KOSTENFREI IM ABO
EDITION #58
SEPTEMBER 2019
VERBAND DEUTSCHER WEINPUBLIZISTEN
DOSSIER • Marco de Jerez • Caramba, Caracho, Sherry, olé! • Kathedralen der Criadera‐ & Solera‐Systeme
PORTRAITS • Dr. Friedrich Zweigelt • Albrecht Schwegler • Catherine Faller • Arndt F. Werner • Jean Trimbach
INTERVIEWS & STORIES Peter Geil • Wolfgang Junglas • Prosecco DOCG • Liebliches Tauber‐ tal • Deutschlands höchster Wein‐ berg • Dadenborner Zehnte // Forza Soave • Chambertin Clos de Bèze • Blue Nun • Buchbinder Wanninger • Keller & Dönnhoff ...
C O P Y R I G H T © W E I N F E D E R E . V. V E R B A N D D E U T S C H S P R AC H I G E R W E I N P U B L I Z I S T E N
EDITORIAL / INHALT
WEINFEDER JOURNAL | EDITION # 58 | SEPTEMBER 2019
LIEBE LESERINNEN UND LESER, großes Interesse: Rund 100 Zuhörer kamen auf der VINEXPO Bordeaux zu der Talkshow „Wine journalism in digi tal times“. In der von mir moderierten Veranstaltung gaben Felicity Carter (Meininger’s wine business interna tional), Amy Gross und Bernard Burtschy einen Ausblick auf die Zu kunft des Weinjournalismus. Carter ist skeptisch, was die Zukunft von Printjournalismus angeht, Gross setzt auf Algorithmen, die den Weinkonsu menten per App beraten. Im Oktober beginne ich mit einem Lehrauftrag an der Hochschule Geisen heim zum Thema „Storytelling in Social Media“. Ich freue mich auf die span nende Aufgabe: Die Form ändert sich, aber der Kern der Geschichten bleibt bestehen.
Wie auch immer Kommunikation in Zukunft aussehen wird – ob digital oder analog: Das Kulturgut Wein lebt von Geschichten und Mythen, die auch in Zukunft erzählt werden. Die nächste Geschichte beginnt in diesem Herbst: Wie wird der Jahrgang in Zeiten des Klimawandels? Lasst uns die Geschichte erzählen! Ich wünsche Ihnen einen goldenen Herbst! Ihr
Wolfgang Junglas 1. Vorsitzender Weinfeder e.V. (Verband deutschsprachiger Weinpublizisten)
|DOSSIER JEREZ 33 Route Marco de Jerez // 35 Caramba, Caracho, Sherry, olé! // 38 Kathedralen des Sherry
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INHALT
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INHALT
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|PORTRAITS 05 08 10 12 14 16
Der Rote Granat Dr. Friedrich Zweigelt Weingut Arndt F. Werner Catherine Faller Jean & Julien Trimbach Das „Dreiländereck“ auf dem Weg zur DNA
|INTERVIEWS
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20 Stephan Danner 22 Ein Rheinhesse in Franken 28 Der Eifler Jung
|WEINBAU 42 Wenn die Burenziege im Weinberg der Heidschnucke weichen muss
|WEINKULTUR 43 Prosecco DOCG zum Weltkultur erbe ernannt
|WEINRECHT
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47 Deutschlands höchster Weinberg im Allgäu ist offiziell anerkannt
|WEINSTORIES
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50 Reben in den Breitwiesen dienten 1219 als Sicherheit 52 Forza, Soave! 54 Buchbinder Wanninger und der BeautySecco „Ambrosium“ 56 Chambertin Clos de Bèze Weingeschichte über Eifersucht 58 Der Mann, der die Marke Blue Nun weltweit populär machte
|WEINAUKTION 59 Keller und Dönnhoff schossen den Vogel ab
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INHALT/IMPRESSUM
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● HERAUSGEBER Weinfeder e.V. Verband deutschsprachiger Weinpublizisten, 1. Vor sitzender: Wolfgang Junglas, Weinfeder e.V., Bienenbergweg 4, 65375 OestrichWinkel, Telefon: 06723601902, Fax: 885546, EMail: info@weinfeder.de, Internet: www.weinfe der.de, Facebook: www.facebook.com/weinfeder ● TITELFOTO Monica Silva ● AUTO‐ REN DIESER AUSGABE HermannJosef Berg, Marcel Friederich, Rudolf Knoll, Norbert Krupp, Arthur Wirtzfeld ● LEKTORAT Dr. Christa Hanten ● LAYOUT & SATZ Arthur Wirtzfeld, Telefon: 0931322460, redaktion@weinfeder.de ● SCHLUSSREDAKTION Arthur Wirtzfeld ● ViSdPG Weinfeder e.V. ● COPYRIGHT‐HINWEIS Alle redaktionellen Beiträge im Weinfeder Journal werden in der Originalversion veröffentlicht. Für den Inhalt und die Ausformulierung der Texte sind allein die Autoren verantwortlich, die das alleinige Copyright für ihre Texte innehaben. Ein Nachdruck oder eine Veröffentlichung von Beiträgen im Internet, in sonstigen digitalen oder in Printmedien, auch auszugswei se, kann nur in Absprache mit den jeweiligen Autoren erfolgen. Gegen Honorar, das mit dem Autor zu vereinbaren ist, kann jeder Beitrag unter Angabe der Quelle (Weinfeder) und Namensnennung der/des Autorin/Autors übernommen und veröffentlicht werden.
REDAKTIONSSCHLUSS für die Ausgabe Edition #59 ist der 22. November 2019. Einsendungen von Beiträgen und Bildmaterial bitte an: redaktion@weinfeder.de – Ansprechpartner Arthur Wirtzfeld (gleiche Mailadresse). Rückfragen unter Telefon: 0931322460.
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DER ROTE GRANAT
(Foto: Lucie Greiner)
AUTOR: RUDOLF KNOLL
DER SCHWABE ALBRECHT SCHWEGLER SCHRIEB MIT „GRANAT“ EINE SPEZIELLE WÜRTTEMBERGER ROTWEINGESCHICHTE COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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Die tiefe rote Farbe ließ keinen Ansatz von Reife erkennen. Feine animierende Aromen kitzelten die Nase. Im Geschmack präsentierte sich die Cuvée von Lemberger und Zweigelt elegant, vielschichtig, mit Tiefgang. Blind verkostet hätte man diesen Wein aus dem Württemberger Remstal auf ein Alter von vielleicht zehn, maximal 15 Jahren geschätzt. Aber es handelte sich um einen „Granat“ des Jahrgangs 1990, der damals 0,66 Hektar Reben entsprang, mit denen Albrecht Schwegler aus Korb zusammen mit seiner Frau Andrea als Garagenwinzer startete.
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um 60. Geburtstag im November vor einem Jahr wollte er eigentlich eine Probe mit sei nen TopWeinen aus knapp drei Jahrzehnten auf den Tisch stellen. Es dauer te dann doch noch fast ein Jahr, bis es so weit war und sich Sohn Aaron (Jahrgang 1988), inzwi schen voll in der Verantwortung, daranmachen durf te, den Korkenzieher hervorzuholen. Einen Korkfehler musste er aussortieren, sonst gab es unter den 22 Weinen nichts zu beanstanden. Die Qualität war durchgängig ausgezeichnet, es waren keinerlei Schwächen zu registrieren, dafür eine Reihe von Höhepunkten, die deutlich machen, dass im Remstal große Weine wachsen können, wenn man das Potenzial der Region optimal nutzt.
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Es handelte sich überwiegend um den Wein, den Schwegler seinerzeit Granat nannte, nicht zu ver wechseln mit der Granate, die kriegerisch irgendwo einschlägt, sondern weil das Mineral Granat Bestandteil von Schmuckstücken ist und das auch bereits in der Antike war. Freilich kann es sein, dass Verkoster urteilen, der Wein sei „granatenmäßig“ gut. In diese Reihe passen auch andere Weine des Hauses. Zweitwein ist der Saphir, in der Regel ebenfalls ein bemerkenswerter Rotwein. Und dann gibt es noch einen Überdrüber, der in knapp drei Jahrzehnten Gutsgeschichte nur dreimal nach extrem langem Lager in Barriques (sechs Jahre) in die Flasche kam, den Solitär (1999, 2003 und 2011). Der 2011er, der 2018 in den Verkauf kam und in Windeseile ausver kauft war, ist ein reiner Zweigelt. Die begeisterte Kundschaft nahm keinen Anstoß am Preis (180 Euro für die 0,75lFlasche) und war nur unzufrieden, weil sie nicht genügend geliefert bekam … Der selbstbewusste Preis war von Anfang an auch eine Art Markenzeichen für Schweglers nicht in jedem Jahrgang erzeugten Granat. Als er befreun dete Winzer mit 44 Mark für seinen ersten Jahrgang konfrontierte, war die entgeisterte Reaktion, „dös got net“. Die Vorschläge lauteten „unter 20 Mark“, obwohl das damals für Wein aus Württemberg schon extrem hoch war. Aber Albrecht blieb selbst bewusst und stur und machte sich bald einen Namen, auch weil er in Weinmedien positiv auffiel. Inzwischen ist er beim Granat bei 56 Euro angelangt – und nimmt zufrieden zur Kenntnis, dass es deut sche Kollegen gibt, die für ihre TopRotweine noch etwas mehr verlangen … Dass er mal ein erfolgreicher Wengerter werden soll, war ihm nicht unbedingt vorgezeichnet. Es gab zwar schon zu Zeiten vom Opa Weinbau in der Familie und bei Albrecht war die klare Zielsetzung, dass Wein für ihn der richtige Beruf war. Er machte eine Lehre im Schlossgut Hohenbeilstein, drückte dann die Schulbank in Weinsberg für die Technikerausbildung, war ein halbes Jahr in Südafrika in der damals noch riesigen Genossenschaft KWV tätig, die vom Schwaben Willi Hacker dirigiert wurde. Es folgten – mit einem kurzen Intermezzo in Neuseeland – acht Jahre als Kellermeister der Remstalkellerei in Wein stadtBeutelsbach, die in den 1980erJahren einen guten Ruf hatte. Albrecht Schwegler registriert es mit Bedauern, dass der einst stolze Betrieb aktuell einem Schrumpfungsprozess unterliegt und immer mehr Mitglieder austreten oder aufhören und ihre Reben verkaufen wollen. „Kürzlich wurden uns erst wieder zwölf Hektar angeboten.“ Zugekauft hat man ohnehin die letzten Jahre einiges. Bis 2008 hatte man nur zwei Hektar unter Reben, doch mit dem Eintritt des gut ausgebildeten Juniors Aaron (lernte bei Sven Ellwanger, Joachim Heger und beim Schweizer Daniel Gantenbein) sollte aus dem Minibetrieb ein richtiges Weingut entstehen, von dem eine Familie gut leben kann. Inzwischen ist man bei über zehn Hektar angelangt. Und bald lassen sich die schon länger währenden Pläne für den Bau eines
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Drei Generationen Familie Schwegler (Foto: Lucie Greiner)
Weingutes in freier Natur umsetzen. In Korb gab es dafür keinen Platz und viele Hindernisse. Dankend wurde deshalb eine Offerte der Nachbarstadt Waiblingen angenommen, wo Albrecht seit 2005 mit seinem zweiten Standbein bereits als Unternehmer ansässig war. Er hatte nach der Remstalkellerei als Organisator bei FAG Kugelfischer in Korb gearbeitet. Als diese Niederlassung geschlossen wurde, wurden ihm die Räumlichkeiten angeboten. Er schlug ein und gründete mit einem Partner 1993 die LTK Linear technik, ein heute sehr erfolgreiches, mittelständisch strukturiertes Maschinenbauunternehmen. Es hatte sehr dazu beigetragen, dass er und Gattin Andrea mit seiner früheren kleinen Rebfläche gut leben konnten. Bemerkenswert bei Schweglers Granat und auch sei nem Zweitwein Saphir und dem Einstiegsroten Beryll ist, dass die Zusammensetzung von Jahr zu Jahr wech selt. Die Weine werden von Fass zu Fass (heute rund 300 Barriques, im ersten Jahr nur vier oder fünf) ver kostet und dann entsprechend eingestuft. Zweigelt ist beim Granat immer dabei, mal garniert nur mit Cabernet Sauvignon (2016), dann mit Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah (2015) oder mit Cabernet Franc und der Schweizer PIWIKreuzung Cabertin (Schwegler: „Für SoloAusbau nicht geeig net, aber ein sehr guter CuvéePartner.“). Nur eine
Sorte war bislang lediglich beim Solitär 2011 (als Zweigelt wohl einer der besten Rotweine, die je in Württemberg erzeugt wurden) und 1999 (ein bedeu tender Lemberger) sowie beim immer noch jugend lich anmutenden 1993er Granat (ebenfalls reiner Zweigelt) im Spiel.
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AARON UND SEINE ZIELE
Rot ist seit einigen Jahren nicht mehr die einzige Farbe im Haus. Inzwischen hat sich Aaron eine grö ßere Spielwiese geschaffen, kann einen knackigen Rosé, einen mineralischen Riesling und einen ele ganten, geschmeidigen Chardonnay vorweisen, denen ebenfalls Beifall gezollt werden darf. Nächste Zielsetzung: Mit Riesling Furore machen. Und mit Pinot Noir. Am Jahrgang 2017 hätte ein Pinot Künstler, sein Schweizer Lehrmeister Daniel Ganten bein, wohl viel Freude…
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Dr. Friedrich Zweigelt
REBSORTE ZWEIGELT IM KRITISCHEN VISIER – DER ZÜCHTER WAR EIN GLÜHENDER NAZI AUTOR: RUDOLF KNOLL (Foto: www.kultur‐klosterneuburg.at) COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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Dass Rebsorten nach dem Namen ihrer Züchter benannt wurden, ist eher selten in der Weingeschichte. August Herold (1902‐1973), der „Vater“ von Kerner, Hölder, Helfensteiner etc. war so einer. Er vermählte 1929 Blauen Portugieser und Lemberger zur Heroldrebe, die aber nie eine große Karriere machte. Hermann Müller aus dem Schweizer Kanton Thurgau (1850–1927) ist der Züchter von Müller‐Thurgau, einer Sorte, die 1882 in Geisenheim gekreuzt wurde und richtig Karriere machte. Sie stand sogar schon auf Platz eins der deutschen Sortenstatistik (vor 40 Jahren mit rund 24.500 Hektar).
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eiden Herren kann im Rückblick ein guter persönlicher Leumund bescheinigt werden. Gleiches gilt für den verdienstvollen Georg Scheu (1879–1949), der als Rebenzüchter in Alzey für die 1916 gekreuzte und ursprüng lich Sämling 88 genannte Scheurebe (Riesling x Bukettraube) verantwortlich war. Zwischenzeitlich ab 1936 wurde die Sorte Dr. WagnerRebe genannt, nach einem Landesbauernführer und NaziSchergen, bei dem man sich damit vermutlich etwas einschmeicheln und Fördermittel ergattern wollte. Nach 1945 wurde die Sorte „entnazifiziert“. Nach längeren Diskussionen einigte man sich auf Scheurebe. Gegen die ursprünglich ins Auge gefasste Version Scheu’s Riesling gab es ein Veto von Georg Scheu, der wusste, wie viele Rheinhessen seinen Namen aussprachen: „Schei“… Ganz anders erging es einer Sorte, die heute in Öster reich die mit Abstand wichtigste Rotweinrebe ist. Der Zweigelt (St. Laurent x Blaufränkisch, Zuchtjahr 1922) wird auf über 6.400 Hektar angebaut. Ihr Züchter Dr. Friedrich Zweigelt (1888–1964) nannte sie Rotburger, nach der Farbe und der Herkunft, der Rebenzüchtung Klosterneuburg. Der Sortenvater galt als exzellenter Wissenschaftler im Bereich Forschung und Reben züchtung. Aber er war auch ein glühender Verehrer der Nazis, wurde 1933 Mitglied des damals in Österreich gerade verbotenen NSDAPAblegers und machte mit Sprüchen wie „Wer nicht für den Führer ist, hat sein Leben verwirkt“ von sich reden. In Kriegszeiten setzte er sich als Direktor der Höheren Lehranstalt für Wein und Obstbau Klosterneuburg intensiv dafür ein, dass die Institution „ein Bollwerk für den Nationalsozialismus“ ist. Andersdenkende hatten darunter zu leiden und wur den überwiegend aussortiert. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gab es dafür keine ausreichende Quittung. Zwar stellten ihn etliche Ge schädigte an den Pranger, aber es gab auch alte Kame raden, die ihn zumindest teilweise reinwaschen konn ten. So wurde Zweigelt als Mitläufer eingestuft und nicht belangt. Die Sorte Rotburger wurde ungeachtet dieser Vorgeschichte weiter angebaut und entwickelte sich aus Sicht mancher Winzer durchaus positiv. Das brachte den Weingutsbesitzer und Erfinder der Hoch
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kultur, Lenz Moser (1905–1978), auf eine im Rückblick eher fatale Idee: Die frostresistente, für die Stocker ziehung besonders geeignete Sorte sollte nach ihrem Züchtervater benannt werden. Er wurde damit bei Friedrich Zweigelt vorstellig, der wohl sehr schnell ein willigte und dabei nicht seine Genugtuung darüber ver barg, dass seine Feinde aus NaziZeiten das als Ärgernis empfinden würden. Offiziell wurde die Sortenbezeichnung zwar erst 1975, doch niemand nahm damals wohl Anstoß, welcher Mensch der Namensgeber gewesen war. Die Sorte machte Karriere. Sie bewies in Wettbewerben Qualität und bekam am Neusiedlersee sogar DAC Status. Auch für andere Länder wurde sie für den Anbau interessant. So auch für Deutschland, hier vor allem in Württemberg, wo aktuell 65 Hektar mit Zweigelt bestockt sind. 2011 gab es in Österreich den ersten Vorstoß, sich kri tisch mit dem Namen Zweigelt auseinanderzusetzen, nachdem eine Weinbruderschaft gegen die Sortenbe zeichnung votiert hatte. In dem Dokumentarfilm „Zweigelt – Wein und Wahrheit“ wurde die Rebe von Experten zwar für ihre Qualität gelobt, aber auch der Züchter ins kritische Visier genommen. Doch Sende zeiten am zeitigen Morgen oder in der späten Nacht verhinderten eine größere Aufmerksamkeit. Aller dings ist der Film heute noch abrufbar über die Website eines Langenloiser Weingutes. Thomas Leithner, der Urenkel von Fritz Zweigelt, zeigt hier keine Scheu vor der nicht eben ruhmreichen Ver gangenheit seines Verwandten und verweist auf des sen NaziAktivitäten. Für geschichtlich interessierte Insider der Weinszene waren sie schon lang bekannt, aktuell dürfte das Thema vielleicht wieder etwas hochkochen. Denn in dem im Oktober erscheinenden Buch „Wein in Österreich – Die Geschichte“ behandelt ein umfangreiches Kapitel des deutschen Weinhistorikers Dr. Daniel Deckers (auch Redakteur der FAZ) kritisch und mit deutlichen Worten den Werdegang von Herrn Zweigelt. Deckers durfte dafür in bislang unbekannten Annalen stöbern und hatte die Rückendeckung von Österreichs Wein marketingChef Willi Klinger, der als Herausgeber des Buches die Genehmigung seines Aufsichtsrates einge holt hatte. Klinger, der zum Jahresende aus der ÖWM ausscheidet, sprach im Zusammenhang mit diesem Kapitel von „meinem Vermächtnis“. Er kündigt die Bildung einer Kommission an, die sich mit dem Thema befassen soll, glaubt allerdings nicht, dass die Bezeich nung Zweigelt wieder ins kritische Visier genommen wird. Dafür sei die Sorte zu erfolgreich. Und wenn man konsequent sei, müsse man zum Beispiel auch Porsche umbenennen. Denn das Autounternehmen bzw. ihr Chef Ferdinand Porsche war bekanntlich in den 1930er Jahren ein enger Partner der Nazis … Mittlerweile bieten einige Winzer in Österreich die rote Sorte wieder als Rotburger an. In Deutschland wäre das nach dem Länderrecht aktuell zum Beispiel für Franken zulässig, nicht aber für das Hauptan bauland Württemberg. Hier ist dieses Synonym vor läufig nicht zugelassen.
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200 Jahre Weingut Arndt F. Werner
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(Foto: Hermann‐Josef Berg)
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DER ERFOLG KAM AUF DER ÖKO-SCHIENE AUTOR: HERMANN-JOSEF BERG
Ingelheim am Rhein ist weithin als „Rotweinstadt“ bekannt. Nicht nur, weil in der gesamten Rebfläche der Anteil von Früh‐, Spätburgunder & Co. gegenüber den weißen Rebsorten höher ist. Es ist auch der terroirprägende Muschelkalk, der den Ingelheimer Rotweinen seinen Stempel aufdrückt und ihren guten Ruf begründet. Auch wenn der Kreis der Spitzenbetriebe inzwischen größer geworden ist, ein Name begegnet einem immer: das Weingut Arndt F. Werner. In diesem Jahr ist es 200 Jahre alt. COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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ngesprochen auf den Hauptgrund für die Verkaufserfolge ihrer Weine, sagt SeniorChef Arndt Werner mit einem spitzbübischen Lächeln: „Wir können eigentlich nichts verkaufen, was uns nicht schmeckt!“ Und JuniorChef Thomas pflichtet ihm bei: „Wir sind eben selbst Weinliebhaber!“ So sind sie, die Werners: ehrlich, bodenständig, aber auch innovativ. Die Firmengeschichte läutete Johann Baptist Werner 1819 ein – wie so oft in Rheinhessen als „Gemischt warenbetrieb“ aus Landwirtschaft und Weinbau. In der 1970erJahren stellte Ferdinand Werner den Weinbau in den Mittelpunkt, mit seinerzeit sieben Hektar Anbaufläche. Im Rebsortenspiegel befanden sich Silvaner, Riesling, Scheurebe, Portugieser und Spätburgunder. Sohn Arndt, eigentlich gelernter DiplomGeograf, konzentrierte sich ab 1981 nur noch auf den ökologischen Anbau. Als der Vater 1988 in den Ruhestand ging und er den Betrieb übernahm, lag die Rebfläche bei zehn Hektar – anno 2019 sind es rund 20 Hektar. Ausgestattet mit dem Wissensdurst eines Wissen schaftlers, pflanzte Arndt Werner auch neue, aus seiner Sicht „spannende“ Rebsorten an: Char donnay, Cabernet Blanc, Cabernet Sauvignon und Syrah. Gemeinsam mit seinem Sohn experimentiert er weiter. Thomas ist nach einer Lehre als Bank kaufmann und anschließendem Geisenheim Studium seit Frühjahr 2018 fest ins Betriebs geschehen eingebunden.
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NICHT NUR DIE ROTEN HABEN’S IN SICH
Die bisherigen Erfahrungen helfen, wenn beide dar über diskutieren, welche Rebsorten das größte Potenzial im Hinblick auf die offensichtlichen Klimaveränderungen haben. Aktuell arbeitet das Weingut mit 20 Rebsorten. Kurioserweise werden häufig die Rotweine als Stärke angesehen, dabei haben auch Werners Weißweine schon respektable Preise eingeheimst. Die Qualität der Werner Kreszenzen dokumentieren auch zehn Staatsehren preise (in zwölf Jahren), darunter zwei „Große Staatsehrenpreise“. Von den tollen Bewertungen in den einschlägigen Weinführern ganz zu schweigen.
Ob Riesling oder Chardonny (im Stückfass), Arndt und Thomas Werner lieben es, mit vielen Rebsorten zu arbeiten. Wofür sie allerdings die Weinführer und die vielen Privatkunden verehren, sind die Früh und Spätburgunder sowie Portugieser. „Eine leider generell immer noch unterschätzte Rebsorte“, seufzt der Senior. Doch seine Traurigkeit hält sich in Grenzen, weil er mit über 50 Jahren alten PortugieserReben wahre Schätze im Wein berg stehen hat. Thomas und Arndt Werner wissen jedoch sehr genau, dass nicht nur die Voraus setzungen im Weinberg stimmen müssen, sondern auch kellertechnisch alles gelingen muss. Die Innovationsfreudigkeit des Betriebes wird auch durch OrangeWeine belegt. Werners greifen dafür auf die Rebsorten Weiß, Grauburgunder und Gewürztraminer zurück. Gerade wegen ihres Knowhow wurden sie mittler weile zum „Partnerbetrieb Naturschutz“ ausgewählt. Dieses rheinlandpfälzische Projekt will das Zusam menwirken zwischen Naturschutz und landwirtschaft licher und WeinbauProduktion verbessern.
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KONSEQUENTE QUALITÄTSPHILOSOPHIE
Natürlich spielt nicht nur der leidenschaftliche Weingenuss beim Erfolg des Weingutes Werner eine Rolle. Es beginnt bereits mit einem kompromisslosen BioQualitätsmanagement im Weinberg. Vollständige Handlese inklusive. Einem geschulten, seit Jahren erfahrenen Team für die Weinlese. Mit moderner Technik, mit der das Weingut stets zu den Vorreitern zählte: beim Entblättern, in der ÜberstockBear beitung, mit kleinen, handwerklich ausgebauten Gebinden in qualitativen BarriqueFässern. Auch der gesamte, schonende Ablauf der Herstellung spielt eine wichtige Rolle – hier war der Neubau eines Kellergebäudes vor zwei Jahren ein großer Schritt ins dritte Jahrhundert des Weingutes. Auch Weinlieb haber überlassen nichts dem Zufall.
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Catherine Faller beim Interviewtermin im Probierraum des Weinguts – im Hintergrund sind diverse Familienfotos zu sehen, viele von ihrer verstorbenen Mutter und Schwester. (Foto: Marcel Friederich)
Die nächste Weinpionierin AUTOR: MARCEL FRIEDERICH
Jahrzehntelang wird die Domaine Weinbach von Frauen gelenkt, derzeit von Catherine Faller. Eine beeindruckende Persönlichkeit, die zahlreiche Schicksalsschläge verkraften musste, trotzdem neue Visionen für ihr Weingut entwickelt. COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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atherine Faller sagt: „Allzu oft werden Frauen nur nach ihrem Aussehen bewertet“, und präzi siert: „Dann heißt es, die ist zu dick, die ist zu dünn, und bei der passt die Kleidung nicht. Das ist nicht wirklich fair. In unserer Familie haben wir uns schon immer zum Ziel gesetzt, dass wir anders bewertet werden – und zwar nach unseren Weinen!“
Das idyllische Anwesen der Domaine Weinbach befindet sich am Fuße des Schlossberges, einer der vier Grand‐Cru‐Lagen des Weinguts. (Foto: Marcel Friederich)
Ein altes, wunderschönes Klostergebäude aus dem 17. Jahrhundert, gelegen im elsässi schen Kaysersberg, direkt am Flüsschen Weiss. Umgeben von Weinstöcken, so weit das Auge reicht. Die Idylle der Domaine Weinbach verzückt jeden Weinfreund, der den Weg hierher findet. 1898 gegründet, haben in dem Weingut fast schon traditionell Frauen das Sagen. „Meine Mutter war eine echte Weinpio nierin“, sagt Catherine im Probierraum des Weinguts und zeigt auf ein Foto ihrer Mutter Colette. Jahrzehntelang lenkte diese die Geschicke des Betriebes, nach dem ihr Mann Théo bereits 1979 verstor ben war. „Meine Mutter war damals noch gar keine große Weinexpertin, hatte jedoch keine andere Wahl, als schnell dazuzulernen und die Führung zu über nehmen.“ Und das mit großem Erfolg. Die Domaine Weinbach etablierte sich unter den TopWeingütern im Elsass. „Zu dieser Zeit gab es kaum Frauen, die im Wein business verantwortlich tätig waren. Da
her wurde meine Mutter anfangs nicht wirklich ernst genommen“, berichtet Catherine. „Doch sie hat sich durchge setzt. Gegen alle Widerstände.“ Immer an der Seite von Colette Faller: ihre Töchter Catherine und Laurence. Ein per fekt harmonierendes Trio, das schon immer auf „elegante, ausbalancierte Weine“ setzt, wie Catherine erklärt. Nicht staubtrocken,
sondern gerne mal mit dem einen oder anderen Gramm Restsüße. Heute bewirt schaftet das Weingut 32 Hektar, alle Trau ben werden handgelesen. Seit 1998 wird das Weingut biodynamisch betrieben und ist seit 2010 zertifiziert. Vor fünf Jahren ereilte die Domaine Wein bach ein schlimmes Schicksal. Nach einem Herzinfakt verstarb Laurence Faller – im Alter von nur 47 Jahren. Eine der Top Winzerinnen Frankreichs, hoch talentiert im Weinberg wie auch im Keller. Plötzlich aus dem Leben gerissen. Von diesem Schicksalsschlag gezeichnet, verstarb auch Mutter Colette nur wenige Monate später. Die Grande Dame wurde 85 Jahre alt. Was für ein Schock, was für eine Lücke. Menschlich sowieso, aber auch fachlich für das Weingut. Doch Catherine Faller gab nicht auf. Sie übernahm allein die Leitung, unter stützt von ihren Söhnen Théo und Eddy. Das neue Trio der Domaine Weinbach. „Wir haben viele Pläne und blicken voraus“, sagt Eddy und zeigt auf die kleine Halle an der hin teren Seite des Weinguts. Dort, wo bislang die Traubenpressen gelagert wurden, sollen bald schon Barriquefässer ihr neues Zuhause finden. Die Umbauarbeiten laufen. „Und wir versuchen, eine weitere, fünfte GrandCru Lage zu erwerben, um unser Segment an
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TopWeinen noch auszuweiten“, ergänzt Catherine Faller. Eine beeindruckende Frau, charismatisch, selbstbewusst, jederzeit per fekt gekleidet, die genauso aber auch anpackt, wenn beispielsweise Weinkisten zu schleppen sind. Obgleich die neuen Pläne des Weingutes rei fen, wird das Vergangene nicht einfach abge hakt. Ganz im Gegenteil. Zahlreiche Familien
fotos hängen im Probierzimmer der Domaine Weinbach. Colette Faller und ihre Tochter Laurence sind überall zu sehen. Ein Porträt von Laurence ist mit einer weißen Rose ver sehen. Beiden Frauen ist jeweils ein Wein gewidmet. So ist einer der 2018er Rieslinge als „Cuvée Colette“ bezeichnet, einer der 2018er Grauburgunder als „Cuvée Laurence“. Cuvée bedeutet hier jeweils „zu Ehren von“. Jeder Gast, der die Domaine Weinbach betritt, soll sofort erkennen, wer diesen Betrieb zu einem TopWeingut entwickelt hat. Nämlich Frauen. Catherine Faller ist froh, dass in immer mehr Weingütern wichtige Positionen von Frauen bekleidet werden. Trotzdem müsse sich noch eine Menge ändern, bis die Gleich berechtigung von Männern und Frauen erreicht sei – im Weinbusiness genauso wie in der gesamten Gesellschaft. So zitiert sie die französische Schriftstellerin Françoise Giroud, die einst sagte: „Die Frau wird erst an jenem Tag wirklich gleichberechtigt sein, an dem man auf einen bedeutenden Posten eine inkompetente Frau beruft.“ Und dies sei noch längst nicht erreicht. In jedem Fall steht eine kompetente, starke Frau an der Spitze der Domaine Weinbach. Catherine Faller – allen Schicksalsschlägen zum Trotz.
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Während Jean Trimbach (59 Jahre) für den Vertrieb zuständig ist, hat Sohn Julien (27) seine Liebe zur Arbeit im Keller (Foto: Marcel Friederich) gefunden.
„Obama liebt unsere Rieslinge“ AUTOR: MARCEL FRIEDERICH
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ean Trimbach zeigt auf die beiden Holztische, die im Probierraum sei nes Weinguts stehen. „An dem einen saß der schwedische König Carl Gustav mit seinen Jungs, an dem anderen Königin Silvia mit ihren Mädels“, berichtet er mit einem Lachen über den außergewöhnlichen Besuch. Schließlich gehört das schwedische Königspaar zu den prominentesten Fans des Weinguts in Ribeauvillé, im Herzen des Elsass gelegen. 1626 wurde die Domaine Trimbach ge gründet und wird heute in zwölfter Fami liengeneration geführt. Man blickt auf eine riesengroße Historie zurück, doch gleichzeitig werden neue Wege einge schlagen, um auch weiterhin auf Top Niveau agieren zu können. Wir waren zu Besuch bei einem der renommiertesten Rieslingproduzenten Frankreichs.
schaftet werden 57 Hektar und „jede ein zelne Traube wird mit der Hand gelesen“. Allerhöchste Qualitätsansprüche, betont Jean Trimbach, dafür stehe das Weingut seiner Familie. Während er dies sagt und die Stimme hebt, deutet er auf eine weitere Urkunde, die mit der Überschrift „Concours International“ versehen ist. Sie stammt aus dem Jahr 1898, ausgestellt für den damali gen Weingutsbesitzer Frédéric Emile Trimbach. Schließlich hatte er seine Weine bei einer internationalen Weinmesse in Brüssel präsentiert und erhielt allerhöchste Auszeichnungen. „An diesem Qualitätsanspruch wollen und müssen wir uns weiterhin messen lassen“, sagt Jean Trimbach, „deshalb hat das Jahr 1898 bis heute für uns eine so große Bedeutung“. Somit sei es ein Stück weit
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DAS SCHWEDISCHE KÖNIGSPAAR SIND WUNDERBARE KUNDEN VON UNS ...
... strahlt Jean Trimbach. „Erst kürzlich war ein Mitarbeiter des Königshauses bei uns und hat 240 Flaschen unseres TopRieslings Frédéric Emile geordert. Es wurde ein wenig Nachschub benötigt.“ Mehr noch: Bei offiziellen royalen Veranstaltungen wird regelmäßig TrimbachRiesling ausge schenkt, zuletzt etwa bei der Hochzeit von Prinz Carl Philip und Prinzessin Sofia im Juni 2015. Mindestens genauso besonders war der Anlass im Dezember 2009, als der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Und auch dort gab es einen TrimbachRiesling. Der Preisträger hieß Barack Obama. „Er liebt unsere Rieslinge“, sagt der Winzer im Probierraum, wo Erinnerungen an alle diese Events feinsäuberlich an der Wand hängen. Jean Trimbach ist ein bodenständiger, sym pathischer Mann. Wenn er über Obama oder das schwedische Königspaar spricht, spürt man selbstverständlich seinen Stolz, aber viel mehr noch seine Demut, da eine ganze Menge harter Arbeit hinter dem Renommee des Betriebes steckt. Bewirt
Druck und Antrieb zugleich, die erfolgrei che Familientradition weiterzuführen. Chef des Weinguts ist aktuell Hubert Trimbach, gemeinsam mit seinen Neffen Jean und Pierre. Während sich Pierre um den Keller kümmert, ist Jean für den Vertrieb zuständig. Zudem sind Pierres Tochter Anne und Jeans Sohn Julien schon voll im Betrieb involviert – die 13. Generation der Trimbachs. „Bei mir war es damals so, dass ich lange Zeit gar nicht so sehr am Weingut interessiert gewesen bin“, sagt Jean Trimbach, während er ein Schlückchen 2017er Pinot Gris verkos tet. Erst mit 18 Jahren habe es einen Schlüsselmoment gegeben. „Wir saßen bei einem Familientreffen beisammen und haben einen fast 20 Jahre alten Pinot Gris probiert. Von diesem Geschmack war ich so fasziniert, dass ich unbedingt im Weingut ein steigen wollte“, erinnert er sich – inzwischen 59 – mit funkelnden Augen. Heute fliegt er rund um die Welt, „um die Menschen von unseren Weinen zu begeistern“. Etwa fünf
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Monate pro Jahr verbringt er entfernt von der Heimat. „Schließlich exportieren wir 85 Prozent unserer Weine.“ Vor allem in die USA, nach Japan, Schweden, Großbritannien oder Dänemark. Ganz hoch im Kurs stehe überall, ja fast schon selbstverständlich, der Riesling des Weinguts. Im gesamten Elsass ist Riesling die am meis ten angebaute Traube, und zwar zu 22 Prozent. „In unseren Weinbergen“, sagt Jean Trimbach, „kommt der Riesling auf 50 Prozent.“ Wer das Glück hat, einen dieser Rieslinge kosten zu können, ganz egal in wel cher Güteklasse, erkennt auf Anhieb den spe ziellen Stil des Weinguts. Ein zartes Bouquet, eine ausgeprägte, aber nicht überbordende Frucht – und in jedem Fall trocken ausgebaut. So begeistern die TrimbachRieslinge schon jahrzehntelang die Weinwelt. „Andere Weingüter der Region sind deut lich wechselhafter“, erzählt Jean Trimbach, „viele haben nach dem Zweiten Weltkrieg mit trockenen Weinen begonnen, wurden im Laufe der Zeit dann immer süßer. Seit fünf, zehn oder 15 Jahren steigen sie nun wieder auf trockenere Weine um. Wir dage gen haben niemals unseren Stil verändert.“ So soll es auch in Zukunft weitergehen. „Qualität, Qualität, Qualität“, so nennt Jean Trimbach das Credo, das auch in den kommenden Jahrzehnten aufrechterhal ten werden soll. Momentan seien ihre Rieslingreben in voller Reife und bringen besten Ertrag, sagt der 59Jährige, „doch wir beschäftigen uns ebenfalls schon sehr mit den Herausforderungen, die vor der Haustür stehen.“ Allen voran ist das der Klimawandel. Ob auf Dauer weiterhin 50 Prozent Riesling angebaut werden kön nen, vermag der Winzer nicht einzuschät zen. „Es ist ganz logisch, dass wir uns überlegen müssen, was wir in Zukunft am besten anpflanzen, um unsere Ansprüche zu wahren.“ Kurz und mittelfristig sieht Jean Trimbach das Familiengut sehr gut gerüstet, in der Weinwelt weiter für Furore zu sorgen. „Dafür haben wir sehr viel in unsere Weinberge investiert und in den vergan genen zehn Jahren 30 Hektar neu ange pflanzt.“ Von den insgesamt 57 Hektar stellen 30 Prozent der Fläche allerbeste GrandCruLagen dar – der Durchschnitt im Elsass beläuft sich auf 4 Prozent Grand CruFlächen. So ist davon auszugehen, dass die Domaine Trimbach auch künftig den einen oder ande ren prominenten Fan in Ribeauvillé begrüßen kann. Die beiden Holztische im Probierraum stehen jedenfalls bereit.
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Liebliches Taubertal
Weingut Benz im Taubertal – umgeben von Wald, Obstwiesen und Weinbergen (Foto: Andreas Durst)
DAS „DREILÄNDERECK“ AUF DEM WEG ZUR DNA AUTOR: MARCEL FRIEDERICH
Eine „vergessene Region“? Oder doch eine ganz besondere Ecke, die drei Anbaugebiete zusammen‐ führt? Die Meinungen über das Taubertal sind gespal‐ ten. Doch das Ziel ist klar: Die Region und ihre Winzer sollen zukünftig besser positioniert werden. COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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mmer wieder kommt es zu kuriosen Verwechslungen, wenn Gäste zum Weingut Benz nach LaudaKönigs hofen kommen. „Die Leute sagen dann, sie wollten Urlaub in Franken machen. Aber das stimmt nicht – sie sind in Baden gelandet“, berichtet Corina Benz schmunzelnd. Schließlich befindet sich ihr Weingut im Taubertal, das die drei Anbaugebiete Franken, Baden und Würt temberg vereint. Da könne man schon mal durcheinanderkommen. Was ist das Taubertal überhaupt? Die Region erstreckt sich südlich des Mains, am Lauf des Flusses Tauber entlang. Von Wertheim über Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim bis hin nach Rothen burg ob der Tauber. Einerseits eine idylli sche Ecke mit wunderbaren Rad und Wanderwegen, andererseits für manche noch ein weißer Fleck auf der Landkarte. Doch umso mehr lohnt sich ein Besuch im
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„Dreiländereck“, das mehr und mehr ver sucht, sich eine DNA aufzubauen. Und gleich zeitig spannende Winzerpersönlichkeiten zu bieten hat.
mit einem Beleuchtungs und Beschal lungskonzept entwickelt“, berichtet Corina Benz, „so steigen wir in eine neue Dimen sion der Kellerführung ein.“
„Die Winzer im Taubertal gehören offiziell zu drei unterschiedlichen Anbaugebieten, diese Herkunft wollen wir auch gar nicht leugnen“, sagt Corina Benz. „Aber es ist nicht so, dass die Winzer hier typisch badisch oder typisch fränkisch wären. Jeder von uns hat seine eigene Philo sophie und seine eigenen Ideen. Das zeichnet uns im Taubertal besonders aus.“
Inzwischen hat sich das „Vintasticum“ zu einem kleinen Gästemagneten im Tauber tal entwickelt, weshalb Corina Benz den landwirtschaftlichen Innovationspreis er hielt. Passenderweise lautet ihr Credo: „Auch wenn das Taubertal sehr idyllisch daherkommt, wollen wir gleichzeitig mo dern und innovativ sein.“
Sie selbst war Badische Weinkönigin 2006. Nun ist die junge Frau im heimischen Wein gut für das Marketing und den Vertrieb zuständig. Im Juli 2012 initiierte sie die Weinerlebniswelt „Vintasticum“ – eine außergewöhnliche Weingutsführung, die den Wein fühlbar und erlebbar macht. „Dafür haben wir ein spezielles Drehbuch
Corina Benz (Foto: Andreas Durst)
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Brüder Baumann
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benso außergewöhnlich geht es zehn Autominuten entfernt in Gerlachsheim zu. Und zwar beim Bioweingut Baumann. Lagebe zeichnungen? Gibt es hier nicht. Jahrgänge? Ebenso nicht zu finden. Wer auf die Flaschen des Weinguts blickt, erkennt auf Anhieb eine kleine Weinrevolution. Schließlich plädieren die beiden Brüder Matthias und Michael Baumann für ein striktes Umdenken, hin zum vereinfachten Weingenuss. Deshalb krempeln sie eine Menge um. „Uns geht es nicht um Jahr gänge, Lagen oder Sorten – wir wollen ein fach geilen Wein machen, der die Men schen begeistert“, machen die beiden klar. Sie verzichten auf Lagebezeichnungen, „weil das zu viel KleinKleinDenke ist. Den durchschnittlichen Konsumenten interes siert es nicht, ob die Trauben aus dem vier ten Stock der dritten Zeile von dem oder jenem Weinberg kommen“, sagt Michael Baumann. „90 Prozent der Konsumenten wollen einfach Spaß am Weintrinken haben, ohne über komplizierte Lagen nach denken zu müssen.“ Umso mehr lieben es die beiden Brüder, zu experimentieren. Zum Beispiel mit neuen, pilzwiderstandsfähigen Sorten wie Donauriesling oder Sauvignon Gris. Cuvéetiert wird dann mit ganz unterschied lichen Jahrgängen in verschiedenen Mengen. „Daher ist es uns gar nicht erlaubt, explizite Jahrgänge auf unsere Flaschen zu schreiben“, erklärt Michael Baumann: „Dafür müssten 85 Prozent der Trauben aus einem Jahrgang kommen, doch das ist bei uns nicht der Fall. Wir wollen uns nicht ein schränken lassen, stattdessen moderne, innovative Weine kreieren.“ Und sorgen damit für ihre kleine Weinrevolution.
(Foto: Marcel Friederich)
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ine noch längere „ÖkoTradition“ besitzt das Weingut Krämer in Auernhofen, im fränkischen Teil des Taubertals. Als die Familie vor 30 Jahren auf ökologischen Anbau umstieg, war der Familienstreit aller dings vorprogrammiert. „Nach dieser Entscheidung meines Vaters wollte mein Opa den Hof verlassen, weil er so unglück lich war“, berichtet Stephan Krämer, der heute das Zepter in der Hand hält. „Mein
Opa wurde regelrecht angefeindet. Beim Stammtisch der Kriegsveteranen wurde ihm gesagt: Irgendwann wächst bei euch doch eh nichts mehr ...“ Denn im kleinen 120 EinwohnerOrt war ökologischer Anbau eine absolute Seltenheit. Nun, 30 Jahre später, „wächst es bei uns besser denn je“, schmunzelt Stephan Krämer. Der Querdenker setzt voll auf spon tane Gärung mit natürlichen Hefen ohne Temperaturkontrolle. „Dabei verzichten wir auf jegliche Schönungen, um ganz natürli che Weine zu erhalten.“ So ent stehen enorm individuelle, oft naturtrübe Weine – puristisch, fordernd und fantasievoll zu gleich. Etwas enttäuscht ist Stephan Krämer jedoch, wenn er an die Etablierung des Taubertals als Region denkt. „Wir haben hier einige Hotspots, die punktuel les Marketing betreiben. So kommen zum Beispiel viele Tagestouristen nach Rothen burg ob der Tauber, wo starkes Stadtmarketing gemacht wird. Danach werden sie mit dem Bus schnell durch das Taubertal gekarrt, ohne das Umland wirk lich einzubeziehen“, beklagt der Winzer.
(Foto: Marcel Friederich) COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
Stephan Krämer
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(Foto: Tourismusverband Liebliches Taubertal/Peter Frischmuth)
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WEINSTRASSE TAUBERTAL
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ies soll sich jedoch bald ändern. So hat es sich der Tourismusverband „Lieblich es Taubertal“ auf die Fahnen geschrieben, die derzeit ein bisschen vergessene Region besser zu positionieren. „Natürlich ist das nicht so leicht“, sagt Thomas Weller vom Touris musverband. „Aufgrund der drei Anbaure gionen, die wir vereinen, sind unsere Winzer an unterschiedliche Verbände
geknüpft. Und jeder dieser Verbände hat sein Eigenleben. Aber das versuchen wir zu durchbrechen.“ Ein besonders verbindendes Element ist dabei die Weinstraße Taubertal. 204 Kilo meter lang erstreckt sie sich über die gesamte Region. Zahlreiche Hinwei s schilder liefern Informationen über die Winzerbetriebe, die Historie der Gegend und andere Besonderheiten des Tauber
tals. „Vor fünf Jahren haben wir die Weinstraße durchgeschildert“, berichtet Thomas Weller, „dadurch hoffen wir, dass die Identität steigt.“ Im nächsten Jahr soll die Weinstraße noch mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. So seien für 2020 mehrere besondere Ver anstaltungen geplant, verrät Thomas Weller. Beispielsweise eine große Wein probe in Bad Mergentheim, bei der die Winzer entlang der Weinstraße an Bord sind. Oder eine OldtimerAusfahrt in LaudaKönigshofen, die weitere Aufmerk samkeit bringen soll. Diese und weitere Events sind der Start schuss, um das Taubertal besser und nachhaltiger zu verankern. Auch wenn ku riose Verwechslungen wohl immer wieder passieren werden – hier im „Dreiländer eck“, das Franken, Baden und Württem berg vereint.
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Stephan Danner von der WG Durbach im Interview: „In der Neuregelung von Herkunftsbezeichnungen muss auf jeden Fall Durbach draufstehen. Diesen Namen lassen wir uns von niemandem wegnehmen!“ AUTOR: HERMANN-JOSEF BERG
Auf fast 400 Meter Höhe ist dies wohl einer der höchst‐ gelegenen Plätze für Wein‐ proben in Deutschland: Schloss Staufenberg, das Wahrzeichen von Durbach, einem Weinort bei Offen‐ burg. Erbaut wurde es im 11.
(Foto: Hermann‐Josef Berg)
Jahrhundert, Besitzer ist seit
Hohes Niveau bei der Jahrespräsentation der Durbacher Winzer
Noch immer ein Geheimtipp für Weinliebhaber
1693 die Familie des Mark‐ grafen von Baden. Das gleichnamige VDP‐Weingut bietet den ansprechenden Rahmen für die mittlerweile vierte Jahrgangspräsenta‐ tion der Durbacher Winzer. Derzeit sind dies 13 Be‐ triebe, die in Eigenregie ver‐ markten, und die Durbacher Winzergenossenschaft, der insgesamt 330 Betriebe an‐ gehören.
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as auf den derzeit zirka 460 Hektar vor Ort geerntet wird, sind Trauben aus sonnenver wöhnten Steillagen mit felsigen G ra n i t v e r w i t t e r u n g s b ö d e n . Daraus entstehen samtige Rotweine und spritzigfri sche Weißweine. Ein besonderes Alleinstellungs merkmal Durbachs ist der Klingelberger, wie der Riesling in der Ortenau genannt wird. 1782 von der Familie Markgraf von Baden am Klingelberg gepflanzt, wurde dieser zum ersten sortenreinen Weinberg in Baden.
hjb: Wenn Sie die Entwicklung seit 2016 Revue pas‐ sieren lassen, wie hat sich die Veranstaltung inhalt‐ lich und vom Zuspruch her verändert? Was ist der Reiz dieser Durbacher Weinpräsentation?
Was diese Rebsorte an Qualität hervorbringen kann, lässt sich bei dieser Veranstaltung bestens verkosten, die belegt, warum Durbach zu den höchstprämierten Weinbaugemeinden Deutschlands zählt. Diese Jahrgangspräsentation kann zweifelsfrei noch als Geheimtipp für Weinliebhaber bezeichnet werden.
hjb: Hat sich in Durbach in den letzten Jahren etwas im Rebsortenspiegel getan? Der Müller‐Thurgau dürfte wohl weiter an Bedeutung verloren haben – zugunsten der Burgunder?
Danner: Die Resonanz war vom ersten Jahr an sehr positiv. Die Besucherzahlen liegen konstant bei 250 Gästen. Viel mehr dürfen es aufgrund der Räumlichkeiten auch gar nicht sein. Uns ist es wichtig, diese Veranstaltung auf Schloss Staufenberg abzuhal ten, weil dies unser Wahrzeichen und jeder Durbacher stolz darauf ist.
HermannJosef Berg (hjb) sprach darüber mit Stephan Danner, Vorstandsmitglied Durbachs Winzer e.V. und geschäftsführender Vorstand der Durbacher Winzergenossenschaft.
Danner: Wenn man die letzten 25 Jahre betrachtet, ist es in der Tat so, dass der MüllerThurgau deutlich rück läufig war, vor allem zugunsten von Grauburgunder, Weißburgunder, Chardonnay und Riesling. In den letz ten fünf Jahren aber, würde ich behaupten, ist der Sortenspiegel eher konstant geblieben.
hjb: Am 20. Mai 2019 präsentierten elf Durbacher Winzer auf Schloss Staufenberg ihre Kreszenzen des Weißweinjahrgangs 2018 und der Rotweinjahrgänge 2017 und 2016. Wie lautet Ihr Fazit der Veranstaltung?
hjb: Eine größere Nachfrage, die auch durch diese Weinpräsentation stimuliert werden dürfte, erfordert oftmals auch mehr Anbaufläche. Geht da überhaupt noch etwas in Durbach mit seinen vorherrschenden Steillagen?
Danner: Es war richtig klasse! Das Fachpublikum war begeistert von den Spitzenqualitäten, der Veranstal tungsidee, der gemeinsamen Durbacher Stärke und natürlich vom Ambiente unseres Weinortes.
Danner: Nein, im Durbachtal ist die Rebfläche zu 99 Prozent ausgereizt. Wir möchten und können auch nicht mehr Trauben je Ar produzieren. Stattdessen wol len wir lieber noch höhere Qualitäten auf den Markt
hjb: Erneut wurde auch ein Gemeinschaftswein vorge‐ stellt: 2018er Durbacher Klingelberger QbA trocken. Dafür stellten 13 Winzer und die Durbacher Winzergenossenschaft jeweils 40 Liter zur Verfügung. Wie war die Resonanz?
bringen und diese dann zu fairen Preisen für alle Abnehmer vermarkten.
Danner: Enorm! Die Qualität des Jahrgang 2018 ist spitze. Er ist sehr dicht und blumig, außerdem mit einem tollen FruchtSäureSpiel ausgestattet. Seit dem Weinjahrgang 2015 machen wir diese Aktion alljährlich. Auf dem Durbacher Weinfest gibt es immer einen Malwettbewerb für Kinder, und das schönste Bild ziert im Folgejahr das Frontetikett auf der Flasche unseres Gemeinschaftsweines.
hjb: In der deutschen Weinwirtschaft wird gegenwärtig kontrovers über eine neue Herkunftsbezeichnung dis‐ kutiert. Welche geschützte Herkunftsbezeichnung wür‐ den Sie oder die Durbacher Winzer favorisieren: Durbach/Klingelberger 2018 oder Baden/Klingelberger 2018? Danner: Bei uns muss auf jeden Fall Durbach draufste hen. Wir haben uns über Jahrhunderte einen Namen in unserem Tal aufgebaut – diesen lassen wir uns von nie mandem wegnehmen!
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Ein Rheinhesse in Franken
AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD
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ge Haus, das Weingutsteam ist engagiert und erste Erfolge unter der Führung von Geil lassen sich sehen. Im aktuellen Jahr feiert die fürstliche Domäne „360 Jahre Silvaner“ und par allel das „50. Casteller Weinfest“ im Schlosspark. Dort traf ich Peter Geil zum Gespräch.
Manche Leute denken in Jahrzehnten, die Casteller denken in Jahrhunderten.
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ie Rede ist hier von der fürstli chen Familie CastellCastell, im Speziellen von einer ihrer Domänen, dem Fürstlich Castell´schen Domänenamt. Nachdem KarlHeinz Rebitzer 2016 nach 50 Dienstjahren – zuletzt 20 Jahre als Weingutsleiter mit dem Titel Do mänenrat – in den wohlverdienten Ru hestand wechselte, sein Stellvertreter und gedachter Nachfolger Björn Probst ein kurzes Intermezzo gab und im Sommer 2017 als Geschäftsführer zum Landesweingut Kloster Pforta nach Bad Kösen wechselte, lag die Überlegung nahe, dem jungen stellvertretenden Weingutsleiter Peter Geil (Jahrgang 1985) eine Chance zu geben. Dass dies eine gute Entscheidung von Ferdinand Fürst zu CastellCastell war, hat sich bereits bestätigt. Ein neuer innovati ver Ruck geht seither durch das ehrwürdi
Er stammt aus einer rheinhessischen Winzerfamilie und sein Weg war somit vorgezeichnet. Nach dem Abitur reiste er nach Wien, sein Ziel war das Weingut Wieninger, wo er einen kurz zeitigen Job bekam. „Nach drei Mo naten kam ich deutlich erwachsener zurück, als ich hingefahren war, und der Wunsch, Winzer zu werden, war in Stein gemeißelt“, erinnert sich Geil. „Ich war neugierig auf die Weinwelt außerhalb, ich war wissbegierig und abenteuerlustig.“ In seinen Lehrjahren habe er alle „Stationen des Winzer lebens“ durchlaufen – vom Schaufeln des Tresters über Weinpräsentationen bis hin zur Verant wortung von Entscheidungen, was ihm „heute sehr zugutekomme“, wie er betont.
Rechnung über das Pflanzen der ersten 25 Silvaner‐ Fechser (Österreicher) in Castell – Rechnungs‐Beleg Nr. 56 zur Casteller Amtsrechnung 1659/60. Das Dokument wird im Casteller Archiv, verwaltet von Graf Jesko zu Dohna, aufbewahrt und ist dort ein Teil von rund 8.000 Urkunden. (Foto: A. Wirtzfeld)
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Was haben Sie in Castell vorgefunden, wie war Ihr erster Eindruck?
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DER WEINGUTSLEITER PETER GEIL
Ich kam in einen sehr gut organisierten, sehr gut strukturierten Betrieb, der sich schon vor meiner Zeit und auch jetzt noch im Wandel befindet und Lösungswege sucht, wie er mit seiner Tradition und den gewachsenen Ansprüchen der Konsumenten zukünftig umgehen soll. Nun ist Castell wahrlich ein Traditionsbetrieb. Waren Sie verunsichert? Nein, in keiner Weise. Es ist doch so, dass Tradition Werte hat und nur gute Dinge zur Tradition führen. Und ich muss sagen, dass mich Geschichte generell interessiert. Gerade in Castell findet man belegbare Geschichten ohne Ende. Aber wir versinken nicht in Geschichten oder Traditionen, sondern blicken in die Zukunft und stellen unser Weingut dafür auf.
Wie sind Sie in Franken gelandet?
Wäre es nicht ganz natürlich, vor der rund 1.000‐ jährigen Casteller Geschichte Respekt zu haben?
Ich bin letzten Endes der Liebe wegen ins Taubertal geraten. Um im näheren Umkreis zu bleiben, kam mir eine freie Stelle in Castell zupass. Vertraut war mir Franken durch eine meiner ersten Weinstationen beim Weingut Fürst Löwenstein zu Zeiten, als dort Robert Haller Weingutsleiter war.
Ja, ich habe Respekt. Ich weiß, dass meine Schaffenszeit im Hinblick auf diese jahrhundertelange Weinbau und Familientradition begrenzt ist. Ich weiß aber auch, dass ich mit der Unterstützung des Inhabers rechnen kann und meine zukunftsgerichtete Denkweise ausleben darf.
Wer ist Ihre Liebe?
Was sind die Herausforderungen in Castell?
Meine Ehefrau Corina, die ich bei einem Berufswett kampf kennenlernte.
Da gibt es einige, beispielsweise die klimatische Veränderung, die Veränderung des Kaufverhaltens, das Verbinden der großen Themen Tradition und Moderne. Aber auch der Strukturwandel, die Mitarbeiter und die Casteller Erzeugergemeinschaft betreffend. Und schließlich müssen die fürstlichen Betriebe Bank, Wald, Wein und Landwirtschaft harmonieren.
Ihr Domizil ist … … im Taubertal. Corina ist im elterlichen Weingut Benz verantwortlich für die Vermarktung und ich pendle zwischen LaudaKönigshofen und Castell.
War Castell Ihre erste Berührung mit dem Silvaner? Sie sind nun Weingutsleiter im Fürstlich Castell´‐ schen Domänenamt. Wie kam es zum Einstieg in Castell? Zu meinen Lehr und Wanderjahren gehörte auch eine Erntesaison bei der Hartford Family Winery in Forestville im kalifornischen Sonoma County, insbe sondere aber waren es mehrere Stationen in Deutschland, in der Pfalz, Baden und Württemberg, zuletzt als technischer Betriebsleiter im VDPWeingut DrautzAble. Die von den Castellern ausgeschriebene Stelle hat mich gereizt. Nach dem Motto: Wer sich etwas traut, hat schon halb gewonnen.
Ja und nein, meine Heimat Rheinhessen, das größte Silvanergebiet Deutschlands, sollte mich eigentlich als Silvanerexperten auszeichnen. Meine Eltern hatten lediglich drei Silvanerrebstöcke, deren Trauben wir als Kinder genascht haben. Nur für eine Flaschenfüllung hat es nie gereicht, will heißen, Erfahrung mit dem Silvaner konnte ich erst in der späteren Ausbildung in Franken machen.
Wie sind Sie dort gestartet?
Nun ist Castell das Silvanerweingut schlechthin. Wir wissen, hier wurden 1659 nachweislich erstmals Silvanerreben in Deutschland angebaut, wie eine Urkunde des Casteller Archives belegt. Was bedeu‐ tet Ihnen der Casteller Silvaner?
Zuerst als stellvertretender Weingutsleiter – irgend wie ein Start in eine andere Welt, denn ich war bis drei Tage vorher noch gewohnt, Arbeitsklamotten zu tragen und im Weinberg wie im Keller zu arbei ten. Jetzt sollte ich dauerhaft in Hemd und feiner Hose zum Schreibtisch wechseln – einfach ein komi sches Gefühl.
Mir ist es sehr wichtig, dass unsere Weine von guter Textur, Struktur, Körper und Länge geprägt sind und nicht so sehr von extremer Primärfrucht, die eher schnell verschwindet oder Weine gleichförmig erscheinen lässt. Auch wenn meine Ansicht in der Weinwelt nicht gerade sehr populär sein mag, ist dies doch zukünftig unsere Handschrift. Den Casteller
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Was hat Sie beeindruckt? Es hat mich massiv beeindruckt, wie ein Wein, der nicht aus einem TopJahrgang stammt, trotzdem so gut reifen konnte. Woran machen Sie das fest? Letztlich schreiben wir dies den Casteller Böden zu, die unsere Weine so toll reifen lassen. Auch wenn der Silvaner die Hauptrebsorte des Hauses ist, so liegt das Augenmerk auch auf Riesling, Müller‐Thurgau und den Burgundersorten Spät‐, Weiß‐ und Grauburgunder. (Foto: Domäne Castell)
Silvaner zeichnet aus, dass neben unseren großen Weinen auch einfachere Qualitäten im ersten Jahr eine massive Entwicklung durchmachen, die sich im zweiten Jahr besonders bemerkbar macht und dann zu mehr Trinkvergnügen führt.
Sind es ausschließlich die Böden, die den Casteller Weinen ihr Format verleihen, oder gibt es da noch andere Helfer? Nicht nur die Böden, sondern auch der Wald, der sich schützend über den Casteller Lagen auf den Kuppen des Steigerwalds ausbreitet, sowie auch die Kleinklimata der Lagen, wie beispielsweise im Schlossberg, Kirchberg, Kugelspiel und Hohnart, die verantwortlich sind für unterschiedliche Terroirs. Diese führen dann zu ganz eigenständigen, unter scheidbaren Weintypen.
Worin ist dies begründet? Ein Beispiel ... Unsere Rebstöcke wachsen auf Keuperböden, durch zogen von Alabaster, wir finden in allen Casteller Lagen somit eine reichhaltige Mineralität. Dies ist auch historisch belegt durch das Casteller Wildbad, das im 17. Jahrhundert Kurgäste zu Bade und Trinkkuren lockte, weil dem Wasser aus den Casteller Weinlagen, insbesondere dem Schlossberg, heilende Wirkung nachgesagt wurde. Wie wirkt sich diese Mineralität im Geschmack aus? Ich persönlich stelle immer wieder fest, dass diese Intensität an Mineralien Zeit braucht, um sich einzu binden, um im Wein ihre Wirkung zu entfalten. Das macht sich wie bemerkbar? Was die Casteller Weine in der Jugend zartbitter schmecken lässt, wird über die Reifephase lang, cre mig und sehr charakterstark. Was war der älteste Casteller Wein, den Sie verkos‐ ten durften? Es war ein Silvaner aus dem Jahrgang 1957. Dieser Wein und auch andere wurden in der Schatzkammer des im Mai 2016 verstorbenen Fürst Albrecht zu CastellCastell nach seinem Ableben entdeckt. Anlässlich einer besonderen Verkostung mit Wein journalisten durfte ich diesen rund 60 Jahre lagern den Wein probieren, mit der Quintessenz: Wer braucht eigentlich gereifte Rieslinge, wenn er gereifte Silvaner trinken kann.
... wäre ein Kugelspiel. Weine aus dieser exponierten Lage sind immer kühler, mineralischer und zurückhal tender als Weine aus der ebenso besonderen Lage Hohnart. Sie sind jung an Jahren, gehören zur nachwachsen‐ den Winzergeneration, die auch neue Ideen hat. Hatten Sie schon die Chance, eigene Akzente zu setzen? Zuerst einmal haben wir in einem sehr intensiven Prozess mit der fürstlichen Familie an einem gemeinsamen Projekt gearbeitet. Wir wollten die Tradition in unserem Haus mit modernen Aspekten verbinden. Dazu wählten wir wichtige weibliche Persönlichkeiten aus der Familiengeschichte und ordneten deren Charaktere und Geschichten einer neuen und besonderen Casteller Kollektion zu. Ein Akzent, der uns viel Aufmerksamkeit in der Presse, beim Handel und vor allem bei unseren Weinkunden gebracht hat. Ein toller Erfolg. Und parallel haben Sie eine weite‐ re Auszeichnung erhalten … … ja, ich wurde zum zweiten Sieger des DLGJung winzerWettbewerbes gewählt, in dem es galt, unter rund 50 Jungwinzern durch Fachwissen sowie mit guten und modernen Vertriebskonzepten zu punkten. Unter stützt hat mich dabei unsere neu aufgebaute Kollektion, genannt „Die Gefährten“, die wiederum mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet wurde.
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Peter Geil haderte anfangs wegen des Wechsels vom „Macher“ zum „Leiter“ – doch nur für kurze Zeit. Gestärkt vom Team mittels „Wir‐Gefühl“ läuft es rund in Castell. Dies sind gute Voraussetzungen, um anstehende Aufgaben zu meistern. (Foto: Stefan Bausewein)
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WALD,WEIN & LANDWIRTSCHAFT
ziell. Der nächste Schritt ist, dass wir auch unsere VDP.Gutsweine teilweise im großen Holzfass aus bauen. Dazu habe ich nicht nur freie Hand seitens des Eigentümers, sondern auch die volle Unter stützung der Kellermeister und des ganzen Wein gutteams. Gibt es darüber hinaus eine vinophile Spielwiese?
Wahrlich ein fulminanter Start. Da stellt sich die Frage: Was kommt als Nächstes? Also neben all der täglichen Arbeit gilt es, sich auf unsere Kernwerte zu konzentrieren. Ziel ist es, aus unseren sehr charakterstarken Lagen, davon fünf Monopollagen rund um Castell, sehr herkunftsbezo gene, langlebige Weine zu produzieren. Das größte Plus sind unsere Weinbergslagen, die beinahe 800 Jahre im Besitz der Familie sind und die wir in gutem Zustand auch an die nächste Generation wei tergeben möchten. Und was passiert im Keller? Das große Holzfass ist bei uns schon lange auch für VDP.Große Gewächse und VDP.Erste Lagen essen
Ja, in der Tat. Wir haben mit dem Jahrgang 2017 begonnen, einen uralten weißen wurzelechten gemischten Satz, dominiert vom Silvaner, begleitet von Traminer und Muskateller aus der Lage Bausch, genauso auszubauen wie einen Spätburgunder, also auf der Maische zu vergären. Im Anschluss reift die ser Wein auf der Vollhefe in einem Granitfass. Das ist eine Serie schöner Highlights für Sie als junger Mann in Verbindung mit der Verant ‐ wortung für ein solches Traditionsgut. Was ist für Sie das Besondere in Castell? Zunächst das Zusammenspiel zwischen Wald, Wein und Landwirtschaft, das sich auch in unseren Casteller Betrieben wiederfindet. Aber natürlich auch die Menschen, die dahinterstehen und mit viel Herz und bewusstem Engagement dem nachhalti gen Gedanken der Familie Rechnung tragen.
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Wo geht die Reise hin? Meine Ziele sind mittelfristig, das Weingut in die qualitative Spitze der deutschen Weinliga zu führen. Ich habe gelernt, dass es Puzzleteile sind, die zusammengesetzt zum Erfolg beitragen können. Mein großes Ziel ist es, dem Silvaner zu neuer Größe zu verhelfen und seiner eigenen Tradition gerecht zu werden. Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders viel Spaß? Der Job als Winzer ist meines Erachtens der abwechslungsreichste, spannendste und herausfor derndste Beruf, den ich mir vorstellen kann. Als
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Weingutsleiter muss man Biologe, Techniker, Betriebswirt, Handwerker, Mechaniker, Kommu nikator, Motivator und Mediator und noch vieles mehr in einer Person sein. Wir haben vom An pflanzen der Reben bis zum Verkauf alles in einer Hand. Auch wenn ich nicht mehr viel Zeit im Weinberg direkt am Stock und im Keller mit der Weinbereitung verbringe, betrachte ich trotzdem jeden einzelnen Bereich als essenziell und für die Qualität als entscheidenden Prozess. Die große Kunst besteht darin, als Kommunikator alle Bereiche zusammenzuführen, das gemeinsame große Ziel im Auge zu haben und die Mitarbeiter dabei mitzuneh men. Insbesondere der Rückhalt und das Zusam menwirken mit meinem Team ist sehr erbauend und macht mir und uns viel Spaß.
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DER PRIVATE PETER GEIL Lassen Sie uns mal Ihre private Seite beleuchten. Was wäre Ihr Traumjob, wenn nicht Weingutsleiter oder Winzer? Die Frage habe ich mir bisher nie gestellt. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, könnte ich mir vorstellen, ein Handwerk auszuüben, das mit dem Werkstoff Holz zu tun hat.
Wein verfolgt Peter Geil auch familiär. Frau Corina Benz ist im elterlichen Weingut im Taubertal tätig und dort zustän‐ dig für Marketing und Vertrieb. (Foto: A. Wirtzfeld)
Welche Leidenschaft haben Sie neben dem Wein? Genuss steht bei mir ganz oben. Gutes Essen, guter Wein, echte Freunde. Allen voran natürlich meine Familie, Corina und die Kinder. Was bevorzugen Sie – essen gehen oder selbst kochen?
Was lesen Sie? Ich bin ein Fan solcher Romane wie „Der Hundert jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ und andere Bücher von Jonas Jonasson. Haben Sie einen Lieblingsplatz?
Ganz einfach: Essen gehen und die Kochkünste mei ner Frau genießen.
Ja, definitiv mein Garten, wenn meine Familie dabei ist.
Was liebt Ihre Frau an Ihnen? Was würden Sie gerne mal ausprobieren? Es ist sicher mein Humor. Welche Musik hören Sie gerne? Ich kann mich nicht auf einen Stil festlegen. Es geht mir in der Musik ähnlich wie beim Wein. Textur, Struktur und Länge müssen ähnlich gut klingen und in Erinnerung bleiben, genauso wie unser Silvaner schmeckt.
Gemeinsam mit meiner Frau, vielleicht mal mit mei nen Kindern, die Alpen wandernd zu überqueren. Welchen Wein trinken Sie gerne, wenn es nicht ein Casteller sein soll? Ein schöner Riesling reizt mich schon, aber gute Pinot Noirs liebe ich.
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28 (Foto: Wolfgang Junglas)
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AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD
DER EIFLER JUNG
EIN LEBEN FÜR DEN WEIN: IM GESPRÄCH MIT WOLFGANG JUNGLAS COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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„Ich komme aus der Eifel!“ Wie oft hat Wolfgang Junglas seine Zuhörer damit schon genervt – aber seine Herkunft, seine Wurzeln sind ihm wichtig.
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n der Eifel bei Mayen aufgewachsen, ging er mit jungen 18 Jahren hinaus in die Welt. Erste Station war Berlin, dann Wiesbaden. Hier erreichte er auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur und studierte anschließend Soziologie, ein Trendstudium in den 70erJahren. Trendy erschien in jener Zeit auch der junge Wolfgang mit langen Haaren, Vollbart und politischem Engage ment. 1972 unterstützte er als Juso den Wahlkampf von Willy Brandt und half in Wiesbaden bei der Organisation von Demos in Sachen Bildungspolitik. Dann trat Wolfgang unweigerlich in die Welt der Erwachsenen, übernahm familiäre Verantwortung und wurde mit 22 erstmals Vater. „Das hat mein Leben entscheidend verändert, die Familie stand fortan im Mittelpunkt", sagt er heute. Mit 25 zog er als Alleinerziehender mit seiner Tochter in den nahen Rheingau, wobei er sein Studium fortführte. Nebenbei jobbte er freiberuflich beim ZDF – zuerst als Aufnahme leiter, ab 1984 als Reporter und Redakteur. 1985 kam der SWF (heute SWR) dazu. Der nächste Einschnitt in Wolfgangs Leben war Tracey, seine jetzige Frau, die er 1984 kennenlernte. Ein Jahr später wurde geheiratet, heute haben sie zwei Söhne. Es war das Jahr 1987, als Wolfgang das
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nächste Kapitel aufschlug. Thema war der Wein, für den er sich fortan interessierte. Als festes Mitglied der SWFRedaktion „Blick ins Land“ (tägliche TV Abendschau) meldete er sich freiwillig für den Bereich Weinbau und Landwirtschaft. „Die Stelle war vakant. Damals war das Thema in der Redaktion nicht sehr beliebt. Grund waren die Übermengen und der Glykolskandal, was damals den Weinbau in Misskredit brachte. Junge Kolleginnen und Kollegen hatten mehr Interesse an gesellschaftlich relevan ten Themen als an altmodischer Weinherrlichkeit", erzählt Wolfgang. Im gleichen Jahr nahm er auch zum ersten Mal an der Wahl der Deutschen Weinkönigin teil. „Eine recht biedere Veranstaltung im Stile eines weinseli gen Weinfestes – aber ich erkannte gleich das Potenzial", erinnert sich Wolfgang. Damals war noch keine Rede von „CastingFormaten“. Seine von ihm erarbeiteten frischen Konzepte für eine Wahl sendung konnte er erstmalig 1997 und seit 1999 dann sogar mit einer unterhaltsamen LiveSendung umsetzen. Heute ist die „Wahl der Deutschen Weinkönigin“ die erfolgreichste TVUnterhaltungs sendung im SWRFernsehen. Seit 1990 entwickelte und produzierte Wolfgang bis 2010 mit Johann Lafer Hunderte von Kochsen dungen: „Lafers Himmel un Erd“, „Johann Lafer kocht“, „Mit Johann Lafer um die Welt“ und viele andere. „Wir surften auf dem Wogenkamm der Kochwelle im deutschen Fernsehen“, erzählt Wolfgang. Nebenbei entwickelte er das Format „Fröhlicher Weinberg" – von der ersten Ausstrah lung an eine äußerst erfolgreiche Sendung rund um den Wein, die bis 2010 auf dem Programm stand. Alles rund um den Wein basierte auf anfänglicher Skepsis. Dennoch empfand Wolfgang das Thema als sehr spannend, weil er fühlte, dass sich etwas ent wickelte. Begleitend zu seinen vinophilen Aktivi täten, erfand – beginnend mit den 90erJahren – die damals junge Winzergeneration den deutschen Wein neu. Die Devise hieß „back to the roots“. Traditionelle Rebsorten wurden wieder angepflanzt, Mengen reduziert, der Weinausbau orientierte sich an internationaler Stilistik. Wolfgang empfand Sympathie mit den jungen Winzern, ihre Geschich ten ließen sich gut erzählen – all dies passte zu sei nen modernen Fernsehformaten. „Junge Winzer wagen Neues und sind erfolgreich – ein Narrativ, das ich in immer neuen Variationen filmisch umset zen half", sagt Wolfgang. Wolfgang interessierte sich immer mehr für den Wein. In den 90erJahren nahm er häufig an Wein und Pressereisen teil und begann an Weinbüchern mitzuschreiben. „Den Kontakt und den Austausch mit anderen Weinjournalisten fand ich erfrischend und bereichernd“, erzählt er. Durch diese Kontakte kam er auf die Idee, einen Verein für publizierende Weinjournalisten zu gründen. „Der leider verstorbe ne Jochen Bielefeld unterstützte mich dabei. Im Jahr 2000 wurde dann die Weinfeder e.V. gegrün det“, erzählt Wolfgang.
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INTERVIEW
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Seit 1988 lebt Wolfgang mit seiner Familie in OestrichWinkel, mitten im Rheingau und direkt an den Weinbergen unterhalb von Schloss Vollrads. Seit 2005 engagiert er sich verstärkt in der Region. Dazu gehört die Moderation in der Oestrich Winkler Brentanoscheune im Rahmen der regiona len Talkshow „Rheingau Live“. Seit 2011 produziert Wolfgang unter dem Markennamen „Rheingauer Weinbühne“ in der Brentanoscheune rund 30 Veranstaltungen zu den Genres Comedy, Musik, Schauspiel und Talkshow. „2016 habe ich zusam men mit zwei Kolleginnen das Rheingauer Kulturnetzwerk gegründet, mit mittlerweile über 300 aktiven Mitgliedern", erzählt Wolfgang, ohne dabei angeberisch zu wirken. Ein Leben für den Wein, könnte man konstatieren. Den Lesern möchte ich mehr Hintergründe zur Weinfeder e.V., zur Kooperation mit der FIJEV und zu deinem privaten Leben vermitteln. Fangen wir mit der Frage an: Wie kam es zur Gründung der Weinfeder e.V.? Auf meinen Weinreisen während der 90erJahre musste ich überraschend feststellen, dass es keinen Verein der Weinjournalisten gab. In Wiesbaden besuchte ich damals eine Veranstaltung der DLG. Die damalige Pressesprecherin des DWI, Petra Giegerich, empfahl mir, mich mit Heinz Gert Woschek und Jochen G. Bielefeld über dieses Thema zu unterhal ten, was ich auch tat. Rasch wurde uns klar, wo das Problem lag: Die Konkurrenzsituation der großen Weinzeitschriften „Alles über Wein“ und „Weinwirt schaft“ ließ eine Zusammenarbeit unter den Kollegen zu dieser Zeit kaum zu. Wer sind die Herren Heinz Gert Woschek und Jochen G. Bielefeld? Heinz Gert Woschek, ein Mainzer Weinexperte, heute Ehrenmitglied der Weinfeder e.V., war damals Herausgeber der Zeitschrift „Alles über Wein“ und schon vorher mit einem Vorstoß eines Journalisten vereins gescheitert. Im Sommer 1999 traf ich mich mehrmals mit Jochen G. Bielefeld, der damals gera de die neue Zeitschrift WEIN + MARKT auf die Schiene schob. Ihr wart also die Gründerväter. Wie ging es dann weiter? Wir trafen uns zum Austausch in der Klostermühle und im Restaurant „Haus des Weines“, verabschie deten einen Zeitplan und tauschten Adressen von potenziellen Mitgliedern aus. Den ersten Anlauf für eine Vereinsgründung organisierten wir auf der ProWein 2000 in Düsseldorf. Leider schlug dieser Versuch fehl: Es trafen sich zwar über 20 interessier te Weinjournalisten, aber es wurde nur debattiert und nichts beschlossen. Den nächsten Versuch … … startete ich mittels eines Gesprächs mit dem Verleger Peter Meininger, der mir eine schriftliche Antwort zum Thema anbot. Sein Tenor lautete im Wesentlichen so – ich zitiere: „Eine Satzung, die – wenn auch mit der Ver‐ pflichtung der Offenlegung – bezahlte PR‐Neben‐
tätigkeit implizit zulässt, ... lässt bereits die Unausweichlichkeit verfilzender Absichten deutlich werden. ... Auf keinen Fall möchte ich meinen Mitarbeitern aus den korrespondierenden Redak‐ tionen meines Hauses empfehlen, in einem Kreis teilkommerziell‐verfilzter PR‐Journalisten ihr pro‐ fessionelles Wissen um den Wein zu präsentieren.“ Das war ein Schuss vor den Bug … … ja, in der Tat. Ich fühlte mich missverstanden, empfand meinen Vorstoß irgendwie naiv. Zugege ben, ich fühlte mich desillusioniert. Was kam dann? Aufgeben wollte ich nicht, das ist nicht meine Art. Ich traf mich mit einem Dutzend Journalisten beim Weinautor Norbert Heine in Ingelheim. Wir disku tierten, ob einer gleichzeitig PRTexter und Wein journalist sein kann. Zwei der vierzehn anwesenden Anwärter passten. Mit zwölf Mitgliedern starteten wir. Ich wurde als Präsident gewählt. Wieso du? Ich denke, nicht weil ich der Erfahrenste war, son dern weil man mir zugutehielt, dass ich die Idee vor angetrieben hatte und weiter vorantreiben würde. Und vielleicht auch, weil ich als Redakteur beim öffentlichrechtlichen Fernsehen eine neutrale Position gegenüber den Verlagen einnahm. Wie steht der Verein heute da? Wir haben zur Zeit 59 Mitglieder, geben das Online Magazin „Weinfeder Journal“ heraus und vergeben den „Preis der Deutschen Weinkritik“ – ein vitaler Verein. Das „Weinfeder Journal“ hat sich entwickelt, ist viel beachtet. Was waren die Ursprünge? Angefangen hat es mit einem Newsletter. Erst ein mal ging es darum, dem neuen Verein Renommee zu verschaffen. Dies ist dann auch zügig gelungen, weil viele bekannte Weinjournalisten zu uns kamen: Guy Bonnefoit, Rudi Knoll, Jürgen Matthäs und Werner Eckert.
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Als ich 2012 mittels Mentor Rudi Knoll im Verein aufgenommen wurde, hatte das Journal kein pro‐ fessionelles Layout. Mein Einstieg begleitete den Vorschlag, das Journal in ein modernes Magazin umzuwandeln, was ich dann auch, abgesegnet vom Vorstand, in Angriff nahm. Welchen Stellen‐ wert hat das Journal für die Weinfeder e.V.? In Zeiten des digitalen Wandels ist es ein wichtiges Produkt: Es zeigt den Journalisten auch, dass sie selbst Plattformen finden können, um zu publizie ren. Wir werden diesen Weg in der Zukunft mit Publikationen in sozialen Medien fortsetzen. Nun ist das Weinjournal nur ein Teil des Vereins. Es gibt auch viel beachtete Auszeichnungen wie die „Weinpersönlichkeit des Jahres“ oder den „Preis der Deutschen Weinkritik“ … ... Preisvergaben sind ein passendes Kommunika tionsinstrument und eine gute Gelegenheit für Journalisten, selbst Nachrichten zu produzieren. In der Weinszene werden die Preise beachtet und ver fügen über Renommee. Was sind deine zukünftigen Ziele der Weinfeder e.V.? Seit fast 20 Jahren gibt es Weinfeder e.V. Zu Beginn dominierten die Stars der Szene mit ihren Egos die Diskussion – heute steht der Weinjournalismus wie die schreibende Zunft insgesamt unter dem Ein druck der Digitalisierung. Was sind die drängenden Fragen? Wie wird sich das Geschäftsmodell Journalismus wei terentwickeln? Welche Bezahlsysteme wird es in Zukunft für qualitativen Journalismus geben? Ich plä diere dafür, sich aktiv an der Digitalisierung zu beteili gen und lieber treibende Kraft denn Opfer zu sein. Wechseln wir zur Organisation FIJEV. Seit den 80erJahren gibt es die FIJEV – Féderation Internationale des Journalistes et Ecrivains des Vins et Spiritueux. Ein wichtiger internationaler Verein der Weinjournalisten. In der Hochzeit des Weinjourna lismus bis vor 15 Jahren spielte er eine große Rolle, seitdem befindet er sich in einem Strukturwandel. Du bist seit Kurzem Präsident der FIJEV. Ja, Im Mai 2019 wurde ich auf der VINEXPO
Bordeaux zum neuen Präsidenten gewählt – in einer Zeit, in der es um die digitale Transformation des Vereins geht. Was für die Weinfeder e.V. gilt, gilt auch für die FIJEV. Die Digitalisierung erscheint mir für einen global aufgestellten Verein mit Mitgliedern aus über 60 Ländern eher eine Chance denn eine Bedrohung zu sein. Was hast du dir vorgenommen? Mit einer Talkshow in Englisch auf der VINEXPO in Bordeaux habe ich eine neue Ära im Verein eingelei tet: Jahrzehntelang war FIJEV französisch geprägt – jetzt wird der Verein internationaler, auch Englisch wird eine große Rolle spielen. Wir bauen gerade einen YouTubeChannel auf und werden auf allen Social MediaKanälen vertreten sein. Bisher durften die Leser einen Überblick deiner vielfältigen Aufgaben kennenlernen, neben den erwerbsdominierten Parts auch dein Faible für den Wein. Was steht noch an? Eine sehr spannende Aufgabe kommt demnächst auf mich zu. Ich trete ab Oktober 2019 eine Lehrstelle an der Uni Geisenheim an. Es ist ein Lehrauftrag im Bereich „Neue Medien“, der mit dem Seminar „Storytelling in Social Media“ begin nen wird. Was ist der Inhalt? Wie erzähle ich in welchem Social MediaKanal wel che Geschichte? Ich finde die Aufgabe sehr span nend – gerade für den Winzernachwuchs ist Kom munikationskompetenz in den sozialen Medien sehr wichtig geworden.
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WOLFGANG JUNGLAS GANZ PRIVAT Gratuliere – eine schöne Fortsetzung deiner erfolgreichen Aktivitäten in der Weinszene. Doch nun lasse uns mal auf den privaten Wolfgang Junglas eingehen. Wo siehst du dich jetzt und was möchtest du noch bewirken? Ich bin nun Anfang 60 und vierfacher Großvater. Eine Lebensphase, in der ich besonnener geworden bin, aber noch voller Tatendrang. In den nächsten Jahren wird durch den Eintritt ins Rentenalter meine persönliche und berufliche Freiheit voraus sichtlich zunehmen – darauf freue ich mich! Ich pro biere gerne neue Projekte aus, bleibe neugierig. Ich habe zwar schon über ein Dutzend Bücher geschrie ben, aber es fehlt noch ein Roman: Das ist einer meiner Träume. Welche Leidenschaft hast du neben Fernsehfor‐ maten und Wein? Meine Familie, meine Frau, meine Kinder, meine Enkelkinder und mein Hund bedeuten mir alles. Ich habe über 40 Cousins und Cousinen – ich bin ein Familienmensch! Zudem reise ich sehr gerne mit meiner Frau – am liebsten Wander und Fahrrad reisen. Wir sind schon den Jakobsweg gewandert, lieben die Berge und entspannen uns bei Aktiv urlauben. Welche Weine bevorzugst du zum persönlichen Genuss? Über die Jahre habe ich neben dem Riesling Freude an Burgundersorten entwickelt. Ich mag es, wenn ein Wein trocken ist, aber feine Fruchtnoten behält. Was ziehst du vor – essen gehen oder selbst kochen? Beides liebe ich – ich kann Essen sehr genießen, es ist ein Teil meiner Lebensfreude. Zu Hause kochen und mit der Familie gemeinsam essen, ist mir eine besondere Freude – aber genauso so sehr genieße ich es, essen zu gehen – sowohl in der Straußwirt schaft als auch in Landgasthöfen und Sterneres taurants. Du bist auch Gastrokritiker … … ja. In der Vergangenheit für den Gault Millau, für den SWR in der Serie „Landgasthöfe“ und als Autor des Buches „Weinkompass Rheingau“.
Was liebt deine Frau an dir? Meine Zuverlässigkeit und meine Ausgeglichenheit. Sie sagt, dass ich Ruhe ausstrahle, ohne zu langweilen. Und sie mag meinen Humor. Womit machst du dich unbeliebt? Ich bin manchmal etwas angeberisch, und ab und zu komme ich zu spät. Welche Charaktereigenschaften schätzt du? Verlässlichkeit, Sanftmut, Ehrlichkeit und vor allem Humor. Welche Musik hörst du gerne? Aktuelle Popmusik, Popmusik der 60er, 70er und 80er. Klassik. Französische Chansons. Was liest du? Zu wenig. Und wenn, dann „Schinken“ von Dan Brown, Noah Gordon, politische Biografien. Hast du einen Lieblingsplatz? Im Rheingau gibt es tolle Aussichtspunkte auf dem Rheinsteig, da reiht sich ein Lieblingsplatz an den nächsten. In der Eifel mag ich es, am Ufer des Laacher Sees oder der Dauner Maare zu sitzen. Und: In den Alpen in Südtirol. Welche Reiseziele reizen dich? Alle – Deutschland, Europa, Asien, Australien, USA, Afrika – mich fasziniert die Vielfalt der Welt! Was würdest du mal gerne ausprobieren? Ich würde gerne einen Spielfilm produzieren – diese Erfahrung fehlt mir noch. Was wäre ein perfekter Tag? Ein schönes Frühstück mit Aussicht mit der Familie (Frau, Kinder, Enkel), eine lange Wanderung und abends ein schönes Essen im Freien. Gibt es Helden in deinem Leben? Es gibt immer wieder Personen die ich für einzelne Taten bewundere. Ich habe auch eine große Sympathie für „Alltagshelden“, die mit viel Mut den Alltag bewältigen. Helden, die ich so richtig bewun dere, gibt es nicht.
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ROUTE MARCO DE JEREZ
AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD
Vom 8. bis ins 15. Jahrhundert herrschten hier die Mauren und prägten Landschaft und Tradition. Ein markantes Zeugnis dieser Kultur in der autonomen spanischen Region Andalusien ist bis heute eine prachtvolle Architektur. Dazu gehören der Alcázar-Palast in der Hauptstadt Sevilla, die Mezquita-Catedral von Córdoba und die Alhambra in Granada. Der nur in dieser Region mit aufwendigem Verfahren produzierte Sherry hat seine Herkunft vom maurischen Namen Sherish (phönizisch cera, lateinisch ceret) – so nannten die Mauren den heutigen Ort Jerez de la Frontera. (Foto: Marvin L.)
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schen Gebäuden, die Kathedralen gleichen, andere verstecken sich in den Gassen der Altstädte, kokettieren mit maurisch anmutenden Baustilen. Alle vereinen Schönheit und Funk‐ tionalität, um insbesondere die Produktion des hier beheima‐ teten Sherrys zu erfüllen. Wein, Kunst und Architektur sowie traditionelle Weinbereitung, alle gleichsam auf beeindrucken‐ de Weise gewürdigt, gehen eine Symbiose ein, die Gaumen und Sinne beglückt. In den Bodegas werden noch Weine und Brandys nach tradi‐ tioneller Methode hergestellt, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Einzigartiges Symbol dafür ist das Solera‐Ausbausystem, das nur in Marco de Jerez praktiziert wird und bei dem junge Weine den gealterten Tropfen ihre Vitalität zu Verfügung stellen. Der dadurch beträchtlich verlängerte Alterungsprozess lässt Weine 20 bis 30 Jahre reifen. Diese edlen Gewächse sind Juwelen der Önologie und reifen in dunklen Kellern, den sogenannten Sacristías (Sakristeien).
D.O. JEREZ
Es sind nicht nur Kulturreisende, die wegen der architekto‐ nisch beeindruckenden Monumente hierherkommen und besichtigen wollen, sondern unter die Reisenden mischen sich viele Weinliebhaber und Weinenthusiasten. Sie alle lieben die‐ sen Landstrich und sind offen für die ganze Palette der einzig‐ artigen flüssigen Genüsse Andalusiens, von trockenem Sherry wie dem Fino über den länger ausgebauten Manzanilla Pasada bis hin zum süßen Moscatel de Pasas. Das Mekka der Weinreisenden ist die Route Marco de Jerez. Hier im Süden Andalusiens liegt der gleichnamige Landstrich, der tief verwur‐ zelt ist mit Weintradition und zahlreichen aparten touristi‐ schen wie auch gastronomischen Reizen für einen weinkulina‐ rischen Aufenthalt.
MEKKA DER WEINREISENDEN
Der Ursprung der Weinberge in Jerez geht auf das Jahr 1.100 v. Chr. mit der Besiedlung durch die Phönizier zurück. Während der maurischen Herrschaft wurde in Jerez die Weinherstellung trotz des Verbots alkoholischer Getränke fortgeführt. Nach der Rückeroberung durch Alfons X. 1264 hatte sogar der König seinen eigenen Weinberg in der Region. Im 12. Jahrhundert erfreuten die Weine aus Jerez die Engländer, Franzosen und Flamen und wurden auf ihren Märkten gehandelt. Ein Appell zwang das Rathaus der Stadt, 1483 die Vorschriften der Gilde der Rosinen‐ und Weinleser von Jerez zu erlassen, um die Einzelheiten der Ernte, die Eigenschaften der Fässer, die Reifungssysteme und die Handelsverfahren zu regeln. Das erste spanische Weingesetz stammt aus dem Jahr 1933 und verwies auf die Existenz der D.O. Jerez. Zwei Jahre später veröffentlichten die unter dieses Gesetz fallenden Winzer aus Jerez die erste Verordnung über diese Bezeichnung und grün‐ deten ihren Regulierungsrat, den ersten gesetzlich festgeleg‐ ten Rat in Spanien. Die heutigen Vorschriften gründen auf der 1977 vom Landwirtschaftsministerium genehmigten Verord‐ nung, die in den 1980er‐Jahren erweitert wurde. Das aktuelle Weingesetzt fußt auf der Verordnung aus dem Jahr 2003.
César Saldaña, Präsident der Asociación de la Ruta del Vino y del Brandy de Jerez, betont: „Die Route Marco de Jerez bietet neben der außergewöhnlichen Qualität unserer Weine und der Schönheit unserer Weingüter eine ganze Reihe von gastro‐ nomischen, kulturellen und festlichen Attraktionen, die es uns ermöglichen, den Besuchern einzigartige und äußerst vielfälti‐ ge Erlebnisse zu garantieren. Und dass wir erneut die meistbe‐ suchte Region Spaniens sind, spricht für sich.“ In der Tat ist die Wein‐ und Brandyroute Marco de Jerez äußerst beliebt, nicht umsonst führt sie 2018 die jüngst veröffentlichte Rangliste des iberischen Weintourismus an. Im vergangenen Jahr besuchten rund 600.000 Besucher diese Region im Süden Spaniens, über 10.000 Besucher mehr als 2017.
Die Herkunftsbezeichnungen „Jerez‐Xérès‐Sherry“ und „Manzanilla de Sanlúcar de Barrameda“ umfassen ein Weinbaugebiet, das durch die Region Jerez begrenzt ist, die sich in der nordöstlichen Ecke der Provinz Cádiz befindet. Die Bodegas in den Gemeinden Jerez, Sanlúcar und El Puerto Santa María können aber auch Weine unter dieser Bezeichnung altern und verkaufen.
EINZIGARTIGE BODEGAS, EINZIGARTIGE
INFORMATIONEN UND EMPFEHLUNGEN
WEINE, EINZIGARTIGE SYMBIOSE Zu den Attraktionen, die von den Besuchern am meisten geschätzt werden, gehören die Weingüter, hier Bodegas genannt: Einige präsentieren sich mit riesigen, ja majestäti‐
Wie Sherry produziert wird, welches traditionsreiche Ausbausystem nur hier in Marco de Jerez verwendet wird und welche Bodegas ich für einen Besuch empfehle, erläutere ich in nachfolgenden Beiträgen: „Caramba, Caracho, Sherry, olé!“ und „Kathedralen des Criadera‐ und Solera‐Systems“.
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(Foto: Route de Jerez)
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CARAMBA, CARACHO, SHERRY, OLE! AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD
Die Sortenvielfalt des Sherrys basiert auf seiner aufwendigen Erzeugung. In der Region Marco de Jerez werden zwei Arten des Ausbaus praktiziert. Entweder wird der Wein sich selbst überlassen, in Holzfässern gelagert und der langsamen physikalisch-chemischen Reifung ausgesetzt, dies ist der oxidative Ausbau. Oder es erfolgt ein biologischer Ausbau, bei dem der Wein durch autochthone Hefen schneller reift, die Ablagerungen auf der Oberfläche bilden und mit dem Wein reagieren. Die D.O. Jerez schreibt vor, dass der Ausbau mindestens zwei Jahre dauern muss. In der Regel ist diese Phase wesentlich länger, weil nur so den jeweiligen Weinen ihre typischen Eigenschaften und ihr Charakter verliehen werden können.
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sich die restlichen Bestandteile des Weins nach und nach konzentrieren. Während der Wein so seine charakteristi‐ schen Merkmale mit denen des Holzes verbindet, reift er durch ständigen Sauerstoffausgleich.
DAS CRIADERA- UND SOLERA-SYSTEM Einzigartig auf der Welt ist die traditionelle und authenti‐ sche Reifung des Sherrys, die in Spanien als Criadera‐ und Solera‐System bezeichnet wird. Dieses bedingt ein dynami‐ sches Verfahren, bei dem jüngere Weine mit den bereits länger lagernden vermischt werden, diese somit auffri‐ schen. Profiteure sind stets die älteren Weine, die dennoch die über die Jahre entwickelten charakterlichen Merkmale behalten. Wer schon in einer Sherry‐Bodega war, der wird die typischen übereinandergestapelten Fassreihen gesehen haben. Jede Sherry‐Art wird in einer eigenen Gruppe von Fässern ausgebaut, in der Regel gibt es drei bis fünf Reihen, genannt Criaderas. In den Fässern ganz oben befindet sich der zuletzt eingelagerte Wein, in den Fassreihen darunter die jeweils älteren, die unterste Fassreihe mit dem ältesten Wein wird Solera genannt.
Beim oxidativen Ausbau entsteht ein höherer Alkoholgehalt und durch den direkten Kontakt mit dem Sauerstoff diffun‐ diert der Wein durch die Fasswände, außerdem verändert sich seine Farbe, sie wird dunkler. Wichtig bei dieser Ausbauart ist, dass die Weine nicht miteinander vermischt werden. Beim biologischen Ausbau schützen die oben lagernden Hefen den Wein nicht nur vor der Oxidation, son‐ dern ihre Wechselwirkung bedingt wesentliche Verän ‐ derungen – der Alkoholgehalt verringert sich in Folge der Metabolisierung durch die Hefeschicht. Und die Hefe ver‐ zehrt im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von im Wein befindlichen Bestandteilen, unter anderem Glyzerin und flüchtige Säuren.
DIE FÄSSER Im Laufe der Geschichte haben sich die Behältnisse bei der Erzeugung des Sherrys verändert. Noch vor Beginn unserer Zeitrechnung bis zum Mittelalter verwendete man kerami‐ sche Erzeugnisse – Amphoren oder Krüge. Seit etwa dem 15. Jahrhundert wurden nach und nach Holzfässer eingesetzt, erzeugt aus verschiedenen Holzarten. Grund dafür war vor allem die besondere Eignung für den Transport, darüber hinaus aber auch die positive Wirkung des Holzes beim Ausbau. Nach der Entdeckung des amerikanischen Festlandes und dem Beginn des Handels wurde mehr und mehr Eichenholz aus Amerika für die Fässer geschätzt, was bis heute noch der Fall ist. Bei der Verwendung der Fässer zum biologischen Ausbau werden diese nicht ganz gefüllt, weil die Hefe rund zwei Handbreit benötigt, um Raum für ihre Arbeit zu haben. Die Unterstützung des Holzes bei der Reifung ist enorm. Holz lässt Sauerstoff durchdringen, absorbiert das Wasser im Wein und gibt dies als Verdunstung nach außen ab. Diese Diffundierung ist ein natürlich ablaufender physikalischer Prozess, der zu einem Flüssigkeitsverlust des Fassinhalts führt. Im Lauf eines Jahres beträgt dieser Schwund durch‐ schnittlich drei Prozent, was insbesondere dazu führt, dass
Von Bodega zu Bodega schlendert man durch enge, verwinkelte Gassen. (Foto: Inma Lesielle)
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ABSCHLUSS DES REIFEPROZESSES Ist der Reifeprozess zu Ende, wird der Sherry gefiltert, seine trüben Schwebeteile werden dadurch entfernt und es erfolgt eine Füllung zumeist in klassische Flaschenformen. Anders als bei herkömmlichen Weinen fehlt beim Sherry zumeist die Angabe des Jahrgangs beziehungsweise des Erntejahres auf den Etiketten, denn dies ist beim Solera‐Verfahren fast nicht möglich. Sofern doch eine Jahreszahl oder ein Datum auf dem Etikett steht, so bezieht sich diese Angabe in der Regel auf das Jahr, in dem die Criadera angelegt beziehungsweise die Solera gestartet wurde. Diesbezüglich kann man sicher sein, dass das tatsächliche Alter des Sherrys mindestens dieser Jahresangabe entspricht, da die Fässer niemals komplett geleert werden. Klassischer Sherry ist trocken. Da in vielen Exportländern jedoch die Konsumenten durchaus auch liebliche, leicht süßli‐ che Sherrys wünschen, wird zum Ende der Reifung zumeist süßer Most oder süßer Wein hinzugefügt.
Soll ein Sherry abgefüllt werden, wird er aus der Solera ent‐ nommen, dies wird als Saca (Entnahme) bezeichnet. Die Fässer der Solera leeren sich nach und nach, ebenso die dar‐ über befindlichen, weil stets bestimmte Mengen von oben nach unten umgefüllt werden. Die fehlende Menge der Solera wird mit der entsprechenden Menge aus den Fässern darüber aufgefüllt, in dem Fall aus der ersten Criadera. Dieser Vorgang wiederholt sich bis zur dritten oder fünften Criadera. Die Auffüllung einer Reihe nennt man Rocío, gemeinsam mit Saca wird das als Correr Escala (Etagenlauf) bezeichnet. Auf diesem Weg von ganz oben nach ganz unten werden im Solera‐System nach und nach alle vorhandenen Jahrgänge miteinander vermischt. Dieser nicht gerade unkomplizierte Ablauf erfordert viel Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung – und er muss äußerst behutsam geschehen. Damit werden in den Bodegas nur spe‐ zialisierte Mitarbeiter betraut, man nennt sie Trasegador (Umfüller). Besonders beachten müssen sie, dass die durch den biologischen Abbau entstandenen Hefen und die im Laufe der Jahre auf dem Boden der Fässer gebildeten Ablagerungen nicht aufgewirbelt oder sogar zerstört werden. Die Abläufe sind zwar strikt festgelegt, die Mengen ebenfalls, doch alles ist abhängig vom Können der Umfüller, von den im Laufe der Zeit aufgebauten Charaktereigenschaften des Sherrys und sei‐ ner bisherigen Ausbauzeit. Durch das stete Umfüllen der Weine wird zwar die Hefehülle leicht beschädigt, aber auch angeregt, wieder aktiver zu wer‐ den. Der dabei mit einströmende Sauerstoff wird von der Hefe schnell wieder verarbeitet, sodass sich der Hefeschleier erneut über die gesamte Oberfläche ausbildet und den Wein schützt. Bei den Weinen, die nicht nach dem Solera‐Verfahren behandelt, also herkömmlich ausgebaut werden, beschleuni‐ gen sich dagegen durch die Sauerstoffzufuhr beim Umfüllen die Oxidationsprozesse.
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SHERRY HAT KEINE EILE, ER BENÖTIGT NUR HÖCHSTE AUFMERKSAMKEIT
EMPFEHLUNGEN Sofern Sie jetzt Lust auf Sherry bekommen haben und sich auf die Route Marco de Jerez begeben wollen, empfehle ich Ihnen im nachfolgenden Artikel eine Auswahl an besuchens‐ werten Bodegas. Hier können Sie an Verkostungen und wei‐ teren kulinarischen wie touristischen Programmen nach Voranmeldung teilnehmen. Viel Spaß – „arriba, abajo, al centro, adentro“ (nach oben, nach unten, ins Innere, und rein damit) … Salud! Chinchín!
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KATHEDRALEN DER CRIADERA& SOLERASYSTEME AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD
In den Dossier-Beiträgen „Route Marco de Jerez“ habe ich über die Weinregion rund um Jerez berichtet und in „Caramba, Caracho, Sherry, olé!“ die Produktionsweise des Sherrys erläutert. Im Folgenden finden Sie Empfehlungen für Besuche bei bemerkenswerten Bodegas. Alle gehören sie der weinproduzierenden Region mit ihrer geschützten Ursprungsbezeichnung „Jerez-Xérèx-Sherry“ und „Manzanilla-Sanlúcar de Barrameda“ an. Und alle beherrschen sie die klassische Sherry-Produktion. Freuen Sie sich auf Erlebnisse der besonderen Art! (Foto: Bodegas Caballero)
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Bodega Delgado Zuleta
Tio Pepe González Byass
Die Bodega Delgado Zuleta ist nach bisherigem Wissensstand das älteste Weingut im Marco de Jerez. Der Ursprung kann anhand von Dokumenten auf Anfang des 18. Jahrhunderts, exakt 1719, datiert werden. Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr die Bodega Delgado Zuleta ihre größte Expansion und wurde zum Lieferanten des Königshauses der Majestäten Alfons XIII. und Victoria Eugenia bestimmt. Der Betrieb verfügt über ein Weinmuseum, wo die typische Produktionsweise an‐ schaulich erläutert wird. Neben Kellerführungen und besonderen Events, wie den Noches de Manzanilla oder den Melodías del Vino, gibt es Reitvorführungen mit andalusischen Pferden, außerdem werden Stadtrund‐ fahrten nach Jerez de la Frontera angeboten. Produziert werden Manzanilla und Pasada.
Gegründet wurde die Bodega Tio Pepe im Jahr 1835 nach dem Kauf einer kleinen Bodega durch Manuel María González. Sein Onkel, José Ángel y Vargas, genannt Tío Pepe, unterstützte ihn dabei. Schon bald flo‐ rierte der Handel nach England und 1855 wurde der dor‐ tige Handelspartner Robert Blake Byass zum Teilhaber. Heute gehört Tio Pepe zur Gruppe González Byass. Die Weine und Brandys der Bodega wie beispielsweise der Sherry Tio Pepe und die Brandys Soberano und Lepanto sind weltbekannt. Besucher können zwischen mehreren Angeboten wählen, dazu gehören Weinproben und kuli‐ narische Erlebnisse – seien es Tapas als Imbiss oder ein Mittagessen im Gastrobereich der Bodega. Zu Tio Pepe gehören die Bodega los Gigantes, Bodega de la Concha, Bodega los Apóstoles, Bodega los Reyes sowie ein Weinmuseum und gastronomische Zentren.
William & Humbert
Emilio Lustau
Die Bodega trägt den Namen ihrer Gründer – Alexander Williams und Arthur Humbert. Williams war Liebhaber und Kenner der Produkte rund um Jerez und Humbert war Kaufmann, Berater und ein Spezialist internationaler Wirtschaftsbeziehungen. Seit 1877 bis heute hat sich dieser Produzent enorm vergrößert, insbesondere durch Übernahmen anderer Bodegas und Kapitalgeber aus Holland. Die beeindruckenden Baulichkeiten und Pro‐ duktionsflächen umfassen mittlerweile nahezu 200.000 Quadratmeter. William & Humbert gilt heute als größte Bodega ganz Europas. Ihre Marken sind weltbekannt, vornehmlich aufgrund ihrer Qualität. Eine Besichtigung umfasst Weinproben – es können sogar Sherrys aus dem Gründungsjahr verkostet werden –, Imbiss und den Besuch des eigenen Museums. Außerdem werden Vorführungen andalusischer Reitkunst geboten.
El Maestro Sierra Seit 180 Jahren produziert die familiengeführte Bodega Sherry in der historischen Altstadt von Jerez. Beein‐ druckend ist die Ausstattung, die einem das Gefühl gibt, als wäre man über 100 Jahre in vergangene Zeit versetzt. Diese scheint in dieser Bodega stehen geblieben zu sein. In den romantischen Kellern reifen einzigartige Brandys mit der Bezeichnung Jerez‐Xérès‐Sherry heran. Beein‐ druckend ist auch die eigene manuelle Fertigung von Etiketten, die dem wertvollen Sherry Oloroso vorbehal‐ ten sind. El Maestro Sierra darf sich als eine der hundert bedeutendsten Bodegas der Welt bezeichnen, eine Auszeichnung, verliehen vom angesehenen Magazin „Wine & Spirits“.
Es handelt sich bei dieser Bodega um eine sehr traditio‐ nelle Kellerei – Emilio Lustau ist eine historische Enklave, deren Produkte weltweit konsumiert werden. Die Ursprünge von Emilio Lustau S.A. gehen auf das Jahr 1896 zurück, als José Ruiz‐Berdejo, Sekretär des Ge‐ richtshofs in Jerez, in seiner Freizeit mit dem Anbau eige‐ ner Reben begann. In diesen bescheidenen Anfängen stellte er Weine her, die an größere Sherry‐Produzenten verkauft wurden. Diese Art von Produktion, Lagerhal‐ tung und Verkauf von unverschnittenen Weinen an andere Bodegas nennt man Almacenista. Die Qualität der Weine war schon damals so gut, dass sie exportiert wurden. 1931 erwarb seine Tochter María Ruiz‐Berdejo Alberti ein kleines Weingut in der Nähe des Zentrums von Jerez de la Frontera und verlegte dorthin alle bereits existierenden Soleras, wodurch die Bodega Emilio Lustau sichtbar und bekannt wurde. In den 1940er‐Jahren zog die Bodega um in der Altstadt von Jerez de la Frontera. Fortan und bis heute residiert sie in Gebäuden, die Teil der historischen maurischen Stadtmauer sind. 1945 beendete Emilio Lustau die Almacenista und begann als Bodega, eigene Marken zu verkaufen: Papirusa, Jarana, Escuadrilla, Emperatriz Eugenia und Cinta de Oro waren einige davon. 1990 änderte sich das Schicksal der Bodega, als Emilio Lustau mit einem spanischen Fam‐ ilienunternehmen fusionierte, das im Wein‐ und Spiri‐ tuosengeschäft führend war: Luis Caballero. Dies war ein Meilenstein in der Geschichte von Emilio Lustau und bedeutete wichtige finanzielle Unterstützung und die Möglichkeit der weiteren Expansion und Entwicklung. Heute räumt die Bodega regelmäßig Preise ab. Ihre Sherry‐Produktion wurde mehrfach ausgezeichnet.
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DOSSIER
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Fundador Pedro Domecq – Harveys
Bodegas Álvaro Domecq
Die Bodega Fundador Pedro Domecq führt ihre Gründung auf das Jahr 1730 zurück und gehört damit zu den ältesten Produzenten in Jerez. Eine Besichtigung ist allein schon wegen der Architektur – teilweise sind die Gebäude in alte Wachtürme der Stadt integriert – und der Ausstattung der Keller ein Highlight. Gefestigt für die Zukunft hat sich die Bodega durch die Fusion mit dem Sherry‐Unternehmen Harveys in den 1980er‐Jahren. Don José Ignacio Domecq, verstorben 1997, ist bis heute das bekannteste und legendäre Familienmitglied, der wegen seiner besonderen Degustationsfähigkeiten den Ehrentitel „ Die Nase“ erhielt. Die Bodega hat über 1.000 Hektar Rebflächen rund im Jerez im Ertrag. Die Palette der Sherry‐Stile ist umfassend. Bekannt sind der Fino „La Ina“, der Oloroso „Rio Viejo“, die Amontillados „Botaina“ und „Dule Venerable“, der Cream „Celebration Cream“ sowie der Palo Cortado „Sibarita“.
Mit einer besonderen Architektur im Mudejar‐Stil war‐ ten die Bodegas Álvaro Domecq auf – ihre Giebel und sehr hohe durch mächtige Säulen gestützte Dächer sind beeindruckend und einzigartig. Die Gebäude dienen seit Mitte des 18. Jahrhunderts der Sherry‐Produktion. Der heutige Eigentümer Don Álvaro Domecq stammt aus einer alten Linie von Weinfamilien, die untrennbar mit der Produktion von Sherry verbunden sind. 1999 erwarb er das Gebäude‐Ensemble im südlichen Teil von Jerez. Die Bodegas Álvaro Domecq kooperieren mit acht weite‐ ren Gütern und repräsentieren jede für sich eine andere spanische Herkunftsbezeichnung. Bei Besichtigungen wird die Produktion anschaulich vermittelt und es wird eine Reihe von Verkostungen angeboten inklusive kuli‐ narischer Köstlichkeiten.
Rey Fernando de Castilla Bodegas Caballero Ein Sammelsurium an Weingütern vereinigen die Bodegas Caballero. Die Geschichte führt zurück auf das Jahr 1830, als Don José Cabaleiro do Lago das erste Weingut in der Gemeinde Chipiona gründete. Mitte des 20. Jahrhunderts kamen die Weingüter von José de la Cuesta hinzu, die ihre Gründung auf das Jahr 1849 datie‐ ren. Auch das Kulturgut Castillo de San Marcos, ein Ort für kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte, gehört in das Portfolio von Bodegas Caballero. Beeindruckend sind die Geschichten aller Kleinode die‐ ser Bodega sowie die Herstellung und Veredlung der Jerez‐Weine.
Namensgeber der Bodega ist König Ferdinand III. von Kastilien, der den Beinamen „der Heilige“ trug und zu seinen Lebzeiten im 13. Jahrhundert schon die Qualität der Weine von Jerez schätzte. Er war es auch, der die außergewöhnlichen Boden‐ und Klimabedingungen rund um Jerez bekannt machte und die dortige Weinproduktion förderte. Die Marke Fernando de Castilla gründete 1972 Fernando Andrada‐Vanderwilde, dessen Familie schon seit zwei Jahrhunderten Sherry produziert. Besichtigungen dieser Bodega sind individu‐ ell. Sie können nach Absprache bei Rey Fernando de Castilla auch in Gruppen Ihren eigenen Event mit Verkostung und Speisen abhalten.
Almocadén Sandeman Sandeman, 1790 gegründet, war schon jeher ein „Curtain Raiser“ (Vorreiter). Bereits im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts wurden die Weine von Sandeman in verschiedene Länder Europas, nach Nord‐ und Südamerika sowie nach Afrika exportiert. Dadurch und weil Sandeman als erster Produzent seine Weine und Brandys mit Etiketten ausstattete und seine Produkte bewarb, wurde den Kunden eine gewisse Qualitäts‐ garantie übermittelt, die schnell zu einer Affinität von Liebhabern dieser Tropfen führte. Eine Besichtigung der Bodega zeigt beeindruckend die Produktion und Geschichte dieses Global Players, dabei werden Sherrys verkostet und es wird ein kleiner Imbiss gereicht.
Diese eher kleine, aber auf besondere Art charmante Bodega glänzt nicht mit großartiger Architektur, sondern eher mit der Qualität ihrer Sherrys. Seit die Familie 1915 das Unternehmen startete, wurde die Produktion auf handwerkliche Weinherstellung getrimmt. Der Name Almocadén entstammt dem Arabischen und bedeutet so viel wie „Hüter der Felder“. Die Sherrys von Almocadén haben ein besonderes Aroma und Finesse, begründet auf den Kalkböden, auf denen die Reben kultiviert sind, und auf ihrer behutsamen Vinifizierung. Führungen und Verkostungen sind hier individuell. Äußeren Sie Ihre Wünsche bei der Reservierung.
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Real Tesoro y Valdespino
Bodegas Barbadillo
Diese Bodega bietet eine Vielzahl von Events. Angefangen von der Passion der Brandys, die verkostet werden können, über kulturelle und traditionelle Ange‐ bote wie beispielsweise Pferdeshows, Flamencovorfüh‐ rungen bis hin zum Besuch des Museums für zeitgenös‐ sische Kunst, inklusive der „Suite Vollard“ – Hunderte Stiche von Picasso sowie Kunstwerke von Salvador Dalí, Tàpies, Chillida, Miró und Zuloaga. Außerdem organisiert das Team der Bodega private Feiern. Mit über 25.000 Eichenfässern sind die Gruppen der Criaderas sehr beeindruckend und das Solera‐System wird besonders anschaulich dargestellt.
Es war das Jahr 1821, als zwei Mexikaner die Bodegas Barbadillo gründeten. Heute ist der Familienbetrieb Eigner von einer ganzen Reihe bester Lagen rund um die Ortschaft Sanlúcar de Barrameda. Die Bodega ist auch über den Sherry hinaus bekannt. Hier wurde der erste Weißwein aus Cádiz vinifiziert und erstmals ein andalusischer Rotwein produziert. Ein weiteres Highlight der Bodega ist das im Jahr 2002 errichtete Museo de la Manzanilla, das die einzigartige Geschichte der Familie Barbadillo und deren kulturelles Erbe prä‐ sentiert. Die Bodega bietet verschiedene Führungen und Verkostungen an.
Bodegas Hidalgo Seit ihrer Gründung Ende des 18. Jahrhunderts in Familienbesitz, befindet sich die Bodega Hidalgo inmit‐ ten der historischen Altstadt von Jerez. Der Ursprung geht zurück auf José Pantaleón Hidalgo aus Santander, einen Liebhaber der Weine von Jerez, der 1792 einen kleinen Produzenten übernahm und damit den Grundstein für das heutige Unternehmen legte. Die Gebäude sind nicht nur beeindruckend, sondern durch ihre Struktur bestens geeignet für die Reifung der Weine. Längst sind diese Sherrys europaweit vertreten und werden auch nach Übersee exportiert. Besich‐ tigungen beinhalten Verkostung, Imbiss und den Besuch des eigenen Museums.
Bodegas y Viñedos Díez-Mérito Im Herzen von Jerez gelegen, steht diese Bodega für rund 250 Jahre Sherry‐Tradition. König Alfonso XII. ver‐ lieh ihr den Titel „Lieferant des Königshauses“ und gleichzeitig das Recht, das königliche Wappenschild auf Rechnungen und Etiketten zu führen. Diese Bodega ging durch viele Hände, bis schließlich 2016 die Familie Espinosa aus Jerez die Geschicke übernahm. Produktion und Verkostungsräume wurden in ein majestätisches Gebäude aus dem Jahr 1760 verlegt. Hier können Sie den berühmten „Fino Imperial“ kosten, dessen Solera aus dem Jahr 1876 stammt.
“arriba, abajo,
al centro, adentro
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nach oben, nach unten, ins Innere, und rein damit!
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WEINBAU
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Wenn die Burenziege im Weinberg der Heidschnucke weichen muss AUTOR: HERMANN-JOSEF BERG
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tefan Rumpf ist nicht nur ein hervorragender Winzer, sondern auch ein passionierter Agrar‐ wissenschaftler. Das Halten und Züchten von Nutztieren war ein Studienschwerpunkt. Bis vor wenigen Jahren hätte er sich die Kombination beider Professionen nicht wirklich vorstellen können. Allerdings plante Rumpf schon immer, sich Ziegen und Schafe zuzulegen, wenn er sich in den Ruhestand verab‐ schieden würde. Nun hat er sich zwar noch nicht zur Ruhe gesetzt, doch die Tiere sind schon vor Ort, wie der neuen Kruger‐Rumpf’schen Weingutzeitschrift „Einblicke“ zu entnehmen ist. Mittlerweile befinden sich im Winter 20 bis 30 Schafe, im Sommer zehn bis 15 Schafe und ihre Lämmer im Gutsbesitz. Sie werden artgerecht in freier Natur gehal‐ ten. Im Winter im Weinberg, im Sommer auf einer zirka zwei Hektar großen Brachfläche, die als Obstfläche reak‐ tiviert werden soll. „Nachhaltige Landschaftspflege“ nennt Stefan Rumpf dieses Unterfangen im Sinne einer „ganzheitlichen Kreislaufwirtschaft“.
Bei den Schafen handelt es sich um Heidschnucken. Sie lösten anfangs gekaufte fünf Burenziegen ab. Solche Tiere leisten schon im Welterbe Oberes Mittelrheintal ihre Dienste. Die Berichte über die Mittelrheinziege (MiZi) brachte Stefan Rumpf auf die Idee, diese Tiere in einem vor fünf Jahren neu angelegten Steilstlagen‐ Weinberg in der klassifizierten VDP‐Lage „Münsterer Rheinberg“ einzusetzen. Damit sollte die Pflege der Terrassenbegrünung sichergestellt werden. Allerdings hatte der clevere, naturverbundene Winzer die Rechnung ohne den Ziegenbock gemacht. Denn die‐ ser und danach auch seine Ziegen rissen im zweiten Arbeitsjahr immer wieder aus. Große, zeitraubende Suchaktionen waren die Folge. Schließlich war die Geduld der ganzen Familie Kruger‐Rumpf erschöpft, sprich: Sie hatten keinen Bock mehr auf die in puncto Ausbüxen durchaus cleveren Burenziegen. Der Weg für die Heidschnucken aus dem Hunsrück war geebnet. Das Bio‐Potenzial in dem VDP‐Weingut in Münster‐ Sarmsheim ist übrigens noch umfangreicher. So gibt es Bienenstöcke und eigenen Kompost (eine Mischung aus Trester, Grünschnitt und Pferdemist).
(Foto: Annie Spratt)
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WEINKULTUR
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Prosecco DOCG zum Welterbe ernannt AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD
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WEINRECHT
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Im Antrag an die UNESCO stand eine klare Definition und Forderung: „Ein Gebiet, das ein globales Kulturerbe von außergewöhnlichem universellem Wert darstellt, muss geschützt, erhalten und an zukünftige Generationen weiterge‐ geben werden.“ Nach zehn Jahren des Wartens sind jüngst die Prosecco‐Hügel von Conegliano und Valdobbiadene offiziell zum 55. italienischen Welterbe erklärt worden.
Mitglieder nie von ihrem Glauben an die Einzigartigkeit unserer Landschaft mit ihren von Weinbergen gespickten Hügeln und schwer zugängli chen Hängen abgewandt, die eine so harte und reine Handarbeit erfordern. Es ist auch das große Engagement von Generationen von Winzern, die diese Weinberge bearbeiten, diese Patchworks an Kleinstparzellen, die heute so einzigartig sind, sowie die charakteristischen Ciglioni, die unseren Weinbau und damit unser Gebiet von anderen unterscheiden, was zur UNESCOAnerkennung geführt hat“, sagt Nardi anerkennend.
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WELTERBE DER WEINKULTURLANDSCHAFTEN
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ur Entscheidung, die während der Sitzung des WelterbeKomitees in Baku (Aserbaid schan) Anfang Juli getroffen wurde, äußerte sich Innocente Nardi, Präsident der für die sen Zweck gegründeten temporären Vereinigung „Colline di Conegliano Valdobbiadene Patrimonio dell’Umanità“ mit den Worten: „Ich fühle eine tiefe Befriedigung und große Freude über die Anerkennung durch die UNESCOVersammlung.“
GROSSE ANSTRENGUNGEN „Dank der Arbeit eines außergewöhnlichen Teams unter der Leitung des Gouverneurs der Region Venetien, des Beitrags der zuständigen Ministerien und der einwandfreien Arbeit des wissenschaftlichen Ausschusses unter dem Vorsitz von Mauro Agnoletti und nicht zuletzt der Unterstützung der italienischen UNESCODelegation haben wir dieses Ziel erreicht“, kommentiert Nardi sichtlich erleichtert die langjähri gen Anstrengungen und fordert zugleich Aufmerk samkeit: „Diese Anerkennung sollte nicht als Ziel angesehen werden, sondern lediglich als ein wichti ger Schritt auf dem Weg zur Aufwertung des kulturel len, künstlerischen und landwirtschaftlichen Erbes dieses kleinen Gebiets, das für sein Hauptprodukt Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore be kannt ist.“ Zielführend und treibende Kraft zum positiven Ausgang des Antrags waren die Produzenten, die das Konsortium von Conegliano Valdobbiadene Prosecco DOCG bilden. „Von Anfang an und während des gesamten Nominierungsprozesses haben sich die
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Die Hügel von Conegliano und Valdobbiadene reihen sich nun ein in die weltweite TopLiga der Weinkul turlandschaften, die bisher unter dieser Kategorie anerkannt und als UNESCO Weltkulturerbe registriert wurden. Aufgrund ihrer geomorphologischen und kulturellen Merkmale haben sie drei bezeichnende Elemente mit ihren italienischen Schwestergebieten Langhe Roero und Monferrato gemein: Hogback – Ciglione – Patchwork. Zu weiteren Weinkulturland schaften mit ebenfalls identischen Attributen gehö ren Alto Douro und Pico Island (Portugal/Azoren), Tokaj (Ungarn), Lavaux (Schweiz), Champagne, Burgund, SaintEmilion (Frankreich) und Wachau (Österreich). Alle diese Orte sind evolutionäre Kulturlandschaften, sichtbare Ergebnisse lebendiger, sich ständig weiterentwickelnder Interaktion zwi schen Mensch und Umwelt.
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VALDOBBIADENE PROSECCO SUPERIORE DOCG
Die Treviser Voralpen bilden den Schutzwall für das Anbaugebiet Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG. Die Bergflanken und hohen Hügel sind von einem dichten Netz an Rebflächen durchwoben. Die Landschaft zwischen Conegliano und Valdobbiadene ähnelt einem natürlichen Amphitheater, wo sich nicht
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weit entfernt die Dolomiten abzeichnen. Hier, etwa eine Stunde Autofahrt von Venedig entfernt, wirken heute selbstbewusste Winzer, die von ihren Vorfahren profitieren und deren Arbeit durch gewonnene Erkenntnisse heute nahezu Perfektion erreicht hat. Ihnen gelingen Schaumweine von anerkannter und außergewöhnlicher Qualität, von besonderem Charakter und Geschmack.
WELTERBE-KOMITEE Während der Sitzungstage, die dieses Jahr in der Hauptstadt Baku von Aserbaidschan stattfanden, hatte das WelterbeKomitee über 1.000 Kultur und Naturstätten zu entscheiden, die als besonders bemerkenswert und erhaltenswert für das Erbe der
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Welt von mehr als 160 Ländern beantragt wurden. Nach Angaben der UNESCO prägen die „steilen Hügel und die kleinen ineinandergeschachtelten Rebparzellen diese einzigartige Kulturlandschaft in Norditalien“. In der Erklärung des Welterbe Komitees heißt es weiter: „Der Mensch habe diese Region über Jahrhunderte geformt. Seit dem 17. Jahrhundert sei eine besondere Mosaiklandschaft aus parallel und vertikal zu den Berghängen verlau fenden Rebstöcken entstanden.“ Mahnend wird ergänzt: „Von nun an sei die Erhaltung und die Pflege der als Welterbe anerkannten Landschaft Aufgabe aller, nach Maßgabe der besonderen Empfehlungen der UNESCO, diese von Menschenhand geschaffene Region zu schützen, die Aufwertung dieser Region für zukünftige Generationen mit einer ausgeglichenen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in Einklang zu bringen.“
Große Anstrengungen, viel Geduld und Ausdauer führten zum Erfolg. Die Prosecco‐Hügel zwischen Conegliano und Valdobbiadene wurden zum Weltkulturerbe ernannt. (Foto: Conegliano Valdobbiadene DOCG)
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ZUR GESCHICHTE DES GEBIETES CONEGLIANO VALDOBBIADENE Schon in der Antike wurden in dieser norditalienischen Region Reben angebaut und Weinbau betrieben. Zeugnis hierfür ist eine Grabstele, in die Schriftzeichen eingearbeitet wurden, die als Zitat eines römischen Zenturins anlässlich der Traubenlese gedeutet wurden. 6. Jahrhundert: Die überlieferten Worte des heiligen Venantius Fortunatus, Bischof von Poitiers (530–607), sind eindeutig: „Quo Vineta Vernatur, Sub Monte Jugo Calvo, Quo Viror Umbrosus Tegit Sicca Metalla“ (An diesem Ort, an dem der Rebstock unter dem hohen Gebirge sprießt, schützt er mit üppigem Grün die rauesten Bereiche). 12. Jahrhundert: Ein Fresko an der Außenfassade der Pfarrkirche San Pietro di Feletto stellt den „Cristo della Domenica“ dar. Die darin befindlichen Worte dienen als Mahnung, am Sonntag nicht zu arbeiten. Auf dem Fresko ist Christus abgebildet, blutend und inmitten von Arbeitsgeräten stehend. Diese Geräte sind typi‐ sche Hilfsmittel für den Weinbau, zudem ist noch ein Rebstock zu sehen. 1574: Heinrich III., König von Polen und Frankreich, reiste durch die Region und machte in der Stadt Conegliano halt. Ihm zu Ehren ließ man einen Tag lang Weißwein statt Wasser aus dem Neptunbrunnen spru‐ deln. 1754: Der Schreiber und Poet Aureliano Acanti zitiert in seinem Gedicht „Il Roccolo“ den „Prosecco“. Es ist die erste schriftliche Aufzeichnung des Namens. 1772: Im Band VIII des „Giornale d’Italia“ schrieb der Akademiker Francesco Maria Malvolti bereits über die Qualität der lokalen Rebsorten. Damit wurde erstmals der Prosecco mit Conegliano Valdobbiadene in Verbindung gebracht. 1868: Conte Marco Giulio Balbi Valier, bekannt dafür, dass er den „Prosecco Balbi“ genannten Prosecco‐Typ als den besten unter allen ausgemacht hat, veröffent‐ lichte ein Büchlein, in dem er Anbau und Pflege der Reben beschreibt. 1876: Als erste ihrer Art in Italien wird in diesem Jahr die „Scuola Enologica di Conegliano“, eine Weinschule, gegründet.
1923: Die Versuchsstation für Reben „Stazione Sperimentale di Viticoltura e Enologia di Conegliano“ wird aufgebaut. 1930: In den 1930er‐Jahren werden die Grenzen des Prosecco‐Produktionsgebietes festgelegt. 1946: Die Bruderschaft „Confraternita del Prosecco“ wird gegründet. Ihre Aufgabe ist die Verbesserung und Förderung der önologischen Kultur des Territoriums und seiner Produktionen. 1962: Elf Winzer vereinigen sich als Gruppe zum Schutze ihrer Weine und Weinlagen im „Consorzio di Tutela del Prosecco di Conegliano e Valdobbiadene“. 1963: Die erste Schau „Mostra dello Spumante“ findet in Valdobbiadene statt. 1966: Die „Strada del Prosecco“ wird als erste aner‐ kannte Weinstraße in Italien ins Leben gerufen. 1969: Der Prosecco aus 15 Gemeinden zwischen Conegliano und Valdobbiadene erhält die kontrollierte Ursprungsbezeichnung „Denominazione di Origine Controllata“ (DOC). 1960er und 1970er: Tullio De Rosa, Autor wichtiger Texte über den Weinbau, wie beispielsweise „Tecnologia dei Vini Spumanti“, trug wesentlich zur Verbesserung der Produktionsmethode bei. 2003: In diesem Jahr wird der Region der Status des „Primo Distretto Spumantistico d’Italia“ (Erster Schaumweindistrikt Italiens) verliehen. 2004: Das Forschungszentrum „Centro Studi di Distretto Conegliano Valdobbiadene“ wird gegründet. Die Ergebnisse der von dieser Einrichtung durchgeführ‐ ten Studien werden seither jedes Jahr im Dezember präsentiert. 2009: Am 1. August dieses Jahres wird Conegliano Valdobbiadene zur 44. DOCG (kontrollierte und garan‐ tierte Ursprungsbezeichnung) Italiens deklariert. 2019: Anerkennung der Landschaft Conegliano Valdobbiadene als Welterbe.
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Deutschlands höchster Weinberg offiziell anerkannt Was vor einigen Monaten auf den Fluren von Bad Hindelang im Allgäu umgesetzt wurde, kann – mit etwas Augenzwinkern – fast als Antwort des Weinbaus auf den Klimawandel betrachtet werden. Zunehmend wird im klassischen, traditionellen Weinbau in höhere, schattigere und kühlere Lagen ausgewichen, in denen früher zwar Reben standen, aber die Trauben nicht so recht ausreiften. COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
(Foto: Annie Spratt)
AUTOR: RUDOLF KNOLL
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Durch die Erwärmung und hitzige Wochen wie im Sommer 2018 und zuletzt im Juli 2019 bekommen immer mehr Winzer Probleme mit zu viel Ausreifung und Sonnenbrand auf den Beeren. Diese Gefahr ist auf den rund 860 Höhenmetern auf dem Gelände des Hotels Prinz‐ Luitpold‐Bad nicht gegeben.
Armin Gross bei der Anlage der Rebfläche (Foto: Sabine Gross)
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n 2008 wurden hier die ersten Stöcke auf 20 m² gepflanzt. Lieferant war der württembergi sche Rebveredler Hans Wahler, der damit den Fellbacher Senior Gerhard Aldinger (Ϯ 2016) versorgte. Dieser hatte seinem langjährigen Urlaubsgastgeber Armin Gross, dem Chef des Hotels, versprochen, ein paar Stöcke Solaris in einer Hanglage zu setzen. Die Züchtung reift früh, ist frostfest, stellt nur geringe Ansprüche an die Lage und kann stattliche Mostgewichte erreichen. Die erste Ernte im Jahr 2010 wurde von der Familie Gross verspeist. Aber dann verkündete ein Allgäuer OnlinePortal im Dezember: „Deutschlands höch ster Weinberg steht in Bad Hindelang.“ Von da an wurde es richtig ernst! Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, die über den Rebbau in ganz Bayern wacht, sandte dem Hotelier ein vierseitiges Schreiben, das offensicht lich unberücksichtigt ließ, dass es sich nur um zehn nicht genehmigungspflichtige Rebstöcke handelt (99 Reben oder die Fläche von 100 m² waren seiner zeit die Norm für einen privaten Anbau außerhalb der offiziellen Fluren). Er solle die Fläche roden, wurde dem Hotelchef mehr oder weniger befohlen. Geschehe dies nicht, könne eine „Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren“ drohen. Wer so superbürokratisch auftritt, muss ein Kontra vertragen. Armin Gross machte die Geschichte öffentlich. Und die Behörde wurde in zahlreichen Medien ganz schön lächerlich gemacht. Zum Frieden trug bei, dass der Hotelier im Jahr darauf vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten eine landwirtschaftliche Betriebsnum mer bekam. Damit war der Ehrgeiz in Sachen Wein bau erst so richtig geweckt. Gross beschloss, etwas Besonderes in die Wege zu leiten, und das konse quenter als Vorgänger. An verschiedenen Orten im Allgäu wurde schon frü her im kleinsten Umfang in Vorgärten Weinbau als Hobby betrieben. Auch anderswo im Süden Bayerns durften Reben Höhenluft schnuppern. Bekannt wurde eine Anlage mit 250 Stöcken Frühburgunder, die der bekannte Kammersänger Martin Kremer (1898–1971) in Reit im Winkl auf 750 Höhenmetern pflanzte. Der gebürtige Geisenheimer hatte die Reben von der dortigen Rebenzüchtung bezogen. Gegen Spätfröste stellte er Ölöfen auf und umwickel te seine Stöcke liebevoll. Das Ergebnis, durchaus trinkbar, nannte er „Sommerpoint“ mit der Her kunftsangabe „Oberbayern“. Einmal berichtete so
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gar das ZDF über diesen Weinberg. Keine Behörde ging gegen diese Kuriosität vor, das Weingesetz von 1971 war noch nicht verabschiedet. Aber nach Kremers Tod sah sich seine Familie nicht in der Lage, den Weinbau weiter zu betreiben. Das einzige, was Reit im Winkl heute in Sachen Wein noch zu bieten hat, ist ein „Reit im Winkler Schlawin(t)er Rotwein“: Der stammt aus dem österreichischen Burgenland und wird als touristisches Mitbringsel offeriert – der Reinerlös geht an die Rettungsdienste Bergwacht, Feuerwehr und Rotes Kreuz. Armin Gross nutzte zunächst die zulässige Fläche von 100 m², um noch weitere Reben zu pflanzen. Zugleich stellte er mehrere Anträge zur Flächener weiterung. Einmal verlangte er – eher scherzhaft – eine Anerkennung des Allgäus als 14. deutsches
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Anbaugebiet. Er initiierte die Gründung einer Win zergemeinschaft Oberallgäu und verleitete seinen Kollegen Markus Rainalter (Hanusel Hof) dazu, ebenfalls Rebstöcke zu pflanzen. Und längst gibt es eine „Allgäuer Weinkönigin“ mit zwei Jahren Amtszeit. 2011 wurde der erste Wein gekeltert. Die Mengen von später gut drei Dutzend Stöcken in den verschiedenen Jahrgängen schwankten zwischen zwei und 20 Liter. Die Mostgewichte erreichten meist um die 90 Grad Öchsle, eine Anreicherung wurde also nie notwendig. Nur war das Ergebnis, das von einer alten Holzkelter ablief, nicht immer ganz delikat. Ein Teil des Jahrgangs 2014 wurde des halb selbstironisch als „Edition Uhu“ deklariert. Verkauft werden durften die Weine ohnehin nicht, sie wurden allenfalls an gute Freunde des Hauses in homöopathischen Mengen ausgeschenkt. Doch 2018 kam die Genehmigung von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn, Wein in der Flur stücksnummer 3315/1 auf 500 Quadrat metern anzubauen und sogar zu vertrei ben! Der neue Name des Weines war schnell gefunden: „860 NN“, denn ge nauere geografische Angaben sind nicht zulässig. Vom Jahrgang 2018 gab es noch eine Rekordernte von 45 Liter, für 2021 darf Gross schon über den Einsatz von Erntemaschinen oder Lesehelfern aus Osteuropa nachdenken … Denn dann kommen die 200 SolarisStöcke, die im Mai 2019 gepflanzt wurden, in den Ertrag. Gert Aldinger, Sohn des „Erst pflanzers“, stellte sie zur Verfügung und überwachte höchstselbst das Pflanzper sonal inklusive Weinkönigin Lisa Wilfer, die sich auch durch strömenden Regen nicht davon abhalten ließ, im Dirndl Stöcke in der steilen, rutschigen Flur einzubuddeln. Offenbar haben alle (inklusive des Be richterstatters) solide und professionelle Handarbeit geleistet. „Sämtliche Stöcke sind gut angewachsen“, verkündete Armin Gross nach einigen Monaten. Demnächst können sich davon auch Profis überzeugen, denn seit einigen Jahren hat das Hotel Top Erzeuger aus Baden und Württemberg in Sachen Rotwein für eine „WeinNacht“ Ende November zu Gast. Es sind Winzer, die beim traditionellen Deutschen Rotweinpreis auf das Treppchen sprangen. Für sie hat Armin Gross sicher eine Probe seines Jahrgangs 2018 „860 NN“ zurückgehalten.
Den ersten Setzling verantwortete Lisa Wilfer, die Allgäuer Weinkönigin Lisa I. (Foto: Sabine Gross) COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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Michael Prinz zu Salm‐Salm (links) und sein Sohn Felix präsentieren eine Kopie der Urkunde vom 1. Mai 1219, durch die ihre Weinberge in den Breitwiesen als Sicherheit verbürgt wurden. (Foto: Norbert Krupp)
Dadenborner Zehnte AUTOR: NORBERT KRUPP
REBEN IN DEN BREITWIESEN DIENTEN 1219 ALS SICHERHEIT COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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dieser Weinbergslage. Eine Ausfertigung wird im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden aufbe wahrt. Dr. Franz Stephan Pelgen von der Universität Mainz hat die Urkunde wissenschaftlich erschlossen.
Seit 2014 ist Felix Prinz zu Salm‐Salm verant‐ wortlich für das Schlossgut, als 32. Generation in der Reihe seiner Vorfahren. Bewirtschaftet werden Weinberge in den „Breitwiesen“, die ein Teil der Wallhäuser Spitzenlage „Felseneck“ sind und nordöstlich von Wallhausen zwischen Johannisberg und der Gemeinde Dalberg lie‐ gen. Im Sommer 2017 erfuhr Prinz Felix von einer Urkunde, die vom 1. Mai 1219 datiert. Eine ganze Reihe anderer Dokumente aus der Familiengeschichte ging im Zweiten Weltkrieg verloren.
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ein Großvater, FranzKarl Prinz zu Salm Salm, hatte 1940 von seinem Onkel Johann Dalberg (FranzKarls Mutter MarieAnna war die letzte weibliche Dalberg) den Dalberg’schen Besitz geerbt. Nach russischer Kriegsgefangenschaft kam er 1948 nach Wallhausen. Im Schloss waren so viele Flüchtlinge einquartiert, dass für den Prinzen nur ein Zimmer verfügbar war. Die alten Akten lagen völlig verstreut herum und waren teilweise als Brennmaterial missbraucht worden. Das Hauptar chiv der Dalbergs, das zuvor sicherheitshalber ins Staatsarchiv Darmstadt ausgelagert worden war, ging durch Bombenangriffe verloren. Vor diesem Hintergrund ist die Urkunde von 1219 besonders wertvoll: Vor 800 Jahren musste das Kloster Eberbach für seinen Klosterhof Dadenborn (daraus entwickelte sich später Münchwald) den Zehnten an die Kirchengemeinde Wallhausen leis ten, kam dieser Pflicht aber nicht immer nach. Da sprang der Patronatsherr von Wallhausen, Godebold von Weierbach (ein Vorfahre der Salms), am 1. Mai 1219 vor der versammelten Kirchengemeinde in die Bresche. Er versprach über seine Lebenszeit hinaus, diese Zahlungen zu übernehmen, und stellte seine beiden Weinberge in den „Breitwiesen“ als Sicherheit für den Dadenborner Zehnten. Die ent sprechende Urkunde, die durch Abt Theobald von Kloster Eberbach und Godebold von Weierbach besiegelt wurde, gilt als erster schriftlicher Beleg
Schon die Vorfahren der Salms bewirtschafteten diesen Weinberg in Breitwiesen stets mit einem hohen Qualitätsanspruch. Hugo Philipp von Dalberg ließ 1743 alle Wingerte neu einmessen und erfas sen, und KarlAlexander von Dalberg ließ sie bereits 1819 klassifizieren. Die Dalberger galten als die ersten Ritter im Reich. Bei jeder Kaiserkrönung musste gerufen werden: „Ist kein Dalberg da?“ „Wir sind fasziniert, dass wir den Weinberg in den Breitwiesen schon seit 1219 bewirtschaften“, gesteht Felix‘ Vater Michael Prinz zu SalmSalm vol ler Begeisterung. Gemeinsam mit seiner Frau Philippa aus der fränkischen Weindynastie Castell Castell hat er das Gut zur jetzigen Größe ausgebaut. 17 Jahre war er Vorsitzender des VDP Deutschland und bleibt eine herausragende Persönlichkeit der Weinwelt. Prinz Felix schätzt das Felseneck, das erst im Weingesetz 1971 als Lage zusammengefasst wurde, wegen seiner besonderen Stilistik, die von grünem (schwefelhaltigem) Schiefer durch Rotliegendes geprägt wird: „Die Lage reicht bis auf 310 Meter hoch und steht durch den angrenzenden Wald unter einem kühlenden Einfluss. Die Weine verfü gen über eine phänomenale Säure, die auch in schwierigen Jahren wie 2003 noch wirklich span nend ist. Aus den Breitwiesen kommt unser Großes Gewächs, dessen Trauben wir stets zuletzt lesen. Das Felseneck ist ein Gewinner des Klimawandels. Wir verfügen dort über vier Hektar, die für unseren Betrieb absolut wegweisend sind.“
Das Weingut Prinz Salm ist Mitglied des VDP und wird heute von Prinz Felix und Prinzessin Victoria geführt. Sie bewirt‐ schaften elf Hektar Rebfläche in Wallhausen sowie sieben Hektar in Bingen. Diese sind zu 73 Prozent mit Riesling bestockt, aber auch mit Spätburgunder, Weißburgunder und Grauburgunder sowie je zwei Prozent Scheurebe und Merlot. Auch einige Reben Osteiner, deren Namensgeber der siebenfache Urgroßonkel von Prinz Felix ist, werden kultiviert. Neben dem Felseneck gehören weitere „Große Lagen“ des VDP zum Salm’schen Besitz: Teile des Wallhäuser Johannisbergs sowie in Bingen Weinberge am Kirchberg und am Scharlachberg. Der Betrieb ist Deutschlands ältestes Weingut in Familienbesitz. Seine Nachhaltigkeit wurde durch die Organisation „Fair’n Green“ zertifiziert.
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Forza, Soave! AUTOR: HERMANN-JOSEF BERG
Zart, sanft, angenehm – dies soll die Übersetzung des Namens Soave sein. (Foto: Consortio Soave)
EIN WEIN UND EINE REGION ERLEBEN EIN „VINOLOGISCHES REMAKE“ Wer den Namen Soave hört, denkt unweigerlich an jenen Wein, der seit vielen Jahren Trinkbegleiter in den Pizzerien, Trattorien und italienischen Restaurants in Deutschland ist. Auch die Discounter‐Fans halten Ausschau nach ihm. In Sichthöhe stehen sie selten, eher gilt der Soave als „Bückware“. Wer jedoch in den Weinfachhandel geht und einen Soave höherer Qualität probiert, staunt nicht schlecht. Denn seit einigen Jahren erlebt die Region östlich von Verona geradezu ein „vinologisches Remake“.
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m 11. Juni 2019 lässt das italienische Landwirt schaftsministerium verlautbaren, dass es 33 von 47 eingereichten SoaveLagen als CruLagen anerkannt hat. Sie decken rund 40 Prozent der Rebfläche im gesamten Gebiet ab. Ein Riesenerfolg für die Region und insbesondere für das Consorzio di Tutela del Soave, das 18 Jahre an dem Genehmigungsprojekt gearbeitet hat. 1931 wurde die Region Soave erstmals gebietsmäßig abge grenzt. Ab 1968 durften die Weine mit dem Zusatz DOC verse hen werden: Denominazione di origine controllata – also eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung, welche die zweithöchste Qualitätskategorie in Italien widerspiegelt. 2001 kam es zur Kennzeichnung DOCG (Denominazione di origine controllata e garantita) für Soave Superiore. DOCG steht für eine kontrollier te, garantierte Herkunft und dokumentiert die höchste Qualitätsstufe. Allerdings ist hier der Alkoholgehalt mit 12 und mehr Volumprozent höher als beim DOC (im Mittel etwa 11 Volumprozent). Die neue EUWeinmarktvero rdnung vom August 2009 fasst die beiden Kategorien unter der Bezeichnung DOP (Denominazione di origine protetta) als geschützte Ursprungsbezeichnung zusammen, erlaubt jedoch den Weinbauländern unter den Mitgliedsstaaten weiterhin die Verwendung von DOC und DOCG.
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CONSORZIO DI TUTELA DEL SOAVE
Das Consorzio di Tutela del Soave achtet auf die Einhaltung der Qualitätsbestimmungen. Ihm gehören rund 3.000 Weingüter an (meist kleinere bis mittlere Betriebe), die über 7.000 Hektar bewirtschaften. Und diese Betriebe repräsentieren das Kerngebiet (Soave DOC) sowie angrenzende Bereiche (Soave DOCG). In der Summe produzieren sie mehr als 50 Millionen Flaschen – Tendenz steigend. 80 Prozent dieser Menge wird in rund 70 Länder weltweit exportiert. Nach ConsorzioAnsicht wis sen die Mitglieder inzwischen, was es heißt, in konkurrierende Länder zu exportieren, und stellten sich den damit verbundenen Voraussetzungen, etwa in puncto stets verbesserter Qualität.
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CANTINA DI SOAVE
Wie sehr im SoaveGebiet eine neue Zeit angebrochen ist, doku mentiert nicht zuletzt die Entwicklung der Cantina di Soave. Es ist die älteste Weingenossenschaft Italiens, im Jahr 1900 gegründet. Mit aktuell rund 2.200 Mitgliedern, 6.000 Hektar Rebfläche und der Ausfuhr von derzeit 30 Millionen Flaschen in 70 Destinationen zählt sie auch national zu den großen und bekanntesten. Da ihr jahrzehntelang der Ruf als Erzeuger von Massenweinen vorauseilte, machten viele Weinexperten bis vor wenigen Jahren einen großen Bogen um diesen Produzenten. Inzwischen fand jedoch auf beiden Seiten ein Läuterungsprozess statt. Mittlerweile schätzen Fachjournalisten und Weinhändler die nicht selten als „sehr gut“ bezeichnete Qualität der Weine,
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die auch in preislicher Hinsicht nichts zu wünschen übrig lassen sollen (was nicht immer der Fall gewesen sei).
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ROCCA SVEVA
Zu den Vorzeigemitgliedern zählt zweifelsfrei das Weingut Rocca Sveva mit seinem jahrhundertealten, großen Keller am Fuß des Berges, auf dem das Wahrzeichen Schloss Soave steht. Nicht weni ger attraktiv sind die unabhängigen Weingüter in den Höhen (bis zu 500 Metern) rund um Soave.
SOAVE CLASSICO
Nur die Weine aus Soave und Monteforte d’Alpone dürfen als „Soave Classico“ gekennzeichnet werden. Für die Kreszenzen aus den Hügelgebieten hinter diesen beiden Gemeinden wurde der Begriff „Colli Scaligeri“ eingeführt. Nur hier dürfen „Soave Superiore“ entstehen. Eines haben beide Herkunftsbe zeichnungen allerdings gemeinsam: Es müssen mindestens 70 Prozent der gebietstypischen Rebsorte Garganega enthalten sein. Zusätze der Rebsorten Trebbiano di Soave, Pinot Blanco und Chardonnay sind zulässig. Das Gros der GarganegaTrauben wächst an der Pergola. Sprich: Die Reben ragen über die Rebzeilen, bilden dadurch ein Laubdach, das vor Wind und Regen schützt. Das Ergebnis sind säurearme, eher zarte Weine. Frisch getrunken, verbreiten sie in der Nase den Duft von Zitrusfrüchten, Blüten und Mandeln. Versierte Kenner der inter nationalen Weinwelt kritisieren jedoch häufig den fehlenden Tiefgang und Nachhall der Weine. Mitunter wurde die Frage aufge worfen, ob ein Soave „jemals ein großer Wein sein kann“. Die Region Soave hat durchaus Weine von großem Potenzial. Dafür stehen Weingüter wie Gini (Sandro Gini ist aktuell auch der ConsorzioPräsident), Filippi, Cantina del Castello, Monte Tondo und viele andere. Je älter die Jahrgänge, desto kräftiger, opulenter betören sie SoaveFreunde. Ganz zu schweigen von den Crus diverser Spitzenweingüter mit ihrer teils zehnjährigen Flaschen reife. Nicht zu vergessen: der traditionelle Süßwein Recioto di Soave, für den ausgelesene Trauben auf speziellen Gestellen oder Strohmatten getrocknet werden. Wer die diesjährigen „Soave Stories“ vom 17. bis 19. Mai besuchte und an den diversen Weinproben teilnahm, konnte geschmackvoller Zeuge einer neuen Generation von Weinen sein – nicht zuletzt erzeugt von den Nachwuchswinzern in den Familienbetrieben. Zart, sanft, angenehm – dies soll die Übersetzung des Namens Soave sein. Bezogen auf den Wein, darf heute getrost ein weiteres Adjektiv hinzugefügt werden: anspruchsvoll. Sei es aus dem Osten der Kleinstadt mit seinem dunklen, vulkanischen Terroir oder aus dem hellen, mit Kalk angeschwemmten Boden in der Ebene im Westen. Die Soavesi sprechen in diesem Zusammenhang von der schwarzen und weißen Seele des Soave. Insbesondere die „vulkanischen Gewächse“ könnten den SoaveWinzern eine vielversprechende Zukunft sichern und das noch immer vorherrschende Image des Soave als Mengenwein nachhaltig korrigieren.
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Buchbinder Wanninger und der Beauty Secco „Ambrosium“ AUTOR: RUDOLF KNOLL
Was ist eigentlich Secco? Früher trugen die‐ sen Familiennamen ein verstorbener Fuß‐ baller aus Uruguay und ein ebenfalls nicht mehr unter den Lebenden weilender kanadi‐ scher Eishockeyspieler. Im Italienischen ist das die Bezeichnung für „trocken“ und mit der Vorsilbe Pro die Deklaration für einen schäumenden Wein mit geschützter Her‐ kunft, der auch in Deutschland populär ist. Deshalb sind viele Erzeuger mit einem „Secco“ unterwegs, der nichts anderes als ein meist sehr schlichter Perlwein ist, aber sich gut verkaufen lässt. Und da bei ihm keine Sektsteuer fällig ist, funktioniert das auch zu einem günstigen Preis, meist zwi‐ schen 5 und 7 Euro.
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och Secco lässt sich auch teuer wie Champagner vermarkten, wenn man nur frech genug ist und einen „Beauty Secco“ auf den Markt bringt, verse hen mit der wohlklingenden Zusatzbezeichnung „Ambrosium“, die in Verbindung mit Nektar an den Göttertrank Ambrosia denken lässt. Und wenn dann noch auf dem Etikett und in Informationen im Netz ausgeführt wird, dass das Getränk Kollagen enthält, kann vom Hersteller damit argumentiert wer den, dass sich damit der Hautalterung entgegenwirken lässt. Auch soll Kollagen einen positiven Effekt auf die Stärkung des Bewegungsapparates haben.
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Der Wein stammt angeblich aus WeißburgunderTrauben „erlese ner deutscher Weingüter“. Das Produkt soll „Genuss mit einem Beauty, Wellness und Kosmetikerlebnis“ vereinen, zu einem Flaschenpreis von 28 Euro, in Worten achtundzwanzig! Die Idee dafür hatte ein junges Paar, das an der Universität Magdeburg tätig ist. Anke Sterzing und Tommy Hielscher hatten nach eigener Darstellung die Idee, als sie bei einem Wellnessaufenthalt mit einem Ingwertee geschockt wurden, statt ein Gläschen Schaumwein genießen zu können. Der sportliche Tommy sah sich bei seinen Nahrungsergänzungsmitteln um und kam auf Kollagen. Man führte Tests durch und wagte sich schließlich an die Produktion.
Bleibt die Frage nach der Qualität. Im Internet gibt es die Urteile wie „lecker“, aber ebenso „von Anti‐ Aging‐Wirkung nichts bemerkt“, „viel zu teuer“. Die Weinkennerin, die auf das Produkt aufmerksam gemacht hatte, weil sie erste Falten um ihre Augen ahnte, wurde zur Probe ver‐ donnert. Ihr Urteil: „Miserabel.“
Offenbar kam die prickelnde Geschäftsidee aus SachsenAnhalt so gut an, dass im letzten Jahr noch ein BeautyGlühwein von der Sorte Dornfelder folgte und auch eine Parfümeriekette sowie Hotels „Ambrosium“ listeten. Von einer innovativen Produktidee ist vielfach die Rede, offenbar denkt niemand über den hohen Preis nach. Perlwein ist in Deutschland für wenig Geld zu haben. Kollagen gibt es im Handel für etwa 23 Euro pro Kilogramm. Allenfalls 13 Gramm befinden sich in einer Flasche des Beauty Secco. Der Wareneinsatz ist also minimal. Die eigentliche, nicht verbotene Geschäftsidee ist also, ein Billigprodukt teuer zu ver markten, verbunden mit gesundheitlichen Versicherungen, die beim Wein nicht zulässig wären. Die Frage ist: Was sagen eigentlich Weinrecht und/oder Lebens mittelrecht dazu? Die Antwort sucht man vergeblich. Wer Aufklärung sucht, wird zum berühmten „Buchbinder Wanninger“ von Karl Valentin, der in einem Sketch telefonisch bei einer Baufirma nach der Abwicklung eines Auftrages fragt und serien weise verbunden wird. Am Ende ist bei der Firma Dienstschluss, er wird aus der Leitung geworfen und kann nur noch stöhnen: „Saubande, dreckade“. Das wollen wir hier nicht ausdrücken, doch der Fall scheint irgendwie typisch für deutsche Behörden zu sein. Das Landes untersuchungsamt für Wein in Koblenz (zuständig für Rheinland Pfalz, wo der Secco erzeugt wird) bestätigt lediglich, dass Kollagen kein zugelassener Zusatzstoff bei Erzeugnissen des Weinrechts ist, aber das ergebe sich nicht zwingend bei der Bezeichnung des Getränks. Man wird als neugieriger Journalist an die zuständigen Behörden in Magdeburg verwiesen, weil dort der Sitz des Unternehmens ist. Begleitend wurde noch angefragt beim Bundeslandwirtschaftsministerium, das auch für Wein zuständig ist. Ergebnis: Fehlanzeige, nur Verweis auf das Land Sachsen Anhalt, weil eine solche Prüfung den Bundesländern unterliege. Von der Landeshauptstadt Magdeburg kam die Information, dass es sich hier um ein „Produkt eigener Art“ handelt und man es als „angereichertes Lebensmittel“ einstufe. Eine Einordnung als Erzeugnis des Weinrechts sei nicht möglich, da das Produkt nicht zu 100 Prozent aus Wein bestehe. Dass es nur fast 100 Prozent sind, spielt für die Verkehrsfähigkeit offenbar keine Rolle. Das Landesamt für Verbraucherschutz ver wies darauf, dass es sich bei der Bezeichnung Secco in erster Linie um die Geschmacksangabe „trocken“ handle und nicht gleichbe deutend mit Perlwein sei. Zumindest wird informiert, dass das Produkt in Prüfung und Bewertung sei. Das war im Januar 2019. Was bei der Prüfung herausgekommen ist, blieb bislang das Geheimnis des Landesamtes.
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(Foto: GbR Tommy Hielscher, Anke Sterzing)
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Chambertin Clos de Bèze
(Foto: Octavian Vaults)
AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD
Eine Weingeschichte über Eifersucht COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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Zu den atemberaubenden und von Weinsammlern begehrten Weinen, von Château Pétrus über Romanée‐Conti bis hin zum Screaming Eagle, die zumeist in perfektem Zustand gelagert werden, gehört auch der Chambertin Clos de Bèze von der Domaine Armand Rousseau. Dieser edle Tropfen aus dem Jahr 1985, der an das monastische Erbe Burgunds erinnert, ist sehr selten und am ehesten bei Versteigerungen renom‐ mierter Auktionshäuser zu finden. Jüngst ergab sich die Gelegenheit bei Christie´s. Der angebotene Chambertin Clos de Bèze lagerte bei Octavian Vaults, einem britischen Spezialisten für Kellerdienstleistungen inklusive Zertifikat für rare und edle Weine – eine Voraussetzung, die Gebote nach oben schnellen lässt.
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DIE GESCHICHTE „CLOS DE BÈZE“
Auch wenn Sie sich nicht zu den Weinenthusiasten zählen, die sol che außergewöhnlich raren Tropfen im Portfolio haben müssen, dann ist vielleicht schon die Geschichte zu diesem Wein interes sant. Gehen wir zurück ins 7. Jahrhundert. Damals schenkte der Herzog von Burgund der Abtei von Bèze Ländereien für landwirt schaftliche Nutzung. Die Mönche, die es gewohnt waren, Wein zu Zeremonien und zum Essen zu trinken, beschlossen, die hier bekannte und angewandte römische Praxis des Weinbaus anzu wenden. Dazu bestimmten sie einen Teil des geschenkten Landes und gaben ihm den Namen „Clos de Bèze“. Etwa sechs Jahrhunderte später kostete ein Bewohner der Region namens Bertin den Wein der Mönche. Er erkannte die herausragende Qualität und war derart angetan, dass er ein angrenzendes Grundstück (französisch: champ) erwarb und Reben pflanzte. Bertin nannte seinen Weinberg „Champ de Bertin“, woraus die Einheimischen schnell den verkürzten Namen „Chambertin“ formten.
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Die Mönche von Bèze, die nun Konkurrenz bekamen, erkannten wiederum die besondere Qualität der Weine von Chambertin. Auch blieb ihnen der Erfolg von Bertins Weinen nicht verbor gen. Sie beschlossen daraufhin, auf der Erfolgswelle mitzurei ten, und tauften ihren eigenen Weinberg um in „Chambertin Clos de Bèze“. Es war die Kombination eines enthusiastischen Weinliebhabers, die Inspiration von Bertin und die Eifersucht der Mönche von Bèze, die letztlich den bis heute elitären Lagenamen Chambertin Clos de Bèze begründet haben.
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DOMAINE ARMAND ROUSSEAU
„Die Domaine Armand Rousseau gehört zu den herausragend sten Produzenten des Burgund und war auch der leistungs stärkste burgundische Produzent bei den Lots vom Auktionshaus Christie's im vergangenen Jahr. Grand CruWeine aus diesem Weingut zeigen unglaubliche Kraft, Gelassenheit und Präzision“, war in der Beschreibung der Lots zu lesen. Der USWeinautor Allen Meadows beschreibt den Chambertin Clos de Bèze des Jahrgangs 1985 als „äußerst verführerisch“ und Robert Parker bescheinigte diesem einen „Sinn für Reinheit“.
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OCTAVIAN VAULTS
Solche Weine sind selten auf Auktionen zu finden. Und wenn diese Raritäten aus behüteten Privatsammlungen bei Octavian Vaults aufbewahrt, dort bestens gealtert und zertifiziert wur den, dann erzielen sie im Sechserkarton ab 25.000 Euro und im Zwölferkarton ab 45.000 Euro. „Es gibt nichts, was Ihren Wein davon abhält, sein volles Potenzial auszuschöpfen, wenn er direkt vom Erzeuger oder von einem angesehenen Weinhändler zu Corsham Cellars kommt“, sagt Nigel Jagger, Gründer und Eigner von Octavian Vaults. „Das Zertifikat, das wir jedem Wein ausstellen, ist durch Sicherheitsmerkmale wie ein maßgeschneidertes Hologramm, ein numismatisches Sicherheitsdesign, gedruckt auf Papier mit Wasserzeichen und versehen mit einer AuditNummerierung vor Betrug geschützt. Jeder Kiste oder Flasche, die unseren Weinkeller verlässt, wird ein Zertifikat zugeteilt, das den Nachweis für die Sorgfalt erbringt, die Ihrem Wein zuteilwurde.“ Die Kellerservices von Octavian Vaults bieten einzigartige Lagerumgebungen für die Reifung von edlen Weinen. Über 10.000 private Sammler vertrauen ihre Weine dem Team von Octavian Vaults an. Die Weine lagern etwa 30 Meter unterhalb der Wiltshire Hills, in der Grafschaft Wiltshire im Südwesten Englands. Diese Region ist bekannt für ihre frühzeitlichen archäologischen Stätten – dazu gehören auch die weltweit bekannten Kultstätten Stonehenge und Avebury, gelegen im Downland von Wiltshire.
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REZENSION
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Der Mann, der die Marke Blue Nun weltweit M populär machte AUTOR: RUDOLF KNOLL
Er wurde im September 1922 in eine jüdische Familie hineingeboren, die mit Wein handelte und dies damals schon mit der Marke „Blue Nun“ (Liebfrauenmilch) tat. Aber Peter Max Ferdinand Sichel verbrachte nach einer zunächst unbeschwerten Kindheit in Mainz etli‐ che unruhige, schwierige Jahre, weil er Jude war und mit seiner Familie vor den Nazi‐Schergen flüchten musste. Über Spanien und Portugal gelang ihm die Flucht in die USA, wo er nach Kriegsende begann, für den amerikanischen Geheimdienst zu arbeiten. Berlin, Washington und Hongkong waren Stationen seiner Tätig‐ keit. Anschließend übernahm er in den Vereinig‐ ten Staaten die Leitung der Weinimportfirma seiner Familie. Er wurde Miteigentümer von Bordelaiser Weingütern und machte zugleich deutschen Wein in Amerika populär. Das deutet auch darauf hin, dass er sich immer als Deut‐ scher sah und die Zeit, in der er und Familien‐ mitglieder als Juden wie die Hasen gejagt wur‐ den, im Kopf hinter sich gelassen hatte.
it dem Wein war er aufgrund sei ner korrekten Arbeitsweise und der guten Kontaktpflege sehr er folgreich, obwohl der Weinhandel in den USA inklusive Gastronomie sich ziemlich korrupt präsentierte. Er sorgte dafür, dass die Marke Blue Nun in Amerika quasi DER deutsche Wein wurde und enorme Exportzahlen er reichte. In der Zeit der Hochkonjunktur 1984 und noch 1985 wurden von dem Verschnitt (in der Regel MüllerThurgau, Silvaner und Gewürztraminer) in den USA 1,25 Millionen Kartons (à 12 Flaschen) und weltweit insge samt zwei Millionen Kartons verkauft. Seit 1996 ist die Marke Bestandteil des Sorti ments von Langguth Erben an der Mosel. Es gibt inzwischen verschiedene Versionen, sogar Sekt mit Gold. Der einst erfolgreiche Vermarkter hat schon längst nichts mehr mit Wein zu tun. Doch die Erinnerung an die erfolgreiche Zeit ist jetzt nachzulesen in einem spannenden Buch über seine drei Leben als Flüchtling, USAgent und schließlich als WeinPromoter. Sichel, inzwischen 97 Jahre alt und in New York lebend, hat das Buch vor einigen Jahren zunächst in Amerika auf den Markt gebracht. Inzwischen liegt eine deutsche Übersetzung vor, in der präzise die Zeitläufte, spannende Begegnungen und fröhliche Erlebnisse geschildert werden. Bewundernswert ist das Erinnerungsver mögen, mit dem er seine Jugend und seine Familie beschreibt und „wie man eine Weinpersönlichkeit wird“. Oft wurde er als Experte zu internationalen Verkostungen ein geladen, war selbst als Autor tätig und notier te, dass Riesling für ihn die überragende Traube für weißen Wein sei, „weil er so wun derbar süffig ist“. Es gab auch kritische Pha sen, in denen er von Partnern hereingelegt wurde, aber Sichel überstand sie gut. Insgesamt ein gut lesenswertes Buch eines Autors, der viel von der Welt gesehen hat, Aufregendes und Schlimmes erlebte, aber mit Mut und Tatkraft immer wieder neu durchstartete. Die Geheimnisse meiner drei Leben – Flüchtling, Geheimagent und Wein‐ händler. Von Peter M.F Sichel, 464 Seiten, deutsch von Karin Hielscher, Axel Dielmann‐Verlag Frankfurt, 24 €
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(Foto: Norbert Krupp)
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Keller und Dönnhoff schossen den Vogel ab AUTOR: NORBERT KRUPP
Bei der Weinversteigerung des VDP.Nahe erklommen manche Rieslinge verblüffend hohe Preisniveaus
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Vier Stunden voller Aufregung und Highlights leitete Michael Prinz zu Salm‐Salm humorvoll und souverän. (Foto: Norbert Krupp)
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ute Flaschen Riesling gab’s schon für 21 oder 30 Euro; noch edlere Flaschen kosteten zwischen 45 und mehreren Hundert Euro, und besonders be‐ gehrte Raritäten erzielten sogar mehrere Tau‐ send Euro, umgerechnet auf 0,75 Liter Inhalt. Bei manchen Positionen blieb den rund 300 Gästen der Weinversteigerung des VDP.Nahe die Spucke weg, so stark kletterten die Gebote, die von den vier Kommissionären Haber, Koch, Ress und Selbach im Auftrag ihrer offenbar gut betuchten Kunden ausgerufen wurden.
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Am Ende der vierstündigen Auktion, die Michael Prinz zu Salm Salm humorvoll und souverän leitete, waren 35 Positionen für knapp 1,389 Millionen Euro verkauft, was mit Gebühren und Steuern 1,735 Millionen Euro entspricht. Den dicksten Batzen davon, knapp 48 Prozent, schnitten sich die VDPBetriebe aus Rheinhessen ab, die von der Nahe heimsten gut 22 Prozent ein, gefolgt von einer Partie Moselwein des Rheinhessen Keller (16 Prozent) sowie den Kollegen aus der Pfalz (10 Prozent) und von der Ahr (4 Prozent). VDP.NaheVorsitzender Frank Schönleber hieß die Versteige rungsgäste willkommen und erinnerte an die ersten Ver steigerungen vor mehr als 100 Jahren. Zum aktuellen Jahrgang berichtete er, dass man mit 2019 bisher hochzufrieden sein könne: „Unsere Reben haben, wie schon 2018, die Trockenheit gut überstanden, und der Gesundheitszustand der Trauben ist nahezu ideal. Gute Voraussetzungen also, um in den nächsten Wochen vielerlei Ansätze für ein zufriedenes Lächeln zu finden, sofern das Wetter weiterhin mitspielt.“
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Aber auch die anderen Mitgliedsbetriebe des VDP.Nahe konnten mit den Ergebnissen der Versteigerung zufrieden sein: Emrich Schönleber aus Monzingen setzte 1,5 Liter 2018er Auf der Ley Riesling GG für 270 Euro und drei Liter davon gar für 720 Euro ab. Joh. Bapt. Schäfer aus Rümmelsheim bekam 21 Euro für sein 2018 Goldloch Kabinett und 110 Euro für seine 2017er Goldloch Auslese Goldkapsel. Für den 2018er Burg Layer Schlossberg Riesling Kabinett des Schlossgutes Diel in Rümmelsheim wurden 30 Euro bzw. 80 oder 260 Euro in der Magnum oder Doppelmagnum geboten. Von 1937 gepflanzten Reben im nördlichsten Weinberg des Anbaugebietes Nahe stammt die 2018er Bingerbrücker Abtei Rupertsberg Riesling Spätlese von KrugerRumpf in MünsterSarmsheim, die 45 Euro pro Flasche erbrachte. Felix Prinz zu SalmSalm vom Weingut Prinz Salm in Wallhausen durfte sich über einen Flaschenpreis von 70 Euro für seine 2018er Felseneck Wallhausen Riesling Auslese freuen. Zum Preis von je 65 Euro wechselten 48 halbe Flaschen 2018 Felsenberg Riesling Beerenauslese von Dr. Crusius in Traisen ihre Besitzer. Und bei der letzten Versteigerungsrunde, in der 48 halbe Flaschen 2017er Felseneck Bockenau Riesling Beerenauslese von Schäfer Fröhlich offeriert wurden, erfolgte bei 260 Euro der Zuschlag.
Mit drei Spätburgundern der VDP.AhrGüter Deutzerhof, H. J. Kreuzberg und Jean Stodden, für die 46, 66 oder gar 180 Euro pro Flasche offeriert wurden, begannen die Bietergefechte. Dann erfrischte ein 2013er Riesling Sekt extra brut aus der gro ßen Lage Kupfergrube, der in den Kellern von Gut Hermannsberg 60 Monate auf der Hefe reifen durfte, Zunge und Gaumen, bevor 240 Flaschen davon zum Preis von je 50 Euro den Besitzer wechselten. Die rheinhessischen Kollegen WagnerStempel, Wittmann, BattenfeldSpanier, K. F Groebe, Schätzel und Keller sowie die Pfälzer Güter Philipp Kuhn und Christmann präsentierten eben falls sehr ansprechende Rieslinge, die bei den Weinfreunden sehr gut ankamen. Klaus Peter Keller (Rheinhessen) schickte auch sei nen 2016er Morstein „Felix“ Spätburgunder Großes Gewächs (GG) ins Rennen, der 430 Euro pro Flasche erzielte. Als Weltpre miere präsentierte der Rheinhesse, dessen Schwiegermutter von der Mosel stammt, in Bad Kreuznach seinen ersten Moselriesling, einen 2018er Kabinett von alten Reben der extremen Steillage Schubertslay: Für jede der 360 Flaschen wurden 550 Euro geboten, und die sechs Magnums (1,5 Liter) kamen sogar auf je 4.550 Euro!
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REKORD
Dieser Betrag wurde nur noch durch eine Magnum von Dönnhoffs 2015er Riesling Trockenbeerenauslese aus der Hermannshöhle getoppt, für die ein kalifornischer Weinhändler 18.000 Euro locker machte, was ihn am Ende mit Gebühren und Steuern 22.491 Euro kosten wird. Ein verspätetes Geschenk für den Weltklassewinzer Helmut Dönnhoff, der gerade seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. Für eine halbe Flasche des gleichen Elixiers waren 1.020 Euro, für eine ganze Flasche 2.750 Euro zu zahlen. Vergleichsweise günstig gab’s den trocken ausgebauten 2018er Brücke Riesling GG für 200 Euro pro 0,375LiterFlasche oder 410 Euro in der Magnum.
Happy: Der kalifornische Weinhändler Dade Thieriot ersteigerte eine Magnum 2015er Hermannshöhle – Freitag – Riesling TBA des Weltklassewinzers Helmut Dönnhoff zum Preis von 18.000 Euro. (Foto: Norbert Krupp)
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5.250 EURO FÜR TAGESGRUPPEN
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ei der CharityVersteigerung zugunsten der Tages gruppen der Jugendhilfe der „kreuznacher diako nie“, die ganz am Ende der VDPWeinversteigerung stand, schien der Dampf raus zu sein. Auktionator Gerhard Retter bettelte regelrecht um Gebote, um die drei Kisten mit gespendeten Weinen schließlich für 750, 1.500 bzw. 3.000 Euro abgeben zu können. Die Hälfte der Stühle war wegen der fortgeschrittenen Zeit bereits verwaist. Da half auch kein Hinweis darauf, dass die Gebote ja als Spende von der Steuer abgesetzt werden könnten. Übrigens: Die 3.000 Euro für die Kiste mit acht hochkarätigen MagnumFlaschen, die VDP.NaheVorsitzender Frank Schön leber präsentierte, machte der gleiche kalifornische Wein händler locker, der zuvor schon 1,5 Liter Trockenbeerenauslese von Dönnhoff für 18.000 Euro erworben hatte: Dade Thieriot aus dem Städtchen Woodside bei San Francisco.
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18.000 EURO FÜR 1,5 LITER TBA
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u einer besonderen Sensation kam es bei der Wein versteigerung des VDPNahe im Bad Kreuznacher Museum Römerhalle: Für 18.000 Euro ersteigerte Dade Thieriot, ein USWeinhändler aus Woodside (Kalifornien) eine einzelne 1,5 LiterFlasche (Mag num) 2015er Hermannshöhle – Freitag – Riesling Trockenbee renauslese VDP.Große Lage aus dem Weingut Helmut Dönnhoff. Ein grandioser Jahrhundertwein, der durch Experten bereits dreimal mit 100 Punkten gefeiert wurde. Genau für diese Flasche hatte Auktionator Michael Prinz zu Salm Salm kurz zuvor zum Gebot von 6.000 Euro den Zuschlag erteilt Doch dann bemerkte der Kommissionär, der sie bekommen sollte, dass er zu diesem Preis noch über zwei Interessenten für das Unikat verfügte. Das Problem war nur dadurch zu lösen, dass Prinz Salm die Auktion dieses Postens erneut eröffnete. Dabei setzte sich der Amerikaner durch, als der Preis in 1.000Euro Schritten auf das atemberaubende Ergebnis kletterte. Zu den 18.000 Euro kommen noch die üblichen Versteigerungsgebühren sowie die Mehrwertsteuer dazu. Die Frage, ob der Amerikaner die Flasche für sich selbst oder einen gut betuchten Sammler erwor ben hat, blieb unbeantwortet.
VDP.Nahe‐Vorsitzender Frank Schönleber präsentierte das Highlight der Charity‐Versteigerung. (Foto: Norbert Krupp)
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DEZEMBER 2019
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