muss noch viel lernen, bevor ich mich entscheide.
Glaubst du, wenn du zur Mittelschicht gehörst, wäre dieser Weg einfacher gewesen? Es ist ein großes akademisches Privileg, sich keine Sorgen, um Geld machen zu müssen. Es bedeutet, dass man wahrscheinlich auf die besten Privatschulen gegangen ist, dass man die besten Tutoren hat, dass einem die Türen zu den besten Universitäten offenstehen, dass man viel mehr Freizeit hat usw... Ich würde meine Erfahrungen aber auf keinen Fall ändern. Sie hat meine berufliche Laufbahn und meinen Lebenslauf verbessert, ich bin überzeugt, dass ich eine fähige Person bin, und ich habe mich persönlich weiterentwickelt und werde es auch weiterhin tun. Wenn es schwierig erscheint, wäre man überrascht, wie viel ein Mensch tun kann, aber ja, Geld zu haben ist von Anfang an ein Privileg. Interview zwischen Hannah Alkindi und Dario Niemeck
Das Interview mit Dario hat mich sehr gefreut. Ich fühlte mich motiviert und optimistisch, als ich seine Geschichte hörte, und ich hoffe, dass sie auf alle, die dies lesen, die gleiche Wirkung hat. Da haben Sie es also, vom Dorf nach Hamburg, nach London, nach Mexiko, in die Schweiz und das ist erst der Anfang.
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INTERVIEW MIT NICHOLAS COURTMAN
Ein Einblick in die deutsche Staatsbürgerschaft und Neutralisierung. Nicholas ist ein neuer Beitrag am KCL. Nach Abschluss seines Doktorats Studiums in Cambridge und einer Menge Arbeitserfahrung hier, spricht er mit mir über seine Leidenschaften und Projekte. Wir begannen mit einigen interessanten Themen über Staatsbürgerschaft, Neutralisierung, Integration und einem kleinen Gespräch zum gegenseitigen Kennenlernen, aber was bei mir hängen blieb, war, dass Nicholas es geschafft hat, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten, obwohl weder er noch seine Eltern in Deutschland geboren wurden. Nicholas: "Ich habe angefangen, nach Möglichkeiten zu suchen, wie ich nach dem Brexit die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen könnte, weil ich das für eine katastrophale Entscheidung hielt. Meine Großmutter war eine deutsche Jüdin, die in den 1940er Jahren aus Deutschland floh. Als ich anfing zu recherchieren, wie ich die deutsche Staatsbürgerschaft über diese Verbindung beantragen könnte, gab es im System keine Möglichkeit. Andere Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation wie ich befanden, und ich taten uns zusammen und beschlossen, der deutschen Regierung einen Vorschlag zu unterbreiten und sie dazu zu bewegen, diese Möglichkeit in das Gesetz aufzunehmen.
Und am Ende hat es geklappt: Meinem Vater und mir ist es gelungen, die deutsche Staatsbürgerschaft als Verbindung zu meiner Großmutter zu bekommen." Ich
war
fassungslos
über
die
Wir unterhielten Anstrengungen, die Nicholas uns weiter über unternehmen musste, um eine neue Politik zu ändern und die deutsche einzuführen. Was für eine StaatsbürgerLeistung! schaft und wie man sie bekommen kann, aber im Vergleich zum Vereinigten Königreich ist es ziemlich zersplittert und kompliziert. Im Vereinigten Königreich werden alle Anträge von einem einzigen System bearbeitet dem Innenministerium. In Deutschland hingegen hängt alles von dem Bundesland ab, in dem Sie stationiert sind, bis hin zu dem Gebiet, in dem Sie wohnen. Ein derart zersplittertes System bedeutet, dass Zeit, Möglichkeiten und Entscheidungen variieren, was für viele frustrierend und stressig sein kann. Hamburg hat einmal beschlossen, die Staatsbürgerschaft willkürlich an seine Bevölkerung zu vergeben, während in Bayern das Verfahren ziemlich kompliziert und langwierig ist. Dies birgt ein hohes Maß an Unsicherheit.
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Nicholas: "Ich habe für einen politischen Think Tank der deutschen Regierung gearbeitet. Es handelte sich um ein Projekt, das in 9 Monaten abgeschlossen werden musste. Um es einfach auszudrücken: Es ging um die Wirksamkeit von Neutralisierungskampagnen. Einer meiner Vorschläge war, dass die deutsche Regierung es einfacher machen sollte, die doppelte Staatsbürgerschaft zu erhalten, anstatt die eigene Staatsbürgerschaft für eine deutsche aufgeben zu müssen."
Die deutsche Regierung beschloss, Menschen mit israelischer Staatsbürgerschaft zu erlauben, sowohl die deutsche als auch die israelische Staatsbürgerschaft zu haben, informierte aber niemanden darüber. Einige Bundesländer stellten einige Informationen auf ihre "FAQ"Seite, andere erwähnten es überhaupt nicht. Es war weder eine landesweite Erklärung in den Nachrichten, noch wurden die Menschen individuell darüber informiert, dass sich das Gesetz geändert hat."
Das fand ich sehr interessant. Die doppelte Staatsangehörigkeit ist für die Menschen, die sie besitzen, eine wichtige Identität. Es ist das, was sie sind und womit sie sich identifizieren. Die Aufforderung, die eine für die andere aufzugeben, wirft eine unnötige Frage der "Loyalität" auf. Es schafft Raum für Vermutungen über "geteilte Loyalität". Vor allem aber schränkt es die Neutralisierungsquote in Deutschland ein, denn viele wollen ihre ursprüngliche Staatsbürgerschaft nicht aufgeben. Zu Recht, ich würde es auch nicht wollen. Für die meisten reicht also eine befristete Aufenthaltsgenehmigung aus.
Ich fing an, ungläubig darüber zu lachen, wie absurd das war. Was hat es für einen Sinn, wenn man die Menschen nicht über eine so große Änderung informieren will? Das zeigt nur, wie sehr sich Deutschland in Sachen Neutralisierung und Integration noch verbessern muss. Es sollte jedoch erwähnt werden, dass alle anderen europäischen Länder weit davon entfernt sind, perfekt zu sein, und dass die Diskussion über die schlechte Behandlung von "Einwanderern" immer noch sehr lebendig ist. All diese Faktoren wirken sich auf die Integration, die Gesellschaft und die Kultur aus, sie haben langfristige Folgen für die Gesellschaften und ungerechte Konsequenzen für die Familien in solchen Positionen.
Nicholas: "Das ist zu einem großen Problem geworden, das die Leute davon abhält, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben, weil sie gezwungen werden, eine für eine andere aufzugeben. ch denke, das ist völlig unfair. Aber ich möchte Ihnen noch etwas anderes erzählen, was kürzlich passiert ist.
Es war sehr aufschlussreich, mit Nicholas zu sprechen, da dieses Thema in der Diskussion oft übersehen wird, und Nicholas ist offensichtlich ein Spezialist. Ich hatte das Gefühl, eine kleine Vorlesung zu hören, und das war großartig, denn ich bin mit neuem Wissen über ein wichtiges Thema aus diesem Gespräch gegangen.
Verfasst von Hannah Alkindi
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Redaktionsteam: Julia Belteki Nephele Laetizia Hrabak Alesha Cheah Lillith Nelhans McDonald Ruchika Sharma Taha Shamsi Emily Ghiro Hannah Alkindi Sanika Nerurkar
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