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editorial

Was

es

Liebe Leser, lieber Schwan,

ist

am Montag, 1,5 kg Nudeln am Dienstag, 6 Liter Kartoffelsuppe am Mittwoch, Wasserfla-

ich möchte erklären, was es ist. Ich möchte

schen, Becher voll Cola, Thermoskannen mit

sagen, wie sehr ich filmab! mag. Diese Absicht

Tee und Kaffee, eine Tüte Kartoffelchips, ...

macht die Worte schnell pathetisch und nied-

Was man nicht sieht, sind Fleiß, Talent, Motiva-

lich. Aber ich will es verstanden wissen. Mein

tion, Freude, Müdigkeit, Freundschaft, Sturheit,

Versuch ist eine Reihe von Eckdaten. Ich ver-

Witz, Ernsthaftigkeit und Spaß. Man sieht

weigere die Wertung. Ich lasse den Leser werten.

nicht das an-die-Grenze-gehen.

Vier Zeitungen á 16 Seiten DIN A5, geplant,

Es ist nicht Druck, es ist nicht Konkurrenz, es

recherchiert, geschrieben, korrigiert, gelayoutet,

ist nicht Arroganz, die uns weiter treiben. Es ist

zur Druckerei gebracht. 4 Tage, 110qm, 13

wie ein sicheres Zuhause, das viele Freiheiten

Leute im Alter von 15 bis 22 durchschnittlich

lässt. Es sind Kreative und Technikfreaks, die

4 Stunden Schlaf pro Person 12 bis 14 Stunden

sich anfeuern. Es ist Loben und Kritisieren. Es

filmab! und filmkunstfest am Tag, ein Raum

ist zum Ersticken komisch. Und es ist eben

mit 10 Rechnern + 4 Laptops, 2,5 kg Milchreis

doch schön. Es ist, was es ist. [ca]

Jede Ausgabe der diesjährigen filmab! ist Element eines vierteiligen Puzzles, hergestellt von den Künstlern der Gruppe #104. Das Sammeln lohnt sich.

René Patzwaldt gestaltete das Titelbild der filmab! vom 6. Mai.


inhalt/impressum

_editorial _inhalt/impressum _programm film _sf nachbeben _kk erik im land der insekten _filipa cesar _sf ich geh nach hause _interview spielfilmjury _sf mutterseelenallein _kf 37 ohne zwiebeln

002 003 016

006 007 008-009 010 011 013 014

_kf wir sind dir treu _kurzfilmnacht

014 015

kunst _interview knut elstermann

004-005

fest _der letzte gast

012

Die filmab! ist eine unabhängige Begleitzeitschrift des Jugendmedienverbands MV e.V. zum filmkunstfest schwerin.

LEITUNG Anne-Christin Mook [acm], Ina Diedrich [id] Stefanie Bolduan [sb] KONTAKT Wismarsche Straße 126, 19055 Schwerin Tel: (01 76) 23 37 54 88 E-Mail: [ carline@jmmv.de ] Homepage: [ http://filmab.jmmv.de/ ] HERAUSGEBER Jugendmedienverband MV e.V. Budapester Straße 7, 18057 Rostock V.I.S.D.P. Anne-Christin Mook REDAKTION Ann-Christin Reinhart [acr], Emily Koch [eko]

Falko Richter [fr], Johann Hüttner [jh] Johannes Haefke [joh], Miriam Seedorf [ms] BILDREDAKTION Martin Ahlert [ma], Heidi Scharen [hs] LAYOUT Carline Arndt [ca], Martin Knorr [mk] Maria Lehmann [ml], Lisa Kleinpeter [lk] TITELBILD Gruppe #104 [René Patzwaldt] BELICHTUNG UND DRUCK c/w Obotritendruck, Münzstr. 3, 19055 Schwerin AUFLAGE 650 Stück AUSGABE 04/2006

Die Meinung der Autoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. Wir danken und grüßen: Diakonie Sozialstation, Sozialwerk Presseclub MV, Schlosskirchengemeinde, Komplex, Landesjugendring MV, DGB-Jugend, Falkos Mutti, Terra Nord, c/w Obotritendruck, filmkunstfest-Büro, Herrn und Frau Wadepfuhl und Christin Bork.


interview knut elstermann

kunst

Er ist der König des Plüschsofas im Amtskeller,

den Filmtalk gefreut. Die alte war doch sehr

dem neuen Festivalklub. Knut Elstermann fragt

provisorisch. Wir waren in einer Einkaufspassa-

in den nächtlichen Filmtalks die Filmemacher

ge, da dachte man, jetzt könnte man auch

im Wettbewerb nach ihren Filmen aus und

anfangen, Wärmedecken zu verkaufen.

begeistert sich für die Musik von Thomas

Wie war es für dich, in diesem Jahr nicht nur

Putensen.

die Moderation der Filmtalks zu übernehmen,

Du hast deine Pflichten für dieses Jahr film-

sondern mit deinem eigenen Buch im Mittel-

kunstfest gerade erledigt. Was ist das für ein

punkt zu stehen?

Gefühl?

Das war nicht meine erste Lesung, aber ich bin

So ganz ist es mit der Pflicht noch nicht vor-

immer noch sehr aufgeregt. Das ist anders als

bei, da ich ja noch die Abschlussveranstaltung moderiere. Es ist immer schrecklich, eine Abschlussveranstaltung oder Preisverleihung zu moderieren. Alle wollen schnell hören, wer die Sieger sind, aber es gibt unendlich viele Reden. Das ist noch mal eine Herausforderung, halbwegs vernünftig Pannen zu umgehen. Worauf hast du dich gefreut? Ich habe mich wirklich auf die Filmemacher gefreut. Manche kenne ich schon, manche lerne ich erst auf dem Sofa kennen und merke dann, dass sie ganz anders als in den Filmen sind. Ich habe mich auch sehr auf die neue Location für


kunst

interview knut elstermann

beim Filmtalk. Da kommen die Leute nicht

Was hat dich zum Hobbyhistoriker gemacht?

meinetwegen, sondern wegen der Filmemacher.

Ich werde von Geschichten immer schnell in

Ich bin dann nur der Stellvertreter des Publi-

den Bann gezogen. Das ist eine uralte Faszina-

kums. Wenn man aber eine Lesung macht,

tion aus der Kindheit. Man lehnt sich zurück

dann weiß man, die Leute kommen, um dich

und ist für einen Augenblick in einer anderen

zu hören. Da kann man sich hinter nichts ver-

Wirklichkeit, man erlebt die Welt doppelt.

stecken, höchstens hinter seinem Buch, aber

Was willst du mit deinen Lesungen bei den Leu-

das ist kein besonders guter Schutz.

ten erreichen?

Woher kommt dein Interesse am Geschichten

Ich will zum einen, dass die Leute die Ge-

erzählen?

schichte von Gerda und ihrem Schicksal im Holocaust verstehen. Es gibt einige Aspekte, die wir über den Holocaust so noch nicht kannten. Ich möchte außerdem zeigen, dass es noch nicht so lange her ist. Sechzig Jahre sind geschichtlich gesehen extrem wenig. Und ich will an die Opfer erinnern. In den letzten Jahren lag die Konzentration auf den Tätern und das Leid der Opfer wurde bei Weitem nicht so ausführlich besprochen. Die Lesungen in Schulen bringen ein Stückchen Immunität zu den Schülern. Die Geschichte von Gerda nimmt den Nazis jeglichen Glanz. [acm]

Anne-Christin Mook im Gespräch mit Knut Elstermann


sf nachbeben

film

Geld oder Freundschaft Träumt nicht jeder einmal davon, sich ein wun-

Jeder steht mit jedem in Beziehung und hat

derschönes Haus am See mit einer riesigen Gar-

etwas zu verbergen, was diesen Film so unglaub-

tenanlage leisten zu können? Dass Geld allein

lich interessant macht. Man kann sehr gut mit-

nicht glücklich macht, ist zwar bekannt, aber

fühlen, wie die Beteiligten versuchen, ihre Welt

so ein Leben wie Hans Peter und Karin es füh-

aufrecht zu erhalten. Dass die Katastrophe

ren, bietet Anreize.

bevor steht, wird dem Zuschauer von Anfang

Doch das alles soll sich an einem Abend

an vermittelt. So wie allmählich die Nacht über

ändern. Denn das Gerüst, auf dem HP (Hans

den Tag einbricht, so verändern sich die Cha-

Peter) seine Existenz aufgebaut hat, steht auf

raktere. Nach und nach überfordern sie die

wackeligen Beinen. Selbst seine Freundschaften

Umstände. Verzweiflung, Aggression und

scheinen lediglich Geschäftsbeziehungen zu

Flucht kennzeichnen nunmehr die Szenerie.

sein. In dieses intrigante Spiel wird das däni-

Diese prä-apokalyptische Stimmung wird

sche Au-pair-Mädchen Birthe hineingezogen.

zudem wunderbar authentisch von der Kamera

Sie hat eine Liaison mit HPs Vorgesetzten und

eingefangen.

Freund Philip. Nur kann Birthe nicht mit

„Nachbeben“ ist ein klassisches Drama mit der

ihrem schlechten Gewissen leben und bringt

Moral, dass Geld allein nicht glücklich macht.

das Gerüst zum Einsturz.

[ma]

Noch ist die Welt des bürgerlichen Scheins in Ordnung


film

kk erik im land der insekten

Nichts

ist besser hat. Dort erlebt er die fabelhaftesten Abenteuer mit den Insekten, über die er in der wirklichen Welt bald einen Vortrag halten soll. Er erlernt so spielerisch die lateinischen Namen und andere Details der Vielbeiner, indem er genau das durchlebt, was sein Großvater in einer Par-

Pia, 6, nach dem Film

allelhandlung als Geschichte aufschreibt. Dem Genre entsprechend gibt es ein breites Band an Themen; Freundschaft, Verlust und Trauer, Liebe, Vertrauen, Kampf und Mut seien hier genannt. Der hohe Anspruch an eine Geschichte lautet: Sie möge Klein und Groß unterhalten. Das ist hier nicht der Fall. Während der

Erik mit Frau Stechmücke

Vorführung ist nichts von einem "Ensem-

Meine Ururgroßmutter ist noch nie leibhaftig

ble der Künste" zu spüren. Was die jüngeren

aus einem kleinen Bild gesprungen. Ich wüsste

Zuschauer jedoch angeht, die unbedachter und

gerne, was sie zu sagen hätte. Im Film zaubert

unkritischer sind: Sie scheinen es genossen zu

eine für ihren Ururenkel, wie jede gute Oma.

haben. Wer keine anderen Erwartungen hat, als

Sie zaubert ihn mit Hilfe eines Wiesenbildes in

eine Geschichte mit Farben und Lächeln, wird

eine Welt hinein, die schon sein Vater besucht

hier zufrieden gestellt. [jh]


filipa cesar

Projekt: Kunst_Film

kunst

Filipa Cesar, geboren 1975 in Porto/Portugal, studierte Malerei

Woher es kommt:

in Lissabon, ist heute im Bereich

Durch die Ausstellung DEGESIS*, die noch bis Juli

von Video- und Installationskunst

im Schleswig-Holstein-Haus und im Staatlichen

kreativ, beteiligte sich an Ausstel-

Museum Schwerin zu sehen ist, hat sich Filipa Cesar

lungen in Tel Aviv, Istanbul, Wien

als Künstlerin intensiv mit Film auseinander gesetzt.

und ist jetzt mit der Ausstellung

Dabei entstand die Frage, inwiefern sich Film durch

DEGESIS* in Schwerin

Kunst beeinflussen lässt - sich an ihm inspiriert. Das filmkunstfest bietet für Filipa einen guten Ort, diese Verbindung zu suchen. Was es ist: Filipa hat ab Samstag mehrere Termine mit Regisseuren, bei denen sie Statements fordert: „Wie beeinflusst Kunst Ihr Filmemachen?“ Darunter sind Christian Moris Müller, Birgit Grosskopf, Donald Houwer, Thomas Heise und Benjamin Heisenberg. Andreas Dresen wünscht sie sich noch auf ihrer Liste und hofft, dass er Zeit findet, denn seine Filme begeistern sie. Was rauskommt: Das Ergebnis wird keine Menschen zeigen, sondern Arbeiten aus der Sammlung des Staatlichen Museums Schwerin, darunter Gemälde aus dem 17. Jahrhundert und Bilder von Marcel Broothaeres. Filipa nennt ihn den Vater des Dadaismus und beschreibt fasziniert dessen Arbeit „Analyse eines Bildes“: Es zeigt Ausschnitte aus einem einzigen Bild. Einzelne Elemente werden herausgenommen, zu einem Film montiert und analysieren auf diese Weise das Bild. Als Voiceoff wird man zu diesen Bildern die Kommentaren der Filmemacher hören. * DE|GE|SIS <f.;-, -en> die Kunst des Erzählens, Gegenteil: ME|NE|SIS <f.;-, -en> die Kunst des Sehens


kunst

filipa cesar

Der Mensch Fakten: Ausbildung, Arbeit und Anreise Als Erasmusstudentin kam Filipa Cesar nach Karlsruhe. Später zog sie nach München, wo sie einige Zeit lebte. Seit zwei Jahren wohnt sie in Berlin. Sie lebt von der Kunst. Das funktioniert, weil sie eigene Arbeiten verkauft und durch Stipendien unterstützt wird. Die 3 liebsten Kinderbücher Ein portugiesisches Kinderbuch heißt „Das Mädchen vom Meer“, eine faszinierende Erzählung, so Filipa. Alice im Wunderland las sie gern, wegen der vielen Doppeldeutigkeiten. So würden Kinder angeregt, Ereignisse und Wahrheiten zu hinterfragen. Das empfindet sie als wichtig. Und sie erinnert sich, dass ihr Vater oft Geschichten für sie erfand.

Was rauskommt, konkret: Am Ende wird ein Buch stehen, dass sich mit den Arbeiten der Ausstellung DEGESIS und dem Prozess ihres Entstehens befasst sowie mit dem Kunst_Film-Projekt und seiner Inspiration durch Broothares. Der Film wird schließlich zur Buchpräsentation erstmals gezeigt. Wann das sein wird, steht noch nicht fest. Möglich wäre der 16. Juli. Dann endet die Ausstellung DEGESIS in Schwerin. [hs, ca]


sf ich geh nach hause

Die Würde

film

des Leidens

Der Schauspieler Gilbert Valence spielt einen

beschäftigt. Wie trifft ein Schicksalsschlag sol-

greisen König, als ihn die Nachricht erreicht:

che Menschen? Wie gehen sie damit um, wenn

Seine Frau, seine Tochter und deren Ehemann

sie trotz ihrer Energie alt werden? Was bedeuten

sind bei einem Unfall verunglückt. Die Zeit, in

die textlichen Aussetzer beim Dreh des letzten

der er dies verarbeitet, wird mit einer trivialen

Filmes? Zu Hause schläft er beim Nachlernen

Zwischenblende übersprungen. Nach und nach

der Worte auf der Couch ein, wo ihn sein

wird deutlich: Er hat viel erlebt in seinem

besorgter Enkel morgens findet. Dieser Tag am

Leben. Bei seinem Ruhm kann er es sich lei-

Set beginnt hoffnungsvoll, doch nach Kurzem

sten, die

zieht er Bilanz: „Ich gehe nach Hause. Ich gehe mich ausruhen“, und bricht ab. Auf dem Weg übt er ironischerweise seine Dialoge. Als er die Garten-

Der Abgrund liegt oft näher, als man denkt.

Filme auszuwählen, in denen er mitspielt. Er ist

pforte passiert, hört der Enkel auf, im Kreis zu

ein Mensch, der geliebte Opa und freundliche

radeln, und guckt, an den Türrahmen gelehnt,

Hausherr mit festem Wertesystem. Gleichzeitig

dem nun Gealterten zu, wie er sich die Treppen

ist er renommierter Schauspieler, reich und viel-

hochzwingt. [jh]


film

interview jury

Die fünf Jurymitglieder gehören zu den wich-

der Schweiz nicht zu sehen wären.

tigsten Personen des filmkunstfestes. Wir spra-

Wie wichtig ist ihnen die Meinung des Publi-

chen mit Cookie Ziesche und Ivo Kummer

kums?

über ihre Arbeit als Preisrichter.

CZ: Die ist total wichtig. Das Publikum ist

Er muss mich berühren Haben sie schon öfter in Jurys gearbeitet?

unser potentieller Kunde. Aber die Jury- und

Cookie Ziesche: Ja, ich war schon häufiger in

Publikumsentscheidungen sind in den selten-

Jurys, aber es ist immer wieder eine neue Erfah-

sten Fällen deckungsgleich. Die Zuschauer

rung. Jede Jury ist anders, diese ist sehr interes-

haben den Wunsch, unterhalten zu werden. Wir

sant. Es gibt schöne Gespräche, anders als bei

achten mehr auf den künstlerischen Aspekt.

den meisten Jurys wird direkt nach jedem Film

Nach welchen Aspekten beurteilen Sie die

diskutiert.

Filme?

Was reizt sie an der Juryarbeit?

CZ: Der Film muss mich berühren. Danach

Ivo Kummer: Natürlich stehen die Filme im

sehe ich mir das Handwerk an: Wie ist die

Vordergrund. Mich reizt vor allem, dass man

Geschichte gebaut? Sind die Figuren glaubhaft?

sich mit Kollegen auseinandersetzt und man

Hat der Inhalt die entsprechende Form? Primär

hier Filme sieht, die normalerweise bei mir in

beurteilt man aber emotional. Wie würden sie das filmkunstfest in drei Worten zusammenfassen? IK: Familiär, sympathisch, klein. Vielen Dank! [joh, ma]

Ivo Kummer und Cookie Ziesche im Gespräch


der letzte gast

fest

„Der letzte Gast“. Oder vier Greifswalder, die

Nur die Musik verbinde sie, denn so ließe es

gestern das erste Mal in Schwerin, im Festival-

sich am besten miteinander reden. Die Reso-

klub, zu hören waren. Genauer gesagt, fällt ein

nanz des Publikums heute Abend ist eher ver-

Überhören auch schwer, angesichts der kraftvol-

halten. Viereckige, geschaffte Augen bei den

len Stimme von Sängerin Karolin Fischer. In

Gästen lassen einen zwölf-Stunden-Kinotag ver-

Kombination mit Peter Hartmann am Schlag-

muten. „Das Publikum verarbeitet die Musik

zeug, Markus Knödel am Bass und dem Mann

anders, das funktioniert nur kognitiv.“, erklärt

an der schönen Jazzgitarre entsteht eine interes-

Sängerin Fischer. Die vier Musikanten verdie-

sante Gesamtkomposition. „Unsere Stile pral-

nen sich nicht als solche ihren Lebensunterhalt,

len aufeinander; man erkennt eine Spur, die

sondern musizieren aus Leidenschaft. Den

sich aber wieder verwischt. Wir spielen Reggae

Filmbezug schaffte am gestrigen Abend Knut

oder Ska und letztendlich wird es ein rockiges

Elstermann im Filmtalk, dieses Mal unter ande-

Lied“, so die Sängerin. Sie erklärt sich diese

rem im Interview mit „Kometen“-Regisseur Till

musikalische Vielfalt mit den extremen Charak-

Endemann. [eko]

teren, die in der Kapelle aufeinander treffen. „Der letzte Gast“ beim Auftritt im Festivalklub.


film

sf mutterseelenallein

Mutterseelen allein in Mutterseelenallein

Von anfänglicher Ablehnung über die grausame Wahrheit bis hin zur Akzeptanz vergehen nur einige Tage im Leben von Bea (Katrin Sass) und ihrem 20-jährigem Sohn Thommy (Sebastian Weber). Als Bea vom Tod der 12-jährigen Paula und der damit verbundenen Anklage ihres Sohnes erfährt, weiß sie zuerst nicht, was sie tun soll, um Thommy zu helfen. Denn der sitzt

sicht und Hoffnung erfüllt, ist Bea kein Ver-

bereits in der JVA und durchlebte am eigenen

dacht zu unrealistisch und kein Strohhalm zu

Leib, was es heißt, ein Opfer zu sein. Zusam-

klein, um sich nicht an ihn zu klammern.

men mit ihrem Anwalt (Vadim Glowna) begibt

Letztendlich erkennt sie ihr eigenes Versagen

sich Bea auf die Suche, um herauszufinden, was

ihrem Sohn gegenüber.

wirklich geschah. Denn selbst Thommy scheint

In seinem Film zeigt Autor Robby Dannenberg

das nicht mehr genau zu wissen: „Irgendwann

mit schmerzlicher Exaktheit die Lebenslage

weiß man nicht mehr, ob es die eigenen Worte

einer Frau, die erfährt, dass ihr Sohn zum Mör-

sind, die sie einem hundert Mal vorgesagt

der geworden ist. Er erzählt von Schmerz, den

haben.“ Geprägt von Verzweiflung und Ratlo-

keine Zeit heilt und von Wahrheit, die schok-

sigkeit, doch auch immer wieder von Zuver-

kiert. [acr]

Bea ist Mutterseelenallein


kf 37 ohne zwiebel / kf wir sind dir treu

film

Von A nach C ohne B Sekretärin Maria (Linda Olsan-

sprünge sind im normalen Leben eher selten.

sky) aufmerksam wird, nimmt er

Doch genau diese durchlebt der Angestellte

auch seine Umgebung wieder

Lukas Kniespe (Bernd Moss) jeden Tag aufs

voll wahr. André Erkau gelingt

Neue. Minuten und Stunden vergehen, ohne

es auf ungewöhnliche aber in

dass er etwas davon mitbekommt. „Als würde

sich stimmige Weise, die Eigen-

man beim Fernsehen die Werbung übersprin-

heiten des hektischen Alltags

gen.“ Häufig findet er sich plötzlich in Situa-

und die damit verbundene einge-

tionen wieder, von denen er nicht weiß, wie sie

schränkte Wahrnehmung einzu-

zustande gekommen sind. Erst als er auf seine

fangen. [acr]

Gl or y

Die sonst nur in Filmen dargestellten Zeit-

FC

B! die Stimmung der Masse

auf die Zuschauer des Films

ry, o l G

über. Neunzig Minuten Euphorie, Gebrüll und Anspannung komprimiert in neun Minuten. Dazu der Anstimmer, der ab und zu an der Kamera vorbei einen Blick über seine Schulter wirft. Er stellt sich dadurch auf den Spielverlauf ein, den der Regisseur dem Zuschauer szenisch vorenthält. Trotzdem weiß der Zuschauer genau, was auf dem Spielfeld vor sich geht.

Wie die Theorie von der Kugelform des Balles ist das Konzept denkbar einfach: Ein Anstimmer bei der Arbeit. Im Stadion ist er es, der von seinem Podium aus die Menge mit einem Megaphon dirigiert. "FC B, FC B, FC BAAAASEL, SCHHAAALALALALALA!" Schnell greift

Denn je nach Spielsituation folgt die Masse gewissen Ritualen. Beim Gleichstand motiviert der Anstimmer sie noch einmal alles zu geben, als wären sie diejenigen, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Fast irritiert schaut er dann ein letztes Mal über seine Schulter, als vor ihm die Menge schon lange aufgesprungen ist. [ms, jh]


film

kurzfilmnacht

Kurze Filme ganz

groß

Es ist 1.15 Uhr und die Straßen von Schwerin sind leer. Nur vereinzelt sieht man Leute. Ganz anders ist es im Schweriner Speicher. Dort ist der Andrang so groß, dass die Sitzplätze bei Weitem nicht ausreichen. Viele interessierte und motivierte Menschen bestaunen die Kunst von vielen verschiedenen Kurzfilmen. Produktionen von Schülern und Studenten und viele Filme bisher unbekannter Filmemacher füllen heute die Nacht. Den Einstieg bildete eine Produktion von Grundschülerinnen mit Unterstützung von zwei älteren Schülerinnen. In diesem Film ist ein kleines Mädchen namens Elisabeth mit ihren Eltern in einen kleinen Ort Mecklenburg-Vorpommerns gezogen. Natürlich muss sie jetzt in eine neue Schu-

David-Friedrich-Instituts, zwei Schülerfilme,

le gehen. Begeistert ist sie darüber nicht, denn

eine Reihe von Filmen Wismarer und Greifs-

ihr ist klar, dass es nicht einfach sein wird,

walder Studenten.

neue Freunde zu finden. Sie möchte Mitglied

Danach haben junge Filmemacher aus ganz

in einer Clique werden. Hierfür soll sie sich

MV die Möglichkeit, ihre Werke zu präsentie-

einer Mutprobe stellen, die daraus besteht,

ren. Die offene Leinwand ist sehr beliebt unter

etwas zu klauen. Sie folgt den Anweisungen,

jungen Küstlern. Hier können sie testen, wie

merkt aber, dass sie einen Fehler macht. Jetzt

ihre Filme von den Zuschauern aufgenommen

will Elisabeth eine „Clique der Gerechten“

werden. Mal schauen, welcher Filmemacher

gründen.

zum neuen Publikumsliebling wird... [ms]

Im Programm folgen Produktionen des Caspar-


programm SPIELFILMWETTBEWERB 6. Mai 17.00 Uhr / 7. Mai 16.30 Uhr LUCY von Henner Winckler Capitol 4

7. Mai 11.00 Uhr DIE BLINDGÄNGER von Bernd Sahling Capitol 1

6. Mai 19.30 Uhr / 7. Mai 16.00 Uhr ROSE von Alain Gsponer Capitol 5

LÄNDERREIHE PORTUGAL 6. Mai 14.00 Uhr / 7. Mai 11.30 Uhr DUNKLE NACHT von João Canijo Capitol 3

RETROSPEKTIVE 6. Mai 17.30 Uhr WEGE IN DIE NACHT von Andreas Kleinert Capitol 2 6. Mai 18.00 Uhr IM GLÜCK (NEGER) von Thomas Heise Capitol 3

6. Mai 15.00 Uhr ALICE von Marco Martins Capitol 2

7. Mai 14.30 Uhr STILLES LAND von Andreas Dresen Capitol 2

6. Mai 20.00 Uhr NON ODER DER VERGÄNGLICHE RUHM DER HERRSCHAFT von Manoel de Oliveira Capitol 1

7. Mai 17.15 Uhr DER SCHÖNE, LEICHTE TOD von Michael Krull Capitol 3

6. Mai 18.30 Uhr KOMETEN von Till Endemann Capitol 5 6. Mai 21.00 Uhr DER FREIE WILLE von Matthias Glasner Capitol 5 6. Mai 22.00 Uhr / 7. Mai 14.00 Uhr NACHBEBEN von Stina Werenfels Capitol 4 6. Mai 16.00 Uhr / 7. Mai 13.30 Uhr MUTTERSEELENALLEIN von Bernd Böhlich Capitol 3 SONDERPROGRAMM 60 JAHRE DEFA 6. Mai 19.45 Uhr SABINE KLEIST, 7 JAHRE von Helmut Dziuba Capitol 2 7. Mai 11.00 Uhr Christa Wolf liest „Mit anderen Blick“ anschließend: DER GETEILTE HIMMEL von Konrad Wolf Capitol 1 7. Mai 16.00 Uhr ETE UND ALI von Peter Kahane Capitol 2 KINDERKINO 6. Mai 15.00 Uhr ERIK IM LAND DER INSEKTEN von Gidi van Liempd Capitol 1

6. Mai 22.30 Uhr AM ENDE EINER KINDHEIT von Teresa Villaverde Capitol 3

NDR SPECIAL 6. Mai 20.30 Uhr MEINE MUTTER TANZEND von Jan Ruzicka Capitol 3

6. Mai 23.00 Uhr ICH GEH’ NACH HAUSE von Manoel de Oliveira Capitol 2

7. Mai 10.00 Uhr MECKLENBURGER PROFILE von Dieter Schuhmann Capitol 3

7. Mai 12.00 Uhr DIE KÜSTE DES RAUNENS von Margarida Cardoso Capitol 2

7. Mai 10.30 Uhr UWE JOHNSON SIEHT FERN von Saskia Walker Capitol 2

HOMMAGE BRUNO GANZ 6. Mai 14.30 Uhr / 7. Mai 13.30 Uhr DIE LINKSHÄNDIGE FRAU von Peter Handke Capitol 4 / Capitol 5

7. Mai 15.15 Uhr DER LETZTE TANZ von Jan Ružicka Capitol 3

6. Mai 22.15 Uhr SCHWARZ UND WEIß WIE TAGE UND NÄCHTE von Wolfgang Petersen Capitol 1 7. Mai 10.30 Uhr DER HIMMEL ÜBER BERLIN von Wim Wenders Capitol 5

KONZERTE 6. Mai 22.30 Uhr Amuzé Festivalklub 7. Mai 19.30 Uhr Muttis Kinder von Absolventen der Hochschule für Musik und Theater Rostock Capitol 1 FILMTALKS 6. Mai 18.00 Uhr NDR-Podium „Wieviele Filmfestivals verträgt Deutschland?“ Festivalklub


filmab! 2006 #4