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Magazin_1_2019

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MAGAZIN 1/2019 SCHWEIZER MUSIKPREIS 2019

MAGAZINE


1 / 2019

Das Programm der Saison 2019 - 2020 ist da! Sichern Sie jetzt Ihr Abo! The 2019 - 2020 season program is here! Get your subscription now!

Konzert 1

Konzert 2

Konzert 3

Sa 7.9.2019

Mi 13.11.2019

Mo 25.11.2019

Wolfgang Amadeus Mozart Divertimenti KV 136 und 137, Franz Liszt Les jeux d’eaux à la Villa d’Este, u.a., Béla Bartók Divertimento für Streichorchester

Gabriel Fauré Masques et Bergamasques, Wolfgang Amadeus Mozart Klavierkonzert d-Moll, Gabriela Montero Improvisation für Klavier solo, Darius Milhaud Le bœuf sur le toit

Barocke Arien und Werke von Carlo Francesco Pollarolo, Nicola Antonio Porpora, Johann Adolph Hasse, Georg Friedrich Händel, Leonardo Leo und Giovanni Porta

Bertrand Chamayou Klavier Baptiste Lopez Violine und Leitung

Gabriela Montero Klavier Daniel Bard Violine und Leitung

Olena Tokar Sopran, Terry Wey Countertenor, Julia Schröder Violine und Leitung

19.30 Uhr, Martinskirche Basel

19.30 Uhr, Martinskirche Basel

Konzert 4

Konzert 5

19.30 Uhr, Peterskirche Basel

Konzert 6

Do 23.1.2020

Mo 9.3.2020

So 5.4.2020

Igor Strawinsky Concerto in Re, Wolfgang Rihm Concerto en Sol für Sol Gabetta (UA), Felix Mendelssohn Bartholdy Sinfonie Nr. 3 a-Moll

Othmar Schoeck Elegie, Franz Schubert Nonett in es-Moll «Franz Schuberts Begrä­b­nis-Feyer», Heinz Holliger «N.N.», zum Nonett «Franz Schuberts Begräbnis-Feyer» (UA)

Joseph Haydn Salve Regina in g-Moll, Stabat mater für 4 Solisten, Chor und Orchester

Sol Gabetta Violoncello Sylvain Cambreling Leitung

Christian Gerhaher Bariton Heinz Holliger Leitung

Zürcher Sing-Akademie, Birgitte Christensen Sopran, René Jacobs Leitung

19.30 Uhr, Martinskirche Basel

19.30 Uhr, Martinskirche Basel

18.00 Uhr, Peterskirche Basel

Unsere Abonnemente Kennenlern-ABO ab CHF 69.– (Konzerte 1, 3 und 5)

ABO «Historisch gehört» ab 85.– (Konzerte 3, 6 und 8) Konzert 7

Do 23.4.2020

Nr. 12

19.30 Uhr, Martinskirche Basel Joseph Haydn Sinfonie Nr. 69 C-Dur, Sinfonie Nr. 61 D-Dur und Sinfonie Nr. 66 B-Dur

Giovanni Antonini Leitung

Konzert 8

ABO 8 ab 207.– (Konzerte 1 - 8)

Sa 16.5.2020

ABO 7 ab 186.– (Konzerte 1, 2, 4 - 8)

Konzertante Oper

ABO 6/7 aus 8 (Preisreduktion ggü. Einzeltickets: 20 %)

Georg Friedrich Händel «Alessandro», Oper in drei Akten

Verkaufsstellen für Tickets und Abos: www.kammerorchesterbasel.ch www.kulturticket.ch, Tel. 0900 585 887 (1.20 CHF/Min) Bider & Tanner – Ihr Kulturhaus in Basel Poetenäscht Liestal Die Sichelharfe Arlesheim

19.30 Uhr, Peterskirche Basel

Bejun Mehta Countertenor — Alessandro Julia Lezhneva Sopran — Lisaura Diego Fasolis Leitung

ABO 5 ab 143.– (Konzerte 1, 2, 4, 5, 8) ABO 4/5 aus 8 (Preisreduktion ggü. Einzeltickets: 15 %)


Ein Füllhorn der Gaben A cornucopia of talents Nun dürfen wir uns also auch zum illustren Kreis der Geehrten zählen: Als erstes Schweizer Orchester erhält das Kammerorchester Basel einen Schweizer Musikpreis des Bundesamtes für Kultur – darauf bilden wir uns etwas ein und das geniessen wir. «Ausgezeichnete Programme und neue Formen der Vermittlung» werden da ganz besonders her­ vorgehoben. Es freut uns sehr, dass unsere beharrliche Arbeit ihren Widerhall findet und unsere klare künst­lerische Haltung von höchster nationaler kulturpolitischer Instanz gewürdigt wird. Und dazu noch eine Huldigung ganz anderer Art: Gleich mit drei unterschiedlichen Tonträgern sind wir für den Opus Klassik-Preis 2019 nominiert, der definitive Entscheid folgt im Septem­ber. CD-Aufnahmen fürs inter­ natio­nale Marketing und als Imageträger – hier zeigt sich ein in diesen Zeiten wichtiger Aspekt unserer regen Aufnahmetätigkeit, auf den wir in diesem Magazin näher eingehen (Seite 14). Derartige Ehrerbietungen sind im Übrigen genauso wie konstruktiv geäusserte Kritik immer eine Art Kompass, die den Kurs des Kammer­ orchester Basel mitbestimmen. Wohin wollen wir uns künstlerisch entwickeln? Was gibt es in der klas­sischen Konzertliteratur Neues zu entdecken und wie können wir dieses mit unserer musikalischen Hand­schrift versehen? Welche Rolle kommt darin der Musikvermittlung zu? Und gleichzeitig: Wie gelingt es uns, für unsere Konzertprojekte die notwendigen Partnerinnen und Partner auf dem internationalen Parkett, aber auch wichtige Unterstützerinnen und Unterstützer und vor allem ein Publikum auf einem hochattraktiven wie hart um­kämpf­ ten Kulturplatz Basel zu erlangen? Einige Antworten liefert unser Programm der kommenden Wochen: Da schliessen wir mit einem konzertanten «Don Giovanni» in Wien und Bukarest das erste Kapitel unserer Mozart-Da-Ponte-Trilogie ab und starten zusam­men mit dem Pianisten Piotr Anderszewski und Kon­ zerten in New York unseren ersten Erobe­rungs­versuch in die neue Welt (Seite 17). Und auf die Uraufführung eines Kom­po­sitionsauftrags an Wolfgang Rihm im Januar 2020 sind wir ganz be­ sonders gespannt (Seite 9).

Now we can safely say we have finally become a member of this illustrious club: the Basel Chamber Orchestra is the first Swiss orchestra to receive the Swiss Music Prize awarded by the Federal Office of Culture – more than enough reason to be proud and to relish this honour. Particular aspects highlighted are the orchestra’s “Outstanding pro­ gramme and new forms of conveying musical emotions”. We are extremely happy that our steadfast efforts have been recognised and that our clear-cut artistic approach has been honoured by the highest national cultural and political authority. And on top of that another homage of a completely different nature: together with three different recordings we have been nominated for the Opus Klassik Award 2019, the final decision will be taken in September. CD recordings for the international market and as a way of promoting one’s image – an important aspect nowadays of our busy recording schedule about which we will say more in this magazine (page 14). Moreover, such honours, in the same way as constructive criticism, are also help to map out the path that should be followed by the Basel Chamber Orchestra. In which direction do want to develop artistically? What else is there left to discover in the classical repertoire and how can we add our personal musical signature. What role should be assigned to the task of getting music across? And at the same time: How should we go about securing not only the partners we require for our musical projects in the international arena, but also important patrons and above all an audience for a highly attractive yet extremely competitive cultural scene such as Basel? Some answers to these questions can be found in our programme for the coming weeks. With our concertante performance of Don Giovanni in Vienna and Bucharest we close the first chapter of our Mozart-Da Ponte trilogy, and together with the pianist Piotr Anderszewski and a number of concerts in New York, we embark upon our first attempt to conquer the New World (page 17). We are especially looking forward to the premiere of a commissioned work by Wolfgang Rihm in January 2020 (page 9).

Das alles geht, oder besser, ginge auch ohne Aus­ zeichnungen. Doch der Preis adelt (und dies nicht nur den Nehmer), die mediale Aufmerksamkeit ist uns gewiss. Allein: Unser Publikum überzeugen und unsere hohen Ansprüche einlösen – das müs­ sen wir schon selbst, in jedem Konzert und immer wieder aufs Neue. Mit ein wenig Anerken­nung im Rücken, und dies ganz ohne Gegen­leistung, geht das Ganze ungleich gelassener. Also erfreuen wir uns einfach daran. Marcel Falk Geschäftsführer Kammerorchester Basel Cover: Konzertmeister Daniel Bard während einer Aufführung in der Basler Martinskirche.

All of this can or rather could be achieved without any special distinctions. But the kudos associated with awards is irresistible (not only from the winner’s point of view), we are well aware of the importance of media attention. It’s just that we are responsible for convincing our audience and meeting our high standards, at every concert and time and time again. All of which is much easier with a little pat on our backs every now and then, even in the absence of any reward for our efforts. Marcel Falk Geschäftsführer Kammerorchester Basel Marcel Falk Director of Basel Chamber Orchestra

Marcel Falk Director of Basel Chamber Orchestra Cover: leader (concertmaster) Daniel Bard during a premiere at St. Martin’s Church in Basel. 3


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Wo bleibt der bloss? Where on earth is he? Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel – sie wurden im selben Jahr geboren, wurden beide weltberühmt und sind sich gleichwohl nie begegnet. Der Schriftsteller Karl-Heinz Ott weiss, was Bach beim Warten auf Händel empfand.

Johann Sebastian Bach and George Frideric Handel – they were born in the same year, both attained worldwide fame yet never met. The writer KarlHeinz Ott knows how Bach felt while he was waiting for Handel.

Wo bleibt der bloss? Am Ende bist du wieder umsonst hergefahren, wie schon vor Jahren. Er sei längst weg, hiess es damals. Auf und davon, über alle Berge. Wie lang ist das her? Zwanzig Jahre oder mehr? Wie lang braucht man heutzutage noch nach London? Keine vier Wochen mehr wahrscheinlich, die Strassen sind jetzt viel besser. Die Leute reisen ja ständig, von hier nach da, da nach dort. Einmal im Leben wärst du auch gern auf dem Meer gewesen, nicht bloss auf einer Elbfähre. Andrerseits, die Leute sollen ja ständig brechen auf diesen Schiffen, sterbenselend sei es denen, gelb seien die im Gesicht und grün. Allerdings dauert’s nach England hinüber nicht lang, bloss einen Tag, heisst es, man könne das andre Ufer sehen, von Anfang an, weisse Felswände, ganz aus Kalk.

Where on earth is he? So I’ve also come here for nothing, the same thing happened years ago? He departed long ago, they said at the time. He upped sticks and left, over the hills and far away. How long ago was that then? Twenty years or more? How long do you need now to get to London? Almost certainly not four weeks, nowadays the roads are much better. People travel all the time, from a to b, and from b to c. I’m sure you’d like to go on a sea journey at least once in your life, it doesn’t compare to a mere boat trip on the Elbe. There again, people are always throwing up on these ships, they feel wretched, their faces turn yellow and green. In any case it doesn’t take long to travel to England, just one day apparently, you can see the other shore from the very start, white cliffs, made entirely of chalk.

Man kann sich’s kaum vorstellen: die grösste Stadt der Welt, über eine halbe Million Leute wohnen dort, mit zwei Opernhäusern, weiss Gott wie vielen Kirchen, Leute aus aller Herren Länder, Strassen so breit wie Felder, Tausende von Kutschen, Schenken so viele wie in Leipzig Häuser, aber auch Mord und Totschlag an allen Ecken und Enden. Will man da leben? Ein einziges Mal möcht man dort gewesen sein, ein einziges Mal! Aber ob’s so schön ist wie Dresden? In Dresden wärst du gern gewesen! Hast für den August extra eine Kantate geschrie­ ben: «August lebe, lebe König!», eine Kantate für seinen Geburtstag, mit Pauken und Trompeten, fanfarischer als das Weihnachtsoratorium. Auch die h-moll Messe war für ihn, nach katholischem Ritus, hat aber alles nichts genützt. Vielleicht hat der August gedacht: Der Bach kann keine Opern, jedenfalls nicht wie der Händel. Dabei machst du in deinen Oratorien das Gleiche: Rezitativ und Arie, Chor und Solo, hin und her, her und hin, so wie auch in deinen Kantaten. Drum schimpfen ja so viele und sagen, das klinge nicht fromm genug. Ja wie hätten sie’s denn gern, diese Herren? Brav und streng und steif und hölzern? Der Händel hat ganz andre Freiheiten. Wo bleibt der bloss?

It beggars the imagination: the largest city in the world, over half a million people live there, with two opera houses, God knows how many churches, people from all corners of the world, streets as wide as fields, thousands of carriages, as many inns as there are houses in Leipzig, but also murders and assassinations wherever you look. Do you want to be exposed to that? You’d want to visit at least once, just once! But is it as nice as Dresden? I’m sure you would have liked to have been in Dresden! You wrote a cantata specially for August (August II the Strong, Elector of Saxony): ‘August lebe, lebe König!’, a cantata for his birthday, with trumpets and timpani, more fanfare-laden than your Christmas Oratorio. The Mass in B Minor was composed for him, for the Catholic mass, but all in vain. Perhaps August thought: Bach can’t write operas, at least not like Handel. But you do the very same thing in your oratorios: recitative and aria, chorus and solo, back and forth, to and fro, just like in your cantatas. People moan about them, saying they don’t sound pious enough. Well how would they have done it, these ‘experts’? Well-mannered and austere, stiff and wooden? Handel allows himself a freer hand. Where on earth is he?

«Schlummert ein, ihr matten Augen», schöner könnt’ auch keine Opernarie klingen. Den Leuten sind die Tränen gekommen letzten Sonntag, bloss kriegt man halt keinen Applaus in der Kirche. Andrerseits herrscht dort wenigstens Stille, egal, ob’s den Leuten gefällt oder nicht. In der Oper schwätzt das Publikum und vespert, nicht bloss, wenn’s ihm langweilig ist. Bei dir hören sie wenigstens zu, auch wenn sie’s nicht mögen. Der

Johann Sebastian Bach schrieb keine Opern, aber sehr viel dramatische Musik. Johann Sebastian Bach didn’t write any operas, but he did write a lot of dramatic music.

‘Slumber, my weary eyes’, no opera aria could sound better. People’s eyes were filled with tears last Sunday, it’s just that nobody applauds in a church. Although at least it’s tranquil there, regardless of whether or not people like the work. At operas audiences chat and eat snacks, not only because they’re bored. In your case at least they listen, even if they don’t like what they’re


Händel sei richtig reich geworden, heisst es. Das passiert einem in der Kirche nicht, in Dresden am Hof wär’s besser gewesen, aber der August hat halt gedacht: Der Bach kann bloss Kontrapunkt, und Kontrapunkt will man in der Oper nicht, da hat man’s gern eingängig. Allerdings soll’s auch in London nicht mehr gut laufen mit der Oper, Händel soll inzwischen Oratorien schreiben. Schon in Rom hätten seine Oratorien geklungen wie Opern, heisst es, für beide habe er die gleichen Arien ge­ nommen, bloss mit anderem Text. So wie das unsereins ja auch macht. Aus «Mein Gmüth ist mir verwirret, das macht ein Jungfrau zart» hast du «O Haupt voll Blut und Wunden» gemacht, «Innsbruck ich muss dich lassen» hast du in «Wer hat dich so geschlagen?» verwandelt.

hearing. They say Handel has become very rich. That doesn’t happen in a church, it would have been better in Dresden at the court, but August simply thought: Bach can only do counterpoint, and you don’t want counterpoint in an opera, a Karl Heinz Ott single melody is better there. Anyway, apparently ist Schriftsteller und Dramaturg. Er operas are no longer faring too well in London, schrieb mehrere Romane und Sachthey say Handel is now writing oratorios. They bücher über Händel und Beethoven. say that in Rome his oratorios sounded like operas, he took the same arias for both, simply Karl Heinz Ott changing the libretto. Just as we have done. You is an author and dramatic advisor. He took ‘Mein Gmüth ist mir verwirret, das macht ein has written several novels and nonJungfrau zart’ (My mind is muddled, all the fault fiction books on Handel and Beethoven. of a tender maid) and changed it into ‘O Haupt voll Blut und Wunden’ (O Sacred Head, so bloodied and sore), you changed ‘Innsbruck ich muss dich lassen’ (Innsbruck, I must leave you) into ‘Wer hat dich so geschlagen’ Wo bleibt der bloss? Da fährt man extra aus Leipzig hierher, schon zum (Who struck you in this way)? zweiten Mal. Will der Händel mich nicht sehen? Man hat doch nie Streit gehabt, man kennt sich nicht einmal, obwohl man sich kennt, bloss halt Where on earth is here? I’ve come here on purpose from Leipzig, for nicht von Angesicht zu Angesicht. Da fährt man extra nach Halle, im the second time. Doesn’t Handel want to see me? We’ve never Café Zimmermann wär’s schöner gewesen, da hätten wir zusammen quarrelled, we don’t even know each other, although we are aware of musizieren können. Aber nach Leipzig fährt der Händel nicht, da gibt’s each other’s existence, it’s just that we haven’t met face-to-face. I take keine Oper. Theaterleben wär nichts für dich, hat mein Weib immer the trouble to go to Halle, it would have been nicer at Café Zimmermann, gesagt. Der Händel hat keine Frau, heisst es. Obwohl’s doch hoch her­ we could have played together there. But Handel won’t go to Leipzig, geht im Theater. Da kommen einem schon Gedanken, ob man will oder there’s no opera house there. The theatre is not for you, that’s what my nicht. Würdest du es merken, wenn er dir gegenübersitzt? Und sei’s an wife always says. Handel is not married, apparently. Even though seinem Blick? Oder an sonst was? Würde der reden wie Kastraten, mit things get really lively at the theatre. It makes you think, whether you Fistelstimme und ständig mit Singsang, auch wenn’s bloss ums Wetter want to or not. Would you notice if he was sitting opposite you? If only geht? Dick soll er sein, furchtbar dick, so dick wie ein runder Tisch, it was something in his gaze? Or some other feature? Would he speak essen wie ein Scheunendrescher und nicht weniger trinken. like a castrato, in a falsetto and in a sing-song voice all the time, even though you were only chatting about the weather? They say he’s fat, In London soll’s ja Sachen zum Essen geben, die kannst du dir gar nicht awfully fat, as fat as a round table, he eats like a horse and he drinks vorstellen, Früchte in allen Farben, von weiss Gott woher, aus Indien just as much. und noch weiter weg. Die kommen alle mit dem Schiff, und der Händel, heisst es, verdient daran, ohne dass er was dafür tun muss. Der kauft In London there are apparently things to eat that you couldn’t even bloss Papiere, mehr nicht, Papiere auf Früchte und auf Leute, die man begin to imagine, fruit in all shapes and sizes, from God knows where, kauft und verkauft, nach England verfrachtet und nach Amerika und from India and from even farther afield. They’re all delivered by ship, nach weiss Gott wohin. Und immer, wenn eine Ladung verkauft ist, and Handel, so they say, makes money in this business, without having klingelt’s beim Händel im Beutel. So einfach sei das. Einer wie du wird to move a finger. He simply buys bonds, no more and no less, bonds nie reich, am allerwenigsten mit der Kirche, zumindest nicht als Musikus, invested in fruit and persons, which are bought and sold, shipped to auch wenn du Thomaskantor bist. Da hat man vor allem Ärger, und England, to America and God knows where else. And whenever a cargo zwar ständig. is sold, he pockets the profits. As simple as that. The likes of you will never become rich, least of all working for the church, at least not as a Wirr sei meine Musik, wirft man dir vor, wirr und schwülstig und musician, even if you are a cantor at St. Thomas Church. All you get are unnatürlich. Zu viele Girlanden, zu viel Drumherum! Ja, was glauben die problems, all the time. My music is confusing, they complain to me, Leute eigentlich!? Reden von Natürlichkeit und meinen, es soll ge­ confusing and turgid and unnatural. Too much froth, too much beating fälliger sein. Gefälliger und galanter, so wie in der Oper. Schon in Arnstadt about the bush! Mmm, people have no idea!? They talk about naturalness hat’s geheissen, beim Bach wisse man nicht, wo einsetzen. Drum bist and say it should be more pleasing. More pleasing and chivalrous, like du zum Buxtehude geflohen, hast vier Wochen Auszeit bekommen, bist in an opera. Back in Arnstadt they were already saying, with Bach you aber vier Monate geblieben, was ein Donnerwetter gegeben hat, vor just don’t know where to begin. That’s why you set off to see Buxtehude, allem, weil’s auch noch über Weihnachten gewesen ist! Dabei hat allein they gave you four weeks off, but you stayed four months, but what a die Reise eine Ewigkeit gedauert, die Strassen sind damals nicht so gut fuss they kicked up, mostly because it was over the Christmas period! gewesen wie jetzt, zehn Tage zu Fuss nach Lübeck, zwischendrin eine The journey alone took an eternity, the roads weren’t as good then as Strecke mit der Fähre auf der Elbe. Am liebsten wärst du in Lübeck they are now, ten days on foot to Lübeck, in between a stretch by ferry geblieben und Nachfolger vom Buxtehude geworden, der hat dich dazu on the Elbe. What you really would have liked is to stay in Lübeck and ja regelrecht drängen wollen, war ja schon alt, der gute Mann. Lübeck become Buxtehude’s successor, he went out of his way to convince you, 5


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wär’ herrlich gewesen, aber du hättest seine Tochter nehmen müssen, das war die Bedingung. Da hast du bloss noch fliehen können. Dem Händel sei’s genauso er­ gangen, der sei auch beim Buxtehude gewesen und auch geflohen. Wo bleibt der bloss?

Georg Friedrich Händel galt im Unterschied zu Bach als visionärer Vorläufer von Klassik und Romantik.

he was already quite old, the kindly gentleman. Lübeck would have been wonderful, but you would have had to marry his daughter, that was the condition. You simply decided to leave in a hurry. The same thing happened to Handel, he also visited Buxtehude and he also fled. Where on earth is he?

Wettspielen kommt nicht mehr in Frage in unserm Alter, so wie damals mit diesem Franzosen, wie At our age contests are out of the question, like hiess der noch? Der ist einfach abgehauen, soll with that Frenchman, what was his name? He mich heimlich belauscht haben, und dann das Georg Friedrich Händel simply upped and left, apparently he listened to Muffensausen. Mit Händel ist auch ein Wettspielen as opposed to Bach was regarded as a my performance in secret, and then he lost his verabredet gewesen, damals vor zwanzig Jahren visionary precursor of classisism and nerve. They also arranged a contest with Handel, oder mehr, als wir noch jung waren, nicht mehr romanticism. that was twenty years ago or longer, when we ganz jung, aber auch noch nicht alt. Im Kontra­ were still young, well not quite young, but not yet punkt hätte der keine Chance gehabt, Geläufigkeit old. He would have had no chance in counterpoint, hin, Geläufigkeit her, damals nicht, heute nicht. Aber Kontrapunkt for all the fluency and skill in the world, not then, not now. But finden die Leute heutzutage ja langweilig. Heut will man’s bloss noch nowadays people find counterpoint boring. What people want now is melodisch, zum Mitpfeifen und Mitsummen. Wo bleibt der bloss? melody, so they can whistle and hum along. Where on earth is he? Der Händel soll studiert haben, hier in Halle. In Eisenach gibt’s keine Universität, und wenn’s eine geben würde, hätt’ trotzdem keiner von uns studiert. Seit hundert Jahren sind bei dir alle Stadtpfeifer und Spielleute, Organisten und Tonsetzer. Was braucht man da eine Uni­ versität? Gar nicht zu reden davon, dass das keiner hätte bezahlen können. Chirurgus sei der Vater vom Händel gewesen, er habe dem Sohn die Musik verbieten wollen, mit aller Gewalt. Der Händel habe heimlich üben müssen, erzählen die Leute hier noch heute. Man kann sich das beim besten Willen nicht vorstellen: heimlich üben? Musik ist laut, auch wenn sie leise ist. Musik kannst du nicht verstecken. Wie hat der das gemacht, heimlich üben? Das fragst du ihn nachher. Du selber hast’s nie weiter als bis Lübeck gebracht, der Händel ist in der halben Welt herumgekommen. In London soll’s tausend Mal mehr Kaffeehäuser geben, da könntest du jeden Tag in einem andern auf­ spielen. Gäb’s das Café Zimmermann nicht, dir wär’s manchmal zum Davonlaufen in Leipzig, nicht bloss, wenn’s wieder heisst, deine Oratorien gehörten nicht in die Kirche, die gehörten in die Oper. Da hat’s der Händel besser. Allerdings sehe er nicht mehr gut, heisst es. Mein Gott, wie müheselig das sein muss: Noten diktieren. Was man da an Zeit verliert! Andrerseits kann man froh sein, solang man nicht taub ist. Blind ist besser als taub, zumindest für unsereins. Wo bleibt der bloss?

Handel apparently studied here in Halle. There’s no university in Eisenach and even if there were one none of us would have studied there. For hundreds of years you have drawn in all the Stadtpfeifer (town pipers) and hired musicians, organists and composers. What do you need a university for? Quite apart from the fact that nobody would have been able to finance one. Handel’s father was a barbersurgeon, he wanted to prohibit his son from studying music, at all costs. Today people still recount how Handel had to practise in secret. It’s difficult to imagine, even with the best will in the world: practise in secret? Music makes a sound, even when’s it’s quiet. You can’t hide music. How did he manage to do that, practise in secret? You should ask him about that. You yourself have never gone any further than Lübeck, Handel has travelled all over the world. In London there are apparently a thousandfold more coffeehouses, you could strike up in a different coffeehouse each day. If the Café Zimmermann didn’t exist, there are times when it would have been better for you to pack up and leave Leipzig, not only because they keep repeating that your oratorios are unsuitable for church music, that they’re more suited to operas. Handel has an advantage in this respect. In any case they say his eyesight is failing. My God, how tiresome that must be: dictating notes. The amount of time you waste! There again, as long as you’re not deaf you should count your fortunes. Being blind is better than being deaf, as least for people like us. Where on earth is he?

❱ Seite / page 20 / Clariant Weihnachtskonzert Extra 2: Hundert Minuten Licht J. S. Bach: h-Moll Messe

❱ Sa 16.5.2020 / Konzertante Oper Konzert 8: Make love not war G. F. Händel: Alessandro


Eine Frage der Konzentration: Vor dem Konzert ist im Konzert! Unsere Fotoserie von Łukasz Rajchert zeigt Musikerinnen und Musiker vom Kammerorchester Basel, die sich auf Mozarts Oper «Don Giovanni» einstimmen. It’s all about concentration: the concert begins before the concert proper! This series of photographs by Łukasz Rajchert shows members of the Basel Chamber Orchestra tuning up for Mozart’s opera Don Giovanni.

Die Musik zur Oper «Don Giovanni» lässt keine Gemächlichkeit zu – man muss ständig auf dem Sprung sein. Im Bild der Kontrabassist Stefan Preyer. The music for the opera Don Giovanni allows no room for complacency – you must keep your eye on the ball at all times. The photo shows the double-bass player Stefan Preyer. 7


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Alte Musik aus dem Geist von heute. Der Geiger Tamás Vásárhelyi in Mozarts «Don Giovanni». Ancient music interpreted with a contemporary zeitgeist. The violinist Tamás Vásárhelyi in Mozart’s Don Giovanni.


Wolfgang Rihms Cellokonzert für Sol Gabetta Wolfgang Rihm’s Cello Concerto for Sol Gabetta Er ist ein Grossmeister der komponierenden Zunft. Wolfgang Rihm hat nicht nur über 500 Kompositio­ nen aller erdenklichen Art geschaffen, sondern auch die höchstdotierten Auszeichnungen der inter­ natio­ nalen Musikszene erhalten. Längst ist der in Karlsruhe lebende Meister eine Instanz für zeitgenössisches Kom­po­nieren. Jetzt hat er für Sol Gabetta und das Kammerorchester Basel ein Konzert geschrieben, das den Titel «Concerto en Sol» trägt und am 23. Januar 2020 in der Basler Martinskirche uraufgeführt wird. Sigfried Schibli hat Rihm in Karlsruhe getroffen.

He is a distinguished figure among composers. Wolfgang Rihm has not only composed over 500 works from every conceivable genre, he has also received the highest accolades on the international music scene. The maestro, who lives in Karlsruhe, has long been a benchmark in the composition of contemporary music. He has now written a concerto for Sol Gabetta and the Basel Chamber Orchestra entitled Concerto en Sol which will premiere on 23rd January 2020 at St. Martin’s Church in Basel. Sigfried Schibli met Rihm in Karlsruhe.

«Ich wollte etwas Helles schreiben», sagt Wolfgang Rihm schon am Telefon, als wir uns zu einem Arbeitsgespräch in Karlsruhe verabreden. Der 67-Jährige hat eine schwere Krankheit durchgemacht und ist daher nicht mehr so beweglich wie früher, als er noch den Aufführungen seiner zahlreichen Werke nachreisen konnte. Über 500 Stücke sind es mittlerweile, und Rihm sagt, er kenne sie alle, als wären sie seine Kinder. «Auch wenn ich mich nicht immer an alle Namen erinnere», fügt er schmunzelnd hinzu. Das «Concerto en Sol» ist eines seiner jüngsten «Kinder». Er nennt es liebevoll sein «Konzertchen». Wir treffen uns in einem Restaurant in Karlsruhe, wo Rihm geboren wurde und seit vielen Jahren lebt, lange Jahre als Professor an der Karlsruher Musikhoch­ schule – ein begehrter, hoch geschätzter Lehrer. Und dieses Restaurant hat es in sich: Das «Erasmus» ist noch vom Bauhaus-Meister Martin Gropius entworfen worden und befindet sich bis heute im Original­ zustand. Die Küche ist italienisch ausgerichtet, gekocht wird auf hohem Niveau. Ein Rendez-vous mit Wolfgang Rihm ist immer auch ein kuli­ narischer und kultureller Event, denn der Maestro ist ein Geniesser.

‘I wanted to write something bright’, says Wolfgang Rihm on the telephone when we were arranging our working meeting in Karlsruhe. The 67-year-old has just recovered from a serious illness and is therefore not as agile as he used to be, when he was still able to attend the premieres of his numerous works. In the meantime, his works now number over 500, and Rihm says he is familiar with every one of them, as if they were his own children. ‘Even if I can’t always recall their names’, he adds grinning. The Concerto en Sol is one of his ‘youngest’ children. He lovingly refers to it as his ‘Konzertchen’ (little concerto). We arrange to meet at a restaurant in Karlsruhe, where Rihm was born and where he has lived for many years, with a long tenure as a professor at the Karlsruhe University of Music – a much sought-after, highly-regarded teacher. The restaurant where we meet also has its own history: the Erasmus was designed by the Bauhaus master Martin Gropius and has now been restored to its original state. The food is Italian, high-end cuisine. A rendezvous with Wolfgang Rihm is always a culinary and cultural event, hardly surprising given that the maestro is a connoisseur.

Das «Concerto en Sol» ist nicht Rihms erstes Stück, bei dem das Violon­ cello im Vordergrund steht. Zuvor schrieb er schon «Styx und Lethe» und zwei andere Werke für Cello und Ensemble. Wolfgang Rihm schreibt gern für bestimmte Musikerinnen und Musiker, die er in der Regel per­ sönlich kennt. «Das hat mit Lebensdrang zu tun», meint der Komponist. Schon 1967, mit 15 Jahren, komponierte er für seinen Freund Thomas Rübenacker eine Cellosonate. Bei «Styx und Lethe» dreissig Jahre später war der Cellist Lucas Fels der Widmungsträger, und jetzt ist es die argentinisch-französisch-schweizerische Cellistin Sol Gabetta. Rihm kennt sie persönlich von mehreren Begegnungen. «Ich habe ihre Hellig­ keit, ihre positive Ausstrahlung vor mir», sagt er. Und er erzählt gern, wie er sie einst zufällig im Seebad Luzern traf, als sie beide zu einer Besprechung im KKL verabredet waren und sich beeilten, rechtzeitig aus dem Wasser zu kommen – bis sie bemerkten, dass sie ihre Be­ sprechung ja gleich an Ort und Stelle abhalten konnten.

The Concerto en Sol is not the first work by Rihm in which the violoncello takes centre stage. He previously composed Styx und Lethe and two other works for cello and ensemble. Wolfgang Rihm prefers to write for musicians with whom he generally has a good rapport. ‘It has to do with Lebensdrang, with the life-urge’, says the composer. As early as 1967, at the age of 15, he composed a cello sonata for his friend Thomas Rübenacker. Styx und Lethe, thirty years later, was dedicated to the cellist Lucas Fels and now it is the turn of the Argentine-French-Swiss cellist Sol Gabetta. Rihm is personally acquainted with her, having met her on several occasions. ‘I can feel her brightness, her positive aura before my very eyes’, he says. And he happily recalls how he once met her by chance at the lakeside resort Lucerne after they had both arranged to meet at the KKL concert hall, and they were both rushing out of the water so as not to be late, until they noticed that they could hold their meeting there and then where they were.

Unmittelbar nach seiner Erkrankung hat Rihm eine düstere GryphiusVertonung geschrieben, deren Text letzte Fragen des Lebens berührt, danach – wiederum für den Bariton Christian Gerhaher – «TassoGedanken» nach Goethe. Für denselben Sänger, einen der Grossen der

Shortly after he fell ill Rihm wrote a sombre piece set to the words of Gryphius, whose work touches upon ultimate questions about life, then another work for the baritone Christian Gerhaher – Tasso-Gedanken – inspired by Goethe. Now Rihm has also composed a Stabat Mater for 9


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Kompositionsauftrag des Kammerorchester Basel, gefördert durch

Gesangsszene, und für die bedeutende Bratschistin Tabea Zimmermann hat Rihm jetzt auch ein «Stabat Mater» komponiert, in der exklusiven Besetzung Bariton und Bratsche. Musikalische Analytiker werden die Frage aufwerfen, ob das Thema der Wunden Christi, das im «Stabat Mater» so zentral ist, etwas mit Rihms eigener körperlichen Ver­letz­ lichkeit zu tun habe. Das «Concerto en Sol» sollte dagegen optimistisch und lebenszugewandt sein, doch ein Jahr nach der Komposition entdeckt Rihm in der eigenen Musik noch andere Züge. «Das ist schon sehr melancholisch hier!» meint er, als er zwischen zwei Gängen im «Erasmus» einen Blick in die Partitur wirft. Kompositionen sind eben auch ein wenig wie eigene Kinder: einmal geboren, entwickeln sie sich weiter, werden quasi selbstständig und erwachsen. «Das Werk wird, wie es will», sagt Rihm, Sigmund Freud zitierend. Analog dazu muss man sich auch Rihms Kompositionsweise vorstellen. Er ist kein Konstrukteur, der nach einem vorgegebenen Schema vorgeht. «Meine Musik entsteht nicht von oben nach unten, son­dern durch die Eigengesetzlichkeit der Linienführung.» Früher habe er mehr «aus der Vertikalität gedacht» als heute. Rihm spricht von «permanenter Kantabilität» und von «Linien, die sich selbst fortspinnen, immer artikuliert». Im «Concerto en Sol» gibt es keine Zwölftonreihen oder ähnliche mathematische Konstrukte. Alles wächst naturhaft und geht auseinander hervor. Rihm spricht von «Wucherungen», aber auch von seiner «Neigung zur Plötzlichkeit» und von «Spannungen zwischen den Tönen», die sich entladen. Es gibt kein eigentliches Hauptthema, dafür aber ein «sich fortzeugendes Melos», wie Rihm das nennt. Handwerkliches Ethos «Sol» ist nicht nur der Vorname der weltbekannten Cellistin, die in Olsberg ihr eigenes Solsberg-Festival leitet, sondern auch eine alte Be­ zeichnung für den Ton G. Diese Pointe hat sich Rihm natürlich nicht ent­ gehen lassen. Das Stück beginnt mit den Tönen Fis und As, einer Um­ spielung des Zentraltons G, dann setzt das Solocello sehr markant mit einem Pizzicato auf G ein. Immer wieder kehrt die Musik zu diesem Zentralton zurück, und auch wenn es kein eigentliches Hauptthema gibt, kann doch kein Zweifel an der Zentrierung der Musik auf dem Ton G aufkommen. Und mehr noch: Rihm hat sogar den Namen Gabetta in die Musik «hineingeheimnisst», wie er sagt. Lassen sich doch alle Buch­sta­ ben dieses Namens in Tonbezeichnungen umsetzen, wenn man das T als D deutet. Doch was wäre, wenn Frau Gabetta nicht Sol, sondern Veronika oder Muriel heissen würde? Rihm lacht: «Das ist ein Zufall, ein Spiel.» Vermutlich hätte er das Stück trotzdem geschrieben. Auf den ersten Blick sieht die solistische Cellostimme sehr schwierig und kom­ plex aus. Gewiss ist sie anspruchsvoll, aber «für jemanden, der gut spielt, liegt sie sehr gut», glaubt Rihm. Er verlangt im Unterschied zu manchen «experimentellen» Komponisten keine speziellen Spielpraktiken. «Ich behandle das Instrument wie eine Singstimme.» Rihm ist insofern ein altmodischer Komponist, als er noch alles von Hand notiert und keinen Computer benutzt. Angeblich, weil er nie das Zehnfingersystem erlernt hat. In Wirklichkeit aber wohl auch, weil sich der Gestus des handschriftlichen Schreibens auf sein Komponieren überträgt und sich positiv darauf auswirkt. «Das handschriftliche Schreiben hat einen Einfluss darauf, was man schreibt», sagt Rihm, und er meint nicht nur das Schreiben von Noten. Um seinen Kompo­si­tions­ prozess macht er kein Geheimnis, wie überhaupt ihm die Eitelkeit eines «genialischen» Musikschöpfers abgeht. Eher erin­nert er an einen

ernst von siemens musikstiftung

the same singer, a major figure in the vocal scene, and for the renowned violist Tabea Zimmermann, in an exclusive combination of baritone and violist. Music analysts will now ask themselves if the subject of Christ’s wounds, which plays such a central role in the Stabat Mater, is somehow related to Rihm’s own physical vulnerability. In contrast the Concerto en Sol is meant to be optimistic and lifeaffirming, but a year after the work was composed Rihm now discovers other aspects. ‘It really is very melancholic here!’ he says as he glances at the score in between two courses at the Erasmus. Compositions do indeed have something in common with one’s own children: after they have been born, they continue to develop, they become quasiindependent and adult. ‘The work will become what it wants to become’, says Rihm, quoting Sigmund Freud. This is also how Rihm’s composing technique should be interpreted. He is not a designer who works according to a predefined method. ‘My music does not arise from above downwards but through the inherent laws governing the lines traced’. He used to think more in ‘terms of verticality’, as opposed to nowadays. Rihm talks about the ‘consistent cantabile’ nature of his music and about ‘lines that evolve onwards autonomously, without any loss of articulation’. In the Concerto en Sol there are no twelvetone rows or similar mathematical constructions. Everything grows naturally and diverges while at the same time evolving. Rihm talks about ‘rank growth’ but also about his ‘tendency to abruptness’ and about ‘tensions between tones’, which are then relieved. There is no main theme per se, but rather ‘an ongoing melos’, as Rihm puts it. Ethos of a craftsman Sol is not only the first name of the globally renowned cellist, who is the director of her very own festival, the Solsberg Festival, in Olsberg, but also the name of the note G. Naturally, Rihm did not let this happy coincidence go unnoticed. The work begins with the notes F sharp and A flat, a playful reference to the central note G, then the solo cello breaks forth with a pizzicato in G. The music continually returns to this central note, and even though there is no identifiable central theme, there is no doubt that the music revolves around G. But that’s not all: Rihm even managed to ‘secrete’ the name Gabetta within the music. Given that all the letters in this name can be changed into the names of notes, provided (the letter) T is read as a D. Which begs the question: what if her name wasn’t Sol but Veronika or Muriel? Rihm laughs: ‘It’s just a coincidence, a play on letters.’ He would almost certainly have written the work in any case. At first glance the solo cello part appears extremely difficult and complex. It is undoubtedly challenging, but, in Rihm’s opinion, ‘for a skilled cellist, it is eminently playable’. As opposed to certain ‘experimental’ composers, it does not require any special playing techniques. ‘I treat the instrument as if it were a vocal part.’ Rihm could be said to be a composer of the old school, inasmuch as he uses handwritten notes and eschews computers. Ostensibly, because he never learnt to type with ten fingers. But probably also because the gestures involved in writing by hand are transposed to his work as a composer and exert a positive influence. ‘Writing by hand does influence how you compose’, says Rihm, and he is not only referring to the task of writing down musical notes. He makes no attempt to keep his compositional work a secret, in the same way that he shrugs off the aura of the ‘composer-genius’. Rather, he is more akin to a craftsman, a carpenter for example, who makes sure that the ‘nails are not


❱ Seite / page 20 Konzert 4: Concerto für Sol Werke von Strawinsky, Rihm (UA) und Mendelssohn Handwerker, zum Beispiel an einen Möbel­ schreiner, der darauf achtet, dass «die Nägel nicht herausstehen», wie Alban Berg einmal formuliert hat. «Ich komponiere wie Maurice Ravel», sagt Rihm. Im einen Zimmer seiner Karlsruher Altbau­ wohnung notiert er seine musikalischen Gedanken, dann geht er in einen anderen Raum, wo das Klavier steht, und hört sich das klangliche Ergeb­ nis an. Dann geht es zurück an den Schreibtisch. Es ist ein ständiges Entwerfen, Skizzieren, Erpro­ ben und Korrigieren, auch wenn die Musik dann oft wie eine spontane Eingebung klingt. «Trial and Error» wie in der Wissenschaft.

Wolfgang Rihm Dem in Karlsruhe lebenden Kompo­ nisten ist Basel alles andere als fremd. Wolfgang Rihm The composer based in Karlsruhe is by no means unfamiliar with Basel.

Intensive Bezüge zu Basel Wolfgang Rihm hat starke Erinnerungen an den Basler Dirigenten und Mäzen Paul Sacher und an das einst von ihm gegründete Basler Kammerorchester. Er ist schon früh von Sacher gefördert und in ge­ wissem Sinn entdeckt worden. «Er ist mir ganz gegenwärtig», sagt Rihm über den 1999 verstorbenen Sacher. Dass Rihms Manuskripte, Briefe und sonstige schriftliche Zeugnisse, darunter bisher rund 40 Skizzen­ bücher, seit 1990 von der Basler Paul Sacher Stiftung am Münsterplatz verwahrt und verwaltet werden, ist alles andere als ein Zufall. Es war noch Paul Sachers persönliche Entscheidung. «Paul Sacher hat sehr viel für mich getan», sagt Wolfgang Rihm im Rückblick. Zuerst wünschte sich der Basler Roche-Grossaktionär und Dirigent Sacher von dem damals noch jungen Komponisten aus Karlsruhe ein Stück für Schlag­ zeug und kleines Orchester. Aber Rihm war gerade nicht in einer Schlag­ zeug-Phase; Stücke mit reichem Schlagzeug wie «Tutuguri» (1982) hatte er schon hinter sich. Er schrieb dann im Auftrag Paul Sachers «Gesungene Zeit» für die Geigerin Anne-Sophie Mutter. Sacher hat es mit ihr und seinem Collegium Musicum 1992 in Zürich uraufgeführt. Ein schöner Zufall, dass das «Concerto en Sol» jetzt vom Kammer­ orchester Basel aus der Taufe gehoben wird. Dieses ist zwar nicht direkt aus Sachers Kammerorchester hervorgegangen, sondern war ursprüng­ lich ein Studentenorchester und hiess «Serenata Basel». Dennoch ist die Namens-Ähnlichkeit von symbolischer Bedeutung, denn das Reper­ toire und der Geist der beiden Klangkörper sind durchaus vergleichbar. Auch wenn hinter dem Kammerorchester Basel kein alles entschei­ dender Mäzen, sondern eine Gruppe kulturell engagierter Bürgerinnen und Bürger steht. Im Basler Uraufführungs-Konzert am 23. Januar 2020 erklingt neben der Rihm-Novität ein Klassiker des neo­klassi­zis­ tischen Repertoires: das «Concerto in Re» (Concerto in D) von Igor Strawinsky. Es ist ein reines Streicherstück, das Streichorchester fungiert hier also gewissermassen als Solist und Begleitkörper zugleich. Rihm weiss bei unserem Gespräch im Mai 2019 noch nicht, dass sein «Concerto en Sol» im selben Pro­gramm wie das «Concerto in Re» vom grossen Strawinsky erklingt. Aber die Kombination gefällt ihm. «Es ist ein sehr schönes Stück, das ich sehr mag», sagt er spontan. Das «Concerto in Re» war ein Komposi­tions­auftrag von Paul Sacher, der es 1947 mit seinem Basler Kammer­orchester zur Uraufführung brachte. Man nennt es, nicht zuletzt um Verwechslungen mit dem «grossen» Violinkonzert Strawinskys auszu­schliessen, daher auch sein «Basler Konzert». Jetzt hat also auch Wolfgang Rihm sein «Basler Konzert» für Violoncello und Orchester. So schliesst sich der Kreis von Strawinsky zu Rihm, vom Basler Kammerorchester zum Kammerorchester Basel.

sticking out’, as Alban Berg once said. ‘I compose in the same way as Maurice Ravel’, says Rihm. He jots down his musical thoughts in a room at his old-style residence in Karlsruhe. Then he goes to another room where his piano is kept and listens to the results of his endeavours. Then he goes back to his desk. This ongoing process of drafting, sketching, trying out and correcting continues unabated, even though the music often sounds like the fruit of spontaneous inspiration. ‘Trial and error’, as occurs in science.

Close relationship with Basel Wolfgang Rihm has a vivid recollection of the Basel-based conductor and patron Paul Sacher and of the Basel Chamber Orchestra founded by the latter. He was encouraged by Sacher early on and in a certain sense discovered by him. ‘He is always present in my mind’, says Rihm referring to Sacher, who died in 1999. It is no coincidence that since 1990, Rihm’s manuscripts, letters and other written testimonies, including some 40 sketchbooks, have been kept and administered by the Basel Paul Sacher Foundation on Münsterplatz. This was Paul Sacher’s personal decision. ‘Paul Sacher did a great deal for me’, says Wolfgang Rihm looking back. The major Roche shareholder and conductor Sacher initially commissioned a work for timpani and small orchestra from the then young composer from Karlsruhe. But at that time Rihm was not going through a timpani phase; he had already written works abounding in timpani parts such as Tutuguri (1982. He was then commissioned by Paul Sacher to write Gesungene Zeit for the violinist Anne-Sophie Mutter. It was premiered by Rihm, together with Mutter and her Collegium Musicum, in 1992 in Zurich. It is a happy coincidence that the Concerto en Sol is now being premiered by the Basel Chamber Orchestra. This orchestra is not the direct offspring of Sacher’s chamber orchestra but has its origins in a student orchestra and was called Serenata Basel. But the similarity between the names does have a symbolic importance, given that the repertoires and the spirit of both ensembles are eminently comparable. Even though there is no all-powerful patron behind the Basel Chamber Orchestra but rather a group of committed citizens keen to promote culture. Alongside Rihm’s new creation, the premiere in Basel on 23rd January 2020 will also feature a classic from the neoclassic repertoire: the Concerto in D by Igor Stravinsky. This piece is written solely for strings, the string orchestra effectively acts as soloist and accom­ paniment. During our interview in May 2019 Rihm was not yet aware that his Concerto en Sol would form part of the same programme as the Concerto in Re by the great Stravinsky. But he finds the combination appealing. ‘It is a very beautiful piece, that I really like’, he says spontaneously. The Concerto in Re was a work commissioned by Paul Sacher, who premiered it together with his Basel Chamber Orchestra in 1947. It is also referred to as his ‘Basel Concerto’, not least to avoid confusion with Stravinsky’s major violin concerto. Now Wolfgang Rihm has his very own ‘Basel Concerto’ for violoncello and orchestra. And so we come full circle from Stravinsky to Rihm, from Sacher’s Basel Chamber Orchestra to the present-day Basel Chamber Orchestra.

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Vielseitigkeit als Konzept. Der Cellist Christoph Dangel denkt über die Epochengrenzen hinaus, spielt alte und neue Musik. Versatility as a concept. The cellist Christoph Dangel thinks beyond the confines of musical periods and plays both early and contemporary music.


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Die CD – kein Auslaufmodell The CD – impervious to obsolescence Tonträger waren und sind für die Musikbranche von grosser Bedeutung – für die Musikerinnen und Musi­ ker, für grosse Klangkörper wie für kleinere Forma­ tionen. Auch das Kammerorchester Basel setzt weiter auf die Verbreitung seiner Interpretationen durch Compact Discs. Heute sind durch das elektronische Streaming neue Formen der Musik­ verbreitung hinzugekommen. Musik hören auf dem Handy, auf dem Tablet oder Laptop – einst eine Utopie, heute Wirklichkeit. Der Anteil der CD am Gesamtmarkt ist tendenziell rückläufig, während Dienste wie Spotify, Apple Music oder Tidal einen starken Zuwachs von 35,2 Prozent verbuchen. In direkter Folge dieser Tendenz haben traditionelle Plattengeschäfte zugemacht oder die teuren Stadtzentren verlassen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Was man downloaden kann, braucht keinen materiellen Raum, nur Speichervolumen auf dem Computer oder in der Cloud. Man kann einzelne Titel auswählen, ohne eine ganze Samm­ lung kaufen zu müssen, und spart Geld. Aber tot ist die CD keineswegs. Manche Orchester veröffentlichen ihre Aufnahmen auf einem eigenen Label. Starmusiker wie John Eliot Gardiner haben ihr eigenes Label gegründet. Da unentwegt neue Labels hinzukommen, ist die Situation heute so unübersichtlich wie nie zuvor. Das Kammerorchester Basel setzt neben dem Streaming weiterhin auf physische Tonträger und arbeitet dafür meist mit dem Branchenprimus Sony zusammen, für die im Aufbau begriffene Reihe der HaydnSinfonien mit dem französischen Label Alpha. Nach wie vor bringt es jährlich mehrere CDs mit eigenen Aufnahmen heraus. Setzt es damit nicht auf ein Pferd, das eigentlich schon schlachtreif ist? Für Marcel Falk, den Geschäftsführer des Kammerorchester Basel, haben die CDs dieses Klangkörpers eine doppelte Funktion: Sie wirken sowohl nach innen als auch nach aussen. «Ein einzigartiges und ge­ mein­ sames Konzerterlebnis ist schön und bereichernd», sagt Falk, «eine gelungene und künstlerisch fruchtbare Interpretation unser stetes Bestreben. Da drängt sich heute wie gestern der Wunsch auf, Derartiges für die Nachwelt festzuhalten und einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen, was man hat und was man kann.» Marcel Falk: «Dass CD-Aufnahmen bei inter­natio­nalen Qualitäts-Labels wie Sony international oder Alpha im Idealfall zu einem positiven Image und einer hohen Reputation beitragen, ist offen­sichtlich. Denn auf dem nationalen wie internationalen Konzert-Markt gilt es, Präsenz zu mar­ kieren: bei Musikhörerinnen und Musikhörern und Veranstaltern genauso wie bei Medien und in Fachkreisen. Hinzu kommt, dass bei Audio-Auf­ nahmen die Musikerinnen und Musiker hell­wach sein müssen. CD-Auf­ nahmen sind auch im Sinne einer internen künst­lerischen Qualitäts­ sicherung wichtig und wertvoll.» Geld verdient das Kammerorchester

Physical recordings have played and continue to play an important role in the music industry – for musicians, for large orchestras and for smaller ensembles. The Basel Chamber Orchestra has also continued to release its music on compact discs. Nowadays electronic streaming has brought new methods of disseminating music. Hearing music on a mobile phone, on a tablet or on a laptop – once a utopia, is now a reality. The share of sales of CDs in the overall market is steadily declining, whereas services such as Spotify, Apple Music or Tidal have experienced a sharp increase of 35.2 %. A direct consequence of this decline is that record firms have either been forced to close or abandon city centres with high rents. The advantages are clear to see: downloading does not require any physical space, only storage capacity on a computer or in the cloud. You can select individual tracks as you please, without having to buy an entire collection, and you save money. But the CD is by no means dead. Many orchestras release their recordings on their own labels. Star musicians such as John Eliot Gardiner have started their own label. Since more and more labels are coming onto the market, the situation today is as complex as it has ever been. Alongside streaming the Basel Chamber Orchestra continues to make physical recordings and mostly collaborates with Sony, the leader in this sector and in the case of its project to record Haydn’s complete symphonies with the French label Alpha. Each year it releases several CDs with its own recordings. There are, however, those who argue that this is no more than flogging a dead horse. In the opinion of Marcel Falk, the director of the Basel Chamber Orchestra, the CDs released by his orchestra serve two functions: they are important both from the point of view of the musicians and vis-à-vis the outside world. ‘A unique and shared concert experience is gratifying and enriching’, says Falk, ‘a successful and artistically fruitful interpre­ tation is our constant endeavour. We are driven by the desire, today as yesteryear, to encapsulate these achievements for posterity and to show a wider public what we have done and what we can do.’ ‘There is no doubt that CD recordings with internationally acclaimed labels such as Sony International or Alpha can help improve your image and enhance your reputation. Because ultimately, it is important to make your mark both on national and international concert markets: both in the eyes of music lovers and organisers and the media and specialist circles alike. Another point to bear in mind is that musicians must be entirely focused when making audio recordings. CD recordings are also important and useful in terms of internal artistic quality assurance.’ The chamber orchestra hardly makes any money with CDs.


mit CDs kaum. «Dass das Ganze viel, viel mehr Geld kostet, als es einspielt, ist in Zeiten von Spotify, Apple Music und YouTube schiere Realität und kaum verwunderlich», sagt Marcel Falk.

‘In the age of Spotify, Apple Music and YouTube, the fact that the whole enterprise costs much, much more money than it brings in is the cold reality and hardly surprising’, says Marcel Falk.

Martin Korn, Labelmanager von Sony Schweiz in Zürich, fügt hinzu: «Der grosse Vorteil der Klassik ist ihre universale Ausrichtung. Das heisst, CDs von Schweizer Künstlern können sich in Japan so gut verkaufen wie in der Schweiz oder in Südamerika. Der globalisierte Markt ist in diesem Fall ein grosser Vorteil. So hat sich zum Beispiel die Start-CD zum Schubert-Zyklus des Kammerorchester Basel mit Heinz Holliger neben der Schweiz vor allem in Japan sehr gut verkauft.» Auch wenn die traditionsreichen «Major Labels» heute weniger Neuaufnahmen produzieren als einst, ist die CD keineswegs ausgestorben. «Sony Music Schweiz macht im Klassikbereich immer noch mehr als 50 Prozent des Umsatzes mit physischen Tonträgern», sagt Korn.

Martin Korn, Label Manager from Sony Switzerland in Zurich adds: ‘The great advantage of classical music is its universal appeal. This means that CDs by Swiss artists sell just as well in Japan as they do in Switzerland or South America. In this respect, the globalisation of markets is an advantage. For instance, apart from Switzerland, the first CD in the Schubert cycle recorded by the Basel Chamber Orchestra with Heinz Holliger has also sold very well elsewhere, notably in Japan.’ Even though the tradition-laden major labels nowadays bring out fewer new recordings than they used to, the CD is by no means dead. ‘Sony Music Schweiz still generates over half of its revenue from physical recordings of classical works’, says Korn.

«Für viele Leute spielt die haptische Wahrnehmung eines Produktes eine immer wichtigere Rolle», weiss Martin Korn. «Sie wollen wieder eine CD (möglichst in auf­ wändiger, ästhetisch ansprechender Ver­ packung) in die Hand nehmen, ein schön editiertes Booklet lesen und eine Compact Disc mit einem schön gestalteten Label in den CD-Spieler legen.» Auch als Geschenke sind CDs unübertroffen. Oder hat Ihnen schon einmal jemand einen Link auf den Gabentisch gelegt?!

‘For many people, the tangible appreciation of a product is playing an increasingly important role’, explains Martin Korn. ‘They are rediscovering the pleasure of holding a CD (packaged lavishly, in an aesthetically-pleasing manner) in their hands, reading a beautifully edited CD booklet and inserting a compact disc with an attractively designed label into their CD player.’ CDs are also unbeatable as gifts. Or has anyone ever left a gift for you on the table in the form of a link?!

Sigfried Schibli

Sigfried Schibli

Das Kammerorchester Basel erhielt

The Basel Chamber Orchestra was

drei Nominierungen für den Opus

nominated three times for the Opus

Klassik in der Kategorie Ensemble/

Klassik Award in the category

Orchester für die folgenden CD-Ver­

ensemble/orchestra for the following

öffent­lichungen.

CD releases.

Ein Hauch von Theater Sie werden gern als Gegensätze gesehen, die musikalischen Epochen Klassik und Romantik. Ein schöner Zufall, dass die beiden jüngsten CDVeröffentlichungen vom Kammerorchester Basel dem noch in der Wiener Klassik verwurzelten Romantiker Franz Schubert und Joseph Haydn gelten, dem Stammvater der Wiener Klassik, dem romantische Sehnsucht nicht fremd war. Der Dirigent Heinz Holliger fasst bei Schubert den romantischen Ton in ein straffes, energisches Klangbild und lässt keine Sentimentalität aufkommen. Einen seltsamen Titel trägt die siebte CD in der bis 2032 reichenden Gesamtaufnahme der Haydn-Sinfonien: «Gli Impresari». Dies hat einen einfachen Grund: Die hier unter Giovanni Antonini eingespielten Wer­ke waren ursprünglich Schau­spiel­musiken und wur­ den erst nachträglich zu Sin­fonien. Womit sie recht eigentlich gerettet wurden, denn die betreffenden Dramen werden heute nicht mehr aufgeführt.

A touch of theatre They are often looked upon as opposites: the classical and the romantic period. So it is a happy coincidence that the two most recent CDs released by the Basel Chamber Orchestra feature works by the two Romantic composers with roots in the Viennese Romantic tradition, Franz Schubert and Joseph Haydn, the latter the founding father of Viennese Classicism, who was no stranger to romantic yearnings. In the case of Schubert, the conductor Heinz Holliger captures the composer’s Romantic streak with a tense, energetic sound and nips any hint of sentimentality in the bud. The seventh CD in the complete recordings of the Haydn symphonies scheduled for completion in 2032 has an unusual name: ‘Gli Impresari’. The works recorded here under the baton of Giovanni Antonini originally consisted of theatre music and were only subsequently converted into sym­ phonies. Which means that they have been effectively rescued, because the plays they originally accompanied are no longer performed. 15


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Förderer und Freund – zum Tod von Hansjörg Hofmann Patron and friend – on the occasion of the death of Hansjörg Hofmann Kein Mann der grossen Worte! Wortkarg war er, der Liestaler Hansjörg Hofmann, doch wenn ihm etwas wichtig war, kam er immer ohne Um­ schweife auf den Punkt. Und das Kammerorchester Basel war ihm sehr wichtig, hier mischte er sich immer wieder engagiert ein, ja scheute nicht davor, seine oftmals pointierte Meinung kundzutun. «In der Ordnung» als Reaktion auf einen Konzertabend kam beinahe einem künstlerischen Ritterschlag gleich, immer mit einem Augenzwinkern und garniert mit einem Funken Selbstironie. Wenn ihm eine Interpretation oder ein Stück nicht gefiel, machte er aus seiner Haltung kein Geheimnis, nicht ohne sich im nächsten Moment nach dem Befinden der Musikerinnen und Musiker zu erkunden. Denn diese lagen ihm sehr am Herzen, um sie sorgte er sich, zurückhaltend und liebevoll. Er wusste um die beschwerlichen Konzertreisen. Ob die Musikerinnen und Musiker denn dafür ordentlich bezahlt seien …

He could not be said to have an expansive personality! Hansjörg Hofmann, originally from Liestal, was decidedly taciturn, but when he had something important on his mind he came to the point without beating about the bush. And the Basel Chamber Orchestra was something that was very close to his heart, he always took an active interest in its affairs, so much so that he did not shy from making known his often blunt opinion. ‘Fine’ as a reaction to an evening of concerts could safely be interpreted as nothing short of the bestowal of an artistic knighthood, always accompanied by a wink and with a hint of self-irony. Whenever he disliked a performance or a piece, he made no effort to conceal his attitude, without failing thereafter to enquire after the fortunes of the musicians. Since they were always close to his heart, and he worried about them, discretely and lovingly. He knew about their exhausting concert tours. Were the musicians being properly paid …

Ganz in der Manier des allumsorgenden Patrons schaute er mit schöner Regelmässigkeit nach dem «Rechten»: so lauschte er mit kindlicher Neu­gierde der Probenarbeit des Kammerorchester Basel, er genoss es, Giovanni Antonini über die Schulter schauen zu dürfen. Und es machte ihn glücklich, die Gesamtaufnahme der Schubert-Sinfonien mit Heinz Holliger ermöglicht zu haben. Hansjörg Hofmann hat sich mit seiner Frau Margrit mit Leib und Seele der Musik ergeben und kein Konzert des Kammerorchester Basel ausgelassen. Wir haben einen Freund, Liebhaber und leiden­schaft­ lichen Förderer verloren. Marcel Falk Am 29. Oktober 2019 um 19 Uhr findet in der Stadtkirche Liestal ein Gedenkkonzert des Kammerorchester Basel, der Baselbieter Konzerte und der Musikschule Liestal statt. Neben dem Oktett Es-Dur op. 20 von Mendelssohn wird Heinz Holliger die Sinfonie Nr. 3 von Schubert dirigieren. Eintritt frei, Anmeldung unter www.kulturticket.ch

In the manner of the patron keen to oversee all aspects, he regularly enquired after the musicians’ ‘rights’. This led him to listen in to rehearsals of the Basel Chamber Orchestra with childish inqui­ sitiveness. He took relish in peeking over Giovanni Antonini’s shoulder. And he was happy when reflecting on his decisive role in the decision to record the complete cycle of Schubert’s symphonies with Heinz Holliger. Hansjörg Hofmann, together with his wife Margrit, dedicated himself body and soul to music and never missed a single concert by the Basel Chamber Orchestra. We have lost a friend, an enthusiast and a passionate patron.

Hansjörg Hofmann Er war dem Kammerorchester ein warm­herziger Freund und kritischer Fan. Hansjörg Hofmann He was a warm-hearted friend and a critical fan of the chamber orchestra.

Marcel Falk A memorial concert will be held on 29th October 2019 at 7.00 p.m. at the Stadtkirche in Liestal organised by the Basel Chamber Orchestra, the Baselbieter Konzerte and the Liestal Music School. In addition to the Octet in E-Flat Major, op. 20 by Mendelssohn, Heinz Holliger will conduct Schubert’s Symphony No. 3. Entrance free of charge, reservations at www.kulturticket.ch.

Den Blues im Blut – Michael Fehr Michael Fehr ist Geschichtenerzähler, er dichtet und singt und fährt ab und zu mal gern sehr schnelle Autos. Dabei ist er nahezu blind! Wie passt dies alles zusammen? Eigentlich gar nicht, daher muss man es selbst erleben – am besten live. Gelegenheit dazu bietet die «Nachtklang»Veranstaltung vom Kammerorchester Basel am 1. November. Bekannt wurde der 1982 geborene Fehr mit dem Buch «Simeliberg», davor hatte er «Kurz vor der Erlösung» geschrieben. Erst zwei Jahre alt ist sein Buch «Glanz und Schatten», für das Fehr 2018 mit dem Schweizer

Blues in the blood – Michael Fehr Michael Fehr is a storyteller, he writes poetry and sings and occasionally likes to drive very fast cars. Notwithstanding the fact that he is virtually blind! How does that all fit together? Actually it doesn’t, it’s something you have to experience for yourself – live if possible. There will be an opportunity to do just that at ‘Nachtklang’ on 1st November organised by the Basel Chamber Orchestra. Fehr, born in 1982, rose to fame with his book Simeliberg. Before that he wrote ‘Kurz vor der Erlösung’. His book ‘Glanz und Schatten’ for


Nachtklang Experimental 1.11.2019, 21.00 Uhr «Erzählungen», Ackermannshof Basel

Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Mit seiner kratzbürstig-heiseren Stimme intoniert der Berner gern Lieder, die oft auf seine eigenen literarischen Texte zurückgehen. Meist lakonisch, immer sorg­ fältig Silbe für Silbe abwägend, nie auf billige Poin­ten setzend. So vereinigt das Programm «Im Schwarm» neun Songs von Michael Fehr, denen die «Berner Zeitung» «hohen Unterhaltungswert» attestierte. Und das «Buchmedia Magazin» bilan­ zierte kurz und knapp: «Fehr hat den Blues im Blut und behält den Wahnsinn im Auge.»

Michael Fehr lässt sich nicht einordnen. Auch nicht, wenn er mit Mitgliedern vom Kammerorchester Basel auftritt. Michael Fehr defies classification. Even when he appears alongside members of the Basel Chamber Orchestra.

which Fehr was awarded the Swiss Literature Prize 2018 has only been out two years. The Bernese with his raspy-hoarse voice readily performs one of his songs, which often hark back to his own literary texts. Mostly laconic, always carefully weighing up each syllable, never relying on easy punchlines. The programme ‘Im Schwarm’ brings together nine songs, with ‘high entertainment value’, in the words of the Berner Zeitung. And Buchmedia Magazin succinctly noted: ‘Fehr has the blues in his blood and a healthy measure of madness in his eyes.’

Im «Nachtklang Experimental» des Kammerorchester Basel tritt Fehr am 1. November 2019 um 21 Uhr als Gast gemein­

Fehr will appear as a guest on 1st November 2019 at 9.00

sam mit dem Trio Janiv Oron (Medienkünstler), Christoph Dangel (Violoncello) und

p.m. at Nachtklang Experi­ mental organised by the Basel Chamber Orchestra

Stefan Preyer (Kontrabass) im Acker­ manns­ hof auf. Ein Programm jenseits der

together with the trio Janiv Orono (media artist), Christoph Dangel (violoncello) and

ausgetretenen Pfade, für musikalische Über­r­a­schungen dürfte gesorgt sein!

Stefan Preyer (double bass) at the Ackermannshof. A programme off the beaten track, musical surprises are guaranteed!

Basel

New York

Resonanz bis nach New York

Fame extending as far as New York

Eine Konzertreise in die USA ist schon ein wenig anders, ganz besonders in Zeiten wie diesen. Grosse Vorfreude macht sich breit, bei allen Musi­ kerinnen und Musikern und beim Reiseteam, auch wenn im Vorfeld alles ein wenig komplizierter, unabsehbarer und aufwändiger ist. Zudem mischt sich in die Ungeduld eine deutlich spürbare Neugierde auf ein scheinbar verändertes Amerika.

A concert tour in the US is always a bit special, especially at times like these. Everyone, musicians and tour crew alike, are eagerly looking forward to the trip even if everything appears a little more complicated, unpredictable and laborious than usual. This impatience is coloured by a palpable feeling of curiosity vis-à-vis an America that has seemingly changed.

Zwischen dem 15. und 19. Oktober 2019 werden wir es erfahren. Zusam­men mit dem Pianisten Piotr Anderszewski sind wir für ein Konzert zu Gast im 92Y in Manhattan, einem renommierten und facetten­reichen Veran­staltungs- und Kon­zert­ haus. Zwei Tage später kon­zertieren wir in der Troy Savings Bank Music Hall in Troy, NY, einem alt­ehr­ würdigen Gebäude, das für seinen charak­te­ris­ tischen Kon­zert­saal bekannt ist. Wir freuen uns auf das kurze Abenteuer und auf weitere USA-Kon­ zerte, die bereits für 2021 in der Planung sind. 16.10.2019 New York 92Y 18.10.2019 Troy Troy Savings Bank Music Hall Das Kammerorchester Basel, Baptiste Lopez (Violine und Leitung) und Piotr Anderszewski (Klavier), spielen Werke von Mozart, Schubert und Holliger.

We will find out for ourselves between the 15th and 19th October 2019. Together with the pianist Piotr Anderszewski we are scheduled to make a guest appearance at a concert at the 92Y, a renowned and multifaceted event and concert venue in Manhattan. Two days later we will give a concert at the Troy Savings Bank Music Hall in Troy, NY, a venerable establishment renowned for its characteristic concert hall. We look forward to this brief adventure and to further concerts in the US already being planned for 2021. 92Y in Manhattan einer der beiden Konzertorte des Kammerorchester Basel. 92Y in Manhattan one of the two concert venues where the Basel Chamber Orchestra will play.

16.10.2019 New York 92Y 18.10.2019 Troy Troy Savings Bank Music Hall The Basel Chamber Orchestra, Baptiste Lopez (violin and conductor) and Piotr Anderszewski (piano) will play works by Mozart, Schubert and Holliger. Unterstützt von / funded with kind support from

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Hohe Auszeichnung für das Kammerorchester Basel A high distinction for the Basel Chamber Orchestra Seit sechs Jahren gibt es – analog zu den Schweizer Kunst- und Theaterpreisen und zum Schweizer Buch­ preis – hohe staatliche Auszeichnungen im Bereich der Musik. Zum sechsten Mal zeichnet das Bundesamt für Kultur (BAK) dieses Jahr 14 Musikschaffende be­ ziehungs­weise Musikformationen mit Musikpreisen aus, die mit je 25 000 Franken dotiert sind. Und zum ersten Mal fällt die Wahl auf ein Orchester, das Kammerorchester Basel. Das Bundesamt für Kultur würdigt die Arbeit des Kammerorchester Basel und die «besondere Vision ein klassisches Orchester zu er­schaf­ fen, jenseits der längst bestehenden Institutionen.» Die Jury führt weiter aus: «Auf höchstem musikalischem Niveau und mit einer Leich­ tigkeit schaffen sie ausgezeichnete Programme und auch neue Formen der Vermittlung, die sich nicht nur an Kenner, sondern besonders auch an Kinder und Laien richten».

Prestigious national awards in the field of music – akin to the Swiss Art and Theatre Awards and the Swiss Book Prize – have existed for the past six years. For the sixth time the Federal Office of Culture (FOC) will hand out awards to 14 musicians and/or musical ensembles, each endowed with CHF 25 000. For the first time the choice has fallen on an orchestra, the Basel Chamber Orchestra. The Federal Office of Culture honours the work of the Basel Chamber Orchestra and its ‘particular vision consisting in the creation of a classical orchestra alongside the longstanding, existing institutions.’ The jury went on to say: ‘They create outstanding programmes at the highest musical level with ease as well as new forms of conveying musical emotions, not only directed at connoisseurs but especially at children and laypersons.’

For the Basel Chamber Orchestra this distinction by the highest Für das Kammerorchester Basel ist diese Auszeichnung von höchster national cultural and political authority is of great significance: ‘The nationaler kulturpolitischer Stelle von grosser Bedeutung: «Die Aus­ award of a Swiss Music Prize 2019 represents an acknowledgement of zeich­nung mit einem Schweizer Musikpreis 2019 ist eine Bestätigung our untiring and successful artistic and entrepreneurial work at both für unsere beharrliche und erfolgreiche künstlerische wie unter­neh­ national and international level’, says the Director of the Basel Chamber merische Arbeit auf nationalem wie interna­tio­ Orchestra, Marcel Falk. ‘With our love and nalem Niveau», führt der Geschäftsführer des passion for music we manage to enthral our Kammerorchester Basel, Marcel Falk, aus: «Mit audience, time and time again! That is important unserer Liebe und Leidenschaft für die Musik be­ for us and we go out of our way to live up to this geistern wir unser Publikum immer wieder aufs standard, at every concert, with a clear artistic SCHWEIZER Neue! Das ist uns wichtig und daran setzen wir orientation and full awareness of our responsi­ MUSIKPREIS 2019 alles, in jedem Konzert, mit einer klaren künst­ bility, also vis-à-vis younger audiences. We will lerischen Ausrichtung und grossem Verant­wor­ endeavour to consistently pursue these goals in tungsbewusstsein auch gegenüber dem nach­ the future’. wachsenden Publikum. Diese Vorsätze werden wir auch in Zukunft konsequent verfolgen.» Federal Councillor Alain Berset and the Director of the Federal Office of Culture Isabelle Chassot will hand out the Bundesrat Alain Berset und die Direktorin des Bundesamtes

Swiss Music Prize on Friday, 20th September 2019 during

für Kultur Isabelle Chassot werden den Schweizer Musikpreis

the festival ZeitRäume at the Kunstmuseum Basel.

am Freitag, den 20. September 2019 im Rahmen des Festivals ZeitRäume im Kunstmuseum Basel überreichen.

Schweizer Musikpreis 2019 Eine Premiere. Normalerweise werden einzelne Künstlerinnen und Künstler oder kleine Formationen ausgezeichnet. Zum ersten Mal 2019 ein Orchester. Swiss Music Prize 2019 A premiere. This distinction is normally bestowed on individual artists or small ensembles. In 2019 for the first time it will go to an orchestra.


Der Musikpreis für das Kammerorchester Basel gilt zunächst einem Kollektiv. Doch darüber freuen wird sich jeder Einzelne im Orchester. Im Bild Cembalistin So Young Sim. The music prize awarded to the Basel Chamber Orchestra is primarily directed at a group of persons. Nevertheless, each and every person in the orchestra is thrilled. In the picture harpsichordist So Young Sim. 19


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Agenda Konzerte Basel Diary Basel concerts Konzert 1

Sa 7.9.2019 — 19.30 Uhr Martinskirche Basel

Konzert 2

Mi 13.11.2019 — 19.30 Uhr Martinskirche Basel

Bertrand Chamayou Klavier, Baptiste Lopez Violine und Leitung

Gabriela Montero Klavier, Daniel Bard Violine und Leitung

Werke von Mozart, Liszt und Bartók

Werke von Mozart, Montero, Milhaud und Fauré

Extra 1 – Europäischer Tag des Denkmals

Sa 14.9.2019 — 12.00 Uhr, Münster Basel Gudrun Sidonie Otto Sopran, Andreas Liebig Orgel, Franck Ollu Leitung Werke von Manneke, Debussy und Guilmant Kostprobe

Mo 7.10.2019 — 12.30 Uhr Volkshaus Basel Piotr Anderszewski Klavier, Baptiste Lopez Violine und Leitung Piotr Anderszewski und das Kammerorchester Basel proben Robert Schumanns Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 54 Zu Gast in Lörrach

Fr 11.10.2019 — 20.00 Uhr Burghof Lörrach

Nachtklang II – Barockmusik im Salon

Fr 22.11.2019 — 21.00 Uhr Ackermannshof, Basel (Festsaal)

Konzert 3

Mo 25.11.2019 — 19.30 Uhr Peterskirche Basel Olena Tokar Sopran, Terry Wey Countertenor, Julia Schröder Violine und Leitung Barocke Arien und Werke von N. A. Porpora, G. F. Händel, u.a. Extra 2 – Hundert Minuten Licht Clariant Weihnachtskonzert

Di 17.12.2019 — 19.30 Uhr Martinskirche Basel

Piotr Anderszewski Klavier, Baptiste Lopez Violine und Leitung

Nuria Rial Sopran, Sibylla Rubens Sopran, u.a.

Werke von Schumann, Holliger, Mozart und Poulenc

Johann Sebastian Bach Messe in h-Moll

Nachtklang I – Chagalls klingende Bilder

Fr 25.10.2019 — 21.00 Uhr Ackermannshof, Basel (Druckereihalle)

Gedenkkonzert Hansjörg Hofmann

Di 29.10.2019 — Stadtkirche Liestal Heinz Holliger Leitung Nachtklang Experimental I – Erzählungen

Fr 1.11.2019 — 21.00 Uhr Ackermannshof Basel (Druckereihalle)

Tickets:

www.kammerorchesterbasel.ch, www.kulturticket.ch, Bider & Tanner – Ihr Kulturhaus in Basel

Extra 3 – Neujahrszauber

Do 2.1.2020 — 19.30 Uhr Martinskirche Basel Regula Mühlemann Sopran, Umberto Benedetti Michelangeli Leitung Arien und Orchesterwerke von W. A. Mozart, G. F. Händel und G. Rossini Konzert 4 – Concerto en Sol

Do 23.1.2020 — 19.30 Uhr Martinskirche Basel Sol Gabetta Violoncello, Sylvain Cambreling Leitung Werke von Strawinsky, Rihm und Mendelssohn Bartholdy


Das Kammerorchester Basel unterwegs mit: Basel Chamber Orchestra on Tour with:

Unser Dank gilt unseren Sponsoren, Partnern  und Unterstützern / Our sincere thanks goes to our sponsors, partners and supporters:

Impressum / Legals Herausgeber / Publisher Kammerorchester Basel St. Johanns-Vorstadt 19 | 21, 4056 Basel Geschäftsführer / Director Marcel Falk Redaktion / Editor Anna Maier, Sigfried Schibli Texte / Texts Marcel Falk, Karl-Heinz Ott, Sigfried Schibli Übersetzung ins Englische / Translation into English WWT - Worldwide Translation Services

Presenting Sponsor

Sponsor

Design / Design Stadtluft Druck / Print Hornberger Druck ®

❱ Bertrand Chamayou Klavier

Baptiste Lopez Violine und Leitung

8.9.2019 Lons-le-Saunier Théâtre de Lons-le-Saunier

❱ Erwin Schrott Bassbariton, Alex Esposito Bariton,

Fotos / Photographs Łukasz Rajchert (Titelbild, Seiten 7, 8, 12/13, 19, 23), Peter Andreas Hassiepen (Karl-Heinz Ott), Michael Fehr (Franco Tettamanti) Inhaber von Urheberrechten, die wir nicht ermitteln konnten, werden wegen nachträglicher Rechtsabgeltung um Nachricht gebeten.

22.9.2019 Bukarest Romanian Atheneum — 24.9.2019 Wien Theater an der Wien

Ausgabe / Issue August 2019 Änderungen vorbehalten / Subject to change without notice © 2019 Kammerorchester Basel www.kammerorchesterbasel.ch

❱ Chloe Chua Violine, Regula Mühlemann Sopran,

Das MAGAZIN des Kammerorchester Basel erscheint zweimal jährlich. / The MAGAZINE of the Basel Chamber Orchestra appears twice yearly.

Deutscher Kammerchor, Giovanni Antonini Leitung

Umberto Benedetti Michelangeli Leitung

Medienpartner

Freunde

Stiftungen Konzertante Oper Isaac Dreyfus-Bernheim Stiftung MBF Foundation Lichtenstein Stiftung der Schweizerischen Mobiliar Genossenschaft Stiftung Kammerorchester Basel

27.9.2019 Bad Wörishofen Kurhaus — 1.10.2019 Thun Congress Hotel Seepark

Sulger Stiftung Kompositionsbeitrag Wolfgang Rihm ernst von siemens musikstiftung

❱ Piotr Anderszewski Klavier

Konzertreise USA

8.10.2019 Maribor Union Hall — 10.10.2019 Brno Filharmonie 11.10.2019 Lörrach Burghof — 13.10.2019 Wilhelmshaven Stadthalle — 16.10.2019 New York 92Y — 18.10.2019 Troy Troy Savings Bank Music Hall

❱ Gabriela Montero Klavier

Daniel Bard Violine und Leitung

8.11.2019 Olten Stadttheater — 9.11.2019 Visp Kultur- und Kongresszentrum La Poste — 12.11.2019 Zürich Maag Halle

❱ Nuria Rial Sopran, Sibylla Rubens Sopran, Margot

Oitzinger Alt, Camerata Vocale Freiburg, Winfried Toll Leitung, u.a.

11.12.2019 Freiburg i. Br. Konzerthaus — 13.12.2019 Pistoia Duomo (Cattedrale di San Zeno) — 15.12.2019 Lutry Temple de Lutry — 21.12.2019 Luzern KKL

❱ Olena Tokar Sopran, Terry Wey Countertenor Julia Schröder Violine und Leitung

29.11.2019 Halle Konzerthalle Ulrichskirche

❱ Sol Gabetta Violoncello

Sylvain Cambreling Leitung

20.1.2020 Genf Victoria Hall — 21.1.2020 Zürich Maag Halle – 22.1.2020 Bern Kultur Casino 24.1.2020 Grenoble MC2: Auditorium — 26.1.2020 Freiburg i. Br. Konzerthaus

ndern en Abse d r e arte t n U milienk wir 1 Fa n inder/ e s K lo 2 r , ve chsene a w r lang E 2 Nachtk (1 oder für den ) e » mit h n c e li g ählun Jugend z r E 9 « l a ent ber 201 Experim r am 1. Novem h l Fe ihalle im Michae ruckere f. in der D annsho Ackerm

"

Baptiste Lopez Violine und Leitung

Liebe Kids, hi Kids Welchen Schweizer Dialekt spricht der Schauspieler Michael Fehr? Lest mehr über ihn auf den Seiten 16 und 17. Which Swiss dialect does actor Michael Fehr speak? Read more about him on pages 16 and 17. info@kammerorchesterbasel.ch 21


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Konzerttipp November aktuell November Concert recommendation Gabriela Montero

Gabriela Montero

Es gibt Musikerinnen und Musiker, die sich damit begnügen, gute Musik zu machen. Der Pianistin Gabriela Montero reicht das nicht. Sie mischt sich ein in das Schicksal ihres Landes. Montero, die als Tochter einer nordamerikanischen Mutter und eines venezolanischen Vaters in Caracas geboren wurde, war ein Wunderkind und verbuchte schon früh Erfolge am Klavier. Mit 15 Monaten spielte sie eine eigene Melodie, mit andert­ halb Jahren die venezolanische Nationalhymne, die ihre Mutter dem Kleinkind jeden Abend vor dem Schlafengehen vorgesungen hatte. Als Wunderkind erfuhr sie intensive Förderung sowohl durch ihre Familie als auch durch den Staat Venezuela. Bereits mit acht Jahren gab sie ihr Debüt mit dem Nationalen Jugendorchester des Landes und dem Klavier­konzert in D-Dur von Joseph Haydn. Gabriela Montero kam früh in Kontakt mit dem ambitionierten, weltweit bewunderten System der musikalischen Jugendförderung in Venezuela («El Sistema»). Heute, als erfolgreiche und weltweit tätige Konzertpianistin mit Wohnsitz in Spanien, schweigt Gabriela Montero nicht mehr über die politische Situation in ihrem Heimatland. Sie wirft der sozialistischen Regierung Versagen vor und beklagt die allgegenwärtige Armut, die Korruption und Gewalt in Venezuela. Sie fühle, sagt Montero, als Künstlerin die Ver­pflichtung, den Leidenden eine Stimme zu geben und das Chaos, die Verwüstung, die Hässlichkeit und Gewalt in ihrem Heimatland anzuprangern.

There are musicians who content themselves with making good music. This is not enough for the pianist Gabriela Montero. She gets involved in the fortunes of her country. Montero, who was born in Caracas to an American mother and a Venezuelan father, was a wunderkind and notched up her first successes early on at the piano. At the age of 15 months she played her own melody, at the age of one and a half the Venezuelan national anthem, which her mother used to sing to her every evening before going to sleep. As a child prodigy she received strong support from both her family and the Venezuelan state. At the age of eight she made her début with the country’s National Youth Orchestra and the Piano Concerto in D Major by Joseph Haydn. Gabriela Montero came into contact early on with the ambitious system in Venezuela admired the world over for promoting young musical talent (El Sistema). Today, as a successful concert pianist appearing all over the world living in Spain, Gabriela Montero can no longer remain silent about the political situation in her home country. She accuses the socialist government of failure and above all laments the widespread poverty, corruption and violence in Venezuela. As an artist, Montero says, she feels it is her duty to speak up for those suffering and to condemn the chaos, destruction, ugliness and violence in her home country.

Neben der klassischen Interpretation pflegt sie intensiv die Kunst der Improvisation. Sie ist in der Lage, spontan über vom Publikum vorgeschlagene Melodien zu improvisieren und betrachtet die Im­ pro­visation als gleichberechtigte und gleichwer­tige Kunst neben der Komposition und der klassischen Interpretation.

Apart from the interpretation of classical music, she also intensively cultivates the art of improvi­ sation. She is capable of improvising on the basis of melodies spontaneously suggested by an audience and regards improvisation to be a discipline on an equal footing and just as valid as composition and classical interpretation.

Konzert 2

Mi 13.11.2019 — 19.30 Uhr Martinskirche Basel Gabriela Montero Klavier Daniel Bard Violine und Leitung

Gabriela Montero findet durch ihre Improvisationen einen speziellen Draht zum Publikum. Gabriela Montero establishes a special rapport with the audience through her improvisations.

Mozart Ouvertüre zu «Lucio Silla» KV 135, Konzert für Klavier und Orchester Nr. 20 in d-Moll KV 466, Montero Improvisation für Klavier solo, Fauré Masques et Bergamasques op. 112, Suite für Orchester, Milhaud Le bœuf sur le toit op. 58

Unterstützt von / funded with kind support from

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41 2016

Was uns mit Musikern verbindet, ist die Liebe ZUR PERFEKTEN KOMPOSITION.

DAS IST CLARIANT: LEIDENSCHAFTLICHER FÖRDERER DER KÜNSTE

Das perfekte Zusammenspiel von Harmonie, Tempo und Rhythmus erschafft Musik, die uns alle bewegt. Fast wie bei uns: Denn wenn wir etwas bewegen wollen, entstehen aus Engagement, Know-how und Forschung innovative Lösungen für die Spezialchemie, die Emissionen senken, Rohstoffe sparen – und nachhaltig Wert schaffen. Das ist uns wichtig.

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Kunstmuseum Basel | New building (Christ & Gantenbein) | Photo: Julian Salinas

A unique concentration of museums, the world’s most important art fair, internationally renowned architecture and creative hotspots: no matter whether you’re visiting the prestigious Kunstmuseum Basel or the equally popular Fondation Beyeler, attending Art Basel or one of the lively music festivals, watching a show at one of the many different theatres or checking out celebrated buildings designed by top architects – welcome to the cultural capital of Switzerland! www.basel.ch

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