Skip to main content

Festschrift 100 Jahre Kirche St. Josef Töss

Page 1

100 Jahre Kirche St. Josef Töss

CONSAJO

Sonderausgabe zum Jubiläumsjahr Jahrgang 31, Nr. 3

Katholische Kirche in Winterthur Pfarrei St. Josef

1


2

Inhaltsverzeichnis

Gestatten: Pfarrei St. Josef

Aus der Geschichte der Kirche . . .

. . . und der Pfarrei St. Josef Töss

3

Editorial des Präsidenten des Organisationskomitees

3

Grusswort des Pfarrers von St. Josef

4

Gestatten: Pfarrei St. Josef

22

Fremdsprachige Missionen: Offene Türen für andere Kulturen

25

Aus der Geschichte der Kirche und Pfarrei St. Josef

33

Die Seelsorgenden der Pfarrei St. Josef

34

Die Pfarrei im Jubiläumsjahr 2013/2014


3

Editorial Liebe Leserin, lieber Leser

Liebe Pfarreimitglieder, liebe Leserin, lieber Leser

Diese CONSAJO-Sonderausgabe erscheint zum Jubiläum «100 Jahre Kirche St. Josef». Die Redaktionskommission hat sich dafür entschieden, nicht nur über die hundert Jahre Baugeschichte der Kirche St. Josef zu berichten, sondern auch die zur Kirche gehörende Pfarrei zu Wort kommen zu lassen. Und was lag näher, als die Vereine, Organisationen und Gruppierungen aufzufordern, ihre Geschichte, Gegenwart und/oder Zukunft darzustellen?

Es freut mich besonders, zu dieser Festschrift das Geleitwort schreiben zu dürfen. Ich bin zwar erst seit knapp vier Jahren in St. Josef tätig, habe also nur einige kleine Mo­ saiksteine hinzugefügt zum grossen Gesamtbild unserer Kirche und Pfarrei in Töss. Dies natürlich nicht alleine, sondern in schöner Zusammenarbeit mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden, die alle gemeinsam jeden Tag mit grossem Engagement dazu beitragen, dass St. Josef in Töss eine lebendige Gemeinde ist. So danke ich an dieser Stelle all den Frauen und Männern, jungen und älteren Menschen verschiedenster Nationalitäten und mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Sie alle tragen mit ihrem Engagement dazu bei, dass wir hier in St. Josef gemeinsam einen guten, geistlichen Weg gehen. Deshalb präsentieren sich in unserer Festschrift all die Gruppierungen und Vereine, die mit uns in St. Josef so aktiv unterwegs sind.

Die Baugeschichte der Kirche hat der Historiker Peter Niederhäuser zusammengetragen. Weitere Teile stammen aus der Jubiläumsschrift «75 Jahre Kirche St. Josef», die immer wieder fortgeschrieben wurden und deren Autoren unbekannt sind. Auch wir haben diese Historie mit den Ereignissen der letzten 25 Jahre ergänzt. Obwohl alle unsere Vereine, Organisationen und Gruppierungen an der modernen Krankheit «Mitgliederschwund» leiden, haben die meisten die Gelegenheit genutzt, sich in dieser Jubiläumsausgabe darzustellen und damit kund zu tun, dass sie immer noch zu den tragenden Elementen der Pfarrei St. Josef gehören. Die Drucklegung wurde durch eine breit abgestützte Finanzierung mit Mitteln der Kirchgemeinde, des Pfarreirates, des Pfarramtes, der Sammelaktion und des CONSAJO-Spendenfonds ermöglicht. An dieser Stelle sei für die breite Unterstützung herzlich gedankt. Ihnen liebe Leserin, lieber Leser wünsche ich eine interessante Lektüre unserer Jubiläumsausgabe und der Pfarrei St. Josef eine florierende Zukunft.

Ferdinand Hess, OK-Präsident

Unser Weg ist nicht immer einfach – und er war es auch in der Vergangenheit nicht. Denken wir nur an die Schwierigkeiten, die vor 100 Jahren überwunden werden mussten, damit die Tössemer Katholikinnen und Katholiken einen Ort bekamen, an dem sie ihren Glauben feiern durften. Die Einführung der Kirchensteuer hat die materiellen Probleme der Katholiken in Töss weitgehend gelöst. Nicht aber die spirituellen. Die multikulturelle Gesellschaft in unserem Töss mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen, die über die Nationalitäten hinausgehende Vereinzelung und manchmal Entfremdung im Quartier, die durch eine rege Bautätigkeit noch verstärkt wird – ich nenne hier nur einige der Herausforderungen, die sich uns heute und in Zukunft stellen. Ich freue mich, mit Ihnen in St. Josef den Weg in der Nachfolge Christi auch im Hinblick auf die nächsten 100 Jahre weiterzugehen.

Pfarrer Jacek Jeruzalski, jacek.jeruzalski@kath-winterthur.ch


4

Gestatten: Pfarrei St. Josef Zusammen kommen, aktiv sein, sich für die Pfarrei und die Kirche engagieren, Feste feiern, Gutes tun oder inne halten – die Vereine und Gruppierungen der Pfarrei St. Josef bieten den Tössemerinnen und Tössemern jeden Alters verschiedenste Betätigungsmöglichkeiten. Bereits vor 100 Jahren bildeten die Vereine und Gruppierungen den Mitgliedern der Pfarrei St. Josef eine Heimat und sie sind es noch heute. Ins Leben gerufen wurden die Gemeinschaften teilweise, bevor die Katholikinnen und Katholiken in Töss überhaupt in einer eigenen Kirche zusammen kommen konnten. In ihrer Vielfalt weisen sie auf das grosse Gemeinschaftsbedürfnis der damals als Minderheit in Winterthur lebenden Katholikinnen und Katholiken hin. Wie überall in «Katholisch Winterthur» werden die zahlreichen Gruppierungen als typisch für das Diaspora-­D asein vor knapp 100 Jahren betrachtet: Die Vereine für fast jede Lebensphase und für die verschiedensten Interessen sorgten dafür, dass Katholikinnen und Katholiken ihre Freizeit auch ausserhalb der Familie unter Gleichgläubigen verbringen konnten. Heute, im Jahr 2014, bilden die katholischen Glaubens­angehörigen keine Minderheit mehr und Menschen verschie­ denster Glaubensrichtungen leben und arbeiten miteinander. Geblieben ist den Tössemer Katholiken eine lebendige Vereinslandschaft, in der alte Traditionen hoch gehalten und neue Wege als Gemeinschaft gesucht werden. Wenn die Vereine und Gruppierungen der Pfarrei St. Josef im Nachfolgenden vorgestellt werden, wird darüber hinaus nach­ vollziehbar, welch bedeutende Rolle sie bei der Ausgestaltung der Kirche und des Pfarreizentrums hatten: Wichtige Aufgaben wurden dabei beispielweise vom Pfarreirat übernommen. Mit Hilfe der Sammelaktion konnten zudem vor rund vier Jahren Reno­vationsarbeiten finanziert werden, für die anderweitig keine Mittel zur Verfügung gestanden hatten. Auch diese Festschrift profitiert von einem Zustupf der Sammelaktion.

Das Seelsorgeteam St. Josef Das Seelsorgeteam St. Josef stellt sich persönlich vor:

Jacek Jeruzalski,

Ursula Holenstein,

Ines Bolthausen,

Paul Miklovic,

Dajana Herzig,

Pfarrer

Pfarreisekretärin

Pastoralassistentin

Pastoralassistent

Sozialarbeiterin FH

Jacek Jeruzalski, Pfarrer Seit Oktober 2010 bin ich in der Pfarrei St. Josef Winter­ thur-Töss zuerst als Pfarradministrator, dann als Pfarrer tätig. Ich kümmere mich um die Planung und Koordi­ nation aller Gottesdienste sowie der Seelsorge- und Pfarreiveranstaltungen. Die Freude an Begegnungen mit Menschen aller Art und das Evangelium als alltagstaugliche und sympathische Botschaft zu vermitteln, habe ich mir zum Ziel gesetzt. Auch die Sakramente – Zeichen der Nähe Gottes – will ich mit vielen unterschiedlichen Lebenssituationen verbinden. Auf dem grossen Pilgerweg des Lebens darf ich hier in St. Josef Station machen. Ich hoffe auf einen guten, geistlichen Weg, den wir gemeinsam gehen.

Mein Primizspruch, bzw. mein Lebensmotto ist: «Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir.» (Jesaja 43,1) Dazu lade ich Sie herzlich ein. Ursula Holenstein, Pfarreisekretärin Im nächsten Jahr betreue ich bereits seit zehn Jahren das Sekretariat der Pfarrei St. Josef. Der christliche Glaube und meine Mitmenschen sind mir sehr wichtig. Aus diesem Grund habe ich mich immer schon im kirchlichen Bereich engagiert, sei es im Blauring, als Katechetin, bei Kindergottesdiensten usw. Im Pfarreisekretariat habe ich vielfältige Aufgaben:


5

organisatorische, Führung der Pfarreibücher, Pfarrei-­ Buchhaltung usw. Als meistens erste Ansprechperson des Pfarr­a mtes kommen die Menschen mit den verschiedensten Anliegen zu mir und ich schätze die wertvollen Begegnungen sehr. In meiner Freizeit interessiere ich mich für Kultur und Musik, Singen ist meine Passion. Ines Bolthausen, Pastoralassistentin Seit inzwischen vier Jahren bin ich Pastoralassistentin in St. Josef Winterthur. Die vielfältige Arbeit in der Pfarrei gefällt mir. Ich freue mich besonders darüber, dass ich dabei mit so vielen unterschiedlichen Menschen unterwegs sein darf. Es ist ein grosses Geschenk, einen solchen Beruf ausüben zu dürfen. Meine spirituelle Grundhaltung auf diesem Weg ist stark von den beiden Jahren geprägt, die ich in einer christ­ lichen Lebensgemeinschaft von Menschen mit und ohne intellektueller Behinderung verbracht habe. Jean Vanier, der Gründer dieser Bewegung, schrieb einmal: «Jeder Mensch ist einzigartig und wichtig, welches auch seine Kultur, seine Religion, seine Gaben oder Schwächen seien. Jeder ist von Gott und für Gott geschaffen. Jeder von uns hat ein verwundbares Herz, wir haben Sehnsucht, zu lieben und geliebt und geachtet zu werden. Jeder hat seine eigene Sendung. Jeder Mensch wurde geboren, damit das Werk Gottes sich an ihm erfülle.» In diesem Sinne bin ich gerne weiterhin mit Ihnen unterwegs! Paul Miklovic, Pastoralassistent Die Geschichte schrieb das Jahr 1959, als ich das Licht der Welt erblickte. Die weiteren Jahre meines jungen Lebens genoss ich in einer achtköpfigen Grossfamilie. Unsere Familie lebte in Zürich, bis einer nach dem andern seine eigene Familie gründete oder sich selbständig machte. Inzwischen – glücklich verheiratet – arbeite ich in St. Josef Töss als Pastoralassistent. Es ist mein Herzensanliegen, mit den Mitmenschen der Pfarrei gemeinsam den Weg des Glaubens und der Solidarität zu gehen. Dabei ist es mir wichtig, jedem Menschen – gleich welcher Gesinnung – gebührend Respekt, Mitgefühl und Offenheit entgegenzubringen. Dajana Herzig, Sozialarbeiterin FH Ich bin seit dem 1. Oktober 2011 als Sozialarbeiterin in der Pfarrei St. Josef tätig. Warum habe ich diesen Beruf gewählt? Menschen ein Stück weit auf ihrem Lebensweg zu begleiten, gemeinsam die Steine aus dem Weg zu räumen und sie in ihrer Selbstwirksamkeit zu bestärken, erfüllt auch mich. Dadurch lerne ich viel vom ungeschminkten und vielseitigen

Leben, welches mich auch Gott und seine Liebe besser erkennen lässt und mich dankbar stimmt. So kann ich viel Gutes wieder zurückgeben. Als Abwechslung widme ich mich gerne einem meiner grossen Hobbies, dem Flamencotanz. In unserer Pfarrei St. Josef Winterthur-Töss sind ausserdem tätig: Susanne Partalov, Sakristanin; Dile Palushaj, Stv. Sakristanin; Ela Fiabane, Fabiola Wurm, Michaela Schiewe, Katechese; Felix Marti, Religionspädagoge; Kristine Sutidze, Hauptorganistin; Maarten Van der Lek, Organist, und Caroline Green, Leitung des Cäcilienchors.

Pfarreirat St. Josef Töss Mitwirken am Pfarreileben Anfänge und Professionalisierung Wie die spärlichen Aufzeichnungen zeigen, gab es schon vor 1982 in St. Josef einen ersten «Pfarreirat» oder eine Pfarreikommission unter dem damaligen Kirchenpfleger Bruno Hottiger, dem Aktuar Paul Widmer und dem Kassier Hans Schneider. Im Archiv waren dazu jedoch keinerlei Unterlagen zu finden. Mit der Ankunft des neuen Pfarrers von St. Josef Töss, Alfred Böni, trat ein neuer Pfarreirat sein Amt an. Die Mitglieder der Pfarreikommission traten zurück, Hans Schneider blieb weiter als Kassier tätig. Zusammengesetzt war der neue Pfarreirat aus Alfred Böni, Pfarrer (von Amts wegen), Peter Rüesch, Präsident, Regula Ammann, Vizepräsidentin, Hans Schneider, Kassier, Ferdinand Hess, Aktuar, und von Amtes wegen Ruth Mäder, Kirchenpflegerin. Pfarrer Alfred Böni vertrat die seelsorgerischen und kirchlichen Belange. Peter Rüesch wünschte eine optimale Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Pfarrer. Peter Rüesch bemühte sich, mit den damaligen drei Gremien Pfarreirat, Initiativ-Team und Vorständekonferenz zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit zu gelangen. Sein Ziel war es, die Verbindungen zu den Teams, den Vereinen und der Pfarrei zu verstärken. Ein weiteres Ziel des Pfarreirats war damals die Erwachsenenbildung. Es sollte ein Bildungsprogramm geschaffen werden, das durch den Pfarreirat angeboten werden konnte. Mit frischem Elan an der Arbeit Schon im ersten Amtsjahr wurde sehr fleissig gearbeitet. So konnten an der Pfarreiversammlung vom 21.03.1983 etli-


6

che Anträge zur Abstimmung gebracht werden: ein Mietreglement für die Räumlichkeiten des Pfarreiheims wurde erstellt und angenommen, dem Antrag für ein jährlich durchzuführendes «Dankeschön Fest» für alle Helferinnen und Helfer wurde mit grossem Mehr zugestimmt, der Antrag für ein vierteljährlich erscheinendes eigenes Pfarrei­ blatt wurde von der Versammlung «noch» abgelehnt. Ein gemeinsames «Pfarreiweekend» fand in Trogen statt. Die Vorständekonferenzen dienten der Terminplanung für das neue Kirchenjahr, der Organisation der Pfarreianlässe und es wurde noch einmal eingehend über eine eigene Pfarreizeitung diskutiert. 1984 wurde eine «Statuten­ kommission» gebildet, die die überalterten Statuten überarbeiten und ändern sollte. Das «Pfarreiforum St. Josef» entstand. Es entstand eine Organisation, welche dem Pfarrer beratend zur Seite steht. Sie bezweckt die Gewährleistung, Unterstützung und Förderung der Seelsorge in der Pfarrei. Sie setzt sich zum Ziel, das Leben in der Pfarrei zu gestalten und geeignete religiöse, kulturelle, bildende und gesellige Veranstaltungen für alle Pfarrei­ angehörigen anzubieten. Das «Pfarreiforum St. Josef» Das «Pfarreiforum St. Josef» gliedert sich einerseits in die Pfarreiversammlung, sie ist das oberste Organ des Pfarreiforums St. Josef. Sie umfasst alle Pfarreiangehörigen sowie die Personen, welche sich der Pfarrei zugehörig fühlen und regelmässig mitmachen. Alle Pfarreiangehörigen ab dem 16. Altersjahr sind stimm- und wahlberechtigt. Die ordentliche Pfarreiversammlung tritt einmal jährlich zusammen. Das Datum der Durchführung ist vom Pfarreirat festzulegen und hat in der Regel im ersten Quartal zu erfolgen. Die Einladung erfolgt durch Ausschreibung im offiziellen Pfarrblatt und hat unter der Angabe der Trak­ tanden mindestens 20 Tage vorher zu erscheinen. Die Pfar­ reiversammlung beschliesst über Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung, über Annahme und Änderung der Statuten, über die Annahme des Protokolls, des Präsidentenberichts, der Berichte der Rechnungsrevisoren und der Jahresrechnung, des Budgets, der eingereichten Anträge. Sie wählt den Pfarreirat, die Rechnungsrevisoren, den verantwortlichen Redaktor des CONSAJO. Ausser­ ordentliche Wahlen obliegen der Pfarreiversammlung, bei Gründung allfälliger Pfarreikommissionen, der Kirchgemeinde oder Kirchenpflege vorzuschlagenden Kandidaten der Pfarrei für die Kirchenpflege, die Synode, allfällige weitere Kommissionen. Anträge, die von Pfarreiangehörigen, Vereinen und Organisationen spätestens acht Tage vor der Pfarreiversammlung beim Pfarreiratspräsidenten eingereicht werden, werden an der Versammlung vorge­ lesen und wenn erforderlich zur Abstimmung gebracht.

Vielfältige Aufgaben des Pfarreirats Der Pfarreirat ist das leitende Organ des Pfarreiforums St. Josef. Der Pfarreirat setzt sich zusammen aus Präsident, Kassier, Aktuar, Mitgliedern des Seelsorgeteams, den Kirchenpflegern der Pfarrei, dem Verantwortlichen des Pfarreiheims, vier bis sechs weiteren Mitgliedern, wobei auf angemessene Vertretung der Vereine und ausländischen Pfarreiangehörigen zu achten ist. Der Pfarreirat regelt die Stellvertretung und wählt aus seiner Mitte einen Vizepräsidenten. Alle Pfarreiratsmitglieder sind stimm- und wahlberechtigt. Der Pfarreirat ist beratendes Organ des Pfarrers und leitet das «Pfarreiforum St. Josef» im Rahmen der Richtlinien des Generalvikariates für den Kanton Zürich, der Pfarreiversammlung und der Vorständekonferenz. Er ist zuständig für alle Geschäfte, welche nicht ausdrücklich anderen Organen übertragen werden. Der Pfarreirat hat insbesondere folgende Aufgaben: Er beruft die Pfarreiversammlung und die Vorständekon­ferenz ein, bereitet deren Geschäfte vor und leitet sie. Er koordiniert und organisiert die religiösen, bildenden, kulturellen und geselligen Veranstaltungen für alle Pfarreiangehörigen. Er ist im Rahmen des Budgets der Kirch­gemeinde Winterthur und des Pfarreiforums St. Josef verantwortlich für die Herausgabe der Pfarreizeitung CONSAJO. Er vertritt zusammen mit dem Pfarrer die Pfarrei nach aussen. Er berät und unterstützt die Vereine und Pfarreimitarbeiter, er kann weitere Mitglieder beiziehen. Er kann im Rahmen seiner Befugnisse Kommis­s ionen zur Abklärung besonderer Anliegen einsetzen, er bestimmt notwendige Delegationen. Geburt von CONSAJO Schon ein Jahr später konnte an der Pfarreiversammlung vom 25.03.85 über die neuen Statuten abgestimmt werden. Sie wurden mit grossem Mehr angenommen. An einer weiteren Pfarreiversammlung vom Juni 85 wurden weitere Mitglieder für den Pfarreirat gewählt: neu wurden Vereinsvertreterinnen und Vertreter, ein Mitglied für religiöse Anliegen und ein Vertreter für die ausländischen Mitchristen in den Pfarreirat aufgenommen. Das Pfarreiorgan CONSAJO wurde geboren und Ferdi­ nand Hess an der Pfarreiversammlung 1986 als Redaktor einstimmig gewählt. Die Ökumene fing mit zwei gemeinsamen Wortgottesdiensten 1985 und der Teilnahme an der Amtseinsetzung von Pfarrer Helge Fiebig an zu leben. Es wurden bis zum Jahre 2000 viele Aufgaben bewältigt: Pfarreireisen wurden organisiert, Pfarreifeste durchgeführt, die Pfarreifasnacht lebte so richtig auf, die Herbstlager für die Jugendlichen stiessen auf grosse Begeiste-


7

rung, Vorträge wurden gehalten, die ökumenischen Wochen durchgeführt, Seelsorgeteam und Pfarreirat arbeiteten Hand in Hand. Natürlich war auch zu der Zeit nicht alles eitel Sonnenschein: Probleme gab es mit dem damaligen Bischof von Chur, Wolfgang Haas, und gemeinsam liess man ihm einen offenen Brief zukommen. Ab dem Jahr 2000 änderte sich vieles in der Pfarrei. Mit dem neuen Pfarrer kamen auch die Sorgen. Es kam zu einem stetigen Wechsel im Seelsorgeteam, mehrere Pfarreirats­ präsidenten und viele Pfarreiräte wechselten sich ab. Die Pfarreiangehörigen waren in zwei Lager gespalten, viele fingen an, sich aus der Pfarrei zurück zu ziehen. Wieder kam ein neuer Pfarrer, wieder gab es sehr viele personelle Wechsel, wieder gelang es nicht, die Pfarrei zu einen. Viele junge Leute, die sich in der Pfarrei engagiert hatten, zogen sich zurück, fühlten sich nicht mehr ernst genommen. Im Jahre 2010 wurde das Pfarreiheim umgebaut und renoviert. Es ist wunderschön geworden und wartet eigentlich nur darauf, noch mehr genutzt und mit Leben gefüllt zu werden. Ein neues Mietreglement wurde erstellt und eine neue Hausordnung ins Leben gerufen. Gut konnten wir dabei auf unsere Vorgänger zurückgreifen, hatten sie doch mit der Erstellung des ersten Mietreglements schon die Vorarbeit geleistet. Mitwirken an einer offenen Pfarrei Wieder ist ein neues Seelsorgeteam im Pfarrhaus eingezogen, vor gut einem Jahr ist Jacek Jeruzalski, in sein Amt als Pfarrer von St. Josef eingesetzt worden. Doch der Pfarreirat und allgemein die Pfarrei stehen immer noch vor grossen Problemen. Nur noch wenige Pfarreiangehörige sind bereit, im Pfarreirat mit zu arbeiten, so dass die Suche nach engagierten, auch jüngeren Leuten weiter geht. Die Mitarbeit selbst in den Vereinen, die doch in den wirklich turbulenten Jahren immer vertreten waren, lässt nach, auch dort ist das Engagement viel geringer. Natürlich ist die Zeit eine andere und es wird allen viel mehr geboten, man braucht sich nicht zu engagieren, sondern kann heute bequem konsumieren. Und doch macht der Pfarreirat weiter. Wie, das wird die Zeit zeigen. Das Ziel war und ist es: Gemeinsam an einer lebendigen, offenen und der heutigen Zeit entsprechenden Pfarrei mitzuwirken.

Cäcilienchor Ein menschlicher Klangkörper zum Lob Gottes Der Cäcilienchor wurde am 6. Juni 1907 gegründet; ein menschlicher Klangkörper wurde also zum Leben erweckt, noch bevor ein steinerner Baukörper in Form eines Gotteshauses bestand. Neben dem gesanglichen und musikalischen Gottespreis in den Gottesdiensten sollte der Verein auch zur «Hebung und Verschönerung des gesellschaftlichen Lebens» beitragen. Als Mittel hierfür wurde unter anderem die «Erfüllung der religiösen Pflichten» vorgesehen. Pflicht war zum Beispiel der Besuch der Monatskommunion in der Frühmesse. Aufgenommen werden konnten «Personen beiderlei Geschlechts, welche einen unbescholtenen Leumund besassen». Dass nur Katholiken im «Stand der Gnade» im Chor mitwirken konnten, stand zwar nicht in den Statuten, galt aber gemäss mündlicher Überlieferung als ungeschriebenes Gesetz. Geschiedene waren also nicht willkommen und verheiratete Frauen wollte man eigentlich auch nicht. Diese gehörten ins Haus zur Familie. Wer in den Chor aufgenommen werden wollte, musste zu einer Stimm­ probe beim Dirigenten antraben und nach der Aufnahme in den Chor eine Vielzahl von Regeln einhalten. Wären die Aufnahmebedingungen und die Regeln nicht längst gelockert worden, würde der Chor wohl kaum mehr bestehen. Grossartige Orchestermessen Während seiner mehr als hundertjährigen Existenz hat der Chor unzähligen Gottesdiensten ein festliches Ge­ präge gegeben und viele Menschen mit seinem Gesang tief berührt. Im Gedächtnis bleiben die grossartigen Orchestermessen zu Weihnachten und zu Ostern – wobei die eindrückliche Jubelmesse von Carl Maria von Weber in besonderer Erinnerung bleibt, – die ganze Palette verschiedenster Chormusik wie die einfühlsamen Motetten,

Marianne Henauer, Pfarreiratspräsidentin, henauem@bluewin.ch

Neben dem Gesang pflegen die Mitglieder des Cäcilienchors die Geselligkeit.


8

Schon vor dem Kirchenbau gegründet: der Cäcilienchor.

die modernen Gesänge von Höller oder die rhythmischen Sprechgesänge für Jugend-Gottesdienste und die eindrücklichen Gesänge der Choral-Schola. Über viele Jahre seines Bestehens hat der Chor aber auch an Pfarreifesten und anderen Festanlässen mitgewirkt und diese teilweise auch selbst gestaltet. Benemerenti unter den Mitgliedern Einige Personen haben sich mit ihrem langjährigen, gros­ sen Einsatz ganz besondere Verdienste um den Chor erworben. Dazu zählen unter anderen die Organistinnen Rosa Notz und Therese Steinebrunner sowie die Chorleiter Pfarrer Karl Hain und Prof. Dr. Othmar Müller. Einige Chormitglieder haben ausserordentlich lange ein Amt als Präsident, Kassierin oder Verantwortliche für das Notenarchiv ausgeübt. Paul Kerker, der noch heute im Vorstand aktiv ist, führt seit 1997 die Kasse und organisiert seit 1971 sämtliche Vereinsreisen. Sieben Chormitglieder haben über 50 Jahre im Chor mitgesungen, wovon zwei Sängerinnen und ein Sänger die päpstliche Verdienstmedaille Benemerenti (dem Wohlverdienten) wünschten, die bei mehr als 50-jähriger Mitwirkung im Kirchenchor beim Papst beantragt werden kann. Die Medaillen wurden in einem feierlichen Gottesdienst überreicht. Im CONSAJO vom Mai 2007, das zum 100-jährigen Jubi­ läum als Festschrift erschienen ist, wurden die besonders anerkennenswerten Mitglieder namentlich gewürdigt. Im Verlauf seiner langjährigen Geschichte hat der Chor neben dem 100-jährigen Jubiläum mit dem Höhepunkt der Nicolai-Messe von Josef Haydn im Pfingstgottesdienst auch sein 40-jähriges, 50-jähriges und vor allem sein 75-jähriges Bestehen gebührend gefeiert: Der 40. Geburtstag wurde mit einem feierlichen Hochamt mit

der Marienmesse von Eberhart Maria Wittmer gefeiert. Am 50. Jahrestag wurde im Festgottesdienst die Missa Festiva in F von Ernst Tittel gesungen. Zum 75-jährigen Jubiläum wurde die Festschrift «75 Jahre Cäcilienchor St. Josef Winterthur Töss, 1907 – 1982», herausgegeben. In ihr wird die Geschichte des Chors bis 1982 aufgezeichnet und es werden für den Chor wichtige Personen dar­ gestellt. Als Höhepunkt dieser Festlichkeiten wurde an Ostern, dem 11. April 1982, die Paukenmesse von Joseph Haydn für Soli, Chor, Orgel und Orchester gefeiert. Zusammenarbeit über Quartiergrenzen hinaus Während Jahrzehnten kannte der Chor bei einem Mitgliederbestand von durchschnittlich 50 Sängerinnen und Sängern keine Nachwuchsprobleme. In den Protokollen der frühen Achtzigerjahre tauchte dann aber immer wieder die Klage über Mitgliederschwund und Überalterung auf. Auch wenn die Nachwuchssorgen bis heute nicht verschwunden sind, weist der Chor anfangs 2014 immer noch einen Bestand von knapp 30 Sängerinnen und Sängern auf. Der Chor kann aber heute eigentlich nur noch dank Sängerinnen und Sängern aus anderen Stadtteilen und umliegenden Orten existieren. Im Mai 2004 wurde Prof. Dr. Othmar Müller nach 39-jährigem Dirigat durch Caroline Green abgelöst. Der Einstieg war für die neue Dirigentin nicht einfach, denn mit diesem Wechsel gaben auch einige langjährige Stützen des Chors ihren Rücktritt als Sängerin oder Sänger. In dieser schwierigen Zeitspanne wurde der Chor von Trudi Reinhard präsidiert, die dieses Amt von 2001 bis 2011 mit grosser Hingabe ausgeübt und mit grossem Einsatz für das Überleben des Chors gekämpft hat. In diese Zeit fällt 2010 auch der Wechsel der Organistin: Therese Steinebrunner, die den Chor während 29 Jahren an der Orgel begleitet


9

hat, wurde von Kristine Sutidze abgelöst. Sie bringt als Chorbegleiterin und nicht zuletzt auch in ganz gewöhn­ lichen Sonntagsgottesdiensten ihr grosses musikalisches Können immer wieder zum Ausdruck. Motivierende Chorleiterin Caroline Green, unsere Chorleiterin, hat ihren Einstand am Pfarreifest vom 29. August 2004 gegeben. Sie ist eine Vollblutmusikerin, die in England Gesang und Klavier studiert hat und als Solistin auf grossen Opernbühnen und unter bekannten Dirigenten aufgetreten ist. Neben dem Cäcilienchor leitet sie auch den Kirchenchor der Pfarrei Christkönig in Kloten. Caroline Green spielt ausgezeichnet Klavier, was das Einüben von neuen Werken sehr er leichtert. Sie leitet die Proben mit viel Humor, ohne ihre hohen Ansprüche zurückzuschrauben, und motiviert so die aktiven Sängerinnen und Sänger, unermüdlich an ihrer gesanglichen Qualität zu arbeiten und sich mit viel Begeisterung auf den nächsten Einsatz in der Kirche vorzubereiten. Im Festgottesdienst vom 31. August 2014, mit dem der hundertste Geburtstag unserer Kirche gefeiert wird, singt der Chor Auszüge aus dem Gloria von Antonio Vivaldi. Der Chor wird von einem Orchester, der Orgel und von zwei Solostimmen begleitet. Die Sängerinnen und Sänger des Cäcilienchors freuen sich zusammen mit ihrer Dirigentin riesig, zur festlichen Feier beitragen zu dürfen.

Der Chor pflegt auch ein ausserkirchliches Jahres­ programm. Die Vereinsreise, ein Grillplausch und der Chlaus­a bend sind feste Bestandteile dieses Programms und nach den wöchentlichen Proben ist auch der gemütliche Schwatz in einer Beiz für einige Sängerinnen und Sänger eine Selbstverständlichkeit. Solche Gelegenheiten fördern das gegenseitige Verständnis und schaffen menschliche Wärme. In einer Zeit überhand nehmender digitaler Freundschaften ist dies ein wichtiger Ausgleich. Die lange Geschichte des Chors bildet einen fruchtbaren Boden für künftiges Wachstum. In diesem Boden müssen aber immer wieder neue Pflanzen wurzeln, damit der menschliche Klangkörper weiterschwingt. Neue Sängerinnen und Sänger sind deshalb jederzeit herzlich willkommen. Richard Stadelmann, Präsident Cäcilienchor, richard.stadelmann@bluewin.ch

Frauenverein Seit 100 Jahren mit Herz dabei 1914 – 1939: Die Anfänge «Und während um uns herum der Krieg wütete, wurde hier in der neuen Kirche zu Töss das Samenkorn des Müttervereins gelegt, möge es zu einem grossen Baum heranwachsen und hundertfältige Frucht bringen, das wolle Gott». (Anna Döbeli, an der Gründungsversammlung am 25. Oktober 1914, Aktuarin). Am 25. Oktober 1914 gründete Hochwürden Pfarrer Dr. Pius Kistler zusammen mit 41 anwesenden Frauen in der Kirche St. Josef den katholischen Mütterverein St. Josef und die Jungfrauenkongregation. Sinn, Zweck und Ziele des neuen Vereins waren: 1. Es werden belehrende Vorträge über die christliche Erziehung der Kinder gehalten. 2. Es ist Aufgabe der Frauen, sich um arme Wöchnerinnen zu kümmern und sie zu unterstützen. 3. Es ist Aufgabe der Frauen, Kranke zu besuchen. 4. Es ist Aufgabe der Frauen, die Paramenten zu beschaffen (Kelchvelum, Pala Corporis, Korporale usw.) zu pflegen, zu waschen und in Ordnung zu halten. Dann schlug Pfarrer Kistler die Frauen für den Vorstand vor, die durch offenes Hand-Mehr gewählt wurden. Die Gründungsmitglieder waren: Elisa Walter, Präsidentin, Anna Döbeli, Aktuarin, Klara Ineichen, Kassierin, Marie Sutter und Luise Kessler, Beisitzerinnen. Der Monatsbeitrag wurde auf 20 Rappen festgelegt. Die Versammlungen fanden für die Mütter alleine am vierten Sonntag jedes anderen Monats und mit den Jungfrauen zusammen jeden folgenden dritten Sonntag, statt. Die Mitglieder wurden gebeten, monatlich, wenn möglich am vierten Sonntag, die heiligen Sakramente zu empfangen und an den vier Generalkommunionen definitiv teilzunehmen. Vorkriegszeit: Vielfältiges karitatives Engagement Die ersten 25 Jahre waren geprägt von der grossen Unterstützung und Hilfsbereitschaft der Frauen gegenüber den Menschen, denen es noch schlechter ging als ihnen und ihren Familien. So wurden Gaben für die Weihnachtsfeier gesammelt, damit auch alle Schul- und Unterrichtskinder beschenkt werden konnten. Es wurde Geld zum Einkauf eines «Cervelat mit Büürli» für die Kinder gesammelt. Weitere Spenden wurden beschafft für den Altarraum, die Marienstatue, zur Tilgung der «Orgelschuld». Nach dem


10

Gemeinsame Ausflüge stärken den Zusammenhalt im Tössemer Frauenverein.

Krieg wurde auch Geld für Deutschland gesammelt, die sogenannte «Deutschlandspende». Ende 1919 wurde erstmals eine Delegation von sechs Mitgliedern des Müttervereins an den 24. Zürcherischen Katholikentag gesandt, die erste Frauentagung mit 6000 Frauen fand statt. Ab 1920 wurden von den Frauen auch Ausflüge, Wallfahrten und Besichtigungen durchgeführt, zu Beginn war man noch mit Lastwagen unterwegs. Der Müttertag wurde in jedem Jahr zur Gründungszeit des Müttervereins durchgeführt, mit Generalkommunion am Morgen, dem Hochamt mit festlicher Predigt extra für die Mütter und am Nachmittag mit einer Andacht. Anschliessend fand der gesellige Teil im «Hirschen» oder im «Freihof» statt. 1925 wurde der Präses Pfarrer Dr. Pius Kistler in die Ewigkeit abberufen. Die nächsten vier Jahre war Pfarrer Grüninger Präses des Müttervereins gewesen, anschlies­ send Pfarrer Dr. Karl Hain. Kriegsjahre: Verantwortung auf den Schultern der Frauen 1929-1933 – Weltwirtschaftskrise – September 1939 – Ausbruch des zweiten Weltkriegs durch Hitlers Einmarsch in Polen – Mobilmachung in der Schweiz am 2. September – 450’000 Männer zum Aktivdienst eingerückt – 10’000 Frauen zum sogenannten militärischen Frauenhilfsdienst eingezogen. Zu Hause, in Töss, lag wieder die ganze Verantwortung für die Familie auf den Schultern der Frauen. Zum 25-jährigen Bestehen des Müttervereins im Oktober 1939 konnte nur eine kleine, schlichte Feier durchgeführt werden.

Die Kriegsjahre verliefen auch für den Mütterverein sehr still. Auf Geselligkeit wurde ausser am Müttertag verzichtet, auch die kirchlichen Versammlungen waren in diesen Jahren nicht gut besucht. Die Frauen fuhren aber des Öfteren nach Einsiedeln, um für Schutz des Vaterlandes, der Soldaten und der Familien zu bitten. Wieder wurde den Familien in Not geholfen, die Kinder bekamen an der Weihnachtsfeier zu essen, der Erlös der Tombola, für die die Frauen gesammelt hatten, diente weiterhin zur Tilgung der Orgelschuld. 1964: 50-Jahr-Jubiläum von Kirche und Frauenverein Auf eine eigentliche Feier des Frauenvereinsjubiläums wurde verzichtet, da in diesem Jahr natürlich wieder viele Jubiläen anstanden, zum einen 50 Jahre Kirche St.  Josef. Im Juni 1964 besuchte Bischof Johannes Vonderach St. Josef und spendete über 100 Mädchen und Knaben das Sakrament der Firmung, am 21. Juni feier­te die Gemeinde mit dem Frauenvereinspräses Pfarrer Dr. Karl Hain dessen goldenes Priesterjubiläum. Eine Woche später feierte er nach 35-jähriger Tätigkeit in St. Josef seinen Abschiedsgottesdienst. Am 27. August begann in der Geschichte des Frauenvereins und der Pfarrei ein neuer Abschnitt. Dekan Meier installierte den neuen Präses Pfarrer Otto Stähli als neuen Pfarrherrn von Töss. 1965 wurde eine Frauengruppe gegründet, die sich im Hinblick auf den erstmals 1966 stattfindenden Bazar wöchentlich zu Strickabenden unter der Leitung von Frau Marei Schönbächler traf. 1966 – 1991: Das Angebot wird immer breiter 1966 brachte der erstmalig durchgeführte Bazar einen Erlös von 30’000 Franken, der zugunsten des neu entstehen-


11

den Pfarreiheimes eingesetzt wurde. Neu wurden Bastelkurse angeboten, die so viele Frauen besuchen wollten, dass sie zwei- bis dreifach durchgeführt werden mussten. Werktagsmessen um halb neun Uhr morgens und Abendmessen wurden eingeführt und fanden Anklang bei den Frauen. Der ökumenische Weltgebetstag in der Methodistenkapelle, im reformierten Kirchgemeindehaus und im katholischen Pfarreiheim stand neu im Programm. Vor­ träge durch Referenten, spezielle Maiandachten für Frauen, Fasnachtsunterhaltungsabende mit Tombola und mit Beiträgen des Frauenvereins kamen dazu. 1969 fand die feierliche Einweihung des Pfarreiheimes statt. Der Frauenverein zählte in den Siebzigerjahren über 200 Mit­ glieder. 1979 wurde die Gruppe «Mir händ Chind» gegründet, die ersten Leiterinnen waren Irma Wirthlin und Vreni Büchi. Die Frauenvereine der Region Winterthur führten auch gemeinsame Kurse durch, Besinnungsnachmittage fanden statt. Kleider und Sportartikelbörsen wurden gemeinsam im reformierten Kirchgemeindehaus durchgeführt. Am 22. Februar 1981 wurde das verwaiste Pfarrhaus neu besetzt und der Frauenverein bekam als neuen Präses Pfarrer Alfred Böni. 1989 konnte das 75-jährige Bestehen des Frauenvereins gross gefeiert werden – ein Ereignis, an das viele Mitgliedsfrauen gerne zurück denken. Regelmässig wurden nun auch Wanderungen gemacht, man besuchte das Sommertheater, es wurden gemeinsame Besinnungsnachmittage aller Frauenvereine besucht. Für die verstorbenen Mitglieder des Vereins fand jeweils im November eine Messe statt, Pfarreifeste wurden mitorganisiert, Adventsfeiern im Pfarreiheim gehalten. Geturnt wurde nun am Mittwochmorgen, so dass alle fit blieben. Taufbesuche wurden gemacht, für die Täuflinge gab es ein Pullöverli. In den nächsten Jahren kamen die Frauenmessen an jedem ersten Donnerstag im Monat hinzu, vorbereitet von einer Gruppe Frauen aus dem Verein. Neu war auch der ökumenische Frauezmorge: die Frauen trafen sich im Café Frosch.

Zur Jubiläumsgeneralversammlung im Frühling 2014 tragen die Vorstandsfrauen historische Kostüme.

weiter: An einem gemeinsamen Wochenende, das die Vorstandsfrauen für gewöhnlich ausserhalb der Pfarrei verbringen (Kartause Ittingen, Propstei Wislikofen) erstellen sie jedes Jahr aufs Neue ein ansprechendes Programm. Seit zwei Jahren sind die Frauen am ökume­nischen Bazar für den Verkaufsstand von St. Josef zuständig. Im März 2014 konnten sie zusammen mit den Frauen aus der reformierten Kirchgemeinde und mit Frauen aus allen Nationen zum dritten Mal den «Internationalen Tag der Frau» feiern: Ein Grossanlass mit über 200 Frauen, von denen ganz viele etwas zum Gelingen beitrugen. Im Februar dieses Jahres begannen die Feiern zum 100-jährigen Bestehen an der GV: eine wunderbare Feier und rückblickend auf das oben genannte Zitat von Anna Döbeli kann man sagen: Ja, das Samenkorn ist zu einem grossen Baum gewachsen, der hundertfältige Frucht gegeben hat. Passen wir auf ihn auf, dass er nicht abstirbt und vertrocknet. Lasst ihn uns hegen mit frischem Mut und düngen mit neuen Ideen, so dass er noch viele Jahre weiter gedeihen kann! Für das Frauenvereinsteam:

1991 – 2014: Probleme und Lösungen Um die Jahrtausendwende traten grosse Spannungen in der Pfarrei auf, häufige Personalwechsel im Pfarrhaus und unterschiedliche Ansichten und Meinungen machten auch vor dem Frauenverein nicht Halt. Viele Frauen zogen sich zurück, traten gar aus dem Frauenverein aus. Für die nachfolgenden Teamleiterinnen kein einfaches Unterfangen, immer wieder neu zu motivieren und neue jüngere Frauen für den Verein, der ja heute offen ist für alle Frauen, zu gewinnen. Doch der Vorstand machte

Marianne Henauer, henauem@bluewin.ch


12

Jeden Mittwochmorgen sind die Tössemer Turnfrauen aktiv.

Am Dienstagabend erfüllen die Stimmen von Gospelvoice das Pfarreizentrum.

Gesundheitsgymnastik 60plus

Gospelvoice

Die Herbstzeitlosen turnen

Seit 20 Jahren Freude an der Gospelmusik

«Wir bewegen uns für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden, für die Stärkung unseres Immunsystems und weil wir Freude an unserer körperlichen Fitness

«Gospel bedeutet Evangelium, Gute Nachricht. Ein Gospelchor ist ein religiös orientierter Chor mit modernen Stilelementen» – So lautet gemäss Wikipedia die Definition eines Gospelchores.

«

Nimm dir die Zeit, reservier dir die Stunde, mach was für dich persönlich jeden Mittwoch in fröhlicher Runde

»

und Beweglichkeit haben. Jeden Mittwochmorgen von Uhr 9.30 bis 10.30 findet im Pfarreizentrum St. Josef, Nägelseestr.46, 8406 Winterthur Töss die GesundheitsGymnastik 60 plus statt. Dies mit einem Kostenanteil von 110 Franken halbjährlich.» – So werben die rüstigen Turnerinnen heute für ihr Angebot, das die Vereinslandschaft in St Josef um ein Fitnessangebot ergänzt. Flotte Rhythmen für fitte Damen Schon vor einigen Jahren schrieb der Winterthurer Stadtanzeiger über diese aktiv turnende Gruppe: «Die Herbstzeitlosen von Winterthur turnen in Töss. Noch ganz schön fit und immer fröhlich lachend: Damen zwischen 64 und 85 Jahren turnen in der Gesundheitsgymnastik in Töss. Die alten Oma-Zeiten sind vorbei. Zu Beginn jeder Stunde wird mit modernen Rhythmen der Kreislauf in Schwung gebracht. Anschliessend gibt es gezielte Übungen für die verschiedensten Körperteile. Jede Mittwochmorgenstunde wird mit einer wohlverdienten Entspannung beendet.»

Definitionen sind für «Gospelvoice» aber Nebensache: Der Verein mit rund 25 aktiven Sängerinnen und Sängern ist geprägt und verbunden durch die Freude an der Gospelmusik. Jüngere und ältere, lautere und leisere Stimmen proben unter der engagierten, professionellen Leitung von Adina Liebi immer am Dienstagabend im Saal des Pfarreizentrums St. Josef. Eigeninitiative, die sich bewährt Gegründet und finanziert wurde Gospelvoice im Jahre 1994 ursprünglich als Blaukreuz-Projekt. Nur zwei Jahre später wurde das Projekt aber schon stillgelegt und der Chor durch die Mitglieder mit viel Elan als freie Gruppierung eigenständig weitergeführt. Dank dem damaligen Chorleiter aus Dättnau durften die Sängerinnen und Sänger ab 2002 den Saal im Pfarreizentrum St. Josef als offizielles Probelokal benutzen. Im Jahre 2006 erfolgte dann die offizielle Gründung des überkonfessionellen, ehrenamtlich geführten Vereins Gospelvoice. Eines der Ziele besteht darin, jedes Jahr die eingeübten Lieder in einer Serie von mindestens vier Konzerten aufzuführen. Dabei werden die Sängerinnen und Sänger jeweils von einer tollen Band begleitet. Ausserdem wirkt Gospelvoice sehr gerne an Gottesdiensten mit, gestaltet Firmenanlässe oder tritt an Hochzeiten auf. Mitsingen darf jedermann und Interessierte sind immer herzlich willkommen.

Interessierte Damen sind stets willkommen. Karin Ruthenbeck, k.ruthenbeck@bluewin.ch

Mehr Informationen: www.gospelvoice.ch


13

Gemeinsam grillieren: nur einer der beliebten Anlässe des Männervereins.

Männerverein Junge und jung gebliebene Männer, die sich mit Gott und der Welt auseinandersetzen Der Katholische Männerverein St. Josef Töss wurde am 30. Dezember 1904 gegründet und blickt im Jubiläumsjahr bereits auf eine 110-jährige Geschichte zurück. Im Verein haben sich Männer aus der Pfarrei St. Josef Töss oder solche, die sich mit der Pfarrei verbunden fühlen, zusammengefunden. Er baut auf christlichen und sozialen Werten auf und leistet einen aktiven Beitrag zum Pfarreileben. Regelmässig engagiert sich der Verein bei der Durchführung von besinnlichen und religiösen Veranstaltungen oder unterstützt tatkräftig gesellige Anlässe der Pfarrei. Engagement für die Gemeinschaft Neben dem gemeinsamen Besuch von kirchlichen Ver­ anstaltungen und interessanten Vorträgen nimmt das Zusammensein in der Gemeinschaft einen grossen Stellenwert ein. Exkursionen zu Sehenswürdigkeiten in Winterthur und Umgebung sind bei den Mitgliedern ebenso beliebt wie gemeinsame Kochabende, Grillwanderungen oder der traditionelle Kegel- und Jass-Anlass. Zu diesen Veranstaltungen sind natürlich stets auch die Angehörigen eingeladen. Im Mai dieses Jahres haben mehrere Vereinsmitglieder an einer mehrtägigen Jubiläumsreise nach Salzburg teilgenommen. Der Männerverein ist in den vergangenen Jahren um einige Mitglieder gewachsen und hat derzeit etwa 60 Mitglieder. Junge oder junggebliebene Männer, die sich ebenfalls am Vereinsleben beteiligen möchten, sind jederzeit herzlich willkommen! Michael Börsch, mb.boersch@sunrise.ch

Kinder und Familien In unserer Pfarrei haben mehrere Kinder- und Familientraditionen ihren Platz Zuerst ist da natürlich das alljährliche Krippenspiel, das am 24. Dezember im nachmittäglichen Familiengottesdienst aufgeführt wird. Das geeignete Spiel zu finden, ist dabei gar nicht so einfach: Es soll besinnlich sein, aber nicht zu fromm; es soll lustig sein, aber doch mit Tiefgang; es soll für die Anzahl der interessierten Kinder stimmen, aber sich trotzdem noch ausbauen lassen, falls sich spontan noch weitere Kinder melden etc. Doch dank der Begeisterung der Kinder gelingt es immer wieder, den Zuhörern von Jung bis Alt im bestbesuchten Gottesdienst des Jahres den Sinn der Weihnacht nahe zu bringen. Nicht vergessen werden soll dabei unsere ehemalige Seelsorgerin Elvira Gilg, die das Krippenspiel bis zu ihrer Pensionierung mehrere Jahrzehnte lang mit den Kindern gestaltete und aufführte. Wie ich hörte, war früher auch die Anzahl der Kinder sehr viel höher. Was für ein Aufwand und Spektakel muss es gewesen sein, mit 30 bis 40 Kindern so ein Spiel aufzuführen! Auch zu unserer Tradition gehört der alljährliche Kreuzweg für Kinder und Familien am Karfreitagvormittag. Der Anlass wird jeweils neu kindgerecht mit Mitmach-Elementen, aber auch mit besinnlichen Momenten vorbereitet. Sowohl von der zentralen Bedeutung der Kar- und Ostertage als auch vom regen Besuch dieses Anlasses her ist dieser Kreuzweg eines der wichtigsten liturgischen An­ gebote für Kinder und Familien in St. Josef. Tradition hat in unserer Pfarrei auch die Familierundi. Eine ökumenische Gruppe aus freiwillig und hauptamtlich Tätigen koordiniert verschiedene Angebote für Kinder und Familien: Märchennachmittage, eine Kinderkleiderbörse, ein Osterbasteln, den Familierundi-Gottesdienst im November und vieles mehr.


14

Dazu kommen verschiedene aktuelle Angebote: Kinder­ tage oder die Anlässe der Ministranten, die für alle Kinder offenstehen. Je nach Halbjahresprogramm steht Grillen, Guetzlibacken, Basteln oder ein Spielnachmittag auf dem Programm. Dieses Jahr wurden wir bei unserem Jubiläums-Kindertag sogar von einem Zauberer aus dem fernen Walliserland überrascht und verhext. Einen Überblick über unser jeweiliges Kinder- und Familienprogramm können Sie sich in unserem Halbjah­ resflyer oder im Internet verschaffen: www.stjosef.ch Gemeinschaften Familierundi Die Jugendlichen schätzen beim Rosenkranzgebet – so

Ines Bolthausen, ines.bolthausen@kath-winterthur.ch

ihre Aussage – «die Kombination von Aktivem mit Meditativem».

Ökumenische offene Jugendarbeit Jugend-Rosenkranz im Jugendzentrum Töss

Altbewährte Gebetsform gepflegt von Jugendlichen

Jugendanlässe von A bis Z

Beten in der heutigen Zeit der Hochtechnologie abschaffen? Nicht mit uns, sagen sich Tössemer Jugendliche.

Am Anfang war es eine Gruppe Jugendlicher aus Winter­ thur Töss, die sich regelmässig in der Freizeit im Jugendzentrum Töss an der Stationsstrasse 3A trafen. Nach ein paar Jahren wöchentlichem Treffen – zwei bis drei Stunden am Mittwochnachmittag und Freitagabend – wollten die jungen Frauen und Männer auch später als Gruppe zusammenbleiben. Lena Wildermuth, Paul Miklovic, Esther Müller und einige andere Erwachsene begleiten deshalb die Jugendlichen zur Selbständigkeit. Sie animieren sie, selber Aktionen zu organisieren. Verschiedene Anlässe wie beispielsweise das Jugendzentrum zu besprayen (legal, selbstverständlich!) oder ein gemeinsamer Pizzaabend begeistern und kitten die Jugend zusammen. Die Anlässe reichen inzwischen von A bis Z: Alpamare, Schlitteln, oder Kegeln und Fondueessen gehören zum Angebot. Das Leiterteam sucht gemeinsam mit den Jugendlichen nach Daten, gestaltet die Anlässe und orga­ nisiert diese. Eines ist sicher: Auch nach der Schulzeit sollen die Jugendlichen zusammen bleiben und sich vom Gruppengeist anstecken lassen. Die Angebote der offenen Jugendarbeit können von allen Jugendlichen der Stadt Winterthur ohne Mitgliedschaft oder andere Bedingungen genutzt werden. Paul Miklovic, Pastoralassistent paul.miklovic@kath-winterthur.ch

Daraus entstanden ist die Jugend-Rosenkranzgruppe in St. Josef: Die Jugendlichen, die seit gut zwei Jahren den Rosenkranz beten, sind begeistert davon. Formiert hat sich die Gruppe im Frühling 2012 während der Firmreise. Pfarrer Jacek Jeruzalski und der Jugendarbeiter Felix Marti fragten die Firmanden vor dem Trevibrunnen in Rom nach ihrem Interesse an einem gemeinsamen Rosenkranzgebet. Warum diese altbewährte Gebetsform nicht den Jugendlichen anbieten? – hatten sie sich überlegt. Und nicht dauernd, aber doch immerhin ab und zu ist heute ein erfrischendes «Gegrüsst seist du Maria» von den Jugendlichen in der St.  Josefs-­ Kirche zu hören. «Schön! Das hält das Glaubensleben in unserer Pfarrei frisch und jung», sagt sich nicht nur das Seelsorgeteam in St. Josef. Pfarrer Jacek Jeruzalski und Felix Marti, jacek.jeruzalski@kath-winterthur.ch, marti.f@bluemail.ch


15

Strickgruppe

Ministranten

«Wir stricken fürs Leben gern!»

Eine eingeschworene Gemeinschaft – nicht nur im Gottesdienst

Selbstgestrickte Wollsocken? Babyfinkli oder ein flauschiges Kinderjäckchen? Es gibt Dinge, die einfach am Schönsten sind, wenn sie sorgfältig von Hand gearbeitet wurden. In der Strickgruppe der Pfarrei St. Josef entstehen deshalb Socken, Schals, Kinderkleider und vieles mehr. Es wird gestrickt und gehäkelt – doch es gibt auch viel zu lachen! Neben dem Handarbeiten liegt der Strickgruppe die Geselligkeit am Herzen. Von September bis April treffen sich die Mitglieder jeden Dienstagnachmittag im Pfarreizentrum und es wird gestrickt, bis die Nadeln glühen. Die so entstandenen Strickwaren verkaufen sich gut am ökumenischen Bazar, vieles wird aber auch verschenkt oder landet in den Adventssäcklein der Vinzenzkonferenz für unsere Senioren.

Die Ministranten oder «Minis» von St. Josef leisten wertvolle Dienste in den Gottesdiensten. Daneben unter­ nehmen sie aber auch einiges gemeinsam: Auf dem Programm für die Mädchen und Buben stehen Weekends, Ausflüge, Pokerabende, Fussball und viel anderes mehr. Besonders stolz ist das Seelsorgeteam in Töss darauf, dass die «Mini»-Schar die grosse Vielfalt der Weltkirche widerspiegelt: «Minis» mit philippinischer, italienischer, spanischer, vietnamesischer, eriträischer Herkunft, aus Sri Lanka und der Schweiz finden in St. Josef zu einer kunterbunten und fröhlichen Gruppe zusammen. Die Tössemer «Minis» wissen, dass es am besten zusammen geht! Ines Bolthausen, Pastoralassistentin

Maria Gmür, Tel. 052 203 93 36

ines.bolthausen@kath-winterthur.ch

NarrenSiegel Töss Für ein paar Stunden Narrenfreiheit Die Geschichte der Tössemer Fasnacht hing stark mit dem Hotel-Restaurant Krone zusammen. Selbstverständlich fanden hier auch sämtliche Anlässe der anderen Tössemer Vereine statt. Die eigene «Frösche»-Fasnacht feierte hier ihre Höhepunkte – und bot damit über Jahre der Fasnacht des Fastnachtskomitees Winterthur (FAKOWI) in der Innenstadt Paroli. Im Jahre 1959 musste das Haus schliessen und somit endete auch die «Frösche»-Fasnacht. Ab 1969 wurde im neuen Pfarreiheim wieder Fasnacht gefeiert. Jedoch bestand damals die Fasnacht mehr oder weniger aus einem Theater und einer Tombola.

Narrentreiben am Fröschliball des NarrenSiegels Töss.

Fröscheball und Fröschliball Dies war Peter Rüesch, Ferdinand Hess und Toni De Massari zu wenig und so gründeten sie 1986 als neuen Pfarrei­verein das NarrenSiegel Töss. Von da an gab es wieder eine Saalfasnacht für gross und klein. Den Frösche­ ball und den Fröschliball. In den ersten Jahren wurden am Fröscheball auch Schnitzelbänke vorgetragen. Doch das kam bei den Besuchern nicht gut an, da das fasnächtliche Treiben der Maskierten durch die Schnitzelbänke unterbrochen wurde. Später wurden der 11.11. und die Nachlese ins Jahresprogramm des NarrenSiegels aufgenommen. An diesen Anlässen gab es Gelegenheit, die

selbstgeschriebenen Schnitzelbänke vorzutragen, und sie boten Platz für Gastauftritte, womit diese Anlässe be­ reichert wurden. Die Nachlese entwickelte sich zum wichtigsten Anlass für das NarrenSiegel. Durch diesen Anlass entstanden wichtige Bande zum Winterthurer Stadtrat. Denn zur Nachlese ist jeweils ein Mitglied des Stadtrates als Ehrengast und «Narrenopfer» eingeladen. Das NarrenSiegel schreibt für diesen Gast den Klamauk, ein spezielles Bühnenspektaktel, das den ausgewählten Stadtrat liebevoll aufs Korn nimmt, und überreicht ein zum Thema passend ausgesuchtes fasnächtliches Geschenk.


16

Stadtpräsident Michael Künzle als Ehrengast

tag zur Schlüsselübergabe begleitet und am Sonntag präsentiert das NarrenSiegel am grossen Fasnachtsumzug in der Stadt den eigenen Sujet-Wagen. An der Tössemer Dorfet ist die Gruppe mit einem grossen Festzelt präsent und die NarrenSiegel-Beiz serviert traditionell den berühmten Schweinsbraten aus dem «Oklahoma-Joe»!

an der fastnächtlichen Nachlese.

Dieses Geschenk darf das NarrenSiegel jeweils an einer folgenden Stadtratssitzung im Stadthaus im Beisein des Gesamtstadtrates übergeben. Zum festen Bestandteil der Nachlese ist auch das Politcabaret von Martin und Fiore geworden. Die beiden «Obdachlosen» betrachten die Politlandschaft und die Geschehnisse in der Stadt und der Welt mit ihren Augen aus ihrem Abfallcontainer, in dem sie wohnen! In der Zwischenzeit sind noch weitere Anlässe zum Jahresprogramm des NarrenSiegels dazu gekommen: Mit dem Baldachin wird der Stadtpräsident am Fasnachtsfrei-

Nikolausgruppe St. Josef Loben muss man, tadeln darf man Leuchtende Kinderaugen erwarten den Schmutzli und den Samichlaus, wenn sie polternd und mit der Glocke läutend die Treppe hochsteigen. Was ist denn das? Schaut da hinter der Mutter noch ein ängstliches Augenpaar hervor? In der Stube versammelt sich nun die ganze Familie und empfängt die Gäste mit: «Guete’n Abig Samichlaus, Sali Schmutzli». Im grossen Buch schaut der Samichlaus, was der Schmutzli im Laufe des Jahres alles aufgeschrieben hat. Da gibt es viel zu loben aber auch ein wenig, das besser gemacht werden kann. Nun kommt der schönste Teil: Die Kinder sagen ihre Versli auf oder spielen etwas auf ihren Instrumenten vor. Nach gelungenem Vortragen ist im Strahlen der Augen nichts Ängstliches mehr zu sehen. Helle Freude und glückliches Kinderlachen zaubert nun der Schmutzli in die Stube, wenn er die guten Sachen und die Geschenke aus seinem Sack verteilt. Und schon heisst es wieder: «Tschau zäme, bis zum nächschte Jahr!» Familienbesuche auf gepflegte Art Ursprünglich hatte die Jungmannschaft, später die Jugendgruppe Kitt 77, jährlich eine Nikolausaktion durchgeführt und die Familien in Töss besucht. Nach der Auflösung der Jugendgruppe, ca. im Jahr 1985, übernahmen einige Mitglieder aus dem Männerverein diese schöne

Tössemer Fastnachtskultur hüten und pflegen Die Zukunft der verschiedenen Anlässe könnte nicht unterschiedlicher sein: Während der 11.11. und die Nachlese im vollbesetzten Saal stattfinden, schwinden die Besucherzahlen am Frösche- und Fröschliball stetig. Dies ist wohl ein Zeichen der Zeit. Die Gesellschaft entwickelt sich immer mehr hin zur Konsumgesellschaft. Zu­nehmend wird es auch schwieriger, Nachwuchs für das NarrenSiegel-Komitee zu finden. Trotz verschiedener Widerwärtigkeiten soll aber die Fasnachtskultur in Töss weiter gehütet und gepflegt werden. György Farkas, farky@gmx.net

Aufgabe und gründeten die Nikolausgruppe St. Josef Töss. Diese Gruppe hat sich auf die Fahne geschrieben, in gepflegter Art und auf qualitativ hohem Niveau die Tössemer Familien zu besuchen, ganz nach dem Motto: Loben muss man, tadeln darf man. Am Anfang startete die Nikolausgruppe mit zwei Ausrüstungen, doch die Kundschaft wuchs und heute sind vier Mannschaften, bestehend aus Nikolaus, Schmutzli und dem Eseli respektive Fahrer, unterwegs. Die Anzahl der Besuche war über mehrere Jahre rückläufig, nimmt zum Glück wieder stetig zu. Es wäre schade, wenn dieser schöne Brauch verschwinden würde. Die Nikolausgruppe hat sich daher weiter entwickelt, so hat sie nun auch einen eigenen Auftritt im Internet und Anmeldungen können via E-Mail getätigt werden. Dank den engagierten Frauen und Männern der Nikolausgruppe wird diese schöne Tradition weiter leben und den Kindern von Töss viel Freude bereiten. Nach der Nikolausaktion, meist im März, treffen sich alle Mitglieder zu einem gemütlichen Nachtessen. Nach den Sommerferien kommt man in der Hütte der Familie Schneider zu einem schönen Grillabend zusammen. Da wird über Erlebnisse berichtet und es werden Erfahrungen ausgetauscht. Christian Tanner, ch.tanner@tanner-engineering.ch


17

Pfadi Neuburg/Wartensee

Sammelaktion St. Josef

Allzeit bereit – die Pfadi in St. Josef

Gelebte Solidarität

Pfarreizentrum St. Josef: Treffpunkt vor der Übung.

Die Pfadfinder oder Pfadis sind schon seit langer Zeit auch Mitglied der Pfarrei St. Josef und versuchen so gut zu helfen wie sie können, auch wenn – nach eigener Einschätzung – meist eher etwas chaotisch. Immer wieder helfen Pfadis bei Apéros oder beim Kaffee nach dem Gottesdienst. Für die Kinder ist das immer ein tolles Erlebnis, denn sie dürfen wie die Grossen Kaffee ausschenken und Kuchen verkaufen. Von Zeit zu Zeit kommen auch Mitglieder der Pfarrei an Pfadianlässe, um die Jugendlichen zu unterstützen oder um Geschichten zu erzählen und den Pfadialltag zu geniessen. Für diese schöne Mitarbeit in den vergangenen Jahren danken die Pfadis der Pfarrei ganz herzlich und gratulieren zum Jubiläum. Sie hoffen, diese gute Zusammen­ arbeit noch für viele Jahre aufrechtzuerhalten. Allzeit bereit Pfadiabteilung Neuburg/Wartensee www.pfadinewa.ch

Bis 1914 hatte katholisch Töss keine eigene Kirche und erst seit 1906 wurden in Töss im Schulhaus Eichliacker Gottesdienste gefeiert. Im Jahre 1913 wurde nach den Plänen des Rorschacher Architekten Adolf Gaudy mit dem Bau unserer heutigen Kirche begonnen. Ein Jahr später, am 30. August 1914 konnte das vollendete Werk feierlich eingeweiht werden. Die Kosten für den Bau beliefen sich auf 115’000 Franken; diese Mittel stammten aus der Kasse des Kultusvereins Chur. Dem damaligen Pfarr-Rektor Dr. phil. Pius Kistler blieb die schwere Aufgabe, das Geld für Zinsen und Schuldentilgung zu beschaffen. Im Jahre 1921 erbaute die Châletfabrik Inter­ laken zum Preis von 74’200 Franken das Pfarrhaus im Châletstil dazu, was den Schuldenberg nochmals anwachsen liess. Gründung des Sammelvereins Aus den zur Verfügung stehenden Unterlagen geht nicht hervor, wie hoch sich die abzutragende Schuld belief. Auf jeden Fall war es für den damaligen Pfarrer nicht leicht, die nötigen Gelder zusammenzubetteln. Nun wurde ein Verein gegründet, dessen Ziel es war, die notwendigen finanziellen Mittel aufzutreiben, um die Zinsen und die Schuldentilgung zu bewältigen. Sammlerinnen und Sammler gingen von nun an von Haus zu Haus, von Familie zu Familie, um den monatlichen Obolus von 50 Rappen einzutreiben. Im «Kassenbuch für den Sammelverein zur Deckung der Bauschuld der Kath. Kirche und Pfarrhaus Töss» ist ein erster Eintrag zu finden, datiert mit dem 1. Mai 1927, und bereits im ersten Halbjahr konnte der Pfarrer 1650 Franken zur Tilgung der Bauschuld entgegennehmen. Glocken, Turmuhr und Orgel Nur zwei Jahre nach der Gründung des Sammelvereins wird der bis dahin stumme Kirchturm zum Glockenturm. Am 23. Juni 1929 ziehen die Schulkinder die vier aus der Glockengiesserei Hamm in Staad bei Rorschach stammenden Glocken in den dafür vorgesehenen Kirchturm. Noch im selben Jahr, zu Weihnachten, erhält der Turm seine noch fehlende Uhr aus der Werkstatt der Firma Mäder in Andelfingen. Die Kosten der Glocken beliefen sich auf rund 23’500 Franken, die der Uhr auf 6’500 Franken. Die katholische Bevölkerung von Töss wurde nicht müde, für ihre weiteren Ziele Geld zusammen zu tragen. Am 22. Mai 1932 konnte wieder einmal ein Fest gefeiert wer-


18

Kirche und und das im Chaletstil erbaute Pfarrhaus St. Josef 1972. Quelle: Winterthurer Bibliotheken, Studienbibliothek

den, eine Orgel mit 22 Registern der Firma Orgelbau AG Willisau wurde eingeweiht. Ihr Preis belief sich auf 15’300 Franken. In den folgenden Jahren wurden noch dies und das angeschafft, so wurden dem Kirchenraum die gewünschten weiteren Elemente nach und nach beigefügt. Durch einen grösseren Landverkauf konnte 1938 ein weiterer Teil der Bauschuld abgetragen werden. Das neue Kirchengesetz Das Jahr 1963 brachte der Pfarrei St. Josef Töss durch das neue Kirchengesetz, das die katholische Kirche im Kanton Zürich staatlich anerkannte, eine spürbare finanzielle Entlastung. Als staatlich anerkannte Kirche durften die römisch katholischen Kirchgemeinden nun auch im Kanton Zürich Kirchensteuern erheben. Die Wünsche der Tössemer Katholiken waren aber noch längst nicht befriedigt, und wer glaubte, dass die Tage der Sammel­ aktion, wie sie ab 1944 genannt wurde, gezählt wären, sah sich getäuscht. Noch immer mussten die weltlichen Anlässe der Pfarrei in einer der Tössemer Gaststätten, vor allem im Saal des «Hirschen», stattfinden. Pfarreiheim und Pfarrhaus Nebst einem neuen Pfarrhaus entstand ein eigentliches Begegnungszentrum, das den Vereinen und der ganzen Pfarrei für Veranstaltungen und Versammlungen dienen sollte. Das neue Pfarreiheim und das Pfarrhaus wurden am 29. November 1969 eingeweiht. Die in der Zwischenzeit wieder erstarkte Sammelaktion trug wesentlich zur Finanzierung der Inneneinrichtung, Mobiliar, Küche und Geschirr bei und arbeitete eng mit der ersten Pfarreiheimkommission zusammen.

Innenrenovation der Pfarrkirche Kurz nach Inbetriebnahme des neuen Pfarreiheims wurde bereits 1970 wieder eine Baukommission gewählt, die sich mit der Innenrenovation der Pfarrkirche zu befassen hatte. Aber erst am 21. März 1976, bei der zweiten Abstimmung, fand das Vorhaben Gnade vor dem Volk. Für rund 1.2 Millionen Franken wurde die Innenrenovation in Angriff genommen. Die Architektur als glücklicher Zufall? Die neue Liturgiekonstitution, die das letzte Konzil hervorbrachte, kam dem Zentralbau jetzt sehr entgegen. Durch seine Umgestaltung konnte der Zentralbau seine Wirkung erst jetzt richtig entfalten. Natürlich wurden die Kosten für den Umbau in der Hauptsache durch die Kirchgemeinde getragen. Aber auch hier gab es einige Gegenstände, welche durch die Sammelaktion mitfinanziert wurden. Renovation und Umbau des Pfarreizentrums Nach rund 42 Jahren nahm die Kirchgemeinde 2010/11 die Renovation und den teilweisen Umbau des Pfarreizen­ trums in Angriff. Im Erdgeschoss wurden die Toilettenanlagen komplett erneuert und mit einem Behinderten-WC ausgestattet. Im Mehrzweckraum und Sitzungszimmer wurden die Beleuchtung und die vom Holzwurm befallenen Schränke ersetzt. Das Foyer wurde vergrössert, indem die fixe Garderobe durch eine mobile ersetzt und der Stauraum aufgehoben wurde, und heller gestaltet, indem die Beleuchtung erneuert, die Fenster vergrössert und die bestehenden Oberlichter zu Fenstern gemacht wurden. Im ehemaligen Büro des Jugendarbeiters war eine Tee- und Kaffeeküche geplant, die bei der Suche nach Spar­ möglichkeiten dem «Rotstift» zum Opfer fiel. Hier sprang die Sammelaktion ein: Da der Pfarrei die Möglichkeit, die kleine Küche bei Apèros mit dem Foyer zu verbinden, am Herzen lag, finanzierte die Sammelaktion die Tee­küche mit rund 19’000 Franken. Im Untergeschoss wurde die alte und defekte Ölheizung durch eine moderne Gasheizung ersetzt und in den vorherigen Öltankraum verlegt. Der alte Lüftungsraum und der kleine Getränkekeller wurden zusammengelegt und darin die neue Lüftungsanlage von Saal und Küche eingebaut. Die unterschiedlichen Niveaus der Kellerräume wurden ausgeglichen und neben dem hinteren Treppenhaus wurde ein Lift eingebaut. Damit sind alle Räume auch mit einem Rollstuhl erreichbar. Im Obergeschoss wurde der Saal umgestaltet, die alte Bühne wurde abgebaut und dieser Raum baulich abgetrennt und zum Stuhlmagazin umfunktioniert. Gleich­ zeitig dient dieser Raum als Zugang zur neuen Bühne, die mit den notwendigen bühnentechnischen Einrich­


19

tungen ausgestattet wurde. Die Sammelaktion half mit 4000 Franken bei der Anschaffung der neuen Theater­ kulissen. Die bisherige Schauspielergarderobe wurde von den Geschirrschränken befreit, ein Lavabo und ein Schminktisch mit gut beleuchteten Spiegeln wurden eingebaut. Die alte kleine Küche im Erdgeschoss fiel dem Lifteinbau zum Opfer. Deshalb wurde auf dem Flachdach über dem Mehrzweckraum baulich aufgestockt und eine neue grosszügige Gastro-Küche eingebaut. In den letzten Jahren hat das Vermögen der Sammelaktion durch gute Beitragsergebnisse, gute Geldanlagen und geringe Ausgaben stetig zugenommen. Es ist erfreulich einen Sparstrumpf zu haben, der es bei ausserordentlichen Anschaffungen, die von der Kirchgemeinde nicht oder nicht vollständig getragen werden, erlaubt, für die Pfarrei wichtige Aufgaben trotzdem in Angriff zu nehmen. Übrigens auch die Ausgabe dieser Festschrift wird mit maximal 5’000 Franken von der Sammelaktion finanziert! Mitgliedschaft Jede Person, welche dem Vereinszweck der «Sammel­ aktion» nachleben und die Pfarrei St. Josef finanziell unterstützen will, kann Mitglied werden. Die Mitgliedschaft ist nicht an die Pfarreizugehörigkeit gebunden. Mit einem jährlichen Mindestbeitrag von 15 Franken ist das finan­ zielle Engagement nicht sehr hoch. Deshalb appelliert der Vorstand an alle, besonders aber auch an die jüngeren Pfarreiangehörigen, sich an dieser Institution zu betei­ ligen. Ferdinand Hess, Präsident, ferdinand.hess@hispeed.ch

Senioren Gemeinsam essen, jassen und verreisen Jeweils vom Herbst bis zum Frühling bietet die Pfarrei St. Josef monatlich donnerstags einen Seniorennachmittag an. Eine gute Gelegenheit, um die Geselligkeit zu pflegen, miteinander zu plaudern und Kaffee zu trinken. Aber auch, um gute Musik, einen lustigen, kulturellen Vortrag oder einfach eine fröhliche Spielstunde gemeinsam zu geniessen. Näheres können Sie dem aktuellen Programm entnehmen.

Ökumenische Seniorenferien Die Pfarrei St. Josef bietet gemeinsam mit der reformierten Kirchgemeinde Töss jedes Jahr eine gemeinsame Ferienwoche für Menschen ab 60 an. Neben Ausflugsan-

Bringt Menschen zusammen: die Seniorenferienwoche von St. Josef.

geboten gibt es auch spirituelle Impulse und viel Gelegenheit, beim gemeinsamen Singen, Austauschen und Lachen, beim Würfeln und Jassen, beim Morgenturnen und an bunten Abenden miteinander Spass zu haben und die Gemeinschaft zu geniessen. Ökumenischer Mittagstisch Viele Gründe führen Seniorinnen und Senioren aus Töss jeden Mittwoch am ökumenischen Mittagstisch zusammen: andere Menschen zu treffen und zusammen zu essen, die abwechslungsreiche, gute und günstige Verpflegung, sich einfach hinsetzen zu dürfen und bedient zu werden, gemeinsam plaudern und lachen zu können … Ausser in den Schulferien, immer mittwochs um 12.00 Uhr, wird deshalb im reformierten Kirch­ gemeindehaus ein feines Menü mit Salat oder Suppe, Hauptgang und Dessert für 12 Franken angeboten. Wer sich jeweils bis zum Montag vor dem Mittagstisch im Sekretariat St. Josef anmeldet, kann in der fröhlichen Tafelrunde Platz nehmen; auf Anfrage wird ein Fahrdienst angeboten. Ines Bolthausen, Pastoralassistentin ines.bolthausen@kath-winterthur.ch


20

Theater Nägelsee Viel zum Schmunzeln – aber keine Schenkelklopfer 1997 regte Pfarrer Alfred Böni an, in St. Josef eine Theatergruppe zu gründen. Bis dato hatte ich immer selber auf den Brettern, die angeblich die Welt bedeuten, gestanden. Von Regiearbeit hatte ich jedoch noch keine grosse Ahnung. Ich absolvierte Kurse in Regiearbeit und griff in die Trickkiste: Ich fragte meinen damaligen Regisseur, ob ich eines seiner Stücke inszenieren dürfe, um so mit etwas mir Vertrautem mein Regiedebut zu geben. Mit dem Stück «Praxis Dr. Herzig» wurde 1999 der Grundstein der Gruppe Theater Nägelsee gelegt. Seither existiert ein bunt zusammengewürfeltes, dynamisches, motiviertes, improvisationsgewohntes Team mit viel Spielraum für Kreativität. Dazu gehört auch eine gesunde Profilierungsneurose, darüber hinaus sind die Mitglieder warmherzig und hilfsbereit, stehen gerne im Rampenlicht, lieben das Lampenfieber, benötigen unbedingt den Applaus, treffen sich ein- bis zweimal wöchentlich, um die ganzen Facetten des Lebens hemmungslos durchzuspielen. Alle zwei Jahre eine Première Waren es 1999 noch zwei Aufführungen, darf sich die Truppe heute an sieben Vorstellungen einem breiten Publikum zeigen. Mit einem Teil der Einnahmen wird stets ein soziales Projekt unterstützt, mit einem anderen Teil

Das Theater Nägelsee in Aktion: das Stück «Interview» von 2014.

kommt die Geselligkeit der Theatergruppe nicht zu kurz. Das Theater Nägelsee führt nach Möglichkeit alle zwei Jahre ein neues Stück auf. Ein kreatives Pausenjahr lässt alle Beteiligten auf- und ausatmen. Sie starten dann freudiger und theaterhungriger mit einem neuen Projekt. Das Publikum ist nach der Wartezeit ebenfalls sehr gespannt auf das neue Stück. Im Zwischenjahr treffen sich die Mitglieder monatlich, um gemeinsam etwas zu unternehmen, gehen zusammen ins Theater und besuchen befreundete Theatergruppen und pflegen den Austausch mit ihnen. Vertrauen innerhalb der Theatergruppe ist die Basis einer guten Gemeinschaft, darum muss diese gepflegt werden. Die nicht eben kurze Anforderungsliste Gerade hat unser Zwischenjahr begonnen, was für mich als Regisseurin heisst: Stücke lesen, Stücke ansehen und hoffen, dass ich etwas Tolles für uns entdecke. Die Kriterien für ein neues Theaterstück sind sehr vielfältig. Mit Herz soll es sein, lustig, aber kein Schenkelklopfer, eine sinnvolle Geschichte, kein Konstrukt mit zehn Türen, das Ende darf nicht schon nach zehn Minuten vorhersehbar sein. Zum Lachen oder Schmunzeln, ohne Mahnfinger und doch mit steigender Spannung, am liebsten mit nur einem Bühnenbild, nicht zu viel schwierige Technik und natürlich, das Allerwichtigste, mit passenden Rollen für meine Crew, keinen Mann zu viel, keine Frau zu wenig, das Alter sollte auch ungefähr mit den Rollen übereinstimmen... Die Liste könnte ich unendlich fortsetzen.


21

Die Freizeit diesem interessanten und vielfältigen Hobby zu widmen, es als Höhepunkt sozusagen auch noch mit einem Publikum teilen zu können, ist das Allerschönste. Bereits zum Besten gegeben hat das Theater Nägelsee: 1999: Praxis Dr. Herzig; 2001: Agentur Rosa; 2003: Bäcke­ rei Dreifuss; 2004: Leih mir diini Frau; 2005: Gsäg­neti Mahlzyt; 2007: Schlafzimmergäste; 2008: Letzter Wille; 2009: Mir spieled Hamlet; 2012: Der Tag an dem der Papst gekidnappt wurde; 2014: Interview. Elisabeth Nussbaumer, eli.nussbaumer@gmx.ch Jede Produktion wird siebenmal aufgeführt – das Publikum dankts mit einem grossen Aufmarsch.

Vinzenzkonferenz St. Josef Not wahrnehmen – Not lindern – Hoffnung geben «Die Nächstenliebe ist immer mit der Gerechtigkeit verbunden.» Vinzenz von Paul (1581-1660) Aus heutiger Sicht ganz kurz nach der Grundsteinlegung der Kirche St. Josef hat sich auch eine Vinzenzkonferenz formiert – nämlich vor 90 Jahren, im Jahre 1923. Sie stellte sich damals wie heute die Aufgabe, den Armen zu helfen. Der kleine Verein von ehrenamtlich Tätigen versucht, «Hilfe von Mensch zu Mensch» zu leisten, prioritär auf dem Gebiet der Pfarrei, aber ohne Berücksichtigung von Konfession oder Nationalität. Aus dem Engagement seiner Mitglieder soll eine christliche Haltung ersichtlich werden. Die Viko arbeitet eng mit dem Sozialdienst der Pfarrei zusammen. Sie hat wie jede Vinzenzgemeinschaft den Anspruch, diskret und verantwortungsbewusst zu wirken. Wahrscheinlich ist sie gerade deshalb viel zu wenig bekannt. Vom Geburtstagspräsent bis zum Fahrdienst Die freiwilligen Helferinnen und Helfer engagieren sich ihren Möglichkeiten entsprechend. Sie gratulieren mit einem Präsent zu runden Geburtstagen ab 70 und besuchen Kranke sowie Personen, die im vergangenen Jahr ihren Lebenspartner verloren haben. Unter anderem bieten sie einen Fahrdienst für den ökumenischen Mittagstisch an und organisieren die jährliche Weihnachtsaktion für Seniorinnen und Senioren.

Die Mittel bezieht die Viko St. Josef aus dem Antoniusopfer sowie aus Spenden und Legaten. Die Viko in St. Josef ist Teil der grössten ehrenamtlichen Laienorganisation der Welt, der Vinzenzgemeinschaft, beziehungsweise der «Gemeinschaft von St. Vinzenz von Paul». Die Vinzenzgemeinschaft wurde vom französischen Jura-Studenten und späteren Wirtschaftsprofessor Frédéric Ozanam (1813-1853) im Jahre 1833 in Paris gegründet. Der Hauptsitz der Vinzenzgemeinschaft befindet sich noch immer in Paris. Ozanam – ursprünglich jüdischer Herkunft – hatte das Gedankengut des heiligen Vinzenz von Paul (1581-1660) angenommen, der als Reaktion auf die konkret erlebte Not Caritas­bruderschaften in den Pfarreien gegründet hatte. Darin organisierten sich Frauen, um Armen und Kranken zu helfen. Der heilige Vinzenz von Paul ist der Patron der Nächstenliebe und Schutzpatron aller caritativen Vereine. An der Schwelle des Industriezeitalters erkannte Ozanam die Notwendigkeit einer organisierten Caritas. Er ist der Gründer der ersten organisierten Armenhilfe. Alle heute tätigen Vinzenzkonferenzen gehen auf diese Initiative zurück. Die Vinzenzgemeinschaften arbeiten im Sinne christlicher Mitverantwortung für die in Not befindlichen Mitmenschen, aber auch für diejenigen, die in ihrer Einsamkeit und Verlassenheit oft den Sinn des Lebens verloren haben. In der Schweiz wurde die erste Vinzenzkonferenz im Jahre 1846 in Genf gegründet. In der ganzen Welt sind zurzeit über eine Million Vinzentinerinnen und Vinzentiner tätig. Auch in Zukunft gehört zu einer lebendigen Pfarrei die Aufgabe, verschiedene Nöte wahrzunehmen, diese zu lindern und neue Hoffnung zu schenken. Daniela Stadelmann-Pellicioli dstadelmann-pellicioli@bluewin.ch


22

Fremdsprachige Missionen Offene Türen für andere Kulturen Vietnamesen-Mission Von einzelnen «boat people» zur schweizweiten Gemeinschaft Im Dezember 1978 wurden die sogenannten vietnamesischen «boat people» aus den Auffanglagern in Malaysia, Indonesien, Thailand, Hongkong und den Philippinen in der Schweiz als Flüchtlinge aufgenommen. Diese Menschen hatten sich kaum von den Strapazen des Lebens auf dem offenen Meer, der physischen und psychischen Belastungen der Flucht aus ihren Heimatländern und dem harten Leben in den Auffanglagern erholt, da mussten sie sich in der neuen Umgebung zurechtfinden. Die schweizerische Kultur, Mentalität und Tradition waren in keiner Art und Weise der ihren ähnlich. So war das Erstaunen über die neue Heimat gross und die ersten Annäherungsversuche nicht immer einfach. Die katholische Vietnamesen-Mission in der Schweiz wurde mit der Erlaubnis des damaligen Präsidenten der schweizerischen Bischofskonferenz, Anton Hängi, im Jahre 1980 gegründet. Für die Betreuung der Mitglieder berief der Bischof einen vietnamesischen Priester in die Schweiz. Sonderstatus der Vietnamesen-Mission Die Katholische Vietnamesen-Mission hat einen Sonderstatus, da sie keiner Pfarrei angehört. Die Mitglieder gehören zusätzlich ihrer eigenen Wohnpfarrei an. Die Erstkommunion und Firmung empfangen sie in der Regel nicht in der Vietnamesen-Mission, sondern in den Pfar­ reien ihrer Wohnorte. Alleine in der Deutschschweiz und im Tessin zählt die Mission heute 2’585 Missions­ mitglieder. An Sonn- und Feiertagen finden an insgesamt 13 verschiedenen Orten Gottesdienste statt. Neben Fällanden, Zürich und Winterthur sind dies Messen in fol-

genden Orten: Emmenbrücke/LU, Kriens/LU, Reinach/ BL, Wattwil/SG, St. Gallen, Bern, Bern Bümpliz, ­Schaan/ FL­, Egerkingen/SO, Obergösgen/SO und Lugano/TI. Die Örtlichkeiten liegen zwischen 100 bis 240 km voneinander entfernt. Eucharistiefeiern in St. Josef Im Kanton Zürich findet einmal pro Monat ein Gottesdienst in der Kirche Fällanden mit 100 bis 150 Missionsmitgliedern statt. Dazu kommen jährlich noch bis zu fünf Eucharistiefeiern in der Kirche Sankt Josef in Winterthur. In diese Aufzählung gehören auch die fünf gesamtschweizerischen Feierlichkeiten: Weihnachten, Ostern, asiatisches Neujahr, Jahrestag der 118 vietnamesischen Märtyrer, Aussetzungen in den Rosenkranzmonaten. Anschliessend gibt es regelmässige Treffen, welche den Seelsorgern und Gläubigen einen offenen Austausch ermöglichen und für die Gemeinschaft sehr wichtig sind. In jeder Gemeinde der Mission gibt es einen Chor, einen Jugendclub und den heimatkundlichen Vietnamesischunterricht für die Kinder, damit die Kultur erhalten bleibt. Da viele ältere Missionsmitglieder den Wunsch geäussert haben, den Religionsunterricht zu besuchen, gehört auch dieser zum Zuständigkeitsbereich. Obwohl die Missionsmitglieder ihre Wohnorte in den verschiedenen Pfarreien haben, pflegen sie untereinander einen guten und regelmässigen Kontakt. Monatliches Informationsheft Monatlich erscheint für alle Mitglieder gesamtschweizerisch das Informationsheft «Muc Vu». Dieses Rundschreiben beinhaltet Informationen über den katholischen Katechismus, Aktuelles über die Landes- und die Welt­

Die Mitglieder der Katholischen Vietnamesen-Mission kommen gerne in St. Josef zusammen.


23

kirche sowie neutrale politische Meldungen aus der ganzen Welt in vietnamesischer Sprache. Dieses Heft ermöglicht es vor allem den älteren Missionsmitgliedern, welche die hiesigen Sprachen nicht genügend beherrschen, sich zu informieren. Auch viele Vietnamesen im Ausland haben durch das Heft den Katechismus kennen gelernt und sind später Katholiken geworden. Des Weiteren erscheinen in diesen Ausgaben die Termine für die Ehevorbereitungen, Katechese- und Religionsunterrichtsstunden sowie allgemeine Missionsanlässe. Aktuell arbeitet ein vollamtlicher Priester für die Mis­ sion. Diese Stelle als Hauptverantwortlicher hält Pater Joseph Pham Minh Van inne. Daneben fungieren drei weitere geistliche Pfarrherren als Aushilfen und sind auf teilzeitlicher Basis angestellt. Mit diesem Personalauf­ gebot wird die gesamte Schweiz abgedeckt. Pham Minh Van, Pfarrer

Philippinen-Mission

«One PCM, one family, one community» Die «Philippine Catholic Mission Swiss» (PCM) ist eine Gemeinschaft philippinischer Migranten hier in der Schweiz. Man trifft sich vorwiegend im deutschsprachigen Teil der Schweiz regelmässig zu gemeinsamen kirchlichen Aktivitäten, lebt und pflegt dabei den Glauben aktiv. Die PCM ist regional organisiert und verankert. Jede Gemeinde von St. Gallen über Zürich bis nach Thun stellt einen Delegierten. Diese Delegierten bilden zusammen den «Philippine Catholic Mission Switzerland Pastoral Council», der seine Mandate direkt von der Dienststelle der Schweizer Bischofskonferenz für Migrationsfragen empfängt. Sinn und Zweck der PCM ist es, all die philippinischen Gemeinden in ihren kirchlichen Aktivitäten zu unterstützen und sie auch zu koordinieren, insbesondere bei Messen, Hochzeiten, Beerdigungen oder anderen Sakramenten. Ergänzend zu den wöchentlichen Messen bietet der PCM auch spezielle Anlässe und Programme wie «Bible-­ sharing», Fastenwochen, Lehre und Katechismus, gemeinsame Wallfahrten bis hin zu Familienberatungen mit professioneller Unterstützung. Im Moment ist der PCM mit einem Jugendprojekt beschäftigt, bei dem es darum geht, dass Kinder und Jugendliche andere Kulturen kennenlernen, begreifen und von ihnen lernen. Antonio Enerio, Pfarrer

Polenmission Winterthur Pflege der polnischen Traditionen in Töss Am 30. September 1939 legte der damalige polnische Präsident Moscickiu seine Ämter nieder und stellte sich den in Frankreich im Exil lebenden Polen zur Verfügung. Auf teilweise abenteuerliche Weise folgten Tausende Polen dem Ruf der Exil-Regierung nach Frankreich, um Widerstand zu leisten. Es lebten bereits rund 500’000 Polen in der französischen Emigration. Daraus ergab sich eine polnische Exil-Armee von 44’000 Soldaten. Anstatt der erhofften 185’000 Mann erreichte die polnische Einheit dann aber nur deren 82’000. Die Männer waren kaum ausgebildet und hatten meist nur veraltetes Material zur Verfügung. Sie schlossen sich dem französischen Armeekorps an. Am 2. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg und Mitte Juni 1940 drangen die deutschen Truppen überraschend von Westen Richtung Schweizer Grenze in Frankreich ein. Dem französischen Armeekorps wurde damit der Rückzugsweg ins Landesinnere abgeschnitten. Internierung im Zweiten Weltkrieg Der damals kommandierende französische General Ma­ rius Daille musste entscheiden, ob er seine Soldaten in einen aussichtslosen Kampf und in die sichere Kriegs­ gefangenschaft schicken oder den Weg in die Schweiz in die Internierung antreten wollte. Neben Soldaten anderer Nationen blieben deshalb bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 12’152 Polen in der Schweiz interniert. Die Armeeleitung gab für Internierungslager Gebiete frei, welche weder in Grenznähe noch in grossen Städten lagen. Durch die Gründung des EKIH (Eidg. Kommis ­sariat für Internierung und Hospitalisierung) wurden die ursprünglichen Regionen Napf und Thur durch andere Abschnitte, unter anderen auch Winterthur-Töss, ersetzt. Hier befand sich bereits ein Stammlager, welchem kleinere Arbeitslager untergeordnet waren, die sich mit relativ geringem Aufwand auf- und abbauen liessen. Die Internierten hatten die Möglichkeit, sich weiterzubilden, beziehungsweise ihr durch den Krieg unterbrochenes Studium fortzusetzen. Unter anderem wurde dafür auch in Winterthur ein Hochschullager eingerichtet. Trotz des Verbotes, intime Beziehungen zu Zivilisten zu haben, kam es zu engen Beziehungen. Die polnischen Internierten waren sehr begehrte Männer und die Frauen liessen sich gerne mit ihnen ein. Daraus resultierten auch einige Schwangerschaften, welche dann zu bewilligten Eheschliessungen führten.


24

Seit 60 Jahren polnische Messe in St. Josef Seit jeher galten die Polen als gläubiges Volk. Die Hiergebliebenen suchten nach der Möglichkeit, diesem Umstand Rechnung zu tragen. Im Jahre 1950 wurde in Marly bei Fribourg die Katholische Polenmission gegründet. Einmal im Monat, um 11.15 Uhr, kam jeweils ein Priester, um die Messe in polnischer Sprache zu lesen. Vorerst fanden diese Messen in der Kirche Herz Jesu statt. Bald darauf aber wurde die Kirche St. Josef in Töss dafür ausgewählt. Seit nun über 60 Jahren treffen sich die Polen jeweils zum Gottesdienst in dieser Kirche. Früher war dies, wie bereits erwähnt, einmal im Monat der Fall, da ein einziger Pfarrer die verschiedenen Orte in der Deutschschweiz bedienen musste. Es war Pfarrer Frania, der jahrelang die beschwerliche Reise per Bahn auf sich nahm. Er war sehr beliebt. Zu den grossen Firmen Sulzer und Rieter kamen immer wieder polnische Monteure. Sie wohnten in Baracken im Wald beim Waldheim. Auch diese fanden während ihrer Abwesenheit von zu Hause hier ein kleines Stück Heimat wieder. Sie waren froh, mit Landsleuten sprechen und sich austauschen zu können. Es gab einen enormen Zusammenhalt dieser älteren Generation. Neuzuzüger aus der Gewerkschaft «Solidarnosc» Nach verschiedenen Aufständen in Polen kamen etliche Flüchtlinge in die Schweiz. Auch sie suchten Zuflucht in der Kirche St. Josef und fühlten sich wohl unter ihren Landsleuten. Während des Aufstandes der Gewerkschaft «Solidarnosc» verliessen sehr viele Polen ihre Heimat. Viele über andere Länder, wohin sie ohne Visum reisen durften. Später wurden sie dann auf verschiedene Länder aufgeteilt und viele hatten das Glück, hier in der Schweiz eine zweite Heimat zu finden. Einige fanden sich damit nicht zu Recht und zogen die Rückkehr nach Polen vor. Aus heutiger Sicht sieht das alles so einfach aus: Man begibt sich einfach in ein anderes Land, wo es einem besser gehen wird. Seien wir aber ehrlich, wer von uns möchte schon seine Heimat verlassen müssen? Die ersten Jahre keine Kontakte mit der Familie, mit Verwandten? Ohne zu wissen, wie die Zukunft aussehen wird? Ob man seine Liebsten je wieder sieht? Während dieser schweren Zeit standen die Türen von St. Josef stets offen. Da traf man sich und konnte das Leid teilen. Bald einmal bestand das Bedürfnis nach zwei Messen monatlich. Diesem Umstand wurde Rechnung getragen. Es wurden teilweise auch Studenten aus Fribourg geschickt, da Personal­ mangel herrschte. Im Herbst 1998 kam dann die Katho­ lische Polenmis­sion in Zürich dazu, da das Gebiet für Marly zu umfassend wurde und von dort aus nicht mehr bedient werden konnte.

«Polen-Weihnacht» und Speisensegnung in Winterthur Die jüngere Generation ist sehr darum bemüht, an heimatlichen Traditionen festzuhalten. So wird all­jähr­lich am zweiten Samstag im neuen Jahr die «Polen-Weihnacht» gefeiert. Obwohl die Schweizer ja auch Katholiken sind, kennen sie die Tradition der Polen nicht: Am Heiligabend war strengster Fastentag. Heute wird dies nicht mehr unbedingt eingehalten. Ein Karpfen auf dem Tisch war Pflicht. Zudem wurde immer ein Gedeck mehr aufgetischt, dies für den Fall, dass jemand an der Tür klopfen und Hunger haben sollte. Zudem bricht man gesegnete Oblaten und geht mit Glück­wün­s chen von Person zu Person. Dabei bricht jede Person von der Oblate des anderen ein Stück ab und nimmt es zu sich. Am Karsamstag findet jeweils die Speisensegnung statt. Auch dies kennt man in der Schweiz nicht. Es lohnt sich vielleicht, einmal vorbeizuschauen und zu beobachten, wie viele Körbe, gefüllt mit Brot, Salz und Wurst, da stehen. Die gesegneten Esswaren werden dann am Ostersonntag zum Frühstück verteilt und man wünscht sich gegenseitig nur das Beste. Im Mai findet jeweils traditionell die «Majowka» statt. Lange Jahre fand dieses Marienfest bei den Walche­ weihern statt, danach einige Male in der Gatterhütte am Eschenberg. Zuerst wird gebetet, anschliessend ist gemütliches Beisammensein: Man singt polnische Lieder, grilliert und tauscht sich aus. Um den 30. November wird ab und zu das Fest «Andr­ zejki» veranstaltet. Das ist die letzte Möglichkeit vor der Adventszeit, sich noch einmal etwas austoben zu können. Alle Veranstaltungen sind jeweils gut besucht. Seit der Personenfreizügigkeit leben sehr viele Polen vor­ übergehend hier. Vor allem in der Landwirtschaft sind sie gefragte Leute. Diese Menschen sind bereit, diese schwere Arbeit weit weg von zu Hause zu verrichten, um den Daheimgebliebenen wenigstens eine kleine finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Das Leben in Polen ist auch heute für den grössten Teil der Bevölkerung kein Zuckerschlecken – vor allem in den ländlichen Gegenden, wo es kaum Arbeitsstellen gibt. Waren früher rund 40 Personen in der Sonntagsmesse, so sind es heute jedes Mal über 100. Den hier lebenden Polen ist es ein grosses Bedürfnis, die Gemeinsamkeit in der Kirche auch weiterhin zu pflegen. Sie bedeutet ihnen Halt und Verbundenheit mit der Heimat. Julia Lauber, julchen48@sunrise.ch


25

1914 bis 2014

Aus der Geschichte der Kirche und Pfarrei St. Josef Das Kloster bei der Tössbrücke Wenn über Töss berichtet wird, muss in erster Linie das Dominikanerinnenkloster erwähnt werden, das im Jahre 1233 vom Grafen Hartmann von Kyburg gestiftet und bei der damals schon bestehenden Tössbrücke erbaut wurde. Dieses Kloster, durch Schenkungen und eigenen Ankauf zu einem stattlichen Grundbesitz gelangt, erlebte seine interessante Zeit im 14. Jahrhundert, als hier durch besonders günstige Umstände die Mystik eine ausgesprochene Pflege erfuhr. Diese Geisteshaltung erstrebte eine

«Tösser Schwesternbuch», um 1460. Abbildung in: Hch. T. Oehninger, Wir hatten eine selige Schwester, 2013, S.96. Quelle: Stadtbibliothek Nürnberg Cod. Cent. V, 10 a.

Verinnerlichung des mittelalterlichen christlichen Glaubens durch die Versenkung des Menschen in die Güte und Gnade Gottes, aus der heraus dem Menschen die Kraft des Lebens geschenkt wurde. Diese Versenkung konnte sich in das Bedürfnis hineinsteigern, Gott und der Welt seiner Heiligen persönlich zu begegnen, woraus Visionen entstanden, die gerade bei den Nonnen in Töss auffallend in Erscheinung traten. Elisabeth Stagel: die Tössemer Nonne Wenn wir darüber heute so gut orientiert sind, so ist dies in erster Linie der Elisabeth Stagel zuzuschreiben, die von 1337 bis 1360 als Nonne im Kloster weilte, selbst Visionen hatte und ihre Hauptaufgabe darin sah, ihre eigenen Erlebnisse, aber auch jene anderer Klosterinsassinnen aufzuschreiben und sie der Nachwelt zu über­ liefern. Dass gerade dieses Kloster zu einer wichtigen Stätte der Mystik werden konnte, mag damit zusammenhängen, dass einer ihrer wichtigsten Vertreter, Heinrich Suso, ein berühmter Dominikaner zu Konstanz, das geistliche Leben der Nonnen nachhaltig beeinflusste. Untergang des Kreuzgangs Hat sich so das Kloster in den literarischen und religiösen Zusammenhängen des Spätmittelalters ein dauerndes Denkmal geschaffen, so trifft dies für die kunstgeschichtlichen Zusammenhänge nicht zu. Klosterkirche und Kloster Gebäude hatten bescheidenen Umfang und fielen im 19. Jahrhundert der Industrie zum Opfer. Dabei ging auch der Kreuzgang mit einer Folge religiöser Dar­ stellungen, die uns heute nur noch in wenigen Skizzen erhalten sind, zugrunde. Diese Bilder, die in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts gehören, sind umso bemerkenswerter, als sie erstklassige Zeugen einer Kultur darstellten, welche in wenigen Beispielen noch erhalten geblieben ist. Erinnert sei nur an die Kapelle auf der Breite in der Gemeinde Nürensdorf, an die Kapelle in Waltalingen, an die Kirchen von Veltheim und Wiesendangen. Das Kloster zeigte aber im ausgehenden 15. Jahrhundert deutliche Spuren des Zerfalls; die ökonomischen Verhältnisse waren ungünstig, und auch die sittlichen Zustände


26

gaben zu allerlei Klage Anlass. Wir begreifen deshalb, dass seiner Aufhebung im Jahre 1525 keine Schwierigkeiten gemacht wurden. Seine Umwandlung in ein zürcherisches Amt vollzog sich reibungslos. Der Charakter dieses Amtes brachte es mit sich, dass die Gebäude als Amtssitz bis zu dessen Untergang im Jahre 1798 erhalten blieben. Die Klostergüter wurden in weitgehendem Masse zusammengehalten, und ihre Erträgnisse wurden zum Teil für die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gemeinde, zum Teil für jene der Regierung Zürichs, verwertet. Kloster als Gemeindemittelpunkt So blieb das Kloster auch nach der Reformation Mittelpunkt der Gemeinde. Der Amtmann griff seit 1525 in mannigfacher Weise in das Gemeindeleben ein, da er durch die zahlreichen Besitzungen des alten Klosters einen starken Einfluss besass. Er amtierte zudem als Richter und führte die Aufsicht über das kirchliche Leben und über das Schulwesen. Wie sehr das Kloster im Bewusstsein der Bevölkerung noch heute verankert ist, zeigt sich darin, dass die Tössbrücke den Namen Klosterbrücke bekam. Neben dem Kloster und dem späteren Amt nimmt sich die Geschichte der Gemeinde ziemlich dürftig aus, erscheint der Name Töss urkundlich doch erst 1233 zum ersten Male! Auch sind keine bedeutenden Bodenfunde gemacht

worden, die über das spätere Mittelalter zurückweisen könnten. In ihren Anfängen ist die Kirchgemeinde am deutlichsten zu erkennen. Im Zusammenhang mit der Reformation wurde Töss kirchlich aus Oberwinterthur herausgelöst und zur selbständigen Kirchgemeinde erklärt. Als Kirche diente bis 1855 die ehemalige Klosterkirche. Zu dieser Zeit wurde die heutige reformierte Kirche eingeweiht, da die Klostergebäulichkeiten immer mehr den Fabrikanlagen von Rieter & Co. weichen mussten. Erwähnenswert sind ferner die Einführung des Kirchengesanges im Jahre 1639 und der Übergang der Pfarrwahlen von der Regierung in Zürich an die Gemeinde im Jahre 1832. Kirche und Schule Eng mit der Kirche war die Schule verbunden. Sie ist als Winter- und als Sommerschule seit 1606 in Töss nachweisbar; im 18. Jahrhundert kam die Nachtschule hinzu, die vor allem der Hebung des Kirchengesanges diente. Von einer modernen Schule kann erst seit der neuen Schulgesetzgebung nach 1830 gesprochen werden. Damals wurden eine Schulpflege gebildet und eine Volksschule auf Primarschulstufe errichtet. Dazu gesellten sich im Verlauf der Jahre eine Arbeitsschule, eine Kleinkinderschule und, seit 1870, eine Sekundarschule.

Kloster Töss, Blick nordwärts. Tuschzeichnung von Jacob Hoffmann, 18. Jahrhundert. Quelle: Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv, Sammlung Steinfels


27

Die Geschichte von Katholisch Winterthur Die Lokomotiven- und Maschinenfabrik auf dem Boden der benachbarten Stadt brachte Töss einen starken Zuwachs der Arbeiterbevölkerung. Wir begreifen deshalb, dass etwa im Unterschied zu Seen dieser Winterthurer Vorort nur noch wenig landwirtschaftliche Betriebe kennt. Neben der Firma Rieter, die Töss den entscheidenden Charakter gegeben hat, sind an Unternehmungen noch in erster Linie die Neumühle, 1841, und die Steigmühle, 1861, zu nennen, die beide heute nicht mehr als Mühlen existieren und deren Gebäude schon seit einigen Jahren von Dienstleistungsunternehmen genutzt werden. Diese wirtschaftliche Entwicklung bedingte den Anschluss an die modernen Verkehrswege. Am wichtigsten wurde dabei der Bahnhof in Winterthur mit seinen direkten Verbindungen nach den verschiedensten Richtungen. Er wurde 1856 dem Verkehr übergeben, und seine Güteranlagen reichten bis an die Grenzen der alten Gemeinde Töss. Ferner erhielt Töss 1872 bei der Eröffnung der Linie Winterthur-Bülach seinen eigenen Bahnhof. Die bessere Verbindung mit der Stadt wurde durch den Bau der Strassenbahn 1890 erreicht. Prägende «Rieter» Dass die im 19. Jahrhundert aufstrebende Gemeinde bedeutende Persönlichkeiten kannte, ist begreiflich. Die ganze industrielle Entwicklung wäre ohne Heinrich Rieter (1818 bis 1889) nicht denkbar. Er förderte auch das gemeinnützige und öffentliche Leben von Töss und wirkte politisch als Kantons- und Ständerat. Eine bedeutende Gestalt, die in ihrer Jugend den grossen Aufschwung seiner Heimatgemeinde miterlebte und deren Familie als dienendes Glied in der Firma Rieter wirkte, war Jakob Christoph Heer (1859 bis 1925). Seine liebenswürdige Darstellung der Gemeinde Krug im «Joggeli» bleibt ein Denkmal für die Anhänglichkeit des Dichters an seine Heimat. Als Töss am 1. Januar 1922 zusammen mit Wülflingen, Veltheim, Oberwinterthur und Seen mit der Stadt vereinigt wurde, gab diese Gemeinde, deren historische Entwicklung immer eine bescheidene geblieben war und deren Name mehr im Zusammenhang mit Kultur- und Wirtschaftsgeschichte Bedeutung besass, ihre Selbständigkeit preis. Wiederaufleben nach der Reformation Durch die Glaubensspaltung wurde das katholische Leben in Winterthur im Jahre 1524 ausgelöscht, und auch das Kloster Töss wurde ein Jahr später aufgehoben und zu einem zürcherischen Amt umfunktioniert. Es lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen, wann sich die ersten Katholiken wieder in Winterthur niedergelassen hatten. Je mehr in unserem Staate die harten Konsequenzen des

starren Landeskirchentums im Laufe der Zeit durch die Grundsätze der Glaubens- und Gewissensfreiheit und des freien Niederlassungsrechtes überwunden wurden, und je stärker der industrielle Aufschwung der Stadt Winter­ thur gleich einem Magneten auf die Bevölkerung er­ werbsärmerer Gegenden wirkte, desto zahlreicher strömten die Menschen unserer Stadt zu. Im Zuge dieses rasanten Bevölkerungszuwachses hatten sich auch die ersten Katholiken wieder in Winterthur niedergelassen. Nur ganz langsam und widerstrebend aber wurde der katholischen Bevölkerung die Möglichkeit genügender Be­ friedigung ihrer gottesdienstlichen Bedürfnisse zugebilligt. Inwieweit dabei in der ersten Jahrhunderthälfte reaktionäre Ausschliesslichkeit und schwüler kirchenpolitischer Antagonismus hemmend wirkten, lässt sich im Einzelnen nicht mehr durchschauen. Doch, versuchen wir die Gesamtentwicklung knapp zu skizzieren. Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatten sich hier vereinzelte Katholiken, deren seelsorgerische Betreuung durch Erlass des Generalvikars von Konstanz dem katholischen Pfarrer von Gachnang übertragen war, niedergelassen. Im Jahre 1813 richteten 31 katholische Einwohner von Winterthur ein Gesuch an den Stadtrat, man möchte ihnen die Abhaltung katholischer Gottesdienste in der Kapelle zu St. Georgen bewilligen. Obschon die Behörde geneigt war, «unter vorsichtiger Beschränkung und polizeilicher Aufsicht» dem Ersuchen zu entsprechen, erteilte der Regierungsrat die Genehmigung nicht. Wieder katholische Gottesdienste in Winterthur Erst viel später, nämlich 1856, bewirkte ein Initiativkomitee auf Anraten von Weihbischof Haller von Chur ins Leben gerufen, dass der Stadtrat am 31. März 1860 beschloss den Katholiken von Winterthur den Bauplatz für eine Kirche unentgeltlich zu überlassen, sofern sie die Baute als vom Staat anerkannte kirchliche Korporation in Angriff nähmen. Damals belief sich die Zahl der in der Stadt selber wohnenden Katholiken auf 715. Das Komitee richtete darauf am 16. Oktober 1860 ein von 221 Männern unterzeichnetes Gesuch um staatliche Anerkennung der hiesigen Katholiken als kirchliche Genossenschaft an die Regierung, und zwar in dem Sinne, dass ihnen zwecks Einrichtung eines eigenen Gottesdienstes der gleiche Schutz und entsprechende finanzielle Hilfe zu teil werde wie der katholischen Genossenschaft Zürich. Das Gesuch blieb unbeantwortet. Inzwischen wurde das Kloster Rheinau durch das Auf­ hebungsgesetz vom 22. April 1862 in seiner Funktion eingestellt. Das Stiftsvermögen sollte in erster Linie zur Befriedigung der kirchlichen Bedürfnisse der katholischen Gemeinden und Genossenschaften im Kanton Zürich ver-


28

Hochaltar vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil: Hier wurde nachher die Orgel eingebaut; Foto von 1954. Quelle: Winterthurer Bibliotheken, Studienbibliothek

wendet werden. Gestützt auf dieses Gesetz berief das Initiativkomitee auf Palmsonntag, den 13. April 1862, die katholischen Bürger und Einwohner Winterthurs und der Aussengemeinden zu einer ersten öffentlichen Versammlung ein. Einmütig wurde die katholische Kirchgemeinde Winterthur konstituiert. Am Sonntag, dem 10. August 1862, am Feste des Heiligen Laurentius, hielt der Generalvikar von Chur, der bekannte Soziologe Theodosius Florentini, in einem Saal der sogenannten alten Kanzlei an der Marktgasse den ersten hiesigen katholischen Gottesdienst der Neuzeit ab. Und durch Gesetz vom 27. Oktober 1863 verlieh der Kantonsrat der katholischen Kirchgemeinde Winterthur die staatsrechtliche Anerkennung. Im Herbst 1866 wurde mit dem Bau der Pfarrkirche St. Peter und Paul begonnen, und nach kaum zwei Jahren war wenigstens das Äussere vollendet, so dass die Kirche am 5. Juli 1868 benediziert und bezogen werden konnte. Im folgenden Jahrzehnt kam das grosse katholische Vereins­­haus an der Wartstrasse zustande. Der weitere Bevölkerungszuwachs erheischte naturgemäss eine Ausdehnung der pastoralen Arbeit. So wurde für Töss eine Missionsstation eingerichtet, aus welcher die heutige Pfarrei St. Josef hervorgegangen ist.

Die Kirche St. Josef: im Zeichen des Stilgemisches «Dank grosser eigener Opfer und erfreulicher Gaben ist ein Bau entstanden, der der Gemeinde zur Zierde gereicht und sich mit seinen einfachen Formen prächtig dem Landschaftsbilde einfügt…». In einem kurzen Beitrag ging der «Landbote» vom 28. August 1914 auf die Fertigstellung der katholischen Kirche Töss ein und verband seine Glückwünsche zum «wohlgelungenen Werk» mit der Hoffnung auf ein «friedliches und tolerantes Zusammenleben der beiden Konfessionen». Die protestantische Mehrheit erhoffte sich eine katholische Minderheit, die ihren Glauben möglichst unauffällig ausübte und den von der Mehrheit definierten religiösen Frieden nicht in Frage stellte. Dazu passte nicht zuletzt der Standort der katholischen Kirche etwas ausserhalb des Dorfes Töss. Über den Architekten des ungewöhnlichen Gebäudes und über die Hintergründe des Bauprojekts hingegen verlor die Zeitung kein Wort. Immerhin würdigte 1942 die Chronik des Bistums Chur die Kirche St. Josef als einen «merk­ würdigen Bau, in dem sich zwei Tendenzen nicht gerade glücklich kreuzen». Das «pseudo-romanisch-gotische Riesenfenster» stehe im Widerspruch zum übrigen modernen Baugedanken, und das Innere sei allzu reichlich und etwas schwerfällig ausgemalt. Die im Raum Winterthur eher ungewöhnliche Formensprache geht auf einen Architekten zurück, der heute kaum noch bekannt ist: Adolf Gaudy.


29

Kirchenbau und Gemeindestrukturen Die Tössemer Katholiken, weitgehend zugewanderte arme Industriearbeiter, waren kirchlich der Winterthurer Gemeinde St. Peter und Paul unterstellt. Auch wenn die Mutterkirche in Fussdistanz lag, suchten die Katholiken in den damals eigenständigen Vororten die geistliche Betreuung immer stärker vor Ort zu organisieren. 1901 begann in Töss der katholische Religionsunterricht, ab 1906 konnten im Schulhaus Eichliacker Gottesdienste gefeiert werden; 1907 konstituierte sich unter dem Namen «Cäcilienverein» der künftige Kirchenchor, und bereits 1904 entstand der Männerverein, 1914 der Frauenverein. Mit der raschen Zunahme der katholischen Bevölkerung wuchs auch der Wunsch nach einem eigenen kirchlichen Gebäude. 1905 konnte Land erworben werden. Wenig später setzte die Planung ein, die sich aber angesichts der bescheidenen Finanzen verzögerte, bis am 30. August 1914 dann tatsächlich die neue Kirche geweiht werden konnte. Zu diesem Werk trugen die Tössemer Katholiken ihr Scherflein bei, weit wichtiger – und entscheidender – war jedoch die Unterstützung durch den Winterthurer Pfarrer Meyer und durch Chur. Die Bauherrschaft lag nämlich nicht bei der katholischen Bevölkerung des Winterthurer Vorortes, sondern beim Kultus-Verein, einer vom Bischof kontrollierten Institution, die sich der Unterstützung der Katholiken in protestantischen Gebieten verschrieben hatte und diesen Diaspora-Gemeinden grosse Geldbeträge zusicherte. Die Hilfe wurde von der Inländischen Mission ergänzt, die ähnliche Ziele verfolgte und fortan die Tössemer Seelsorger anstellte und entschädigte. Auf die Unterstützung der Inländischen Mission geht denn auch die Bezeichnung Missionsstation für die beiden Winter­ thurer Kirchen in Töss und Oberwinterthur zurück – in Abgrenzung zur römisch-katholischen Kirchgemeinde Winterthur. Diese war staatlich anerkannt und gewährte ihren Mitgliedern Mitspracherechte; umgekehrt konnte die Gemeinde mit staatlicher Unterstützung Steuern einziehen, während der Kanton die Geistlichen anstellte und besoldete. Dass die dualen Strukturen von einer «offiziellen» Gemeinde und einem mehr oder weniger eigenständigen Rektorat konfliktträchtig waren, liegt auf der Hand: So gehörten die Tössemer Katholiken staatsrechtlich zur Winterthurer Gemeinde und bezahlten dieser auch Steuern, erhielten jedoch für die eigenen Bedürfnisse nur eine bescheidene Unterstützung aus Winterthur. Ein visionärer Architekt? Ohne den Diözesan-Kultusverein und ohne Inländische Mission wäre das Kirchenprojekt in Töss nie realisiert worden. Diese Trägerschaft erklärt auch den Beizug eines Architekten, der im Grossraum Winterthur ansonsten keine Spuren hinterlassen hat. Vor kurzem benannte Ror-

Druck der Aussensicht der Kirche St. Josef, wahrscheinlich 1914. Quelle: Winterthurer Bibliotheken, Studienbibliothek

schach eine Strasse nach Adolf Gaudy und würdigte damit einen Mann, der ab 1904 bis zu seinem Tod 1956 in Rorschach lebte und die Hafenstadt wie kein anderer Architekt prägte. 1872 in Rapperswil geboren, zog die aus Savoyen stammende Familie über das Elsass nach Darmstadt. Dort besuchte Adolf die Mittelschule, ehe er 1892 bis 1895 an der ETH Zürich Architektur studierte. Studienaufenthalte führten ihn nach Paris und Berlin sowie nach Petersburg, Moskau und in die Niederlande. Der begabte Zeichner gründete 1904 ein eigenes Büro und reichte 1923 berufsbegleitend eine Dissertation über «kirchliche Baudenkmäler der Schweiz» ein – ein Hinweis auf sein zentrales Tätigkeitsfeld. Das Büro Gaudy war zwar auf allen möglichen Gebieten aktiv, einen Namen machte sich der Architekt jedoch hauptsächlich mit dem Bau von Kirchen. Rund 100 Sakralgebäude gehen auf Gaudy zurück – ein unmissverständliches Zeichen für die Popularität seines Schaffens. Gaudy zählt damit, zusammen mit den ungleich bekannteren Karl Moser, Albert Rimli oder später Anton Higi zu den massgeblichen Erneuerern des Kirchenbaus. Die erstaunliche Schaffenskraft des Architekten hing aber gleichzeitig mit einem zweiten Mann zusammen, der im Hintergrund wirkte. Der Einsiedler Benediktinerpater Albert Kuhn lobte Gaudys Arbeiten als modellhaft und zukunftsweisend. Er nahm als Kunst­ historiker und als Autorität in Sachen Kirchenarchitektur Einfluss auf Wettbewerbe und sorgte wiederholt für Aufträge an Gaudy; Kuhn prägte übrigens auch den neogotischen Innenausbau der Winterthurer Kirche St. Peter und Paul. Das «Modellhafte» war eine Art barocker Jugendstil, wie er auch in Töss zu beobachten ist. Gaudy schöpfte seine Ideen grosszügig aus der Architektur­


30

Innenaufnahme der Katholischen Kirche St. Josef nach der Renovation 1978. Quelle: Winterthurer Bibliotheken, Studienbibliothek

geschichte und verband die historisierenden Rückgriffe mit Anklängen an die Gegenwart. Zum charakteristischen Stilgemisch trug auch die Zusammenarbeit mit Künstlern bei. Als Resultat entstanden Gotteshäuser, die barock-eindrücklich sind, mächtige Formen aufweisen und im Innern oft überdekoriert erscheinen. Kirchen wie Romanshorn (St. Johannes), St. Gallen-Neudorf (St. Maria), Dietikon (St. Agatha), Brugg (St. Nikolaus) oder das Gallus-Stift in Bregenz stehen für das Wirken gerade im Diaspora-Katholizismus, wo Kirchen den Glauben gegenüber dem Protestantismus zum Ausdruck bringen sollten. Gaudy machte sich aber auch einen Namen als Architekt von Bergkirchen, die einfacher und rustikaler erscheinen, so in Bristen oder Zermatt. Erst in der Zwischenkriegszeit öffnete er sich neueren Ansätzen und verwirklichte in Geuensee LU oder in Berg TG Sichtbetonkirchen. In seinem enormen Œuvre nimmt St. Josef in Töss als vergleichsweise bescheidene Dorfkirche wohl einen untergeordneten Rang ein. Das Gotteshaus zählt zu den frühen Kirchenprojekten Gaudys und repräsentiert einen ebenso eigenwilligen wie bemerkenswerten Umgang mit Stilen, der stark vom zeichnerisch-gestalte­ rischen Können des Architekten geprägt ist. Die oben erwähnte «Würdigung» von 1942 macht zwar die Zeitgebundenheit seines Werkes deutlich; heute sind aber Stil-Virtuosität und Kreativität Gaudys unbestritten. Auch die Kirche St. Josef in Töss erstrahlt mit ihrem Zentralraum und ihrem auf der Kreuzform aufgebauten Grundriss nach der Restauration Ende der 1970er-Jahre in neuem Glanz und lädt zum religiösen wie zum architekturgeschichtlichen Dialog ein. Peter Niederhäuser

Als vier Glocken und eine Turmuhr Einzug hielten Am 23. Juni 1929 formierte sich am Güterbahnhof Winterthur ein von mehreren hundert Schaulustigen beobachteter Festzug, welcher vier Glocken auf zwei von Pferdegespannen gezogenen Brückenwagen zur Kirche St. Josef geleitete. Nervös und aufgeregt warteten die Tössemer Schulkinder auf den grossen Moment, an dem sie selber Hand anlegen durften, um die Glocken auf den Turm zu ziehen. Ein knappes halbes Jahr später folgte ein Stockwerk unterhalb der Glockenstube die Turmuhr, welche zu Weihnachten das erste Mal weit sichtbar die Zeit anzeigte. Seit dieser Zeit, seit 85 Jahren also, versehen beide technischen Einrichtungen, von wenigen Änderungen abgesehen, ihren Dienst ohne nennenswerte Störungen. Wo in Töss die Zeit gemacht wird Der Turm unserer St. Josefs-Kirche dürfte wohl allen bekannt sein, soweit es sein äusseres Erscheinungsbild betrifft. Sein dem «normalen» Kirchgänger weitgehend unbekanntes Innenleben soll einer näheren Betrachtung unterzogen werden: Durch die rechte Seitentür im Chor der Kirche, vorbei am modernen Beichtzimmer, das mit seinem warmen, mit viel Holz ausgestalteten Raum zum vertrauten Gespräch mit dem Pfarrer geradezu einlädt, gelangt man zu einer schmalen, überaus steilen Holz­ treppe, welche zum eigentlichen Turmeingang führt. Nach dem Öffnen der Bodenluke bleiben noch vier nackte Wände, an denen eine schlichte Holztreppe bis zu einem oberen Zwischenboden hinaufführt. In dessen Mit-


31

te hängen durch verschiedene Schlitze schwere Ketten mit wuchtigen Gewichten bis weit in den unteren Turmbereich. Endlich erreicht man schnaufend, aber zufrieden die erste Plattform. Hier enden die Ketten inmitten eines kunstvoll gefertigten Räderwerkes. Hier also wird «die Zeit gemacht»! Das Uhrwerk, durch einen überdimensionalen, vielfach verwinkelten Stangenantrieb mit den über zehn Meter entfernten Zifferblättern verbunden, teilt sich in drei vonein­ ander unabhängig angetriebene Werke. Der Antrieb wird durch die an den Ketten hängenden Gewichte sichergestellt und dient folgenden Zwecken: Das mittlere durch das Pendel klar erkennbare Werk ist die eigentliche Zeitmaschine. Ein durch und durch mechanisches Uhrwerk, das den zur Linken und zur Rechten platzierten Schlagwerken in nichts nachsteht. Die beiden Schlagwerke werden gemäss ihrer Funktion benannt, sind sie doch mit den Glocken so verbunden, dass das linke Werk den Viertelstundenschlag und das rechte Werk den Stundenschlag auslöst. Allzu einfach darf man sich diesen Vorgang nicht vorstellen, denn selbst der frühere Sakristan brauchte weit über ein Jahr, bis er sich mit dieser von der Neuenburger Zeit unabhängigen, vollständig manuell bedienbaren Uhr auskannte. So wurden Zeit und Läutwerk von ihm in sorgfältiger Handarbeit und mit vollster Konzentration betreut. Besondere Beachtung galt der Sommerzeit, denn diese verlangt das zweimalige Umstellen der Uhrzeit. Damit hängt aber auch das Schlagwerk zusammen, denn über ein kompliziertes Nockenrad werden über Drahtseile die Schlaghämmer bei den Glocken bedient, und diese haben zu der Zeit zu schlagen, welche die Zeiger am Kirchturm anzeigen. Mitte der 90er-Jahre wurde der Sa­kristan von dieser Sisyphus-Arbeit durch den Einbau einer Funk- und Computer-Steuerung erlöst: Die Glocken läuteten automatisch tagsüber und nachts sowie zu den liturgischen Gelegenheiten. Beschwerden einzelner Anwohner ab dem Jahr 2012 setzten dem Glockenschlag jedoch mindestens teilweise ein Ende. Nach aufwendigen Abklärungen und Verhandlungen mit den städtischen Behörden und als die Auseinandersetzung um den Glockenschlag auch im Quartier zu Konflikten führte, entschied die Römisch-katholische Kirchgemeinde Winterthur, nachts in allen katholischen Kirchen auf den Viertelstunden- und Stundenschlag zu verzichten. Seit Mai 2014 wird deshalb auch in St. Josef nachts zwischen 22.00 und 06.00 früh der Stunden- und Viertelstundenschlag automatisch ab­g estellt. Über die letzte schmale Treppe gelangt man zum Glockenstuhl, der sich hoch über dem Nägelseequartier, direkt unter dem Turmgiebel, befindet. Und hier hängen sie: Mehrere Tonnen Bronze, kunstvoll zu Glocken gegossen.

Feierlicher Aufzug der Glocken 1929. Quelle: Winterthurer Bibliotheken, Studienbibliothek

Glockenaufzug: ein unvergessliches Erlebnis Erst im spärlichen Licht einer kleinen Handlampe kann man erkennen, welche Kleinodien der Glockengiesskunst sich in diesem Dachraum verbergen. Die vier Glocken, je zu zweien übereinander angeordnet, sind in einer besonderen Stahlkonstruktion verankert. Eine Verankerung, deren stabile Konstruktion erst dem richtig verständlich wird, der das Geläut in voller Aktion erlebt, gehört und gespürt hat. Jedes Mal, wenn die Glocken zum Gottesdienst rufen, setzt ein einmaliges Schauspiel ein, das die gewaltige technische Konstruktion durchaus rechtfertigt – und von wenigen Änderungen abgesehen – seit nunmehr 85 Jahren praktisch fehlerfrei funktioniert. Es ist aber weniger die technische Seite, die uns im Zusammenhang mit den Glocken interessieren soll, sondern vielmehr ihre Weihe und die unvergessliche Installation am 23. Juni 1929. Jahrelang sammelte die Pfarrei St. Josef Geld zur Anschaffung von vier Glocken und einer Uhr. Dieses Projekt, besonders gefördert von Pfarrer Grüninger, fand bei der Bevölkerung von Töss sehr grossen Anklang, denn nebst der katholischen Bevölkerung kamen auch zahlreiche Spenden aus nichtkatholischen Kreisen zusammen. Die Glockengiesserei Hamm in Staad bei Rorschach und die Uhrenfabrik Mäder in Andelfingen wurden beauftragt, für die Spendengelder vier Glocken und eine Uhr zu fertigen. Festzug mit den Tössemer Glocken Es war der 23. Juni 1929, als sich am Bahnhof Winterthur ein farbenfroher Festzug formierte, welcher die vier Glocken auf zwei reich verzierten Brückenwagen, gezogen von je vier Pferden und flankiert von einer Ehrengarde in Landsknechtuniformen, nach Töss geleitete. Ganz katho-


32

Kirche und Pfarreizentrum 1972. Quelle: Winterthurer Bibliotheken, Studienbibliothek

lisch Töss war auf den Beinen, und der Tössemer Jugend wurde die Ehre zuteil, in ihren Erstkommunion- und Trachtengewändern den Festzug zu begleiten. Hunderte von Schaulustigen säumten die Strassen vom Bahnhof Winterthur bis zur Kirche St. Josef und wurden so Zeugen dieses seltenen Freudentages unserer Pfarrei. Bei der Kirche angelangt, wurden die Glocken zur feierlichen Weihe und zum Aufzug in den Glockenstuhl bereitgestellt. Dr. Gregorius Schmid von Grüneck, Bischof von Chur, war es, der die Glocken weihte und sie ihrem eigentlichen Zweck zuführte. So wurde jede einzelne von ihnen entsprechend ihrer Aufschrift gesegnet: die kleinste Glocke – die Schutzengelglocke – trägt die Inschrift: «Heiliger Schutzengel, schütze, schirme, leite unsere Jugend» die nächstgrössere – die Glocke unseres Kirchenpatrons – ist mit den Worten: «Heiliger Joseph, Stütze der Fami­ lien, bitte für unsere Gemeinde» gezeichnet auf der zweitgrössten Glocke – der Marienglocke – steht zu lesen: «Heilige Maria Mutter Gottes bitte für uns, jetzt und in der Stunde unseres Todes» und die grösste – die Dreifaltigkeitsglocke – preist mit den Worten: «Gepriesen sei die Heilige Dreifaltigkeit und ungeteilte Einheit»

Nebst diesen Gebets-, Segens- und Bittsprüchen finden sich auch entsprechende Reliefmotive auf den Glocken. So wird sichtbar, für wen die Glocken läuten, wann immer sie zu hören sind. Nun endlich waren die Kinder an der Reihe, denn ihnen war es vorbehalten, die Glocken von Hand bis hoch in den Glockenstuhl hinaufzuziehen. Auf der Südseite der Kirche wurde oben am Glockenstuhl ein Flaschenzug montiert, mit welchem eine Glocke nach der anderen in die luftige Höhe von 35 Metern gehisst werden konnte. Die Pfarreiwiese, übersät mit fröhlichen, staunenden und begeisterten Kindern, bot genügend Platz, damit die unzähligen Schulkinder das Zugseil in der erforderlichen Länge anziehen konnten. Konzentriertes Ziehen auf Kommando wechselte mit mehr oder weniger langen Wartezeiten, bis die oben angekommene Glocke verankert und die neue für den luftigen Transport vorbereitet war. Dieses nur wenigen Kindern vorbehaltene Ereignis zeigt bis heute seine Wirkung, denn immer dann, wenn die ältesten Tössemer in ihren Erinnerungen kramen, kommt auch das Erlebnis des Glockenaufzugs im Nägelseequartier vor 85 Jahren zur Sprache. Die Glocken allerdings kümmern sich wenig um diese Erinnerungen, denn sie sind für eine längere Zeit als ein Menschenleben geschaffen und werden hoffentlich noch Jahrzehnte zur Ehre Gottes läuten.


33

Die Seelsorgenden der Pfarrei St. Josef

1914 – 1924 1924 – 1929 1929 – 1964 1945 – 1949 1950 – 1952 1952 – 1957 1957 – 1968 1964 – 1980 1972 – 1973 1981 – 2000 1981 – 1988 1984 – 1985 1985 – 1986 1986 – 1988 1988 – 2012 1988 – 1993 1995 – 1999 1993 – 2001 1999 – 2002 2000 – 2004 2001 – 2004 2001 – 2002 2003 – 2008 2003 – 2004 2005 – 2010 2004 – 2007 2006 – 2009 im 2008 2008 – 2009 2008 – 2010 2010 – 2012 seit 2010 seit 2010 seit 2011 seit 2012

Dr. Pius Kistler, Pfarrer Johannes Grüninger, Pfarrer Dr. Karl Hain, Pfarrer Johann Albert, Vikar Andreas Hauser, Vikar Alois Zgraggen, Vikar Otto Soland, Vikar Otto Stähli, Pfarrer Gregorio Montillo, Vikar Alfred Böni, Pfarrer Petra Gubser, Seelsorgehelferin Fridolin Elmer, Jugendseelsorger Urs Allemann, Jugendseelsorger Dominika Notter, Jugendseelsorgerin Elvira Gilg, Seelsorgehelferin Hans Zbinden, Jugendseelsorger Oliver Wupper, Pastoralassistent Andreas Dreisiebner, Jugendarbeiter Rolf Nehrlich, Pastoralassistent Cyrill Flepp, Pfarrer Brigitt Aepli Schoch, Jugendarbeiterin Susanne Wild, Jugendarbeiterin Martin Ruhwinkel, Pastoralassistent Sylvia Müller, Sozialarbeiterin Stanislav Weglarszy, Pfarrer Rita Schmid, Jugendarbeiterin/Sozialarbeiterin Barbara Schüpbach, Mitarbeiterin ökumen. Jugendtreff Reto Hug, Sozialarbeiter Monika Wild, Sozialarbeiterin Roy Vengathanam, Pastoralassistent Hedi Blum, Sozialarbeiterin Ines Bolthausen, Pastoralassistentin Jacek Jeruzalski, Pfarrer Dajana Herzig, Sozialarbeiterin Paul Miklovic, Pastoralassistent


34

Die Pfarrei St. Josef im Jubiläumsjahr 2013/2014 Die Pfarrei St. Josef feiert das Jubiläum der Kirche mit Aktivitäten während eines ganzen Jahres.

Sonntag, 07.07.2013, Auftakt zum Jubiläumsjahr «100 Jahre Kirche St. Josef» Feierlicher Familiengottesdienst mit Gospel Voice, Pfarrei-Sommerfest auf dem Kirchplatz; Festbetrieb mit Kinderprogramm und irischer Volks­ musik mit Roman Bausch Donnerstag, 14.11.2013, «Christ sein heute» «Glauben suchen – Heimat finden – Christ sein in einer pluralen Gesellschaft» Vortrag von Dr. Rudolf Vögele, Leiter Ressort Pastoral, Generalvikariat Zürich, anschliessend Apéro, Kollekte zu Gunsten des Jubiläumsprojekts Sonntag, 01.12.2013, Adventskonzert für Klavier und Violine mit Kristine Sutidze, Klavier, Ines Hübner, Violine Kollekte zu Gunsten des Jubiläumsprojekts Donnerstag, 30.01.2014, «Christ sein heute» «Kirche geht» Frische Erfahrungen einer Stadtpfarrei Vortrag von Pfarrer Martin Piller und Team Pfarrei Maria Lourdes Seebach, anschliessend Apéro, Kollekte zu Gunsten des Jubiläumsprojekts Donnerstag, 20.02.2014, Jubiläums-GV «100 Jahre Frauenverein St. Josef» Donnerstag, 10.04.2014, «Christ sein heute» «Als Christ im weltweiten Dialog» Vortrag von Pater Toni Kurmann SJ, Leiter der Jesuitenmission Schweiz, anschliessend Apéro, Kollekte zu Gunsten des Jubiläumsprojekts Sonntag, 04.05.2014, bis Sonntag, 01.06.2014 Bilderausstellung und Verkauf Bilder von Elisabeth Clerici, Emil-Klöti-Strasse 37, 8406 Winterthur Hans De Massari, Rieterstrasse 28, 8406 Winterthur Gisela Pabst, Oberfeldstrasse 84, 8408 Winterthur Sigrun Ramos, Wydenstrasse 26, 8408 Winterthur 25 Prozent des Verkaufserlöses zu Gunsten

des Jubiläumsprojekts

Sonntag, 04.05.2014, Vernissage mit Apéro Donnerstag, 08.05.2014, Gesamtstädtische Maiandacht der Kath. Frauenvereine von Winterthur und Umgebung anschliessend kleiner Imbiss im Pfarreizentrum Samstag, 10.05.2014, Kindertag im Pfarreizentrum und Kirche St. Josef mit Spiel und Spass Jubiläum 110 Jahre Männerverein Freitag, 16.5. bis Sonntag, 18.5.2014 Jubiläumsreise nach Salzburg Donnerstag, 12.06.2014, «Christ sein heute» «Glaube ist Beziehung – Glaube ereignet sich in Begegnung» Vortrag von Amanda Ehrler, ehem. Seelsorgerin in der Pfarrei Felix und Regula, Zürich, anschliessend Apéro, Kollekte zu Gunsten des Jubiläumsprojekts Sonntag, 31.08.2014, «100 Jahre Kirchweih St. Josef» Festgottesdienst mit Generalvikar Dr. Josef Annen, Pfarrer Jacek Jeruzalski und ehemaligen Pfarrern von St. Josef, musikalische Begleitung durch Cäcilienchor, Solisten, Orgel und Orchester, mit Auszügen aus dem Gloria von Antonio Vivaldi, anschliessend Apéro für alle Pfarreiangehörigen und Gäste, Mittagessen für Gäste und Pfarreiangehörige, Gewinn zu Gunsten des Jubiläumsprojekts


35

Impressum Herausgeber:

Pfarreirat St. Josef, Töss

Redaktionskommission:

Ines Bolthausen, Pastoralassistentin Ferdinand Hess, Präsident des Organisationskomitees Jacek Jeruzalski, Pfarrer Claudia Sedioli, Verantwortliche Kommunikation Katholische Kirche in Winterthur

Gestaltung/Druck:

Mattenbach AG

Auflage:

2000 Exemplare

Fotos:

Wo nicht vermerkt: Bruno Fontana: S. 15, S. 16 Ferdinand Hess: Titelbild, S. 7, S. 8, S. 12, S. 13, S. 17 Gerald Pfeifer: S. 20, S. 21 Oliver Sittel: S. 33 zur Verfügung gestellt: S. 4, S. 10, S. 11, S. 12, S. 14, S. 19, S. 22


36


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Festschrift 100 Jahre Kirche St. Josef Töss by Römisch-katholische Kirchgemeinde - Issuu