GESUNDHEITSSERIE AUS DEM FRÄNKISCHEN TAG – UNSERE SCHWERPUNKTTHEMEN 2019
Modernste Medizin - mit Sicherheit!
Universitätsklinikum Erlangen Medizinische Versorgung auf Spitzenniveau bieten die Experten der verschiedenen Disziplinen des Uni-Klinikums Erlangen. Die Gesundheitsserie beleuchtet von Kopf bis Fuß einige zentrale Themen und gibt Aufschluss über spezielle Behandlungsmethoden.
Universitätsklinikum Erlangen, Stabsabteilung Kommunikation
Telefon: 09131 85-46770
E-Mail: kommunikation@uk-erlangen.de
www.uk-erlangen.de
Wir
pflegen
Karrieren
KO M M I NS TE A M! r M it a r b e it e ) (m/w/d d P fl e g e - u n s Fu n k ti o n d ie n s t
wir-pflegen-spitze.de
RZ_UKER_Inserat_285x215_200207.indd 2
07.02.20 11:20
AKTION
Hilfe für herzkranke Kinder aus aller Welt Herzen heilen, Leben schenken: Unter diesem Motto steht die Aktion „Kinderherz-OP“, eine Initiative der Kinderkardiologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Sven Dittrich) und der Kinderherzchirurgischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Robert Cesnjevar) des Uni-Klinikums Erlangen. Die beteiligten Ärzte und Pflegekräfte haben sich zum Ziel gesetzt, bedürftige und lebensbedrohlich herzkranke Kinder aus dem Ausland bestmöglich zu heilen. Um das Ziel zu erreichen, sind sie auf Spenden angewiesen. Helfen auch Sie dabei, Kinderleben zu retten. Weitere Infos: www.uker.de/kinderherzop Spendenkonto: Stadt- und Kreissparkasse · Erlangen Höchstadt Herzogenaurach IBAN: DE11 7635 0000 0000 0007 70 · BIC: BYLADEM1ERH · Stichwort: Kinderherz-OP
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
Kinderherz-OP
|3
GESUNDHEITSSERIE – UNSERE SCHWERPUNKTTHEMEN 2019
Inhaltsverzeichnis
POSTBARIATRISCHE CHIRURGIE
PROSTATA-ARTERIENEMBOLISATION
KINDERCHIRURGIE
DEUTSCHES ZENTRUM IMMUNTHERAPIE
Übergewichtige, die erheblich abgenommen haben, leiden trotzdem weiter: Überschüssige Hautlappen sind oftmals eine psychische Belastung für Betroffene. Eine postbariatrische Hautstraffung – nach extremem Gewichtsverlust – kann den Patienten Erleichterung verschaffen.
Müssen Männer ständig auf die Toilette, ist häufig eine gutartige Vergrößerung der Prostata die Ursache. Eine Therapiemöglichkeit ist die Prostata-ArterienEmbolisation. Dabei werden kleine Blutgefäße mit Mikrokügelchen aus biokompatiblem Kunststoff verschlossen und die Prostata schrumpft.
Kinder sind mehr als nur „kleine Erwachsene“ – daher kümmert sich in der Kinderchirurgie speziell ausgebildetes Personal um die jungen Patienten. Auch extrakleine OP-Instrumente und speziell auf Kinder und deren Eltern ausgerichtete Patientenzimmer gehören zu den Besonderheiten der Abteilung.
Am bundesweit einzigartigen Deutschen Zentrum Immuntherapie vernetzen sich Fachbereiche wie Onkologie, Rheumatologie und Dermatologie. Der Fokus der Forschenden liegt darauf, an den Patienten angepasste Immuntherapien weiter- und neu zu entwickeln.
04
05
06
07
SELTENE ERKRANKUNGEN
KOMPETENZZENTREN
LIPPEN-KIEFER-GAUMENSPALTEN
TRANSPLANTATIONSNACHSORGE NTX 360°
Nicht immer können Symptome eindeutig einer Krankheit zugeordnet werden. Am Zentrum für Seltene Erkrankungen Erlangen bündeln Spezialisten ihre Fähigkeiten, um Erkrankungen zu diagnostizieren. Dank neuer Therapien sollen Betroffene schneller Hilfe bekommen.
Verlässliche Qualitätsstandards finden Patienten in medizinischen Kompetenzzentren wie dem KopfHals-Tumorzentrum in Erlangen. Durch seine interdisziplinäre Ausrichtung profitieren vor allem jene, die an selteneren Tumoren leiden, von der Erfahrung und der Zusammenarbeit von Medizinern unterschiedlicher Fachrichtungen.
Die Mitarbeiter des Lippen-Kiefer-GaumenspaltenZentrums begleiten Eltern betroffener Kinder von der Schwangerschaft bis zur Nachsorge nach einer notwendigen Operation des Kindes. Patienten profitieren von interdisziplinären Behandlungs- und Therapiekonzepten, die beispielsweise Logopäden und Kieferchirurgen einbeziehen.
Das Nachsorgeprogramm für Patienten mit einer Spenderniere nutzt die Möglichkeit digitaler Kommunikation mit dem Patienten, z. B. via Televisite. Das erspart dem Betroffenen die Fahrt ins Krankenhaus. Eine persönliche Fallmanagerin sowie eine sportmedizinische und psychosomatische Betreuung komplettieren das Nachsorgeangebot.
08
09
10
11
FRUCHTBARKEIT NACH DER KREBSTHERAPIE
MODERNE HERZCHIRURGIE
HELLER HAUTKREBS
MODERNE UNFALLCHIRURGIE UND ORTHOPÄDISCHE CHIRURGIE
Die Behandlung einer Krebserkrankung kann bei Männern wie Frauen Unfruchtbarkeit zur Folge haben. Am Uni-Klinikum Erlangen gibt es die Möglichkeit, Eierstock- bzw. Hodengewebe oder Spermien einfrieren zu lassen und für einen späteren Zeitpunkt aufzubewahren.
Menschen mit angeborenem Herzfehler brauchen oft ein Spenderorgan – erhalten sie keines, wird ihnen ein Kunstherz eingesetzt. Die Herzchirurgen des Uni-Klinikums Erlangen sind auf schwierige Herz-OPs spezialisiert und können die meisten Eingriffe mit der minimalinvasiven Schlüsselloch-Methode vornehmen.
Durch ausgiebige Outdooraktivitäten und Urlaub im Süden bekommt unsere Haut viel Sonne ab – heller Hautkrebs kann die Folge sein, auch wenn dieser von Laien oft unbemerkt bleibt. Mit einem speziellen Laserlichtverfahren können bösartige Wucherungen ohne Schnitte auf der Haut diagnostiziert werden.
In der Unfallchirurgischen Klinik – Orthopädische Chirurgie arbeitet ein interprofessionelles Team zusammen, um Schwerverletzten die bestmögliche Versorgung zu bieten. Durch zahlreiche Spezialsprechstunden können die Patienten optimal beraten werden.
12
13
14
15
4|
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM JANUAR: DEMENZ
Gutes „Bauchgefühl“ – neue Körpersilhouette dank Hautstraffung Nach Jahren voller Schweiß, Tränen und Disziplin hat sich endlich das Wunschgewicht eingestellt. Doch damit ist es für viele Menschen nicht getan: Die Kilos sind zwar weg, was bleibt, ist aber überschüssige Haut. Nur eine Operation, bei der Ärzte die Haut postbariatrischstraffen, hilft den Betroffenen.
F
ast ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland ist krankhaft übergewichtig. Sein Gewicht dauerhaft zu reduzieren und Normalgewicht zu erreichen, ist für viele Menschen eine große Herausforderung. „Disziplin, Ernährungsumstellung und Sport – mit dieser Kombination habe ich es geschafft“, sagt Stefan Hofmann. Ein stressiges Studium, ein ungesunder Lebensstil und zu wenig Bewegung hatten bei ihm nicht nur äußerlich Spuren hinterlassen, sondern auch seine Gesundheit massiv beeinträchtigt: Er brachte knapp 200 Kilo auf die Waage und war an Diabetes sowie Bluthochdruck erkrankt. Mit Anfang 30 zog er schließlich die Reißleine, änderte sein Leben und halbierte sein Körpergewicht innerhalb einiger Jahre. Eine Erfolgsgeschichte, die dennoch Schattenseiten hatte. Denn was nach dem enormen Gewichts- Stefan Hofmann schaffte aus eigener Kraft, sein Körpergewicht zu halbieren. Bei der Hautstraffung verlust übrig blieb, halfen ihm Plastische Chirurgen. Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen war überschüssige Körper mit Kontur Grenzen eingehend zu erläutern“, betont der Haut. „Diese Hautfalten haben Krankheitswert, denn in erfahrene Plastische Chirurg. „Wichtig ist zudem, ihnen sammelt sich Flüssigkeit. Entzündungen, dass die einzelnen Eingriffe mit dem nötigen Hautpilze und schmerzhafte, wunde Stellen sind zeitlichen Abstand durchgeführt werden. Damit die Folgen“, erklärt Prof. Dr. Dr. h. c. Raymund E. senken wir die Komplikationsrate auf ein Minimum Horch, Direktor der Plastisch- und Handchirurgiund die Wunden und Narben können optimal schen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Einziges abheilen.“ So passte Dr. Ludolph in einer ersten OP Mittel gegen die überschüssige Haut sind postdie Bauchdecke von Stefan Hofmann an. Es folgten bariatrische Operationen, bei denen wir die Haut Hautstraffungen an der Brust, den Oberschenkeln straffen. Massagen oder kosmetische Mittel helfen und den Oberarmen. dagegen nicht.“ Auch Stefan Hofmann entschied sich für eine Hautstraffung und ging in die postba- Ein Plus für die Seele riatrische Sprechstunde der Plastischen Chirurgie. Ziel einer jeden Operation, die die Körperkonturen Oberarzt Dr. Ingo Ludolph erklärte ihm detailliert, wiederherstellt, ist es, dass Patienten ihre Bewewie eine Hautstraffung abläuft und wo sich am gungsfreiheit zurückerlangen. Neben der körperEnde die Narben befinden werden. „In der postbalichen Gesundheit spielen auch psychologische riatrischen Chirurgie legen wir großen Wert darauf, und ästhetische Faktoren eine große Rolle. Denn die Operationen für jeden Patienten individuell für viele Menschen mit starkem Übergewicht ist zu planen und die Möglichkeiten, aber auch die ihre Körperfülle eine emotionale Belastung. Haben
sie den Kampf gegen die Kilos dann endlich gewonnen, steht ihnen dann meist noch die überschüssige Haut an Bauch, Beinen und Armen im Weg. Erst die Hautstraffung bringt Betroffene ihrem Traum von einer ansehnlichen Körpersilhouette näher. „Die Wiederherstellungschirurgie verbessert die Lebensqualität und die psychische Gesundheit der Patienten in der Regel deutlich“, sagt Prof. Horch. Luise Laufer
DREI FRAGEN AN SPEZIALSPRECHSTUNDE ZUR PLASTISCH-CHIRURGISCHEN
Prof. Dr. Dr. h. c. Raymund E. Horch
KÖRPERKONTURIERUNG
Direktor der Plastischen Chirurgie des Uni-Klinikums Erlangen
Spezialsprechstunde zur Plastisch-chirurgischen Körperkonturierung dienstags, 13.00 Uhr – 16.00 Uhr telefonische Anmeldung: 09131 85-36330
Krankenhausstraße 12 Eingang Maximiliansplatz 91054 Erlangen
Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen
Plastisch- und Handchirurgische Klinik
Wie können sich interessierte Patienten bei Ihnen behandeln lassen? Patienten, die aus eigener Kraft oder infolge einer bariatrischen Operation, bei der beispielsweise der Magen verkleinert wurde, ihr Körpergewicht deutlich reduziert haben, können sich in unserer postbariatrischen Sprechstunde vorstellen und mit unseren erfahrenen Ärzten das weitere Vorgehen abklären. Wer trägt die Kosten für den Eingriff? Da die überschüssige Haut nach einem starken Gewichtsverlust keine kosmetische, sondern eine medizinische Problematik ist, übernehmen die Krankenkassen
Plastisch- und Handchirurgische Klinik des Universitätsklinikums Erlangen E-Mail: irma.goldberg@uk-erlangen.de
in vielen Fällen die Kosten für die Wiederherstellungschirurgie. Wichtig dafür ist, dass der Patient bestimmte Voraussetzungen erfüllt und ein Gutachten die Notwendigkeit der Operationen bestätigt.
Welche Voraussetzungen muss ein Patient erfüllen? Es ist zwingend notwendig, dass der Patient sein Gewicht über einen längeren Zeitraum, idealerweise ein halbes Jahr, hält. Denn wenn sein Gewicht vor der OP schwankt oder er nach dem Eingriff wieder zunimmt, stört das die Wundheilung erheblich und kann sich negativ auf das optische Ergebnis auswirken.
Telefon: 09131 85-36330
www.plastische-chirurgie.uk-erlangen.de
|5
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM FEBRUAR: PROSTATA-ARTERIEN-EMBOLISATION
Nichts läuft mehr Wenn man(n) ständig „muss“, ist häufig eine gutartige Vergrößerung der Prostata die Ursache. Neben der medikamentösen Therapie oder operativen Maßnahmen gibt es auch einen weniger invasiven Mittelweg gegen den häufigen Harndrang: die Prostata-Arterien-Embolisation.
W
er ständig auf die Toilette muss, kennt irgendwann jedes öffentliche WC, meidet Theater- und Kinovorstellungen und weiß, wie es ist, nachts nicht mehr durchschlafen zu können. „Ein vermehrter Harndrang und gleichzeitige Probleme beim Wasserlassen liegen häufig an einer vergrößerten Prostata“, erklärt Dr. Mario Richterstetter, Oberarzt der Urologischen und Kinderurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Bernd Wullich) des Universitätsklinikums Erlangen. „Die gutartige Prostatavergrößerung – wir sprechen auch von der Hyperplasie – ist leider eine häufige und altersbedingte Erscheinung bei Männern ab dem 50. Lebensjahr. Probleme verursacht die vergrößerte Prostata, wenn sie die Harnröhre einengt und sich dadurch auch der Urindurchfluss verringert.“ Bleibt Urin in der Blase zurück, muss der Patient also bald schon wieder auf die Toilette. „Zunächst ist das nur lästig, aber bald kann der andauernde Harndrang die Lebensqualität stark einschränken – ganz besonders, wenn man mehrmals nachts das Bett verlassen muss“, sagt Dr. Richterstetter. „Zusätzlich können durch den Urinrückstau in der Blase andere Erkrankungen wie Blaseninfekte oder Harnsteine entstehen. Dringend nötig wird eine Behandlung, wenn sich der Urin sogar bis in die Nieren zurückstaut.“
Ein schonender Mittelweg Um die Prostata zu verkleinern und ihren „Griff“ um die Harnröhre zu lockern, gab es bisher im Wesentlichen zwei Behandlungsmöglichkeiten: Medikamente oder eine Operation. „Doch die Medikamente müssen lebenslang eingenommen werden – nicht jeder möchte das“, sagt Mario Richterstetter. „Eine Operation würde die Prostata chirurgisch rasch verkleinern und damit eine sofortige Verbesserung der Beschwerden bringen, aber gerade bei älteren Patienten muss eine OP auch genau abgewogen werden. Denn wenngleich die OP der TherapieGoldstandard dieser Erkrankung ist, so kann sie auch mit Risiken verbunden sein: Immer besteht zum Beispiel das allgemeine Narkose- und Blutungsrisiko sowie die Möglichkeit – wenn auch in sehr geringem Maße – Inkontinenz- oder Erektionsbeschwerden auszubilden.“ Für Patienten mit den entsprechenden
In der Angiografie-Anlage kann der Radiologe mit einem Mikrokatheter bis in die kleinsten Verästelungen der Prostata vordringen und die PAE-Kügelchen einsetzen. Foto: Melanie Schmitz/Uni-Klinikum Erlangen
Voraussetzungen wird nun seit einigen Jahren ein Mittelweg angeboten: die Prostata-Arterien-Embolisation (PAE).
Mit dieser können durch ein Kontrastmittel selbst kleinste Blutgefäße live sichtbar gemacht werden. PD Dr. Axel Schmid, Oberarzt des Radiologischen Instituts (Direktor: Prof. Dr. Michael Uder) des UniReise durch die Gefäße Klinikums Erlangen, erklärt die nächsten Schritte: „Für Für die PAE braucht es die enge Verzahnung von den Eingriff erhält der Patient eine Lokalanästhesie in Urologie und Radiologie. Deshalb wird der minimal- die Leiste. Über eine der beiden Beckenarterien fühinvasive Eingriff auch nur in spezialisierten Zentren ren wir einen Mikrokatheter ein und bewegen uns bis wie dem Uni-Klinikum Erlangen angeboten. Während in die feinen Verästelungen der Prostataarterie vor.“ eines ambulanten Vorbereitungstages klären die Dann kommen die Hauptakteure der PAE ins Spiel: Urologen ab, ob der Patient tatsächlich an einer mikrofeine Kügelchen aus Polyvinyl-Alkohol, einem Prostatahyperplasie leidet – schließlich passt auch biokompatiblen Kunststoff. An einem bestimmten eine Vielzahl weiterer Erkrankungen zum BeschwerPunkt in der Prostata setzt der Radiologe die Kügeldebild. Ist die Diagnose gestellt, übernehmen die chen frei. Über den Blutstrom gelangen sie immer Radiologen. Sie führen die PAE per Angiografie durch. tiefer in die Gefäße, bis sie schließlich stecken blei-
ben und so die Blutversorgung einzelner Areale unterbinden. Innerhalb der nächsten Wochen beginnt die Prostata zu schrumpfen. Nach der PAE bleiben die Patienten noch zwei Tage auf Station, dann werden sie in die engmaschige Nachsorge entlassen. Übrigens: „Wegwandern“ können die Kügelchen nicht, sie bleiben permanent an Ort und Stelle. Da die PAE nur im Rahmen einer interdisziplinären Betreuung durch Urologen und Radiologen durchgeführt werden kann, ist sie in Bayern noch nicht allzu weit verbreitet. Das Uni-Klinikum Erlangen ist eines der wenigen Zentren, das Patienten die PAE anbietet. „Noch dazu führen wir den Eingriff bayernweit mit am häufigsten durch und verfügen daher über besonders viel Erfahrung“, betont PD Dr. Schmid. Melanie Schmitz
DREI FRAGEN AN
PROSTATAVERGRÖSSERUNG
PD Dr. Axel Schmid BLASE
Oberarzt des Radiologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen
Foto: 123rf.com/Roberto Biasini
PROSTATA
Die Harnröhre verläuft durch die Prostata hindurch. In gesundem Zustand (links) ist das auch kein Problem. Liegt allerdings eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse vor (rechts), schließt sich das
Radiologie des Uni-Klinikums Erlangen
Organ mit festem Griff um die Harnröhre und lässt nur noch wenig Urin hindurch. Bei der PAE werden kleinste Kügelchen in die Prostata eingebracht, die den Blutstrom verringern und das Organ wieder schrumpfen lassen.
Für wen eignet sich die PAE nicht? Patienten mit schwerer Atherosklerose, also schlimmen Gefäßverschlüssen, sollten den Eingriff nicht durchführen lassen. Auch bei Menschen
Telefon: 09131 85-36052 E-Mail: dr-pae@uk-erlangen.de
mit einer Kontrastmittelunverträglichkeit kann die Untersuchung unter Umständen nicht durchgeführt werden. Im Vorfeld muss außerdem eine bösartige Tumorerkrankung der Prostata ausgeschlossen sein, da hier eine andere Therapie notwendig ist. Sonst gibt es kaum Ausschlusskriterien. Wichtig ist noch: Der Eingriff dauert rund zweieinhalb Stunden – so lang sollte der Patient ruhig liegen bleiben können.
Ist die PAE immer erfolgreich? Bei etwa sieben von zehn Patienten kann mit der PAE gut geholfen werden. Merkt der Patient aber, dass auch nach mehreren Wochen die Ergebnisse nicht ausreichen, bleibt immer noch die Möglichkeit einer Operation. Die Bedingungen für die Operation werden durch eine vorangegangene Embolisation nicht verschlechtert.
www.radiologie.uk-erlangen.de
Foto: Melanie Schmitz/Uni-Klinikum Erlangen
HARNRÖHRE
Was sind die Symptome einer vergrößerten Prostata? Wenn der Betroffene auffällig oft, also etwa im Stundentakt, auf die Toilette muss, wenn er das Gefühl hat, dass sich seine Blase nicht ganz entleert hat und der Urin nur sehr langsam abläuft – dann sind das typische Zeichen einer eingeengten Harnröhre, was wiederum auf eine vergrößerte Prostata hindeutet. Betroffene sollten ihren Urologen auf die Beschwerden ansprechen – schließlich können auch Blase und Nieren irgendwann Schaden nehmen.
www.urologie.uk-erlangen.de
6|
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM MÄRZ: KINDERCHIRURGIE
Mittelpunkt Kind Weil Kinder mehr sind als „kleine Erwachsene“, ist die Kinderchirurgie ein eigenes Fachgebiet. Für die Region Bamberg bietet nur das Uni-Klinikum Erlangen eine Versorgung durch Kinderchirurgen und Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger an, die konsequent auf die Bedürfnisse junger Patienten ausgerichtet ist.
O
ch, jetzt soll ich schon wieder heim?“ – sichtlich ungern trennt sich der fünfjährige Theo von der bunten Spielecke im Gang der Kinderchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen. Doch nachdem er vor wenigen Stunden ohne Komplikationen aus der Narkose aufgewacht war, ist sein kurzer Aufenthalt auf der kinderchirurgischen Station am frühen Nachmittag auch schon wieder beendet. „Wir versuchen, den Krankenhausaufenthalt für Kinder möglichst angenehm zu gestalten und nicht unnötig in die Länge zu ziehen“, sagt der leitende Kinderchirurg Dr. Manuel Besendörfer.
Breites kindgerechtes Leistungsspektrum Das medizinische Leistungsspektrum der Erlanger Kinderchirurgie ist für die spezifische Versorgung von Kindern aller Altersstufen breit aufgestellt: Von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr und auch darüber hinaus operiert und betreut das Ärzteteam von Dr. Manuel Besendörfer Neugeborene, Säuglinge, Kinder und Jugendliche mit den unterschiedlichsten Erkrankungen fast aller Organsysteme: „Wir operieren jedes Jahr knapp 1.000 Patienten, angefangen bei Frühchen mit einem Geburtsgewicht von unter 1.000 Gramm bis zu jungen Erwachsenen.“ Der kinderchirurgische Schwerpunkt in Erlangen liegt neben der Versorgung von Neugeborenen (siehe unten links) auf Eingriffen im Bauch- und Brustraum sowie auf Operationen bei angeborenen Fehlbildungen und Tumoren. „Mit unserem lückenlos aufgestellten, umfassenden Versorgungsspektrum können wir auch bei Standardeingriffen im Notfall jederzeit adäquat reagieren“, betont Dr. Besendörfer.
Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird der Aufenthalt in der Kinderchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen so angenehm wie möglich gemacht.
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
stattung: Speziell für Kinder eingerichtete Operationssäle sind mit dem Zentral-OP auf der einen Seite und über den Kinderaufwachraum auf der anderen Seite direkt mit der Kinderintensivstation verbunden. Außerdem gibt es auf der kinderchirurgischen Überwiegend Station eine großzügige Spieleecke mit freundlicher minimalinvasive Eingriffe Atmosphäre, fröhlich-bunten Farben und Bildern. Kinderchirurgin Dr. Julia Syed: „Wir verwenden bei Neben jedem Patientenbett findet auch ein Gästeunseren Eingriffen ausschließlich kindgerechte und bett für Mutter oder Vater Platz, und außer auf TV teils sonderangefertigte OP-Instrumente. Bei Kindern und WLAN am Bett können Kinder und Jugendliche operieren wir immer, wenn es medizinisch möglich bei langen Aufenthalten auch auf die Angebote der ist, mit minimalinvasiver Technik, die auf lange Haut- Erzieherinnen und Lehrer der Krankenhausschule schnitte verzichtet.“ Zum Anspruch „kindgerecht“ zurückgreifen. Nicht nur alle Ärzte, sondern auch die gehört in der Erlanger Kinderchirurgie auch die an Pflegekräfte sind in der Kinderchirurgie besonders kindliche Bedürfnisse angepasste räumliche Ausgeschult: „Wir arbeiten ausschließlich mit speziell für
Kinder ausgebildeten Fachkräften“, betont Oberärz- berg, Bayreuth, Coburg und Schweinfurt schwersttin PD Dr. Vera Schellerer. „Auch für die Narkosen kranke Früh- und Neugeborene direkt vor Ort. unserer jüngsten Patienten stehen jederzeit Anästhesieteams mit entsprechender Erfahrung bereit.“ Akute Notfälle werden jederzeit operiert Externe Versorgung Die eigens für Kinder aller Altersklassen etablierte der Kooperationskliniken Ausstattung und die Infrastruktur am Uni-Klinikum Außer am Uni-Klinikum Erlangen operieren Dr. BeErlangen stehen bei akuten Notfällen rund um die sendörfer und sein kinderchirurgisches Team auch in Uhr zur Verfügung. „Die Kinderchirurgie an sich ist den Kliniken des Perinatalzentrums Nordfranken, mit ein sehr arbeits- und kostenintensives Fachgebiet“, dem sie kooperieren. „Wir haben uns auf verschiedene betont Dr. Besendörfer. „Unsere Abteilung hat im Erkrankungen im Kindesalter spezialisiert und unterUni-Klinikum Erlangen einen besonderen Stellenstützen mit unserem Spektrum auch Kliniken in der wert. Dafür sind wir sehr dankbar, weil wir so allen Region“, erklärt der Erlanger Kinderchirurg. Deshalb Kindern ohne Aufschub die bestmögliche Versorgung bieten können." Kerstin Bönisch versorgt die Erlanger Kinderchirurgie auch in Bam-
HÖCHSTE VERSORGUNGSSTUFE FÜR FRÜH- UND NEUGEBORENE
DREI FRAGEN AN
Dr. Manuel Besendörfer
Ein besonderer Schwerpunkt der Erlanger Kinderchirurgie sind operative Eingriffe an Früh- und Neugeborenen in der neonatalen Versorgung. Für die akute Versorgung von schwerkranken Neugeborenen hält das interdisziplinäre
Universitäts-Perinatalzentrum Franken des Uni-Klinikums Erlangen unter anderem einen speziell ausgestatteten kinderchirurgischen OP-Saal bereit. www.perinatalzentrum.uk-erlangen.de
Kinderchirurgische Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen E-Mail: kinderchirurgie@uk-erlangen.de
Was unterscheidet die Arbeit eines Kinderchirurgen von der eines Chirurgen? Wir arbeiten mit speziellen OP-Techniken, die vor allem auf minimale Schnitte abzielen, weil Kinder ja noch im Wachstum sind. Große offene Eingriffe können sich deshalb negativ auf den kompletten Bewegungsapparat und auf die Körperhaltung auswirken. Bei Neu- und Frühgeborenen arbeiten wir standardmäßig mit Mikroskopbrillen und filigranem Instrumentarium. Wer aus der Erwachsenenchirurgie kommt, ist erst einmal verblüfft über die Winzigkeit und das kaum spürbare Gewicht unserer Instrumente. Mit speziellen Fragestellungen sollte man mit dem Nachwuchs besser eine Kinderchirurgie
Telefon: 09131 85-32923
anfahren, als die nächstgelegene Klinik? Ja, weil es bei Kindern keine Standardeingriffe gibt, sondern die Krankheitsfälle oft sehr individuell sind. Sogar gleiche Erkrankungen sind häufig nicht ähnlich zu versorgen, weil z. B. eine angeborene Fehlbildung des Magen-Darm-Traktes bei jedem Kind völlig unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Warum benötigen auch die Pflegekräfte in der Kinderchirurgie eine spezielle Ausbildung? Weil Kinder eine besondere Versorgung erfordern – nicht nur durch die behandelnden Ärzte, sondern auch in der Betreuung und Pflege. So arbeiten bei uns z. B. Stomatherapeutinnen, die sich auf die pflegerische Behandlung künstlicher Darmausgänge bei Kindern spezialisiert haben.
Notfallambulanz: 09131 85-33260
www.kinderchirurgie.uk-erlangen.de
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
Leitender Kinderchirurg der Kinderchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen
|7
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM APRIL: DEUTSCHES ZENTRUM IMMUNTHERAPIE
Entfesseltes Immunsystem Die Krebs- und Entzündungstherapie der Zukunft ist wie ein maßgeschneidertes Hemd: in Handarbeit entwickelt und absolut passgenau. Um Patienten mit Krebs oder einer chronisch-entzündlichen Erkrankung so treffsicher zu behandeln, vernetzen sich Erlanger Mediziner im bundesweit einzigartigen Deutschen Zentrum Immuntherapie.
W
er an Krebs denkt, der hat auch gleich die Chemotherapie im Kopf. Anfang der 1940er-Jahre zum ersten Mal klinisch eingesetzt, revolutionierte sie die Krebsbehandlung und ist bis heute – in weiterentwickelter Form – die etablierteste Therapieoption. Für den Körper ist die Medikamentenbehandlung anstrengend, denn sie wirkt systematisch, also auf den gesamten Organismus und bringt damit oft Nebenwirkungen wie Übelkeit, Mundschleimhautentzündungen und Haarausfall. Die Chemotherapie wirkt nach dem Rasenmäher-Prinzip: Zweifelsohne greift sie das „Unkraut“, also das Tumorgewebe, an, erwischt in ihrer Grobheit aber auch gesunde Zellen. Diesen Therapieeffekt gibt es nicht nur bei Krebs, sondern auch bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen: Um Rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn oder Psoriasis zu behandeln, erhalten Patienten zum Beispiel Immunsuppressiva, die das überaktive Immunsystem drosseln sollen. Auch hier wirken die Medikamente auf viele Körperzellen: Das Immunsystem beruhigt sich zwar, wird im Umkehrschluss aber angreifbarer für Infektionen von außen.
Nagelschere statt Rasenmäher Ärzte wünschen sich eine Entwicklung hin zu gezielteren Therapien – zur akkurat stutzenden Nagelschere gegen das Unkraut, wenn man so will. Präzisionsmedizin heißt daher das zentrale Schlagwort der heutigen Medizinforschung. Die Diagnostik soll eindeutiger und schneller werden und Therapien nur dort wirken, wo auch die Erkrankung sitzt. An diesem Ziel arbeiten Mediziner im Deutschen Zentrum Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen. Hier vernetzen sich Rheumatologen, Immunologen, Onkologen, Internisten und Hautärzte, um gemeinsam zu forschen und Patienten mit kombinierter Erfahrung zu behandeln. Als Sprecher stehen dem interdisziplinären und deutschlandweit einzigartigen Zentrum vor: Prof. Dr. Markus F. Neurath, Direktor der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie, und Prof. Dr. med. univ. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie, des Uni-Klinikums Erlangen.
Zusammenarbeit schon bei der DZI-Eröffnung (v. l.): Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Schüttler, Dekan der Medizinischen Fakultät der FAU Erlangen-Nürnberg, Medizin-Nobelpreisträger Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Harald zur Hausen, die DZI-Sprecher Prof. Dr. med. univ. Georg Schett und Prof. Dr. Markus F. Neurath, FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger und Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro, Ärztlicher Direktor des Uni-Klinikums Erlangen.
Das Immunsystem aufrüsten „Fokus unserer Arbeit ist die Neu- und Weiterentwicklung verschiedener Immuntherapien“, erklärt Prof. Neurath und nennt drei Beispiele aus der aktuellen Forschung: „Wir setzen etwa auf die sogenannten Checkpoint-Inhibitoren. Tumorzellen sind nicht dumm: Um sich ungestört im Körper vermehren zu können, legen manche von ihnen das Immunsystem lahm. Checkpoint-Inhibitoren können die körpereigene Abwehr wieder wachrütteln, damit sie selbstständig gegen eine Erkrankung vorgeht.“ Zweitens untersuchen die Forscher zellbasierte Therapieansätze, die auf jeden Patienten maßgeschneidert sind.
DEUTSCHES ZENTRUM IMMUNTHERAPIE
Dafür werden T-Lymphozyten aus seinem Blut isoliert und mit zusätzlichen Oberflächen-Rezeptoren bestückt. So aufgerüstet erkennt das Immunsystem Tumorzellen besser und kann gezielt gegen sie vorgehen. „Drittens“, fährt der DZI-Sprecher fort, „setzen wir gentechnisch hergestellte Antikörper ein. Diese Biologika haben besonders die Behandlung von chronisch-entzündlichen Erkrankungen nach vorne gebracht. Prinzipiell wirken Biologika wie Immunsuppressiva, doch sie hemmen nicht das gesamte Immunsystem, sondern fangen nur die Botenstoffe ab, die eine Entzündung auslösen würden.“
IT-Experten mit im Boot Neben der Neu- und Weiterentwicklung der Immuntherapien wollen die DZI-Forscher auch neue Diagnoseverfahren etablieren. Denn je früher eine Erkrankung nachgewiesen wird, desto besser stehen auch die Heilungschancen. „Zusätzlich bedienen wir uns digitaler Gesundheitstechnologien“, erklärt Prof. Schett. „In Erlangen haben wir das MIRACUM-Konsortium, einen bundesweit agierenden IT-Forschungsverbund, gleich vor Ort. Mithilfe der Kollegen nutzen wir die anonymisierten Gesundheitsdaten unserer Krebs- und Entzündungspatienten wissenschaftlich, vergleichen sie und machen die Informationen auch für die Zukunft nutzbar.“ Melanie Schmitz
DREI FRAGEN AN
Prof. Dr. med. univ. Georg Schett Sprecher des DZI und Direktor der Medizin 3
Das DZI entstand in Erlangen nicht über Nacht, sondern baut auf jahrelanger Erfahrung auf. Das Zentrum wurde im vergangenen Jahr von dem Medizin-Nobelpreisträger Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Harald zur Hausen (Foto) eröffnet. Der einstige Direktor des Erlanger Virologischen Instituts – Klinische und Molekulare Virologie und ehemalige Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums war derjenige, der humane Papillomaviren als Verursacher von
Gebärmutterkrebs erkannte. Dank der Forschung von Harald zur Hausen konnte eine Vorsorgeimpfung entwickelt werden. Im DZI kooperieren neben Kliniken und selbstständigen Abteilungen sowie dem Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN auch externe Partner: das Medical Valley EMN, das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, das Max-PlanckInstitut für die Physik des Lichts, das künftige Max-Planck-Zentrum für Physik und Medizin und das bundesweit vernetzte MIRACUMKonsortium.
Wie hilft die Immuntherapie heute schon? Noch vor zehn Jahren galt die Diagnose ‚malignes Melanom‘, also schwarzer Hautkrebs, als Todesurteil. Heute haben Patienten eine fünfzig- bis sechzigprozentige Chance auf Heilung. Das ist vor allem der rasanten Entwicklung moderner Immuntherapien in den vergangenen Jahren zu verdanken. Diesen Erfolg auszuweiten, ist nun unser Anspruch im DZI. Wie profitiert der einzelne Patient vom DZI? Zum einen bieten wir unseren Patienten unter bestimmten Voraussetzungen die Teilnahme an klinischen Studien an. Diese Behandlungen könnten denjenigen helfen, bei denen bisher keine andere Therapie angeschlagen hat. Zum anderen
ist das DZI als direkte Anlaufstelle gedacht – auch ohne Facharztüberweisung. Betroffene können über unsere Hotlines Kontakt aufnehmen und gegebenenfalls eine Zweitmeinung einholen.
Wo ist das DZI am Uni-Klinikum Erlangen verortet? Wir arbeiten aus dem Internistischen Zentrum heraus. Dort stehen dem DZI rund 1.000 Quadratmeter für Sprechstunden und Behandlungen zur Verfügung. Gleich nebenan befindet sich außerdem das Translational Research Center, in dem klinische Forschung auf Spitzenniveau betrieben wird. Die räumliche Nähe ist kein Zufall: Wir wollen die Wege zwischen Forschung und Klinik möglichst kurz und unkompliziert halten, um Fortschritte zu erzielen, die den Patienten schnell zugutekommen.
Deutsches Zentrum Immuntherapie Telefon: 09131 85-40333 (für Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen) und 09131 85-44944 (für Krebspatienten) Gesprächszeiten: Mo.–Fr., 8.00–12.00 Uhr www.dzi.live
Fotos: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
Ein Nobelpreisträger und viele Partner
8|
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM MAI: SELTENE ERKRANKUNGEN
Eine Nadel im Heuhaufen Die sprichwörtliche Nadel im Heu zu finden, ist unwahrscheinlich – ebenso wie eine seltene Erkrankung zu diagnostizieren. Um jene Fälle im „Heuhaufen“ möglicher Diagnosen herauszufiltern, bündeln Spezialisten des Uni-Klinikums Erlangen ihre Kompetenzen im Zentrum für Seltene Erkrankungen Erlangen (ZSEER).
H
ereditäre Spastische Spinalparalyse oder Ektodermale Dysplasie: Wer diese Krankheitsbezeichnungen hier zum ersten Mal liest, ist nicht allein. Selbst einige Ärzte kennen sie nicht. Der Grund: Es handelt sich um zwei von rund 7.000 bisher bekannten seltenen Erkrankungen. Selten heißt laut Definition der Europäischen Union, dass nicht mehr als 50 von 100.000 Menschen betroffen sind. Selten bedeutet aber auch, dass diese Erkrankungen Ärzte und Forscher vor Herausforderungen stellen. Wie sollen Diagnostik- und Therapiemethoden entwickelt werden, wenn über ein Krankheitsbild kaum etwas bekannt ist? Menschen mit seltenen Erkrankungen müssen oft eine lange Zeit mit ihren Symptomen und Beschwerden leben, bis sie eine Diagnose erhalten. Im Durchschnitt vergehen dabei mindestens fünf Jahre, in denen sie sich von Arzt zu Arzt und von einer Therapie zur nächsten hangeln und in denen sie hilflos zusehen müssen, wie ihr Leiden fortschreitet. Oft wirken sich die quälende Ungewissheit und das Gefühl der Machtlosigkeit auch auf die psychische Verfassung aus. Und selbst wenn dann die richtige Diagnose gestellt wird, kann die Erkenntnis, dass es bislang möglicherweise keine Therapie für die seltene Erkrankung gibt, bei Betroffenen Ängste auslösen. Um für Patienten vom Kindes- bis ins hohe Erwachsenenalter bessere Versorgungsstrukturen zu schaffen, wurde am Universitätsklinikum Erlangen 2017 ein Hochkompetenzzentrum mit dem Leitgedanken „Forschen hilft heilen“ gegründet: das Zentrum für Seltene Erkrankungen Erlangen (ZSEER). „Grundlegende Ziele des ZSEER sind es, Patienten mit seltenen Erkrankungen nach dem neusten Wissensstand zu versorgen, Menschen mit ungeklärten Erkrankungen zu einer schnelleren Diagnose zu verhelfen, innovative Therapien durch intensive Forschung zu entwickeln, das Wissen über seltene Erkrankungen zu vermehren und die universitäre und klinische Arbeit verstärkt patientenorientiert auszurichten“, erklärt Zentrumssprecherin Prof. Dr. Beate Winner.
Das ZSEER bildet das Dach für folgende Spezialzentren: Zentrum für Ektodermale Dysplasien Erlangen, Zentrum für Seltene Bewegungserkrankungen, Zentrum für Seltene Entwicklungsstörungen, Zentrum für Seltene Immunologische Erkrankungen, Zentrum für Seltene Leber-, Pankreas- und Darmerkrankungen, Zentrum für Seltene Neuromuskuläre Erkrankungen, Zentrum für Seltene Nierenerkrankungen, Zentrum für Tuberöse Sklerose und Seltene Epilepsien, Zentrum für Zystische Fibrose und Seltene Lungenerkrankungen. Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
(Sprecher: Prof. Dr. Holm Schneider) therapiert, um die sehr schwere Krankheit des „Nicht-Schwitzen-Könnens“ zu heilen. Bei der Hereditären Spastischen Spinalparalyse (HSP) sind die Spezialisten des Zentrums für Seltene Bewegungserkrankungen (Sprecher: Prof. Dr. Jürgen Winkler) zuständig. Die HSP ist eine langsam fortschreitende Erkrankung, die durch eine Gangstörung gekennzeichnet ist. Durch eine Beeinträchtigung der Nerven im Gehirn und Rückenmark versteifen die Muskeln. Wie vier von fünf seltenen Erkrankungen ist auch die HSP erblich bedingt. Die Bewegungserkrankung kann nicht in ihrer Ursache behandelt werden. Aller-
Versorgungskette: nah am Patienten Im Fall der Ektodermalen Dysplasie werden Kinder bereits vor der Geburt im gleichnamigen Zentrum
dings kommen unterschiedliche Medikamente, Hilfsmittel und Physiotherapie zum Einsatz, um die Symptome zu lindern und die Folgeerscheinungen einzudämmen. Eine Ansammlung mehrerer oder ungewöhnlicher Symptome bedeutet allerdings nicht unbedingt, dass eine ungeklärte seltene Erkrankung vorliegt. Möglicherweise ist die bereits bekannte, aber nicht seltene Grunderkrankung nur noch nicht ausreichend therapiert oder es liegt zusätzlich eine psychosomatische Erkrankung vor. Wenn der behandelnde Arzt also Symptome nicht zweifelsfrei einordnen kann und sich bezüglich der Erkrankung
SELTENE ERKANKUNGEN: HERAUSFORDERUNG DIAGNOSE Etwa 75 % der seltenen Erkrankungen betreffen Kinder.
350 Mio., fast 5 % der Weltbevölkerung, leben mit einer seltenen Erkrankung.
unsicher ist, besteht die Möglichkeit, den Patienten an das ZSEER zu überweisen. „Das ZSEER bietet eine sichtbare Kontaktstelle für externe Kollegen und eine zentrale Anlaufstelle für ratsuchende Patienten und Angehörige, die gezielte Informationen oder eine zweite Meinung zu einer unklaren Erkrankung einholen wollen“, sagt Prof. Winner. „Zwei ärztliche Koordinatoren stellen vor Ort sicher, dass der Krankheitsverlauf dieser Patienten zeitnah in einer interdisziplinären Fallbesprechung diskutiert wird. Anschließend erfolgt die Behandlung im jeweiligen Spezialzentrum.“ Luise Laufer
DREI FRAGEN AN
Prof. Dr. Beate Winner Sprecherin des Zentrums für Seltene Erkrankungen Erlangen (ZSEER) und Leiterin der Stammzellbiologischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen
Seltene Erkrankungen wiegen schwer
Typischerweise werden bis zu 8 Ärzte aufgesucht.
Langer Weg zur Diagnose
40 % der Patienten erhalten mindestens einmal eine Fehldiagnose.
Wer kann sich an das ZSEER wenden? Das können Ärzte und auch Patienten sein, die ihre seltene Erkrankung kennen oder unsicher sind, an welchen Spezialisten sie sich wenden sollen. Auf unserer Homepage gibt es einen Fragebogen, der zunächst ausgefüllt werden sollte und der uns zusammen mit ersten Befunden hilft, die für den Patienten beste weitere Vorgehensweise zu finden.
Über 7.000 seltene Erkrankungen sind bekannt.
Im Durchschnitt vergehen bis zur richtigen Diagnose 4,8 Jahre.
Zentrum für Seltene Erkrankungen Erlangen
Telefon: 09131 85-39336
Wann ist ein guter Zeitpunkt dafür? Seltenes ist selten. Daher werden bei neu aufgetretenen Symptomen klassischerweise häufige Ursachen zunächst überprüft und gegebenenfalls ausgeschlossen. Diese Dia-
E-Mail: zseer@uk-erlangen.de
gnostik sollte zunächst abgewartet werden. Je ausführlicher und vollständiger die Informationen und Vorbefunde an uns sind, desto schneller können sich unsere Spezialisten ein Bild machen.
Wie profitiert der einzelne Patient vom ZSEER? Das Uni-Klinikum Erlangen bietet optimale Bedingungen. Es ist eine hohe Dichte an Fachdisziplinen und erfahrenen Ärzten unter einem Dach vorhanden, gepaart mit der direkten Anbindung an die medizinische Forschung. Letztere ist unerlässlich, um Krankheitsmechanismen aufzudecken und Therapien zu entwickeln.
www.zseer.uk-erlangen.de
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
4 Mio. Betroffene in Deutschland
|9
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM JUNI: KOMPETENZZENTREN
Bessere Heilungschancen im Kompetenzzentrum Wo soll ich meinen Krebs behandeln lassen? Wer ist Spitzenreiter, wenn es um Cochlea-Implantate geht? Verlässliche Qualitätsstandards finden Patienten in medizinischen Kompetenzzentren – zum Beispiel im Kopf-Hals-Tumorzentrum oder im Cochlear-Implant-Centrum CICERO des Uni-Klinikums Erlangen.
B
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
ei der Therapie einer Krebserkrankung – wäre es da nicht sinnvoll, sich von einem Arzt behandeln zu lassen, der viel Erfahrung auch bei seltenen Diagnosen vorweisen kann? Die Antwort ist sicherlich klar, denn Erfahrung zeugt von Routine und verspricht Qualität. Nach einer Krebsdiagnose hat der Patient die Wahl: Gemeinsam mit seinem Arzt kann er entscheiden, wo er sich behandeln lassen möchte. Aber wo ist er optimal aufgehoben? Wer kennt sich am besten mit der Erkrankung aus? Wer bietet moderne Therapien? Wo erfolgen Behandlung und Nachsorge aus einer Hand? Um deutschlandweite und verlässliche Qualitätsstandards in der Krebsversorgung zu schaffen, zertifiziert die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG) seit 2003 sogenannte Tumorzentren. Diesen Titel darf eine Einrichtung nur dann tragen, wenn sie die strengen DKG-Qualitätskriterien erfüllt und ihre Einhaltung alle zwei Jahre aufs Neue nachweist. HNO-Patienten in Mittelfranken können sich glücklich schätzen: In der Hals-Nasen-OhrenKlinik – Kopf- und Halschirurgie des Uni-Klinikums Erlangen steht ihnen das deutschlandweit größte Kopf-Hals-Tumorzentrum zur Verfügung.
Ein Expertenteam für jeden Patienten Eine DKG-Zertifizierung zu erlangen, ist nicht einfach. So muss ein Tumorzentrum etwa einen festgelegten Katalog von Therapien und Diagnostikverfahren anbieten, es müssen umfassende Nachsorgeangebote gegeben sein, Operateure regelmäßig Weiterbildungen besuchen und vorgegebene Fallzahlen erfüllen. „Trotz unserer Größe steht der einzelne Patient immer im Mittelpunkt“, betont Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro, Ärztlicher Direktor des Uni-Klinikums Erlangen und Direktor der Erlanger HNO-Klinik. „Zum Beispiel in unseren wöchentlichen Tumorkonferenzen im Kopf-Hals-Tumorzentrum. Hier sprechen wir über jeden einzelnen Patienten und erstellen seinen Therapieplan – und zwar in einem Team aus HNO-Ärzten, Strahlenme-
Wer sich in Kompetenzzentren mit hohen Fallzahlen behandelt lässt, kann mit einem besseren Ergebnis rechnen – das konnten Prof. Hoppe (l.) und Prof. Iro bereits in Studien nachweisen.
dizinern, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen, Radiologen, Nuklearmedizinern, Pathologen, Internisten und bei Bedarf auch weiteren Fachbereichen. Diese Interdisziplinarität ist das besondere Kernstück eines Zentrums. Von der geballten Erfahrung und der Zusammenarbeit so vieler Mediziner profitieren besonders jene, die an selteneren Tumoren leiden.“
Das Wichtigste für den Patienten ist natürlich das Ergebnis – und auch hier punktet die Zertifizierung: Für das Erlanger Kopf-Hals-Tumorzentrum konnte bei 1.000 Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren ein messbarer Überlebensvorteil nachgewiesen werden, verglichen mit Betroffenen, die sich in einem nicht zertifizierten Zentrum behandeln ließen. Immer wieder bestätigen Studien auch, dass bei Tumorerkrankungen und -operationen mit den Fallzahlen
auch die anschließende Lebensqualität der Patienten steigt, während die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen abnimmt. „Informieren Sie sich gut, wo Sie sich behandeln lassen möchten“, rät deshalb Prof. Iro. „Die Zertifizierung für Kopf-Hals-Tumoren nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft gehört sicherlich zu den besten Qualitätsversprechen, die Sie bekommen können.“ Melanie Schmitz
DREI FRAGEN AN ROUTINE MACHT DEN UNTERSCHIED: COCHLEA-IMPLANTATE IM CICERO
Direktor der HNO-Klinik des Uni-Klinikums Erlangen
Foto: Rainer Windhorst
Warum ist die Bildung von medizinischen Kompetenzzentren wichtig? Umfassende Behandlungen wie die Krebstherapie sollten nur dort durchgeführt werden, wo die Mediziner dank hoher Fallzahlen sehr erfahren sind, wo neueste Erkenntnisse aus der Forschung und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit in die Therapie einfließen – ganz besonders, wenn ein Patient einen seltenen Tumor hat. Durch diese sehr guten Voraussetzungen steigt gleichzeitig die Ergebnisqualität. Die Bildung von Kompetenzzentren verbessert also nachweislich die Patientenversorgung in Deutschland. Warum ist die Interdisziplinarität der Kern eines Zentrums? Weil für eine gute Krebsbehandlung nicht nur
ein Chirurg nötig ist, sondern auch weitere Fachdisziplinen, wie die Radiologie oder die internistische Onkologie. Im Zentrum arbeiten alle diese Experten unter einem Dach zusammen. Jeder Patient wird im Team besprochen und seine individuelle Therapie geplant – so werden alle Aspekte einer Erkrankung bedacht. Dieses Arzt-Patienten-Verhältnis ist nicht selbstverständlich, sondern der besondere Vorteil eines zertifizierten Zentrums.
Wissen die Patienten von diesen Vorteilen? Aktuell gibt es über 1.000 Tumorzentren in Deutschland. Trotzdem werden nur rund 40 Prozent aller Tumorpatienten auch in diesen hoch qualifizierten Zentren behandelt – obwohl die Ergebnisse und die Komplikationsraten erwiesenermaßen besser sind. Die Aufklärung muss also noch besser werden.
HNO-Klinik des Uni-Klinikums Erlangen
Telefon: 09131 85-33156
Viel Erfahrung plus umfassende Versorgungsstrukturen: gleich sehr gute Ergebnisqualität – diese Rechnung geht an der Erlanger HNO-Klinik auch für Menschen auf, die ein CochleaImplantat (CI) benötigen. Dieses Wunderwerk darf nicht unterschätzt werden, wie Prof. Dr. Dr. Ulrich Hoppe, Leiter des Cochlear-Implant-Centrums CICERO am Uni-Klinikum Erlangen, erklärt: „Nur mit dem chirurgischen Einsetzen des Implantats ist es nicht getan. Um langfristig beste Ergebnisse zu erzielen und Komplikationen zu vermeiden, braucht es auch die Nachsorge durch Audiologen, Hörtherapeuten und Ärzte. Denn eine optimale Geräteeinstellung und ein effizientes Hörtraining sind die Voraussetzung für gutes Hören.“ Im Erlanger CICERO finden Patienten diese Rundumbetreuung aus einer Hand. Das Team um Prof.
E-Mail: hno@uk-erlangen.de
Hoppe setzt pro Jahr rund 150 Implantate ein und zählt damit deutschlandweit zu den Top 4 CI-Zentren. Die hohen Fallzahlen machen den Unterschied: Die Komplikationsrate am CICERO ist sehr gering, die Erfolgsquote dafür überdurchschnittlich hoch. Qualität nicht überall gleich
Doch nicht alle CI-einsetzenden Einrichtungen bieten dieses Angebot und verfügen über so viel Erfahrung wie die Erlanger CICERO-Experten. Die nötige Transparenz soll jetzt QuIn-CI bringen, die Qualitätsinitiative für Cochlea-Implantate – ins Leben gerufen von der Techniker Krankenkasse. In einem Anforderungskatalog gibt QuIn-CI vor, was zu einer optimalen CI-Versorgung gehört. Erfüllt eine Einrichtung diese Qualitätsstandards, darf sie ein entsprechendes Siegel tragen. Bereits sechs Kliniken nehmen an QuIn-CI teil – darunter auch das CICERO des Uni-Klinikums Erlangen.
www.hno-klinik.uk-erlangen.de
Foto: Rainer Windhorst
Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro
10 |
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM JULI: LIPPEN-KIEFER-GAUMENSPALTEN
Gebündelte Kompetenz korrigiert Gesichtsfehlbildungen Die Ursachen für das Entstehen von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (LKG-Spalten) sind bis heute noch nicht vollständig geklärt, trotzdem hat ihre Behandlung im LKGZentrum des Uni-Klinikums Erlangen lange Tradition. Die Experten begegnen den vielfältigen Ausprägungen der Fehlbildung erfolgreich mit interdisziplinärer Vernetzung.
D
Umfassende Begleitung von Eltern Etwa eins von 500 Kindern kommt mit einer LKG-Spalte zur Welt. Aktuell behandelt das Erlanger LKG-Zentrum mehr als 180 Patienten mit einem langjährig erprobten Behandlungskonzept. „Vom Behandlungsbeginn unmittelbar nach der Geburt bis zum Behandlungsende nehmen wir uns viel Zeit. Somit können sich die Eltern in Ruhe mit der überraschenden Situation arrangieren und ihre Ängste abbauen“, betont Prof. Gölz. „Als LKG-Zentrum für die Region Coburg, Bayreuth und Bamberg informieren uns die dortigen Kliniken umgehend, wenn eine Spaltgeburt auftritt und verweisen die Eltern an uns weiter.“ In den ersten Gesprächen versucht das Team des interdisziplinären Zentrums vor allem, die Verunsicherung zu nehmen und Fehlinformationen aufzuklären. Prof. Kesting: „Die Diagnose ‚LKG-Spalte‘ fasst zahlreiche Formen dieser Fehlbildung zusammen, auch wenn es sich nur um eine isolierte Lippenkerbe oder um eine einseitige Gaumenspalte handelt. Die Ausprägung der Spaltbildung ist ebenfalls bedeutsam für den weiteren Behandlungsverlauf.“
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
ass ihr Sohn mit einer Lippenspalte geboren wird, haben Tim und Anja R. nicht gewusst. Dass ein erhöhtes Risiko dafür besteht, war ihnen jedoch bereits während der Schwangerschaft klar – denn auch Tim R. kam mit einer Lippenspalte auf die Welt. „Wenn ein Elternteil Spaltträger ist, liegt eine genetische Veranlagung vor, die bei Kindern eine ähnliche Fehlbildung hervorrufen kann“, erklärt Prof. Dr. Dr. Marco Kesting. Der Direktor der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgischen Klinik leitet mit Prof. Dr. Lina Gölz, Direktorin der Zahnklinik 3 – Kieferorthopädie, das interdisziplinäre LKG-Zentrum des Universitätsklinikums Erlangen. In der hier angebotenen Spezialsprechstunde für Neugeborene und Säuglinge ließ sich das Ehepaar bereits zu Beginn der Schwangerschaft beraten.
Glückliches Familienleben auch mit angeborener Lippenspalte – das Erlanger LKG-Zentrum unterstützt seine Patienten mit einem umfassenden Behandlungskonzept.
Interdisziplinäre Behandlung Mit dem inzwischen vielfach erfolgreich umgesetzten Behandlungskonzept begleiten die Ärzte und die anderen Mitarbeiter des LKG-Zentrums und der beteiligten Kliniken die Patienten und ihre Familien häufig von der Schwangerschaft bis ins junge Erwachsenenalter. „Dennoch betrachten wir jedes Kind anhand seiner individuellen Kriterien“, erläutert Lina Gölz. Dank der interdisziplinären Vernetzung innerhalb des Erlanger Uni-Klinikums profitieren die Patienten vom gesamten Spektrum modernster Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten. Das LKG-Zentrum beteiligt neben der Kieferorthopädie und der MKG-Chirurgie auch die
Logopädie sowie die Phoniatrie und Pädaudiologie der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie an der Behandlung; außerdem das Universitäts-Perinatalzentrum Franken, die Kinder- und Jugendklinik und das Humangenetische Institut.
Gesunde Entwicklung des Babys Ziel ist, dass sich Kinder mit Spaltfehlbildungen von Geburt an möglichst unbeeinträchtigt entwickeln können. Dazu gehört zum Beispiel auch eine Stillberatung, weil sich nicht jede Hebamme im Umgang mit einem Spaltträger-Baby auskennt. Prof. Gölz: „Unser LKG-Zentrum ist sehr gut vernetzt. Wir unterstützen neben den Eltern auch die Pflegekräfte
und Hebammen vor Ort.“ Anja und Tim R. werden mit ihrem Sohn in den nächsten Jahren noch einige Male zum Erlanger LKG-Zentrum fahren, um die kieferorthopädische Behandlung erfolgreich abzuschließen. „Die kleine OP-Narbe an seiner Oberlippe ist zwar noch deutlich zu sehen, wird aber innerhalb weniger Jahre verschwinden“, weiß Prof. Kesting, der gemeinsam mit Prof. Gölz den wichtigsten Grundsatz ihres Behandlungskonzepts wiederholt: „Geduld ist das A und O – erst bei den Eltern und später bei den heranwachsenden Patienten. Wenn wir die nötige Zeit haben, lässt sich jede Form einer LKG-Spalte mit all ihren Konsequenzen wirksam behandeln und Kerstin Bönisch so gut wie unsichtbar machen.“
DREI FRAGEN AN
Prof. Dr. Lina Gölz und Prof. Dr. Dr. Marco Kesting
Fotos: Franziska Männel und Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
Sprecher des LKG-Zentrums des Uni-Klinikums Erlangen
Hat die werdende Mutter Einfluss darauf, ob diese Fehlbildung entsteht? Nein, das ist eine Laune der Natur, die vielfache Ursachen haben kann. Deshalb wenden wir uns auch entschieden gegen jegliche Schuldzuweisungen gegenüber den Eltern eines Spaltträger-Babys. Wer bezahlt die Behandlung, und warum erstreckt sie sich über viele Jahre? Jede Behandlung einer LKG-Spalte wird von den Krankenkassen bezahlt – egal, wie lange die Therapie dauert. Das hängt von Form und Ausprägung der Spaltbildung ab. Bei einer reinen Lippenspalte operieren wir zum Beispiel zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat. Wenn sich die Narbe anschließend gut ausbildet, bleibt es in der Regel bei diesem einen Eingriff.
Lippen-Kiefer-Gaumenspalten-Zentrum des Uni-Klinikums Erlangen
Foto: MKG-Chirurgie/Uni-Klinikum Erlangen
Warum kommen manche Babys mit einer Spaltenfehlbildung auf die Welt? Die genauen Auslöser sind noch äußerst unklar. Bisher konnten nur wenige Gene mit der Spaltentstehung in Verbindung gebracht werden. Die meisten Fälle sind jedoch multigenetisch komplex und folgen daher nicht den Mendelschen Vererbungsregeln. Das bedeutet: Auch mit einem Elternteil als Spaltträger ist nicht vorhersagbar, ob die Kinder ebenfalls betroffen sind. Zudem stehen Umweltfaktoren, wie das Rauchen und ein Mangel an Folsäure, unter Verdacht, Spaltenfehlbildungen zu begünstigen. Sie sind aber nicht der Auslöser.
WAS BEDEUTET NAM? Das sogenannte NAM (Nasoalveolar Molding) ist eine prächirurgische kieferorthopädische Behandlung, die nur bei sehr ausgeprägten Spaltformen angewendet wird, zum Beispiel bei beidseitiger LKG-Spalte. NAM setzt sich zusammen aus Alveolar Molding (das Formen des Kiefers/Gaumens mittels Gaumenplättchen) und Nasal Molding (das Formen des Nasenknorpels mittels Nasensteg, der an einem Gaumenplättchen angebracht wird). Das ca.
Telefon: 09131 85-34221
zwei Zentimeter breite Gaumenplättchen wird bei einer größeren Gaumenspalte unmittelbar nach der Geburt eingesetzt. Es unterstützt den wachsenden Oberkiefer dabei, seine richtige Form anzunehmen, die Zunge in ihre reguläre Position zu bringen und die Spalte zu reduzieren. Es gibt durchaus Spalten wie die Lippenoder die dezente Weichgaumenspalte, die weder ein Nasal Molding noch ein Alveolar Molding mittels Gaumenplättchen benötigen.
www.lkg-zentrum.uk-erlangen.de
| 11
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM AUGUST: TRANSPLANTATIONSNACHSORGE NTX 360°
Alles schaut auf die neue Niere Für Nierenpatienten, die das Glück haben, eins der wenigen Spenderorgane transplantiert zu bekommen, beginnt nach jahrelanger Dialyse ein ganz neuer Alltag. Das Modellprojekt NTX 360°, an dem auch das Universitätsklinikum Erlangen teilnimmt, unterstützt die Patienten mit engmaschiger Nachsorge nach der Transplantation.
A
cht bis zehn Jahre – so lange dauert derzeit das Warten auf eine Spenderniere. Wer das Glück hat, ein gespendetes Organ zu erhalten, kann wieder ein fast normales Leben führen. Trotzdem verlieren einige Patienten ihre neue Niere durch eine chronische Abstoßungsreaktion des Körpers. Das will das ganzheitliche Nachsorgeprogramm NTX 360° verhindern. „Durch die Koordination des gesamten Behandlungsprozesses über ein Fallmanagementsystem, gemeinsame Televisiten, eine psychosomatische Betreuung und ein individuelles sportmedizinisches Training können wir den Patienten optimal rundum (360°) versorgen und so eine möglichst lange Transplantatgesundheit erreichen“, erklärt Prof. Dr. Mario Schiffer, Direktor der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie des Uni-Klinikums Erlangen. Er entwickelte das niedersächsische Modellprojekt NTX 360° zusammen mit Kollegen der Medizinischen Hochschule Hannover. Seit Anfang 2019 können dank einer Kooperation mit dem Uni-Klinikum Erlangen auch die Patienten in der Metropolregion Nürnberg an dem Projekt teilnehmen.
Einsatz von Telemedizin NTX 360° nutzt für die optimierte Abstimmung alle Möglichkeiten digitaler Kommunikation: Die elektronische Fallakte (EFA) bündelt alle relevanten medizinischen Daten und ist für den Patienten jederzeit einsehbar. Zudem können sich die niedergelassenen Ärzte vor Ort unkompliziert mit dem Transplantationszentrum austauschen oder ihren Patienten sogar wohnortnahe Televisiten anbieten, die ihnen die Anfahrt zum nächsten Zentrum ersparen. Der am Transplantationszentrum angestellte Fallmanager trägt seine Kommentare ebenfalls in die EFA ein und ist das zweite tragende Element der ganzheitlich konzipierten NTX-360°-Nachsorge. Am Uni-Klinikum Erlangen füllt die Fachpflegekraft Maike Aarnoutse als persönliche Ansprechpartnerin und Koordinatorin diese Funktion aus. Eine aktuelle Studie belegt, dass allein das Einbinden eines persönlichen Fallmanagers in der Kommunikation mit den Patienten die Nachsorge verbessert.
Prof. Schiffer im Gespräch mit Fallmanagerin Maike Aarnoutse, der persönlichen Ansprechpartnerin der NTX-360°-Patienten für das Uni-Klinikum Erlangen. Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen
Blick auf Körper und Psyche Das dritte Element für eine erfolgreiche Nachsorge ist bei NTX 360° die sportmedizinische und die psychosomatische Betreuung der Patienten. Prof. Schiffer: „Gerade nierentransplantierte Menschen tragen ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in sich, da ihre Körper durch die jahrelange Dialyse oft langfristig geschädigt wurden.“ Auf dem Fahrradergometer wird deshalb bei NTX 360° regelmäßig die körperliche Leistungsfähigkeit überprüft. „Dies ist auch deshalb wichtig, weil der Aufbau von Muskelmasse eine Erhöhung des Kreatininwerts bewirkt. Das gilt jedoch auch als Warnsignal für eine Abstoßung des Transplantats. Das irritiert den
Patienten, und diese innere Unsicherheit wollen wir auffangen“, erläutert Mario Schiffer. Daher gehört zu NTX 360° neben regelmäßiger Bewegung und sportlichen Aktivitäten unabdingbar die psychosomatische Beratung. Anhand von verschiedenen Tests wird überprüft, ob die Patienten bei der Medikamenteneinnahme Unterstützung benötigen und ob Wissensdefizite oder Anpassungsprobleme nach der Transplantation vorliegen, die es aufzufangen gilt.
Franken als Projektregion 2018 wurden im Transplantationszentrum ErlangenNürnberg insgesamt 68 Nieren transplantiert. Das Uni-Klinikum Erlangen erfüllt mit seinem breiten
medizinischen Spektrum alle Voraussetzungen für NTX 360°, an dem deshalb auch die Patienten der Metropolregion Nürnberg teilhaben können. Wenn eine externe Evaluation die positiven Ergebnisse des Projekts weiter bestätigt, stehen laut Prof. Schiffer die Chancen gut, dass dieses zukunftsweisende Modell in die Regelversorgung überführt wird. „Das ist unser großes Fernziel“, blickt der Nephrologe optimistisch in die Zukunft und fügt hinzu: „Wir wollen NTX 360° auch auf andere Organe übertragen und das Konzept bundesweit auf alle Transplantationszentren ausdehnen. Spenderorgane sind ein kostbares und knappes Gut, deshalb sollten wir alles dafür tun, die Gesundheit transplantierter Menschen langfristig stabil zu halten.“ Kerstin Bönisch
DREI FRAGEN AN
MODELLPROJEKT: NTX 360°
Prof. Dr. Mario Schiffer Direktor der Medizinischen Klinik 4 –
www.ntx360grad.de
Nephrologie und Hypertensiologie des Uni-Klinikums Erlangen
Warum ist ein umfassendes Nachsorgeprogramm wichtig? Nierenpatienten dürfen ihre Gesundheit auch nach der Transplantation nicht als gegeben hinnehmen. Um sich und ihr Organ gesund zu halten, müssen sie regelmäßig Medikamente nehmen, Sport treiben und zu den Nachsorgesprechstunden fahren. Das fällt manchen Betroffenen schwerer – gerade mit zunehmendem Alter. Um sie besser zu unterstützen, sind verbesserte Strukturen in der Nachsorge notwendig. Wer kann an NTX 360° teilnehmen? Alle frisch transplantierten Patienten aus der Metropolregion Nürnberg können
Medizin 4 des Uni-Klinikums Erlangen
Telefon: 09131 85-39002
E-Mail: med4@uk-erlangen.de
teilnehmen. Einzige Voraussetzung ist die Beteiligung der Krankenkasse, die sich dem Projekt vertraglich angeschlossen haben muss.
Welche Vorteile bietet NTX 360° Transplantationspatienten? Die Patienten profitieren parallel zu ihrer regulären Transplantationsnachsorge von einem ganzheitlich koordinierten Nachsorgeprogramm, das sie in allen entscheidenden Aspekten umfassend unterstützt. Die integrierten Beratungs- und Behandlungsangebote verbessern ihre Lebensqualität und senken das Risiko von Transplantatabstoßungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
www.medizin4.uk-erlangen.de
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen
360°
Im 360°-Winkel werden Patienten nach einer Nierentransplantation (NTX) mit einem interdisziplinären Behandlungskonzept betreut. NTX 360° ist bundesweit eines von 91 zukunftsweisenden Projekten, das das Bundesministerium für Gesundheit fördert, um die Patientenversorgung zu verbessern. Das Uni-Klinikum Erlangen ist als Transplantationszentrum für die Europäische Metropolregion Nürnberg Projektpartner.
12 |
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM SEPTEMBER: FRUCHTBARKEIT NACH DER KREBSTHERAPIE
Eltern werden – trotz Krebs Dank moderner Therapien haben Krebspatienten heute gute Überlebenschancen. Doch die Behandlung hinterlässt ihre Spuren: Viele Betroffene sind hinterher unfruchtbar. Mediziner des Uni-Klinikums Erlangen ermöglichen ihnen trotzdem eine Familiengründung.
V
or allem wenn Kinder und Jugendliche an Krebs erkranken, ist der Schock groß und der Wunsch nach Heilung bestimmt alles. Tatsächlich verbessern sich die Prognosen dank neuer Therapien stetig: Mehr als 80 Prozent der jungen Krebspatienten überleben heute ihre Erkrankung und können danach ein fast normales Leben führen. Die Experten des onkologischen Spitzenzentrums Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN am Uni-Klinikum Erlangen blicken aber schon weiter voraus – auf den drohenden Verlust der Fruchtbarkeit (Fertilität) durch eine Strahlen- oder Chemotherapie. „Wir verfügen heute über verschiedene Maßnahmen, um die Fruchtbarkeit rechtzeitig zu schützen“, erläutert Prof. Dr. Ralf Dittrich, Reproduktionsmediziner in der Frauenklinik (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) des Uni-Klinikums Erlangen. „Während wir hier für Jugendliche in der Pubertät schon viel Erfahrungen haben, müssen wir diese für präpubertäre Jungen und Mädchen noch weiter sammeln.“
Mutter trotz Krebs Einem Team um Klinikdirektor Prof. Beckmann und Prof. Dittrich gelang es 2011, einer jungen Frau ihr eigenes Eierstockgewebe zu retransplantieren. Die Ärzte hatten ihr das funktionierende Gewebe vor ihrer Krebstherapie entnommen und es tiefgefroren. Nach der erfolgreichen Brustkrebsbehandlung konnte die 33-Jährige so eine gesunde Tochter zur Welt bringen. Seither setzten die Gynäkologen am Uni-Klinikum Erlangen 60 Krebspatientinnen das ihnen zuvor entnommene Ovarialgewebe wieder ein. Das Universitäts-Fortpflanzungszentrum Franken (UFF) am Uni-Klinikum Erlangen ist heute deutschlandweit eines der größten Zentren für die Retransplantation von Eierstockgewebe. Hilfe in der Pubertät Anders als bei Erwachsenen ist der Fertilitätserhalt bei Jugendlichen komplizierter. „Einige Techniken können wir bei Mädchen nicht anwenden, etwa wegen ihres Reifezustands oder weil wir nur ein kleines Zeitfenster für die Behandlung haben“, bedauert Prof. Dittrich. „Die Kryokonservierung von Ovari-
Prof. Dr. Matthias W. Beckmann, Direktor der Erlanger Frauenklinik, im Beratungsgespräch mit einer Patientin über die Retransplantation von Eierstockgewebe. Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
algewebe ist aber auch bei Mädchen gut geeignet, weil ihre Eierstöcke viele Eizellen enthalten und die Chancen für eine erfolgreiche Retransplantation groß sind. Das gelingt auch bei präpubertären Mädchen.“ Entscheidender Vorteil des Verfahrens: „Eine Kryokonservierung kann ohne medikamentöse Vorbehandlung und unabhängig vom Zyklus rasch vorgenommen werden“, betont der Erlanger Spezialist.
Präpubertäre Jungen als Sonderfall Krebskranke Männer und Jungen können zum Schutz ihrer Fruchtbarkeit Spermien einfrieren lassen. Präpubertäre Jungen bilden allerdings noch keine Spermien. Für sie kommt die Kryokonservie-
rung von unreifem Hodengewebe infrage. Dieses Gewebe soll später dazu dienen, aus den SpermienStammzellen Spermien zu züchten. „Das Verfahren ist noch experimentell, aber aussichtsreich“, sagt Dr. Brigitte Schwaiger, Ärztin in der Urologischen und Kinderurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Bernd Wullich) des Uni-Klinikums Erlangen. Die Erlanger Urologie hat sich deshalb dem 2012 in Münster gegründeten Netzwerk „Androprotect“ angeschlossen. „Mit Androprotect wollen wir krebskranken Jungen eine Perspektive zum Schutz ihrer Fertilität bieten“, sagt Dr. Schwaiger. „Wir wollen sie und ihre Eltern intensiv und strukturiert beraten und aufklären – und das in einer meist lebensbedrohlichen Situation, in der wir nur begrenzt Zeit haben, zu handeln.“
Erfolgreiches Mediziner-Netzwerk Wie erfolgreich solche Netzwerke sind, zeigt ein Gesetzesbeschluss vom 10. Mai 2019: Demnach fallen nun die Kosten für die Kryokonservierung für krebskranke Kinder, Jugendliche, Frauen (bis 40 Jahre) und Männer (bis 50 Jahre) in die Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen. Die Arbeit des medizinischen Netzwerks FertiPROTEKT, das Experten des Uni-Klinikums Erlangen 2006 mit initiierten, und die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs trugen maßgeblich zu diesem Gesetzesentwurf bei. Bislang mussten Krebskranke, die sich für fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen entschieden, die Kosten dafür komKerstin Bönisch plett selbst tragen.
DREI FRAGEN AN
... ist ein spezielles und methodisch anspruchsvolles Verfahren, um Zellen und Gewebe über lange Zeiträume für eine spätere Verwendung aufzubewahren. Dabei werden die Proben in spezielle Röhrchen gefüllt und anschließend in –196 °C kaltem, flüssigem Stickstoff eingefroren und gelagert. Ihnen werden unter anderem Frostschutzmittel zugesetzt, da Eiskristalle sonst die Zellorganellen zerstören würden. Das Zell- und Gewebematerial altert im gefrorenen Zustand nicht und befindet sich beim Auftauen in demselben Zustand wie bei der Entnahme. Die Bezeichnung Kryokonservierung leitet sich vom altgriechischen Wort „kryos“ ab, was „Kälte“ bedeutet.
Prof. Dr. Ralf Dittrich Prof. Dr. Ralf Dittrich, wissenschaftlicher Leiter der Reproduktionsmedizin am Uni-Klinikum Erlangen
Wie hoch ist das Risiko für Kinder und Jugendliche, durch eine Krebstherapie unfruchtbar zu werden? Das ist individuell unterschiedlich und abhängig von der Therapie. So bergen einige chemotherapeutische Medikamente ein hohes Risiko dafür, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Gleiches gilt für die gezielte Becken- und die Ganzkörperbestrahlung. Ist es sinnvoll, schon bei Jugendlichen langfristige Maßnahmen anzusprechen? In jedem Fall, weil die Möglichkeit und Entscheidung, eine Familie zu gründen, ein existenzielles Thema für jeden Menschen ist.
Zudem bietet das Gespräch über Sexualität und Fertilität gerade onkologisch erkrankten Jugendlichen die Chance, den Blick auf die Zeit nach der Therapie zu richten und so ihre Hoffnung auf Heilung zu stärken.
Was bedeuten Maßnahmen zum Fruchtbarkeitserhalt für den Beginn der Krebstherapie? Die derzeit etablierten Maßnahmen zum Fertilitätserhalt durch Kryokonservierung sind schnell umsetzbar. Das ist wichtig, weil gerade Kinder und Jugendliche häufig von Erkrankungen des blutbildenden Systems betroffen sind. Da duldet die Krebstherapie keinen Aufschub.
Universitäts-Fortpflanzungszentrum Franken (UFF) Telefon: 09131 85-33524 E-Mail: fk-uff@uk-erlangen.de www.reproduktionsmedizin.uk-erlangen.de Urologie des Uni-Klinikums Erlangen Telefon: 09131 85-33118 E-Mail: brigitte.schwaiger@uk-erlangen.de www.urologie.uk-erlangen.de
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
DIE KRYOKONSERVIERUNG
| 13
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM OKTOBER: MODERNE HERZCHIRURGIE
OP an einem mächtigen Muskel Die Herzchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen bietet das ganze Spektrum moderner Herz-OPs. Schwerpunkt sind unter anderem erworbene Herzfehler, die schonend und mit modernen Gefäßprothesen versorgt werden. Auch Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern finden in Erlangen Hilfe bei erfahrenen Expertinnen und Experten.
D
as Herz schlägt bis zu vier Milliarden Mal im Lauf eines Lebens. Muss es operiert werden, sind viele Patienten sehr aufgeregt. „Eine Herz-OP ist aber nicht riskanter als andere Eingriffe – oft sogar im Gegenteil“, beruhigt Prof. Dr. Michael Weyand. Der Direktor der Herzchirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen und sein Team führen jährlich rund 1.600 Herzoperationen durch. Das beginnt bei Eingriffen an kranken Herzklappen und Bypässen bei verengten Gefäßen, geht weiter mit OPs an der Körperhauptschlagader und an anderen großen Gefäßen im Brustkorb und endet bei Herzschrittmachern, Kunst- und Spenderherzen.
Mehr als nur überleben Die Patientinnen und Patienten, die eine Herz-OP brauchen, werden immer älter. „Schon jetzt liegt das Durchschnittsalter bei uns bei über 74 Jahren“, sagt Prof. Weyand. Ein Alterslimit für eine OP gibt es nicht. „Über-90-Jährige sind keine Seltenheit mehr. Die älteste mir bekannte Patientin, die eine neue Herzklappe bekommen hat, war 104 Jahre alt“, berichtet Michael Weyand. Das höhere Alter stellt neue Anforderungen an die Herzchirurginnen und -chirurgen: Oft machen sie heute nur noch wenige Zentimeter lange Schnitte und öffnen nicht mehr den ganzen Brustkorb. „So können wir zum Beispiel bei unkomplizierten Bypassund Herzklappen-OPs auf die Herz-Lungen-Maschine verzichten. Die übernimmt während einer offenen OP normalerweise die Pumpfunktion des Herzens und die Lungenfunktion. Gerade für Ältere ist es aber viel schonender, wenn wir auf diese Kreislaufunterstützung verzichten können“, erklärt Prof. Weyand. Minimalinvasiv operieren der Klinikdirektor und sein Team seit 2018 beispielsweise die Mitralklappe des Herzens – mit neuen 3-D-Kameras im Körperinneren. Das Ziel dieser Schlüsselloch-OPs definiert Prof. Weyand so: „Es zählt heute nicht mehr nur, den Eingriff zu überstehen, sondern es geht mehr denn je darum, die bestmögliche Lebensqualität zu erreichen.“ Auch die Brustschlagader – genauer: den Aortenbogen – möchte der Herzspezialist künftig komplett „durchs Schlüsselloch“ operieren. „Wir werden hoffentlich deutschlandweit die erste Klinik sein, die diese interventionelle Aortenchirurgie anbieten kann.“ Sind Blutgefäße gefährlich verengt, gibt es verschiede-
1.600 Herz-OPs werden jährlich in der Erlanger Herzchirurgie durchgeführt, davon 10 bis 20 Herztransplantationen.
ne Möglichkeiten. Die Entscheidung, ob der Herzchirurg einen Bypass legt, also eine künstliche Gefäßumgehung, oder ob der Kardiologe per Herzkatheter einen Stent einsetzt, also eine kleine metallische Gefäßstütze, wird im Einzelfall getroffen. „BypassOPs nehmen bundesweit ab, es wird heute mehr mit Stents gearbeitet“, erläutert Prof. Weyand. „Aber bei mehreren oder komplexen Gefäßverengungen hat der Bypass weiterhin seine Berechtigung. Die Kombination aus Bypass und Herzklappenersatz führen wir immer häufiger durch.“
Check-up bei angeborenem Herzfehler Erkrankungen des Herzens können erworben werden oder angeboren sein. Um die 250.000 Erwachsene in Deutschland leben mit einem angeborenen Herz-
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
fehler, der bekannt ist – doch nur 50.000 von ihnen werden ärztlich betreut. „Dabei wäre es wichtig, dass diese Menschen lebenslang überwacht werden – am besten in einem spezialisierten Herzzentrum“, rät Prof. Weyand. „Erwachsene mit angeborenem Herzfehler – kurz EMAH – haben oft Bluthochdruck, Gerinnungsoder Rhythmusstörungen und es besteht die Gefahr, dass Komplikationen auftreten und ihre Lebenserwartung sinkt.“ Michael Weyand ist Gründungsmitglied der bundesweiten EMAH-Task-Force, die sich für die optimale Versorgung von EMAH-Patienten einsetzt, Leitlinien herausgibt, Ärzte schult und prüft.
Transplantationen: noch zu wenige Wenn das Herz weniger als zwei Liter Blut pro Minute durch den Körper pumpt, kann es seine Funktion
nicht mehr ausreichend gut erfüllen. Dann braucht der Betroffene eine Herztransplantation. Zwischen 10 und 20 solcher OPs führt das Team um Prof. Weyand jährlich durch; 2018 waren es 12 Transplantationen bei Kindern und Erwachsenen. „Wir hätten Kapazitäten für deutlich mehr, aber es gibt einfach zu wenige Spenderorgane“, bedauert Prof. Weyand. Mehr als die Hälfte aller Menschen, die in Bayern auf ein Spenderherz warten, stehen auf der Warteliste des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg, dessen Sprecher Michael Weyand ist. „Weil wir so wenige Spenderherzen bekommen, müssen wir 20 bis 30 Patienten pro Jahr zur Überbrückung ein Kunstherz einsetzen“, erklärt der Herzchirurg. Er befürwortet eine Widerspruchslösung, damit er den Wartenden zukünftig Franziska Männel schneller helfen kann.
DREI FRAGEN AN
Prof. Dr. Michael Weyand Direktor der Herzchirurgischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen
Altersbedingt, aufgrund von Gefäßablagerungen, Entzündungen oder Unfällen kann sich die Brustaorta – ein Abschnitt der Körperhauptschlagader – krankhaft verändern und gefährliche Aussackungen bilden. Das kann es erforderlich machen, die Brustschlagader von innen mit einer Rohrprothese zu schienen. Manchmal wird diese sogar individuell für die jeweilige Patientin oder den Patienten angefertigt. Um die Prothese einzusetzen, sind
mehrstündige, anspruchsvolle Operationen nötig, die viel herz- und gefäßchirurgisches Know-how erfordern. Die Ärztinnen und Ärzte des Uni-Klinikums Erlangen implantieren zur Stabilisierung der Brustaorta seit Neuestem moderne TEVAR-Prothesen (thoracic endovascular aortic repair). Dabei handelt es sich um ein Hybridverfahren – eine Mischung aus einer minimalinvasiven OP und einem offenen chirurgischen Eingriff.
Herzchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen
Telefon: 09131 85-33319
Wie macht sich ein krankes Herz bemerkbar? Luftnot und Leistungseinbrüche bei körperlicher Belastung sind wohl die häufigsten Hinweise darauf, dass eine Herzerkrankung vorliegen könnte. Wenn jemandem also zum Beispiel beim Sport viel schneller die Puste ausgeht, als das früher der Fall war, sollte derjenige das nicht verdrängen, sondern abklären lassen. Auch Schwindel tritt bei Herzerkrankungen öfter auf. Sind Herz-OPs risikoreicher als andere Operationen? Nein, sind sie nicht. Die Sterblichkeit bei Herz-OPs liegt bei etwa einem Prozent. Wir
E-Mail: herz-sekretariat@uk-erlangen.de
beherrschen das OP-Risiko sehr gut und niemand muss Angst haben. Unser Fokus liegt heute besonders auf der Qualität des Operationsergebnisses – also auf der Lebensqualität nach dem Eingriff.
Kann man nach einer Herz-OP wieder leben wie zuvor? Ja, das gilt für die meisten Menschen. Lediglich extremer Kraftsport und Wanderungen im Hochgebirge sollten Operierte vermeiden, weil man nach einer Herz-OP schneller höhenkrank wird. Ich empfehle jedem nach einer OP, sich einer Herzsportgruppe anzuschließen oder anderweitig 30 Minuten täglich Sport zu machen.
www.herzchirurgie.uk-erlangen.de
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen
NEU IN ERLANGEN: TEVAR-OPS
14 |
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM NOVEMBER: HELLER HAUTKREBS
Der Feind auf meiner Haut Heller Hautkrebs wird immer häufiger – vor allem deshalb, weil Menschen heute öfter in die Sonne fliegen, mehr Sport im Freien treiben und immer älter werden. An der Hautklinik des Uni-Klinikums Erlangen werden Vorstufen und Tumoren sicher erkannt und behandelt.
o
utdoorsport, Reisen, ungenügender Sonnenschutz und ein höheres Lebensalter – all das führt dazu, dass immer mehr Menschen Hautkrebs entwickeln – meist die helle Form. Forscher rechnen damit, dass sich die Patientenzahlen in Deutschland bis 2030 verdoppeln werden. Hautkrebs durch UV-Licht ist mittlerweile auch die bundesweit am häufigsten gemeldete Berufskrankheit. Prof. Dr. Carola Berking, seit Oktober 2019 Direktorin der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen, beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit den bösartigen Tumoren – mit dem schwarzen, aber auch mit dem hellen Hautkrebs und seinen Vorstufen, den aktinischen Keratosen. Im Hautkrebszentrum des Uni-Klinikums Erlangen behandelt sie Patienten und forscht an neuen Therapien.
Diagnose ohne Schnitte Heller Hautkrebs – die sogenannten Plattenepithelund Basalzellkarzinome – bilden sich hauptsächlich an Körperstellen, die häufig der Sonne ausgesetzt sind: an Ohren, Nase, Stirn, Lippen oder Hals. Seltener kommen sie auch an Rumpf, Händen, Beinen und im Genitalbereich vor. Mit dem bloßen Auge ist heller Hautkrebs oft schwer von harmlosen Hautveränderungen zu unterscheiden: So zeigt er sich als glänzendes kleines Knötchen, aber auch als rötliche schuppige Stelle oder wie eine verblasste Narbe. Um sicher zu gehen, setzt Prof. Berking auf die konfokale Laserscanmikroskopie und die optische Kohärenztomografie. Bei beiden Verfahren wird Laserlicht vom Hautgewebe unterschiedlich stark reflektiert und erzeugt so ein mikroskopisch genaues Schichtbild. Auf Gewebeentnahmen kann damit verzichtet werden. „Das erspart uns Zeit und den Patienten Hautschnitte und Narben“, erklärt Carola Berking. Therapie bei Vorstufen und Krebs Vorstufen von hellem Hautkrebs behandeln Prof. Berking und ihre ärztlichen Kollegen sehr effektiv mit der photodynamischen Therapie (PDT). Hierfür tragen sie zuerst eine Creme auf die betroffene Stelle auf, dann reichert sich der lichtempfindliche Wirkstoff in den Krebszellen an. Anschließend bestrahlen die Ärzte die Haut mit Rotlicht oder bitten den Patienten, sich etwa zwei Stunden lang im Freien
Prof. Dr. Carola Berking betrachtet eine verdächtige Hautstelle mit dem Dermatoskop.
aufzuhalten. Das Rot- oder Tageslicht aktiviert den Wirkstoff – die Krebszellen werden zerstört. Neben der PDT kommen auch andere wirkstoffhaltige Salben infrage, die der Patient mehrere Tage bis Wochen lang aufträgt und die die bösartigen Zellen daran hindern, sich zu vermehren. Ist der Tumor schon in die Tiefe gewachsen, können ihn die Dermatologen per Laser abtragen, vereisen oder chirurgisch entfernen; auch eine Strahlentherapie ist manchmal möglich. Bei fortgeschrittenen oder metastasierten Geschwüren, bei denen weder eine Operation noch eine Bestrahlung aussichtsreich ist, helfen Medikamente wie Cemiplimab: Das Mittel ist seit Juni 2019 für das fortgeschrittene Plattenepithelkarzinom zugelassen. Wie andere Arzneien aus der Klasse der Checkpoint-Inhibitoren unterstützt es
Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen
das Immunsystem dabei, den Krebs zu bekämpfen. Für fortgeschrittene, inoperable Basalzellkarzinome steht eine zielgerichtete Therapie in Tablettenform mit den Wirkstoffen Vismodegib oder Sonidegib zur Verfügung.
Ein Minimum an Sonne Trotz der Hautkrebsgefahr ist UV-Licht für den Menschen essenziell. Prof. Berking erklärt: „Sonnenlicht, und zwar der UVB-Anteil, regt die körpereigene Bildung von Vitamin D in der Haut an. Die wissenschaftliche Empfehlung lautet deshalb: Gesicht, Hände und Unterarme sollten im Sommer zwei- bis dreimal pro Woche unbedeckt und ohne UV-Schutz der Sonne ausgesetzt werden – aber nur so lange, wie die Haut nicht rot wird. Beim Hauttyp
2 heißt das zum Beispiel: zwölf Minuten Sonne wöchentlich.“ Was im Winter kein Thema ist, wird im Frühjahr und Sommer umso relevanter: Schatten. Carola Berking macht sich für die Hautkrebsprävention stark und für ausreichend Sonnenschutz an öffentlichen Plätzen und in Arbeitsumgebungen. „Menschen – vom Dachdecker bis zum Freizeitsportler – sind oft zwangsläufig der Sonne ausgesetzt. Aber der Fußballer muss auf dem Sportplatz in den Schatten gehen können und jedes Kinderschwimmbecken braucht ein Sonnendach“, fordert sie. Dass Sonnenschutz im öffentlichen Raum stärker bedacht wird – dafür setzt sich Prof. Berking ein, indem sie am UV-Schutz-Bündnis teilnimmt, das vom Bundesamt für Strahlenschutz fachüberFranziska Männel greifend koordiniert wird.
DREI FRAGEN AN ZAHLEN ZUM HELLEN HAUTKREBS
Prof. Dr. Carola Berking Direktorin der Hautklinik des Uni-Klinikums Erlangen
Weißer Hautkrebs tritt etwa 9-mal häufiger auf als schwarzer.
Menschen mit einem Basalzellkarzinom sind durchschnittlich um die 60 Jahre alt, Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom um die 70 Jahre.
An einem Plattenepithelkarzinom sterben etwa 40 bis 50 von 1.000 Erkrankten.
Seit 2015 sind das Plattenepithelkarzinom und seine Vorstufen – die aktinischen Keratosen – als Berufskrankheit anerkannt.
THERAPIE-LEITLINIE An der Leitlinie „Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut“ zum hellen Hautkrebs und seinen Vorstufen wirkte Prof. Dr. Carola Berking maßgeblich als zentrale Koordinatorin mit. Das Dokument ist abrufbar unter www.awmf.org. Die Leitlinie ist die erste kombinierte Behandlungsempfehlung für Krebsvorstufen und hellen Hautkrebs auf einem derart hohen wissenschaftlichen Niveau.
Hautklinik des Uni-Klinikums Erlangen
Telefon: 09131 85-33661
Was ist der Unterschied zwischen hellem und schwarzem Hautkrebs? In 90 Prozent der Fälle ist es heller Hautkrebs, in 10 Prozent schwarzer. Der helle Hautkrebs wächst eher langsam und kommt häufiger bei älteren Menschen vor. Er ist lokal begrenzt und streut seltener in andere Gewebe, Knochen und Organe. Heller Hautkrebs ist also im Vergleich zum schwarzen Hautkrebs weniger aggressiv. Wie schütze ich mich vor hellem Hautkrebs? Ausreichender Sonnenschutz ist wichtig – durch Sonnencreme, schützende Kleidung und genug Schatten. Die Haut vergisst
E-Mail: direktion.de@uk-erlangen.de
nichts. Je öfter jemand also im Lauf seines Lebens ungeschützt UV-Licht ausgesetzt war, desto höher sein Hautkrebsrisiko. Besonders bei Kindern und Jugendlichen erhöhen Sonnenbrände die Wahrscheinlichkeit, später Hautkrebs zu bekommen.
Wie aussichtsreich ist die Hautkrebstherapie? Die Heilungschancen beim hellen Hautkrebs liegen bei 95 Prozent, beim schwarzen Hautkrebs bei 80 Prozent, wenn er früh erkannt wird und noch keine Metastasen gebildet hat. Ab 35 Jahren zahlen die gesetzlichen Krankenkassen jedem Versicherten alle zwei Jahre ein Hautkrebsscreening – das sollte man nutzen!
www.hautklinik.uk-erlangen.de
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
Illustration: stock.adobe.com/panptys/nazar12/stas111
Mehr als 200.000 Menschen erkranken deutschlandweit jährlich an weißem Hautkrebs.
| 15
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM DEZEMBER: MODERNE UNFALLCHIRURGIE UND ORTHOPÄDISCHE CHIRURGIE
Notfallversorgung rund um die Uhr Neben der Versorgung akuter Notfälle nach Unfällen jeglicher Art ist die Behandlung aller Verletzungen und degenerativen Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats Teil des breiten Leistungsspektrums der Unfallchirurgischen Klinik – Orthopädische Chirurgie des Universitätsklinikums Erlangen.
B
ei komplizierten Fällen ist Prof. Dr. Mario Perl immer erreichbar: „Mein Team kann mich zu jeder Tages- und Nachtzeit kontaktieren, und bei Bedarf komme ich gern als Unterstützung hinzu“, erläutert der Direktor der Unfallchirurgischen Klinik – Orthopädische Chirurgie des Uni-Klinikums Erlangen. Auch am diesjährigen Vatertag stand er nachts im OP-Saal, um einen Patienten zu retten, der sich die Halswirbelsäule schwer verletzt hatte. Für alle unvorhersehbaren Notfalleingriffe hält die Erlanger Unfallchirurgie stets OP-Kapazitäten bereit, um ohne Verzug helfen zu können. „Als Uni-Klinikum gewährleisten wir für die Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Metropolregion Nürnberg die Sicherheit, dass wir kleinere und auch große Unfälle zu jeder Tages- und Nachtzeit optimal versorgen können“, betont Prof. Perl. Eine Daseinsvorsorge, die gerade bei schweren Verkehrsunfällen oder Stürzen aus großer Höhe erhebliche Ressourcen bindet und hohen organisatorischen Aufwand erfordert. „Wir nutzen dabei die hervorragend etablierten interdisziplinären Prozesse des Uni-Klinikums, zum Beispiel gemeinsam mit der Anästhesie, der Radiologie und den anderen chirurgischen Disziplinen. Damit diese Abläufe im akuten Notfall ganzjährig rund um die Uhr funktionieren, müssen sie jedoch nicht nur organisiert, sondern auch regelmäßig trainiert werden.“
Modernste Therapien für Sportler Neben der Versorgung von Schwerstverletzten aus der gesamten Metropolregion bildet die Erlanger Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie ein breites Leistungsspektrum mit zahlreichen Schwerpunkten ab. Einer davon ist die langjährige Erfahrung in der Betreuung von Spitzensportlern. Dazu Prof. Perl: „Wir haben Kooperationen mit diversen Sportvereinen wie der Spielvereinigung Greuther Fürth und den Höchstadt Alligators, für die wir sowohl bei den regelmäßigen Reihenuntersuchungen als auch bei Sportverletzungen der primäre Ansprechpartner sind.“ Die dafür vorgehaltene Ausstattung und Infrastruktur kommen auch den hiesigen Amateursportlern zugute. „Sie profitieren nicht nur von unseren modernsten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden,
Interdisziplinäre Patientenversorgung: Im Universitätsklinikum Erlangen trainiert ein Team aus Unfallchirurgen und Anästhesisten regelmäßig die gemeinsame Behandlung von schwerstverletzten Menschen. Foto: Kerstin Bönisch/Uni-Klinikum Erlangen
sondern auch von einer hochauflösenden Bildgebung bei der Kernspintomografie sowie der engen Kooperation bei Rehabilitationsmaßnahmen. Wir begleiten die Nachbehandlung unter der Prämisse, eine schnellstmögliche Wiedereingliederung in sportliche Aktivitäten zu erreichen“, betont der Klinikdirektor.
Beratung in Spezialsprechstunden Als Anlaufstelle für die Patientinnen und Patienten bieten Prof. Perl und sein Team eine eigene Hochschulambulanz mit diversen Spezialsprechstunden an. Neben Beratung im Bereich Sportorthopädie und -traumatologie erhalten Betroffene hier individuelle Auskünfte bei Arbeitsunfällen sowie
Beschwerden an der Wirbelsäule, der Schulter und den Ellenbogen sowie für Knie- und Hüftgelenke. Eltern können sich über traumatologische Verletzungen bei Kindern informieren lassen.
Interdisziplinäre Konzepte Der besonderen Breite seines Fachgebiets begegnet der 44-jährige Klinikdirektor mit einer in Sektionen aufgeteilten Organisationsstruktur. Prof. Perl: „Unser Team besteht aus 25 erfahrenen Ärztinnen und Ärzten, die ihre Schwerpunkte eigenverantwortlich betreuen.“ Die Alterstraumatologie gehört zu den Kernsektionen, die Prof. Perl zukünftig ausbauen möchte: „Der steigenden Nachfrage wollen wir mit erhöhten Kapazitäten und neuen Konzepten
begegnen.“ Gerade bei älteren Menschen zeigt sich die hohe Wirksamkeit interdisziplinärer Behandlungen. „Wenn wir z. B. einen frischen Oberschenkelhalsbruch bei einer über 80-jährigen Seniorin operieren, binden wir auch die Anästhesie und die Innere Medizin ein. Anschließend folgt eine speziell auf den älteren Menschen abgestimmte Reha-Behandlung – all das steuern wir in der Unfallchirurgie bereits bei der Patientenaufnahme. Unser Ziel ist es, jeden Menschen wieder dorthin zurückzubringen, von wo er zu uns kam. Sprich: Wenn die Seniorin vor dem Unfall ihren Haushalt eigenständig versorgen konnte, soll sie dazu auch nach der Behandlung wieder in der Lage sein.“ Kerstin Bönisch
DREI FRAGEN AN
Ist eine Wirbelsäule hochgradig abgenutzt oder schwer verletzt, müssen in letzter Konsequenz Wirbelsegmente operativ stabilisiert (versteift) werden. Hierzu werden modernste und individuell abgestimmte Implantate sowie Operationsmethoden eingesetzt – mit kleinen Schnitten und unter größtmöglicher Schonung von Muskeln und Faszien. Die Operationsplanung ist ebenfalls sehr spezifisch und berücksichtigt die individuelle Anatomie des Patienten. Die Erlanger Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie verwendet hierfür auch die neueste 3-D-Drucktechnik. Dabei wird mithilfe von computertomografischen Bildern das einzusetzende Implantat samt Verschraubung individuell berechnet. Anschließend ist die Darstellung des Implantats durch den 3-D-Drucker so präzise, dass eine optimale Planung des Eingriffs und der Nachbehandlung unter modernsten Gesichtspunkten möglich ist. Das ermöglicht den Patientinnen und Patienten kürzere Operationszeiten und die Anwendung gewebeschonender Verfahren.
Prof. Dr. Mario Perl Direktor der Unfallchirurgischen Klinik – Orthopädische Chirurgie des Uni-Klinikums Erlangen
Auf welche Notfallversorgung können sich die Menschen der gesamten Metropolregion in der Erlanger Unfallchirurgie verlassen? Die Bevölkerung kann ihren Aktivitäten rund um die Uhr mit dem sicheren Gefühl nachgehen, dass allen geholfen wird, falls etwas passiert. Wir versorgen jedes Jahr mehr als 240 Schwer- und Mehrfachverletzte und zählen zu den zehn größten Polytraumazentren in Deutschland. Warum sind interdisziplinäre Strukturen so wichtig? Moderne und anspruchsvolle Behandlungskonzepte funktionieren nur im Team und gemeinsam mit den Nachbardisziplinen. Bei der
Wirbelsäulenchirurgie arbeiten wir z. B. eng mit der anästhesiologischen Schmerzmedizin sowie der Neurologie zusammen: Jeder Patient erhält das für ihn passende Behandlungskonzept unter Einbeziehen aller Stärken der Universitätsmedizin.
Was sind Ihre Zielsetzungen? Das Leistungsspektrum unserer Klinik weiter auszubauen und die universitäre Spitzenmedizin voranzutreiben. Um uns auch personell zukunftsfähig aufzustellen, entwickeln wir moderne Konzepte und optimieren die Arbeitsprozesse, damit die junge Ärztegeneration das Fach trotz der hohen Arbeitsbelastung weiterhin gerne und mit Leidenschaft betreibt.
Unfallchirurgische Klinik – Orthopädische Chirurgie des Uni-Klinikums Erlangen Telefon: 09131 85-33272 E-Mail: unfallchirurgie@uk-erlangen.de www.unfallchirurgie.uk-erlangen.de Notfall-Information: Tel. 09131 85-33257 oder Tel. 09131 85-33260
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
NEUESTE IMPLANTATE UND PLANUNGSTECHNIKEN
16 |
Das Gesundheitsmagazin für die Region Bamberg Das regionale Gesundheitsmagazin | www.gesundheit-franken.com | Frühling 2019
Gesundheit Bamberg:
kostenlos
Bamberg
„Gesundheit Bamberg“ erscheint vierteljährlich in einer Auflage von 11.000 Exemplaren in der Stadt und im Landkreis Bamberg. Jede Ausgabe widmet sich einem großen Titelthema
Zurück zum Wohlfühlgewicht
– von Wohlfühlgewicht über Schwerhörigkeit bis hin zu rätselhaften Krankheitsbildern und zum Immunsystem. Daneben gibt es in jeder Ausgabe viele weitere Artikel zu medizinischer Forschung, modernen Diagnose- und Therapiemethoden, zu
Gesunde Ernährung, Sport, starke Psyche, Adipositas-OP: was es| fürs Abnehmen braucht Das regionale Gesundheitsmagazin | www.gesundheit-franken.com Sommer 2019
Ernährungs- und Sporttrends und aktuellen (Gesundheits-) Veranstaltungen. Porträts und Interviews schaffen auch für
„Ich werde keine Ruhe geben“ Veran mit stalt kalen ungsder M
kostenlos
Bamberg
Gesundheitsinteressierte in Oberfranken den „direkten Draht“
Gut hören
zu regionalen Experten. Das Gesundheitsmagazin liegt unter anderem in Krankenhäusern, Arztpraxen, Apotheken, Bädern, in der Gastronomie sowie im Einzelhandel kostenlos aus.
ärz | A
pril | Mai
Interview mit Paralympics-Siegerin Franziska Liebhardt über Organspenden
Mikro-Helfer in der Prostata Kleine Kügelchen helfen bei vergrößerter Vorsteherdrüse
Schwerhörigkeit bei Erwachsenen und Kindern erkennen und behandeln
TaKeTiNa-Therapie
Dem Rhythmus des eigenen Körpers vertrauen
Interessierte Leser können „Gesundheit Bamberg“ per E-Mail
GB_2019_1_Wohlfuehlgewicht_RZ.indd 1
18.02.2019 16:35:41
an gesundheit-bamberg@uk-erlangen.de oder unter der Telefonnummer 09131 85-46770 abonnieren und bekommen das Magazin dann vierteljährlich nach Hause geliefert. Ein kostenloses Probeexemplar kann vorab gern zugesendet werden.
„Ich höre schlechter, wenn es dunkel ist.“
Veran mit stalt kalen ungsder Ju ni | Ju li
| Augu
Leben mit Hörgeräten
st
Das regionale Gesundheitsmagazin | www.gesundheit-franken.com | Herbst 2019
Mittelpunkt Kind
Die Erlanger Kinderchirurgen richten sich ganz nach ihren jungen Patienten
Im Flow auf dem Fluss
kostenlos
Rudern auf der Regnitz in Bamberg
Unsere Titelthemen 2020: März:
Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Juni:
Kinderheilkunde
GB_2019_2_Hören_RZ.indd 1
Bamberg
27.01.2020 11:17:25
September: Herzgesundheit Dezember: Stress
Rätsel der Medizin Und wie Spezialisten für seltene Erkrankungen Das regionale Gesundheitsmagazin | www.gesundheit-franken.com | Winter 2019/2020 sie lösen
Weitere Infos unter:
Über den Berg
Für Patienten mit seltenem Blutkrebs besteigen Ärzte den Kilimandscharo
Keine falsche Scham!
www.gesundheit-bamberg.com
Therapie bei Inkontinenz − von konservativ bis operativ
Veran mit stalt kalen ungsder Se
kostenlos
pt. | O
Bamberg
kt. | N ov.
Yin-Yoga
In tiefer Dehnung zu mehr innerer Ruhe finden
Kostenloses Probe-Exemplar anfordern: gesundheit-bamberg@uk-erlangen.de GB_2019_3_Seltene_RZ.indd 1
27.01.2020 11:14:35
Tel. 09131 85-46770
Veran mit stalt kalen ungsder De z. | Ja n. | Fe br.
Mit Starkes S- Immunsystem T I E H D N GESU Wie wir selbst ENDER unser L A Immunsystem K N I M stärken können und TER Ärztinnen und Ärzte rg und eswietherapeutisch nutzen für Bambe Umgebung GB_2019_4_Immunsystem_RZ.indd 1
Universitätsklinikum Erlangen, Stabsabteilung Kommunikation
Telefon: 09131 85-46770
Störung als Chance
Wie sich psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen äußern
Ein repariertes Herz
Josefine besucht den Arzt, der sie als Baby operierte
Wissen, was drin ist
Shampoo, Cremes und Co. selbst machen
27.01.2020 11:16:20
E-Mail: kommunikation@uk-erlangen.de
www.uk-erlangen.de