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SH!FT Vol. 01: Add-on

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Für Menschen mit Mut zur Veränderung

Vol.1 / 2013

Pr ei s : u n b e z ahl b ar

Die unbequeme

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Wahrheit dE dit io

Mehr Spaß, weniger Ego

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Die Träumer

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Ein Computerspiel ohne Computer


Wahrheit ist ein 端berirdischer Anspruch. Ihn erf端llen zu wollen, ist zum Scheitern verurteilt. Stefan Aust, Journalist und Buchautor

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Wir grübeln auf der Couch & diskutieren in der Bar. Die Artikel in dieser Rubrik stimmen nachdenklich und regen zum Diskutieren an. Hintergrundberichte und Analysen tummeln sich hier ebenso wie Debatten und Kommentare, Glossen und Streitgespräche, Essays und Kolumnen. Sprich: Alles was meinungsbildend und meinungsstark ist – und zum Austausch auf der Webseite einlädt.

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Hir n

F okus

Einig,

nicht einig zu sein

Julian Arni Philosoph Absolute Wahrheit: Wer kann das schon wirklich verstehen? Wenn man den Begriff nur lokal begreift, dann ist das Konzept durchaus sinnvoll und kann helfen, zwischen Kulturimperialisten und Sprachrelativisten zu vermitteln. Einige Philosophen haben große Hoffnungen in die Wahrheit gesetzt und es gibt sogar die, die sie immer noch haben. Eine der besonders notorischen Annahmen in Bezug auf Wahrheit ist, dass diese, in welchem Sinn auch immer, absolut sein könnte. Um ehrlich zu sein, finde ich es schwierig, mir vorzustellen, was das genau sein soll. Mir erscheint es eher so, als ob die Diskussion um die absolute Wahrheit eine verschleierte Debatte über unser Vertrauen in den Fortschritt und letztlich in uns selbst ist. Für die, die gerne glauben wollen, dass unsere Kultur etwas Unantastbares hat und anderen Kulturen überlegen ist, für die ist die absolute Wahrheit ein gutes Argument. Wer aber an diesem Ansatz zweifelt – also einen relativistischen Standpunkt vertritt – der weist darauf hin, dass, wenn wir unsere Wahrheit als die eine absolute darstellen, wir uns über andere Kulturen stellen, die das Gleiche für sich behaupten (könnten). Und nur Chauvinismus kann zu so einer Einstellung führen. Das Konzept lokaler Wahrheit So mag diese Diskussion zwar der am häufigsten verwendete Begriff von absoluter Wahrheit in der akademischen Debatte sein. Ich möchte aber eine sinnvollere Verwendung des Begriffs vorschlagen. In meinem Verständnis ist die Aussage, Wahrheit

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sei absolut, so zu verstehen, dass ein Satz unabhängig vom Kontext oder den zugrunde liegenden Annahmen und Ansichten bewertet werden soll. Das ist eine sehr „lokale“ Sichtweise auf die Wahrheit. So müssen wir nicht über die einzelne Ansicht, die gerade bewertet wird, hinaus. Und so können wir auch einzelne Wahrheiten sammeln, ohne uns Gedanken darüber zu machen, ob sie zusammenpassen. Fortschritt in der Forschung ist so, ganz simpel, die Akkumulation von vielen einzelnen Wahrheiten. In diesem Sinne verstanden, steht Wahrheit über dem Verständnis, dass es nur die eine Wahrheit für alle gibt. Aber es ist natürlich schwer, die Zusammenhänge, die unsere Überzeugungen und einzelnen Wahrheiten haben, zu ignorieren. Nur weil wir uns einig sind, wie man Dinge messen kann, wie lang ein Meter ist und was den Eiffelturm an sich ausmacht, sind wir einig darin, dass der Eiffelturm 324 Meter hoch ist. Lässt man diese Thesen weg, wird die Aussage, dass es sich um 324 Meter handelt, bedeutungslos. Wenn man diese Annahmen ändert (z.B. durch die Neudefinition eines Meters), dann wird die Behauptung sogar falsch. Unsere Thesen und Theorien müssen, wie Willard Van Orman Quine einst sagte, vor dem Tribunal der Erfahrung als Ganzes bestehen. Wenn diese hintergründigen Annahmen also ausmachen, wie unsere Thesen zu deuten sind und ob sie wahr sind, kann man zumindest sagen, dass wir uns oft einig sind, uns nicht einig zu sein. Wenn ich sage, dass wir das Jahr 2012 haben, und Sie

sagen, dass wir im Jahr 5772 sind, benutzen wir einfach verschiedene Kalender und können getrost getrennte Wege gehen, vollkommen unbeeindruckt von unserer Uneinigkeit. Wir wollen einander verstehen Wenn Aussagen nun nur wahr in Bezug auf eine bestimmte Art von Ansichten und Thesen sind, dann ist es eben eine willkürliche Konvention, dass wir im Jahr 2012 sind, und keine Tatsache. Unterschiedliche Menschen und unterschiedliche Kulturen haben verschiedene Konventionen, sodass es die einzige Antwort auf die Frage, welches Jahr es ist (letztlich für fast alle Fragen), nicht gibt. Eine an Selbstüberschätzung leidende Form des Relativismus mag über alle Debatten dieser Art erhaben sein. Diese vergisst aber: Sobald wir uns einig sind über unsere Hintergrundannahmen, gibt es auch ein Richtig und ein Falsch. Wir wollen einander verstehen und dies ist nur durch gemeinsame Konventionen erreichbar. Wenn wir uns nicht auf eine Definition des Meters einigen können, werden unsere Messungen nie für andere außer uns nutzbar sein. Der zu Recht geschmähte Kulturimperialismus, der nur auf einer einzigen Konvention für alles besteht, selbst dann, wenn mehrere harmlos sind (da die Übertragungen unter ihnen einfach sind), beinhaltet unbeabsichtigt eine viel wichtigere und gute gesellschaftliche Praxis in sich: die Einsicht, das eine Sprache der gemeinsamen Kommunikation nötig ist. Wie auch immer diese aussieht.

Übersetzung aus dem Englischen.

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Kreative Wahrheit Philip Gerard / Schriftsteller

Es gibt absolute Wahrheit, aber uns fehlen die Instrumente, sie zu messen und zu erkennen. Zweifel, nicht Sicherheit, helfen uns in dieser Situation. Wer das verhehlt, handelt unredlich. Der Begriff „Creative Nonfiction“ ist ein Widerspruch. „Nonfiction“ scheint darauf hinzudeuten, dass wir uns auf die unveränderliche Wahrheit von Fakten verlassen. Objekte können beobachtet, gemessen und mit Genauigkeit beschrieben werden; Ereignisse können bewiesen und historisch verifiziert werden. „Creative“ scheint das genaue Gegenteil zu sein. Wir erfinden und stellen uns eine Welt vor, die kunstvoller ist als die, in der wir tatsächlich leben.

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Kunst besteht nun mal aus Widersprüchen Für mich hat das Schreiben von „Creative Nonfiction“ viel mit astronomischer Navigation gemein. In der astronomischen Navigation gehen Sie von der Annahme aus, dass ein Objekt (das Schiff, auf dem Sie segeln) zu jeder Zeit präzise auf dem Globus lokalisiert werden kann. Man muss nicht allzu tief in die Trigonometrie eintauchen, um zu verstehen, dass der Job des Navigators darin besteht, die bekannten, präzise in Tabellen kalibrierten, Positionen von Sonne und Sternen zu nutzen, um diese Position auf einem Kursdiagramm zu bestimmen, welches einfach nur eine Darstellung eines Teils der Erdoberfläche ist. Er oder sie macht das mit Hilfe eines Sextanten, welcher den Höhenwinkel von Sonne und Sternen


misst. Viele Messungen später, hat der Navigator zunächst eine Linie, dann einen Schnittpunkt und zum Schluss eine Position. Diese Position ist der Punkt auf der Erde, an dem sich Ihr Schiff zu einem exakten Zeitpunkt befindet. Aber all das ist natürlich Fiktion: die Unvollkommenheit des Navigators, die Schwierigkeit, einen Stern oder die Sonne auf einem schwankenden Schiff zu bestimmen, ein Fehler bei der Kalibrierung des Sextanten, ein trivialer Fehler in der Arithmetik und schon ist die Position immer leicht falsch. Es gibt da draußen also eine absolute Wahrheit und Sie, der Navigator bzw. Schriftsteller, arbeiten mit allem guten Glauben und Eifer daran, sie zu finden, aber letztlich verderben Ihre Fehler den Prozess und was Sie stattdessen erreichen, ist eine ungefähre Wahrheit: eine Position, die ziemlich nah dran sein mag, aber fast niemals exakt sein wird und zwar aus dem einfach Grund, dass Menschen und von Menschen gemachte Dinge nicht perfekt sind. Ihr Handwerk besteht also über Jahre darin, sich der Wahrheit anzunähern, immer näher an Ihre wahre Position heranzukommen, doch wie im Paradoxon von Achilles und der Schildkröte, werden Sie niemals bei der exakten Wahrheit ankommen. Wir könnten betrügen und ein GPS benutzen, aber selbst die beste Technologie ist nicht ganz exakt.

Bescheidenheit tut not Wenn Sie über mehrere Jahre üben und ein sehr guter Navigator geworden sind, könnten Sie in der Dämmerung eines Tages tatsächlich einmal Ihre exakte Position bestimmen und die Wahrheit präzise auf einer Karte lokalisieren, aber Sie werden davon niemals erfahren. Wie sollten Sie auch? Die Methode der Verifizierung hat Ihnen zuerst eine Antwort gegeben. Was lehrt uns das also über die Natur der Wahrheit? Dass wir als Schriftsteller bescheiden sein müssen, was Behauptungen über die absolute Wahrheit betrifft. Das ist aber nicht dasselbe, wie zu verleugnen, dass es diese irgendwo da draußen gibt, wenn wir nur die Gabe hätten, sie zu sehen und zu verstehen. Das Beste, was wir tun können, ist, uns um absolute Wahrhaftigkeit zu bemühen: die Welt aufmerksam beobachten, sie akkurat wiedergeben, den anderen aufmerksam zuhören, die Nuancen im menschlichen Verhalten erfassen und uns in Acht nehmen vor denen, die darauf bestehen, dass sie die Wahrheit kennen. Wenn Sie auf einem schwankenden Deck stehen, navigieren und in die Dunkelheit schauen, dann ist Zweifel Ihr bester Pilot, nicht Sicherheit.

Übersetzung aus dem Englischen.

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BLOGOSP HĂ„ R E

Mehr SpaSS weniger Ego Wir haben die Renaissance des Bloggens selbst in der Hand

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Bild: robert, fotolia.com

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Da n i e l R e h n


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enn es im Rückblick auf die re:publica 12 ein Statement gab, auf das sich alle sofort einigen konnten, dann war es die Aussage von Sascha Lobo am Abend des ersten Tages: Macht mehr Blogs! Das klingt nach Aufbruch. Wahlweise auch nach Renaissance. Doch wir sind weit davon entfernt 2013 zum ausgerufenen Jahr des Blogs zu machen, wenn wir uns nicht so langsam alle an die eigene Nase fassen und den Hintern hochkriegen. Nur ein Blog ist dein, der Rest ist geborgt. Ein Schritt zurück. Erst kürzlich hat Lobo für Spiegel Online in einer seiner lesenswerten Kolumnen darauf hingewiesen, dass – selbstgehostete – Blogs das einzig wahre, da eigene Tool seien, das uns nicht von heute auf morgen weggenommen werden könne. Twitter, Facebook, Instagram, Foursquare, tumblr, Slideshare, YouTube, ... die Liste der gerne und viel genutzten Dienste ist lang. Allerdings steckt da der Teufel im Detail. Es sind Dienste, die zu nutzen uns angeboten wird. Sie sind nicht unser Hab und Gut. Wenn von heute auf morgen ein Service aufgekauft respektive integriert wird, dann ist die Frage „Was passiert mit meinen bislang gespielten Inhalten?” reflexhaft da. Dieses Netz ist nur geborgt.

der Persönlichkeiten kein Thema mehr wäre. Es fehlt nur an einer Erweiterung des Fokusses. Das wäre beinahe großartig, wenn man sich darauf einlassen wollte. Aber das ist nicht der offenkundige Fall. Denn Interpretation zwei ist ein düsteres Bild, das ich zeichne und immer wieder beobachte. Die deutsche Blogosphäre entwickelt sich nur in ihren Stilblüten wie Mode, Food, Auto etc. weiter, aber nicht als Ganzes. Schlimmer noch: die Erfolge der einzelnen Facetten haben keine Sogwirkung auf die anderen, um sie mitzuziehen und neue Höhen zu erreichen. Somit fehlt es an neuen Gesichtern, die der deutschen Blogosphäre eigentlich so gut tun würden. Vielleicht ist es zu weit hergeholt, aber ich denke, es fehlt an einem gemeinsamen Kleber, der dies ermöglichen könnte: der Fähigkeit anderen etwas zu gönnen. In erster Linie Erfolg zu gönnen.

Wo die groSSen Lücken klaffen

Nun gibt es bereits eine aktive Blogosphäre in Deutschland, die aber nach wie vor nicht den Sprung weg vom Nischendasein geschafft hat. Bloggen hat immer noch den Status des eigensinnigen WebTagesbuch- oder “ins Internet”-Schreibens. Von den Medien belächelt – und viel zu selten ernsthaft verlinkt -, von Nicht-Bloggern nach wie vor missverstanden und je nach Thema und Branche komplett verkannt. Und eine tatsächliche Herausbildung anerkannter Köpfe, die repräsentativ für die Tausenden von Bloggern im Web stehen könnten, gibt es kaum mehr. Mario Sixtus, Sascha Lobo, Robert Basic, Stefan Niggemeier, Richard Gutjahr. Die Liste jener, die diesen Anspruch erfüllen oder einst erfüllt haben, sie ist kurz geworden.

Sascha Pallenberg gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Blogger, sitzt aber gar nicht mehr in Deutschland, sondern in Taiwan, und bedient mit netbooknews.de ganz hervorragend die Tech-Szene mit dem Neuesten vom Neuen. Er hat sich seiner Passion für’s Bloggen verschrieben und schiebt das Thema immer wieder an. Auf der re:publica hielt er dann auch einen Vortrag über die Veramerikanisierung der deutschen Blogosphäre. In seinen Ausführungen verwies er auf die großen US-Blogs und Blog-Netzwerke Huffington Post, TechCrunch, Gizmodo und Co., die nun drauf und dran sind deutsche Ableger zu kreieren, die die hiesige Blogosphäre umkrempeln sollen. Im Hintergrund stehen ein Budget und – überspitzt ausgedrückt – eine Armada an hochmotivierten Bloggern mit redaktioneller/ journalistischer Herangehensweise, die bereit sind Großes zu leisten. Warum das möglich sei? Eben nicht wegen des Geldes, sondern auf Grund der Tatsache, dass es willlige Leute gibt, die die seiner Ansicht nach in der deutschen Blogosphäre nach wie vor nicht besetzten Plätze einnehmen wollen und bereit sind alles dafür zu tun.

Man kann diese Entwicklung aus zwei Perspektiven betrachten und interpretieren. Interpretation eins: Die deutsche Bloglandschaft ist trotz ihrer thematischen Zerstreutheit so homogen geworden und aneinander gerückt, dass es keine tatsächliche Kluft mehr zwischen den so titulierten A-Bloggern und dem Rest gibt. Relevanz und Reichweite spielten in dieser Sichtweise keine Rolle mehr und jeder würde jedem so viel Erfolg an der Sache gönnen, dass alle miteinander wachsen und voneinander lernen, wie man besser wird, sodass die Herausbildung führen-

Hierzulande klaffen Lücken, die nicht einmal ansatzweise geschlossen werden konnten. Die paar Wenigen, die sich aufmachten mit ihren gesetzten Themen und Zielen eben jene Plätze einzunehmen und aus Bloggern ernstzunehmende Redakteure, Schreiber und Kommunikatoren zu machen, die von Medien und Unternehmen respektiert werden könnten, wurden immer wieder von ihresgleichen unterlaufen, sobald sie mehr sein wollten als InsNetz-Schreiber und das auch offen zum Ausdruck brachten.

Die groSSen, bedeutsamen Namen fehlen: Ist das gut oder schlecht?

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BLOGOSP HÄ R E

Die deutsche Blogosphäre ist schizophren Es mag ein altes und auch abgegriffenes Beispiel sein, aber als Vodafone im Sommer 2009 mit der „Es ist deine Zeit“-Kampagne den direkten Draht zur damals immer noch jungen, in der Entwicklung befindlichen Online-Szene suchte und diverse Blogger (u.a. eben auch mit Basic und Lobo) in seine Werbung einband, da brach ein Sturm der Entrüstung in der Blogosphäre los. Man habe sich verkauft und für ein paar Euros die Integrität gegenüber dem Web an der Garderobe abgegeben, ja die Blogosphäre mit diesen Anwandlungen regelrecht verraten. Und so gipfelte es im freiwilligen Rückzug von Bloggerin Ute Hamelmann, die als „Schnutinger” mit ihren Comics einen herzensguten Teil der damaligen Szene darstellte. Nach einem nicht sonderlich glücklichen Beitrag mit PR-Färbung wurde sie von der Blogosphäre dermaßen angegangen, dass sie von heute auf morgen mit dem Bloggen aufhörte (und nach einer langen Abstinenz zum Glück zurückkehrte). Es war kein Miteinander. Es war und ist ein permanentes Gegeneinander, wie mir scheint. Zumindest, sobald es darum geht, dass jemand aufsteht und sagt, dass sich Dinge ändern müssen und man dieser Jemand sein kann, soll und will. Jemand, der Bloggen endlich aus seiner Hobby-Nische hin zur Professionalisierung führen wolle. Die Blogosphäre ist schizophren. Es deutet auf jenen permanenten Ruf nach Anführern, die sich für die Sache einsetzen würden und Blogging zu einem respektablen Ansehen bringen, gleichermaßen aber auf jeden einhacken, der sich dazu anschickt „larger than life” werden zu wollen. Und so stehen, wie Lobo 2011 schon anmerkte, aus eben diesem Grund die immergleichen Personen vor den Kameras, wenn es darum geht sich zum Web zu äußern. Evsan. Sixtus. Niggemeier. Lobo. Leute, die kein Problem damit haben sich über die Blogosphäre hinaus in die direkte Öffentlichkeit der klassischen Medien zu begeben und mit den Anfeindungen, die einem Naturgesetz gleich immer auf derlei Auftritte folgen, umzugehen gelernt haben.

Eine Frage der Mentalität? Ironischerweise war es eben Sascha Lobo, der auf der re:publica 2011 das Plenum im Saal des Friedrichstadtpalastes als unfähig beschimpfte, sich nicht selbst positionieren und relevante Lücken besetzen zu können. Das Traurige daran: Der Saal wusste das und

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lachte trotzdem darüber. Die Tiraden, die Lobo setzte, waren ernsterer Natur, als viele meiner Meinung nach nach wie vor wahrhaben wollten, aber sie waren leicht verdaulich in gutem Entertainment verpackt. In diesem Jahr knüpfte Pallenberg mit seinem Vortrag genau genommen nahtlos an den 2011er Lobo an. Nur mit der weiteren Komponente der Lückenbesetzer, die nicht wir sein werden, wenn es so kommt, wie er sagt. In der anschließenden Diskussionsrunde wurde Pallenberg natürlich gefragt, wieso es in Deutschland nicht vorangehen würde. Wie schon 2011 gab es keine konkrete Antwort, sondern den Hinweis darauf, dass die deutsche Mentalität nunmal eine gänzlich andere sei als in den Staaten, Großbritannien oder sonstwo auf der Welt. Aber ist es wirklich so einfach?

Aufstreben führt zu Argwohn. Argwohn führt nicht zu Fortschritt. „Durchbeißen” darf man in diesem Fall ruhig auch als aggressiven Akt verstehen, um nach oben zu kommen. Man beißt den Nebenmann und erobert seinen Platz, der nicht immer ein besserer gewesen sein muss. Aber man zieht los und erobert, geht in die Vollen und bedroht somit den Status Quo eines jeden, der nicht aus dem Knick kommt. Und das ist die Krux daran. Es gibt zu viele, die nicht aus dem Knick kommen. Die sich nicht der Sache verschreiben können oder wollen, weil ihnen die Zeit, ­Motivation, Ausdauer usw. fehlt, aber jeden anfeinden, der es dann doch ernster meint und sich seine Gedanken darüber macht. Was dabei übersehen wird: Die Sache des Einzelnen könnte der Sache der Vielen ungemein zuträglich sein, um die benötigte Aufmerksamkeit zu schaffen, obgleich es nie allein um Reichweite oder Relevanz gehen müsste. Nur – und hier schlage ich meine Brücke – gönnen wir als Gemeinschaft einander nicht diese punktuellen Erfolge, die zum großen Ganzen führen. Vielleicht, weil man sich außerhalb seiner fragmentierten Cluster nicht als Gemeinschaft versteht. Vielleicht, weil man sich auch nicht als Gemeinschaft verstehen will und darum erst recht keine Vernetzung sucht.


Sind wir am Ende alle so egoistisch auf den eigenen Vorteil und Erfolg bedacht, als dass wir ihn jemanden, der dem Anliegen mit seinem Vorankommen zuträglicher wäre, nicht gönnen? Geht die deutsche Blogosphäre mit ihrem steten Genöle und Meckern über diese und jene Köpfe lieber komplett unter, anstatt einander wieder die Hände respektive Verlinkungen zu reichen und zu sagen „Gut gemacht! Lasst uns nun daraus lernen und den nächsten Schritt gehen!”?

Lasst uns wieder SpaSS am Bloggen haben! Bloggen war einmal ein Lifestyle im Digitalen und kann es wieder werden! Was es braucht ist ein einziger Schritt, der für mich ebenso klar wie schwierig umzusetzen ist: Hört auf allein an euer Ego zu denken und lasst uns uns alle wieder mit Spaß (!) in den Dienst der Sache stellen und geile, kleine Blogs zu machen und zu bloggen. Schaut wieder nach links und rechts und honoriert die Bemühungen ­a nderer Blogger mit Verlinkungen und ­K ommentaren. ­M otiviert Neulinge durchzuhalten und zeigt alten Hasen für gute Arbeit euren Respekt, indem ihr auf ihre Zeilen hinweist. Dafür sind Twitter, Facebook und Co. nämlich nach wie vor sehr wertvolle Tools. Selbst dann, wenn sie uns nicht gehören.

Daniel Rehn (27)

Wikipedia:

Mentalität Mentalität (von latein. mens, den Geist betreffend) bezeichnet eine vorherrschende psy­c hische Prädisposition im Sinne eines Denk- und Verhaltensmusters einer Person oder so­zialen Gruppe (z. B. einer Bevölkerungs- oder Berufsgruppe) und wird auch auf gesamte Nationen bezogen. Wissenschaftlich wird der Begriff vor allem in der Soziologie und in der Mentalitätsgeschichte verwendet. Der Begriff der Mentalität kann negativ konnotiert sein im Sinne von Klischee, Vorurteil oder Stereotyp. Andererseits kann eine Mentalität als Grundlage für Verhaltensnormen in einer gesellschaftlichen Gruppierung bewusst akzeptiert werden.

Daniel Rehn

Digitales + Reales Eure Meinung zu diesem Artikel könnt ihr unter dem untenstehenden Link loswerden. 67 Kommentare zeigen deutlich: Hier hat Daniel Rehn einen empfindlichen Nerv getroffen – und zu einer längst überfälligen Relevanzdebatte der Blogosphäre beigetraten.

http://j.mp/bloggen12 ist für achtung! in Hamburg als SocialMedia-Spezialist tätig und widmet sich abseits seines Berufs allem, was seiner Leidenschaft für gute Burger, Gin, Sport, Film und Mode nahe kommt. „Wenn nicht schlafend, dann online.“ – Mit diesem Credo bewegt sich der Dipl. OnlineJournalist durch das Digitale und Reale.

Bild: nattstudio, fotolia.com

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Die Wirklichkeit ist oft nicht ausgewogen. Und dann f체hrt eine ausgewogene Berichterstattung zu nichts als Verf채lschung. J체rgen Stryjak, Nahost-Korrespondent

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Wir chillen in der Hängematte & grillen mit Freunden. Zurücklehnen, abschalten und genießen: Zu dieser Rubrik gehören die kulturellen und kurzweiligen Texte. Denn bei all den hitzigen Debatten darf die niveauvolle Unterhaltung nicht auf der Strecke bleiben. Die Rubrik beinhaltet schöne Fotoserien, coole Gadgets und praktische Fototipps. Hier gehören alle Artikel hin, die das Leben schöner, leichter und reicher machen.

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Nerdzo ne

Ein Computerspiel ohne computer „Metagame“ ist ein Kartenspiel, bei dem über Computerspiele geredet wird. Es macht aus Nerd-Stammtischen leidenschaftliche Debattierclubs und aus Spielern Gamedesigner.

„...und es tut einfach gut, in zwei Minuten jemandem so richtig auf die Fresse zu hauen und Aggressionen rauszulassen“, beschließt Thorsten Wiedemann sein Plädoyer. Nun grinst der 40-jährige Schlacks aus Berlin breit in die Runde. Wiedemann macht keine Anti-Gewalt-Therapie, er spielt Metagame. Das ist ein Kartenspiel über Computerspiele. Seine Aufgabe: erklären, warum das beliebte japanische Prügelspiel Tekken besonders geeignet ist, um zwei Minuten Lebenszeit totzuschlagen. Und das hat Wiedemann mit Bravour gelöst. Prügelspiele seien ein mietshausfreundlicher Sandsackersatz, sagte er, und wer kann da schon widersprechen? Dass er vom Thema viel versteht ist nicht verwunderlich, schließlich organisiert er Veranstaltungen zu Indiegames und Game Art, etwa das Festival A.Maze oder die Indie Connect.

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Seine drei Mitspieler, allesamt Gamedesigner aus Berlin, arbeiten eifrig an ihren Entgegnungen. Cornelia Geppert von Jo Mei Games hält Wario Ware Microgame ideal für ein kurzes Intermezzo, denn was könne man Schöneres tun, "als aus einer riesigen Nase die Haare zu entfernen, oder mit einem Besenstiel Pickel auszudrücken?“ Über Spiele reden, darum geht es in Metagame. Zeigen, wie viel Ahnung man hat, und dass man einem Debattierclub zur Ehre gereichen würde. Behauptungen wie „Bei Tetris geht es um Drogen und Kapitalismus“, oder „Die meisten Frauen wollen nicht kämpfen, sondern lieber die Geschichten nachspielen“, schwirren durch den Raum. Metagame ist so etwas wie eine Initialzündung für endlose Nerdtalks. Ein Kartenset besteht aus 100 Sammelkarten und 50 Vergleichskarten. Die hübsch illustrierten Sammelkarten


"Karten ziehen und Reden"

zeigen jeweils ein Computerspiel, die Palette reicht von mobilen Block­­­­ bustern wie Angry Birds bis hin zu verkannten Meisterwerken wie Grim Fandango. Die Vergleichskarten enthalten ungewöhnliche Fragen, die eine lebhafte Diskussion ankurbeln sollen, etwa: Welches Spiel erzählt die bessere Story? Welches ist sexistischer? Welches sollte für 1.000 Jahre in eine Zeitkapsel gesteckt werden? Jeder Spieler zieht mehrere Sammelkarten, ein Schiedsrichter deckt eine Vergleichskarte auf, und los geht's mit den Debatten. Warum ist Mario Party ein digitaler Kampfstoff gegen die Emanzipation? Warum sollte Pokémon als Artefakt unserer Zivilisation für die Zukunft verwahrt werden? Eignet sich Wii Sports besser, um eine kurze Zeitspanne rumzukriegen als das schon zitierte Tekken? Entworfen wurde Metagame vom amerikanischen Gamedesigner-Kollektiv

Local No. 12 um Eric Zimmerman. Der Spieltheoretiker aus New York dachte sich den Prototyp bereits 2006 aus. Es war eine Auftragsarbeit für das Technologie-Magazin Wired, die es aber nie ins Heft schaffte. Die Idee blieb bestehen. Es erschien nur logisch, den bierseligen Debatten um Computerspiele – die Zimmerman, seine Kollegen und seine Freunde jeden Tag führten – eine Struktur zu verpassen. Ein Jahr später wurde Metagame auf der Entwicklerkonferenz GDC in San Francisco erstmals öffentlich getestet. Doch dauerte es noch bis zum März 2012, bis das Spiel wieder von sich hören ließ, abermals auf der Game Developers Conference (GDC). Das Designer-Kollektiv verteilte dort viele Tausend Karten an die Besucher. Der Zuspruch war groß. „Es gab knapp 3.000 Spieler, die das Spiel aktiv gespielt haben“, schreibt Zimmerman auf

seinem Blog und nannte es daher auch ein Massively Multiplayer Social Game. Ein Grund für den Erfolg ist dessen Flexibilität. „Ob auf Partys oder bei Mahlzeiten, es war immer leicht, kleine Gruppen zu finden, die mit großem Enthusiasmus argumentierten.“ Nach welchen Regeln gespielt werde, sei eher nebensächlich. Denn Metagame will seine Spieler bestenfalls dazu bringen, nicht nur ihr Nerd-Wissen preiszugeben, sondern das Spiel selbst nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten und diese mit anderen zu teilen. Um sie so letztlich selbst zu Gamedesignern zu machen. Denn die Spielregeln, darauf weist Zimmerman extra hin, seien nicht in Stein gemeißelt. Jeder könne welche erfinden. Nur simpel sollten sie sein.

Tim Rittmann (34)

"Nerd-Debatten eine Struktur geben"

ist freier Journalist und Autor, lebt in Berlin und schreibt hauptsächlich über Videospiele und digitale Kultur. Außerdem isst er für sein Leben gern Eiskrem.

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„Castelgrande“ von Roberta Mazzola

Wenn eins die heutigen Beziehungen zwischen Kunst und Photographie kennzeichnet, so ist es die unausgetragene Spannung, welche durch die Photographie der Kunstwerke zwischen den beiden eintrat (Walter Benjamin, Piccola storia della fotografia).

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Felice Varini

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the ar ti s t

Nähern wir uns dem künstlerischen Schaffen Felice Varinis in der Absicht, dessen wichtigste Komponenten zu beschreiben, so verraten die am tauglichsten erscheinenden Begriffe – insbesondere „Blickpunkt“, „Fokussierung“ und „Bildausschnitt“ – eine enge Verwandtschaft mit dem Vokabular der Fotografie. Wenn wir vom Konzept ausgehen, das Varini bei all seinen künstlerischen Interventionen umsetzt, sind die Unterschiede zwischen Malerei und Fotografie tatsächlich minim. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht das Problem der Falschheit der Bilder im Verhältnis zur Echtheit der Wahrnehmung. Sie bedienen sich der Fotografie und setzen sie, was die Strategie der Erzeugung und Offenbarung von Ikonizität angeht, der Malerei gleich. Durch ihren Ursprung, der auf die „Zeichenmaschine“ und die Camera obscura zurückgeht, ist die Fotografie eng mit den Werkzeugen des Malers verbunden. Da sie aufzeigt, dass die Perspektive eine Konstruktion ist, die auf einem festen Blickpunkt und einer monokularen Sehweise beruht, radikalisiert sie das Thema der Malerei als Illusion: „Im Fenster wie in der Photographie „scheint“ sich die dahinterliegende Welt unmittelbar einzuschreiben und abzubilden“ (1). Bei der Arbeit Réversible, die Varini 1986 im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris realisierte, tritt die fotografische mit der malerischen Darstellung in Beziehung, indem sie den Teil des Raumes sichtbar macht, der von einer Trennwand verdeckten ist, die zugleich auch Trägerin des gemalten Bildes bzw. der verborgenen architektonischen Linien ist. Johannes Meinhardt schreibt in seinem Essay über den Künstler und dessen Schaffen von Ende der 70er-Jahre bis zur Gegenwart: „Das Grundprinzip ... ist es, zwei miteinander unvereinbare Wahrnehmungsweisen oder Einstellungen, die von derselben Installation von Malereien im Raum oder Photographien provoziert werden, einander entgegenzusetzen und zugleich zu zeigen, dass beide nur unterschiedliche visuelle Wirkungen sind, abhängig vom Blickpunkt des Betrachters” (2). Ausgehend von der Divergenz zwischen der Bildfläche und dem immer nur ausschnittsweise wahrgenommenen Raum, entsprechend der minimalistischen Interpretation, die in der malerischen Markierung von

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architektonischen Elementen zum Ausdruck kommt, setzt sich Varini mit der ganzen Problematik der Beziehungen zwischen der ästhetischen und der wahrgenommenen Realität auseinander, die bereits für die Künstler der Frührenaissance von zentralem Interesse waren und gemäss einem auf die Wahrnehmung fokussierten, analytischen und phänomenologischen Ansatz in der Gegenwartskunst eine besonders wichtige Rolle spielen. So nähert die durch die Standortverschiebungen des Betrachters ausgelöste Erfahrung einer Spaltung zwischen einer rein visuellen, ästhetischen Ebene und einer materiellen Ebene, die sich dem Bild nicht mehr unterordnet, das vom Künstler realisierte Konzept bestimmten Strategien an, die im Rahmen einer von der Minimal Art geprägten analytischen Malerei zum Tragen kommen (3).

(1) Johannes Meinhardt, Die Wirklichkeit der ästhetischen Illusion. Felice Varinis „Blickfallen”, Lugano, Edizioni Studio Dabbeni, 1999, S. 28. Die Definition der Zeichenmaschine hat ihren Ursprung im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Vgl. für Angaben zu den Vorläufern der Fotokamera: Heinrich Schwarz, Arte e fotografia, Turin, Bollati Boringhieri, 1991. (2) Johannes Meinhardt, op. cit., S. 12. (3) Für einen Vergleich zwischen Varini und anderen Vertretern der postminimalistischen europäischen Malerei lese man neben Meinhardts Essay auch die Abschrift des Vortrags, den Maddalena Disch am 27. November 1999 an der Accademia di Architettura in Mendrisio hielt: Maddalena Disch, „Felice Varini”, Temporale, 50-5, 2000, S. 16-22.

D e n vo l l s tä n d i g e n A r t i k e l vo n R o b e r ta M a z z o l a finden Sie im Internet unter folgendem Link:

j.mp/varini


Bild: Ernesto1983

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Die Welt funktioniert ganz bestimmt nicht nach den Regeln, wie sie in Reportagelehrb端chern stehen. Claudius Seidl, Feuilletonchef FAS

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Wir entdecken die Welt & surfen im Netz. Emotionale, authentische und zeitlose Stücke erzählen in dieser Rubrik aus dem Leben und lassen den Leser über den Tellerrand hinausschauen. Hier trifft man auf ausführliche Reportagen, tiefgehende Portraits, groß angelegte Fotoreportagen sowie Features und Erfahrungsberichte. Kurzum: die inspirierenden und persönlichen Storys.

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Die Träumer r

D e b o r a H ö ly

Sechs Monate im Jahr ist er unterwegs, um Spendern weltweit von seinem Lebenswerk zu erzählen. Als Arzt lebt Klaus John in den peruanischen Anden und dient den Ärmsten – aus christlicher Überzeugung. In dem Buch „Ich habe Gott gesehen“ hat er niedergeschrieben, wie seine Frau Martina und er das Kranken­ haus Diospi Suyana gegründet haben. Für beide verkörpert das Spital einen Lebens­ traum aus frühester Jugendzeit.

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IN S P I R E

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enn die Sonne untergeht, sehen die schneebedeckten Bergspitzen aus, als wären sie mit Gold überzogen. Feurig-rot glitzern sie in etwa 6.000 Metern Höhe. Auf der einen Seite der Gebirgskette befinden sich Wüsten, auf der anderen der Amazonas-Urwald. Farbenpracht und Schönheit zeichnen die Landschaft in diesem Anden-Staat aus, doch die Mehrheit der Menschen, die hier lebt, ist bitterarm. Nach Angaben des CIA World Factbook lebt fast die Hälfte der Bevölkerung Perus unterhalb der Armutsgrenze. In Gegenden, wo die indigene Bevölkerung dominiert, sind es sogar noch mehr. Mitten in diesem sozialen Elend hat sich Klaus John mit seiner Familie niedergelassen. In Curahuasi, 1.000 Kilometer südlich der Hauptstadt Lima, kümmert der deutsche Arzt sich um Menschen wie Antroferno. Als Querschnittsgelähmter kann der junge Mann hier eigentlich nur auf seinen Tod warten. In Entwicklungsländern gelten Behinderte oft als wertlos. Weil seine Cousine sich über ihn erbarmte, kam Antroferno schließlich als einer der ersten Patienten ins Diospi SuyanaKrankenhaus. Sein Körper war bis auf die Knochen abgemagert und von großen Geschwüren bedecket. Zum ersten Mal in seinem Leben erfuhr er echte Nächstenliebe: Die Krankenschwestern wuschen und versorgten seine Wunden. Durch Operationen gelang es den Ärzten, die Geschwüre zu verschließen, sodass er wieder sitzen konnte. Sogar Lesen und Schreiben lernte er in Diospi Suyana, einem Krankenhaus, das Lebenstraum und Lebenswerk von Klaus und Martina John ist.

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Schon als kleiner Junge träumte Klaus John davon, irgendwann ein abenteuerliches Leben als Arzt zu führen. Als Klaus und Martina sich kennenlernten, stellten sie schnell fest, dass sie einen gemeinsamen Traum hatten: Nach dem Abitur wollten sie Medizin studieren, um einmal in einem Land der Dritten Welt zu arbeiten. Ihre erste Erfahrung mit der Dritten Welt war dann allerdings alles andere als traumhaft. Während des Studiums verbrachten die Johns sechs Wochen bei einem Einsatz in Ghana. Durchfall, Tankstellen ohne Benzin und Rattenplagen in Krankenhäusern machten ihre Reise in jeder Weise zu einem eindrücklichen Erlebnis. Klaus John fasst diese Erfahrung zusammen: „Unter dem Strich erschien uns der Gedanke, einmal langfristig in Ghana oder einem ähnlichen Land zu arbeiten, wenig attraktiv“. Begegnungen mit Menschen wie einem Professor Perry waren es jedoch, die die negativen Erfahrungen in den Hintergrund rückten. Der britische Arzt verkörperte ein „hoffnungsvolles Signal in einem Umfeld voller Ungerechtigkeiten“ und ermutigte sie, an ihrem Ziel festzuhalten, ohne viele Worte zu machen.

Messerstich und Kugelhagel Mehrere Jahre später wird ein Patient aus dem Volk der Zulu in das Baraghwanath-Krankenhaus in Südafrika eingeliefert. Blut tropft aus einer Schussverletzung an seinem Kopf. Er ringt um sein Leben. Währenddessen spricht die zuständige Krankenschwester in der Notaufnahme


aufgeregt in ihr Telefon – ein Privatgespräch. Den Patienten bemerkt sie kaum. Sie gehört zum Stamm der Xhosa. Der Mann mit dem Kopfschuss nicht. Ein Menschenleben von Patienten, die nicht zu ihrem Stamm gehören, zählt für sie nichts. Szenen wie diese sahen die Johns in ihren zwei Jahren am Baragwanath-Krankenhaus in Südafrika fast täglich. Als Chirurg und Kinderärztin arbeiteten sie während ihrer Facharztausbildung in dieser größten medizinischen Einrichtung der südlichen Hemisphäre. Gewalt und Kriminalität waren im Südafrika der 90er Jahre an der Tagesordnung. Viele Südafrikaner, Weiße wie Schwarze, waren bewaffnet. Messerstechereien und Schießereien waren normaler Alltag. Auch nachdem die Apartheidpolitik abgeschafft wurde, war Rassismus keineswegs Geschichte. In Südafrika, wie zuvor auch in Ghana, hatten die Johns gesehen, dass die liebevolle Hinwendung eines Arztes zu seinen Patienten keineswegs die Norm war. Daran sollten sie sich einige Jahre später erinnern, als sie im Urwald von Ecuador das Konzept für ihr Krankenhaus erstellten.

„ In jeder ihrer Gesten und Worte die unausgesprochene Bitte um Hilfe" Unter der Äquatorsonne Nach einigen Jahren Deutschland-Aufenthalt führte ihre Reise die Johns nach Ecuador, um in einem Krankenhaus im Urwald zu arbeiten. Immer wieder fuhr Klaus John ins Inland, um den Menschen zu helfen, die von medizinischer Versorgung abgeschnitten waren. Eine seiner ersten Begegnungen mit den Indianern von Cascajal war für ihn besonders eindrücklich. Täglich besuchte er ihren Gottesdienst mitten im Wald, an den Ausläufer der Anden. E-Gitarre und Schlagzeug untermalten die Lieder, während die etwa 200 anwesenden Indianer drei Stunden lang aus voller Kehle sangen. Dann folgte eine Predigt. Der Gottesdienst, der am frühen Abend begonnen hatte, endete um Mitternacht. Klaus John war tief beeindruckt von der Frömmigkeit dieser Indianer. Er hatte das attraktive Angebot einer Habilitation in Deutschland ausgeschlagen und war stattdessen mit seiner Familie nach Ecuador gezogen. Jetzt befand er sich unter den Indianern von Cascajal und aß mit ihnen Suppe und eine Schale Reis. ­ Die Indianer brachten ihre Dankbarkeit zum

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„ Für mich ist Diospi Suyana der Beweis, dass es Gott gibt.“

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Ausdruck, indem sie die Gäste freundlich aufnahmen und für sie sorgten. Zum Abschied streckten sich 20 oder 30 Hände durch die Bustür. Kleine Kinder, alte Männer und Frauen wollten ein letztes Mal Danke sagen. Auch wenn sie es nicht aussprachen, spürte Klaus John „in jeder ihrer Gesten und Worte die unausgesprochene Bitte um Hilfe“. Einige Zeit später, als die Johns bereits ein paar Jahre im Urwald von Ecuador gearbeitet hatten, sagte Martina John: „Entweder wir packen das Projekt jetzt an, oder nie“. Dort trafen die Johns die Entscheidung, den Berglandindianern ein Krankenhaus zu bauen. Weder das Wo noch das Wie waren geklärt. Aber die Johns wollten sich der Bitte, die Klaus John bei seinem ersten Besuch bei den Indianern aus ihren Gesten gelesen hatte, nicht verschließen. Denn wenn sie nicht halfen, wer würde es dann tun? In ihrer Studienzeit hatten die Johns als Rucksacktouristen das erste Mal Peru erkundet und bemerkt, dass vor allem die in den Bergregionen lebenden Quechuas kaum Zugang zu medizinischer Versorgung hatten. Bis heute werden sie in ihrer Heimat häufig von Tuberkulose, Wurmerkrankungen, Parasiten oder Infektionen geplagt – die meisten dieser Krankheiten sind heilbar. Doch die Berglandindianer müssen damit leben. „Diese von der Vergangenheit und Gegenwart so geschundenen Kreaturen benötigten aber weit mehr als Tabletten und Spritzen – sie sehnten sich vor allem nach Respekt und Liebe“, hatte Klaus John damals festgestellt und erkannt: Die Bergregion war der perfekte Ort, um ein Krankenhaus als Hoffnungsbringer zu errichten. 14 Jahre später, nachdem ihre Reisen in südafrikanische Krankenhäuser, in den Urwald von Ecuador und immer wieder zurück nach Deutschland geführt hatten, sollte sich der Traum des Paares endlich erfüllen: Sie reisten ein weiteres Mal, diesmal als fünfköpfige Familie, nach Peru, um dort das Krankenhaus Diospi Suyana zu bauen. Diospi Suyana ist Quechua für „Wir vertrauen auf Gott“. Unzählige Male wurde dieses Vertrauen auf die Probe gestellt, sei es bei der Suche nach Finanzgebern in Deutschland und Peru, oder beim Überwinden des Bürokratie-Dschungels und der Korruption in ihrer neuen Heimat. Sie erkämpften einen Schritt nach dem anderen, bis das Krankenhaus 2007 seine Türen öffnete. Zur Einweihung kamen 4.500 Menschen, unter ihnen die Präsidenten-Gattin Pilar Nores de García – die Patin von Diospi Suyana . Nur fünf Jahre nachdem der Projektentwurf des Krankenhauses in Ecuador verfasst worden war, hatten die Johns


im südperuanischen Curahuasi ein Krankenhaus gebaut, das in der Ausstattung einer westlichen Einrichtung in keiner Weise nachsteht. Bis Juli 2013 wurden in Diospi Suyana 109.000 Patienten behandelt. Dort hat nicht nur Antroferno erfahren, dass es bei Diospi Suyana nicht nur um körperliche Heilung geht. Getragen von Zehntausenden rund um den Globus ist Diospi Suyana zu einer „Kathedrale der Liebe“ geworden. Fast 19 Millionen US-Dollar wurden bisher für das Projekt gespendet. Mit Gottvertrauen wurde aus dem Traum der Johns Diospi Suyana , ein Lebenswerk, das Menschen berührt. Ein Direktor des SiemensKonzerns formulierte es einmal so: „Für mich ist Diospi Suyana der Beweis, dass es Gott gibt.“

Debora Höly (27)

ist studierte Journalistin und lebt derzeit in Bonn. Sie verlässt das Haus nicht ohne Kamera, Buch und Notizblock. Und sie würde gerne einmal um die ganze Welt reisen.

Fragen an = Drei Klaus-Dieter Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Woche? Kommt bei all der Arbeit ihre Familie nicht zu kurz? Klaus-Dieter John: In Peru arbeite ich etwa 60 Stunden die Woche; und wenn ich unterwegs bin – also sechs Monate im Jahr – sind es etwa 90 Stunden die Woche. Ich habe bisher über 1.700 Vorträge in 14 Ländern gehalten, also nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland sowie in Nord- und Südamerika. Meine Frau steht jeden Tag um 6 Uhr auf und arbeitet bis 22 Uhr, sechs Tage die Woche –also zirka 80 Stunden. Die Familie ist emo­ tional eng miteinander verbunden, ich rufe jeden Tag an, wenn ich unterwegs bin. Wie viele Patienten wurden bisher in Ihrem Krankenhaus behandelt? Klaus-Dieter John: Bis dato wurden 109.000 Menschen behandelt, bis zum Jahresende werden es etwa 120.000 sein. Momentan ar­ beiten hier zehn Ärzte, wir können aber noch viel mehr gebrauchen. Etwa 80 Prozent der Patienten kommen nicht aus Curahasi, son­ dern aus anderen Bundesländern, haben also oft einen weiten Weg – manchmal mehrere Tage – hinter sich. Durch zahlreiche Fern­ sehberichte und Artikel sind wir praktisch im ganzen Land (und weit darüber hinaus) bekannt. Alle haben schon einmal von dem Krankenhaus gehört. Seit 2012 ist mein Buch auch auf Spanisch verfügbar. Der Titel heißt ‚Dios es visible‘ – Gott ist sichtbar. Wie kann man Diospi Suyana unterstützen? Klaus-Dieter John: Man kann spenden oder sogar selbst in den unterschiedlichsten Bereichen mitarbeiten: Wir suchen nicht nur Ärzte und Krankenschwestern sondern auch Computerfachleute. Man kann in der Metall­ werkstatt, auf der Baustelle, als Sekretärin, in der Kinderarbeit, in der Sozialarbeit mit­ arbeiten. Es wird gerade eine Schule für 500 Schüler gebaut, die im März des kommenden Jahres eingeweiht werden soll. Dafür werden auch Lehrer gesucht. Aber wer sich für eine Mitarbeit entschließt, sollte für mindestens drei bis vier Jahre kommen und bereit sein, die Sprache und Kultur zu lernen.

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Hoffentlich lernen w i r d a r au s A r Da n i e l H รถ ly

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EIN K O M M ENTAR V ON 2 0 0 9 In den vergangenen Tagen waren die Zeitungen voll von Robert Enke. Der Mann, der sich das Leben nahm. Für die Medien ein gefundenes Fressen, endlich wieder etwas los. Doch die Art und Weise, wie die Medien darüber berichten, ist anders. Sie scheinen von ihrer teils haarsträubenden Berichterstattung über Winnenden gelernt zu haben und berichten nun mit mehr Sorgfalt und mehr Inhalt. Aber ist es nicht gefährlich, dem Thema so viel Aufmerksamkeit zu schenken? Wird dadurch nicht der Suizid statt Enke verehrt? Sogar eine Straße, ein Platz oder gar das Stadion sollen nach ihm benannt werden. Ehre, wem Ehre gebührt. Aber gebührt jemandem, der sich getötet hat, so viel Ehre? Menschen, die Enke nicht kannten und nicht kennen, verneinen das in der Regel. Die Gefahr für Nachahmer sei zu groß. „Wenn sie sehen, wie ein Mensch, der sich umbringt, zu Ruhm gelangt, wollen sie sich vielleicht auch das Leben nehmen“, mutmaßen manche. Doch Enke war mehr Opfer als Täter. Er war mehr depressiv als aggressiv. Sein Leid im Leben schien ihm größer als seine Liebe fürs Leben. Enke war vollkommen hoffnungslos. Hier wird nicht einem Menschen Aufmerksamkeit

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geschenkt, weil er Suizid begangen hat, sondern weil er depressiv krank war und unter enormen Leistungsdruck stand. Und so sollte man Enke nicht richten, bevor man nicht seine Hintergründe kennt. Menschen sehen nur das Offensichtliche. Sie sehen nur, was Enke getan hat, nicht aber warum. Dabei ist das Warum, die Frage nach dem Motiv, meist viel wichtiger als das Was. Enkes Tod trägt bereits Früchte: Eine überaus wichtige und wertvolle Diskussion über das Tabuthema Depression wurde erneut angestoßen. So will unter anderem DFB-Präsident Theo Zwanziger das Thema endlich enttabuisieren. Doch hoffentlich folgen hier den Worten Taten – ansonsten war alles vergebens. Denn schon der Fall Sebastian Deisler, der sich 2006 offen zu seinen Depressionen bekannte und seine Karriere beendete, zeigte keine Wirkung. Groß war das Medienecho, doch Früchte trug dies keine und die Debatte war ebenso schnell wieder vom Tisch. Enkes Tod erinnert eingefleischte Fußballexperten möglicherweise auch an Samuel Osei Kuffour, den einstigen Innenverteidiger des FC Bayern München. Auch er verlor seine 15 Monate alte Tochter Godiva, die bei einem Badeunglück ertrank. Kurz darauf veröffentlichte die britische Rundfunkanstalt BBC ein bemerkenswertes Interview mit

Kuffour. Darin sagte er, dass sein christlicher Glaube ihm den Mut gab, in die Zukunft zu schauen. Möglicherweise sei sie ein Engel gewesen, so Kuffour. „Sie kam, um Dinge in meinem Leben zu klären. Sie kam, um zu tun, was sie tun musste und ist jetzt bei Gott.“ Eine bemerkenswerte Einstellung, ein klares Ja zum Leben – vor und nach dem Tod. So oft versuchen Menschen aus eigener Kraft, ihr Leben in den Griff


„ Wir haben so viel zusammen durchgemacht, auch Laras Tod, das hat uns so zusammengeschweiSSt, dass ich dachte, mit Liebe kann man alles schaffen." T eresa E nke

Die Gedenkfeier in der AWD-Arena gab Grund zur Hoffnung, dass die Menschen begriffen haben, worum es geht. So wurde zwar Enkes Leben gelobt, sein Tod jedoch nicht. Und auch der Hinweis Theo Zwanzigers, Fußball sei nicht alles, Fußball dürfe nicht alles sein, bekam von den 40.000 Fans im Stadion anerkennenden und lang anhaltenden Beifall. Eine wichtige Erkenntnis, die Hoffnung schafft. Hoffnung, die Enke nicht mehr

Bild: Daniel Höly

zu bekommen. Sie mühen sich dabei ab, quälen sich und geben alles. Auch Teresa Enke, die Witwe des Nationaltorwarts, dachte, sie könne es schaffen: „Wir haben so viel zusammen durchgemacht, auch Laras Tod, das hat uns so zusammengeschweißt, dass ich dachte, mit Liebe kann man alles schaffen. Ich habe versucht, für ihn da zu sein, und ihm Perspektive und Hoffnung zu geben.“

hatte. Aber auch Hoffnung, die er uns durch seinen Tod gab. Hoffentlich lernen wir daraus. Fußballer, die nun offensiv nach vorne schauen und mutig zu ihrer Depression stehen. Medien, die Fußballer nicht aufgrund ihrer Schwäche verhöhnen. Und Menschen, die die Fußballer dabei unterstützen. Damit Robert Enkes Tod nicht vergebens war und auch ein Sebastian Deisler in Zukunft seine Karriere nicht beenden muss.

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„Wir brauchen keine fehlerfreien Roboter. Wir brauchen Menschen mit Ecken und Kanten und mit allen ihren Schwächen und ihren wunderbaren Eigenschaften." C hristian W ulff

Dafür brauchen wir alle mehr Verständnis, Annahme und Liebe untereinander. Mehr Rücksichtnahme und Respekt. Um es mit den Worten von Christian Wulff zu sagen: Wir brauchen keine fehlerfreien Roboter. Wir brauchen Menschen mit Ecken und Kanten und mit allen ihren Schwächen und ihren wunderbaren Eigenschaften.

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ist studierter Online-Journalist und leidenschaftlicher Blogger. In seiner Freizeit reist der gebürtige Südhesse gerne und fotografiert alles, was ihm vor die Linse kommt. Die Bilder dieses Artikels wurden von Daniel Höly aufgenommen.


Robert Enke Ein allzu kurzes Leben Unbegreiflich, atemberaubend, zutiefst bewegend: „Robert Enke - Ein allzu kurzes Leben“ ist für mich eines der besten Bücher der vergangenen Jahre. Weiterlesen: http://j.mp/enkebuch

Robert Enke: Audio-Slideshow Passend zum Kommentar empfehlen wir die Audio-Slideshow „My tribute to Robert Enke“.

http://j.mp/renke

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» D on‘t ask yourself what the world needs. Ask yourself what makes you come alive and then go do that. Because what the world needs is people who have come alive.� Howard Thurman

s tay h u n g r y. s tay f o o l i s h . s tay j u i c e d.


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