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Weinfeder Journal #65

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EINZELAUSGABE 6 EURO • IM ABONNEMENT KOSTENFREI • EDITION #65 • DEZEMBER 2021

VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN

MOSELREISE RIBERA DEL DUERO AUSTRIAN SUMMIT WEINFEDER AWARDS BREXIT-KATASTROPHE OPLAND JUVEL AQUAVIT RHEINGAU NEUSTARTS 850 JAHRE GOBELSBURG RUMÄNIEN MIT POTENZIAL WEINMAJESTÄTEN UNTERWEGS 21 Weingeschichten 95 Weinnotizen • 48 Weinempfehlungen 1


HERAUSGEBER Weinfeder e.V. Verband deutschsprachiger Weinpublizisten, 1. Vorsitzender: Wolfgang Junglas, Weinfeder e.V., Bie­nen­

die vierte Corona-Welle stellt uns im zweiten Pandemie-Winter vor große Herausforderungen. Noch ist nicht abzusehen, welche Einschränkungen notwendig sein werden. Das Weihnachtsgeschäft der Winzer wird auf dem heimischen Markt einmal mehr das Versandgeschäft sein: Immer mehr Verbraucher nutzen die Möglichkeit, Weine von Weingütern, die nicht im LEH gelistet sind, online zu bestellen und sich nach Hause liefern zu lassen. Sie sind noch unentschlossen, welchen Wein Sie für Ihr Weihnachtsessen ordern sollen? In dieser Ausgabe haben die Mitglieder der WEINFEDER für Sie vorgekostet und eine Vielzahl unterschiedlichster Weine ausgewählt: Empfehlungen überwiegend aus Deutschland, aber auch aus anderen europäischen Ländern. Lassen Sie sich inspirieren! Auch in diesem Jahr haben wir wieder ausreichend Gründe, uns mit einem guten Wein zu verwöhnen. Ich wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr! Ihr

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Fax: 885546, E-Mail: office@weinfeder.de, Internet: www. weinfeder.de

TITELFOTO – INNENSEITEN

IMPRESSUM

Liebe Leserinnen und Leser

berg­­­weg 4, 65375 Oestrich-Winkel, Telefon: 06723-601902,

Weingut Schloss Gobelsburg. Weitere Bilder: Polina Tankilevitch, NaMaKuKi, Polina Tankilevitch, Tama 66

AUTOREN DIESER AUSGABE Britta Binzer, Alice Gundlach, Herbert Heil, Yvonne Heistermann, Wolfgang Junglas, Joachim A. J. Kaiser, Rudolf Knoll, Stefan Krimm, Horst Kröber, Norbert Krupp, Dr. Martin Sachse-Weinert, Peter W. Schneider, Heiko T. Taudien, Arthur Wirtzfeld

LAYOUT • SATZ • SCHLUSSREDAKTION Arthur Wirtzfeld (ViSdPG Weinfeder e.V.) Telefon: 0931322460, redaktion@weinfeder.de

COPYRIGHT-HINWEIS Alle redaktionellen Beiträge im Weinfeder Journal werden in der Originalversion veröffentlicht. Für den Inhalt und die Ausformulierung der Texte sind allein die Autoren verant­ wortlich, die das alleinige Copyright für ihre Texte innehaben. Ein Nachdruck oder eine Veröffentlichung von Beiträgen im Internet, in sonstigen digitalen oder in Printmedien, auch auszugsweise, kann nur in Absprache mit den jeweiligen Autoren erfolgen. Gegen Honorar, das mit dem Autor zu vereinbaren ist, kann jeder Beitrag unter Angabe der Quelle (Weinfeder) und Namensnennung der/des Autorin/Autors übernommen und veröffentlicht werden.

REDAKTIONSSCHLUSS für die Ausgabe Edition #66 ist der 11. Februar 2022. Einsendungen von Beiträgen und Bildmaterial bitte über die Upload-Funktion „Artikelfach“ auf der Webseite. An­ sprechpartner Arthur Wirtzfeld (redaktion@weinfeder.de).

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Gobelsburg: Neuer Keller und 850 Jahre Weinbau

Inhalt

(Autor: Rudolf Knoll)

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Austrian Single Vineyard Summit 2021

2.3.4

(Autor: Joachim A. J. Kaiser)

Editorial, Impressum, Inhalt

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6–9

Clemens Strobl & Günther Jauch (Autor: Rudolf Knoll)

Weinfeder Awards

6 Auszeichnungen 8 Preis der Deutschen Weinkritik 9 Weinpersönlichkeit des Jahres

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Die Brexit-Katastrophe der britischen Weinbranche (Autor: Arthur Wirtzfeld)

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Ein Kolumbianer wirbelt im Rheingau (Autor: Rudolf Knoll)

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Neustart für das Graue Haus im Rheingau (Autor: Rudolf Knoll)

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Rumänien mit Potenzial (Autor: Dr. Martin Sachse-Weinert)

36 Ribera del Duero (Autorin: Alice Gundlach)

16

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(Autor: Arthur Wirtzfeld)

(Autor: Arthur Wirtzfeld)

Schampanskoje vs Champagne

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(Autor: Arthur Wirtzfeld)

(Autor: Norbert Krupp)

2700 Jahre alte „Weinfabrik“ im Nordirak entdeckt

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Opland Juvel Aquavit

Großes Kino bei Weinversteigerung

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Kein Impfstoff für das Klima (Autor: Arthur Wirtzfeld)

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Im Land der tausend Hügel (Autor: Herbert Heil)

72

Mosel: Von steilen Lagen und köstlichen Geschmackserlebnissen (Autor: Herbert Heil)

80

Franken-Future

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Aufbruch ins Ungewisse – mit Happy End (Rezension von: Britta Binder)

94–113

Weinempfehlungen: Aus den Notizbüchern der Mitglieder Die Autor/innen: • Alice Gundlach • Yvonne Heistermann • Wolfgang Junglas • Rudolf Knoll • Dr. Stefan Krimm • Horst Kröber • Norbert Krupp • Dr. Martin Sachse-Weinert • Peter W. Schneider • Heiko T. Taudien • Arthur Wirtzfeld)

(Autor: Marcel Friederich)

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Retter ausgestorbener Rebsorten (Autor: Wolfgang Junglas)

90

Weinstadt Mainz kann Gastgeber (Autor: Wolfgang Junglas)

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Zum 7. Mal vergab Weinfeder e.V. – Vereinigung der deutschsprachigen Weinpublizisten den Preis „Weinpersönlichkeit des Jahres“ an eine herausragende Persönlichkeit der Weinszene. In diesem Jahr wurde die Winzerin Andrea Wirsching, Geschäftsführerin des Weingutes Hans Wirsching in Iphofen/Franken, ausgezeichnet.

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Foto: Arthur Wirtzfeld

Zum 15. Mal vergab Weinfeder e.V. – Vereinigung der deutschsprachigen Weinpublizisten den „Preis der Deutschen Weinkritik“. Ausgezeichnet wurde dieses Jahr das Projekt „SolidAHRität“ – initiiert von Dirk Würtz. Das Projekt erhielt den Preis stellvertretend für alle Hilfsaktionen zugunsten der Ahr-Winzer im Rahmen der Flutkastastrophe.

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SolidAHRität Dirk Würtz

Andrea Wirsching

Stellvertretend für alle Hilfsaktionen zugunsten der Ahrwinzer

Preis der Deutschen Weinkritik

Weinpersönlichkeit des Jahres

Foto: Arthur Wirtzfeld

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ehr verehrte Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass ich einerseits als deutsche Weinprinzessin hier sein darf, andererseits bin ich besonders stolz, dass ich als Ahr­ weinprinzessin Teil dieser besonderen Eh­ rung sein kann. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so oft den Begriff Solidarität gehört oder ver­ wendet wie in den vergangenen 13 Wochen. Dirk Würtz, der Weinblogger mit viel Einfluss und Geschäftsführer des Weinguts St. Antony, hat den Begriff „SolidAHRität“ und das Konst­ rukt dahinter jedoch besonders geprägt. Wir blicken genau drei Monate zurück. Eine ver­ heerende Flutkatastrophe sucht das Ahrtal heim und nimmt den Menschen und besonders den Winzern dort nahezu jede Existenzgrundlage. Nach einem Telefonat mit den Schwestern Mei­ ke und Dörte Näkel vom Weingut Meyer-Näkel wird Dirk Würtz das Ausmaß dieser schreckli­ chen Katastrophe bewusst. Besonders die Aus­ sage „Wir haben nichts mehr außer unserem Leben“ und die Tatsache, dass die beiden Win­ zerkolleginnen in der eigenen Produktionshalle von den Wassermassen überwältigt werden, sogar ein Stück mit der Flut mitschwimmen müssen und sich in Lebensangst gerade noch an einem Baum klammern können, auf dem sie schließlich die ganze Nacht ausharren mussten, spiegelt nur eines der unzähligen Schicksale im Ahrtal wieder und berührt sehr.

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Tief bestürzt, aber voller Tatendrang, Hilfe zu leisten, startet Dirk Würtz spontan und intuitiv das Projekt „SolidAHRität“ – und bringt damit eine der größten Hilfsaktionen ins Rollen, die es unter Winzern je gegeben hat. Er sammelt Weinspenden von Weinerzeugern und Wein­ händlern, nationaler wie auch internationaler

Foto: Arthur Wirtzfeld

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u Beginn seiner Rede würdigte Hermann Mengler als Laudator die Ernennung von An­ drea Wirsching zur Weinpersönlichkeit des Jahres 2021, eine Auszeichnung, die vom On­ line-Magazin „Weinfeder“ vergeben wird. Als Leiter der Fachberatung Kellerwirtschaft und Kel­ lertechnik für den Bezirk Unterfranken war sicher­ lich niemand besser geeignet, Person und Persön­ lichkeit der fränkischen Winzerin angemessen zu würdigen.

Herkunft. Mit diesen gestifteten Weinen packt er mit hunderten Helferinnen und Helfern ganz individuelle 6er-Weinpakete und verkauft diese für 65 Euro an Weininteressierte. Dirk Würtz mobilisiert mehr als 4.500 Kollegen der Wein­ branche und erhält besonders auch aus Ländern wie Österreich, Südtirol und Südafrika großzügi­ ge Weinspenden für sein Projekt. Ich denke, Dirk Würtz war sicherlich selbst von dem rasant positiven Verlauf der Aktion über­ rascht. Mittlerweile können wir von mindestens 33.000 verkauften Paketen sprechen, die auch durch das Mitwirken von über 600 freiwilligen Helfern gepackt wurden. 33.000 Pakete … das bedeutet auch ca. 200.000 gestiftete Weinflaschen und wer von Ihnen fix im Kopfrechnen ist, der erkennt ganz schnell, dass insgesamt ein Erlös von über 2 Millionen Euro generiert werden konnte. Der Reinerlös wird an ein Hilfskonto der Deutschen Prädikats­ weingüter weitergeleitet. Mithilfe solcher Spen­ den können wir unseren Weinbau wieder auf­ bauen und fördern, von der Kellerwirtschaft bis hin zum Außenbetrieb. Stellvertretend für die Winzer der Ahr, möchte ich ein ganz herzliches und vor allem ein riesiges Dankeschön aussprechen – Sie haben einen gro­ ßen Meilenstein zum Wiederaufbau des Ahrtals geschaffen. Vor allem, weil Sie Menschen Kraft und Zuversicht geschenkt haben, lieber Herr Würtz, haben Sie diesen Preis wirklich mehr als verdient. LAUDATIO: Linda Trarbach, Deutsche Weinprinzessin 21/22 ZUSAMMENFASSUNG: Wolfgang Junglas

Dabei hob er zunächst den Verdienst der Jury her­ vor, sich objektiv nachvollziehbar für die richtige Person entschieden zu haben – obgleich man sich bei Weinurteilen ja in einem subjektiven Bereich befinde.

2021

Er könne diese Entscheidung auch deshalb guthei­ ßen, weil er Weingut und Geehrte seit 44 Jahren persönlich kenne. Sodann verwies er darauf, dass ihr Lebenslauf alles andere als vorbestimmt gewe­ sen sei. Ihre Geburt am 1. Februar 1964 und damit im Sternzeichen des Wassermanns stehe prophe­ tisch für Unabhängigkeit, Nonkonformität und In­ novation – alles Eigenschaften, die zu ihrem über­ ragenden Erfolg als Winzerin beigetragen hätten. Mengler flocht in seine Laudatio immer wieder persönliche Erfahrungen und Erlebnisse mit And­ rea Wirsching ein, erzählte beispielsweise von ih­ rer heiteren, lebenslustigen Ausstrahlung, an die er sich – der ehemalige Praktikant – noch immer erinnere. Ihre Leidenschaft, so scheint es, hilft ihr über viele Nackenschläge hinweg, die sie schließlich – nach einem Abstecher an die Saar – 2010 wieder zu­ rück nach Iphofen führen, auf die Zielgerade, wie Mengler dies nannte, denn dort leite sie das Fami­ lienweingut nun in der 14. Generation. Aus allen Krisen geht sie gestärkt hervor, will Wer­ te schaffen und als Botschafterin des Bocksbeu­ tels auftreten. Kraft dafür finde sie in der Natur („Allein in der Natur zu meditieren, da wird man

demütig, leise, ruhig und schöpft Kraft.“) und in ihrem Glauben. Diese Energie griff Mengler an­ hand von zwei Beispielen auf, als er von dem ge­ meinsamen Projekt der „TWIN-Winery-Initiative“ mit dem israelischen Weingut „Kishor“ berichtete sowie dem daraus resultierenden ersten kosche­ ren Silvaner Frankens, aber auch anhand des Bei­ spiels der „Sister.Act“-Weine mit ihrer Schwester. Der Lobesworte nicht genug, ging Mengler dann auch auf ihr Engagement als 1. Vorsitzende der Vinissima (2014–2016) ein, das ihr Eintreten für mehr Weiblichkeit auch in der Weinwelt doku­ mentiere. Bei allen Preisen und Auszeichnungen bleibe sie bescheiden sowie demütig. Nicht zuletzt aus die­ sem Grund sei sie 2018 zur Winzerin des Jahres gekürt worden. Doch auch vermeintlich kleinere Vorhaben wie die Tröpfchenbewässerung in ihren geliebten Iphofener Weinbergen seien ihr nicht fremd – eine Leidenschaft für Wasser, die Meng­ ler mit ihrem Geburtsjahrgang 1964 erklärte, als die Natur hier entsprechende Erfordernisse auf­ gezeigt habe. Ehe er mit dem Statement endete, die Gewür­ digte verdiene die Ehrung damit völlig zu Recht, fasste Mengler nochmals die zentralen Charakter­ eigenschaften, ja: Stärken von Andrea Wirsching zusammen: Sie sei fröhlich, leidenschaftlich, für­ sorglich und einfühlsam – und stecke mit diesen Eigenschaften auch andere an. Seine ganze Be­ geisterung für Winzerin und Persönlichkeit könne man denn auch in vier Worten zusammenfassen: „Du tust uns gut!“ LAUDATIO: Hermann Mengler, Leiter Kellerwirtschaft und Kellertechnik Bezirk Unterfranken ZUSAMMENFASSUNG: Dr. Martin Sachse-Weinert

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Die Brexit-Katastrophe der britischen Weinbranche AUTOR: A R T H U R W I R T Z F E L D

Foto: Dirk Wohlrabe

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DANIEL

LAMBERT

Nach dreißig Jahren kehrt Daniel Lambert seiner Wahlheimat den Rücken zu und wandert aus – das ist jedenfalls sein aktueller Plan. Was ist passiert?

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eit 1992 hat Lambert sukzessive sein Weingeschäft in Großbritan­ nien aufgebaut und gehört heute dort zu den Großen der Handels­ branche. Mit rund zwei Millionen Flaschen versorgt der Weinim­ porteur Fachgeschäfte und den LEH – rund 300 Einzelhändler ein­ schließlich Supermärkte ordern regelmäßig seine aus der EU und aus Übersee importierten Weine. „Ich kann nicht anders als kapitu­ lieren“, resümiert Lambert. „Alles ging gut, bis der Brexit kam.“

Seit Jahresbeginn 2021 gilt der Brexit als voll­ zogen. Laut der britischen Regierung bedeutete dies einen Neubeginn für Großbritannien. Mit dem Austritt aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion ist der Brexit jetzt knapp am Ende sei­ nes ersten Jahres angelangt. Premierminister Boris Johnson sprach im Januar 2021 von einem „großartigen Moment“. Schottlands Regierung zeigte sich damals wie heute weniger begeistert. Die Auswirkungen sind vielfältig. Hier reflektiere ich das Schicksal eines Betriebes, eines Wein­ handels mit fünf Angestellten, der vom Brexit mit voller Wucht getroffen wurde.

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So wie Daniel Lambert dachten viele Importeu­ re, dass sie zum Beginn des Brexits vorberei­ tet wären. „Es war ein Trugschluss. Wie viele andere Unternehmen hatten wir uns auf das schlimmste Szenario eingestellt, einen No-DealBrexit. Doch die Bürokratie, die auf Geheiß der britischen Regierung die Vorschriften im Rah­ men des Brexits durchsetzen muss, ist einfach nicht zu bewältigen.“ Schwierigkeiten, die es schon immer im briti­ schen Weinhandel gab, betrafen vor dem Brexit nur die Importe aus Nicht-EU-Ländern. Damit

hatte sich der Handel arrangiert. Bei ihren Einfuh­ ren engagierten die Importeure Zollagenten, die sich auf den bürokratischen Ablauf spezialisiert hatten. „Das lief rund“, sagt Lambert. Seit diesem Jahr kamen dann die neuen Bestimmungen be­ züglich der Importe aus der EU dazu. „Noch und auch auf absehbare Zeit gibt es nicht genügend Agenten – weder in der Quantität noch in der Qualität der Kenntnisse, die nötig wären, die Bü­ rokratie für EU-Importe zu bewältigen. Dass da­ rüber hinaus wegen fehlender LKW-Fahrer auch noch Transportprobleme dazukamen, ist nur ein Randthema“, sagt Lambert.

Britischer Weinimport und seine Hürden Laut Lambert sind die nachfolgenden Stationen zu durchlaufen, um einen EU-Wein zu importieren: • Für jede Weinbestellung (EAD) muss der Erzeuger für das Exportland Großbritannien ein EMCS-Formular erstellen, das es seinem Wein ermöglicht, durch die EU in einen Versandhafen zu gelangen. • Der Wein muss auf speziellen ISPM 15-begasten Paletten zum Transport verpackt sein, die mehr kosten und schwerer zu beschaffen sind. • Um den Wein aus der EU zu exportieren, benötigt der Erzeuger weiterhin eine EX1 (die nur von einem spezialisierten Makler für etwa 85 Euro hergestellt werden kann) und zusätzlich das EAD-Dokument des Herstellers in dem Land, aus dem der Wein stammt.

Gute alte Zeiten „Wir sind ein kleines, aber ziemlich gut orga­ nisiertes Unternehmen mit einem festen Kun­ denstamm“, sagt Lambert bescheiden, dessen Unternehmen mehrere Millionen an Umsatz schafft. „Obwohl wir wussten, dass der Brexit so etwas wie ein Autounfall sein würde, wussten wir nicht, dass es eine mehrfache Ansammlung von Totalschäden im dichten Nebel mit Todes­ opfern geben würde“, vergleicht Lambert die wirtschaftliche Situation. „Es ist die Bürokratie, die uns das Rückgrat bricht. Das betrifft nicht nur den Weinhandel, sondern zieht sich durch alle Branchen, die von Importen aus der EU ab­ hängig sind.“

• Um den Wein nach Großbritannien zu bringen, müssen Importeure das CHIEF-System durchlaufen, das bisher nur für die Deklaration von Weinen aus Nicht-EU-Ländern verwendet wurde. Auch muss ein C88-Dokument vorgelegt werden – wenn der Importeur Wein mit aufgeschobener (Zahlungsaufschub) oder verzollter Einfuhr ins Land bringen möchte. Hierzu ist es sinnvoll, das C88-Dokument an den Erzeuger zu senden, von dem der Importeur den Wein beziehen will, damit dieser es in alle seine Papiere für den Hafen aufnehmen kann. Ein C88 erfordert allerdings auch, dass ein helfender Makler eine weitere Gebühr in Höhe von 60 bis 90 Euro aufruft. • Wenn der Wein im Zollamt zum Import deklariert wird, benötigt der Importeur eine Warenverkehrsgarantie, die etwa 60 Euro kostet und auf einem britischen EMCS-Beförderungsdokument vermerkt sein muss. Alternativ kann der Importeur die Warenverkehrsgarantie einem Spediteur gegen Gebühr überlassen. „In Summe bedeutet dies, dass für jede Weinlieferung seit dem Brexit mindestens 125 bis rund 180 Euro an zusätzlichen Zollgebühren anfallen“, rechnet Lambert vor. „Und wenn Sie es schaffen, alle Papiere in Ordnung zu bringen, dauert der Versand aus der EU derzeit im Regelfall mindestens sechs bis acht Wochen, manchmal auch bis zu zwölf Wochen, also vier bis zu acht Wochen länger als zuvor. Und wenn die Weine die Insel erreichen, dann verteuern sie sich um 1,20 bis 2,30 Euro je nach Massen- oder Nischenwein.“

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Dass es für die Weinimporte aus der EU Probleme geben würde, war Lambert klar. Daher entschied er früh, sich selbst darum zu kümmern. Aber da hatte er die Rechnung ohne CHIEF gemacht. CHIEF steht für „Customs Handling of Import and Ex­ port Freight“ und ist das britische IT-Zollsystem der Steuer- und Zollbehörde HMRC, das seit den 1980er-Jahren die Importe regelt, seit dem 1. Ja­ nuar 2020 auch für Importe aus der EU. Vor die­ sem Datum war der Warenverkehr aus der EU nicht in CHIEF integriert.

CHIEF lässt den Import von EU-Weinen einbrechen „Das CHIEF-System enthält rund 10.000 verschie­ dene Kombinationen an Fehlerquellen, je nach­ dem, welche Art von Import Sie durchführen, ab­ hängig von der Warennummer selbst“, erläutert Lambert. „Sie müssen also die Kombination zwi­ schen Warencode und CPV-Code genau abstim­ men, also hier keinen Fehler machen, sonst wird die Deklaration nicht zugelassen und das System gibt kein grünes Licht“, so Lambert. Nun ist die Kombination von Daten und ihren Abhängigkeiten nicht die einzige Falle, die CHIEF für Importe vorhält. Das in Lamberts Augen an­ tiquierte und immer noch nicht auf die Importe vom Kontinent abgestimmte System ist derart vielfältig und kompliziert aufgebaut, dass es nur darauf spezialisierte Agenten, geschweige denn Mitarbeiter, abarbeiten können, aber „die gibt es längst noch nicht“, sagt Lambert. „Es gibt im Antrag ein Feld mit der Nummer 44. Hier wird das Ursprungsland definiert, was wiederum die jeweils nachfolgenden Angaben steuert. Direkt hier oder in den nachfolgend abhängigen Da­ tenfeldern nur einen Fehler zu machen, heißt von vorne anzufangen“, erläutert Lambert. „Außerdem – wir als Weinimporteure müssen insgesamt 16 Anmeldungen und Nachweise für einen Import abliefern, um einen EU-Wein zu deklarieren.“ Und so kommt es, dass dem britischen Handel, sei es dem Einzelhandel wie auch den Super­ märkten, mittlerweile rund 30 bis 40 Prozent ihres üblichen Angebotes fehlen. Außerdem la­ gern zurzeit in einschlägigen EU-Häfen Tausen­ de von Paletten, deren Papiere nicht in Ordnung sind und die für das kommende Weihnachtsge­ schäft dem Inselhandel fehlen. Besonders ver­

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missen werden die Briten bevorzugte Weine aus Frankreich – seit Jahrhunderten ihre Leiden­ schaft. Leidtragende sind nicht nur die Impor­ teure, sondern vor allem die Konsumenten und die Erzeuger. Schon rechnen die Produzenten auf dem Festland damit, dass die britischen Im­ porteure den Mut verlieren und sich auf Weine anderer Kontinente konzentrieren.

Die Resignation eines Weinhändlers So hatte sich Lambert den Brexit nicht vorge­ stellt. „Meine Branche hatte eigentlich die Hoff­ nung, dass der Brexit zwar einen bürokratischen Mehraufwand bedeuten würde, aber dass er uns ruinieren würde, das hatten wir nicht auf dem Schirm“, sagt Lambert. „Zu dem unsäglichen Pro­ cedere der Zollabwicklung kommen noch die Ver­ zögerungen der Lieferungen, angefangen in der EU selbst, im Zollbereich und bei der Zustellung der Weine zu den Kunden. Dies kann durchaus zwei bis drei Monate Zeit in Anspruch nehmen – wie soll das gehen?“ Sein Erfolg, den er seit 1992 hat, basiert auf sei­ ner Fähigkeit, einen ständigen Strom spannen­ der, unterschiedlicher Weine von Produzenten zu suchen und zu importieren, die das wachsen­ de Netzwerk von spezialisierten unabhängigen Weinhändlern ansprechen. „Dass die britische Regierung es schafft, das Procedere der Impor­ te zukünftig zu vereinfachen, glaube ich nicht“, sagt Lambert, dessen Geschäft aber gerade da­ von abhängig ist. „Ich sehe keinen Weg mehr, in Großbritannien Geschäfte zu machen. Wegen der Art und Wei­ se, wie der Brexit-Deal ausgehandelt wurde, wird für mich und Hunderte andere das Wirtschaf­ ten weit über Gebühr erschwert“, sagt Lambert. „Ich bin wütend, sauer, frustriert und ängstlich. Je mehr ich mit dem Brexit und seinen Rätseln zu tun habe, umso wütender werde ich. Dazu kommt, dass der Weinhandel viel zu passiv das Geschehen auf sich nimmt. Kleinere Händler trauen sich nicht zu protestieren. Es braucht die großen Jungs der Branche, die aufstehen und mit der Regierung Tacheles reden, aber bisher tut sich nichts“, resümiert Lambert. Lamberts Vater ist Franzose, beheimatet in Bor­ deaux, und so hat er selbst auch die französische Staatsbürgerschaft. Sein nächstes Ziel ist daher Frankreich, wo er neu anfangen will. n

Foto: Adobe Stock

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Unter dem Titel „Putin verdirbt Frankreichs Winzern die

SCHAMPANSKOJE Frankreich erzielt im Champagnerstreit mit Russland Aufschub bis Jahresende AUTOR: A R T H U R W I R T Z F E L D

Champagnerlaune“ berichtete ich im Rahmen eines Champagne-Dossiers „Das Problem mit der Appellation Champagne“ (Ausgabe NR. 64) auch über den Disput, den ein neues russisches Gesetz im Sommer auslöste. Demnach sollte die Bezeichnung „Schampanskoje“ nur noch russischen Weinhäusern vorbehalten sein. Grund dieser Novelle: Der russische Weinbau ist in der Hand von Putin-Freunden.

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m französisch-russischen Champagnerstreit hat Frankreich jüngst einen Aufschub bis Ende des Jahres ausgehandelt. „Das regelt nicht al­ les, aber wir sind entschlossen, in dieser Zeit voranzukommen“, sagte der beigeordnete Mi­ nister für Außenhandel, Franck Riester, gegen­ über der Presse. Auslöser des Streits ist ein neues russisches Gesetz vom Juli dieses Jahres, das die französischen Champagner-Winzer zum Schäu­ men gebracht hatte. Demnach soll die russische Bezeichnung „Scham­ panskoje“ ausschließlich den russischen Weinhäu­ sern vorbehalten sein. Französische ChampagnerHersteller dürften nicht mehr „Schampanskoje“ in kyrillischer Schrift auf das Etikett drucken. Sie dür­ fen zwar weiterhin „Champagner“ in lateinischer Schrift nutzen, müssen allerdings in kyrillischer Schrift auf der Flaschenrückseite aber „Schaum­ wein“ hinzufügen.

Kampf gegen kommerzielle Trittbrettfahrer

Foto: Alexander Naglestad

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Frankreichs Champagner-Winzer verteidigen die geschützte Ursprungsbezeichnung schon seit Jahr­ zehnten mit juristischen Mitteln. Im Kampf gegen Trittbrettfahrer erzielte das Comité Champagne 2019 in Deutschland einen Sieg gegen Aldi, der ein „Champagner-Sorbet“ im Angebot hatte. Ebenfalls siegte das Comité in der Schweiz, wo es aufgrund von EU-Recht dem Schweizer Dorf Champagne, ge­ legen am Neuenburgersee, den Namen Champag­ ne für dort produzierte Weinprodukte verbieten ließ. Dieser Streit kam 2019 nach über einem Jahr­ zehnt zu einem Ende, bedauerlicherweise zu Un­ gunsten der Schweizer Gemeinde. Parallel kämpft das Comité seit Anfang des Jahres auch gegen eine spanische Tapas-Bar in Barcelona, die sich „Cham­ panillo“ nennt. Auch hier werden die Franzosen

sich wahrscheinlich durchsetzen, vor allem auch, weil das EU-Recht nicht nur eine Verwendung ver­ bietet, sondern auch schon die Anspielung auf eine geschützte Ursprungsbezeichnung. Mehr zu diesen Themen lesen Sie in der Septem­ ber-Ausgabe Nr. 64 des Weinfeder-Journals unter den Titeln: „Kampf gegen kommerzielle Trittbrett­ fahrer“, „Ortsname Champagne darf nicht auf das Etikett“, „EuGH-Generalanwalt: Bezeichnung Champagne vor Trittbrettfahrerei geschützt“ und „Aldi gegen Comité Champagne in Sachen Cham­ pagner-Sorbet“.

Das SchampanskojeProblem Als Exportmarkt kommt Russland für die franzö­ sischen Champagner-Winzer nur an 15. Stelle, dorthin werden jährlich rund zwei Millionen der insgesamt 150 Millionen exportierten Flaschen geliefert. Dafür kaufe die russische Oberschicht aber besonders „edle Cuvées“, sagt der General­ direktor des Comité Champagne, Charles Goe­ maere. Die Gefahr, dass wohlhabende Russen heimische Billigsorten mit echtem Champagner aus Frankreich „verwechseln“ könnten, „bestehe vermutlich“ nicht, meint er. Das Champagner-Komitee hatte nach Bekanntga­ be des Gesetzes zum vorläufigen Exportstopp nach Russland aufgerufen. Im September sprach sich der Verband für die Wiederaufnahme des Exports auf, um die Situation zu entspannen. Momen­ tan läuft alles normal, allerdings ist ein Ende im Schampanskoje-Streit noch längst nicht in Sicht. n

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2700 Jahre alte „Weinfabrik“ im Nordirak entdeckt

AUTOR: A R T H U R W I R T Z F E L D

Immer wieder werden bei Ausgrabungen im Nahen Osten neben Exponaten früherer Kulturen auch Funde

dokumentiert,

die von deren Nahrung, Genuss oder auch Medizin zeugen. So ist belegt, dass Weinbau und weinähnliche Getränken in dieser Region schon längst vor dem Römischen Reich zum Leben dortiger Völker gehörte – aktuell belegt dies die Ausgrabung einer meh-

Foto: Adobe Stock

rere tausend Jahre alten „Weinfabrik“.

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rchäologen haben jüngst im Nordirak die Überreste einer rund 2700 Jahre alten „Weinfabrik von industriellem Ausmaß“ gefunden. Der italienische Ausgrabungsleiter Daniele Morandi Bonacossi sagte gegenüber der Presse: „Wir haben vierzehn Anlagen gefunden, mit denen die Trauben gepresst und der Saft gewonnen wurde, der dann zu Wein verarbeitet wurde.“ Dabei handelt es sich um die erste Entdeckung dieser Art im Irak. Der Fundort liegt nahe der altertümlichen Hauptstadt des assyrischen Königs Sargon II. (721–705 v. Chr.) in der Nähe der heutigen Großstadt Mossul. Das Team aus italienischen Archäologen und Kollegen der Altertumsbehörde in Dohuk in den autonomen Kurdengebieten im Norden des Landes fand zudem in einem früheren Bewässerungsgraben altertümliche Reliefs. Gerade auf dem Gebiet des heutigen Iraks entstanden während des Altertums zahlreiche Hochkulturen wie Sumer, Akkad, Babylon und Assyrien. Sie hinterließen unter anderem ihre Schrift sowie die ersten großen Städte. Allerdings werden die archäologischen Stätten wegen des seit Jahrzehnten andauernden politischen Chaos häufig geplündert und die Beute an internationale Sammler verkauft.

Aufsehen erregender Fund eines 3700 Jahre alter Weinkellers Noch älter datiert ist ein Fund des Teams um Assaf Yasur-Landau von der University of Haifa, das 2013 einen über 3700 Jahre alten Weinkeller entdeckte. Fündig wurden die Archäologen damals in den Ruinen eines alten kanaanitischen Palastes in Tel Kabri im Norden Israels. In den Überresten von Gefäßen wurden Spuren von Weinsäure und Syringasäure nachgewiesen – beides typische Inhaltsstoffe von Wein. Weiteren Spuren zufolge genoss die damalige Oberschicht ihren Wein gewürzt mit Minze, Honig, Zimt, Wacholderbeeren und Harz. Diese Zutaten waren bereits den alten Ägyptern zur Zeit der Pharaonen bekannt, die damit Weine für medizinische Zwecke herstellten.

Autochthone Rebsorten Längst ist bekannt, dass in der Region, die man als „Nahen Osten“ bezeichnet, Weinanbau und Ausbau bekannt und verbreitet waren. Schon vor tausenden Jahren wurden hier Reben kultiviert. Heute weiß man von uralten autochthonen Rebsorten wie Botooni, Dabuki (Salti Khdari), Jandali, Shami, Bairuti, Hamdani, Baluti, Darawishi, Baladi oder Zaini, aus denen ehemals die Phönizier und später die Jesuiten Wein kelterten. Letztlich fanden sie ihre heutige Anbauheimat in Palästina und Israel. n

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Ein Kolumbianer

wirbelt im Rheingau

AUTOR: R U D O L F K N O L L

Das Leben schreibt auch in der Weinszene manchmal verrückte Geschichten. Nehmen wir Kolumbien, bekannt für seine Drogenkriminalität (weltweit 70 Prozent der Kokainproduktion entfallen auf das Land im Norden von Südamerika), ebenso für seine Pflanzenvielfalt. Rund 50 000 verschiedene Arten sollen hier wachsen, davon allein 3 500 Orchideen-Varietäten. Wein spielt in diesem offenbar fruchtbaren Staat allenfalls eine Nebenrolle. 3000 Hektar Reben werden angebaut, aber etwa zwei Drittel der Ernte werden für die Produktion von Tafeltrauben genutzt.

Foto: Alex Saltaren Castro

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as bisschen Wein, das in Kolumbien erzeugt wird, wandert haupt­ sächlich in einen Verschnitt mit Trauben oder Mostkonzentraten aus anderen Ländern. Kein guter Nährboden also für jemand, der sich für Weinbau begeistern kann …

Und doch ist Alex Saltaren Castro, gebürtig in Palmira/Kolumbien, seit zwei Jahren Winzer – und zwar nicht in seiner Heimat, sondern im Rheingau! Begonnen hat alles damit, dass er zuhause, bei sei­ ner Arbeit in einem Restaurant, Sommeliers kennenlernte. Deren Beruf faszinierte ihn, vor allem, als ihm bei einer Verkostung der erste Riesling seines Lebens eingeschenkt wurde, den er als „unvergesslich“ bezeichnete. In Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien, ließ er sich 2011 zum Sommelier ausbilden. Aber Riesling in Argentinien – Fehlanzeige. Bekannt ist nur die Neuzüchtung Rieslina.

Also machte sich Alex auf in ein Land, in dem der echte Riesling zuhause ist. So führte ihn der Weg nach Deutschland und hier in den Rheingau, wo er bei Schloss Vollrads ein Praktikum und vom damaligen Gutsdirektor Dr. Rowald Hepp einige Anregungen für seinen weiteren Berufsweg bekam. Das ursprünglich angestrebte Studium in Geisenheim ließ sich nicht realisieren. Dann fand er 2016 eine Festanstellung im Weingut Peter Jakob Kühn in Oes­ trich, wo erfolgreich biodynamischer Weinbau praktiziert wurde. Dort ist der 33-Jährige immer noch ein geschätzter Mitarbeiter, der etwas Freiraum hat, um selbst Wein zu erzeugen! 2019 gelang es ihm, von einem Winzer in Oestrich-Winkel eine Parzelle mit­ ten in der Lage Mittelheimer St. Nikolaus zu pachten, mit rund 30 Jahre alten Reben, die von den wohltuenden Einflüssen des nahen Rheins profitieren. Auf 1000 m² konnte er in einem Kellerraum, den ihm die Kühns zur Verfü­ gung stellen, seinen ersten Wein erzeugen (die Kelter war eine Dauerleihga­ be eines biodynamischen Winzers). Er reifte in einem 300-Liter-Holzfass und in einem 200-Liter-Edelstahlbehälter heran, blieb elf Monate auf der Fein­ hefe und wurde erst im Februar 2021 gefüllt, ohne Filtration. Der Einfachheit halber deklarierte Alex den „Edilia“ (Name der Großmutter) als Rheingauer Landwein, denn bei der geringen Menge rentierte es sich nicht, ihn zur Wein­ prüfung einzureichen. Damit er mehr Wein zum Üben hatte, kaufte er außer­ dem noch etwas für seinen „Labeja“ (spanisch für Biene) zu. Der Name soll die Lebendigkeit und biologische Bewirtschaftung in den Reben widerspie­ geln. Hilfestellung für den Ausbau gab ihm auch Caroline Diel vom Schlossgut Diel an der Nahe, die zwei Barriques spendierte. Inzwischen gibt es mit dem 2020er einen weiteren Wein von einer zweiten Parzelle ebenfalls im St. Nikolaus, nur etwas höher gelegen. Alex wird, so ist anzunehmen, auch mit dem 2021er seiner bisherigen Stilrichtung beim Ries­ ling treu bleiben: Die Weine sind komplex, vielschichtig, in der Säure mode­ rat, mit intensiver Würze, sicher nicht ganz typisch Rheingau, weil praktisch durchgegoren, sondern eigenständig und herrlich ungeschminkt. Schön für den sympathischen jungen Mann, dass ihn Weinhändler wie WeinArt und vinocentral bereits entdeckt haben. n Foto: Alex Saltaren Castro

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NEUSTART

für das Graue Haus im Rheingau AUTOR: R U D O L F K N O L L

Genießer mit gutem Gedächtnis können sich noch an eine Gourmet-Oase im Rheingau erinnern, die im Adelsbesitz war. Ab 1997 wurde es still um das „Graue Haus“. Jetzt bietet jemand der Tristesse seine Stirn und küsst es wach.

Foto: Marion Halft/Wikipedia

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D

Das vermutlich älteste Steinhaus Deutschlands an der Rhein­ gau-Bundesstraße 42 in enger Nachbarschaft mit dem Rhein dämmerte etliche Jahre allmählich dem Verfall entgegen. Die Rede ist vom Grauen Haus in Oestrich-Winkel, das lange Zeit Stammhaus der Familien Greiffenclau war. Es diente als Wohnsitz, dann als Witwensitz und später als Wohnhaus für Beschäftigte – 1964 fiel es einem Brand zum Opfer. Jetzt die frohe Botschaft: Das Graue Haus hat seine Tore wieder ge­ öffnet und erfüllt einen sehr ähnlichen Zweck wie in seiner Glanzzeit ab 1981. Damals gelang es Erwein Graf MatuschkaGreiffenclau (1939–1997), Eigentümer von Schloss Vollrads in Winkel, mit öffentlichen Mitteln das Gebäude wieder aufzu­ bauen und hier ein Gourmet-Restaurant zu etablieren, in dem sich Egbert Engelhardt einen Michelin-Stern erkochte.

Die Ursprünge des Grauen Hauses liegen etwas im Dunkeln. Es gibt ver­ schiedene Versionen. So soll es das Wohn- und Sterbehaus des Mönches Rhabanus Maurus (786–856) gewe­ sen sein. Holzuntersuchungen kamen zum Ergebnis, dass der Dachstuhl aus Eichenstämmen gefertigt wurde, die man zwischen 1035 und 1075 fällte. Das Mauerwerk wurde in die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert. Sicher ist, dass die Familie Greiffenclau erstmals Ende des 11. Jahrhunderts erwähnt wurde und es wohl zutrifft, dass sie – entweder damals oder etwas später – der Erbauer des Grauen Hauses war. Mit dem tragischen Freitod von Graf Matuschka im August 1997 nach dem Insolvenzantrag für sein Weingut Schloss Vollrads war es auch mit dem Restaurant vorbei. Spitzenkoch Engel­ hardt fühlte sich nicht mehr wohl und ging selbstständige Wege. Ein Frank­ furter Geschäftsmann übernahm für einige Jahre, strich dann aber eben­ falls die Segel. Es gab noch weitere Aktivisten, die ankündigten, das Haus kulinarisch wiederzubeleben. Einer wurde aus dem Verkehr gezogen, weil

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sich herausgestellt hatte, dass er „ne­ benberuflich“ Anleger über den Tisch gezogen hatte. Vielleicht verhinderte in diesen Phasen allein der Denkmal­ schutz-Status des Hauses, dass es gänz­ lich verfiel. Schließlich ließ in den Jahren 2013 bis 2017 die Bochmann-Stiftung, Sitz Wiesbaden, das Gebäude aufwendig restaurieren, sodass es als Eventlocation angeboten werden konnte. Aber es gab vorläufig nur sporadische Aktivitäten – bis ein Prinz antrat, der gewissermaßen die Stirn hatte, das Graue Haus richtig wach zu küssen.

Dr. Manuel Stirn

Foto: Dr. Manuel Stirn

(67), ein Unternehmer mit reichlicher kulinarischer Erfahrung (z. B. „Trüffelhaus“ in Wiesbaden), ist dabei, einen Treffpunkt für Genießer der verschiedensten Couleurs zu schaffen. Das Motto lautet „gehoben, aber nicht abgehoben“. Es gibt jetzt ein Fine Dining Restaurant, ein Bis­ tro und einen Feinkost-Shop. Die Gestaltung wurde eng mit dem Denk­ malschutz abgestimmt. Die Location hat eine Gesamtfläche von 1000 m², knapp 400 m² sind den Innenräumen vorbehalten. Der Garten wird in der kommenden Freiluftsaison öffnen.

Zeichnung: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Rheingaues, Frankfurt am Main 1902, Foto: Ferdinand Luthmer

Beim Wein trägt Stirn dem Standort viel Rechnung. So gibt es eine Kar­ te nur mit Charta-Weinen, weil diese spezielle Richtung mit trocke­ nen oder feinherben Weinen, einer kritischen Prüfung und längerer Lagerzeit im Grauen Haus unter Matuschka-Greiffenclau besonders gepflegt wurde (der Weingraf war einer der Charta-Gründerväter). Gut vertreten auf der Weinkarte ist Italien, vor allem deshalb, weil der neue Hausherr einst unter anderem in Mailand und Rom studier­ te und promovierte. „Deshalb schlägt mein Herz auch für Italien.“ Und eben jetzt außerdem für das Graue Haus. „Ich bin verrückt nach diesem wundervollen Ort. Er verdient es, dass in den alten Mauern wieder Gläser klingen und hier Menschen gemeinsam einen schöne, genussvolle Zeit verbringen.“ n

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Weinkultur zwischen damals und heute:

Rumänien mit Potenzial AUTOR: D R . M A R T I N S A C H S E - W E I N E R T

Foto: Dr. Martin Sachse-Weinert

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ZEUGNISSE DER VERGANGENHEIT Auf der Suche nach den ältesten Zeugnissen unserer heutigen Weinkultur führen viele Hinweise in den (Süd-)Osten Europas, seien es Ausgrabungen in Israel oder Funde in Georgien.

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o berichtet bereits der „Vater der Ge­ schichtsschreibung“, der griechische Au­ tor Herodot, nach seiner Reise 448 v. Chr. durch die Schwarzmeer-Region, er sei dort auf Zeugnisse vergangenen Wein­ baus gestoßen; seine Darstellung stellt mithin eines der ältesten glaubhaften schriftlichen Zeugnisse entsprechender Rebzüchtung dar. Fraglich ist dagegen, ob altertümliche Sagen um den geto-da­ kischen König Burebista (82–44 v. Chr.) der Wahrheit entsprechen, der angeb­ lich viele Weinfelder am Schwarzen Meer niederbrennen ließ, da der Rebensaft die Kampfkraft seiner Soldaten zu schwä­ chen drohte. Offenbar mit mäßigem Erfolg, da nur wenig später der römische Dichter Ovid (43 v. Chr. – 17 n. Chr.) während seines Exils in Tomis an der Schwarzmeerküste über die große Bedeutung des Weinbaus in der Region Dobrogea berichtet.

Erst heutigen Forschungen verdanken wir genauere Erkenntnisse und Datierungen, die belegen, dass der Weinbau beispielsweise in Rumänien bis ins 6. Jahrhun­ dert vor Christus zurückreicht (zum Vergleich Georgien: 7.000 v. Chr.). Die fruchtbaren Böden und das milde Klima sowie die ideale Lage an diversen Handelsstra­ ßen bedingten eine Fortführung dieser Kultur bzw. eine Weiterentwicklung im Mittelalter, als es unter anderem auch deutsche Auswanderer im Rahmen der sogenann­ ten Ostsiedlung waren, die den Weinbau und Weinhan­

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del entscheidend beeinflussten bzw. ausweiteten. So­ wohl Siebenbürger Sachsen als auch Banater Schwaben brachten Erfahrungen aus ihren Herkunftsregionen mit, die – in Verbindung mit den vorherrschenden Metho­ den und Pflanzungen – dem rumänischen Weinbau zu ungeahntem Aufschwung verhalfen. Zwei Ereignisse in der Moderne trafen den rumänischen Weinbau gravierend: Zum einen hatte der Reblausbefall (Phylloxera) im späten 19. Jahrhundert (1880) wie fast überall in Europa einen dramatischen Ertragsrückgang zur Folge (und gleichzeitig einen Wiederaufbau mit Re­ ben französischer Provenienz). Lediglich einige wenige autochthone Rebsorten setzten die jahrtausendealte Tradition fort, darunter Zghihara de Huşi, Crâmposia de Drăgăşani, Fetească Neagră und Tămâioasă Românească, während geläufige Trauben wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir sowie Chardonnay vermehrt ausge­ pflanzt wurden. Zum anderen verhinderte die Verstaatlichung vieler Be­ triebe während der kommunistischen Ära eine qualität­ volle Weiterentwicklung, wobei Konsum und Verkauf zu­ dem in erster Linie auf Rumänien selbst und den Ostblock beschränkt blieben. Erst mit dem Umbruch ab Dezember 1989 kam es zu einer Privatisierung vieler Genossen­ schaften; nunmehr entstanden viele Kleinbetriebe, die sich – verstärkt durch den Beitritt zur Europäischen Uni­ on am 1. Januar 2007 – wieder kommerziell ausrichteten und im Rahmen einer Ausweitung des Marketings auch Quantität und vor allem Qualität steigerten.

Weinbau in Rumänien Heute existieren vier große Weinbauregionen in Rumä­ nien: Târnave liegt in Transsylvanien, ein hohes Plateau, umgeben von den Karpaten; hier werden vor allem Weiß­ weine hergestellt. Dealu Mare befindet sich an den süd­ lichen Ausläufern des Gebirgszugs. Hier ist das Klima we­ sentlich moderater, es werden in erster Linie Rotweine mit französischen Wurzeln produziert. An der Schwarz­ meerküste gelegen ist Murfatlar, eine feuchtwarme, son­ nige Region, in der vorwiegend Trauben für gehaltvolle Rotweine sowie Dessertweine gedeihen. Das größte Anbaugebiet befindet sich in Cotnari im Nordosten des Landes am Rand der Gebirgskette. Hier wachsen einheimische Sorten wie Grasă, Tămâioasă Românească, Frâncușă Niagră und Fetească Albă, die teilweise auch als rote Dessertweine ausgebaut werden. John Dos Passos bereits beschrieb 1920 die Weine dieser Gegend als bevorzugtes Getränk der New Yorker Gesell­ schaft in seiner berühmten Amerika-Trilogie. Im Jahr 2018 lag Rumänien mit einer jährlichen Rate von 125.743 Tonnen an 13. Stelle der globalen Weinpro­ duktion (zum Vergleich Italien: 5.414.983 t; Bulgarien: 117.018 t). Produziert werden gemäß einer aktuellen Studie der Universität Bukarest in erster Linie Weißwei­ ne (65 %), gefolgt von Rotweinen (28 %) und schließlich Rosé-Weinen (7 %). In Bezug auf den Weinexport liegt Rumänien weltweit auf Platz 33; dabei ist vor allem inte­ ressant festzustellen, dass der Export zwischen 2013 und 2018 um über 85 % stieg, in erster Linie in die Staaten der Europäischen Union. Zu verdanken ist dies unter an­ derem dem „National Support Programme“, das 2019 bis 2023 die Weinproduzenten jährlich mit knapp 50 Millio­ nen Euro unterstützt.

Bedeutung des Weins in Rumänien Wein genießt einen hohen Stellenwert in der rumäni­ schen Gesellschaft und Wirtschaft. Dies dokumentieren beispielhaft auch zwei Traditionen. Zum einen wird der Monat September in Rumänien im Volksmund auch „Vi­ nimeriu“ genannt, in Anlehnung an die Hauptlesezeit der Trauben. Zum anderen wird am 9. März das Fest der Vierzig Märtyrer von Sebaste gefeiert, das einhergeht mit dem Beginn des neuen Landwirtschaftsjahrs. Die­ ser Tag, auch „Măcinicii“ genannt (Märtyrer), ist Anlass für rituelle Trinkgelage: Männer trinken 40 Gläser Wein oder werden mit deren Inhalt bespritzt, um durch die­ ses „Märtyrerblut“ Kraft für die kommenden Arbeiten zu gewinnen.

Rumänische Weine erobern den deutschen Markt Kein Wunder also, dass sich immer mehr rumänische Weingüter auf den europäischen und deutschen Markt besinnen und hier neue Akzente setzen. So haben im September 2021 die renommierten Produzenten Crama Oprişor, SERVE und Vinarte eigene Webshops auf dem deutschen Markt gestartet (serve.winzershop.store, cra­ ma-oprisor.winzershop.store, vinarte.winzershop.store). In einer Pressemitteilung heißt es: „Das vielfältige Ange­ bot umfasst Weine aus autochthonen und internationa­ len Rebsorten bis hin zu feinen Cuvées in unterschied­ lichen Weinstilen. Im Premiumsegment bis zu 35 Euro bieten die drei Weingüter zusammen um die 120 Weine für den Einzelhandel und die Gastronomie an.“ Crama Oprişor vermarktet unter dem Slogan „The Inmost Oltenia“ 45 Weine mit 7 verschiedenen Marken. Der Ei­ gentümer, die Reh Kendermann GmbH, setzt mit dem Weingut in Oltenien auf Tradition und Terroir der Region. SERVE (Akronym für „Societatea Euro Română de Vinuri de Excepţie“), gegründet 1994 von dem Franzosen Guy de Poix, war das erste moderne Weingut in Rumänien nach 1989 und wirbt zugleich mit seinen Wurzeln in der Domaine Comte Peraldi (seit 1540). Speziell auch für die Gastronomie werden in Dealu Mare 30 delikate, grazile Weine erzeugt. Heute ist es vor allem der Önologe Aurel Rotărescu, der mit seinem Können und seiner Erfahrung dazu beiträgt, die hohen Qualitätsstandards aufrechtzu­ erhalten bzw. zu optimieren. Vinarte schließlich, bekannt für seine Auswahl an Ca­ bernet- und Merlot-Ikonen seit 1999, positioniert sich heute unter der Führung von Tim Brockmann mit fast 40 Weinen als innovatives Unternehmen. Das Weingut arbeitet mit Önologen auch aus Italien und Frankreich zusammen, um seine Weinberge in Sâmburești und Stâr­ mina zu bewirtschaften. Deren Lage in der Nähe der Do­ nau sorgt für ein mediterran geprägtes Klima, das dem Ausbau famoser Weißweine und gehaltvoller Rotweine zugutekommt. Aber auch die Cuvée aus drei echt rumä­ nischen Sorten (Fetească Neagră, Novac und Negru de Drăgăşani), die zunächst reinsortig gekeltert und im An­ schluss etwa sechs Monate in Barriques vollendet wer­ den, gehört zu den Vorzeigeweinen von Vinarte.

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Die Degustation Verkostet wurden insgesamt acht Weine, davon zwei weiße, ein Rosé sowie fünf rote. Teilnehmer waren Weinlaien sowie vinophile Experten, deren Urteile über­ raschend einhellig waren. Für Verwunderung sorgte ins­ besondere, dass die Qualität der Weine den Erwartun­ gen, in manchen Fällen sicherlich auch Vorurteilen, nicht entsprach, sondern diese deutlich übertraf: Rumänische Weine haben ein Niveau erreicht (oder hatten dies in manchen Fällen schon immer), das auch einen interna­ tionalen Vergleich nicht länger scheuen muss.

Vinarte Avenue Alb de Starmina DOC 2020, Rebsorte(n): Sauvignon Blanc; Alkoholgehalt: 12,5 %.

Das Aroma des Weißweins ist geprägt von hellem Herbst­ obst, etwa Birne und grüner Apfel. Diese werden um­ spielt von zarten Gewürznoten, wobei Muskat und et­ was Zimt im Vordergrund stehen. Insgesamt bleibt der Eindruck eines leichten Sommerweins, dem es zu einem nachhaltigen Geschmackserlebnis noch etwas an Strin­ genz und Prägnanz fehlt. 12/20. Preis: 10,99 Euro

SERVE Terra Romana Feteascâ Albâ DOC 2018, R: Feteascâ Albâ; A: 13 %. Die Rebsorte zeichnet sich aus durch ihre floralen Noten, die an Kirschblüten, Jasmin und Kamille erinnern. Im Vor­ dergrund freilich steht das Pfirsicharoma, das in harmo­ nischer Synthese zu den Barrique-Anklängen steht: Hier schmecken wir Vanille und, als interessanten Gegenpart, etwas Sauerteig. Tatsächlich lagert der Wein drei Monate in Eichenfässern, ehe er auf Flaschen gezogen wird. Für einen Weißwein verfügt der „Terra Romana“ über eine erstaunliche Komplexität 15/20. Preis: 10,90 Euro

Crama Oprişor Jiana Rose 2019 R: Pinot Noir, Shiraz; A: 13 %.

Ein Rosé stellte die Überleitung von den weißen zu den Rotweinen dar. Hier hatten wir den „Jiana Rose“ gewählt, der bereits durch seine intensive Färbung auf die hellen Früchte Pfirsich und Mango hinweist, die uns die erste sensorische (Nasen-)Probe verhieß. Aber auch Anklänge von Süßkirschen bereichern das Aroma, wohl­ schmeckend abgerundet durch eine angenehme Säure. Diese ist eingebunden in eine samtige Textur, sodass der Wein durch seine Frische nicht nur für heiße Som­ mertage taugt, sondern auch der ideale Begleiter bei­ spielsweise einer herbstlichen Kürbissuppe sein mag. 14/20. Preis: 10,90

Foto: Dr. Martin Sachse-Weinert

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Vinarte Avenue Negru de Drâgâsani 2020, R: Negru de Drâgasâni; A: 13 %.

Mit diesem Wein eröffneten wir den Reigen der Rotwei­ ne, der für diesen Part deshalb geeignet erscheint, ist er doch allein schon vom Alkoholgehalt her nicht sonder­ lich schwer und stellt damit die perfekte Überleitung dar. Insgesamt präsentiert er sich denn auch – altersbedingt – als juveniler Wein, der sein geringes Alter bereits durch seine verhältnismäßig helle Farbgebung dokumentiert. Im Vordergrund dominieren Weichseln und getrockne­ te Pflaumen, zurückhaltender präsentieren sich die Ge­ würznoten (Zimt, etwas Pfeffer, Piment). 14/20. Preis: 10,99 Euro

Crama Oprişor Dragaica Rosie 2019 R: Cabernet Sauvignon, Feteascâ Neagrâ, Merlot, Shiraz; A: 15 %.

Vom Alkoholgehalt her stellte dieser Wein die höchste Stufe dar und erinnert damit – bedingt auch durch die für Südfrankreich typischen Rebsorten Merlot sowie Shiraz – an Vertreter des Languedoc und des Roussillon. Dieser Vergleich bestätigt sich zusätzlich, wenn wir die Aromatik des Rotweins zu Grunde legen: Aromen von ge­ trockneten Pflaumen, schwarzer Schokolade und Cassis prägen auch dieses Bukett, getoastete Noten erinnern an den Ausbau im Barrique. 15/20. Preis: 13,90

Vinarte Sâmburești Castel Bolovanu 2018, R: Cab. Sauvignon; A: 13,5 %.

Auch dieser Wein lagerte zunächst sechs Monate in Ei­ chenholzfässern, ehe er vor dem Verkauf – neun Monate auf Flaschen gezogen – weiterhin im Weingut verblieb. Dadurch entstanden intensive Vanillenoten, die von ty­ pischen Cabernet-Tönen (schwarze Johannisbeeren, in diesem Fall um leichte Olivenaromen ergänzt) begleitet werden. Die dunkle Farbgebung unterstützt den Ein­ druck des erdigen Charakters, der das Terroir perfekt wi­ derspiegelt. 15/20.

SERVE Terra Romana Feteascâ Neagrâ IG 2017, R: Feteascâ Neagrâ; A: 13 %.

Dem Cabernet Sauvignon schloss sich in der Degusta­ tionsreihenfolge ein reinsortiger Wein an, ebenfalls im Barrique ausgebaut. Rubinrot mit violetten Reflexen im Glas, zeigt sich der Wein geschmeidig-elegant in seiner Kombination von Brombeer-Sauerkirsch-Aromen, de­ ren Fruchtfülle durch das Toast-Merkmal etwas gemil­ dert wird. Im Abgang finden wir Pflaumen und Anklän­ ge von Heidelbeeren, wobei auch Gewürznoten (etwa Nelke) für einen nachhaltigen Eindruck sorgen. 16/20. Preis: 10,90 Euro

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Serve Terra Romana Milenium Rosu 2016, R: Feteascâ Neagrâ, Cabernet Sauvignon und Merlot; A: 14 %. Die Cuvée stellt eine – im positiven Sinn des Wortes – interessante Kombination dar, kreiert sie doch eine sehr harmonische Nase von reifen, schwarzen Früch­ ten (Weichseln, Brombeeren), begleitet von würzigen Noten (Pfeffer sowie Zimt). Dieser Eindruck manifes­ tiert sich auch am Gaumen, wobei die ausgewogene Säure sowie der komplexe Tanningehalt zu einem an­ genehmen Trinkgenuss beitragen. Die Lagerung bzw. Reifung teils in Fässern, teils in Edelstahlbehältern bedingt einerseits eine subtile Frische, zugleich aber auch einen merklichen Samtton, der einem gefälligen Rotwein gut ansteht. 14/20.

Crama Oprişor La Cetate Feteascâ Neagrâ 2018, R: Feteascâ Neagrâ; A: 14,5 %. Unser Favorit bei den verkosteten Weinen war die­ ser Wein, der mit seiner Komplexität und seinem ausdrucksstarken Charakter beeindruckte, ja: ab­ solut überzeugte. Dieser Rotwein ist wie kaum ein anderer geeignet, sowohl Connaisseure als auch vi­ nophile Laien von dem immensen Potenzial aktueller rumänischer Weine zu überzeugen. Bereits die Nase ist überwältigt von der geballten Stärke an Kirsche, die beim Schwenken des Glases entsteht. Kombi­ niert man diese Note mit Preiselbeeren und – auch hier – dunklem Kakao, abgerundet durch eine Har­ monie von Gewürzen (etwas Lorbeer, mehr Pfeffer, wenig Paprika), so beweist dieser Kandidat, dass er herausragenden Rotweinen anderer südeuropäi­ scher Regionen in nichts nachstehen muss. Wir sind gespannt, wie sich der 2018er, den wir verkosteten, in den nächsten fünf Jahren weiterentwickeln wird – trauen uns aber bereits jetzt zu prognostizieren, dass er unser aktuelles Urteil dann noch einmal zu toppen vermag. 18/20. Preis: 9,90 Euro

Foto: Dr. Martin Sachse-Weinert

Fazit

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Unsere Einschätzung, die verkosteten Weine der drei Weingüter Oprişor, SERVE und Vinarte ließen auf ein großes Potenzial rumänischer Weine insgesamt schließen, wurde im Nachhinein bestätigt durch ei­ nen Beitrag von Mark Squires in Robert Parkers Wine Advocat (Ausgabe Oktober 2021); hier schreibt der Master of Wine: „There are many interesting wines here (…) there is a lot of potential here. One of the emerging stars here deserves recognition.“ Nach un­ serer Degustation vermag uns dieses Urteil aus beru­ fenem Munde nicht mehr zu überraschen … n

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Ribera del Duero

Edler Stil-Mix mit Tempranillo AUTORIN: A L I C E G U N D L A C H

Ribera del Duero steht für prestigeträchtige Rotweine mit Holzreife. Doch schwere Weine mit hohem Tanningehalt sind international nicht mehr so en vogue wie noch vor 25 Jahren. Daher arbeiten immer mehr Weingüter der Region daran, den Weinen mehr Frucht und weniger Schwere angedeihen zu lassen – mit verschiedenen Methoden. Foto: Alice Gundlach

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E

nde Oktober: Der Herbst ist vorbei in Ribera del Duero. Knackig kalt ist es am Morgen, gerade ein paar Grad über null. Doch bis zum Mittag wird es nahezu spätsommerli­ che Temperaturen geben. Wer hier unter­ wegs ist, sollte sich im Zwiebellook kleiden: mehrere Lagen zum An- und Ausziehen.

Das ist eine Besonderheit in Ribera del Du­ ero im Nordosten Spaniens: Die Tempera­ turunterschiede zwischen Tag und Nacht sind extrem, und das zu fast jeder Jahres­ zeit. Das ist ein nahezu ideales Klima für den Weinbau: Die kühlen Nächte nach den warmen Tagen geben den Trauben lange Zeit zum Ausreifen und außerdem die Möglichkeit, eine gute Säure zu bewahren. So können langlebige Weine entstehen. Der Grund für dieses Klima ist, dass die Weinregion auf einem Plateau liegt, das wiederum von Bergen eingerahmt ist. Einfach ist Weinbau trotzdem nicht immer. „Das größte Problem ist der Frost“, berichtet Gonzalo Iturriaga, tech­ nischer Direktor von Vega Sicilia. Immer frostfrei sind hier nur drei Monate im Jahr: Juni, Juli und August. Um die Blütezeit müssen die Winzer in den Weinbergen um ihre Reben kämpfen, damit diese nicht von Nachtfrösten in Mitleidenschaft gezogen werden.

In feuchten Jahren steigt auch die Gefahr von Pilzkrank­ heiten. „Viele Weingüter in der Region arbeiten zwar biologisch, sind aber nicht zertifiziert – einfach, um in schwierigen Jahren abgesichert zu sein“, berichtet Alicia Comenge, Mitinhaberin der Bodegas Comenge. Grund­ sätzlich sei es zwar gut möglich, hier biologisch zu arbei­ ten – das Klima ist eher trocken –, aber wenn einmal ein feuchtes Jahr kommt, dann kommt es meist dicke. Trotz­ dem gibt es in der Region auch immer mehr biozertifi­ zierte Weingüter.

Raúl Quemada, Weinmacher Bodegas Portia

Grüne Hunde und duftende Erde Cruz de Alba gilt als der „grüne Hund“ innerhalb der spanischen Wein-Unternehmensgruppe Ramón Bilbao. Weinmacher Sergio Ávila arbeitet kompromisslos öko­ logisch, gesunde Böden sind seine Passion. In jedem seiner Weinberge, den man mit ihm besucht, greift er mit beiden Händen einen Haufen Erde heraus und hält sie der Besucherin vor die Nase: „Riech mal!“ Die Erde ist für ihn elementar für gesunde Weinberge: „Es ist wichtiger zu verstehen, warum Insektenbefall oder Krankheiten auftreten, als sie zu bekämpfen. Die Rebe kann sich selbst verteidigen, wenn alles in Balance ist.“ Deshalb nutzt er nicht nur keine Herbizide, er pflügt die Weinberge nicht einmal. Im Keller setzt er auf lan­ ge Reifezeiten: „Geduld ist in der Welt des Weines der Schlüssel“, philosophiert er. Ribera del Duero ist eine vergleichsweise junge Denomi­ nation: 1982 begann ihre Geschichte mit damals gerade einmal neun Weingütern. Heute sind es über 300. Be­ kannt ist sie spätestens seit den 1990er-Jahren als Pre­ miumregion für Tempranillo, der auch heute 95 % der Rebfläche einnimmt. Hier wird er „Tinto del País“ oder „Tinto Fino“ genannt. Ein DO-Wein muss zu mindestens 75 % aus der Rebsorte bestehen. Cuvetiert werden kann mit kleinen Mengen Cabernet Sauvignon, Merlot, Gar­ nacha, Malbec – und auch mit Albillo, der autochthonen weißen Rebsorte der Region.

„Die Rebe kann sich selbst verteidigen, wenn alles in Balance ist.“ Sergio Ávila, Weinmacher Cruz de Alba

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„Wir wollen einen Wein machen, bei dem das Holz der Begleiter ist und nicht der Protagonist.“

Rotweine, die intensive Holznoten haben und entspre­ chend kräftige Tannine, sind typisch für die Region. Dazu kommt die erwähnte gute Säure, und so sind die Weine in der Regel lange lagerfähig. Ausnahmen sind Weine der Qualitätsstufe Joven und teilweise auch die Robles, die gar nicht oder nur kurz im Holz reifen und schon im Jahr nach der Lese auf dem Markt sind. Allerdings hat sich der Geschmack der Weinliebhaber mit der Zeit geändert, und schwere Weine mit viel Holz und marmeladigen Fruchtnoten sind aus der Mode geraten. Das haben die Weingüter in der Region begriffen, und viele haben ihren Stil dem angepasst. Elegante Frucht ist angesagt. Dazu gehört zuallererst das richtige Traubengut. „Wir wollen frische Trauben ernten, nichts Überreifes, deshalb werden die Lesezeitpunkte bei uns sehr präzise getimt“, erklärt etwa Gonzalo Iturriaga von Vega Sicilia. Das Weingut in Valbuena del Duero ist unangefochten der Star der Region und hat zum Weltruhm der Denomination seit ihrer Gründung maßgeblich beigetragen. Ebenfalls wichtig für moderne Weine sind moderate Al­ koholwerte. In den Bodegas Comenge wird die Reife der Trauben kontrolliert, berichtet Weinmacher Rafael Cuer­ da. „Man geht in immer höhere Lagen oder liest früher. Teilweise werden die Trauben auch mit Hefe besprüht und damit früher zur Reife gebracht, bevor sie durch die zunehmende Hitze zu hohe Zuckerwerte bekommen.“ Diese Technik wendet er in Zusammenarbeit mit zwei Universitäten an.

Ein weiterer Trend, der ebenfalls auf Weine mit Eleganz abzielt, ist in der Region noch zu beobachten: Weine ohne Bezeichnungen, die auf die Reifezeit bezogen sind. Sie werden dann einfach mit der Bezeichnung als „Cose­ cha“, also „Jahrgangswein“, auf den Markt gebracht. Der Grund: So kann das Weingut selbst die beste Reifezeit für den jeweiligen Wein und Jahrgang bestimmen.

Fassausbau-Freestyle

Gebrauchte Fässer bringen mildere Tannine

„Wir wollen einen Wein machen, bei dem das Holz der Begleiter ist und nicht der Protagonist, so wie es bei Reserva oft der Fall ist“, erklärt Raúl Quemada, Wein­ macher der Bodegas Portia. Er nutzt zwar überwiegend neue französische Barriques, doch verzichtet bei mehre­ ren Weinen auf die Bezeichnungen „Crianza“ und „Re­ serva“. „So erhalten wir Weine mit mehr Persönlichkeit und Internationalität. Schließlich wollen wir keine Labels machen, sondern Weine zum richtigen Zeitpunkt.“

Eine weitere Neuheit ist, dass viele Weingüter mehr mit großen, gebrauchten Holzfässern arbeiten. Diese helfen dabei, die Tannine abzumildern. „Wir arbeiten nur mit amerikanischen 500-Liter-Eichenfässern, weil wir die Frucht respektieren wollen“, erklärt etwa Mario Sánchez Moro, Manager der Bodegas Emilio Moro in Pesque­ ra. Die besten Weine kommen von fast 100 Jahre alten Buschreben mit niedrigsten Erträgen von höchster Qua­ lität, so wie der Lage Valderramiro. Von dort kommt der Malleolus de Valderramiro.

Das Consejo Regulador de la Denominación de Origen Ribera del Duero unterstützt dieses Vorgehen. „Es gibt den Weingütern mehr Flexibilität“, erklärt Marketing­ direktor Pablo Baquera Peironcely. Allerdings würden diese Weine bisher vor allem in Spanien selbst verkauft, „viele Weintrinker im Ausland kann es verwirren, wenn sie nicht wissen, ob ein Cosecha 18, 12 oder null Monate im Holz gereift ist“. Doch das könnte sich noch ändern. Denn auch – oder gerade – die internationalen Kunden wollen schließlich Wein trinken und nicht Holz.

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Arzuaga, Laderas del Norte 2017 16,5 Punkte Dieser pure Tempranillo ist ein echter Pleaser: Die Aro­ men von Blaubeere, Schwarzkirsche und Vanille werden gestreichelt von einem sanften Tannin. Am Gaumen kommt dazu ein zarter mineralischer Grip. Die Finca Valdesardon, von der dieser Wein von einer Einzellage stammt, arbeitet biologisch. Fruchtbetont, harmonisch – modern. Preis: 16,95 Euro Arzuaga, Amaya Arzuaga Colección 2016 17,5 Punkte Dieser Wein heißt nach der Tochter des Weingutsinha­ bers, einer prominenten Modedesignerin. Kreativ ist auch die Cuvée: Zu 95 % Tempranillo kommt ein Teil Al­ billo, die weiße Rebsorte der Region. Gereift ist der Wein für 19 Monate im französischen Eichenfass. Seine Aro­ men erinnern an Schwarzkirsche, Zedernholz und dunk­ le Schokolade. Die Tannine sind fein und weich, dazu kommt ein Schuss Kalk-Mineralik, im Nachhall erahnt man etwas Kaffee und Karamell. Ein Haute-CoutureWein. Preis: 66,15 Euro Áster, Áster Crianza 2016 16,0 Punkte Viel Crianza fürs Geld verspricht dieser rubin- und bor­ deauxrot schimmernde Tempranillo. Sein frischer Duft zeigt Aromen von roter Johannisbeere, Himbeere und Eukalyptus. Der energiegeladene Gaumen mit rustika­ len Tanninen und kräftiger Säure kündigt an, dass dieser Wein noch lange reifen kann. Was man aber jetzt schon merkt: 2016 war ein sehr guter Jahrgang in Ribera del Duero. Preis: 13,90 Euro Áster, Finca el Otero 2016 16,5 Punkte Die Farbe dieses Weines erinnert an Filmblut. Dunkel sind auch seine Aromen: Heidelbeere, Cassis, Lakritze. Sein Körper ist voll, ja schwer, seine Tannine noch sehr rustikal. Kein Wunder: Er wurde komplett in neuen fran­ zösischen Eichenfässern gereift. Nach dem Genuss des gleichen Weines vom Jahrgang 2010 wird aber klar: Das Beste kommt noch! Preis: 29,90 Euro Avelino Vegas, Áureo 2016 17,0 Punkte „Sectio Aurea“ bezeichnet im Lateinischen den Golde­ nen Schnitt, der für ideale Proportionen steht. Ein kon­ zentrierter Tempranillo mit Aromen von reifen schwar­ zen Früchten, Gewürzen und Trockenfrüchten. Der Gaumen ist kraftvoll, intensiv und elegant mit würzigen Noten. Im Nachhall kommen die Röstaromen noch ein­ mal zur Geltung. Der Wein reift 14 Monate in Barriques aus französischer Eiche. Preis: 21,00 Euro Avelino Vegas, 100 Aniversario 2015 17,0 Punkte Man ahnt es schon: Mit diesem Wein feierte das Wein­ gut sein 100-jähriges Bestehen. Er duftet intensiv nach

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Zeder und Süßholz, Rosmarin und Waldbeeren. Am Gau­ men zeigen sich frische rote und schwarze Beeren, das Tannin ist fein und süß. Der Nachhall ist lang und würzig. Aufmachen, wenn es was zu feiern gibt! Preis: 31,00 Euro Dominio Basconcillos, Viña Magna 2020 15,5 Punkte Dieser Bio-Wein ist ein klassischer „Roble“, also kurz im Eichenfass gereift (6 Monate), und ein Wein, den man jung trinken kann. Er duftet frisch und leicht nach roten Johannisbeeren und unreifen Erdbeeren. Das Aroma von Süßkirschen am Gaumen wird untermalt von einem an­ schwellenden Tannin. Wirkt jugendlich und modern. Preis: 22,00 Euro Dominio Basconcillos, Finca de Altura 2019 16,5 Punkte Der neueste Wein dieses Weingutes ist ein Charakter­ kopf und erfreut zudem mit seinem Preis-LeistungsVerhältnis. Die Reben stehen auf 960 Metern Höhe, da­ her der Name. Die Lese erfolgt mit computergestützter Präzision, damit die Trauben bei idealer Reife geerntet werden. Der violett schimmernde Wein duftet nach Pflaumenwein und Salmiak, am Gaumen erinnert er an Schwarzwälder Kirschtorte. Das Tannin entfaltet sich langsam, was dem Wein durchaus Länge verleiht. Preis: 16,90 Euro Bodegas Comenge, Familia Comenge 2017 16,5 Punkte Rouge-noir ist die Farbe dieses Weines, die im Glas glänzt. Er duftet saftig nach Sauerkirschen und Gras, am Gaumen zeigen sich Aromen von Süßkirschen und ein griffiges Tannin. Obwohl noch ein Baby, zeigt er schon eine schöne Länge. Dieser Wein reifte 24 Monate in neu­ en und einjährigen französischen Barriques. Die Trauben kommen von rund 40 Jahre alten Reben an Steilhängen in 880 Metern Höhe. Preis: 19,60 Euro Bodegas Comenge, Don Miguel Comenge 2016 17,0 Punkte Der rubinrote Wein zeigt leicht bräunliche Reflexe. Dazu passt sein Duft von Kakao, Tabak und getrockneten Pflaumen. Am Gaumen wirkt er samtig, zum Geschmack von Pflaumen kommen würzige Noten von Eukalyptus und Rosmarin. Ein sehr komplexer Wein aus 90 % Tem­ pranillo und 10 % Cabernet Sauvignon. Preis: 35,00 Euro Cruz de Alba, Fuentelùn 2016 16,5 Punkte Super-Bio: Ein Tempranillo aus dem ältesten Weinberg des Weingutes, mit sandiger Erde und viel Begrünung. Purpur bis schwarz leuchtet dieser Wein in ReservaQualität. Sein Duft erinnert an Heidelbeere, Brombee­ re und grüne Vegetation. Die Aromen von Sauerkirsche werden von einem kraftvollen Tannin strukturiert. Er reifte 20 Monate in neuen und gebrauchten französi­ schen Eichenfässern. Preis: 31,00 Euro

Cruz de Alba, Finca Los Hoyales 2016 16,5 Punkte Streng limitiert: Dieser Jahrgang ist gerade erst auf den Markt gekommen, nachdem er 22 Monate im französi­ schen Tonneau lag und noch 10 Monate in der Flasche reifte. Entsprechend jung präsentiert sich der Wein. Seine Farbe changiert zwischen Purpur, Fuchsia und Schwarz. Er duftet nach Holunderbeeren und grünen Kräutern. Am Gaumen saftig mit einer knackigen Säure, wie Sauerkir­ schen. Feines und griffiges Tannin Preis: 50,00 Euro Emilio Moro, Emilio Moro 2018 16,0 Punkte Mit Absicht heißt dieser Wein nicht „Crianza“, obwohl er – zumindest in diesem Jahrgang – die dafür vorgeschrie­ benen 12 Monate in Eichenfässern (französischen und amerikanischen) lag. Denn jedes Jahr, findet der Weinma­ cher, ist anders, und deshalb braucht der Wein eine indivi­ duelle Reifezeit. Neben seinem frischen Duft von Kirsche und Minze fällt vor allem eine schöne Mineralik auf. Die Kirschfrucht am Gaumen ist präsent und lang, saftig und doch elegant. Preis: 18,50 Euro Emilio Moro, Malleolus 2016 16,5 Punkte Schokolade küsst Kirsche – ein harmonischer Duft leitet diesen Wein ein. Konzentriert und doch balanciert wirkt er am Gaumen. Das Tannin ist noch etwas wild, aber das macht ihn kraftvoll. Ein bisschen Tabaknoten im Nachhall, aber die Frucht steht im Mittelpunkt. Gebrauchte 500-Li­ ter-Tonneaus aus Frankreich ließen den Wein rund reifen. „Malleolus“ bedeutet im regionalen Dialekt übrigens „alte Weinberge“. Preis: 29,90 Euro Familia Fernández Rivera, Condado de Haza Reserva 2018 17,0 Punkte Ein Lagenwein mit Power. Ab 2018 wird dieser Wein nur in französischer Eiche ausgebaut. Er duftet frisch nach roter Johannisbeere und Himbeere. Am Gaumen kommen vor allem Lakritze und im Nachhall Eukalyptus heraus. Dabei begleitet ihn eine kräftige Mineralik. Er hat sicher noch ein langes Leben vor sich. Preis: 28,90 Euro Familia Fernàndez Rivera, MXI Tinto Pesquera 2018 17,0 Punkte Dieser Wein ist der neueste des Weingutes, 2018 ist erst der zweite Jahrgang (2016 war der erste). Sehr frisch in der Nase, rote Johannisbeeren und Gras klingen an. Dem Gaumen schmeichelt er mit seidigen Tanninen und ele­ ganten Kirschnoten. Sein Name bezieht sich übrigens auf das Jahr 1011, als der Kalif Sulaiman al-Mustain dem Gra­ fen von Kastilien Ländereien im Gebiet Ribera del Duero zurückgab. Preis: 24,35 Euro Bodegas Portia, Prima 2019 16,5 Punkte Saft und Kraft strahlt dieser Wein aus. Der reinsortige Tempranillo reifte 15 Monate in französischen Eichenfäs­

sern. Sein Duft erinnert an Veilchenpastillen und Kirschen, sehr einladend. Ein sehr komplexer Wein mit Aromen von Waldbeeren, Schokolade, Mokka und Butter sowie kraft­ vollem Tannin. Preis: 15,65 Euro Bodegas Portia, Triennia de Portia 2015 17,0 Punkte Limitiert auf 9000 Flaschen pro Jahr ist dieser edle und dabei charakterstarke Tempranillo. Er reift 14 Monate in französischen Barriques. Im Duft finden sich Sauerkirsche und Sauerampfer einerseits, andererseits auch Kakao. Am Gaumen wirkt er saftig und noch jung mit Aromen von Kir­ sche und Lakritze bis in den langen Nachhall. Preis: 59,99 Euro Vega Sicilia, Alión 2018 17,0 Punkte Dieser Jahrgang kommt erst nächstes Jahr offiziell auf den Markt. Gereift wird er teilweise in Holzfässern, die das Weingut selbst vor Ort herstellt, der andere Teil sind amerikanische Eichenfässer. Purer Balsam ist der Duft, er erinnert an Schwarzkirsche und Cassis. Die dunkelroten Fruchtaromen am Gaumen sind satt, dazu kommt ein An­ flug von Räucherspeck. Ein guter Fluss, sehr elegant – und das ist nur der Einstiegswein des Top-Weinguts. Preis:

74,90 Euro

Vega Sicilia, Valbuena 5° 2016 18,5 Punkte

Das nennt man komplex: Der Duft erinnert an schwarze Johannisbeere und Capri-Sun Kirsch, balsamisch und ele­ gant mischen sich die Aromen zusammen. Der Gaumen ist Fluss und Grip, Kirsche und Stein, im Abgang erinnert er an Espresso. Der Wein reift zu 75 % in französischen und zu 25 % in amerikanischen Eichenfässern. Tempra­ nillo wird begleitet von 6 % Merlot. Tipp: Die ideale Reife hat dieser Wein 10 bis 15 Jahre nach der Ernte. Preis: 144,00 Euro Viña Vilano, Terra Incógnita 2016 16,5 Punkte Ein Langstrecken-Reifer: Auf 22 Monate in französischer Eiche folgen noch 12 Monate in der Flasche, bevor er auf den Markt kommt. Er stammt von mehr als 50 Jahre alten Weinstöcken in Pedrosa de Duero, die auf 800 Metern

Höhe auf kargen Böden wachsen. Sein Duft ist kraft­ voll und erinnert an saftige Süßkirschen. Seine Tanni­ ne sind griffig und persistent. Preis: 29,90 Euro

Viña Vilano, La Baraja 2016 16,5 Punkte Es ist der einzige Blend des Hauses: Zu 75 % Tempranillo kommen noch Cabernet Sauvignon und Merlot, so wird er komplex. Dazu reift er 18 Monate in französischer Ei­ che. Er duftet elegant nach Kirschen, Kamille und grü­ nem Pfeffer. Am Gaumen hat er richtig Power und Grip. Er verströmt Aromen von Kirsche, Lakritze und Minze. Preis: 29,90 Euro n

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Er ist sehr intensiv!

Opland Juvel Aquavit AUTOR: A R T H U R W I R T Z F E L D

Ein alkoholischer Nektar wie der Opland Juvel Aquavit aus Norwegen wird nur wenigen kredenzt und nur wenige Liebhaber kommen in den Genuss dieser ungewöhnlichen Spirituose. Im Handel sucht man ihn vergebens – längst ruht die Serie in klimatisierten Schatzkammern. Keine Frage, der Opland Juvel Aquavit ist schon ein besonderer Tropfen unter den von Sammlern begehrten raren Spirituosen, der zudem nur in einer limitierten Auflage von 30 Flaschen produziert wurde.

Foto: Man-Man

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ihre Entwicklung zu bewerten. „Als wir der Überzeugung waren, dass es perfekt war, war das ein magischer Mo­ ment“, erinnert sich Paulsen. „In Norwegen verschwen­ det man keine Worte. Wir brauchten nichts zu sagen, wir sahen uns nur an. Das wars.“

amit Aquavit als echter norwegischer Aquavit bezeichnet werden kann, muss er aus norwegischem Kartoffelbrand, destilliertem Kümmel oder Dillsamen hergestellt und mindestens sechs Mona­ te im Fass gereift sein. Außerdem muss er mindestens 37,5 Grad Alkoholgehalt aufweisen. Die Verwendung von Eichen­ fässern zur Reifung der Spirituose, wobei der Aquavit dabei eine zunehmend gol­ dene Farbe annimmt, ist einzigartig in Norwegen.

Der so entstandene Nektar wurde in 30 einzigartige Kris­ talldekanter abgefüllt, die jeweils nummeriert sind und in einer massiven Holzkiste präsentiert werden, die aus nicht mehr verwendeten und sehr alten Dauben von Sherryfässern gefertigt wurde, in denen frühere Gene­ rationen von Opland-Aquavit gereift waren. Von diesen 30 Dekantern waren 19 für den Vertrieb in Norwegen bestimmt und sofort ausverkauft. Eine Flasche hatte das Auktionshaus Christie´s diesen Sommer in einer Auktion, ein Erlös wurde nicht veröffentlicht, der Verbleib der rest­ lichen zehn Flaschen war nicht zu eruieren.

Die limitierte Auflage des Opland Juvel Aquavit wurde jeweils in einer numme­ rierten eleganten Kristallkaraffe abgefüllt, die vom renom­ mierten norwegischen Produktdesigner Sverre Uhnger entworfen und von der norwegischen Meisterglashütte „Magnor Glassverk“ mundgeblasen wurde. Opland lässt seine Aquavite in der berühmten Arcus-Destillerie her­ stellen, die zu Norwegens größten Lieferanten von Wein und Spirituosen zählt.

Reiches, warmes, fruchtiges, kühles Aromenspiel Und wie schmeckt der Opland Juvel Aquavit? „Im Glas sollte der anspruchsvolle Gaumen reiche Aromen von Vanille, gerösteten Nüssen, Kaffee, Kokosnuss, Zartbitter­ schokolade und Karamellkrokant wahrnehmen können, ergänzt durch Noten von Gewürzen, darunter auch Rog­ gen, Lakritze und erwärmte Zitrusfrüchte“, erläutert Paul­ sen. „Für die limitierte Auflage haben wir uns für einen eher hohen Alkoholgehalt entschieden – 51 Prozent im Vergleich zu den traditionellen 41,5 Prozent –, und das führt zu einem wirklich weichen, vollen, warmen Mund­ gefühl. Außerdem spürt man im Finale den Charakter von getrockneten Früchten, Aprikosen merklich, und die Reifung in gebrauchten Sherryfässern, die dem Juvel ins­ besondere Noten von Minze, Eukalyptus und tropischen Früchten mitgibt, was ihm zudem auch eine gewisse Küh­ le verleiht.“

Rektifizierte Spirituose aus dem Paradieskeller „Man arbeitet beim Aquavit mit einer rektifizierten Spiri­ tuose, was bedeutet, dass das Flüssigkeitsgemisch durch wiederholte Destillation in seine Komponenten getrennt wurde“, erklärt Morten Paulsen, leitender Produktent­ wickler bei Arcus, der in den letzten Jahren die Kreation von Juvel (das ist das norwegische Wort für „Juwel“) be­ aufsichtigt hat. „Ist man so weit, dann kommen Gewür­ ze ins Spiel. Diese fügen den Geschmack hinzu, der dann noch durch die Reifung in Eichenfässern vollkommen aus­ gebildet wird.“ Die Brennerei, die inmitten von hügeligem Ackerland nördlich von Oslo liegt, nennen Paulsen und Kollegen liebevoll „Paradieskeller“. Hier lagern die besten Aqua­ vite von Opland, darunter auch die limitierten Chargen, die die Marke in ihrer 149-jährigen Geschichte traditio­ nell zu königlichen Anlässen wie Geburten und Hochzei­ ten hergestellt hat.

Obwohl Aquavit in Norwegen traditionell zum Essen ge­ trunken wird, rät Paulsen, vor allem einen Aquavit von der Klasse des Juvel möglichst bei Zimmertemperatur zu genießen. „Ideal wäre es, wenn sich der Genießer in ei­ nem Moment der Kontemplation oder Meditation befin­ det, vielleicht vor dem Kamin sitzend. Weil unser Juvel so komplex ist, reicht ein kleiner Schluck wirklich sehr weit. Glauben Sie mir, der Juvel ist sehr intensiv! Dazu sage ich nur: Skål!“

„Jeder Aquavit ist eine Mischung aus verschiedenen Fässern, die aber in der Regel im selben Jahr abgefüllt wurden”, erklärt Paulsen. „Beim Juvel erhielten wir die einzigartige Möglichkeit, mit unseren historischen Flüs­ sigkeiten zu spielen. Dabei haben wir eine Mischung aus 14 außergewöhnlichen Aquaviten verwendet, von denen der älteste aus dem Jahr 1929 stammt. Die älteren Aqua­ vite neigen dazu, ganz anders zu sein als der Stil, den wir heute trinken, sodass der Juvel bei dieser einzigartigen Mixtur ein ganz besonderes Geschmackserlebnis bietet.“ Nachdem die richtige Mischung aus lagernden Spiritu­ osen für den Juvel gefunden worden war, überprüften Paulsen und sein Team die Mixtur alle drei Monate, um

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Wasser des Lebens

Foto: Opland Aquavit

Der Name Aquavit leitet sich vom lateinischen „aqua vi­ tae“ ab, was so viel wie „Wasser des Lebens“ bedeutet. Es gibt jedoch unterschiedliche Definitionen, wie er genau hergestellt und getrunken wird, je nachdem, ob man sich in Teilen Europas oder in Übersee befindet. Genau wie beispielsweise französischer Cognac oder italienischer Grappa ist norwegischer Aquavit ein geschützter Name nach dem Recht der Europäischen Union. n

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Großes Kino bei Weinversteigerung Wegen Corona nahmen nur rund 75 Gäste an der „flüssigen Auktion“ im Cineplex teil AUTOR: N O R B E R T K R U P P 46

Foto: Norbert Krupp

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ie Bewertung „großes Kino“ schien für die Weinversteigerung des VDP.Nahe in doppelter Hinsicht angebracht zu sein: Erstmals wurde die Auktion wegen Coro­ na unter 2G-Bedingungen im Saal 2 des Bad Kreuznacher Cineplex-Kinos durch­ geführt, mit Online-Verbindung nach Berlin, Paris und New York. Zudem wur­ den in knapp drei Stunden Weine im Ge­ samtwert von 2,112 Millionen Euro um­ gesetzt – teilweise zu Rekordpreisen.

VDP.Winzer Klaus Peter Keller aus dem rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim er­ zielte 16.100 Euro für jede der drei Dop­ pel-Magnums (Drei-Liter-Flaschen) mit 2020er Riesling Großes Gewächs aus der Lage Pettenthal. Für seine vier Magnums (1,5-Liter-Flaschen) mit 2020er Riesling Kabinett aus der Mosel-Lage Schubertslay wurden je 5400 Euro gezahlt. Für seine beiden Doppelmagnums mit Künstleretiketten, gefüllt mit drei Litern 2020er Zel­

lertal Kreuzberg Riesling Großes Gewächs, nahm Hans Oliver Spanier je 8100 Euro mit nach Hohen-Sülzen (Rheinhessen). Ganz so spektakuläre Gebote wurden für die Weine von der Nahe nicht abgegeben, die trotz hoher Qualitäten noch immer zu fairen Preisen vermarktet werden: Den höchsten Preis, umgerechnet auf eine 0,75-Liter-Fla­ sche, erzielte das Weingut Dönnhoff in Oberhausen, das 27 Magnum-Flaschen 2020er Oberhäuser Brücke Riesling Großes Gewächs zu je 1100 Euro (umgerech­ net 550 Euro für eine 0,75-Liter-Flasche) sowie 0,75-Li­ ter-Flaschen für je 321 Euro absetzen konnte. Und das Weingut Emrich-Schönleber aus Monzingen bekam für seinen 2020er Auf der Ley Riesling Großes Gewächs 215 Euro pro Flasche, 550 Euro pro Magnum und 1650 Euro pro Doppelmagnum. VDP-Regionalvorsitzender Frank Schönleber freute sich, dass in diesem Jahr wieder eine „nasse Versteigerung“ (also mit Verkostung der Versteigerungsweine) durchge­

führt werden konnte, nachdem im Vorjahr lediglich eine Online-Versteigerung aus einem Fernsehstudio in das Internet übertragen werden konnte. Er erinnerte an die erste Weinversteigerung im Jahre 1910 durch den Ver­ band Deutscher Naturweinversteigerer, den Vorgänger des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP). Sein besonderer Gruß galt den sechs Weinkommissionären aus Bingen sowie aus dem Rheingau und von der Mosel, die im Auftrag ihrer Kunden versuchten, die gewünsch­ ten Weine „so günstig wie möglich“ zu ersteigern. Die Preisfindung wurde durch ein Computerprogramm un­ terstützt, das der Trierer Professor Axel-Joachim Kalten­ born im Auftrag des VDP.Mosel entwickelt hat. „Master of Wine“ Caro Maurer dankte Schönleber für die kompe­ tente Moderation des Nachmittags. Zeitgleich feierten Weinfreunde in der Berliner Wein­ bar „Freundschaft“ und im Pariser Restaurant „Le Petit Verdot“ Auktionspartys, deren Teilnehmer sich in kurzen Live-Schaltungen absolut begeistert zeigten. Aus New York wurde der Weinimporteuer Stephen Bitterolf zuge­

schaltet, der schon am Vorabend mit interessierten Kun­ den die Weine verkostet hatte. Die rund 75 Gäste, die trotz Corona und Regen ins Ci­ neplex gekommen waren, erlebten spannende Bieter­ gefechte. In den Ablauf der von Michael Prinz zu SalmSalm mit Sotheby’s-Hammer geleiteten Auktion wurden Videos eingespielt, in denen die Winzer ihre Philosophie und die Besonderheiten ihrer Lagen erläuterten. Respektable Preise erzielten auch die anderen Verstei­ gerungsweine: Für das Große Gewächs des Weingutes Prinz Salm, einen 2019er Riesling aus dem Wallhäuser Johannisberg, wurden 57 Euro pro Flasche und 281 Euro für die Doppelmagnum geboten. Bei 31 Euro pro Flasche erfolgte der Zuschlag für den 2020er Goldloch Riesling Kabinett des Weingutes Joh. Bapt. Schäfer. Für seinen 2020er Burg Layer Schlossberg Riesling Kabinett bekam das Schlossgut Diel 41 Euro pro Flasche, 120 Euro pro Magnum und 310 Euro pro Doppelmagnum. Aus dem nördlichsten Weinberg der Nahe stammte die 2020er (Bingerbrücker) Abtei 1937 Rupertsberg Ries­ ling Spätlese, die das Weingut Kruger-Rumpf für 54 Euro pro Flasche absetzte. Dem Traiser Weingut Dr. Cru­ sius wurde dessen 2020er Kirschheck Riesling Auslese Goldkapsel mit 52 Euro pro halbe Flasche (0,375 Liter) honoriert. Die 2019er Bockenauer Felseneck Riesling Auslese Goldkapsel von Schäfer-Fröhlich kletterte sogar auf 165 Euro pro halbe Flasche. Der einzige Wein von der Ahr, ein 2019 Devonschiefer R Reserve Spätburgunder trocken, stammte aus dem Weingut Kreuzberg und erzielte je 90 Euro für jede der 122 Flaschen. Die anderen Weine aus Rheinhessen schnitten ebenfalls gut ab: Philipp Wittmann aus Westhofen heimste für sei­ nen 2020er „La Borne“ Alte Reben Riesling trocken 330 Euro ein, und die sechs Magnum-Flaschen (1,5 Liter) des gleichen Weines bescherten ihm sogar stattliche 1700 Euro pro Flasche. Daniel Wagner-Stempel aus Siefers­ heim kam auf respektable 150 Euro für seinen 2020er EMT Riesling trocken. Der 2020er Fenchelberg des Wein­ gutes Gunderloch in Nackenheim wurde von den sechs Kommissionären sowie den online zugeschalteten Bie­ tern mit 91 Euro honoriert. Die Gebote für die Verstei­ gerungsposten des Weingutes K.F. Groebe aus West­ hofen blieben im erschwinglichen Bereich: Der 2015er Kirchspiel Riesling Grande Réserve kam auf 60 Euro, der 2020er Riesling Kabinett aus gleicher Lage auf 27 Euro (0,75 Liter), 60 Euro (1,5 Liter) oder 490 Euro (3 Liter). n

Foto: Norbert Krupp

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Foto: „Großes Kino“ im Saal 2 des Cineplex Bad Kreuznach: Erstmals wurde in diesem Rahmen die Weinversteigerung des VDP. Nahe durchgeführt – Corona macht erfinderisch. In der ersten Reihe verfolgen die Kommissionäre und deren Mitarbeiter die Preisfindung.

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Gobelsburg

AUTOR: R U D O L F K N O L L

Neuer Keller und 850 Jahre Weinbau

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as Weingut Schloss Gobelsburg im österreichischen Kamptal kann eine abwechslungsreiche Geschichte mit 850 Jahren Weinbau vorweisen. Es ist seit 1740 Eigentum des Zisterzien­ serstifts Zwettl (rund 50 km entfernt) und gehört seit Jahren zu den ersten Adressen in Österreich, weil man vor 25 Jahren eine weise Entscheidung traf. Damals übernahm der in der Arlberger Top-Gastronomie („Post“ in Lech) gebürtige Mi­ chael Moosbrugger die Leitung des Betriebes, der zwar einen guten Ruf hatte, aber bei den Weinen etwas schwächelte und nur mehr auf 15 Hektar Reben stehen hatte. Vermittler war der Langenloiser Topwinzer Willi Bründlmayer, ein guter Freund von „Michi“ Moosbrugger und dessen Gattin Eva, die ihm nach Gobelsburg folgte und im Weingut aktiv wurde. Heute kann das traditionelle Haus 80 Hektar vorweisen und ist vor allem mit Grünem Veltliner und Riesling im Exportge­ schäft sehr erfolgreich.

Das alles ließ Moosbrugger nicht ruhen. Er hatte seinerzeit einen Vertrag über zwei Generationen mit dem Stift abgeschlossen. Vor einigen Jahren begann er damit, das Weingut fit für die Zukunft zu machen. In mehrjäh­ riger Bauzeit wurde der Weinkeller nicht nur erheblich erweitert, sondern bekam mit seinem Kreuzgang auch den zum Betrieb passenden klöster­ lichen Anstrich. Weit über 1000 Besucher an mehreren Eröffnungstermi­ nen dürften beim Rundgang so etwas wie Ehrfurcht empfunden haben. Moosbruggers Zielsetzung, den Weinen Reife zu gönnen, wird durch die zahlreichen großen Holzfässer im Keller deutlich. Sie stehen auf Rädern, sodass sich Schwankungen in der Temperatur problemlos ausgleichen las­ sen. „Wir bringen den Wein zu seiner passenden Temperatur, wenn es sein muss, sogar ins Freie“, erklärt der Gobelsburg-Chef. Nicht ins Blickfeld gerückt wurde zuletzt der Altweinkeller, in dem noch etwa 11 000 Flaschen zurück bis zum Jahrgang 1947 liegen, doch dafür wurden die Vorräte regelrecht geplündert. Denn Moosbrugger kreierte ei­ nen Jubiläumswein mit bis zu fünfzigjährigen Weißweinen in Kombination mit frischeren Jahrgängen. Die 1171 (!) Kisten zu je sechs Flaschen plus 850 Magnums waren in kurzer Zeit ausverkauft. Ihr Inhalt: ein angenehm schmeichelnder, sanft würziger, zeitloser Weißwein. Erstaunlich neben dieser Erfolgsgeschichte von Schloss Gobelsburg ist, dass Michael Moosbrugger zudem noch die Zeit fand, den Bundesverband Österreichische Traditionsweingüter (ÖTW), ein Gegenstück zum deut­ schen Verband der Prädikatsweingüter (VDP), voranzubringen. Die 1992 gegründete Vereinigung zählt inzwischen 68 Mitglieder in den Weinbau­ gebieten Kamptal, Kremstal, Traisental, Wagram, Wien und Carnuntum und kann eine gut funktionierende Lagenklassifikation vorweisen. n

Foto: Weingut Schloss Gobelsburg

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er Austrian Single Vineyard Summit 2021 fand vom 1. bis 5. September auf Schloss Grafenegg statt. Das Niveau war sehr hoch. Von den 329 Weinen sah ich 286 bei 90 bis 96 von 100 Punkten, nur 2 Weine unter 85, 40 Weine von 86 bis 89, lediglich ein Wein war fehlerhaft und ein kompletter Ausfall. Animalisch-faulige Brettanomycesno­ ten werden auch dann nicht besser, wenn der Wein als „organic/Reserve“ angestellt wird.

Schloss Grafenegg bot einen beeindruckenden Rahmen, Wine & Partners lieferte die perfekte Organisation. 329 Weine der renommiertesten Einzellagen Österreichs standen un­ ter Einhaltung der geltenden Corona-Maßnahmen zur Verkostung an. Jeder Verkoster hatte ausreichend Abstand zum nächsten. Die Weine konnten je nach Bedarf des jeweiligen Verkosters geordert werden und wurden prompt innerhalb einer Minute bereitge­ stellt. Die meisten Winzer, ihre Familien und Mitarbeiter waren selbst anwesend und haben ihre Weine und die ihrer Kollegen ausgeschenkt. Es gab genügend Stromanschlüsse für Laptops und WLAN stand ebenfalls zur Verfügung. Wer wollte, konnte sowohl vormittags als auch nachmittags verkosten.

Austrian Single Vineyard Summit 2021 AUTOR: J O A C H I M A . J . K A I S E R

Die ersten drei Tage mit 205 Weinen waren den Spitzenlagen der ÖTW – Österreichische Traditionsweingüter gewidmet. ÖTW um­ fasst, entlang der Donau von West nach Ost, die Weinbaugebiete Kremstal, Kamptal, Traisental, Wagram, Wien und Carnuntum. Der vierte Tag galt mit 64 Weinen den Spitzenlagen der Weinbauge­ biete Leithaberg und Eisenberg im Burgenland und der fünfte Tag mit 60 Weinen war den Spitzenlagen der Steiermark gewidmet.

Foto: Weingut Schloss Gobelsburg

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Die Highlights der Verkostung ÖTW Grüner Veltliner Insgesamt standen 80 Grüne Veltliner zur Verkostung an. 95/96 von 100

• 2020 Grüner Veltliner Ried Schenkenbichl, Weingut Jurtschitsch, 12,5 %. Deutliche Feuersteinnote, die zu­ nächst alles überdeckt, im Mund aber ordentlich Zug und kaum noch was vom ‚Stinker‘ zu merken, da enorme Substanz und Kraft, dabei elegant und ausgewogen, Ba­ lance von Frucht und auch dezent Kräutern und Gewür­ zen, vielschichtig, braucht Zeit.

94/95 von 100

• 2020 Grüner Veltliner Ried Käferberg, Weingut Jurt­ schitsch, 12,5 %. Weinbergpfirsich, etwas Steinobst und sehr dezent weißer Pfeffer und Piment, im Mund zudem leicht rotfruchtig, vor allem Johannisbeere, sehr dezent laktisch, braucht unbedingt Zeit.

• 2020 Grüner Veltliner Ried Kogelberg, Weingut Steinin­ ger, 13,5 %. In der Nase sehr dezent Asche und Gewürze, im Mund kräftige Frucht, Kräuter und vor allem Gewürze, saftig, lang. • 2020 Grüner Veltliner Ried Lamm, Weingut Jurtschitsch, 12,5 %. Nase dezent kräutrig-gewürzig, auch kalkig, im Mund reife gelbe Früchte, eher dezent Gewürze und Kräuter, etwas laktisch, braucht Zeit.

• 2020 Grüner Veltliner Ried Lamm, Weingut Brandl, 13,5 %. Kalkig, Gewürze, Kräuter, dezent pfeffrig, im Mund Kraft und Schmelz und Länge, braucht Zeit, trinkt sich aber schon gut.

• 2019 Grüner Veltliner Ried Lamm, Weingut Schloss Go­ belsburg, 13,5 %. Dezent vegetabil-kräutriger Duft mit sehr leichter kalkiger Note, im Mund fruchtiger und deut­ lich Gewürze (Piment, Nelke), saftig, lang.

• 2020 Grüner Veltliner Ried Loiserberg, Weingut Fred Loimer, 12,5 %. Marille, etwas reifer Apfel, dezent Kalk und Kräuter, im Mund steinig und Garriguenoten, saftig, lang, elegant.

• 2020 Grüner Veltliner Ried Lamm, Weingut Steininger, 13,5 %. Nase Pfirsich, Aprikose und dezent Gewürze, im Mund mit deutlichen Kräuter- und Gewürznoten, saftig und mit Schmelz.

93/94 von 100

• 2019 Grüner Veltliner Ried Spiegel, Weingut Bründlmayer, 13,5 %. Feine, fruchtige Nase mit sehr dezentem Holzanklang, im Mund überraschend herb-fruchtig, fri­ scher Apfel, Rhabarber und Schlehe, kräftige Säure, Cha­ rakterwein!

• 2020 Grüner Veltliner Ried Lindberg, Weingut Salomon Undhof, 13 %. Leicht ätherisch-kalkig, hellgelbe Früchte, dezent Rosmarin, im Mund sehr ausgewogen saftig und schmelzig, nachhaltig am Gaumen, lang. • 2020 Grüner Veltliner Ried Wachtberg, Weingut Salo­ mon Undhof, 13 %. Dezent kalkig-kräutrig, im Mund auch Zitrusnoten, kräftig und saftig, lang, elegant. • 2020 Grüner Veltliner Ried Wachtberg, Weingut Stadt Krems, 13 %. Sehr verhaltene Nase, kalkig und helle Frucht, im Mund sehr ausgewogene Frucht- und Kräuter­ noten, auch mineralisch-steinig, leicht herb, elegant.

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• 2020 Grüner Veltliner Ried Kittmannsberg, Weingut Hiedler, 13,5 %. Kalkig und Zitrusnoten in der Nase, im Mund hellgelbe Frucht, Kräuter, Kalk und Zitrus, saftig, lang.

• 2020 Grüner Veltliner Ried Preussen, Weingut Wienin­ ger, 13 %. Verhaltene Nase, kalkig-gewürzig, im Mund ausgewogen, hellgelbe Frucht, aber eher auf der gewür­ zig-mineralischen Seite, elegant.

ÖTW Riesling Insgesamt standen 74 Rieslinge zur Verkostung an. 95/96 von 100

• 2020 Wiener Gemischter Satz Ried Rosengartel, Wein­ gut Wieninger, 13 %. Mittelgelbe Frucht, sehr vielschich­ tig, ohne eine herausragende Note benennen zu können, eine dezente rauchig-speckige Note, herb, voll, dicht, lang, saftig.

92/93 von 100

• 2019 Riesling Ried Steinmassl, Weingut Loimer, 13 %. Feine ätherische Nase, sehr dezent Kampfer und Eukalyp­ tus, etwas Kalk und Zitrus, im Mund vielschichtige, hellbis mittelgelbe Frucht, Kumquat, Schmelz und Saft.

• 2020 Wiener Gemischter Satz Ried Langteufel, Wein­ gut Rotes Haus, 14 %. Mittelgelbe Frucht, sehr leicht laktisch-vegetabil-kräutrig, etwas Kalk, im Mund mit kräftiger Frucht und einem Hauch von Speck, Charak­ terwein!

• 2020 Riesling Ried Preussen, Weingut Wieninger, 13,5 %. Deutlich Mirabelle und Reneclaude, im Mund sehr saf­ tig, zusätzliche Noten nach Cashewnüssen und Garrigue, außerdem leicht Zitrus, Schmelz.

• 2020 Wiener Gemischter Satz Ried Steinberg, Wein­ gut Cobenzl, 13,5 %. Dezent kalkig und hell gelbfruch­ tig, im Mund Steinobst, Kalk, prägnante Säure, frisch und saftig.

92/93 von 100

• 2019 Wiener Gemischter Satz Ried Ulm, Weingut Wie­ ninger, 14,5 %. Mittelgelbe Frucht, sehr dezent Holz, im Mund wegen seiner Ausgewogenheit unspektakulär, die 14,5% schmeckt man nicht, hat Potenzial.

• 2019 Riesling Ried Gaisberg, Schloss Gobelsburg, 13 %. Sehr dezent hefig, gelbfruchtig, kalkig, im Mund dicht und saftig, lang. • 2020 Riesling Ried Rosengartel, Weingut Wieninger, 13,5%. Sehr dezent hefig, Zitrus und Kalk, im Mund saftig, Zitrus und Grapefruit, dicht. • 2019 Riesling Ried Seeberg, Weingut Fred Loimer, 13 %. Leicht harzige Note, dezent Zitrus, leicht kalkig, im Mund Schmelz und Länge, spannender Charakterwein. • 2020 Riesling Ried Wechselberg Spiegel, Weingut Topf, 13,5 %. Verhaltene Nase, leicht Zitrus und Kalk und leicht gelbfruchtig, im Mund deutlich kräftiger als in der Nase, saftig-schmelzig, lang. • 2020 Riesling Ried Preussen, Weingut Cobenzl, 13,5 %. Blütenduft, vor allem Flieder, leicht kalkig und Zitrus, hellgelbe Frucht, im Mund mit Schmelz und Saft. • 2020 Riesling Ried Rosengartel, Weingut Wieninger, 13,5 %. Sehr leicht hefig, Zitrus und Kalk, im Mund saftig, Zitrus und Grapefruit, dicht.

ÖTW Wiener Gemischter Satz Insgesamt standen 11 Gemischte Sätze zur Verkostung an. 94/95 von 100

• 2019 Wiener Gemischter Satz Ried Himmel, Weingut Edlmoser, 13,5 %. Potpourri an Blüten und Frucht, enorm vielschichtig, etwas deutlicher Holunder und Marille, im Mund saftig mit Schmelz, lang.

ÖTW Blaufränkisch Insgesamt standen 11 Blaufränkisch zur Verkostung an. 94/95 von 100

• 2019 Blaufränkisch, Ried Spitzerberg-Obere Roterd, Weingut Dorli Muhr, 13 %. Brioche-hefig, rotbeerig, im Mund vielschichtige rote und dunkle Frucht, auch etwas Graphit, lang, saftig, dicht, elegant.

93/94 von 100

• 2019 Blaufränkisch Ried Kirchweingarten, Weingut Artner, 13,5 %. Schlehe und Eichenspäne und Aronia, im Mund deutliche Bitternote, herb, adstringierend, 10 Jah­ re vergessen. • 2019 Blaufränkisch Ried Spitzerberg-Kranzen, Weingut Dorli Muhr, 13,5 %. Rotbeerige Frucht, dezentes Holz, im Mund herb, Schlehe, säuerlich-saftig, viel zu jung. • 2019 Blaufränkisch Ried Spitzerberg-Obere Spitzer, Weinbau Dietrich, 14 %. Rotbeerig, mit Kirschen und leicht speckiger Note, im Mund elegant und transparent, saftig und mit gewisser Länge.

92/93 von 100

• 2019 Blaufränkisch Ried Bärnreiser, Weingut Walter Glatzer, 13,5 %. Pflaume, Nelke, Piment, etwas Sternanis und dezent Zimt, im Mund zudem Zedernholz und eine herbe Note, auch etwas Graphit, Spaßwein.

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• 2019 Blaufränkisch Ried Kirchweingarten, Weingut Dorli Muhr, 13 %. Pflaume und Aprikose, leicht ätherisch, Rosmarin und Thymian, im Mund herb-bitter, viel zu jung

ÖTW Zweigelt Insgesamt standen 11 Zweigelt zur Verkostung an. 93/94 von 100

• 2019 Zweigelt Ried Haidacker, Weingut Lukas Mar­ kowitsch, 13,5 %. Deutlich ätherisch-steinig, im Hinter­ grund rote und dunkle Früchte, Holz so gut wie nicht riechbar, im Mund Schlehe, Aronia, Graphit, sehr klar und elegant, saftig, adstringierend, zu jung. • 2019 Zweigelt Ried Schüttenberg, Weingut Philipp Grassl, 13,5 %. Kirsche, Kirschkerne, etwas Pflaume, auch Graphit, Holz sehr fein, im Mund Schlehe, Aronia, fast opulent und trotzdem elegant, adstringierend, zu jung. • 2019 Zweigelt Ried Steinäcker, Weingut Artner, 13,5 %. Rote und dunkle Frucht, feines Holz, im Mund etwas Rhabarber, Aronia, elegant, adstringierend, zu jung.

92/93 von 100

• 2019 Zweigelt Ried Aubühl, Weingut Gottschuly Grassl, 14 %. Kirsche, helle und dunkle Pflaume, feines, dezen­ tes Holz, im Mund Schlehe, saftige und frische Säure, Tannine noch sehr präsent, zu jung. • 2019 Zweigelt Ried Haidacker, Weingut Walter Glatzer, 13,5 %. Kirsche und etwas Aprikose, sehr feines Holz, im Mund auch eine leichte Tabaknote, Schlehe, Kirschker­ ne, adstringierend, saftig, zu jung. • 2019 Zweigelt Ried Kirchweingarten, Weingut Ger­ hard Markowitsch, 13,5 %. Rote und dunkle Beeren, ein Hauch animalisch, Holz kaum riechbar, im Mund sehr saftig, eine Spur von Graphit, adstringierend, zu jung.

harmonisch trotz noch deutlicher Adstringenz, Eleganz und Fülle, lang, großes Potenzial, viel zu jung.

94/95 von 100

• 2019 Zweigelt/Merlot/Cabernet Sauvignon Ried Bärn­ reiser, Weingut Franz & Christine Netzl, 14 %. Deutlich Holz, aber nicht erschlagend, im Hintergrund dunkle und rote Frucht, im Mund Schlehe, saftig und kräftig, sehr lang, Potenzial.

93/94 von 100

• 2019 Zweigelt/Blaufränkisch/Merlot Ried Rosenberg, Weingut Gerhard Markowitsch, 14 %. Dunkle Früchte (Heidelbeere, Brombeere, Kirsche) mit einem Touch ro­ ter Frucht, feines, aber deutliches Holz, im Mund zusätz­ lich Schlehe und ein Anklang an Graphit, saftig, adstrin­ gierend, zu jung. • 2019 Zweigelt/Merlot Ried Rosenberg, Weingut Ger­ hard Pimpel, 14 %. Dunkelbeerige, reife Frucht mit An­ klang an rote Beeren, Holz dezent, im Mund erscheint die Frucht deutlich kräftiger, sehr saftig, adstringierend, trinkt sich trotzdem schon jetzt mit großem Vergnügen, jung mit Potenzial.

ÖTW Leithaberg weiß Insgesamt standen 8 Chardonnays, 6 Weißburgunder, 5 Grüne Veltliner und 2 Neuburger zur Verkostung an. 95/96 von 100

• 2019 Chardonnay Ried Bergschmallister, Anita und Hans Nittnaus, 13,5 %. An Streuselkuchen mit Apfel und Vanillesoße erinnernde Nase, auch Milchreis, dezent Brotkruste, mittelgelbe Frucht, sehr dezent, im Mund saftig-schmelzig, mit Zug, Tiefe und Länge, sensationel­ ler Charakterwein!

94/95 von 100

ÖTW Zweigelt-Cuvées Insgesamt standen 11 ZweigeltCuvées zur Verkostung an. 95/96 von 100

• 2019 Zweigelt/Blaufränkisch/Merlot Ried Rosenberg, Weingut Martin Netzl, 13,5 %. Leicht ätherische Note, dunkel und rotbeerige Frucht, sehr feines Holz, im Mund Frucht noch vielschichtiger als in der Nase, saftig, sehr

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• 2019 Chardonnay Ried Freudshofer, Anita und Hans Nittnaus, 13,5 %. Mittelgelbe Frucht, sehr dezent Bri­ oche, im Mund Substanz und Länge. • 2019 Chardonnay Joiser Ried Henneberg, Martin Pas­ ler, 13,5 %. Hellgelbe Früchte, feines, perfekt integriertes Holz, sehr dezent kalkig-feuersteinig, im Mund zusätzlich ein Hauch von Ananas und Apfel, elegant.

93/94 von 100

• 2019 Weißburgunder Ried Golden Erd, Erwin Tinhof, 14 %. Leichte Blüten, duftig, etwas traubig mit gelben Früchten, im Mund mit Saft und Kraft und Länge.

ÖTW Leithaberg und Eisenberg Blaufränkisch Insgesamt standen 43 Blaufränkisch zur Verkostung an. 94/95 von 100

• 2018 Blaufränkisch Kleinhöfleiner Ried Kirchberg, Er­ win Tinhof, 13,5 %. Kirsche, Pflaume, feines Holz, im Mund auch leicht Graphit, sehr viel Substanz, Kraft und Saft, trotzdem mit gewisser Eleganz. • 2018 Blaufränkisch Ried Szapary Alter Garten, Weine Thom Wachter, 13 %. Tiefdunkle Kirschfrucht, etwas hel­ le Pflaume, Graphit und feines Holz, im Mund ordentlich Kraft mit Druck am Gaumen. • 2018 Blaufränkisch Ried Saybritz, Weine Thom Wachter, 13 %. Kräftige, eingekochte Frucht (Pflaume, Kirsche), et­ was ätherisch, dezent Graphit, im Mund saftig-schmelzig, fast elegant, trotz intensiver Frucht, raue Tannine. • 2018 Blaufränkisch Ried Fasching, StephanO, 14,5 %. Fruchtig-kräutrig, Aronia, Schlehe, helle Pflaume, dezent Koriander, Thymian und Garrigue, im Mund kräftig und dicht, aber nicht aufdringlich. • 2019 Blaufränkisch Ried Reihburg, Kopfensteiner, 13,5 %. Himbeer-Brombeer-Portwein-Reduktion, leicht Cassis, dezent Holz, im Mund ausgewogen und lang. • 2019 Blaufränkisch Ried Weinberg, Krutzler, 13,5 %. Pflaume, Kirsche, Kirschkerne, dezent steinig, im Mund mit sehr viel Substanz und Druck, Tannine noch rau, lang und nachhaltig, Potenzial.

ÖTW Steiermark Insgesamt standen 39 Sauvignon Blancs, 13 Chardonnays/Morillons, je zwei Rieslinge, Grau- und Weißburgunder sowie zwei Cuvées aus Morillon, Sauvignon Blanc und Riesling zur Verkostung an. 95/96 von 100 • 2019 Sauvignon Blanc Ried Hochgrassnitzberg, Polz, 13,5 %. Kräftige Frucht, auch typisch SB, aber nicht auf­ dringlich, eher verhalten-ausgewogen, im Mund Stachel­ beere deutlicher, Frucht vielschichtiger, saftig, herb, mit Kraft, Druck und Länge.

• 2019 Sauvignon Blanc Ried Pössnitzberg Alte Reben, Erwin Sabathi, 13 %. Feuerstein und Holz dominieren, Frucht in der Nase kaum erkennbar, im Mund ausgewo­ gener auch mit Fruchtnoten, vor allem Apfel und Physa­ lis, sehr feste Struktur und Länge, saftig mit gewissem Schmelz, braucht Zeit. • 2018 Sauvignon Blanc Ried Zieregg Vinothek Reserve, Tement, 13,5 %. Typische SB-Nase, allerdings ausgewo­ gen-zurückhaltend (Feuerstein, Stachelbeere, Brennnes­ sel, etwas tropische Frucht), im Mund wie in der Nase diese sehr schöne Harmonie von Fülle und Saftigkeit. 94/95 von 100 • 2017 Sauvignon Blanc Ried Hochgrassnitzberg, Polz, 14 %. Dezent Feuerstein, Stachelbeere und Brennnessel, im Mund dem 2019er sehr ähnlich, allerdings erkennbar reifer. • 2017 Sauvignon Blanc Stradner Alte Reben, Neumeis­ ter, 13,5 %. Duft leicht angebrannter Früchtekuchen, auch feine SB-typische Frucht verhalten im Hintergrund, im Mund nichts mehr an Backblech, SB-Frucht fein und nicht dominant, Substanz und gewisser Druck. • 2019 Sauvignon Blanc Ried Pössnitzberg, Erwin Sabathi, 13 %. Ausgesprochen fruchtig, Aprikose und Orange und etwas Stachelbeere, im Mund zudem Anklang an tropi­ sche Früchte, saftig-schmelzig, lang. • 2015 Sauvignon Blanc Ried Nussberg, Gross, 13,5 %. Ätherisch-duftig, Aprikose und tropische Früchte, im Mund füllige Fruchtaromen, aber auch saftig und gewis­ ser Schmelz, Druck und ordentlich Kraft, gewisse Länge. • 2017 Sauvignon Blanc Ried Sulz, Gross, 13,5 %. Verhal­ tene Nase für SB, dezent Aprikose und Weinbergpfirsich, auch ein Hauch von Stachelbeere, im Mund kräftigere Frucht, sehr ausgewogen und harmonisch. • 2019 Sauvignon Blanc Ried Schusterberg, Maitz, 12,5 %. Feine, vielschichtige SB-Nase (Stachelbeere, Brenn­ nessel, Aprikose und tropische Früchte), im Mund dezent Holz, saftig, kräftig und lang, trinkt sich jetzt schon sehr gut, die 12,5% Alkohol reichen vollkommen aus! • 2019 Chardonnay Ried Pössnitzberg Alte Reben, Erwin Sabathi, 13 %. Dominantes Holz, im Hintergrund helle Frucht, im Mund sehr kräftig und substanziell, sehr leicht herb, lang, viel zu jung, mindestens 5 Jahre vergessen. • 2019 Morillon Ried Steinbach, LacknerTinnacher, 13 %. Ausgewogene Nase zwischen feinem Holz und gelben Früchten, ordentlich Druck am Gaumen, ohne aufzutra­ gen, gewisse Saftigkeit und guter Trinkfluss, wirkt auf­ grund seiner Ausgewogenheit unspektakulär, hat jedoch Potenzial für etliche Jahre.

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Mein Fazit Exzellent organisierte Veranstaltung für WineProfessionals, sehr gute bis herausragende Weine, repräsentative Übersicht zu den Spitzenlagen und den Spitzenwinzern. Eine Veranstaltung, die den hervorragenden Ruf österreichischer Weine festigt und die zeigt, was man erreichen kann, wenn man

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Joachim A. J. Kaiser, Foto: Anna Stöcker

an einem Strang zieht.

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Foto: Weingut Clemens Strobl

Clemens Strobl & Günther Jauch

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Zwei Seiteneinsteiger präsentierten in Österreich AUTOR: R U D O L F K N O L L

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s war ein Treffen der besonderen Art: Zwei beruflich erfolgreiche Unternehmer, die in ihrer Branche gut verdienten, beschlossen vor gut zehn Jahren, Wein-Seiteneinsteiger zu werden. Die Rede ist vom im TV fast allgegenwärtigen Moderator Günther Jauch und von Clemens Strobl, einem Linzer Werbekaufmann, der eine erfolgreiche Agenturgruppe führte, die Kunden wie Hofer (Aldi), Kattus, Pernot Ricard, voestalpine und Stadt Wien betreute. Dass Jauch (65) das Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar 2010 übernahm, war auf verwandtschaftliche Beziehungen zurückzuführen. Er fährt gut damit, weil er sich vor Ort auf den erfahrenen Betriebsleiter Andreas Barth verlassen kann. Das österreichische Gegenstück Strobl (52) hatte keinen familiären Hintergrund, sondern wollte zunächst nur reinschnuppern in die Szene und möglichst selbst Wein erzeugen. Ein Winzerfreund riet ihm von seinem ursprünglichen Plan ab, sich in Slowenien zu versuchen, und verwies auf die Entwicklungsmöglichkeiten in der aufstre­ benden Region Wagram. Und hier traf man sich jetzt mit zahlreichen Freunden und Geschäftspart­ nern hauptsächlich von Strobl in dessen neuem, nach einigen Jahren Bauzeit fertiggestelltem Betrieb in Kirchberg-Mitterstockstall zum „Ten Years After“, obwohl eigentlich schon elf Jahre seit dem Einstieg der beiden in die Wein­ szene vergangen waren. Aber 2020 stand die Pandemie im Weg, etliche Ver­ anstaltungen wurden ins nächste Jahr verlagert. Jauch, der gern mit seiner Frau Thea selbst auf Messen präsentiert, hatte Strobl bei einem solchen An­ lass kennengelernt. Man erkannte die Gemeinsamkeit, hielt Kontakt, schloss Freundschaft. Und so war ein gemeinsamer Auftritt durchaus naheliegend. Dass er in Österreich stattfand, hing damit zusammen, dass Strobl genügend Platz für eine Hundertschaft Besucher bieten kann und bei der Gelegen­ heit gleich das neue, aus einer Ruine wiederhergestellte Weingut vorstellen konnte. Er machte auch deutlich, dass er selbst beim Weinmachen mitredet und schnell nach seinen Anfängen gelernt hat, als Winzer auf eigenen Füßen zu stehen. Im Keller blitzen Stahltanks neben Holzfässern, dazwischen stehen

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einige Betoneier. Nach der spontanen Gärung ist viel Schonung angesagt und sehr wenig Technik. Da war nicht mehr die Rede davon, dass er eigentlich als Hobbywinzer begann und erst so recht auf den Geschmack kam, als ihm bewusst wurde, dass auf seiner Startfläche von zwei Hektar viel mehr Wein gewachsen war, als er jemals trinken konnte. Inzwischen ist er nicht mehr wie anfangs in Feuersbrunn zuhause. Und er gebietet über rund 15 Hekt­ ar Reben. Auch die Zukunft des Weingutes ist schon gesichert. Sohn Lukas machte nach einem Studium International Wine Business in Krems Praktika bei Clemens Busch an der Mosel und bei Franz Gojer in Südtirol, zwei prä­ genden Adressen. Günther Jauch hat natürlich seinen angestammten Beruf als TV-Moderator nicht aufgegeben. Er musste sich in den ersten Jahren in seinem „Nebenjob“ an der Saar langsam mit dem Wein, dessen Besonderheiten und Sprache ver­ traut machen. Aber es war schon beachtlich, wie souverän er an dem Abend im Hause Strobl für ein fachkundiges Publikum seine Riesling-Kollektion er­ läuterte. Er plauderte über deutliche Schiefernoten beim Riesling Max 2019, empfahl zur fruchtigen Spätlese aus dem Altenberg Wiener Schnitzel mit Preiselbeeren, erläuterte, was Großes Gewächs bedeutet, und sah schon et­ was in die Zukunft bei der Geschmacksrichtung: „Wir streben ein Verhältnis fünfzig zu fünfzig trocken und fruchtig an.“ Außerdem berichtete er, dass er schon mal Spätburgunder pflanzen wollte, ihm aber abgeraten wurde. Doch ein kleines Areal wurde trotzdem gewagt. Jetzt reift, wohl erstmals in der langen, bis ins 16. Jahrhundert zurückreichenden Geschichte des Weingutes von Othegraven, Rotwein in etwa 500 Flaschen heran. Clemens Strobl hat zwangsläufig mehr Erfahrung mit Pinot Noir, den er als Hengst betitelt und der für mehr als 110 Euro im gut sortierten Fachhandel zu finden ist. Der aktuelle Jahrgang 2018 ist sehr geschmeidig geraten, keines­ wegs protzig, sondern elegant – und braucht noch einige Reifejahre. Bei seinen Weißweinen gibt Strobl teilweise Hinweise über Bodenformationen (Grüner Veltliner und Riesling Donauschotter, Grüner Veltliner Lössling). Besitz hat er mittlerweile in den drei Weinbaugebieten Kremstal, Kamptal und Wagram. Und aus allen Fluren holt er beachtliche Weine heraus, die er in seinen Texten – schließlich war er mal Werber – präzise zu beschreiben weiß. n

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Kein Impfstoff für das Klima AUTOR: A R T H U R W I R T Z F E L D

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chlechtes Wetter in Europas führenden Weinerzeugerländern wird in diesem Jahr zu einer extrem geringen Weinproduktion führen. Die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) teilte jetzt mit, weltweit werde die Produktionsmenge voraussichtlich bei rund 250 Millionen Hektolitern liegen, das seien vier Prozent weniger als im vergangenen Jahr und sieben Prozent weniger als im 20-JahresDurchschnitt. „Die Weinproduktion 2021 kann als extrem gering betrachtet wer­ den, nur knapp über der historisch schlechten Ernte von 2017“, er­ klärte die Branchenvereinigung mit Sitz in Paris. Dies sei das Ergebnis ungünstiger Klimabedingungen, die die größten Weinerzeugerländer in Europa in diesem Jahr schwer getroffen hätten.

Italien, Spanien und Frankreich sind die größten Weinproduzenten der Welt und für 45 Prozent der Gesamtmenge verantwortlich. Ihr Ertrag sei wegen Spätfrost im Frühjahr, Hagelstürmen und sintflutartiger Regenfälle um 22 Millionen Hektoliter im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Die französische Weinproduktion war so niedrig wie zuletzt 1957, sie rutschte erstmals seit 2013 auf Platz drei hinter Spa­ nien.

Mit der Corona-Pandemie seien die Weinbauern relativ gut zurechtgekommen, sagte OIV-Generaldirektor Pau Roca bei einer Online-Pressekonferenz. Nun seien sie „mit einem viel größeren Problem als der Pandemie konfrontiert: dem Klima­ wandel“. Ungünstige Wetterereignisse werden immer häufiger. Für den Klimawan­ del gebe es zwar „keinen Impfstoff“, aber langfristige Lösungen, die größere An­ strengungen erfordern hinsichtlich nachhaltiger Praktiken für den Weinbau und die Weinproduktion. Die Weinindustrie müsse sich „dringend“ anpassen, forderte der Spanier Roca.

Aufatmen im Weinland Deutschland – nur marginale Einbußen – besonders fruchtbetonte Aromen

2021: Weltweit extrem niedrige Weinproduktion

Im weltweiten Vergleich fallen die deutschen Weinhersteller aus der Reihe – sie konnten ihre Produktion um vier Prozent steigern. Trotz der vielen Niederschlä­ ge in diesem Jahr rechnen deutsche Winzerinnen und Winzer mit insgesamt „guten Weinqualitäten“. Die geschätzte Erntemenge werde mit 8,7 Millionen Hektolitern nur leicht unter dem langjährigen Mittel liegen, erklärte das Deutsche Weinins­ titut (DWI) in einer Pressemeldung. Die Weinlese habe „relativ spät“ eingesetzt – das habe aber den Vorteil, dass die Aromen in den Beeren während der warmen Herbsttage und kühlen Nächte „besonders gut ausgeprägt werden konnten“. Entsprechend „fruchtbetont“ seien die 2021er-Weine, erklärte DWI-Geschäftsfüh­ rerin Monika Reule. „Sie fallen zudem deutlich schlanker aus als in den letzten sehr warmen Jahren und bringen eine frische, animierende Fruchtsäure mit.“ Die Erträge seien regional sehr unterschiedlich – die Erntemengen in den 13 Wein­ baugebieten reichten von extrem gering bis außerordentlich gut, erklärte das DWI. Die Winzerinnen und Winzer an der von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Ahr hätten dank großer Hilfsbereitschaft und Solidarität eine für diese Verhältnisse gute Ernte einbringen können. n

Foto: Tim Mossholder

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Im Land der tausend Hügel Mit den Weinmajestäten unterwegs AUTOR: H E R B E R T H E I L Foto: DWI

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GERMAN WINE AMBASSADORS Eva Lanzerath Anna-Maria Löffler Eva Müller Die junge Generation zeigt mehr und mehr Interesse an Wein. Und vielfach sind es diesbezüglich gerade die jungen Frauen, die wissbegierig sind und mehr über Winzer und Rebensaft erfahren wollen. Bei einer Tagesreise mit den drei deutschen Weinmajestäten durch das größte deutsche Anbaugebiet Rheinhessen mit rund 26.860 Hektar Rebfläche wurde dies mehr als bestätigt. Es waren die letzten Amtshandlungen der Deutschen Weinkönigin Eva Lanzerath und ihrer Prinzessinnen Anna-Maria Löffler und Eva Müller in einem von Corona geprägten Jahr mit weit weniger Terminen als normalerweise üblich. Die Weinladies outeten sich als wahre Expertinnen, fachkundig, engagiert und absolut kompetent. Bei ihrer Tour durch Rheinhessen, das Land der tausend Hügel, punkteten sie neben ihrem Weinwissen auch mit ihrer Ausstrahlung und ihrem sicheren Auftreten als „German Wine Ambassadors“.

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m Weingut Dreissigacker „In den Reben 1“ in Bechtheim ließen sich die drei jungen Frauen zunächst den modernen Weinkeller zeigen, der von Anbeginn perfekt durchdacht wurde. Jeder Weinstil hat dort seinen eigenen Platz mit der jeweils passenden Temperatur. Winzer Jochen Dreissigacker ist ein Selfmade­ man. Aus dem Familienweingut zog es ihn zunächst hinaus in die Welt der Zah­ len und Paragraphen einer Steuerberatungskanzlei, bevor er zurück zum Weinbau fand. Seit mehr als 15 Jahren führt er nun in bester Öko-Manier das inzwischen 48 Hektar große Weingut. Der Rieslingspezialist steht für kraftvolle und zugleich elegante, mineralische Wei­ ne. Beim spektakulären Neubau mitten in den Bechtheimer Weinbergen war Nach­ haltigkeit das oberste Ziel. So ist die Kellerei teilweise in den Hang gebaut, damit der Boden auf ganz natürliche Weise das Gebäude klimatisieren kann. Photo­ voltaik auf dem Dach sorgt für Strom und geheizt wird mit getrocknetem Trester. Für sein ganzheitliches Betriebs­ konzept wurde Dreissigacker mehrfach ausgezeichnet. Er und sein junges Team geben Vollgas im Marketing und tanzen auf vielen Hochzeiten im Vertrieb. Sie sind auch im Handel und Export stark engagiert und auf den Karten der bes­ ten Restaurants vertreten. Der Direkt­ vertrieb wird über die diversen Social Media-Kanäle vorangetrieben. Die in­ novative Dreissigacker Academy bringt Kunden und Wissbegierige in Sachen Wein auf den aktuellen Stand.

Foto: Jochen Dreißigacker

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www.dreissigacker-wein.de

Foto: Christoph Erbeldinger

ächste Station der drei Hohei­ ten war das Weingut Erbeldinger, ebenfalls in Bechtheim ansässig. Im Erbeldinger’S kocht die gebürti­ ge Tirolerin Gundi und Ehefrau des Juniors eine ländliche Frischeküche auf höchstem Niveau. Mit gesundem Eigen­ sinn und angesagter Kochkunst hat sie die Weingutsküche in kurzer Zeit zu ei­ ner attraktiven gastronomischen Adres­ se im Süden von Rheinhessen gemacht. Zum Mittagstisch gab es folglich eine originelle deutsch-österreichische Li­ aison aus Küche und Keller. Das Wein­ gut ist auch für seine exzellenten Sekte bekannt. Als besonderer Gast gesellte sich Dr. Volker Schaefer, Leiter des Weinbauamts Alzey, zu der illustren Runde, der noch einige goldprämierte Weine im Gepäck hatte, die großen Beifall der Teil­ nehmer fanden. www.weingut-erbeldinger.de

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anach ging es nach Gundersheim. Nachhaltigkeit ist das große Thema beim Besuch im Weingut Wohlgemuth-Schnürr. Als eines der ersten Güter in Rhein­ hessen wurden die Winzer Alexandra Damm und Andreas Schnürr als klima­ neutrales Unternehmen zertifiziert. In Zusammenarbeit mit dem Nachhal­ tigkeits-Consulting „Fokus Zukunft“ wurde über ein Jahr lang die CO2-Bilanz des Betriebs überprüft und ein Maßnahmenplan zur Reduzierung der Emissionen umgesetzt, bevor abschließend das Zertifikat verliehen werden konnte. Bereits im vergangenen Jahr wurde das Weingut durch das Deutsche Institut für nachhaltige Entwicklung (DINE) in Heilbronn mit dem FairChoise-Label ausgezeichnet. Und so nimmt es nicht Wunder, dass die Piwis das zweite Ausrufezeichen in diesem bo­ denständigen und dennoch innovativen Weingut sind: Auf mehr als 50 Prozent der Rebfläche wachsen pilzresistente Rebsorten wie Cabertin, Muscaris oder Johanniter. Damit sind die beiden Gun­ dersheimer Agraringenieure mit ihrer Passion für den Weinbau zugleich er­ klärte Piwi-Protagonisten und Vorreiter bei diesen Sorten, weit über Rheinhes­ sen hinaus. Dazu kommt ihr Faible für die historische Rebsorte Malvasier, einst Lieblingswein des Reformators Martin Luther. Inzwischen arbeitet das Weingut als echter Familienbetrieb: Neben Alex­ andra Damm und Andreas Schnürr sind auch die Söhne Benedikt und Tristan im Weingut aktiv.

der Deutschen Bahn mit einem leicht-fruchtigen, halbtrockenen Merlot Rosé. Die Rheinhessen-Kollegen schätzen sein großes Engagement für den Berufsstand und das Gemeinschaftsmarketing. Eine Herzensangelegenheit ist ihm sein Projekt „wur­ zel&wind – wine for friendship“, mit dem er die Young Farmers‘ Federation of Ugan­ da unterstützt. Julia Oswald absolviert zurzeit den Masterstudiengang Weinwirtschaft an der Jus­ tus-Liebig-Universität Gießen. Auslandsaufenthalte während ihres Studiums Wein­ bau und Oenologie an der Hochschule Geisenheim führten sie an die University of Copenhagen und nach Kanada zur Poplar Grove Winery. Im Familienweingut Burg­ hof Oswald in Guntersblum ist sie seit 2016 als Winemakerin tätig und arbeitet par­ allel dazu als Werkstudentin für die Erbslöh Geisenheim GmbH. www.weinfuersleben.de

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er Espenhof im Flonheimer Ortsteil Uffhofen war die letzte Station des Tages. Zusammen mit Ehefrau Laura, seinen Eltern Heike und Wilfried sowie Schwes­ ter Lena führt Nico Espenschied das Familienweingut mit Landhotel und Wein­ restaurant. Ihre Weinberge liegen in der Uffhofener Lage La Roche, wo der Boden aus rotliegendem Urgestein besteht, sowie in den Flonheimer Lagen Rotenpfad, Geisterweg und Binger Berg. Vielfalt heißt die Devise in diesem Betrieb. An diversen Rebsorten herrscht kein Mangel. Neben den klassischen Sorten findet man auch einen Manzoni Bianco, einen Grünen Veltliner sowie Syrah und Cabernet Franc.

www.wohlgemuth-schnuerr.de Foto: Alexandra Damm & Andreas Schnürr

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ext Stop beim Jungwinzer des Jahres David Spies in Dittelsheim-Heßloch. David Spies und Winzer-Kollegin Julia Oswald empfingen die drei Weinladies stan­ desgemäß und voller Freude. Die beiden wurden im Jahr 2020 von der DLG als Jungwinzer des Jahres ausgezeichnet, David mit dem ersten und Julia mit dem zweiten Platz. Von der Ortsmitte ging es dann mit dem Planwagen in die Weinberge. Schnell wurde klar, warum Rheinhessen auch als „das Land der tau­ send Hügel“ bezeichnet wird. Hausherr David Spies studierte erfolg­ reich Weinbau und Oenologie an der Hochschule Geisenheim und sammel­ te weitere Praxiserfahrung, unter an­ derem in Österreich. Seit 2014 trägt er Verantwortung als Betriebsleiter für das Familienweingut mit voller Unterstüt­ zung seiner Eltern. Der DLG-Jungwin­ zer des Jahres 2020 hat ein Faible für Cuvées und kann mit seiner Sortenviel­ falt aus dem Vollen schöpfen. Aktuell bereichert David Spies die Weinkarte

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Foto: David Spies

Nach dem Abschluss seines WeinbauStudiums in Geisenheim hat Nico Espen­ schied die Regie über die Arbeiten im Weinberg und im Keller übernommen. Wichtige Impulse für sein Weinverständ­ nis gaben ihm seine Auslandsaufenthalt in Burgund, Sonoma Valley oder im Bur­ genland, vor allem, was das Vertrauen in die Natur angeht und was das Bauch­ gefühl betrifft. Ergebnis sind authen­ tische Weine, die mit jedem Jahrgang ein Stückchen mehr Heimat ins Glas bringen. So wundert es nicht, dass Nico Espenschied einer der führenden Natur­ wein-Protagonisten in Rheinhessen ist.

Foto: Nico Espenschied

Das Multitalent hat inzwischen seine eigene Marke aufgebaut und gestaltet die Etiketten selbst. Über all dies gab der sympathische Allrounder den Ma­ jestäten eloquent Auskunft. Besonders sein Weinprojekt mit dem Musikproduzen­ ten und DJ Fritz Kalkbrenner interessierte die jungen Weinbotschafterinnen. Beim Abendessen wurde so manche lustige Anekdote erzählt. Und so ging ein wunder­ voller Abend mit feinen, außergewöhnlichen Weinen zu Ende, die alle Nicos Hand­ schrift trugen. Weinfreunde aus nah und fern sind übrigens an jedem Donnerstag unter dem Motto „Wein in Flammen“ im Hof des Weinguts eingeladen, zu speisen und die besonderen Weine zu verkosten. n www.espenhof.de

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MOSEL Von steilen Lagen und köstlichen Geschmackserlebnissen AUTOR: H E R B E R T H E I L Foto: Thorsten Melsheimer

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teile Weinberge, malerische Winzerorte, mittelalterliche Burgruinen, römische Kelteranlagen, gemütliche Straußwirtschaften und feine Restaurants: In Deutschlands ältester Weinregion warten hinter jeder Flussbiegung – und davon gibt es viele – neue Perspektiven und genussreiche Entdeckungen. Apropos Genuss! Nicht nur die Moselweine bieten vielfältigen Genuss. Es sind auch die kulinarischen Momente, die an der Mosel überraschen. Eine Vielzahl von kleinen und größeren Produzenten lassen mit ihren ess- und trinkbaren Erzeugnissen die Herzen höherschlagen. Ob Fisch, ob Fleisch (insbesondere Wildbret), ob Weinbergpfirsich, Käse oder Gin, immer ist regional die erste Wahl.

Traben-Trarbach ist Ausgangspunkt unserer Expedition. Das Städtchen wimmelt nur so von Jugendstil-Preziosen. Besonders imposant ist die Villa Huesgen wenige Schritte vom Moselufer entfernt. Sie stammt aus der Blütezeit des Weinhandels, als von hier noch der Riesling in alle Welt verschickt wurde. Der Berliner Architekt Bruno Möhring hat sie erbaut. Fertig gestellt wurde sie 1904, eine Million Goldmark soll sie gekostet haben. Hausherr ist heute Adolph Huesgen junior, der Achte, kurz „Ado“ genannt. Er führt die Familiengeschäfte des Weinguts Villa Huesgen. Knapp sechs Hektar umfasst sein Betrieb. Meist sind es Schiefersteillagen im Trabener Würzgarten, Enkircher Steffensberg oder Herrenberg. Bewirtschaftet wird im Einklang mit der Natur. Spontane Vergärung und langes Hefelager gelten als Credo. Uralte Rebstöcke, mit einem Alter von bis zu über 100 Jahren, ergeben konzentrierte Weine mit hohem Alterungspotenzial. Aushängeschilder neben dem Riesling Sekt Brut sind die trockene Spätlese Alte Reben sowie die Auslese 2018 aus dem Enkircher Zeppwingert. Neben der Villa Huesgen ist das Hotel Bellevue in Traben-Trarbach ein weiteres

Käse und Wein beim Biodynamiker Thorsten Melsheimer Steilhänge sind der Schatz der Mosel, heißt es. Und das stimmt hundertprozentig. Allerdings braucht es enormen Einsatz, um diesen Schatz in die Flasche zu bringen. Thorsten Melsheimer hat diesbezüglich die Zeichen der Zeit erkannt. Er ist Winzer durch und durch und seit 1995 ökologisch unterwegs, was die Sache nicht einfacher macht. Zumal in diesem regenreichen Jahr. Lange Zeit war er der einzige Biodyna­ miker an der Mosel, seit 2013 Demeter-zertifiziert. Von 2011 an gab es für Melshei­ mer nur noch Schwefel als einzigen Zusatz für seine Weine. Inzwischen exportiert er in 25 Länder der Erde. Der groß gewachsene, in sich ru­ hende Melsheimer hat den Weinort Reil vorangebracht, ihn weggeführt von der unseligen Konzentration auf die Großlage. Sein trockener Spitzenwein Molun aus der felsigen Lage Mullay-Hofberg ist sein gan­ zer Stolz. „Zweieinhalb Jahre hat der Wein in bis zu 60 Jahre alten Fuderfässern gegoren, das ist sehr typisch für meine Art, Wein zu ma­ chen“, erzählt Melsheimer. Der Molun, Jahrgang 2018, wird von Küchenchef und Gastgeber Chris­ toph Heim im Reiler Hof in Heim’s Restaurant zum feinen Kalbskopf serviert. Eine famose Kombination. Wolfgang Schultz-Balluff, der frü­ here Leiter einer Demeter-Käserei in Euskirchen und großer Ries­ ling-Fan, träumte davon, Käse mit restsüßen Rieslingen zu affinieren. Thorsten Melsheimer bot ihm den alten Weinkeller unter seinem Gäs­ tehaus an, der sich dafür als idealer Ort erwies. Seit 2018 reifen dort von Hand erzeugte Käse aus Wei­ de- und Heumilch vom Schwalben­ hof im Hunsrück nach dem Motto „Wein küsst Käse“: alle zwei Tage mit Riesling ein- und abgerieben, über Monate, manchmal sogar Jahre. Das Ergebnis: einmalige, mit dem Alter immer würziger werden­ de Käsespezialitäten.

Kleinod, das außen wie innen Jugendstil pur bietet. Foto: Weingut Melsheimer

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Mit Moselfischer Thomas Weber unterwegs Die Gelegenheit, Berufsfischern an der Mo­ sel bei ihrer Arbeit zuzuschauen, bietet sich relativ selten. So etwa dann, wenn sie ihre Reusen im Fluss absetzen oder sie später samt den darin gefangenen Fischen heben. An der Mittelmosel sind das eher ungewohnte Bilder. Dabei wird entlang des Flusses wie eh und je Fischerei betrieben, wofür Berufsfischer Ge­ wässerabschnitte, jeweils von Schleuse zu Schleuse, pachten.

Foto: Thomas Weber

Einer von ihnen ist Thomas Weber. Einst ange­ hender Ingenieur, hat er sich dann doch anders entschieden, um die Familientradition fortzu­ führen. Heute setzt er als einziger hauptberuf­ licher Moselfischer Netze aus. Seine Arbeit ist wichtig. Ihr kommt eine wichtige Rolle beim Er­ halt des Ökosystems des Flusses zu, abgesehen davon, dass Thomas Weber für die offizielle Aalschutzinitiative Reusen aussetzt.

Darüber hinaus lässt er sich Maßnahmen für invasive Schwarzmeergrundeln und Signalkrebse einfallen und hat als Fischwirt­ schaftsmeister die Fischzucht der Abtei Himmerod übernommen. Die fangfrischen oder geräucherten Fische liefert er an Restaurants. Im kommenden Jahr sollen das eigene Restaurant „Zum Moselfischer“ und Erlebnistouren mit Booten für Ferien­ gäste folgen.

Pelzige Früchtchen aus den Weinbergen Diese Frucht ist ’ne Wucht. Über Jahrhunderte wuchs der Weinbergpfirsich entlang der Mosel in guter Nachbarschaft zu den Weinreben und prägte das Landschafts­ bild. Doch seit den 1970er-Jahren gaben immer mehr Winzer auf: Der Weinbau in den schwierig zu bewirtschaftenden Steillagen zahlte sich nicht mehr aus. Und mit den Reben verschwanden auch die „Pesch“, wie die Moselaner den roten Wein­ bergpfirsich nennen. Doch langsam kehrt die Frucht zurück. Markus und Meta Dreis aus Bremm haben etwa 450 Pfirsichbäume im Ertrag.

Auf den ersten Blick wirkt er eher un­ scheinbar, klein und hart, rund und mit pelziger Haut. Aufgeschnitten aber sieht er mit seinem purpurfarbigen Frucht­ fleisch spektakulär aus. Das Paar ver­ arbeitet jährlich 7000 Kilo Weinberg­ pfirsiche zu Marmelade, Senf, Brand und Likör. Er kümmert sich um die Pfle­ ge der Bäume, sie um die Verarbeitung und Vermarktung der Früchte - im Ne­ benerwerb, sozusagen als Hobby. „Das Hobby ist inzwischen ziemlich zeitinten­ siv, aber es macht wahnsinnig viel Spaß und ist ein toller Ausgleich zu meinem eigentlichen Beruf als Mediengestal­ ter“, sagt der Mittvierziger und lacht. Zum roten Weinbergpfirsich kam dann noch ein bisschen Riesling. Und das im supersteilen Calmont.

Foto: Markus und Meta Dreis

Gin vom Echternacher Hof in Kinheim Man mag es kaum glauben, aber es gibt ihn, Gin von der Mosel. Im kleinen Ort Kinheim werden Kenner fündig. Im Jahr 2019 haben sich Silvia Zeimet und Tho­ mas Franzen ihren Traum von einem eigenen Bed & Breakfast erfüllt und den aus dem 13. Jahrhundert stammenden Echternacher Hof gekauft. Inzwischen haben sich die beiden auch in den „Hochprozenter“ Gin verliebt. In kleinen 500-ml-Apotheker­ flaschen bieten sie diese Köstlichkeit an. An Zutaten verarbeiten sie Wacholderbeeren, Weinbergpfirsiche, Thymian, handverlesene Walnüsse sowie weitere Botanicals aus der Moselregion. Der Ginheimer Mosel Dry Gin ist ein ausgefallener Bursche mit sehr feinen Geschmacksnoten. Cheers!

Foto: Ginheimer Destillery

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Tausendsassa Markus Reis und sein Zeltinger Hof Mitten in Zeltingen liegt der Zeltinger Hof von Markus Reis. Ein Mann mit vielen, auch verrückten Ideen, dabei stets innovativ und erfolgreich. Hotel, Dependancen, Zimmer mit einem Wow-Effekt, das alles bietet Reis. Dazu ein Restaurant mit einer Küche, die zwischen Nostalgie und Weltläufigkeit pendelt. Bei ihm kann man jeden der 2000 Weine von der Karte glasweise bestellen, 160 sind im offenen Ausschank. Der Schwerpunkt liegt auf reifen Tropfen. Mit dem Winzer Johannes Selbach vom Weingut Selbach-Oster ist er gut befreundet. Dieser hat aus seinem großen Wein­ fundus nicht nur wunderbare Weine mitgebracht, sondern auch Wildfleisch erster Güte, das aus seiner eigenen Jagd stammt. Seit Jahren spielen seine Weine in den oberen Rängen der deutschen Spitzenweine mit, er selbst bezeichnet sie als unauf­ geregt und zuverlässig. 24 Hektar groß sind seine Rebberge ausschließlich in Best­ lagen von Zeltingen, Wehlen, Graach und Bernkastel. Zum Höhepunkt das Abends wird das Ragout vom Wehlener Hirschkalb, zu dem Johannes Selbach einen eleganten, gut ausbalancierten Pinot Noir ausgewählt hat und zwei herausragende Rieslinge, eine trockene 2012er Zeltinger Schlossberg Spät­ lese und die 1990er Zeltinger Himmelreich Auslese. Letztere besticht durch Eleganz und Reintönigkeit, die Süße ist niemals vordergründig, der Alkohol sehr moderat. Der Wein harmoniert wunderbar zum Fleisch.

Foto: Klaus Herres

Leiwener Sektmacher Herres kann auch Champagner Wohl kein anderer Sektwinzer in Deutsch­ land hat so viele Preise gewonnen wie Klaus Herres aus Leiwen, der aber gar nicht daran denkt, deswegen zum Schaumwein-Snob zu werden. Seit 20 Jahren ist Herres zudem der Hoflieferant von Schloss Bellevue und hat in dieser Zeit sieben Bundespräsidenten ken­ nengelernt. Trotz seiner Liebe zur Champagne, deren Bruderschaft ihn 1999 als einzigen Sekther­ steller in ihre heiligen Reihen aufnahm, ist es Herres nie in den Sinn gekommen, Champa­ gner zu kopieren. Er will Mosel-Sekt machen, besitzt dafür 14 Hektar bester Weinberge zwischen Leiwen und Piesport. Seine Sekte durchlaufen die klassische Flaschengärung, liegen mindestens 18 und meist 24 Monate auf der Hefe.

Foto: Markus Reis

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Das Glanzstück der Kollektion ist die Grande Cuvée aus alten Reben der Klüsserather Bru­ derschaft, die spontan vergoren wird, vier Jahre lang auf der Hefe liegt und ihrem Na­ men alle Ehre macht: ein großer Schaumwein. Bei einem befreundeten französischen Winzer in Le Mesnil-sur-Oger (der Partner­

gemeinde von Leiwen) baut er inzwischen sogar seinen eigenen Champagner aus, tau­ send Flaschen. Seit Ende 2019 ist sein Grand Cru Champagner Brut, Blanc de Blancs, aus­ schließlich aus Chardonnay-Trauben auf dem Markt und heiß begehrt. Heute stellt das Sektgut St. Laurentius aus eigenen Weinen jährlich rund 80.000 Flaschen Sekt her. Seit 1993 betreibt Herres auch Lohnversektung für andere Winzer. Die Gesamtproduktion beläuft sich dadurch auf stattliche 330 000 Flaschen pro Jahr. Wenige Schritte von Herres’ Sektimperium entfernt, wurde ein altes Fachwerkhaus fachgerecht und aufwendig restauriert. Im Grunde ist es ein Teil eines von Mönchen er­ bauten Zehnthofs aus dem Jahre 1485. Es be­ herbergt nun ein Hotel sowie ein feines Res­ taurant mit dem Namen „vierzehn85“. Eine ausgesprochen gute Adresse für Gourmets, wobei der Stil mit einem angenehmen, ja ge­ mütlichen Interieur aufwartet. Küchenchef Bastian Scharf kocht im Rhythmus der Natur und setzt dazu auf regionale Produkte der Saison. Die Gästezimmer und die 100-Quad­ ratmeter-Suite – für 2 bis 6 Personen – sind das i-Tüpfelchen zum Gesamtkunstwerk. Eine echte Empfehlung also! n

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FRANKEN-FUTURE

Das Weinbaugebiet Franken gehört in mehreren Facetten zu den traditionellsten in Deutschland – und findet gleichzeitig seine Wege in die Moderne. AUTOR: M A R C E L F R I E D E R I C H

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Foto: DWI

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Von draußen imposant historisch – innen imposant modern. „Ich hatte selbst die Befürchtung, dass uns das ältere Publikum abhandenkommen könnte“, sagt Philipp Meintzinger, lässt eine kurze Pause, fügt dann aber mit zufriedener Stimme an: „Doch inzwischen spiegeln uns alle Seiten wider, dass uns die Mischung aus Tradition und Innovation gelungen ist.“

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as heute das Weingut und Hotel Meintzinger in Frickenhausen am Main ist, wurde 1457 als Sommerresidenz der Würzburger Fürstbischöfe errichtet. Ein eindrucks­ volles Bauwerk mit historischer Steinfassade. Kein Wunder also, dass früher die sowohl geistlichen als auch weltlichen Machthaber 20 Kilometer weit reisten, um hier in der heutigen 1200-Seelen-Gemeinde Erholung zu finden. Doch schon hin­ ter der Eingangstür ist von den damaligen Zeiten nichts mehr zu sehen. Ganz im Gegen­ teil: Auffällig moderne Sessel und ein Graffiti-artiges Wandbild in der Vinothek, sogar eine Schaukel im Eingangsbereich. Und als Highlight „the Cube“, zu Deutsch: der Würfel – der gläserne und hochmoderne Konferenz- und Verkostungsraum, untergebracht im histori­ schen Dachstuhl des Hauses. Das Weingut und Hotel Meintzinger steht ein Stück weit sinnbildlich für das gesamte Weinbaugebiet Franken. Eine Region zum einen mit besonders starken Wurzeln, mit impo­ santer Historie – mit Blick auf Weingüter, Rebsorten und Flaschenform. Gleichzeitig eine Region, die an vielen Stellen die Schrauben dreht, um dynamisch in die Zukunft zu gehen.

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Stichwort Flaschenform. Na klar: Franken und „sein“ Bocksbeutel. In keinem anderen Weinbaugebiet darf diese Flaschenform genutzt werden. Ohne Frage ein starkes Stück Tradition – aber auch passend für die Moderne? Nein, findet Matthias Stumpf. Nur weni­ ge Meter vom Weingut und Hotel Meintzinger entfernt führt der Topwinzer das Weingut Bickel-Stumpf. Seit dem 2011er-Jahrgang hat er sämtliche Bocksbeutel-Flaschen aus sei­ nem Sortiment gestrichen. Der Grund: „Der Bocksbeutel polarisiert seit jeher, ständig wird über diese Flasche diskutiert, bei manchen ist sie positiv besetzt, bei anderen negativ“, sagt Stumpf und ergänzt: „Für uns ist entscheidend, den Fokus nicht auf die Flaschenform, sondern ausschließlich auf guten Wein zu legen.“ Daher vor zehn Jahren der Schritt weg vom Bocksbeutel. Ganz anders sieht das beim Juliusspital aus, mit 180 Hektar Betriebsfläche das zweitgrößte deutsche Weingut nach Kloster Eberbach. Hier im Würzburger Betrieb werden die Guts­ weine zum Teil, die Ortsweine und Erste Lage Weine sogar komplett in Bocksbeutel ab­ gefüllt. Obgleich die Nachteile der Verkaufsleiterin Tanja Strätz bewusst sind: „Es macht schon einen Unterschied, wenn man den Kühlschrank öffnet und man dort nur zwei, drei Bocksbeutel unterbringt anstatt sechs normaler Flaschen“, sagt sie: „Aber wir setzen hier auf Tradition, weil sie an diesem Ort für uns Sinn macht.“ Schließlich sei der Bocksbeutel ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal, das den Wiedererkennungswert stärke. Über Jahre hinweg hätten sich die meisten Kundinnen und Kunden an die besondere Flaschenform gewöhnt. Und möchten nicht mehr darauf verzichten.

Kurzum: Der Bocksbeutel ist und bleibt eine Glaubensfrage. Wahrscheinlich für immer.

II. Foto: Tim Friederich

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Zweites Stichwort: Rebsorten. Unübersehbar offensiv wirbt Franken dafür, dass hier 1659 erstmals nachweislich eine Silvanerrebe gepflanzt wurde. Konkret in Castell, eine halbe Autostunde östlich von Würzburg gelegen. Bedeutet also – Silvaner-Tradition pur. Und auch Moderne? Sehr wohl, findet Ferdinand Fürst von Castell-Castell vom Fürst­ lich Castell’schen Domänenamt. Er erläutert: „Aufgrund seiner dicken Schale ist der Silva­ ner nicht so sonnen- und hitzeempfindlich wie viele andere Sorten. Im Gegenteil, Silvaner ist die ideale Rebsorte angesichts des aktuellen Klimawandels. Deshalb sehen wir den Silvaner nicht nur als traditionelle Rebsorte an, sondern auch als Rebsorte mit großer Zu­ kunft.“

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Sich komplett auf dem Silvaner „ausruhen“, das will Felix Reich wiederum nicht. Ob des Klimawandels, verrät der Kellermeister von DIVINO, der Winzergenossenschaft Nordheim Thüngersheim, „beschäftigten wir uns seit gut einem halben Jahr mit möglichen alterna­ tiven Rebsorten“. Dies seien Sauvignac, Souvignier Gris und Cabernet Blanc. „Inzwischen“, sagt der 28-Jährige schmunzelnd, „schmecken diese Neuzüchtungen auch nach Wein.“ Was davon letztlich angebaut werde, stehe allerdings noch nicht fest. Und klar ist aller­ dings auch: Der Silvaner behält selbstverständlich seine Relevanz.

Kurzum: Franken könnte mithilfe des resistenten Silvaners zu einer Art Gewinner des Klimawandels werden, ohne dabei jedoch weitere Entwicklungen außer Acht zu lassen.

III.

Drittes Stichwort: Weingüter. Da sind wir zum einen wieder beim Juliusspital. Oder beim Fürstlich Castell’schen Domänenamt. Topweingüter mit jahrhundertelanger Tradition. Oder beim Weingut Meintzinger, das mit seinem dazugehörigen Hotel beein­ druckt. Von draußen imposant historisch – innen imposant modern. Eine besondere Kombination, die der 26-jährige Philipp Meintzinger vorantreibt. Auch wenn er selbst bei seinen Eltern noch Überzeugungsarbeit leisten muss. So habe sein Vater Jochen erst ein einziges Mal den topmodernen Konferenz- und Verkostungsraum „the Cube“ betreten. „Und das war“, verrät der Sohnemann schmunzelnd, „als der Beamer kaputt gewesen ist.“

Kurzum: Der Beamer im Hause Meintzinger ist wieder funktionsfähig – und auch ansonsten wappnen sich die fränkischen Weingüter für die Zukunft.

Tradition und Innovation in Franken – das sagt die „Für Tradition in Franken stehen natür­ lich der Bocksbeutel und die Rebsor­ te Silvaner. Gleichzeitig ist Tra­ dition mit der Leidenschaft der Winzer und ihrer Ver­ pflichtung gegenüber der nächsten Generation verknüpft. Schließlich umfasst der Weinbau eine Art Vertrag, die Rebflächen möglichst gut an die Nachkom­ men weiterzugeben. Der Generationen­ vertrag ist etwas, was es in den wenigsten Branchen in dieser Form gibt. Somit ist die Liebe

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Fränkische Weinkönigin Carolin Meyer: und Leidenschaft eines jungen Winzers, ein Weingut weiterzuführen, eben­ falls mit Tradition verbunden. Innovation ist für mich wiede­ rum ein Momentum. Zwar gibt es immer wieder In­ novationen – mal sind es vielleicht Orange -Weine, mal vielleicht neue Vinotheken. Zum Ende hin ist es aber entscheidend, dass etwas Bleiben­ des entsteht. So kann sich aus einer zeit­ weiligen Innovation irgendwann auch eine Tradition entwickeln.“

Fränkische Weinkönigin Carolin Meyer, Foto: Tim Friederich

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Stefan Böhm, Foto: Weingut Böhm

RETTER AUSGESTORBENER REBSORTEN Foto: Weingut Böhm

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AUTOR: W O L F G A N G J U N G L A S 87


Stefan Böhm vom rheinhessischen Weingut Böhm entdeckte die „ausgestorbenen“ Rebsorten per Zufall, beim Mittagessen: Ein Auszubildender seines Weingutes erzählte ihm 2013 von einem Kontakt auf der Messe, der ihm von wiederentdeckten Rebsorten berichtet hatte. Das Thema faszinierte den Wörrstädter! Stefan Böhm holte sich Rat beim Rebveredler und Winzer Ulrich Martin aus Gundheim – dieser klärte seinen Kollegen über das Projekt „Historische Rebsorten“ auf.

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as Projekt begann damit, dass der Botaniker und Ampelograph An­ dreas Jung 1998 an die Badische Bergstraße zur Rebsortenbestim­ mung in einem alten Weinberg ge­ rufen wurde. Die vorgefundenen 800 Stöcke bargen einen einzigar­ tigen Schatz: 43 verloren geglaub­ te historische Rebsorten konnte der Wissenschaftler identifizieren. Diese bilden nun den Grundstock für das Projekt.

Seit 2015 baut Stefan Böhm sie­ ben historische Sorten an – darun­ ter Schwarzurban, Grüner Adelfränkisch, Weißer Räuschling, Früher Leipziger und Roter Veltliner. 2018 hatte er den ersten Wein aus diesen Sor­ ten auf der Flasche: einen Grünen Adelfränkisch. Die alte Sorte blieb in der Gärung stecken bei 30 Gramm Restzucker, erst den Jahrgang 2019 konn­ te Stefan Böhm trocken ausbauen.

Die ungewöhnlichen Rebsorten können eine lange Geschichte vorweisen – nachzulesen auf der Web­ seite www. historische-rebsorten.de: Schon 1000 n. Chr. gelangte der Räuschling vom Burgenland über die Donau nach Bayern. Zeit­ gleich fand er seinen Weg über die Drau nach Südtirol, in die heutige Schweiz und ins Rhein­ tal. In der Südpfalz ist er seit dem 16. Jahrhun­ dert dokumentiert. Als „Grobriesling“ kam er mit dem Riesling in Rheinhessen und Rheingau vor, als „Klingenberger“ im Badischen Oberland. Der Räuschling, der dieselben Eltern wie der Riesling hat, gehörte noch bis 1928 zu den wenigen im Reich klassifizierten Rebsorten. Als Rosé und Rotwein bietet der Rheinhesse Ste­ fan Böhm die Sorte Schwarzurban an. Die Rebsor­ te hat ihm gefallen: „Sie ist nicht so säurebetont und hat eine weiche Tanninstruktur.“ Der Schwarzurban, ein Kind des Trollingers, kam bereits im Mittelalter aus der staufischen Lombar­ dei zu uns. Die eigentliche Herkunft lässt sich am Namen ableiten. „Urban“, aber auch „Vernatsch“

(Synonym des Trollingers) korrelieren mit den zwei Nachbarorten „Vrban“ und „Vernaz“ in Kroatien. Als Stefan Böhm auf der letzten Weinmesse vor Corona seine historischen Rebsortenweine dem Publikum vorstellte, „waren die Leute begeistert“. Die seltenen Sorten sind zwar erklärungsbedürftig – aber gerade beim Wein lieben die Verbraucher das Besondere: und eine gute Geschichte dazu! Aber dann kam Corona und der direkte Kontakt zum Kunden ist seitdem nur noch eingeschränkt möglich. Insgesamt vermarktet die Familie ein Drittel ihrer Weine direkt auf der Flasche, zwei Drittel werden als Fasswein verkauft. Die ungewöhnlichen Reb­ sorten sind für den Betrieb mit 30 Hektar eine Chance der Profilierung, um den Flaschenweinan­ teil zu steigern. Damit liegen Sie im Trend: 8000 bis 10 000 Jah­ re alte Rebsorten sind klimaerprobt und können womöglich mit den Widrigkeiten des Klimawan­ dels besser umgehen als jüngere Züchtungen. Stefan Böhm ist optimistisch: „Manche Sorten ha­ ben Ertragsschwankungen, zum Beispiel Grüner Adelfränkisch: In einem Jahr ist er toll, in einem anderen Jahr gibt’s fast nichts, aber nach heißen Sommern liefert die Sorte immer noch gute Säu­ rewerte.“ Auch in anderen Anbaugebieten setzen Rebver­ edler auf historische Rebsorten: „ANTES Weinbau und Rebenveredlung“ in Heppenheim an der Hes­ sischen Bergstraße hat schon 2011 über das The­ ma ein Symposium veranstaltet. Eine Übersicht über einige historische Rebsor­ ten wurde zum freien Download online gestellt: https://www.traubenshow.de/images/datenver­ zeichnis/bilder/Direktdownloads-Poster/Einige_ Historische_Rebsorten.jpg Geschmacklich können die wiederentdeckten Rebsorten am Markt bestehen: Stefan Böhms Weine erhielten bei der AWC Vienna 2020 Me­ daillen – der 2019er Weisße Räuschling sogar eine in Gold. n

Foto: Weingut Böhm

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Weinstadt Mainz kann Gastgeber Gelungene Great Wine Capitals Annual Conference am Rhein

AUTOR: W O L F G A N G J U N G L A S

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a hat sich Elke Höllein etwas aufgeladen: Bei der Stadt Mainz ist sie Abteilungsleiterin für Öffentlich­ keitsarbeit und Protokoll – aber als Geschäftsführe­ rin für Great Wine Capitals Mainz liegt es an ihr und ihrem Team, unter Corona-Bedingungen die Jahres­ konferenz der Vertreter der Great Wine Capitals vom 24. bis zum 29. Oktober in Mainz zu organisieren. Seit 2008 ist Mainz gemeinsam mit Rheinhessen die ex­ klusive deutsche Vertretung des internationalen Netz­ werkes aus den Weinhauptstädten der Welt: Adelaide/ Südaustralien (Australien), Bilbao/Rioja (Spanien), Bor­ deaux (Frankreich), Kapstadt (Südafrika), Mendoza (Ar­ gentinien), Lausanne (Schweiz), Porto (Portugal), San Francisco/Napa Valley (USA), Valparaíso/Casablanca Val­ ley (Chile) und Verona (Italien) gehören zu dem einzigar­ tigen Club. Ziel der Vereinigung ist, Reisen, Bildungs- und Wirtschaftskontakte zwischen den wichtigsten Weinre­ gionen der Welt zu fördern. Pandemiebedingt fiel die Konferenz im letzten Jahr aus – dieses Mal konnten die Delegierten aus Argentinien, Aus­ tralien, Chile und Südafrika an der Jahreskonferenz nicht teilnehmen, allerdings gehören in Zeiten der Pandemie Videokonferenzen weltweit zum Alltag. Elke Höllein und ihr Team konzipierten hybride Veranstaltungsformate: Im Frankfurter Hof moderierte die ehemalige Deutsche Weinkönigin Janina Huber die Auftaktveranstaltung zum Thema „Starke Familien, starke Geschäftsideen“ – Rhein­ hessen mit den vielen kleinen, innovativen Familien­ weingütern diente für dieses Thema als typisches Bei­ spiel. Alle, auch der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling, sprachen ihr bestes Konferenz-Englisch. Die Ver­ anstaltung fand mit Zuschauern statt und wurde zudem live gestreamt. Alle Streams wurden aufgezeichnet und können auf der Seite https://www.gwc-mainz-rheinhes­ sen.de/de/public-programme angeschaut werden. Die Think-Tank-Konferenz „Trends und innovative Ideen für den Weintourismus nach Covid-19 und Einflüsse des Klimawandels auf den Weinbau“ besetzten die Main­ zer Organisatoren mit ausgewiesenen Experten: „Neue

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Wege im Weintourismus in Deutschland“ referierte Mo­ nika Reule, Geschäftsführerin des Deutschen Weininsti­ tuts, über „Die Weine von morgen“ informierte Jeremy Cukierman, Master of Wine, Director Kedge Wine School, und über „Nachhaltigkeit und Klimawandel im Weinbau. Globale Herausforderungen und Möglichkeiten“ sprach Prof. Dr. Hans Reiner Schultz, Präsident der Hochschule Geisenheim University. Das Tagungsmotto Celebrating Wine Culture setzte Elke Höllein in die Tat um: In einer Online-Weinprobe mit zwölf Weinen stellten in einem Wine Talk Video die inter­ nationalen Weingüter aus allen elf Great Wine Capitals ihre Weine vor. Das Weinpaket zur virtuellen Weinprobe ist online bestellbar: Riesling aus Rheinhessen, Chasselas aus Lausanne/Schweiz, Sauvignon Blanc aus Valparaiso/ Chile, eine Weißwein-Cuvée aus Kapstadt/Südafrika, ein Chardonnay aus Kalifornien, ein Lugana Vigne Alte aus Verona/Italien, ein Bordeaux-Blend aus Frankreich, Vi­ vanco Crianza aus Bilbao/Spanien, aus Mendoza/Argen­ tinien ein Bio Malbec, Adelaide/Australien ist mit einem Shiraz vertreten und Porto steuert einen Portwein bei. Das Kurfürstliche Schloss zu Mainz bot den würdigen Rahmen für die Abschlussveranstaltung: Bei der Gala der Great Wine Capitals wurden die Best of Wine Tourism Awards 2022 vergeben. Neben sieben nationalen Preis­ trägern aus Rheinhessen, die ihre Preise auf der Bühne in Empfang nehmen konnten, erfuhren die Gewinner aus den übrigen Great Wine Capitals via Livestream von ihrer Auszeichnung. Am Ende der Veranstaltung musste Elke Höllein, die mit ihrem Team alles vorausgeplant und nichts dem Zufall überlassen hatte, doch improvisieren: Auf der Schloss­ bühne fragte sie der Moderator unabgesprochen, wie sie sich am Ende der Konferenz fühlt und was sie an Erlebnis­ sen mitnimmt. Die Antwort: Erleichtert, dass alles gut ge­ klappt hat, beseelt von den vielen persönlichen Kontakten mit Weinfreunden aus aller Welt.Mainz hat sich mit seiner rheinhessischen Lebensart als perfekter Gastgeber für ein außergewöhnliches Weinevent erwiesen. n

Foto: Greate Wine Capitals Mainz

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Aufbruch ins Ungewisse – mit Happy End 1990,

deutsche Wiedervereinigung, Mei­ lenstein der Geschichte. Ebenso be­ deutend für Georg Prinz zur Lippe, Eigentümer des sächsischen Weinguts Schloss Pro­ schwitz. Wovon er und sein Vater Christian 1980 noch träumten, rückte erst nach der Wende in den Bereich des Mög­ Wie trotzdem an alter Wirkungsstätte ein großes Weingut auf­ lichen: den 1945 enteigneten Fami­ gebaut werden konnte, liest sich in diesem Buch. Bebildert, ge­ liensitz samt Rebflächen zurückzu­ spickt mit Anekdoten und mitreißend. Die Geschichte fördert bekommen. Leider zeichnete sich allerhand Abenteuerliches zutage. schnell ab, dass mit einer Rückgabe der Ländereien und des Schlosses Den detaillierten Einblick gewährt Rudolf Knoll, renommierter nicht zu rechnen war. Die Enteig­ Autor zahlreicher Weinbücher und Redakteur der Zeitschrift VI­ nungen blieben bestehen. NUM. Er lernte den „Wein-Prinzen“ 1992 kennen und begleitet ihn seitdem journalistisch. Die Idee zu diesem Buch entstand beim 30-jährigen Jubiläum der Wiedergründung des Weinguts im März 2020. Der an jenem Abend entkorkte Grauburgunder Jahrgang 1991 inspirierte wahrscheinlich so eindrücklich wie die Geschichte seiner Entstehung. Zumindest trägt das erste Kapitel den Titel „Es begann mit einem 1991er“, dem DebütWein des wiederbelebten Weinguts Proschwitz.

Rudi Knoll, Sachsens Wein-Prinz Georg und seine unglaubliche Geschichte, gebundene Ausgabe, 144 Seiten, 20 Euro (Deutsch­ land), ISBN: 978-3-86638-347-0, axel diel­ mann – Verlag, Frankfurt a. Main

REZENSION VON: B R I T T A B I N Z E R

Dieser erste Jahrgang entstand mit Hilfe des verwandten Fürs­ tenhauses Castell. So wurden die Trauben in Sachsen geerntet und in Franken gekeltert. Tausende Kilometer und zahlreiche schlaflose Nächte später wurde abgefüllt. Mit diesem „Säch­ sischen Landwein“ startete die erfolgreiche Weingutskarriere. Eine, die es ohne Visionen, unternehmerischen Mut und For­ tune vermutlich nicht gäbe. Denn nicht nur der extreme Frost­ jahrgang 1997 musste verkraftet werden, auch andere Felsblö­ cke wurden immer wieder überwunden. Abgerundet wird die Aufzeichnung des „Lipp‘schen“ Aben­ teuers durch hintergründige Zeitgeschichte. Elementar zur Einordnung damaliger Ereignisse. Zudem berichten ehema­ lige Mitarbeiter, Bekannte oder VDP-Kollegen wie Michael Prinz zu Salm-Salm und Felix Graf Adelmann.

PS: Georg Prinz zur Lippe wurde von den Mitgliedern der Weinfeder e.V. als Weinper­ sönlichkeit des Jahres 2020 ausgezeichnet. Foto: Buchtitel/Dielmann Verlag/Armin Faber

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Aus den Notizbüchern der Mitglieder Bemerkenswerte Highlights und empfehlenswerte Weine

DIE VERKOSTER • Alice Gundlach • Yvonne Heistermann • Wolfgang Junglas • Rudolf Knoll • Dr. Stefan Krimm • Horst Kröber • Norbert Krupp • Dr. Martin Sachse-Weinert • Peter W. Schneider • Heiko T. Taudien • Arthur Wirtzfeld

FOTO: Timur Saglambilek

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WEISSWEINE Yvonne Heistermann

2020 Yvorne AOC, Clos du Rocher, Grand Cru, Obrist SA, Vevey Ein absoluter Klassiker. Farbe: Helles Goldgelb mit grünen Reflexen. Nase: Aromen erinnern an frische Bananen und saftiges Gras, deutlich mineralisch vom Boden geprägt, dezent Honigmelo­ ne und gereifte Walnüsse. Zunge: Bananen-Aroma verbindet sich zu einer perfekten Harmonie mit den grasigen Tönen, Honigmelone, gereifte Walnüsse und dezente Karamelltöne runden das Geschmacksbild ab, die Mineralität verleiht dem Wein eine außergewöhnliche Frische und Ele­ ganz. Nachhall: lang. Speiseempfehlung: Gebratene Eglifilets mit Sauce Remoulade (am besten natürlich aus dem Genfer See und dort gegessen), klassisch zum Schweizer Käsefondue oder einfach solo zum Genießen. Lagerzeit: Jetzt trinkbar bis etwa 2009, Serviertemperatur ca. 7 °C. Mehr als 60 % der Fläche sind mit Chasselas bestockt. Die aus dem Genfer Seegebiet stammende, Jahrtausende alte Rebsorte präsentiert sich je nach Herkunft sehr unterschiedlich, denn ihr Cha­ rakter wird stark vom Boden geprägt. Man kann deutlich zwischen leicht neutralen sowie erdbe­ tonten Weintypen unterscheiden. Chasselas wächst in der waadtländischen Heimat auf besten Parzellen mit mineralischem Gestein und der Ertrag übersteigt 80 Hektoliter pro Hektar nicht. Die Reben sind dicht gepflanzt, damit ihre Wurzeln tief in den Boden dringen müssen, um genügend Nährstoffe zu ziehen. Die Önologen in der Gegend sind auf diese Rebsorte spezialisiert. Unbe­ stritten verdient Chasselas in der Schweiz den Titel „König der Weißweine“. Preis: 23,50 Euro

Wolfgang Junglas

2020 Ilbesheim Weißer Burgunder vom Landschneckenkalk trocken, Weingut Kranz, Ilbesheim, Pfalz Winzer Boris Kranz glaubt an das Potenzial in den Weinbergen unterhalb der Kalmit – zu Recht! Die Kalmit ist mit 672,6 Metern die höchste Erhebung im Pfälzer Wald – im Schutz des bewalde­ ten Hügels gedeihen auf Muschelkalkböden die Weißburgunder-Rebstöcke prächtig: Der „Kal­ mit-Dompteur“ produziert hier auch ein hoch bewertetes Weißburgunder „Großes Gewächs“. Für das Weihnachtsmenü empfehle ich allerdings den Ortswein für 15,50 Euro: Die frische, safti­ ge Frucht des trocken im Edelstahl ausgebauten Weins ist beeindruckend und zeigt, wozu Weiß­ burgunder fähig ist, wenn man ihn nur lässt. Ein perfekter Gaumenöffner für die Vorspeise! www.weingut-kranz.de

Wolfgang Junglas

2020 Deidesheim Riesling Village trocken Weingut Dr. Bürklin-Wolf, Deidesheim, Pfalz Warum nicht mal ein Riesling aus der Pfalz? Das Weingut Dr. BürklinWolf gehört zweifellos zu Deutschlands Spitzenbetrieben, die Pfalz ist der flächengrößte Rieslingproduzent der Welt. Die Cuvée aus Vorlesen und Junganlagen in den Deidesheimer Top-Lagen profitierte von dem warmen, trockenen Sommer. Die vollreifen Trauben konnten schon im September gelesen werden und wurden im Edelstahl und im Doppel­ stück-Holzfass ausgebaut. Der mit 12 % noch relativ moderate Alkohol­ gehalt unterstützt die typischen Rieslingaromen Apfel und Pfirsich, die Säure ist moderat und perfekt eingebunden, der Wein schmeichelt mit großer Fülle und anhaltendem Abgang und kostet 18,00 Euro. www.buerklin-wolf.de

Yvonne Heistermann

2019 Chardonnay Sélection „Sous Bois“, Château d’Auvernier, AOC Neuchâtel Ein hervorragender Chardonnay, der schon viele Prämierungen bekommen hat. Farbe: Strahlen­ des Weißgold. Nase: Faszinierendes Bukett von intensiver Karamell-Mandel-Krokant-Aromatik sowie weißer Schokolade, essreifer Ananas, Mango und Papaya mit einer Nuance Baby-Banane. Zunge: Trocken-mineralischer Auftakt, ein harmonisches Spiel von Säure und Frucht, wunderbar eingebettet in zarter Barrique-Typizität. Nachhall: Fruchtig-nussig und lang. Trinktemperatur: 9 °C, da so die Aromen gut zur Geltung kommen. Lagerzeit: Jetzt schon trinkbar – unbedingt aus einem Burgunderglas mit großer Oberfläche, damit die Aromen genügend Sauerstoff bekom­ men, um sich zu entfalten. Potenzial für etwa 5 Jahre, für Liebhaber gereifter Weine auch noch viel länger. Speisenempfehlung: In Sesamöl gebratener grüner Spargel mit karamellisierten Mandelsplittern oder grillierte Kalbssteaks mit Sauce Hollandaise und weißem Stangenspargel. Top-Chardonnay vom Neuenburger See: Der Chardonnay hat sich vermutlich von Frankreich aus verbreitet und wird in fast allen Kantonen angebaut. Die drittmeistangebaute Weißwein­ traube der Schweiz wächst auf etwa 400 Hektar. Die Tendenz ist leicht steigend. Beliebt ist Char­ donnay aufgrund der Vielseitigkeit. Die Rebe kann einerseits frische, fruchtige Weine für den sofortigen Konsum hervorbringen, die der Weingenießer wegen ihrer frischen Säure und den an grüne Äpfel und weiße Blüten erinnernden Aromen schätzt – andererseits auch mit großem Lagerpotenzial überraschen, eventuell im Barrique gereift. Preis: 25 Euro

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Wolfgang Junglas

2020 Riesling Oestricher Lenchen Spätlese »303«, Weingut Josef Spreitzer, Oestrich-Winkel, Rheingau Ein fruchtsüßer Riesling mit Geschichte: Der Großvater der Brüder Andreas und Bernd Spreitzer erntete 1920 im Oestricher Eiserberg (1971 mit Oestricher Lenchen zu­ sammengefasst) 600 Liter Riesling mit sensationellen 303 Grad Oechsle – ein Rekordwert! Einhundert Jahre später begeistert die Spätlese aus derselben Lage, die eisenhal­ tig und mit Lehm, Löss, rotem Schiefer und Quarzit durch­ zogen ist, mit einem ausbalancierten, extraktreichen Ries­ ling, der einer Auslese ähnelt. Die hoch dekorierte TBA aus derselben Lage demonstriert eindrucksvoll das Poten­ zial dieser außergewöhnlichen Lage. Die Spätlese »303« ist der perfekte Begleiter für das Weihnachtsdessert und mit 24 Euro deutlich günstiger als die TBA. www.weingut-spreitzer.de

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Rudolf Knoll

Rudolf Knoll

2019 Roter Veltliner Erste Lage Scheiben Wagram, Weingut Leth, Fels am Wagram

2019 Grauburgunder SL Baden, Weingut Alexander Becker, Malsch

Die Sorte Roter Veltliner hat mit Grünem Veltliner und Frührotem Veltliner nichts gemein, sie ist eigenstän­ dig. Und nach einer langen Phase, in der ihre Qualität unterschätzt wurde, macht sie in Österreich inzwischen Karriere. Einer der Protagonisten, der seit Jahren erst­ klassige Rote Veltliner vorweisen kann, ist Franz Leth, der aus seiner Riede (Lage) Scheiben komplexe, viel­ schichtige, cremig anmutende Weine mit Tiefgang he­ rausholt. Ausgebaut wurde der kraftvolle Tropfen (14 gut verpackte „Volt“) in großen Holzfässern aus heimi­ scher Akazie, mit langem Lager auf der Feinhefe. Preis: 22,80 Euro www.weingut-leth.at

Das Weingut ist noch so etwas wie ein Geheimtipp im badischen Kraichgau. Senior Herbert Becker baute es ab 1981 zunächst im Nebenberuf auf, brachte es gut voran und übergab 2015 an Sohn Alexander, der schon als Kleinkind im Keller herumtob­ te. Der Junior stellte auf Bio-Weinbau um und zeigt eine besondere Stärke mit der Burgunderfamilie. Zum Beispiel mit diesem sehr gehaltvollen, eleganten und viel­ schichtigen Grauburgunder, der durch seine zart hellrote Farbe irritieren kann. Eine längere Standzeit auf der Maische entlockt sie den leicht gefärbten, reifen Beeren. Preis: 14,50 Euro www.weingutbecker.de

Rudolf Knoll Rudolf Knoll

2019 Sauvignon Blanc Grassnitzberg Südsteiermark, Weingut Primus, Spielfeld Das Vorbild der Brüder Thomas und Christian Polz (mit den bekannteren Steirern Polz entfernt verwandt) sind die Weine der Loire, der Sancerre und der Pouilly Fumé. Und mit den Besten aus diesen Gebieten befinden sich ihre Weine vom Sauvignon Blanc durchaus auf Augenhöhe. Die Riede Grassnitzberg mit viel Muschelkalk im Boden liefert dafür die Voraussetzungen. Im Keller ist dann viel Scho­ nung angesagt, mit langem Hefelager. Das Ergebnis: Feine Würze, etwas Stachelbeere und Brennessel im Duft; be­ tont mineralisch, vibrierende, angenehme Säure und statt­ liche Länge im Abgang. Preis: 15,50 Euro www.primus.cc

2020 Traminer Harsberg trocken Württemberg, Weingut Fürst Hohenlohe-Oehringen, Verrenberg Traminer ist eine der ältesten Rebsorten der Welt und Ur-Vater oder UrMutter zahlreicher populärer Sorten wie Riesling und Grüner Veltliner. In Tramin (Südtirol) gibt es bedeutende Weine, aber in Deutschland be­ müht man sich meist nur an Saale-Unstrut und Sachsen um Traminer. Eine westliche Ausnahme ist der fürstliche Wein, dessen Betriebsleiter Joachim Brand die Trauben auf der Maische vergären ließ und ihn an­ schließend wagemutig in Barriques mit langem Hefelager ausbaute. Das Ergebnis: dezenter, animierender Rosenduft mit einem Hauch Vanille; geschmeidig, elegant, fast raffiniert anmutend. Ein grandioser Partner vieler Käsesorten. Preis: 14 Euro. www.verrenberg.de

Rudolf Knoll

Robola Kefalonia Rhômbus 2020, Gentilini Die Sorte Robola kennen außerhalb von Griechenland wohl nur die Touristen, die auf der Insel Kefalonia westlich des griechischen Festlandes Urlaub machten. Das 1984 gegründete Weingut Gentilini ist der beste Erzeuger auf der Insel, mit dem weißen Robola als Aushängeschild. Die Rebe hat nichts mit dem Ribolla aus dem Friaul gemeinsam und liefert würzige, durchaus gehaltvolle Weine mit milder Säu­ re. Diese Version duftet nach Nüssen und Kräutern, ist herrlich gradlinig und an­ regend. Dabei ist Rhômbus nur der Zweitwein, es gibt noch einen „Über-Drüber“, der ein paar Euro mehr kostet. Preis hier 10 Euro. Bezug bei www.cava-griechischerwein.de

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Rudolf Knoll

2020 Grüner Veltliner, Weingut Graf Adelmann, Steinheim-Kleinbottwar Als Felix Graf Adelmann vor 12, 13 Jahren Praktikant bei Topwinzer Willi Bründlmayer in Langenlois im österreichischen Kamptal war, lernte er Grünen Veltliner intensiv kennen und schätzen. Jahre später ergab sich zuhause in Württemberg die Chance, auf einem Hektar, der neu angelegt werden musste, die Rebe zu pflanzen. 2020 war der erste Ertrag, durch Frost und Hagel war die Erntemenge mit 2500 Litern recht gering. Aber der Wein selbst ist durchaus gelungen, mit klarer, typischer Würze im Aroma, schlank, verspielt und herzhaft im Geschmack, mittlere Länge. Idealer Speisenbegleiter: Backhendl und Wiener Schnitzel. Preis 12 Euro. www.graf-adelmann.com

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Dr. Stefan Krimm

Horst Kröber

Domaine d´Ouréa Vacqueyras 2019, Adrien Roustan

2020er OVIUM Weißburgunder/Chardonnay

Adrien Roustan ist wohl der ehrgeizigste junge Erzeuger in Vacqueyras; seine vom Großvater übernommene 20-Hektar-Domäne wurde 2009 gegründet, ist bio-zertifiziert, mittlerweile auf Biodynamie umgestellt und verfügt über Parzellen in Vacqueyras und Gigondas. Den ersten Jahr­ gang hat er nach dem Studium und Aufenthalten in Burgund und Kalifornien 2011 vorgestellt. Werden die Weine von Vacqueyras manchmal wegen ihrer Schwere und Robustheit kritisiert, so steht Ouréa für ein Gegenprogramm: Klares Rubin, die Nase geprägt durch intensive Aromen von fleischigen roten Kirschen, Himbeeren und Zwetschgen, umspielt von leicht rauchigen No­ ten, Gewürzen und einem winzigen Hauch Stangenzimt. Am Gaumen wirkt der Wein sehr pur und eher schlank. Er zeigt erneut viel Kirsche und einen hier nicht allzu häufigen mineralischen Schliff. Die Tannine sind geglättet und völlig eingebunden. Im langen Nachhall leicht kräuterige Noten. Ein ungewöhnlich eleganter Vacqueyras, der etwas in Richtung Gigondas schaut. Das ver­ dankt er dem exzellenten Terroir der von Kalkschotter, Mergel und blauem bzw. gelbem Lehm geprägten Parzellen der „Garrigues“ und der „Pendants“ westlich des Orts. Die mehr als 70 Jahre alten Reben – 85 % Grenache – fühlen sich dort offenbar sehr wohl. Hinzu kommt die auf Hand­ arbeit konzentrierte kompromisslose Sorgfalt Roustans, den Burgund offenbar beeindruckt hat. Gelungen ist ihm ein sehr interessanter Wein mit zivilen 13,5 % Alk. Mit „Blockbustern“ und in neuem Holz internationalisierten Gewächsen hat der junge Winzer offenbar nichts im Sinn! Preis: 19 Euro

Bei diesem Wein handelt es sich um eine Cuveé von 80 % Weißburgunder und 20 % Chardon­ nay. Die sandig-lehmigen Böden der Lage Mußbacher Eselshaut sind ideal für die Burgunder­ sorten und verleihen ihnen die nötige Kraft und Stärke. Die Erträge von nur 7000 hl/ ha und eine sorgfältige, schonende Vinifizierung sind weitere Voraussetzungen für diesen wunder­ baren Wein, der überdies mit nur 8,90 Euro ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis aufweist. Und so schmeckt er:

Horst Kröber

Es gibt Weine, die schon im Duft so faszinieren, dass man das Trinken kaum erwarten kann. Dieser Wein zündet Lichter an. Nach Zitrus und knackig-grünem Apfel riechend, kommt er hell daher und packt mit leicht exotischen Noten nach Zitronengras und Ingwer sogar noch eins drauf. Nur die zart nussigen Komponenten setzen einen kleinen dunkleren Kontrast. Sein Duft verkörpert jugendliche Unbekümmertheit, Leichtigkeit, Aufbruch. Dieses hell-mineralische Gehaben findet im Geschmack seinen Fortgang. Florale Elemente bilden zusammen mit der angedeuteten Restsüße einen spannenden Balanceakt. Wie ein Füllen auf der Weide, sorglos, fast schwerelos und das ganze Leben noch vor sich. Voller Esprit. Es ist erstaunlich, was dieser Jungspund alles zu bieten hat. Er verfügt über eine tolle Ausdrucksstärke, die er trefflich mit einer verspielten Leichtigkeit zu kombinieren weiß. Hier passen in perfekter Harmonie Banane und Holunderblüte, Fenchel und Pinienkerne, Anis und Walnuss zusammen. Eine feine Mineralität und eine pikante, weißpfeffrige Note geben dem Ganzen dann noch eine wunderbar provokative Note. Als Alleinunterhalter kann er mühelos einen ganzen Abend gestalten. Aber auch als Essens­ begleiter gelingt es ihm, das Beste aus den Speisen herauszulocken. Beschwingt und jugend­ lich plakativ bis zum Abgang. Toller Auftritt. Mehr davon! www.weingutschaefer.com

2020er Muskateller trocken Aus einem zehn Hektar großen Familienbetrieb an der Nahtstelle zwischen Ortenau und Breisgau in Baden stammt dieser wunderbare, trockene Muskateller. Die Erträge im Weingut Isele werden stark reduziert. Für diesen Wein wurden die Trauben geteilt und von Hand gelesen. Schonende Kelterung, Kaltvergärung und Lagern auf der Fein­ hefe führten dazu, dass sich die primären Fruchtaromen und die typische Sortenaro­ matik auch im Glas wiederfinden. Für nur 8,50 Euro ein richtiges Schnäppchen. Und so schmeckt er: Hier sind der Frühling und der Vorsommer eingefangen. Ein ganzer Korb voller Blüten und Früchte steigt in die Nase. Ein wahrer Dufthimmel. Alles scheint zu schweben. Ho­ lunderblüte, Hyazinthe, Maiglöckchen und Rosen machen den Anfang. Dann folgt eine wohltuende Zitronenfrische, gepaart mit einer lebendigen, mineralischen EisbonbonNote und einem Hauch von Muskat und weißem Pfeffer. Und damit noch nicht genug. Frisch aufgeschnittene rosa Grapefruit, Tannennadeln, Veilchen und ein Hauch schwar­ ze Johannisbeere vervollständigen den Aromenreigen. Verbrenne man doch alle Duft­ säckchen der Welt und halte man die Nase in diesen Muskateller. Das ist Abenteuer­ urlaub für unser Riechorgan. Je länger man riecht, desto mehr meint man zu erkennen. Ein wahrer Aromentanz. Man glaubt es nicht, aber im Geschmack legt er noch einmal zu. Ein Quartett der Spitzenklasse erwartet uns. Fruchtaromen, Säurespiel, nur zart an­ gedeutete Süße und Alkohol in perfekter Harmonie. Ein Spiel ohne Grenzen. Nach allen Seiten offen. Eine flüssige Muskatellertraube. Wir haben einen Animateur im Glase. Er beherrscht die hohe Kunst des Verführens. Bloß keine Langeweile aufkommen lassen. www.weingut-isele.de

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Horst Kröber

2020er Weißburgunder trocken Es gibt Weine, die einfach Spaß machen. Unkompliziert, gradlinig, ehrlich und authen­ tisch. Die sowohl als Solist als auch als Speisebegleiter mehr als nur eine gute Figur machen. Jugendlich, frisch und unbekümmert. Ein Wein für fast alle Fälle und mit 6,20 Euro für jeden erschwinglich. Und so schmeckt er: Dicht und rund mit deutlich nussig-erdigen Komponenten. Anis, Fenchel und Curry sorgen für Würze und Bodenständigkeit. Doch dann gewinnen Noten nach grünem Apfel, Quitte und Zitronenschale die Oberhand. Erstaunlich, dass dann noch Aromen nach Tannennadeln und Holzrauch Platz haben. Der Duft baut Spannung auf und macht neugierig. Wow, was dann kommt, war nicht unbedingt zu erwarten. Von 0 auf 100. Nichts mehr von rund und erdig. Hier geht die Post ab. Frucht und Frische sind angesagt. Kaum kommt man mit dem Schmecken nach. Ein Springinsfeld, jugendlich, unbekümmert. Fast überschlägt er sich bei all dem, was er zu bieten hat. Nach dem zweiten Schluck wirds ruhiger. Toll dieser Spagat zwischen Jugendlichkeit und beginnender Reife. Man schmeckt das riesige Potenzial, das in ihm steckt. Es macht Spaß, sich auf ihn einzulas­ sen. Er fordert einen heraus. Er beweist, dass Wein mehr ist als nur ein Getränk. www.weingut-buerkle.de

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Norbert Krupp

Dr. Martin Sachse-Weinert

2020er Niederhäuser Felsensteyer Riesling trocken, Weingut Jakob Schneider, Niederhausen (Nahe)

2020 Langenberg Silvaner Alte Reben VDP.Erste Lage, Rudolf May, Retzstadt

Schon der Duft verrät, dass Jakob Schneider beim Ausbau dieses Weines aus einer der Spitzenlagen an der mittleren Nahe erfolgreich darauf spekuliert hat, dass wilde (also natürliche) Hefen) bei der gezügelten Gärung dessen Facettenreichtum auf die Spitze treiben würden. Dank kraftvoller Säure wirkt das Ergebnis sehr rassig. Im Abgang erin­ nert dieser Wein an reife Früchte wie Melone, Mango und Limone. Zudem vermittelt er einen mineralischen Kick. Dieser resultiert aus dem Terroir des Felsensteyers, in dessen Boden auch Tholeyer Schiefer zu finden ist. Ich empfehle diesen Wein, der mit 12,5 % Alkohol auskommt, als eindrucksvollen Solisten. Aber auch als Essensbegleiter zu asiati­ schen Gerichten, bei denen Curry im Spiel ist, wird er deren Genuss steigern. Zum Preis von 13 Euro erlebt man eine Glanzleistung des Winzers Jakob Schneider, die jüngst mit 92 Parker-Punkten und 90 Vinum-Punkten honoriert wurde. www.schneider-wein.de

Norbert Krupp

2020er Sauvignon Blanc Maturis, Weingut Anette Closheim, Langenlonsheim (Nahe) Er duftet verheißungsvoll nach reifer Mango und Ananas, der Sauvignon Blanc von Anette Closheim (44), die ihm bewusst den Namenszusatz „Ma­ turis“ (lateinisch: reif) gegeben hat. Denn die Aromen reifer, exotischer Früchte stehen im Vordergrund und werden beim Verkosten durch den Geschmack von Kapstachelbeeren und Zitronen ergänzt. Auch ein wenig Kohlensäure blieb beim reduktiven Ausbau erhalten. Die für Sauvignon Blanc ebenfalls typischen Paprika- und Kräuternoten klingen nur ganz de­ zent im Hintergrund an. Der mit 86 Vinum-Punkten bewertete Wein be­ sitzt einen zarten Schmelz, der nicht üppig wirkt. Seinen 6,3 Prozent Säure stehen nur 2,5 Gramm Restzucker gegenüber, und die 13,68 % Alkohol sind gut eingebunden. Er erinnert an Urlaube in südlichen Gefilden. Preis: 12,50 Euro www.anetteclosheim.de

Norbert Krupp

2020er Traiser Riesling Vom Fels, Weingut Dr. Crusius, Traisen (Nahe) Vom Traiser Rotenfels und aus Traiser Ortslagen stammen die Trauben für den trockenen Ries­ ling „Vom Fels“, einen VDP-Ortswein von Dr. Crusius. Die Reben stehen teilweise am Traiser Rotenfels auf felsigem Boden, der rotes und weißes Rhyolith-Vulkangestein enthält. Das erklärt die ausgeprägte Mineralik, die dem Wein den Rücken stärkt. Ein Teil der Trauben wächst auf lehmigen und felsigen Böden in anderen Lagen. Der durch kontrollierte Gärung in Edelstahl­ tanks ausgebaute Riesling besticht durch seinen Schmelz und das spannungsvolle Spiel zwi­ schen 6,2 Gramm Restzucker und 7,6 Gramm kraftvoller Säure bei vernünftigen 12,5 % Alkohol. Sein Geruch erinnert an würzige Kräuter, auf der Zunge dominieren Aromen von reifem Pfirsich und Zitrusfrüchten. Zum Preis von 12,50 Euro ein respektabler Vertreter der mittleren Nahe, von Vinum mit 87 Punkten bewertet. www.weingut-crusius.de

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Dieser Wein aus dem Stückfass entstammt einer der drei fränkischen Gesteinslagen, dem Muschelkalk: Garant für feingliedrige, kraftvolle, mineralische Weine. Die Trau­ ben der bis zu 50 Jahre alten Rebstöcke standen 18 Stunden auf der Maische und wurden sodann spontan im Holzfass vergoren. Das Ergebnis? Ein facettenreicher, fruchtbetonter (Zitronen, Pampelmuse, heimisches Kernobst) und mit 12,5 % Alko­ hol beispielhafter Vertreter der Rebsorte Silvaner, der diese wunderbar strukturiert präsentiert. Der lange Abgang macht Lust auf mehr – der perfekte Einstieg in den Abend! Preis: 16 Euro. www.weingut-may.de Dr. Martin Sachse-Weinert

2019 VINZ Alte Reben Scheurebe trocken, Weingut am Stein, Würzburg Bereits die Lage des Weinguts (Stettener Stein) ist Chance und Bürde zugleich: Hier entstehen seit Jahrzehnten äußerst qualitätsvolle Weine, eine Erkennt­ nis, die wir jederzeit nachvollziehen können. Mit dem VINZ ist Ludwig Knoll ein überaus charakterstarker Wein gelungen, der das Thema „Aromarebsorte Scheurebe“ neu interpretiert. Mit 0 g Restzucker und einem Alkoholgehalt von 13 % überrascht der Wein mit Fruchtfülle, Komplexität und absoluter Terroir­ verbundenheit. Goethe, der vor allem die Lage „Würzburger Stein“ favorisier­ te, wäre stolz gewesen, diesen Wein in seinem Keller zu haben. Preis: 25 Euro. www.weingut-am-stein.de

Dr. Martin Sachse-Weinert

2015 Barfuß Scheurebe + Silvaner, Bickel-Stumpf, Frickenhausen Unter dem Motto „AromaAnarchie“ vermarktet Matthias Stumpf drei Weine, die Ecken und Kanten haben – also abseits des Mainstreams rangieren und ihren Platz vor allem bei Connaisseuren finden, die das Besondere, Einzigartige lieben. Der Wein vereint die beiden zuvor verkosteten Rebsorten in einer Cuvée, die mit sehr fruchtigen Anklängen an Ananas und Zitrusfrüchte überzeugt. Trotz seines Namens „Anarchie“ halten wir diesen Wein eher für demokratisch: Jeder sollte ihn kennen, jeder ihn genießen dürfen. Preis: 21 Euro. www.bickel-stumpf.de

Dr. Martin Sachse-Weinert

2017 Randersackerer Marsberg Silvaner BeerenausleseVDP.Erste Lage, Schmitt’s Kinder, Randersacker Als edelsüße Silvaner Beerenauslese zeichnet sich dieser Vertreter von leckeren Dessertweinen durch seine hohe Mineralstoffdichte aus. Seine Besonderheit ergibt sich aus der feinen Balance zwischen Kraft und Harmonie, zwischen warmen Honignoten und kühl-tropischen Zitrusfrüchten. Sein Reiz besteht insbesondere in dieser Ausgewogenheit, die aufgrund seines Ausbaus im klei­ nen Holzfass abgerundet wird durch Mokkanoten und Schokoladetöne. Preis: 29 Euro (0,375 l) Als hervorragende Alternative genossen wir auch die 2018 Randersackerer Sonnenstuhl Rieslaner Beerenauslese VDP.Erste Lage mit sehr floralen Tönen (Zeder, Lavendel), die insbesondere auch durch ihre Gewürznoten (Pfeffer, Paprika) ein einzigartiges Aroma schafft. Preis: 42 Euro (0,375l). www.schmitts-kinder.de

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Peter W. Schneider

Heiko T. Taudien

2018 St. Kiliansberg Riesling trocken, Rheingau Großes Gewächs, Weingut Bott, Kostheim/Rheingau

Weingut Philipp Kuhn, 2020 Laumersheim Riesling Kirschgarten GG

So etwas hat es aus Kostheim noch nie gegeben: War der kleine Weinort im östlichen Rheingau jahrzehntelang für solide, doch nicht gerade aufregende Weinqualitäten bekannt, so gibt es dort ein Weingut, dessen Trend seit Langem nur nach oben zeigt. Das gerade einmal 3,7 Hektar große Weingut der Familie Bott hat Kostheim durch die engagierte und visionäre Arbeit von Michael Bott, seiner Frau Gabriele und Sohn David quasi im Alleingang ins Bewusstsein der Weinliebhaber – und auch der Fachjournalisten – gerückt.

Im Duft fein und bedeutend mit Aromen von weißem Steinobst, Li­ mette sowie Nektarine. Am Gaumen auch Zitronenzeste, grüner Apfel und Grapefruit. Alles unterlegt von feiner Mineralität und gut einge­ bundener Säure. Ein Wein, der heute bereits Freude bereitet und sehr viel Potenzial besitzt. Preis: 36 Euro

Dies dokumentiert der vom Lössboden des St. Kiliansberges stammende und nach Maischestand­ zeit im Tonneau ausgebaute Wein – immerhin ein Rheingauer Großes Gewächs – aufs Feinste: Ein strahlendes Mittelgelb lacht den Genießer an, in der Nase zeigen sich komplexe würzige, kräuteri­ ge Noten sowie verhaltene Blütenaromen, etwa nach Verbena, Holunderblüte und Quitte. Am Gaumen sorgt der durchgegorene Wein (3,9 g RZ) mit einer straffen und pikanten Säurestruktur für Spannung, nach ausgiebiger Belüftung zeigt er mehr Schmelz, und weitere Aro­ men wie etwa nach Blutorange treten zutage. Eine respektable Länge und ein gutes Entwicklungspotenzial von weiteren drei bis fünf Jahren sind eines Großen Gewächses allemal würdig. Hier stimmt der Slogan „Bottled Quality“ und der Preis von 16,50 Euro ist äußerst fair. Ein guter Begleiter von Ragout Fin, vietna­ mesischer Küche oder Süßwasserfischen, doch auch solo eine Freude. www.weingut-bott.com Heiko T. Taudien

Weingut Seckinger 2019 Königsbach Ölberg Riesling trocken

Arthur Wirtzfeld

Silvaner, Alte Reben, Max Müller I, 2013 Im Glas eine Farbe, die reifen Quitten gleicht. Und dann: Welche Würze, welche Mineralik, welche zurückhaltende Kraft und was für ein unver­ wechselbares Silvaner-Terroir – wie köstlich ist dieser urfränkische, sondergleich sich präsentierende Silvaner, gepaart mit schöner Küh­ le und tollen Aromen. Die perfekt banlancierte Säure umgarnt den Körper dieses feinen Franken, hat seine Frucht im Griff und garan­ tiert damit letztlich ein unendlich scheinendes Finale mit wunder­ bar zurückbleibender cremiger Würznote und der angenehmen Ty­ pizität eines gereiften fränkischen Weines. Chapeau! Preis: 18,90 Euro

www.max-mueller.de

Im Duft nicht alltäglich und doch so komplex. Aromen von Zitronenzeste, reifer Aprikose, Pfirsich und Quitte. Am Gaumen etwas wild und doch präzise in einem fast schlanken Körper. Alles von feiner Säure getragen und in einem langen Nach­ hall endend. Preis: 20,50 Euro. www.weingut-seckinger.de

Arthur Wirtzfeld

2019 Gelber Muskateller, Nunn, Zehnthof Theo Luckert, 2019

Heiko T. Taudien

Weingut Seckinger 2019 „Wurzelecht« Deidesheim Kieselberg Riesling trocken

Der Nachfolger

Im Glas entwickelt sich ein Duft aus Birnenschale, Manda­ rine und Jasmin. Der Eindruck am Gaumen begeistert mit attraktiver Komplexität, feiner Phenolik, neuen Aromen wie Zitronenmelisse, Apfelsinenschale und nasser Stein. Ein Wein mit herrlicher Balance, sehr gut eingebundener Säure und bedeutendem Nachhall. Preis: 40 Euro. www.weingut-seckinger.de

Der verkostete Wein (wurde ausschließlich für das Projekt „Weinentdeckergesellschaft“ abgefüllt.

Heiko T. Taudien

Weingut am Nil 2019 Kallstadt Saumagen Riesling trocken Klar in der Farbgebung und fein im Duft von Limette, Zitronenzeste, Feuer­ stein sowie einer dezenten Petrolnote. Am Gaumen folgen Aromen von süßem Weinbergpfirsich sowie eine leichte Salzigkeit, begleitet von ideal eingebundener Säure und langem Nachhall. Preis: 22,90 Euro www.weingutamnil.de

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„Nunn“, eine uralte Parzelle (früher in klösterlichem Be­ sitz), heute mit Muskateller bestockt, dessen Trauben­ säfte ungeschwefelt, ungeschönt, unfriltriert und be­ achtliche 13 Monate auf der Vollhefe im gebrauchten 700-Liter-Fass trocken ausgebaut werden. Im ersten Glas verhaltenes Bouquet, im zweiten und dritten Glas dann zarte Grapefruit- und Lychee-Noten. Am Gaumen explodiert dieser wunderbare Trunk in einem Reigen aus Nuss, Melone, Zitrus und Aprikose, gepaart mit nicht versiegen wollender feiner Würze, umhüllt von rauchigen Aromen, um dann in ein mineralisches, salzi­ ges und schmelziges Finale zu münden. Exotik pur! Ein herrlicher Genuss! Für mich eher als Solist oder zur raf­ finierten asiatischen Küche. Leider ist dieser Wein und auch sein Nachfolger bereits ausverkauft. Man sollte sich beim Weingut erkundigen, ob Muskateller geerntet wurde – wenn ja, unbedingt re­ servieren, denn die Luckerts wissen, wie man diese Sorte zum Strahlen bringt. Preis: 14,90 Euro www.weingut-zehnthof.de

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ROTWEINE

Alice Gundlach

Rubesco Rosso di Torgiano DOC 2018, Lungarotti, Umbrien, Italien Als eines der besten Weingüter Umbriens gilt Lungarotti in Torgiano. Dieser Wein war auch unter den ersten, der in den 1960er-Jahren die Herkunftsbezeichnung „Rosso di Torgiano DOC“ erhielt. Ein Sangiovese mit etwas Colori­ no, ist er die Kreation von Giorgio Lungarotti, dessen Töchter Chiara und Teresa heute das Weingut leiten. Seit 1996 arbeitet das Weingut biologisch.

Alice Gundlach

Die Weinberge sind begrünt mit lokalen Pflan­ zen, zum Beispiel Favabohnenkraut, gedüngt wird mit Kuhmist, auf Herbizide wird verzichtet. Dieser Wein ist die Visitenkarte des Weingutes, er ist auch der meistverkaufte. Warum, das ist kein Geheimnis: Zu dem Preis ist in Mittelita­ lien kaum etwas Besseres zu bekommen. Der Wein duftet fruchtig nach Kirsche, aber auch rustikal, die kräftigen Tannine kündigen sich schon im Bouquet an. Am Gaumen wird die saftige Kirschfrucht von den Tanninen schön konturiert, besonders apart ist der Nachhall mit ätherischen Kräutern wie Minze und Eukalyp­ tus. Trotzdem ist er für einen Sangiovese eher mittelkräftig. Preis: 9,99 Euro www.lungarotti.it

Innurrieta Mimao 2019, Bodega Inurrieta, Navarra, Spanien Die typischste Rebsorte für die DO Navarra ist Garnacha – wenn auch seit einiger Zeit nicht mehr die meistangebaute. Trotzdem ist immer noch rund ein Viertel der Rebfläche damit bestockt. Reinsortiger Garnacha ist daher der ursprünglichste Ausdruck der Region im Nordosten Spaniens.„Mimao“ heißt im Dialekt der Region so etwas wie „Lieblingskind“ oder „Verwöhnter“. Und verwöhnt werden muss die dünnhäutige Rebsorte von einem sonnigen und trockenen Klima, damit der Wein eine schöne Farbe erhält und nicht zu hell gerät. Dieser Wein duftet frisch und floral, man merkt, dass er noch jung ist. Am Gaumen zeigen sich Blaubeeren und andere dunkle Waldbeeren, dazu Noten von Kräu­ tern und Waldboden. Das Tannin bleibt moderat, das Holz wirkt süßlich, die Säure frisch, ein Gaumenschmeichler ist das. Und das trotz 15 % Alkohol, die man abso­ lut nicht merkt. Preis: 10,90 Euro www.bodegainurrieta.com

Alice Gundlach

Wolfgang Junglas

2019 Spätburgunder >>R<< trocken, Weingut Ökonomierat Rebholz, Siebeldingen, Pfalz Ein Klassiker, der mich schon seit Jahrzehnten erfreut! Ein Spät­ burgunder mit einer unbekümmerten, frischen Fruchtigkeit, die Freude bereitet. Der VDP.Gutswein stammt ausschließlich aus VDP.klassifizierten GROSSEN oder ERSTEN Lagen – zweifellos ein Understatement. Der Jahrgang 2019 begeisterte mit gesunden, ausgereiften Trauben, die mit selektiver Handlese geerntet wur­ den. Bis zum Einsetzen der spontanen Gärung wurde das Lesegut gekühlt. Knapp 20 Monate lagerte der Wein in Barriquefässern aus Frankreich und Deutschland und durchlief den biologischen Säureabbau. Der Spätburgunder überzeugt mit einer dichten, komplexen Struktur, im Geschmack begeistern Sauerkirsch- und Würzaromen. Ein Genuss für 22,50 Euro. www.oekonomierat-rebholz.com

Otazu Premium Cuvée 2018, Bodega Otazu, Navarra, Spanien Sie kennen Bordeaux-Blends – aber wissen Sie auch, was ein Navarra-Blend ist? Dabei handelt es sich um eine Cuvée von Tempranillo, Cabernet Sauvignon und Merlot. Tempranillo hat mittlerweile die Garnacha als meistangebaute Rebsorte Navarras überholt. Internationale rote Sorten werden in dem Gebiet in NordostSpanien seit etwa den 1980er-Jahren vermehrt angebaut. Navarra-Blends sind elegant und meist auch recht langlebig. Diesen Wein kann man also noch ge­ trost etwas im Keller liegen lassen. Andererseits ist er auch jetzt schon sehr an­ genehm mit seinem jugendlichen Charme. Nach zwölf Monaten im französischen Barrique duftet er saftig nach Kirsche, Heidelbeere und Veilchen. Am Gaumen zeigen sich die Röstaromen der Fässer als Vanillenoten. Ein harmonischer Wein, der sich vielen Speisen anpasst. Otazu gilt übrigens als das nördlichste Weingut vin Navarra. Preis: 9,50 Euro www.otazu.com

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Wolfgang Junglas

Spätburgunder Pfarrwingert Großes Gewächs trocken 2018, Weingut Meyer-Näkel, Dernau, Ahr Die Steillage Pfarrwingert oberhalb von Dernau in einem engen Talkessel illustriert eindring­ lich das Potenzial dieses außergewöhnlichen Spätburgunders. Ein knappes Jahr durfte ich die Schwestern Meike und Dörte Näkel mit der Kamera bei der akribischen Produktion dieses Großen Gewächses begleiten. Zu sehen ist der 45-Minuten-Film auf YouTube (Handwerks­ kunst: Wie man einen Rotwein macht).

Sehr geringe Erträge und mehrfache Handselek­ tion zeichnen das GG des Weingutes aus. Etwa 18 Monate reift der Spätburgunder im Bar­ rique, dann weitere 6 Monate auf der Flasche. Geschmacklich dominieren dunkle Kirsche, Ka­ kao, Gewürze. Das Weingut Meyer-Näkel wur­ de hart von der Flutkatastrophe getroffen. Der Jahrgang 2020 wurde komplett weggespült, 2019 und 2018 lagen in einem separaten Fla­ schenlager. Diese gefluteten Flaschen konnten gerettet werden. Die gereinigten und neu ver­ kapselten Flaschen mit zum Teil beschädigten Etiketten werden verkauft. 65 Euro. www.meyer-naekel.de

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Der hier vorgestellte Rotwein kommt aus der öst­ lichsten Weinbauregion des Landes, aus Kachetien. Hier befinden sich 70 % der georgischen Rebfläche und im Schutze des Kaukasusgebirges herrscht ein wechselhaftes Kontinentalklima mit milden bis sub­ tropischen Temperaturen. Er ist aus Saperavi ge­ keltert, der wichtigsten georgischen Rotweinsorte. Nach einer Handlese in den auf 800 Höhenmetern gelegenen Weinbergen wurde der Wein klassisch maischevergoren und lagerte anschließend zwölf Monate in zur Hälfte neuen französischen Barriques.

Peter W. Schneider

2018 Saperavi, Peradze Winery, Georgien, Region Kachetien Norbert Krupp

2018er Der Hauptmann, Rotweincuvée, Weingut Emmerich-Koebernik, Waldböckelheim, Nahe Kaum zu glauben, dass ein derart wuchtiger Rotwein an der Nahe erzeugt wurde, die ja eher für filigrane Rieslinge und samtige Burgunder (die weißen Sorten) be­ kannt ist. Dieser „Hauptmann“, dessen Cuvée zu 95,5 Prozent aus Spätburgunder und zu 4,5 Prozent aus St. Laurent besteht, ist eine echte Rarität: Sein Vorgänger stammt aus 2012. Der 2018er durfte in Barriques und großen Holzfässern reifen und wurde danach unfiltriert abgefüllt. Davon profitierte seine Fülle, der es gelingt, die knapp 15 Prozent Alkohol gut einzubinden. Sein Duft erinnert an vollreife Schat­ tenmorellen, und auch auf der Zunge steht diese Frucht im Vordergrund, ergänzt durch Waldbeeren, eine leichte Bittermandelnote und dezentes Holz. Das harmo­ nische Auftreten des „Hauptmanns“ resultiert aus 0,8 Gramm Restzucker, dem 4,8 Gramm Säure gegenüberstehen. Der ideale Speisenbegleiter zu Fleischgerichten mit dunklen Saucen oder zu aromatischen Käsen zum Preis von 18,40 Euro. www.emmerich-koebernik.de

Ob das Weinland Georgien wirklich die „Wie­ ge des Weins“ ist, darüber streiten die Gelehr­ ten noch. Doch es steht fest, dass dort schon seit Jahrtausenden Wein angebaut wird und im Alltag große Bedeutung hat. Zudem stam­ men viele der heute wichtigen Rebsorten von alten georgischen Sorten ab. Das Wein­ land verfügt über eine Vielzahl autochthoner Rebsorten, man spricht von insgesamt 525, von denen 45 im kommerziellen Anbau auf 55.000 Hektar mit 24 geschützten Ursprungs­ bezeichnungen verwendet werden. Seit dem russischen Handelsembargo für georgische Weine haben sich die Winzer auf westliche Absatzmärkte konzentriert und qualitativ er­ hebliche Fortschritte erzielt.

Der granatrote Wein verströmt Heidelbeer- und Brombeerdüfte im Bukett, am Gaumen zeigen sich massive, doch weiche Tannine, die animalische und beerige Komponenten sowie Gewürz- und Lakritz­ noten umhüllen. Ein schön stützendes Fruchtsäure­ level sorgt für eine gewisse Frische. Dies ist ein mo­ dern bereiteter Wein mit mittlerer Länge und ganz eigener Persönlichkeit. Er passt sicher gut zu Wild und kräftigem Hartkäse. Der Preis ist mit 16,95 Euro angemessen, der Wein kann über https://ghvino. shop bezogen werden.

Heiko T. Taudien

Weingut Aldinger 2019 „Reserve“ Spätburgunder Rosé trocken Eher moderat in der Farbgebung, dafür umso spannender im Duft wie auch in der Aromatik am Gaumen. Potpourri von Himbeeren, Erdbeeren und einer leichten Kräuternote. Am Gaumen ergänzt das nahezu ideal einge­ bundene Holz die sehr saubere Frucht, abgefedert von sehr guter Säure. Preis: 19 Euro. www.weingut-aldinger.de

Dr. Martin Sachse-Weinert

2019 Veitshöchheimer Sonnenschein Spätburgunder R, trocken, VDP.Erste Lage, Bürgerspital, Würzburg Der Steilstlagenwein reift nach der Maischegärung im Barrique und ent­ wickelt dabei seine unverkennbaren Aromen. Typisch für fränkische Spät­ burgunder sind die deutlichen Noten von dunklen Kirschen, die hier mit ihren karamellartigen Anklängen und ihrem Schmelz für den harmonischen Charakter sorgen. Der Anbau auf Muschelkalk bedingt auch bei diesem Wein die Finesse, die sich unter anderem in seiner feinen Tanninstruktur widerspiegelt. Er eignet sich hervorragend als Begleiter zu Wildgerichten und trägt die kraftvolle Handschrift des traditionsreichen Bürgerspitals. Preis: 23 Euro. www.buergerspital.de

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Heiko T. Taudien

Weingut Philipp Kuhn 2018 Laumersheim Steinbuckel Pinot Noir GG Französisch im ersten Eindruck mit einem Duft von Cranberry, Himbeere, schwarzer Kirsche, Waldpilzen und Gewürznelke. Am Gaumen folgt eine dichte Struktur, noch junges Tannin, Mine­ ralität des Terroirs, Rauch bei ideal eingebunde­ ner Säure und sehr attraktivem Nachhall. Côte d´Or? Preis: 39 Euro www.weingut-philipp-kuhn.de

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SCHAUMWEINE

Rudolf Knoll

2020 Mus – XX Pop it! Pet Nat, Weingut Alois Lageder, Margreid Bei Südtirols Qualitätspionier Alois Lageder waren immer schon Experimente angesagt. Aktuell ist es ein Kometen-Konzept, das Winzer Alois Clemens Lageder so erklärt: „Kometen leuchten auf, ziehen ihre Bahn und verglühen. Manche bestehen Jahre, andere nur Augenblicke.“ Dahinter stehen neue An- und Ausbau-Varianten, hier ist es eine ungewöhnliche Cuvée von Goldmuskatel­ ler (2/3, Ganztraubenvergärung) und Müller-Thurgau mit sieben Monaten Hefelager. Der Prickler (der Jahre bestehen wird) springt den Genießer förmlich an und trumpft dabei mit verspielter Leichtigkeit auf (nur 11 „Volt“). Preis: 25 Euro www.aloislageder.eu

Alice Gundlach Rudolf Knoll

Giusti Asolo Prosecco Superiore DOCG Extra Brut NV, Giusti Wine, Veneto, Italien Falls Sie es noch nicht wussten: Es gibt noch eine zweite DOCG-Appellation für Prosecco außer Conegliano-Valdobbiadene, und zwar die kleine DOCG Asolo. Und diese ist im Moment auch die trendigste Herkunft für den edlen Prickler aus dem Veneto. Seine Art, Wein zu bereiten, be­ schreibt Weingutsbesitzer Ermenegildo Giusti als „all organic way“: „Ich halte nichts von Chemi­ kalien, ich bin auch gegen Drainage im Weinberg. Ich mag es, mit der Natur zu arbeiten.“ Seine Kellermeisterin Graziana Grassini sieht sich als „Übersetzerin des Terroirs“. Das ist in der Region Asolo geprägt von Schwemmland und Kies vom Fluss Piave in den Tälern und von Gletschermorä­ nen und Kalk in den Höhenlagen. Wie es für Prosecco Spumante typisch ist, hat dieser DOCG eine cremige und dabei recht kompakte Perlage. Sein Duft erinnert an aufgeschnittenen grünen Apfel, unreifen Pfirsich und weiße Blüten. Am Gaumen zeigen sich Aromen von weißen Früchten wie Apfel, Birne und etwas weißem Pfirsich. Glasklar, superfrisch, dabei sehr elegant. Preis: 13 Euro www.giustiwine.com

Grüner Veltliner Sekt Große Reserve Brut Nature 2016 Goldene Edition Niederösterreich, Weingut Zuschmann-Schöfmann, Martinsdorf Österreich ist auf dem Sekt-Trip. Immer mehr Betriebe arbeiten schon seit Jahren daran und erzeugen Schäumer, die mit sehr gu­ tem Champagner konkurrieren können. Spitze in der noch jun­ gen Rangordnung ist die Große Reserve, die in diesem Fall beim innovativen Weingut von Else Zuschmann-Schöfmann und Peter Schöfmann stattliche 52 Monate auf der Hefe Feinheiten tanken konnte. Das Ergebnis: Ausdrucksstarke Würze im Aroma, delika­ tes Spiel, mineralisch, sanfter Druck, hochelegant, langer Abgang. Bleibt auch im Anbruch lange frisch. Preis: 52 Euro www.zuschmann.at

Yvonne Heistermann

Mauler Cuvée Éclat Brut BIO, Großes Gold Bioweinpreis 2019 Farbe: Strahlendes Rotgold. Nase: Im Duft findet sich ein vielschichtiges Pot­ pourri von frischen Früchten wie Nektarinen, Pfirsichen, gelben Äpfeln, Ana­ nas, rosa Grapefruit und Zitronengras. Zunge: Diese Aromen werden auf der Zunge von einer milden Säure getragen, die sehr feingliedrige Perlage verleiht zudem eine tolle Frische, Aromen von frischem Brot runden diesen Wein auf raffinierte Weise ab. Nachhall: Sehr lang und fruchtbetont. Trinktemperatur: Die Frische und feine Frucht kommen am besten bei kühlen 7 °C zur Geltung. Lagerzeit: Jetzt hervorragender Trinkgenuss bis ca. zu zwei Jahren. Speise­ empfehlung: Canapées mit geräuchertem Lachs oder Entenleber, Königinpas­ tetchen, Schinken im Brotteig oder verschiedene Sorbets

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Schweizer Schaumweine entwickeln sich zum neuen Trend in der Schweiz und so kann man in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg der Produktion feststellen. Der Traditionsbetrieb Mauler vom Neuenburger See kann sogar beim Export nach Deutschland eine größere Nachfrage verzeichnen. Dies liegt nicht nur an der langen Schaumweinkompetenz, sondern vor allem an der hohen Qualität. Die Schaumweine sind mit vielen Preisen ausgezeichnet. Zudem ist das Haus sehr innovativ. Preis: 25 Euro www.mauler.ch

Rudolf Knoll

Grüner Veltliner Brut Weinviertel, Weingut Pfaffl, Stetten Österreich avancierte in den letzten Jahren zu einem Sekt-Aufsteiger. Eine neue Ordnung aus­ schließlich für Grundwein aus Austria mit einem dreistufigen System von der Basis über die Re­ serve und Große Reserve (Letztere mit besonders langem Hefelager) trug dazu bei und weckte Ambitionen. Dass schon in der unteren Kategorie überzeugende Qualität möglich ist, beweist das Weingut Pfaffl, DER Qualitätspionier im Weinviertel. Der Grundwein wurde in Stahl aus­ gebaut. Nach gut einem Jahr auf der Hefe entstand ein feinnerviger Sekt mit lebhafter Perlage, Apfel und Zitrus im Geschmack, herrlich gradlinig. Passt zum zweiten Frühstück. Preis: beschei­ dene 14,50 Euro. www.pfaffl.at

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Arthur Wirtzfeld Arthur Wirtzfeld

Franchiacorta: Ca´del Bosco, Cuvée Prestige, Edizione 43

Methius Brut 2015 Riserva, Metodo Classico, TrentoDoc

Vorweg: Ein klassischer Franciacorta, ausgewogen, angenehm frisch und säurebetont – ein Allrounder par excellence für jede Gelegenheit. 7 % Reserve 2017 und 12 % Reserve 2016 aus Char­ donnay-, Pinot Nero- und Pino Bianco-Weinen verwendet Ca´del Bosco für seine Cuvée Prestige, die diesen Schäumer einerseits so elegant und andererseits so besonders am Gaumen glänzen lassen. Dass die Flasche in gelbes Zellophan gehüllt ist, scheint mir unnötig, soll aber das in sich geschlossene, hauseigene, „ma­ gische Ritual“, die „Methode Ca´del Bosco“, symbolisieren. Jede Flasche ist außerdem eindeutig gekennzeichnet, was die Langle­ bigkeit betont wie auch die Rückverfolgbarkeit der Cuvée Pres­ tige Edizione ermöglicht. Preis: 29,00 Euro www.cadelbosco.com

Oh wie wunderbar! Die Vereinigung bester Trauben der Sorten Pinot Noir und Chardonnay, geerntet aus den Trento-Terroirs Faedo und Pressano und 60 Mo­ nate auf der Hefe gereift, hinterlässt faszinierende Noten von Vanille, Ananas, Pistazie, Biskuit und ein Potpourri an Zitrusfrüchten in der Nase. Die elegante Mineralik, gepaart mit harmonischer Kraft und edlem Schäumen am Gaumen, macht süchtig. Der elegante Körper sowie der Nachhall sind bemerkenswert – was für ein „Grande Vino“. Den Methius, dessen Name weit in die Geschichte zurückreicht, als die Kelten diese Region Norditaliens bewohnten, verdanken wir zwei Weinverrückten – dem Winzer Carlo Dorigati und seinem Freund, dem Önologen Sandro Pater­ noster –, die diesen herausragenden Spumante Brut Riserva, produziert von der Weinkellerei Dorigati, 1986 erstmals gemeinsam lancierten. Was für ein Genuss, welche Faszination, ich bin verliebt in diesen edlen Schäumer. Preis: 34,90 Euro www.dorigati.it

Arthur Wirtzfeld

Franciacorta: Marchese Antinori, Tenuta Montenisa, Cuvée Royale Ihre Seele bezieht diese feinperlige, cremig schäumende Cuvée aus der Vermählung von handselektierten Trauben der Rebsorten Chardonnay, Pinot Nero und Pinot Bianco, die vordergründig Aromen von weißem Pfirsich, Brioche und Hefen verstrahlen. Das blumig- fruchtige Bouquet führt über ein angenehm trockenes Mundgefühl hin zu einem mit salzigen Noten versehenen, lang nachklingenden Finale. Der Körper wirkt dabei geschmeidig und elegant zugleich. Die Cuvée Royale überrascht zudem mit ihrer Leichtigkeit, die ohne Umschweife verführt. Seit 1999 produziert Marchese Antinori in der Franciacorta (in der Nähe von Borgo di Cali­ no und dem See Iseo) die Cuvée Royale im Gut Montenisa. Preis: 23,75 Euro www.tenutamontenisa.it

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Arthur Wirtzfeld

Arunda Excellor, Brut Rosé Metodo Classico Am Tisch führte der für mich vortreffliche Genuss dieses Brut Rosé zur Diskussion – zugegeben, es braucht manchmal auch einen zweiten Schluck und intensive Aufmerksamkeit des Gaumens. Der Arunda Ex­ cellor, basierend auf 100 Prozent Pinot Nero (Blauburgunder), ist eher zurückhaltend mit seinen Reizen: Cassis und Waldbeeren, vermengt mit blumigen Noten, sind in der Nase zu spüren. Am Gaumen vermählen sich Säure und merkliche Fruchtaromen mit prickelnden Perlen, einge­ fangen vom sich anschließenden feinen Schmelz bis hin zu einem leicht bitteren Finale, das sanft von karamelligen Aromen aufgefangen wird. Mich hat seine Ausdruckskraft absolut überzeugt. Ein sehr feiner schäu­ mender Aperitivo oder auch ein wunderbar prickelnder Begleiter zu ge­ dünstetem Fisch, pikanter Asia-Cuisine oder auch zu raffinierten, fruch­ tigen Vorspeisen. Preis: 28,90 www.arundavivaldi.it

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