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Weinfeder Journal 61

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KOSTENFREI IM ABO

EDITION #61

VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN

74 Seiten 10 Autoren 24 Beiträge

Weingeschichten aus Australien, China, Deutschland, Frankreich, Österreich und Spanien

PORTRAITS DOSSIER DOWN UNDER ENTDECKUNGEN VERKOSTUNGEN REISEBERICHTE WEINGESCHICHTEN

AUGUST 2020


2

Liebe Leserinnen und Leser WOLFGANG JUNGLAS 1. Vorsitzender Weinfeder e.V.

N

ach dem Ende des Lockdown scheinen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie im Fokus zu stehen: Die Weinwirtschaft wird durchgeschüttelt und sortiert sich. Im Lebensmitteleinzelhandel wurden in den Monaten März, April und Mai zweistellige Zuwachsraten beim

Weinverkauf registriert – gut für die Weingüter, die dort gelistet sind. Ob sich für alle anderen die Ausfälle durch geschlossene bzw. im Platzangebot reduzierte Weinwirtschaften, Restaurants und Weinfeste durch intensiveren Online-Verkauf auffangen lassen, werden wir wohl erst in ein paar Monaten wissen. Manche Winzer haben sogar bereits verkaufte Weine von Restaurants zurückgenommen. Coronakonforme Veranstaltungsformate sind gefragt: Am 29. August zum Beispiel können in der Halle 45 in Mainz bis zu 40 Weingüter bei einem „Weinoutlet“ ihre Weine anbieten. Die Digitalisierung der Weinbranche hat auf jeden Fall einen entscheidenden Impuls bekommen – kein Weingut kann sich dem dauerhaft verwehren. Neue Ideen werden ausprobiert – mal schauen, ob sich digitale Weinverkostungen dauerhaft durchsetzen oder eine Marketing-Spielart bleiben. Die neue Situation jedenfalls bietet viele Chancen für die junge Winzer*InnenGeneration: Die Bewährungsstunde der „Digital Natives“, die mit dem Daumen schneller schreiben als andere mit dem „10-Finger-Blindsystem“, hat jetzt geschlagen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Urlaub – wahrscheinlich in heimischen Regionen, vielleicht mit einem Besuch bei einem Weingut Ihres Vertrauens!

COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN

Ihr


HERAUSGEBER Weinfeder e.V. Verband deutschsprachiger Weinpublizisten, 1. Vorsitzender: Wolfgang Junglas, Weinfeder e.V., Bienenbergweg 4, 65375 Oestrich-Winkel, Telefon: 06723-601902, Fax: 885546, E-Mail:

info@weinfeder.de,

Facebook:

Internet:

www.weinfeder.de,

https://www.facebook.com/groups/276912146170/

TITELFOTO Weingut Oberhofer

AUTOREN DIESER AUSGABE Hermann-Josef Berg, Herbert Heil, Wolfgang Junglas, Joachim A. J. Kaiser, Rudolf Knoll, Horst Kröber, Martin Sachse-Weinert, Peter W. Schneider, Heiko T. Taudien, Arthur Wirtzfeld

LEKTORAT

IMPRESSUM

Christa Hanten

LAYOUT. SATZ, SCHLUSSREDAKTION Arthur Wirtzfeld (ViSdPG Weinfeder e.V.) Telefon: 0931-322460, redaktion@weinfeder.de

COPYRIGHT-HINWEIS Alle redaktionellen Beiträge im Weinfeder Journal werden in der Originalversion veröffentlicht. Für den Inhalt und die Ausformulierung der Texte sind allein die Autoren verantwortlich, die das alleinige Copyright für ihre Texte innehaben. Ein Nachdruck oder eine Veröffentlichung von Beiträgen im Internet, in sonstigen digitalen oder in Printmedien, auch auszugsweise, kann nur in Absprache mit den jeweiligen Autoren erfolgen. Gegen Honorar, das mit dem Autor zu vereinbaren ist, kann jeder Beitrag unter Angabe der Quelle (Weinfeder) und Namensnennung der/des Autorin/Autors übernommen und veröffentlicht werden.

REDAKTIONSSCHLUSS für die Ausgabe Edition #62 ist der 11. September 2020. Einsendungen

von

Beiträgen

und

Bildmaterial

bitte

an:

redaktion@weinfeder.de – Ansprechpartner Arthur Wirtzfeld (gleiche Mailadresse). Rückfragen unter Telefon: 0931-322460.


4

Inhalt

41 Wachholder – kein Gin, sondern erstklassiger Blaufränker

42 Spätburgunder Jahrgang 2003

2,3,4

50 Bordeaux 2018: Ein Jahrhundert-Jahrgang?

55

Editorial, Impressum, Inhalt

6

Komplexe Rotweine von kalkigen Riffs

59

Rein in die Taubertaler Selbstständigkeit

8

Phänomenales Franken: „Philipps“ Philosophie

63

Im Westen Neues (und Gutes): Weingut Pascal Oberhofer

13

„Wetten, der schmeckt“ Thomas Gottschalk gibt es bald auch als Wein

DNA im Weinbau Grüner Veltliner-Mutter in St. Georgen

64

im Burgenland entdekct

Trocken bis lieblich:

16

Radio-Weinmann goes PODCAST

Leidenschaft Wein

66

Genussvolle Entdeckungen im Kraichgau

Shanghai Malu Grape Thema Park

ab 22

Ort für einen Traubenschock?

Dossier: Weinnetzwerke Down Under

23 Eyre Peninsula schreibt Weingeschichte 25 Eine Krankenschwester wird Winzerin 28 Port Lincoln bekommt alles, was er hat 31 Ein frommes Leben für den Wein 35 Sevenhill und seine himmlischen Tropfen

38 Klassische Weine zum (verlängerten) Beethoven-Jahr

68 Nachruf auf Heinz Feller

ab 69

69 Rezension: Einfach Wein 70 Rezension: Ab in die Küche 72 Rezension: Wein ist Kult

74 Rainer Zeller - neuer Präsident des Badischen Weinbauverbandes

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ANZEIG E

COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


Miriam & Alexander

FOTO: WINZERPAAR EHRMANN

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Rein in die Taubertaler Selbstständigkeit AUTOR: RUDOLF KNOLL COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


7

Die Weichen waren gestellt für einen flotten Start am 27. März 2020. Miriam und Alexander Ehrmann aus dem Weikersheimer Ortsteil Schäftersheim im württembergischen Teil des Taubertals (wo auch fränkische und badische Erzeuger Reben pflegen) wollten an diesem Tag in die Selbstständigkeit starten, die gelungenen 2019er Weine in der neuen Vinothek vorstellen und waren guter Dinge – ehe Corona gewissermaßen den Hahn abdrehte. Zwar konnten sie zu Online-Weinproben bitten, trotzdem müssen sich die beiden etwas in Geduld üben, bis sie in die Erfolgsspur kommen.

D

ass sie nicht gleich am Hungertuch nagen,

standteil des WIV-Konzerns war, der sich in seinem Port-

dafür sorgt eine besondere Konstellation.

folio gern mit Adelsnamen schmückte. „Doch ich konnte

Alexander Ehrmann ist Spross einer Familie,

mich voll auf Weinbau und Kellerwirtschaft konzentrie-

die sich schon seit geraumer Zeit mit Weinbau

ren“, erinnert sich der heute 40-Jährige. Nächste wichtige

auf stattlichen 20 Hektar beschäftigt, aber ihre Trauben an

Station war für ihn der Studiengang Weinbau und Oenolo-

zwei Genossenschaften abliefert. Die eine ist die Winzerge-

gie in Geisenheim. Danach war er in der Getränkeindus-

meinschaft Franken (GWF), für die drei Hektar im fränki-

trie tätig, während die Eltern zu Hause weiter brav ihre

schen Teil des Taubertals reserviert sind. Daran wird auch

Trauben an die Genossenschaften ablieferten und eine Be-

die nächsten Jahre nicht gerüttelt, weil die Zusammenar-

senwirtschaft in Schäftersheim betrieben. Als er bei einem

beit gut funktioniert. Der größere Teil der Ernte geht an

Frankreich-Urlaub 2014 eine junge Dame aus Baden, auf-

die Weingärtner Markelsheim, die vom Tourismus in Wei-

gewachsen im Saarland, kennenlernte, nahm die alte Idee

kersheim profitieren. Wer die schöne Altstadt besucht und

der Selbstständigkeit als Winzer langsam Gestalt an.

Visite in einem Renaissanceschloss macht, nimmt gern ein paar Fläschchen aus der Gegend mit – auch wenn deren

Miriam (36), vorher im Gesundheitsmanagement tätig,

Inhalt meist nicht gerade mitreißend ist.

brachte eigene, frische Ideen ein. Jetzt musste nur noch ein Teil der elterlichen Rebfläche aus der Markelsheimer

Alexander und Miriam sind der Überzeugung, dass bei ent-

Genossenschaft herausgelöst werden. Kooperativen se-

sprechender Konzentration auf Qualität mehr drin ist und

hen eine solche Trennung nicht gerade gerne, aber die 1,2

ihre Reben Potenzial für überzeugende Weine haben. Be-

Hektar, auf die Miriam und Alexander Zugriff nahmen,

wiesen haben sie das zum Einstand schon mal mit herzhaf-

mussten sie verkraften. Damit es nicht rasant weitergehen

tem Müller-Thurgau, würzigem Weißburgunder und einem

konnte, wurde die Satzung der Kooperative geändert. Neu-

gradlinigen Rosé von Tauberschwarz. Diese Sorte wächst

erdings gilt eine Frist von zwei Jahren für eine Kündigung

nur im Taubertal und war vor Jahrzehnten praktisch aus-

von Rebfläche. „Wir werden schrittchenweise mehr Fläche

gestorben, ehe sie von der Staatlichen Lehr- und Versuchs-

in eigener Regie übernehmen“, kündigt das Paar an. Ohne-

anstalt für Weinbau in Weinsberg wiederbelebt wurde.

hin muss zuerst einmal ein Kundenstamm aufgebaut wer-

Aushängeschild ist freilich ein schmelziger, vielschichtiger

den. Im Weinberg werden topgesunde Trauben angestrebt.

Grauburgunder, den man den zwei Weinbau-Neulingen

Vom Rebschnitt an wird auf spezielle Charaktere hingear-

kaum zugetraut hätte.

beitet. Das vorläufig kleine Sortiment ist unterteilt in „Die Ehrlichen“ (Allrounder-Weine für jeden Tag mit Secco,

Aber Alexander ist gelernter Winzer. Er machte seine Leh-

Rotling und Kerner), „Die Regionalen“ (Müller-Thurgau,

re im einstigen Schloss-Weingut Weikersheim, das früher

Weißburgunder, Grauburgunder, Tauberschwarz Rosé und

zum Besitz von Kraft Fürst zu Hohenlohe-Langenburg

Zweigelt) sowie „Die Individuellen“, bei denen derzeit ein

gehörte, doch zum Zeitpunkt seiner Tätigkeit bereits Be-

Grauburgunder noch einen Solo-Auftritt hat. n n n

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Im Westen Neues (und Gutes): Weingut Pascal Oberhofer AUTOR: MARTIN SACHSE-WEINERT

FOTO: WEINGUT OBERHOFER COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


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WILL MAN EIN WEINGUT UND SEINE WEINE VORSTELLEN, SO BEGINNEN VIELE REZENSIONEN HÄUFIG MIT AUSFÜHRLICHEN INFORMATIONEN ÜBER DEN WINZER UND SEINEM BETRIEB. WAS ALSO KÖNNTE MAN ÜBER DAS WEINGUT VON PASCAL OBERHOFER SCHREIBEN, WÜRDE MAN SO VORGEHEN WIE ÜBLICH?

M

an könnte von dem

durch ein mehrfach prämiertes Verpa-

jungen,

ckungsdesign sowie eine eigene Web-

sympathi-

schen Winzer schrei-

seite (ältester-weinberg.de).

ben, dass er einen

Betrieb leitet, der seit 1754 in Famili-

Vielleicht sollte man Pascal Oberhofer

enbesitz ist und damit sicherlich zu den

genauer vorstellen, den 1994 gebore-

alteingesessenen,

traditionsbewussten

nen Jungwinzer, der nach seinem Stu-

Weingütern zählt. Pascal kann dem-

dium an der renommierten Hochschu-

zufolge einen ungeheuren Erfahrungs-

le Geisenheim den elterlichen Betrieb

schatz und umfassende Kenntnisse der

übernahm und mit seinen innovativen

geografischen sowie klimatischen Be-

und zugleich nachhaltigen Ideen nach

dingungen vorweisen – beste Voraus-

modernen

setzungen, um die produzierten Weine

Qualität und Facettenreichtum waren

bzw. die gepflanzten Reben perfekt an

und sind dabei seine Leitlinien, die nur

den gegebenen Voraussetzungen aus-

konsequent seit 2008 in einen rein bio-

richten zu können. Dabei kann die Fa-

logischen Anbau mündeten. Dabei legt

milie Oberhofer bereits zuvor auf eine

er den Schwerpunkt der Produktion auf

Herkunft in weinprestigeträchtiger Lage

regionstypische Rebsorten wie Riesling,

zurückblicken, entstammt sie doch der

Spätburgunder, Grauburgunder sowie

Gegend aus Tramin in Südtirol – prä-

Chardonnay, ergänzt durch einige „in-

destiniert damit insbesondere auch für

teressante“ neue Sorten. Er selbst sagt

Grundsätzen

ausrichtete.

den Anbau hervorragender Weine aus

Weinstraße, etwa zwei Kilometer vom

zu seinen Idealen: „Die ‚Philosophie‘

Gewürztraminer-Reben.

Weingut in Edesheim entfernt. Hier

meiner Önologie bedeutet für mich, un-

finden sich Reben, die ihren Ursprung

verwechselbare Weine zu erzeugen. Au-

Hervorheben könnte man weiter, dass

noch zur Zeit des Dreißigjährigen Krie-

thentisch durchgegoren, frisch und ele-

die Familie Oberhofer damit wirbt, auch

ges haben: Diese uralten, knorrigen

gant sollen meine Weine schmecken.“

einen Teil des „ältesten Weinbergs der

Gewürztraminer-Stöcke

die

Für die Zukunft plant Pascal dabei eine

Welt“ zu bewirtschaften. Es handelt

Grundlage für einen streng limitierten

Weiterführung der Sortimentsreduzie-

sich dabei um den sogenannten Rhodter

Wein, von dem (Jahrgang 2016) nur 571

rung bei damit einhergehender Konzen-

Rosengarten am Ortseingang von Rhodt

Flaschen à 0,375 Liter hergestellt wur-

tration auf die Burgundersorten, Ries-

unter Rietburg im Landkreis Südliche

den. Seine Exklusivität wird unterstützt

ling und Sauvignon Blanc.

bieten

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Schließlich hätte man die drei Quali-

Alternative: Denn es sind in erster Li-

über ein solch intensives Bukett ver-

tätsstufen erwähnen können, die sei-

nie die Weine selbst, die für den Betrieb

fügt, kaum jemals einen Riesling, der

ne Produktpalette gliedern: Die Weine

sprechen und die Qualität sowie öko-

sich so harmonisch-mild und zugleich

der Linie „Tradition“ sind in Flaschen

logisches Geschick eindrucksvoll unter

prägnant an den Gaumen schmiegt. Im

abgefüllt, die man sich „jeden Tag“

Beweis stellen. Was also können die

Glas zeigte sich das Getränk in einer

gönnen könne (wenn nicht sollte),

Weine über sich und das Weingut ver-

hellgelben Farbe, jetzt erinnerte uns

während die Linie „Edition“ bereits

raten – außer der Tatsache, dass hier

der Duft an Zitronengras, Stachelbeere

auf eine längere Lagerung zurückblicke

ausgezeichnete menschliche Expertise

und Mirabelle, wobei mit zunehmen-

und eindeutiger Ausdruck des Terroirs

mit hervorragenden natürlichen Gege-

der Öffnungsdauer auch Bananentöne

sei, mithin von herausgehobenem Qua-

benheiten eine höchst wohlschmecken-

hinzukamen. All dies wunderbar aus-

litätsanspruch. Die „Reserve“-Weine

de Symbiose eingeht?

gewogen und stimmig, wobei uns auch

schließlich bieten Genuss auf höchs-

der Abgang mit leisen Andeutungen von

tem Niveau, genießen ihre Reifung

Begonnen haben wir die Verkostung

Vanille überzeugte – zumal bei einem

im Holzfass und stellen damit – sieht

mit einem 2019er Riesling (12,5 % Al-

ausgezeichneten Preis-Leistungs-Ver-

man einmal vom 139 Euro teuren Ge-

kohol) und wussten sofort, dass wir

hältnis (6 Euro).

würztraminer „Der Älteste“ ab – das

hier einen außergewöhnlichen Tropfen

High-End-Produkt des Weinguts dar.

vor uns stehen haben. Kaum hatten wir

Im Anschluss öffneten wir den 2019er

den Drehverschluss geöffnet, explo-

Sauvignon Blanc (13 % Alkohol, 7,50

Ja, all dies hätte man schreiben kön-

dierten die Aromen von Zitrusfrüch-

Euro). Auch dieser Wein faszinierte uns

nen. Doch zu diesem üblichen Vorgehen

ten in unserer Nase. Selten haben wir

auf Anhieb. Den Connaisseur erwartet

bietet das Weingut Oberhofer eine gute

bislang einen Riesling genossen, der

hier ein ausdrucksstarker, fruchtbe-

FOTO: WEINGUT OBERHOFER


FOTO: WEINGUT OBERHOFER

tonter Sauvignon, der mit exquisiten

und den Goldenen DLG-Preis erhielt.

nächst, nach Öffnung, ein wenig Zeit

Ananas-, Stachelbeer- und Eisbon-

Beim Rosé aus Cabernet Sauvignon und

„an der frischen Luft“ zu geben. Im

bon-Nuancen überzeugen kann. Die für

Merlot wurde von uns ebenfalls der

Unterschied zu vielen anderen Rosés,

diese Rebsorte eher typischen Aromen

Jahrgang 2019 verkostet (12 % Alkohol,

die dann bereits Frische und Aroma

von grünen Gemüsen treten in diesem

7,50 Euro). Und auch dieser dokumen-

verlieren, blüht dieser untypische Ver-

Fall zurück und überlassen damit den

tiert die Besonderheit des Weinguts, das

treter seiner Art auf, wird runder und

frischen Noten die Dominanz. Eben-

hier keinen gefälligen, routinemäßig

geschmacksintensiver.

so wie bereits beim Riesling fragten

produzierten Rosé präsentiert, sondern

wir uns, was das Besondere, Einzig-

eine unverwechselbare Assemblage, die

Der Chardonnay Edesheimer Madon-

artige dieses Weins ist – und gelang-

freilich nicht jedermanns Geschmack

nenhöhe aus dem Jahr 2018 überrasch-

ten zu dem Ergebnis, es sei nicht das

treffen wird. Dafür ist das Zusammen-

te zunächst bereits beim Blick auf das

Vorhandensein eines besonderen As-

spiel der beiden Traubensorten zu un-

Etikett: 14 % Alkohol und damit mehr

pekts, sondern gerade dessen Fehlen:

harmonisch, die Litschi- und Erdbeer-

als der renommierte Spätburgunder?

Häufig schon verkosteten wir Rieslinge

noten treffen auf kräutrige Untertöne.

Das versprach eine interessante Erfah-

und Sauvignons Blancs, bei denen ein

Kirsche und Cassis, die man aufgrund

rung nach der Öffnung der Flasche – die

zu hoher Säuregehalt – zumindest im

der Sortentypizität am ehesten vermu-

sich umgehend bestätigte: Wer Char-

Abgang – den Geschmack beeinträch-

ten könnte – und die in vergleichbaren

donnays (in ihrer gemeinhin üblichen

tigte. Dies fehlt den Weinen von Pascal

Rotwein-Cuvées auftauchen – sucht

Ausprägung) kennt, schätzt häufig die

Oberhofer, sie sind äußerst bekömmlich

man hier vergebens. Für warme Som-

ungeheure Frische, die überwältigende

und damit umso geschmacksintensiver.

mermonate stellt dieser Rosé, dessen

Fruchtigkeit und den unverwechselba-

Kein Wunder, dass der 2018er Sauvig-

Farbe zwischen Lachsrosa und Koralle

ren Abgang, wird manchmal aber auch

non Blanc Kategoriesieger bei der AWC

changiert, eine interessante Alternati-

mit eher seichten Aromen und dünnen,

Vienna 2019 war, Siegerwein der Lan-

ve dar. Empfehlung: Wir haben beste

grasigen

desprämierung Rheinland-Pfalz wurde

Erfahrungen gemacht, dem Wein zu-

Chardonnay aus dem Hause Oberho-

Nuancen

konfrontiert.

Der


12

fer dagegen überzeugt mit opulenter

Flasche wohl – widersinnigerweise –

zu dekantieren und am nächsten Abend

Wucht, in der Fruchtanteile zurücktre-

für einen leichten Unterdruck sorgt. Am

nochmals zu verkosten. Aber auch dann

ten hinter ein würziges, dezent rauchi-

Gaumen zeigte sich deutlicher Schmelz

konnte er unseren – zugegebenerma-

ges Bukett, das durch eine ausgegliche-

bei gleichzeitig vorhandener ausge-

ßen hohen – Erwartungen nicht voll-

ne Mineralität bereichert wird. Dieser

prägter Säure, wobei geschmacklich

ständig gerecht werden: Die Ahnung

Chardonnay macht dem Ursprung sei-

Tropenfrüchte, vorherrschend Ananas,

von Backpflaumen sowie die weiter-

nes Namens alle Ehre: Die Herkunft

in Erinnerung bleiben. Erwähnenswert

hin leichten Nuancen von Brombeeren

der Rebe im kleinen Chardonnay nahe

schließlich auch die leicht metallischen

wurden dominiert von Eisen und Feu-

Mâcon (Burgund), dessen Ortsname

Spuren, die auch beim Gewürztraminer

er, die Tannine waren noch nicht sau-

sich vom französischen „chardon“ be-

dazu führen, dass dieser Wein keiner

ber eingebunden, sodass insgesamt ein

ziehungsweise lateinischen „carduus“

ist, den man so schnell vergisst – im

unausbalancierter Eindruck blieb. Vor

für „Distel“ ableitet, findet hier seinen

besten Sinne.

diesem Hintergrund erscheint es uns

Ausdruck in einem ausgeprägten, in-

ratsam, diesen Wein noch einige Jahre

tensiven Geschmacksprofil, das weni-

Zum krönenden Abschluss

genossen

ger gefällig als ausdrucksstark ist.

wir den 2017er Spätburgunder Apfel-

zu lagern, ehe man ihn mit Wohlgenuss trinken kann.

garten (13 % Alkohol, 28 Euro) und Der 2019er Gewürztraminer Forst (12,5

waren zunächst von der großen Nase

Wenn er dann das hält, was alle ande-

Alkohol, 9,50 Euro) zeigte sich zunächst

überaus angetan, die sich sowohl in

ren Weine von Pascal Oberhofer bereits

etwas „sperrig“ – was daran lag, dass

Flasche wie Glas bietet. Leider mussten

jetzt unter Beweis stellen konnten,

sich der Schraubverschluss kaum öff-

wir in der Folge konstatieren, dass die

dürfen wir uns auf einen wunderbaren

nen ließ. Eigentlich keine Erwähnung

Brombeernoten zu nichtssagend waren,

Wein freuen. Und es schadet sicherlich

wert und gegebenenfalls auch auf mus-

die Kräuter- und Ledernuancen dage-

nicht, einen weiteren Rotwein zu ken-

kuläre Schwächen zurückzuführen, in

gen zu ausgeprägt, um einen korrekten

nen, der in Deutschland produziert wird

diesem Fall dadurch bedingt, dass der

Wohlgeschmack erzeugen zu können.

und dennoch – oder gerade deshalb –

Wein leicht moussierend ist und in der

Wir entschlossen uns daher, den Wein

von besonderer Qualität ist. n n n

FOTO: WEINGUT OBERHOFER COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


DNA IM WEINBAU AUTOR: RUDOLF KNOLL

Grüner Veltliner-Mutter in St. Georgen im Burgenland entdeckt

FOTO: FERDINAND REGNER

Wenn Verbrecher nach einem Mord, Überfall oder Einbruch entlarvt werden, stehen in der modernen Kriminalistik oft winzige Spuren Pate.


14

Die DNA, vereinfacht gesagt ein Teil des menschlichen Erbgutes, macht es möglich. DNA-Analysen gibt es auch im Weinbau. Pionierarbeit leistete hier die Abteilung Rebenzüchtung in der Höheren Bundeslehranstalt für Obstund Weinbau in Klosterneuburg bei Wien. Ihre prominenteste Entlarvung betraf wohl den Müller-Thurgau, der etliche Jahrzehnte als Kreuzung von Riesling und Silvaner galt. Der Riesling durfte weiter ein Elternteil bleiben. Aber nach mehreren Untersuchungen stand fest, dass der Kreuzungspartner wohl Madeleine Royal ist, ebenfalls eine Züchtung, die der Verbindung von Pinot und Trollinger entstammt. Wie kompliziert das alles ist, macht deutlich, dass die königliche Madeleine ursprünglich dem Chasselas (Gutedel) zugeordnet wurde.

N

icht

Züchtungen,

Besonders vielseitig in Sachen Abstam-

klassischen

mung ist offenbar der Traminer als

Sorten sind schon lan-

Stammvater diverser angesehener Sor-

ge im Visier der Wis-

ten. Zu ihnen gehört unter anderem Ös-

senschaftler. Denn sie haben sich im

terreichs Grüner Veltliner. Doch wer war

Lauf der Jahrhunderte durch Mutati-

der zweite Elternteil, die Mutter? Sie ent-

onen oder eine Vermählung mit einer

deckt zu haben, ist einem Michael Leberl

anderen Sorte entwickelt. Spektakulär

zu verdanken, der im Jahr 2000 auf einer

ist sicher die Erkenntnis, dass der Ca-

Weide in der Nähe der burgenländischen

bernet Sauvignon ein Kind von Caber-

Landeshauptstadt Eisenstadt hinter viel

net Franc und Sauvignon Blanc ist. In

Gestrüpp einen uralten, vermutlich um

Deutschland ging lange die Scheurebe

die hundert Jahre alten Rebstock ent-

als Kreuzung von Riesling mit Silva-

deckte. Er befand sich in schlechtem Zu-

ner durch – bis sich herausstellte, dass

stand, doch die Winzerfamilie Johannes

neben dem Riesling die Bukettraube

Moser sen. und Hans Moser jun. pflegte

im Spiel ist. Das wiederum ist eine

die offenbar widerstandsfähige Pflanze

Züchtung aus Silvaner mit Trollinger,

und ahnte, dass sie etwas Besonderes

ins Leben gerufen vermutlich um 1864

darstellen konnte. Sie war zwar nicht

vom fränkischen Rebenzüchter Sebas-

in der Lage, Trauben zu tragen, aber auf

tian Englerth. Sie hat damit den Mül-

Basis von Gescheinen konnte in Kloster-

ler-Thurgau, der lange Zeit als älteste

neuburg festgestellt werden, dass es sich

deutsche Sortenkreuzung galt, in der

offenbar um den fehlenden Elternteil des

Führungsposition abgelöst.

Grünen Veltliners handelte. Eine hun-

auch

nur die

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FOTO: GRAFIK RAUCHPOWER

dertprozentige Übereinstimmung gab es zwar nicht, aber

Mineralisch und straff wirkt der 2017er, mit angenehmer

19 Chromosomen passten zweifelsfrei. Einen Namen dafür

Würze gefiel der 2018er. Und der 2019er war schon ein

gab es zwangsläufig nicht, also wurde die „Mutter“ nach

richtig guter, rassiger Wein mit viel Nerv, der aufzeigte,

der Herkunft St. Georgener Rebe genannt.

dass es lohnend ist, die Rebe weiter zu vermehren.

Langsam wurde mit der Vermehrung des Stockes begon-

Mit weinrechtlichem Segen (offiziell ist die Sorte nicht

nen. Zwischendrin kam es 2011 zu einem Vandalenakt, bei

klassifiziert) konnten inzwischen in Kooperation mit ei-

dem die Rebe schwer beschädigt wurde. Noch im gleichen

ner Rebschule auf St. Georgener Gemarkung über 1.000

Jahr wurde sie zum Naturdenkmal erklärt und seitdem

Stöcke gepflanzt werden. Sie sind teilweise durch Paten

wird sie durch einen hohen Zaun gut geschützt. Die Neu-

des Vereins zur Kultivierung der St. Georgener Rebe fi-

anlage mit der St. Georgener Rebe lieferte 2013 die ersten

nanziert. Der Ausbau findet im Moser’schen Weingut

Trauben, die für 1,5 Liter Wein reichten. Langsam ver-

statt. Durchaus denkbar, dass die zufällige Entdeckung

größerte sich durch die gezielte Vermehrung die Menge:

in den nächsten Jahren weiter Fahrt aufnimmt. Winzer

Im Jahrgang 2015 waren es bereits 300 Liter. Der Wein,

Moser will seine Anlage erweitern und hat auch schon

von dem die Mosers noch einige Flaschen zurückgehalten

Anfragen von Kollegen vorliegen, die Interesse an einer

haben, war freilich deutlich bitter und kernig, also kein

Anpflanzung haben. Vorläufig gibt es den fertigen Wein

Ruhmesblatt. Doch die Qualität steigerte sich von Jahr zu

nur bei ihm zum durchaus seriösen Preis von 20 Euro pro

Jahr. Klar und würzig ist über den 2016er festgehalten.

Flasche. n n n


16

Leidenschaft in Wein: Genussvolle Entdeckungen im Kraichgau AUTOR: MARTIN SACHSE-WEINERT

FOTO: WEINGUT KLENERT COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


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Der Kraichgau kann, berücksichtigt man die Entdeckung des Homo heidelbergensis in diesem Gebiet, als einer der ältesten Kulturräume Europas bezeichnet werden. Noch heute gilt diese Landschaft als äußerst fruchtbar, denn die Böden bieten ideale Voraussetzungen für die Landwirtschaft, wobei insbesondere Getreide, aber auch Obst- und Kartoffelanbau eine herausragende Rolle spielen. Dass der Lössboden darüber hinaus ein hervorragendes Terroir für Weinbau ist, wussten kundige Weinbauern bereits seit Jahrhunderten und kultivierten im „Land der 1.000 Hügel“ diverse Reben, die teilweise noch heute typisch für diese Region sind. In diesem Zusammenhang zu nennen sind beispielsweise die Weißweine Riesling, Müller-Thurgau und Ruländer, vor allem aber Auxerrois. Zu den häufig vertretenen Rotweinen zählen Spätburgunder, Portugieser, Schwarzriesling und Lemberger. Und fast alle diese Rebsorten hat auch das neue, noch verhältnismäßig unbekannte Weingut Klenert in seinem Portfolio.

Der Betrieb in seiner Region Der Name „Kraich“ geht vermutlich auf das keltische Wort „creuch“ für Schlamm bzw. Lehm zurück und ist damit Präjudiz für hervorragendes Weinterroir. Damit bietet gerade diese Gegend auch dem Weingut Klenert die besten Voraussetzungen, seinen hohen Ansprüchen gerecht zu werden, wenn David Klenert meint: „Wein zu produzieren bedeutet, eng mit der Natur zu arbeiten und diese zu respektieren, um nachhaltig individuelle Weine herstellen zu können. Das Wissen über den Kraichgau mit seinen verschiedenen Böden, Rebsorten und Klimaeinflüssen, aber auch den Mut und die Kreativität, Neues auszuprobieren, bringen wir mit und möchten beides miteinander verbinden.“

David Klenert selbst, der mit Stolz den Titel „Bachelor of Weinbau & Oenologie“ trägt, ist dabei der Mann, der für die Philosophie des Unternehmens und die Qualität seiner Weine steht. Groß geworden im Schwarzrieslingdorf Kürnbach und somit von klein auf mit Wein und Weinanbau verwachsen, studierte er von 2009 bis 2013 im dualen System Weinbau & Oenologie am Weincampus Neustadt an der Weinstraße.

COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


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Während seines Studiums lernte er

Die Weißweine der „Linie Klenert“ wer-

Auch der Grauburgunder, den wir im

ver­­schiedene

den im Edelstahltank ausgebaut, die

Anschluss öffneten, sollte päter beim

Deutschl­ and kennen und reiste darü-

Rotweine

maischevergoren

selben Wettbewerb den hervorragen-

ber hinaus nach Neuseeland und in die

und anschließend im Holzfass gelagert.

den Eindruck bestätigen, den wir be-

Schweiz, um sich Ideen und Anregun-

Zum großen Teil werden diese Wei-

reits gewonnen hatten. Dort mit „Gold“

gen zu holen. Diese Zeit formte ihn im

ne spontan vergoren, wobei Wildhefen

ausgezeichnet („erstklassiger Wein, in-

Bereich des Weinanbaus und verfeinerte

aus den eigenen Rebanlagen zum Ein-

ternationale Spitze mit markanten Cha-

den eigenen Stil des Weinausbaus, der

satz kommen. Saubere Gärführung und

raktereigenschaften“), so vermochten

heute in jedem seiner Weine zum Aus-

ständige Kontrollen gewährleisten be-

wir insbesondere Gefallen zu finden an

druck kommt. Als besonders inspirie-

kömmliche Weine, die dennoch ihre Ei-

seiner leicht moussierenden Art, die eine

rend bezeichnet er noch heute seine Er-

genständigkeit wahren und für außer-

dezente Säure vornehm zum Ausdruck

fahrungen in Neuseeland: „Dort durfte

gewöhnliche Erfahrungen sorgen.

bringt. Goldgelb im Glas erlebten wir

Weinbauregionen

in

klassisch

Noten von Quitte und Pomelo, dabei et-

ich die verschiedenen Cabernet-Rebsorten kennenlernenn.“ Heute zeugt davon

Die Weine der „Black Label Linie“ wer-

was frischen Rasenschnitt sowie Vervei-

noch der Name des neu erschienenen

den zu 100 % mit vermehrten Wildhe-

ne. Diese deutliche Fruchtigkeit ist tat-

„Black Label Pango“ „In der Sprache

fen vergoren. Die Weißweine sind im

sächlich geeignet, diesen Wein zu einem

der

Holzfass (Tonneau und gebrauchte Bar-

herausragenden Grauburgunder zu ma-

riques) vergoren und gereift. Die Rot-

chen, der genau den Zeitgeist trifft, der

weine dagegen durchlaufen eine län-

eben diese Rebsorte gerade favorisiert.

Ureinwohner

Neuseelands

steht

‚pango‘ für die Farbe Schwarz.“

Signifikant ist die Intention des Win-

gere, intensivere Maischegärung als die

zers, sich umfänglich, aber immer auf

klassische Linie und eine längere Reife-

Als letzten Weißwein verkosteten wir

hohem Niveau mit alten und traditio­

zeit im Holzfass.

den 2019er Auxerrois. Überflüssig zu betonen, dass auch dieser (dieses Mal mit

nellen Sorten auseinanderzusetzen und diesen ein neues, individuelles und hoch­klassiges Renommee zu verschaffen. Dazu wieder der Winzer: „Eine eigene lange Geschichte oder Tradition gibt es noch nicht, aber wir haben das Ziel, mit unseren Weinen Geschichte zu schreiben.“

Sein Motto lautet: „Unkompliziertheit, Bodenständigkeit, Frische und Indivi­ dualismus – das muss Grundlage all un­serer Bestrebungen sein, das soll der Connaisseur in unseren Weinen vorfinden und bestenfalls bei jedem Schluck schmecken.“

Die Weine

Die Verkostung Verkostet

wurden

fünf

Weine:

„Silber“) beim Bioweinpreis prämiert wurde: als „ausgezeichneter Wein, der drei

Weißweine und zwei Rotweine.

Wir starteten unsere Degustation mit dem Weißburgunder aus dem Jahr 2019, nicht wissend, dass dieser kurz darauf beim Internationalen Bioweinpreis 2020 mit 96 von 100 Punkten ausgezeichnet und mit dem Prädikat versehen würde: „Weltklassewein, der ein prägendes sinnliches Erlebnis gewährt und jeden Weinliebhaber in seinen Bann zieht.“ Wir erlebten ihn als intensiven Vertreter seiner Sorte, in dem sich diverse helle Früchte zu einer äußerst angenehmen Kombination vereinen: Ananas, grüner

Angebaut werden demzufolge die wei-

Apfel, Zitrone und Stachelbeere dominie-

ßen Sorten Grauburgunder, Weißbur-

ren am Gaumen, beim Abgang zeigte sich

gunder, Chardonnay, Riesling, Auxerro-

eine Spur Kiwi. Dabei konnten wir fest-

is und Scheurebe, bei den Rotweinsorten

stellen, dass die 13 % Alkohol einige Zeit

stehen Spätburgunder, Schwarzriesling,

benötigen, sich im Glas zu öffnen bzw.

Lemberger und Cabernet Sauvignon im

teilweise zu verflüchtigen, um einen

Programm.

vollendeten Genuss erleben zu können.

COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN

die Aufmerksamkeit eines jeden geübten Verkosters erweckt“. Solchermaßen im Nachhinein durch die internationale Jury geadelt, die damit auch uns ein gutes Zeugnis ausstellte, erinnerten wir uns – gerne – erneut an diesen typischen Vertreter des Kraichgaus, der aus dem Hause Klenert dennoch viel Individualität und Besonderheit mit sich bringt. Eine Ahnung von Erdbeeren, kombiniert mit Boskop-Apfel und einem feinen Gemüse-Ton entsteigt dem strohgelben Wein, der vor allem auch durch seinen zarten Schmelz, der sich am Folgetag noch steigerte, überzeugen konnte. Dabei durften wir feststellen, dass der Auxerrois sich zunächst durch eine eher verhaltene Nase verleugnet, während das Geschmackserlebnis (glücklicherweise) sehr intensiv ist.

An dieser Stelle ist es an der Zeit, ein Eingeständnis zu machen, vielleicht gar


DAVID KLENERT (FOTO: KRAICHGAU-STROMBERG TOURISMUS E.V./CHRISTIAN ERNST)


20

eine Entschuldigung auszusprechen: Lemberger gehörten bis dato nicht zu unseren

bevorzugten

Weinen.

Bislang

hatten wir sie hauptsächlich als tanninlastige, eigenwillige Rebsorte kennengelernt, die weder geeignet ist, ein gutes Essen kunstvoll zu begleiten, noch eigenständige Brillanz aufzuweisen. Wir müssen Abbitte leisten! Der Lemberger aus dem Hause Klenert ist ein wunderbarer Wein, der zwar auch durchaus

eigenwillige,

individuelle

Weinbau im Trend und mit Anspruch

Noten hat, diese aber zu einem grandiosen Geschmackserlebnis hebt. Vor

Das Weingut Klenert ist seit dem Jahr-

diesem Hintergrund erscheint es uns

gang 2019 Ecovin-biozertifiziert. Dies,

angemessen, das positive Urteil der Jury

so David Klenert, sei die logische Kon-

noch um diese Rebsorte zu erweitern,

sequenz seines Bestrebens gewesen,

denn Waldbeeren und vor allem dunkle

den intendierten naturnahen Weinan-

Kirschen sind geeignet, auch in diesem

bau weiter nach vorne zu bringen.

Bereich einen deutlichen Akzent zu setzen. Zukünftig werden wir Lembergern

Bereits seit 2018 hatte er sich zudem in-

mehr Aufmerksamkeit schenken – wohl

tensiv mit regenerativer Landwirtschaft

wissend, dass sicherlich nicht viele das

auseinandergesetzt. Dabei geht es dar-

Niveau dieses Kraichgauer Vertreters

um, den Boden für den Klimawandel fit

erreichen werden.

zu machen und den Mikroorganismen

lage zu bieten. All diese Anstrengungen

Spätburgunder, der eindeutig doku-

zusammen ermöglichen es dem Wein-

mentiert, dass Deutschland inzwischen

gut, trotz seines jungen Alters für eine

auch bei den roten Rebsorten mit der

nachhaltige Erzeugung qualitativ hoch-

internationalen

mitzu-

wertiger Weine zu stehen und sich mit

halten und diese sogar in mancher-

weit älteren, renommierten Mitwettbe-

lei Hinsicht zu überholen vermag. Ein

werbern in ernsthafte Konkurrenz be-

kräftiges Bukett aus Pflaume und roten

geben zu können.

Konkurrenz

Beeren wird eindrucksvoll unterstützt durch einen Anklang von Brot, wobei

Viel Erfolg, David! Das Image als auf-

sich das Aroma von dunkler Schokolade

strebender Jungwinzer wird mit diesen

dezent im Hintergrund versteckt. Bei

Weinen nicht mehr lange anhalten, ab

mehrmaligem Schwenken im Glas traten noch

sofort muss ein höherer Maßstab ange-

Noten von Weichseln in die Nase und run-

legt werden. n n n

deten das Geschmackserlebnis damit ab. Ein Rotwein, der durchaus imstande ist, auch auf internationalem Parkett vom Ruhm des Kraichgaus zu künden: David Klenert kann nicht nur weiß!

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FOTO: KRAICHGAU-STROMBERG TOURISMUS E.V./CHRISTIAN ERNST

im Boden eine geeignete LebensgrundDen Abschluss fanden wir mit dem


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Weinnetzwerke Down Under

• Eyre Peninsula schreibt Weingeschichte

• Eine Krankenschwester wird Winzerin • Port Lincoln bekommt alles, was er hat • Ein frommes Leben für den Wein • Sevenhill und seine himmlischen Tropfen FOTO: HOLGER LINK


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WEINNETZWERKE DOWN UNDER

Eyre Peninsula schreibt Weingeschichte Eyre Peninsula, und da stimmen Weinexperten überein, wird sich als Weinregion im Süden Australiens etablieren. Die markante dreieckige Halbinsel mit der Stadt Port Lincoln an der Südostspitze liegt zwischen dem Spencer-Golf im Osten und wird im Norden und Westen von den Gawler Ranges (Nationalpark) eingerahmt. Der Name der Region lehnt sich an ihren Entdecker Edward John Eyre an, der in den Jahren 1839 bis 1841 den Großteil dieser Halbinsel erforschte.

AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD

Z

wischen Port Lincoln, Port Augusta und Adelaide, die ebenfalls ein Dreieck bilden, herrscht mediterranes Klima. „Wir haben

hier stets eine kühle Brise vom Meer, die den Trauben eine schöne Säure und Frucht verleiht und sie auch vor Überreife bewahrt“, sagt Liz Heidenreich, Winemaker bei Peter Teakle Wines. Er hat die erfahrene Winzerin geholt, um ein komplett neues Weingut mit modernem Keller aus dem Boden zu stampfen. Mit ihr an der Spitze war Teakle sicher, kann es nur erfolgreich beginnen. Kennengelernt haben sich die beiden durch David O’Leary von O’Leary Walker Wines (Ehemann von Liz Heidenreich), der die Weine für Peter Teakle kelterte und abfüllte, nachdem er 2016 sein jetzt völlig neu gestaltetes Weingut nahe Port Lincoln gekauft hatte.

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Fisch und Wein Überhaupt ist diese Region kulinarisch geprägt. Etwa 250 Kilometer westlich der südaustralischen Hauptstadt Adelaide liegt Port Lincoln, die größte Stadt auf der Eyre Peninsula. Sie gilt als Australiens Hauptstadt für erstklassige Meeresfrüchte, in der Blauflossen-Thunfisch, Abalone und Austern das Angebot anführen. Bisher wurden die hier geernteten Trauben des von Teakle übernommenen Weingutes aus einer rund zwölf Hektar großen Rebanlage, die sich entlang der Boston Bay hinzieht, über Hunderte von Kilometern zu O’Leary Walker Wines im Clare Valley transportiert, wo sie gekeltert wurden. Das ist jetzt Geschichte.

Erstmals Keltern in großem Stil

EYRE PENINSULA – SÜDAUSTRALIEN – 170.500 KM 2

Seit dem Jahrgang 2019 wird das Traubenmaterial vor Ort verarbeitet. „Es ist das erste Mal, dass auf der Eyre Peninsula Trauben in dieser Größenordnung gekeltert und auch Weine in diesem Umfang hier abgefüllt werden. Das ist ein Novum, denn hauptsächlich beherrscht die Fischindustrie die Halbinsel“, erklärt Heidenreich. „Die Weißen blubbern schon im Keller und die Roten sind ebenfalls im Gärprozess.“ Die talentierte Winzerin ist in der Regel in der Weinregion Clare zu finden, wo sie die Herstellung ihrer eigenen Weine unter dem Label „Liz Heidenreich Wines“ koordiniert. Mit einfließen lässt sie einen Teil des Trau-

Teakles Investment in Port Lincoln

benmaterials aus den ursprünglichen Weinbergen, die ihr

Peter Teakle ist seit mehr als 50 Jahren in der Weinerzeu-

Großvater 1936 im Barossa Valley gepflanzt hat. Jetzt ver-

gung tätig und hat auch eine Druckerei für Weinetiketten

stärkt sie das Team von Peter Teakle Wines und verbrachte

geführt. 2016 übernahm er das in der Nähe von Port Lin-

die letzten Monate in Port Lincoln, wo sie neben dem Bau

coln gelegene Weingut Delacolline Estate und benannte es

der Weinkellerei auch die Ernte überwacht hat.

um in Peter Teakle Wines. Dessen Rebflächen erweiterte er und ließ parallel das Restaurant Line & Label mit be-

Bei Peter Teakle Wines werden Riesling, Sauvignon Blanc

eindruckendem Blick über Port Lincoln auf die Boston Bay

und Chardonnay kultiviert. „Für diese Sorten ist das eher

errichten.

kühlere und trockene Klima auf der Eyre Peninsula ideal. Aber auch Shiraz, Cabernet Sauvignon und Merlot bringen

Zu seinem mithilfe von Liz Heidenreich 2018 völlig neu

hier schöne Qualitäten in die Flasche. Aktuell denken wir

gestalteten Weingut gehört ein Obstgarten mit Hunder-

darüber nach, zukünftig auch Pinot Noir zu pflanzen“, er-

ten Bäumen und eine großflächige Gartenanlage mit Ge-

zählt Heidenreich.

müseanbau. Um die Pflanzen in dieser doch recht trockenen Region zu bewässern, wurde beim Neu- und Umbau besonderes Augenmerk auf Wassertechnik gelegt. Große Auffangbecken für Regenwasser mit angeschlossenen Vorratstanks komplettieren das imposante Weingut. n n n

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Eine Krankenschwester wird Winzerin FOTO: LIZ HEIDENREICH WINES

AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD


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Die letzten Monate des Jahres 2018 waren Wendejahre für Liz Heidenreich. Sie beendete ihre fast 14-jährige Amtszeit als Winzerin bei Sevenhill, gelegen im Clare Valley (rund 100 Kilometer nördlich von Südaustraliens Hauptstadt Adelaide), heiratete und baute ein Weinlabel und ein Weingut mit ihrem Namen auf. Ihre Geburtsstadt Adelaide war auch die Heimat ihrer in der Weinerzeugung engagierten Familie. schon der Großvater gründete 1936 ein Weingut im Barossa Valley. Doch zuerst wollte Liz nichts vom Weinbau wissen, obwohl sie von Kind an damit in Kontakt war. Nach einer Ausbildung am Royal Adelaide Hospital wurde sie Krankenschwester und arbeitete 15 Jahre lang auf der Intensivstation in einer Klinik ihrer Geburtsstadt.

D

och im Laufe der Zeit machten sich die Wein-Gene bei Liz bemerkbar und nach einem erfolgreichen Abschluss an der University of Adelaide jobbte sie bei südaustrali-

schen Weingütern. Anschließend führte sie ihre Neugier nach Portugal, um sich hier in der Weinbereitung weiter ausbilden zu lassen. An der portugiesischen Algarve blieb sie vier Jahre beim Weingut Adega do Cantor des britischen Popstars Sir Cliff Richard und reifte zur Winzerin.

Bruder May und Sevenhill Zurück in Australien, wir schreiben das Jahr 2005, bekam Liz einen Job im legendären Weingut Sevenhill. Ihre bisherigen Kenntnisse in der Weinbereitung wurden dort perfektioniert. Sevenhill war aber auch ein Wendepunkt in ihrem Leben als Winzerin, denn sie schloss eine enge Freundschaft mit ihrem Mentor John May, einem viel bewunderten Weinmacher, der auch Bruder der Jesuiten war. May hatte erst eine Lehre als Zimmermann absolviert und trat im Jahr 1949 in den Jesuitenorden ein. Es folgte eine Umschulung zum Winzer und im Jahr 1963 wurde er Assistent bei Sevenhill, wo er für fünf Dekaden die Weine prägte.

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BRUDER JOHN MAY UND LIZ HEIDENREICH (FOTO: ABC SYDNEY)

53 Jahre später erhielt May im Jahr 2016 die Auszeichnung

aus Trauben von familieneigenen Rebflächen des Barossa

„Order of Australia“ für seinen Beitrag zur Weinbereitung

Valley gekeltert sind.

im Clare Valley, zum dortigen Tourismus und zur katholischen Kirche. Der heute 89-jährige, der in Sydney im Ru-

Angesichts der Erfolge der Sevenhill-Weine, die Liz mit-

hestand lebt, ließ es sich nicht nehmen, an der Hochzeit

verantwortet hat, ist es keine Überraschung, dass ihr Wa-

seines Schützlings teilzunehmen. Er war einer der liebs-

tervale Riesling und auch ihre Roten von bester Qualität

ten Gäste von Liz, die Ende des Jahres 2018 Jeremy O’Le-

sind. Das beruht auf sorgfältiger Arbeit, dem Wissen ihres

ary heiratete, der ebenfalls Erfahrung im Weinbereich hat.

Mentors Bruder May, der Handschrift einer Winzerin, die

Zur Jahrtausendwende gründete er zusammen mit seinem

Wein im Blut hat und auch in Portugal Kniffe gelernt hat.

Partner Nick Walker O’Leary Walker Wines im Clare Valley.

Auf den Unterschied eines Pflegeberufs im Krankenhaus

Treueschwur an das Clare Valley

und als Winzerin angesprochen, sagt Liz: „Es gibt eine Überschneidung der Disziplinen. Dazu gehört das Zeitmanagement, die nötige Ruhe und auch der Druck ist adäquat. Ich bin an lange Arbeitszeiten und Nachtschichten gewohnt, somit stört mich dies als Winzerin weder in der

„Ich werde dem Clare Valley immer treu bleiben“, sagt Liz,

Erntephase noch bei der Weinbereitung und auch nicht bei

die aber auch Ende letzten Jahres ein spannendes Engage-

der Beratung.“

ment auf der Eyre Peninsula angenommen hat (siehe mein Beitrag: „Eyre Peninsula schreibt Weingeschichte“). In

Die australische Weinszene hat Liz Heidenreich längst im

Port Lincoln unterstützt sie als Beraterin Peter Teakle beim

Fokus, eine professionelle Weinmacherin, die erste Winze-

Aufbau eines bemerkenswerten Weinprojektes. Zu Hause

rin Südaustraliens in führender Position. Darauf angespro-

im Clare Valley hat sie zwischenzeitlich ihren 2018er Cla-

chen, konstatiert sie: „Mag sein, dass ich talentiert bin,

re Valley Watervale Riesling und 2016er Shiraz sowie Gre-

aber meine Wegbereiter waren Männer – Sir Cliff Richard

nache-Rotweine auf den Markt gebracht, die zum Teil auch

und Bruder John May.“ n n n


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WEINNETZWERKE DOWN UNDER

Port Lincoln bekommt alles, was er hat FOTO: PETER TEAKLE

AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD

FOTO: EXPLOREEYRE.COM.AU


29

Es war ein sonniger Tag. Peter Teakle hatte gerade seine Angel an einem Gewässer auf Hamilton Island vorbereitet, als er einen jungen Mann entdeckte, der scheinbar am Ufer eingeschlafen war. Neugierig schaute er nach ihm. Er schlief wirklich. Und es roch stark – der Bursche hatte tote Fische in seiner Tasche. „Diese Episode wurde später ein Running Gag. Wir haben ihn schon oft gehänselt, weil er so stank. Dennoch sind wir Kumpel, seit ich ihn schlafend entdeckt und geweckt habe“, erzählt Teakle.

Mentor, Ratgeber und Investor In der Region ist Teakle als Unterstützer und Berater bekannt. Als Mitte der letzten Dekade der Eigentümer des in der Nähe von Port Lincoln gelegenen Weingutes Delacolline verstarb und die Familie einer unsicheren Zukunft entgegensah, wandten sich die Erben an Teakle. „Die Familie wollte ihr malerisches Gut nicht auf dem Markt anbieten. Sie fragten mich, ob ich helfen könnte“, erzählt Teakle. „Ich habe mir alles angeschaut und bemerkte, dass ich nur die Infrastruktur sortieren und den Produktionsbereich modernisieren musste. Also habe ich das Weingut gekauft.“

Teakle erwarb parallel noch die direkt an den Weinbergen gelegene Farm, womit er das Anwesen auf insgesamt 30 Hektar vergrößerte. Hinzu kamen damit ausgedehnte Obstgärten und ein überdimensionales Gemüsebeet. Dies war die Grundlage für seine Vision eines Restaurants, das er mittlerweile über der Stadt Port Lincoln verwirklicht hat. „Ich habe je eine Million Dollar in das Restaurant, die Weinberge und die Ausstattung des Weingutes investiert“, erzählt Teakle. Sein Engagement und auch der von ihm gewählte Standort wurden von der südaustralischen Tourismuskommission als „Neuanfang auf der Eyre Peninsula“ beschrieben.

Der Druckmagnat der dritten Generation räumt ein, dass

H

seine heutigen Unternehmungen völlig anders sind als die eute ist Pete Evans bekannt in Australien

Geschäfte, die sein Großvater 1903 in Adelaide begründet

als Paleo-Food-Experte und beratender

hatte. Teakles Familienunternehmen unterhält 34 Produk-

Chefkoch im Top-Restaurant The Line &

tionsstätten in zehn Ländern, beschäftigt 3.500 Mitarbeiter

Label auf Peter Teakle Wines. Ihre Freund-

und ist seit 40 Jahren ein wichtiger Akteur im Druckge-

schaft trug dazu bei, ein Herzensprojekt von Teakle zu

schäft, vor allem im Bereich Etikettendruck.

verwirklichen – ein Top-Restaurant und ein Weingut in seiner geliebten Heimat. Teakle ist Erbe eines südaustralischen Druckerimperiums. Als vermögender Unternehmer und sozial interessierter Mensch hat er sich zu einem leidenschaftlichen Unterstützer von Port Lincoln entwickelt und half schon mehrmals, Geschäfts- und Gemeindeprojekte auf den Weg zu bringen. Man munkelt, dass er hier kürzlich sechs Millionen Dollar in diverse Vorhaben investiert hat.

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Eine Vision wird wahr „Ich spiele jetzt auf zwei völlig neuen Ebenen – zum einen manage ich Weinbau, Produktion und Abfüllung in Port Lincoln und zum anderen stehe ich hinter meinem Restaurant, für das wir von eigenem Grund Gemüse und Obst ernten können“, freut sich Teakle, der damit nicht nur seine Vision erfüllt sieht, sondern auch sichtlich Spaß an diesen Projekten hat. Trotz seiner Freundschaft zu Pete Evans, der ihn beim Betrieb seines Foodtempels unterstützt, will er seinem Restaurant keinen Stempel eines einseitigen Foodstils aufsetzen. „Wir haben hier auf der Eyre Peninsula eine

Dass Teakle die Etiketten für seine Weine selbst druckt,

traditionelle Fischerei. Täglich bekommen wir frischen

erscheint naheliegend. Doch für deren Design suchte

Fisch, Gemüse und Obst. Es geht mir darum, die Region zu

er ebenfalls Hilfe. Das markante Logo hat die heimische

beleben. Wir wollen auch Besucher aus Adelaide anlocken.

Künstlerin Maya Kolega entwickelt. Das Etikett zeigt den

Die Gäste sollen sich in unserem Restaurant wohlfühlen

charakteristischen, mit Emufedern geschmückten Hut

und zwanglos Speisen genießen, die vielfältig sind und vor

der Australian Light Horse, Truppen mit Merkmalen so-

allem auf Produkten aus unserer Region aufgebaut sind“,

wohl der Kavallerie als auch der berittenen Infanterie, die

konstatiert Teakle. Dass er mit dem Restaurant Erfolg hat,

im Zweiten Burenkrieg und im Ersten Weltkrieg dienten.

zeigt sich auch darin, dass Gäste aus Adelaide mit Helikop-

Teakle möchte damit eine Reminiszenz an diese tapferen

tern einfliegen und direkt neben dem Restaurant auf einer

Männer zum Ausdruck bringen.

dafür angelegten Fläche landen können.

Mit Hilfe einer Weinfrau

Peter Teakles Statement

„Die Projekte, an denen wir arbeiten, wecken einerseits

Teakles Herz hängt ebenso stark am Wein, der auch im Res-

das Interesse der hier lebenden Menschen, andererseits

taurant angeboten wird. Das Weingut, das heute den Namen

kommen sie dem Tourismus und damit der ganzen Regi-

Peter Teakle Wines trägt, zu modernisieren, die Weinberge

on zugute. Wir arbeiten eng mit der SATC (South Austra-

ordentlich zu gestalten, neue Rebsorten zu pflanzen und ei-

lian Tourism Commission (SATC) und Tourism Australia

nen eigenen Stil in die Flasche zu bringen, das traute er sich

zusammen, um eine brillante Destination zu schaffen. Es

allerdings nicht zu. Dafür brauchte er Hilfe. Er hörte sich

kommen nur Handwerker und Arbeiter aus der Region in

um und fand Liz Heidenreich – eine Weinfrau, die in der

Frage. Wir sind hier alle eine große Familie. Unser Ertrag

australischen Weinszene bereits Bemerkenswertes geleistet

soll auch in dieser Familie verteilt werden. Außerdem ha-

hatte. Für sie, die im südaustralischen Clare Valley ein eige-

ben wir uns Verträge mit Sponsoren gesichert, um auch

nes Weingut betreibt und lange Zeit mit ihrem Mentor John

dazu beizutragen, dass alle Mühen nicht umsonst sind

May die Weine des berühmten Weingutes Sevenhill verant-

und ein Mentoring auf Dauer diese Projekte unterstützt“,

wortete, war die Aufgabe der Renovierung eines Weingutes

bringt Peter Teakle sein Credo auf den Punkt. Chapeau für

und damit auch die Möglichkeit, einen Neustart mitgestal-

dieses beispielhafte Engagement. n n n

ten zu können, eine willkommene Herausforderung. Lesen Sie dazu hier im Dossier meine Beiträge „Eyre Peninsula schreibt Weingeschichte“ und „Eine Krankenschwester wird Winzerin“. COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


Ein frommes Leben für den Wein AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD

JOHN MAY (FOTO: SEVENHILL CELLARS)


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Wir schreiben das Jahr 1850, als Jesuitenbrüder einen Weiler gründeten, ungefähr 130 Kilometer nördlich von Adelaide. Unter ihnen war der österreichische Jesuitenpriester Aloysius Kranewitter, der dem Jesuitenhort als Hommage an die sieben Hügel Roms den Namen Sevenhill verlieh. Ein Jahr später pflanzten die Jesuiten Reben, um eigenen Messwein zu produzieren. Bis über die Jahrtausendwende waren durchgängig Jesuiten am gleichnamigen Weingut Sevenhill Cellars beteiligt. Erst mit der mittlerweile in Australien bekannten und anerkannten Weinmacherin Liz Heidenreich wurde diese Tradition unterbrochen. Ihr Lehrmeister und Mentor war Bruder John May, der als siebter Jesuitenwinzer über vier Jahrzehnte die Weinbereitung bei Sevenhill Cellars verantwortete. Mehr zu seinem Schützling und zu Nachfolgerin Liz Heidenreich lesen Sie in meinem Beitrag „Eine Krankenschwester wird Winzerin“.

A

nfang der Jahrtausendwende verließ der mehrfach ausgezeichnete Bruder John May das Clare Valley,

um in den verdienten Ruhestand zu wechseln. Heu-

te wohnt er in einer geförderten Gemeinschaft mit

weiteren altgedienten Jesuitenbrüdern in Sydney. Geehrt mit der lebenslangen Mitgliedschaft der „Winemakers‘ Federation of Aus-

tralia“, übernimmt Bruder May weiterhin eine Rolle als Schirmherr der Weinherstellung und wird somit seine Verbindung zu Sevenhill Cellars aufrechterhalten.

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Das Gemeinwohl Parallel kümmerte sich Bruder May um den Ausbau des Verkaufsnetzes. Er ließ Verkostungsräume einrichten, zog

Die Anfänge

damit auch erstmals Weinliebhaber zu Besuchen der Kellerei an und kümmerte sich intensiv um den internationalen

1963 war Bruder Mays erster Jahrgang bei Sevenhill Cellars. Er kam damals als junger Jesuitenbruder aus Melbourne, um als Assistent des damaligen Jesuitenwinzers Bruder John Hanlon zu arbeiten. Mit seiner Einstellung begann eine Zeitenwende bei Sevenhill Cellars. Die erste hydraulische Presse wurde 1963 installiert und 1968 wurde der erste trockene weiße Tafelwein aus Trauben der Sorte Crouchen (Clare Riesling)* gekeltert. Ein Jahr später kehrte Bruder May zum Loyola College (römisch-katholische Sekundarschule in ignatianischer Tradition in Melbourne) zurück und wurde dort zum Leiter des großen Exerzitienhauses und Noviziats berufen. Als Bruder Hanlon im Februar 1972 plötzlich verstarb, rief man Bruder May nach Sevenhill zurück, der am Vorabend der anstehenden Weinlese unter schwierigen Bedingungen als siebter Jesuitenwinzer die Verantwortung übernahm.

gagierten Bruder May noch nicht völlig gerecht. Er kümmerte sich auch in vielerlei Hinsicht um Beiträge für die Gemeinschaft. Dazu gehörte sein Engagement als Vorsitzender der „Clare Valley Tourism Association“ und die ebenso engagierte Mitgliedschaft bei der „Clare Valley Winemakers Association“, der „Clare Region Winegrape Growers Association“ und der damaligen Organisationen für Rebenverbesserung und Landschaftspflege. Privat war Bruder May ebenso engagiert. Er war ein begeisterter Sportler, spielte Tennis und Tischtennis und war 14 Jahre lang Mitglied der lokalen Theatertruppe namens „Auburn Players“.

Der Un-Ruhestand Bruder May zog sich Anfang 2003 aus seinem aktiven Wirken zurück, wobei seine außergewöhnliche Karriere viel-

Der Manager

fach geehrt und anerkannt wurde. Er hinterließ Sevenhill Cellars einen Ruf als Produzent von Qualitätsweinen,

In der Frühzeit seines Wirkens wurde Bruder May von der Winzergemeinschaft des Clare Valley unterstützt, deren kooperativer Geist sicherstellte, dass Sevenhill als wertvolles Weinbaugebiet dieser Region die damals schwierigen Zeiten überstehen konnte. Außerdem zeigten sich bei Bruder May besondere Qualitäten in der Führung. Er übernahm bald die Rolle eines Managers der Weinherstellung sowie der Pflege der Weinberge und begann ein ehrgeiziges Programm, um die Nachhaltigkeit der Weinbereitung bei Sevenhill Cellars zu gewährleisten. Seine Strategie beinhaltete die Modernisierung der Kellereigebäude und deren technische Ausrüstung. In den Weinbergen ließ er unter Verwendung der bestmöglichen Klone, die ihm damals für das Clare Valley geeignet erschienen, neue Reben pflanzen, wobei er mit dem damaligen Ministerium für Landwirtschaft (heute das „Primary Industries and Regions SA“) kooperierte.

Vertrieb der Sevenhill-Weine. Aber auch das wird dem en-

eine moderne Kellerarbeit, die Bekanntheit des Gutes und schließlich die Anerkennung, den Charakter eines religiösen und historischen Gutes in die Moderne geführt zu haben. Sein Beitrag wurde von Sevenhill Cellars mit der Lancierung des „Brother John May Reserve Release Shiraz 2004“ geehrt. Der fünfte Jahrgang dieses für Weinliebhaber wertvollen Weines, auch aufgrund der Geschichte dahinter, kam 2010 auf den Markt. Für diesen Wein verarbeitete man bei Sevenhill Cellars ausschließlich handverlesene beste Trauben und produzierte nur eine begrenzte Menge.

Die neue Umgebung von Bruder May ist durchdrungen von der Geschichte des Jesuitenordens. Seinen Umzug von Sevenhill nach Sydney beschrieb er als ein weiteres Kapitel in seinem Ordensleben nach Berufung durch den Provinzial der australischen Jesuiten. Bruder May, der in den Staaten South Australia und New South Wales gewirkt hat, will seinen dortigen Netzwerken treu bleiben, schließlich ist er in beiden Staaten kein Fremder. Seine Taten werden sicher noch lange in Erinnerung bleiben, heute zu Lebzeiten sind diese schon Legenden.

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JOHN MAY UND LIZ HEIDENREICH (FOTO: DON BRICE PHOTOGRAPHY)

Die Ehrungen 2016: Aufnahme als Mitglied in den „Order of Australia“ (AM) – eine höchste Auszeichnung in die Ehrenliste

Crouchen (Clare Riesling)

zum Geburtstag der Königin in Anerkennung seiner bedeutenden Verdienste um die Weinherstellung und durch

*Crouchen ist eine weiße Rebsorte, die nach heutiger

Beiträge zu Berufsverbänden, zum regionalen Tourismus

Kenntnis aus einem Teil der Weinregion Sud-Ouest in den

und zur katholischen Kirche in Australien

französischen Pyrenäen stammt. Sie gelangte um 1850

2014:

Ernennung zum Gründungsmitglied der „Clare

durch Auswanderer nach Südaustralien, wo sie seither ins-

Valley Wine Hall of Fame“ als einer von bisher sechs Emp-

besondere im Barossa und Clare Valley angebaut wurde.

fängern der legendären Auszeichnungen, die von der „Cla-

Zeitweise verwechselte man die Sorte mit Sémillon, den

re Valley Winemakers Inc.“ verliehen werden

man lange Zeit fälschlicherweise als Riesling bezeichnete.

2006: Ehrung mit der Jubiläumsmedaille der australi-

Daher entstand auch der Name Clare Riesling.

schen Jesuiten

2005: Auszeichnung mit dem „Harry Dowling Award“

Erst seit 1976 kennt man durch den französischen Ampelo-

für hervorragende Leistungen im regionalen Tourismus,

grafen Paul Truel die wahre Herkunft. Die Rebsorte Crou-

verliehen bei den „South Australian Tourism Awards 2005“

chen ist neben dem australischen Clare Riesling auch als

2004: Ehrung mit der lebenslangen Mitgliedschaft in

Cape Riesling (Südafrika) oder auch als Trouchet Blanc im

der „Winemakers‘ Federation of Australia“ für seinen Bei-

französischen Baskenland bekannt. n n n

trag zur Weinindustrie Australiens COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


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Sevenhill und seine himmlischen Tropfen AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD

(FOTO: SEVENHILL CELLARS)

Heiliger Wein aus dem Clare Valley

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Sevenhill Cellars produziert Weine, speziell Messweine, die von der katholischen Kirche empfohlen werden. Die Geschichte wäre nicht einzigartig, wenn sie nicht von Anfang an durchgehend dem katholischen Glauben und dessen Symbolen entsprochen hätte. Der Name Sevenhill verweist auf die Septem Montes Romae, die sieben Hügel Roms, verliehen von den Jesuiten, die das Weingut 1851 im Clare Valley gründeten. Einer der Gründerväter war der österreichische Jesuitenpriester Aloysius Kranewitter, der auch als Namensgeber gilt. Weintausch

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sagt Heidenreich. „Bruder May war mir ein großartiger Lehrer. Die Herstellung von Messwein ist sehr wichtig, es ist etwas Besonderes, und wir alle nehmen die Verant-

Bereits seit dem Jahr 1858 lieferte Sevenhill Messwein

wortung, die wir haben, sehr ernst.“

an umliegende Pfarreien und Tafelwein an die örtlichen Kupferminen und deren Bergleute. John May, der 1963 erstmals als Aushilfe im Weinbau eingestellt wurde und

Restriktionen

in der Folge nach kurzer Absenz bis 2005 die Geschicke als Kellermeister, später auch das gesamte Gut ver-

Sevenhill Cellars liefert nach wie vor Wein an alle Re-

antwortete, lebt heute im Un-Ruhestand und erinnert

ligionen, die diesen in der Ausübung ihrer Traditionen

sich: „Die Gebäude sind aus wunderschönem Sandstein

und Messen verwenden. Doch die katholische Kirche hat

errichtet, den man teils mit erfinderischen Mitteln be-

strenge Anforderungen an die Weinbereitung. Messwein

sorgte. Immer wenn Baumaterial benötigt wurde, egal ob

muss demnach aus Trauben hergestellt werden und darf

zum Ausbau oder zu Renovierungen, wurde dieses mög-

kein künstliches Produkt enthalten, das nicht aus Trau-

lichst gegen Wein getauscht. Hier auf dem Land gehört

ben gewonnen wurde. „Unser Altarwein repräsentiert

das Tauschen zur Lebensart. Die Leute tauschen auch

das Blut Christi, der Grund, warum wir so wählerisch

Schafe, um beispielsweise Weizen für ihre Ernährung zu

und penibel in der Herstellung sind“, sagt Bruder May

bekommen.“

und erläutert weiter: „Wenn der pH-Wert zu hoch ist, können wir keine schweflige Säure verwenden, sondern

Seit der Gründung im Jahr 1851 haben ohne Unterbre-

nur Zitronensäure oder Weinsäure, die ein Produkt der

chung Jesuitenbrüder als Kellermeister bei Sevenhill

Traube ist. Jedes Tannin besteht aus Traubentannin und

gedient. Bruder May ist vorerst der Letzte dieser Reihe,

jeder Farbstoff stammt von der Farbe der Traube.“

denn im Jahr 2005 übergab er an seinen Schützling Liz Heidenreich, die erste Frau in der Weingeschichte von

Drei Messweine hat Sevenhill Cellars im Angebot: einen

Sevenhill. „Nicht nur wegen des hervorragenden Sand-

süßen Roten, einen süßen Weißen und einen trockenen

steins, sondern weil Sevenhill von den Brüdern stets sehr

Weißen, den vor allem Diabetiker benötigen. An vor-

gepflegt wurde, sind die Mauern noch nicht eingestürzt“,

derster Front steht jedoch der Rotwein, auch wenn er auf

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der Altarwäsche zuweilen unschöne Flecken hinterlässt.

Unter ihrer Führung erhielt das Jesuitengut weitere Me-

„Trotz allem ist unser süßer Roter der beliebteste Mess-

daillen, insbesondere gewann der Riesling bei den Royal

wein, von dem wir rund 120.000 Flaschen pro Jahr ab-

Melbourne Wine Awards.

setzen“, sagt Heidenreich. „Da

unser Messwein weite

Strecken zurücklegen muss und auch für lange Zeiträu-

„Solche Erfolge sind auf anderen Ebenen wichtig, denn

me oftmals unter extremen Bedingungen gelagert wird,

mit einem Teil der Gewinne aus dem Weinverkauf fi-

stellen wir ihn gespritet im Sherrystil her.“

nanzieren wir Programme der Jesuiten in Australien und Asien,“ erzählt Heidenreich. Und Bruder May ergänzt:

Liz Heidenreich übernimmt

„Die einzige Möglichkeit, Menschen aus der Armut herauszuholen, ist Bildung. Wir versuchen, mit den Geldern Schulen zu bauen, und unterstützen jüngere Jesuiten, damit sie Universitätskurse besuchen können. Wir helfen auch Brüdern in der Missionsarbeit in Pakistan und

Neben den für den Altar bestimmten Weinen produziert

Indien und pflegen unsere Verbindung in Südostasien.“

Sevenhill Cellers auch eine breite Palette an Tafelweinen, darunter Cabernet Sauvignon, Malbec, Chardonnay und

Sevenhill Cellars kann gute Verkäufe auf dem internati-

auch Rosé. Am bekanntesten ist Sevenhill Cellars aber für

onalen Parkett nachweisen, in Australien und Asien füh-

seinen Riesling. „Mein erster Jahrgang war 2006. Da-

ren ihre Messweine die Spitze der Verkaufszahlen an und

mals gewannen wir eine Goldmedaille mit unserem Ries-

auch die Tafelweine werden immer gefragter. „Ich habe

ling. Nicht nur ich war mit dieser Auszeichnung sehr zu-

auch israelischen Messwein aus Kana in Galiläa probiert,

frieden. Ich glaube, das war überzeugend, und die Brüder

dort, wo Jesus Wasser in Wein verwandelt hat, aber ich

ließen mich danach bleiben“, erinnert sich Heidenreich.

bevorzuge unseren“, sagt Bruder May. n n n

FOTO: SEVENHILL CELLARS


Klassische Weine zum (verlängerten) BeethovenJahr AUTOR: RUDOLF KNOLL

Ta-ta-ta-taaa – selbst wer keinerlei Ahnung von klassischer Musik hat, weiß diese Buchstaben unterzubringen. Mit gewaltigen Tönen startet die berühmte „Fünfte“ von Ludwig van Beethoven, einem der größten Komponisten der Weltgeschichte. 2020 wäre sein Jahr gewesen. Denn 250 Jahre zuvor, 1770, erblickte er das Licht der Welt. Wann genau, ist nicht bekannt, nur dass er am 17. Dezember getauft wurde. Das von der Beethoven Jubiläums GmbH geplante „Beethoven-Jahr“ mit zahlreichen Veranstaltungen konnte heuer indes durch Corona nur auf Sparflamme flackern, sodass es bis September 2021 verlängert wurde. Das wird natürlich auch von den Weinerzeugern begrüßt, die zu Beethoven eine besondere Beziehung haben, so wie dieser zum Wein eine spezielle und offenbar gefährliche Verbindung hatte … COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN

FOTO: WEINGUT FREIHERR VON GLEICHENSTEIN

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in guter Freund über einen langen Zeitraum war Franz Gerhard Wegeler, der den jungen Ludwig, mit dem er gemeinsam die Schulbank gedrückt hatte, bei einer Exkursion im Siebengebirge während eines Gewitters in einem

Unterstand später zufällig traf. Der Kontakt riss nicht wieder ab, weil Kinder der Familie Breuning in Bonn eine freundschaftliche Beziehung zu beiden pflegten und von Beethoven Klavierunterricht bekamen. Die nächsten Treffen der beiden fanden in Wien statt. Wegeler hatte als junger Arzt dort beruflich zu tun, Beethovens Bruder Johann hatte sich in Wien als Apotheker niedergelassen.

FOTO: WEINGUT FREIHERR VON GLEICHENSTEIN

E

39

Diese Stadt, in der Ludwig van Beethoven von 1792 bis zu seinem Tod im Jahr 1827 lebte, sollte für ihn zu einem gefährlichen Pflaster werden. Denn er war beim Wein kein Kostverächter, kehrte oft in Wiener Heurigen ein, genoss aber hier auch Gebirgswein aus Ungarn, was immer das war. Rotwein lehnte er ab, weil er ihn nicht gut vertrug. In den Vororten Heiligenstadt, Grinzing, Sievering und Nussdorf war er offenbar Stammgast in einigen gemütlichen Stuben. 1817 wohnte er eine Weile am Pfarrplatz in Wien, wo er an seiner berühmten 9. Symphonie feilte. Das sogenannte „Beethoven-Haus“ ist Teil des Weingutes Mayer am Pfarrplatz (seit etlichen Jahren eine erste Weinadresse von Wien). Und weil der Künstler viele Jahre in Wien lebte, ist ihm auch ein Museum gewidmet.

Mit seinem Freund Wegeler hielt er in all diesen Wiener Jahren Kontakt durch Briefe, in denen er ihm auch sein Gehörproblem beschrieb, das schließlich zur Taubheit führte – trotzdem komponierte er fleißig weiter und schuf dabei seine 9. Symphonie „Ode an die Freude“, die 1970 zur Grundlage für den Pop-Welthit „A Song of Joy“ wurde. Das Gehör war nicht das einzige gesundheitliche Problem von Beethoven. Er litt offenbar an einigen chronischen Erkrankungen, die man später auch darauf zurückführte, dass er regelmäßig billigen Weißwein trank, der durch den Alkohol die Leber schädigte und zudem mit Bleizucker statt mit teurem Rohrzucker versetzt war. Die Gefahr einer Bleivergiftung war in jener Zeit nicht bekannt. In Untersuchungen nach seinem Ableben wurde in Beethovens Haar eine enorme Konzentration von Blei gefunden. Da sich auch noch eine Leberzirrhose bei ihm eingestellt hatte, war es nicht verwunderlich, dass er kein biblisches Alter erreichte.

Dass unverfälschter Wein das bessere Genussmittel für ihn gewesen wäre, stellte sich im Nachhinein heraus. Im Sommer 1826 hielt er sich eine Weile im Landsitz seines Bruders Johann in Gneixendorf bei Krems auf. Haar-Analysen mit zeitlicher Fixierung ergaben später, dass er in dieser Zeit guten Wein getrunken hatte, während für die Zeit danach deutliche Blei-Ausschläge erkennbar waren. Er ahnte damals schon sein Ende. So schrieb er am 22. Februar 1827 an seinen Verleger Schott in Mainz, er möge ihm doch alte Rhein- oder MoselCOPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


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weine schicken. Die Flaschen trafen erst kurz vor seinem

Das ist wohl auch eine Hoffnung von Johannes Freiherr von

Tod (26. März) ein. Als Beethoven eine Flasche 1806er Rü-

Gleichenstein aus Oberrotweil am Kaiserstuhl. Sein Urur-

desheimer Bergwein an sein Bett gestellt bekam, soll er nur

urgroßonkel Ignaz Freiherr von Gleichenstein, der Beetho-

noch geflüstert haben: „Schade, schade, zu spät!“

ven in Wien kennenlernte, war über drei Jahre lang dessen engster Freund und half ihm in vielen geschäftlichen Ange-

Die alte Verbindung zur Familie Wegeler mündete 1838 in

legenheiten. Als Dank schrieb ihm der Komponist eine So-

der ersten Biografie über Ludwig van Beethoven, heraus-

nate für Klavier und Violoncello. Der Nachfahre wurde 2016

gegeben von Franz Gerhard Wegeler. Es versteht sich, dass

ein Initiator und Gründungsmitglied des „Internationalen

die Familie Wegeler, zu Hause in Oestrich-Winkel bei Rü-

Fördervereins Beethovenfest Bonn e.V.“. Seine beiden Edi-

desheim und Eigentümer von zwei Weingütern, im Beetho-

tionsweine sind ein 2013er Spätburgunder und ein 2019er

ven-Jahr die Chance für eine entsprechende Edition nutz-

Grauburgunder, die beide im Stil durchaus der markanten,

te, die auch Bezug nimmt auf Werke des Komponisten. Zu

druckvollen Musik von Beethoven entsprechen. Zwei Euro

ihr gehören ein Gutssekt, betitelt mit „O, Welche Lust“,

des Verkaufspreises gehen an den Förderverein.

ein Riesling Gutswein („O, Namenlose Freude“), eine trockene Riesling Spätlese („O, Welche Wonne“), ein Premi-

Eher bescheiden ist offenbar der weinige Beitrag von Wien,

um Riesling 2013 („O, Himmlisches Entzücken“) sowie ein

obwohl hier Beethoven die größte Zeit seines Lebens ver-

Spätburgunder („O, Welch ein Augenblick“). Gut ausgesucht

brachte. Lediglich das Weingut Mayer am Pfarrplatz wartet

und durchaus Beethoven-würdig ist das alles. Wegeler-Chef

mit einem „Beethoven Viennese White“ (Grüner Veltliner,

Tom Drieseberg hofft, dass in den nächsten Monaten, wenn

Riesling, Weißburgunder) auf, der jedes Jahr zum Standard-

geplante Beethoven-Veranstaltungen doch stattfinden, die

programm des Hauses gehört. Aktuell ist Jahrgang 2019. n

Weine ihre Zielgruppe erreichen. „Gut, dass das Jahr ver-

nn

längert ist. Wir hatten schon geglaubt, unser Engagement

FOTO: WEINGÜTER WEGELER

sei vergeblich gewesen.“

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Yvonne Wachholder und Vater Ernst (Foto: Weinidylle Südburgenland)

Wachholder – kein Gin, sondern ein erstklassiger AUTOR: RUDOLF KNOLL Blaufränker

W

er ihren Namen hört oder

trägt zur Sicherheit auf den Straßen bei.

reichlich Sonnenstunden. Sie schwärmt

beim Lesen nicht genau

Das macht sie unter der Woche, dann fährt

zudem von „frischer Luft und einer tol-

hinschaut,

zu-

sie am Freitagabend rund 150 Kilometer

len Landschaft“. Belohnt wird alles mit

nächst einmal an das mo-

denkt

nach Hause, um am Wochenende dem Va-

guten Bewertungen in Weinführern und

dische Getränk Gin, bei dem bekanntlich

ter bei der Arbeit in den Weinbergen und

bei Wettbewerben in Austria. Kein Wun-

Wacholder ein wichtiger, geschmacksprä-

im Keller beizustehen. Der betreibt vor

der, ist schon der Basiswein, ein Eisen-

gender Grundstoff ist. Yvonne Wachholder

Ort ein Weinlabor, ist also ein altgedienter

berg DAC, ein beeindruckendes Gewächs

aus Burg im südlichen Burgenland in der

Profi, der es schätzt, dass seine Trauben

mit feinem Brombeerduft und eleganten

Weinregion Eisenstadt weiß das, lacht und

auf der Toplage Saybritz heranwachsen.

Facetten im Geschmack. Der Blaufränker

meint: „Mein Vater Ernst und ich überle-

aus der Riede Saybritz kitzelt die Nase mit

gen schon, ob wir uns nicht irgendwann

Weinbau liegt bei den Wachholders in der

Kräuterdüften und einem Hauch Nuss.

an die Produktion von Gin machen.“

Familie. Schon Yvonnes Großeltern wa-

Er ist auf der Zunge ungemein druckvoll

ren in den Reben aktiv. Sie selbst war von

und zugleich geschmeidig. Auf Augen-

Aber vorläufig bleibt die flotte, fesche

Kindesbeinen an im Weinberg an der Seite

höhe mit ihm befindet sich die noble Ei-

34-Jährige mit dem Doppel-h in der Na-

von Senior Ernst und konnte sich schnell

senberg DAC Reserve vom spät geernteten

mensmitte noch dem Rotwein treu, hier

für Blaufränkisch und Co. begeistern. Ihre

Blaufränkisch, der in kleinen und großen

vor allem dem Blaufränkisch, der klassi-

Schulaufgaben hat sie immer möglichst

Holzfässern ausgebaut wurde und erst im

schen Sorte des Gebietes. Wein ist freilich

flott bewältigt, damit sie wieder draußen

zweiten Jahr nach der Ernte in den Ver-

bei ihr nicht alles im Leben. Sie ist haupt-

anpacken konnte. Drei Hektar bewirt-

kauf kommt. n n n

beruflich beim ÖAMTC (dem österreichi-

schaften Vater und Tochter inzwischen

schen Gegenstück zum ADAC) tätig und

in Fluren mit viel Schiefer im Boden und


Spätburgunder Jahrgang 2003 AUTOR: JOACHIM A. J. KAISER

FOTO: IRENE KREDENETS


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2003 war ein außergewöhnliches Jahr, Desertifikation: heiß und trocken. Zwar gab es auch schon vorher heiße Jahre, aber die lange Hitzewelle ohne Regen war für deutsche Winzer beispiellos. Mit der Verkostung wollten wir sehen, wie sie mit der neuen Situation zurechtgekommen sind, wie sich die Weine entwickelt haben und welche Konsequenzen daraus gezogen werden können. Das Panel Vier Juroren waren bei allen Terminen anwesend: Joachim A. J. Kaiser - VINOSITAS Journalism & Photography Thorsten Kogge - Mitarbeiter beim Weinkritiker Yves Beck Maximilian Philipps - Weinblogger Patrick Johner – Winzer

Weitere Juroren: Uwe Blumhofer - Winzer und Feinkostkaufmann Moritz Görg - Oenologe (Bürklin-Wolf, Dönnhoff) Johannes Jülg - Winzer Susanne Kaufmann - Informatikerin Jürgen Kling - Sammler von High-End-Weinen Andreas Klumpp - Winzer Philipp Petri - Winzer Holger Klotz - Sommelier und Gastronomieleiter Ivo Rogina - Professor für Informatik Walter Zentner - Ingenieur

Die Weine Vier renommierte Pinots Noirs aus dem Burgund wurden zum Vergleich herangezogen. Der Les Epenottes kommt vom Schweizer Weinkritiker Yves Beck (herzlichen Dank!). Die meisten Weine wurden von den Weingütern gestellt. Es wurden 53 Weine von 42 Weingütern verkostet.

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D

ie Weine wurden an vier Terminen 2019 verkostet. Sie wurden 1,5 Stunden vorher geöffnet, auf TCA und Co getestet, dann

Die Verkostung

kühl gelagert. Alle wurden zunächst blind

verkostet. Eine zweite, offene Runde fand drei Stun-

Die Bewertungen wurden statistisch ausgewertet: Me-

den später statt, um zu schmecken, wie sich die Weine

dian, Mittelwert, Standardabweichung. Ausreißer wur-

entwickelt hatten. Bei dieser zweiten Runde durfte ma-

den eliminiert (4 von 338). Falls eine Konterflasche

ximal um zwei Punkte korrigiert werden. Hintergrund

vorhanden war, wurde bei unter 90/100 Punkten die

dieser Regel: Die meisten Konsumenten warten keine

Konterflasche bei einem der nächsten Termine blind

drei Stunden zu Hause oder im Restaurant, ehe sie eine

eingeschleust.

geöffnete Flasche trinken. Weine teilnehmender Winzer wurden an Terminen verkostet, an denen sie nicht anwesend waren. Patrick Johner, der an allen vier Terminen teilnahm, wusste nicht, wann seine Weine anstanden. Er hat sie nicht erkannt und seine Bewertungen unterscheiden sich nicht von denen der anderen Juroren.

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Platz 2: 95/100, Shelter Winery, 2003 Pinot Noir

Die Rangfolge

Was Hans-Bert Espe und Silke Wolf vinifiziert haben, ist eine Sensation, denn das war ihr erster Jahrgang. Feuerstein

Die olympischen Disziplinen kennen drei Sieger: Gold,

und ein kühler, ätherischer Duft in der Nase, verwoben mit

Silber und Bronze. Bei den 2003er Spätburgundern sind

roter Beerenfrucht. Im Mund Aromen von Brombeeren

es allerdings fünf, denn Silber und Bronze teilen sich

und hellem Leder. Die Frische von roter Johannisbeere

jeweils zwei Weine.

kontrastiert mit dezenten Noten nach Liebstöckel, Koriandergrün, schwarzem Pfeffer und erzeugt eine Spannung,

Platz 1: 96/100 Bernhard Huber, 2003 Spätburgunder >R<

die sofort nach dem nächsten Schluck verlangt. Der Wein ist balanciert, ungewöhnlich nuanciert und wirkt trotz seiner 14,5 % Alkohol eher kühl am Gaumen.

>R< ist der Vorläufer vom Wildenstein, der ab 2004 als VDP.GG auf den Markt kam. Würziger und kalkiger Duft, rote und blaue Beerenfrüchte. Am Gaumen voll,

Platz 3: 94/100, Ziereisen, 2003 Pinot Noir Jaspis

dabei elegant und fest zugleich, mit Luft und Wärme zusätzlich helle Pflaume, Aronia, Himbeere, auch Ta-

Die handbeschriftete Flasche kommt direkt aus Ziereisens

bak, Leder und ein Hauch von frischem Jogurt, alles

Schatzkammer. Der Jaspis übt sich zunächst in Zurück-

sehr fein verwoben, nichts aufdringlich, Tannine rund

haltung, dezenter, unspezifisch rot- und dunkelbee-

und seidig, lang. Mit 13,5 % ist der Alkoholgehalt des

riger Duft, dann kalkige und feine ätherische Noten,

>R< noch moderat.

Eukalyptus, Minze und Kampfer, immer noch alles sehr zurückhaltend. Im Mund wiederholt sich dieser

Platz 2: 95/100, Knipser, 2003 Spätburgunder Im Großen Garten

Eindruck, nachhaltig und fest am Gaumen, aber nichts dominiert, alles verschmilzt zu einem harmonischen Ganzen. Wenn überhaupt etwas heraussticht, dann die packende Säure, die den Wein frisch und saftig erschei-

Im Großen Garten ist der Vorläufer des VDP.GG Burg-

nen lässt und die Aufmerksamkeit fokussiert. Dabei nur

weg. Der Wein duftet kräftig nach Cassis, Schwarzkir-

12,5 % Alkohol, eine Meisterleistung für das heiße Jahr

sche und „Zwetschgenkuchenbackblech“, auch leicht

2003! Ein Musterbeispiel an Eleganz, das zeigt, dass

rauchige Noten, Holzasche. Im Mund kräftig, dezente

12,5 % Alkohol vollkommen ausreichen, um einen Spit-

Bittermandelnote, Zigarrenkiste, Tannine feinkörnig,

zen-Spätburgunder zu erzeugen.

saftig-animierend trotz seiner Kraft, lang. Die 14,5 % Alkohol sind gut eingebunden.

Offensichtlich beherrschen Knipsers die Kunst, kräftige

Platz 3: 94/100, Parent, 2003 Les Epenottes Premier Cru de Beaune

und trotzdem elegante Spätburgunder auf die Flasche zu ziehen, nicht erst seit gestern.

Parent ist einer der vier Vergleichsburgunder. Der Wein duftet dezent nach Rhabarber, schwarzem Tee, Kornelund Sauerkirsche, auch eine leicht ätherische Note ist vorhanden. Im Mund kommt mit Wärme eine kalkige Note hinzu. Die Tannine sind noch feinkörnig, leicht adstringierend, prägnante Säure. Die 14,5 % merkt man, die Wärme des Alkohols dominiert den Wein jedoch nicht.

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Die Mitte In die Mitte wurden alle Weine zwischen 93 und 90/100 Punkten (Median) eingereiht. Im Rahmen dieser Ver-

Der Alkoholgehalt

kostung sind das exzellente Weine, die sich auch international nicht verstecken müssen.

Der Alkoholgehalt liegt zwischen 12,5 und 18 %. Eine erhebliche Schwankungsbreite, wobei man von einer

Platz 4: 93,5/100, drei Weine

trockenen Beerenauslese auch nicht erwartet, dass sie

Platz 5: 93/100, sechs Weine, darunter der Clavelier

der Archetyp des schlanken, eleganten Spätburgunders/

Platz 6: 92,5/100, fünf Weine, darunter der SERAFIN

Pinot Noirs ist und nur 12,5 % aufweist, wie beim Aus-

Platz 7:92/100, sieben Weine inkl. Charat-Coquidant

nahmewein Jaspis.

Platz 8: 91,5/100, drei Weine Platz 9: 91/100, sechs Weine Platz 10: 90,5/100, vier Weine Platz 11: 90/100, zwei Weine

Die Anderen

Bewertung im Vergleich zum Alkoholgehalt

12 Weine liegen unter 90/100. Bei diesen handelt sich im-

Etliche Weine mit 15 bis 16 % steckten den hohen Al-

mer noch um gute Weine. Die niedrigste Bewertung be-

koholgehalt jedoch erstaunlich gut weg, da sie aufgrund

trug 84/100. Nur einer dieser Weine musste ausgeschlos-

ihrer strukturellen Substanz gut ‚gepuffert‘ waren. Bleibt

sen werden, da er komplett zusammenbrach, nicht mehr

die Frage, ob trockene Spätburgunder Beerenauslesen

genießbar war. Es war der einzige Wein mit zweifelhafter

wünschenswert sind. 17 oder 18 % machen sich schon

Provenienz. Alle anderen Weine stammten direkt von den

deutlich bemerkbar. Die Weine wirken bitter, spritig,

Weingütern oder den Kellern der Juroren.

brennend auf der Zunge. Letztendlich ist das wohl Geschmackssache, Spirituosen haben noch viel höhere Al-

Die Regionen

koholgehalte. Es gab auch 14,5%ige Weine, bei denen der Alkohol sich deutlich bemerkbar machte. Nicht wirklich unangenehm, aber stark genug, um sie nicht in die Spit-

Mit 18 Weinen ist Baden am häufigsten vertreten, ge-

zengruppe vordringen zu lassen.

folgt von der Pfalz mit 12, Württemberg mit 5, Burgund, Franken und Rheingau mit je 4, Ahr und Rheinhessen

Eine eindeutige Korrelation zwischen dem Alkoholgehalt

mit je 3 Weinen.

und der Bewertung gibt es nicht. Das Panel bewertete drei der sechs Weine mit 16, 17 und 18 % relativ nied-

Die Dominanz von Baden und Pfalz verwundert nicht,

rig, 85,5/100 oder weniger. Drei Weine mit 16 % schnitten

denn das sind die beiden Regionen mit dem wärmsten

jedoch exzellent ab mit 90 bis 93/100. Weine mit 15 bis

Klima in Deutschland. Die Weingüter verfügen deshalb

15,5% finden sich querbeet. Auffällig ist jedoch, dass kei-

am ehesten über Erfahrung, wie mit heißen Jahrgän-

ner der fünf Weine an der Spitze mehr als 14,5 % aufweist

gen umzugehen ist. Allerdings gab es auch in Baden

und die beiden Weine mit 17 und 18 % zusammen mit

und in der Pfalz Winzer, die zugaben, dass sie nicht gut

einem 16%igen Wein das Schlusslicht bilden. Allerdings

mit dem Jahrgang 2003 zurechtgekommen sind. Dabei

gesellt sich auch ein 14%iger Wein zu diesen Schluss-

machte ihnen weniger die Hitze als viel mehr die Tro-

lichtern. Der Grund liegt bei diesem Wein also nicht am

ckenheit zu schaffen. Diese Winzer haben deshalb keine

Alkohol. Was ist die Ursache für das relativ schlechte Ab-

Weine zur Verfügung gestellt.

schneiden dieses und weiterer Weine?

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FOTO: ANDREAS HASLINGER

Das bekannte, unbekannte Risiko Kork 2,4,6-Trichloranisol (TCA) ist die bekannteste einer Reihe von phenolischen Verbindungen, die als Korkton bekannt sind. Weitere chlor- und bromhaltige Anisole riechen nicht so penetrant wie TCA, beeinflussen Wein aber ebenfalls stark negativ.

Weit weniger bekannt sind geschmackliche Beeinträchtigungen, die überwiegend erst mit der Reifung und Alterung von Wein in mit Kork verschlossenen Flaschen auftreten. Korken durchfeuchten langsam und laugen im Laufe der Jahre aus. Hohe Alkoholgehalte begünstigen diese Auslaugung, weil viele dieser Stoffe sich besser in alkoholischer Lösung als in reinem Wasser lösen. Schlechte oder verunreinigte Korken können unangenehm riechende und schmeckende Stoffe abgeben. So ist zum Beispiel 1-Octen3-ol (Octenol) eine Verbindung, die ähnlich unangenehm wie TCA riecht und typischerweise auf Schimmel im ausgelaugten Korken zurückzuführen ist.

Geschmacklich besonders auffällig ist die Korkauslaugung bei gereiften Weißweinen. In sehr geringen Konzentrationen schmecken die Weine erdig, nach nassem Herbstlaub, in höheren Konzentrationen von muffiger Pappe bis hin zu stinkendem Bahnhofstunnel. Bei Rotweinen fällt die Korkauslaugung in geringer Konzentration nicht so sehr auf wie bei Weißweinen. Erdige und Herbstlaubnoten werden als die Komplexität bereichernde Aromen gereifter Rotweine wahrgenommen. Einige Spätburgunder wiesen trotzdem eine erhebliche Korkauslaugung auf. Sie trat in der zweiten Runde, nach drei Stunden Luftkontakt, noch deutlicher als in der ersten Runde hervor. Die Konterflaschen bestätigten die niedrigeren Bewertungen wegen Korkauslaugung in drei von vier Fällen.


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Das Aromenprofil

wird das schon lange so gehandhabt. Nötigenfalls wird chaptalisiert, um ca. 13 % Alkohol zu erreichen. Oder wird angesäuert, wenn in zu heißen Jahren die Säurewerte in die Knie gehen. 2003 wurde zum ersten Mal die Ansäuerung in Deutschland zugelassen.

S

Hinzu kommt, dass Spitzenwinzer mittlerweile gepätburgunder/Pinot Noir ist der König un-

lernt haben, die Pflege ihrer Weinberge gezielt an

ter den Cool Climate-Rotweinsorten. Als

heiße und trockene Jahre anzupassen, was ebenfalls

klassisch gelten elegante, eher schlanke bis

dazu beiträgt, den Alkohol zu reduzieren. Trauben

mittelgewichtige, rotfruchtige Weine: Him-

können in heißen Jahren, müssen aber nicht un-

beere, Erdbeere, rote Johannisbeere, Sauerkirsche und

bedingt zum frühestmöglichen Zeitpunkt geerntet

ein Hauch Bittermandel, wie er aus angebissenen

werden. Es spielt auch die innere Dichte der Weine

Kirschkernen kommt. Man spricht von ‚kühler‘ Aro-

eine Rolle, das heißt der zuckerfreie Extrakt, weil

matik. Alkoholgehalte über 13,5 % sind unerwünscht.

er hohen Alkohol geschmacklich ‚puffert‘. Zu hohe

In sehr warmen Jahren steigt der Zuckergehalt in den

Erträge, zum Beispiel durch Bewässerung ohne Er-

Beeren und damit der Alkoholgehalt. Die Weine wer-

tragsreduzierung, reduzieren diese innere Dichte.

den ‚breiter‘, die Säure niedriger und das Aromen-

Bei gleichzeitig hohem Alkoholgehalt wirken diese

profil verschiebt sich in Richtung reifer, dunklerer

Weine unbalanciert und brandig.

Frucht: Schwarzkirsche, Brombeere, Blaubeere, Cassis. Man spricht von ‚reifer‘ Aromatik. Und in rich-

Wer nun denkt, dass in sehr heißen Jahren die Trau-

tig heißen Jahren sind locker 15 % Alkohol und mehr

ben stets problemlos diese physiologische Reife errei-

möglich. Die Weine wirken ‚fett‘ und das Aromenpro-

chen sollten, täuscht sich. 2018 hat das exemplarisch

fil geht in Richtung Zwetschge, Feige, Rumtopf.

sehr deutlich gezeigt. Wenn Hitze und Dürre zusammentreffen, kann der Wassermangel in Verbindung

Die meisten Kritiker goutieren diese ‚überreifen‘,

mit der Hitze dazu führen, dass die Reben den Rei-

‚marmeladigen‘ Spätburgunder/Pinots Noirs nicht.

fungsprozess einstellen und den Stoffwechsel auf ein

Die meisten Konsumenten schätzen dagegen diesen

lebenserhaltendes Minimum reduzieren. Haben die

dunkelfruchtigen, fülligen Stil. Einige Jahre später ist

Reben später im Jahr keine Gelegenheit mehr, diese

die Frucht oft weg und der brennende Alkohol bleibt:

Reifeunterbrechung aufzuholen, weil das Wetter nicht

Sie reifen nicht gut.

mitspielt oder die Zeit nicht mehr reicht, dann können die Weine auch in heißen Jahren die erwähnten,

Mit zunehmender Klimaerwärmung verschärft sich

grünen, unreifen Noten zeigen. 2018 war dies bei vie-

das Problem, wie 1997, 2003 und zuletzt 2019 zei-

len Weißweinen der Fall. Auch bei manchen Rotwei-

gen. Mittlerweile haben die Winzer eine pragma-

nen, allerdings deutlich weniger als bei Weißweinen.

tische Lösung gefunden: einfach genau auf das Mostgewicht schauen, früher ernten und das Aromenprofil bei der Heranreifung genau beobachten. Unreife

Spätburgundertrauben

können

Aromen

Die Reifung auf der Flasche

nach Gras, grünem Paprika oder grün-gemüsige Noten zeigen. Dann kommt eine Reifephase mit

Schon einmal wurden etliche 2003er Spätburgun-

Obst-Aromatik. Trauben können so früh wie mög-

der, die wir in der Verkostung hatten, im gereiften

lich geerntet werden, sobald sie sich geschmack-

Zustand probiert, nämlich 2013. An der 10 Years

lich in der Obst-Phase befinden. Man spricht von

After-Probe des Gault&Millau nahm Panelmitglied

physiologischer Reife. Ganz unabhängig davon,

Patrick Johner ebenfalls teil. Abgestraft wurden

ob sie bereits 95 Grad Oechsle aufweisen, was den

Weine mit derben Tanninen, Alkohol-Imbalance,

erwünschten 12,5 bis 13 % Alkohol entspricht. Im

oxidativen Noten und auch der ‚falschen‘ Aroma-

Burgund, das in der wärmeren Weinbauzone C liegt,

tik, dunkler bis überreifer Frucht.

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Eine „zu derbe Tanninstruktur“ trat bei unserer Verkostung nicht auf. Tannine waren durch die Bank ‚abgeschmolzen‘, der geschmacklich-taktile Eindruck

Das Niveau lag sehr hoch, lediglich vier Weine er-

reichte von seidig-rund bis zu feinkörnig. Es gab auch

zielten weniger als 86/100 Punkte (Median). Acht

keine ‚Biberweine‘, das heißt durch zu intensiven

Weine erreichten 86 bis 89 Punkte, 41 erzielten 90

Holzeinsatz geprägte Weine. Das liegt sicher zum Teil

und mehr Punkte. Das Ergebnis ist auf der einen

an den verstrichenen 16 Jahren. Zudem haben deut-

Seite nicht verwunderlich, weil an der Verkostung

sche Winzer seit den 1980ern erheblich dazugelernt.

überwiegend Spitzenweingüter teilnahmen. Win-

Spitzenwinzer beherrschen mittlerweile den Einsatz

zer, die Probleme mit dem Jahrgang hatten, nahmen

von Barriquefässern hervorragend. Wenn überhaupt,

erst gar nicht teil. Auf der anderen Seite zeigt sich

dann deuten als geschmacksbereichernd empfunde-

überraschenderweise, dass der schlechte Ruf heißer

ne, dezente Asche-, Rauch- oder Specknoten auf den

und trockener Jahrgänge zu Unrecht besteht. Win-

Holzeinsatz hin. Sehr leichte oxidative Noten traten

zer, die bereits Erfahrung mit heißen Jahrgängen im

bei einigen wenigen Weinen auf, machten sich aber

Burgund und in anderen Weinbaugebieten gewon-

nicht wirklich störend bemerkbar.

nen hatten, brachten exzellente Spätburgunder auf die Flasche. Weine, die nicht nur in der Jugend gut

Zu niedrige Säure haben wir nicht festgestellt. Einige

schmecken, sondern gut gereift sind und auch noch

Weine wiesen durchaus packende Säure auf. Welcher

nach 16 Jahren wunderbar dastehen und sich mit

Winzer angesäuert hat, lässt sich im Nachhinein nicht

großem Genuss trinken.

mehr eindeutig feststellen, da zum Teil die jüngere Generation übernommen hat oder die entsprechen-

Die Rezeption solcher Weine aus heißen und tro-

de Dokumentation fehlt. In keinem Fall wurde jedoch

ckenen Jahrgängen ist allerdings sehr verschieden.

eine kräftige Säure als unangenehm empfunden. Im

Während Kritiker überwiegend den klassischen,

Gegenteil, sie trug zum Eindruck von Frische bei, vor

schlanken, rotfruchtigen Pinot Noir-Stil mit sehr

allem bei den Weinen mit kräftiger, dunkler Frucht.

moderatem Alkoholgehalt bevorzugen und hoch bewerten, ziehen Konsumenten meist den kräfti-

Die „falsche“ Fruchtaromatik zeigte sich dagegen bei

gen, dunkelfruchtigen Stil mit höherem Alkohol-

einer Reihe von Spätburgundern. Die Rumtopfaromen

gehalt vor.

der hochprozentigen Weine machten sich negativ bemerkbar. Dabei machten sich weniger die Aromen,

Die Verkostung hat gezeigt, dass hoher Alkoholge-

sondern eher der hohe Alkoholgehalt dieser Weine

halt und superreife Frucht hoher Qualität nicht im

negativ bemerkbar. Einige Weine mit 14,5 bis 16 %

Wege stehen, insofern ausreichend Säure als Balance

und den gleichen superreifen Fruchtaromen schnitten

für Frische sorgt. Außerdem muss der Wein genü-

exzellent ab, weil genügend Säure Frische und Balan-

gend innere Dichte als weiteren ‚Puffer‘ für den ho-

ce in den Wein brachte und die substanzielle Dichte

hen Alkoholgehalt aufweisen. Ausreichend zucker-

den Alkohol zusätzlich ‚pufferte‘.

freier Extrakt, um diese Dichte zu erhalten, ist mit hohen Ernteerträgen allerdings nicht zu erzielen.

Das Fazit

Ein unterschätztes Problem ist die Korkqualität. Schlechte oder verunreinigte Korken laugen aus und

An vier Terminen im Juni und Juli 2019 wurden 53

können selbst ursprünglich exzellente Weine stark

Spätburgunder verkostet. 49 aus Deutschland und vier

beeinträchtigen. Vor allem bei Weinen, die für eine

zum Vergleich aus dem Burgund. Alle Weine wurden

längere Lagerung vorgesehen sind, sollte unbedingt

zunächst blind und erst in einer zweiten Runde offen

auf beste Korkqualität geachtet werden. n n n

verkostet.

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Bordeaux 2018 Ein JahrhundertJahrgang? AUTOR: HEIKO T. TAUDIEN

Dieser Artikel ist sowohl dem erfahrenen Weinliebhaber als auch dem Kaufinteressenten von hochwertigen Bordeaux Weinen gewidmet. Mit großer Sorgfalt habe ich mich nach dem Besuch der Bordeaux En Primeur-Woche im letzten Jahr bemüht, Hintergründe sowohl im Weinbau als

FOTO: WEINFEDER ARCHIV

auch in der Vermarktung der besten Weine in einem so faszinierenden wie herausfordernden Jahrgang 2018 zu beschreiben. Wieder einmal sprechen der Weinhandel und nicht wenige Journalisten von einem Jahrhundertjahrgang.


I

51

st dabei der Wunsch der Vater

sollte man sich von allen Einfluss-

Personal am Wochenende des plötzli-

des Gedankens? Für die erfolg-

faktoren trennen, die im Lauf der Zeit

chen Mehltauausbruchs verhinderte. Es

reiche Vermarktung braucht der

vergleichsweise konstant bleiben. Zum

hört sich banal an, aber diese Bemer-

Fachhandel Jahr für Jahr eine

Beispiel die Handschrift eines Weinguts

kung wurde so häufig gemacht, dass ich

besondere Story. Dabei hilft natürlich

oder auch die charakteristischen Noten

es nicht unerwähnt lassen möchte.

die Hoffnung auf einen Jahrhundert-

von entsprechenden Rebsorten.

Château Palmer

jahrgang. Vorab bemerkt: Ich konnte Weine mit wunderbarer Konzentration,

Ein Faktor ist in den Breitengraden des

Frische, klaren und feinen Aromen sowie

Bordeaux jedoch prädestiniert für ein

Thomas Douroux von Château Palmer

großer Tannindichte bei mittleren bis

erstes Indiz für einen Jahrhundert-

berichtete, es sei der schlimmste Aus-

hohen Alkoholwerten verkosten. Diese

wein: das Klima. So unbeeinflussbar es

bruch von Mehltau seit 40 Jahren ge-

Eigenschaften erfordern ein sehr gutes

selbst ist, so außergewöhnlich ist sei-

wesen. Palmer musste den größten

Traubenmaterial. Ebenso bedarf es wie

ne Wirkung in Bezug auf den Wein. Nur

Ernteverlust seit Jahrzehnten mit ei-

in einem nachfolgend beschriebenen

wenn optimale klimatische Bedingun-

nem Ertrag von nur elf Hektolitern pro

besonderen Weinjahr intelligenter An-

gen herrschen und den Rebstock schon

Hektar hinnehmen, verglichen mit er-

sätze in Bezug auf Extraktion und Fer-

beim Ausbilden der Beeren unterstüt-

warteten 35 Hektolitern pro Hektar. Ein

mentation des Lesegutes. In den Kellern

zen, können Winzer ihren hohen Qua-

solches Niveau entspricht fast der Pro-

war das sicherlich nicht einfach, denn

litätsanspruch noch übertreffen. Wein,

duktion von Sauternes! Château Palmer

einen wirklich über alle Zweifel erha-

so viel ist sicher, entsteht daher stets im

erlitt keineswegs allein dramatische

benen, balancierten Wein herzustellen,

Wechselspiel des Winzers mit der Natur.

Ertragseinbußen, auch Château Pon-

war eine Herausforderung.

Bei maßgeblichem Tannin (in vielen

tet-Canet verarbeitete nur ein Drit-

Klimadaten 2018 im Winter und im Frühjahr

Fällen auf Rekordniveau, gemessen am

tel der normalen Produktionsmenge. Die Ausfälle bei diesen beiden Gütern sind sicherlich die dramatischsten und

IPT-Index) und eher hohem Alkohol-

Die Klimadaten für das Jahr 2018 im

können

gehalt kann man sich fragen, wie sich

Bordeaux zeigen einen außergewöhnli-

schem Weinbau zugeschrieben wer-

die Weine entwickeln werden. Trotz der

chen Verlauf. Der Winter war sehr nass.

den. Im Wesentlichen verzichten die-

erwähnten jugendlichen Frische bleibt

konkret gab es zwischen Dezember 2017

se Weingüter auf ihre Flexibilität für

die Frage, ob der Säuregehalt ausreicht,

und Mai 2018 über 800 Millimeter Nie-

ihre Philosophie. Die Mehltauattacken

um längerfristig eine Balance aus allen

derschlag, was dem durchschnittlichen

waren nicht nur auf Médoc und Marg-

Komponenten zu schaffen. Es ist nicht

Wert eines ganzen Jahres in der Regi-

aux beschränkt. Auch Weingüter wie

überraschend, dass viele Weingüter die

on entspricht. Durch diese nassen und

Smith-Haut Lafitte in Pessac-Léognan

Fassproben weitaus kühler als üblich

auch kalten Bedingungen verzögerte

verzeichneten Verluste von bis zu 40 %

servierten, da niedrigere Temperaturen

sich der Austrieb der Reben. Der Früh-

des üblichen Ertrages.

die Wahrnehmung am Gaumen kom-

ling blieb nass und kühler als in einem

pensieren können.

durchschnittlichen Jahr und im späten Frühling bzw. Frühsommer entwickel-

Was macht einen Jahrhundertwein aus?

deren

biologisch-dynami-

Klimadaten im Sommer 2018

te sich ein starker Befall von Mehltau. Viele Weingüter berichteten über eine

Ab Juli war die Gefahr von Mehltau vo-

eher normale Frühjahrsarbeit im Wein-

rüber und es setzte ein heißer, trocke-

Eine Beschreibung für das zu finden,

berg. Von größerer Relevanz war das

ner Sommer ein. Trotz der Regenfälle

was einen Wein zum Jahrhundertwein

Zeit- und Personalmanagement, denn

im Winter und Frühjahr litten die Reben

macht, ist nicht einfach. Professionel-

bei vielen Winzern kam es zu Perso-

unter erheblichem Wassermangel. In

le Verkoster und erfahrene Weinlieber

nalengpässen, um den Mehltau ausrei-

der Folge entwickelten sich kleine Bee-

stimmen überein, dass die Entstehung

chend bekämpfen zu können. Das größ-

ren (in einigen Fällen um 20 % kleiner

hochwertiger Genüsse mit unzähligen

te Problem war tatsächlich das extrem

als normal) mit erhöhter Konzentration

Details und Faktoren verbunden ist.

restriktive

Arbeitsrecht,

und dicker Beerenhaut. Die trockenen

Um einen Jahrhundertwein zu finden,

das eine ausreichende Bereitstellung von

und heißen Bedingungen setzten sich

französische

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FOTO: HEIKO T. TAUDIEN

FOTO: HEIKO T. TAUDIEN


53

im August mit wenigen Millimetern Re-

von bis zu 17 Grad entscheidend. Im Ver-

diesbezüglich vielleicht ein bisschen zu

gen fort – einige technische Direktoren

gleich zum Jahr 2003, in dem die Tem-

weit gegangen zu sein. Häufig erhielt

und Winzer bemerkten, dass sie es noch

peraturen bis in die Nacht hoch waren,

ich Hinweise auf niedrigere Gärtempe-

nie so trocken erlebt hätten. Der Unter-

haben die 2018er Weine eine unheimli-

raturen (durch Kühlsysteme gesteuert).

schied zwischen Tag- und Nachttempe-

che Frische, sowohl was die Aromen als

Bei höherer Temperatur würde entspre-

raturen ist zudem eine wichtige Kompo-

auch den Gaumen betrifft, insbesondere

chend mehr Substanz aus den Schalen

nente für den Jahrgang. Werden heiße

für ein so schwieriges Jahr. Der zwei-

extrahiert, sodass mit niedrigerer Tem-

Tage durch kühle Nächte ausgeglichen,

te Faktor, der den Jahrgang 2018 prägt,

peratur eine sanftere Extraktion ange-

bleiben Aromen und Frische erhalten.

betrifft die Tannine. Diese liegen in den

strebt wird. An diesen Entscheidungen

meisten Fällen auf Rekordniveau, ge-

sieht man die Faszination der Rotwein-

Lese 2018

messen am IPT-Index, und dies ist auf

bereitung: Eigentlich geht es nur um die

die geringe Größe der Beeren und die di-

optimale Verarbeitung der Trauben und

cken Häute zurückzuführen.

trotzdem erfordert es eine sehr komple-

Für die meisten Güter im Médoc begann

xe Entscheidungskette.

die Lese der jüngeren Merlot-Reben be-

Vollreife Trauben des Cabernet Sauvignon

Die Weine des Jahres 2018

Wochen vor dem Cabernet Sauvignon

Faszinierend waren die Trauben des Ca-

Die Weine wiesen durchweg eine dich-

des linken Ufers geerntet. Ein Premier

bernet Sauvignon, die erstmalig mit ei-

te Textur auf, generell eine positive Ei-

Cru Classé B-Winzer berichtete, dass die

nem potenziellen Alkohol des Merlot

genschaft. Dennoch hatte man bei eini-

Kerne der Trauben bereits Ende August

geerntet wurden – normalerweise sind

gen den Eindruck, dass diese Dichte die

braun wurden – ein Zeichen dafür, dass

es zwei Volumprozent Alkohol weniger.

Präzision und den Trinkfluss ein wenig

die volle Phenolreife erreicht wurde und

Der Zuckergehalt in den bemerkenswert

einschränkte. Es war einfach, sich von

der resultierende Wein besonders feine

kleinen Beeren sorgte in vielen Weingü-

Konzentration, jugendlicher Frische und

Tannine aufweisen sollte. Seine Ernte

tern des Médoc für Alkoholhöchstwer-

ausgeprägten Aromen beeindrucken zu

begann am 17. September mit dem Mer-

te bei Cabernet Sauvignon. Im Château

lassen, doch die Alterungsfähigkeit eines

lot und endete am 12. Oktober mit Ca-

Calon Ségur konnten wir einen beein-

Weins hängt auch von seinem Gleichge-

bernet Franc und Cabernet Sauvignon.

druckenden Wein des Jahres 2018 ver-

wicht ab – der Balance. Dazu prüft man

Sein direkter Nachbar merkte an, dass

kosten, der einen Alkoholgehalt von 14,9

bei Fassproben die Weine bezüglich Tan-

die Trauben schnell reiften und somit

% aufwies, im Vergleich zu 13,8 % des

nin, Struktur, Säure, Fruchtdichte und

saubere Primäraromen zeigten. Er ern-

Jahrgangs 2014. Alkohol an sich ist in

Reinheit.

tete später, um eine komplexere Aroma-

der Weinbereitung nicht problematisch,

tik zu ermöglichen. Glücklicherweise ist

wenn er sich im Gleichgewicht zu Frucht

Bei so üppiger Frucht in diesem Jahr-

ihm dies gelungen, ohne den Zucker-

und Süße befindet. Bei hohen Alkohol-

gang 2018 fragte ich mich, ob die Wahr-

bzw. Alkoholgehalt maßgeblich zu erhö-

werten, kleinen Beeren mit reifen Tan-

nehmung der Tannine korrekt war, da

hen. Geerntet wurde an einem einzigen

ninen und vollen Farben wird jedoch

sie durch das Volumen an komplexer

Tag, dem 5. Oktober.

reichlich und schnell aus den Schalen

Frucht und Alkohol überschattet wer-

extrahiert. Viele Weingüter reduzierten

den können. Ich glaube nicht, dass es in

Kleinere Beeren

das Umpumpen bzw. Untertauchen, da

diesem Jahrgang einfach war, langfristig

sie sich der Gefahr der übermäßigen Ex-

sehr bedeutende Weine herzustellen.

reits Mitte September und endete in der ersten Oktoberwoche. Der Merlot reift

früher und wird deshalb oft bis zu zwei

Mehltau war nur für einen Teil der Men-

traktion bewusst waren.

Weine von Weltklasse

genreduzierung verantwortlich, maßgeblich waren auch die kleineren Beeren aufgrund des trockenen Sommers. Zwei

Hinweise auf niedrige Gärtemperaturen

wichtige Faktoren trugen dazu bei, die

Spektakuläre Weine wurden sowohl am rechten Ufer (Pomerol und St.-Émili-

Fruchtintensität im Jahr 2018 auszuglei-

Der technische Direktor eines der füh-

on) als auch im Pauillac erzeugt, mit den

chen. Zum einen war die Verschiebung

renden Weingüter des Bordeaux merk-

Weinen von Cheval Blanc, Lafleur, La-

zwischen Tag- und Nachttemperaturen

te vertraulich an, er habe das Gefühl,

tour und Lafite. Während der Verkostung

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Fazit

samten Jahrgangs etwas anderes. Kann

en überlegten wir immer wieder, ob der

man den neuen Jahrgang 2018 mit einem

Cheval Blanc 2018 einer der besten Wei-

Jahrgang aus der Vergangenheit verglei-

2018 gab es potenzielle Jahrhundert-

ne ist, den wir je getrunken haben. Au-

chen? Dies ist nicht einfach. Dichte und

weine wie zum Beispiel Cheval Blanc,

ßergewöhnliche Weine fanden wir unter

Struktur erinnern mich in den besten

Lafleur und Latour und ebenfalls nicht

anderem auch in Margaux auf Château

Beispielen an das Jahr 2010, gepaart mit

wenige beeindruckende Weine. Den-

Palmer und in Pessac-Léognan auf Châ-

Frische, Finesse und Präzision des Jahres

noch kann man meines Erachtens nicht

teau La Mission Haut-Brion. Wir stellten

2016 und einer Qualität der Tannine, die

von einem Jahrhundertjahrgang spre-

während der Verkostung eine Reife fest,

im Jahr 2015 insbesondere am rechten

chen, allerdings ohne Zweifel von einem

jedoch ist Jahrhundertqualität eines ge-

Ufer zu finden war.

sehr guten Jahr 2018. n n n

FOTO: HEIKO T. TAUDIEN

mit einigen Kollegen aus Großbritanni-


Komplexe Rotweine von kalkigen Riffs AUTOR: PETER W. SCHNEIDER

In der Region Ribera del Duero in Nordwestspanien werden Rotweine auf hohem Niveau erzeugt, die eine gut austarierte Balance zwischen Moderne und Tradition bieten.

FOTO: BODEGAS EL LAGAR DE ISILLA


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Wenn man von Madrid über die kastilische Hochebene Richtung Norden fährt, vermittelt sich durchaus das Gefühl von Reduktion, ja von Kargheit. Die rauen

W

ie oft in Spanien haben die Rebstöcke der hier vorherrschenden hier

Sorte

meist

Tinto

Tempranillo

Fino, ge-

nannt, ein geradezu biblisches Alter, 100 Jahre und mehr sind keine Seltenheit. Sie wachsen auf

Winter – bis zu zehn Minusgrade – und

unterschiedlichen, durch die diversen Höhenla-

die bis zu 40 Grad heißen Sommer, ver-

gen bedingt, kalkigen und sandigen Böden, aber

bunden mit viel Trockenheit, sind typisch für dieses Kontinentalklima. Die Höhen-

auch rötlich gefärbten Lehmböden, insgesamt ca. 23.000 Hektar. Die alten Stöcke sind ein ampelografischer Schatz, der so richtig erst seit etwa

lagen klettern von 600 bis auf über 1.000

30 Jahren gehoben wird. Obwohl es in dem Gebiet

Meter Meereshöhe, das Landschaftsbild

schon eine lange, hauptsächlich durch Klöster

wird über weite Strecken von Pinienwäl-

aufrechterhaltene Weinerzeugung gibt, geriet der Landstrich ein wenig in Vergessenheit.

dern, Olivenhainen und Sonnenblumenfeldern bestimmt. Irgendwann schieben sich die Riffe mächtiger Kalkberge ins

Im 19. Jahrhundert wurde wieder vermehrt Getreide angebaut und die Winzer lieferten ihre Erzeugung oftmals im Fass an Genossenschaften.

Gesichtsfeld und ein kleines Flüsschen

Die Qualität war solide, aber nicht bemerkens-

– der Duero – wird überquert. Ab jetzt

wert. Nur einige Edelweingüter wie Vega Sicilia

wird die Straße durch die Autonome Re-

konnten sich schon früh im letzten Jahrhundert als Premiummarke positionieren. Doch ab etwa

gion Kastilien und Léon von Aranda del

1980 kam Bewegung in die Region: Große In-

Duero (Provinz Burgos) bis zur Groß-

vestitionen, oft auch von außerhalb, wurden auf

stadt Valladolid (Hauptstadt der gleich-

breiter Front getätigt, seit 1982 gibt es die D. O. Ribera del Duero, das Weingut Protos war hier

namigen Provinz), also im westlichen

Namenspate. Weltweit renommierte Weinkriti-

Teil des Anbaugebiets, hauptsächlich

ker wie Robert Parker entdeckten die Weine und

von eher bescheidenen Ansiedlungen, Rebstöcken, alten Festungen und Kir-

die Pioniere - hier sei Alejandro Fernandéz mit seinem Weingut Pesquera genannt – der Region. Heute kostet ein Hektar bestockte Fläche bis zu

chen gesäumt. Allerdings findet sich nun

100.000 Euro. Die Zahl der Güter wuchs rasch von

entlang der „Ruta del Vino del Ribera del

einst zehn auf derzeit fast 300 Betriebe. Man-

Duero“ eine hohe Dichte von Weingütern mit teilweise imposanten Gebäuden.

che befinden sich außerhalb der Ortschaften und glänzen mit futuristischem Design wie die Bodegas Aalto oder Valdemonjas.

In den Rotweinen muss zu 75 % Tempranillo enthalten sein, gelegentlich findet sich Cabernet Sauvignon oder Merlot zur Abrundung der Cuvée. Die Nomenklatur folgt der bewährten spanischen Einteilung mit Joven, Crianza, Reserva und Gran Reserva, doch nicht wenige Güter verzichten auf diese Bezeichnungen, was legitim ist. Viele unterscheiden, gerade im Premiumbereich, eher nach Parzellen und Lagen, die auch separat vermarktet werden. COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


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FOTOS: WEINFEDER ARCHIV

Es gibt hier fast nur Rotwein, von eini-

September bis Mai häufig Frostgefahr.

gen ordentlichen Rosados oder Weiß-

Die Sorte treibt jedoch spät aus, ist also

weinen aus der säurereichen Sorte Al-

gut an dieses Klima angepasst.

billo abgesehen. Die Qualität fast aller verkosteten Weine war beeindruckend.

Da die meisten Betriebe durch große In-

Dies liegt natürlich in erster Linie an

vestitionen und Neugründungen tech-

der Sorte Tempranillo aus den oft al-

nisch auf neuestem Stand sind, finden

ten, wettergegerbten Anlagen, zumeist

auch Anbau, Ernte und Weinbereitung

in Gobelet-Erziehung. In vieler Hin-

auf hohem Niveau statt. Aufwendige

sicht ist sie eine ideale Rotweintraube,

Laubarbeit, Handlese in kleinen Gebin-

deren Weine manchmal bis zu 15 Vo-

den und penibles Sortieren der Trauben

lumprozent Alkohol enthalten. Aus-

sind Standard.

gestattet mit prägnanter Frucht nach roten und dunklen Beeren, mit gele-

Der Durchschnittsertrag ist mit 4.000

gentlichen Gewürznoten, verfügt sie

Kilogramm pro Hektar eher niedrig.

auch über ein zwar hohes, aber nicht

Die Vergärung findet im Edelstahl, aber

aufdringliches

für

auch in hölzernen Behältern neuester

gute Struktur sorgt. Die hohen Tem-

Fertigung statt. Die besten Weine prä-

peraturunterschiede zwischen Tag und

sentieren eine gelungene Balance zwi-

Nacht fördern zudem die Aromenbil-

schen internationaler Rotweinstilistik

dung. Durch das windige und trockene

und regionalem Charakter. Zum Reifen

Klima gibt es kaum Fäulnisprobleme,

landen sie immer im Stolz des spani-

allerdings besteht im Anbaugebiet von

schen Winzers, dem zumeist beeindru-

Tanninlevel,

das

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ckenden Barriquekeller mit viel ameri-

duzenten mit tollem Niveau wie Sei Solo,

Die Qualität der Grundzutaten, seien es

kanischer und französischer Eiche. Die

auf der anderen Seite eher traditionell

Fleisch, Käse oder Früchte, war bereits

Ergebnisse sind entsprechend erfreu-

arbeitende Betriebe wie Dehesa de los

seit jeher von sehr guter Beschaffenheit,

lich, wenn auch oftmals nicht gerade

Canónigos. Stilistisch liegen sie alle je-

die Tapas-Kultur ist wie immer hervor-

günstig. 40 Euro und mehr für eine Fla-

doch gar nicht so weit auseinander: Fast

ragend. Doch eine Generation junger

sche im Premiumbereich ist eigentlich

alle Weine verfügen über gute Konzen-

Köche versteht es mittlerweile meis-

die Regel, jedoch gibt es auch Joven-

tration und Dichte, profilierte Struktur

terlich, viel Raffinesse und Innovation

und Crianza-Weine in sehr ordentlicher

mit polierten Tanninen und eine Frucht­

in die Menüfolgen zu zaubern. Vega-

Qualität schon für ca. 10 Euro ab Keller.

ausprägung, die sowohl jung als auch

ner kommen hier etwas zu kurz, doch

gereift ihre Reize entfaltet. Das gefällt

die übrigen Genießer haben sehr häufig

Das Spektrum der Konzepte in der Wein-

dem Einsteiger wie auch dem Kenner.

Grund zur Freude.

herstellung ist breit: auf der einen Sei-

Selbstverständlich passen die Weine, die

te die mit viel Geld, Know-how und

in alle Welt exportiert werden, gut zur

Alles in allem ist Ribera del Duero ein

aufwendigem Marketing entwickelten

spanischen, besonders zur kastilischen

Eldorado für Rotweinfans und Gour-

Weingüter wie die Bodegas Aalto, Biody-

Küche, die in den letzten Jahrzehnten

mets, aber auch für kulturell interes-

namiker wie Marta Maté, Selfmade-Pro-

erhebliche Fortschritte gemacht hat.

sierte Besucher. n n n

Weiterführende Links zum Consejo Regulador: • www.riberadelduero.es zu einer Auswahl von empfehlenswerten Weingütern: • www.martamate.com • www.valdemonjas.es • www.bosquedematasnos.es • www.bodegasnabal.com

• • • • • • • •

www.balbas.es www.dominiodeatauta.com www.dehesadeloscanonigos.com www.seisolo.es www.garmoncontinental.com www.pagodecarraovejas.com www.vinoslaveguilla.com www.lagarisilla.es

zu Übernachtungsmöglichkeiten: • www.castillatermal.com

FOTO: PETER W. SCHNEIDER


HEIKE PHILIPP (FOTO: RESTAURANT PHILIPP)

Phänomenales Franken: „Philipps“ Philosophie AUTOR: DR. MARTIN SACHSE-WEINERT


Zugegeben: Aufgrund des „F“ in Franken ist die voranstehende Alliteration nicht ganz konsequent. Äußerst konsequent dagegen dokumentiert sich die Philosophie von Heike und Michael Philipp in der Durchsetzung höchster

D

iesem Prinzip zugute kommen die enge Zusammenarbeit sowie das blinde Vertrauen des Ehepaars zueinander: Während Michael in der Küche regionale und saisonale Pro-

dukte mit französischem Flair kreiert, berät seine Frau Heike die Gäste bei der Wahl des Weins oder hat die

Qualitätsstandards in ihrem Restaurant (und

passende Weinbegleitung bereits ausgesucht. Außer-

Hotel) „Philipp“ in Sommerhausen vor den

ihres Fachs sind.

Toren Würzburgs. Dort betreiben die beiden in einem über 400 Jahre alten Renaissance-Pa-

gewöhnlich dabei ist, dass beide ausgewiesene Meister

Michael Philipp, der Spitzenkoch Michael ist seit 2003 Mitglied bei den Jeunes Restaurateurs d’Europe, was bereits per se seine innovative

lais ein Gourmet-Eldorado, das – man möge

Kochkunst auf höchstem Niveau belegt, ist deren Mot-

sich von der Richtigkeit dieser Ankündigung

gleichen Jahr (und seitdem kontinuierlich wieder) wur-

auf der Homepage bei einem Besuch selbst

to doch „Leidenschaft für die Spitzengastronomie“. Im

de ihm ein Michelin-Stern verliehen; damit zählt sein „Philipp“ zu den 14 auserwählten Restaurants, die sich derzeit mit dieser Auszeichnung in Franken schmücken dürfen. Dabei soll eine Besonderheit nicht unerwähnt

überzeugen – geprägt ist von der „Harmonie von Speisen und Wein“.

bleiben: Michael ist der einzige „Genussbotschafter“ für „Bayerisches Rindfleisch g. g. A.“, also mit geschützter geografischer Angabe, in Deutschland. Quasi als „Diplomat“ ist es ihm daher ein besonderes Anliegen, seinen Gästen qualitätsvolles bayerisches Rindfleisch in seinen vielfältigen Koch-, Gar- und Brat-Methoden äußerst geschmackvoll nahezubringen. Wer die Gelegenheit hat, ihn häufiger zu besuchen, sollte jedoch unbedingt auch seine Fisch- und Wildgerichte probieren: Auch sie belegen Kochkunst vom Feinsten – eben sternereif.

Heike Philipp, die Star-Sommelière In wunderbarer Symbiose zu diesen Speisen stehen die von seiner Frau Heike ausgewählten Weine aus dem unmittelbaren fränkischen Umfeld, aber auch aus weiteren deutschen und international renommierten Regionen. Als Diplom-Sommelière der Unabhängigen Interna-


61

tionalen Weinakademie (UIW) ist es ihr ein Anliegen,

angenehmer gestalten, ist das Fazit von Heike Philipp

für jedes Gericht den passenden Wein zu wählen – aber

leicht nachvollziehbar: „Uns war nie langweilig und uns

eben auch im Gespräch mit dem Gast dessen Vorlieben

ist auch nicht die Decke auf den Kopf gefallen, während

und Erwartungen zu erfüllen oder sogar zu übertreffen.

wir geschlossen hatten.“

Dabei erlaubt sie sich, mit ihren umfassenden Kenntnissen und großem Einfühlungsvermögen auch einmal

Vor allem seit dem Zeitpunkt, als das Datum für die

abweichende Vorschläge zu machen, um neue Perspek-

Wiedereröffnung auf den 3. Juli terminiert war, steiger-

tiven aufzuzeigen und den Horizont zu weiten, was im-

ten sich die vorbereitenden Arbeiten erneut. Es wurde

mer wieder zu überaus positiven Überraschungen führt.

wieder eingekauft und die Mitarbeiterinnen und Mitar-

Dieses nicht selbstverständliche Vermögen wurde im

beiter bereiteten sich auf die anstehende Sommersaison

aktuellen Jahr auch dadurch gewürdigt, dass Heike vom

vor. Kurz: „Brühen wurden gekocht und Saucen ange-

„Schlemmer-Atlas“ zur „Sommelière des Jahres 2020“

setzt und Silber poliert und …“

gekürt wurde.

Die Weinkarte

Ein Restaurant in Zeiten von Corona …

Die Weinkarte im „Philipp“ orientiert sich am Geschmack des kongenialen Duos, wobei die Wahlheimat

Natürlich war auch das Restaurant „Philipp“ betroffen

Heikes (die geborene Heilbronnerin lebt seit nunmehr

von den Regelungen bzw. Einschränkungen während des

20 Jahren in Franken) den Keller prägt – durchaus zu

strengen Lockdowns in Bayern und Deutschland. So blie-

dessen Vorteil: „Es erfüllt mich mit Freude, dass sich

ben Einnahmen während dieser Zeit aus. Wer glauben

qualitativ so viel getan hat in Franken und Deutsch-

würde, dies sei zugleich mit weniger Arbeit verbunden

land überhaupt. Alle Winzer kennen wir seit langer Zeit

gewesen, der täuscht sich: Während der Schließung wur-

persönlich und mit einigen pflegen wir enge Freund-

den viele administrative und organisatorische Aufgaben

schaften. Ich versuche auch, mit meinen Mitarbeitern

erledigt, die im üblichen Berufsalltag manchmal auf der

die Winzer regelmäßig vor Ort zu besuchen. Für uns ist

Strecke bleiben und nun, nach der Öffnung, den Gästen

es wichtig, die Menschen und Geschichten hinter dem

wieder zugute kommen. Im Homeoffice hat sich Heike

Produkt zu kennen, um sich damit auch identifizieren

Philipp in diesen Wochen weiterhin kontinuierlich via

zu können.“

Mail um Reservierungen und Stornierungen gekümmert und dabei häufig auch Zuspruch leisten müssen, ja sogar

Dass diese Philosophie, die sich nicht nur auf fränkische

Weinempfehlungen telefonisch und online gegeben.

Weine beschränkt, durchaus erfolgreich ist, dokumentieren die Reaktionen der Gäste. Geht man davon aus,

Zudem

wurde

das

Reservierungsbuch

auf

einen

dass gerade ein Restaurant, das sich auf solch hohem

Cloud-basierten Kalender umgestellt, um damit in Zu-

Niveau präsentiert und dafür permanent ausgezeichnet

kunft Arbeitszeit zu sparen bzw. effektiver arbeiten zu

wird, häufig auch von Wein-Connaisseuren mit höchs-

können. Heike Philipp: „Das hatte ich lange vor, aber so

ten Erwartungen und ausgeprägten Degustationser-

etwas klappt nicht während des laufenden Geschäfts, da

fahrungen besucht wird, so mag es vielleicht verwun-

ist einfach keine Zeit und Ruhe dafür.“

dern, dass dennoch so viele offen für die Empfehlungen Heikes sind und sich auf ihre Weinauswahl zum Menü

Darüber hinaus nahm sie an Online- bzw. Zoom-Tas-

einlassen. Sie selbst sagt dazu: „Ich versuche immer,

tings teil, um sich auch während dieser Zeit fortzu-

eine harmonische Allianz zwischen den liebevoll kre-

bilden oder selbst Anregungen geben zu können. Auch

ierten und angerichteten Gängen meines Mannes und

als Ausbildungsbetrieb konnte sich das „Philipp“ zwi-

den sorgsam von mir ausgewählten Weinen herzustel-

schenzeitlich weiter profilieren, denn die beiden Aus-

len. Wenn das beim Gast so ankommt und auch so ver-

zubildenden wurden auch während der Schließung auf

standen wird, ist das das schönste Lob für mich. Das ist

ihre Prüfungen vorbereitet. Da zeitgleich Michael Phi-

wahrscheinlich unser Erfolgsrezept und der Punkt, der

lipp mit diversen Renovierungen und Verschönerun-

uns so authentisch macht. Es ist überall 100 % Heike

gen beschäftigt war, die zukünftig den Aufenthalt noch

und Michael Philipp im Glas und auf dem Teller.“

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Die Weinbegleitung zum Sommermenü (Menü „Classique“) Amuse bouche || Gelbschwanzmakrele „Togarashi“ ||

(Avocado / Papaya / Bergamotte) ||

der betreten, wir möchten fast sagen: Der Genießer „muss“ das Restaurant wieder besuchen, denn ihn erwartet ein köstliches Programm.

Auch wenn wir noch nicht selbst testen konnten, trauen wir uns die Empfehlung auszusprechen: So-

Hausgemachte Pansooti & rote Garnele

wohl unsere bisherigen Erfahrungen bei Heike und

(Krustentiernage / Kopfsalat / Estragon)

Michael Philipp als auch die Tatsache, dass wir ei-

|| Bretonischer

Seeteufel „von kleinen Schiffen“

(Tomate / Taggiasca-Olive / Kapern / Fenchel) || Das

Beste vom Salzwiesen-Lamm aus Husum

(Wildkräuter-Graupen / Tropea Zwiebeln / Bergpfeffer) ||

Seit dem 3. Juli kann der Gast das „Philipps“ wie-

Roquefort (Kirsche

/ Süßholz / Früchtebrot)

nige der empfohlenen Weine bereits kennen, zudem die umfänglichen Arbeiten während der zurückliegenden Schließung – all dies berechtigt zur Überzeugung, ab sofort wieder Spitzenküche und Top-Weine in Sommerhausen genießen zu dürfen.

Korrespondierende Weine: Sollten die voranstehenden Zeilen den Eindruck er|| 2019 Gelber Muskateller (WG Brügel)

weckt haben, wir würden uns darauf freuen, bald

|| 2018 Retzstadter Langenberg „Der Schäfer“ (WG R. May)

wieder in Sommerhausen einen wunderbaren Abend

|| 2017 Sommerhäuser Reifenstein (WG A. Steinmann)

verbringen zu dürfen, so täuscht dieses Gefühl nicht:

|| 2011 Remelluri, Reservam (Bodejas Remelluri) || 2014 Banyuls Rimage (Abbè Rous) || 2016 Les trois schistes (Domaine der Montgilet)

FOTO: RESTAURANT PHILIPP

Essen und Trinken, Genießen auf höchstem Niveau – wer will dies nicht, vor allem nach den zurückliegenden Zeiten. n n n


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„Wetten, der schmeckt“ Thomas Gottschalk gibt es bald auch als Wein AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD (FOTO: „© SUPERBASS / CC-BY-SA-4.0 VIA WIKIMEDIA COMMONS“)

A

ltgedienter

Nicht der Wein, sondern die Marke steht im Fokus

Enter-

tainer Thomas Gottschalk

steigt

ins

Weingeschäft

ein.

Ab August sind seine Weine in

Gottschalks langjähriger Wegge-

Deutschland

Discounter

fährte Günther Jauch, unter an-

Netto erhältlich – allerdings zu

derem bekannt als der „Wer wird

einem ambitionierten Preis.

Millionär?“-Quizmaster, ist längst

beim

„Winzer“ (obwohl er nicht so bekön-

zeichnet werden möchte), nennt

nen ihr Idol bald als Wein kaufen:

das Weingut von Othegraven (mit

Der 70-Jährige bringt drei Weine

VDP-Status) in Kanzem an der

unter seinem Namen in den Han-

Saar sein Eigen. Damit nichts zu

del, wie der „Spiegel“ am Sams-

tun haben zwei Weine mit der Be-

tag, dem 17. Juli, berichtete. Er

zeichnung „Günther Jauch weiss“

sei der Richtige für seine eigene

und „Günther Jauch rot“ (gekel-

Weinedition, „weil für den Wein

tert sowie abgefüllt von der Kel-

Thomas-Gottschalk-Fans

das Gleiche gilt wie für mich: Je älter, desto besser“, so

lerei Peter Mertes in Bernkastel-Kues), die seit 2018 bei

der Entertainer im Magazin. „Es gibt natürlich einige, die

Aldi  über die Theke gehen – vormals für 5,99 Euro. heute

mich für ’ne Flasche halten. Dann passt’s auch wieder.“

für „nur“ 4,99 Euro, somit rund zwei Euro günstiger als

Gleichzeitig räumte Gottschalk ein, er sei „kein Weinken-

Gottschalks Weine bei Netto. Seit Mai 2020 hat Aldi-Süd

ner, sondern Weintrinker“.

auch noch einen halbtrockenen Rosé mit Jauchs Namen zum gleichen Preis im Programm.

Gottschalks EasyWines bei Netto Über den „Winzer-Kollegen“ Jauch sagt Gottschalk, der Gottschalks Weine in den Regalen von Netto stammen

auch schon für Mc Donald´s und Haribo-Gummibärchen

aus seiner Wahlheimat Kalifornien, wo er seit Jahren in

warb: „Wir waren immer Vorbilder füreinander. Ich bin

Malibu lebt. Unter dem Label EasyWines kann der Kun-

seines, was den Job betrifft, Günther ist mein Vorbild

de in Gottschalks Netto-Kollektion auswählen zwischen

als Geschäftsmann.“ Die Bezeichnung „Vorbild“ nimmt

Rot, Weiß und Rosé. Alle drei sind etwas teurer als die

Gottschalk beim Wort: Jauch gibt sein Autogramm fürs

anderen Weine des Discounters, die im Mittel bei drei

Aldi-Etikett her, auf dem bei „weiss“ und „rot“ auch

Euro liegen. Ganze sieben Euro muss der Käufer aus-

noch seine Silhouette auf dem Quizmaster-Hocker zu

geben, um einen Wein von Gottschalk zu erwerben. Auf

sehen war. Gottschalk kopiert das mit seinem Schatten-

dem Etikett ist er in äußerst laxer Pose auf der „Wetten,

riss auf der Couch. Damit ist klar, worum es den beiden

dass“-Couch zu sehen, dazu das allzu vorhersehbare

TV-Granden geht – nicht um den Wein, sondern um die

Wortspiel: „Wetten, der schmeckt.“

Marke. n n n

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FOTO: SWR

Trocken bis lieblich: Radio-Weinmann goes PODCAST AUTOR: WOLFGANG JUNGLAS

Seit über 20 Jahren ist Werner Eckert der „SWR1 Weinmann“: ein Mikrofon-Dino sozusagen. Mit wohlgesetzten Worten bringt er in knapp zwei Minuten aktuelle Weintrends auf den Punkt und lässt die Hörer an seinen Verkostungen lautmalerisch teilhaben. Die kurzen, informativen Weinhäppchen werden regelmäßig im Hörfunk gesendet – der Weinjournalist unterhält damit die Hörer der SWR1 Musikfarbe.


S

65

eit

vergangenem

Herbst

über Klimaschutz: Er kennt sich aus.

seiner Webseite. Etablierte Wein-

produziert auch der Ra-

Als Reporter nimmt er an den inter-

blogger wie der Hamburger Chris-

diomann

nationalen

toph

seinen

Podcast

Weltklimakonferenzen

Raffelt

(„Originalverkorkt“)

„Trocken bis lieblich“. In

teil und erfährt so unmittelbar vor

haben das Hör-Medium ebenfalls

dem Langformat (rund 20 Minuten)

Ort, welche Probleme es bei der in-

für sich entdeckt: Seit 2013 erscheint

befragt Reporter Dominik Bartoschek

ternationalen Verständigung über das

sein wöchentlicher Podcast, in dem

den

im

komplexe Thema gibt. Als Kommen-

er deutsche und internationale Weine

zweiwöchentlichen Rhythmus zu ak-

tator der ARD-Tagesthemen bringt er

vorstellt und Winzer*innen inter-

tuellen Weinthemen: Von Sommer-

seine pointierte Meinung und Ein-

viewt. Zudem produziert er mit dem

weinen über Weinrecht bis zu Rosé-

schätzung zu Umweltthemen ein.

Berliner Blogger Holger Klein ein-

Experten

Werner

Eckert

weinen kommt alles zur Sprache, was

en weiteren Wein-Podcast in des-

für interessierte Verbraucher relevant

Schon vor der Corona-Krise zeichnete

sen Format „WRINT“. Das ist die

sein könnte. Die Radiomacher ver-

sich ab: Podcast ist trendy, in der Al-

Abkürzung für das Gottfried-Benn-

breiten ihren Podcast über die ARD

tersgruppe der 18- bis 30-Jährigen

Zitat „Wer redet, ist nicht tot“. Die

Audiothek – in kurzer Zeit hat sich

nutzen rund 44 % das hippe Medi-

monatlichen,

das öffentlich-rechtliche Hörangebot

um, aktuell hören 29 % der Bundes-

Sendungen zu Weinen angesagter

auf dem deutschen Markt etabliert:

bürger (26 % im Vorjahr) regelmäßig

Weingüter kommen locker und un-

Seit 2017 installierten User rund eine

Podcasts. Die Corona-Krise hat den

terhaltsam daher – das scheint für

Million Mal die App auf ihren Smart-

Trend befeuert: Der NDR-Podcast

das junge Medium typisch zu sein.

phones – über 41 Millionen Abrufe

des Virologen und Charité-Forschers

des umfangreichen Audioangebotes

Christian Drosten wird täglich bis zu

Unter dem Label „Affektiertes Nip-

wurden seitdem insgesamt gezählt.

800.000 Mal abgerufen.

pen hilft nix“ diskutiert Felix Bod-

Zur „special interest wine commu-

mann,

rund

Berliner

einstündigen

Weinblogger,

in

nity“ gehören immerhin einige Tau-

Die weinaffine Community nutzt die

seiner „Blindflug“-Reihe mit dem

send User.

Möglichkeit, Informationen und Un-

Fotografen Sascha Radke alle zwei

terhaltung rund um Wein als digi-

Wochen Weinthemen. Dabei schen-

„Die Ansprechhaltung ist beim Pod-

talen Hörbericht im Netz zu senden,

ken sie sich gegenseitig einen Wein

cast eine andere – wir talken salopper

schon seit Jahren. Über die Plattfor-

zur Blindprobe in ein schwarzes Glas

als bei der klassischen Hörerschaft.

men Spotify und Apple Music werden

– was die Hörer natürlich ohnehin

Podcast wird überwiegend von jun-

sie vertrieben. Zwar sind Wein-Pod-

nicht sehen können.

gen Leuten genutzt“, erklärt der

casts nicht unter den TOP HUNDRED

SWR-Redakteur. Mit seinem Pod-

unter Apple-Apps zu finden: Hier

Auch das Deutsche Weininstitut pro-

cast kann er Weininteressierte auch

führt Christian Drosten. Aber unter

duziert Podcasts: Seminarleiter Man-

außerhalb

SWR1-Hörerschaft

dem Suchfilter FOOD bei Apple findet

uel Bretschi befragt Persönlichkeiten

erreichen. Für die Sommerzeit hat

sich auf Platz 10 der Weinstein-Pod-

der deutschen Weinszene zu ihrer

er eine kleine Serie mit drei Folgen

cast (Erklär-Podcasts für Einsteiger

Arbeit. Die ehemalige württember-

aufgenommen:

zum

von Gymnasiallehrer Jan Eißmann),

gische Weinkönigin Theresa Olkus

Hermann

auf Platz 15 Holger Klein mit WRINT:

trifft sich für das SZ Magazin „Auf

Flaschen.

ein Glas Wein mit …“ mit Promi-

der

Eva

Vollmer

Film „Wein Weiblich“, Hick,

Weinetiketten-Designer

aus

der Pfalz, und den Leitenden Ober-

nenten – das Interview wird als Pod-

staatsanwalt in Bad Kreuznach über

Podcasts sind perfekt für Publizis-

die Aufgaben der Weinkontrolle.

ten, die keinen Hörfunksender ha-

cast gepostet.

ben. Häufig werden Gespräche mit

Die

Werner Eckert steht klar für un-

Winzer*Innen geführt – so zum

so vielfältig wie die deutsche Medi-

abhängigen,

öffentlich-rechtli-

Beispiel bei „Genuss im Bus“, dem

enszene – vom Marketing-Tool über

chen Journalismus. Der Leiter der

mobilen Wein-Podcast von Wolfgang

interessengeprägte Unterhaltung bis

SWR-Fachredaktion

und

Staudt: Er besucht Winzer*Innen und

zu unabhängigem öffentlich-rechtli-

Ernährung“ produziert auch Podcasts

postet die Interviews mit ihnen auf

chem Journalismus. n n n

„Umwelt

Podcast-Landschaft

erscheint

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Shanghai Malu Grape Theme Park – Ort für einen Traubenschock?

In westlichen Augen ist der Chinese zuweilen laut, schmatzt und rülpst beim Essen, liebt Buntes, Edles und lockt zuweilen mit überschwänglichen Versprechungen. Wenn es dann nicht passt, egal. Als Reisender, dessen Gastgeber wissen, dass man auch im Weinbereich aktiv ist, war der Vorschlag, einen freien Nachmittag statt in Shopping-Malls in einem Traubenpark zu verbringen, nicht von der Hand zu weisen. Man ist ja höflich und weiß, dass ein „Nein“ die chinesische Seele kränkt.

FOTO: ARTHUR WIRTZFELD

AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD


67

G

erade jetzt beginnt in Shanghai, ja, Sie haben richtig gelesen, in diesem urbanen Moloch, die Reifephase der Weintrauben. Die Erntesaison steht bevor und Interessierte sind

eingeladen, zuzusehen oder mitzuhelfen. Ja, ein Weinberg und Traubenlese in Shanghai, das hat was. Also auf zum Trauben-Themenpark, einem charakteristischen landwirtschaftlichen Park, so wie Chinesen sich dies vorstellen. Am Eingang ist zu lesen, dass hier wissenschaftliche Forschung, basierend auf staatlicher Förderung, sowie Ausbildung und Erholung geboten werden. Auch einen weiteren Text lasse ich mir übersetzen: „Der Park bietet Besuchern die Möglichkeit, die erstklassigen Trauben und die wunderschöne ländliche Umgebung zu genießen.“

Popularisierung von Traubenwissen

Zweifelhafte Weinqualität Vier Weinsorten stehen zur Auswahl, spucken tut hier keiner – ich mache es trotzdem in ein zweites Glas. Meine Gastgeber und ich sind sicher, dass diese Weine bei den großen Malls der Stadt in den Regalen neben ihren „Billig-Kollegen“ stehen. Ein Führer, der uns begleitet, schwört, dass es sich um Qualitätsweine handelt. Apropos, Trauben kann man hier auch kaufen und mit nach Hause nehmen. Das Kilogramm kostet 60 RMB (rund 7,50 Euro) gegenüber 70 RMB (rund 8,75) im Ladengeschäft in der City. Wir haben dankend abgelehnt.

Nach Durchqueren des Besucherzentrums darf man etwas freier lustwandeln. Die ab hier sichtbaren Weinberge sind allerdings nicht zugänglich. Irgendwie logisch,

Irgendwie steigen in mir Zweifel auf. Der Trauben-Themenpark im Jiading-Distrikt ist sicherlich nur einer von vielen „merkwürdigen“ Themenparks in Chinas Metropolen, in denen Wissen meist auf eine kitschige Art präsentiert wird. Hier soll sich

dass der Parkbetreiber die Rebflächen abriegelt – man stelle sich Menschenmassen vor, die unkontrolliert, ohne fachmännische Begleitung einen Weinberg niedertrampeln.

„Shanghais Quelle für Wissen und Forschung über Trauben vereinen“, sagen meine Gastgeber. Eigentlich ist es ein 2005 gegründetes Weingut, dessen so gepriesene Attraktionen etwa 33 Hektar umfassen. Aus der beim Eintritt ausgehändigten Broschüre übersetzen meine Gastgeber: „Beim Malu-Traubenpark handelt es sich um eine umfassende Basis mit der Funktion der Traubenforschung, Produktion, Pflanzung, Ausbildung und Popularisierung von Traubenwissen“ – aha, verstehe, so eine Art Trauben-Universität.

Geschenkt Und dann kommt sie, wie in allen Themenparks üblich:

die

„Traubenwissen-Popularisierungs-Galerie“,

wo versucht wird, die Geschichte der Traube zu erläutern. Auf die Übersetzung der vielen Textinformationen habe ich verzichtet. Und dann sehen wir einen süßen Esel, der im monotonen Rundgang einen Mahlstein in Bewegung hält. Anschließend finden wir eine Streichel-

Die beschriebenen Funktionen des Parks enden allerdings nach Abschluss der Traubenlese im September, bis dahin sind Besucher ab der Blüte im Frühjahr willkommen. Doch wo ist der Weinberg? Den Boulevard dorthin säumen nervige Händler mit mehr oder weniger „weini-

farm mit Kaninchen, Hasen und Ziegen und noch einen Kinderspielplatz, ein Angebot, das die Kleinen bei Laune halten soll. Für die City-Kids, geboren in diesem Moloch von Stadt, ist das okay – Traubennaschen und Spielen gefällt jedem Kind.

gen“ Souvenirs. Die 30 RMB, umgerechnet 3,75 Euro Eintrittspreis, erscheinen mir eher als vernachlässigbar. Und dann kommt das, was ich schon erwartet hatte: Das Besucherzentrum lässt sich nicht umgehen, die Wegführung gleicht der einer Mall, wie bei Carrefour, also es geht in Menschentrauben nur so dahin, wie es sich der Betreiber gedacht hat. Einen Weinberg zu betreten, ist vorerst nicht vorgesehen – erst sind Infotafeln zu studieren, und es kann Wein aus den Trauben des Parks probiert werden.

„Leider“ war der „Liebesbereich“, bestehend aus Holzbänken unter verflochtenen Reben, an denen köstliche Trauben reifen, noch geschlossen, weil die Trauben noch nicht ganz reif sind, heißt es auf Nachfrage. Mein Eindruck des Ganzen: geschenkt – im wahrsten Sinne des Wortes. Was sollte ich meinen Gastgebern sagen? Ich habe es mit der Wahrheit versucht. Das war auch gut so, denn sie schienen nicht beleidigt zu sein. Sie wissen nun, dass sie mich in solche Themenparks nicht mehr einladen müssen. n n n

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Der Wein ist ein Medium, das einen die Welt erleben lässt, hat der gelernte Konditor einmal gesagt. Fast 40 Jahre lang hat er für den Pfälzer Restaurantführer getestet. Er kannte praktisch jedes Restaurant und jede Weinstube in der Pfalz. Ohne ihn wäre dieser Führer nicht das, was er wurde.

Für seine Artikel und Fotos hat Heinz Feller Hunderte

FOTO: HEINZ FELLER

Winzer, Köche und Gastronomen besucht, hat verkostet, probiert und recherchiert. Dabei agierte er stets unaufgeregt und freundlich. Mit seiner Arbeit hat er das Gastgewerbe und die Welt des Weins bereichert.

Von den Toten nur gut zu reden – de mortuis nil nisi bene –, ist längst zum geflügelten Wort geworden.

AUTOR: HERBERT HEIL

Nachruf auf

Heinz Feller

Gewiss: Zu viel Weihrauch schwärzt den Heiligen, doch Heinz Feller war wirklich ein Mann ohne Fehl und Tadel. Punkt! Ein durch und durch liebenswerter Zeitgenosse. Ein großer Mensch und ein Kollege, der stets Zuversicht und Lebensfreude ausstrahlte. Das mag nach Lobhudelei klingen, ist es aber nicht. Ich kenne ihn seit mehr als drei Jahrzehnten.

– langjähriges Weinfeder-Mitglied gestorben

A

ls Journalist mit den Fachgebieten Wein und Kulinarik war

Er war immer ein Freund, ein charmanter Typ,

Heinz Feller aus Haßloch in der Pfalz ein weithin geschätzter

dessen Gegenwart man schätzte. Und er war ein

Profi und Tester. Sein Fachwissen und seine Fairness wusste

umgänglicher

seine Leserschaft zu schätzen. Er genoss hohes Ansehen. Jetzt

Schreiber, tatkräftig und gradlinig. Er formulierte

ist er im Alter von 85 Jahren an Krebs gestorben.

Mensch,

ein

leidenschaftlicher

auf den Punkt. Schreiben war für ihn Leidenschaft. Auch jenseits der 80 war er oft unterwegs, um über

Heinz Feller, Gründungsmitglied von Weinfeder e.V., dem Verband

Winzer, Köche und Hotels zu schreiben. Er war ein

der deutschsprachigen Weinpublizisten, war bis zuletzt für Zeitungen,

Vielschreiber. Nach dem Tod seiner Frau war er noch

Zeitschriften und Magazine tätig, darunter die Allgemeine Hotel- und

mehr unterwegs als zuvor.

Gastronomie-Zeitung (AHGZ). Zu Spitzenköchen, Restaurateuren und Winzern hatte er einen guten Draht. Wenn es um Wein ging, liebte er es

Den Mittelpunkt seines erfüllten Lebens hatte Heinz

unprätentiös: „Der ehrliche Wein eines bodenständigen Winzers steht mir

Feller bis zuletzt in Haßloch, an der Schnittstelle der

näher als die Kultweine großer Weinmogule.“

beiden größten deutschen Anbaugebiete Pfalz und Rheinhessen – quasi im Epizentrum des rheinland-

Das Interesse für das Thema Wein begann erst in seiner zweiten Lebenshälfte.

pfälzischen Weinanbaus mit seinen wunderbaren

Mit 35 Jahren startete er seine Karriere als Foodjournalist beim Matthaes

Rieslingen. Mit ihm verlieren wir einen erfahrenen

Verlag – Abteilung Konditorei & Café – als freier Mitarbeiter. Nachdem die

Kollegen und lieben Menschen. Als Journalist und

Chefredaktion zur AHGZ wechselte, kam es zu den ersten professionellen

Mensch hat er Zeichen gesetzt, die in Erinnerung

Berührungen mit Wein. Bei unzähligen Reisen und Verkostungen im In-

bleiben werden. n n n

und Ausland lernte Feller den Mythos Wein in all seinen Facetten kennen. COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


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Ein geniales Buch Top-Sommelier Aldo Sohm hat ein grandioses Weinbuch geschrieben AUTOR: HERBERT HEIL

A

uch wer schon zweiein-

All sein geballtes Wissen hat Aldo Sohm

wichtige Anbauregionen, wie probiert

halb Regalmeter an Wein-

jetzt in „Einfach Wein – Der illustrierte

man Wein, wie schult man den Gaumen,

büchern sein Eigen nennt,

Guide“ gepackt. Seine Philosophie und

Aufbau

sollte sich den folgenden

die Herangehensweise an das Thema

Weinproben für Fortgeschrittene, Wein

Band unbedingt zulegen: Titel „Einfach

Wein sind erfrischend ungezwungen

und Essen, wie findet man ein perfektes

Wein“. Das englischsprachige Original

und gerade für jüngere Weininteres-

Paar, wie konserviert man nicht leer ge-

heißt übrigens „Wine Simple“. Autor

sierte besonders zugänglich. Leicht ver-

trunkene Weine am besten, welche Glä-

ist der Top-Sommelier Aldo Sohm. Der

ständliche Sprache, lebendige Texte und

ser eignen sich für welchen Wein und

gebürtige Tiroler stammt aus Inzing bei

anschauliche Illustrationen bieten einen

vieles mehr.

Innsbruck und hat inzwischen in den

Einstieg nach Maß in die Welt des Weins.

USA eine sensationelle Karriere hinge-

Alles schlüssig verpackt, somit auch vi-

„Aldo besitzt einen ansteckenden Ent-

legt. 18 Monate wollte er ursprünglich

suell ein Genuss – benutzerfreundlich

husiasmus“, sagt Eric Ripert, Besit-

in New York bleiben, fast 16 Jahre sind

und inspirierend obendrein.

zer und Chefkoch des „Le Bernardin“.

es jetzt schon.

einer

Geschmacksbibliothek,

Sohm könne sich an jeden verkosteten Der Autor verschwendet keinen Platz für

Wein erinnern und habe einen sechsten

155 West, 51st Street, im teuersten Teil

Namedropping. Schließlich ist sein Buch

Sinn dafür, was der Kunde wolle. „Ich

von Manhattan in Midtown unweit des

kein Kaufführer, sondern ein übersicht-

habe noch nie einen wie ihn getroffen“,

Rockefeller Center, hat er seinen Traum

lich und klar gegliedertes Kompendium

so der Küchenchef weiter.

wahr gemacht: Seit 2007 ist er Somme-

mit fesselnden Kapiteln über Wein mit

lier im New Yorker Spitzen­restaurent

all seinen Facetten. Sohms Darstellung

Fazit: Ein Weinbuch, gleichermaßen für

„Le Bernardin“ (drei Michelin-Sterne).

des Themas ist einfach und didaktisch

Kenner und Novizen empfehlenswert!

Gleich gegenüber betreut er seine „Aldo

hervorragend gemacht. Keine überflüs-

Erfrischend anders, ein blitzgescheites

Sohm Wine Bar“. Trotz dieser Fülle an

sigen, wissenschaftlichen Worthülsen,

Werk mit Informationen und Tipps in

Erfolgen und zahlreicher Auszeichnun-

stattdessen profunde Wissensvermitt-

Hülle und Fülle. Mit anderen Worten:

gen ist der 49-Jährige bodenständig

lung mit gut aufbereiteten Fakten. Alles

Ein Must-have! n n n

geblieben und nach wie vor ein Som-

bleibt locker, unterhaltsam und unprä-

melier aus Leidenschaft. Sohms Missi-

tentiös. Die einzelnen Kapitel sprechen

on: Er will seinen Gästen die Angst vor

für sich: was ist überhaupt Wein, wie

gutem Wein nehmen.

wird Wein gemacht, wichtige Rebsorten,

Aldo Sohm: Einfach Wein – Der illustrierte Guide, Hardcover, 280 Seiten, Prestel Verlag, München, 28 Euro

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70

S

chon mit dem Buch „Vom Einfachen das Beste“ nahm der ehemalige Sternekoch Franz Keller kein Blatt vor den Mund. Er focht vehement für eine bessere, gesündere

Ernährung und verknüpfte das Ganze mit spannend zu lesenden Memoiren. Nun folgt mit „Ab in die Küche!“ Teil zwei des famosen Streiters für eine bessere Ernährungswelt, gerade auch der des Normalbürgers.

Wieder einmal prangert Franz Keller – immer mit Belegen und einer nicht aggressiven Bestimmtheit – die durchkonfektionierte und nur auf Profitmaximierung bedachte Nahrungsmittelwirtschaft an. Diese Industrieproduktion, befeuert von Tausenden Lobbyisten, überschwemmt den Großteil der Verbraucher mit seelenlosen und oft sogar gesundheitsschädlichen Produkten, die oft genug auch noch in Mengen vernichtet werden. Hier analysiert Franz Keller „küchenmesserscharf“, vorurteilsfrei und ohne ideologische Scheuklappen. Als Bio-Tierzüchter richtet er den Fokus besonders auf die unsinnige und wesensverachtende Massenfleischerzeugung und ihre fatalen gesundheitlichen Folgen. Es bleibt nicht nur bei Kritik, denn er zeigt praktikable Visionen einer vernünftigen Revolution im Ernährungssektor auf wie eine „Hochschule der neuen Kochkultur“. Natürlich ist vieles mit oftmals vergnüg-

Manifest und Gebrauchsanweisung für eine gesündere Ernährung

lichen Anekdoten aus seinem intensiven und bewussten Leben „abgeschmeckt“.

Was das Buch jedoch wirklich zu einem praktischen „Küchenutensil“ macht und ein überzeugendes Plädoyer fürs Selberkochen liefert, sind viele Seiten mit

AUTOR: PETER W. SCHNEIDER

wissenswerten, grundlegenden Fakten rund um Naturprodukte, Küchenwerkzeuge und elementare Zubereitungsarten, denen sich Franz Keller ausführlich und profund widmet. Der „Magie der Soße“ ist sogar ein eigenes Kapitel gewidmet. Ein Spektrum an wirklich von allen nachkochbaren schmackhaften Basisrezepten, etwa Kartoffelsalat oder Rührei, einfach und unterhaltsam erklärt, verlockt tatsächlich mit einem sofortigen Impuls zum Gang: „Ab in die Küche!“ n n n

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Authentische Ernährung statt Fake Food AUTOR: HERBERT HEIL

N

Spitzenkoch Franz Keller plädiert in seinem Buch „Ab in die Küche!“ für einen Neuanfang.

ach seinem Bestseller „Vom

den und zu wenig dafür tun, dass sich

felt sich eine zunehmende Zahl der Zu-

Einfachen das Beste“ hat der

diesbezüglich etwas ändert. Er zeigt auf,

schauer offensichtlich Tiefkühlpizza und

frühere

Franz

wie man mit guten Rohstoffen und ein-

Fertigfutter aus der Mikrowelle rein oder

Keller jetzt nachgelegt und

fachen Mitteln gesund und lecker ko-

lässt sich Fastfood durch unterbezahlte

chen kann.

Kuriere vom Lieferservice nach Hause

Sternekoch

ein weiteres wichtiges Buch über Ernährung, gesundes Essen, Versäum-

bringen.

nisse und Schandtaten im Agrarsektor

Für Keller ist die Küche ein besonderer

geschrieben. Dabei geht er mit einem

Ort, den wir wieder mehr zu unserem

Viele Geschichten und Anekdoten aus

Großteil der Verbraucher ebenso wie mit

Lebensmittelpunkt machen sollten. Lei-

seiner bewegten Zeit als Sternekoch

der Politik hart ins Gericht.

der sei dies bei vielen Menschen verloren

würzen dieses Buch. Franz Keller gehör-

gegangen. Arbeit, Hektik, Stress – all

te zu den renommiertesten Sterneköchen

Keller plädiert in seinem neuen Buch „Ab

das habe dazu geführt, dass wir unse-

in Deutschland. Er lernte sein Handwerk

in die Küche!“ für eine Umkehr und for-

re Ernährung quasi wegrationalisiert

bei Kochlegenden wie Jean Ducloux, Paul

dert unter anderem: „Schluss mit Fake

haben. Viele wollen Essen heute mög-

Bocuse oder Michel Guérard und kon-

Food – wir müssen zurück zu einer au-

lichst effizient und ohne große Zeitver-

zipierte als einer der Ersten die „Neue

thentischen Ernährung.“ Und: Wir müs-

schwendung nebenbei erledigen. Seiner

Deutsche Küche“. Dann verabschiedete

sen keine Exportweltmeister für Gemüse

Meinung nach ließen sich moderne Zivi-

er sich aus dem „Sterne-Zirkus“ und

und Fleisch sein. Wir müssen Qualitäts-

lisationskrankheiten wie Burn-out und

verfolgte seine persönliche Philosophie

weltmeister werden. Oder: „Ich wünsche

so mancher Weg zum „Seelenklempner“

in der „Adler Wirtschaft“ in Hattenheim

mir eine Hochschule der nachhaltigen

vermeiden, wenn wir der Zubereitung

im Rheingau. Das Restaurant führt heu-

Kochkultur.“ Er stellt außerdem fest:

und der Aufnahme unserer Nahrung

te sein Sohn, er selbst lebt seinen Traum

„Die besten Lebensmittel haben keine

wieder mehr Raum, Zeit und Aufmerk-

vom Kochen als Genusshandwerk auf

Zutatenliste.“ Keller ist überzeugt, dass

samkeit in unserem Leben schenken. Für

seinem Öko-Bauernhof, dem „Falken-

Essen unsere Lebensgrundlage und Ko-

ihn ist regelmäßiges Kochen eine echte

hof“ im Wispertal.

chen eine Kulturtechnik ist, die jeder

Zufriedenheitsstrategie, es habe ganz

Mensch beherrschen sollte. Eine grund-

viel mit Kreativität zu tun, mit Lust und

Ein gutes Dutzend Rezepte rundet die-

legende Fähigkeit wie Lesen und Schrei-

Leidenschaft. So führe uns das Kochen

sen äußerst lesenswerten Band ab. Es

ben. Im Vorwort seines Buches postuliert

näher zu uns selbst und stelle wieder

wäre zu wünschen, dass er ein breites

er: „Es gibt viel zu tun, fangen wir doch

eine Verbindung zur Natur her.

Leserinteresse findet.

wie wir die Kontrolle über unsere Ernäh-

Keller gibt zwar zu, dass die meisten

Fazit: Keller liefert ein leidenschaftliches

rung zurückerobern können.

Menschen eine gesunde Ernährung fa-

Plädoyer für eine ehrliche Küche und ein

einfach beim Essen an.“ Und er zeigt,

vorisieren, doch leider oft nur in Mei-

radikales Umdenken in der industriellen

Er findet auch, dass die Bevölkerung in

nungsumfragen. Die Realität sieht ganz

Nahrungsmittelproduktion,

vielen Teilen bereit ist für eine Agrar-

anders aus: Mehr als zwölf Prozent der

Meinung nach den Respekt vor den Tie-

und

Gleichzeitig

Deutschen nehmen niemals einen Koch-

ren und Pflanzen verloren hat und den

liest er den Politikern die Leviten, die in

löffel in die Hand. Über ein Drittel kocht,

Menschen krank macht. n n n

Deutschland und der gesamten EU von

wenn es hoch kommt, zwei Mal in der

den starken Lobbyinteressen der Nah-

Woche. Und während die Promiköche in

rungsmittelkonzerne ausgebremst wer-

der Glotze um die Wette witzeln, schau-

Lebensmittelwende.

die

seiner

Franz Keller: „Ab in die Küche!“, Westend Verlag, Frankfurt, 224 Seiten, 24 Euro

COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


PETER W. SCHNEIDER

D

er ambitionierte Weinliebhaber - immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen,

aber auch nach neuen Fakten über sein Lieblingsgetränk - mag zuerst einmal denken: Brauche ich wirklich noch ein Weinbuch und warum?

Doch der Titel „Wein ist Kult!“ von Rudolf Nickenig ist keines der vielen ach so angesagten Publikationen vom x-ten „Topsommelier“, die oft eine recht subjektive Sicht auf das in der Tat momentan kultige Getränk transportieren. Denn Rudolf Nickenig ist nicht irgendjemand, sondern verfügt über jahrzehntelange professionelle Erfahrung in den unter-

Buchbesprechung: Wein ist Kult! Und auch Kultur! Zwei Blicke auf ein Sachbuch von den Autoren

AUTOREN PETER W. SCHNEIDER & WOLFGANG JUNGLAS


73

schiedlichsten Berufsfeldern rund um

sam und mit einer Vielzahl von oft recht

und Gesundheitsexperten bringen zu-

den Wein. So war der Winzersohn etwa

amüsanten Zitaten durch jene Themen,

sätzliche Standpunkte ins Spiel und

Generalsekretär des deutschen Wein-

die sowohl die Praxis als auch die Theo-

eine Fülle historischer Bilder sowie

bauverbandes, ist promovierter Er-

rie des Weinkonsums betreffen.

aktueller Statistiken sorgt für Kurzweil

nährungswissenschaftler und vielfältig publizistisch tätig.

und belastbare Daten. SelbstverständDie historische Seite wird genauso

lich finden sich zum Schluss nützliche

profund beleuchtet wie immer dring-

Literaturhinweise und Anmerkungen.

In diesem Buch wird nun nicht, wie der

liche Fragen zu Wein und Verkehr, zu

Herausgeber, die Deutsche Weinakade-

Gastronomie und Gesundheit, zu Sport

Wer bewusst und vor allen Dingen in

mie, vermuten ließe, einseitig eine un-

und Arbeit, zu Weinbaupolitik und so-

Maßen – genau darum geht es die-

kritische Haltung zum Weingenuss ein-

gar zu feministischen Aspekten. Selbst

sem Werk – guten Rebensaft genießen

genommen. Dies wäre in den heutigen

Themen wie Weingenuss zur Anregung

möchte, findet hier viel Wissenswertes

fitnessbewussten Zeiten gar nicht mehr

der Kreativität oder die vielfältigsten

und einige geistreiche Einsichten.

möglich und zudem falsch. Vielmehr

Trinkmuster werden einer kritischen,

streift Rudolf Nickenig, gelegentlich

doch ausgewogenen Betrachtung un-

etwas akademisch, jedoch unterhalt-

terzogen. Interviews mit Ernährungs-

WOLFGANG JUNGLAS

A

uf den ersten Blick scheint

Da der Autor Rudolf Nickenig eindeutig

derater Alkoholgenuss recht umfas-

das

eine

als Interessenvertreter der Weinbran-

send zusammen und berücksichtigt

Marketing-Replik auf die

che zu identifizieren ist (32 Jahre lang

dabei auch die Themen „Wein und

zunehmenden Meldungen,

Generalsekretär Deutscher Weinbau-

Frauen“, „Wein und Jugend“, „Wein

dass im aktuellen öffentlichen Dis-

verband und Chefredakteur der Fach-

und Speise“ und auch „Wein und Ver-

kurs die Gefahren des Alkoholgenusses

zeitschrift „Der deutsche Weinbau“),

kehr“. Zum anderen bietet das Werk

(„Krebsrisiko!“) höher bewertet werden

zudem das Layout des Buches stellen-

eine interessante Rückschau auf das

als die positiven Aspekte des moderaten

weise mehr an ein Verbands-Jahrbuch

Weinverständnis früherer Jahrzehnte.

Weingenusses („French Paradox!“).

erinnert als an ein sinnliches Wein-

Buch

lediglich

buch, könnte die Buchbesprechung

Das Buch ist leicht lesbar, mit der Ru-

Der Eindruck wird unterstützt durch das

mangels Motivation, weiter darin zu

dolf Nickenig eigenen „weinfröhlichen

nicht sehr geglückte Titelfoto:

stöbern, schon zu Ende sein.

Gelassenheit“

geschrieben

und

eine

Fundgrube an Fakten und Argumenten Junge Menschen im besten Werbeal-

Wenn, ja, wenn es nicht doch einen

für alle Weinliebhaber*Innen, die sich

ter (irgendwie zwischen 25 und 49) in

zweiten Blick gäbe. Auf diesen ist dem

an der öffentlichen Diskussion über die

einem international anmutenden Per-

Bopparder Winzersohn und Weinprofi

gesundheitlichen und kulturellen As-

sonenmix mit Trendy-Einfachfahrrad

Dr. Rudolf Nickenig ein bemerkens-

pekte des Weins beteiligen wollen. n n n

beim Picknicken (4 von 6 Personen

wertes Werk gelungen. Auf 184 sorg-

drehen dem Betrachter den Rücken zu!)

sam recherchierten Seiten fasst er zum

könnten in dieser Bildsprache auch für

einen den aktuellen Diskussionsstand

Rum, Cola oder Mineralwasser werben.

in der Weinbranche zum Thema mo-

Wein ist Kult, heilen - berauschen - genießen: Trinkmuster im Wandel der Zeit, Dr. Rudolf Nickenig, Herausgeber: Deutsche Weinakademie GmbH (DWA), 184 Seiten, Verlag Nünnerich-Asmus, Oppenheim am Rhein 2020, ISBN 978-3-96176-113-5, 25,00 Euro COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


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Rainer Zeller zum neuen Präsidenten des Badischen Weinbauverbandes gewählt Eine Meldung, eingereicht von Mitglied Horst Kröber ...

A

m 13. Juli 2020 wurde Rainer Zeller (63) aus MüllheimBritzingen mit großer Mehrheit zum Präsidenten des Badischen Weinbauverbandes gewählt. Zeller ist im Hauptberuf selbstständiger Versicherungsmakler,

Nebenerwerbswinzer

und

seit

1999

Vorsitzender des Verwaltungsrates der WG Britzingen. Seit 2004 ist er außerdem Aufsichtsrat des Badischen Winzerkellers und seit 2016 Vorsitzender desselben. Mit dem eindeutigen Ausgang zeigten sich alle Beteiligten mehr als zufrieden. Zeller tritt die Nachfolge von Kilian Schneider an, der das Amt nach zehn Jahren aus gesundheitlichen Gründen abgibt. Gemeinsam mit seinen vier Vizepräsidenten wird Zeller den Weinbauverband in die Zukunft führen. Die Vizepräsidenten wurden in der Verbandsausschusssitzung ebenfalls neu gewählt und sitzen mit Ausnahme von Thomas Walz (47), Winzer aus Heitersheim sowie Vizepräsident des Badischen und Deutschen Weinbauverbandes, erstmals im Präsidium. Komplettiert wird das Gremium durch Stephan Danner (46), geschäftsführender Vorstand der WG Durbach, Martin Linser (42), Wein- und Spargelbauer aus Opfingen, sowie Martin Schmidt (44) aus Eichstetten. Er ist Inhaber der Weinkellerei Friedrich Kiefer sowie des ökologischen Weingutes Schmidt.

Deutlich erleichtert schienen die Verantwortlichen des Weinbauverbandes. So sollte die Wahl eigentlich Anhang Februar stattfinden, doch es gab

RAINER ZELLER (FOTO: BADISCHER WEINBAUVERBAND)

Schwierigkeiten bei der Kandidatensuche. Erst die danach eingesetzte Findungskommission mit Vertretern von Genossenschaften und Weingütern einigte sich auf den jetzt gewählten Kandidaten Rainer Zeller. „Das deutliche

seiner Amtszeit sei es außerdem, die Chancen

Votum spricht für Rainer Zeller, der das Vertrauen des Verbandsausschusses

für die badischen Winzer klar zu definieren und

und damit der Winzerinnen und Winzer in Baden genießt. Auch spricht es

konsequent umzusetzen. Ausdrücklich lobte er

für die gute Arbeit der Findungskommission, die wir im Vorfeld eingesetzt

die Arbeit seines Vorgängers Kilian Schneider.

hatten“, freute sich Verbandsgeschäftsführer Peter Wohlfarth.

Hierbei

würdigte

er

insbesondere

dessen

Mitarbeit am neuen deutschen Weingesetz „Bei allen Herausforderungen, die der Verband in den kommenden Jahren zu

sowie sein Engagement beim Volksbegehren

meistern hat, ist es wichtig, dass der Präsident den Rückhalt der gesamten

„Rettet die Bienen“. Das frisch gewählte

Branche hat und dass wir alle an einem Strang ziehen“, betonte er. Der neue

Gremium wird sich zeitnah zusammensetzen,

Präsident sieht sich als Mittler, der die Interessen aller Winzer Badens unter einen

um die anstehenden Aufgaben zu besprechen.

Hut bekommen möchte. In seiner Antrittsrede betonte Zeller, dass er die gute

Hierzu

Arbeit seiner Vorgänger fortsetzen und die nötigen Strukturen schaffen wolle,

Rahmen des neuen Weinbezeichnungsrechts

um die Zukunft des Winzernachwuchses zu sichern und den nachfolgenden

auch die künftige strategische Ausrichtung des

Generationen ein auskömmliches Arbeiten zu ermöglichen. Ein wesentliches Ziel

Verbandes. n n n

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zählt

neben

den

Änderungen

im


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