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BMW GROUP CLASSIC KOMPAKT DIE GESCHICHTE DER BAYERISCHEN MOTOREN WERKE.

In ihrer nunmehr rund neunzigjährigen Geschichte durchliefen die Bayerischen Motoren Werke eine ebenso wechselvolle wie spannende Entwicklung. Gestartet als kleines Münchner Unternehmen mit einem einzigen Produkt, bietet es heute weltweit Automobile und Motorräder an. Auf dem Weg eröffneten sich Chancen, waren Krisen zu meistern, und es gab Erfolge zu feiern.

© BMW BM W A AG , Münche Münche nchen, n, Deuts Deuts ut chla chland, nd, 2009

DIE GESCHICHTE DER BAYERISCHEN MOTOREN WERKE. CHANCEN, KRISEN UND ERFOLGE.


IMPRESSUM HERAUSGEBER

BMW Group Classic

TEXT

Dr. Florian Triebel

BILDER

BMW AG

GRAFISCHES KONZEPT

von Quadt & Company GmbH

ART-DIREKTION

Julia Schiffner

LITHOGRAFIE

Foag & Lemkau GmbH

DRUCK

G. Peschke Druckerei GmbH


DIE GESCHICHTE DER BAYERISCHEN MOTOREN WERKE. CHANCEN, KRISEN UND ERFOLGE.


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DER „PROPELLER-MYTHOS“. Dieses Motiv zierte die zweite Ausgabe der „BMW Flugmotoren Nachrichten“ von November/Dezember 1929. Dies stellt die Geburtsstunde der Interpretation des BMW Markenzeichens als sich drehender Propeller dar. Bei der Gestaltung des BMW Logos im Jahr 1917 stand die Bildlogik des Zeichens der Vorgängerfirma Rapp Motoren Werke und der Bezug auf Bayern Pate.


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DIE GESCHICHTE DER BAYERISCHEN MOTOREN WERKE. CHANCEN, KRISEN UND ERFOLGE.


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STAMMWERK Luftbild der Bayerischen Motoren Werke an der Neulerchenfeldstraße (heute: Lerchenauer Str.), MünchenMilbertshofen, 1927.

DIE GRÜNDUNG VON BMW. Die Bayerische Motoren Werke GmbH wurde im Juli 1917 mitten im Ersten Weltkrieg gegründet und 1918 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. In aller Eile wurde ein Markenzeichen aus dem Signet der Vorgängerfirma Rapp Motoren Werke mit Bezug auf die bayerischen Landesfarben abgeleitet. Seither steht das weißblaue Zeichen für das Unternehmen und seine Produkte; das Logo wird seit Ende der 1920er Jahre auch als „sich drehender Propeller“ interpretiert. Nachdem das Unternehmen 1920 an die Knorr-Bremse AG verkauft worden war, erwarb der Finanzier Camillo Castiglioni 1922 den Motorenbau mit Mitarbeitern und Produktionsanlagen, den Firmennamen sowie das weiß-blaue Markenzeichen und übertrug alles auf die „Bayerische Flugzeugwerke AG“ (BFW), die am Münchner Oberwiesenfeld (heute: Olympiapark) ihre Werkstätten hatte. Seitdem gilt die Gründung der BFW im März 1916 als Geburtsdatum der Bayerischen Motoren Werke.

1910 ER JAHRE 1910 ER JAHRE


FRÜHE MARKEN-WERBUNG. 5 In den ersten Monaten nach Unternehmensgründung beschränkte sich die Werbung auf die Verwendung des Markenzeichens und die Nennung des aktuellen und geplanten Produktportfolios.

In einer Imagebroschüre von 1919 zeigte BMW auch die Produkte und ihre möglichen Verwendungsformen zu Wasser, zu Lande und in der Luft – ohne Bezug auf den „Propeller-Mythos“.


WERBUNG FÜR DAS „BMW TOURENRAD“. Für die Markteinführung des ersten BMW Motorrads verzichtete das Unternehmen auf große Worte und sogar auf die Produktbezeichnung. Man ließ die Marke und eine Zeichnung des Produkts sprechen – und erzeugte so Neugier und Vor-Freude.

BMW IIIa Bereits ein Jahr nach Beginn der Fertigung hatte BMW 500 Exemplare des Flugmotors BMW IIIa im Werk München-Milbertshofen gebaut.

Während des Ersten Weltkriegs fertigte das Unternehmen nur ein Produkt: den Flugmotor BMW IIIa, der außergewöhnliche Leistungsmerkmale – insbesondere in großen Höhen – aufwies. Nach Ende des Krieges war in Deutschland zunächst der Flugmotorenbau verboten. BMW hielt sich mit der Fertigung von Eisenbahnbremsen und Einbaumotoren über Wasser. Erst nach der Übertragung des Motorenbaus auf die „neue BMW AG“ 1922 konnte die Produktion von BMW Flugmotoren wieder aufgenommen werden. Nur wenig später

1920 ER JAHRE 1920 ER JAHRE


WERK EISENACH Blick in den Ladehof des Eisenacher Werks, 1929. Modelle des BMW 3/15 PS, des ersten Automobils der Marke BMW, werden zum Abtransport verladen.

– im Herbst 1923 – waren BMW Produkte erstmals nicht nur in der Luft, sondern auch auf der Straße unterwegs. Mit der BMW R 32 stellte das junge Unternehmen sein erstes Motorrad vor, das mit zwei konstruktiven Besonderheiten aufwartete: einem Boxermotor mit quer zur Fahrtrichtung liegenden Zylindern, dessen Kraft von einem Kardanantrieb, also einer Welle statt einer Kette oder einem Riemen, auf das Hinterrad übertragen wurde. Beide Merkmale sind bis heute für die Konstruktion der BMW Motorräder typisch.

START DES AUTOMOBILBAUS. Seit Beginn der 1920er Jahre unternahm BMW auch erste Versuche zur Entwicklung eigener Automobile. Doch blieben diese Anstrengungen zunächst ohne Erfolg. 1928 bot sich schließlich die Gelegenheit, die Fahrzeugfabrik Eisenach zu erwerben, die den erfolgreichen englischen Kleinwagen Austin Seven in Lizenz fertigte. BMW übernahm zunächst die Produktion dieses Typs als BMW 3/15 PS und ließ ab 1932 eigene Fahrzeugkonstruktionen folgen. Nur wenige Jahre


ERNST JAKOB HENNE „Der schnellste Mann der Welt“, Ernst Jakob Henne, auf dem Weg zu einem Weltrekord am 19.9.1929 auf der Ingolstädter Straße bei München. Henne stellte bis 1937 insgesamt 76 Geschwindigkeitsrekorde auf BMW auf.

1929 1929


KREATIVITÄT UND INNOVATION. In den 1920er Jahren bewiesen die Grafiker viel Kreativität und Innovation im Umgang mit den Insignien des Unternehmens auf Plakaten und Anzeigen. In diesem Beispiel inspirierten die Weltrekordfahrten Ernst Jakob Hennes den Gestalter H. Ehlers zu einer rasanten Fahrt zwischen den Buchstaben „BM“ und „W“.


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später hatte sich das Automobilprogramm von BMW deutlich verändert und ausgeweitet. Statt Kleinwagen bot das Unternehmen dem Kunden nun ein breit gefächertes Programm sportlicher Mittelklassewagen an, deren herausragende Merkmale eine neue, leichtgewichtige Grundkonstruktion, der Kühlergrill in Form einer „Niere“, die elegante äußere Form und nicht zuletzt die Sechszylindermotoren mit ihren hervorragenden Laufeigenschaften waren.

VON BEGINN AN SPORTLICH. Von Anfang an machten BMW Flugmotoren, Motorräder und Automobile durch sportliche Erfolge von sich reden. Ein BMW IV Flugmotor trug 1919 das erste Mal einen Menschen auf 9.760 Meter Höhe. Zahlreiche Erst- und Dauerflüge bewiesen die Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit der BMW Flugaggregate. Motorräder der Marke BMW erwarben sich schon in den 1920er Jahren bei zahlreichen Rennveranstaltungen Lorbeeren und gewan-

Georg Meier siegt mit seiner Kompressor BMW RS 500 bei der Senior Tourist Trophy auf der Isle of Man, 1939 das schwerste Motorradrennen der Welt. SENIOR TOURIST TROPHY

1930 ER JAHRE 1930 ER JAHRE


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nen nationale Meisterschaften in Serie. Die Krönung dieser Aktivitäten erfolgte in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre: Fahrer auf BMW Maschinen gewannen im Geländesport drei Titel bei Internationalen Sechstagefahrten, Ernst Jakob Henne stellte 1937 mit 279,5 km/h einen absoluten Geschwindigkeitsrekord auf, und Georg „Schorsch“ Meier siegte 1939 bei der Senior Tourist Trophy auf der Isle of Man – als erster Nichtbrite auf einem ausländischen Fabrikat. Fast schon standesgemäß führte

Mit den Sportroadstern BMW 315/1 und BMW 319/1 unterstrich BMW ab 1934 die sportliche Note der Marke. BMW 315/1

GUERILLA MARKETING. Der „Welthöhenrekord“ Zeno Diemers am 17.6.1919 sollte der Welt – kurz bevor die Produktionsverbote des Versailler Vertrages in Kraft traten – die Stärke der BMW Flugmotoren beweisen. Der Versuch wurde zwar international nicht anerkannt, was BMW aber nicht daran hinderte, die Bestleistung intensiv zu bewerben.


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FLUGMOTOREN „Fremdarbeiter“ bei der Produktion von BMW 801 Flugmotoren, ca. 1943.

sich auch das erste BMW Automobil mit dem Sieg bei der Alpenfahrt 1929 ein. Seine Nachfolger, die Sportwagen der 1930er Jahre, setzten diese Erfolgsserie weiter fort. Der BMW 328 dominierte ab 1936 die 2-Liter-Klasse und gewann 1940 die Mille Miglia, damals das härteste Straßenrennen der Welt.

RÜSTUNG UND VERSTRICKUNG. Doch blieb der Flugmotorenbau bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs das wichtigste Standbein des Unternehmens. Unter dem nationalsozialistischen Regime gewannen sowohl die Kolbenmotoren als auch die Strahltriebwerke von BMW eine besondere Bedeutung für die militärischen Planungen. Neben den Vorteilen, die ein „rüstungswichtiges Unternehmen“ hatte, bedeutete diese Stellung jedoch auch Abhängigkeiten vom Staat und Einschränkungen für die unternehmerischen Hand-

lungsspielräume durch staatliche Lenkungsmaßnahmen. So musste 1941 der Automobilbau zugunsten der Flugmotorenfertigung eingestellt und 1942 der Motorradbau von München nach Eisenach verlegt werden. Zudem ließ sich BMW mit der verbrecherischen Politik des nationalsozialistischen Staates ein. Nach Kriegsbeginn griff das Unternehmen, insbesondere für die Produktion von Flugmotoren, auf die Arbeitsleistungen von Kriegsgefangenen sowie Fremd- und Zwangsarbeitern aus den von Deutschland besetzten Gebieten zurück. Ab 1942 mussten zudem auch KZ-Häftlinge in den BMW Werken in der Flugmotorenproduktion arbeiten. Mit ihrer Arbeitskraft produzierte BMW bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in den Werksgruppen in München, Eisenach und seit 1939 in Berlin sowie mehreren Nachbau- und Verlagerungsbetrieben nahezu ausschließlich Flugmotoren.

1940 ER JAHRE 1940 ER JAHRE


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SIEGE IN SERIE. Die Sporterfolge der BMW Motorräder und Automobile prägten ab Mitte der 1930er Jahre die Marke. Insbesondere mit dem Sportwagen BMW 328 gelangen große nationale und internationale Erfolge, die in der Werbung im Stil der Zeit aufbereitet wurden.


BEWÄHRT UND GUT. Beim Wiederaufbau des Motorradbaus setzte BMW auf bewährte Technik. Auch in der Werbung für die neuen Modelle griff BMW bekannte Slogans und Botschaften in einer neuen, zeitgemäßen Gestaltung auf.

NOTPRODUKTION Kochtöpfe, Küchengeräte und weitere Fabrikate der BMW Notproduktion, 1945–1948.

TÖPFE UND BESTECK. Nach der Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 verlor BMW die in der Sowjetischen Besatzungszone gelegene Werksgruppe Eisenach und damit auch alle Unterlagen, Einrichtungen und das Wissen für die Automobil- und Motorradfertigung. Diese Tatsache und die umfangreiche Demontage von Fertigungsanlagen in allen Werken erschwerten den Wiederbe-

ginn in München erheblich. In den ersten Nachkriegsjahren beschäftigte sich BMW nur mit einer „Notproduktion“ (Kochtöpfe, Haushaltsgeräte und Landwirtschaftsmaschinen) sowie der Reparatur von Fahrzeugen der US-Armee.

NEUSTART MIT MOTORRÄDERN. Doch blieb das Ziel, wieder mit Fahrzeugen der Marke BMW auf die Straße zu-

1940 ER JAHRE 1940 ER JAHRE


BMW GESPANNE Ab 1954 gewinnt BMW die Weltmeisterschaft für Seitenwagen-Gespanne – 20 Jahre ohne Unterbrechung.

rückzukehren. 1948 präsentierte das Unternehmen mit der BMW R 24 sein erstes Nachkriegsmotorrad und baute das Zweiradprogramm in den folgenden Jahren mit Zweizylinder-Boxermaschinen aus. Bereits vor Produktionsanlauf sorgten BMW Motorräder 1947 auf den Rennstrecken wieder für Furore. Besonders eindrucksvoll unterstrichen den sportlichen Anspruch der Marke die BMW Gespanne, die die Sei-

tenwagen-Weltmeisterschaften von 1954 bis 1974 ununterbrochen in Serie gewinnen konnten.

FALSCHE MODELLPOLITIK. Die Automobilfertigung wurde erst 1952 wieder aufgenommen. Das Unternehmen entschied sich aus produktionstechnischen Gründen dafür, mit luxuriösen Fahrzeugen der Oberklasse zu beginnen und


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BMW 501 Luxusvision der 1950er Jahre: Mit dem BMW 501 Achtzylinder direkt ans Flugzeug.

später das Programm durch sportliche Mittelklassewagen zu ergänzen. Diese Pläne scheiterten jedoch: Die „Großwagen“ erwiesen sich als zu schwer und zu wenig sportlich; zudem klagten die Kunden über konstruktive Mängel und Qualitätsprobleme. Damit passten sie nicht zu den traditionellen Werten der Marke BMW. Schließlich konnten aus dem Automobilprogramm

nicht einmal genügend Fahrzeuge abgesetzt werden, um deren Entwicklungs- und Produktionskosten zu decken. Entlastung brachte ein Lizenzkauf. Aus Italien erwarb BMW das Recht, die Isetta – einen eiförmigen Kleinwagen – zu fertigen. Mit der Produktion des „Motocoupés“ Isetta konnte das Unternehmen einen Teil des wertvollen Facharbeiterstammes weiterbeschäf-

1950 ER JAHRE 1950 ER JAHRE


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LUXUS UND EXKLUSIVITÄT. Die Werbung für das BMW Großwagenprogramm entsprach der Positionierung der Modelle im automobilen Spitzensegment. In den Motiven wurden in Bild und Text vor allem Exklusivität und Luxus der Fahrzeuge betont. Dies setzte einen deutlichen Einschnitt in der Geschichte der Markenwerbung.

BMW 507 Der „Traum von der Isar“ vor passender Kulisse: ein BMW 507 vor dem Nymphenburger Schloss.

tigen, der sonst für BMW verloren gegangen wäre. Doch damit war die tief sitzende Finanzkrise des Konzerns längst nicht gelöst. Ende der 1950er Jahre hatten die Verluste der Großwagenfertigung große Teile des Unternehmensvermögens aufgezehrt. Hinzu kam eine Flaute auf dem deutschen Motorradmarkt, die auch die Absatzzahlen für BMW Zweiräder sinken ließ.


NEUES WERBEKONZEPT. Für das Motocoupé Isetta entwarf BMW eine vollkommen eigene Werbekampagne. Die Bilder waren bunt, die Texte reimten sich, und die Motive strahlten Freude und Jugendlichkeit aus. Für den BMW 600 wählte BMW hingegen einen deutlich erwachseneren Auftritt – alles im starken Kontrast zur Motorrad- und Großwagenwerbung.

1950 ER JAHRE 1950 ER JAHRE


BMW ISETTA Mobilit채t der Nachkriegszeit: BMW R 60 und BMW Isetta.


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DER TAG DER ENTSCHEIDUNG. In dieser aussichtslos erscheinenden Situation entschied sich die Unternehmensführung zu einem folgenreichen Schritt. Auf einer Aktionärsversammlung am 9. Dezember 1959 schlug sie zur Rettung des Unternehmens den Verkauf von BMW an die Stuttgarter Daimler-Benz AG vor. Vertreter der Kleinaktionäre und der BMW Händler wehrten sich jedoch gegen diesen Plan: sie kritisierten insbesondere, dass in der Unternehmensbewertung weder die Mitarbeiter noch die Marke berücksichtigt worden waEIN „ECHTER BMW“. Blick in das Auditorium der denkwürdigen BMW Hauptversammlung vom 9. Dezember 1959. HV 1959

Der BMW 700 nahm die klassischen BMW Charakteristika wieder auf. Der Kleinwagen war dynamisch, agil und in seinem Design außerordentlich ansprechend. Die Werbung für das Modell nahm diese Merkmale auf und setzte den Wagen entsprechend in Szene.

1959 1959


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ren. Nach über zehn Stunden setzten sich die Gegner eines Verkaufs an Daimler-Benz mit Hilfe einer Abstimmung über die fehlerhafte Bilanzierung der Entwicklungskosten des BMW 700 durch und erreichten damit eine Vertagung – wodurch das Übernahmeangebot von Daimler-Benz verfiel. Beeindruckt von dem Widerstandswillen der Kleinaktionäre und BMW Händler und überzeugt von der Stärke der Marke und dem qualifizierten Mitarbeiterstamm, erarbeitete der Industrielle Dr. Herbert Quandt einen Plan zur Sanierung von BMW, der alle

die Interessen berücksichtigte und die Eigenständigkeit der Bayerischen Motoren Werke für die Zukunft sicherte.

AUF DIE ERFOLGSSPUR. Eine tragende Rolle spielte dabei ein neues Produktprogramm, das auf Konzeptionen beruhte, die in den vergangenen Monaten bereits weit gediehen waren. Gemäß diesen Plänen trug der im Krisenjahr 1959 vorgestellte Kleinwagen BMW 700 die Hauptlast der Sanierungsjahre und war trotz seiner geringen Größe wieder ein „echter BMW“,

Starkes Besucherinteresse am BMW 700 Coupé auf der IAA 1959. BMW 700


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AUS FREUDE AM FAHREN – BMW. Mit der Wiederentdeckung der sportlichen Mittelklasse wandelte sich auch die BMW Werbung. Die Gestaltung setzte auf großformatige Bilder, teilweise einen abgesetzten Weißraum für den Text am Fuß des Motivs und meist provokante und doppeldeutige Überschriften. Ab 1964 setzte sich der neue Slogan „(Aus) Freude am Fahren“ durch.


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NEUE KLASSE Eine „Neue Klasse“ – innen wie außen.

1960 ER JAHRE 1960 ER JAHRE


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OLYMPIA 1972. 1972 fanden die Olympischen Sommerspiele in München, direkt vor den Toren von BMW, statt. Rechtzeitig zu diesem Ereignis wurde das neue BMW Hochhaus fertiggestellt. Zusätzlich ließ BMW mehrere Werbeplakate gestalten, die sich im Design an Otl Aichers Gestaltung für die Olympischen Spiele anlehnten und die eine Verbindung von BMW zu Olympia zogen.


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BMW HOCHHAUS Die neue Firmenzentrale entstand in einem innovativen Bauverfahren, bei dem die einzelnen Stockwerke am Boden montiert und mittels Hubpressen nach oben geschoben wurden, 1971.

was er auch mit seinen Erfolgen auf den Rennstrecken unterstrich. 1962 präsentierte BMW schließlich wieder einen sportlichen Mittelklassewagen, auf den die Kunden seit Ende des Zweiten Weltkriegs gewartet hatten. Mit dieser „Neuen Klasse“ und ab 1966 den kleineren Modellen der „02er-Reihe“ knüpfte das Unternehmen wieder an die Entwicklung an, die in den 1920er und 1930er Jahren den Ruf der Marke BMW geschaffen hatte – und eröffnete sich eine zukunftsweisende Nische im Automobilmarkt. Wegen der großen Nachfrage nach den neuen Modellen wurden schon bald die Fertigungskapazitäten im Stammwerk München knapp. Als sich die Gelegenheit bot, die niederbayerische Automobilfirma Hans Glas GmbH mit Werken in Dingolfing und Landshut zu erwerben, griff BMW zu. Zwar sollten zunächst weiterhin Automobile der Marke Glas gefertigt werden, doch waren es schließlich BMW Modelle, die im neu gebauten Werk in Din-

1970 ER JAHRE 1970 ER JAHRE

golfing vom Band rollten. Zur Bereinigung der Produktionsstrukturen verlagerte das Unternehmen 1969 zudem die Motorradfertigung von München in das Werk Berlin-Spandau.

BAU DES „VIERZYLINDERS“. Das Wachstum des Unternehmens in den 1960er Jahren ließ nicht nur in der Produktion den Platz knapp werden. Auch die Verwaltung benötigte mehr Raum. Mitte der 1960er Jahre erstellte das Unternehmen Pläne für ein neues Verwaltungsgebäude, die schließlich im BMW Hochhaus (auch bekannt als „BMW Vierzylinder“) Gestalt annahmen. Gemeinsam mit dem Verwaltungshochhaus eröffnete BMW 1973 in der direkt daneben liegenden runden „Schüssel“ sein Museum.

NEUE TYPOLOGIE. Anfang der 1970er Jahre strukturierte BMW die Benennung der Automobil-Baureihen neu. Die


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FORMEL 1 Nelson Piquet gewinnt 1983 auf dem Brabham BMW BT52 Turbo bei mehreren Grand-Prix-Rennen und wird am Ende der erste Turbo-Weltmeister der Formel-1-Geschichte.

Modellbezeichnungen aller BMW Automobile sollten nun einen Zusammenhang erkennen lassen. Die Modelle der BMW 3er, 5er und 7er Reihe stehen seitdem für Ästhetik, Dynamik und innovative Konstruktionen und Ideen. Zwischen diesen Kernbaureihen blieb noch genügend Platz, um weitere Automobilkonzepte in das System einordnen zu können. Als Erweiterung dieser Systematik bot BMW ab 1978 mit den „M“ Modellen besonders sportliche Automobile und mit der eigenen Kennung „Z“ seit 1988 wieder Roadster und Sportcoupés an. Unter der

Benennung „X“ eröffnete BMW ab Ende der 1990er Jahre ein eigenes Fahrzeugsegment der „Sports Activity Vehicles“ – für Automobile, die sowohl auf wie neben der Straße für „Freude am Fahren“ stehen.

ZURÜCK AUFS SIEGERPODEST. Mit den Motorsporterfolgen des kleinen BMW 700 meldete sich BMW ab 1960 auch wieder auf den automobilen Rennstrecken zurück. Seither beweisen BMW Automobile im seriennahen Tourenwagensport immer wieder die Leistungsfähigkeit


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FAMILIENBANDE. Mit der Einführung der neuen Baureihenbezeichnungen und mit großen Erfolgen im Formel- und Tourenwagensport eröffneten sich für BMW auch neue Möglichkeiten der Markenkommunikation. Die Werbung nutzte die Familienähnlichkeit der Modelle und setzte sie gemeinsam in Szene – und bezog auch die M Modelle und BMW ArtCars mit ein.

und Sportlichkeit der Marke. Seit 1967 engagierte sich BMW als Motorenlieferant in der Formel-2-Serie. Die hierbei gewonnenen Erfahrungen lieferten eine gute Ausgangsposition für den Einstieg in die Königsklasse des Motorsports: die Formel 1. Gemeinsam mit dem Partner Brabham gelang ein bisher einmaliger Erfolg: Nur 630 Tage nach dem ersten Test gewann Nelson Piquet im Brabham BMW BT 52 in der Saison 1983 den Weltmeister-Titel. Nach einer langen Pause stieg BMW im Jahr 2000 mit dem Partner Williams wieder

1980 ER JAHRE 1980 ER JAHRE


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FREIHEIT AUF ZWEI RÄDERN.

als Motorenlieferant in die Formel 1 ein, von 2006 bis 2009 nahm das Werksteam BMW Sauber an den Rennen teil.

NEUE MOTORRADKONZEPTE. Neben den Automobilaktivitäten erweiterte BMW seit den frühen 1980er Jahren auch das Geschäftsfeld Motorräder. Mit der G/S stellte das Unternehmen 1980 erstmals eine große Reise-Enduro vor, die mit vier Siegen bei der Rallye Paris–Dakar ihre Geländequalitäten unter Beweis stellte. Doch BMW beschritt in der Motorradkonstruktion auch gänzlich neue Wege: Schöpften bis dahin die BMW Zweiräder ausschließlich aus Einzylinder- (bis 1966) oder Zweizylinder-Boxermotoren ihre Kraft, gab es nun mit der „K Baureihe“ Dreizylinder- und Vierzylinder-Reihenmotoren im Angebot. Aber auch hier wieder mit einer BMW eigenen Konstruktion: Erstmals im Motorradbau war das Aggregat liegend und längs zur Fahrtrichtung eingebaut. Außerdem führte BMW im Motorradbau weitere wichtige Innovationen – wie ABS und Katalysatoren sowie neue Lösungen im Fahrwerksbereich – ein. Seit 1993 fertigt BMW wieder Einzylinder-Motorräder und seit 2006 erstmals in der BMW Produktgeschichte Zweiräder mit Reihen-Zweizylindermotor.

Mitte der 1970er Jahre hatte das Image des Motorrads einen Wandel vollzogen. Das motorisierte Zweirad galt immer mehr als Lifestyle-Produkt. BMW nahm diesen Trend in der Motorradwerbung auf und inszeniert seither die Produkte in Bild und Text dementsprechend.


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BMW R 80 G/S Gaston Rahier gewinnt auf seiner BMW R 80 G/S die Rallye Paris–Dakar 1984.

1984 1984


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Die Ausdehnung des Automobil- und Motorradprogramms erforderte Schritt für Schritt eine Erweiterung der Fertigungskapazitäten. Neben dem Ausbau der bisherigen Standorte in Bayern folgten seit Ende der 1970er Jahre Neugründungen im Inund Ausland. Wichtige Meilensteine waren 1979 das Motorenwerk in Steyr (Österreich) sowie die Produktionswerke in

Regensburg (1982), Spartanburg im USBundesstaat South Carolina (1992) sowie Leipzig (2003). Zudem betreibt BMW weltweit, teilweise gemeinsam mit Importeuren und Partnern, Montagewerke. Das Unternehmen verdichtete auch die Marktpräsenz, um den Vertrieb zu optimieren. Ab 1973 gründete BMW in den wichtigsten Exportmärkten eigene Vertriebsgesell-

Mitarbeiter bei der Fertigung des BMW Z4 Roadster, 2005. WERK SPARTANBURG


ADRNLN.

schaften, bis heute in insgesamt 35 Ländern. Mit diesem Netz erreichen sie Kunden und Händler in mehr als 150 Ländern.

NEUE MARKEN.

Große Buchstaben und zu schnell für Vokale: Die Kampagne für das BMW 1er Coupé nahm die BMW Tradition provokanter und doppeldeutiger Überschriften auf und interpretierte sie in moderner, zeitgemäßer Form.

1993 bot sich BMW die Möglichkeit, mit dem Kauf der Rover Group das Angebot an Automobilen deutlich zu erweitern. Die britische Tochter verfügte über ein breites In Leipzig werden Modelle der 1er und 3er Baureihe sowie der neue BMW X1 gebaut. Das Zentralgebäude wurde von Star-Architektin Zaha Hadid entworfen. WERK LEIPZIG

2003 2003


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IT’S MINI! Die Marke MINI erhielt für ihre Neupositionierung einen eigenständigen und markanten CI-Auftritt. Der Hintergrund in der Werbung ist stets schwarz, kontrastiert durch farbige Rahmen. Die Textbotschaften nehmen den Kult-Charakter des ursprünglich britischen Kleinwagens auf und sprühen vor hintergründigem Humor.

MINI.COM

MINI E Der MINI E ist ein rein elektrisch betriebenes Fahrzeug, das derzeit in verschiedenen Städten im Alltag getestet wird.

BE MINI.

MINI 50 Mayfair. Over 50 years later, MINI still refuses to grow up. Exhilarating go-kart handling meets exceptional design for the young at heart.

Spektrum an traditionsreichen Marken, unter anderem MG und Land Rover. Doch zeigte sich, dass beim Kauf die Entwicklungsmöglichkeiten dieser Marken überschätzt worden waren. Um große Verluste zu vermeiden, entschloss sich die BMW Group Anfang 2000 dazu, das britische Tochterunternehmen wieder zu verkaufen. Lediglich die Marke MINI blieb im Unternehmen und erlebt seit 2001 eine erfolgreiche Wiedererweckung. Neben den Fahrzeugen der Marken BMW und MINI gehören seit 2003 auch die Luxusautomobile der Marke Rolls-


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ROLLS-ROYCE Die Luxusmarke der BMW Group ist eine der ältesten und traditionsreichsten Automobilmarken der Welt. Das Modell Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé (Bild) wurde 2007 vorgestellt.

Royce und seit 2007 die Sportmotorräder der Marke Husqvarna zur Produktfamilie der BMW Group. Mit diesen vier starken Marken verfügt das Unternehmen seither über eine exzellente Basis für ein überschneidungsfreies Angebot an Fahrzeugen des Premiumsegments.

MOBILITÄT VON MORGEN. Im Oktober 2007 beschloss der Vorstand des Unternehmens die neue Strategie Number ONE, deren Fokus auf innovativen und zukunftsweisenden Angeboten

für eine nachhaltige Mobilität im 21. Jahrhundert liegt. So reduziert seit 2007 das BMW EfficientDynamics Technologiepaket erheblich die Verbrauchs und Emissionswerte der BMW Automobile bei weiterhin ungetrübter Freude am Fahren. Ferner nutzen ab 2009 BMW ActiveHybrid Fahrzeuge die bei Bremsvorgängen gewonnene Energie für zusätzliche Beschleunigungskraft, und eine MINI E Flotte testet die Perspektiven elektrisch betriebener Fahrzeuge in der Alltagsmobilität.

21. JAHRHUNDERT 21. JAHRHUNDERT


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FREUDE. Seit jeher steht „Freude“ für BMW, seit 1964 auch im Slogan „Freude am Fahren“. Die neue Markenkampagne setzt Freude seit 2009 ins Zentrum und nimmt die für BMW klassische Raumaufteilung wieder auf: Rund zwei Drittel zeigen großformatige Motive faszinierender Produkte, Visionen oder Angebote, der Rest ist weiß, modern und lässt Platz für Textbotschaften in Großbuchstaben.


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DAS HERZ VON BMW Im M체nchner Norden befinden sich in unmittelbarer N채he zueinander (v. links): die BMW Welt, das BMW Stammwerk, das BMW Museum und das BMW Hochhaus.

2009 2009


IMPRESSUM HERAUSGEBER

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BILDER

BMW AG

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In ihrer nunmehr rund neunzigjährigen Geschichte durchliefen die Bayerischen Motoren Werke eine ebenso wechselvolle wie spannende Entwicklung. Gestartet als kleines Münchner Unternehmen mit einem einzigen Produkt, bietet es heute weltweit Automobile und Motorräder an. Auf dem Weg eröffneten sich Chancen, waren Krisen zu meistern, und es gab Erfolge zu feiern.

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