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KSB Update 03/23

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ksb update

3-2023

Fachmagazin für Zuweisende der Kantonsspital Baden AG

Herzenssache Die neuesten Erkenntnisse der Kardiologie ab Seite 10

Seite 12

Seiten 21 und 23

Seite 24

Neue Spur

Neue Wege

Neue Option

Wie der Herzinsuffizienz mit neuesten Methoden begegnet wird.

Innovationen in der kardialen Bildgebung am Beispiel Coro-CT und Rubidium-CT/PET.

Eine therapeutische Variante gegen Vorhofflimmern: die Elektroporation.


Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze 38 33 Gefragte Tests Seit Juli gibt es am KSB eine kinderpneumologische Sprechstunde. Das Ziel von Dr. med. Leo Thanikkel: klare Diagnosen bei Lungenkrankheiten.

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Gefragte Experten Vor 33 Jahren wurde die Kinderschutzgruppe gegründet. Ihre Arbeit ist wichtiger denn je.

Gefragtes Angebot Das KSB erweitert sein gynäkologisches Angebot am Standort Brugg.

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Eiszeit: Radiologen und Onkologen erfrieren Tumor Opioid-Studie: KSB gewinnt Ausschreibung HSM-Entscheide: Zuschlag für Viszeralchirurgie und Urologie Kardiologie: Das breit aufgestellte Netzwerk Kardiologie: 65, aber kein altes Eisen – der Herzschrittmacher Kardiologie: Das Akute Koronarsyndrom – eine Einordnung Digital Economy Award: KSB wird ausgezeichnet Patienten- und Zuweiserbefragung: Top-Noten für Tumorzentrum Gynäkologie: Die Reizblase im Fokus

Impressum Herausgeber: Kantonsspital Baden AG Auflage: 1000 Exemplare Redaktion: Stefan Wey, Simon David, Tanja Banjo, Tanja Martin Redaktionsadresse: update@ksb.ch Anzeigen: Walter Peyer, peyer & partner media gmbh

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Editorial

Herzlich verbunden:

Es kommt auf die Zusammenarbeit an Es ist keine neue Erkenntnis – und doch ist es sinnvoll, sich die Fakten vor Augen zu führen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen schweizweit immer noch zu den Hauptursachen, die eine stationäre Behandlung notwendig machen. Mehr noch: Mit rund 30 Prozent gehören sie weiterhin zu den häufigsten Todesursachen. Auch wir im Kantonsspital Baden (KSB) werden täglich mit diesen Erkrankungen konfrontiert. Häufig zuerst im Notfall. Und in den meisten Fällen ist es ein Kampf gegen die Zeit.

In einem afrikanischen Sprichwort heisst es: «Wenn du schnell gehen willst, gehe allein! Wenn du weit kommen willst, gehe mit anderen zusammen!» Auch wir nehmen uns das zu Herzen. Neben einer breit gefächerten interdisziplinären Zusammenarbeit innerhalb des KSB greifen wir auf ein grosses Netzwerk aus unterschiedlichen Partnern zurück. Ein Netzwerk, zu dem unter anderem die Hirslandenklinik Aarau und das Universitätsspital Zürich zählen.

Damit wir den Herzpatienten aber die optimale Diagnostik und Therapie zukommen lassen können, hat die Kardiologie des KSB ihr Angebot in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut. Unser Ziel ist es dabei, nicht nur mit neuester Technik und aktuellem Know-how die Behandlungsqualität zu steigern, sondern auch die Abläufe und Eingriffe zu optimieren.

Die Kardiologie des KSB greift auf ein grosses Netzwerk aus unterschiedlichen Partnern zurück.

In dieser Ausgabe des KSB Update mit dem passenden Titel «Herzenssache» wollen wir Ihnen die Möglichkeit geben, sich ein Bild davon zu machen, wie unsere kardiologische Abdeckung aussieht. Unsere Spezialisten werden Ihnen auf den folgenden Seiten zeigen, wie der aktuelle Entwicklungsstand in der Diagnostik, Behandlung und Therapie aussieht. Es wird dabei um das Akute Koronarsyndrom, die Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Herzschrittmacher und die kardiale Bildgebung (Koro-CT und Rubidium PETCT) gehen. Aber nicht nur darum.

Und ganz wichtig: Auch Sie gehören dazu. Denn der stete und rege Austausch mit unseren zuweisenden Ärztinnen und Ärzten ist uns ein zentrales Anliegen. Nur so kann die Qualität und Optimierung der Behandlung der Herzpatienten weiter verbessert werden. Ich wünsche Ihnen, auch im Namen meiner Kollegen, eine angenehme Lektüre.

Dr. med. Urs Hufschmid Leiter nicht-invasive Kardiologie

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KSB News

Eiszeit in einer anderen Dimension

Radiologen und Onkologen bringen Tumor zum Erfrieren Die Interventionelle Radiologie erweitert ihr Spektrum im Bereich der Interventionellen Onkologie und beweist dabei, wie ausgezeichnet interdisziplinäre Zusammenarbeit am KSB funktioniert. Bei der so genannten Kryoablation wurden bei einem Patienten – bildgesteuert durch die Haut – Nadeln in einen Tumor eingebracht, die diesen dann bei mi-

nus 40 Grad im wahrsten Sinne des Wortes «erfrieren» liessen. Mit Erfolg. Der Patient, bei dem auf diese Weise unter Vollnarkose eine Metastase der linken Nebenniere behandelt wurde, war wieder rasch wohlauf. Bereits am Tag nach dem Eingriff konnte er beschwerdefrei nach Hause entlassen werden.

Verlauf des Eingriffs: Kyroablationsnadel mit «Eisball» (Bild A), cinematisches Rendering einer CT-Aufnahme mit den Kyroablationsnadeln in situ (Bild B), die Raumfeuchtigkeit gefriert an den Leitungen der sechs Kyroablationsnadeln (Bild C)

KSB City wächst weiter – Orthopädie zieht ein

Jetzt auch mit Kniesprechstunde

Das Angebot im KSB City in Baden ist um einen weiteren Fachbereich erweitert worden. Seit dem vergangenen Sommer wird dort immer dienstags eine Kniesprechstunde angeboten. Der anerkannte Experte auf dem Gebiet der Hüft- und Kniechirurgie, Andreas Würzburg, übernimmt diese. Mit der Einführung der Kniesprechstunde befinden sich nun neben den Angiologen, den Radiologen, den Urologen und dem Zentrallabor auch die Orthopäden unter der Leitung von Chefarzt Karim Eid im KSB City. Durch eine gemeinsame Leitstelle, die Sonja Nagel leitet, wird orthopädischen Patienten am Rande der Badener Innenstadt ein gut koordinierter «One-Stop-Shop» mit MRI-Diagnostik und chirurgischer Sprechstunde angeboten. Als Vertretung von Andreas Würzburg wird Oberarzt Yannick Fritz zur Verfügung stehen.

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Teamwork im KSB City: Sonja Nagel, Leiterin der Leitstelle (li.) und Knie-Experte Dr. med. Andreas Würzburg (re.)


KSB News

Meilenstein in der Brustkrebsvorsorge

KSB beteiligt sich an der Forschung mit 3D-Röntgen-Computertomografie dass es erheblich zuverlässigere Ergebnisse liefert und weniger unangenehm für die Patientin ist. Bis das Verfahren klinisch angewandt werden kann, braucht es noch etwas Zeit.

Sie konnten nachweisen, dass sich Brusttumore mit einer neuartigen 3D-Röntgen-Computertomographie früher erkennen lassen als mit konventioneller Computertomographie. Dies erhöhe in Zukunft die Überlebenschancen betroffener Frauen deutlich. Die Forschenden entwickelten das Durchleuchtungsverfahren zur Früherkennung so weiter,

Grundsätzlich gilt aber bei allen Tumoren: Je früher es eine gesicherte Diagnose gibt und die passende Therapie einsetzen kann, desto höher sind die Überlebenschancen. Die aktuell praktizierte Mammographie (Röntgenuntersuchung der Brust) ist umstritten. Sie übersieht 22 Prozent der Fälle und wiegt Betroffene in Sicherheit, obwohl sie erkrankt sind. Kontrollstudien stellten zudem fest, dass nur 46 Prozent der im Screening entdeckten Verdachtsfälle tatsächlich Krebsfälle sind. Der Grund für die Schwächen ist, dass Mammographie-Bilder selbst für Fachkräfte schwer zu lesen sind. Das weiche Gewebe der Brust bietet beim Röntgen nur einen begrenzten Kontrast. «Dank des Röntgenphasenkontrasts können hingegen feine Gewebedetails sichtbar gemacht werden», ergänzt die an der Forschungsarbeit beteiligte Rahel Kubik, Direktorin des Departementes Medizinische Dienste am KSB und Chefärztin Radiologie. «In diesem translationalen Projekt soll das Potenzial dieser Technik bei der Früherkennung von Brustkrebs ausgelotet werden. Das KSB ist sehr daran interessiert, die Forschungskooperation mit dem Paul Scherrer Institut und der ETH Zürich weiter voranzutreiben. Die Hoffnung ist, dass dereinst unsere Patientinnen von diesen Fortschritten profitieren können.»

Onkologie und Hämatologie

Gesellschaft für Senologie

Das Zentrum für Onkologie und Hämatologie am Kantonsspital Baden ist neuerdings auch eine Weiterbildungsstätte für Hämatologie. Das Schweizerische Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) hat dem Zentrum eine Weiterbildungsberechtigung der Kategorie C (ein Jahr) erteilt. Kristina Fritsch, Stellvertretende Leitende Ärztin, wird die fachverantwortliche Leiterin sein. Ohnehin bleibt das KSB in der Weiterbildung für Fachärzte engagiert. In der Medizinischen Onkologie wurde der Antrag für eine Einstufung als Weiterbildungsstätte der Kategorie A gestellt. Das SIWF prüft diesen derzeit.

Grosse Ehre für Prof. Cornelia Leo: Die Leiterin des KSB-Brustzentrums ist zur Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie (SGS) gewählt worden. Die Wahl zur Präsidentin der SGS beweist, dass Cornelia Leo in Fachkreisen höchste Anerkennung, Vertrauen und Wertschät­zung geniesst. Die medizinische Fachgesellschaft engagiert sich für die Brustgesundheit von Frauen und vereint alle ärztlichen und medizini­schen Disziplinen, die sich mit der Brust beschäftigen. Gegenwärtig zählt die SGS ingesamt 554 Mitglieder aus verschiedenen Fachdisziplinen.

Im Jahr 2020 war Brustkrebs die weltweit häufigste diagnostizierte Krebsart mit über zwei Millionen Fällen. Nun ist Forschenden des KSB, der ETH Zürich, des Paul Scherrer Instituts und des Uni-Spitals Zürich ein Meilenstein auf dem Weg zu einer verbesserten Brustkrebsvorsorge gelungen.

Berechtigung zur Weiterbildungsstätte

Dr. med. Kristina Fritsch Stv. Leitende Ärztin Onkologie/Hämatologie

Cornelia Leo zur Präsidentin gewählt

Prof. Dr. med. Cornelia Leo Leitende Ärztin und Leiterin Interdisziplinäres Brustzentrum

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KSB News

Opioid-Studie

KSB gewinnt Ausschreibung für Fördermittel Wie kommen Patienten rasch wieder von starken Schmerzmitteln wie Opioiden weg? Dieser Frage geht das Kantonsspital Baden in einer Studie nach, die vom Schweizerischen Verein der Amts- und Spitalapotheker (GSASA) mit 75’000 Franken unterstützt wird. Das KSB setzte sich mit diesem Forschungsprojekt in der Ausschreibung gegen neun Mitbewerber durch. Inzwischen werden Opioide, also Schmerzmittel mit opiumartigen Wirkstoffen, in der Schweiz häufig bereits bei geringfügigen Verletzungen des Bewegungsapparates verschrieben. Nicht nur bei Tumorschmerzen. Zu dieser Erkenntnis gelangen Studien unter der Leitung von Prof. Maria Wertli, Chefärztin Innere Medizin am KSB, und Andrea Burden, Forschungsgruppenleiterin Pharmakoepidemiologie an der ETH Zürich. «International und national lässt sich eine Zunahme der Abgabezahlen dieser Schmerzmittel beobachten, die leider das Risiko von physischen Abhängigkeiten und Überdosierungen nach sich ziehen», sagt auch Peter Wiedemeier, Chefapotheker am KSB und Dozent an der ETH Zürich. Hier setzt nun das KSB mit seinem Projekt «iPROACTIVE: Interprofessional Partnership in Reduction of Opiod-related Adverse Consquences

Through InnoVative Efforts» an. Ziel ist es, Schmerztherapien mit Opioiden für Patientinnen und Patienten während und unmittelbar nach einem Spitalaufenthalt sicherer zu machen. Ein interprofessionelles Team unterstützt die Patienten bei der Schmerztherapie und je nach Möglichkeit bei der Reduktion der Opioide. «Wir wollen aktuelle Erkenntnisse aus der Schmerztherapie und der klinischen Pharmazie anwenden und Patienten sowie deren Angehörige umfassend aufklären», sagt Marcel Rainer, Studienapotheker am KSB. In einem ersten Schritt würden Richtlinien für eine situative und sichere Reduktion der Opioide erstellt. Der Übergang vom Spitalaustritt zurück in den Alltag soll damit von Unsicherheiten in der medikamentösen Therapie befreit werden. Dank den Fördermitteln des Schweizerischen Vereins der Amts- und Spitalapotheker (GSASA) kann nun eine interventionelle Studie durchgeführt werden, die mit Hilfe der Clinical Trial Unit des KSB und der Digital Trial Intervention Platform der ETH Zürich den Effekt der engeren Begleitung untersuchen wird. Die intensive Kooperation zwischen dem KSB und der ETH Zürich wird damit weiter gestärkt.

Das Studienteam in der KSB-Apotheke (von links): Prof. Maria Wertli (Direktorin Departement Innere Medizin KSB), Studienapotheker Marcel Rainer, Dr. Dominik Stämpfli, Apotheker am KSB, sowie KSB-Chefapotheker und ETH-Dozent Dr. Peter Wiedemeier.

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KSB News

HSM-Entscheide: Das KSB weiter in illustrem Kreis

Viszeralchirurgie und Urologie dürfen komplexe Eingriffe vornehmen Ab 2024 dürfen in der Schweiz nur noch 15 Spitäler bei Darmkrebs den Enddarm entfernen. Dies hat das für die Hochspezialisierte Medizin (HSM) zuständige Beschlussorgan entschieden. Das Kantonsspital Baden mit dem Bauchzentrum unter der Leitung von Prof. Antonio Nocito gehört zu dem illustren Kreis derjenigen Spitäler, welche die tiefe Rektumsektion auch in Zukunft vornehmen dürfen. Auch die Urologie darf künftig Eingriffe durchführen, die der HSM zugeordnet sind. Wie die Leistung und die Qualität der Viszeralchirurgie, die am KSB geboten werden, einzustufen sind, verdeutlichen dabei zwei Aspekte: Zum einen gingen diverse Spitäler, die sich ebenfalls für die Sektion des Enddarms bei Darmkrebs beworben hatten, gänzlich leer aus. Zum anderen dürfen sogar renommierte Häuser die komplexen Eingriffe nur unter einer besonderen Auflage machen: Sie müssen die Sterblichkeitsrate verbessern. Für das KSB trifft das nicht zu. Im Gegenteil: Das HSMGremium unterstrich mit seinem Entscheid die herausragende Qualität des KSB-Bauchzentrums. Darüber hinaus bietet der HSM-Beschluss dem KSB gute Perspektiven, das Leistungsangebot weiter auszubauen, um den Patientinnen und Patienten mehr denn je eine optimale Behandlung bei komplexen Baucheingriffen bieten zu können. Doch nicht nur in der Viszeralchirurgie ist das KSB top, sondern auch in der Urologie. So gehört man zu denjenigen Spitälern, die in Zukunft

urologische Eingriffe durchführen dürfen, die der hochspezialisierten Medizin zugeordnet werden. Das HSM-Beschlussgremium hat das KSB ermächtigt, komplexe Behandlungen in der Urologie bei Erwachsenen durchzuführen, und zwar in den Teilbereichen radikale und einfache Zystektomie und retroperitoneale Lymphadenektomie bei Hodentumoren nach Chemotherapie. Diese Leistungszuteilung zeugt davon, dass Chefarzt PD Lukas Hefermehl und sein Team eine hervorragende Behandlungsqualität an den Tag legen. Dadurch hat das KSB gute Voraussetzungen geschaffen, um Tumor-Patientinnen und -Patienten in Zukunft eine wohnortnahe, qualitativ hochwertige Behandlung zu ermöglichen.

Blick in den OP bei einem Baucheingriff

KSB-Cheforthopäde

Karim Eid zum Professor ernannt Karim Eid, Chefarzt Orthopädie und Traumatologie am Kantonsspital Baden (KSB), hat in seiner Karriere einen wichtigen Meilenstein erreicht: Der Schulterspezialist ist von der Universität Zürich zum Titularprofessor ernannt worden.

Höchste akademische Weihen erlangt: Professor Karim Eid

«Es handelt sich um die formelle Bestätigung einer ausserordentlichen Kompetenz», gratulierte KSB-CEO Adrian Schmitter: «Mit der Ernennung zum Professor hat Karim Eid die höchsten akademischen Weihen für einen Arzt erlangt.» Die Patientinnen und Patienten schätzen den Cheforthopäden nicht nur wegen seines fachlichen Know-hows, sondern auch für seinen empathischen und einfühlsamen Umgang. Nicht von ungefähr ist die von ihm geleitete orthopädische Klinik seit Jahren sehr erfolgreich unterwegs. «Karim Eid und sein Team weisen zum einen sehr gute Fallzahlen auf. Zum anderen zeugt auch die unterdurchschnittlich tiefe Infektionsrate von der hohen Qualität, die unsere Orthopäden bieten», sagt Schmitter. Karim Eid ist seit 2007 als Chefarzt am KSB tätig. Seine Facharzt­titel (FMH Chirurgie und FMH Orthopädie und Traumatologie des Bewe­ gungsapparates) erlangte er im Universitätsspital Zürich und an der Uni­ klinik Balgrist. An der Harvard Universität in Boston forschte er zwei Jahre im Bereich der Knorpelregeneration und Knochenaufbau. 2008 erhielt er die Venia legendi und war seitdem Privatdozent an der medizinischen Fakultät der Universität Zürich. Sein klinischer Schwerpunkt ist die Schulterchirurgie. Mittlerweile hat er rund 7000 Operationen vorgenommen.

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«FRÜHZEITIGE REHABILITATION DANK INTEGRATION INS AKUTSPITAL FÜHRT ZU SIGNIFIKANT BESSEREN BEHANDLUNGSRESULTATEN» Im Begleitstudium Philosophie stellte Prof. Dr. med. Peter Sandor fest: Um den Menschen zu verstehen, muss er dessen Gehirn erforschen. Deshalb spezialisierte er sich nach dem Studium der Medizin auf das Gehirn und absolvierte seine Facharztausbildung für Neurologie am Universitätsspital Zürich. Peter Sandor arbeitet seit 2010 bei ZURZACH Care, wo er unter anderem die Forschung verantwortet, und ist seit 2015 in seiner heutigen Position tätig. Prof. Dr. med. Peter Sandor, Ärztlicher Direktor von ZURZACH Care und Chefarzt der Neurologie, erläutert das Rehabilitationskonzept. Die «Akutnahe Rehabilitation Baden» ist integriert ins Kantonsspital Baden. Diese schweizweit erste Einrichtung mit hochgradiger Integration ins Akutspital ermöglicht Patientinnen und Patienten, bereits nach kurzer Aufenthaltsdauer im Akutspital sehr frühzeitig mit der Rehabilitation zu beginnen. Basis dafür ist die intensive Zusammenarbeit mit Gesundheitsfachpersonen des Kantonsspitals Baden.

«Die Mehrheit meiner Patientinnen und Patienten betreue ich in unserer integrierten Rehaklinik im Kantonsspital Baden. Die meisten haben einen Schlaganfall erlitten und schwere Schäden am Gehirn. Es ist erwiesen, dass eine neurorehabilitative Therapie umso erfolgreicher ist, je früher sie in Angriff genommen werden kann», erklärt Peter Sandor die Idee hinter der integrierten Rehabilitation: Durch die Nähe zur Akutstation kann ein fliessender Übergang zwischen akuter und rehabililtativer Behandlung geschaffen werden, damit die Betroffenen ihre motorischen, sprachlichen und geistigen Fähigkeiten möglichst rasch wiedererlangen. Der frühe Beginn der Rehabilitation nach akutem Hirnschlag führt zu einer signifikanten Reduktion von Letalität und Behinderungsgrad. Zentral ist aber auch, dass die Fachpersonen des Akutspitals und der Rehabilitation Hand in Hand arbeiten. Dies funktioniert zwischen Kantonsspital Baden und ZURZACH Care vorbildlich.

ZURZACH Care verfügt über langjährige Erfahrung in der Rehabilitation von Patientinnen und Patienten nach Erkrankungen und Unfällen, insbesondere bei neurologischen Störungen. Trotzdem bleibt die Behandlung einer jeden Patientin und eines jeden Patienten individuell und muss auf die ganz persönlichen Bedürfnisse ausgerichtet werden. Peter Sandor bestärkt: «Seit geraumer Zeit beobachten wir, dass die Nachfrage nach Komplementärmedizin steigt. Auch hier verfügen wir über verschiedenste Therapien und Behandlungsmöglichkeiten. Zudem sind wir eine Rehabilitationsklinikgruppe, die sich besonders in der Forschung engagiert!» So beispielsweise im Rahmen eines Pilotprojektes, das in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und dem Kantonsspital Baden im November 2023 startet. Dabei handelt es sich um eine innovative, Appbasierte Tele-Rehabilitation. Ziel ist es, bei Patientinnen und Patienten mit leichten traumatischen Hirnverletzungen Schlafprobleme und Stress zu reduzieren. Dies soll verhindern, dass die Beschwerden chronisch werden. Dazu wird eine App entwickelt, die wissenschaftlich basiert therapeutische und hypnotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten zur Verbesserung des Schlafes anbietet.

zurzachcare.ch/anr-baden


Kardiologie

Netzwerk Kardiologie:

Zusammen sind wir stark Um den Herzpatienten die optimale Diagnostik und Therapie zukommen zu lassen, hat die Kardiologie des Kantonsspitals Baden ihr Angebot in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut. Dabei greift sie auf ein grosses zusammenarbeitendes Netzwerk aus unterschiedlichen Partnern zurück – wie unsere Auslegeordnung zeigt. Autor Dr. med. Urs Hufschmid, Leiter nicht-invasive Kardiologie

In den vergangenen Jahrzehnten hat in der Kardiologie eine immense Entwicklung stattgefunden. So auch im Kantonsspital Baden (KSB). Vor 25 Jahren war ein Kardiologe zuständig für Herzdiagnostik und Therapie (Echo, Ergo, Schrittmacherimplantation). Bei steter Zunahme der Patientenzahl sowie den neuen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten wurde ein Ausbau der Kardiologie notwendig und

sinnvoll. Der Patient und die Qualität seiner Betreuung standen dabei immer im Vordergrund. Hausärzte, niedergelassene Kardiologen und umliegende Spitäler sind unsere wichtigsten klinischen Partner, mit denen wir zusammenarbeiten und sie mittels kardialer Diagnostik und Therapie bestmöglich unterstützen. Innerhalb

KSB Netzwerk Kardiologie Spital Muri

DI M

Kardiologie Mittelland Hirslanden Klinik Aarau

Spital Leuggern

Kardiologie

Herzchirurgie Hirslanden Klinik Aarau

PDAG

lnvasiv und nicht invasiv - Rhythmologie - Devices - Onko-Kardiologie - Herzinsuffizienz SS

externe Kardiologen / Hausärzte

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USZ GUCH SS

Radiologie - Coro CT - Herz MRI

Chirurgie - PM - Implantation

NUK

Notfall - Primärdiagnostik/ Schockraum

- Rb PET-CT - Myokardszinti

USZ Rhythmologie

Anästhesie IDIS/IMC

- EKV - Präoperation und akute kardiale Diagnostik

Gynäkologie

- Periportale KMP

Pädiatrie

- GUCH


des Spitals arbeitet die Kardiologie mit allen medizinischen Disziplinen zusammen. Wird ein Patient mit akuten Herzsymptomen der Notfallstation zugewiesen, arbeiten die Notfallmediziner und Kardiologen eng zusammen. Es wird entschieden, welche sofortigen diagnostischen und therapeutischen Massnahmen notwendig sind. Der Patient wird stabilisiert, um auf den Abteilungen, der IMC oder Intensivstation interdisziplinär weiterbetreut zu werden. Herzinsuffiziente Patienten werden durch unsere Spezialistin mitbetreut und medikamentös optimal eingestellt. Je nach klinischem Verlauf kann dies auch ambulant in der HerzinsuffizienzSprechstunde weitergeführt werden.

Mit dem neuen Herzkatheterlabor wurde das Angebot ausgebaut. Die invasive Kardiologie wurde bereits vor einigen Jahren zuerst in Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Aarau (KSA), schliesslich mit der Kardiologie Mittelland (Invasiven Kardiologen, die vom KSA zur Hirslandenklinik wechselten) im KSB implementiert. Wurden anfänglich nur wenige stabile elektive Patienten koronarangiographiert, konnte mit der Einrichtung eines neuen Herzkatheterlabors das Angebot erheblich ausgebaut werden. Auch Patienten mit akuten Koronaren Syndromen oder ST-Hebungsinfarkten werden heute notfallmässig im KSB behandelt.

In Zusammenarbeit mit dem USZ wurde im KSB eine invasive Rhythmologie eingeführt. Über 150 Ablationen zur Behandlung von AV-Reentrytachykardien, Vorhofflimmern oder -flattern werden jährlich durch PD Dr. Alexander Breitenstein (Leitender Arzt USZ) im KSB durchführt. Komplexere Fälle können zu unseren Partnern im USZ weitergewiesen werden. Ausserdem werden bei uns bis zu 200 Devices (PM, ICD, CRTP- D. Micra) im OP oder Katheterlabor häufig in Zusammarbeit mit der Chirurgie implantiert. Die moderne kardiologische Bildgebung wurde im KSB in Zusammenarbeit mit der Radiologie und Nuklearmedizin weiterentwickelt. Koro-CT, Herz-MRI, Myocard-Szintigraphien und PET-CT werden fast täglich durchgeführt, zusammen befundet und das weitere Prozedere festgelegt. Ein weiterer wichtiger Partner ist die Hirslanden Klinik Aarau, in der die im KSB tätigen invasiven Kardiologen strukturelle Kardiologie anbieten können. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Herzchirurgie unter der Leitung von Prof. Lars Englberger. Wöchentlich wird im Rahmen des Heart-Teams im KSB (Mittwoch um 17 Uhr) interdisziplinär besprochen, welches das weitere optimale Prozedere für spezifische Patienten ist. Ist ein struktureller Eingriff mittels TAVI, Mitralklappen-Clipping oder aber PFO- oder LAA-Verschluss indiziert oder ist eine Operationsindikation (Klappenoperation, ACBP) gegeben. Insgesamt ist die Kardiologie des KSB Teil eines Netzwerkes verschiedener Anbieter des Gesundheitssystems im Kanton und der Region, wobei stets die Qualität und Optimierung der Behandlung der Patienten im Vordergrund steht.

Präoperativ werden Patienten mit hohen kardiovaskulären Risikoprofil gemeinsam mit der Anästhesie und Chirurgie beurteilt und optimiert. Die im Rahmen einer Schwangerschaft möglichen peripartalen Kardiomyopathien werden zusammen mit der Gynäkologie und Geburtshilfe beurteilt und behandelt. Kinder mit angeborenem Herzleiden werden durch den Kinderkardiologen, Dr. Brian Stiasny, betreut. Im Rahmen ihres Erwachsenwerdens werden diese jungen Menschen in der GUCH-Sprechstunde (Grown-Up Congenital Heart Disease) dann gemeinsam weiterbetreut. Bei aufwändigen komplizierten Fällen werden die GUCH-Spezialisten des Universitätsspital Zürich (USZ) mit einbezogen. Die Zahl onkologischer Patienten, die Chemotherapien benötigen, nimmt ständig zu. Je nach Situation und Therapien besteht die Gefahr einer Verschlechterung der Herzleistung. Eine kardiologische Beurteilung und Betreuung dieser Patienten im Rahmen einer onko-kardiologischen Sprechstunde wurde etabliert.

Dr. med. Urs Hufschmid Leiter nicht-invasive Kardiologie, Co-Leiter Kardiologie

Kontakt Sekretariat Kardiologie Telefon 056 486 26 36 kardiologie@ksb.ch

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Kardiologie

Der Herzschwäche auf der Spur Die Herzinsuffizienz kann das Endstadium diverser Krankheitsprozesse im Herzmuskel sein. Doch durch die neuesten Therapiemethoden und -verfahren wird inzwischen die bestmögliche Lebensqualität und Prognose für die Patienten erreicht. Auch dank modernster diagnostischer Möglichkeiten. Autorin Dr. med. Katja Woitzek, Stellvertretende Leitende Ärztin Kardiologie

Die Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) ist ein häufiges klinisches Krankheitsbild, das die Lebensqualität und Prognose der Patienten deutlich einschränkt. Jeder fünfte Mensch in Europa wird im Laufe seines Lebens an einer Herzinsuffizienz erkranken. Jedoch konnten die deutlich verbesserten medikamentösen und interventionellen Therapiemöglichkeiten (katheterbasierte Eingriffe, spezielle Herzschrittmacher, Verödung von Herzrhythmusstörungen) innerhalb der vergangenen 10 bis 15 Jahre zu einer wesentlichen Prognose- und Beschwerdeverbesserung der Krankheit führen.

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suffizienz gezielt abzuklären und die bestmögliche Behandlung speziell an den Patienten, die Krankheitsursache und -stadium anzupassen. Insbesondere stellt die MRI-Untersuchung des Herzens eine wichtige diagnostische Methode zur Ursachenklärung wie auch zur Risikoeinschätzung für einen plötzlichen Herztod dar.

Eine Herzinsuffizienz kann das Endstadium verschiedener Krankheitsprozesse im Herzmuskel sein, wie strukturelle oder funktionelle Veränderungen (Herzmuskel- oder Klappenveränderungen, Durchblutungsstörungen bei koronarer Herzerkrankung), aber auch durch entzündliche oder infiltrative Prozesse bedingt sein. Moderne bildgebende diagnostische Möglichkeiten (wie zum Beispiel Echokardiografie, Computertomografie, Magnetresonanztomografie, PET-CT und Szintigrafie) erlauben heute die Ätiologie der Herzin-

In den letzten Jahren konnte ein bedeutender Fortschritt in der medikamentösen Therapie bei Patienten mit eingeschränkter Pumpfunktion des Herzens mit deutlicher Senkung der Sterblichkeit und Spitalaufenthalten sowie signifikanter Verbesserung der Lebensqualität erzielt werden. Diese 4-fach Therapie mit Angiotensin-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI), Aldosteronantagonisten (ARB), Betablockern und SGLT2-Hemmern ist der ehemaligen konventionellen Therapie deutlich überlegen und zeigt bereits nach wenigen Wochen einen Benefit. Wichtig ist jedoch, dass alle Medikamente unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle so rasch wie möglich in der Dosis erhöht werden, bis zur vom Patienten individuell maximal verträglichen Dosis und unter Kontrolle der Nieren- und Elektrolytwerte.

Echokardiografie: Myokarditis mit Thromben

Normales Herz


Die Therapie der Herzinsuffizienz gestaltet sich heute interdisziplinär unter Einbezug der interventionellen Kardiologen mit Kathetereingriffen an den Herzkranzgefässen und den Herzklappen, der Rhythmus- und Device-Spezialisten mit Implantation spezieller Devices sowie Ablation von Herzrhythmusstörungen und der Herzchirurgie. Damit kann ein optimales Management, mit dem Ziel einer einwandfreien Lebensqualität und Prognose des Patienten erreicht werden. Von äusserster Wichtigkeit ist es, bei schwer eingeschränkter Pumpleistung des Herzens eine Therapie mit speziellen Herzschrittmachern (biventrikuläre Herzschrittmacher/CRTs) und Defibrillatoren (ICDs) zum richtigen Zeitpunkt zu evaluieren, um einen prognostischen wie auch symptomatischen Nutzen für jeden Patienten individuell erzielen zu können. ATTR-Amyloidose stellt keine so seltene Krankheit dar Für seltene Ursachen der Herzinsuffizienz wie infiltrative Herzmuskelerkrankungen wie die vor allem im Alter auftretende ATTR-Amyloidose konnte deren Diagnose mittels bildgebenden Methoden deutlich vereinfacht werden. Hier stehen seit einigen Jahren zudem krankheitsspezifische medikamentöse Behandlungen zur Verfügung, um ein Fortschreiten der Eiweisseinlagerungen (Amyloid) zu verlangsamen. Eine mögliche Diagnose einer ATTR-Amyloidose sollte bei anderen typischen Begleiterkrankungen wie etwa einer Spinalkanalstenose, Karpaltunnelsyndrom, orthostatischem Schwindel, Polyneuropathie und begleitender Herzmuskelverdickung und/oder einer «Low-voltage», im EKG unbedingt weiterabgeklärt werden. Häufig wird die Diagnose erst verzögert gestellt, obschon Amyloidablagerungen in peripheren Nerven (Polyneuropathie), im Spinalkanal (Stenose) und im Bereich des Handgelenkes (Karpaltunnelsyndrom) zu Konsultationen bei Fachärzten anderer Disziplinen geführt haben. Die Erfahrung zeigt, dass die ATTR-Amyloidose – wird die Diagnose forciert gesucht – keine so seltene Krankheit darstellt. Nur die Behandlung in einem frühen Stadium ist mit einem symptomatischen und prognostischen Nutzen vergesellschaftet.

KSB bietet spezielle Herzinsuffizienz-Sprechstunde an Aufgrund der komplexen und vielfältigen Krankheitsbilder bei Patienten mit Herzinsuffizienz sowie auch der stets zunehmenden Therapiemöglichkeiten, die individuell angepasst und engmaschig kontrolliert werden müssen, bietet das Kantonsspital Baden (KSB) eine spezielle Herzinsuffizienz-Sprechstunde durch Dr. Katja Woitzek an. In enger Zusammenarbeit mit den Hausärzten und niedergelassenen praktizierenden Kardiologen werden die Patientinnen und Patienten klinisch betreut, die Therapie jedes Mal neu evaluiert und gegebenenfalls angepasst, um den besten Nutzen und eine sehr gute Lebensqualität für den Patienten zu erreichen und Spitalaufenthalte zu verhindern. Bei Patienten mit – trotz bestmöglicher Therapie – fortschreitender schwerer Herzinsuffizienz gilt es auch frühzeitig eine weitergehende Diagnostik im Hinblick auf eine allfällige Herzunterstützungstherapie (LVAD) oder eine Herztransplantation einzuleiten. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit der Herzinsuffizienz-/Transplantationsabteilung des Universitätsspitals Zürich. Auch für die genetische Abklärung/Beratung bei genetisch vererbten Herzmuskelerkrankungen arbeiten wir mit dem universitären Zentrum in Zürich zusammen.

Dr. Katja Woitzek Stellvertretende Leitende Ärztin Kardiologie

Kontakt Herzinsuffizienzsprechstunde Telefon 056 486 26 36 herzinsuffizienz@ksb.ch

Mehr dazu Link für weiterführende Informationen heartfailure.ch

Schwer hypertrophierter linker Ventrikel bei fortgeschrittener Amyloidose

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Kardiologie

65! Aber noch lange nicht im Ruhestand Seit seiner Erfindung wurde der Herzschrittmacher kontinuierlich weiterentwickelt: immer kleiner, langlebiger, technisch versierter und auch aus der Ferne überwachbar. Autor Dr. med. Pascal Köpfli, Leitender Arzt Kardiologie, Fachverantwortlicher Devices / Rhythmologie

Im Jahr 1958, also vor mittlerweile 65 Jahren, wurde von Professor Ake Senning in Schweden der erste Herzschrittmacher implantiert. Obwohl der Patient bereits nach wenigen Stunden eine erste, nach wenigen Tagen eine zweite und im weiteren Verlauf seines Lebens insgesamt 26 Re-Operationen benötigte, kann man dennoch von einer Erfolgsgeschichte sprechen – denn der Patient lebte für weitere 43 Jahre. Seither hat sich viel getan.

Batterielaufzeit von circa acht bis zwölf Jahren und wird direkt über einen venösen Zugang von der Leiste mittels eines Einführkatheters in den rechten Ventrikel implantiert. Ein Eingriff, den wir seit mehreren Jahren auch bei uns am Kantonsspital Baden (KSB) durchführen. Indiziert ist ein solches System unter anderem bei Patienten mit persistierendem, bradykardem Vorhofflimmern.

nen dieser Geräte sind zudem in der Lage, über eingebaute Sensoren und spezifisch hierfür entwickelte Algorithmen die Vorhofskontraktion zu registrieren. Dadurch kann eine Limitation der ersten Generation des Gerätes, und zwar die fehlende synchronisierte Aktivierung von Vorhof und Ventrikel, partiell eliminiert werden. Diese Generation an elektrodenlosen Schrittmachern hat die Einsatzmöglichkeiten dieser Devices deutlich erweitert.

Die Schrittmacher sind nicht nur kleiner und zuverlässiger geworden, sondern auch viel langlebiger (im Schnitt > 12 Jahre) und mit einer grossen Anzahl an zusätzlichen Programmieroptionen und Algorithmen versehen, die es ermöglichen, die individuellen Bedürfnisse der Patienten immer besser zu adressieren. Die letzten Jahre haben nebst technischen Verbesserungen folgende drei erwähnenswerten Entwicklungen gebracht, die das Potential haben, die Zukunft der Herzschrittmachertherapie nachhaltig zu verändern.

Der kleinste Schrittmacher wiegt gerade mal 1.75 Gramm.

Künftig werden intrakardiale Schrittmacher auch im Vorhof implantiert werden können. Sie werden darüber hinaus mit anderen Devices wie zum Beispiel einem subkutanen Defibrillator zu kommunizieren. Der Vorteil: Diese Geräte werden die Diagnose und Therapie von tachykarden Rhythmusstörungen zuverlässiger und variabler machen.

Die grossen Vorteile eines solchen Schrittmachers bestehen darin, dass viel weniger Fremdmaterial im Körper verbleibt und dass die zwei Schwachstellen eines konventionellen Systems, die subkutane Tasche (mit dem Risiko lokaler Komplikationen) sowie die Elektroden (die über die Jahre mechanisch stark belastet werden können) wegfallen. Entsprechend stellt ein solcher Schrittmacher beispielsweise für sehr schlanke Patienten, für Patienten mit einem erhöhten Risiko oder einer Vorgeschichte von Schrittmacher-assoziierten Infektionen sowie für solche mit schwierigem venösem Zugang eine attraktive Alternative dar. Neue Generatio-

Fernüberwachung implantierter Devices Die Fernüberwachung implantierter Geräte erlaubt eine engmaschige Überwachung der Gerätintegrität und dadurch eine Früherkennung möglicher technischer Probleme wie etwa die vorzeitige Batterieentladung oder die Elektrodendysfunktion. Gleichzeitig ermöglicht es uns als behandelnde Kardiologen, therapierelevante Arrhythmien, wie zum Beispiel Kammertachykardien oder Auftreten von Vorhofflimmern bei bisher nicht antikoagulierten Patienten, frühzeitig zu erkennen und dadurch zeitnah notwendige Massnahmen einzuleiten. Eine solche Fernüberwachung ist grundsätzlich mit

Intrakardialer Schrittmacher ohne Elektroden Intrakardiale Schrittmacher funktionieren vom Grundprinzip her wie ein konventioneller 1-Kammerschrittmacher: Das Gerät registriert die intrinsische ventrikuläre Aktivität und gibt bei Fehlen einer solchen Aktivierung, einen elektrischen Impuls ab, der zur Depolarisation und entsprechend Kontraktion des Herzens führt. Ein solcher Schrittmacher wiegt gerade mal ca. zwei Gramm (s. Abbildung), hat eine

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Intrakardialer Schrittmacher Der intrakardiale Schrittmacher wird über einen venösen Zugang von der Leiste im rechten Ventrikelim Bereich des interventrikulären Septums implantiert.

allen heute implantierten Schrittmachern und ICDs möglich, je nach Implantat mittels eines Übermittlungsgerätes, das beim Patienten zuhause installiert ist oder via Smartphone-App bei Bluetooth-fähigen Geräten. Eine solche Überwachung ist medizinisch sinnvoll – insbesondere bei komplexeren Geräten wie implantierbaren Defibrillatoren (ICD), Resynchronisations-Geräten (CRT) oder bei Geräten mit Hinweisen auf Fehlfunktionen, bei Patienten mit erhöhtem Risiko für relevante Arrhythmien oder bei solchen, denen es aus gesundheitlichen Gründen schwerfällt, reguläre Kontrolltermine im Spital wahrzunehmen.

Fernüberwachung hilft, die Betroffenen besser zu betreuen. Auch bei Patienten mit Herzinsuffizienz und implantierten Devices kann uns eine Fernüberwachung helfen, die Betroffenen noch besser zu betreuen. Viele dieser Geräte verfügen heutzutage über ausgeklügelte Algorithmen, die eine drohende Dekompensation der Herzinsuffizienz immer zuverlässiger und teilweise mehrere Wochen vor dem Auftreten relevanter Sympto-

me erkennen können. Sie erlauben es uns, frühzeitig Massnahmen zu ergreifen, um zum Beispiel eine Hospitalisation zu verhindern. Selektive Stimulation des Reizleitungssystems Eine Limitation der konventionellen Schrittmachertherapie ist die Tatsache, dass die Stimulation des rechten Ventrikels zu einer elektrischen und konsekutiv mechanischen Dyssynchronie führt. Besteht ein hochprozentiger Stimulationsanteil, kann es hierdurch zu einer klinisch relevanten Verschlechterung der linksventrikulären Pumpfunktion kommen. Um dem entgegenzuwirken liegt derzeit ein Fokus der Weiterentwicklung der Schrittmachertherapie auf der selektiven Stimulation des Reizleitungssystems. Das Ziel: Die physiologische Erregungsübertragung im ventrikulären Myokard weitestgehend zu erhalten. Dies wird durch die Platzierung speziell hierfür konzipierter transvenöser Elektroden direkt am His’schen Bündel oder im Bereich des linken Tavaraschenkels erreicht. Am KSB haben wir diese Art der Implantation bereits bei ersten Patienten durchgeführt. Inwiefern sich diese Form der Stimulation in Zukunft weiter etablieren und breitflächig eine Alternative für konventionelles rechtsventrikuläres Pacing oder auch die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) darstellen wird, wird sich zeigen.

Zusammenfassung Zusammenfassend befinden wir uns in einer faszinierenden Zeit. Die vor über 60 Jahren von einem der grossen Pioniere der Herzchirurgie begonnene Schrittmachertherapie entwickelt sich heute noch ständig weiter und es macht uns grosse Freude, unseren Patienten mit den neuesten Techniken helfen zu können.

Dr. med. Pascal Köpfli Leitender Arzt Kardiologie und Fachverantwortlicher Devices / Rhythmologie

Kontakt Sekretariat Kardiologie Telefon 056 486 26 36 kardiologie@ksb.ch

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Kardiologie

Das Akute Koronarsyndrom (ACS) im Fokus

Schnelle Hilfe im Herzkatheterlabor Das Herzkatheterlabor gilt bisweilen als das Herzstück der Kardiologie. Die Erklärung liegt auf der Hand: Insbesondere bei einem akuten Koronarsyndrom (ACS) kann hier dem Patienten schnell und minimalinvasiv geholfen werden. Doch was hat es mit dem ACS auf sich und was passiert im Herzkatheterlabor? Eine Einordnung. Autor Dr. Ercüment Ercin, Leiter invasive Kardiologie

Im Herzkatheterlabor: Dr. Ercüment Ercin (2. v. re.) und sein Team nach dem ersten STEMI-Eingriff bei einem 78-jährigen Patienten im Juni 2021

Das Akute Koronarsyndrom (ACS) umfasst grundsätzlich die instabile Angina Pectoris (IAP) sowie den akuten Myokardininfarkt ohne (NON-STEMI) und mit ST-Hebung (STEMI = ST-Elevation Myocardial Infarction) im EKG. Deshalb kommt es bei der Versorgung der Patientinnen und Patienten darauf an, bei einem entsprechenden klinischem Verdacht zwischen

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den verschiedenen Entitäten des ACS zu unterscheiden – gerade im Hinblick auf die Dringlichkeit einer Hospitalisation und invasiver Diagnostik respektive Revaskularisation. Es steht ausser Frage, dass die diagnostische Vorgehensweise angesichts der zumeist lebensbedrohlichen Situation des Patienten

immer auch ein Wettlauf gegen die Zeit darstellt. Die Leitsymptomatik des Patienten äussert sich dabei meist zunächst mit einem akuten Thoraxschmerz (ggf. mit Ausstrahlung in den linken Arm, Nacken, Hals oder Unterkiefer). Bei der weiteren Anamese und klinischen Präsentation muss bei der ST-Hebung per EKGUntersuchung die Entitätsvermutung verifiziert


werden. Der ST-Hebungsinfarkt beschreibt dabei das Vorliegen von typischen EKG-Veränderungen als Zeichen einer myokardialen Ischämie, meist im Rahmen eines akuten Verschlusses der Herzkranzgefässe. Die Evidenzgrade werden nach den Empfehlungen der verfügbaren Evidenz angegeben (gem. ESC Guidelines). Das Herzkatheterlabor wird dann für die koronare Angiografie vorbereitet. Weil der Begriff des ACS zu Beginn stets als Verdachtsdiagnose zu handhaben ist, sind erst durch eine weiterführende Diagnostik Differenzierungen in verschiedene Krankheitsbilder möglich. Sie werden dementsprechend im Herzkatheterlabor behandelt. Die Krankheitsbilder werden dabei wie folgt unterteilt: STEMI: Im Wachzustand wird über ein Armgefäss oder Leiste (Perkutan) ein Zugang gelegt. Über die Arterie und unter Hinzugabe von Kontrastmittel wird festgestellt, welche koronaren Herzkranzgefässe betroffen sind. Das verschlossene Gefäss wird zunächst mit einem Ballon geweitet und dadurch geöffnet. Anschliessend werden Stents implantiert. Zur Überwachung auf der Intermediate Care-Station (IMC) oder auf der interdisziplinären Intensivpflegestation (IPS) wird die Patientin oder der Patient weiter betreut. Bei gutem Verlauf kann das Spital nach weniger als einer Woche verlassen werden.

Die Eingriffe im KSB nimmt ein erfahrenes Team aus fünf interventionellen Kardiologen vor. NON-STEMI: Bei einem erhöhten Wert des Herzmarkers Troponin wird gemäss Klinikund Risikokriterien entschieden, ob es sich um einen High-risk-NSTEMI-Patienten, der innerhalb der nächsten 24 Stunden (Early 24 h) behandelt werden muss, oder um einen stabilen NSTEMI-Patienten handelt, der in weniger als 72 Stunden für eine invasive Koronardiagnostik bereitstehen muss. Bei der Untersuchung wird sehr häufig festgestellt, dass die Ursache eine

signifikante Koronar-Verengung ist. Es handelt es sich in der Regel um eine hochgradige Stenose. Der Einsatz einer Ballon-Aufweitung (Ballondilation) und dem Einsetzen von StentImplantaten sind erforderlich. Je nach Koronaranatomie und Befund ist in seltenen Fällen noch eine AC-Bypass-OP notwendig. Instabiler Angina Pectoris: Auch die IAP ist ein Akut-Koronarsyndrom, jedoch ohne Herzmarkererhöhung. Dementsprechend wird bei der Patientin oder dem Patienten wie bei einem NON-STEMI-Fall verfahren. Und wie bei allen oben genannten Krankheitsbildern hat zur weiteren Behandlung die nicht-invasive Abklärung (Myokardszintigraphie, Koro-CT, PET-CT oder Herz-MRI) – entweder ambulant oder während der Hospitalisation – zu erfolgen.

brechen müssen, um für die Patienten im Notfall da zu sein. Doch das machen sie gerne und mit viel Herzblut, denn die Hotline sorgt dafür, dass sich die Behandlungszeiten erheblich verkürzen. Die Patienten können schneller triagiert und für die Herzkatheteruntersuchung vorbereitet werden. Ein kardiologisches Angebot, das sich am KSB mehr als bewährt hat.

Die STEMI-Hotline stellt einen Meilenstein in der Behandlung der ACS-Patienten dar.

Kardiogener Schock: Meist werden die Patienten durch die Rettung auf dem Notfall vorstellig. In einem sehr kritischen Zustand: Hypotonie, kaum bis gar nicht ansprechbar. Auf der Notfallstation werden sie dann interdisziplinär behandelt. Bei Bedarf wird seit geraumer Zeit am Kantonsspital Baden im Herzkatheterlabor eine Impella-Pumpe via Schleusse in der Leiste (Perkutan) eingesetzt. Es folgt die weitere Behandlung auf der Intensivstation. Die temporäre Herzpumpenunterstützung wird je nach Verlauf letztlich wieder entfernt. Grundsätzlich haben die ACS-Patienten im KSB den grossen Vorteil, dass hier alle diagnostischen Herzuntersuchungen für die oben genannten kardiologischen Krankheitsbilder in kürzester Zeit durchgeführt werden können. Die geringen räumlichen Wege (Lage auf einem Stockwerk) sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit einem erfahrenen und qualitativ hochwertigen Kader bilden die Basis. So werden seit dem Jahr 2021 STEMI-Patienten im Herzkatheterlabor äusserst erfolgreich behandelt. Seitdem werden die Eingriffe im KSB von einem erfahrenen und eingespielten Team von fünf interventionellen Kardiologen durchgeführt. Flankierend dazu erweist sich die STEMI-Hotline als einer der Meilensteine in der Behandlung der ACS-Patienten. Sie wurde am KSB vor vier Jahren eingeführt. Durch die Hotline ist gewährleistet, dass ein Operateur während 24 Stunden stets erreichbar ist. Das bedeutet für die jeweiligen Kardiologen allerdings, dass sie jederzeit ihre Freizeitgestaltung (Kino, Essengehen oder Schlaf etc.) unter-

Dr. med. Ercüment Ercin Leiter invasive Kardiologie, Co-Leiter Kardiologie

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Kardiologie

Gelungene Behandlung eines ACS-Patienten Am frühen Nachmittag des 21. Juni 2021 wird im KSB-Notfall ein 50-jähriger Mann vorstellig. Er hatte beim Autofahren starke Thorax-Schmerzen verspürt. Die Erstbehandlung findet im Notfall des KSB statt. Das EKG zeigt schwerwiegende Auffälligkeiten: Vorderwandinfarkt. Es besteht akute Lebensgefahr. Der Patient kommt ins Herzkatheterlabor.

EKG vom 21. Juni 2021, 14.08 Uhr Typisches Bild eines akuten Vorderwandinfarktes

Zeitablauf 14.08 Uhr

EKG auf dem Notfall

14 .10 Uhr

Via Telefon wird Dr. Ercin hinzugezogen

14.13 Uhr

Visite beim Patienten

14.20 Uhr

Verlegung ins Herzkatheterlabor

14.31 Uhr

Punktion der rechten Radialaterie

14.39 Uhr

Gefässöffnung durch Ballondilatation

Der Fall

EKG vom 21. Juni 2021, 19.00 Uhr Knapp viereinhalb Stunden nach dem Eingriff: Normalisierung der ST-Hebung

Subtotaler RIVA-Verschluss

Nach Ballondilatation

Koronarangiografie zeigt – wie im ersten EKG vermutet – einen Vorderwandinfarkt (Thrombotischer Gefässverschluss)

Nach der Ballondilation wurde ein DES (Drug-eluting stent) gesetzt

Weitere Behandlung Durch die sehr schnell ergriffenen Massnahmen und den gelungenen Eingriff kam es zu keinem Myokardschaden beim Patienten. Das bestätigte die Verlaufskontrolle per Echokardiografie. Zur weiteren Überwachung kam der Patient auf die IMC. Nach fünf Tagen konnte er das KSB verlassen. Zur therapeutischen Weiterbehandlung des Patienten wurde er an die ambulante Kardiale Rehabilitation des KSB verwiesen.

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Mehr zum Herzkatheterlabor Link für weiterführende Informationen ksb.ch/herzkatheter-labor


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Kardiologie

Beeindruckende Ergebnisse im Ausschlussverfahren

Patienten profitieren von Konorar-CT Der technische Fortschritt der koronaren Computertomografie ist erstaunlich. Inzwischen erlaubt sie nicht nur den Nachweis von Verkalkungen der Herzkranzgefäße mit hoher Verlässlichkeit, sondern weist auch einen hohen negativen prädiktiven Wert auf. Das KSB, von der Deutschen Radiologie Gesellschaft als Zentrum für kardiovaskuläre Bildgebung zertifiziert, setzt auf die Koronar-CT. Autoren Prof. Dr. Tilo Niemann, Radiologie; PD Dr. André Euler, Radiologie; Dr. Karsten Murray, Kardiologie

Die koronare Computertomografie (KoronarCT, Herz-CT, CT-Koronarangiografie) hat in den vergangenen Jahren sehr grosse technische Fortschritte gemacht, unter anderem in der räumlichen Auflösung sowie in der Reduktion der notwendigen Röntgendosis. Mittlerweile wurde die Koronar-CT als Instrument der ersten Wahl zum Ausschluss einer koronaren Herzerkrankung bei Patienten mit geringem bis mittlerem Risiko des Vorliegens einer signifikanten Engstelle der Koronarien etabliert.

Mit der neusten CT-Technologie werden Engstellen genauer vermessen.

prädiktiven Wert der Koronar-CT zu erhöhen, ist die Triage der Patienten mit hoher Vortestwahrscheinlichkeit wichtig. Mit der neusten CTTechnologie können Engstellen noch genauer vermessen werden. Dies birgt das Potenzial in Zukunft auch bei Patienten mit einer hohen Vortestwahrscheinlichkeit die Vorhersagekraft der Koronar-CT weiter zu verbessern. Auch im Kantonsspital Baden (KSB) werden selbstredend Koronar-CTs vorgenommen. Mehr noch: Dies auch dank interdisziplinärer Zusammenarbeit und dem klaren Ziel, den Patientinnen und Patienten die beste Betreuung zukommen zu lassen.

PD Dr. med. André Euler Leiter Notfallradiologie & AI-Integration

Der Nutzen der Koronar-CT wurde in grossen randomisierten Studien belegt. Das KoronarCT hat einen sehr hohen negativen prädiktiven Wert. Das bedeutet, dass ein unauffälliger Befund mit sehr hoher Sicherheit eine koronare Herzkrankheit ausschliesst. Das im Rahmen der Untersuchung durchgeführte Calcium-Scoring bietet einen Marker für das Ausmass an verkalkten Koronarplaques, liefert wichtige prognostische Informationen und hilft bei der Stratifizierung einer Statin-Therapie. Um den positiven

Prof. Dr. med. Tilo Niemann Leiter cardiothorakale Radiologie, Leiter Computertomographie

Dr. med. Karsten Murray Oberarzt Kardiologie

Das KSB ist von der Deutschen Radiologie Gesellschaft als Zentrum für kardiovaskuläre Bildgebung zertifiziert.

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Kardiologie

Funktionelle Bildgebung

Auf neuen Wegen mit der Rubidium-PET/CT Der Rubidium-PET/CT stellt einen Meilenstein in der nuklearmedizinischen Untersuchung dar – auch am Kantonsspital Baden. Seit einigen Monaten werden am KSB Herzbeschwerden von Patienten auf diese Weise abgeklärt. Unter anderem mit einer sieben Mal geringeren Strahlenbelastung. Autoren Prof. Dr. med. Alexander Sauter, Leiter PET/CT, und Dr. med. Cristina Popescu, Oberärztin Nuklearmedizin

Seit Februar 2023 wird die Rubidium-Herz-PET/ CT am KSB durchgeführt. Als grosse Vorteile gegenüber der konventionellen Myokardperfusionsszintigraphie sind die bessere Bildqualität, kurze Untersuchungszeit, geringe Strahlenexposition und zusätzliche Informationen wie die koronare Flussreserve aufzuführen. Dieses Verfahren setzen wir komplementär zum Koronar-CT bei höherem KHK-Risiko und Ischämieverdacht bei zum Beispiel entsprechender Klinik, positiver Ergometrie oder Echokardiographie ein. Die Untersuchung wird am PET/CT mit Hilfe von einem Rubidium-Generator durchgeführt. Durch den radioaktiven Zerfall entsteht hierbei Rubidium-82, ein Positronenemitter mit sehr kurzer Halbwertszeit. Im ersten Teil der Untersuchung wird ein Calcium-Scoring durchgeführt, gefolgt von Ruhe-Aufnahmen und schliesslich Stress-Aufnahmen. Die Belastung wird dabei nicht mit einem Velo durchgeführt, sondern medikamentös mit Adenosin oder Regadenoson bei bekannter COPD oder Asthma.

Wichtig ist, dass die Patientinnen und Patienten mindestens zwölf Stunden auf koffeinhaltige Getränke verzichten. Alle Informationen aus der Untersuchung werden gemeinsam zwischen Kardiologie und Nuklearmedizin besprochen. Die daraus resultierenden gemeinsamen Empfehlungen werden in einem integrierten Befund zusammengefasst.

Prof. Dr. med. Alexander Sauter Leiter PET/CT

Gegenüber dem konventionellen Verfahren gibt es viele Vorteile. Dr. med. Cristina Popescu Oberärztin Nuklearmedizin

Mehr dazu Erklär-Video Wie funktioniert eine PET/CT-Untersuchung?

Kontakt Sekretariat Nuklearmedizin Telefon 056 486 38 80 nuklearmedizin@ksb.ch

Fallbeispiel 73-jähriger Patient mit typischen AP Beschwerden bei Status nach PCI RIVA/RCA zuletzt 2018. In Ruhe fokale Radionuklidminderbelegung des linksventrikulären Myokards septobasal (A, SRS 3). Nach medikamentöser Stimulation deutliche Zunahme der Minderbelegung (B, SDS 21). Zusätzlich zeigt sich eine deutlich verminderte koronare Flussreserve insbesondere im LAD-Territorium (C). Die invasive Koronarangiographie zeigt eine hochgradige bis subtotale In-Stent-Restenose in dem proximalen bis mittleren RIVA-Stent.

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Kardiologie

Neue Therapieoptionen für das Vorhofflimmern Schlägt das Herz anhaltend unregelmässig, handelt es sich um Vorhofflimmern. Es ist eines der häufigsten Herzrhythmusstörungen. Therapeutische Optionen zur Behandlung gibt es viele. Einer der neuesten wird seit November 2022 am KSB durchgeführt: die Elektroporation («Pulsed-Field-Ablation»). Und das aus guten Gründen. Autor PD Dr. med. Alexander Breitenstein, Leitender Arzt Kardiologie/Rhythmologie, Universitäres Herzzentrum Zürich

Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen weltweit. Durch die Veränderung der demographischen Entwicklung unserer Bevölkerung sowie die Zunahme der kardiovaskulären Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes steigt die Prävalenz des Vorhofflimmerns weltweit an. Die therapeutischen Optionen zur Behandlung des Vorhofflimmerns reichen von antiarrhythmischen Medikamenten über Katheterablationen bis hin zu Schrittmacher-Implantationen. Je früher die Therapie beginnt, desto grösser der Benefit Kürzlich publizierte Daten haben gezeigt, dass eine frühe Therapie des Vorhofflimmerns einen relevanten Benefit aufweist. Haben sich Patient und die behandelnden Ärzte für eine Katheterintervention zur Kontrolle des Vorhofflimmerns

entschieden, ist es das Ziel, die Lungenenvenen (in denen die Quellen für das Auslösen des Vorhofflimmerns sitzen) elektrisch von den Vorhöfen vom Herzen zu isolieren. Am Kantonsspital Baden haben wir die elektrophysiologische Katheterablationen zur Therapie des Vorhofflimmerns im Jahr 2019 eingeführt. Damals wurde die bekannte, sehr etablierte Methode der Cryoballon-Ablation verwendet, mit deren wir etlichen Patienten, die an Vorhofflimmern gelitten haben, helfen konnten. Im November 2022 hatten wir dann am KSB die Chance, eine neue Energieform zu Pulmonalvenenisolation einzuführen: Die sogenannten Elektroporation oder «PulsedField-Ablation». Als damals erst fünftes Spital schweizweit wurden unseren Patienten diese Ablationsmethode angeboten.

Neue Methode ohne thermische Effekte Mit der Elektroporation haben wir eine Energieform, die praktisch ohne thermische Effekte auskommt (im Vergleich verwendet die oben erwähnte Cryoballon-Ablation Kälte zur Isolation der Pulmonalvenen). Dadurch erreicht man eine höhere Sicherheit bei den Eingriffen, da gewisse potenzielle Komplikationen weniger auftreten und dies bei gleich guter Effektivität. Gerade bei fortgeschrittenen Stadien des Vorhofflimmerns ist diese Methode eine Bereicherung. Mit den verschiedenen Modalitäten können wir unseren Patienten nun eine noch breitere therapeutische Vielfalt anbieten. Nicht alle Patienten benötigen die neuere Ablationstechnologie, und wir offerieren nach einer eingehenden Evaluation des Stadiums des Vorhofflimmerns, der zugrundeliegenden Herzerkrankung und den Herzveränderungen die aus unserer Sicht bestmögliche Option.

PD Dr. med. Alexander Breitenstein Belegarzt Rhythmologie

Kontakt Sekretariat Kardiologie Telefon 056 486 26 36 kardiologie@ksb.ch

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Digital Economy Award geht an das KSB And the winner is . . . Das Kantonsspital Baden (KSB) ist in Zürich mit dem Digital Economy Award 2023 ausgezeichnet worden. Der Fachverband SwissICT würdigte damit das Virtual Cockpit, welches das KSB in Zusammenarbeit mit seinem Technologiepartner Siemens Healthineers am Aussenstandort KSB City in Baden realisiert hat. Mit diesem Virtual Cockpit kann eine Radiologiefachperson bis zu drei an weiteren Aussenstandorten stehende MRI-Scanner steuern. Dieses Gerät entlastet somit das Fachpersonal, ermöglicht ortsunabhängiges Arbeiten, führt zu Effizienzsteigerungen bei der Bildgebung und Diagnostik und verkürzt Wartezeiten für Patientinnen und Patienten. Das KSB zeige eine mehrjährige, stabile und sehr beeindruckende Entwicklung in Richtung «Digital Excellence», begründete die Jury die AwardVerleihung: «Es spielt in einem sehr komplexen und stark reglementierten Umfeld national und international ganz vorne mit.» Das Virtual Cockpit ist das Herzstück des Konzeptes «Radiology of the future», welches das KSB zusammen mit seinem Technologiepartner Siemens Healthineers am Aussenstandort KSB City in Baden realisiert hat.

Da in der Radiologie ein Fachkräftemangel herrscht, ist es schwierig, diagnostische Dienstleistungen in Randgebieten anzubieten. Durch das Virtual Cockpit können die KSB-Aussenstandorte jedoch jederzeit auf das Know-how des Stammhauses zurückgreifen. Insbesondere bei komplexen Untersuchungen werden die (Organ-)Spezialisten aus der Zentrale zugeschaltet. So ist die hohe Behandlungsqualität auch an den dezentral gelegenen Standorten gewährleistet. Projekt mit Leuchtturm-Charakter «Es handelt sich um ein konkretes Beispiel, wie die Digitalisierung einen Mehrwert schafft. Dezentralisierung und wohnortnahe Angebote werden gefördert», sagt KSB-CEO Adrian Schmitter. Auch unter den Aspekten Qualität und Patientensicherheit habe sich das Virtual Cockpit bewährt. «Dass dieses Projekt nun mit einem so prestigeträchtigen Preis ausgezeichnet wurde, macht uns stolz.»

Gewürdigt werde damit nicht nur die Innovationskraft des KSB, sondern auch die Technologiepartnerschaft mit Siemens Healthineers. «Das Virtual Cockpit besitzt bereits jetzt LeuchtturmCharakter. Für uns ist das eine Motivation, die Digitalisierung im Gesundheitswesen mit Blick auf die Inbetriebnahme unseres Neubaus im kommenden Jahr weiter voranzutreiben», sagt Adrian Schmitter. Bild: Vertreter des KSB mit CEO Adrian Schmitter (4. v. re.) und von Siemens Healthineers nehmen den Digital Excellence Award entgegen.

Kontakt Marketing und Kommunikation Telefon 056 486 23 82 medien@ksb.ch

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Tumorzentrum

Tumorzentrum erhält Top-Bewertungen Im Kantonsspital Baden stehen die Patienten im Mittelpunkt. Ob ambulant oder stationär, sie sollen die bestmögliche Behandlung und einen möglichst angenehmen Aufenthalt erfahren. Doch sehen das die Betroffenen genauso? Ja, wie die jüngste Patienten- und Zuweiserbefragung zur Zufriedenheit mit den Leistungen des Tumorzentrums zeigt.

Es zeigt sich das Bild einer hohen Zufriedenheit mit der Patientenbetreuung.

Gemäss Anforderung der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) muss das KSB alle drei Jahre im Rahmen des Tumorzentrums eine Zuweiserund eine Patientenbefragung ausweisen. Beide Befragungen wurden im Frühling diesen Jahres durchgeführt. Die Patientenbefragung erfolgte in den Sprechstunden der beteiligten Fachbereiche mittels Papierfragebogen (643 Patientinnen und Patienten nahmen teil), jene für die Zuweiser wurde erstmals durch die externe Firma Rotthaus aus Deutschland telefonisch vorgenommen.

Dr. Clemens Caspar hat quasi als «Abschlussprojekt» in seiner Funktion als Leiter des Tumorzentrums die Befragungen ausgewertet und zusammengefasst. Mit sehr beachtlichen Ergebnissen. «Erfreulicherweise zeigt sich das Bild einer hohen Zufriedenheit mit der Patientenbetreuung über das gesamte Tumorzentrum hinweg, was die Resultate der mittels Fragebogen durchgeführten früheren Befragungen der Jahre 2016 und 2019 bestätigt», konstatiert Dr. Clemens Caspar.

Fachkompetenz Ärzte 100

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4 = sehr gut, trifft vollständig zu 3 = gut, trifft zu 2 = genügend, trifft eher zu 1 = ungenügend, trifft nicht zu

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Tumorzentrum

Auswertungen: ambulant

Auswertungen: stationär

Zufrieden mit zeitlichem Aufgebot zum Erstgespräch

Eintritt schnell und problemlos möglich

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Zufrieden mit Einbezug in Behandlung der Patienten

Patienten-Behandlung zwischen Spital und Zuweiser gut abgestimmt

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Damit der Standard hoch bleibt, ist aber auch konstruktive Kritik von Seiten der zuweisenden Ärzte nötig. «Wir werden weiter an Verbesserungen arbeiten, zum Beispiel was die Verbesserung der Erreichbarkeit der Ärztinnen und Ärzte im Spital oder die Modalitäten und Geschwindigkeit der stationären Aufnahme angeht», sagen Dr. Clemens Caspar und Prof. Sacha Rothschild unisono. Im September 2023 hat Prof. Rothschild, Chefarzt Zentrum für Onkologie/Hämatologie im KSB, die Leitung des Tumorzentrums von Dr. Caspar übernommen. Damit sind sowohl Kontinuität als auch Weiterentwicklung des 2015 gegründeten und nach den strengen Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft und der ISO zertifizierten Tumorzentrums gewährleistet.

2016 2019 2023 28

4 = sehr gut, trifft vollständig zu 3 = gut, trifft zu 2 = genügend, trifft eher zu 1 = ungenügend, trifft nicht zu

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99.6 Prozent der Patienten empfehlen das KSB weiter. Parallel zur Befragung der Zuweiserinnen und Zuweiser wurden von Seiten des KSB auch die Patientinnen und Patienten befragt. Auch hierbei gab es sehr positive Rückmeldungen: 99,6 Prozent von ihnen (643 Befragte) würden den Fachbereich, in dem sie behandelt werden, weiterempfehlen.


Auswertungen: generell

Fazit

Wartezeiten: Zufriedenheit

«Die anhaltend hohe oder sehr hohe Patientenzufriedenheit im Rahmen des gesamten Tumorzentrums ist als klarer Erfolg der kontinuierlichen Bemühungen für die Qualitätssteigerung im Interesse der Patientinnen und Patienten zu werten», betont Dr. Clemens Caspar.

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Weiterempfehlungen Fachbereich

«Diesen Weg wollen wir fortsetzen», sagt dazu Sacha Rothschild als neuer Leiter des Tumorzentrums. «Wir möchten uns weiterhin für die bestmögliche Behandlungsqualität und eine hohe Zufriedenheit unserer Patientinnen und Patienten einsetzen und als verlässlicher Partner wahrgenommen werden. Dafür engagieren wir uns jeden Tag.»

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nein

ja

Die schriftliche Befragung wurde in den Ambulatorien folgender Fach­ bereiche oder Zentren durchgeführt: Prostatazentrum/Uroonkologie, vis­ zeralonkologisches Zentrum, Brustzentrum, gynäkologisches Tumorzen­ trum, Zentrum für Hämatologische Neoplasien/Onkologie-Hämatologie, Schilddrüsenkrebszentrum und Radioonkologie-Zentrum Standort KSB. Neben der hohen Weiterempfehlungsrate von 99,6 Prozent konnte die in der ersten Befragung erfasste Unzufriedenheit mit den Wartezeiten deutlich gesenkt werden. In diesem Jahr empfanden 48,9 Prozent die Wartezei­ten als sehr gut, 44,3 Prozent bewerteten sie als gut. 2019 gaben noch 40,2 Prozent der Befragten die Bewertung sehr gut und 50,7 Prozent gut ab. Drei Jahre zuvor waren die Befragungswerte noch etwas tiefer.

Prof. Dr. med. et Dr. phil. nat. Sacha Rothschild Leiter Tumorzentrum

Kontakt Sekretariat Tumorzentrum Telefon 056 486 29 72 tumorzentrum@ksb.ch

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Blasen- und Beckenbodenzentrum

Die Reizblase – nur eine lästige Störung? Die Inkontinenz steht stets im Fokus der therapeutischen Bemühungen. Dabei stellen Harndrangsymptome bei der urogynäkologischen Patientin ebenfalls ein Problem von grosser Tragweite dar. Autor Dr. med. Rüdiger Mascus, Leitender Arzt Gynäkologie

Rund neun Prozent der europäischen Bevölkerung klagen über Harndrangsymptome. Das entspricht etwa 40 Millionen Menschen. Dabei sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr. Bestehen Drangsymptome mit Pollakisurie und Nykturie, liegt das Vollbild der überaktiven Blase (Overactive Bladder, OAB) vor, die mit oder ohne Inkontinenz auftritt. Harndrangsymptome beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich Die Inkontinenz steht zwar im Fokus der therapeutischen Bemühungen und ist häufig Gegenstand umfangreicher klinischer Untersuchungen, aber die Lebensqualität wird durch Harndrangsymptome noch viel stärker beeinträchtigt als durch Inkontinenz. Die OAB führt unabhängig vom Vorliegen einer Inkontinenz zu sozialer Isolation, herabgesetztem Selbstwertgefühl und Depressionen. Da ein grosser Teil der Patientinnen gebrechlich ist, stellt gerade die Nykturie ein hohes Risiko für Stürze beim (nächtlichen) Toilettengang dar, wie in einer systematischen Übersicht von Szabo et al. gezeigt werden konnte. Die mit den Stürzen verbundenen Frakturen haben dabei eine erhebliche Mortalität zur Folge. Erstaunlicherweise ist die Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe von OAB-Patientinnen selten. Entweder weil vielen Patientinnen die Verfügbarkeit von Behandlungsmethoden gar nicht bekannt ist oder weil viele glauben, dass Harndrangsymptome «altersbedingt normal» sind. Die Diagnosestellung einer OAB ist unkompliziert und auch in der hausärztlichen Praxis gut möglich. Initial sollte ein HWI oder das Vorliegen einer neurologischen Ursache für die Symptomatik ausgeschlossen sein. Gezielte Fragen erlauben bereits in bis zu 80 Prozent der Fälle eine Zuordnung in die Kategorie Belastungsinkontinenz oder OAB mit oder ohne Inkontinenz (OABwet oder -dry) – wobei auch die Medikamentenanamnese nicht vergessen werden darf. Patientenfragebögen können eine sinnvolle Ergänzung darstellen.

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Klagt eine Patientin über einen imperativen Harndrang, der eine Pollakisurie mit > 8 Miktionen am Tag (Trinkmenge 1,5-2 L/d) sowie eine Nykturie zur Folge hat, sollte der Patientin ein Miktionstagebuch ausgehändigt werden, um den OAB-Verdacht zu objektivieren. Im Rahmen der klinischen Untersuchung erfolgt die abdominale, vaginale und rektale Palpation. Eine Ultraschalluntersuchung der Harnblase kann sowohl eine Restharnbildung als auch pathologische Raumforderungen ausschliessen, was gegebenenfalls mit einer urinzytologischen Untersuchung sinnvoll ergänzt wird. Bei der unkomplizierten OAB-Patientin ist zunächst eine weiterführende Diagnostik wie Urodynamik, Zystoskopie oder die bildgebende Diagnostik der oberen Harnwege nicht erforderlich. Erst bei begleitendem Descensus genitalis, analer Inkontinenz, einer Hämaturie, Beckenschmerzen, Status nach urogynäkologischen Voroperationen, Harnverhalt, Verdacht auf Fistelbildung oder Status nach Radiotherapie im Beckenbereich sollte die Überweisung an einen Spezialisten erfolgen. Dies gilt umso mehr, wenn der Verdacht auf eine zugrundeliegende neurologische Grunderkrankung besteht. Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es? In der Leitlinie der American Urological Association (AUA) «Diagnosis and Treatment of overactive bladder (Non-Neurogenic) in adults» wird als First-Line-Treatment das Blasentraining empfohlen. Dieser verhaltenstherapeutische Ansatz zielt darauf ab, die Blasenkapazität zu steigern und dadurch die Reizschwelle für die Auslösung des Harndranges anzuheben. Erreicht wird dieses Ziel durch Aufschubstrategien, also beim Verspüren des Harndranges noch zuzuwarten sowie vorbeugende Toilettengänge zu unterlassen. Ein Trinkplan sollte sicherstellen, dass genügend Flüssigkeit zugeführt wird (als Faustregel gelten 30 ml/kg Körpergewicht). Denn abgesehen von der Notwendigkeit


Die Zystoskopie-Aufnahmen zeigen die Botoxinjektion in den Detrusor

einer suffizienten Diurese reizt hoch konzentrierter Harn das ohnehin sensible Urothel. Eine sinnvolle Ergänzung dieser Urotherapie ist die begleitende Physiotherapie, um einerseits Entspannungstechniken zu erlernen, aber auch Beckenbodentraining durchzuführen sowie beim Blasentraining instruiert zu werden. Bei ausbleibendem Therapieerfolg des First-Line-Treatments sollte die medikamentöse Behandlung der OAB eingeleitet werden. Zur Verfügung stehen dabei Anticholinergica und Beta-3-Agonisten. Während Anticholinergica als parasympatholytisch wirksame Pharmaka die drangauslösende Kontraktion des Detrusors hemmen, vermag der Beta-3-Agonist als sympathomimetisch wirksames Pharmakon die auf den Detrusor inhibierende Wirkung des Sympathicus zu stimulieren. Beides resultiert in einer Drangreduktion. Als Anticholinergica stehen folgende Substanzen zur Verfügung: Oxybutinin (auch transdermal verabreichbar), Propiverin, Tolterodin, Trospiumchlorid, Solifenacin, Darifenacin und Fesoteridin. Die drei letztgenannten Substanzen sind M3-Rezeptor-selektiv und sollen dadurch weniger trockenen Mund und Obstipationen verursachen als die Anticholinergica der früheren Generation. Allen Substanzen gemeinsam ist die Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten mit Ausnahme von Trospiumchlorid, was als quartäre Ammoniumverbindung nicht die Blut-Hirnschranke überwinden kann und sich daher vor allem für die Patientin im Senium anbietet. Anticholinergika (Parasympatholytica) binden als Antagonisten am muskarinischen Acetylcholin-Rezeptor (M1, M2, M3). Mirabegron, 2014 von der Swissmedic zugelassen, ist bislang das einzige Sympathomimeticum, das was zur Behandlung der OAB auf dem Markt ist. Mundtrockenheit und Obstipation ist bei dieser Substanz ebenso wenig ein Problem wie der Einfluss auf Vigilanz und kognitive Fähigkeiten. Allerdings führt es durch Wechselwirkungen mit Cytochrom P450-Enzymen

zu unerwünschten Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Hier könnte Vibegron ein neuartiger β3AR-Agonist der zweiten Generation, der nicht mit Cytochrom P450 interagiert auch Patientinnen verabreicht werden, die beispielsweise an einer arteriellen Hypertonie leiden. Botoxinjektion erweist sich als wirksame Drittlinientherapie Sollte der Behandlungserfolg mit den genannten Massnahmen nicht zum Erfolg führen oder auch unerwünschte Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie deren Fortsetzung unmöglich machen, wäre eine ausführlichere Diagnostik der nächste Schritt. Eine urodynamische Messung und Zystoskopie führen wir in solchen Fällen regelmässig im Beckenbodenzentrum am KSB durch. Als sehr wirksame Drittlinientherapie käme nun die Botoxinjektion oder auch die Stimulation des Nervus tibialis (PTNS) in Frage. Erst wenn auch diese Behandlung keinen Erfolg zeigten, überweisen wir die Patientin zu einer neurourologischen Abklärung, um dort klären zu lassen, ob eine sakrale Neuromodulation eine weitere Therapieoption darstellen könnte.

Dr. med. Rüdiger Mascus Leitender Arzt, Leiter Blasen- und Beckenbodenzentrum

Kontakt Sekretariat Untersuch Telefon 056 486 35 55 beckenboden@ksb.ch

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Kinderpneumologie

Asthma: Objektive Tests unerlässlich Seit Juli 2023 gibt es eine kinderpneumologische Sprechstunde im Kantonsspital Baden. Hier wird nach den neuesten evidenzbasierten Richtlinien die Diagnose von häufigen Lungenkrankheiten durchgeführt. So werden Haus- und Kinderärzte bei der Diagnosestellung und Betreuung unterstützt. Autor Dr. med. univ. Leo Thanikkel, Stv. Leitender Arzt Kinder & Jugendmedizin

Im September 2023 wurden die Schweizer Empfehlungen zur Diagnose, Therapie und Management von Asthma bei Kindern ab fünf Jahren publiziert. Diese liegen internationalen Guidelines und Konsensus Statements zu Grunde. Die Schweizer Empfehlungen basieren auf neuen Leitlinien der European Respiratory Society (ERS) und die Empfehlungen für Therapie auf den Guidelines der Global initiative for Asthma (GINA) von 2022. Asthma ist die häufigste chronische Krankheit im Kindesalter in der Schweiz. Sie betrifft acht bis neun Prozent. Kinder sollten nach den neuesten Richtlinien diagnostiziert und behandelt werden. Die Diagnose sollte nicht nur aufgrund von Symptomen diagnostiziert werden. Die Anamnese alleine ist nicht ausreichend für eine Asthma-Diagnose. Eine Überdiag-

nose kann zur vermehrten Behandlung mit inhalativen Kortikosteroiden führen, eine verspätete Diagnose kann in eine schwerwiegende Morbidität oder schlechteren Lebensqualität münden. In der neuen Richtlinie ist zum ersten Mal beim Schulkind eine Lungenfunktionsuntersuchung obligatorisch notwendig. In der Vergangenheit waren Lungenfunktionsuntersuchungen nur als optionale Zusatzuntersuchungen gedacht. Diese Vorgabe stellt hohe Anforderungen an die niedergelassenen Haus- und Kinderärzte und ist mit logistischen und finanziellen Aufwänden verbunden. In der Vergangenheit wurde eine Asthma-Diagnose auch durch Symptomverbesserung nach einem Therapieversuch gestellt. Dafür gibt es keine Evidenz. Ein Therapieversuch sollte erst nach objektiven Tests durchgeführt werden.

Dr. Leo Thanikkel vor der Kabine für die Bodyplethysmografie. 33


Kinderpneumologie

Spirometrie zur Diagnosestellung ist wichtig Die Spirometrie ist aufgrund der guten Spezifität zur Objektivierung und damit zur Diagnosestellung wichtig. Die Durchführung ist bei Kindern (älter als fünf Jahre) mit guter Instruktion möglich. Nicht alle Kinder können ein korrektes Forced-Vital-Capacity-Manöver durchführen, es kommt oft zu einem vorzeitigen Abbruch und falschen Werten im FEV1/ FVC-Verhältnis. Eine Spirometrie als alleinige Untersuchung hat eine tiefe Sensitivität und kann kein Asthma ausschliessen, wiederholte Messungen sind notwendig. Für ein Asthma diagnostisch ist eine Reversibilität der Atemwegsobstruktion

nach Inhalation mit einem schnellwirksamen Betamimetikums. Die Bronchodilatatoren-Reversibilität (BDR) ist Bestandteil der europäischen Asthma-Leitlinien. Die Reversibilitätstestung beginnt mit einer Basisspirometrie gefolgt von einer Inhalation mit 400 mg Salbutamol. Eine Verbesserung des FEV1s um ≥ 10% des % predicted Werte ist eine signifikante Antwort und diagnostisch für ein Asthma. Eine Verbesserung um weniger als zehn Prozent schliesst ein Asthma nicht aus. Mit der Spirometrie sowie Bronchodilatatoren-Reversibilität können diese Parameter in der kinderpneumologischen Sprechstunde gemessen werden.

Die Spirometrie zeigt eine mittelschwere reversible obstruktive Ventilationsstörung bei normaler forcierter Vitalkapazität (FVC).

Die Messung von ausgeatmetem Stickstoff Monoxid (NO) ist im Rahmen einer eosinophilen Entzündung der unteren Atemwege erhöht. Sie wird durch die NO-Synthase der Atemwegsepithelien produziert. Bei einem nicht allergischen Asthma sind die FeNO-Werte im Normbereich, weshalb ein normales FeNO ein Asthma nicht ausschliesst. FeNO-Werte sinken bei antientzündlicher Asthma-Therapie, so dass auch bei Asthmatikern ein normales FeNO gemessen wird. Mit dem FeNO-Messgerät in der kinderpneumologischen Sprechstunde kann der Stickstoff-Monoxid-Gehalt gemessen werden. Die Messung von FeNO sollte im Rahmen einer Asthma-Abklärung bei Kindern mit Asthma-Symptomen durchgeführt werden. In der kinderpneumologischen Sprechstunde im KSB findet die FeNO-Messung mittels Chemilumineszenz-Methode (von Fachgesellschaften ATS/ERS unterstützte Methode) statt.

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Quelle: Möller et al Schweizer Empfehlungen zur Diagnose, Therapie und Management von Asthma bei Kindern ab 5 Jahren Paediatrica September 2023

Interpretation der SpirometrieWerte und des BDR-Tests

Allergie-Tests sind bei Phänotypisierung sinnvoll Allergie-Tests sind bei der Asthma-Abklärung sinnvoll, vor allem um den Phänotyp (allergisches vs nicht-allergisches Asthma) festzulegen. Die Phänotypisierung hilft individuelle Präventions-Massnahmen zu beginnen. Eine AeroallergenSensibilisierung ist bei Kindern mit Asthma häufig. Sie sind auch relevanter Auslöser von Asthma-Symptomen. Die Allergie-Testung wird mittels Hautprick-Tests oder serologische Messung des spezifischen Ig Es durchgeführt. Bronchiale Provokationstests bei unklarer Diagnose Bronchiale Provokationstests werden vorgenommen, wenn die Diagnose trotz Spirometrie und FeNO-Messung unklar bleibt. Es gibt direkte und indirekte bronchiale Tests. Methacholin-Provokation ist eine direkte bronchiale Provokationstestung, im Gegensatz zur Belastungslungenfunktion, die eine indirekte bronchiale Provokationstestung ist.


Bei der Methacholin-Provokationstestung wird eine AusgangsSpirometrie (Basis FEV1) durchgeführt und untersucht, welche Dosis von inhaliertem Methacholin zu einem 20-prozentigen Abfall des FEV1 im Vergleich zum Basis-FEV1 führt (PD20). Ein PD20 von <400ug ist ein positiver Test und bestätigt ein Asthma bronchiale. Ein unauffälliger Methacholin-Test hat eine sehr hohe Aussagekraft, dass kein Asthma vorliegt. Spezialisten-Setting bei Provokationstestungen am besten Indirekte Broncho-Provokationstests sind weniger sensitiv aber spezifischer für Asthma. Eine Belastungslungenfunktion wird üblicherweise auf dem Laufband durchgeführt. Nach Durchführung einer Basis-Spirometrie wird das Kind über sechs bis acht Minuten mit einem submaximalen Effort belastet und danach die Spirometrie in Abständen über 30 Minuten wiederholt. Ein Abfall des FEV1 grösser als zehn Prozent im Vergleich zur Basis-Spirometrie ist als eine belastungsinduzierte Bronchokonstriktion definiert. Provokationstestung sollte im Spezialisten-Setting erfolgen. Bei Kindern mit Belastungssymptomen sollte eine Belastungslungenfunktion bevorzugt vorgenommen werden. Die kinderpneumologische Sprechstunde im KSB bietet Broncho-Provokationstestungen (Methacholin und Belastungslungenfunktion) an, um bei unklarer Diagnose ein Asthma abzuklären. 2021 hat die European respiratory society basierend auf diesen Empfehlungen ein Diagnose-Algorithmus etabliert. Dieser soll eine Wegleitung sein, um Kinder evidenzbasiert

abzuklären. Die Asthma-Therapie basiert weiterhin auf den 2022 publizierten GINA-Guidelines (Global Initiative for Asthma). Neurungen sind, dass die Therapie möglichst rasch mit inhalativen Kortikosteroid auf Stufe 2 begonnen werden soll. Nur bei Kindern mit ausgeprägter Symptomatik kann auf Stufe 3 begonnen werden. Nach Therapie-Einleitung soll nach zwei bis drei Monaten der Therapie-Erfolg nachkontrolliert werden. In der kinderpneumologischen Sprechstunde behandeln wir, die Kinder nach den neuesten internationalen Leitlinien, sofern die Diagnose bestätigt wurde.

Dr. med. univ. Leo Thanikkel Stv. Leitender Arzt Kinder & Jugendmedizin

Kontakt Sprechstunde Kinderpneumologie Telefon 056 486 37 67 kinderpneumologie@ksb.ch

Quelle: Gaillard et al. ERS clinical practice guidelines for the diagnosis of asthma in children aged 5-16 years ERJ 2021

Diagnose-Algorithmus

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Gynäkologie

KSB baut Angebot in Brugg aus Das Kantonsspital Baden (KSB) erweitert sein gynäkologisches und geburtshilfliches Angebot am Standort Brugg. Es reagiert damit auf die gestiegene Nachfrage, die in der Region infolge von diversen Praxisschliessungen entstanden ist. Autor Prof. Martin Heubner, Direktor Departement Frauen und Kinder und Chefarzt Gynäkologie

Anfang September dieses Jahres hat das KSB die Frauenarztpraxis von Regine Schalch übernommen, die das Pensionsalter erreicht hat. Ihre bisherigen Patientinnen haben so weiterhin eine medizinische Anlaufstelle in der Region. Zudem hält Regine Schalch – in einem reduzierten Umfang – weiterhin Sprechstunden ab. Zum KSB-Team im Haus der Medizin in Brugg (Gesundheitszentrum Brugg) gehört auch Franziska Lenz, die dort seit Anfang 2022 gynäkologische Sprechstunden anbietet. Komplettiert wird das Ärzteteam durch Nathalie Kopp, die ihre Frauenpraxis in Aarau aufgegeben hat und neu für das KSB in Brugg tätig ist. Die drei Gynäkologinnen betreuen Frauen in allen Abschnitten ihres Lebens. Drohende Unterversorgung in der Region Brugg Nach mehreren Praxisschliessungen war die Situation in der Region zuletzt schwierig geworden. Viele Frauen fanden keine Frauenärztin mehr. Hintergrund der Versorgungsengpässe sind dabei unterschiedliche Phänomene: der allgemeine Ärztemangel, der Wunsch nach Teilzeitarbeit im Angestelltenverhältnis ohne unternehmerisches Risiko oder der Wunsch im grösseren Team zu arbeiten. All diesen Aspekten konnte im Rahmen des aktuellen Projektes Rechnung getragen werden. Die Übernahme sicherte den Bestand einer Praxis, der sonst bei fehlender Nachfolge die Schliessung gedroht hätte. Durch einen Umbau wurde das Arbeiten im grösseren Team ermöglicht. Und die Mitarbeiterinnen arbeiten im Angestelltenverhältnis ohne unternehmerisches Risiko. Zudem werden Synergien mit dem bereits bestehenden Praxiszentrum des KSB im Haus der Medizin genutzt.

Das Ergebnis kann sich nach den ersten Monaten sehen lassen. Nach dem Start im September wurde das Angebot sehr gut angenommen. Dennoch ist bereits jetzt zu erkennen, dass der Bedarf an gynäkologisch-geburtshilflicher Versorgung in der Region weiterhin enorm gross ist. Das KSB ist in Brugg bereits mit Angeboten in den Fachbereichen Chirurgie, Radiologie, Rheumatologie, Nephrologie/Dialyse, Onkologie und Urologie präsent. Die Vertreter dieser Fachbereiche stehen ebenso wie die Gynäkologinnen in einem engen Austausch mit ihren Kolleginnen und Kollegen am KSB. Sprechstundentermine am KSB-Standort in Brugg können telefonisch oder per E-Mail vereinbart werden.

Prof. Dr. med. Martin Heubner Direktor Departement Frauen und Kinder und Chefarzt Gynäkologie

Kontakt KSB-Gynäkologie Brugg Telefon 056 486 37 50 gynaekologie-brugg@ksb.ch

Das KSB-Gynäkologie-Team in Brugg: Von links: Dr. med. Regine Schalch, Dr. med. Franziska Lenz und Dr. med. Nathalie Kopp 37


Klinik für Kinder und Jugendliche

Kinderschutzarbeit im KSB

Experten sind immer häufiger gefragt Körperliche und psychische Gewalt gegen Kinder ist auch im Kanton Aargau kein Einzelfall. Die vor 33 Jahren im KSB gegründete Kinderschutzgruppe (KSG) geht Verdachtsfällen nach. Allein im Vorjahr waren es 1261 im Osten des Kantons. Doch wie sieht die Arbeit der KSG genau aus? Autorin Dr. Dörthe Harms Huser, Leitende Ärztin und Leitung Notfall für Kinder und Jugendliche

Von links: Guido Laube, Chefarzt Klinik für Kinder und Jugendliche (KKL); Rahel Leuenberger, Schulpsychologin Fachteam gegen Häusliche Gewalt; Sarah Ilg, Oberärztin KKL; Heike Jecho, Sozialarbeiterin KKL; Dörthe Harms Huser, Leitende Ärztin KKL; Zafiro Hausherr, Kinder- und Jugendpsychiaterin KKL; Christoph Decker, Staatsanwalt, Luzia Rennhard, Sekretärin KKL

Kindsmisshandlung ist weltweit häufig und in allen Gesellschaftsschichten verbreitet. Der Begriff umfasst alle Formen der körperlichen und psychischen Misshandlung, der Vernachlässigung, der sexuellen Gewalt und das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, bei dem Krankheitssymptome erfunden oder provoziert werden.

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Genaue Zahlen fehlen. Die seit 2009 veröffentlichte Nationale Kinderschutzstatistik, an der sich auch das KSB beteiligt, zeigt eine stetige Zunahme der Fallzahlen von jährlich an Schweizer Kinderkliniken wegen (vermuteter) Misshandlung betreuten Kinder. Auch wissen wir, dass gerade die sehr jungen Kinder besonders oft von Misshandlungen betroffen

sind. Deswegen muss von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden, da Gewalt gegen Kinder durch Erwachsene aus der eigenen Familie leicht «unsichtbar» bleibt. Opfer können oft nicht über das Erlebte sprechen, andere wollen es nicht – aus Scham, aus Angst und auch aus Loyalität gegenüber den Täterinnen und Tätern.


Gewaltbetroffene Kinder werden später oft selbst gewalttätig Misshandlungen in der Kindheit können neben den akuten Problemen schwere lebenslange Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit haben. Gewaltbetroffene Kinder üben später öfter selbst Gewalt aus. Gesetze schaffen nur einen Rahmen. Für eine wirksame Umsetzung sind Aufmerksamkeit und Bereitschaft zum Handeln von allen gefordert. Kinderschutz gehört daher auch in den Verantwortungsbereich von Fachpersonen und Institutionen, die beruflich mit Kindern zu tun haben.

Kinderschutz gehört in die Verantwortung von Fachpersonen und Institutionen. Am Kantonsspital Baden wird diese Verantwortung schon seit 1990 wahrgenommen – damals wurde hier eine der ersten Kinderschutzgruppen (KSG) an einer Schweizer Kinderklinik gegründet. Wir befassen uns mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen, die sicher oder vermutlich Opfer einer Misshandlung wurden oder gefährdet sind, misshandelt zu werden. Das Vorgehen basiert auf den Empfehlungen der Fachgruppe Kinderschutz, die zur Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie gehört. Die KSG ist Anlaufstelle für kinderschutzrelevante Anfragen im Osten des Kanton Aargau. Im Jahr 2022 wurden uns 1261 Kinder gemeldet, bei denen sich Verdachtsmomente auf eine Form der Misshandlung ergeben hatten.

Sehr viele Fälle werden uns von der Anlaufstelle für Häusliche Gewalt gemeldet, wenn bei Polizeieinsätzen Kinder direkt oder indirekt beteiligt sind. Das Miterleben von häuslicher Gewalt bedeutet für Kinder sehr starke psychische Belastungen, die sich negativ auf Gesundheit und Entwicklung auswirken können. Die Beratung durch die KSG ist kostenlos Häufig informieren uns auch Schulen über (möglicherweise) gefährdete Kinder, denn im Kanton Aargau besteht für Schulen eine Verpflichtung, sich bei Verdacht auf eine Kindsmisshandlung durch die KSG beraten zu lassen oder eine Strafanzeige respektive Gefährdungsmeldung bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde zu machen. Andere Meldungen machen zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte, die verdächtige Verletzungen festgestellt oder beunruhigende Beobachtungen gemacht haben. Auch suchen Familienangehörige oder Nachbarn den Kontakt zu uns. Prinzipiell ist es für jede Person und Institution möglich, sich mit der KSG in Verbindung zu setzen. Unsere Arbeit verursacht für die Melder keine Kosten. Zunächst versuchen wir, möglichst viele Informationen zu erhalten, was genau geschehen, gesehen, gehört, gesagt worden ist und wer bereits was über den Vorfall beziehungsweise die Situation weiss und ob schon Kinderschutzmassnahmen aktiv waren oder sind. Anhand dieser Faktoren muss zuerst entschieden werden, ob eine akute bedrohliche Gefährdung besteht oder die Dokumentation von Verletzungen erforderlich ist. Wenn solche Situationen vorliegen, muss unter Umständen der behördliche Weg eingeschlagen

oder das Kind zur Untersuchung ins Spital gebracht werden. KSG verfügt über grosse Expertise Einmal wöchentlich – im Notfall öfters – findet dann eine Sitzung der KSG statt, um die gemeldeten Fälle zu besprechen. Die Sitzungen laufen nach standardisierten Richtlinien ab. Ziel ist es immer, schnell aber nicht überstürzt die Gefährdung des Kindes einzuschätzen. Bei Vorliegen einer Gefährdung muss dann über die nächsten Schritte entschieden werden. Die KSG ist interdisziplinär zusammengesetzt. Vertreten sind die Disziplinen Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Sozialarbeit, Pflege, Schulpsychologie und Rechtsprechung. Bei Bedarf können Kollegen der Kinderchirurgie und Rechtsmedizin beigezogen werden. Durch die überwiegend langjährige Gruppenzugehörigkeit der meisten Mitglieder verfügen wir über eine grosse Expertise in diesem speziellen Fachgebiet. In den Diskussionen bringt jedes Teammitglied seine persönliche und berufliche Erfahrung ein, wodurch eine Situation aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wird. Der Vorteil: Individuelle Fehleinschätzungen und emotionale Reaktionen haben keinen Einfluss auf unsere oft einschneidenden Entscheidungen. Im Mittelpunkt unseres Tuns steht immer das Kind. Daneben ist das einzelne Gruppenmitglied durch den gemeinsamen Entscheid entlastet. Denn in der alleinigen Verantwortung könnte die zum Teil emotional belastende Kinderschutzarbeit schnell überfordern.

Frühe Kontaktaufnahme mit der KSG notwendig Manchmal besteht bei Melderinnen und Melder die grosse Sorge, dass man «in etwas hingezogen wird» oder jemanden zu Unrecht beschuldigt wird. Es ist jedoch so, dass im Kinderschutz am Anfang meist nur der Verdacht steht. Nur selten sind die Anzeichen von Kindesmisshandlung auf den ersten Blick beweisend. Zum Schutz der möglichen Opfer ist es daher sinnvoll und notwendig, möglichst früh Kontakt zur KSG zu suchen

und sich beraten zu lassen. Soweit möglich werden die Informationen vertraulich behandelt. Wird jedoch eine Kindswohlgefährdung oder ein eindeutiger Straftatbestand festgestellt, ist aktives Handeln Pflicht – was oft Zivilcourage für den Einzelnen bedeutet. Die KSG des KSB bietet in dem oft schweren Entscheidungsprozess niederschwellige Hilfe und ist unter der nebenstehenden Telefonnummer oder per E-Mail zu erreichen.

Dr. med. Dörthe Harms Huser Leitende Ärztin Kinder- und Jugendmedizin, spez. Pädiatrische Notfallmedizin

Kontakt Kinderschutzgruppe Telefon 056 486 37 05 kinderschutzgruppe@ksb.ch

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Prof. Dr. med. Maria Wertli, Direktorin und Chefärztin Departement Medizin

Dr. med. Andreas Bürgi, Leitender Arzt Hausarztmedizin

Mehr dazu Aktuelle Infos unter: ksb.ch/hausarztfortbildung

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KLINIK BARMELWEID: ZURÜCK INS LEBEN

Die Klinik Barmelweid ist die führende Spezial- und Rehabilitationsklinik für geriatrische, internistische, kardiovaskuläre und pulmonale Rehabilitation, psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Psychokardiologie und Schlafmedizin.

• Prof. Dr. med. Ramin Khatami, Chefarzt Schlafmedizin • Dr. med. Mirjam Löffel, Chefärztin Kardiologie • PD Dr. med. Joram Ronel, Chefarzt Psychosomatische Medizin und Psychotherapie • Dr. med. Mathias Schlögl, Chefarzt Geriatrie • Dr. med. Thomas Sigrist, Chefarzt Pneumologie / Innere Medizin

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