GESUNDHEITSSERIE AUS DEM FRÄNKISCHEN TAG – UNSERE SCHWERPUNKTTHEMEN 2018 Erscheint jeden 4. Freitag im Monat neu – auch 2019
Spitzenmedizin aus dem Universitätsklinikum Erlangen Medizinische Versorgung auf Spitzenniveau bieten die Experten der verschiedenen Disziplinen des Uni-Klinikums Erlangen. Die Gesundheitsserie beleuchtet von Kopf bis Fuß einige zentrale Themen und gibt Aufschluss über spezielle Behandlungsmethoden.
Universitätsklinikum Erlangen
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Hilfe bei Krebs Wer an Krebs erkrankt ist, spürt oft zunächst eine große Last auf seinen Schultern und fühlt sich hilflos. Die Experten des Comprehensive Cancer Centers Erlangen-EMN stehen Betroffenen und Angehörigen auf sämtlichen Wegen zur Seite, um die Erkrankung zu verstehen und zu behandeln. Nun klären sie zusätzlich in einer Informationsbroschüre ausführlich über verschiedene Krebsarten, Therapieformen und aktuelle Forschungsansätze auf.
s ionen au Informat d. Jetzt n a H r e t ers LOSES N E T S O K LAR EXEMP ! anfordern
Interessierte erhalten Ihr Exemplar unter der Telefonnummer 09131 85-47044 oder per E-Mail an ccc-direktion@uk-erlangen.de
Herzen heilen, Leben schenken: Unter diesem Motto steht die Aktion „Kinderherz-OP“, eine Initiative der Kinderkardiologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Sven Dittrich) und der Kinderherzchirurgischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Robert Cesnjevar) des Uni-Klinikums Erlangen. Die beteiligten Ärzte und Pflegekräfte haben sich zum Ziel gesetzt, bedürftige und lebensbedrohlich herzkranke Kinder aus dem Ausland zu heilen. Um das Ziel zu erreichen, sind sie auf Spenden angewiesen. Helfen auch Sie dabei, Kinderleben zu retten. Weitere Infos: www.uker.de/kinderherzop
SPENDENKONTO Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach IBAN: DE11 7635 0000 0000 0007 70 BIC: BYLADEM1ERH Stichwort: Kinderherz-OP
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
Aktion „Kinderherz-OP” Hilfe für herzkranke Kinder aus aller Welt
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GESUNDHEITSSERIE – UNSERE SCHWERPUNKTTHEMEN 2018
Inhaltsverzeichnis
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GRAUER STAR
HÖRZENTRUM NORDBAYERN
600.000-mal wird in Deutschland jährlich der graue Star (Katarakt) operiert. Je früher der Eingriff erfolgt, desto problem- und risikoärmer lässt sich eine neue Linse ins Auge einsetzen. Die Augenklinik des Uni-Klinikums Erlangen bietet mit dem Nano- und dem Femtosekundenlaser die neueste und sicherste OP-Technik.
Tasten, Riechen, Schmecken, Sehen, Hören – ist einer unserer Sinne beeinträchtigt, schränkt das die Lebensqualität deutlich ein. Wer etwa schwerhörig ist, fühlt sich sozial schnell isoliert. Hier setzen die Experten des Hörzentrums Nordbayern an und finden für jeden Patienten die optimale Behandlung.
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PSYCHOSOMATIK
MULTIPLE SKLEROSE
Krankheiten ganzheitlich betrachten – auf bioWie MS, eine chronische, nicht heilbare Erkranlogischer, psychologischer und sozialer Ebene: kung des zentralen Nervensystems, entsteht, ist Das ist die Maxime der Psychosomatik. Wer bis heute nicht vollständig bekannt. Während etwa an einer Ess- oder an einer arbeitsplatzdie Krankheit vor 20 Jahren noch ein Leben bezogenen Störung leidet, muss erst wieder GESUNDHEITSSERIE im Rollstuhl bedeutete, ist sieIMheute aber dank – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA AUGUST: KRYOTHERAPIE lernen, mit Gefühlen umzugehen, gesund zu der Fortschritte in der Bildgebung und in der essen und auf seinen Körper zu hören. Medikamentenentwicklung beherrschbar. SONDERTHEMA
Kalt und schmerzlos
Keinen Frostschock, sondern eine angenehme Schmerzlinderung erleben Patienten in einer medizinischen Kältekammer mit extremen Minus Eine innovative Therapie am Uni-Klinikum Erlangen, die sich vor allem bei Rheuma, chronischen Schmerzen und Hauterkrankungen positiv au
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ie Idee ist nicht neu: Kälte wird seit Jahrtausenden therapeutisch genutzt, etwa beim Kaltwasser-Treten in der Kneipp-Kur oder bei Kühlpads, die auf Schwellungen gelegt werden. In Japan entwickelte der Rheumatologe Toshiro Yamauchi 1980 als Erster die Idee einer Ganzkörperbehandlung mit extremer Kälte von bis zu −175 Grad Celsius gegen rheumatoide Arthritis. Ende der 1980er-Jahre entstand die erste europäische Kältekammer mit Temperaturen von bis zu −110 Grad Celsius in einer deutschen Klinik.
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TRANSFUSIONSMEDIZIN Rund 80 Prozent aller Menschen brauchen mindestens einmal in ihrem Leben eine Blutspende. Tumor- und Leukämiepatienten etwa benötigen Thrombozyten, weil ihr Körper sie nicht mehr herstellen kann. Neben der Blutspende sind auch Gerinnungsstörungen ein großes Arbeitsfeld der Transfusionsmedizin.
BLUTHOCHDRUCK Der Druck in den Adern steigt schleichend – ohne Schmerzen, ohne weitere Beschwerden. Bluthochdruck wird deshalb oft erst diagnostiziert, wenn er ein kritisches Stadium erreicht hat. Welche Therapien erfolgreich sind, erforschen Experten der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie.
Diese extremen Minusgrade erreicht auch die sogenannte Kryosauna, die der Bereich Physikalische und Rehabilitative Medizin der Medizinische Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. med. univ. Georg Schett) des Uni-Klinikums Erlangen seit April dieses Jahres in der ambulanten Behandlung anbietet. Bis zu −130 Grad Celsius geben die Innenwände der Ganzkörperkabine ab. „Die Kryosauna ist eine platzsparende Weiterentwicklung der ursprünglichen Kältekammern, die aus mehreren Räumen bestanden“, erläutert Oberarzt Dr. Christoph Bleh. „Sie ist erst seit zwei Jahren für die medizinische Therapie zugelassen.“
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Kopf raus, Hände hoch!
Patienten betreten die Ganzkörperkabine in ANEURYSMA Unterwäsche und mit Schuhen durch eine Flügeltür mit Magnetverschluss. Sobald die Tür geschlossen ist, wird die bewegliche Bodenplatte hochgefahren, sodass sich der Kopf des Patienten außerhalb der Kabine befindet. „Dadurch hat man während der Behandlung Blickkontakt mit dem Therapeuten, kann sich mit ihm unterhalten und muss die eiskalte Luft nicht einatmen“, erläutert Physiotherapeutin Svenja Schmeißer. Auf Knopfdruck leitet sie für maximal drei Minuten den Dampf von flüssigem Stickstoff in die Kabine. Ein wahrhaft futuristischer Anblick, wie der Körper des Patienten in der Kabine von dem wabernden weißen Dampf umnebelt wird, während sein Kopf oben deutlich herausragt. Auf die starken Minus-
Ein Aneurysma – die Ausbuchtung einer Arterie – kann lebensbedrohlich sein, besonders wenn es die große Bauchschlagader betrifft. Die Gefäßchirurgen des Uni-Klinikums Erlangen überbrücken derartige Aneurysmen mit künstlichen Gefäßstücken oder stabilisieren die Schwachstellen mit Stentprothesen.
11 Der „Saunagang“ bei −130 Grad dauert nur drei Minuten. In dieser Zeit hält Horst Stapf seine Hände nach oben, um sie vor den Extremtemperaturen zu schützen. Insgesamt ist die trockene Kälte gut auszuhalten. Physiotherapeutin Svenja Schmeißer lässt ihren Patienten rechtzeitig wieder aus der Kältekammer.
KRYOTHERAPIE
grade in der Kältekammer sprechen die Rezeptoren der Haut sofort stark an. Dennoch bleibt die Kerntemperatur des Körpers fast erhalten. „Durch die Kürze der Behandlung wird nur die Hautoberfläche massiv gekühlt. Deshalb gibt es außer Hautrötungen auch so gut wie keine Nebenwirkungen“, erläutert Dr. Bleh.
Morbus Crohn oder Multipler Sklerose leiden. Durch die Kältetherapie fallen die Entzündungsstoffe dieser Autoimmunerkrankungen im Blut deutlich ab. Wir wissen noch nicht genau, wie die Kälte das macht, aber es ist messbar und belegbar“, sagt Dr. Bleh. „Bislang gibt es leider nur sehr wenige aussagekräftige Studien zur positiven Wirkung der Kältetherapie“, bedauert der Oberarzt. „Deshalb wird die Behandlung trotz zahlreicher positiver Erfolge auch nicht von den Krankenkassen gezahlt, sondern muss von den Patienten selbst finanziert werden.“ Dies ist auch der Grund dafür, dass das Angebot an ambulanten Kältekammern für Patienten eher dünn ist. Die Kryosauna des Uni-Klinikums
In drei Minuten bei –130 Grad Celsius den Schmerz „wegfrieren". Die Kältetherapie wurde ursprünglich zur Behandlung chronisch-entGegen Entzündungen Die ursprünglich vor allem für Rheumaerkranzündlicher Erkrankungen wie Rheuma entwikungen entwickelte Kältetherapie wirkt auch bei ähnlichen Autoimmunerkrankungen, die ckelt, ist aber auch wirkungsvoll bei Autoimchronisch-entzündliche Prozesse im Körper auslösen. „Wir wenden sie zum Beispiel auch munerkrankungen wie Schuppenflechte, Morbei Menschen an, die unter Schuppenflechte, bus Crohn oder Multipler Sklerose.
Foto: Franzisk
Erlangen ist die einzige in Fra den sich erst wieder in Ober„Viele Patienten freuen sich d Kältetherapie jetzt nicht meh müssen“, berichtet Svenja Sch von den Anwendern in Erlang positive Resonanzen erhalten ent Horst Stapf ist von der W Kryosauna überzeugt: „Mein im Mai darauf aufmerksam g her nutze ich sie zweimal pro Rheuma und liege wegen der nachts oft wach. Durch die K ich wieder besser schlafen.“ KeB
DREI FRAGEN AN KÄLTE ALS THERAPIE
Dr. Christoph Bleh Oberarzt und ärztlicher Leiter der Rehabilitativen Medizin der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie des Uni-Klinikums Erlangen
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DEPRESSION
ADIPOSITAS
Den Fall von Torwart Robert Enke haben viele noch in Erinnerung. Er litt jahrelang unter Depressionen und nahm sich schließlich das Leben, um der Krankheit zu entkommen. Depression, das ist nicht einfach nur eine Verstimmung. Das Krankheitsbild ist sehr vielschichtig und erfordert eine umfassende Behandlung.
Übersteigt der Body-Mass-Index (BMI) eines Menschen einen Wert von 30 kg/m², sprechen Mediziner von Adipositas. Um krankhaftes Übergewicht adäquat behandeln zu können, arbeiten im Adipositaszentrum des Uni-Klinikums Erlangen Ernährungs- und Sportmediziner eng mit Chirurgen und Psychologen zusammen.
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Wie oft muss ich die Kältekammer für eine spürbare Verbesserung chronischer Erkrankungen nutzen? Empfohlen werden zu Beginn 10 bis 20 Anwendungen – und zwar dicht aufeinanderfolgend, zum Beispiel ein- bis zweimal pro Woche. In der Regel sind mindestens 20 Anwendungen nötig, bis die entzündungsaktiven Botenstoffe dauerhaft verändert und reduziert werden.
fende Behandlung fortführen und die Basismedikamente weiterhin nehmen. Manche Menschen können durch die Kältetherapie ihre Medikamente reduzieren – auch das ist schon ein Erfolg.
Was kostet eine Behandlung und wo kann ich Termine vereinbaren? Eine Behandlung in der Kryosauna kostet 40 Euro. Langzeitnutzer erhalten beim Kauf von 10er- oder 20er-Karten eine Ermäßigung von 10 bzw. 15 Prozent. Vor Beginn der ersten Behandlung führen wir mit jedem Patienten ein persönliches Erstgespräch. Termine erhalten Interessenten per Telefon oder E-Mail (s. u.).
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Kann ich während der Kältetherapie meine Medikamente absetzen? Nein, es ist eine zusätzliche Therapie, man sollte aber parallel zur Kältetherapie die lau-
Medizin 3 des Uni-Klinikums Erlangen
DIABETISCHER FUß Jeder sechste Diabetiker entwickelt einen diabetischen Fuß. Dabei handelt es sich um eine komplexe Krankheit, die etwa infolge gefäßbedingter Durchblutungsstörungen auftritt. Ärzte der Gefäßchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen bieten für Betroffene eine maßgeschneiderte Behandlung.
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Die Kryotherapie („krýos“: griechisch für „Kälte“) hat sich vor allem bei der Behandlung akuter und chronischer Schmerzen der Muskeln und Knochen bewährt. Die kurzzeitige, hochdosierte Reduktion der Hauttemperatur bewirkt Veränderungen des Blutdrucks, der Gefäße, der Durchblutung, der Sauerstoffversorgung des Gewebes, der Muskelspannung, der Geschwindigkeit, mit der die Nerven Reize weiterleiten, sowie bei der Bildung und Ausschüttung zahlreicher Botenstoffe oder von Immunzellen. Die Kryotherapie ist grundsätzlich für alle Menschen mit einem gesunden und stabilen Herz-Kreislauf-System geeignet. Patienten mit unbehandeltem Bluthochdruck, arteriellen oder venösen Durchblutungsstörungen (Thromboseneigung), einem Anfallsleiden oder einem Herzschrittmacher sollten sie nicht nutzen.
Telefon: 09131 85-33899
Ein großer Tank mit Flüssigstickstoff befindet sich direkt neb Kältekammer. Das Gas ist deutlich kälter als Trockeneis.
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Weitere Infos: www.medizin3.uk-erlangen.de/patienten/ physikalische-und-rehabilitative-medizin/cryosauna-ganzkoerperkaeltetherapie
E-Mail: med3-physther@uk-erlangen.de
DEMENZ Im Alter an Demenz zu erkranken, ist für viele Menschen beängstigend. Wer erste Anzeichen bemerkt, kann seine Symptome in der Gedächtnissprechstunde der Psychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen genau abklären lassen. Für demente Patienten bieten die Ärzte dann eigens entwickelte Therapien an.
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GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM JANUAR: GRAUER STAR
Mit dem Nanolaser gegen den Nebel Wenn sich im Alter ein grauer Schleier über die Linse legt, hilft nur eine Operation. Wird ein Eingriff nötig, ist die Operation mit Nanolaser und Femtosekundenlaser die neueste und sicherste Technik.
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ine Winterlandschaft im Nebel – schön und geheimnisvoll. Aber jeder freut sich, wenn der Schleier irgendwann verschwindet und Konturen und Farben wieder klar zu erkennen sind. Menschen mit einem grauen Star (Katarakt) sehen Dauernebel – egal, wie das Wetter ist. Zuerst bemerken die Betroffenen, dass ihre Augen vor allem beim Autofahren blendungsempfindlich sind, dass ihnen das Lesen schwerer fällt und sie neue Brillengläser brauchen. Wenn die Sehschärfe sinkt, sollte der graue Star operiert werden.
Häufigste Operation in der Medizin Etwa 600.000-mal pro Jahr wird der graue Star in Deutschland operiert. Weltweit ist die Kataraktoperation der häufigste chirurgische Eingriff überhaupt. „Die Ärzte unserer Klinik führen pro Jahr mehr als 4.000 solcher Eingriffe durch“, sagt Prof. Dr. Friedrich E. Kruse, Direktor der Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen. Eine Operation ist die einzige Möglichkeit, den grauen Star zu behandeln. „Jeder Patient wird vorab von uns gründlich untersucht und darüber aufgeklärt, wann der für ihn beste Zeitpunkt für eine OP ist und welches Verfahren sich für ihn eignet“, erklärt Prof. Kruse.
Beim grauen Star trübt sich die Augenlinse allmählich ein. Betroffene sehen zunehmend verschwommen. Die Diagnose stellt der Augenarzt mithilfe der Spaltlampe.
„Eine Laseroperation ist sehr exakt und kontrollierbar. Während beim herkömmlichen Absaugen per Ultraschall die empfindliche Hornhaut des Auges strapaziert werden kann, ist der Laser besonders schonend und das Auge erholt sich schnell. Der Halteapparat der Linse ist weniger Stress ausgesetzt und wir können die neue Kunstlinse noch exakter platzieren. Weil wir Einmalsonden verwenden, bekommt außerdem jeder Patient sein eigenes Operationsmaterial.“
Neue Linse – ein Leben lang Ist die getrübte Linse entfernt, setzt der Operateur eine neue klare Kunstlinse ein. Sie besteht aus einem Spezialkunststoff, der sich falten lässt. „So können wir die Linse durch eine weniger als zwei Millime-
ter kleine Öffnung ins Auge einführen“, sagt Prof. Kruse. Erst im Kapselsack entfaltet sich die Linse und wird dort sehr präzise implantiert. Nähen ist nicht nötig. Das Auge heilt innerhalb kurzer Zeit von selbst wieder ab. „Wenn die übrigen Strukturen des Auges in Ordnung sind, erzielen wir mit einer Kataraktoperation langfristig fast immer ein optimales Sehergebnis“, sagt der erfahrene Augenchirurg. Die neue Linse hält ein Leben lang. Welche Linsenart sich am besten eignet, erfahren die Patienten der Erlanger Augenklinik in einer Spezialsprechstunde. „Es gibt verschiedene Arten von Kunstlinsen, die beispielsweise eine Hornhautverkrümmung ausgleichen oder mit denen man auch im Nahbereich lesen kann“, erklärt Prof. Kruse, und ergänzt: „Die Korrektur einer Hornhautver-
DREI FRAGEN AN
krümmung ist heute aber auch mit dem Femtosekundenlaser möglich, sodass wir häufig gar keine Speziallinsen mehr verwenden müssen. Linsen mit Nahsicht werden häufig wegen erhöhter Blendempfindlichkeit und geringerem Kontrastsehen nicht vertragen.“ Speziallinsen werden ebenso wie die laserbasierte Operation des grauen Stars derzeit nur von einigen privaten Krankenversicherungen übernommen. „Da Laserverfahren jedoch erhebliche Vorteile für das Auge bieten, entscheiden sich viele Patienten für eine Zuzahlung“, sagt Prof. Kruse. „Die Operation mit Femto- und Nanolaser bieten wir grundsätzlich allen Patienten an und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgung von Menschen mit grauem Star.“ Franziska Männel
WIE FUNKTIONIERT DIE LASERCHIRURGIE?
Prof. Dr. Friedrich E. Kruse Direktor der Augenklinik des Uni-Klinikums Erlangen
Wann ist der richtige Zeitpunkt, um den grauen Star operieren zu lassen? Betroffene sollten nicht warten, bis der graue Star weit fortgeschritten und die Linse sehr trüb und verhärtet ist. Je früher die OP durchgeführt wird, desto problemloser und risikoärmer lässt sich die alte Linse ersetzen. Wir informieren Patienten gern über den für sie richtigen Zeitpunkt. Wie lange dauert der Eingriff und können beide Augen gleichzeitig operiert werden? Der Eingriff dauert in der Regel weniger als eine halbe Stunde pro Auge.
Sind beide Augen betroffen, werden sie im Abstand von etwa einem Monat nacheinander operiert.
Was ist nach der OP zu beachten und wann ist normales Sehen wieder möglich? Die Betreuung nach der Operation übernimmt der niedergelassene Augenarzt. Üblicherweise dauert es einige Wochen, bis eine neue Brille verschrieben werden kann und das Auge vollständig abgeheilt ist. An den neuen Seheindruck muss sich der Patient erst gewöhnen. Häufig bleibt das Auge auch für eine gewisse Zeit etwas trocken, sodass in diesem Fall ein Tränenersatzmittel verwendet werden sollte.
Foto: fotolia.com/YakobchukOlena
Der Femtosekundenlaser erzeugt eine perfekte kreisförmige Öffnung in der Linsenkapsel.
Die Nanolasersonde wird behutsam ins Auge eingeführt. Dann zieht die Sonde die Bruchstücke der Linse an, pulverisiert sie im Inneren und saugt sie wie ein Ministaubsauger ab.
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Dann „zerlegt“ der Femtosekundenlaser die trübe Linse vorsichtig in kleine Teile.
Mit einem sogenannten Shootersystem wird die Kunstlinse ins Auge eingeführt, wo sie sich entfaltet. Das Auge wird ohne Naht verschlossen.
In der Augenklinik des Uni-Klinikums Erlangen wurde im November 2017 die deutschlandweit erste komplette Laseroperation des grauen Stars durchgeführt.
Infografik: SPECTARIS „Photonik – Technische Anwendungen des Lichts – Infografiken“; www.photonik-infografiken.de
Der modernste Weg: Laserchirurgie Die Operation des grauen Stars wird in der Regel ambulant durchgeführt, eine örtliche Betäubung reicht für den Eingriff aus. Bislang haben die Erlanger Experten das Auge manuell mit einem Skalpell geöffnet und die trübe Linse mit einer Ultraschallsonde abgesaugt. Seit einiger Zeit kann die Operation aber auch mit einem Femtosekundenlaser durchgeführt werden: Ultrakurze Lichtimpulse, nur eine billiardstel Sekunde lang, durchtrennen dabei das Gewebe, ohne benachbarte Strukturen zu schädigen. „Der Femtosekundenlaser öffnet die Linsenkapsel mit größter Präzision und zerteilt die Linse bei noch geschlossenem Auge in kleine Würfel“, erläutert Prof. Kruse. Bei der anschließenden Entfernung der Linse hilft neuerdings ein zweites hochmodernes Instrument: der Nanolaser. Er zerkleinert die Linse und saugt sie ab, ohne dass Ultraschall verwendet werden muss. Im Vergleich zum konventionellen OP-Verfahren bietet die Laserchirurgie große Vorteile. Prof. Kruse:
Augenklinik des Uni-Klinikums Erlangen Telefon:Telefon: 09131 85-44452 E-Mail: augenklinik@uk-erlangen.de www.augenklinik.uk-erlangen.de Info & Kontakt: Augenklinik des Uni-Klinikums Erlangen 09131 85-44452 E-Mail: augenklinik@uk-erlangen.de www.augenklinik.uk-erlangen.de
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SONDERTHEMA
Weitere r f de Infos au messe its e h d n u Ges en „Frank al“ it v aktiv & 18 März 20 2. bis 4. rena Brose-A rg e b Bam
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM FEBRUAR: HÖRMINDERUNGEN
Wenn es im Leben plötzlich still wird Das Hörzentrum Nordbayern ist die erste Anlaufstelle für Hörminderungen in jedem Alter. In der bayernweit einzigartigen Einrichtung bieten verschiedene Experten gemeinsam ihre Hilfe an.
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adfahren war schon immer die Leidenschaft von Josef M. aus Hirschaid. Als dann aber die Ohren des Rentners nicht mehr so wollten, war das ein echtes Problem im Straßenverkehr. Der 65-Jährige fühlte sich zunehmend unsicher auf seinen Radtouren, die er so gern in der Fränkischen Schweiz unternahm. Und auch beim Zusammensitzen mit der Familie und mit Freunden verstand der Rentner immer weniger. Josef M. hatte das Gefühl, nur noch die Hälfte mitzubekommen. Er begann, sich ausgeschlossen zu fühlen. So wie Josef M. geht es vielen Menschen in Deutschland. Hörminderungen sind längst eine Volkskrankheit und treten in allen Altersklassen auf. Im Hörzentrum Nordbayern arbeiten 50 Mitarbeiter aus allen Fachbereichen von Medizin und Audiologie daran, das Hörvermögen der Patienten zu optimieren und ihnen so wieder ein Stück Lebensqualität zurückzugeben. In der bayernweit einzigartigen Einrichtung, angegliedert an die HalsNasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie des Universitätsklinikums Erlangen, sind sie in einem multiprofessionellen Team Hand in Hand im Einsatz.
Die richtige Therapie erfordert eine genaue Diagnostik Patienten bietet sich das gesamte diagnostische, konservativ-therapeutische und operative Spektrum der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und der KopfHalschirurgie unter einem Dach vereint. „Dabei bauen wir neben der umfassenden Expertise unserer Mitarbeiter auf modernste Geräte“, unterstreicht Prof. Dr. Dr. Ulrich Hoppe, Leiter des CochlearImplant-Centrums CICERO der HNO-Klinik des Uni-Klinikums Erlangen. Hörscreening, Medikamente, operative Eingriffe, Hörgeräte, Implantate: Die Möglichkeiten zur Verbesserung des Hörens sind umfassend. „Die Therapie eines Hörproblems richtet sich stets nach dessen Ursache und Ausmaß und muss an das jeweilige Lebensalter angepasst sein. Entsprechend vielfältig sind die Behandlungsmethoden“, hebt Prof. Hoppe hervor. Sie reichen von einer professionellen Reinigung des Gehörgangs bis hin zum Cochlea-Implantat – einer elektronischen Hörprothese, die die Funktion des beschädigten Innenohrs übernimmt.
„Wie bitte?“: Das Team um Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro (l.) und Prof. Dr. Dr. Ulrich Hoppe hilft umfassend und effektiv bei allen Hörproblemen jedes Alters.
Dank umfassender Hilfe wieder mitten im Leben „Die Wahl der richtigen Therapie erfordert jedoch eine genaue Diagnostik, viel Erfahrung und kann nur im Team optimal erfolgen“, betont Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro, Direktor der HNO-Klinik des Uni-Klinikums Erlangen. Gemeinsam mit Prof. Hoppe hat er deshalb das im November 2017 eröffnete Hörzentrum Nordbayern seit 2000 sukzessive aufgebaut. Orientiert am stets steigenden Bedarf: Rund 15 Millionen Menschen sind hierzulande inzwischen hörgeschädigt. Für Prof. Iro sind insbesondere die Interdisziplinarität und die gebündelte Kompetenz entscheidend: „Hier arbeiten Ärzte, Techniker, Logopäden
und Therapeuten gemeinsam daran, sinnvolle Wege in der Behandlung von Hörstörungen einzuleiten.“ Eine weitere Besonderheit: Im Hörzentrum Nordbayern besteht die Möglichkeit der umfassenden Kontrolle von Hörgeräten. „Nicht immer kommen die Betroffenen mit ihren Hörgeräten gut zurecht“, so Prof. Hoppe. „Manchmal sind sie nicht optimal auf den individuellen Hörverlust programmiert. In solchen Fällen können wir meist schnell Abhilfe schaffen.“ Josef M. hat bereits den Weg ins Hörzentrum Nordbayern gefunden. Seit er wieder besser hört, fühlt sich der Rentner auch wieder sicher auf seinem Rad. Und: Er kann bei Familienfeiern endlich wieder an der richtigen Stelle lachen. Michael Kniess
Foto: Uni-Klinikum Erlangen
„Die Therapie eines Hörproblems richtet sich stets nach dessen Ursache und Ausmaß und muss an das jeweilige Lebensalter angepasst sein.“ Prof. Dr. Dr. Ulrich Hoppe, Leiter des Cochlear-Implant-Centrums CICERO der HNO-Klinik des Uni-Klinikums Erlangen
DREI FRAGEN AN COCHLEA-IMPLANTATE
Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro Direktor der HNO-Klinik des Uni-Klinikums Erlangen
Bei stark eingeschränktem Hörvermögen oder völliger Gehörlosigkeit können Menschen durch Cochlea-Implantate (CI) wieder aktiver am Leben teilnehmen.
Der äußere Teil des Implantats enthält ein Mikrofon, einen Sprachprozessor, eine Spule und eine Batterie. Die feine Elektrode, die den Hörnerv stimuliert, wird in der Hörschnecke im Innenohr platziert (l.).
Weshalb ist es wichtig, eine Hörminderung rasch zu behandeln? Wer nicht gut hört, tut sich nicht nur schwer, Geräusche wahrzunehmen. Unter Schwerhörigkeit kann der ganze Körper leiden. Ein unbehandelter Hörverlust ist nicht selten der Auslöser für seelische Probleme, bis hin zur Depression. Die ständige Konzentration auf das Zuhören kann auch zu Verspannungen und Schmerzen führen. Neueste Studien belegen zudem, dass Schwerhörigkeit darüber hinaus eine Altersdemenz begünstigen kann. Ab welchem Alter kann das Hörvermögen überprüft werden? Grundsätzlich gilt: Je früher ein gestörtes Hörvermögen erkannt wird, desto früher kann mit einer effektiven Behandlung begonnen werden. In der Vergangenheit wurde eine Schwerhörigkeit bei Neugeborenen meist erst im Klein-
kindalter und oft durch Zufall entdeckt. Mit einem Hörscreening lassen sich heute Hörstörungen bereits zuverlässig im ersten Lebenshalbjahr erkennen und versorgen. Das ist absolut schmerzfrei und erfolgt anhand eines einfachen Hörtests in den ersten Tagen nach der Geburt. Angeborene Schwerhörigkeit kann bei den kleinen Patienten so meist gut behandelt werden.
Wie lässt sich einem Hörverlust vorbeugen? Lärm und Stress gilt es zu meiden, denn bereits ab einer Lautstärke von 85 Dezibel drohen Hörschäden. Dabei ist es umso gefährlicher, je plötzlicher das Ohr mit einem lauten Geräusch konfrontiert wird. Bestes Beispiel: Silvester. Hier kann ein lauter Böller fatale Folgen haben. Außerdem sollte man sich und seinen Ohren Pausen gönnen: hin und wieder auf Handy, Musik und Fernsehen verzichten und die Foto: Rainer Windhorst Ruhe genießen.
Fotos: Uni-Klinikum Erlangen
Info & Kontakt: Hörzentrum Nordbayern 09131 85-40434 E-Mail: info@hoerzentrum-nordbayern.de www.hoerzentrum-nordbayern.de Hörzentrum Nordbayern Telefon: Telefon: 09131 85-40434 E-Mail: info@hoerzentrum-nordbayern.de www.hoerzentrum-nordbayern.de
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SONDERTHEMA
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM MÄRZ: PSYCHOSOMATIK
Die Seele in Balance bringen Mit Gefühlen umgehen, gesund essen, sich Pausen gönnen, auf den Körper hören: Psychisch belastete Menschen müssen das behutsam wieder lernen. In den psychosomatischen Abteilungen am Uni-Klinikum Erlangen und in der Klinik Fränkische Schweiz bekommen sie Unterstützung.
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ssen statt fühlen, den Ärger einfach runterschlucken. Kopfschmerzen, die seit Wochen anhalten. Albträume und nachhallende Erinnerungen. Schwindel und Herzrasen, bei jeder Fahrt ins Büro: Viele Verhaltensweisen und körperliche Beschwerden haben seelische Ursachen. Betroffene leiden oft enorm, ohne zu wissen, was sie tun können, um ihr Leben zum Guten zu wenden. „Spätestens dann müssen diese Menschen versuchen, den Sinn der Erkrankung zu verstehen, und etwas verändern“, sagt Prof. Dr. (TR) Yesim Erim, Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen. Prof. Erim und ihr Team betrachten Krankheiten ganzheitlich – auf biologischer, psychologischer und sozialer Ebene. Dabei vereinen sie tiefenpsychologische und verhaltenstherapeutische Elemente. Ein Schwerpunkt der stationären Behandlung in Erlangen ist die Therapie von Essstörungen, genauer: die Behandlung von Magersucht, Bulimie und der Binge-Eating-Störung. Unterstützt von den Therapeuten suchen die Patienten nach Ursachen für ihr schädliches Verhalten und eignen sich wieder normale Essgewohnheiten an. Einzeltherapien gehören ebenso zum Behandlungskonzept wie Gruppenangebote, zum Beispiel gemeinsames Kochen und Essen, Entspannungsverfahren, Bewegungs- und Kunsttherapie.
Die Sprache des Körpers verstehen Auch für Menschen mit unklaren körperlichen Beschwerden ist die Erlanger Psychosomatik die erste Anlaufstelle. Herzprobleme, Durchfall, unklare Bauch-, Rücken- oder Kopfschmerzen und andere körperliche Leiden können Ausdruck von psychischen Belastungen sein. Für diese somatoformen Störungen wird oftmals keine organische Ursache gefunden. Eine Psychotherapie kann die Beschwerden aber lindern und sogar heilen – wenn der Patient lernt, die Sprache seines Körpers zu verstehen. Menschen, die schwere Unfälle erlebt, körperliche oder psychische Gewalt erfahren haben oder mit ansehen mussten, leiden oft unter Traumafolgestörungen. Die schrecklichen Szenen tauchen in Gedanken immer wieder auf und führen zu unterschiedlichen seelischen und körperlichen Reaktionen. Das Team um Prof. Erim ist auf Traumata spezialisiert und hilft Betroffenen in der Tagesklinik, die Vergangenheit zu bewältigen. Einen weiteren Bereich bilden arbeitsplatzbezogene Störungen. Die Expertin erläutert:
In der Therapie lernen die Patienten psychologische Grundlagen kennen und erfahren, wie sie ihre Gedanken und ihr Verhalten positiv beeinflussen. Die psychosomatische Tagesklinik in Erlangen ermöglicht es, Therapieerfahrungen direkt im Alltag zu erproben. Foto: Uni-Klinikum Erlangen
„Wenn es jemandem physisch nicht gut geht oder er chronisch erschöpft ist, wurde das unter Umständen von seiner Arbeitsumgebung ausgelöst. In einer ambulanten Gruppe lernen die Patienten, ihre persönlichen Stressauslöser zu erkennen und mit Stressbewältigungstechniken und Entspannungsverfahren gegenzusteuern – zum Beispiel mit Achtsamkeitstraining, Progressiver Muskelrelaxation nach Jacobsen und Autogenem Training.“
Bedarf in der Fränkischen Schweiz „Psychische Erkrankungen gut zu behandeln, ist eine der wichtigsten Aufgaben unseres Gesundheitssystems. Die Menschen haben einen enormen Bedarf“, betont Yesim Erim. Deshalb hat die Klinik Fränkische Schweiz in Ebermannstadt
in Kooperation mit dem Uni-Klinikum Erlangen im April 2017 eine neue Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie eröffnet, die ebenfalls von Prof. Erim geleitet wird. Wie in Erlangen profitieren die Patienten auch hier von Einzel- und Gruppenangeboten, Gesprächs-, Bewegungs- und Kunsttherapie und von weiteren therapeutischen Möglichkeiten. Gemeinsame Ausflüge, etwa Wanderungen in die Fränkische Schweiz, tragen dazu bei, die Seele wieder in Balance zu bringen. Besonderes Augenmerk richten die Ärzte und Therapeuten in Ebermannstadt auf ältere Menschen. Prof. Erim erläutert: „Senioren sehen sich mit dem Altern und dem Tod von Gleichaltrigen konfrontiert, was sie psychisch stark belasten kann. Darüber hinaus können sich bei Ehepaaren
Konflikte ergeben, wenn es darum geht, im Ruhestand sinnstiftende Ziele und Gemeinsamkeiten zu finden oder wiederzuentdecken.“ Die Expertin stellt sogar „typisch fränkische“ Sorgen fest: „Die Menschen hier gönnen sich kaum Ruhe und gehen auch über persönliche Grenzen hinaus.“ Falsches Leistungsdenken kann unter anderem zu arbeitsplatzbezogenen Störungen führen – auch diese werden in Ebermannstadt behandelt. Darüber hinaus sind hier Menschen mit traumatischen Erfahrungen an der richtigen Adresse sowie diejenigen, deren körperliche Symptome durch psychische Einflüsse schlimmer werden – etwa, wenn sich ein Bluthochdruck medikamentös nicht einstellen lässt. Die Behandlung in Ebermannstadt erfolgt ausschließlich stationär. Franziska Männel
DREI FRAGEN AN PATIENTENECHO
Prof. Dr. (TR) Yesim Erim Herr B.,
Frau M.,
Informatik-Ingenieur, 55 Jahre
Studentin, 25 Jahre
litt an einer arbeitsplatzbezogenen Störung
litt an Magersucht
„Ich konnte zu Hause nicht einmal mehr die Post an der Haustür abholen ohne ein extremes Überforderungsgefühl. Ich hatte schwere innere Unruhe und allergische Hautreaktionen. Ich kam mit gedrückter Stimmung in die Klinik. Am Anfang habe ich gedacht: Acht Wochen – was soll ich da alles machen? Im Rückblick hätte die Behandlung noch viel länger dauern können. Da wurden so viele spannende Inhalte vermittelt. Ich bin in der Behandlung viel weiter gekommen, als ich am Anfang gehofft habe."
„Man setzt sich hier mit den eigenen Schwächen, aber auch den eigenen Stärken auseinander. Ich habe viel über mich und meine Essstörung gelernt. Ich habe angefangen, selbstschädigendes Verhalten zu erkennen und mehr auf mich zu achten. Das Schöne ist, dass hier immer jemand für einen da ist. Es ist wie in einer Großfamilie, wo gemeinsam gegessen, geweint oder auch mal gestritten und sich wieder versöhnt wird. Hier habe ich einen geschützten Raum gefunden, wo ich an mir arbeiten und ein bisschen Kraft für die ‚reale Welt’ sammeln kann.“
Psychosomatik des des Uni-Klinikums Erlangen Psychosomatik Erlangen
Leiterin der Psychosomatik des Uni-Klinikums Erlangen und der Psychosomatik des Klinikums Fränkische Schweiz
Behandeln Sie alle psychischen Störungen? Ja, außer Psychosen, Demenz, Suchterkrankungen, bipolare und schwere Affekterkrankungen – die behandeln die Kollegen der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen.
Beim gemeinsamen Vorbereiten in der Therapieküche entwickeln Patienten wieder ein gesundes Verhältnis zum Kochen und zum Essen. Foto: Uni-Klinikum Erlangen
Telefon: Telefon: 09131 09131 85-34899 85-34899
Wie lange muss ich auf einen Therapieplatz warten? Unsere Hochschulambulanz in Erlangen ermöglicht einen ersten Termin innerhalb von zwei bis vier Wochen. Auch in Ebermannstadt
E-Mail: E-Mail: psychosomatik@uk-erlangen.de psychosomatik@uk-erlangen.de
sind die Wartezeiten kurz. In der Regel dauert es weitere drei bis vier Wochen, bis eine stationäre oder tagesklinische Aufnahme erfolgen kann.
Wie kann ich die Therapie mit meinem Alltag vereinbaren? Manchmal, z. B. wenn kleine Kinder versorgt werden müssen, ist die Tagesklinik eine Lösung: Montag bis Freitag von 8.00 bis 16.30 Uhr gibt es hier eine intensive psychotherapeutische Behandlung, abends sind die Betroffenen wieder zu Hause bei ihren Familien.
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SONDERTHEMA
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM APRIL: MULTIPLE SKLEROSE
Multiple Sklerose: der Weg nach vorn MS-Patienten können heute meist ein normales Leben führen. Eine präzise MRT-Bildgebung, neue Medikamente und ein stabiles medizinisches und soziales Netzwerk sind die besten Verbündeten gegen die chronische Krankheit.
M
ultiple Sklerose (MS) – die Krankheit der tausend Gesichter, und der tausend Vorurteile. Viele glauben, dass MS-Patienten zwangsläufig im Rollstuhl landen. „Dem ist aber nicht mehr so“, berichtigt PD Dr. Ralf Linker. Der stellvertretende Direktor der Neurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab) des Universitätsklinikums Erlangen präzisiert: „Neun von zehn Betroffenen können wir den Rollstuhl heute ersparen, wenn wir sie früh und korrekt behandeln.“ Die MS ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der eine chronische Entzündung vornehmlich Nervenfaserhüllen zerstört und zu Vernarbungen im Gehirn führt. Mithilfe der Kernspintomografie (MRT) lassen sich an verschiedenen Stellen (multiple) Entzündungsherde und Vernarbungen (Sklerose) im Nervengewebe darstellen. Frühsymptome sind oft Seh- oder Gefühlsstörungen. „Kribbelnde Finger am Morgen sind aber nicht immer gleich ein MS-Indiz“, beruhigt PD Linker. „Die Symptome müssen mindestens 24 Stunden lang durchgehend anhalten, um den Verdacht auf einen MS-Schub zu erhärten.“
Nicht heil-, aber beherrschbar Die MS ist bis heute nicht heilbar. „Vor 20 Jahren wurde einer jungen Frau die MS-Diagnose nach ihrem ersten Schub oft noch verschwiegen“, erinnert sich PD Linker. „Man wollte den Betroffenen den Schock ersparen.“ Mittlerweile wählen die Neurologen den Weg nach vorn: Sie informieren Patienten sofort und erstellen einen Behandlungsplan, der ihre Lebensqualität umso besser erhält, je früher die Therapie beginnt. „Innerhalb der vergangenen zehn Jahre haben wir ein unglaubliches Instrumentarium an Therapien entwickelt – passend für fast alle Stadien und Verläufe der MS“, sagt Ralf Linker. Die Behandlung umfasst drei Bereiche: die Therapie bei akuten Schüben – etwa mit hochdosierten Kortisonpräparaten; die immunprophylaktische Therapie, die beschwerdefreie Phasen verlängern und das Fortschreiten einer Behinderung aufhalten beziehungsweise ihr Auftreten verhindern soll; und die symptomatische Therapie, die bestehende Beschwerden wie Blasenstörungen oder chronische Müdigkeit lindert. Medikamente gibt es zum Beispiel in Spritzen- und Tablettenform. „Die neueste Generation sind zielgerichtete Eiweißabwehrstoffe,
Bis die Diagnose MS gestellt ist, vergehen im Schnitt mehr als drei Jahre. MS-Spezialisten wie PD Dr. Ralf Linker kennen die verschiedenen Gesichter der Krankheit und können sie früh von anderen neurologischen Symptomen abgrenzen. Foto: Uni-Klinikum Erlangen
sogenannte monoklonale Antikörper. Sie schalten zum Beispiel diejenigen Zellen des Immunsystems aus, die die Nervenfasern angreifen und schädigen. Wir verabreichen die Antikörper als Infusion und erforschen, wie wir sie in Zukunft noch besser darauf trimmen, keine unschuldigen Zellen anzugreifen“, erläutert Ralf Linker.
Präzise MRT-Bilder Zur Diagnostik und Verlaufskontrolle nutzen die MS-Experten der Neuroimmunologischen Ambulanz des Uni-Klinikums Erlangen, die u. a. mit den Kollegen der Neuroradiologischen Abteilung zusammenarbeiten, moderne Kernspintomografen – etwa ein hochpräzises 7-Tesla-MRT-Gerät. Es gibt eine neurologische Notaufnahme, spezialisierte
Pflegekräfte und Ärzte und viel Erfahrung mit den verschiedenen Ausprägungen der Krankheit. Tückisch sind die unsichtbaren Zeichen der MS, die neben den sichtbaren „weißen Flecken“ im MRT auftreten: chronische Müdigkeit, depressive Verstimmungen oder sexuelle Funktionsstörungen zum Beispiel. „Patienten landen damit oft zunächst bei Psychologen, Augenärzten, Orthopäden oder Heilpraktikern. Mit neurologischen Symptomen sollten sie aber tatsächlich unbedingt zum Neurologen gehen“, rät Ralf Linker. „MS-Patienten brauchen auf jeden Fall einen Facharzt, der sie an ihrem Wohnort betreut.“ Im Netzwerk aus niedergelassenen Medizinern, Patienten, Selbsthilfegruppen und Hochschulmedizin ist die Erlanger Neurologie ein zentraler Knotenpunkt in Nordbayern. Franziska Männel
Patienten-Infoabend im Juni Am Mittwoch, 13. Juni 2018, veranstaltet die Erlanger Neurologie einen PatientenInfoabend zur MS (17.00 Uhr, Hörsäle Medizin, Ulmenweg 18, 91054 Erlangen). Themen u. a.: neue Therapien, Ernährung, Blasen- und Darmstörungen und der achtsame Umgang mit der Krankheit. „Einer meiner Patienten ist mit seiner Frau in ein Kloster nach Frankreich gefahren“, berichtet PD Linker. „Beide leben jetzt eine Weile in einem französischen Dorf. Er hat die MS als Chance genommen, sich neue Ziele zu setzen und wieder bewusster zu leben.“ Geschichten wie diese gibt es beim Infoabend im Juni sicher mehrere zu hören.
PD Dr. Ralf Linker stellvertretender Direktor der Neurologischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen
Was sind Risikofaktoren für die MS? Die Krankheit betrifft zu Beginn meist Menschen zwischen 20 und 40 Jahren, Frauen doppelt so oft wie Männer. Die MS ist zu einem Drittel genetisch bedingt, zu zwei Dritteln von Umweltfaktoren abhängig. Unter anderem wirkt vermutlich Vitamin D schützend, eine salz- und fettreiche Ernährung hingegen negativ. Hierzu forschen wir intensiv.
Im Labor wird erforscht, wie die Multiple Sklerose entsteht. Dies ist bis heute nicht vollständig bekannt. Unter dem Mikroskop lassen sich in der feingeweblichen Darstellung krankhafte Veränderungen im Gehirn sichtbar machen.
Welche Untersuchungen sind nötig, um die Diagnose einer MS zu sichern? Die Diagnose ergibt sich aus der klinischen Untersuchung, den MRT-Bildern, einer Nervenwasseruntersuchung und den evozierten
Fotos: Uni-Klinikum Erlangen
Neurologische Klinik Klinik des des Uni-Klinikums Erlangen Neurologische Erlangen
Telefon: Telefon:09131 0913185-44555 85-44555
E-Mail: E-Mail:sabine.voelklein@uk-erlangen.de sabine.voelklein@uk-erlangen.de
Foto: Martin Stollberg
DREI FRAGEN AN
Potenzialen, mit denen wir die Leitfähigkeit von Nervenbahnen untersuchen. Auch die Erfahrung des Neurologen spielt eine große Rolle.
Müssen MS-Patienten ihre Träume aufgeben? Wir ermutigen Patienten, sich Ziele zu setzen, Hobbys, Beruf oder Berufswunsch nicht aufzugeben. Es freut mich, wenn wir Menschen bis zum Studienabschluss oder sogar bis zur Habilitation begleiten können. Wir unterstützen Patienten mit MS heute auch in ihrem Wunsch, eine Familie zu gründen. Neben der medizinischen Begleitung ist auch ein stabiles soziales Netzwerk sehr wichtig für MS-Patienten.
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GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM MAI: TRANSFUSIONSMEDIZIN
Blut – ein unersetzlicher Schatz Jeder hat es, jeder braucht es. Blut steht in der Erlanger Transfusionsmedizin nicht nur bei Operationen im Mittelpunkt, sondern ebenfalls bei Gerinnungsstörungen und in der Medikamentenherstellung.
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ährend sich Herzklappen heute durch kleine mechanische Wunder austauschen lassen und verlorene Arme und Beine gegen hochmoderne Prothesen, bleibt Blut immer noch unersetzlich und ist nicht künstlich herstellbar. Tatsächlich steigt der Bedarf an Blutkonserven erheblich – und das seit Jahren. Grund ist zum einen die moderne Hochleistungsmedizin. Noch nie wurde so viel operiert wie heute, da nun auch Eingriffe unter schwierigsten Bedingungen möglich sind. Ebenfalls steigt die Zahl der Krebsbehandlungen, wegen derer die Patienten auf Spenderblut angewiesen sind. Zum anderen hängt der steigende Blutbedarf mit dem demografischen Wandel zusammen: Die Gruppe der älteren Patienten wächst und damit auch die Zahl derer, die medizinisch versorgt werden müssen. Gleichzeitig gibt es weniger Menschen, die als Spender infrage kommen.
Multitalent Blut Diese Entwicklung haben besonders Krankenhäuser der Supramaximalversorgung im Blick – so wie das Universitätsklinikum Erlangen. Wer hier eine Bluttransfusion braucht, eine Blut- oder Gerinnungsanalyse, der ist bei den Mitarbeitern der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung in besten Händen. „Wir stellen sicher, dass immer genug Konserven vorrätig sind, organisieren die anspruchsvolle Lagerung und versorgen alle Patienten mit genau den Blutbestandteilen, die sie brauchen“, erklärt Prof. Dr. Holger Hackstein, Leiter der Erlanger Transfusionsmedizin. „Bei großen Operationen, etwa in der Herz- oder Tumorchirurgie sowie bei Chemo- oder Strahlenbehandlungen, werden große Mengen an Erythrozyten, also rote Blutkörperchen, benötigt. Thrombozyten brauchen vor allem Tumor- und Leukämiepatienten. Ihr Körper ist nicht mehr selbst in der Lage, diese Blutplättchen zu bilden. Blutplasma schließlich ist ein wichtiger Bestandteil in der Medikamentenherstellung.“ Rund 22.000 Erythrozytenkonzentrate benötigen die Patienten des Uni-Klinikums Erlangen pro Jahr und rund 5.500 Thrombozyteneinheiten. „Unentbehrlich bleibt daher unsere eigene Blutspendeeinrichtung“, betont Prof. Hackstein. „Alle Blutprodukte, die darüber hinaus gebraucht werden, kaufen wir von externen Spendediensten hinzu.“ Langfristig soll die Erlanger
Neben Vollblut, Thrombozyten und Plasma, können in der Erlanger Blutspende auch Stammzellen für den Eigenbedarf, etwa vor Chemotherapien, abgegeben werden. Foto: Uni-Klinikum Erlangen
Transfusionsmedizin aber unabhängiger werden – geplant ist eine vollkommen eigenständige Versorgung.
Blutspenden ist gesund Natürlich hilft jeder Blutspender anderen Menschen. Nicht zu vergessen sind jedoch die Vorteile für die eigene Gesundheit, wie Prof. Hackstein betont. „Studien zeigen, dass die regelmäßige Blutspende – ob Vollblut oder einzelne Bestandteile – den Blutdruck von Hypertoniepatienten senken kann. Gleichzeitig wird Cholesterin ausgeschwemmt und der Körper wird angeregt, neues Blut zu produzieren.“ Wer in Erlangen Blut spendet, profitiert außerdem von einem umfassenden und kostenlosen Gesundheitscheck, spart durch die Terminvergabe kostbare Zeit und kann sich über eine Aufwandsentschädigung freuen.
Gerinnungsstörung? Wir helfen! Ein ganz besonderes – weil seltenes – Angebot der Erlanger Transfusionsmedizin ist die Gerinnungsambulanz. Wer Hinweise auf eine mögliche Gerinnungsstörung zeigt, kann sich von seinem Hausarzt entweder an die Hochschulambulanz in Erlangen oder an die Außenstelle im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Eckental überweisen lassen. „Aus ganz Franken und sogar aus Südthüringen kommen die Patienten zu uns“, sagt der leitende Oberarzt Prof. Dr. Robert Zimmermann. „In rund zwei Drittel der Fälle suchen wir nach der Ursache einer vorhergegangenen Thrombose oder Lungenembolie. Vor allem, wenn der Betroffene jünger als 45 Jahre alt ist oder das Gerinnsel nicht in den Beinen auftrat, liegt der Verdacht nahe, dass ein
Ungleichgewicht bestimmter Gerinnungsfaktoren vorliegt“, erklärt Robert Zimmermann. „Außerdem helfen wir Patienten, die bei einem Eingriff unerwartet stark geblutet haben. Gibt es eine Blutungsneigung, die bisher nicht bekannt war? Das finden wir heraus.“ Auch Frauen, die mehrfache Fehlgeburten erlitten haben, können in der Gerinnungsambulanz Antworten finden. Die Experten untersuchen nicht nur das Blut der Patienten, sie berücksichtigen auch erbliche Vorbelastungen. Bei etwa jedem Zweiten finden die Transfusionsmediziner tatsächlich Störungen im Blutgerinnungssystem. „Konnten wir die Gerinnung als Ursache der Beschwerden ausschließen, beraten wir zu den nächsten diagnostischen Schritten“, sagt Prof. Zimmermann. Melanie Schmitz
DREI FRAGEN AN Blutgerinnung Rund 175.000 Gerinnungsanalysen führen Prof. Dr. Robert Zimmermann (Foto) und seine Kollegen jährlich durch. Bei Menschen mit einem gesunden Blutgerinnungssystem sind die Gerinnungsfaktoren im Gleichgewicht. Das heißt, das Blut gerinnt genau dann, wann es soll, etwa um Wunden zu verschließen. Gleichzeitig bleibt es flüssig genug, um Thrombosen zu vermeiden. Vor großen Operationen führen die Transfusionsmediziner immer eine Gerinnungsanalyse durch. Stellen sie fest, dass der Patient eine Blutungsneigung hat, müssen sie bestimmte Gerinnungsfaktoren als Konzentrat spritzen, um zu hohen Blutverlust zu verhindern.
Prof. Dr. Holger Hackstein Leiter der Transfusionsmedizin des Uni-Klinikums Erlangen
Wie viele Menschen benötigen eine Blutspende? Rund 80 Prozent aller Menschen braucht mindestens einmal im Leben eine Blutspende – ob aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls. Doch nur etwa zwei Prozent spenden selbst. Was macht die Gerinnungsambulanz so besonders? Unseren Spezialisten sind umfangreichere Blutuntersuchungen möglich als einem Hausarzt. Außerdem gibt es
neben unseren Sprechstunden am Uni-Klinikum Erlangen und im MVZ Eckental nur zwei weitere derartige Angebote in Nordbayern.
Wer kann die Gerinnungsambulanz aufsuchen? Jeder, der einen Verdacht auf eine Gerinnungsstörung hat. Patienten brauchen eine Überweisung ihres Haus- oder Facharztes und können sich über die Terminvergabe der Transfusionsmedizin anmelden. Nach der Diagnostik werden die Patienten in der Regel von ihrem Hausarzt weiterbetreut.
Foto: Uni-Klinikum Erlangen
Foto: Uni-Klinikum Erlangen
Transfusionsmedizin des Uni-Klinikums Erlangen mit Blutspendeeinrichtung und Gerinnungsambulanz Telefon: 09131 09131 85-36457 85-36457 Telefon:
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GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM JUNI: BLUTHOCHDRUCK
Bluthochdruck – die stumme Krankheit Anfangs geht er ohne spezifische Symptome einher und wird deshalb oft erst spät erkannt, doch unbehandelt kann Bluthochdruck die Blutgefäße und Organe massiv schädigen.
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chätzungsweise 30 Millionen Menschen hierzulande haben eines gemeinsam: Bluthochdruck. Arterielle Hypertonie zählt damit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. „Man spürt Bluthochdruck nicht und hat keine Schmerzen. Doch gerade das macht ihn so gefährlich“, weiß Prof. Dr. Roland Schmieder, Leiter der Klinischen Forschungsstation (CRC) für Hypertonie und Gefäßmedizin der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie am Universitätsklinikum Erlangen. „Viele Menschen ahnen gar nicht, dass ihr Blutdruck erhöht ist. Deshalb ist es wichtig, ihn regelmäßig vom Hausarzt überprüfen zu lassen. Werden Werte über 140/90 mmHg gemessen, liegt eine Hypertonie vor, die in jedem Fall behandelt werden sollte.“
Nierenfunktion prüfen Eine Vielzahl von Faktoren wirkt sich auf den Druck in den Adern aus: etwa genetische Anlagen, das Lebensalter und auch Umwelteinflüsse. Wer ständig negativem Stress ausgesetzt ist, übermäßig viel Kochsalz zu sich nimmt, übergewichtig ist oder sich nicht ausreichend bewegt, potenziert das Risiko für Bluthochdruck. Diese Form des Bluthochdrucks – die primäre oder essenzielle Hypertonie – betrifft etwa 95 Prozent der Patienten. Daneben unterscheiden Ärzte noch eine sekundäre Krankheitsform, bei der andere Erkrankungen Bluthochdruck hervorrufen. „Besonders oft ist hier die Niere der ‚Täter‘, etwa wenn das Gewebe oder die Gefäße des Organs krankhaft verändert sind“, so Roland Schmieder. „Die Niere ist zugleich aber auch ‚Opfer‘ zu hohen Blutdrucks und wird oft zusätzlich durch Diabetes und hohe Fettstoffwechselwerte geschädigt.“ Auch Erkrankungen der Nebennieren können den Blutdruck negativ beeinflussen. Kompetenzen bündeln Grundsätzliches Ziel der Behandlung ist es, das Risiko kardiovaskulär bedingter Erkrankungen zu minimieren. Auch wenn es gute Wege gibt, Bluthochdruck in den Griff zu bekommen, erreicht von den behandelten Hypertonikern nur knapp die Hälfte die Zielblutdruckwerte (< 140/90 mmHg). Einige Betroffene sind sogar resistent gegen gängige Methoden. „Im Uni-Klinikum Erlangen finden gerade diese Patienten Hilfe“, erklärt Prof. Schmieder. „Denn der in der Nephrologie angesiedelte Schwerpunkt Hypertonie ist interdiszipli-
Prof. Schmieder (l.) und seine Kollegen führen regelmäßig Schulungen für Patienten wie Eckhard Fuchs (r.) durch, bei denen sie unter anderem zeigen, wie man Blutdruck richtig misst.
när ausgerichtet. Die gesamte Therapie erfolgt durch ein Ärzteteam aus Nephrologen, Kardiologen, Neurologen und Radiologen. Wir klären nicht nur die Ursachen ab, sondern betrachten und behandeln auch die Konsequenzen für die Gefäße“, so der erfahrene Arzt weiter. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen ist deshalb wichtig, weil Bluthochdruck zu Erkrankungen der Herzkranzgefäße führen, Herzmuskelverdickung und Herzinsuffizienz hervorrufen kann, aber auch Wegbereiter von Schlaganfall und Demenz ist. Die Radiologie ist entscheidend bei der Diagnostik und bietet ein breites Spektrum an interventionellen Verfahren. Roland Schmieder betont: „In Erlangen haben wir für unsere Patienten Strukturen geschaffen, die im süddeutschen Raum einmalig sind.“
Druckausgleich durch Renale Denervation Neben der medikamentösen Therapie etabliert sich seit etwa 2008 die Renale Denervation als erfolgversprechende Behandlung. Prof. Schmieder und sein Ärzteteam führen immer wieder Studien zur Renalen Denervation durch, die sich nicht nur an schwer einstellbare Hypertoniker richten, sondern auch an Patienten mit leichtem Hypertonus. Bei dieser neuen Behandlungsmethode werden überaktive Nierennervenfasern („Stressnerven“) durch hochfrequente Radiowellen oder Ultraschall deaktiviert. Die Energie wird über einen Katheter abgegeben, der unter örtlicher Betäubung in eine Leistenarterie eingeführt und zur Nierenarterie
Foto: Luise Laufer/ Uni-Klinikum Erlangen
vorgeführt wird. Durch den minimalinvasiven Eingriff kann der Blutdruck durchschnittlich um 10 mmHg bei leichtem und 20 mmHg bei schwerem Hochdruck gesenkt werden. Der volle Effekt des Verfahrens, das bei 75 bis 80 Prozent der Patienten erfolgreich ist, tritt erst nach einigen Monaten auf. „Das Uni-Klinikum Erlangen ist deutschlandweit eine von wenigen Kliniken, die die Renale Denervation anbietet. Durch unsere klinische Forschung tragen wir entscheidend dazu bei, neue medikamentöse und minimalinvasive Therapien zu entwickeln, um Bluthochdruck noch besser und einfacher behandeln zu können“, so Roland Schmieder. Luise Laufer
DREI FRAGEN AN HERZZYKLUS: DIE AKTIONSPHASEN DES HERZENS
Prof. Dr. Roland Schmieder Leiter der Klinischen Forschungsstation (CRC) für Hypertonie und Gefäßmedizin der Medizin 4 des Uni-Klinikums Erlangen
SYSTOLE Zieht sich die linke Herzkammer zusammen, wird Blut durch die Hauptschlagader gepumpt.
Der dabei erreichte maximale Druck ist der obere oder systolische Blutdruckwert.
Herz füllt sich mit Blut
Herz wirft Blut aus
Blutmenge in den Gefäßen Messbarer Blutdruck in mmHg
Systole (oberer Wert)
130 120
DIASTOLE Der untere Wert des Blutdrucks in den Gefäßen ist die Diastole. Er entsteht, wenn sich die Herzkammern wieder weiten und Blut in das Herz strömt.
110 100
Diastole (unterer Wert)
BlutdruckAmplitude
Welche Symptome weisen auf Bluthochdruck hin? Zu hoher Druck in Venen und Arterien äußert sich oft nicht eindeutig. Da er bei vielen Patienten ab der zweiten Lebenshälfte auftritt, verbinden sie Kopfschmerzen, Schwindel, nachlassende Leistungsfähigkeit oder Schlafstörungen eher mit dem Alter oder mit anderen Erkrankungen. Frauen etwa denken häufig zunächst an Wechseljahresbeschwerden. Auch Schlafstörungen, Nervosität und Stimmungsschwankungen können Anzeichen von Hypertonie sein.
90 80 0
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Bewährt hat sich die medikamentöse Therapie mit Diuretika, ACE-Hemmern, Sartanen oder Kalziumantagonisten. In Verbindung mit
einer gesunden Lebensweise lassen sich primäre Hypertonien damit sehr gut behandeln. Bei der sekundären Form muss die auslösende Grunderkrankung therapiert werden. Noch junge Methoden wie die Renale Denervation senken ebenfalls den Blutdruck.
Für wen kommt die Renale Denervation infrage? Früher waren es Menschen mit therapierefraktärer arterieller Hypertonie, also solche Patienten, deren Blutdruck sich auch durch Mehrfachmedikation nicht senken lässt. Der Schwerpunkt hat sich aber verschoben. Patienten mit milder bis mäßiger Hypertonie, die weniger Tabletten einnehmen wollen, stehen im Fokus und können sich im Rahmen von Studien an uns wenden. Foto: Frank Nürnberger
Klinische Forschungsstation (CRC) für Hypertonie und Gefäßmedizin der Medizin 4 des Uni-Klinikums Erlangen Telefon: 09131 85-36207
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GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM JULI: ANEURYSMA
Gefährliche Schwachstelle im Inneren Ein Aneurysma – die Ausbuchtung einer Arterie – kann lebensbedrohlich sein, besonders wenn die Aussackung in der großen Bauchschlagader entsteht. Die Gefäßchirurgen des Uni-Klinikums Erlangen überbrücken Bauchaortenaneurysmen mit künstlichen Gefäßstücken oder stabilisieren die Schwachstellen mit Stentprothesen.
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on 1.000 Männern trifft es 20: ein Aneurysma – eine gefährliche Ausbuchtung der Hauptschlagader (Aorta). Meistens entsteht das Aortenaneurysma im Bauchraum – dort, wo die mechanischen Kräfte des Blutstroms am stärksten wirken. Zunächst macht ein Aneurysma keine Probleme. Doch im schlimmsten Fall kann die Bauchschlagader genau an dieser Stelle reißen. Das bedeutet Lebensgefahr für den Betroffenen: Innerhalb von Sekunden oder Minuten kann er innerlich verbluten.
Männer ab 65 gefährdet „Um diesem Ernstfall vorzubeugen, sollten Risikopatienten früh und regelmäßig mittels Ultraschall untersucht werden. Dieses Screening wird seit Anfang 2018 von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt“, sagt Prof. Dr. Werner Lang, Leiter der Gefäßchirurgischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen. Besonders gefährdet: Männer ab 65 Jahren. Das hohe Lebensalter – gepaart mit Rauchen, Bluthochdruck, hohen Blutfettwerten, Arteriosklerose oder Aneurysma-Fällen in der Familie – macht es wahrscheinlicher, dass die Hauptschlagader schwächer und instabiler wird, sich aufwölbt oder sogar reißt. „Manche Aneurysmen wachsen, andere nicht“, erklärt Prof. Lang. „Wichtig ist, auffällige Blutgefäße regelmäßig zu kontrollieren.“ Außerdem können Aneurysmen Embolien, also Gefäßverschlüsse hervorrufen, weil das Blut nicht mehr gleichmäßig fließt und sich Blutgerinnsel an der Gefäßwand der Hauptschlagader ablagern. Lebensrettende OP Eine gesunde Bauchaorta hat einen Durchmesser von weniger als drei Zentimetern. Hat sich ein Aneurysma gebildet, das 5,5 Zentimeter oder mehr misst, ist das Risiko eines Risses relativ hoch: Bei drei bis sechs von einhundert Männern platzt die Bauchschlagader dann innerhalb eines Jahres. „Bei diesen Patienten denken wir rechtzeitig an eine gefäßchirurgische Operation. Es ist ein großer Eingriff – doch er kann Leben retten“, sagt Werner Lang. „Wir operieren aber nur dann, wenn der Nutzen für den Patienten größer ist als sein jeweiliges OP-Risiko.“ Für einen Eingriff sprechen verschiedene Faktoren, u. a. eine gefährliche Größe des Aneurysmas, ein schnelles Wachstum der Aussackung, Bauch- oder Rückenschmerzen oder
Prof. Dr. Werner Lang untersucht die Bauchaorta eines Patienten mittels Ultraschall.
ein pulsierendes Gefühl im Bauch. Bei bestimmten Aneurysmen kann der Arzt die Bauchschlagader von innen mit einer Stentprothese „schienen“: Über einen Katheter schiebt der Gefäßchirurg sie durch die Leiste bis zum Aneurysma vor. Dort platziert er die Prothese und kontrolliert ihre Lage permanent mithilfe eines Röntgengerätes. Diese komplikationsärmere OPVariante nennt sich endovaskulär und wird von den Erlanger Gefäßchirurgen am häufigsten angewendet.
Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen
Aber auch mit Bauchschnitten haben die Operateure des Uni-Klinikums Erlangen viel Erfahrung: Über den offenen Zugang führt der Arzt ein Gefäßstück aus Kunststoff in den Bauchraum und näht es in den instabilen Abschnitt der Bauchaorta ein. Ob eine Operation infrage kommt und – wenn ja – welche, dazu beraten die Gefäßspezialisten des Uni-Klinikums Erlangen gern in ihrer Gefäßchirurgischen Sprechstunde. Franziska Männel
„Wir operieren nur dann, wenn der Nutzen für den Patienten größer ist als sein jeweiliges OP-Risiko.“ Prof. Dr. Werner Lang, Leiter der Gefäßchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen
DREI FRAGEN AN OP-VERFAHREN BEI BAUCHAORTENANEURYSMEN
Prof. Dr. Werner Lang ENDOVASKULÄR mit Stentprothese
Leiter der Gefäßchirurgischen Abteilung
OFFEN mit künstlichem Gefäßstück
des Uni-Klinikums Erlangen
Bauchschlagader
Bauchschlagader Blutstrom durch Stentprothese
Aneurysma
entfaltete Stentprothese
Blutstrom durch Gefäßprothese
Während das Herz rhythmisch Blut in die Gefäße des Körpers pumpt, entstehen Pulswellen. Der Aufprall dieser Wellen ist in der Bauchschlagader besonders stark – ein Grund dafür, warum die Aorta dort mit den Jahren instabiler wird und Ausstülpungen bildet. Die Operation des Aneurysmas kann minimalinvasiv (endo-
vaskulär) oder über einen Bauchschnitt erfolgen. Die endovaskuläre OP ist schonender – langfristig sind die Überlebenschancen aber bei beiden Verfahren gleich groß. Welcher Eingriff am besten geeignet ist, hängt u. a. vom Alter und vom Gesundheitszustand des Patienten sowie von der Beschaffenheit seiner Gefäße ab.
Aneurysma Katheter mit Stentprothese
Wer macht das Bauchaortenscreening? Zunächst sind die Hausärzte die richtigen Ansprechpartner, da viele die Vorsorgeuntersuchung selbst durchführen. Wird ein Aneurysma festgestellt, übernehmen die Gefäßchirurgen des Uni-Klinikums Erlangen gern die weitere Beratung und Behandlung.
Gefäßprothese
Gefäßchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen
Telefon: 09131 85-32968
Quelle: IQWiG
Beckenarterie
Kann sich ein Aneurysma von selbst wieder auflösen? Derzeit gibt es keine Medikamente oder nicht-medikamentöse Methoden, die ein Aneurysma dazu bringen könnten, sich zurückzubilden.
E-Mail: gefaesschirurgie-sekr@uk-erlangen.de
Wie sieht das Leben nach einer OP aus? Nach einer offenen OP bleibt der Patient acht bis zehn Tage im Krankenhaus, dann folgen zwei bis drei Wochen Reha. Danach sind alltägliche Dinge schon wieder möglich, Sport treiben und schwere Lasten heben darf der Patient aber erst etwas später. Nach einem endovaskulären, also minimalinvasiven Eingriff bleibt der Operierte nur wenige Tage auf Station und ist schneller wieder einsatzbereit. Nach der OP wichtig: die körperliche Aktivität langsam steigern, nicht rauchen, sich gesund ernähren und regelmäßig zur Kontrolle kommen. Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen
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GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM AUGUST: KRYOTHERAPIE
Kalt und schmerzlos Keinen Frostschock, sondern eine angenehme Schmerzlinderung erleben Patienten in einer medizinischen Kältekammer mit extremen Minustemperaturen. Eine innovative Therapie am Uni-Klinikum Erlangen, die sich vor allem bei Rheuma, chronischen Schmerzen und Hauterkrankungen positiv auswirken kann.
D
ie Idee ist nicht neu: Kälte wird seit Jahrtausenden therapeutisch genutzt, etwa beim Kaltwasser-Treten in der Kneipp-Kur oder bei Kühlpads, die auf Schwellungen gelegt werden. In Japan entwickelte der Rheumatologe Toshiro Yamauchi 1980 als Erster die Idee einer Ganzkörperbehandlung mit extremer Kälte von bis zu −175 Grad Celsius gegen rheumatoide Arthritis. Ende der 1980er-Jahre entstand die erste europäische Kältekammer mit Temperaturen von bis zu −110 Grad Celsius in einer deutschen Klinik. Diese extremen Minusgrade erreicht auch die sogenannte Kryosauna, die der Bereich Physikalische und Rehabilitative Medizin der Medizinische Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. med. univ. Georg Schett) des Uni-Klinikums Erlangen seit April dieses Jahres in der ambulanten Behandlung anbietet. Bis zu −130 Grad Celsius geben die Innenwände der Ganzkörperkabine ab. „Die Kryosauna ist eine platzsparende Weiterentwicklung der ursprünglichen Kältekammern, die aus mehreren Räumen bestanden“, erläutert Oberarzt Dr. Christoph Bleh. „Sie ist erst seit zwei Jahren für die medizinische Therapie zugelassen.“
Kopf raus, Hände hoch! Patienten betreten die Ganzkörperkabine in Unterwäsche und mit Schuhen durch eine Flügeltür mit Magnetverschluss. Sobald die Tür geschlossen ist, wird die bewegliche Bodenplatte hochgefahren, sodass sich der Kopf des Patienten außerhalb der Kabine befindet. „Dadurch hat man während der Behandlung Blickkontakt mit dem Therapeuten, kann sich mit ihm unterhalten und muss die eiskalte Luft nicht einatmen“, erläutert Physiotherapeutin Svenja Schmeißer. Auf Knopfdruck leitet sie für maximal drei Minuten den Dampf von flüssigem Stickstoff in die Kabine. Ein wahrhaft futuristischer Anblick, wie der Körper des Patienten in der Kabine von dem wabernden weißen Dampf umnebelt wird, während sein Kopf oben deutlich herausragt. Auf die starken Minus-
Der „Saunagang“ bei −130 Grad dauert nur drei Minuten. In dieser Zeit hält Horst Stapf seine Hände nach oben, um sie vor den Extremtemperaturen zu schützen. Insgesamt ist die trockene Kälte gut auszuhalten. Physiotherapeutin Svenja Schmeißer lässt ihren Patienten rechtzeitig wieder aus der Kältekammer.
grade in der Kältekammer sprechen die Rezeptoren der Haut sofort stark an. Dennoch bleibt die Kerntemperatur des Körpers fast erhalten. „Durch die Kürze der Behandlung wird nur die Hautoberfläche massiv gekühlt. Deshalb gibt es außer Hautrötungen auch so gut wie keine Nebenwirkungen“, erläutert Dr. Bleh.
Gegen Entzündungen Die ursprünglich vor allem für Rheumaerkrankungen entwickelte Kältetherapie wirkt auch bei ähnlichen Autoimmunerkrankungen, die chronisch-entzündliche Prozesse im Körper auslösen. „Wir wenden sie zum Beispiel auch bei Menschen an, die unter Schuppenflechte,
Morbus Crohn oder Multipler Sklerose leiden. Durch die Kältetherapie fallen die Entzündungsstoffe dieser Autoimmunerkrankungen im Blut deutlich ab. Wir wissen noch nicht genau, wie die Kälte das macht, aber es ist messbar und belegbar“, sagt Dr. Bleh. „Bislang gibt es leider nur sehr wenige aussagekräftige Studien zur positiven Wirkung der Kältetherapie“, bedauert der Oberarzt. „Deshalb wird die Behandlung trotz zahlreicher positiver Erfolge auch nicht von den Krankenkassen gezahlt, sondern muss von den Patienten selbst finanziert werden.“ Dies ist auch der Grund dafür, dass das Angebot an ambulanten Kältekammern für Patienten eher dünn ist. Die Kryosauna des Uni-Klinikums
Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen
Erlangen ist die einzige in Franken – weitere finden sich erst wieder in Ober- und Niederbayern. „Viele Patienten freuen sich darüber, für ihre Kältetherapie jetzt nicht mehr so weit fahren zu müssen“, berichtet Svenja Schmeißer, die bislang von den Anwendern in Erlangen ausschließlich positive Resonanzen erhalten hat. Auch ihr Patient Horst Stapf ist von der Wirkung der Kryosauna überzeugt: „Mein Hausarzt hat mich im Mai darauf aufmerksam gemacht, und seither nutze ich sie zweimal pro Woche. Ich habe Rheuma und liege wegen der starken Schmerzen nachts oft wach. Durch die Kältetherapie kann ich wieder besser schlafen.“ KeB
DREI FRAGEN AN KÄLTE ALS THERAPIE
Oberarzt und ärztlicher Leiter der Rehabilitativen Medizin der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie des Uni-Klinikums Erlangen Wie oft muss ich die Kältekammer für eine spürbare Verbesserung chronischer Erkrankungen nutzen? Empfohlen werden zu Beginn 10 bis 20 Anwendungen – und zwar dicht aufeinanderfolgend, zum Beispiel ein- bis zweimal pro Woche. In der Regel sind mindestens 20 Anwendungen nötig, bis die entzündungsaktiven Botenstoffe dauerhaft verändert und reduziert werden. Kann ich während der Kältetherapie meine Medikamente absetzen? Nein, es ist eine zusätzliche Therapie, man sollte aber parallel zur Kältetherapie die lau-
fende Behandlung fortführen und die Basismedikamente weiterhin nehmen. Manche Menschen können durch die Kältetherapie ihre Medikamente reduzieren – auch das ist schon ein Erfolg.
Was kostet eine Behandlung und wo kann ich Termine vereinbaren? Eine Behandlung in der Kryosauna kostet 40 Euro. Langzeitnutzer erhalten beim Kauf von 10er- oder 20er-Karten eine Ermäßigung von 10 bzw. 15 Prozent. Vor Beginn der ersten Behandlung führen wir mit jedem Patienten ein persönliches Erstgespräch. Termine erhalten Interessenten per Telefon oder E-Mail (s. u.).
Medizin 3 des Uni-Klinikums Erlangen
Medizin 3 des Uni-Klinikums Erlangen
Die Kryotherapie („krýos“: griechisch für „Kälte“) hat sich vor allem bei der Behandlung akuter und chronischer Schmerzen der Muskeln und Knochen bewährt. Die kurzzeitige, hochdosierte Reduktion der Hauttemperatur bewirkt Veränderungen des Blutdrucks, der Gefäße, der Durchblutung, der Sauerstoffversorgung des Gewebes, der Muskelspannung, der Geschwindigkeit, mit der die Nerven Reize weiterleiten, sowie bei der Bildung und Ausschüttung zahlreicher Botenstoffe oder von Immunzellen. Die Kryotherapie ist grundsätzlich für alle Menschen mit einem gesunden und stabilen Herz-Kreislauf-System geeignet. Patienten mit unbehandeltem Bluthochdruck, arteriellen oder venösen Durchblutungsstörungen (Thromboseneigung), einem Anfallsleiden oder einem Herzschrittmacher sollten sie nicht nutzen.
Telefon: 09131 85-33899 Telefon: 09131 85-33899
Ein großer Tank mit Flüssigstickstoff befindet sich direkt neben der Kältekammer. Das Gas ist deutlich kälter als Trockeneis.
Weitere Infos: www.medizin3.uk-erlangen.de/patienten/ physikalische-und-rehabilitative-medizin/cryosauna-ganzkoerperkaeltetherapie/
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Fotos: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen
Dr. Christoph Bleh
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SONDERTHEMA
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM SEPTEMBER: DEPRESSIONEN
Raus aus der inneren Leere Depression – das ist keine Frage des Zusammenreißens. Depressionen müssen ernst genommen und umfassend behandelt werden – dann ist die Chance auf Heilung hoch. In der Psychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen profitieren Patienten von zahlreichen Therapieangeboten und eng angegliederter Forschung.
I
m Dunkeln zur Arbeit kommen und im Dunkeln wieder gehen, da wird man ja depressiv“, klagen viele in den Herbst- und Wintermonaten. Doch natürlich hat die abgeschlagene Stimmung, wenn das Tageslicht knapper und die Temperaturen eisiger werden, nichts mit einer tatsächlichen Depression zu tun. Es gilt zu unterscheiden: Depressive sind nicht einfach nur traurig, müssen sich „am Riemen reißen“ oder „mal lachen“. Sie leiden an der häufigsten Form affektiver Störungen – einer Gruppe psychischer Erkrankungen, die das Gemüt der Patienten krankhaft verändern. „Letztlich ist das gesamte Leben von der Erkrankung betroffen“, erklärt Prof. Dr. Johannes Kornhuber, Direktor der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. „Durch eine allumfassende Hoffnungslosigkeit entsteht schnell ein Teufelskreis, aus dem Depressive nur mit professioneller Hilfe wieder herausfinden.“
Multimodale Therapie Diese Hilfe finden Betroffene zum Beispiel in der Psychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen. „Wir zeichnen uns durch langjährige Erfahrung mit allen Formen und Schweregraden der Depression aus“, sagt Klinikdirektor Prof. Kornhuber und betont: „Die unmittelbare Nähe zur Forschung ist unser großes Plus für die Patienten. Neueste Studienergebnisse etwa fließen direkt in die Behandlung ein und wir bieten regelmäßig die Teilnahme an klinischen Studien an, die eventuell schneller und besser helfen als etablierte Therapien.“ Die Behandlungsmöglichkeiten der Erlanger Experten sind vielfältig: „Wir setzen auf die multimodale Therapie, in der wir die klassischen Therapiesäulen aus Psychotherapie und Medikation mit zusätzlichen Bausteinen kombinieren“, erklärt Prof. Kornhuber. „Das können Sport- und Kunstprogramme sein, aber auch die Lichttherapie. Hervorzuheben ist auch unsere Studie ‚Klettern und Stimmung‘, in der Patienten durch das Bouldern ganz gezielt Kraft und Selbstvertrauen aufbauen. Die Ergebnisse sind so positiv, dass aktuell bereits die dritte Projektrunde läuft.“ Wenn nichts mehr hilft Mit einer Depression werden Betroffene nicht allein fertig. Doch ist der Schritt zur ärztlichen Hilfe einmal gemacht, stehen die Chancen auf deutliche Besserung sehr gut – egal in welchem Alter. „Die Behandlung
Viele beschreiben ihre Depression als alles betäubenden Nebel, der keine Freude oder Farben durchlässt. So bringen Betroffene oft nicht mehr die Kraft auf, ihren Alltag zu führen, Freunde zu treffen oder nur das Bett zu verlassen. Für Angehörige schwer: Die innere Verzweiflung muss von außen nicht einmal sichtbar sein. Foto: fotolia.com/Africa Studio
richtet sich nach dem Schweregrad der Depression“, berichtet Prof. Kornhuber. „Wer an einer leichten depressiven Episode leidet, dem helfen meist schon ambulante Angebote. Eine umfassende stationäre Betreuung ist vor allem bei höheren Schweregraden nötig und sinnvoll.“ Stellt sich heraus, dass die konventionelle Therapie keine ausreichende Besserung bringt, können die Patienten weitere Schritte gehen: Das jahrelange Fachwissen auf dem Gebiet der Hirnstimulationsverfahren ist am Uni-Klinikum Erlangen in der „Stimulationseinheit Mittelfranken“ gebündelt. In der Erlanger Psychiatrie
wurde die Elektrokonvulsionstherapie deutschlandweit erstmalig eingesetzt, dadurch liegt eine besonders lange Erfahrung mit dieser Behandlung vor. Zusätzlich wird die repetitive transkranielle Magnetstimulation und die Vagusnervstimulation angeboten. „Gerade bei schweren Depressionen erzielen wir mit diesen Verfahren sehr gute Ergebnisse“, berichtet der Klinikdirektor.
Auf sich Acht geben Auch nach der Therapie gilt es, gut auf sich zu achten und erneute Auslöser zu vermeiden. „Stressoren“
nennen Psychotherapeuten diese Belastungen. „Oft sind Depressionen genetisch angelegt und schlummern so lange, bis sie durch ein Ereignis ausgelöst werden – mal ganz plötzlich, mal über einen längeren Zeitraum hinweg. Das kann extremer Stress sein, Drucksituationen oder traumatische Erlebnisse“, sagt Prof. Kornhuber und unterstreicht: „Die Ursachen für die Depression mögen vielfältig sein, aber zum Glück auch unsere Möglichkeiten, gegen die Erkrankung vorzugehen.“ Melanie Schmitz
DREI FRAGEN AN LIEGT EINE DEPRESSION VOR?
Prof. Dr. Johannes Kornhuber Direktor der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik
Pro Symptom ein Punkt
ZUSATZSYMPTOME verminderte Konzentration, mangelndes Selbstwertgefühl/-vertrauen, Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit, pessimistische Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken, Schlafstörungen, Appetitverminderung
Die Kriterien der ICD-10 helfen abzuschätzen, ob jemand an einer depressiven Episode leidet und welcher Schweregrad vorliegt. Ein Beispiel: Eine leichte Depression liegt vor, wenn der Betroffene zwei der drei Hauptsymptome und zwei der sieben Zusatzsymptome zeigt.
2 + 2
2 + 3–4
des Uni-Klinikums Erlangen
3 + >4
Was können Angehörige tun? Vor allem sollten Angehörige geduldig und unterstützend sein, jedoch keinen Druck auf den Erkrankten ausüben. Ziehen Sie einen Arzt zu Rate und machen dem Betroffenen deutlich, dass Sie für ihn da sind. Aber denken Sie auch an sich selbst! Angehörige befinden sich ebenfalls in einer belastenden Situation und dürfen ihre eigenen Grenzen nicht aus den Augen verlieren.
SYMPTOME > 2 WOCHEN
leichte
Psychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen
mittelgradige
schwere
DEPRESSIVE EPISODE Quelle: IQWiG
HAUPTSYMPTOME depressive Stimmung, Verlust von Interesse/Freude, Antriebsmangel
Telefon:09131 85-34597
Wie häufig sind Depressionen? Etwa jeder Zehnte erlebt im Laufe seines Lebens einmal eine depressive Episode. Frauen
E-Mail: direktion-psych@uk-erlangen.de
sind häufiger betroffen als Männer. Wichtig ist, sich frühzeitig Hilfe zu suchen. Dauern die Symptome länger als zwei Wochen an, sollten Betroffene nicht zögern, ihren Hausarzt darauf anzusprechen.
Wohin geht die aktuelle Forschung? Zum einen versuchen wir, die Depression besser zu verstehen – etwa worin sie sich bei Frauen und Männern unterscheidet. Zum anderen wollen wir schneller und effektiver wirkende Medikamente entwickeln. Für diese beiden und noch weitere Ansätze gibt es am Uni-Klinikum Erlangen aktuelle klinische Studien. Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen
www.psychiatrie.uk-erlangen.de
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SONDERTHEMA
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM OKTOBER: ADIPOSITAS
Adipositas – von Null auf weit über 100 Babys mit Speckröllchen sind niedlich. Meist verwachsen sich Pausbäckchen mit dem Alter auch. Doch manche Menschen begleitet Übergewicht und Fettleibigkeit von Kindesbeinen an – mit schwerwiegenden Folgen für ihre Gesundheit.
I
ss doch einfach weniger und treibe ein bisschen Sport“ – wer übergewichtig ist, bekommt solche gutgemeinten Ratschläge oft zu hören. Sie umzusetzen, ist aber gerade für adipöse Menschen schwierig, denn sie stecken häufig in einem Teufelskreis. „Der Hunger-Sättigungs-Mechanismus ist außer Kontrolle geraten und die eigene Körperfülle schränkt jede Bewegung ein“, verdeutlicht Moustafa Elshafei, Chirurg und Koordinator des Adipositaszentrums des Uni-Klinikums Erlangen. „Zusätzlich können psychosomatische und weitere gesundheitliche Probleme das Abnehmen erschweren. Ohne professionelle Hilfe durch Ernährungs- und Sportmediziner, Chirurgen und Psychologen ist der Kampf gegen die Kilos dann aussichtslos. Bei uns im Adipositaszentrum werden stark übergewichtige Menschen deshalb aus allen medizinischen Blickwinkeln betrachtet und ganzheitlich behandelt.“
Wegweisende Spezialsprechstunde Eine Adipositas liegt vor, wenn der Body-Mass-Index (BMI) einen Wert von 30 kg/m² übersteigt. Dafür ist meist eine Kombination aus einer ungünstigen genetischen Veranlagung und einem ungesunden Lebensstil verantwortlich. Auch andere Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion können krankhaftes Übergewicht begünstigen. „In unserer Adipositassprechstunde klären wir mit dem Patienten die Ursachen für sein Übergewicht genau ab“, sagt Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Sprecherin des Adipositaszentrums und Leiterin des Hector-Centers für Ernährung, Bewegung und Sport des Uni-Klinikums Erlangen. „Neben dem äußeren Erscheinungsbild betrachten wir typische Beschwerden, analysieren die Essgewohnheiten, die körperliche Aktivität und die Fettverteilung.“ Das Team aus Ernährungsund Sportmedizinern, Allgemein- und Plastischen Chirurgen, Internisten, Endokrinologen, Gynäkologen, Dermatologen, Fachärzten für Psychosomatik und Psychotherapie sowie Physiotherapeuten erstellt nach der ausführlichen Anamnese einen individuellen Behandlungsplan. Diese enge Zusammenarbeit der unterschiedlichen Fachärzte in einem Adipositasboard ist in Süddeutschland einmalig. Studien verbessern Therapien deutlich Die Experten des Hector-Centers entwerfen für jeden
Foto: Luise Laufer/Uni-Klinikum Erlangen
und Bewegungskonzept, das auf aktuellen klinischen und experimentellen Studien basiert und durch diese lich: Wer jahrelang kaum aktiv war, muss langsam wieder an Bewegung und Sport herangeführt werden. Die Leistungsfähigkeit wird daher zunächst mittels Spiroergometrie bestimmt – ein Verfahren, bei dem die körperliche Belastung stufenweise gesteigert wird, bei zeitgleicher Messung der Atemgase. Dr. Dejan Reljic, sportwissenschaftlicher Leiter des Hector-Centers, betont: „Die Leistungstests und auch die Trainingseinheiten erfolgen unter strenger ärztlicher Kontrolle. Im
Notfall ist die Versorgung deshalb bestens gesichert. Ein externes Fitnesscenter kann das bei Weitem nicht bieten. Außerdem trainieren Übergewichtige bei uns unter sich.“ Mit der sportlichen Komponente eng verzahnt ist eine dauerhafte Ernährungsumstellung. Der Ernährungsplan sieht eine ausgewogene Kost mit reduzierter Kalorienzufuhr vor.
Gewicht nicht allein durch eine Ernährungsumstellung und Sport normalisieren können. „In unserem interdisziplinären Adipositasboard besprechen wir daher auch, welchen Patienten wir mithilfe der bariatrischen Chirurgie helfen können“, erklärt Moustafa Elshafei. „Um Adipositas dauerhaft in den
Letzte Rettung: Magen-OP In den meisten Fällen genügt eine ambulante Behandlung mit Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapien. Es gibt aber Patienten, die ihr
schritte aufeinander abgestimmt sein – nur eine Komponente allein zu betrachten, bringt dem Patienten bestenfalls einen kurzzeitigen Gewichtsverlust.“ Luise Laufer
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DREI FRAGEN AN EXPERTENRAT
Moustafa Elshafei Wie gefährlich krankhaftes
Chirurg und Koordinator des Adipositaszentrums des Uni-Klinikums Erlangen
Übergewicht ist, welche Ursachen, Folgen und weiteren Therapien es neben einer Magen-OP im Einzelnen gibt, erklären die Experten des Universitätsklinikums Erlangen
Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
Informationsabenden.
Nächster Adipositasinfoabend für Betroffene und Angehörige Dienstag, 27. November 2018 18.45 bis ca. 20.15 Uhr Anmeldung und Infos unter Telefon 09131 85-35879
Hoch konzentriert verkleinert Moustafa Elshafei operativ einen Magen. Jährlich nehmen er und seine Kollegen am Uni-Klinikum Erlangen etwa 50 Operationen wie diese vor.
Warum ist Adipositas so gefährlich für die Gesundheit? Neben Folgeerkrankungen wie etwa Arthrose, Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit, Typ-2-Diabetes, Krebs, Schlaganfall oder Unfruchtbarkeit bestehen meist auch psychische und orthopädische Beschwerden. Die Lebenserwartung von Menschen mit Adipositas ist deutlich reduziert. Auf welchem Weg finden Patienten ins Adipositaszentrum? Übergewichtige kommen am besten zu uns in die Adipositassprechstunde, die dienstags zwischen 13.00 und 16.00 Uhr stattfindet, oder zu unseren regelmäßi-
gen Adipositasinfoabenden. Viele Patienten bekommen auch von ihrem Hausarzt oder einer Selbsthilfegruppe für Adipositas die Empfehlung, sich an uns zu wenden.
Welche OP-Möglichkeiten bietet die bariatrische Chirurgie? enten mit schwerer Adipositas infrage, bei solchen, die nicht auf herkömmliche schwerwiegenden Begleiterscheinungen leiden. Das Ziel einer OP ist es, durch einen Magenballon oder Schlauchmagen das Magenvolumen zu verkleinern und/oder durch einen Magenbypass die Aufnahme von Foto: Anne Schamberger
Hector-Center für Ernährung, Bewegung Sport Telefon:09131 Telefon: 09131 85-35227E-Mail: E-Mail: eteam.med1@uk-erlangen.de Hector-Center für Ernährung, Bewegung undund Sport 85-34227 med1-ernaehrungsteam@uk-erlangen.de
Adipositaschirurgie Adipositaschirurgie
Telefon:09131 85-35879 Telefon: 09131 85-35879
E-Mail: doris.wansch@uk-erlangen.de doris.wansch@uk-erlangen.de E-Mail:
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SONDERTHEMA
GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM NOVMEBER: DIABETISCHER FUß
Ein Schritt in Richtung Gesundheit Der diabetische Fuß ist eine der gefürchtetsten Folgen der Zuckerkrankheit. Jeder sechste Diabetiker entwickelt ein potenziell gefährliches Geschwür, deutschlandweit müssen deswegen jährlich ca. 40.000 Beine amputiert werden. Trotzdem nehmen viele Patienten das Risiko nicht ernst genug.
M
it FlipFlops in die Katastrophe“ – so hieß einmal eine Bürgervorlesung zum diabetischen Fuß am Universitätsklinikum Erlangen. Mit dem Vorlesungstitel nannte Gefäßchirurg Prof. Dr. Werner Lang gleich zu Beginn eines der Hauptprobleme: „Man glaubt nicht, was die Leute für Schuhe tragen und wie wenig sie auf ihre Füße achten“, beklagt der Leiter der Gefäßchirurgischen Abteilung des UniKlinikums Erlangen. Zu klein, zu eng, prädestiniert für Druckstellen – mit solchen Schuhen sei das Desaster im wahrsten Sinne des Wortes nur einen Schritt weit entfernt.
Am besten vorbeugen Bei Diabetes zirkuliert zu viel Zucker im Blut. Darunter leiden vor allem die Gefäße – von den großen Arterien bis hin zu den fein verästelten Kapillaren. Es entstehen Engstellen und Verschlüsse, die Gefäßwände verkalken. Das Ergebnis ist ein schlecht durchbluteter (ischämischer) Fuß. Ebenso beeinträchtigt Diabetes oft die Nerven der Haut – Ärzte sprechen von einer diabetischen Polyneuropathie. Nervenschäden und verkalkte Gefäße spüren Zuckerkranke vor allem in ihren Unterschenkeln und Füßen: Die kribbeln oder fühlen sich taub an, auch Lähmungen, Muskelschwund und -krämpfe kom-
„Das diabetische Fußsyndrom ist ein komplexes Krankheitsbild“, sagt Prof. Lang. „Zuerst müssen wir klären, wo die Ursache liegt: in einer gefäßbedingten Durchblutungsstörung, also in einem ischämischen Fuß, oder in den Nerven. Bei 40 Prozent der Diabetiker ist beides ein Problem.“ Für eine genaue Diagnose nehmen die Erlanger Spezialisten detaillierte Gefäßuntersuchungen vor. Sie messen die Durchblutung (Perfusion) in den Beinen und Füßen und stellen fest,
Mit neuesten Geräten messen die Spezialisten am Uni-Klinikum Erlangen unter anderem die Perfusion (Durchblutung) in den Beinen.
umfasst: eine Druckentlastung, z. B. durch orthopädische Schuhe, die Reinigung und (medikamentöse) Behandlung von Wunden und Infektionen und am Ende – falls nötig – die operative Verbesserung der Durchblutung.
Den Fuß retten „Selbst eine kleine Schwiele kann schlimme Folgen haben, wenn der Diabetiker sie nicht spürt, nicht sieht oder einfach nicht ernst nimmt“, sagt Werner Lang. Denn oft ist der Schaden im Inneren schon größer als von außen vermutet. Ist der diabetische Fuß weit fortgeschritten, infizieren Wundkeime auch
„Selbst eine kleine Schwiele kann schlimme Folgen haben, wenn der Diabetiker sie nicht spürt, nicht sieht oder einfach nicht ernst nimmt.“ ES FÄNGT KLEIN AN
die Knochen. „Dann müssen wir Teile des Knochens und des umliegenden Gewebes entfernen, schlimmstenfalls einzelne Zehen oder sogar den ganzen Fuß amputieren. Das Risiko für eine Amputation ist beim diabetischen Fuß um das 25-Fache erhöht“, warnt Prof. Lang. Um den Fuß zu retten, nutzen die Erlanger Gefäßchirurgen zusammen mit den Kollegen der Radiologie verschiedene Behandlungstechniken. Mit kleinen entfaltbaren Ballons weiten sie zum Beispiel enge Gefäße (Ballondilatation), setzen Gefäßstützen ein oder umgehen verschlossene Abschnitte mit Bypässen.
wieder besser zu durchbluten, können Wunden heilen und dem Patienten bleibt eine Amputation erspart. Richtiges und frühzeitiges Gefäßmanagement kontrollieren die Operateure die Gewebeperfusion und sehen so, ob ihre Maßnahmen erfolgreich waren – ob zum Beispiel das neue Gefäßstück ausreichend gut durchblutet wird. In die Behandlung beziehen die Ärzte immer auch pflegerische Wundexperten, Physiotherapeuten und Orthopädietechniker ein. „Denn was nützt die beste OP, wenn der Patient morgen wieder falsch belastet oder ungeeignete Schuhe trägt“, sagt Werner Lang. Franziska Männel
DREI FRAGEN AN
Prof. Dr. Werner Lang, Leiter der Gefäßchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen
Prof. Dr. Werner Lang Leiter der Gefäßchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen
Gefährliche Entwicklung:
MESSUNG DER FUSSDURCHBLUTUNG
Aus einer „harmlosen“
Vor, während und nach jeder Fuß-OP visuali-
Druckstelle wird eine Schwiele, unter der Horn-
Sauerstoffsättigung und das Wasser im Gewe-
haut bilden sich Bluter-
be. Dank eines speziellen Farbstoffes werden
güsse und schließlich
schlecht durchblutete Areale des Fußes sicht-
ein Fußgeschwür. Dieses
bar. Im vorliegenden Bild ist die Durchblutung
wächst immer tiefer, bis
der Zehen noch gleichmäßig gut erhalten.
irgendwann auch Knochen oder Gelenke betrof-
Was schützt vor dem diabetischen Fuß? Diabetiker sollten ihren Blutzucker, aber auch Blutdruck und Cholesterin gut einstellen lassen, gesund essen, sich bewegen und nicht rauchen. Außerdem: die Füße jeden Tag waschen, gut trocknen, pflegen und begutachten. Und: nicht barfuß gehen, auch nicht zu Hause.
an den Ballen oder Fersen, in der Mitte des
Wie sollen die Füße beurteilt werden? Man sollte auf Druckstellen, Blasen und kleine Verletzungen achten – vor allem an den Fußsohlen, zwischen und an den Zehen. Wer die Fußunterseiten schlecht sieht, benutzt am besten einen Spiegel
Fußgewölbes, aber auch an den Innenseiten
spitz zulaufende, nicht atmungsaktive Schuhe begünstigen das.
Fotos: Uni-Klinikum Erlangen
der großen Zehen und an den Oberseiten und Kuppen der übrigen Zehen. Zu enge oder vorn
Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen
Gefäßchirurgische Abteilung des Uni-Klinikums Gefäßchirurgische Abteilung des Uni-KlinikumsErlangen Erlangen
Telefon:09131 Telefon: 0913185-32968 85-32968 www.gefaesschirurgie.uk-erlangen.de www.gefaesschirurgie.uk-erlangen.de
oder lässt seine Füße von einer anderen Person kontrollieren. Ganz wichtig: regelmäßige medizinische Fußpflege.
Wie oft sollten Diabetiker zur Fußkontrolle? Wir empfehlen jedem Diabetiker, seine Füße jährlich kontrollieren zu lassen – hier ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Bei Neuropathien, Durchblutungsstörungen und deformierten Füßen sind häufigere Arztbesuche ratsam – zum Beispiel in unserer Spezialsprechstunde, bei einem Angiologen oder Diabetologen. Das Stadium des diabetischen Fußes und das persönliche Risiko des Patienten entscheiden dann über die Häufigkeit der Nachkontrollen.
E-Mail: E-Mail:gefaesschirurgie-sekr@uk-erlangen.de gefaesschirurgie@uk-erlangen.de
Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen
und Schmerz nicht mehr richtig wahrnehmen. Deshalb merken sie oft gar nicht, dass sie kleine Wunden haben – etwa Druckstellen an den Fußsohlen oder Zehen, Nagelbettentzündungen oder Verletzungen vom Nägelschneiden. Eine regelmäßige Kontrolle der Füße, medizinische Fußpflege und gute Schuhe sind deshalb das A und O für jeden Diabetiker.
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GESUNDHEITSSERIE – UNSER SCHWERPUNKTTHEMA IM DEZEMBER: DEMENZ
Diagnose Demenz Gerät der Alltag durch eine Demenzerkrankung allmählich aus den Fugen, löst das Ängste bei Betroffenen aus und belastet die gesamte Familie.
W
ie beängstigend muss es sein, plötzlich nicht mehr zu wissen, wie bekannte Dinge funktionieren ‒ etwa eine Kaffeemaschine? Wie viel Unbehagen löst es wohl aus, seine vertraute Umgebung oder Angehörige und Freunde nicht mehr zu erkennen? Demenzerkrankungen haben viele Gesichter. Die häufigste Form ist Alzheimer. Bei dieser Erkrankung lagern sich Eiweiße innerhalb und außerhalb der Nervenzellen im Gehirn ab. Infolgedessen sterben die Nervenzellen und auch die Kontakte zwischen ihnen allmählich und unumkehrbar ab. Deutschlandweit leiden rund 1,7 Millionen Menschen an Alzheimer. Eine zweite, sehr verbreitete Form ist die vaskuläre, also gefäßbedingte, Demenz, der Durchblutungsstörungen im Gehirn zugrunde liegen.
Anzeichen richtig deuten Alzheimer zeigt sich zunächst meist durch eine Gedächtnisschwäche. Hinzu kommen Schwierigkeiten, sich räumlich zu orientieren, und ebenso Sprachprobleme. „Anzeichen dieser Art sollten Betroffene und Angehörige ernst nehmen“, erklärt Prof. Dr. Johannes Kornhuber, Direktor der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. „Unsere Klinik gehört zu den führenden Einrichtungen im Bereich der Frühdiagnostik und der Behandlung von Demenzerkrankungen. So bieten wir etwa eine spezielle Gedächtnissprechstunde an, in der wir mithilfe verschiedener Untersuchungen Foto: Bela Hoche/123RF eine Diagnose stellen können.“ Zur Frühdiagnostik Zur Behandlung leichter und mittelschwerer Demenzerkrankungen eignet sich das von Medizinern des Uni-Klinikums Erlangen entwickelte MAKS-Therapieprogramm. gehören eine eingehende internistische, neuroloEs besteht aus einer motorischen, einer alltagspraktischen, einer kognitiven und einer sozialen Komponente. gische und psychiatrische Untersuchung, Laboranalysen, verschiedene Bildgebungsverfahren und neuropsychologische Tests. geistige Leistungsfähigkeit stabilisieren, sowie rische, alltagspraktische, kognitive und soziale Risikofaktoren erkennen Antidepressiva und gelegentlich Antipsychotika. Aktivierung. Die MAKS-Therapie lässt sich auch mit Besser als jede Behandlung ist es, einer Demenz vorzuUmfassende Therapie „Unsere Empfehlung bei Verhaltensauffälligkeiten Medikamenten kombinieren. Prof. Kornhuber bebeugen. Denn Demenzen sind keine normale AltersHeilen lassen sich Demenzerkrankungen bislang ist es, Medikamente aber erst dann einzusetzen, tont außerdem: „Auch Patienten mit ausgeprägten erscheinung, die eben dazugehört. „Nach neuesten nicht, da sie die Hirnstruktur unwiederbringlich wenn psychosoziale Interventionen allein keine Demenzen können wir helfen, wenn beispielsweise Erkenntnissen ist es besonders wichtig, Gefäßrisikoschädigen. Eine frühzeitige Therapie kann die Erkran- Verbesserung zeigen“, betont Prof. Kornhuber. eine begleitende Depression oder herausforderndes faktoren zu minimieren“, sagt Prof. Kornhuber. „Dazu kung aber aufhalten und ist deshalb wichtig. Dabei Wissenschaftler des Uni-Klinikums Erlangen haben Verhalten gebessert werden sollen. Parallel können zählen Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Diabetes gibt es heute ganz unterschiedliche Behandlungsdaher ein multimodales Programm für Menschen wir bei der Organisation der häuslichen Versormellitus und ein zu hoher Cholesterinspiegel.“ Wer möglichkeiten. Je nach Demenzform und -stadium mit Demenz entwickelt, das nachgewiesen genauso gung, beim Suchen eines geeigneten Heimplatzes seinen Lebensstil dahingehend anpasst, stärkt nicht kommen zum Beispiel verschiedene Medikamente gut anschlägt wie Medikamente – und das ohne oder bei der Vermittlung einer Tagespflege unternur sein Herz-Kreislauf-System, sondern wappnet sich zum Einsatz, darunter Antidementiva, die die Nebenwirkungen. MAKS – das steht für motostützen.“ gleichzeitig gegen eine Demenz. Luise Laufer
DREI FRAGEN AN
Prof. Dr. Johannes Kornhuber, Direktor der Psychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen
Prof. Dr. Johannes Kornhuber Direktor der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik
FRÜHDIAGNOSTIK
des Uni-Klinikums Erlangen
Wie kann man einer Demenz gezielt vorbeugen? Dank intensiver Forschung können wir heute ganz konkrete Empfehlungen zur Prävention aussprechen. Wer seinen Lebensstil auf eine mediterrane Ernährung mit viel Bewegung und geistiger Aktivität ausrichtet, macht schon viel richtig. Zusätzlich ist es wichtig, soziale Kontakte zu pflegen, die Kommunikation mit anderen zu suchen und seinen Lebenssinn zu spüren.
Fünf Argumente, warum sie wichtig ist 1.
Patienten bekommen Gewissheit über ihre Symptome und können so Unsicherheiten abbauen.
2.
Angehörige können Verhaltensänderungen besser einordnen.
3.
Möglicherweise ist für die Demenz eine behandelbare Grunderkrankung ursächlich.
4.
5.
Patienten können bewusst selbst noch Entscheidungen und Vorkehrungen für die Zukunft treffen. Wer früh von seiner Erkrankung weiß, hat eine bessere therapeutische Ausgangssituation und kann einen Heimübertritt hinauszögern.
Psychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen
Telefon: 09131 85-34597
Wann muss ich in eine Gedächtnissprechstunde? Vergesslichkeit ist nicht immer sofort ein Zeichen von Demenz. Häufen sich aber Situationen, in denen sich jemand oft wiederholt, er Gegenstände verlegt, in denen das logische Denken und die
E-Mail: direktion-psych@uk-erlangen.de
räumliche Orientierung eingeschränkt sind oder sich die Persönlichkeit verändert, ist der Gang in unsere Gedächtnissprechstunde ratsam. Hier beziehen wir die Angehörigen mit ein und können mithilfe verschiedener Tests bestimmen, ob und welche Form der Demenz vorliegt.
Ist Demenz behandelbar? Eine Demenz sollte in jedem Fall behandelt werden. Das ist auf verschiedenen Wegen möglich. Im Idealfall besteht die Therapie aus dem von uns entwickelten MAKS-Programm, also einer Kombination aus Bewegung, geistigem Training und sozialer Aktivität, und einer guten medikamentösen Einstellung. So lassen sich Gedächtnisschädigungen zwar nicht heilen, aber aufhalten.
www.psychiatrie.uk-erlangen.de
Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen
„Dank Frühdiagnostik lässt sich heute sehr gut voraussagen, welchen Verlauf eine Gedächtnisstörung nehmen wird.“
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