Monthly Market Monitor
Mai 2021
Inhalt
Auf einen Blick
Konjunktur-Radar Am Puls der Wirtschaft
Unsere Sicht auf die Märkte
04
Bergsicht
06
Die geopolitische HeatMap
Anlagestrategie
07
Notizen vom Investment-Komitee
08
Thema im Fokus Eine Frage der Bewertung
ESG: Rund ums Thema Nachhaltigkeit Vom schwierigen Spagat «grün» zu werden
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Die letzte Seite Anlageklassen und Agenda
12 Kaiser Partner Privatbank AG | Monthly Market Monitor - Mai 2021
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Auf einen Blick
Unsere Sicht auf die Märkte
Die (grossen) Notenbanken bleiben locker Die US-Notenbank Fed liess sich im April keinerlei Hinweise auf ein Ende des billigen Geldes entlocken. Sie kauft auch weiterhin jeden Monat Wertpapiere in Milliardenhöhe. Gleiches gilt für die Europäische Zentralbank, welche ebenfalls am Status quo festhält. Die Ausnahme von der Regel ist die Bank of Canada, die im April eine leichte Reduzierung ihrer Anleihekäufe ankündigte. Auch die Notenbanken Norwegens und Grossbritanniens dürften sich im Jahresverlauf einer Normalisierung ihrer Geldpolitik annähern. Ungebrochene Rohstoffrally Die Rohstoffpreise befinden sich in einem dynamischen Aufwärtstrend und haben gemessen am Bloomberg Rohstoffindex seit Jahresbeginn mehr als 15% zugelegt. Ursache für die breitangelegte Hausse ist die bei vielen Rohstoffen verknappte Angebots-Nachfrage-Situation. Trotz der kurzfristig konstruktiven Aussichten für die Anlageklasse halten wir uns von direkten Investments in Agrarrohstoffe oder Industriemetalle fern und betrachten Rohstoffe an erster Stelle als Konjunktur- und Inflationsindikatoren. Eine grüne(re) deutsche Regierung In den Umfragen zur deutschen Bundestagswahl am
Grafik des Monats Sell in May…?| Die Ernte wird an der Börse (normalerweise) im Herbst eingefahren Monatliche Renditen MSCI Weltindex (Median seit 1970)
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
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Monthly Market Monitor - Mai 2021 | Kaiser Partner Privatbank AG
26. September verspüren die Grünen mit Werten oberhalb von 20% derzeit ordentlich Höhenluft. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die grüne Partei in der nächsten Legislaturperiode mitregiert, liegt aus heutiger Sicht bei über 80%. Der momentan in Europa vorherrschende Trend einer sehr ausgabenfreudigen Fiskalpolitik dürfte sich unter grüner Regierungsbeteiligung fortsetzen. Eine Frage der Bewertung Die Pessimisten unter den Börsianern verweisen in letzter Zeit gern auf rekordhohe Bewertungskennzahlen. Kein Wunder, denn seit Jahresbeginn zeigt der Kurspfeil bei Aktien stetig nach oben. Tatsächlich sind die Aktienmärkte gemessen an diversen Bewertungskennzahlen derzeit so hoch bewertet wie selten (oder jemals) zuvor. Doch Bewertungsmasse waren noch nie ein zuverlässiges Timing-Tool. Vom schwierigen Spagat «grün» zu werden Es gibt Unternehmen, die agieren bereits nachhaltig, und solche, die erst noch «grün» werden (müssen). Die grossen Öl- und Gasgesellschaften gehören definitiv zur zweiten Sorte. Der Weg in eine umweltfreundliche(re) Zukunft ist für sie allerdings eine besondere Herausforderung.
«Sell in May and go away…» – die Regel, nach der man seine Aktien im Frühling verkaufen und erst im Herbst an die Börse zurückkommen sollte, ist wohl eine der ältesten Weisheiten an der Wall Street. Geht man dem Sprichwort statistisch auf den Grund, so erhält es durchaus seine Berechtigung: In der Vergangenheit waren die mit Aktien erzielbaren Erträge im Winterhalbjahr (November bis April) jeweils deutlich höher als im Sommer (Mai bis Oktober). Gemessen am MSCI Weltindex betrug die Winter-Rendite (im Median seit 1970) mehr als 8%, die Sommer-Rendite aber nur rund 2%. Dass es sich tatsächlich auszahlt im Sommer den Kopf in den Sand beziehungsweise das Geld unter die Matratze zu stecken, ist damit aber nicht gesagt. Denn diese Zahlen zeigen auch, dass man bei der Rückkehr aufs Börsenparkett Anfang November im Schnitt zu höheren Kursen (zurück)kaufen muss.
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Konjunktur-Radar Am Puls der Wirtschaft
Die konjunkturellen Vorlaufindikatoren sind in den letzten Wochen auf teils extrem hohe (optimistische) Werte gestiegen und signalisieren einen laufenden (USA) beziehungsweise bevorstehenden (Europa) Konjunkturboom. Das Thema Inflation wird nicht zuletzt deshalb in jüngster Zeit wieder heiss diskutiert.
Bidens erste 100 Tage im Weissen Haus In den ersten Monaten seiner Amtszeit hat Joe Biden ein atemberaubendes Tempo vorgelegt. Während sich das 2.3 Billionen US-Dollar teure Infrastrukturprogramm noch in Verhandlungen befindet, legte der US-Präsident Ende April nochmals nach. Mit dem «American Families Plan» in Höhe von bis zu 1.8 Billionen US-Dollar soll das soziale Sicherheitsnetz in den USA verbessert werden. Profitieren würde insbesondere der (untere) Mittelstand. Die Kosten des Milliardensegens sollen über höhere Einkommens- und Kapitalgewinnsteuern finanziert werden, was bei Republikanern und an der Wall Street auf wenig Gegenliebe stossen dürfte. Impfkampagnen gewinnen an Fahrt Mit einem annualisierten Wachstum von 6.4% befindet sich die US-Wirtschaft bereits in der Hochkonjunktur, dies nicht zuletzt dank speditiver Impfkampagne. Letztere gewinnen nun auch in Europa zunehmend an Fahrt, was demnächst zu fortlaufenden Öffnungsschritten führen dürfte. Im Sommer dürfte sich die aufgestaute Nachfrage der Konsumenten dann endgültig entladen. Der EU-Wirtschaftsstimmungsindikator stieg im April um 9.4 Punkte (die Erwartungen lagen bei +1.1 Punkte) und deutet an, dass auch in Europa ein kleiner Boom bevorsteht. Fed bleibt (unbeirrt) auf Kurs US-Notenbankchef Powell liess sich an der letzten Pressekonferenz der Fed keine Hinweise auf ein Ende der ultralockeren Geldpolitik entlocken. Für ein Tapering – also eine Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe – sei es noch zu früh. Die zunehmenden Indikationen einer anziehenden Inflation wurden vom obersten Währungs-
Besser geht’s nicht | US-Einkaufsmanager so optimistisch wie zuletzt 1983 ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe
hüter als temporär bezeichnet – eine Lohn-Preis-Spirale drohe nicht, solange der Arbeitsmarkt nicht wirklich gesundet sei. Auch von EZB-Präsidentin Lagarde gab es zuletzt weiterhin eher taubenhafte Töne. Ein Ende der globalen Geldschwemme ist vorerst nicht in Sicht. Inflation – nur temporär? Auch wenn die Notenbanker momentan überwiegend keine Teuerungsgefahren sehen, dürfte die Inflation in den nächsten Monaten Gesprächsstoff geben. Anekdoten, in denen Restaurantketten in den USA händeringend nach Personal suchen (welches dank grosszügiger Unterstützung der Regierung lieber zu Hause bleibt), sind kein Einzelfall. Gestresste globale Lieferketten, (stark) steigende Rohstoffpreise und Basiseffekte dürften in der zweiten Jahreshälfte bei der Inflation in den USA sowie im Euroraum für eine «2» vor dem Komma sorgen. Wie nachhaltig die höhere Teuerung ist, wird sich erst 2022 zeigen. Konsensschätzungen Wachstum & Inflation 2020
2021
2022
Schweiz
-3.2
3.3
2.8
Eurozone
-6.8
4.1
4.1
Grossbritannien
-9.9
5.5
5.5
USA
-3.5
6.3
4.0
2.3
8.5
5.5
Schweiz
-0.7
0.3
0.4
Eurozone
0.3
1.6
1.3
Grossbritannien
0.9
1.5
1.9
USA
1.3
2.6
2.2
China
2.5
1.5
2.3
Letzter
3M
12M
Schweiz
-0.75
→
→
Eurozone
-0.50
→
→
Grossbritannien
0.10
→
→
USA
0.25
→
→
China
2.95
→
→
Schweiz
-0.18
→
→
Eurozone
-0.17
→
→
Grossbritannien
0.84
→
→
USA
1.63
→
→
China
3.16
→
→
BIP-Wachstum (in %)
China Inflation (in %)
Zinserwartungen Kaiser Partner Privatbank Leitzinsen (in %)
10-jährige Renditen (in %)
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank 6
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Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Bergsicht
Die geopolitische HeatMap
Eine grüne(re) deutsche Regierung In den Umfragen zur deutschen Bundestagswahl am 26. September verspüren die Grünen mit Werten oberhalb von 20% derzeit ordentlich Höhenluft. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die grüne Partei in der nächsten Legislaturperiode mitregiert, liegt aus heutiger Sicht bei über 80%. Je nachdem in welcher Konstellation die Grünen mitregieren werden, dürften sie ihre Agenda mehr oder weniger durchsetzen können. Aussenpolitisch stehen sie für ein klareres und härteres Auftreten gegenüber Russland und China. In Bezug auf Europa würde sich der aktuelle Trend ausgabenfreudiger Fiskalpolitik unter grüner Regierungsbeteiligung derweil fortsetzen. Dies dürfte den Euro tendenziell begünstigen. Darüber hinaus erwarten wir von den Wahlen in Deutschland keine nennenswerten Implikationen für die Finanzmärkte. USA vs. China Die (wirtschaftliche) Auseinandersetzung der zwei Riesenmächte wird aus unserer Sicht eines der dominierenden geopolitischen Themen der 2020er Jahre werden, inklusive Säbelrasseln im südchinesischen Meer und dem Risiko einer lokalen Eskalation. Die Optionen der möglichen Kooperation beider Länder scheint auf wenige Felder wie Gesundheit und Klimawandel beschränkt. Bezüglich letzterem haben die USA auf dem virtuellen Klimagipfel unter
dem Vorsitz von Joe Biden im April vorgelegt. Das neue Ziel für die Reduktion der CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 steht nun bei 50-52% und ist nahezu eine Verdopplung der bisher gemachten Zusagen. China hielt sich mit neuen Ankündigungen hingegen zurück und möchte erst nach 2025 ernsthaft mit dem Kohleausstieg beginnen. Herausforderung Iran Die Wiederherstellung des Atomabkommens mit dem Iran gehört zu einer der wichtigsten aussenpolitischen Themen des neuen US-Präsidenten. Dies nicht zuletzt auch um Ressourcen und Aufmerksamkeit schnellstmöglich weiter nach Osten (in Richtung China und Umgebung) auszurichten. Bis der Noch-Präsident Hassan Rouhani – inzwischen politisch eine „lahme Ente“ – im August aus dem Amt scheidet, bietet sich ein Zeitfenster, um einen „Deal“ über die Bühne zu bringen, bei dem beide Seite ihr Gesicht wahren können. Danach würden viel längere Verhandlungen nötig werden, denn bei den anstehenden Wahlen ist ein Erstarken der Konservativen wahrscheinlich – diese nehmen beim Nuklearthema eine besonders harte Haltung ein.links und rechts vorerst gebannt. In Frankreich allerdings ist Präsident Macron im Umfragetief, während die Rechtspopulistin Le Pen ein Comeback erlebt – eine Entwicklung, die wir weiter beobachten werden.
Geopolitische Entwicklungen machen vor den Finanzmärkten nicht Halt. Vielmehr sind sie in den letzten Jahren zu einer immer wichtigeren Einflussgrösse geworden. In der „Bergsicht“ werfen wir einen Blick auf die aktuell wichtigsten Brennpunkte.
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Anlagestrategie
Notizen vom Investment-Komitee
Rasant steigende Unternehmensgewinne, ein Konjunkturboom und passive Notenbanken – für Aktionäre ist dies die beste aller Welten. Entsprechend eilen die Aktienmärkte von einem Rekord zum nächsten. Konsolidierungsbedarf bleibt aber bestehen – und könnte sich aus Sicht der Saisonalität demnächst auch realisieren.
Asset Allocation Monitor -
+
-
Liquidität
Aktien
Festverzinsliche Anlagen
Global
Staatsanleihen
Schweiz
Unternehmensanleihen
Europa
Mikrofinanz Inflationsbasierte A.
+
Grossbritannien 04/2021
USA
Hochzinsanleihen
Schwellenländer
Schwellenländeranleihen
Alternative Anlagen
Versicherungsbasierte A.
Gold
Wandelanleihen
Immobilien
Laufzeiten
Hedgefonds
Währungen
Strukturierte Produkte
US-Dollar
Private Equity
Schweizer Franken Euro Britisches Pfund
Scorecard Konjunktur
+ 04/2021
Aktien: Beeindruckende Gewinnsaison • In der aktuell laufenden Berichtssaison für das ers- Geld- und Fiskalpolitik Unternehmensgewinne te Quartal 2021 werden die Marktteilnehmer nicht Bewertung enttäuscht. Trotz bereits hoher Erwartungen gelingt Trend es einer rekordhohen Anzahl an Unternehmen die 04/2021 Anlegerstimmung Prognosen der Analysten zu übertreffen – und dies zum Teil sehr deutlich. So liegt die «Gewinn-Überder starken Rally der letzten Zeit besteht Konsolidieraschung» in den USA bei circa 25%, in Europa imrungsbedarf und aus saisonaler Perspektive liegen die merhin bei knapp 20%. Auch in den kommenden besten Börsenmonate nun hinter uns. Quartalen sind zweistellige Gewinnwachstumsraten zu erwarten. Dies dürfte dazu beitragen, dass sich die Anleihen: US-Staatsanleihen werden langsam wieder hohe Bewertung des (US-)Aktienmarktes im Jahres- interessant verlauf zumindest etwas relativieren wird. • Die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen haben • Apropos Bewertung: Die durch die Bank sehr starken den seit Sommer 2020 andauernden Aufwärtstrend Ergebnisse von Apple, Amazon, Alphabet, Facebook im April vorerst unterbrochen. Mehr als eine überfälund Microsoft zeigen auf, dass die US-Technologierielige Konsolidierung kam dabei bisher aber nicht hersen die wahren Gewinner der Pandemie sind und trotz aus – die Renditen pendelten oberhalb eines Niveaus ihrer Grösse immer noch über erhebliches Wachsvon 1.5% seitwärts. Staatspapiere aus den USA sind in tumspotential verfügen. Zumindest bei diesen «Big den vergangenen Monaten für ausländische Anleger Five» (und damit implizit auch für den Gesamtmarkt) wieder zunehmend interessant geworden. So wersind Vergleiche mit der Internetblase zur Jahrtausendfen währungsgesicherte Investitionen in 10-jährige wende daher kaum angebracht. Einige Kursexzesse US-Treasuries für europäische oder japanische Inveswaren im ersten Quartal zwar sichtbar, beispielsweise toren unter dem Strich immerhin zwischen 2.5% und bei SPACs und vermeintlich disruptiven Unternehmen 3% ab. Im insgesamt unattraktiven Segment der (Inwie sie im schlagzeilenträchtigen ARK-ETF versammelt dustrieländer-)Staatsanleihen bieten sie damit global sind. Aus diesen offensichtlichen Kursblasen ist inzwidas beste Chance-Risiko-Verhältnis. Anders gestaltet schen aber bereits etwas Luft entwichen. sich die Situation bei europäischen Staatspapieren, • Trotz boomender Konjunktur, steigender Gewinne wo die massgebliche Rendite für 10-jährige deutsche und offener Geldschleusen dürfte sich das Tempo der Anleihen jüngst ein neues Jahreshoch oberhalb von Kursavancen demnächst etwas verlangsamen. Nach -0.2% markierte und angesichts des Nachholbedarfs 8
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bei der Konjunkturentwicklung ein weiterer Zinsanten hingegen ein fester und wichtiger Bestandteil stieg (sowie weitere Kursverluste) zu erwarten sind. unserer Anlagestrategie. Zuletzt haben sich auch • Etwas an Attraktivität eingebüsst haben in letzter die taktischen Perspektiven für das gelbe EdelmeZeit hingegen die inflationsbasierten US-Staatstall wieder aufgehellt. Der charttechnische Dopanleihen (TIPS). Nachdem die 10-jährige Breakepelboden bei 1’680 US-Dollar könnte die Basis ven-Inflationsrate zuletzt auf über 2.4% - und dafür Kursavancen im zweiten Halbjahr darstellen. mit auf den höchsten Stand seit 2013 – gestiegen ist und sich inzwischen recht deutlich oberhalb Währungen: Handelsspannen dominieren des Teuerungsziels der Fed befindet, erscheint • EUR/USD: Wie gewonnen, so zerronnen – dies gilt zudas weitere Potential limitiert. Gegenüber nomimindest für den US-Dollar und dessen Kursentwicknalen Anleihen sind TIPS aufgrund ihrer Eignung lung in den letzten zwei Monaten. Denn alle Gewinne als Inflationsschutz aber weiterhin zu bevorzugen. aus dem März wurden im April wieder abgegeben. Die Erklärungsansätze für die jüngste Entwicklung reiAlternative Anlagen: Ungebrochene Rohstoffrally chen von einer zunehmenden Impf-Dynamik in Euro• Nach kurzer Verschnaufpause im März haben die pa bis hin zu einer sehr taubenhaften US-Notenbank, Rohstoffpreise ihren dynamischen Aufwärtstrend welche nicht einmal Andeutungen an ein Ende der im April fortgesetzt. Gemessen am Bloomberg Rohultralockeren Geldpolitik machen will. Doch anstatt stoffindex liegt die Anlageklasse seit Jahresbeginn regelmässig nach Erklärungen zu suchen, geht es mittlerweile mehr als 15% im Plus und performt auch einfacher: Objektiv betrachtet befindet sich der damit besser als die ebenfalls haussierenden AktiEUR/USD-Kurs in einer Handelsspanne – erst wenn en. Ursache für den jüngsten Kursimpuls ist neben diese verlassen wird, gibt es das nächste Kurssignal. neuerlichem Rückenwind seitens des schwachen • GBP/USD: Auch das britische Pfund befindet sich US-Dollars eine verknappte Angebots-Nachfrage-Sigegenüber dem US-Dollar in einer drei Monate wähtuation bei vielen Rohstoffen. Nicht nur in China ist renden Handelsspanne. Angesichts der positiven die Nachfrage weiterhin hoch – da der sich abzeichEntwicklung im Hinblick auf die Pandemie dürfte nende Konjunkturboom ein globaler ist, ist auch der Grossbritannien 2021 zu den am stärksten wachsenRohstoffbedarf in den USA und Europa immens und den Industrieländern gehören. Die Bank of England zudem über viele Branchen verteilt. Bei immer mehr könnte daher schon vergleichsweise früh eine NorRohstoffen drückt sich die angespannte Situation inmalisierung ihrer Geldpolitik andeuten. Für das Pfund zwischen in höheren Preisen für kurzfristige Liefelässt dies demnächst fortgesetzte Stabilität erwarten. rungen aus – die Terminmarktkurve befindet sich in • EUR/CHF: Der EUR/CHF-Kurs konsolidierte in den ver«Backwardation». Dies akzentuiert die Performance gangenen Wochen in einer Tradingrange zwischen von Rohstoffinvestments zusätzlich. 1.095 und 1.115 CHF und bildete dabei eine potenti• Trotz der kurzfristig konstruktiven Aussichten für elle «Flagge». Aus klassischer charttechnischer Sicht die Anlageklasse halten wir uns von direkten Inist dies eine Trendfortsetzungsformation, welche im vestments in Agrarrohstoffe oder Industriemetalle Sommer eine weitere Befestigung des Euro erwarfern und betrachten Rohstoffe an erster Stelle als ten lässt. Impuls für eine solche Entwicklung könnte Konjunktur- und Inflationsindikatoren. Gold bleibt die weitere Öffnung der Volkswirtschaften aufgrund aufgrund seines Charakters als Wertaufbewahvon gelockerten Corona-Beschränkungen und ein rungsmittels und seiner Korrelationseigenschafdadurch induzierter Zinsanstieg in der Eurozone sein. Kupfer wird in der Finanzwelt zuweilen auch als «Dr. Copper» bezeichnet. Der Preis für das rotglänzende Industriemetall ist besonders konjunktursensibel und gilt als Vorlaufindikator für die globale Wirtschaft. Auf der anderen Seite des Spektrums befindet sich Gold, welches zumeist dann besonders gefragt ist, wenn es an den Märkten kriselt. Das Preisverhältnis von defensivem Gold zu zyklischem Kupfer ist daher auch ein Gradmesser für die Stimmung der Anleger an den Finanzmärkten. Zuletzt hat sich das Gold/Kupfer-Verhältnis um zwei Standardabweichungen von seinem 2-Jahresdurchschnitt entfernt. Dies widerspiegelt zum einen die Kupferrally des letzten Jahres, welche fundamental grösstenteils gerechtfertigt ist (das Metall wird in signifikanten Mengen für die grüne Energie- und Mobilitätswende benötigt). Zum anderen drückt es aber auch ein mehr als gesundes Mass an Optimismus aus, was die Korrekturanfälligkeit von risikobehafteten Anlagen in den nächsten Monaten erhöht.
Chart unter der Lupe Ausgereizt | Gold/Kupfer-Ratio lässt Korrektur erwarten Gold/Kupfer-Verhältnis (Abstand zum 2-Jahresdurchschnitt)
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank Kaiser Partner Privatbank AG | Monthly Market Monitor - Mai 2021
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Thema im Fokus Eine Frage der Bewertung
Da der Kurspfeil bei Aktien seit Jahresbeginn stetig nach oben zeigt, sind deren Bewertungen in jüngster Zeit weiter angestiegen. Tatsächlich sind die Aktienmärkte gemessen an diversen Bewertungskennzahlen – beispielsweise dem Buffett-Indikator – derzeit so hoch bewertet wie selten zuvor. Zeit zum Verkaufen? Entdecken Sie mehr auf unserem Blog
Der Buffett-Indikator ist im roten Bereich… Die Aktienmärkte markieren in den letzten Monaten ein Allzeithoch nach dem anderen. Dies hat die Bewertungen naturgemäss weiter in die Höhe getrieben und erhitzt jüngst zunehmend die Gemüter – zumindest die der notorischen Pessimisten. Ein Indikator sticht dabei besonders hervor: der «Buffett-Indikator», welcher auf absolute Rekordwerte gestiegen ist. Benannt nach der Börsenlegende Warren Buffett beschreibt er das Verhältnis zwischen der Marktkapitalisierung des (US-) Aktienmarktes und der (US-)Wirtschaftsleistung. Mit einem Höchststand von rund 150% markierte der Buffett-Indikator zur Jahrtausendwende den Höhepunkt der Internet- und Hightech-Bubble. Heute steht das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Wirtschaftsleistung in den USA bei weit über 200%. Befinden wir uns also vor dem Platzen der nächsten Blase wie es uns so mancher Aktien-Bär weismachen will? …und hat seine Schwächen Die Zeit wird es zeigen… Doch ob ein hoher Buffett-Indikator allein genügt ist zumindest fraglich. Jedenfalls hat dieser bei etwas genauerem Blick erhebliche Schwächen. Diese beginnen schon beim absoluten Wert des Indikators. Dass dieser in den USA über 70 Jahre mehr oder weniger um die Marke von 100% schwankte – was aus reiner Zahlenoptik nach einem «wichtigen» Wert aussieht –, mag letztlich reiner Zufall sein. Für andere Länder reichen die vergleichbaren Werte jedenfalls von 30% in Italien, über 66% in Deutschland bis zu über 1’400% in Hongkong. Allgemeingültige beziehungswei-
The sky is the limit (?) | Heiss, heisser, Buffett-Indikator Verhältnis Marktkapitalisierung zu Bruttoinlandsprodukt USA
Quelle: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank 10
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se «internationale» Werte für die Kategorien günstig, fair oder teuer gibt es somit nicht. Was der Buffett-Indikator ebenfalls nicht berücksichtigt, ist das makroökonomische Umfeld, insbesondere das Zinsniveau. So rentierten 10-jährige US-Staatsanleihen zur Jahrtausendwende noch rund 6% und waren damit eine ernsthafte Alternative zu offensichtlich überbewerteten Internetaktien. Heute liegt der wichtige Referenzzins trotz deutlichen Anstiegs im letzten halben Jahr noch immer unter 2%. Damit sind Anleihen gegenüber Aktien nach wie vor unattraktiv. Bewertungsmasse sind ein schlechtes Timing-Tool Die Schwächen des Buffett-Indikators hat mittlerweile auch sein Namensgeber eingestanden. Die Aussagen von vor 20 Jahren hat Warren Buffett jedenfalls abgeschwächt, inzwischen mag auch er keine einzelne Bewertungskennziffer mehr als umfassend oder über die Zeit konsistent befürworten. Im neuesten Brief an die Aktionäre seines Anlagevehikels Berkshire Hathaway wurden die offensichtlich hohen Bewertungen der Märkte gar mit keinem Wort erwähnt. Doch auch andere Bewertungskennzahlen wie etwa das Kurs-Umsatz-Verhältnis, welches sich in den USA ebenfalls auf einem absoluten Höchstwert befindet, sind nicht über alle Zweifel erhaben. Letzteres reflektiert beispielsweise nicht, dass die Unternehmen ihre Margen in den letzten Jahren stetig ausweiten konnten und pro Einheit Umsatz daher heutzutage deutlich mehr Gewinn einfahren. Das sinnvollste Bewertungsmass unter den vielen bleibt das altbekannte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Auch dieses befindet sich mit Werten von rund 26x aktuell nahe der Levels aus der bereits erwähnten Blasenzeit der Jahre 2000/2001. Allerdings besteht bei dieser Kennziffer die berechtigte Hoffnung, dass sich deren Werte im Jahresverlauf etwas relativieren. Dann nämlich, wenn die Gewinnprognosen der Analysten weiterhin so stark übertrumpft werden wie aktuell in der Berichtssaison für das erste Quartal. So oder so – über das Kurspotential der Aktienmärkte in den nächsten 12 Monaten lässt sich auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnis kaum eine treffsichere Prognose machen. Erst auf Sicht von fünf, besser aber auf zehn Jahre gewinnt das KGV an Prognosegehalt. Eine hohe Bewertung in der Gegenwart lässt dann auf tiefere Erträge in der Zukunft schliessen. Aus dieser Perspektive müssen sich Aktionäre auf Sicht der nächsten Dekade wohl mit geringeren Renditen zufriedengeben. Dies bedeutet aber nicht, dass in den kommenden 12 bis 18 Monaten nicht noch weiteres Kurspotential besteht.
ESG: Rund ums Thema Nachhaltigkeit Vom schwierigen Spagat «grün» zu werden
Öl-Multis unter Druck Wer heutzutage CEO eines grossen Öl- und Gaskonzerns ist, der benötigt gute Nerven. Der Posten auf dem Chefsessel gleicht nämlich einem heissen Stuhl. Einerseits verhagelte die Pandemie den Öl-Multis im letzten Jahr die Gewinnrechnung – allein die grössten fünf (westlichen) börsennotierten Unternehmen Royal Dutch Shell, BP, ExxonMobil, Total und Chevron verzeichneten 2020 Verluste von knapp 60 Milliarden US-Dollar. Und andererseits nimmt der Druck seitens der Investoren stetig zu. Diese fordern, dass Klimarisiken in der Unternehmensstrategie umfassend berücksichtigt werden und dass der CO2-Fussabdruck besser heute als morgen massiv reduziert wird. Aviva, einer der grössten britischen Asset Manager, hat im Januar gar mit der „ultimativen Sanktion“ – dem vollständigen Verkauf seiner Aktienpakete (Divestment) – gedroht und 30 Unternehmen aus den kritischen Branchen Öl, Gas, Bergbau und Versorgung auf die Beobachtungsliste gesetzt. Zumindest auf dem Papier – beziehungsweise in den Investorenpräsentationen – haben die Öl-Multis reagiert. In den letzten Monaten haben beispielsweise Royal Dutch Shell, BP, und Total jeweils angekündigt ihren Netto-Ausstoss von Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 auf null zu reduzieren. (Noch) keine „grünen“ Dividenden Doch das Fitmachen der weltgrössten Öl- und Gaskonzerne für die fraglos notwendige Energiewende gleicht der Vollbremsung eines Öltankers auf offener See – es benötigt längere Zeit. Denn auch wenn das „grüne“ Momentum in der Politik (und in der Anlegergemeinde) derzeit noch so hoch ist – die Neuausrichtung der kapitalintensiven Geschäftsmodelle der Öl-Multis kann bei diesem Tempo nicht mithalten. Das Geld für Investitionen in zukunftsträchtigere Geschäfte – seien es erneuerbare Energien oder die Speicherung und Verteilung von Elektrizität – muss nämlich erst einmal verdient werden. Und hier ist es nach wie vor das angestammte Geschäft, welches für den nötigen Cash Flow sorgt. Dies sind vor allem die Förderung und der Handel von Erdöl- und Erdgas. Einen einigermassen stabilen Rohölpreis vorausgesetzt, ist dieses Stammgeschäft nach wie vor sehr profitabel – und die Basis für milliardenschwere Dividendenzahlungen. Für diese war die Öl- und Gasbranche lange Zeit bekannt. Und entsprechend beliebt waren (und teilweise sind) die Dividendenpapiere der Öl-Multis bei einigen Anlegern noch heute. Um alle Anspruchsgruppen zu beglücken,
müssen die Grosskonzerne einen Spagat wagen. Einige sind dabei mutiger, andere weniger. Was jedenfalls nicht verwundert, ist dass einige Branchenriesen wie zum Beispiel Royal Dutch Shell weiterhin rund 60% des Investitionsbudgets für das traditionelle Geschäft und somit beispielsweise für die Erschliessung neuer Ölund Gasquellen aufwenden. Divestments sind keine Lösung Nachhaltiges Investieren hat zahlreiche Facetten. Das strikte Ausschliessen von „braunen“ Unternehmen ist darunter die radikalste Variante. Die zugrundeliegende Umweltproblematik wird durch Divestments aber nicht gelöst – dies insbesondere in der Öl- und Gasindustrie. Denn während die westlichen Öl-Multis unter höchster Beobachtung stehen, gilt dies für deren Pendants aus Russland, China oder Nahost weitaus weniger. Wenn BP & Co. von heute auf morgen aus dem bisherigen Kerngeschäft ausstiegen, könnten die anderen in die entstehende Lücke springen und der Umwelt wäre nicht geholfen. Auch darf nicht vergessen werden, dass Erdölprodukte nicht nur den Verkehr antreiben, sondern darüber hinaus vielfältigste Verwendung finden und nicht überall leicht ersetzbar sind. Andere ESG-Strategien sind daher unserer Meinung nach zu bevorzugen. Eine Möglichkeit besteht darin jene Unternehmen zu bevorzugen, welche die überzeugendste Transformationsstrategie verfolgen („Best-in-Class“). Zu den besseren Handlungsalternativen gehört zudem die aktive Stimmrechtsausübung und das direkte Engagement mit dem Management der Unternehmen („Active Ownership“).
Es gibt Unternehmen, die agieren bereits nachhaltig, und solche, die erst noch «grün» werden (müssen). Die grossen Öl- und Gasgesellschaften gehören definitiv zur zweiten Sorte. Der Weg in eine umweltfreundliche(re) Zukunft ist für sie allerdings eine besondere Herausforderung.
Aktionäre brauchen einen langen Atem | Die Pandemie verhagelte Gewinne (und Dividenden) Aktienkurse der grossen Öl-Multis
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank Kaiser Partner Privatbank AG | Monthly Market Monitor - Mai 2021
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Die letzte Seite
Anlageklassen und Agenda
Performance per 30. April 2021 Anlageklassen
seit Jahresbeginn
1 Monat
1 Jahr
3 Jahre
Liquidität CHF
-0.1%
-0.7%
-2.0%
EUR
0.0%
-0.5%
-1.2%
USD
0.0%
0.2%
4.8%
Staatsanleihen
0.0%
-2.1%
8.2%
Unternehmensanleihen
1.5%
8.2%
17.5% 10.4%
Festverzinsliche Anlagen
Mikrofinanz
0.3%
2.6%
Inflationsbasierte Anleihen
0.8%
4.0%
17.7%
Hochzinsanleihen
1.0%
16.8%
20.5%
Schwellenländeranleihen
2.4%
16.0%
17.2%
Versicherungsbasierte Anl.
0.3%
6.2%
12.0%
Wandelanleihen Aktien
2.9%
52.7%
59.4%
Global
4.0%
41.9%
48.3%
Schweiz
0.9%
16.2%
32.5%
Europa
2.2%
38.1%
18.4%
Grossbritannien
4.0%
20.8%
1.8%
USA
5.4%
47.8%
67.3%
Schwellenländer
2.4%
45.7%
15.7%
Rohstoffe
8.3%
48.4%
0.9%
Gold
3.6%
4.9%
34.5%
Immobilien Schweiz
1.0%
13.2%
30.0%
Hedgefonds
1.8%
14.9%
12.6%
Alternative Anlagen
Währungen EUR/USD
2.5%
9.7%
-0.5%
EUR/CHF
-0.8%
3.8%
-8.3%
GBP/USD
0.3%
9.8%
0.4%
Auf unserer Agenda 6. Mai: Parlamentswahlen in Schottland Die Schotten haben letzte Woche gewählt. Die Schottische Nationalpartei (SNP) wurde ihrer Rolle als Favoritin der Wähler gerecht und holte mit Abstand die meisten Stimmen. Ein neues Unabhängigkeitsreferendum dürfte es dennoch so bald nicht geben. 20. Mai: Weltbienentag Der „World Bee Day“ am 20. Mai – dem Geburtstag des Imkerei-Pioniers Anton Janša – wird erst seit 2018 begangen, doch seine Botschaft ist umso gewichtiger: Bienen bestäuben nahezu drei Viertel aller Pflanzen, aus welchen wiederum 90% all unserer Nahrungsmittel produziert werden. 3. Juni: Weltfahrradtag Ebenfalls erst seinen dritten Geburtstag feiert der „World Bicycle Day“. Das Zweirad hat im letzten Jahr insbesondere aufgrund der Corona-Pandemie einen massiven Aufschwung erfahren. Als nachhaltiges Fortbewegungsmittel liefert es einen positiven Beitrag zur Verringerung unseres CO2-Fussabdrucks, vor allem wenn man eines ohne Batterie fährt.
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Monthly Market Monitor - Mai 2021 | Kaiser Partner Privatbank AG
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