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Königspost Winter Edition 2020: 23. Ausgabe

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DEZ 20 AUS 23

königspost

POLITIK UND WIRTSCHAFT

KULTUR UND GESCHICHTE

LIFESTYLE UND KREATIVITÄT

EURE STIMME


PAGE 1 | KÖNIGSPOST

INHALTSEITE politik und wirtschaft

Unsere neue besondere Beziehung

3

Migration

5

Verlorne Nativität

7

kultur und geschichte Oktoberfest

9

Wim Wenders, Lisbon Story

11

2020: Beethovens 250. Geburtstag

14

lifestyle und kreativität

das Wachstum des Veganismus

15

Theater zum Frühstück

17

Patterns

19 kopf des tages

Interview mit Dr Elizabeth Stewart

21

eure stimme

die Digitale Zukunft

24


PAGE 2 |KÖNIGSPOST

REDAKTION Liebe Leser und Leserinnen, herzlich willkommen zur 23. Ausgabe der KCL Königspost! Wir sind uns bewusst, dass dieses Onlinesemester sehr anders ist, aber trotzdem hat euer Redaktionsteam sehr fleißig gearbeitet, um euch diese Ausgabe zu bringen. Diese Ausgabe beinhaltet Themen aus Politik und Wirtschaft,Kultur und Geschichte,Lifestyle und Kreativität,und Eure Stimme– es gibt auf jeden Fall eine große Auswahl an Inhalten zu entdecken! Wir danken allen, die zu dieser Ausgabe beigetragen haben.Ob sie deutsche Muttersprachler oder Deutschstudenten sind, bieten sie uns eine Reihe von Perspektiven zu einer Vielzahl von Themen: vom Veganismus in Deutschland bis zu Beethovens Geburtstag. Wir sind auch Dr. Elizabeth Stewart sehr dankbar für ihren Beitrag zu ihrem aktuellen Forschungsprojekt über: Turkish-German Scripts of Postmigration. Aufgrund der aktuellen Situation bieten wir sowohl gedruckte als auch online Exemplare dieser Ausgabe an, damit ihr von zu Hause aus leicht darauf zugreifen könnt. Das Redaktionsteam hat ebenfalls im Laufe des vergangenen Semesters die gesamte Ausgabe von zu Hause aus geplant und organisiert. Wir hoffen, dass diese Ausgabe die Teamarbeit und die Mühe zeigt, die wir alle in dieses Projekt investiert haben, und dass sie in diesen ungewöhnlichen Zeiten euch ein wenig Normalität bringt. In diesem Sinne wünschen wir euch eine spannende Lektüre! Herzliche Grüße credit: patriciacabeza.com

königspost


3 | POLITIK UND WIRTSCHAFT

Unsere neue* besondere Beziehung *zweite

credit: castlereport.us

Fast eine Woche lang klebten die meisten meiner Freunde und meine ganze Familie (ich bin zum Teil Amerikaner) an CNN, als die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen eintrafen. Wir lernten John King gut kennen, den einstigen Moderator mit seiner magischen Wand, die die Stimmen in den ganzen Vereinigten Staaten verfolgte. Bald wusste ich über den Commonwealth von Pennsylvania fast absurd viel. Eerie, Lackawanna, Allegeheny, Bucks und so weiter und so fort. Endlich aber wurde am Samstagnachmittag Joseph Robinette Biden Junior zum 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt. Die Welt atmete auf. Die üblichen Verdächtigen in den rechten Medien, offensichtlich enttäuscht über den Sturz eines von ihnen, grübelten schnell darüber nach, wie Bidens Sympathien für Irland das Vereinigte Königreich gefährden könnten. Ich verstehe das Gefühl der Erleichterung und Abkapselung gut. Auch ich fühlte bei Wolf Blitzers Wahlaufruf nur reine Freude. Doch bei allem Jubel fand ich es fast schon komisch, dass es nach einer für Deutschland ebenso wichtigen Wahl, nämlich der Wahl des CDU-Vorsitzenden, keine ähnliche Berichterstattung gibt. Ich würde wetten, dass viele Deutsche eher drei Grafschaften Pennsylvanias nennen könnten als einen der drei Männer, die in die Fußstapfen von Adenauer, Kohl und Merkel treten wollen

Natürlich erleichtert die gemeinsame Sprache von Großbritannien und den USA die Presseberichterstattung und die Macht der USA dient auch dazu, die Wahlberichterstattung zu rechtfertigen. Das Schreckgespenst von vier weiteren Jahren Donald Trump und seinen Angriffen auf die Demokratie ist natürlich eine gute Entschuldigung für die Konzentration auf die Wahl. Doch das Fehlen einer ernsthaften Berichterstattung über den Wandel in der CDU ist Teil einer größeren, ungesunden Dynamik innerhalb des Vereinigten Königreichs und dessen politischen Diskurses.

Wir konzentrieren uns zu stark auf die Vereinigten Staaten, sehen aber nicht die Macht der EU vor unserer Haustür Wir verstehen die Länder innerhalb und außerhalb der EU nicht gut genug. Wir verstehen vor allem (wenn nicht nur) Deutschland nicht gut genug. Zu viele an der politischen Macht sind nicht in der Lage, die Geschichte, den politischen Druck, die Institutionen und so weiter zu verstehen, wie David Camerons Wette auf Merkels Hilfe mit seinem jämmerlichen Beschwichtigungsmittel an den Brexiteers bewies, als er einen „New Deal” mit der EU aushandelte. Diese eingeschränkte Sicht auf die Macht, die uns so nahe ist, hat uns an Orte geführt, die weit über unser klares nationales Interesse hinausgehen.


POLITIK UND WIRTSCHAFT | 4

Das ist natürlich kein Zustand, in dem wir uns befinden wollen. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Vereinigte Königreich ein Teil der Europäischen Union sein und eine integrale Rolle in ihr spielen sollte. Ob Brexit „beschlossen” ist oder nicht, hat keinen Einfluss auf die Qualität der Idee. Wir sollten und müssen uns im Herzen der EU befinden, weil wir uns dort am besten ausdrücken können. Wir sind eine hochentwickelte, große Volkswirtschaft, die über beträchtliche weiche und harte Macht verfügt, aber wir treten in ein Jahrhundert und eine Welt ein, die von sehr großen Volkswirtschaften und mit noch mehr Macht beherrscht wird. Die beste Möglichkeit unsere Interessen zum Ausdruck zu bringen, besteht darin, uns eng mit denen in unserer nächsten Umgebung zu verbinden: Europa Das ist unsere beste Option, denn in der Stärke, die uns zahlenmäßig zur Verfügung steht, werden unsere Interessen ihren wirkungsvollsten Ausdruck finden. Wenn eng zu kombinieren bedeutet, aus politischen Gründen außerhalb der EU zu sein, sollten wir dennoch versuchen, Europa so eng wie möglich zu umarmen. Wir müssen unsere Außenpolitik so strukturieren, dass sie die EU beeinflusst und mit ihr zusammenfällt. Um eine solche Nähe auf lange Sicht zu erreichen, müssen wir als Nation kulturell und sozial dem übrigen Europa viel näherkommen. Wir müssen unser Verständnis von Spanien bis Rumänien, von Italien bis Estland, von Litauen bis Bulgarien, von Schweden bis Portugal, von Lettland bis Frankreich, von Polen bis Zypern verbessern. Es ist wichtig, dass wir Deutschland besser verstehen. Kurz gesagt, wir müssen eine Generation von Briten aufbauen, die Deutsch, Deutschland and Germanismen verstehen.

Dieser Prozess beginnt von unten nach oben. Von jedem Land muss ein volles Engagement von ganzem Herzen übernommen werden. Im Fall von Deutschland schlage ich jedoch vor, dass es auf den folgenden Linien aufgebaut wird. Erstens, frühes und nachhaltiges Deutschlernen, obligatorisch bis zur Universität. Wir müssen Deutsch zunächst in der Schule von einem extrem frühen Alter an unterrichten, und zwar nachhaltig und obligatorisch bis zur Universität. Unsere Welt muss Deutschland als Land umarmen - Wittgenstein hat die Grenzen der Welt

als seine Sprache beschrieben - unsere Sprache muss so erweitert werden, dass unsere Welt größer wird. Zweitens müssen wir junge Deutsche schon früh mit unserer eigenen Jugend in Kontakt bringen. Das bedeutet eine nachhaltige Kommunikation im Stil eines Brieffreundschaftsaustauschs, auch im schulischen Austausch von frühester Kindheit an. Wichtig ist auch, dass Schulen langfristige Partnerschaften mit Schulen in Deutschland eingehen.

Das Ziel sollte darin bestehen, Reisen, bewährte Praktiken und Verständigung über die Altersgruppen hinweg zu erleichtern. Drittens müssen wir die Möglichkeit bieten, ein Jahr der Oberstufe in Deutschland zu absolvieren. Die Schulen müssen auch in einer von der Zentralregierung koordinierten Weise Beziehungen knüpfen, die alle Bundesländer einbeziehen. Viertens müssen wir im Erasmus-Programm bleiben. Es ist ein Akt von nationalem Vandalismus, den Rückzug daraus anzustreben. Dieses Programm, das den Höhepunkt der europäischen sozialen Integration darstellt und möglicherweise mehr für den Frieden tut, als man sich jemals vorstellen könnte, kann leicht als elitär abgetan werden. Das darf nicht so sein! Wir müssen es für alle öffnen, damit sich jeder an diesem Geschenk erfreuen kann. Fünftens müssen wir die Vermittlung der Geschichte der Europäischen Union und auch den Platz Deutschlands innerhalb der Europäischen Union verbindlich vorschreiben. Schließlich müssen wir uns stärker mit deutschen Stiftungen, wie der Konrad-Adenauer-Stiftung, engagieren und eigene Äquivalenteschaffen, um Netzwerke mit aufstrebenden politischen Akteuren zu schaffen, die Kommunikation und Verständigung am besten ermöglichen. Das Ziel sollte dann sein, dass wir eine Nation von Menschen werden, die quer durch Europa und (hoffentlich) darüber hinaus gereist sind, so dass wir nicht nur eine Nation sind, die Deutsch, Deutsche und den Germanismus verstehen kann, sondern auch eine Nation, die sich ihrer wahren Bestimmung im Herzen Europas bewusst ist. Emmanuel Janssens


5 | POLITIK UND WIRTSCHAFT

MIGRATION ein ewiges Phänomen der Geschichte aus einem retrospektiven Blickwinkel Anhand des Buches von Gerhard Seewann (2014) mit dem Titel „Geschichte der Deutschen in Ungarn” und mithilfe meiner Mentoren aus Ungarn geschrieben. Da zurzeit die Migration eine der bedeutendsten Herausforderungen ist, herrscht überall Streit darüber, wie man mit diesem Phänomen umgehen sollte. Auf der einen Seite bestehen viele auf Offenheit und fordern daher eine inklusive politische Herangehensweise. Auf der anderen Seite sind manche der Meinung, dass Immigration eine kulturelle, politische und wirtschaftliche Gefahr mit sich bringt. Nach dem Türkenjoch hatte die Habsburg-Dynastie die Aufgabe, die ungarische Wirtschaft wieder zu neuem Leben zu erwecken. Das Ziel mit einer systematischen Umsiedlung der Deutschen war auf keinen Fall die Germanisierung des Landes, sondern das Ersetzen des Mangels an Arbeitskraft damit die wirtschaftliche Produktion aufgenommen werden konnte. In den folgenden Zeilen vergleiche ich die Ansiedlung des 18. Jahrhunderts in Ungarn, ebenfalls eine Form der Migration, mit der heutigen Lage der Migration in Deutschland.

DIE SUCHE NACH EINER NEUEN HEIMAT In dem uneinheitlichen Deutschland des 18. Jahrhunderts hatten die Deutschen etliche Gründe, ihr Vaterland zu verlassen. Neben den unendlichen Kriegen der Epoche hatten die Deutschen die Heiratsbeschränkung und das Erbrecht zu bewältigen. photo credit: fernandocobelo.com

Dem Gesetz nach durften junge Paare erst dann heiraten, wenn sie beweisen konnten, dass sie ein Haus und genügend Felder zur Versorgung der Familie hatten. Darüber hinaus war eine der wichtigsten Ursachen der Auswanderung die problematische wirtschaftliche Lage in den Gebieten Südwest-, Westund Mitteldeutschlands, die von der Auswanderung betroffen waren. Um in den deutschen Herkunftsgebieten eine ansehnlichere Bauernwirtschaft zu erwerben, hätte es mehrerer tausend Gulden bedurft. In Ungarn jedoch war gegen 1750 eine volle Bauernstelle bereits für 100 Gulden oder noch weniger zu haben. Unter diesem Aspekt war die enorme Kaufkraftdifferenz zwischen Südwestdeutschland und Ungarn sowie die großen Landreserven im Zielgebiet ein starkes Argument dafür auszuwandern.

DIE AUSGELÖSTE WIRTSCHAFTLICHE DYNAMIK Aus den oben erwähnten Ursachen der Emigration aus Deutschland im 18. Jahrhundert und aus den Vorteilen der Immigration in Ungarn betrachtend, ergibt sich, dass das Interesse des Herkunftslandes mit dem des Aufnahmelandes zum größten Teil im Einklang stand. Weiterhin muss man feststellen, dass es infolge der Verwüstungen der Türkenzeit sowohl der damaligen ungarischen Kirche als auch den ungarischen Grundbesitzern, sowie dem ungarischen Staat vorteilhaft war, die deutschen Kolonisten in Ungarn anzusiedeln.


POLITIK UND WIRTSCHAFT | 6

Was die heutige Lage anbelangt, berufen sich manche deutschen Medien darauf, dass die Migranten heutzutage nicht imstande seien, dem Aufnahmeland Fachkenntnisse zu liefern, und daher würde das gegenseitige Interesse infrage gestellt. Diesen Medien zum Trotz gebe es in Deutschland nach Angaben des Bundesministeriums des Inneren für Bau und Heimat einen kontinuierlichen Fachkräftemangel, weswegen Deutschland Maßnahmen wie die Einführung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes vorsieht, das den Einfluss ausgebildeter ausländischer Fachkräfte fördern soll. Das könnte bedeuten, dass die Migration immer noch für das Aufnahmeland von Vorteil sein kann. Obendrein muss man eine weiterführende Ähnlichkeit erkennen, und zwar, dass die Migranten in beiden Fällen als Quelle der Fachkraft dienten.

DIE UNTERBRINGUNG DER KOLONISTEN Trotz der frei gebliebenen Gebiete nach dem Türkenjoch, bedeutete die Unterbringung der Kolonisten ein schwerwiegendes Problem, weil die früher von den Türken bewohnten Gebiete in Trümmern lagen. Man könnte annehmen, dass die Ermäßigungen, welche die Migranten in Anspruch nehmen konnten, eben das erwähnte Problem der wenigen Unterbringungsmöglichkeiten zu lösen versuchten. Zum einen ist es zwar richtig, dass solche Ermäßigungen sowohl in der mariatheresianischen Urbarial Regulierung als auch im Ansiedlungspatent vom Joseph dem Zweiten vorzufinden sind, zum anderen muss man sich aber vor Augen halten, dass diese Ermäßigungen ausschließlich im Falle der königlichen Siedlung galten. Da 80% der Siedlungstätigkeit rechtlich gesehen nicht seitens des Herrschers sondern von den Großgrundbesitzern (Zichy Eszterházy, Festetics) durchgeführt wurden, wurden die Rechte (z.B. die Steuerfreiheit etc.) den Migranten nicht unbedingt zur Verfügung gestellt, und daher konnte das oben genannte Problem der Unterbringung nicht gelöst werden.

photo credit: fernandocobelo.com

Was die heutige Migration betrifft, kann man feststellen, dass die Unterbringung der Migranten eine der größten Herausforderungen ist. Medienberichten zufolge seien die Migranten in Deutschland wegen des knappen Wohnraumes in Turnhallen untergebracht worden. Diesbezüglich traf die deutsche Bundesregierung die Entscheidung über eine „Wohnsitzauflage” für Migranten. Demnach können die jeweiligen Bundesländer den Aufenthaltsort der Migranten frei vorschreiben, bzw. gegebenenfalls frei ändern. Betrachtet man die Migrationspolitik des heutigen Deutschlands, liegen konkrete Daten bezüglich der Investitionen der Bundesrepublik für die Integration der Migranten vor. Anhand dieser Daten beträgt die für die Unterkunft, für die Verpflegung, sowie für die Sprachkurse investierte Summe 50 Milliarden Euro jährlich. In der Geschichte können manche epochenübergreifende, immer wieder auftauchende, gesellschaftliche Probleme beobachtet werden. Diese Probleme sind meist auf die menschliche Natur zurückzuführen, deshalb lohnt es sich, neben den auswertigen Ereignissen die emotionalen Vorgänge der Menschen gleichfalls zu beobachten. Folgendermaßen, falls es eine enge Beziehung zwischen dem Lebensweg und der emotionellen Verbundenheit zum Vaterland gibt, könnte man vermuten, dass man in einer neu erworbenen Heimat nach gewisser Zeit gleichwertige Verbindungen und Erfahrungen anhäufen kann. Dementsprechend ist man emotionell in seiner jeweiligen Heimat ebenfalls verwurzelt. Vor allem muss man also die allwichtigste Frage stellen: besteht die Gefahr, dass man nach gewisser Zeit in der neuen Heimat von dem Vaterland emotionell entfremdet wird? Das scheint schwierig zu beantworten, jedoch bin ich überzeugt, dass die Deutschen sich in ihrer neuen Heimat von ihrem Vaterland nicht entfremdet fühlten. Derart klingt die ungarndeutsche Hymne auch: „Nach meiner Heimat zieht’s mich wieder...”. Das liefert uns sogar einen Beweis dafür, dass unser Zugehörigkeitsgefühl zum Vaterland nicht abgelöst, bzw. aufgehoben werden kann.

Robert Janszo


7 | POLITIK UND WIRTSCHAFT

Verlorene Naivität was nun für das jüdische Wien?

Am 2. November 2020 verlor eine europäische Stadt ihre Naivität. Ein islamistischer Attentäter beschloss, das Herz Wiens anzugreifen. In der Wahl seines Anfangspunkts sehen wir den besorgniserregendsten Teil der ideologischen Bedrohung: leider trägt das jüdische Volk aufgrund des mit Israel verbundenen Antisemitismus und heimtückischer Verschwörungstheorien häufig die Hauptlast des Extremismus. Wie sieht das Leben jetzt aus, wo selbst die vermeintlich sichersten, neutralsten Städte Europas bedroht sind? Was ist mit den Juden in Wien?

Ich bin der Meinung, dass es einen Plan gab, der aber nicht ausgeführt werden konnte. Und wenn es nicht nach Plan lief, konnten vermutlich viele Menschenleben gerettet werden. An einem anderen Tag, zum Beispiel an einem Feiertag wie Chanukka, hätte eine noch größere Katastrophe passieren können. Haben die Schutzmaßnahmen die Pläne für einen Massenmord an Wiens Juden verhindert? Möglicherweise ja. Denn am 3. November sind die neuen Maßnahmen gegen das CoronaVirus in Kraft getreten. Zu diesen Maßnahmen gehörte die Schließung der gesamten Gastronomie und von Andachtsorten. Und so hatte Wien in der letzten Nacht vor dem Lockdown, in der Bars und Restaurants noch geöffnet waren, ihren letzten Auftritt. Schwedenplatz, kurz nach 20:00 Uhr: Schüsse werden abgefeuert und die österreichische Polizei sowie das Sondereinsatzkommando treten in Aktion und müssen sich wahrscheinlich gegen Bandenkriege, MafiaAktivitäten und rivalisierende politische Gruppen durchsetzen.

Der Terrorismus ist zwar ein Teil des internationalen Bewusstseins, aber nicht der erste Gedanke, der jemanden einem hier in Wien in den Sinn gekommen ist. Terrorismus ist etwas, das anderswo passiert. Aber es ist passiert. Hier und in der Seitenstettengasse. Dieser für die Innenstadt typische, sehr malerische Stadtteil mit imposanten Wohnhäusern aus der Kaiserzeit in denen sich heutzutage auch viele Bars und Restaurants befinden, war zum Zeitpunkt der Veranstaltung aufgrund des Touristenmangels ungewöhnlich ruhig. Der Schwedenplatz ist ein Touristenmagnet und in den mittelalterlichen, kleinen, verwinkelten Straßen sind unter normalen Umständen viele Touristen und Nachtschwärmer.

Und in dieser Straße ist auch das schlagende Herz und der Mittelpunkt des jüdischen Wiens, eine Bastion des Widerstands und des Gedeihens aller Juden. Zum Glück war die Synagoge zum Tatzeitpunkt bereits geschlossen.Aber der Attentäter wählte nicht ohne Grund die kleine Straße mit der Hauptsynagoge dieser Stadt. Wie geht es nun weiter für die Wiener Juden? In ganz Europa ist die Zahl der Juden, die den Kontinent verlassen, dramatisch angestiegen. Aliyaah, die Rückkehr nach Israel, wird in allen jüdischen Gemeinden in jedem Land in Betracht gezogen, nachdem Angriffe rechtsextremer und zunehmend islamistischer Gruppen auf Juden vermehrt aufgetreten sind. Aber die jüdischen Stimmen sollten, diejenigen sein, die zu diesem Thema sprechen. Hier spricht Angelika Ginzburg, eine junge jüdische Frau, die in Wien lebt:


POLITIK UND WIRTSCHAFT | 8

„Wir erleben bewegte Zeiten, wir als Juden und Jüdinnen, wir als Europäer und Europäerinnen. Ich liebe und schätze die Europäischen Werte und würde am liebsten für immer hier wohnen bleiben. Ob dies möglich sein wird oder, ob ich Aliyaah machen werde, wird sich noch zeigen. Tatsächlich war der zweite November nicht der einzige Angriff, erschreckenderweise wurde die Grazer Synagoge mehrmals mit antisemitischen Parolen beschmiert.“ Israel als Backup-Plan war seit der Gründung des Staates eine Überlegung, wenn das Leben der Diaspora-Juden unhaltbar wird. Es sollte für uns alle als Europäer eine Schande sein, dass sich junge europäische Juden im 21. Jahrhundert in beträchtlicher Zahl in unseren Gesellschaften bedroht fühlen. Der erste Gedanke der Juden nach Terroranschlägen, an die wir uns fast schon gewöhnt haben, sollte nicht sein, ihre Heimat in Europa aufzugeben. Wir zünden Kerzen an, sprechen Worte des Mitgefühls und der Solidarität, aber wir beschäftigen uns nicht richtig mit den Faktoren, die unsere jüdischen Nachbarn aus unseren Ländern verdrängen. Es ist eine Tatsache, dass Angriffe auf Juden in Gebieten mit hohen Migrationsraten drastisch ansteigen, viel schneller als rechtsextreme Angriffe.

Die Antwort lautet immer Bildung und Integration, aber was läuft mit dem gesellschaftlichen Zusammenhalt falsch? Die Bildung von Echokammern, in denen der kulturübergreifende Kontakt begrenzt ist und extreme Ansichten propagieren können. Wir müssen uns mit den Ursachen der jüdischen Auswanderung befassen, die von Angst getrieben ist. Wir müssen schwierige Gespräche über Einwanderung und Integration führen und unterschwellige Akte der Einschüchterung jüdischer Gemeinden ernst nehmen - sowohl von Islamisten als auch von Rechtsextremisten. Von der Regierung geführte Integrationsprogramme spielen eine große Rolle. Da jedoch immer mehr islamistische Extremisten Angriffe auf Juden verüben, müssen Polizei und Sicherheitsdienste ihren Fokus von Links- und Rechtsextremisten auf Migrantengemeinschaften und extremistische Moscheen verlegen. Die zweite EU Umfrage zu „Experiences and Perceptions of Antisemitism“ ergab, dass europaweit die meisten der

Täter (30%)Muslime im Untergrund waren und nur 13% Rechtsextreme. Überraschend ist auch, dass 21% als Linksextremisten identifiziert wurden, wahrscheinlich im Zusammenhang mit Antisemitismus gegenüber Israel. Die Bedrohung für Juden ist vielfältig und daher muss der Verstoß gegen den antisemitischen Extremismus offen sein und alle Gemeinschaften, Glaubensbekenntnisse und Hintergründe einbeziehen und mit ihnen in Kontakt treten.

,,Ich wünsche mir mehr Solidaritätsbekennungen in unserer Gesellschaft gegenüber Antisemitismus Opfern, sei es von meinen christlichen und muslimischen Freunden und vor allem von Universitäten. Leider habe ich das Gefühl, dass Antisemitismus oft mit dem „ach so bösen“ Staat Israel ungeniert gerechtfertigt oder verwechselt wird, was mehr als nur dreist ist."

Der Kampf gegen Extremismus ist eine neue Priorität Europas. Wir müssen als Demokraten auf jeden Fall die liberal-demokratischen Werten und Toleranz annehmen und gegen jede Diskriminierung und jeden Rassismus zusammenfinden. Die Bekämpfung des Extremismus ist der einzige Weg, um unsere Sicherheit und Freiheit zu bewahren. Wenn wir unsere am stärksten bedrohten Gemeinschaften nicht schützen, können wir uns nicht als wirklich menschlich, zivilisierte Gesellschaft betrachten. In diesem Fall sind die liberalen Werte und Menschenrechte, mit denen wir uns identifizieren, nichts anderes als ein Märchen, das wir uns selbst erzählen.

Philip Hamilton-Grogan


9 | KULTUR UND GESCHICHTE

oktoberfest Deutschlands größtes Treffen: das Oktoberfest ist ein bayerisches, kulturelles und wirtschaftliches Wahrzeichen

Durchschnittlich mehr als

6 Millionen Besucher im Jahr,

fast 8 Millionen Liter ausgeschenktes Bier, 1 Milliarde Euro Einnahmen durch ausgabefreudige Touristen: das ist das Oktoberfest in nackten Zahlen. Sobald man an das Oktoberfest denkt, denkt man an Bier, Brezeln und Lederhosen.

Aber das Oktoberfest ist viel mehr als die gängigen Klischees,

die

viele

kennen,

auch

wenn

sie

Teil

der

Feierlichkeiten sind. Was ist also die Wahrheit über die 16-tägige Veranstaltung, die jährlich ungefähr vom 16. September bis zum 3. Oktober in München stattfindet? Ein

wenig

Geschichte

und

eine

Zeitreise

in

die

Vergangenheit...

Einführung in die Geschichte des Oktoberfestes

Schon vor der Gründung des Oktoberfestes gab es in Bayern Bierfeste. Sie waren eine Möglichkeit, das im März vor Beginn der neuen Brausaison gebraute Bier abzubauen. Das erste Bierfest fand am 17. Oktober 1810

statt.

Am

12.

Oktober

desselben

Jahres

veranstalteten der Kronprinz, der künftige König Ludwig I.

von

Bayern

und

Hildburghausen

Prinzessin

anlässlich

Therese

ihrer

von

Hochzeit

Sachsen-

ein

großes

Pferderennen auf einer Wiese unter den Mauern von München,

das

von

Andreas

Michael

Dall'Armi

organisiert wurde. Daraus wurde die Theresienwiese”, benannt nach der Prinzessin. Das Oktoberfest ist daher auch als Wiesn bekannt.

credit: awaylands.com.


KULTUR UND GESCHICHTE | 10

Warum ist es heute wirtschaftlich so wichtig? Heutzutage ist das Oktoberfest eine der berühmtesten Veranstaltungen

Deutschlands

und

spielt

sowohl

kulturell als auch wirtschaftlich eine wichtige Rolle. Das Bierfest

wird

organisiert

von

und

beträchtlich:

der

etwa

durchschnittlich anderen

der

aufgestellten

jährliche

eine

70,22

Statistiken

Bargeldbezüge

Münchner

halbe

Euro

sind

an

Stadtverwaltung

Gesamtumsatz Milliarde

pro

den

Automaten

Euro,

d.h.

Auch

die

Anhand

der

Person.

beeindruckend.

ist

in

den

Räumlichkeiten

lässt

sich

feststellen,

credit: mensjournal.com

aus

welchem Land die Menschen kommen. Die meisten von ihnen

sind

Amerikaner,

gefolgt

von

Stereotyp oder Tradition?

Italienern,

Schweizern, Briten, Österreichern und Franzosen, aber auch Menschen aus vielen anderen Ländern der Welt.

Das

bayerische

Fest,

das

seine

Wurzeln

in

einer

deutschen Tradition hat, wurde modernisiert, d.h. es ist Der Stadtrat schätzt, dass die auswärtigen Besucher für

Verpflegung,

Benutzung Millionen

öffentlicher Euro

Übernachtungen nochmals

Einkäufe,

in

Verkehrsmittel

der

Stadt

gaben

insgesamt

Taxifahrten

die

rund

oder

die

weitere

285

lassen.

Allein

auswärtigen

505

für

Festgäste

Millionen

Euro

aus.

Während der Wiesn entstehen allein dort etwa 13.000 Arbeitsplätze. Davon sind 8.000 Beschäftigte in einem festen Arbeitsverhältnis angestellt. Die restlichen 5.000 Personen

finden

bayerische

Oktoberfest

auszugeben, seiner

befristet

dank

seiner

Gastronomie

angebotenen

ist

und

Produkte

Arbeit.Kurz ein

guter

gesagt: Ort,

Attraktionen, aller

und

um

seines

anderen

das Geld

Bieres,

Derivate

Dienstleistungen.

der

Jedoch

bleibt seine Zukunft ungewiss, denn wenn die Preise weiter steigen, werden die Partygäste bereit sein so viel

zu

bezahlen?

Veranstaltung auch

wegen

in

Dies

ist

ein

Grund,

Frage

gestellt

wird

der

aktuellen

warum

(aber

die

natürlich

mit der Zeit gegangen, damit sich die Besucher noch heute amüsieren können. Die meisten kommen nämlich nur,

um

Spaß

traditionellen

zu

und

haben

und

kulturellen

nicht,

Aspekte

um

zu

seine

entdecken.

Denken wir zum Beispiel an die tausenden Touristen, die

in

Dirndl

und

Lederhosen

diese

Feier

besuchen,

e[BM1] in Bild, das wir im Alltag selten sehen. Das heißt nicht, dass die Traditionen vergessen werden, [BM2] im Gegenteil,

sie

integriert.

Stellenwir

entdeckenden

werden

nur

auf

uns

Gerichten

zeitgemäße

die

vor:

Weise

zahlreichen

wirklich

zu

traditionelle

Gerichte sind Spätzle oder hausgemachte Eiernudeln mit Soße, oft Käsesoße, und Zwiebeln. Wenn das noch nicht genug ist, sind auch deutsche Essiggurken oder Apfelstrudel eine sehr traditionelle Option. Zwischen den Kostümen und der Küche wird also sicherlich ein bestimmtes Bild von Deutschland dargestellt, aber ist es ein getreues?

gesundheitlichen

Situation...).

Was kann man daraus schließen? Das Oktoberfest ist das größte Volksfest der Welt. Es feiert eine zweihundert Jahre alte Tradition mit Freude und

Fröhlichkeit.

Dieses

Fest

ist

ein

bayerisches

Wahrzeichen, das dank seiner Traditionen und Symbolik tief in dieser Region verwurzelt ist. Es spielt sowohl in der

Wirtschaft

als

auch

in

der

Kultur

eine

wichtige

Rolle. Das Oktoberfest wird von allen geschätzt und ist allen bekannt. Allerdings fand das Oktoberfest 2020 wegen der Corona-Pandemie nicht statt. Hoffentlich werden wir es 2021 wieder feiern können!

Paola Dumoulin

credit: happytowander.com


11 | KULTUR UND GESCHICHTE

WIM WENDERS WUNDERWERK: LISBON STORY EINE DEUTUNG

credit: wimwendersstiftung.de

Was macht man mit einem Wim Wenders Film, der einen verwirrt, sodass einem die Haare zu Berge stehen? Man versucht ihn zu verstehen, zu interpretieren. Hier mein Versuch. In Deutschland ist es kalt geworden. Wenn ich am frühen Abend einen Spaziergang durch die winterliche Dunkelheit mache, schicke ich meinen gefrorenen Atem wie winzige Rauchsignale als Warnung um die Straßenecken. Jedes Jahr aufs Neue vergesse ich, wie früh es dunkel wird im Winter und wie eisig. Jedes Jahr träume ich von der Milde des Südens, davon der Tristesse zu entfliehen. Nach Italien vielleicht? Oder Südfrankreich? Ich erinnere mich an den Sommerurlaub, als das Leben noch in gelbe Heiterkeit getunkt war. Dieses Jahr geht das nicht. Es gab keine Sommerreise, stattdessen Filme, jede Menge Filme.

Im Juni bin ich zu Gast bei Elio und seiner majestätischen Villa in Crema, Italien. Im Juli erlebe ich die sengende Hitze Los Angeles, während ich schlechte Paprikachips im Autokino esse. Im August dann Lissabon - Wim Wenders Lissabon der neunziger Jahre.

Phillip Winter reist 1994, die Europäische Union ist da unter diesem Namen erst wenige Jahre alt, mit eingegipstem Bein von Deutschland nach Portugal. Woche für Woche waren Briefe seines Freundes, Filmemacher Friedrich, eingetrudelt mit der Bitte, ihm in die Hauptstadt des Landes zu folgen. Und so macht sich Winter mit einer Sprachkassette im Radio seiner roten Karre auf in den Süden, quer durch Europa. Es ist ein anderes Europa als das, das ich kenne. Ein Europa, in dem sich Winter noch über die Grenzenlosigkeit wundert und verärgert der Kontrolle seines Passes nachtrauert. Ein Europa, in dem das Reisen noch nicht seine eigenen Gesetze der Zeit aufgestellt hat, in dem eine Reise sich noch durch Zeit und Raum erstreckt.


KULTUR UND GESCHICHTE | 12

„Friedrich? Der Winter ist da.“ Doch der Filmemacher antwortet nicht, als Winter durch die heruntergekommene Villa wandelt, in die sein Freund ihn eingeladen hat. Er ist alleine, beschließt eine Siesta zu machen. Wenig später schreckt er auf und blickt in das Gesicht eines schmunzelnden Jungen, Zé. Nein, eigentlich in die Kamera, die dieser vor sein Auge drückt. Frederico, wie er Friedrich nennt, hat ihn beauftragt zu filmen. Aber auch Zé weiß nicht, wo der Regisseur ist. Vermutet, er drehe gerade irgendwo in den Straßen Lissabons.

Der hagere, chronisch übernächtigte Winter hat die Gabe, mit Klängen Geschichten zu erzählen. Er versteckt sie in seinen Koffern: kleine Säckchen, mysteriöse metallene Gegenstände. Wenn er sie zum Leben erweckt, wird aus den einfachen Holzschalen ein Pferd, aus einem Streichholz ein rauchender Cowboy. Der Kamerajunge Zé mag seinen Ohren kaum glauben.

Einige Wochen nach seiner Ankunft findet Winter Friedrichs Videotagebuch. Er habe beschlossen eins zu werden mit der Stadt, wolle jegliche Distanz aufgeben. Winter ist besorgt. Aber Friedrich bleibt wie vom Erdboden verschluckt – bis Winter die ihm ganz vertraute Stimme auf einmal hinter sich im Café hört. Er folgt Friedrich bis zum kaugummipastellfarbenen Rand der Stadt. Friedrich eröffnet ihm in einem fast psychotischen Anfall, den Film nicht beenden zu wollen.

„Die Bilder verkaufen die Welt, Winter. Und das im Sonderangebot.“ Der Betrachter zerstöre jedes Bild. Gewolltes Filmen sei zwecklos, die Wirklichkeit entgleite sowieso. „So lange kein Auge es entzaubert, ist es in perfektem Einklang mit der Welt. Nur ein einziger Blick auf das Bild genügt, und die Sache darin stirbt.“

Wim Wenders Werk zelebriert die Magie des Tons.

Als Winter gerade Filmpassagen anschaut, aufgenommen von Friedrich mit einer Kurbelkamera, hört er zum ersten Mal die Gruppe Madredeus, die so melodiöse Musik macht, dass sie an gregorianische Gesänge erinnert. Die Noten, die die Sängerin anstimmt, wirken aus der Zeit gefallen und gleichzeitig zeitlos: Man ist sich sicher, dass der Rhythmus und die Melodie noch in hundert Jahren dieselbe hypnotisierende Wirkung haben werden.

Madredeus wurden von Friedrich Winter beauftragt, die Musik für den Film aufzunehmen. Doch auch die Sängerin, auf die Winter im blauen Scheinwerferlicht ein Auge wirft, weiß nicht, wo Friedrich steckt. Und so macht sich Winter in den nächsten Tagen und Wochen auf die Suche nach seinem Freund, während er gleichzeitig die Klänge, Stimmen, Erzählungen des Films einfängt, den Friedrich zurückgelassen hat. credit: amazon.com


13 | KULTUR UND GESCHICHTE

Nach dem deprimierenden Tobsuchtsanfall verlässt Winter seinen Freund und seine Sammlung der ungesehenen Bilder, eingefangen mit einer Kamera auf dem Rücken. Doch trotz der Wut, die Winter verspürt, gibt er seinen Freund nicht auf, sendet eine Nachricht an den „König des Abfall-BildImperiums“ und bittet ihn seinen Augen wieder zu vertrauen. Ein blauer Faden zieht sich durch Wim Wenders Reise-Film. Himmelblau, zum Antritt seiner Reise. Dämmerungsblau, als Winter zum ersten Mal die Sängerin von Madredeus sieht. Meerblau, das als Schatten seines Cappies auf seine Stirn fällt, während er durch Lissabons Gassen zieht, auf der Suche nach dem richtigen Geräusch. „Drei Farben blau“ also. Oder vielleicht will ich dieses Muster ja auch einfach sehen, will eine Ästhetik herbeisehen, die es gar nicht gibt. Was Friedrich sagt, was ihn an den Rand des Wahnsinns treibt, lässt auch mich nicht mehr los.

Wenders bringt die große Fragen - über die Bedeutung des Sehens, Gesehenwerden und „sehen lassen“ - auf die Leinwand. Lisbon Story ist eine Hommage an das Filmemachen und gleichzeitig eine der wohl heftigsten Kritiken des Mediums, die beinahe zur Verzweiflung führt. Friedrich lässt alles stehen und liegen, bricht auf, um das Filmen neu zu erfinden, ein Filmen ohne Betrachter, ohne das sehende Auge – ein blinder Film. Er ist es leid, dass die Bilder, die er einfängt, nicht die Wirklichkeit, das Leben, das Sein seines Ortes einfangen. Alles was er filmt, ist eine Illusion nur ein Teil der Wirklichkeit, und vielleicht noch nicht einmal das. Stattdessen drückt er Kindern seine Kameras in die Hand, lässt sie in Mülleimern verstecken, bindet sie sich auf den Rücken – Hauptsache das Gewollte, die führende Hand wird verbannt und das Alltägliche endlich eingefangen. Dieser Überdruss am Bild und auch an der Kommerzialisierung dieses folgt einer ganzen Reihe von medienkritischen Philosophen, spitzt deren Position zu und bringt sie – zynischer Weise – in die Form des verabscheuten Mediums, des Bildes.

credit: wimwendersstiftung.de

Ein Film übers Filmemachen. „Mises en abyme“ haben immer etwas Magisches, es ist als öffnete man eine Tür, die einen näher an den geheimnisvollen Garten bringen soll, nur um dann ein neues Geheimnis, eine weitere Tür zu entdecken und zu öffnen. Und so geht es einem auch mit Lisbon Story, wenn Madredeus nicht nur im Film Musik für den Film Friedrichs macht, sondern in einer Parallelwelt auch die musikalische Untermalung Wenders ist. Immer wieder nimmt Winter Bezug auf das Sehen und das Hören, liest zum Beispiel Gedichte Pessoas, in denen es heißt „Im hellen Tageslicht leuchten sogar die Töne.“ Gerade wenn man denkt, mehr Selbstreflexion ginge nicht mehr, öffnet sich eine neue versteckte Ebene, gibt es eine neue Anspielung, eine neue Zeile eines portugiesischen Dichters. Und so endet die Reflexion auch nach Ende des Films nicht, sie geht in mich über, und ich kann mich dabei beobachten, wie ich mich beobachte beim Denken und beim Sehen. Ein kaum enden wollender Kreislauf. Zurück bleibe ich auf meinem Fensterbrett sitzend, Madredeus hörend, mit Pessoas „Buch der Unruhe“ in der Hand meinen unruhigen Gedanken folgend und von Lissabon träumend.

Malina Aniol


KULTUR UND GESCHICHTE | 14

2020: 250

BEETHOVEN'S

Sein Publikum stellte somit hohe Erwartungen an seine Musik. Sein bekanntestes Musikstück ist ohne Zweifel die 9. Sinfonie, die auf der von Friedrich Schiller geschriebenen Ode „An die Freude“ basiert und mittlerweile die Hymne der Europäischen Union ist. Seine Werke sprechen die Menschen an, und die Tatsache, dass sein Stück für diese Hymne ausgewählt wurde, ist ein Beweis dafür, dass seine Musik die Menschen noch heute vereint, und deswegen feiern wir ihn. Wie wird also Beethovens Geburtstag gefeiert?

GEBURTSTAG

Am 17. Dezember ist es soweit: der 250. Geburtstag des weltberühmten Musikers Ludwig van Beethoven wird an diesem Tag gefeiert. Beethoven wirkte auf dem Höhepunkt der klassischen Epoche und leitete mit seinen Werken die Zeit der Romantik ein. Daher gilt er als einer der bedeutendsten Komponisten. Dieser Artikel ist zu Ehren des Geburtstages dieses großartigen Musikers geschrieben. Beethovens Leben

Beethoven wurde in Bonn, der am Rhein gelegenen ehemaligen Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, geboren. Leider bleibt der genaue Tag unbekannt, an dem der Pianist und Komponist zur Welt kam, wir wissen lediglich das Datum seiner Taufe. Wir wissen jedoch mit Sicherheit, dass er aus einer Familie von Hofmusikern stammte, denn sein Großvater war Basssänger und später Hofkapellmeister an der Bonner Hofkapelle, während sein Vater sowohl Basssänger als auch Musiklehrer war und ihm das Klavierspielen beibrachte. Beethoven perfektionierte seine Musikfähigkeiten in Wien, wo ihn unter anderem Franz Joseph Haydn unterrichtete. Bemerkenswert ist, dass er einen Großteil seiner Musik trotz eines allmählichen Verlustes des Gehörs komponierte. Dennoch sind seine Musikstücke von außerordentlicher Schönheit geprägt. Leider verstarb Beethoven bereits im Alter von 56 Jahren 1827 in Wien.

Zum freudigen Anlass haben sich die Bundesrepublik Deutschland, das Land Nordrhein-Westfalen, der RheinSieg-Kreis und die Stadt Bonn zusammengetan, um die Beethoven Jubiläum GmbH zu gründen und, um das Jubiläum unter BTHVN2020 bekanntzumachen. Aufgrund der aktuellen Gesundheitskrise werden bedauerlicherweise viele der geplanten Veranstaltungen, wie Ausstellungen, Konzerte, Schauspiele und Workshops, ausfallen müssen. Doch in Bonn kann man sich trotzdem eine Reihe von Installation über Beethoven sowie Lichtinstallation, die von Beethovens Musik inspiriert wurden und in der ganzen Stadt zu finden sind, anschauen. Ebenfalls spannend ist das Kompositionsprojekt„250 piano pieces for Beethoven” der Pianistin Susanne Kessel, die 250 Komponisten aus 47 Länder einlud von Beethoven inspirierte Musikstücke zu komponieren. Darüber hinaus wurde, dem aktuellen Trend folgend, ein digitales Kulturprogramm erstellt und einige der geplanten Konzerte usw. sind jetzt online verfügbar. Die BTHVN2020 Veranstaltungen fingen am 17. Dezember 2019 an und wurden aufgrund der Pandemie bis zum 21. September 2021 verlängert. Weitere Information zu ihnen findet man auf der offiziellen Internetseite des Beethoven Jubiläums GmbH unter: https://www.bthvn2020.de/. Wir hoffen, dass sich die Gesundheitskrise bald verbessert, damit wir das volle Veranstaltungsprogramm wieder wahrnehmen können.

Nina Theil

Was macht Beethoven so bedeutend?

Die Musik Beethovens gehört zur klassischen Epoche, einer Epoche, die in die Zeitspanne zwischen ca. 1730 und 1850 fällt. Es ist eine Epoche, die normalerweise mit drei Namen assoziiert wird: Franz Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, und natürlich Ludwig van Beethoven. Er war freischaffender Musiker, der in Wien arbeitete. In Gegensatz zu seinen Vorgängern und zu den Musikern seiner Zeit, komponierte Beethoven vergleichsweise wenig Musikstücke, zum Beispiel verfasste er lediglich neun Sinfonien und eine Oper. credit: commons.wikimedia.org


15 | LIFESTYLE UND KREATIVITÄT

„AN WEISSER MILCH KLEBT ROTES BLUT“ DAS WACHSTUM DES VEGANISMUS IN DEUTSCHLAND

OBWOHL DER VEGANISMUS WELTWEIT WÄCHST, IST ES BESONDERS FASZINIEREND, DEN FALL DEUTSCHLANDS ZU BETRACHTEN – DIE NATION, DIE FÜR DIE BRATWURST, SCHWEINEHAXEN UND DAS SCHNITZEL BEKANNT IST. In den Nachkriegsjahren wurde in Deutschland der Konsum von Fleisch und Butter als ein Zeichen von Wohlstand gesehen und zeigte deshalb den gesellschaftlichen Status der Menschen. Mit dem Wachstum der deutschen Wirtschaft wuchs auch der Fleischkonsum und schnell wurde Fleisch zu einem Grundnahrungsmittel in den meisten deutschen Haushalten. Selbst jetzt, wenn jemand an die deutsche Mahlzeit denkt, kommt immer Fleisch vor. Zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendbrot – die Deutschen lieben Fleisch. Warum ist also der Veganismus bei den Deutschen plötzlich so beliebt?

WARUM VEGANER WERDEN? Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum immer mehr Deutschen sich für einen veganen Lebensstil entscheiden, zum Beispiel wegen der Umwelt, wegen der Gesundheit und wegen des Tierschutzes. Da Deutschland sowieso ein sehr „grünes“ Land ist, sollte das eigentlich keine Überraschung sein. credit:loveisinmytummy.com


LIFESTYLE UND KREATIVITÄT | 16

Die Deutschen sind für ihre Umweltpraktiken bekannt, wie zum Beispiel strenge RecyclingRegeln und finanzielle Anreize wie Pfand, den es in Deutschland schon lange gibt. Besonders junge Leute in Deutschland engagieren sich heute für die Grüne Partei oder umweltbedingte Ursachen, was oft auf das Internet und die Vielzahl der ihnen zur Verfügung stehenden Medien zurückzuführen ist.

WIE KOMMT DER VEGANISMUS DEM PLANETEN ZUGUTE? Forscher der Universität Oxford behaupten, dass das Weglassen von Fleisch und Milchprodukten aus der Ernährung den CO2Fußabdruck eines Individuums durch Lebensmittel um bis zu 73 Prozent reduzieren könnte. Die Tierzucht, zum Beispiel von Kühen, verbraucht Tausende Liter Wasser und wenn man die Kosten für den Transport und die Konservierung des Fleisches mitzählt, hat diese enorme Konsequenzen für den Planeten. Doch in den letzten 20 Jahren ist der Verbrauch von Fleisch in Deutschland um bis zu 8 Kilogramm pro Person zurückgegangen. Insbesondere wurde 2016 viel weniger Schweinefleisch, eines der beliebtesten deutsche Lebensmittel, gegessen.

credit:claudiagoedke.wordpress.com

Ungefähr 1 - 1,3 Millionen Menschen in Deutschland sind jetzt Veganer – fast 1,6 % der deutschen Bevölkerung (die höchste Quote in ganz Europa), was bereits ein großer Gewinn für den Planeten ist.

EINE LANGFRISTIGE BEWEGUNG Viele fragen sich jedoch, ob der Veganismus in Deutschland nur ein aktueller Trend ist oder ob er eine langanhaltende Bewegung sein wird. Vera Oswald, Autorin bei Veggieworld, ist der ersteren Meinung: „Es ist kein kurzweiliger Hype, sondern ein Trend“, behauptet Oswald. „Es ist im Sinne eines tiefgreifenden und nachhaltigen Veränderungsprozesses in Wirtschaft und Gesellschaft.” Daher sehen viele den Veganismus als einen Lifestyle: es beeinflusst nicht nur das, was man isst, sondern auch die Art und Weise, wie man sein Leben lebt. Beim Veganismus geht es nämlich nicht nur um Ernährung, sondern auch um die Vermeidung von Medikamenten und Kosmetika auf Tierbasis, das Tragen von Leder und Wolle und so weiter.

Es ist heute einfacher als je zuvor, sich auf eine vegane Ernährung umzustellen. Wo man früher schwer vegane Restaurants und vegane Supermärkte finden konnte, gibt es heutzutage in den meisten Lokalen vegane Angebote und viele Supermärkte bieten auch vegane Ersatzprodukte an. Man bekommt wahrscheinlich auch viel weniger verwirrte Blicke und Fragen, wenn man jemandem erzählt, dass man sich vegan ernährt, was bei vielen zuvor definitiv der Fall war. Und wenn Sie Schwierigkeiten haben, Inspiration für vegane Rezepte zu finden, gibt es viel im Angebot. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland 211 vegane Kochbücher veröffentlicht, im Vergleich zu nur drei im Jahr 2010. Und wenn man die heimatliche Bratwurst vermisst, gibt es sogar auch dafür eine Soja-Variante.

ZAZIE ATKINSON


17 | LIFESTYLE UND KREATIVITAT

Postdramatisches Theater zum Frühstück

ein Gespräch mit Malte Schlösser, Regisseur des DiscounterTheaters (Theaterdiscounters) in Berlin

credit: archmospheres.com

Wenn die Realität plötzlich sehr schwer zu fassen ist, wenn so vieles sich unserem rationalen Verstand entzieht, wenn das Alltägliche sich mehr wie Fiktion anfühlt, wäre eine Meditation über postdramatisches Theater ein guter Start in den Tag. Ich treffe mich mit dem Regisseur und Dramatiker Malte Schlösser in einer gemütlichen Berliner Küche, um unter anderem über seine Erfahrung mit PostDrama zu sprechen, ob es wichtig ist, ins Theater zu gehen und wie sich seine Kunst durch die globale Pandemie entwickelt hat. Eines der allerersten Dinge, mit denen wir in Kontakt kommen, ist die Bedeutung einer sichtbaren, durch die physischen Strukturen auf der Bühne repräsentierten Materialität. Die Leuchtgeräte, Leinwände, Projektoren usw. würden normalerweise verborgen bleiben, um den suspendierten Glauben des Publikums beizubehalten. Schlösser behauptet: „Post-dramatisches Drama agiert nicht wie Zauberei. Es will alle narrativen Strukturen und Illusionen auflösen. Ich möchte sie [die Strukturen] in die Mitte stellen, damit sie sichtbar werden.” Ein weiterer wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit der Materialität ist ihre Wirkung auf das Individuum, die in der Charakterdarstellung zu sehen ist.

Das postdramatische Theater entlarvt den Mythos der Kohärenz und Selbststimmung, den uns das traditionelle, dramatische Theater durch den größten Teil der Geschichte zugefüttert hat. „Ich interessiere mich mehr für die manipulierenden Kräfte dahinter, die Umgebung eines Charakters, als für seinen individuellen Schicksal als solches.” In seiner typisch verzerrten oder unzusammenhängenden Form wirft das neue Theater das aristotelische Ideal einer Geschichte (eine Drei-Akt-Struktur, Held gegen Antiheld Dynamik u.a.) weg. Der Materialabbau im Postdrama zeigt, wie sehr unsere Realität fragmentiert statt vereinigt ist. Die Welt, in der wir leben, ist nicht so einfach und wissenschaftlich bestimmt, wie sie in den Köpfen der „aufgeklärten” Denker wie Newton, z.B., erscheinen mag. Unsere heutige Welt, losgelöst von einer stabilen sozio-politischen Achse, scheint ihren Sinn für Schwerkraft verloren zu haben und schwebt in einem Zustand der Verwirrung. „Sprachlosigkeit und emotionale Unzugänglichkeit” sind die zwei zentralen Themen, die Schlössers aktuelles Stück Es fällt mir so schwer, die Orte zu verlassen, an denen ich noch nicht war, behandelt. Diese Probleme sind, laut Schlösser, aus den sozialen, politischen Strukturen entstanden, die uns voneinander trennen und die in einer von Corona-geplagten, digital-abhängigen Art


LIFESTYLE UND KREATIVITÄT | 18

der Kommunikation noch geprägter werden. Er sagt: „Meine Stücke konzentrieren sich nicht so sehr auf den Inhalt oder das Problem selbst, sondern auf die äußerlichen Strukturen. Wie können wir über die Probleme sprechen, die uns betreffen? Wir müssen die Struktur ändern, wenn wir diese Probleme ansprechen wollen.” Was mir auch eindeutig erscheint, ist Schlossers Behauptung, dass wir heute „Dinge empfinden, ohne darüber zu sprechen, und über Dinge sprechen, ohne sie zu empfinden.” Als Beispiel zitiert er direkt aus seinem neuesten Stück „Hör auf dein Herz! Hör auf dich Selbst! Warum sprechen wir so? Ich habe immer von diesem Satz gehört, aber nie auf mich selbst”. Die Kluft, zwischen Innen und Außen, zwischen dem, was wir im Wesentlichen sind und wie wir uns selbst darstellen, ist das, was das postdramatische Theater ebenfalls zu überbrücken versucht. Durch Sinnesrekurs insbesondere versucht das neue Theater den Betrachter einer Pluralität von Sein und Einfluss zu öffnen. Die in sich selbst-geschlossene Einheit, sei es die eines Einzelnen oder die eines bestimmten Ereignisses, das das klassische Drama ständig darstellen wollte, war nie real. Es war nur die Repräsentation eines Ideals. Das weite Reich der Sinne, einschließlich der visuellen, auditiven, physiologischen, räumlichen usw. wird nach ihrer Essenz untersucht, nicht nach ihrer Funktion, eine Geschichte zu übermitteln. In einer informationsgesättigten Gesellschaft ist es wichtiger geworden, unsere persönliche Wahrnehmung zurückzugewinnen, da so viel davon durch Medien kontrolliert wird. Als ich Herr Schlösser nach der Bedeutung bestimmter Entscheidungen frage, die er für sein aufstehendes Stück getroffen hat (wie zum Beispiel die Wahl der gefilmten Orte oder das Fehlen von Körpern auf der Bühne), antwortet er, dass es an mir liegt. Ein Großteil des postdramatischen Theaters bleibt offen für Interpretationen. Einige Kritiker würden sagen, dass dies dem Ideal der Klarheit widerspricht, das Aristoteles als notwendige Voraussetzung für Schönheit definierte - „Die Klarheit eines Bildes bringt dem Betrachter viel mehr Freude als zufällige Farben auf einer Leinwand.”

Totalität sei, laut Aristoteles und seinen Anhängern im dramatischen Theater, die Voraussetzung für Schönheit, welche auch zum Standard eines „guten Kunstwerks” wird: ein Gemälde, ein Theater oder ein Film, das in seiner endgültigen Form vollständig ist. Diese angebliche Vollständigkeit ist genau das, was die post-dramatische Theaterbewegung in Frage stellt. „Wie kann man die formlose moderne Lebenserfahrung als vollkommenes Kunstwerk darstellen?” Diese Frage gewinnt noch mehr Bedeutung, nachdem das Leben seit dem CoronaAusbruch seine „normale” Form verloren hat. Unsere Routinen und alles, was uns ein (falsches) Sicherheitsgefühl gab, verschwand. Postdramatisches Theater ist oft verstörend und verwirrend, weil es keine lineare Erzählung gibt und sich das Rohmaterial auf die Materialität von Requisiten, die Interaktion von Körpern mit verschiedenen visuellen, auditiven und räumlichen Stimuli oder die Dekonstruktion der Sprache fokussiert anstatt auf eine schlüssige Struktur.Warum ist das zeitgenössisch relevant? Denn es sorgt dafür, dass wir es uns nicht zu bequem auf unseren Sitzen machen, wie wenn wir einen guten Film anschauen. Anstatt uns in eine vorgefertigte Welt zu versetzen, sind wir eingeladen, uns mit Chaos zu konfrontieren, was paradoxerweise eine befähigende Erfahrung sein mag. In typisch post-dramatischer Manier vermeidet Schlösser die Frage „warum es wichtig ist, das Theater zu besuchen?”. Er sagt nur geistreich „Es wäre dogmatisch und idealistisch von mir zu versuchen, die Vorteile des Zuschauens eines Theaterstücks zu rechtfertigen.” Er will nichts mit Strukturen, sogar wenn sie utopisch seien, zu tun. Das Gespräch mit Herrn Schlösser war erdend und ermutigend. Theater muss weder spektakulär sein, noch muss eine perfekte Formel für Erfolg, Liebe, Glück vorgeschrieben sein.Wir müssen nicht vorgeben, dass wir alles verstehen. Dass die Welt unsere ist. Oder dass wir ganz - ein ausgeformtes „Individuum” als solches - wären. Ironischerweise gibt postdramatische Theater uns die Chance, weniger vorzugeben und realer mit unserem verwundbaren Selbst zu existieren. Isabela Palancean


19 | LIFESTYLE UND KREATIVITÄT

patterns ein einzigartiges Tanzstück

Das im Ballhaus Naunynstraße in Berlin aufgeführte Tanzstück PATTERNS ist das dritte Werk der Choreografin Magda Korsinky. Um die Identitäten schwarzer Menschen in Deutschland zu reflektieren, nahm Korsinky Gesten des Alltags, ihre Sozialisiertheit und ihre Eigensinnigkeit, zum Ausgangspunkt ihres Werkes. Mit einer Gruppe von zehn schwarzen Tänzerinnen hat Korsinky Verhaltensmuster des Alltags, gestische Routinen und Wiederholungen des Selbst angeschaut. Die Premiere des Tanzstückes fand am 21. November 2019 statt. Es wurde dann Anfang März 2020 erneut aufgeführt. Dieses Tanzstück war das letzte, das im Ballhaus Naunynstraße vor dem Lockdown in Deutschland sowie vor den im Juni durchgeführten Black Lives Matter Demonstrationen aufgeführt wurde .Hoffentlich hat das Stück dazu beigetragen, das Gespräch über Rassismus und die Darstellung schwarzer Menschen in Deutschland weiterzuführen.

Der Prozess, in dem die Choreografin arbeitet, ist ziemlich besonders. Die Methoden dieses zeitgenössischen Tanzes brachen die traditionelle Dynamik zwischen dem Choreografen und den normalerweise stimmlosen Tänzern, denn Korsinky gab ihren Tänzerinnen Autonomie.

Außerdem vereinigte der Probenprozess mehrere Kunstarten. Alle Tänzerinnen haben zum Beispiel dreizehn Zeichnungen gezeichnet, die ihren Alltag veranschaulichten. Aufstehen, anziehen, in den Spiegel blicken, durch die Tür zur Arbeit gehen. Wie identifizieren wir uns mit dem Alltag des Lebens? Wie prägt der Alltag uns? Wie wirkt sich der Alltag vor allem auf schwarze Frauen aus? Die Tänzerinnen waren darüber gut informiert, diese Fragen durch Tanz und Bewegung auszudrücken. Diese Entscheidung von Korsinky, die eigene Bewegung der Tänzerinnen zu verwenden,


LIFESTYLE UND KREATIVITÄT | 20

schuf etwas, das sowohl als einzigartig als auch persönlich wahrgenommen werden konnte. Trotz der Tatsache, dass es feste choreografische Bausteine gab, ergab jede Probe etwas Neues und Einzigartiges. Diese choreografischen Bausteine wurden verwendet, um dem Tanzstück eine bestimmte Handlung zu geben, die das Leben der Frauen widerspiegelte. Außerdem bewegten sich die Tänzerinnen langsam, mit der Schwerkraft zusammen.

Dies zeigte die Stärke der Tänzerinnen, was das Publikum vor allem spürte, als die Tänzerinnen sich als ein Körper bewegten. Darüber hinaus drückten die Tänzerinnen verschiedene Gefühle des Alltags aus. Dementsprechend gab es Momente, in denen die Choreografie die Traurigkeit der Frauen zeigte. Darüber hinaus wurden die übertriebenen Neigungen des Körpers und stets kantige Bewegungen benutzt, um Verwirrung oder Wut auszudrücken.

credit: magdakorsinsky.com

Die Vielzahl an Gefühlen, die die Tänzerinnen ausdrückten, brach mit dem Stereotypen, die die Gesellschaft über schwarze Frauen vermittelt. Genau aus diesem Grund ist dieses Tanzstück so wichtig. Außerdem geben die Medien schwarzen Frauen eine beschränkte Darstellung: zum Beispiel seien schwarze Frauen immer stark, sogar „Queens”.

Diese Darstellung gibt ihnen keine Chance, traurig oder verletzlich zu sein

credit: magdakorsinsky.com

Schwarze Frauen verdienen jedoch den Raum, in dem sie Wut, Traurigkeit und Absurdität ausdrücken können. Die Auseinandersetzung des Lebens durch Abstraktion und Kunst ist nicht nur ein künstlerischer Raum für eine Zielgruppe. Die schwarze Gemeinschaft Deutschlands ist in der Lage, ihre eigene Stimme darzustellen.

Stephanie Burrell


21 | KOPF DES TAGES

mit

INTERVIEW DR. ELIZABETH STEWART über ihr neues Buch: Performing New German Realities: Turkish-German Scripts of Postmigration

königspost: Was hat Sie dazu beeinflusst, sich über den Median der Performance auf die türkischdeutsche Kultur zu konzentrieren?

Dr. Stewart: Ich habe die Welt der türkisch-deutschen Literatur erstmals während meines Auslandsjahres in Heidelberg entdeckt, als ich an einem Kurs über „Interkulturelle Literaturwissenschaft” teilgenommen habe. Ich habe geliebt, wie die Bücher von zum Beispiel Emine Sevgi Özdamar und Feridun Zaimoglu mit der Sprache spielen, und dadurch auch mit Sozial- und Machtstrukturen spielen – also diese Strukturen in Bewegung bringen. Als Studentin kam ich auch durch die Hausarbeiten, die ich damals schreiben musste, in Kontakt mit Ideen und Theorien aus dem Postkolonialismus und Poststrukturalismus, die mich sehr beeinflussten. Also intellektuell sowie emotionell war das Lesen dieser Literatur eine wichtige Entwicklung für mich.

Damals in Heidelberg hatte ich im Alter von 21 Jahren außerdem meine erste Erfahrung mit dem Theater. Ich besuchte mit einer Freundin ein Brecht-Stück und nach der Aufführung habe ich bemerkt, dass viele ältere Zuschauer die Schauspieler ausbuhten. Das hat mich sehr überrascht – so eine Reaktion konnte ich credit: courtesy of Dr Stewart


KOPF DES TAGES | 22

mir hier in Großbritannien nicht vorstellen – und habe von den anderen Zuschauern herausgefunden, dass die Aufführung mit dem klassischen Brecht-Stil gebrochen hatte und ein Teil des Publikums sich gegen diese neue Interpretation gewehrt hatte. Diese Erfahrung hat meine Augen für die soziale Bedeutung des Theaters in Deutschland geöffnet, wo es eine größere Rolle als in Großbritannien spielt.

Ich habe mich dann gefragt, was ist mit dem deutsch-türkischen Theater? Wo, wann, warum, und wie werden Stücke von deutschtürkischen Schriftsteller/innen aufgeführt? Wie wurde auf diese Stücke reagiert? Und was ist das Verhältnis zwischen den Geschichten und der Ästhetik der Theaterstücke und der kulturellen Landschaft sowie dem Selbstbild Deutschlands? Es gibt natürlich keine homogene „deutsch-türkische” Kultur und viele Künstler fühlen sich durch solche Labels eher eingeengt, es ging also nicht darum, dieses Theater zu definieren, sondern es zu situieren und den künstlerischen und politischen Wegen, die die Künstler bahnen, zu folgen.

königspost: Glauben Sie, dass diese Aufführungen ein Auslöser für einen Wandel der politischen und gesellschaftlichen Einstellungen zur türkischdeutschen Kultur sein können?

Dr. Stewart: Ja, ich glaube schon – und für einen Wandel der Einstellungen zur kulturellen Landschaft Deutschlands im Allgemeinen. In meiner Forschung habe ich gefunden, dass in den letzten 25 Jahren Theater von deutschtürkischen Künstlern sich von den geographischen sowie symbolischen Rändern in das Zentrum der Theaterlandschaft der BRD bewegt hat, obwohl immer noch viel zu tun bleibt.

Noch in den 90er und in den frühen 2000er Jahren gab es wenig Platz für Schauspieler, Regisseure, und Schriftsteller mit Migrationshintergrund in deutschen Ensembles und auf deutschen Bühnen. In einem Interview aus den frühen 2000er Jahren hat der Theatermacher Mürtüz Yolcu diese Lage ironisch kommentiert, als er sagte: „schließlich ist der Türke ja auch nicht nach Deutschland gekommen, um Theater zu spielen” (zit. in Boran 2004). Man kann von einer strukturellen Diskriminierung damals in diesem Kulturbereich sprechen, sowie von einem Fehlen von postmigrantischen Perspektiven und Geschichten im öffentlichen Raum.

Wichtig dabei zu erwähnen ist, dass Theater in Deutschland mit Staatsgeldern sehr stark unterstützt wird. Heute ist die Lage anders – die Staatstheater denken inzwischen daran, inklusiver zu arbeiten. Stücke von Regisseuren wie Nurkan Erpulat, Hakan Savas Mican, Necati Özeri werden jetzt oft in den großen Theatern gespielt. Man kann sich sogar manchmal ihre Stücke online im Livestream anschauen (siehe z. B. gorki.de). Und sogar Angela Merkel denkt an Integrationspolitik in Bezug auf Theater. Auf dem Integrationsgipfel März 2020 sagte sie: „Ich erinnere mich an meinen ersten Integrationsdialog, bei dem ein Schwarzer, der Schauspieler war, sagte: Ich muss im Fernsehen immer den Kriminellen spielen. Ich möchte einmal den Bürgermeister spielen. Das ist ja ein berechtigter Wunsch. Über diese Fragen müssen wir uns noch mehr Gedanken machen. Davon bin ich zutiefst überzeugt.” Wichtig gewesen bei diesem Wandel ist die Arbeit von vielen Aktivisten und Künstlern, die Netzwerke und Plattformen für sich geschaffen haben und die sehr lang ohne große Anerkennung diese Arbeit geleistet haben, sowie Änderungen in der Kulturpolitik Deutschlands seit den 2000er Jahren.


23 | KOPF DES TAGES

königspost: Wie hat sich dieses Projekt von früheren oder laufenden Projekten unterschieden?

Dr. Stewart: Ich habe schon an dieser Forschung während meiner Doktorarbeit gearbeitet, dieses Buch ist also bis jetzt das Hauptprojekt meines persönlichen akademischen Lebens. Momentan nehme ich auch an einem anderen kollektiven Projekt teil, das von Kollegen an UCL und an der University of York geleitet wird. Dieses Projekt heißt „Violence Elsewhere: Imagining Violence Outside Germany“ und hat das Ziel, die Darstellung von Gewalt in der deutschen Gegenwartskultur zu erforschen, besonders wo Gewalt als etwas vorgestellt wird, das in fernen, imaginären oder zeitlich unterschiedlichen Zeiten und Orten stattfindet.

credit: annaparini.com

Dr. Stewart: Mein Fokus dabei ist nochmal die postmigrantische künstlerische Produktion ins Zentrum der Diskussion zu rücken. Mich interessiert, was mit dieser Vorstellung in der Literatur, im Theater und im Film passiert, dass Gewalt „woanders”stattfindet oder mit anderen Ländern und nicht mit Deutschland verbunden wird, wenn ca. 25% der Bevölkerung Deutschlands einen Migrationshintergrund hat, d.h. wenn Kulturschaffender/innen eine konkrete, biographische oder persönliche Verbindung zu diesem „anderswo” haben. Gerade versuche ich am theatralen Engagement des Gorki Theaters mit Themen wie der gegenwärtigen politischen Repression in der Türkei zu arbeiten.

königspost: Wie können King's Studenten mehr über dieses Thema erfahren und warum ist es so wichtig?

Was das Theater betrifft... das Schwierigste ist, die Qualität eines Liveauftritts für den Unterricht zu reproduzieren. Wenn man zu einer Aufführung geht, ist das Theaterstück nur ein Teil der Erfahrung: es gibt auch zum Beispiel die Aspekte des Publikums und des Ortes. Dazu kommt, dass Aufzeichnungen einer Aufführung oft enttäuschend sind – im Vergleich zu anderen Materialen wie Büchern und Filmen, ist es wegen des völlig veränderten Blickwinkels ein bisschen schwierig, aufgezeichnetes Theater zu studieren. Obwohl ich zurzeit nicht zu deutsch-türkischem Theater unterrichte, stehen auf dem Lehrplan hier im German Department deutsch-türkische Literatur und Filme, gerade im First Year, wo ein Film von Ayşe Polat in „Texts und Contexts” studiert wird, und auch im Final Year, in Modulen wie Dr. McMurty’s Modul zum Multilingualismus und Literatur. Generell ist es uns ein wichtiger Anspruch, Studierenden die Gelegenheit zu geben, sich mit postmigrantischen und postkolonialen Stimmen zu engagieren und nicht nur in Hinsicht auf die türkisch-deutsche Minderheit.


Sixth Form Competition Winner

EURE STIMME | 24

DIE DIGITALE ZUKUNFT

zu schaffen, deren Generierung der Mensch nicht mehr

ALTE PROBLEME LÖSEN UND NEUE SCHAFFEN?

der Wissenschaftler, nicht weil man es ihnen beigebracht

erfassen kann und die den Menschen nicht nur überflüssig machen, sondern auch an seinen Motiven schlechthin nicht interessiert sind. Künstliche Intelligenz ist

zum

Beispiel

nicht

notwendigerweise

daran

interessiert, was der Mensch konsumiert oder ob er einen Arbeitsplatz hat. Sogar das Bluffen haben die Maschinen schon gelernt. 2017 hat KI es erstmals geschafft, die vier besten Pokerspieler der Welt zu schlagen. Und dies, laut hat, sondern weil sie es irgendwann einfach konnten. Einige Hersteller von Hausrobotern, wie Kuri, erachten es schon für notwendig, ihren Kunden zu versichern: „Kuri wird nicht versuchen, die Zivilisation, wie wir sie kennen, zu zerstören.”

Chinas weitgreifende Pläne, ein Sozialkredit-System einzuführen, verdeutlichen diese Frage. In vielerlei

Dieses Zusammentreffen von Menschen und autonomen

Hinsicht steht ein Ideal hinter der Idee: die Schaffung

Maschinen wirft neue ethische Fragen auf, zum Beispiel

eines gänzlich moralischen Bürgers. Die Kehrseite der

die nach der Leidensfähigkeit von Maschinen.

Medaille ist eine totale Überwachung jedes einzelnen Menschen im Staat. Also lösen wir auf der einen Seite das Problem der steigenden Kriminalität und vielleicht auch soziale Probleme wie Vereinsamung, denn wer will schon eine negative Bewertung, nur weil er seine Eltern nicht mindestens einmal im Monat besucht. Auf der anderen Seite wird die Technologie leicht zur Sklavin eines intransparenten Autoritarismus, denn wer weiß schon, wie die Informationen wirklich genutzt werden.

SIE ERFORDERT AUCH GANZ NEUE PLANUNGEN UND HIERIN LIEGT DIE HERAUSFORDERUNG FÜR DEN MENSCHEN. Der Vergleich mit der Einführung des Internets drängt sich auf und bietet Parallelen: inwieweit hat die

Eine digitale Zukunft birgt große Chancen für die Zukunft. Vorrangig könnten hier große Fortschritte für die Nachhaltigkeit gemacht werden. Eine gute Vernetzung

Menschheit

das

Internet

im

Griff?

Wer

die

amerikanischen Wahlen verfolgt hat, wird seine Zweifel nicht verbergen können.

fördert internationale Kooperation und erleichtert die

Stephen Hawkins Prognose für den Menschen im

Durchsetzung nachhaltiger Maßnahmen. Gleichzeitig aber

Rahmen der Entwicklung von KI liest sich bedrohlich, da

schafft

große

seiner Meinung nach die technologische Entwicklung

Machtkonzentration. Wir stehen also an einer Schwelle,

schneller abläuft als die biologische. Doch Verbote

an der das Selbstbewusstsein des Menschen, des Homo

werden

sapiens, bis zum äußersten Grad entwickelt ist, an der

aufhalten. Daher sollten wir uns darauf konzentrieren das

aber auch die von ihm entwickelte künstliche Intelligenz

Feld dazu bringen, Standards in der Ethik und im

(KI) anfängt, ihn in weiten Bereichen zu übertreffen. Diese

Datenschutz festzulegen, einen aufgeklärten Diskurs zu

künstliche Intelligenz fängt jetzt an Antworten zu

führen und digitale Mündigkeit zu beweisen. Die digitale

schaffen, deren Generierung der Mensch nicht meh

Zukunft erfordert eine neue Aufklärung, ein neues Sapere

man

damit

natürlich

eine

Aude!

diese

technologische

Entwicklung

nicht

ELEANOR VOAK


AUFRUF FÜR SCHRIFTSTELLER! Wir suchen Schriftsteller für die neue Ausgabe der Königspost. Egal, auf welchem Niveau ihre Deutschkenntnisse sind, wir würden uns freuen, von Ihnen zu hören!

Worüber kann ich schreiben? Wir haben eine Reihe von Themen: Politik und Wirtschaft, Kultur und Geschichte, Lifestyle und Kreativität und Eure Stimme. Das Wichtigste ist, dass es ein Thema ist, für das Sie sich interessieren. Wir sind immer bereit, Ideen mit Ihnen zu besprechen, also schicken Sie uns eine E-Mail mit Fragen oder Ideen.

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