Monthly Market Monitor
Januar 2022
Inhalt Gruss vom CEO Auf ins Nach-Nach-Pandemie-Jahr
Auf einen Blick
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Unsere Sicht auf die Märkte
Konjunktur-Radar Am Puls der Wirtschaft
06 08
Bergsicht Die geopolitische HeatMap
09
Thema im Fokus
Anlagestrategie Notizen vom Investment-Komitee
Die letzte Seite
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Schwellenländeraktien: Wann kommt der Turnaround?
12
Anlageklassen und Agenda
ESG: Rund ums Thema Nachhaltigkeit
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«Grüne» Trends 2022
14 Kaiser Partner Privatbank AG | Monthly Market Monitor - Januar 2022
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Gruss vom CEO
Auf ins Nach-Nach-Pandemie-Jahr
Geschätzte Kundinnen und Kunden, Ich hoffe sehr, dass Sie gut und gesund ins neue Jahr gerutscht sind und aus den ein zweites Jahr in Folge pandemiebedingt etwas «speziellen» Festtagen das Beste gemacht haben. Vielleicht blieb Ihnen zwischen den Jahren ja etwas mehr Zeit als üblich – für ein gutes Buch, Bewegung an der frischen Luft oder angeregte Gespräche im klein(er)en Kreis –, so dass Sie nun erholt und mit positiver Energie ins Jahr 2022 starten können. Christian Reich CEO
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Aber bevor wir nach vorn schauen, zunächst ein Blick in den Rückspiegel. Was bleibt von 2021 (in Erinnerung)? Schiffe, die «Ever Given» heissen und zu gross sind für die Schifffahrtswege, die sie passieren sollen. Immobilienkonzerne, die «Evergrande» heissen und eigentlich zu gross sind, um sie bankrottgehen zu lassen. Milliardäre im Weltall. Der Mob im Weissen Haus. Home Office und Jogginghosen. Und natürlich der Abschied von James Bond. Doch vor allem hat uns das letzte Jahr einen Crashkurs in Virologie und Epidemiologie verschafft. Wir verstehen jetzt Antigene, Antikörper und Reproduktionsraten. Wir wissen, dass ein Virus in geschlossenen, unbelüfteten Räumen als Aerosol übertragen wird und dass diese Aerosole insbesondere beim Singen und Schreien ausgestossen werden. Wir wissen auch, dass Impfungen gegen RNA-Viren nur eine begrenzte Lebensdauer haben, Reinfektionen nicht verhindern und dass es zu «Superspreader»-Ereignissen kommen kann. Zu guter Letzt kennen wir nun das griechische Alphabet (nach «Omikron» kommt übrigens «Pi»). Derart (weiter) gebildet wissen wir schliesslich aber auch, dass insbesondere die letzte, vierte Corona-Welle in Mitteleuropa eigentlich keine «Überraschung» sein konnte. Experten hatten vor den letztendlich wahr gewordenen Szenarien schon im Sommer gewarnt. Wird uns «Corona» je wieder in Ruhe lassen? Ein Zurück zur Normalität dürfte es so schnell nicht geben. Doch wo viel Schatten ist, dort ist auch Licht. Die vergangenen zwei Pandemie-Jahre haben glücklicherweise auch gezeigt, was die medizinische Forschung heutzutage Eindrucksvolles leisten kann. Schon in einigen Wochen könnte es nun bereits Impfstoffe geben, welche an die Omikron-Variante angepasst sind. Und mit etwas Glück stellt sich bald heraus, dass das krankmachende Potential der jüngsten (oder zukünftiger) Mutante(n) nachlässt. Dies wäre für den Verlauf von Pandemien
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beziehungsweise die Funktionsweise von Viren nicht ungewöhnlich und könnte den Weg in die Endemie ebnen. Zwar müssten wir auch dann mit dem Virus leben – aber auch das würden wir schaffen! Damit genug zur Pandemie. An Herausforderungen wird es 2022 auch abseits von «Corona» nicht mangeln. China rasselt mit den Säbeln vor Taiwan, Russland tut Selbiges an der Grenze zur Ukraine und der Iran könnte in Kürze die Fähigkeit zum Bau von Atomwaffen erlangt haben – allein um Nordkorea ist es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden. Dass sich die (ehemalige) Weltmacht USA in diesem Jahr potentiell an drei Fronten gleichzeitig (heraus)gefordert sehen könnte, kann – zumindest für Beobachter der geopolitischen Materie – ebenfalls keine Überraschung sein. Nach dem chaotischen Rückzug aus Afghanistan im Sommer sieht Amerika schwach aus. Das erhöht die Versuchung für Russland, China und den Iran, alte Missstände zu beseitigen oder lang gehegte Ambitionen voranzutreiben. Zwar scheint es unwahrscheinlich, dass Xi Jinping und Wladimir Putin direkt über eine koordinierte Militäraktion sprechen. Und die Idee einer Dreierkonferenz, an der auch der iranische Präsident
Nicht nur in unserem täglichen Handeln können wir einen Beitrag leisten, den Klimawandel aufzuhalten, sondern auch mit unserem Vermögen.
Ebrahim Raisi teilnimmt, entbehrt erst recht jeglicher Grundlage. Aber auch wenn es keinen einheitlichen Plan gibt, der die Absichten von Peking, Moskau und Teheran miteinander verbindet, so gibt es doch ein gewisses Mass an gemeinsamer Analyse und Wachsamkeit. In keinem der drei Konflikte wird die Regierung Biden die militärische Option ausdrücklich vom Tisch nehmen. Der Rückgriff auf wirtschaftliche und diplomatische Waffen dürfte das Mittel erster Wahl bleiben. Grössere kriegerische Auseinandersetzungen sollten uns 2022 hoffentlich erspart bleiben. Der Trend zur De-Globalisierung dürfte sich angesichts der geopolitischen Entwicklungen aber fortsetzen. Während die meisten von uns in Sachen Geopolitik nur Beobachter sind, sind andere Themen in letzter Zeit noch näher gerückt. Zum Beispiel Cyberattacken, welche nicht nur Regierungen und Unternehmen, sondern auch uns als Privatpersonen treffen können. Und nicht zu vergessen die Inflation. Diese mehr oder weniger abstrakte, äusserst komplexe Statistik, welche vielfältigste Ursachen haben kann, nicht linear verläuft und selbst für die Notenbanken schwer vorherzusagen ist – somit also wirklich ein
Überraschungsmoment besitzt – erlebt das erste Mal seit über einer Generation ein Comeback. Doch selbst die Angst vor der Entwertung des Geldes verblasst vor einer viel grösseren Bedrohung: dem immer schneller voranschreitenden Klimawandel. Ob Hurricanes und Tornados in den USA, Dürren in Südamerika oder Überflutungen in Deutschland – «Anschauungsunterricht» gab es auch im vergangenen Jahr zur Genüge. Dass die Erderwärmung hausgemacht – also vom Menschen verursacht – ist, hat uns der Weltklimarat gerade erst schwarz auf weiss deutlich gemacht. Die Auswirkungen des Klimawandels sind exponentiell: Sie werden mit fortschreitender Erwärmung immer schlimmer. Es drohen nicht «nur» steigende Temperaturen und schmelzende Eiskappen, sondern Wasserknappheit, Massenmigration, Nahrungsmittelkrisen und Wohlstandsverlust. Die Zeit zum Handeln ist «Jetzt». In den 2020er Jahren bleibt uns vermutlich noch ein kurzes Zeitfenster um «die Kurve zu kratzen» und die Kurve des Temperaturanstiegs zu bändigen beziehungsweise letzteren auf 1.5 Grad Celsius zu beschränken. Eine wesentliche Rolle wird dabei auch dem privaten Anlagekapital zukommen. Um die nötigen Treibhausgaseinsparungen zu erzielen sind riesige Investitionen in erneuerbare Energien, Elektromobilität, Infrastruktur und neue Technologien erforderlich. Für Anleger liegt dabei Verantwortung und Chance in einem. Nicht nur in unserem täglichen Handeln können wir einen Beitrag leisten, sondern auch mit unserem Vermögen – ob im Dialog mit Unternehmen oder mit dezidierten «Impact»-Investitionen. Als Nachhaltigkeits-Pionier in Liechtenstein wird Sie die Kaiser Partner Privatbank dabei auch in diesem Jahr unterstützen. So werden wir unser Angebot, beispielsweise im Bereich der Private Markets, weiter ausbauen. Ich freue mich darauf mit Ihnen gemeinsam auf diese herausfordernde, aber auch spannende Reise zu gehen. Ihr Christian Reich
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Auf einen Blick
Unsere Sicht auf die Märkte
Jahresendrally und ein neues Allzeithoch Nach einem volatilen Start brachte der Dezember die oft zitierte Jahresend- bzw. Weihnachtsrally – und neue Allzeithochs, beispielsweise im US-Blue-ChipIndex S&P 500 und im Schweizer SMI. Das Haar in der Suppe war zuletzt allerdings die wenig breite Abstützung der Aktienhausse, insbesondere in den USA. Ist diese Entwicklung Vorbote für eine schwache Performance im Aktienjahr 2022? Nicht unbedingt…
Chinas auf den «Wohlstand für alle» unter anderem deutliche Spuren bei chinesischen Tech- und Immobilienaktien hinterlassen. Auch 2022 bleibt das Reich der Mitte auf unserer geopolitischen Heatmap weit oben. Auf der Beobachtungsliste stehen zudem die Schauplätze Iran und Ukraine, die Wahlen in Frankreich sowie das Thema Cybersicherheit. Schwellenländeraktien auf dem Prüfstand Nur wenige Anlageklassen warfen für Investoren im letzten Jahr keinen Gewinn ab. Schwellenländeraktien gehörten dazu – sie performten sogar teils deutlich negativ. 2022 dürfte sich das Umfeld für die «Emerging Markets» etwas bessern und die Performance zumindest stabilisieren. Ein strategisches Engagement in Schwellenländern bleibt aus unserer Sicht nach wie vor sinnvoll, denn das dort vorhandene Wachstums- und Chancenpotential ist mehr als nur anekdotisch.
Geldpolitik wird restriktiver Die US-Notenbank forciert das Tapering und könnte schon in wenigen Monaten erstmals an der Zinsschraube drehen. Die Bank of England hat diesen Schritt im Dezember bereits getan und dürfte schon bald nachjustieren. Selbst die Europäische Zentralbank macht sich langsam, aber sicher auf den Weg in Richtung geldpolitischer Normalisierung. Die Realzinsen dürften trotz dieser Straffung hüben wie drüben noch für längere Zeit negativ bleiben, so dass das Umfeld für risikoreichere Anlagen vorerst noch «Grüne» Trends 2022 günstig bleibt. Die drei Buchstaben E, S und G sind längst im Investment-Mainstream angekommen. Doch nachhaltiges Geopolitik bleibt relevant Anlegen bleibt ein dynamisches (Wachstums-)Feld, Das vergangene Jahr hat einmal mehr aufgezeigt, das sich stetig weiterentwickelt. Wir beleuchten eidass Anleger (geo-)politische Entwicklungen nicht nige «grüne» Trends, welche sich dieses Jahr fortseteinfach ignorieren können. So hat der neue Fokus zen dürften.
Grafik des Monats Wenig Puffer bis zur Inversion | Märkte sehen nur geringes Zinserhöhungspotential US-Zinskurve (Renditedifferenz 10- und 2-jähriger Staatsanleihen)
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank 6
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Die US-Zinskurve – die Differenz zwischen 10-jähriger und 2-jähriger US-Staatsanleiherendite – gilt als wichtiger konjunktureller Vorlaufindikator. In der Vergangenheit war ein Absinken dieser Zinsdifferenz in den negativen Bereich stets ein verlässliches (Warn-)Signal für eine bevorstehende Rezession. Die letzte «Inversion war im August 2019 zu beobachten, die Corona-Rezession folgte ein halbes Jahr später. Derzeit steht die Zinskurve wieder unter erhöhter Beobachtung, denn in Anbetracht der nahenden Zinserhöhungen der US-Notenbank ist sie so «flach» wie nie zuvor. Dies lässt der Fed relativ wenig Raum für höhere Zinsen – überdreht sie die Zinsschraube, dann droht die Inversion der Kurve und der nächste wirtschaftliche Abschwung. Der letzte Zinserhöhungszyklus (20152018) endete bei 2.5%. Einiges spricht dafür, dass er kommende Zyklus bereits unterhalb von 2% ausläuft.
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Konjunktur-Radar Am Puls der Wirtschaft
Aufgrund der zweiten winterlichen PandemieWelle verschiebt sich ein Teil des Wirtschaftswachstums erneut in die Folgequartale. Die Notenbanken müssen derweil den ökonomischen Tatsachen ins Auge sehen und schwenken mehr oder weniger schnell auf einen restriktiveren Kurs ein.
Erholung geht weiter – trotz Risiken auf der Zeitachse Nachdem sich die globale Konjunktur 2021 bereits deutlich vom Pandemieschock erholen konnte, sind die Wachstumsaussichten (für die Industrieländer) auch 2022 positiv. Bei den Angebotsengpässen sollte es allmählich eine Entspannung geben, die Beschäftigung dürfte weiter zunehmen, die Verbraucher haben genügend Geld im Portmonee und Unternehmen sowie Staaten möchten mehr investieren. In den kommenden Winterwochen stellt die Omikron-Variante zwar ein veritables Risiko für die Gesundheitsversorgung und die «kritische Infrastruktur» dar und könnte zu schwachem (oder in einzelnen Ländern gar negativen) Wachstum im ersten Quartal führen. Unter dem Strich dürfte «Omikron» aber «nur» das Zeitprofil, nicht aber das Ausmass des Konjunkturaufschwungs beeinflussen. Fed beschleunigt das Tapering Die US-Notenbank versuchte in den vergangenen Wochen ihre zeitweise verlorengegangene Glaubwürdigkeit wiederzuerlangen. Der Arbeitsmarkt wird von den Währungshütern als nahe an der Vollbeschäftigung betrachtet und die Inflation nicht mehr als nur temporär erhöht. Daher soll der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik nun schneller geschehen als noch vor Kurzem projiziert. Ab Januar wird das Anleihekaufprogramm künftig jeden Monat um 30 Milliarden US-Dollar reduziert, so dass es bereits Ende März ausläuft. Schon kurz danach könnte es die erste Zinserhöhung geben. Denn der «Dot Plot» sieht für 2022 nun drei Zinserhöhungen vor. Noch im
Nahe an der Vollbeschäftigung | US-Arbeitsmarkt läuft hochtourig US-Arbeitslosenquote
September waren sich die Notenbanker uneinig, ob es dieses Jahr überhaupt einen Zinsschritt geben wird. Auch die EZB bewegt sich (langsam) Im Vergleich zur Fed bewegt sich die Europäische Zentralbank bei der Normalisierung ihrer Geldpolitik weiter auf die Kriechspur. So gab sie im Dezember zwar wie erwartet eine schrittweise Reduktion ihres PEPP-Anleihekaufprogramms bekannt. Die Frage, wann sie jegliche Wertpapierkäufe einstellt und die Zinsen erhöht, liess sie aber weit offen. Im Gegensatz zur US-Notenbank sieht die EZB die Teuerung im Euroraum weiterhin als nur vorübergehend hoch an. So korrigierte sie ihre Inflationsprognose zwar für 2022 drastisch von 1.7% auf 3.2% nach oben, für die zwei Folgejahre erwartet sie aber eine Abschwächung auf 1.8%. Von ihrem 2%-Inflationsziel wäre dies allerdings nicht weit entfernt und so bedarf es keiner besonders grossen Inflationsüberraschung um schon früher als 2024 eine Zinserhöhung zu rechtfertigen. Konsensschätzungen Wachstum & Inflation 2021
2022
2023
BIP-Wachstum (in %) Schweiz
3.5
2.9
1.7
Eurozone
5.1
4.2
2.5
Grossbritannien
6.9
4.8
2.2
USA
5.6
3.9
2.5
China
8.0
5.2
5.3
Inflation (in %) Schweiz
0.5
0.7
0.6
Eurozone
2.5
2.5
1.5
Grossbritannien
2.5
4.0
2.1
USA
4.7
4.4
2.4
China
1.0
2.2
2.2
3M
12M
Zinserwartungen Kaiser Partner Privatbank Letzter Leitzinsen (in %) Schweiz
-0.75
→
→
Eurozone
-0.50
→
→
Grossbritannien
0.25
↗
↗
USA
0.25
→
↗
China
2.95
↘
↘
Schweiz
-0.12
→
↗
Eurozone
-0.15
→
↗
Grossbritannien
0.97
→
↗
USA
1.58
→
↗
China
2.78
→
→
10-jährige Renditen (in %)
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank 8
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Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Bergsicht
Die geopolitische HeatMap
Steigende Cyberrisiken Cyberrisken gehören schon heute zu einer der grössten Bedrohungen für Unternehmen und Staaten – und somit auch für die Finanzmärkte. Dabei rücken die Einschläge (auch für Privatpersonen) immer näher und werden immer häufiger. Die im Dezember publik gewordene Sicherheitslücke in der beliebten Programmiersprache Java machte das halbe Internet angreifbar und wurde von Kriminellen und Spionen für zahlreiche Attacken genutzt. Das Wettrüsten zwischen Angreifern und Verteidigern im Cyberspace dürfte sich dieses Jahr fortsetzen.
Präsidentschaftswahlen in Frankreich Bei den französischen Wahlen im April könnte es auf ein Triell zwischen dem derzeitigen Präsidenten Macron sowie den Kandidatinnen von Mitte-Rechts (Pécresse) und Rechtsaussen (Le Pen) hinauslaufen. Im Vergleich zur «Schicksalswahl» 2017 sind die Chancen der Populisten auf einen Wahlsieg diesmal aber geringer. Die Auswirkungen der Wahl auf die Finanzmärkte dürften limitiert sein. Am ehesten ist ein temporärer Anstieg der Kreditaufschläge französischer Staatsanleihen (im Zusammenhang mit dem Ende des Pandemie-Anleihekaufprogramms der EZB) zu erwarten.
Militärische Hot-Spots Taiwan, Ukraine, Iran – mit aufsteigender Wahrscheinlichkeit droht an diesen Hot-Spots früher oder später eine militärische Eskalation. Sollte der Iran nicht in Kürze einer Wiederbelebung des Atomabkommens zustimmen, scheint ein Angriff auf die Atomanlagen seitens Israel (und den USA) fast unvermeidlich. Eine mögliche Vergeltung des Irans könnte dann zu kurzfristigen Turbulenzen am Ölmarkt führen. Zu Preisschwankungen am (europäischen) Energiemarkt könnte auch eine verschärfte Konfrontation zwischen Russland und der Ukraine beziehungsweise der Nato führen.
USA vor den Zwischenwahlen Eine Verabschiedung des «Build Back Better»-Pakets der Demokraten ist (noch) keine ausgemachte Sache. Sollte es US-Präsident Biden gelingen, das Vorhaben durchzubringen, dann wäre sein politisches Kapital aber endgültig aufgebraucht. Weitere Punkte auf seiner (innen)politischen Agenda dürften von den Republikanern angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen im November – bei denen sie derzeit gute Perspektiven auf Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses haben – blockiert werden. Damit bliebe Biden vorerst nur das Regieren via Exekutivorder und die Aussenpolitik.
Chinas Rückfall in die Autokratie und der Balanceakt der Kommunistischen Partei zwischen Reform und Stabilität sind auch 2022 ganz oben auf unserer geopolitischen Heatmap. Daneben gibt es im neuen Anlagejahr aber weitere wichtige geopolitische Themen.
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Anlagestrategie
Notizen vom Investment-Komitee
Die Weihnachtsrally war im ohnehin äusserst erfreulichen Börsenjahr 2021 die sprichwörtliche Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Im Aktienjahrgang 2022 dürfte nun kleinere Brötchen gebacken werden. Konstruktiv bleibt das Umfeld aber auch im neuen Jahr.
Asset Allocation Monitor -
+
-
Liquidität
Aktien
Festverzinsliche Anlagen
Global
Staatsanleihen
Schweiz
Unternehmensanleihen
Europa
Mikrofinanz
Grossbritannien
Inflationsbasierte A.
USA
Hochzinsanleihen
Schwellenländer
Schwellenländeranleihen
Alternative Anlagen
Versicherungsbasierte A.
Gold
Wandelanleihen
Immobilien
Laufzeiten
Hedgefonds
Währungen
Strukturierte Produkte
US-Dollar
Private Equity
+
Schweizer Franken Euro Britisches Pfund
Scorecard
Aktien: Jahresendrally und ein neues Allzeithoch + • Nach einem volatilen Start brachte der Dezember die Konjunktur oft zitierte Jahresend- bzw. Weihnachtsrally – und Geld- und Fiskalpolitik neue Allzeithochs. Letztere allerdings nur vereinzelt, Unternehmensgewinne beispielsweise im US-Blue-Chip-Index S&P 500 und Bewertung im Schweizer SMI. Den amerikanischen Technologie- Trend aktien und Small Caps sowie den grösseren europä- Anlegerstimmung ischen Märkten gelang dieses Kunststück hingegen nicht. Dies versinnbildlicht wie wenig breit abgestützt Einsatz von Fremdkapital reduziert werden, so dass die Aktienhausse (vor allem in den USA) zuletzt war. das Marktexposure derzeit eher gering ist. Für anhalSchaut man an den zehn grössten US-Aktien vorbei, so tende Kaufnachfrage dürften derweil auch 2022 die waren im Verlauf von 2021 deutliche Kurskorrekturen Aktienrückkaufprogramme der Unternehmen sorgen. und eine Bewertungskontraktion zu beobachten. Obwohl der breite Russell-3000-Index im vierten Quartal Anleihen: Kreditaufschläge bieten wenig Puffer nur um-4% und der Nasdaq-Index um-7% korrigierten • 2021 mussten Anleiheanleger in der Jahresendabrechbetrug der durchschnittliche «Drawdown» für die in nung Kursverluste hinnehmen. Für 2022 sind die Persden Indizes enthalten Titel -28% bzw. -38%. Ist diese pektiven beziehungsweise das Chance-Risiko-VerhältEntwicklung Vorbote für eine schwache Performance nis bei klassischen Anleihen leider nicht viel besser. im Aktienjahr 2022? Insbesondere in den USA dürften die Zinsen weiter • Nicht unbedingt – zumindest war eine hohe Marktansteigen. Am klarsten ist diese Erwartungshaltung konzentration in der Vergangenheit kein gutes Timing– aufgrund der erwarteten Zinserhöhungen der Fed – Tool. Zudem bleibt das Umfeld für Aktien, geprägt von für die kürzeren Laufzeiten. Etwas weniger überzeugt (trotz etwas restriktiverer Geldpolitik) weiterhin tieist die Einschätzung – aufgrund der Unsicherheit der fen Realzinsen, überdurchschnittlichem WirtschaftsVariablen Inflation und Wachstum – bezüglich des Anwachstum und soliden Unternehmensgewinnen auch stiegspotentials am langen Ende der Zinskurve. Aber im neuen Jahr konstruktiv. Auf kürzere Sicht könnte auch dort rechnen wir mit tendenziell höheren Rendiauch die Positionierung der Investoren eine Stütze für ten (und entsprechend schwächeren Kursen). Das besdie Märkte sein. Für viele (Hedge-)Fondsmanager war te Verhältnis von Verzinsung zu Laufzeitenrisiko sehen 2021 ein herausfordernder Jahrgang – teils mussten wir in den kommenden Monaten bei UnternehmensPositionen gegen Jahresende zwangsliquidiert und der anleihen mit mittlerer Duration. Doch auch in diesem 10
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in der Lage sein, attraktive Renditen zu erwirtschaften. Segment stellen die niedrigen Kreditaufschläge (selbst Die Managerauswahl ist entscheidend. im Hochzinsbereich) nur einen begrenzten Puffer gegen höhere Zinsen dar. • Weil (überraschend) hohe Inflationsraten dieses Jahr Währungen: Bank of England erhöht die Zinsen erneut mehr als nur ein vernachlässigbares Restrisiko • EUR/USD: Der Euro konnte sich gegenüber dem US-Dollar im Dezember stabilisieren und tendierte sind, ist eine Allokation zu inflationsbasierten Anleiseitwärts. Im besten Fall stellt dies den Beginn einer hen weiterhin angebracht. Daneben bleiben verzinsBodenbildung dar, im schlechteren ist es nur eine Pauliche Alternativen gefragt. Mikrofinanzkredite und se im bestehenden Abwärtstrend. Für dessen FortInvestitionen in Peer-to-Peer-Kredite sind zwar versetzung bis auf Kurse unterhalb von 1.10 USD spricht gleichsweise wenig spektakulär, rentieren aber sehr vor allem die weiter auseinandergehende Zinsschere solide und haben eine tiefe Korrelation zu anderen zwischen den USA und Europa. Da diese geldpolitische Anlagen – Nervenkitzel sollten Anleger eh woanders Divergenz nicht mehr ganz neu ist und die Marktteilsuchen. Versicherungsbasierte Anleihen mussten aufnehmer inzwischen entsprechend positioniert sind, grund diverser Wetterereignisse in den USA im letzten wird eine grössere Gegenbewegung auf tieferen NiJahr Rückschläge einstecken, bleiben in diversifizierter veaus aber immer wahrscheinlicher. Form aber auch 2022 ein nützlicher Portfoliobaustein • GBP/USD: Die Bank of England entwickelt sich für die innerhalb der Fixed-Income-Strategie. Währungsmärkte zunehmend zu einem «unzuverlässigen Freund». Denn nach der «No-Show» im NoAlternative Anlagen: Kleinere Brötchen auch bei vember war die nun im Dezember vorgenommene Private Equity Zinserhöhung (um 15 Basispunkte auf 0.25%) letztlich • Private Equity wurde dem Ruf nach überdurchschnitterneut eine kleinere Überraschung. Angesichts des ralichen Renditen im letzten Jahr einmal mehr gerecht. piden Anstiegs der Ansteckungen mit «Omikron» war Zwar liegen die endgültigen Performancezahlen für dies ungewiss geworden. Mit 8:1 Stimmen war die 2021 noch nicht vor. Es ist aber bereits absehbar, dass Entscheidung dann aber umso deutlicher. Schon im Privatmarktanlagen die sehr gute Performance der AkFebruar könnte der nächste Zinsschritt folgen. In Folge tienmärkte noch übertreffen konnten. Auch für Privawiederbelebter Zinsfantasie sollte sich das Pfund nun te-Equity-Manager dürfte das neue Jahr nun aber heetwas stabilisieren können. rausfordernder werden. Nachdem die Branche in den letzten zwölf Monaten sehr viel Geld eingesammelt • EUR/CHF: Berücksichtigt man die Inflationsdifferenz, dann bleibt von der (nominalen) Aufwertung des Franhat – darunter 31 Mega-Fonds mit einem Volumen ken um 4% gegenüber dem Euro im letzten Jahr nicht von mehr als fünf Milliarden US-Dollar –, steht sehr viel übrig – «real» hat der Franken sogar leicht abgeviel Geld an der Seitenlinie, welches investiert werden wertet. Da die Schweizerische Nationalbank traditiomöchte. Dies in einem Umfeld weiter gestiegener Benell eine tiefe Inflationstoleranz hat könnte sie einer wertungen. Dass diese inzwischen oft zu ambitioniert weiteren Aufwertung des Franken im Jahresverlauf sind, zeigte nicht zuletzt die schwache Performance zusehen, ohne gross zu intervenieren – solange dieder IPOs von Wachstumsunternehmen im letzten Jahr se nicht zu schnell geschieht. Auf kürzere Sicht ist der – mehr als die Hälfte der neu gelisteten Firmen notierEuro allerdings überverkauft, so dass zunächst eine te per Jahresende unter dem Preis beim Börsengang. Konsolidierungsphase wahrscheinlich ist. Gute Manager dürften indes auch in diesem Umfeld
Im Gegensatz zum wilden Ritt im ersten Pandemie-Jahr 2020 als der S&P 500-Index innerhalb von fünf Wochen um ein Drittel einbrach war 2021 eine beschauliche Fahrt. Der maximale Kursrückgang im US-Blue-ChipIndex betrug trotz verschiedener Unsicherheiten angesichts neuer Virusvarianten, Inflationsängsten und beschleunigtem Tapering der Fed gerade einmal 5.9% (intraday). Weniger Volatilität gab es in der Hausse seit 2009 nur im Jahr 2017, als der Markt angesichts einer von Donald Trumps Steuersenkungen angeheizten Rally nicht einmal 5% korrigierte. Volatilität ist allerdings zyklisch. Nach 2017 folgte am 5. Februar 2018 das sogenannte «Volmageddon»: Ein Tagesanstieg des VIX-Index um mehr als 100% und dadurch initiiert der Zusammenbruch des populären Volatilitäts-ETF namens XIV. (Börsen-)Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Auch 2022 sind mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder höhere Schwankungen zu erwarten.
Chart unter der Lupe Ende der gemütlichen Tour?| 2022 dürfte wieder (etwas) volatiler werden Abstand zum Allzeithoch (Drawdown) im S&P 500-Index
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
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Thema im Fokus
Schwellenländeraktien: Wann kommt der Turnaround?
Nur wenige Anlageklassen warfen für Investoren im letzten Jahr keinen Gewinn ab. Schwellenländeraktien gehören dazu – sie performten sogar deutlich negativ. Ist nun die Zeit für eine Trendwende gekommen?
Ein Jahr zum Abhaken Wer als Anleger im letzten Jahr (zu) stark in Schwellenländeraktien investiert war, musste für einmal – absolut und relativ – in den sprichwörtlichen sauren Apfel beissen. Nicht nur war die Performance des MSCI Schwellenländerindex negativ (-4.6%). Zugleich schnitt das Schwellenländerbarometer auch mehr als 20% schlechter ab als die Industrieländer – die grösste Underperformance seit 2013 (-29%). Tatsächlich kam das makroökonomische Umfeld für die «Emerging Markets» 2021 einem perfekten Sturm recht nahe. Der Wirtschaftsaufschwung nach dem ersten Corona-Schock verpuffte relativ schnell, auch weil es im Gegensatz zu den Industrieländern an vergleichbarer geld- und fiskalpolitischer Unterstützung fehlte. Aufgrund teils deutlich geringerer Impfquoten war das Coronavirus gleichzeitig eine grössere Wachstumsbremse. Die Inflation stieg hingegen noch deutlich stärker an, was die Notenbanken in vielen Schwellenländern zu Zinserhöhungen zwang. Zusätzlichen Gegenwind brachte der starke US-Dollar. Ein grosser Belastungsfaktor war schliesslich China, welches mit einem Anteil von rund einem Drittel inzwischen das grosse Schwergewicht in der Schwellenländer-Benchmark ist. Das scharfe Vorgehen der Regierung gegen chinesische Internetunternehmen, die Turbulenzen am Immobilienmarkt und eine generelle Unsicherheit hinsichtlich der von Präsident Xi ausgegebenen Losung «Wohlstand für alle» drückten Wachstum und Sentiment – und nicht zuletzt auch die Kurse. Unter den grösseren Schwellenländermärkten trug China letztes Jahr folglich die rote Laterne. Was zählt ist das «Delta» So viel zum Blick in den Rückspiegel – doch wie geht es weiter? Da die Märkte in die Zukunft schauen kommt es vor allem darauf an, wie sich die oben beschriebenen Variablen in den nächsten Quartalen verändern werden. Dieses «Delta» ist vielfach positiv. So dürfte beispielsweise die Wachstumsdifferenz zwischen Schwellen- und Industrieländern, welche 2021 auf ein Minimum geschrumpft war, zukünftig wieder steigen. Auch beim Thema der Corona-Impfungen dürften die Schwellenländer aufholen. Die verbesserte Wachstumsdynamik sollte sich schliesslich auch in einer relativ besseren Entwicklung der Unternehmensgewinne widerspiegeln – diese war in der Vergangenheit einer der wesentlichen Treiber für
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Monthly Market Monitor - Januar 2022 | Kaiser Partner Privatbank AG
die Out- oder Underperformance der Schwellenländeraktien. Ein Unsicherheitsfaktor und vorerst neutraler bis weiterhin leicht negativer Treiber bleibt der US-Dollar, welcher noch etwas weiter aufwerten könnte. China könnte hingegen – entgegen der derzeitigen Marktstimmung – zu einem (An)Treiber werden. Denn nicht nur sind Unsicherheit und (Neben) effekte bezüglich der anziehenden Regulierungsschraube mittlerweile weitreichend eingepreist. Gleichzeitig ist auch in China positives «Delta» zu erwarten. So hat das Politbüro im Dezember zu erkennen gegeben, dass (wirtschaftliche) «Stabilität» in den kommenden Monaten äusserte Stabilität haben wird. Punktuelle Stützungs- bzw. Lockerungsmassnahmen im Immobiliensektor waren zuletzt bereits erkennbar. Auch an der geldpolitischen Front gab es Ende letzten Jahres mit der Senkung der Mindestreservesätze für Banken bereits Lockerungen. Der Kreditimpuls – ein wichtiger Indikator für Konjunkturdynamik und Märkte – könnte demnächst wieder nach oben drehen.
Eine attraktive Anlageklasse? Sind Schwellenländeraktien im Jahr 2022 nun also ein Kauf? Auf die Frage gibt es eine taktische Antwort und eine strategische Überlegung. Aus Sicht der Taktik bietet es sich an zumindest eine neutrale Position zu den Schwellenländermärkten einzunehmen. Das Potential für eine unmittelbare Fortsetzung der Underperformance der jüngeren Vergangenheit erscheint limitiert, die Möglichkeit einer Aufholbewegung besteht hingegen durchaus. Neben dem «Delta-Potential» sind sie zusätzlich nämlich auch so günstig wie selten zuvor und handeln gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis mit einem Bewertungsabschlag von gut 30% zu den Industrieländern. Zudem stehen sie in der Gunst der Investoren derzeit nicht besonders hoch, was aus «Contrarian»-Sicht positiv ist.
Schweres Gewicht | China drückte 2021 auf die Performance MSCI Indizes
Doch lohnt sich das Taktieren überhaupt beziehungsweise sind Schwellenländer als strategischer Baustein in der Asset Allocation (noch) sinnvoll? Schliesslich kann man die vergangenen zehn Jahre getrost als «verlorene Dekade» bezeichnen. Während der MSCI Weltindex in diesem Zeitraum eine jährliche Rendite von mehr als 12% aufweist, kommt der Schwellenländerindex mit 5.2% auf weniger als die Hälfte. Und dies bei einer deutlich höheren Volatilität (13.2% vs. 16.4%). Der Teufel liegt wie so oft im Detail. Das «Performance-Problem» relativiert sich etwas, wenn man in einen etwas kürzeren Zeithorizont hineinzoomt und insbesondere darauf schaut mit welcher Benchmark man vergleicht. Dann fällt nämlich auf, dass die Underperformance eigentlich nur gegenüber den USA wirklich frappant ist. Mit dem Rest der Industrieländer konnten die Schwellenländer seit 2014 hingegen relativ gut mithalten.
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Ein strategisches Engagement in Schwellenländern ist aus unserer Sicht nach wie vor sinnvoll. Das dort vorhandene Wachstums- und Chancenpotential ist mehr als nur anekdotisch. Da es sich bei der Schwellenländer-Benchmark von MSCI um ein (regional) heterogenes und zugleich schwach diversifiziertes Konstrukt (China, Südkorea und Taiwan machen mehr als 60% des Index aus) handelt, bietet es sich allerdings an, sein Engagement möglichst aktiv zu steuern. Im Vergleich zu den Industrieländern gibt es bei den Emerging Markets mehr Ineffizienzen und eine gewisse Komplexitätsprämie. Wer sich diese – mit Hilfe professioneller Unterstützung im Rahmen der Vermögensverwaltung – zu Nutze machen kann, für den können Schwellenländeraktien eine Bereicherung sein.
Ein taktischer Kauf? | Auf der Trendlinie MSCI China vs. MSCI Emerging Markets
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Seit 2014 können Schwellenländer «mithalten»… | …nur nicht mit den USA Relative Performance MSCI Indizes
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank Kaiser Partner Privatbank AG | Monthly Market Monitor - Januar 2022
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ESG: Rund ums Thema Nachhaltigkeit «Grüne» Trends 2022
Zuckerbrot und Peitsche – und zeigt nicht zuletzt, dass «ESG» längst im InvesNachhaltige Anlagen erfreuten sich 2021 weiterhin tment-Mainstream angekommen ist. Eine Tatsache, steigender Beliebtheit. Gemäss Berechnungen von die sich im letzten nicht zuletzt auch erneut in vielen Morningstar hat sich das in als nachhaltig (sustain- neuen Beitritten zur Investoreninitiative Principles able) klassifizierten Anlagefonds und ETFs verwalte- for Responsible Investments (PRI) widerspiegelte. te Vermögen allein in den ersten drei Quartalen des letzten Jahres mehr als verdoppelt und weltweit ein Grünwaschen auf dem Zenit? Volumen von 3.9 Billionen US-Dollar erreicht. Knapp Das starke Wachstum von ESG-Anlagen ging im letz90% dieser Anlagen sind dabei in Europa domiziliert. ten Jahr nicht ohne Misstöne vonstatten. In den MeUrsache für diese hohe Wachstumsdynamik (und dien wurde nämlich nicht nur erfolgreich die grüne die Regionalität) war 2021 insbesondere die Regu- Werbetrommel gerührt. Mehr als in den Vorjahren lierungs-Peitsche namens SFDR (Sustainable Finance kamen auch Kritiker des Nachhaltigkeitstrends zu Disclosure Regulation), gemäss derer Anlagegefässe Wort. Und oftmals schwang der Makel des «Greenin der EU seit März je nach Strategie und Exposu- washings» mit. Tatsächlich war es bisher ein leichtes re zwischen herkömmlich, hellgrün und dunkelgrün Spiel einem Anlageprodukt den grünen Stempel aufunterschieden werden. Sie führte dazu, dass viele zudrücken. Denn die ESG-Buchstabensuppe verschieFonds in ihrem Zweck «angepasst» wurden und nun denster Regulierungen, Terminologien und Labels ist als nachhaltig gelten. Ein Prozedere, welches sich schwer durchschaubar. Wer zehn Portfoliomanager 2022 fortsetzen dürfte, denn rund die Hälfte aller nach ihrer Definition für eine «grüne Investition» in europäischen Fonds verwalteten Anlagen quali- fragt, wird darauf auch heute noch zehn verschiedefizierten sich grundsätzlich für die grünen Kategori- ne Antworten erhalten. Langsam wird aber absehbar, en. Dass ESG-Anlagen weiterhin schneller wachsen dass sich zukünftig ein gemeinsames Vokabular herwerden als ihre konventionellen Pendants liegt aber ausbildet, welches die Transparenz fördern und vor nicht allein an der Peitsche, sondern auch am Zu- allem die Produktauswahl erleichtern dürfte. In den ckerbrot. Gemäss einer Studie von bfinance erwar- USA hat die Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörten rund 80% der befragten Anleger, dass nachhaltig de (SEC) die Investmentbranche bereits auf Defizite verwaltete Strategien in den kommenden drei Jah- bei der Offenlegung und den Praktiken bei der Prüren (weiter) outperformen werden. Auch diese po- fung von ESG-Angaben aufmerksam gemacht. Weisitive Erwartungshaltung dürfte grünen Anlagen in tere Schritte dürften folgen. In Europa stellt derweil den kommenden Quartalen weiteren Auftrieb geben die oben erwähnte SFDR bereits einen wesentlichen Schritt nach vorn dar. Gemäss einer Untersuchung von MSCI sind gemäss Artikel 8 oder 9 der SFDR als Ungebrochene Dynamik | Stetig wachsende Investorengemeinschaft nachhaltig vermarktete (Klima-)Fonds besser mit Verwaltete Vermögen und Anzahl Unterzeichner der PRI-Initiative einem 1.5- bzw. 2-Grad-Klimaerwärmungs-Szenario aligniert als herkömmliche Fonds. Zudem ist ihr ökologischer Fussabdruck statistisch signifikant geringer. Die SDFR macht es insgesamt also schwieriger einem Fonds kurzerhand einen grünen Anstrich zu verpassen. Umgekehrt wird es für Anleger einfacher den grünen Charakter einer Anlage nachzuvollziehen und individuelle Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen. Für eine klarere Antwort auf die Frage, was denn eigentlich nachhaltig ist, dürfte auch die EU-Taxonomie sorgen, welche seit Jahresbeginn in Kraft ist. Sie definiert, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als «grün» gelten und in welcher Form (europäische) Unternehmen darüber berichten müssen. Die Taxonomie könnte dazu beitragen einen internationalen Die drei Buchstaben E, S und G sind längst im Investment-Mainstream angekommen. Doch nachhaltiges Anlegen bleibt ein dynamisches (Wachstums-)Feld. Wir beleuchten einige «grüne» Trends, welche sich dieses Jahr fortsetzen dürften.
Quellen: UNPRI, Kaiser Partner Privatbank 14
Monthly Market Monitor - Januar 2022 | Kaiser Partner Privatbank AG
her noch keine offiziellen Nettonull-Zielen bekannt gegeben haben, könnten sich schon bald zu ebensolchen gezwungen sehen. Ähnliche Vergrünungs-Effekte entlang der Lieferkette sind in den nächsten Jahren auch in anderen Branchen zu erwarten.
Standard in Bezug auf die Definition von Nachhaltigkeitsfragen zu setzen. Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass sie sich zu einer Leitlinie entwickeln dürfte, an der sich andere Länder bei der Definition ihres eigenen Rahmenwerks orientieren werden, sowie sich Investoren bei der Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsstrategien ausrichten können. Nettonull entlang der Lieferkette «Net zero» war in der ESG-Welt im vergangenen Jahr eines der wichtigen Stichwörter. Viele Staaten bekannten sich dazu ihre Treibhausgasemissionen noch stärker als bisher geplant zu senken. Erneut drangen auch viele Unternehmen – nicht zuletzt aufgrund des Drucks ihrer Aktionäre – mit einem CO2-Fahrplan an die Öffentlichkeit. Seit Längerem zu den Vorreitern auf dem Weg zur «nettonull» gehören die amerikanischen Internetriesen Amazon, Microsoft und Alphabet. Aufgrund ihrer Marktmacht stehen sie zuletzt immer öfter in der Kritik. Doch wenn es um die Erreichung ihrer sehr ambitionierten Klimaziele geht, könnte Grösse für einmal segensreich sein. Riesiges CO2-Einsparpotential besteht nämlich bei Cloud-Datenzentren – einem Markt, den die drei Unternehmen fast vollständig dominieren und der jedes Jahr milliardenschwere Investitionen erfordert. Wenn Amazon & Co. nicht nur ihren direkten, sondern auch den indirekten ökologischen Fussabdruck verbessern wollen, dann müssen sie zukünftig auch ihre Zulieferer für Technologieausrüstung (Hardware, Halbleiter, etc.) in die Pflicht nehmen. Dass sie dies früher oder später auch tun werden, ist mehr als wahrscheinlich. Auch IT-Ausrüster wie Lenovo und Hewlett Packard oder Chiphersteller wie Intel und TSMC, welche bis-
«Private» Emissionen auf dem Prüfstand Wie gross der Druck auf börsennotierte Unternehmen – insbesondere aus «braunen» Industrien wie dem Rohstoff- oder Energiesektor – inzwischen ist, hat letztes Jahr unter anderem der Überraschungserfolg des kleinen aktivistischen Investors «Engine No. 1» in der Auseinandersetzung mit dem Ölriesen Exxon gezeigt. Manch ein Unternehmenslenker könnte da durchaus denken, dass es sich abseits der Finanzmärkte – zum Beispiel im Schosse einer Private-Equity-Gesellschaft – ruhiger leben liesse. Und tatsächlich: Selbst die grossen an der Börse gelisteten Private-Equity-Häuser rapportieren bisher bestenfalls über ihren eigenen ökologischen Fussabdruck. Mit Ausnahme der schwedischen EQT informiert aber keines über die Emissionen seiner Portfolio-Unternehmen. Vielmehr liegt der (Marketing-) Fokus (noch) auf den Erfolgsgeschichten ausgewählter Unternehmen oder allgemein der Investitionen in erneuerbare Energien. Dass diese «Taktik» – der Verweis auf Anekdoten anstatt auf quantitative und systematisches Reporting – Investoren, Regulatoren und andere Stakeholder nicht mehr zufriedenstellt, mussten börsennotierte Unternehmen in den letzten zehn Jahren teils schmerzhaft erlernen. Auch die Private-Equity-Branche wird sich einer besseren Kommunikation nicht mehr lange verschliessen können. Schon bald dürften Anleger auch an den Privatmärkten vermehrt standardisierte Kennzahlen, welche das gesamte Spektrum der Klimarisiken abdecken, und die Ausrichtung der Portfolio-Unternehmen auf ein 1.5 Grad-Klimaerwärmungs-Szenario einfordern.
(Dunkel)grüne Fonds… | …sind tatsächlich etwas grüner Impliziter Temperaturanstieg im Portfolio von Klima-Fonds
Quellen: MSCI, Kaiser Partner Privatbank Kaiser Partner Privatbank AG | Monthly Market Monitor - Januar 2022
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Die letzte Seite
Anlageklassen und Agenda
Performance per 31. Dezember 2021 Anlageklassen
seit Jahresbeginn
1 Monat
1 Jahr
3 Jahre
Liquidität CHF
-0.1%
-0.7%
-2.0%
EUR
0.0%
-0.5%
-1.3%
USD
0.0%
0.2%
3.2%
Festverzinsliche Anlagen -0.9%
-2.4%
7.2%
0.2%
-3.0%
19.3%
Mikrofinanz
0.3%
3.5%
9.8%
Inflationsbasierte Anleihen
-1.4%
5.5%
25.5%
Staatsanleihen Unternehmensanleihen
Hochzinsanleihen
2.1%
4.5%
25.4%
Schwellenländeranleihen
1.6%
-2.1%
20.3%
0.4%
4.9%
15.9%
-0.3%
2.4%
66.6%
Versicherungsbasierte Anl. Wandelanleihen Aktien Global
4.0%
24.2%
79.4%
Schweiz
6.1%
23.0%
62.9%
Europa
4.9%
22.2%
51.7%
Grossbritannien
4.8%
19.6%
20.8%
USA
3.9%
26.5%
99.8%
Schwellenländer
1.6%
-4.6%
27.6%
Rohstoffe
3.5%
27.1%
29.3%
Gold
3.1%
-3.6%
42.6%
Immobilien Schweiz
3.9%
7.3%
43.5%
Hedgefonds
0.5%
3.7%
20.3%
Alternative Anlagen
Währungen EUR/USD
0.3%
-6.9%
-0.8%
EUR/CHF
-0.4%
-4.0%
-7.8%
GBP/USD
1.8%
-1.0%
6.1%
Auf unserer Agenda 7. & 12. Januar: Inflation Eurozone & USA Die Dezember-Zahlen zur Teuerung im Euroraum und den USA könnten nochmals für neue Höchststände und entsprechende Schlagzeilen sorgen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stellen sie aber auch das Ende der Fahnenstange dar. Im Jahresverlauf sollte der Inflationsdruck nachlassen. 17. bis 21. Januar: Weltwirtschaftsforum (WEF) Auch dieses Jahr fällt das Treffen der führenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft beim World Economic Forum (WEF) in Davos Corona-bedingt aus. Die 52. Ausgabe unter dem Motto «Gemeinsam arbeiten. Vertrauen wiederherstellen» soll nun im Sommer stattfinden. 4. bis 20. Februar: Olympische Winterspiele Nur Peking und Almaty bewarben sich 2015 letztlich für die 24. Winterolympiade – mit 44:40 Stimmen setzte sich die chinesische Hauptstadt durch. Das Sportereignis steht allerdings nicht unter dem günstigsten Stern. Viele Länder, darunter die USA, Grossbritannien und Kanada, haben einen «diplomatischen Boykott» der Spiele angekündigt.
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Monthly Market Monitor - Januar 2022 | Kaiser Partner Privatbank AG
Kaiser Partner Privatbank AG | Monthly Market Monitor - Januar 2022
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