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«Historisch im Jetzt» – Abokonzert Kammerorchester Basel | Abendprogramm

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Alina Ibragimova Violine Kristian Bezuidenhout Hammerklavier und Leitung Baptiste Lopez Violine und Leitung Mo 13.11.2023 – 19.30 Uhr Don Bosco Basel

www.kammerorchesterbasel.ch

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Wir danken unseren Partnerinnen und Partnern Presenting Sponsor Clariant Foundation

Der Kompositionsauftrag an Jannik Giger wird unterstützt von:

Sponsor Novartis Konzertsponsoren EuroAirport Primeo Medienpartner Radio SRF 2 Kulturclub Freunde Freundeskreis Kammerorchester Basel Les amis passionnés Ungenannte Mäzene und Förderer

Die Produktion des Werks wird unterstützt von: Elisabeth Jenny Stiftung Fondation Hoffmann

Öffentliche Beiträge Abteilung Kultur Basel-Stadt Radioaufzeichnung Das Konzert wird vom Schweizer Radio SRF aufgezeichnet und am 21.12.2023 auf SRF 2 Kultur ausgestrahlt.

Gemeinsam mit evaluiert und optimiert das Kammerorchester Basel seinen CO₂-Fussabdruck, um klimafreundlicher zu werden. Wir freuen uns, dass uns der EuroAirport finanziell unterstützt, dieses Projekt durchzuführen.

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Programm 13.11.2023 | Historisch im Jetzt


Programm

Mo 13.11.2023 – 19.30 Uhr, Don Bosco Basel Joseph Haydn (1732 – 1809) Sinfonie Nr. 52 in c-Moll, Hob. I:52 I. Allegro assai con brio II. Andante III. Menuetto. Allegretto IV. Finale. Presto

ca. 25'

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) Konzert für Klavier und Orchester Nr. 9 in Es-Dur, KV 271 «Jeunehomme» I. Allegro II. Andantino III. Rondeau. Presto

ca. 35'

Pause

Jannik Giger (*1985) «Troisième œil» für Kammerorchester (UA), Auftragswerk des Kammerorchester Basel Wolfgang Amadeus Mozart Konzert für Violine und Orchester Nr. 5 in A-Dur, KV 219 I. Allegro aperto II. Adagio III. Rondeau. Tempo di Menuetto

ca. 15'

ca. 30'

Konzertende ca. 21.45 Uhr Das Team von Soup&Chill bedient Sie in der Pause mit Getränken. Die Bezahlung erfolgt auf Spendenbasis. Soup&Chill ist eine Wärmestube in Basel, Infos dazu finden Sie hier:

Das Kammerorchester Basel mit Alina Ibragimova und Kristian Bezuidenhout war mit diesem Programm auf Tournee: 10.11.2023 Herne, Tage alter Musik; 11.11.2023 London, Wigmore Hall 3


Wollen Sie unser Publikum mit Ihrer Botschaft berühren? Platzieren Sie Ihr Inserat genau hier!

Für weitere Informationen wenden Sie sich an info@kammerorchesterbasel.ch

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Programm 13.11.2023 | Historisch im Jetzt


Besetzung

Alina Ibragimova Violine Kristian Bezuidenhout Hammerklavier und Leitung (Haydn, Mozart) Baptiste Lopez Violine und Leitung (Giger) Kammerorchester Basel Oboe Susanne Regel Francesco Capraro

Fagott

Carles Cristobal Ferran

Horn

Olivier Darbellay Mark Gebhart

Violine 1

Baptiste Lopez* Irmgard Zavelberg Mirjam Steymans-Brenner Tamás Vásárhelyi

Violine 2

Anna Faber Eva Miribung Nina Candik Mathias Weibel

Viola

Mariana Doughty Bodo Friedrich Anne-Françoise Guezingar

Violoncello

Christoph Dangel Hristo Kouzmanov

Kontrabass Stefan Preyer

* Baptiste Lopez spielt auf einer Violine von Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahr 1764, die ihm von zwei grosszügigen Mäzen:innen freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde. Stand 26.10.2023, Änderungen vorbehalten 5


Das Programm in Kürze Die 52. seiner über 100 Sinfonien, synkopisch zerklüftet, dramatisch aufgewühlt, stürmisch und instabil – komponiert für den Fürsten Esterhazy, der das unglaubliche Glück hatte, einen Weltklasse-Komponisten wie Joseph Haydn an seinen Hof binden zu können. Dann Kristian Bezuidenhout, der auf dem Hammerklavier einen «unheimlich geistreichen, charmanten und höchst nuancierten» Mozart spielt. Gefolgt von einem Blick zurück: der Basler Komponist Jannik Giger übersetzt ein Renaissancemadrigal ins Hier und Jetzt. Und die Geigerin Alina Ibragimova lehrt Gegnern der historisch-informierten Aufführungspraxis das Fürchten. Wahrscheinlich geht es NUR so…

Hör-Impuls Gleich der Beginn der Sinfonie Nr. 52 in c-Moll von Joseph Haydn zeigt die synkopisch zerklüftete Musik. Die Melodielinien sind dramatisch aufgewühlt, stürmisch und instabil. Was für ein Auftakt! 250 Jahre alt und frisch wie nie.

Zum Hörbeispiel

Neben dem Hörbeispiel ist auch dieses Programmheft über den QR-Code abrufbar.

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Programm 13.11.2023 | Historisch im Jetzt


Das Programm in einfacher Sprache Sie hören heute vier Musikstücke von drei Komponisten: 1. Sinfonie Nr. 52 von Joseph Haydn. Haydn hat die Sinfonie für einen wichtigen und reichen Mann geschrieben, den Fürsten Esterhazy. Diese Sinfonie klingt wild und aufregend, wie ein Sturm, der nicht aufhört. 2. Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart. Der Solist Kristian Bezuidenhout spielt das Konzert auf dem Hammerflügel. Dieser Flügel wurde genauso gebaut wie damals, als Mozart gelebt hat. 3. Troisième œil von Jannik Giger. Der französische Titel heisst übersetzt: drittes Auge. Dieses Stück ist eine Uraufführung, das heisst es wird heute Abend zum ersten Mal im Konzert gespielt. Giger hat ein altes Lied aus der Zeit der Ritter in unsere Zeit gebracht. 4. Violinkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart. Der Anfang klingt typisch für Mozart: zart und liebenswürdig. Im Finale wird es kurz gruselig. Als Träger des Labels Kultur Inklusiv setzt sich das Kammerorchester Basel für eine inklusive Gesellschaft ein. Ein Text in einfacher Sprache ist Teil davon. www.kulturinklusiv.ch 7


Goldener Käfig Synkopisch zerklüftet beginnt die Musik, dramatisch aufgewühlt sind die Melodielinien, stürmisch und instabil. Joseph Haydns Sinfonie Nr. 52 gehört zu den zehn Prozent seiner über hundert Sinfonien, die in einer Molltonart stehen. Zudem ist sie mit einem Paar auf unterschiedliche Tonhöhen gestimmten Hörnern besetzt. Haydn war dazu von einem Artikel in Johann Adam Hillers Zeitschrift «Musikalische Nachrichten und Anmerkungen» vom Juli 1770 inspiriert. Ziel: den Umfang des Hornregisters zu erweitern und einen ungewöhnlichen Effekt zu erzielen. Was das heisst? Dass es rein kompositorische Entscheidungen sind und nicht hermeneutisch aufgeladener Interpretationsspielraum, weil Joseph Haydn nun mal im goldenen Käfig leben musste und sich etwa dagegen rebellisch verhielt. Sein vielzitierter Ausspruch – «ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irremachen und quälen, und so musste ich original werden» – ist da vollkommen wertneutral lesbar. Allerdings: wie sah der goldene Käfig eigentlich aus? Da müssen wir zuerst mal klären, von welchem wir sprechen. Denn es gab zwei Käfige: Esterházy und Eszterháza.

Welches Schloss? Joseph Haydn ist 29 Jahre alt, als er im Schloss Eisenstadt am Neusiedler See bei Fürst Paul II. Esterházy die Stelle als Vizekapellmeister erhält. Er ist für die weltliche, also die Kammer- und Theatermusik der Hofkapelle zuständig und bekommt ein Jahresgehalt von zunächst 400 Gulden, später 2000 Gulden (zum Vergleich: ein Universitätsprofessor verdient 300, ein Schulmeister 22 und Mozarts Dienstmädchen gar nur 12 Gulden). Dem Titel nach ist Haydn dem Oberkapellmeister unterstellt und er ist verantwortlich für die musikalische Ausbildung der angestellten Sängerinnen, die Aufsicht über Noten und Instrumente und natürlich vor allem die Komposition neuer Werke. Nur ein Jahr später stirbt Paul II. und sein Bruder Nikolaus I., der «Prachtliebende», tritt an seine Stelle und macht Haydn schliesslich zum obersten Kapellmeister der Hofkapelle, der sich nun um alle Bereiche kümmern muss: die Kammermusik, die Kirchenmusik und die Theatermusik. Als livrierter (uniformierter) Kapellmeister hat er sich ein Haus in Eisenstadt zu kaufen und immer zu Diensten zu sein. 8

Programm 13.11.2023 | Historisch im Jetzt

Joseph Haydn Sinfonie Nr. 52 in c-Moll, Hob I:52 Besetzung 2 Oboen, 1 Fagott, 2 Hörner, Streicher, Hammerklavier Entstehung ca. 1771 Dauer Ca. 25’


Nun ist es so, dass das Schloss Esterházy in Eisenstadt für den Fürsten langsam uninteressant wird. Es ist ein schönes Barockschloss auf den Fundamenten einer mittelalterlichen Burg, aber es ist nicht beliebig erweiterbar. Schliesslich wohnt in unmittelbarer Umgebung das Volk. Aber in fünfzig Kilometer Entfernung in Fertőd (heute jenseits der ungarischen Grenze, damals nur einen k-und-k-Katzensprung um das untere Ende des Neusiedler Sees herum) hat der Fürstenclan noch ein anderes Anwesen. Das war ursprünglich ein kleines Jagdschlösschen und wird nach und nach zu einem völlig überdimensionierten, absolutistischen Prachtbau umgebaut. 1766 ist das neue Schloss in Eszterháza (Fertőd) fertig und wird bejubelt als «petit Versailles de l’Hongrie». Ein grosser Theatersaal, in dem ein ganzes Orchester Platz findet, eine Gemäldegalerie, ein chinesischer Ballsaal, ein Opernhaus (nota bene zu einem Zeitpunkt, als es in Wien noch gar keines gab) und ein Marionettentheater inklusive. Das ist Eszterháza.

Schloss Eszterháza in Fertőd, Luftaufnahme 2022, Bildnachweis: Wikimedia Commons

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Prunk Statt in Eisenstadt residiert der Hof nun über einen immer längeren Zeitraum in Eszterháza. Haydn muss mit. Er wohnt ab 1769 vom Frühjahr bis zum Herbst im Musikerhaus innerhalb des Schlossbezirks – als einer der wenigen Musiker gemeinsam mit seiner Frau; die Familien der meisten anderen Musiker müssen auf Anordnung des Fürsten in Eisenstadt bleiben. In den Wintermonaten hält sich der Hof in Eisenstadt oder Wien auf. Der Hofkomponist Haydn bereitet dem Fürsten im gold- und purpurdurchwirkten Konzertsaal ein neues musikalisches Vergnügen. Ein 24-köpfiges Orchester steht dafür bereit. Intim genug und doch auch gleichermassen repräsentativ. All das zu Ehren des mächtigsten Mannes von Ungarn, der sagenumwoben reich und ein grosser Liebhaber von Kunst und Musik ist. Glanzvolle Bälle, reiche Tafeln, prächtige Paraden, Feuerwerke und andere Lustbarkeiten – auf der Bühne der barocken Selbstdarstellung übertrumpft Nikolaus Esterházy alle anderen. Einmal empfängt er Maria Theresia zum Besuch und, weil Sommer ist, die Kaiserin aber den Schnee so liebt, lässt er die Wege über und über mit Salz bestreuen.

Salz. In der Suppe. Für Kristian Bezuidenhout ist das Salz: der Hammerflügel. Beziehungsweise: Mozart, den er schon als Zehnjähriger so glühend verehrte, dass er alles von ihm haben wollte: «In unserer Stadt gab es damals einen sehr guten Klassikladen», erinnert er sich. «Ich habe mein ganzes Geld für Platten ausgegeben und es ist keine Übertreibung, dass es damals mein grösster Wunsch war, diese monströse Mozart-Edition von Philips zu besitzen.» Und natürlich hat er früh begonnen, Mozart zu spielen. Allerdings war das mehr als unbefriedigend, die Barriere war immer das moderne Klavier, auf dem er Mozart immer diskret, elegant, kultiviert, feinsinnig im Mezzobereich spielen musste. Das Erweckungserlebnis kam in Form eines Hammerflügels. Eine Befreiung: «Dieses Klavier zu haben, auf dem ich einen Akkord mit der linken Hand richtig laut anschlagen kann – und es klingt einfach prima! Dramatisch und interessant!» Viel hat er in seinen Mozartton investiert und versucht, über den nackten Text hinaus auch die Persönlichkeit des «komponierenden Interpreten» lebendig werden zu lassen. «Wir müssen extremere Dinge wagen, die 10

Programm 13.11.2023 | Historisch im Jetzt

Wolfgang Amadeus Mozart Konzert für Klavier und Orchester Nr. 9 in Es-Dur, KV 271, «Jeunehomme» Besetzung 2 Oboen, 2 Hörner, Streicher, Hammerklavier Entstehung 1777 Dauer Ca. 30’


Molltonarten müssen noch dramatischer und explosiver rüberkommen, und die Stücke in Dur sind für mich unheimlich geistreich und charmant und höchst nuanciert.» Wenn man das erkannt habe, sagt Bezuidenhout, beginne man zu erkennen, wie sich bei Mozart auch die Oberfläche bewegt und ständig wechselnde Szenen, Beleuchtungen und Stimmungen entstehen.

Jannik Giger «Troisième œil» für Kammerorchester. Auftragswerk des Kammerorchester Basel, UA Besetzung 2 Oboen, 2 Hörner, Streicher Entstehung 2023 Uraufführung 13.11.2023 Don Bosco Basel Dauer Ca. 15’

Jannik Giger Es gebe, sagt der Basler Komponist und Videokünstler Jannik Giger, diesen gewissen Konsens in der Musik, dass Höhepunkte existieren. Was aber bedeutet das? Ist das ein mystifizierter Un-Ort? In seinem Auftragswerk des Kammerorchester Basel «Troisième œil» versucht Giger, vermeintlich subjektive Höhepunkte zu destillieren und als künstlerisches, formbares Material zu verwenden. «Durch meinen kompositorischen Eingriff soll ein sehr aufgeladenes assoziatives Material entstehen, das seiner Ursprünglichkeit und Aura, seiner Geschichte und Gegenwart beraubt ist. Das Vertraute soll zum Unvertrauten transformieren.» Höhepunkte können sich abnutzen, wenn man sie dehnt, und ihre Zeitstruktur verändern. Durch die zeitliche Überlagerung dieser Höhepunkte im Orchester können seltsame Hierarchien geschaffen werden. Welcher Höhepunkt ist der intensivere?

Das dritte Auge «Troisième œil» ist das dritte (und wohl letzte Werk), das sich auf das Renaissance-Madrigal «Qu’est devenu ce bel œil» (was ist aus diesem schönen Auge geworden?) von Claude Le Jeune bezieht. Die stark chromatisierte Harmonik von Claude Le Jeune thematisiert den Verlust eines geliebten Menschen in formelhaft erstarrter Trauer, in eigenartigen, melancholischen und chromatischen Akkordfolgen. Zum dritten Mal bricht Giger die hermetische Form des Originalstückes völlig auf (getreu dem Motto von Ernst Bloch, dass es noch viel Uneingeholtes im Vergangenen gäbe) und ordnet Text, Melodik, Rhythmik und Harmonik neu. Heraus kommt eine dichte, dramatische Szene, manisch strukturiert, mit raschen Stimmungsschwankungen von Extremzuständen. Allen drei œil-Werken ist gemein, dass die Harmonik des Originalwerkes von Claude Le Jeune immer wieder in transformierter Form aufblitzt. In der neuen Komposition gibt es 11


dazu auch Querreferenzen und Versatzstücke aus den ersten beiden Stücken. Das Ganze ist ein sehr assoziativer Prozess: «Ich komponiere immer von links nach rechts, von Takt zu Takt, und entscheide nach intuitiven musikalischen und dramaturgischen Prozessen, wie sich die Stücke entwickeln. Alles was ich konzeptuell im neuen Werk im Vorfeld wusste, ist, dass ich das freie Variieren und Integrieren des Madrigals von Claude Le Jeune noch ein drittes Mal unter anderen instrumentalen Vorzeichen beibehalten möchte.» Und wie klingt’s? Tonale Harmonik, mikrotonal verunreinigt, d. h. vertraute Tonalitäten werden verstimmt und geschmolzen. Vertrautes wird unvertraut. Das Stück driftet irgendwann auch kurz in die Welt von Rameau, es sind Layers (Ebenen) aus «Les fêtes d’Hébé» zu erkennen und sogar Strukturen aus «Danse Macabre» (Camille Saint-Saëns) sind zu hören. Rational hergeleitete Erklärungen dafür gibt es nicht, es ist eher ein Spiel anachronistischer Allusionen, das Irritieren und Aufbrechen von Erwartungen.

Mozart zum zweiten… …mit der Geigerin Alina Ibragimova. Immer schon war sie von Musik umgeben: Als sie zehn Jahre alt war, zog ihre Familie von Russland nach London, die Mutter wurde dort Geigenlehrerin, der Vater Solokontrabassist im London Symphony Orchestra. Besonders interessant an Ibragimova ist, dass es ihr überhaupt nicht um Brillanz und Schönheit, um technische Meisterschaft oder ums Gefallen-wollen geht, sondern darum, zum Kern vorzudringen, das Wesen der Musik zu ergründen, die sie spielt. In der Probe geht das nicht, nur live geht es. «Ich denke, um ein Stück zu hundert Prozent kennenzulernen, muss man es im Konzert spielen. Für mich ist das bei jedem Werk der Fall. Das Publikum muss dabei sein, damit ich es wirklich verstehen kann.» Je nach Epoche wechselt Alina Ibragimova zwischen einer modernen und einer historischen Geige – mit der tritt sie auch als Primaria ihres hochgelobten Chiaroscuro Quartet auf. Was zeichnet sie aus? Vielleicht künstlerische Integrität und unprätentiöse Exzellenz. Und eine ständige, frische und lebendige Neugier. Eine Offenbarung für die Ohren. Florian Hauser

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Programm 13.11.2023 | Historisch im Jetzt

Wolfgang Amadeus Mozart Konzert für Violine und Orchester Nr. 5 in A-Dur, KV 219 Besetzung 2 Oboen, 2 Hörner, Streicher, Hammerklavier Entstehung 1775 Dauer Ca. 30’


Das Kammerorchester Basel wird 40! Seit 1997 vergibt das Kammerorchester Basel regelmässig Kompositionsaufträge: der erste ging an an Felix Profos mit seinem Werk «Lichtgebiet». Heute hören Sie das 40. Auftragswerk «Troisième œil» von Jannik Giger. 2024 feiert das Kammerorchester Basel sein 40-jähriges Bestehen. Mit unserer Illustrationsserie begleiten wir das Jubiläum in den Programmheften und dokumentieren wichtige Stationen des Ensembles. Illustriert wird diese Serie von Ursula Knapp, von 2020–2023 Stagemanagerin des Kammerorchester Basel.

© Ursula Knapp, 2023 13


Ihr Legat – für bewegende Momente voller Musik

Die Stiftung Kammerorchester Basel unterstützt Projekte, die nachhaltig die künstlerische Exzellenz des Kammerorchester Basel sichern. Werden Sie Teil einer Institution, die Ihnen am Herzen liegt und treten Sie als Mäzen oder Mäzenin in die Geschichte des überwiegend privat finanzierten Kammerorchester Basel ein. Ihre Leidenschaft für das Kammerorchester Basel lebt mit einem Legat weiter.

Bei Interesse kontaktieren Sie uns: Stiftung Kammerorchester Basel lic. iur. Pascal Eisner, Mitglied des Stiftungsrats pascal.eisner@advokaturbs.ch oder T 061 272 45 11 Die Stiftung Kammerorchester Basel ist als gemeinnützige Organisation anerkannt und damit steuerbefreit.

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Programm 13.11.2023 | Historisch im Jetzt


Was geschah...

2023 Uraufführung «Troisième œil» von Jannik Giger.

König Charles III. und Königin Camilla werden am 6. Mai in der Westminster Abbey gekrönt.

Am 12. November wäre der Humorist, Zeichner, Schauspieler und Regisseur Loriot 100 Jahre alt geworden.

Die Suchmaschine Google wird 25 Jahre alt.

Der Friedensnobelpreis 2023 geht an die iranische Menschenrechtsaktivistin Narges Mohammadi «für ihren Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen im Iran und ihren Kampf für die Unterstützung der Menschenrechte und der Freiheit für alle». 15


Biografien Alina Ibragimova ist eine vielseitige Violinistin, die sowohl in der Barockmusik als auch bei zeitgenössischen Auftragswerken ihre Qualität unter Beweis stellt. 1985 wurde Alina Ibragimova in Russland geboren. Sie studierte an der Moskauer Gnesin-Schule, bevor sie nach Grossbritannien zog, wo sie die Yehudi Menuhin School und das Royal College of Music besuchte. Zu ihren Lehrer:innen zählten Natasha Boyarsky, Gordan Nikolitch und Christian Tetzlaff. Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen gehören der Royal Philharmonic Society Young Artist Award 2010, der Borletti-Buitoni Trust Alina Ibragimova © Georgia Bertazzi Award 2008, der Classical BRIT und der Young Performer of the Year Award 2009. Alina spielt auf einer Geige von Anselmo Bellosio aus dem Jahr 1775, die ihr freundlicherweise von Georg von Opel zur Verfügung gestellt wurde. In der Saison 2023/24 kehrt Alina zum Royal Stockholm Philharmonic, Netherlands Radio Philharmonic, Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem Orchestre national de Belgique, dem Orchestra of the Age of Enlightenment zurück und wird Artist-in-Residence beim Mahler Chamber Orchestra bei dessen Hitzacker-Festival. Sie wird bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen geben und mit dem Scottish Chamber Orchestra und dem Kammerorchester Basel auf Tour gehen. Mit dem Pianisten Cédric Tiberghien unternahm sie ausgedehnte Tourneen in der ganzen Welt und erntete viel Beifall für ihre Interpretationen von Sonaten von Mozart und Beethoven. Alina Ibragimova ist ausserdem Gründungsmitglied des Chiaroscuro Quartetts, eines der gefragtesten zeitgenössische Ensembles der Klassik und Frühromantik. Ihre Diskografie bei Hyperion Records reicht von Bach-Konzerten mit Arcangelo bis hin zu Prokofjew-Sonaten mit Steven Osborne. Ihre Aufnahme von 24 Caprices aus dem Jahr 2021 erreichte bei ihrer Veröffentlichung die Spitze der Klassik-Albumcharts.

Kristian Bezuidenhout ist einer der bemerkenswertesten Pianisten unserer Zeit, der auf dem Hammerklavier, dem Cembalo und dem modernen Klavier gleichermassen zu Hause ist. Er wurde 1979 in Südafrika geboren, begann sein Studium in Australien, schloss es an der Eastman School of Music ab und lebt heute in London. Kristian ist künstlerischer Leiter des Freiburger Barockorchesters und Erster Gastdirigent beim English Concert. Er ist Kristian Bezuidenhout regelmässiger Gast bei weltweit führenden Ensembles. Er war © Marco Borggreve Gastdirigent (vom Flügel aus) u. a. beim Orchestra of the Eighteenth Century und der Kammerakademie Potsdam. Kristian Bezuidenhout hat mit Musiker:innen wie u. a. John Eliot Gardiner, Philippe Herreweghe, Trevor Pinnock, Giovanni Antonini, Jean-Guihen Queyras, Alina Ibragimova, Carolyn Sampson, Anne Sofie von Otter, Mark Padmore und Matthias Goerne zusammengearbeitet. 16

Programm 13.11.2023 | Historisch im Jetzt


In der Saison 2023/24 wird Kristian mit zahlreichen Ensembles wie dem Orchestre National de Belgique, La Scintilla, Tafelmusik Baroque, der Camerata Salzburg und dem Australian Chamber Orchestra auftreten. Er gibt eine Reihe von Liederabenden mit renommierten Künstlern wie Isabelle Faust und Kristin von der Goltz, mit denen er durch Japan tourt, und besucht viele europäische Länder mit Jean-Guihen Queyras, Antoine Tamestit, Rachel Podger, Amandine Beyer, Marco Ceccato und dem Chiaroscuro Quartett. Kristians reichhaltige und preisgekrönte Diskografie bei Harmonia Mundi umfasst die gesamte Solo-Klaviermusik von Mozart. Zu den jüngsten Veröffentlichungen gehören Winterreise mit Mark Padmore, Bachs Sonaten für Violine und Cembalo mit Isabelle Faust, Haydns Klaviersonaten und die gesamten Beethoven-Konzerte mit dem Freiburger Barockorchester.beim English Concert, beim Orchestra of the Eighteenth Century und der Kammerakademie Potsdam.

Der in Basel lebende Komponist und Videokünstler Jannik Giger absolvierte einen Bachelor of Arts in Musik und Medienkunst an der Hochschule der Künste Bern bei Daniel Weissberg und Michael Harenberg sowie einen Master of Arts in Komposition an der Musikhochschule Luzern bei Dieter Ammann. 2015 schloss er den Studiengang Master of Arts in Specialized Music Performance (Komposition) am Konservatorium Basel bei Michel Roth und Erik Ona ab. Sein Werk besteht aus Orchester-, Kammer- und Samplingkompositionen, Videoarbeiten, Klang- und Rauminstallationen sowie Vinylpublikationen und Filmmusik. Ein zentraler Fokus seiner Arbeit liegt auf der Auseinandersetzung mit künstlerischen Inszenierungsritualen. Ein bedeutendes Thema sind hierarchische Beziehungen und Interaktionen zwischen Akteuren und Artefakten des Kulturbetriebs. Jannik Gigers Arbeiten werden international im Musik-, Film- und Kunstkontext rezipiert, wie beispielsweise beim Ultraschall Berlin, der Architekturbiennale Venedig 2021, den Swiss Art Awards oder dem Theater Basel. Seine Kompositionen werden zudem von verschiedenen Formaten interpretiert. Dazu gehören das Soloensemble Kaledidoskop, das Arditti Quartett, Sarah Maria Sun, das Mondrian Ensemble oder das Ensemble Phoenix Basel. 2018 realisierte er in Zusammenarbeit mit Benjamin Van Bebber und Leo Hofmann die Saisoneröffnung «Kolik» (von Rainald Goetz) für den Gare Du Nord Basel. 2022 folgte eine weitere Saisoneröffnungsproduktion: «Queen of Hearts». Jannik Giger erhielt mehrere Preise und Auszeichnungen u. a. Atelierstipendien in London (Stiftung Landis & Gyr), Berlin (Atelier Mondial), Sri Lanka (Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia) oder Werkbeiträge der Fondation Nicati-de Luze, seitens der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, von Kulturelles BS/BL, dem Kanton Solothurn, der UBS Kulturstiftung, dem Lions Club Basel sowie 2013 den Förderpreis für Musik des Kantons Solothurn. 17


Das Kammerorchester Basel ist fest in Basel verankert – mit den beiden Abonnementsreihen im Stadtcasino Basel sowie in dem eigenen Proben- und Aufführungsort Don Bosco Basel. Weltweit und mit mehr als 60 Konzerten pro Saison ist das Kammerorchester Basel auf Tourneen unterwegs, an internationalen Festivals und in den wichtigsten europäischen Konzertsälen stets gerngesehener Gast. 2019 als erstes Orchester mit einem Schweizer Musikpreis geehrt, zeichnen das Kammerorchester Basel Exzellenz und Vielseitigkeit sowie Tiefgang und Durchhaltevermögen aus. Es taucht mit seinen Interpretationen tief in die jeweiligen thematischen und kompositorischen Welten ein: in der Vergangenheit mit dem «Basler Beethoven» oder mit Heinz Holliger und dem «Schubert-Zyklus». Oder wie mit dem Langzeitprojekt Haydn2032, der Einspielung und Aufführung aller Sinfonien von Joseph Haydn bis ins Jahr 2032 unter der Leitung von Principal Guest Conductor Giovanni Antonini und gemeinsam mit dem Ensemble Il Giardino Armonico. Seit der Saison 2022/23 widmet sich das Kammerorchester Basel unter der Leitung des Alte-Musik-Spezialisten Philippe Herreweghe allen Sinfonien von Felix Mendelssohn Bartholdy. Ein Herzstück der Arbeit bildet die zukunftsweisende Vermittlungsarbeit bei partizipativen Grossprojekten. Eine umfangreiche, vielfach preisgekrönte Diskografie dokumentiert das künstlerische Schaffen des Kammerorchester Basel. Seit 2019 ist die Clariant Foundation Presenting Sponsor des Kammerorchester Basel.

Kammerorchester Basel © Sandro Isler (nougat.ch) / Matthias Müller

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Programm 13.11.2023 | Historisch im Jetzt


Nächste Konzerte Fr 17.11.2023 – 19.30 Uhr, Münster Basel So 19.11.2023 – 17.00 Uhr, Münster Basel Abonnementskonzert des Basler Gesangsvereins mit dem Kammerorchester Basel J. Brahms: Ein deutsches Requiem, Andrea Scartazzini: Dies Illa. Auftragskomposition im Rahmen des 200-Jahr-Jubiläums Fagundo Agudin Leitung Mo 18.12.2023 – 19.30 Uhr, Stadtcasino Basel Clariant-Weihnachtskonzert Abokonzert: ENDLICH UNENDLICH Georg Friedrich Händel: Messias, Oratorium, HWV 56. In englischer Sprache Tölzer Knabenchor, Alina Wunderlin Sopran, Helena Rasker Alt, Thomas Walker Tenor, ZERT ES KON Yannick Debus Bass, WEITER 2.2023 Francesco Corti Leitung DI 19.1 So 31.12.2023 – 21.00 Uhr, Don Bosco Basel SILVESTER-NACHTKLANG: Die Unsinnsgesellschaft – eine Schubertiade im Don Bosco Franz Schubert: Klavierquintett in A-Dur, op. 114, D 667 «Forellenquintett» Tamàs Vásárhelyi Violine, Carlos Vallés García Viola, Georg Dettweiler Violoncello, Peter Pudil Kontrabass, Fumi Dettweiler Klavier

Sa 6.1.2024 – 19.30 Uhr, Stadtcasino Basel Abokonzert: WEILL ES SÜNDE IST Mit Werken von R. Strauss, K. Weill u. a. Ute Lemper Chansonnière Vokalquartett der Basler Madrigalisten Pierre Bleuse Leitung Mo 22.1.2024 – 13.30 Uhr, Don Bosco Basel KOSTPROBE G. F. Händel: «Aci, Galatea e Polifemo» anschliessend Kaffee und Kuchen René Jacobs Leitung Di 23.1.2024 – 19.30 Uhr, Don Bosco Basel Abokonzert: UNZERTRENNLICH Georg Friedrich Händel: «Aci, Galatea e Polifemo» Kateryna Kasper Aci Sophie Harmsen Galatea Andrea Mastroni Polifemo René Jacobs Leitung Do 15.2.2024 – 19.30 Uhr, Stadtcasino Basel Abokonzert: GEGEN DAS ESTABLISHMENT Mit Werken von G. Ligeti und G. Mahler Patricia Kopatchinskaja Violine Hélène Walter Sopran Pierre Bleuse Leitung

Wählen Sie Ihre Lieblingskonzerte und buchen Sie Ihre Abos & Tickets : www.kammerorchesterbasel.ch | 061 306 30 44 (Mo, Mi, Do, 10.30 – 12.30 Uhr) oder bei Bider und Tanner Impressum Texte Florian Hauser, Claudia Dunkel Herausgeber Kammerorchester Basel Design Stadtluft Direktor Marcel Falk Druck Druckerei Thoma AG Redaktion Claudia Dunkel, Anna Maier Dieses Programmheft erscheint einmalig zum Abokonzert am 13.11.2023 in einer Auflage von 400 Exemplaren. Inhaber von Urheberrechten, die wir nicht ermitteln konnten, werden wegen nachträglicher Rechtsabgeltung um Nachricht gebeten.

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Greater chemistry Greater chemistry is a promise. A promise to ourselves and to the world. To never stand still. To reflect achievements. It’s a promise to strive for a future worth living, for harmonious coexistence, and for greater solutions with a greater impact, Greater chemistry – between people planet. That is our purpose. That is how we are measured.

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