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«Weill es Sünde ist» – Abokonzert Kammerorchester Basel | Abendprogramm

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Ute Lemper Chansonnière Vokalquartett der Basler Madrigalisten Pierre Bleuse Leitung Sa 6.1.2024 – 19.30 Uhr Stadtcasino Basel

www.kammerorchesterbasel.ch

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Das Kammerorchester Basel war mit diesem Programm auf Tournee: 1.1.2024 Andermatt, Konzerthalle 4.1.2024 Fribourg, Aula der Universität

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Programm 6.1.2024 | Weill es Sünde ist


Programm

Sa 6.1.2024 – 19.30 Uhr, Stadtcasino Basel

Konzerteinführung Hingehört um 18.45 Uhr mit Matthias Arter, Solo-Oboist des Kammerorchester Basel Richard Strauss (1864 – 1949) «Der Bürger als Edelmann» Orchestersuite, op. 60b-IIIa 1. Ouvertüre zum 1. Aufzug 2. Menuett 3. Der Fechtmeister 4. Auftritt und Tanz der Schneider 5. Das Menuett des Lully 6. Courante 7. Auftritt des Cleonte 8. Vorspiel zum 2. Aufzug 9. Das Diner Kurt Weill «Die sieben Todsünden» Prolog 1. Faulheit 2. Stolz 3. Zorn 4. Völlerei 5. Unzucht 6. Habsucht 7. Neid Epilog

40'

35'

Pause Weimarer Suite 40' von Ute Lemper ausgewählte Lieder für Kammerorchester-Besetzung arrangiert von Konstantin Timokhine Friedrich Holländer (1896 – 1976): Wenn ich mir was wünschen dürfte, Kurt Weill (1900 – 1950): Berlin im Licht, Mischa Spoliansky (1898 – 1985): Alles Schwindel, Leonello Casucci (1885 – 1975): Just a Gigolo, Kurt Schwabach (1898 – 1966) Lila Lied, Friedrich Holländer: Raus mit den Männern, George Gershwin (1898 – 1937): The man I love, Friedrich Holländer: Münchhausen, Viktor Ullmann (1898 – 1944): Margarit Kelech, Kurt Weill: Salomon Song, Mackie Messer Konzertende ca. 21.45 Uhr 3


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Programm 6.1.2024 | Weill es Sünde ist


Besetzung

Ute Lemper Chansonnière Vokalquartett der Basler Madrigalisten Einstudierung Raphael Imoos Christiaan Postuma, Tenor Alberto Palacios Guardia, Tenor Roger Casanova, Bariton Aram Ohanian, Bass

Pierre Bleuse Leitung

Kammerorchester Basel Flöte Violine 1 Isabelle Schnöller Regula Bernath

Oboe

Matthias Arter Francesco Capraro

Klarinette

Markus Niederhauser Etele Dosa

Fagott

Andrea Matés Pro Claudio Severi

Horn

Konstantin Timokhine Mark Gebhart

Trompete

Dmitry Smirnov Irmgard Zavelberg Mirjam Steymans-Brenner Carolina Mateos Nina Candik

Violine 2

Anna Faber Matthias Müller Kazumi Suzuki Krapf Regula Schaer

Viola

Mariana Doughty Bodo Friedrich Stefano Mariani Regula Schaer (Strauss)

Alexander Wäber

Percussion

Pascal Viglino Luca Borioli Alexander Schröder

Klavier

Riccardo Bovino

Harfe

Consuelo Giulianelli

Gitarre und Banjo Maurizio Grandinetti

Violoncello

Simon Lilly Christian Bruder

Martin Zeller Hristo Kouzmanov Georg Dettweiler

Posaune

Kontrabass

Rudi Hermann

Pauken

Niklas Sprenger (E-Bass) Federico Abraham

Stand 7.12.2023, Änderungen vorbehalten 5


Das Programm in Kürze Geld hat er, aber Ansehen noch nicht. Um ein richtiges Mitglied der höheren Kreise zu werden, muss der Möchtegern-Adlige fechten und tanzen lernen, Briefe schreiben können und sich richtig verbeugen. Die Geschichte ist alt, Molière schrieb sie, Lully komponierte die Musik dazu. Richard Strauss katapultiert sie mit seiner Neuvertonung ins 20. Jahrhundert, plündert Lullys Musik und bearbeitet sie in seiner typischen leichtfüssigen, ein wenig süffisanten Manier: alte Musik, illustriert mit modernen Techniken. Und dann die Todsünden von Kurt Weill, eine bittersüsse Parabel über verlogene Doppelmoral – mit der legendären Sängerin Ute Lemper.

Hör-Impuls Der 2. Satz (Menuett) der Orchestersuite von Richard Strauss: Jourdain, der Möchtegern-Edelmann, will den höfischen Tanz schlechthin lernen, ein Menuett. Aber es will nicht klappen. Zwar bemüht er sich, anmutig zu sein, aber die Füsse gehorchen ihm nicht so recht.

Zum Hörbeispiel

Neben dem Hörbeispiel ist auch dieses Programmheft und die Liedtexte der Weimarer Suite über den QR-Code abrufbar.

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Programm 6.1.2024 | Weill es Sünde ist


Das Programm in einfacher Sprache Sie hören heute eine Orchestersuite, Lieder und ein Ballett. 1. «Der Bürger als Edelmann» von Richard Strauss ist eine Orchestersuite. Das ist ein Stück, bei dem aus einem viel grösseren Werk einzelne Teile zusammengefasst werden. So entsteht ein neues Stück. 2. Lieder von Komponisten, die in den 1920er Jahren entstanden sind. Die Komponisten haben eine Gemeinsamkeit: sie konnten ab 1930 nicht mehr in Deutschland leben. Sie mussten vor den Nazis ins Exil fliehen oder wurden von ihnen ermordet. 3. «Die sieben Todsünden» von Kurt Weill. Das ist eine Ballettmusik. Aber eine Rolle ist für eine Sängerin. Der Komponist wollte, das zum Tanz gesungen wird. Er komponierte das Stück für eine tiefe Frauenstimme. Sie wird heute gesungen von Ute Lemper. Die Hauptfigur Anna muss für ihre Familie Geld verdienen. Aber sie darf die sieben Todsünden nicht begehen. Anna meistert diese Aufgabe und die Familie kann sich ein Haus kaufen. Als Träger des Labels Kultur Inklusiv setzt sich das Kammerorchester Basel für eine inklusive Gesellschaft ein. Ein Text in einfacher Sprache ist Teil davon. www.kulturinklusiv.ch 7


Vom Musical zum Film 1983 war’s. Da begann Ute Lemper durchzustarten, in Wien mit dem Musical «Cats». Nach 300 Aufführungen, in denen sie als Haupt-Katze Bombalurina aufgetreten war, ging sie nach Berlin, übernahm am Theater des Westens die Titelrolle im Musical «Peter Pan» und trat in einer Kurt-Weill-Revue auf. Dann folgten Lyon, Düsseldorf, Paris. Bald als «zweite Marlene Dietrich» verehrt, bahnte sich eine glanzvolle internationale Karriere an: 1989 nahm sie mit dem London Symphony Orchestra «Die sieben Todsünden» und nahezu alle anderen Weill-Kompositionen auf – das Album verkaufte sich 250.000 Mal und eroberte sogar die amerikanischen Charts. Im selben Jahr kam in Frankreich «L'Autrichienne» mit ihr als Marie Antoinette in die Kinos, dann feierte sie in Paris mit der Hauptrolle in Maurice Bejarts Ballett «La mort subite» Erfolge, sang Michael Nymans Vertonungen der Verse Rimbauds, Shakespeares und Celans, schliesslich die Lola in Peter Zadeks Remake des «Blauen Engel».

Ein Hin und Her Die Sängerin, Schauspielerin, Tänzerin Ute Lemper wurde bewundert und – das gehört ab einem gewissen Level dazu – von manchen Feuilletonisten verrissen, obwohl sie meist ausverkauft war. Aber sie wehrte sich. Schimpfte zurück. Und offenbarte eine weitere Facette ihres Könnens. Glänzte in Chansons von Edith Piaf, Georges Moustaki und Jacques Prévert, Lieder von Kurt Weill und Friedrich Hollaender, regte nicht nur in den USA zu Vergleichen mit «der Streisand, der Vaughan oder der Garland» an, und das ihr nicht immer wohlgesonnene Feuilleton sah sich zur Busse genötigt: «Nach diesem Abend muss man Abbitte leisten», in Deutschland sei sie «die überragende Könnerin der Unterhaltungskunst». Und dann? Sie machte weiter. Spielte in Robert Altmanns Kinofilm «Prêt-à-Porter» mit, in dem sie – in Erwartung ihres Sohnes Max – als schwangeres Model auftrat. Und gab schliesslich ihr Debüt am Broadway und wurde damit weltweit berühmt. Die New York Times bezeichnete sie doch tatsächlich – was für ein seltsames Lob – als «heissesten deutschen Import seit dem Volkswagen». Und wieder erfand sich Ute Lemper neu. Nach 15 Platten mit überwiegend historischem Material legte sie mit einem eigenem Rock-Album einen Imagewechsel hin und widmete sich auch der Malerei. Und doch blieb bis heute einer ihrer vielen Kerne das Repertoire der Weimarer Zeit: Brecht, Eisler – immer wieder «Die Sieben Todsünden» von Kurt Weill. 8

Programm 6.1.2024 | Weill es Sünde ist

Weimarer Suite von Ute Lemper ausgewählte Lieder für Kammerorchester-Besetzung arrangiert von Konstantin Timokhine Besetzung 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten, Posaune, Pauken, Perkussion, Klavier, Gitarre/Banjo, Streicher Dauer Ca. 30’


Kurt Weill «Die sieben Todsünden». Fassung für tiefe Frauenstimme bearbeitet von Wilhelm Brückner-Rüggeberg. Text von Bertolt Brecht Besetzung 2 Flöten (beide auch Piccolo), Oboe, 2 Klarinetten, Fagott, 2 Hörner, 2 Trompeten, Posaune, Tuba, Pauken, Klavier, Harfe, Gitarre/Banjo, Männergesangsquartett (2 Tenöre, Bariton, Bass) Uraufführung 7.6.1933 am Théâtre des Champs-Élysées Dauer Ca. 40’

Sieben mal Sünde Die schizophrene Anna (Anna I und Anna II) ist «aufgebrochen vor vier Wochen nach den grossen Städten, um das Glück zu versuchen». Ein nicht ganz freiwilliger Aufbruch war das allerdings: Ihre Kleinbürgerfamilie aus Louisiana hat sie in die Welt geschickt, um Geld zu verdienen (damit sich die Familie – Eltern und zwei Brüder – daheim am Mississippi ein Haus bauen kann). Sieben Szenen, sieben Städte, sieben Sünden muss Anna durchwandern, um zu lernen, was die Gesellschaft von ihr erwartet. Der Herr erleuchte unsere Kinder, sagen die Eltern, dass sie den Weg erkennen, der zum Wohlstand führt: dass sie nicht sündigen gegen die Gesetze, die da reich und glücklich machen. Es sind gleich die sieben Todsünden, die Anna nicht begehen darf, um sich nicht um den Erfolg zu bringen: Faulheit, Stolz, Zorn, Völlerei, Unzucht, Habsucht und Neid. «Die sieben Todsünden» sind eine bittersüsse Parabel über verlogene Doppelmoral. Weill komponierte sie 1933 in Paris, wohin er vor den Nationalsozialisten geflüchtet war. Eigentlich wollte er den Schriftsteller Jean Cocteau als Texter engagieren, der hatte aber zu viel zu tun und so holte sich Weill ein letztes Mal Bertolt Brecht dazu, mit dem er schon die Dreigroschenoper gemacht hatte. Am Ende hat es Anna I geschafft, ihre Schwester – ihr zweites Ich – vor allen Todsünden zu bewahren bzw. davor, bei diesen Todsünden zu verweilen. Das Häuschen für die Familie kann gebaut werden.

Kurt Weill (rechts) mit seiner Frau Lotte Lenya (Mitte) und Bertolt Brecht (links). Lotte Lenya sang die Rolle der Anna in der Uraufführung der «Sieben Todsünden». Bildnachweis: Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Bertolt-Brecht-Archiv, Berlin. 9


Emporkömmling Der ungebildete und im guten Benehmen vollkommen ungeübte neureiche Geschäftsmann Jourdain will nach oben. Also noch weiter nach oben. Ein Mitglied der oberen Zehntausend will er werden. So stellt er diverses Personal an, einen Musiklehrer, einen Tanzmeister, einen Philosophielehrer und einen Fechtmeister, um eine verwitwete Marquise zu beeindrucken und eben all das zu lernen, was ein richtiges Mitglied der höheren Kreise können muss: tanzen, Briefe schreiben, sich richtig verbeugen. Auch Jourdains Tochter soll mitmachen und einen windigen Grafen heiraten. Darauf hat sie aber keine Lust und überlistet ihren Vater mit einer Maskerade. Grössere und kleinere Katastrophen nehmen ihren Lauf. Das ist die Geschichte, erdacht von Molière: «Le Bourgeois gentilhomme.» Jahrhunderte später wollte Richard Strauss zusammen mit seinem Librettisten Hugo von Hofmannsthal eine neue Form für die Bühne entwickeln, eine Mischung aus Theater und Oper. Und hatte die Idee, Molières Komödie zu bearbeiten und mit Schauspielmusik zu versehen. Aber das Experiment scheiterte. Strauss sagte später: «Das eigentliche Schauspielpublikum kam nicht auf seine Kosten, das Opernpublikum wusste nicht viel mit dem Molière anzufangen. Der Intendant hatte an einem Abend Schauspiel- und Opernpersonal zugleich einzusetzen, und statt zwei guten Einnahmen nur eine.» Das Stück fiel durch. Aber Richard Strauss, geschäftstüchtig, schlachtete es aus. Er bearbeitete einzelne Nummern, fügte sie zu einer Suite zusammen und nannte sie: «Der Bürger als Edelmann.» Die Handlung der ursprünglichen Komödie kann man schon noch mitverfolgen, wie schon die einzelnen Satztitel verraten: Menuett, Der Fechtmeister, Auftritt und Tanz der Schneider oder Das Diner. Strauss bezieht sich dabei nicht nur auf den Text von Molière, sondern plündert auch die Ballettmusik, die Molières Freund Jean-Baptiste Lully zu der Komödie komponiert hatte. Er benutzt sie als Rohstoff, schneidet sie zu und bearbeitet sie in seiner typischen leichtfüssigen, ein wenig süffisanten Manier: alte Musik, illustriert mit modernen Techniken.

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Programm 6.1.2024 | Weill es Sünde ist

Richard Strauss Der Bürger als Edelmann, Orchestersuite, op. 60b-IIIa Besetzung 2 Flöten (beide auch Piccolo), 2 Oboen (2. Oboe auch Englischhorn), 2 Klarinetten, 2 Fagotte (2. Fagott auch Kontrafagott), 2 Hörner, Trompete, Posaune, Pauken, 4 Percussion, Harfe, Klavier, Streicher Entstehung 1919 Uraufführung 31.1.1920 in Wien Dauer ca. 40'


Liebevolle Distanz Alte Formen sind ein wenig wie alte Uniformen, die man wieder hervorzückt. Je weniger die Übernahme reflektiert wird, umso verstaubter, nostalgisch verschimmert und letztendlich biederer kann das Resultat sein. Nicht so bei Strauss. Den französischen Barockstil mit seinen schlanken Melodien und federnden Rhythmen würzt er mit spätromantischer Melodik und Harmonik und integriert ihn in eine klassizistisch angehauchte Musiksprache der liebevollen Distanzierung. Die für Strauss typische, eigenwillig ausdifferenzierte Klangfarbe erreicht er durch eine fast kammermusikalische Besetzung. Es spielen nur knapp über 30 Musiker:innen, viele von ihnen übernehmen virtuose Solopartien. Unter ihnen ist auch ein Klavier – eine Reminiszenz an die Barockzeit, in der das Cembalo mit dem Generalbass das Fundament legte. Den Neoklassizisten hat man gern vorgeworfen, dass sie die Avantgarde mit ihren nostalgischen Akrobatikstücken unterhöhlen oder verraten würden. Als ob jede Form von Rückgriff auf Altbekanntes, sei es Tonalität, Schönheit der Melodiegestaltung, rhythmische Vorausberechenbarkeit etc. eine Beleidigung für den Fortschritt der Avantgarde. Aber Strauss’ Gegenentwurf, der ja letztlich nur ein kunstvoll zusammengesetztes Konglomerat aus Trümmern eines gescheiterten Experiments ist, übertreibt feinsinnig die tölpelhafte Gestalt Jourdains, karikiert dessen Unvermögen, ein Menuett, also einen höfischen Tanz zu erlernen. Oder der Fechtmeister: Auch er versucht vergeblich, seinem Schützling das läppische Imponiergehabe auszutreiben, was Posaune, Trompete und Klavier mit ihren Soli sehr anschaulich darstellen. Mit Augenzwinkern lässt Strauss im Schlusssatz eine komponierte Speisekarte mit einigen musikalischen Zitaten servieren: «Salmen vom Rhein» gibt es mit den Wellen aus Wagners Rheingold, «Hammelkeule nach italienischer Weis» zu Schafsgeblök aus seinem eigenen Don Quixote, und beim Servieren der «Drosseln und Lerchen auf Salbei und Thymian» zwitschern die Vögel aus dem «Rosenkavalier». Es gebe noch viel Uneingeholtes im Vergangenen, sagte der Philosoph Ernst Bloch einmal. Stimmt. Warum in die Ferne schweifen – Inspiration gibt es auch in den noch nicht aktualisierten Möglichkeiten des Alten. Florian Hauser

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Songtexte

Friedrich Holländer Wenn ich mir was wünschen dürfte Man hat uns nicht gefragt, als wir noch kein Gesicht. Ob wir leben wollten oder lieber nicht. Jetzt gehe ich allein, durch eine grosse Stadt. Und ich weiss nicht, ob sie mich liebhat. Ich schaue in die Stuben durch Tür und Fensterglas. Und ich warte und ich warte auf etwas. Wenn ich mir was wünschen dürfte, käm ich in Verlegenheit, was ich mir denn wünschen sollte, eine schlimme oder gute Zeit. Wenn ich mir was wünschen dürfte, möchte ich etwas glücklich sein, denn wenn ich gar zu glücklich wär’ hätt ich Heimweh nach dem Traurigsein.

Kurt Weill Berlin im Licht Und zum Spazieren gehn genügt das Sonnenlicht. Doch um die Stadt Berlin zu sehn genügt die Sonne nicht. Das ist kein lauschiges Plätzchen. Das ist ‘ne zierliche Stadt. Damit man da alles gut sehen kann. Da braucht man schon einige Watt. Na wat denn, na wat denn? Was ist das für ‘ne Stadt denn? Komm mach mal Licht damit man sehn kann, ob was da ist! Komm mach mal Licht, und rede nun mal nicht. Komm mach mal Licht, dann wollen wir doch auch mal sehen. Ob das ‘ne Sache ist: Berlin im Licht. Alle weitere Songtexte des heutigen Abends finden Sie hier: mit dem QR-Code direkt auf unsere Website.

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Programm 6.1.2024 | Weill es Sünde ist


Das Kammerorchester Basel wird 40! 2024 feiert das Kammerorchester Basel sein 40-jähriges Bestehen. Mit unserer Illustrationsserie begleiten wir das Jubiläum in den Programmheften und dokumentieren wichtige Stationen des Ensembles. Illustriert wird diese Serie von Ursula Knapp, von 2020–2023 Stagemanagerin des Kammerorchester Basel. 2019 erhielt das Kammerorchester Basel den Schweizer Musikpreis als erstes Orchester überhaupt. Besonders gewürdigt wurden die zukunftsweisenden Vermittlungsprojekte.

© Ursula Knapp, 2023 13


Bertolt Brecht: Kann die heutige Welt durch Theater wiedergegeben werden? Mit Interesse höre ich, dass Friedrich Dürrenmatt in einem Gespräch über das Theater die Frage gestellt hat, ob die heutige Welt durch Theater überhaupt noch wiedergegeben werden kann. Diese Frage, scheint mir, muss zugelassen werden, sobald sie Bertolt Brecht (1954) © wikimedia einmal gestellt ist. Die Zeit ist vorüber, wo die Wiedergabe der commons Welt durch das Theater lediglich erlebbar sein musste. Um ein Erlebnis zu werden, muss sie stimmen. Es gibt viele Leute, die konstatieren, dass das Erlebnis im Theater schwächer wird, aber es gibt nicht so viele, die eine Wiedergabe der heutigen Welt als zunehmend schwierig erkennen. Es war diese Erkenntnis, die einige von uns Stückeschreibern und Spielleitern veranlasst hat, auf die Suche nach neuen Kunstmitteln zu gehen. Ich selbst habe, wie Ihnen als Leuten vom Bau bekannt ist, nicht wenige Versuche unternommen, die heutige Welt, das heutige Zusammenleben der Menschen, in das Blickfeld des Theaters zu bekommen. [...] Jedoch ist eines klargeworden: Die heutige Welt ist den heutigen Menschen nur beschreibbar, wenn sie als eine veränderbare Welt beschrieben wird. Für heutige Menschen sind Fragen wertvoll der Antworten wegen. Heutige Menschen interessieren sich für Zustände und Vorkommnisse, denen gegenüber sie etwas tun können. [...] Weil nämlich – im Gegensatz zur Natur im allgemeinen – die Natur der menschlichen Gesellschaft im Dunkeln gehalten wurde, stehen wir jetzt, wie die betroffenen Wissenschaftler uns versichern, vor der totalen Vernichtbarkeit des kaum bewohnbar gemachten Planeten. Es wird Sie nicht verwundern, von mir zu hören, dass die Frage der Beschreibbarkeit der Welt eine gesellschaftliche Frage ist. Ich habe dies viele Jahre lang aufrechterhalten und lebe jetzt in einem Staat, wo eine ungeheure Anstrengung gemacht wird, die Gesellschaft zu verändern. Sie mögen die Mittel und Wege verurteilen – ich hoffe übrigens, Sie kennen sie wirklich, nicht aus den Zeitungen –, Sie mögen dieses besondere Ideal einer neuen Welt nicht akzeptieren – ich hoffe, Sie kennen auch dieses –, aber Sie werden kaum bezweifeln, dass an der Änderung der Welt, des Zusammenlebens der Menschen in dem Staat, in dem ich lebe, gearbeitet wird. Und Sie werden mir vielleicht darin zustimmen, dass die heutige Welt eine Änderung braucht. Für diesen kleinen Aufsatz, den ich als einen freundschaftlichen Beitrag zu Ihrer Diskussion zu betrachten bitte, genügt es vielleicht, wenn ich jedenfalls meine Meinung berichte, dass die heutige Welt auch auf dem Theater wiedergegeben werden kann, aber nur wenn sie als veränderbar aufgefasst wird. Aus: Schriftlicher Diskussionsbeitrag zu dem «5. Darmstädter Gespräch 1955: Über das Theater». Geschrieben 1955. Veröffentlicht in «Sonntag. Wochenzeituung für Kultur, Politik und Unterhaltung». Berlin, 8.5.1955 und (als Entwurf) in SUF 955, Heft 2. Wurde der Schweizerischen Schreibung angepasst. 14

Programm 6.1.2024 | Weill es Sünde ist


Was geschah...

1933 «Das fliegende Klassenzimmer» von Erich Kästner wird veröffentlicht.

7 Tage, 18 Stunden, 49 Minuten und 11 Zwischenlandungen dauerte die erste Weltumrundung im Alleinflug von Wiley Post im Juli 1933.

Am 7. Juni wird am Théâtre des Champs-Élysées in Paris «Die sieben Todsünden» von Bertolt Brecht (Libretto), Kurt Weill (Musik) und George Balanchine (Choreographie) mit Lotte Lenya und Tilly Losch in den Hauptrollen uraufgeführt.

Der ungarisch-amerikanische Biochemiker Albert von Szent-Györgyi Nagyrápolt identifiziert das Vitamin C als wirksame Substanz gegen Skorbut.

Am 6. Januar wird der Schweizer Kabarettist, Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler Emil Steinberger geboren.

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Extras

Kostproben Es gibt drei neue Termine für unsere beliebten Kostproben: Bald beginnt mit die Probenarbeit des Orchesters mit dem Alte-Musik-Spezialisten René Jacobs. Gemeinsam mit Kateryna Kasper, Sophie Harmsen und Christian Senn wird G. F. Händels «Aci, Galatea e Polifemo» geprobt. Anschliessend wird Kaffee und Kuchen für das Publikum, Musiker:innen und Mitarbeiter:innen serviert. Mo, 22.1.2024 – 13.30 Uhr, Don Bosco Basel Wir öffnen die Probe mit Patricia Kopatchinskaja und Pierre Bleuse. Anschliessend können Sie mit den Musiker:innen bei einem kleinen Apéro ins Gespräch kommen. Mi, 14.2.2024 – 16.15 Uhr, Don Bosco Basel Einen weiteren Einblick erhalten Sie im März mit Isabelle Faust und Giovanni Antonini. Im Anschluss haben Sie Gelegenheit bei Suppe und Brötli mit den Musiker:innen über das Gehörte zu plaudern. Mi, 13.3.2024 –12.30 Uhr, Don Bosco Basel

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Programm 6.1.2024 | Weill es Sünde ist


Die Karriere von Ute Lemper ist umfangreich und vielfältig. Sie hat sich auf der Bühne, in Filmen, in Konzerten und als einzigartige Aufnahmekünstlerin auf mehr als 30 CDs in 40 Jahren einen Namen gemacht. Für ihre Interpretationen der Berliner Kabarettlieder, der Werke von Kurt Weill und Berthold Brecht, der Chansons von Marlene Dietrich, Edith Piaf, Jacques Brel, Léo Ferré, Jacques Prevert, Nino Rota, Astor Piazzolla u. v. a. sowie ihrer eigenen Kompositionen wurde sie allseits Ute Lemper © zVg gelobt, ebenso wie für ihre Darstellungen in Musicals und Theaterstücken am Broadway, in Paris, Berlin und im Londoner West End. Zurzeit widmet Ute ihre Konzerttourneen hauptsächlich der Theatershow «Rendezvous mit Marlene», die eine Hommage an Marlene Dietrich ist und ihre wahre Geschichte in Wort und Musik erzählt. Diese Show erfreut sich grosser Beliebtheit und wird auf der ganzen Welt aufgeführt. Ihr neuestes Album, das ebenfalls den Namen «Rendezvous mit Marlene» trägt und 20 der beliebtesten Lieder von Marlene Dietrich enthält, wurde zeitgleich mit den Shows veröffentlicht. Lempers Lieblingswerk von Brecht und Weill «Die sieben Todsünden» führt sie seit 2020 wieder auf. Eine Tournee mit dem Orchester der Potsdamer Kammerakademie, bei der sie das Stück in den schönsten Konzertsälen Deutschlands präsentierte, wird sie auch mit einer Vielzahl anderer Orchester in ganz Europa spielen und schliesslich das Stück mit dem Tanztheater von Pina Bausch für mehrere Aufführungen im Châtelet in Paris und in Deutschland wiederaufnehmen.

Der französische Dirigent Pierre Bleuse entwickelt sich schnell zu einem der aufregendsten und begehrtesten Dirigenten. Letztes Jahr wurde er zum Chefdirigenten des Odense Symphony Orchestra für die Saison 2021/22 sowie zum neuen künstlerischen Leiter des renommierten Pablo Casals Festival in Prades (Frankreich) ernannt. Im Dezember 2021 ernannte der Verwaltungsrat des Ensemble intercontemporain Pierre Bleuse zum Musikdirektor des Ensembles für eine erste Amtszeit von vier Jahren, die mit der Saison Pierre Bleuse 2023/24 beginnt. Er tritt damit die Nachfolge von Matthias © Marine Pierrot Detry Pintscher an, der diese Position seit 2013 innehatte. Zu den Höhepunkten der Saison 2022/23 gehört die Rückkehr von Pierre Bleuse zum Orchestre National de France mit Joyce DiDonato als Solistin, zum Singapore Symphony Orchestra und zum Orchestre National du Capitole de Toulouse. Er wird mit renommierten Orchestern wie dem São Paulo State Symphony Orchestra, dem Sinfonieorchester Basel, dem Janáček Philharmonic Orchestra, dem 17


Münchener Kammerorchester in der Hamburger Elbphilharmonie und dem National Polish Radio Symphony Orchestra in Katowice debütieren. Er arbeitet regelmässig mit einigen der gefragtesten internationalen Solisten wie Sol Gabetta, Nicholas Angelich, Bertrand Chamayou, Truls Mørk, Emmanuel Pahud, Renaud und Gautier Capuçon zusammen. In seiner Rolle als kultureller Leiter gründete Pierre Bleuse 2008 die Musika Orchestra Academy in Toulouse, die talentierte junge Musiker aus der ganzen Welt zusammenbringt, um ihnen professionelle Orchestererfahrung und Karriereförderung zu bieten. Er studierte Dirigieren bei Jorma Panula in Finnland und Laurent Gay an der Haute École de Genève. Ursprünglich als Geiger ausgebildet, war er Konzertmeister und stellvertretender Dirigent des Toulouser Kammerorchesters (2000–2010) und Mitglied des Satie-Quartetts.

Die Basler Madrigalisten sind das traditionsreichste professionelle Vokalensemble der Schweiz und widmen sich vor allem den anspruchsvollen Repertoires von der Renaissance bis zu zeitgenössischer Musik. Das 1978 von Fritz Näf an der Schola Cantorum Basiliensis gegründete Ensemble steht seit 2013 unter der Leitung von Raphael Immoos und konzertierte in Europa, den USA, Australien und Asien. Basler Madrigalisten © Christoph Szenische Aufführungen, Rundfunk-, Fernseh- und CD-AufLäser nahmen gehören ebenso zu seinem umfangreichen Schaffen wie Auftritte bei renommierten Festivals wie den Berliner Festspielen, dem Lucerne Festival oder Kooperationen u. a. mit dem Opernhaus Zürich. Spezialisiert auf die Interpretation Neuer Musik vergibt das Ensemble aus Berufssänger:innen regelmässig Kompositionsaufträge, die es in Ur- und Erstaufführungen erlebbar macht. Für sein vielseitiges Repertoire wurde es u. a. mit dem «Förderpreis für Musik» der Fördergemeinschaft der europäischen Wirtschaft und mehrfach mit dem Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung für die Interpretation zeitgenössischer Musik ausgezeichnet.

Das Kammerorchester Basel ist fest in Basel verankert – mit den beiden Abo-Reihen im Stadtcasino sowie im Don Bosco – und weltweit mit mehr als 60 Konzerten pro Saison auf Tourneen unterwegs. Lesen Sie die vollständige Biografie auf unserer Website – direkt mit diesem QR-Code: Kammerorchester Basel © Matthias Müller

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Programm 6.1.2024 | Weill es Sünde ist


Nächste Konzerte Mo 22.1.2024 – 13.30 Uhr, Don Bosco Basel

Do 15.2.2024 – 19.30 Uhr, Stadtcasino Basel

KOSTPROBE zum Abokonzert «UNZERTRENNLICH» Anschliessend Kaffee und Kuchen René Jacobs Leitung

Abokonzert: GEGEN DAS ESTABLISHMENT Mit Werken von G. Ligeti und G. Mahler Patricia Kopatchinskaja Violine Hélène Walter Sopran Pierre Bleuse Leitung

Di 23.1.2024 – 19.30 Uhr, Don Bosco Basel Abokonzert: UNZERTRENNLICH G. F. Händel: «Aci, Galatea e Polifemo» Kateryna Kasper Aci Sophie Harmsen Galatea Christian Senn Polifemo René Jacobs Leitung

Mi 13.3.2024 – 12.30 Uhr, Don Bosco Basel KOSTPROBE zum Abokonzert «FAUST HEROISCH», anschliessend Stehlunch mit Suppe. Isabelle Faust Violine Giovanni Antonini Leitung

Do 8.2.2024 – 14 Uhr, Musik-Akademie Basel

Sa 16.3.2024 – 19.30 Uhr, Stadtcasino Basel

WERKSTATTKONZERT Mit Studierenden der Musik-Akademie

Abokonzert: FAUST HEROISCH Mit Werken von Ludwig van Beethoven Isabelle Faust Violine Giovanni Antonini Leitung

Mi 14.2.2024 – 16.15 Uhr, Don Bosco Basel KOSTPROBE zum Abkonzert «GEGEN DAS ESTABLISHMENT» Mit Werken von György Ligeti Anschliessend Apéro Patricia Kopatchinskaja Violine Pierre Bleuse Leitung

Di 9.4.2024 – 19.30 Uhr, Don Bosco Basel Abkonzert: FOR ENGLISH GENTLEMEN Joseph Haydn: Sinfonien Nr. 76, 77, 78 Giovanni Antonini Leitung KAUFT

R AUSVE

Wählen Sie Ihre Lieblingskonzerte und buchen Sie Ihre Abos & Tickets : www.kammerorchesterbasel.ch | 061 306 30 44 (Mo, Mi, Do, 10.30 – 12.30 Uhr) oder bei Bider und Tanner Impressum Herausgeber Direktor Redaktion

Kammerorchester Basel Marcel Falk Claudia Dunkel, Anna Maier

Texte Design Druck

Florian Hauser Stadtluft Druckerei Thoma AG

Dieses Programmheft erscheint einmalig zum Abokonzert am 6.1..2024, in einer Auflage von 1000 Exemplaren. Inhaber von Urheberrechten, die wir nicht ermitteln konnten, werden wegen nachträglicher Rechtsabgeltung um Nachricht gebeten.

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WHAT ARE WE HERE FOR?

Greater chemistry Greater chemistry is a promise. A promise to ourselves and to the world. To never stand still. To reflect achievements. It’s a promise to strive for a future worth living, for harmonious coexistence, and for greater solutions with a greater impact, Greater chemistry – between people planet. That is our purpose. That is how we are measured.

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