J. S. Bach: Johannes-Passion BWV 245 Christoph Prégardien, Leitung und Tenor (Evangelist), Marie Heeschen (Sopran), Margot Oitzinger (Alt), Simon Bode (Tenor), Martin Berner, Yorck Felix Speer (Bass) Rias Kammerchor Berlin
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Hör-Impuls Die «Johannes-Passion» von Johann Sebastian Bach ist eines der beliebtesten geistlichen Konzertwerke. Doch entstanden ist sie nicht für den Konzertsaal, sondern für die lutherische Karfreitags-Liturgie. Gut möglich, dass in den 1720er Jahren, als Bach Thomaskantor in Leipzig war, die Choräle von der Gemeinde mitgesungen wurden. Dass die Gemeinde auch andere Chorpartien übernahm, ist allerdings undenkbar: Chorsätze wie das einleitende Herr, unser Herrscher sind rhythmisch und melodisch komplex. Allein schon die langen Koloraturen in Sechzehntelnoten hätten auch eine fromme und singgewohnte Gemeinde überfordert. Heute gibt es gerade von diesem Werk eine Vielzahl ausgezeichneter Aufnahmen, so etwa diejenige unter René Jacobs aus dem Jahr 2015. Jacobs, der selber als herausragender Sänger begonnen und an der Basler Schola Cantorum gelehrt hat, «registriert» den Chor wie eine Orgel: Bald setzt er ihn voll ein, dann reduziert er ihn auf die 16 Stimmen seines Kammerchors. An wenigen Stellen seiner Aufnahme begnügt er sich mit einem Solistenquartett. Das verhilft seiner Aufnahme zu einer reizvollen Tiefenstaffelung.
im abo 2
Programm 16.04.2022 | Ach, grosser König
ABO jetzt!
Programm
Sa 16.4.2022 – 19.00 Uhr, Stadtcasino Basel Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) Johannes-Passion, BWV 245
ca. 120'
Erster Teil Verrat und Gefangennahme Verleugnung Zweiter Teil Verhör und Geisselung Verurteilung und Kreuzigung Tod Jesu Grablegung Das Konzert findet ohne Pause statt.
Wir danken! Presenting Sponsor
SAISON 2022 / 23
mit Maria João Pires, Igor Levit, Philippe Herreweghe, Alina Ibragimova u. v. a. Top-Konzerte im Abo: Stadtcasino und Don Bosco
Abos und Infos unter www.kob-abo.ch | 061 315 10 38 (Mo – Fr, 8.30 – 17.00 Uhr)
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Besetzung
Leitung und SolistInnen Christoph Prégardien Leitung und Tenor (Evangelist) Marie Heeschen Sopran Margot Oitzinger Alt Simon Bode Tenor (Arien) Martin Berner Bass (Arien, Pilatus) Yorck Felix Speer Bass (Jesus)
Kammerorchester Basel Flöte Violine 1 Anne Freitag Regula Bernath
Oboe
Thomas Meraner Francesco Capraro
Fagott
Carles Cristobal
Julia Schröder Yukiko Tezuka Matthias Müller Eva Miribung Carolina Mateos
Violine 2
Anna Morozkina Valentina Giusti Tamás Vásárhelyi Fanny Tschanz
Partien aus dem Chor: Fabienne Weiss Sopran (Magd) Shimon Yoshida Tenor (Diener 1) Volker Arndt Tenor (Diener 2) Johannes Schendel Bass (Petrus)
Viola
Katya Polin Bodo Friedrich Anne-Françoise Guezingar
Violoncello Christoph Dangel Hristo Kouzmanov Vanessa Russell
Kontrabass Stefan Preyer
Orgel
Giorgio Paronuzzi
Theorbe
Juan Sebastiàn Lima
Viola da Gamba
Vanessa Russell
Rias Kammerchor Berlin Sopran
Katharina Hohlfeld-Redmond Mi-Young Kim Anja Petersen Stephanie Petitlaurent Inés Villanueva Fabienne Weiss Viktoria Wilson Sarah Krispin 4
Alt
Ulrike Bartsch Andrea Effmert Waltraud Heinrich Franziska Markowitsch Hildegard Rützel Anna Schaumlöffel
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Tenor
Volker Arndt Joachim Buhrmann Jörg Genslein Christian Mücke Volker Nietzke Shimon Yoshida
Bass
Stefan Drexlmeier Ingolf Horenburg Paul Mayr Rudolf Preckwinkel Johannes Schendel Jonathan E. de la Paz Zaens
Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion Johann Sebastian Bach hat die Gattung der Passionsmusik nicht erfunden, aber er hat sie bis heute populär gemacht. Neben der «Matthäus-Passion» und der Fragment gebliebenen «Markus-Passion» ist die «Johannes-Passion» längst zu einem Hauptwerk der christlich geprägten Musikkultur geworden. Allerdings stand sie lange Zeit hinter der «Matthäus-Passion» zurück, galt sogar irrtümlich als unreife Vorstufe zu dieser späteren und längeren Vertonung des Leidens und Sterbens von Jesus Christus. Und dies, obwohl Robert Schumann schon 1851 nach einer Aufführung des Werks unter seiner Leitung in Düsseldorf geschrieben hatte, sie sei «um vieles kühner, gewaltiger, poetischer» als die «Matthäus-Passion»: «Wie gedrängt, wie durchaus genial, namentlich in den Chören, und von welcher Kunst!» Heute hat die «Johannes-Passion» eine solche Verteidigung nicht mehr nötig – sie wird ebenso ernst genommen wie die «Matthäus-Passion» und statistisch wohl noch etwas häufiger aufgeführt als ihre «Schwester». Passionen dienten einst dazu, der gläubigen Gemeinde die Inhalte der Evangelien zu vermitteln, denn bei weitem nicht alle Kirchgänger konnten die Bibel lesen. Ursprünglich wurden die biblischen Erzählungen von Geistlichen mit verteilten Rollen dargeboten. Nach der Reformation kamen eigentliche Vertonungen auf. Viele Komponisten des späten 16. und des 17. Jahrhunderts schufen deutsche Passionskompositionen. In diese wurden immer häufiger Choräle eingeschoben, die von der Gemeinde gesungen werden konnten. Und immer häufiger wurden die Bibeltexte frei umgedichtet und durch betrachtende Partien ergänzt. Ein «Hotspot» dieser Welle von Passionsvertonungen war Hamburg mit Komponisten wie Georg Philipp Telemann, Johann Mattheson, Reinhard Keiser und Georg Friedrich Händel. Johann Sebastian Bach wirkte dagegen seit 1723 in Leipzig, wo er als Kantor der Thomasschule für die Musik an vier Kirchen zuständig war. In Leipzig gab es im Unterschied zu Hamburg keine Oper, und das Musikleben war ausgesprochen konservativ. Erst 1721 war dort erstmals eine Passion mit auskomponierter Musik (von Bachs Vorgänger Johann Kuhnau) zur Aufführung gekommen. Ob Bachs «Johannes-Passion» 1724 seine erste Passion war oder ob es ein Vorgängerwerk gab, ist bis heute nicht ganz geklärt. Sicher ist aber, dass die «Johannes-Passion» das erste grossangelegte Werk war, das Bach für seine neue Wirkungsstätte in Leipzig schuf. Er sollte in den folgenden 26 Jahren bis zu seinem Tod immer wieder an dem Werk feilen, so dass wir von vier Versionen sprechen können, zwischen denen die Ausführenden wählen können oder müssen.
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Bach als Textredaktor Die «Johannes-Passion» diente nicht wie heute üblich als Konzertwerk, sondern war für die Liturgie der Leipziger Nikolaikirche am Karfreitag bestimmt. Daher musste der Text des Evangeliums vollständig gebracht werden. Bach ergänzte das 18. und das 19. Kapitel des Johannes-Evangeliums um zwei Stellen aus dem Matthäus-Evangelium und fügte betrachtende Texte ein. Dabei bediente er sich hauptsächlich bei der Passionsdichtung des Hamburger Ratsherren Barthold Heinrich Brockes «Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus». Ausserdem griff er auf eine Johannes-Passion von Christian Heinrich Postel zurück. Bach kam also ohne eigenen Textdichter aus und schuf den Text seiner Passion durch Umdichtung bestehender Texte selbst. In der Karfreitagsliturgie wurde der erste Teil vor der Predigt und der längere zweite Teil danach gesungen und gespielt. Es liegt in der Natur einer musikalischen Darstellung des Leidens und Sterbens von Jesus Christus, dass Text und Musik sich starker Affekte bedienen. Schliesslich geht es dabei nicht um nüchterne Informationen, sondern auch um das Wecken von Emotionen, wodurch der Glaube der Zuhörenden (die ja auch Mitwirkende waren) vertieft werden sollte. Sprache und Musik dieses Werks entbehren nicht der Drastik. Bereits der Eingangschor «Herr, unser Herrscher» in der Klage-Tonart g-Moll lässt mit seinen scharfen Dissonanzen in den Oberstimmen und dem motorischen, unerbittlichen Pochen im Bass an eine Volksszene denken: Man erhält den Eindruck vom Wogen einer aufgebrachten Menge, die verzweifelt ihren Gott anruft. Noch realistischer könnte man in den «Stichen» von Flöte und Oboe die ins nackte Fleisch getriebenen Nägel hören (John Eliot Gardiner).
Stimmen, nicht Rollen Eine Oper ist die «Johannes-Passion» nicht – dagegen spricht schon die Partie des Evangelisten, eines Erzählers oder Moderators, der in einer Oper so undenkbar wäre. Ausserdem wäre ein Jesus auf der Opernbühne in der Zeit Bachs fraglos als Blasphemie empfunden worden. Wenn die Ausführenden die Bibelworte mit verteilten Rollen singen, so stellen sie Pilatus, Petrus, Jesus und das Volk nicht dar, wie es im Theater der Fall wäre, eher zitieren sie diese. Sie schlüpfen nicht in die Haut jener Personen, sondern ahmen allenfalls ihre Stimmen nach. Gleichwohl ist den Passionen Bachs ein starker dramatischer Charakter eigen. Er zieht den Chor so stark in die dramatische Erzählung hinein, dass Anklänge an eine Opernbühne nicht ganz vermeidbar sind. Und Bach geizt nicht 6
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mit Wertungen. Pilatus erscheint als Feigling, Petrus als charakterschwacher Lügner. Und das Volk kommt in Bachs Darstellung nicht gut weg: eine opportunistische, blutgierige Masse ohne Rückgrat und Verantwortung; allerdings auch im Sinne Luthers wie wir alle «simul iustus et peccator», zugleich Gerechte und Sünder. So etwa in «Wäre dieser nicht ein Übeltäter» zu Beginn des zweiten Teils. Schon der Text ist ein Musterbeispiel für einen Zirkelschluss: Wenn Jesus kein Verbrecher wäre, so «argumentiert» das Volk, so wäre er nicht verhaftet worden – so könnte man diese absurde, für Terrorregimes typische Denkweise umschreiben. Die vielfachen Ausrufe «nicht!» unterstreichen die Uneinsichtigkeit des Volkes auf drastische, geradezu theatralische Weise. Die Arien stehen an Drastik nicht hinter diesen Chören zurück, und der Evangelist stattet die Geisselung Jesu durch Pilatus lautmalerisch mit einer langen Kette von rhythmisch gleichförmigen «Peitschenhieben» aus. In der Tenorarie in c-Moll «Erwäge, wie sein blutgefärbter Rücken in allen Stücken dem Himmel gleiche geht» wird anschaulich beschrieben, wie die Haut Jesu unter den Striemen, die man ihm zufügte, die Regenbogenfarben annahm – eine fast allzu poetische Metapher für Folter. Während dieser Text auf Brockes zurückgeht, ist die Vertonung mit dem sanften Klang der Viola d'amore ganz Bachs Entscheidung. John Eliot Gardiner vermutet, dass der «sanft geschwungene Bogen» dieses Barockinstruments in Bach das Bild eines Regenbogens hervorrief. Jedenfalls ist die Demütigung Christi untrennbar mit der von oben herabkommenden göttlichen Gnade verknüpft. Und wieder wird das Volk in seiner zynischen Schadenfreude dargestellt: «Sei gegrüsset, lieber Judenkönig» singt es vierstimmig, bevor dem schuldlos Angeklagten «Backenstreiche» verabreicht werden und vielstimmig die «Kreuzige!»-Rufe ertönen.
In seiner Zeit umstritten Bach lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen, das Zerreissen des Vorhangs im Tempel und das Beben der Erde nach dem Tod des Gekreuzigten lautmalerisch zu schildern. Danach aber löst sich eine einzelne trauernde Sopranstimme aus dem Chor und gibt, unterstützt von Flöten und Oboen, ihrem Tränenfluss freien Lauf. Auch das jüdische Volk erhält vom Komponisten und Textredaktor Bach die Chance einer Läuterung: Nach der Grablegung Jesu hüllt der Chor den Leichnam gleichsam in die warmen Dreiklänge seines c-Moll-Gesangs ein: «Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine». In der Fassung von 1724 folgt noch der Choral «Ach Herr, lass dein lieb Engelein»; schon für die nächste Aufführung des Werks 1725 – diesmal in der Leipziger Thomaskirche – ersetzte Bach den Schlusschoral durch einen grösseren, wesentlich komplexeren Satz, die Choralfantasie «Christe, du Lamm Gottes», das deutsche «Agnus Dei». Warum er dies tat, ist 7
nicht bekannt. Es zeigt jedoch, dass die «Johannes-Passion» für ihn noch keineswegs «fertig» war, und sie sollte es bis in Bachs Todesjahr 1750 hinein nicht sein. Bach war im 18. Jahrhundert viel weniger allgemein akzeptiert als heute. Bald wurde seiner Musik übertriebene Kompliziertheit vorgeworfen, bald übersteigerte Theatralik. Der Detailreichtum seiner Passionen blieb in Bachs Zeit nicht unumstritten. Es ist ein Bericht des Theologen Christian Gerber überliefert, der vermutlich repräsentativ ist für einen Teil der Zeugen jener Aufführungen. «Als nun diese theatralische Music angieng», so Gerber, «so geriethen alle diese Personen in die gröste Verwunderung, sahen einander an und sagten: Was soll daraus werden? Eine alte adeliche Witwe sagte: Behüte Gott ihr Kinder! Ist es doch, als ob man in einer Opera oder Comödie wäre: Alle aber hatten ein hertzlich Missfallen daran, und führeten gerechte Klagen darüber.» Sigfried Schibli
Autograf der ersten Seite der Johannes-Passion Bildquelle: Wikimedia Commons
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Libretto
ERSTER TEIL VERRAT UND GEFANGENNAHME (Johannes 18, 1 – 14) 1. Chorus Herr, unser Herrscher, dessen Ruhm In allen Landen herrlich ist! Zeig uns durch deine Passion, Dass du, der wahre Gottessohn, Zu aller Zeit, Auch in der grössten Niedrigkeit, Verherrlicht worden bist! 2a. Rezitativ EVANGELIST Jesus ging mit seinen Jüngern über den Bach Kidron, da war ein Garte, darein ging Jesus und seine Jünger. Judas aber, der ihn verriet, wusste den Ort auch, denn Jesus versammlete sich oft daselbst mit seinen Jüngern. Da nun Judas zu sich hatte genommen die Schar und der Hohenpriester und Pharisäer Diener, kommt er dahin mit Fackeln, Lampen und mit Waffen. Als nun Jesus wusste alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu ihnen: JESUS Wen suchet ihr? EVANGELIST Sie antworteten ihm: 2b. Chorus Jesum von Nazareth. 2c. Rezitativ EVANGELIST Jesus spricht zu ihnen: JESUS Ich bin’s.
EVANGELIST Judas aber, der ihn verriet, stund auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bin’s, wichen sie zurükke und fielen zu Boden. Da fragete er sie abermal: JESUS Wen suchet ihr? EVANGELIST Sie aber sprachen: 2d. Chorus Jesum von Nazareth. 2e. Rezitativ EVANGELIST Jesus antwortete: JESUS Ich hab’s euch gesagt, dass ich’s sei, suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen. 3. Choral O grosse Lieb, o Lieb ohn’ alle Masse, Die dich gebracht auf diese Marterstrasse! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, Und du musst leiden. 4. Rezitativ EVANGELIST Auf dass das Wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe der keine verloren, die du mir gegeben hast. Da hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es aus und schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein recht Ohr ab, und der Knecht hiess Malchus. Da sprach Jesus zu Petro: 9
JESUS Stecke dein Schwert in die Scheide, soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? 5. Choral Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich, Auf Erden wie im Himmelreich. Gib uns Geduld in Leidenszeit, Gehorsam sein in Lieb und Leid; Wehr und steu’r allem Fleisch und Blut, Das wider deinen Willen tut! 6. Rezitativ EVANGELIST Die Schar aber und der Oberhauptmann und die Diener der Jüden nahmen Jesum und bunden ihn und führeten ihn aufs erste zu Hannas, der war Kaiphas Schwäher, welcher des Jahres Hoherpriester war. Es war aber Kaiphas, der den Jüden riet, es wäre gut, dass ein Mensch würde umbracht für das Volk. 7. Arie (A) Von den Stricken meiner Sünden Mich zu entbinden, Wird mein Heil gebunden. Mich von allen Lasterbeulen Völlig zu heilen, Lässt er sich verwunden.
VERLEUGNUNG (Johannes 18, 15 – 27; Matthäus 26, 75) 8. Rezitativ EVANGELIST Simon Petrus aber folgete Jesu nach und ein ander Jünger. 10
9. Arie (S) Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten Und lasse dich nicht, Mein Leben, mein Licht. Befördre den Lauf Und höre nicht auf, Selbst an mir zu ziehen, zu schieben, zu bitten! 10. Rezitativ EVANGELIST Derselbige Jünger war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesu hinein in des Hohenpriesters Palast. Petrus aber stund draussen für der Tür. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und redete mit der Türhüterin und führete Petrum hinein. Da sprach die Magd, die Türhüterin, zu Petro: MAGD Bist du nicht dieses Menschen Jünger einer? EVANGELIST Er sprach: PETRUS Ich bin’s nicht. EVANGELIST Es stunden aber die Knechte und Diener und hatten ein Kohlfeue`r gemacht (denn es war kalt) und wärmeten sich. Petrus aber stund bei ihnen und wärmete sich. Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete ihm: JESUS Ich habe frei, öffentlich geredet für der Welt. Ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel,
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12b. Chorus Bist du nicht seiner Jünger einer?
da alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgnen geredt. Was fragest du mich darum? Frage die darum, die gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe! Siehe, dieselbigen wissen, was ich gesaget habe. EVANGELIST Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei stunden, Jesu einen Backenstreich und sprach: DIENER Solltest du dem Hohenpriester also antworten? EVANGELIST Jesus aber antwortete: JESUS Hab ich übel geredt, so beweise es, dass es böse sei, hab ich aber recht geredt, was schlägest du mich?
12c. Rezitativ EVANGELIST Er leugnete aber und sprach: PETRUS Ich bin’s nicht. EVANGELIST Spricht des Hohenpriesters Knecht einer, ein Gefreundter des, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: DIENER Sahe ich dich nicht im Garten bei ihm? EVANGELIST Da verleugnete Petrus abermal, und alsobald krähete der Hahn. Da gedachte Petrus an die Worte Jesu und ging hinaus und weinete bitterlich.
11. Choral Wer hat dich so geschlagen, Mein Heil, und dich mit Plagen So übel zugericht', Du bist ja nicht ein Sünder Wie wir und unsre Kinder, Von Missetaten weisst du nicht. Ich, ich und meine Sünden, Die sich wie Körnlein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben dir erreget Das Elend, das dich schläget, Und das betrübte Marterheer.
13. Arie (T) Ach, mein Sinn, Wo willt du endlich hin, Wo soll ich mich erquicken? Bleib ich hier, Oder wünsch ich mir Berg und Hügel auf den Rücken? Bei der Welt ist gar kein Rat, Und im Herzen Stehn die Schmerzen Meiner Missetat, Weil der Knecht den Herrn verleugnet hat.
12a. Rezitativ EVANGELIST Und Hannas sandte ihn gebunden zu dem Hohenpriester Kaiphas. Simon Petrus stund und wärmete sich, da sprachen sie zu ihm:
14. Choral Petrus, der nicht denkt zurück, Seinen Gott verneinet, Der doch auf ein ernsten Blick Bitterlichen weinet. 11
Jesu, blikke mich auch an, Wenn ich nicht will büssen, Wenn ich Böses hab getan, Rühre mein Gewissen!
ZWEITER TEIL VERHÖR UND GEISSELUNG (Johannes 18, 28 – 40; 19,1) 15. Choral Christus, der uns selig macht, Kein Bös' hat begangen, Der ward für uns in der Nacht Als ein Dieb gefangen, Geführt für gottlose Leut Und fälschlich verklaget, Verlacht, verhöhnt und verspeit, Wie denn die Schrift saget. 16a. Rezitativ EVANGELIST Da führeten sie Jesum von Kaiphas vor das Richthaus, und es war frühe. Und sie gingen nicht in das Richthaus, auf dass sie nicht unrein würden, sondern Ostern essen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus und sprach: PILATUS Was bringet ihr für Klage wider diesen Menschen? EVANGELIST Sie antworteten und sprachen zu ihm: 16b. Chorus Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet.
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16c. Rezitativ EVANGELIST Da sprach Pilatus zu ihnen: PILATUS So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetze! EVANGELIST Da sprachen die Jüden zu ihm: 16d. Chorus Wir dürfen niemand töten. 16e. Rezitativ EVANGELIST Auf dass erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde. Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus und rief Jesu und sprach zu ihm: PILATUS Bist du der Jüden König? EVANGELIST Jesus antwortete: JESUS Redest du das von dir selbst, oder habens dir andere von mir gesagt? EVANGELIST Pilatus antwortete: PILATUS Bin ich ein Jüde? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet; was hast du getan? EVANGELIST Jesus antwortete: JESUS Mein Reich ist nicht von dieser Welt, wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darob kämpfen, dass ich den Jüden nicht überantwortet würde, aber nun ist mein Reich nicht von dannen.
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17. Choral Ach, grosser König, gross zu allen Zeiten, Wie kann ich gnugsam diese Treu ausbreiten? Keins Menschen Herze mag indes ausdenken, Was dir zu schenken. Ich kann’s mit meinen Sinnen nicht erreichen, Womit doch dein Erbarmen zu vergleichen. Wie kann ich dir denn deine Liebestaten Im Werk erstatten? 18a. Rezitativ EVANGELIST Da sprach Pilatus zu ihm: PILATUS So bist du dennoch ein König? EVANGELIST Jesus antwortete: JESUS Du sagst’s, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt kommen, dass ich die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. EVANGELIST Spricht Pilatus zu ihm: PILATUS Was ist Wahrheit? EVANGELIST Und da er das gesaget, ging er wieder hinaus zu den Jüden und spricht zu ihnen: PILATUS Ich finde keine Schuld an ihm. Ihr habt aber eine Gewohnheit, dass ich
euch einen losgebe, wollt ihr nun, dass ich euch der Jüden König losgebe? EVANGELIST Da schrieen sie wieder allesamt und sprachen: 18b. Chorus Nicht diesen, sondern Barrabam! 18c. Rezitativ EVANGELIST Barrabas aber war ein Mörder. Da nahm Pilatus Jesum und geisselte ihn. 19. Arioso (B) Betrachte, meine Seel, mit ängstlichem Vergnügen, Mit bittrer Lust und halb beklemmtem Herzen, Dein höchstes Gut in Jesu Schmerzen, Wie dir aus Dornen, so ihn stechen, Die Himmelsschlüsselblumen blühn! Du kannst viel süsse Frucht von seiner Wermut brechen, Drum sieh ohn’ Unterlass auf ihn! 20. Arie (T) Erwäge, wie sein blutgefärbter Rükken In allen Stükken Dem Himmel gleiche geht, Daran, nachdem die Wasserwogen Von unsrer Sündflut sich verzogen, Der allerschönste Regenbogen Als Gottes Gnadenzeichen steht!
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VERURTEILUNG UND KREUZIGUNG (Johannes 19, 2 – 122)
denn ich finde keine Schuld an ihm! EVANGELIST Die Jüden antworteten ihm:
21a. Rezitativ EVANGELIST Und die Kriegsknechte flochten eine Krone von Dornen und satzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurkleid an und sprachen:
21f. Chorus Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht.
21b. Chorus Sei gegrüsset, lieber Jüdenkönig! 21c. Rezitativ EVANGELIST Und gaben ihm Backenstreiche. Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: PILATUS Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, dass ihr erkennet, dass ich keine Schuld an ihm finde. EVANGELIST Also ging Jesus heraus und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Und er sprach zu ihnen: PILATUS Sehet, welch ein Mensch! EVANGELIST Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrieen sie und sprachen: 21d. Chorus Kreuzige, kreuzige! 21e. Rezitativ EVANGELIST Pilatus sprach zu ihnen: PILATUS Nehmet ihr ihn hin und kreuziget ihn; 14
21g. Rezitativ EVANGELIST Da Pilatus das Wort hörete, fürchtet’ er sich noch mehr und ging wieder hinein in das Richthaus und spricht zu Jesu: PILATUS Von wannen bist du? EVANGELIST Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: PILATUS Redest du nicht mit mir? Weissest du nicht, dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht habe, dich loszugeben? EVANGELIST Jesus antwortete: JESUS Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum, der mich dir überantwortet hat, der hat’s grössre Sünde. EVANGELIST Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn losliesse. 22. Choral Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn, Muss uns die Freiheit kommen;
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Dein Kerker ist der Gnadenthron, Die Freistatt aller Frommen; Denn gingst du nicht die Knechtschaft ein, Müsst unsre Knechtschaft ewig sein.
EVANGELIST Die Hohenpriester antworteten:
23a. Rezitativ EVANGELIST Die Jüden aber schrieen und sprachen:
23g. Rezitativ EVANGELIST Da überantwortete er ihn, dass er gekreuziget würde. Sie nahmen aber Jesum und führeten ihn hin. Und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heisset Schädelstätt, welche heisset auf Ebräisch: Golgatha.
23b. Chorus Lässest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum Könige machet, der ist wider den Kaiser. 23c. Rezitativ EVANGELIST Da Pilatus das Wort hörete, führete er Jesum heraus, und satzte sich auf den Richtstuhl, an der Stätte, die da heisset: Hochpflaster, auf Ebräisch aber: Gabbatha. Es war aber der Rüsttag in Ostern um die sechste Stunde, und er spricht zu den Jüden: PILATUS Sehet, das ist euer König! EVANGELIST Sie schrieen aber: 23d. Chorus Weg, weg mit dem, kreuzige ihn! 23e. Rezitativ EVANGELIST Spricht Pilatus zu ihnen: PILATUS Soll ich euren König kreuzigen?
23f. Chorus Wir haben keinen König denn den Kaiser.
24. Arie (S/A/T) Eilt, ihr angefochtnen Seelen, Geht aus euren Marterhöhlen, Eilt – Wohin? – nach Golgatha! Nehmet an des Glaubens Flügel, Flieht – Wohin? – zum Kreuzeshügel, Eure Wohlfahrt blüht allda. 25a. Rezitativ EVANGELIST Allda kreuzigten sie ihn, und mit ihm zween andere zu beiden Seiten, Jesum aber mitten inne. Pilatus aber schrieb eine Überschrift und satzte sie auf das Kreuz, und war geschrieben: «Jesus von Nazareth, der Jüden König». Diese Überschrift lasen viele Jüden, denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreuziget ist. Und es war geschrieben auf ebräische, griechische und lateinische Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Jüden zu Pilato: 15
25b. Chorus Schreibe nicht: der Jüden König, sondern dass er gesaget habe: Ich bin der Jüden König. 25c. Rezitativ EVANGELIST Pilatus antwortet: PILATUS Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. 26. Choral In meines Herzens Grunde Dein Nam’ und Kreuz allein Funkelt all Zeit und Stunde, Drauf kann ich fröhlich sein. Erschein mir in dem Bilde Zu Trost in meiner Not, Wie du, Herr Christ, so milde Dich hast geblut' zu Tod!
TOD JESU (Johannes 19, 23 – 130) 27a. Rezitativ EVANGELIST Die Kriegsknechte aber, da sie Jesum gekreuziget hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, einem jeglichen Kriegesknechte sein Teil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewürket durch und durch. Da sprachen sie untereinander: 27b. Chorus Lasset uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wes er sein soll. 16
27c. Rezitativ EVANGELIST Auf dass erfüllet würde die Schrift, die da saget: «Sie haben meine Kleider unter sich geteilet und haben über meinen Rock das Los geworfen». Solches taten die Kriegesknechte. Es stund aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, Kleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter sahe und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: JESUS Weib, siehe, das ist dein Sohn. EVANGELIST Darnach spricht er zu dem Jünger: JESUS Siehe, das ist deine Mutter! 28. Choral Er nahm alles wohl in acht In der letzten Stunde, Seine Mutter noch bedacht, Setzt ihr ein Vormunde. O Mensch, mache Richtigkeit, Gott und Menschen liebe, Stirb darauf ohn alles Leid, Und dich nicht betrübe! 29. Rezitativ EVANGELIST Und von Stund an nahm sie der Jünger zu sich. Darnach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, dass die Schrift erfüllet würde, spricht er: JESUS Mich dürstet.
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EVANGELIST Da stund ein Gefässe voll Essigs. Sie fülleten aber einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Isopen, und hielten es ihm dar zum Munde. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: JESUS Es ist vollbracht!
Jesu, der du warest tot, Lebest nun ohn Ende, In der letzten Todesnot, Nirgend mich hinwende Als zu dir, der mich versühnt, O du lieber Herre! Gib mir nur, was du verdient, Mehr ich nicht begehre!
30. Arie (A) Es ist vollbracht! O Trost vor die gekränkten Seelen! Die Trauernacht Lässt nun die letzte Stunde zählen. Der Held aus Juda siegt mit Macht Und schliesst den Kampf. Es ist vollbracht!
GRABLEGUNG (Matthäus 27, 51 – 152; Johannes 19, 31 – 132)
31. Rezitativ EVANGELIST Und neiget das Haupt und verschied. 32. Arie (B und Chor) Mein teurer Heiland, lass dich fragen, Da du nunmehr ans Kreuz geschlagen Und selbst gesagt: Es ist vollbracht, Bin ich vom Sterben frei gemacht? Kann ich durch deine Pein und Sterben Das Himmelreich ererben? Ist aller Welt Erlösung da? Du kannst vor Schmerzen zwar nichts sagen; Doch neigest du das Haupt Und sprichst stillschweigend: ja.
33. Rezitativ EVANGELIST Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stück von oben an bis unten aus. Und die Erde erbebete, und die Felsen zerrissen, und die Gräber täten sich auf, und stunden auf viel Leiber der Heiligen. 34. Arioso (T) Mein Herz, in dem die ganze Welt Bei Jesu Leiden gleichfalls leidet, Die Sonne sich in Trauer kleidet, Der Vorhang reisst, der Fels zerfällt, Die Erde bebt, die Gräber spalten, Weil sie den Schöpfer sehn erkalten, Was willst du deines Ortes tun? 35. Arie (S) Zerfliesse, mein Herze, in Fluten der Zähren dem Höchsten zu Ehren! Erzähle der Welt und dem Himmel die Not: Dein Jesus ist tot!
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36. Rezitativ EVANGELIST Die Jüden aber, dieweil es der Rüsttag war, dass nicht die Leichname am Kreuze blieben den Sabbath über (denn desselbigen Sabbaths Tag war sehr gross), baten sie Pilatum, dass ihre Beine gebrochen und sie abgenommen würden. Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem ersten die Beine und dem andern, der mit ihm gekreuziget war. Als sie aber zu Jesu kamen, da sie sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern der Kriegsknechte einer eröffnete seine Seite mit einem Speer, und alsobald ging Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein Zeugnis ist wahr, und derselbige weiss, dass er die Wahrheit saget, auf dass ihr gläubet. Denn solches ist geschehen, auf dass die Schrift erfüllet würde: «Ihr sollet ihm kein Bein zerbrechen.» Und abermal spricht eine andere Schrift: «Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben.» 37. Choral O hilf, Christe, Gottes Sohn, Durch dein bitter Leiden, Dass wir dir stets untertan All Untugend meiden, Deinen Tod und sein Ursach Fruchtbarlich bedenken, Dafür, wiewohl arm und schwach, Dir Dankopfer schenken! 18
38. Rezitativ EVANGELIST Darnach bat Pilatum Joseph von Arimathia, der ein Jünger Jesu war (doch heimlich, aus Furcht vor den Jüden), dass er möchte abnehmen den Leichnam Jesu. Und Pilatus erlaubete es. Derowegen kam er und nahm den Leichnam Jesu herab. Es kam aber auch Nikodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu kommen war, und brachte Myrrhen und Aloen untereinander bei hundert Pfunden. Da nahmen sie den Leichnam Jesu, und bunden ihn in leinen Tücher mit Spezereien, wie die Jüden pflegen zu begraben. Es war aber an der Stätte, da er gekreuziget ward, ein Garten, und im Garten ein neu Grab, in welches niemand je geleget war. Daselbst hin legten sie Jesum, um des Rüsttags willen der Jüden, dieweil das Grab nahe war. 39. Chorus Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine, Die ich nun weiter nicht beweine, Ruht wohl und bringt auch mich zur Ruh! Das Grab, so euch bestimmet ist, Und ferner keine Not umschliesst, Macht mir den Himmel auf und schliesst die Hölle zu. 40. Choral Ach Herr, lass dein lieb Engelein Am letzten End die Seele mein In Abrahams Schoss tragen, Den Leib in sei’m Schlafkämmerlein Gar sanft, ohn ein’ge Qual und Pein,
Programm 16.04.2022 | Ach, grosser König
Ruhn bis am jüngsten Tage! Alsdenn vom Tod erwecke mich, Dass meine Augen sehen dich In aller Freud, o Gottes Sohn, Mein Heiland und Genadenthron! Herr Jesu Christ, erhöre mich, erhöre mich, Ich will dich preisen ewiglich!
Es gibt in diesem Stück viele Heimlichtuereien und gleichzeitig diese unverhohlene Brutalität, als wäre es eine Geschichte aus heutiger Zeit. Bach möchte den Zwiespalt von Menschen zeigen, deren Herz weiss, was richtig ist, die aber unter gesellschaftlichem Druck stehen oder um ihren Ruf fürchten. Das ist kein Stück für Leute, die alles zu wissen meinen, sondern eines für Suchende, für Menschen, die immer wieder von vorne anfangen. Regisseur Peter Sellars über die Johannes-Passion
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Christoph Prégardien gilt als einer der bedeutendsten lyrischen Tenöre unserer Zeit. Er wurde 1956 in Limburg an der Lahn geboren und sang als Kind bei den Limburger Domsing knaben. Er studierte Gesang in Frankfurt/M., in Stuttgart und in Mailand mit Schwerpunkt Liedgesang bei Hartmut Höll. 1983 hatte er auf Empfehlung von Michael Gielen sein erstes Engagement an der Oper Frankfurt. In den Achtzigerjahren begann Christoph Prégardien, © Hans Morren eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Michael Gees und Andreas Staier, mit denen Prégardien zahlreiche erfolgreiche CDProduktionen einspielte, insbesondere von Schubert-Liedern. Er gastierte in verschiedenen Rollen an zahlreichen Opernhäusern, sein Schwerpunkt liegt jedoch im Fach Lied und Oratorium. Sein Repertoire umfasst alle Epochen. Von 2000 bis 2005 leitete er eine Gesangsklasse an der Hochschule für Musik und Theater Zürich, seit Herbst 2004 ist er Professor an der Musikhochschule Köln. Sein Sohn Julian Prégardien ist ebenfalls lyrischer Tenor.
Marie Heeschen, © Annika Nagel
Marie Heeschen studierte an der Hochschule für Musik und Tanz Köln bei Christoph Prégardien sowie in der Klasse von David Smeyers Interpretation Neue Musik, darüber hinaus erlangte sie ihr Konzertexamen bei Barbara Maurer an der Folkwang Universität der Künste. Meisterkurse und Unterricht bei Klesie Kelly-Moog u. a. ergänzten ihre Ausbildung. Die vielseitige Sopranistin ist in allen Genres der klassischen Musik zu hören. Als Solistin wirkte sie bei diversen Konzerten und Operninszenierungen der Händelfestspiele Halle, dem Ensemble Resonanz Hamburg und auf diversen Rundfunksendern mit. Mit ihrem Neue Musik Ensemble BRuCH erhielt sie mehrere Stipendien.
Margot Oitzinger, geboren in Graz (Österreich) studierte Konzertfach Gesang an der Musikuniversität ihrer Heimatstadt und schloss mit Auszeichnung ab. Schon in ihrer Studienzeit stand für sie fest, sich auf Alte Musik spezialisieren zu wollen. Meisterkurse und Seminare besuchte sie dafür bei Emma Kirkby und Jill Feldman. Sowohl als Konzertsängerin als auch als Operninterpretin von Renaissance bis Frühklassik ist Margot Oitzinger sehr gefragt. Polyphones- sowie frühbarockes Ensemblesingen («Les solistes de Collegium Vocale Gent» unter Philippe Herreweghe, «Abendmusiken in der Predigerkirche» unter Jörg-Andreas Bötticher etc.) stehen für sie ebenso an der Tagesordnung, wie die Werke hochbarocker Meister als Solistin. Ihre Arbeit sowohl von Oratorien, Opern als auch Ensembles ist auf zahlreichen CD-Aufnahmen (Harmonia Mundi, Phi, cpo, u. v. m.) dokumentiert. Margot Oitzinger 20
Programm 16.04.2022 | Ach, grosser König
Der gebürtige Hamburger Bariton und Sängerknabe des Hamburger Knabenchores Martin Berner studierte zunächst an der Musikhochschule seiner Heimatstadt bei Wolfgang Löser und Burkhard Kehring (Liedklasse). Sein Konzertexamen machte er an der Musikhochschule Mannheim in der Klasse von Rudolf Piernay. Meisterkurse bei Irwin Gage und Pierre Vallet rundeten seine Ausbildung ab. Er ist Stipendiat des Richard-WagnerMartin Berner, © Diba Verbandes, des «Steans Institute for Young Artists» (Ravinia Festival Chicago) und der Internationalen Bachakademie Stuttgart, sowie Preis träger zahlreicher Wettbewerbe. Martin Berner sang neben den grossen Mozart-Partien (Papageno, Don Giovanni, Il Conte) auch italienisches und fran zösisches Repertoire (Belcore, Marcello, Valentin und Guillaume Tell). Er gastiert an zahlreichen Opernhäusern. Simon Bode gehört zu den vielgefragten lyrischen Tenören seiner Generation und ist sowohl auf der Opernbühne als auch im Konzertfach präsent. Der junge Tenor ist regelmässig zu Gast bei internationalen Festivals, zu seinen Kammermusikpartnern gehören die Pianisten Igor Levit, Graham Johnson und Nicholas Rimmer, sowie die Bajanistin Elsbeth Moser. Er war Ensemblemitglied der Oper Frankfurt und der Niedersächsischen Staats oper Hannover und wurde in der Jahresumfrage der Zeitschrift Opernwelt schon früh und mehrfach als Nachwuchssänger des Simon Bode, © Nicolas Kroeger Jahres nominiert. Sein breites Repertoire reicht von Bach bis zur Moderne. Simon Bode ist Preisträger nationaler und internationaler Wett bewerbe und studierte bei Prof. Charlotte Lehmann in Hannover und Neil Semer in New York. Der Bassist Yorck Felix Speer erhielt seine Gesangsausbildung an den Musik hochschulen in Hamburg und Lübeck bei Theodor Greß, Alan Speer und Hanna Schwarz. Er war Meisterkursschüler bei Brigitte Fassbaender und Andreas Schmidt. Er arbeitet mit unterschiedlichen Dirigenten wie u. a. François-Xavier Roth (Tannhäuser), Markus Poschner (Beethoven IX.), Christoph Prégardien (Johannes-Passion) und Philippe Herreweghe (Schöpfung) zusammen. Speer konzertiert u. a. mit dem DSO Berlin, dem Orchestre des Champs-Elysées Paris und der Staatskapelle Berlin. Er tritt an zahlreichen internationalen Festivals auf, u. a. im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik festivals, des Rheingau Musikfestivals, des Festival de Beaune, der Weilburger Schlosskonzerte, der Dresdner Musikfestspiele, der Ansbacher Bachtage, der Schwetzinger Festspiele, der Festspiele Herrenchiemsee und dem Budapest Spring Festival. Yorck Felix Speer 21
Der RIAS Kammerchor Berlin zählt zu den weltweit führenden Profichören. Zahlreiche Auszeichnungen dokumentieren die internationale Reputation, darunter der Preis der Deutschen Schallplattenkritik, ECHO Klassik, Rias Kammerchor Berlin Gramophone Award, Choc de l’année, Prix Caecilia oder der Ehrenpreis «Nachtigall» der Jury des Preises der Deutschen Schallplattenkritik. 34 professionell ausgebildete SängerInnen bilden den multinationalen Klangkörper. Massgeblich bekannt ist der RIAS Kammerchor Berlin für sein präzises Klangbild. Das Repertoire erstreckt sich von historisch informierten Renaissance- oder Barock-Interpretationen über Neudeutungen von Werken der Klassik und Romantik bis hin zu regelmässigen Uraufführungen. Regelmässige Kooperationen bestehen mit bedeutenden Ensembles wie der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Chamber Orchestra of Europe und dem Freiburger Barockorchester sowie Dirigenten wie Sir Simon Rattle, René Jacobs, Yannick Nézet-Séguin, Iván Fischer und Rinaldo Alessandrini. Das Kammerorchester Basel, eines der führenden Kammerorchester des internationalen Musiklebens, gastiert regelmässig auf den wichtigsten Festivals und in den weltweit bedeutendsten Konzerthäusern wie Elbphilharmonie Hamburg oder Theater an der Wien. Eine eigene Konzertreihe verbindet das Ensemble mit seiner Heimat Basel, wo es im Stadtcasino konzertiert und im neuen Musik- und Kulturzentrum Don Bosco Basel beheimatet ist. Eine Diskographie mit über 30 preisgekrönten Einspielungen zeugt von der Qualität des Klangkörpers. Für ihre historisch informierten Interpretationen wurde das Ensemble mehrfach mit dem ECHO Klassik gekürt und 2019 als erstes Orchester mit einem Schweizer Musikpreis ausgezeichnet. Das Kammerorchester Basel arbeitet mit KünstlerInnen wie Sol Gabetta, Nuria Rial und René Jacobs zusammen. Unter der Leitung seiner KonzertmeisterInnen sowie unter der Stabführung ausgewählter Dirigenten präsentiert das Orchester sein breites Repertoire von Barock bis hin zu zeitgenössischer Musik. Seit 2019 ist die Clariant Foundation Presenting Sponsor des Kammerorchester Basel. Kammerorchester Basel, ©Sandro Isler (nougat.ch) / Matthias Müller
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Programm 16.04.2022 | Ach, grosser König
Chemistry Is the Science of Change The perfect combination of harmony, tempo, and rhythm creates music that moves us. Likewise, if we want to get something moving in terms of climate change, we need science-based targets. To keep global warming well below 2°C, we will reduce absolute Scope 1 and 2 greenhouse gas emissions by 40% and Scope 3 from purchased goods and services by 14% by 2030. Setting targets that are grounded in climate science is our contribution to a net-zero economy. Follow us Into the New on reports.clariant.com
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Nächste Konzerte Fr 29.4.2022 – 21.00 Uhr, Don Bosco Basel
Fr 3.6.2022 – 21.00 Uhr, Don Bosco Basel
Nachtklang EIN MUSIKALISCHER SPASS W. A. Mozart: Divertimento in F-Dur «Ein musikalischer Spass», u. a.
Nachtklang NON, JE NE REGRETTE RIEN Chansons von Edith Piaf
Fr 27.5.2022 – 19.30 Uhr, Stadtcasino Basel ZIEMLICH BESTE FREUNDE L. v. Beethoven: Konzert für Klavier, Violine, Violoncello und Orchester «Tripelkonzert»; Sinfonie Nr. 5 in c-Moll Isabelle Faust Violine, Sol Gabetta Violoncello, Kristian Bezuidenhout Klavier, Giovanni Antonini Leitung Weitere Konzerte: Ludwigshafen (BASF Feierabendhaus), Ludwigsburg (Forum am Schlosspark), Luzern (KKL), München (Isarphilharmonie), Berlin (Philharmonie) Do 2.6.2022 – 19.30 Uhr, Musikakademie SCHLUSSKONZERT 2022 Mit Studierenden der Musikakademie Basel, FHNW
Do 9.6.2022 – 20.00 Uhr, Don Bosco Basel DON BOSCOS GARDEN | Konzertlaboratorium Das Kammerorchester Basel sucht in einem musikalischen Labyrinth nach der Vereinigung von Barockarien und experimenteller Musik. Baptiste Lopez Violine und Leitung, Giulia Semenzato Sopran, Interventionen : Trio Dangel, Oron, Preyer, Stefan Giger Szenograf und Lichtdesigner, Anne-May Krüger Stimmperformerin Mi 29.6.2022, Do 30.6.2022, REHAB Basel DER TAG, DA WIR NICHTS VONEINANDER WUSSTEN. Ein Vermittlungsprojekt mit PatientInnen des REHAB Basel. Musik aus D. Milhaud : La Création du monde op. 81 Salomé Im Hof Regie, Ana López Choreografie
Wählen Sie Ihre Lieblingskonzerte und buchen Sie Ihre Tickets: www.kammerorchesterbasel.ch | 061 306 30 44 (Mo – Do, 10.30 – 12.30 Uhr) oder bei Bider und Tanner
Impressum Herausgeber Geschäftsleitung Redaktion
Kammerorchester Basel Marcel Falk Peter Dellbrügger, Anna Maier
Texte Design Druck
Sigfried Schibli Stadtluft Druckerei Thoma AG
Inhaber von Urheberrechten, die wir nicht ermitteln konnten, werden wegen nachträglicher Rechtsabgeltung um Nachricht gebeten.