KOSTENFREI IM ABO
EDITION #61
VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
74 Seiten 10 Autoren 24 Beiträge
Weingeschichten aus Australien, China, Deutschland, Frankreich, Österreich und Spanien
PORTRAITS DOSSIER DOWN UNDER ENTDECKUNGEN VERKOSTUNGEN REISEBERICHTE WEINGESCHICHTEN
AUGUST 2020
2
Liebe Leserinnen und Leser WOLFGANG JUNGLAS 1. Vorsitzender Weinfeder e.V.
N
ach dem Ende des Lockdown scheinen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie im Fokus zu stehen: Die Weinwirtschaft wird durchgeschüttelt und sortiert sich. Im Lebensmitteleinzelhandel wurden in den Monaten März, April und Mai zweistellige Zuwachsraten beim
Weinverkauf registriert – gut für die Weingüter, die dort gelistet sind. Ob sich für alle anderen die Ausfälle durch geschlossene bzw. im Platzangebot reduzierte Weinwirtschaften, Restaurants und Weinfeste durch intensiveren Online-Verkauf auffangen lassen, werden wir wohl erst in ein paar Monaten wissen. Manche Winzer haben sogar bereits verkaufte Weine von Restaurants zurückgenommen. Coronakonforme Veranstaltungsformate sind gefragt: Am 29. August zum Beispiel können in der Halle 45 in Mainz bis zu 40 Weingüter bei einem „Weinoutlet“ ihre Weine anbieten. Die Digitalisierung der Weinbranche hat auf jeden Fall einen entscheidenden Impuls bekommen – kein Weingut kann sich dem dauerhaft verwehren. Neue Ideen werden ausprobiert – mal schauen, ob sich digitale Weinverkostungen dauerhaft durchsetzen oder eine Marketing-Spielart bleiben. Die neue Situation jedenfalls bietet viele Chancen für die junge Winzer*InnenGeneration: Die Bewährungsstunde der „Digital Natives“, die mit dem Daumen schneller schreiben als andere mit dem „10-Finger-Blindsystem“, hat jetzt geschlagen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Urlaub – wahrscheinlich in heimischen Regionen, vielleicht mit einem Besuch bei einem Weingut Ihres Vertrauens!
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Ihr
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TITELFOTO Weingut Oberhofer
AUTOREN DIESER AUSGABE Hermann-Josef Berg, Herbert Heil, Wolfgang Junglas, Joachim A. J. Kaiser, Rudolf Knoll, Horst Kröber, Martin Sachse-Weinert, Peter W. Schneider, Heiko T. Taudien, Arthur Wirtzfeld
LEKTORAT
IMPRESSUM
Christa Hanten
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REDAKTIONSSCHLUSS für die Ausgabe Edition #62 ist der 11. September 2020. Einsendungen
von
Beiträgen
und
Bildmaterial
bitte
an:
redaktion@weinfeder.de – Ansprechpartner Arthur Wirtzfeld (gleiche Mailadresse). Rückfragen unter Telefon: 0931-322460.
4
Inhalt
41 Wachholder – kein Gin, sondern erstklassiger Blaufränker
42 Spätburgunder Jahrgang 2003
2,3,4
50 Bordeaux 2018: Ein Jahrhundert-Jahrgang?
55
Editorial, Impressum, Inhalt
6
Komplexe Rotweine von kalkigen Riffs
59
Rein in die Taubertaler Selbstständigkeit
8
Phänomenales Franken: „Philipps“ Philosophie
63
Im Westen Neues (und Gutes): Weingut Pascal Oberhofer
13
„Wetten, der schmeckt“ Thomas Gottschalk gibt es bald auch als Wein
DNA im Weinbau Grüner Veltliner-Mutter in St. Georgen
64
im Burgenland entdekct
Trocken bis lieblich:
16
Radio-Weinmann goes PODCAST
Leidenschaft Wein
66
Genussvolle Entdeckungen im Kraichgau
Shanghai Malu Grape Thema Park
ab 22
Ort für einen Traubenschock?
Dossier: Weinnetzwerke Down Under
23 Eyre Peninsula schreibt Weingeschichte 25 Eine Krankenschwester wird Winzerin 28 Port Lincoln bekommt alles, was er hat 31 Ein frommes Leben für den Wein 35 Sevenhill und seine himmlischen Tropfen
38 Klassische Weine zum (verlängerten) Beethoven-Jahr
68 Nachruf auf Heinz Feller
ab 69
69 Rezension: Einfach Wein 70 Rezension: Ab in die Küche 72 Rezension: Wein ist Kult
74 Rainer Zeller - neuer Präsident des Badischen Weinbauverbandes
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ANZEIG E
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Miriam & Alexander
FOTO: WINZERPAAR EHRMANN
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Rein in die Taubertaler Selbstständigkeit AUTOR: RUDOLF KNOLL COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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Die Weichen waren gestellt für einen flotten Start am 27. März 2020. Miriam und Alexander Ehrmann aus dem Weikersheimer Ortsteil Schäftersheim im württembergischen Teil des Taubertals (wo auch fränkische und badische Erzeuger Reben pflegen) wollten an diesem Tag in die Selbstständigkeit starten, die gelungenen 2019er Weine in der neuen Vinothek vorstellen und waren guter Dinge – ehe Corona gewissermaßen den Hahn abdrehte. Zwar konnten sie zu Online-Weinproben bitten, trotzdem müssen sich die beiden etwas in Geduld üben, bis sie in die Erfolgsspur kommen.
D
ass sie nicht gleich am Hungertuch nagen,
standteil des WIV-Konzerns war, der sich in seinem Port-
dafür sorgt eine besondere Konstellation.
folio gern mit Adelsnamen schmückte. „Doch ich konnte
Alexander Ehrmann ist Spross einer Familie,
mich voll auf Weinbau und Kellerwirtschaft konzentrie-
die sich schon seit geraumer Zeit mit Weinbau
ren“, erinnert sich der heute 40-Jährige. Nächste wichtige
auf stattlichen 20 Hektar beschäftigt, aber ihre Trauben an
Station war für ihn der Studiengang Weinbau und Oenolo-
zwei Genossenschaften abliefert. Die eine ist die Winzerge-
gie in Geisenheim. Danach war er in der Getränkeindus-
meinschaft Franken (GWF), für die drei Hektar im fränki-
trie tätig, während die Eltern zu Hause weiter brav ihre
schen Teil des Taubertals reserviert sind. Daran wird auch
Trauben an die Genossenschaften ablieferten und eine Be-
die nächsten Jahre nicht gerüttelt, weil die Zusammenar-
senwirtschaft in Schäftersheim betrieben. Als er bei einem
beit gut funktioniert. Der größere Teil der Ernte geht an
Frankreich-Urlaub 2014 eine junge Dame aus Baden, auf-
die Weingärtner Markelsheim, die vom Tourismus in Wei-
gewachsen im Saarland, kennenlernte, nahm die alte Idee
kersheim profitieren. Wer die schöne Altstadt besucht und
der Selbstständigkeit als Winzer langsam Gestalt an.
Visite in einem Renaissanceschloss macht, nimmt gern ein paar Fläschchen aus der Gegend mit – auch wenn deren
Miriam (36), vorher im Gesundheitsmanagement tätig,
Inhalt meist nicht gerade mitreißend ist.
brachte eigene, frische Ideen ein. Jetzt musste nur noch ein Teil der elterlichen Rebfläche aus der Markelsheimer
Alexander und Miriam sind der Überzeugung, dass bei ent-
Genossenschaft herausgelöst werden. Kooperativen se-
sprechender Konzentration auf Qualität mehr drin ist und
hen eine solche Trennung nicht gerade gerne, aber die 1,2
ihre Reben Potenzial für überzeugende Weine haben. Be-
Hektar, auf die Miriam und Alexander Zugriff nahmen,
wiesen haben sie das zum Einstand schon mal mit herzhaf-
mussten sie verkraften. Damit es nicht rasant weitergehen
tem Müller-Thurgau, würzigem Weißburgunder und einem
konnte, wurde die Satzung der Kooperative geändert. Neu-
gradlinigen Rosé von Tauberschwarz. Diese Sorte wächst
erdings gilt eine Frist von zwei Jahren für eine Kündigung
nur im Taubertal und war vor Jahrzehnten praktisch aus-
von Rebfläche. „Wir werden schrittchenweise mehr Fläche
gestorben, ehe sie von der Staatlichen Lehr- und Versuchs-
in eigener Regie übernehmen“, kündigt das Paar an. Ohne-
anstalt für Weinbau in Weinsberg wiederbelebt wurde.
hin muss zuerst einmal ein Kundenstamm aufgebaut wer-
Aushängeschild ist freilich ein schmelziger, vielschichtiger
den. Im Weinberg werden topgesunde Trauben angestrebt.
Grauburgunder, den man den zwei Weinbau-Neulingen
Vom Rebschnitt an wird auf spezielle Charaktere hingear-
kaum zugetraut hätte.
beitet. Das vorläufig kleine Sortiment ist unterteilt in „Die Ehrlichen“ (Allrounder-Weine für jeden Tag mit Secco,
Aber Alexander ist gelernter Winzer. Er machte seine Leh-
Rotling und Kerner), „Die Regionalen“ (Müller-Thurgau,
re im einstigen Schloss-Weingut Weikersheim, das früher
Weißburgunder, Grauburgunder, Tauberschwarz Rosé und
zum Besitz von Kraft Fürst zu Hohenlohe-Langenburg
Zweigelt) sowie „Die Individuellen“, bei denen derzeit ein
gehörte, doch zum Zeitpunkt seiner Tätigkeit bereits Be-
Grauburgunder noch einen Solo-Auftritt hat. n n n
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Im Westen Neues (und Gutes): Weingut Pascal Oberhofer AUTOR: MARTIN SACHSE-WEINERT
FOTO: WEINGUT OBERHOFER COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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WILL MAN EIN WEINGUT UND SEINE WEINE VORSTELLEN, SO BEGINNEN VIELE REZENSIONEN HÄUFIG MIT AUSFÜHRLICHEN INFORMATIONEN ÜBER DEN WINZER UND SEINEM BETRIEB. WAS ALSO KÖNNTE MAN ÜBER DAS WEINGUT VON PASCAL OBERHOFER SCHREIBEN, WÜRDE MAN SO VORGEHEN WIE ÜBLICH?
M
an könnte von dem
durch ein mehrfach prämiertes Verpa-
jungen,
ckungsdesign sowie eine eigene Web-
sympathi-
schen Winzer schrei-
seite (ältester-weinberg.de).
ben, dass er einen
Betrieb leitet, der seit 1754 in Famili-
Vielleicht sollte man Pascal Oberhofer
enbesitz ist und damit sicherlich zu den
genauer vorstellen, den 1994 gebore-
alteingesessenen,
traditionsbewussten
nen Jungwinzer, der nach seinem Stu-
Weingütern zählt. Pascal kann dem-
dium an der renommierten Hochschu-
zufolge einen ungeheuren Erfahrungs-
le Geisenheim den elterlichen Betrieb
schatz und umfassende Kenntnisse der
übernahm und mit seinen innovativen
geografischen sowie klimatischen Be-
und zugleich nachhaltigen Ideen nach
dingungen vorweisen – beste Voraus-
modernen
setzungen, um die produzierten Weine
Qualität und Facettenreichtum waren
bzw. die gepflanzten Reben perfekt an
und sind dabei seine Leitlinien, die nur
den gegebenen Voraussetzungen aus-
konsequent seit 2008 in einen rein bio-
richten zu können. Dabei kann die Fa-
logischen Anbau mündeten. Dabei legt
milie Oberhofer bereits zuvor auf eine
er den Schwerpunkt der Produktion auf
Herkunft in weinprestigeträchtiger Lage
regionstypische Rebsorten wie Riesling,
zurückblicken, entstammt sie doch der
Spätburgunder, Grauburgunder sowie
Gegend aus Tramin in Südtirol – prä-
Chardonnay, ergänzt durch einige „in-
destiniert damit insbesondere auch für
teressante“ neue Sorten. Er selbst sagt
Grundsätzen
ausrichtete.
den Anbau hervorragender Weine aus
Weinstraße, etwa zwei Kilometer vom
zu seinen Idealen: „Die ‚Philosophie‘
Gewürztraminer-Reben.
Weingut in Edesheim entfernt. Hier
meiner Önologie bedeutet für mich, un-
finden sich Reben, die ihren Ursprung
verwechselbare Weine zu erzeugen. Au-
Hervorheben könnte man weiter, dass
noch zur Zeit des Dreißigjährigen Krie-
thentisch durchgegoren, frisch und ele-
die Familie Oberhofer damit wirbt, auch
ges haben: Diese uralten, knorrigen
gant sollen meine Weine schmecken.“
einen Teil des „ältesten Weinbergs der
Gewürztraminer-Stöcke
die
Für die Zukunft plant Pascal dabei eine
Welt“ zu bewirtschaften. Es handelt
Grundlage für einen streng limitierten
Weiterführung der Sortimentsreduzie-
sich dabei um den sogenannten Rhodter
Wein, von dem (Jahrgang 2016) nur 571
rung bei damit einhergehender Konzen-
Rosengarten am Ortseingang von Rhodt
Flaschen à 0,375 Liter hergestellt wur-
tration auf die Burgundersorten, Ries-
unter Rietburg im Landkreis Südliche
den. Seine Exklusivität wird unterstützt
ling und Sauvignon Blanc.
bieten
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Schließlich hätte man die drei Quali-
Alternative: Denn es sind in erster Li-
über ein solch intensives Bukett ver-
tätsstufen erwähnen können, die sei-
nie die Weine selbst, die für den Betrieb
fügt, kaum jemals einen Riesling, der
ne Produktpalette gliedern: Die Weine
sprechen und die Qualität sowie öko-
sich so harmonisch-mild und zugleich
der Linie „Tradition“ sind in Flaschen
logisches Geschick eindrucksvoll unter
prägnant an den Gaumen schmiegt. Im
abgefüllt, die man sich „jeden Tag“
Beweis stellen. Was also können die
Glas zeigte sich das Getränk in einer
gönnen könne (wenn nicht sollte),
Weine über sich und das Weingut ver-
hellgelben Farbe, jetzt erinnerte uns
während die Linie „Edition“ bereits
raten – außer der Tatsache, dass hier
der Duft an Zitronengras, Stachelbeere
auf eine längere Lagerung zurückblicke
ausgezeichnete menschliche Expertise
und Mirabelle, wobei mit zunehmen-
und eindeutiger Ausdruck des Terroirs
mit hervorragenden natürlichen Gege-
der Öffnungsdauer auch Bananentöne
sei, mithin von herausgehobenem Qua-
benheiten eine höchst wohlschmecken-
hinzukamen. All dies wunderbar aus-
litätsanspruch. Die „Reserve“-Weine
de Symbiose eingeht?
gewogen und stimmig, wobei uns auch
schließlich bieten Genuss auf höchs-
der Abgang mit leisen Andeutungen von
tem Niveau, genießen ihre Reifung
Begonnen haben wir die Verkostung
Vanille überzeugte – zumal bei einem
im Holzfass und stellen damit – sieht
mit einem 2019er Riesling (12,5 % Al-
ausgezeichneten Preis-Leistungs-Ver-
man einmal vom 139 Euro teuren Ge-
kohol) und wussten sofort, dass wir
hältnis (6 Euro).
würztraminer „Der Älteste“ ab – das
hier einen außergewöhnlichen Tropfen
High-End-Produkt des Weinguts dar.
vor uns stehen haben. Kaum hatten wir
Im Anschluss öffneten wir den 2019er
den Drehverschluss geöffnet, explo-
Sauvignon Blanc (13 % Alkohol, 7,50
Ja, all dies hätte man schreiben kön-
dierten die Aromen von Zitrusfrüch-
Euro). Auch dieser Wein faszinierte uns
nen. Doch zu diesem üblichen Vorgehen
ten in unserer Nase. Selten haben wir
auf Anhieb. Den Connaisseur erwartet
bietet das Weingut Oberhofer eine gute
bislang einen Riesling genossen, der
hier ein ausdrucksstarker, fruchtbe-
FOTO: WEINGUT OBERHOFER
FOTO: WEINGUT OBERHOFER
tonter Sauvignon, der mit exquisiten
und den Goldenen DLG-Preis erhielt.
nächst, nach Öffnung, ein wenig Zeit
Ananas-, Stachelbeer- und Eisbon-
Beim Rosé aus Cabernet Sauvignon und
„an der frischen Luft“ zu geben. Im
bon-Nuancen überzeugen kann. Die für
Merlot wurde von uns ebenfalls der
Unterschied zu vielen anderen Rosés,
diese Rebsorte eher typischen Aromen
Jahrgang 2019 verkostet (12 % Alkohol,
die dann bereits Frische und Aroma
von grünen Gemüsen treten in diesem
7,50 Euro). Und auch dieser dokumen-
verlieren, blüht dieser untypische Ver-
Fall zurück und überlassen damit den
tiert die Besonderheit des Weinguts, das
treter seiner Art auf, wird runder und
frischen Noten die Dominanz. Eben-
hier keinen gefälligen, routinemäßig
geschmacksintensiver.
so wie bereits beim Riesling fragten
produzierten Rosé präsentiert, sondern
wir uns, was das Besondere, Einzig-
eine unverwechselbare Assemblage, die
Der Chardonnay Edesheimer Madon-
artige dieses Weins ist – und gelang-
freilich nicht jedermanns Geschmack
nenhöhe aus dem Jahr 2018 überrasch-
ten zu dem Ergebnis, es sei nicht das
treffen wird. Dafür ist das Zusammen-
te zunächst bereits beim Blick auf das
Vorhandensein eines besonderen As-
spiel der beiden Traubensorten zu un-
Etikett: 14 % Alkohol und damit mehr
pekts, sondern gerade dessen Fehlen:
harmonisch, die Litschi- und Erdbeer-
als der renommierte Spätburgunder?
Häufig schon verkosteten wir Rieslinge
noten treffen auf kräutrige Untertöne.
Das versprach eine interessante Erfah-
und Sauvignons Blancs, bei denen ein
Kirsche und Cassis, die man aufgrund
rung nach der Öffnung der Flasche – die
zu hoher Säuregehalt – zumindest im
der Sortentypizität am ehesten vermu-
sich umgehend bestätigte: Wer Char-
Abgang – den Geschmack beeinträch-
ten könnte – und die in vergleichbaren
donnays (in ihrer gemeinhin üblichen
tigte. Dies fehlt den Weinen von Pascal
Rotwein-Cuvées auftauchen – sucht
Ausprägung) kennt, schätzt häufig die
Oberhofer, sie sind äußerst bekömmlich
man hier vergebens. Für warme Som-
ungeheure Frische, die überwältigende
und damit umso geschmacksintensiver.
mermonate stellt dieser Rosé, dessen
Fruchtigkeit und den unverwechselba-
Kein Wunder, dass der 2018er Sauvig-
Farbe zwischen Lachsrosa und Koralle
ren Abgang, wird manchmal aber auch
non Blanc Kategoriesieger bei der AWC
changiert, eine interessante Alternati-
mit eher seichten Aromen und dünnen,
Vienna 2019 war, Siegerwein der Lan-
ve dar. Empfehlung: Wir haben beste
grasigen
desprämierung Rheinland-Pfalz wurde
Erfahrungen gemacht, dem Wein zu-
Chardonnay aus dem Hause Oberho-
Nuancen
konfrontiert.
Der
12
fer dagegen überzeugt mit opulenter
Flasche wohl – widersinnigerweise –
zu dekantieren und am nächsten Abend
Wucht, in der Fruchtanteile zurücktre-
für einen leichten Unterdruck sorgt. Am
nochmals zu verkosten. Aber auch dann
ten hinter ein würziges, dezent rauchi-
Gaumen zeigte sich deutlicher Schmelz
konnte er unseren – zugegebenerma-
ges Bukett, das durch eine ausgegliche-
bei gleichzeitig vorhandener ausge-
ßen hohen – Erwartungen nicht voll-
ne Mineralität bereichert wird. Dieser
prägter Säure, wobei geschmacklich
ständig gerecht werden: Die Ahnung
Chardonnay macht dem Ursprung sei-
Tropenfrüchte, vorherrschend Ananas,
von Backpflaumen sowie die weiter-
nes Namens alle Ehre: Die Herkunft
in Erinnerung bleiben. Erwähnenswert
hin leichten Nuancen von Brombeeren
der Rebe im kleinen Chardonnay nahe
schließlich auch die leicht metallischen
wurden dominiert von Eisen und Feu-
Mâcon (Burgund), dessen Ortsname
Spuren, die auch beim Gewürztraminer
er, die Tannine waren noch nicht sau-
sich vom französischen „chardon“ be-
dazu führen, dass dieser Wein keiner
ber eingebunden, sodass insgesamt ein
ziehungsweise lateinischen „carduus“
ist, den man so schnell vergisst – im
unausbalancierter Eindruck blieb. Vor
für „Distel“ ableitet, findet hier seinen
besten Sinne.
diesem Hintergrund erscheint es uns
Ausdruck in einem ausgeprägten, in-
ratsam, diesen Wein noch einige Jahre
tensiven Geschmacksprofil, das weni-
Zum krönenden Abschluss
genossen
ger gefällig als ausdrucksstark ist.
wir den 2017er Spätburgunder Apfel-
zu lagern, ehe man ihn mit Wohlgenuss trinken kann.
garten (13 % Alkohol, 28 Euro) und Der 2019er Gewürztraminer Forst (12,5
waren zunächst von der großen Nase
Wenn er dann das hält, was alle ande-
Alkohol, 9,50 Euro) zeigte sich zunächst
überaus angetan, die sich sowohl in
ren Weine von Pascal Oberhofer bereits
etwas „sperrig“ – was daran lag, dass
Flasche wie Glas bietet. Leider mussten
jetzt unter Beweis stellen konnten,
sich der Schraubverschluss kaum öff-
wir in der Folge konstatieren, dass die
dürfen wir uns auf einen wunderbaren
nen ließ. Eigentlich keine Erwähnung
Brombeernoten zu nichtssagend waren,
Wein freuen. Und es schadet sicherlich
wert und gegebenenfalls auch auf mus-
die Kräuter- und Ledernuancen dage-
nicht, einen weiteren Rotwein zu ken-
kuläre Schwächen zurückzuführen, in
gen zu ausgeprägt, um einen korrekten
nen, der in Deutschland produziert wird
diesem Fall dadurch bedingt, dass der
Wohlgeschmack erzeugen zu können.
und dennoch – oder gerade deshalb –
Wein leicht moussierend ist und in der
Wir entschlossen uns daher, den Wein
von besonderer Qualität ist. n n n
FOTO: WEINGUT OBERHOFER COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
DNA IM WEINBAU AUTOR: RUDOLF KNOLL
Grüner Veltliner-Mutter in St. Georgen im Burgenland entdeckt
FOTO: FERDINAND REGNER
Wenn Verbrecher nach einem Mord, Überfall oder Einbruch entlarvt werden, stehen in der modernen Kriminalistik oft winzige Spuren Pate.
14
Die DNA, vereinfacht gesagt ein Teil des menschlichen Erbgutes, macht es möglich. DNA-Analysen gibt es auch im Weinbau. Pionierarbeit leistete hier die Abteilung Rebenzüchtung in der Höheren Bundeslehranstalt für Obstund Weinbau in Klosterneuburg bei Wien. Ihre prominenteste Entlarvung betraf wohl den Müller-Thurgau, der etliche Jahrzehnte als Kreuzung von Riesling und Silvaner galt. Der Riesling durfte weiter ein Elternteil bleiben. Aber nach mehreren Untersuchungen stand fest, dass der Kreuzungspartner wohl Madeleine Royal ist, ebenfalls eine Züchtung, die der Verbindung von Pinot und Trollinger entstammt. Wie kompliziert das alles ist, macht deutlich, dass die königliche Madeleine ursprünglich dem Chasselas (Gutedel) zugeordnet wurde.
N
icht
Züchtungen,
Besonders vielseitig in Sachen Abstam-
klassischen
mung ist offenbar der Traminer als
Sorten sind schon lan-
Stammvater diverser angesehener Sor-
ge im Visier der Wis-
ten. Zu ihnen gehört unter anderem Ös-
senschaftler. Denn sie haben sich im
terreichs Grüner Veltliner. Doch wer war
Lauf der Jahrhunderte durch Mutati-
der zweite Elternteil, die Mutter? Sie ent-
onen oder eine Vermählung mit einer
deckt zu haben, ist einem Michael Leberl
anderen Sorte entwickelt. Spektakulär
zu verdanken, der im Jahr 2000 auf einer
ist sicher die Erkenntnis, dass der Ca-
Weide in der Nähe der burgenländischen
bernet Sauvignon ein Kind von Caber-
Landeshauptstadt Eisenstadt hinter viel
net Franc und Sauvignon Blanc ist. In
Gestrüpp einen uralten, vermutlich um
Deutschland ging lange die Scheurebe
die hundert Jahre alten Rebstock ent-
als Kreuzung von Riesling mit Silva-
deckte. Er befand sich in schlechtem Zu-
ner durch – bis sich herausstellte, dass
stand, doch die Winzerfamilie Johannes
neben dem Riesling die Bukettraube
Moser sen. und Hans Moser jun. pflegte
im Spiel ist. Das wiederum ist eine
die offenbar widerstandsfähige Pflanze
Züchtung aus Silvaner mit Trollinger,
und ahnte, dass sie etwas Besonderes
ins Leben gerufen vermutlich um 1864
darstellen konnte. Sie war zwar nicht
vom fränkischen Rebenzüchter Sebas-
in der Lage, Trauben zu tragen, aber auf
tian Englerth. Sie hat damit den Mül-
Basis von Gescheinen konnte in Kloster-
ler-Thurgau, der lange Zeit als älteste
neuburg festgestellt werden, dass es sich
deutsche Sortenkreuzung galt, in der
offenbar um den fehlenden Elternteil des
Führungsposition abgelöst.
Grünen Veltliners handelte. Eine hun-
auch
nur die
COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
FOTO: GRAFIK RAUCHPOWER
dertprozentige Übereinstimmung gab es zwar nicht, aber
Mineralisch und straff wirkt der 2017er, mit angenehmer
19 Chromosomen passten zweifelsfrei. Einen Namen dafür
Würze gefiel der 2018er. Und der 2019er war schon ein
gab es zwangsläufig nicht, also wurde die „Mutter“ nach
richtig guter, rassiger Wein mit viel Nerv, der aufzeigte,
der Herkunft St. Georgener Rebe genannt.
dass es lohnend ist, die Rebe weiter zu vermehren.
Langsam wurde mit der Vermehrung des Stockes begon-
Mit weinrechtlichem Segen (offiziell ist die Sorte nicht
nen. Zwischendrin kam es 2011 zu einem Vandalenakt, bei
klassifiziert) konnten inzwischen in Kooperation mit ei-
dem die Rebe schwer beschädigt wurde. Noch im gleichen
ner Rebschule auf St. Georgener Gemarkung über 1.000
Jahr wurde sie zum Naturdenkmal erklärt und seitdem
Stöcke gepflanzt werden. Sie sind teilweise durch Paten
wird sie durch einen hohen Zaun gut geschützt. Die Neu-
des Vereins zur Kultivierung der St. Georgener Rebe fi-
anlage mit der St. Georgener Rebe lieferte 2013 die ersten
nanziert. Der Ausbau findet im Moser’schen Weingut
Trauben, die für 1,5 Liter Wein reichten. Langsam ver-
statt. Durchaus denkbar, dass die zufällige Entdeckung
größerte sich durch die gezielte Vermehrung die Menge:
in den nächsten Jahren weiter Fahrt aufnimmt. Winzer
Im Jahrgang 2015 waren es bereits 300 Liter. Der Wein,
Moser will seine Anlage erweitern und hat auch schon
von dem die Mosers noch einige Flaschen zurückgehalten
Anfragen von Kollegen vorliegen, die Interesse an einer
haben, war freilich deutlich bitter und kernig, also kein
Anpflanzung haben. Vorläufig gibt es den fertigen Wein
Ruhmesblatt. Doch die Qualität steigerte sich von Jahr zu
nur bei ihm zum durchaus seriösen Preis von 20 Euro pro
Jahr. Klar und würzig ist über den 2016er festgehalten.
Flasche. n n n
16
Leidenschaft in Wein: Genussvolle Entdeckungen im Kraichgau AUTOR: MARTIN SACHSE-WEINERT
FOTO: WEINGUT KLENERT COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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Der Kraichgau kann, berücksichtigt man die Entdeckung des Homo heidelbergensis in diesem Gebiet, als einer der ältesten Kulturräume Europas bezeichnet werden. Noch heute gilt diese Landschaft als äußerst fruchtbar, denn die Böden bieten ideale Voraussetzungen für die Landwirtschaft, wobei insbesondere Getreide, aber auch Obst- und Kartoffelanbau eine herausragende Rolle spielen. Dass der Lössboden darüber hinaus ein hervorragendes Terroir für Weinbau ist, wussten kundige Weinbauern bereits seit Jahrhunderten und kultivierten im „Land der 1.000 Hügel“ diverse Reben, die teilweise noch heute typisch für diese Region sind. In diesem Zusammenhang zu nennen sind beispielsweise die Weißweine Riesling, Müller-Thurgau und Ruländer, vor allem aber Auxerrois. Zu den häufig vertretenen Rotweinen zählen Spätburgunder, Portugieser, Schwarzriesling und Lemberger. Und fast alle diese Rebsorten hat auch das neue, noch verhältnismäßig unbekannte Weingut Klenert in seinem Portfolio.
Der Betrieb in seiner Region Der Name „Kraich“ geht vermutlich auf das keltische Wort „creuch“ für Schlamm bzw. Lehm zurück und ist damit Präjudiz für hervorragendes Weinterroir. Damit bietet gerade diese Gegend auch dem Weingut Klenert die besten Voraussetzungen, seinen hohen Ansprüchen gerecht zu werden, wenn David Klenert meint: „Wein zu produzieren bedeutet, eng mit der Natur zu arbeiten und diese zu respektieren, um nachhaltig individuelle Weine herstellen zu können. Das Wissen über den Kraichgau mit seinen verschiedenen Böden, Rebsorten und Klimaeinflüssen, aber auch den Mut und die Kreativität, Neues auszuprobieren, bringen wir mit und möchten beides miteinander verbinden.“
David Klenert selbst, der mit Stolz den Titel „Bachelor of Weinbau & Oenologie“ trägt, ist dabei der Mann, der für die Philosophie des Unternehmens und die Qualität seiner Weine steht. Groß geworden im Schwarzrieslingdorf Kürnbach und somit von klein auf mit Wein und Weinanbau verwachsen, studierte er von 2009 bis 2013 im dualen System Weinbau & Oenologie am Weincampus Neustadt an der Weinstraße.
COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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Während seines Studiums lernte er
Die Weißweine der „Linie Klenert“ wer-
Auch der Grauburgunder, den wir im
verschiedene
den im Edelstahltank ausgebaut, die
Anschluss öffneten, sollte päter beim
Deutschl and kennen und reiste darü-
Rotweine
maischevergoren
selben Wettbewerb den hervorragen-
ber hinaus nach Neuseeland und in die
und anschließend im Holzfass gelagert.
den Eindruck bestätigen, den wir be-
Schweiz, um sich Ideen und Anregun-
Zum großen Teil werden diese Wei-
reits gewonnen hatten. Dort mit „Gold“
gen zu holen. Diese Zeit formte ihn im
ne spontan vergoren, wobei Wildhefen
ausgezeichnet („erstklassiger Wein, in-
Bereich des Weinanbaus und verfeinerte
aus den eigenen Rebanlagen zum Ein-
ternationale Spitze mit markanten Cha-
den eigenen Stil des Weinausbaus, der
satz kommen. Saubere Gärführung und
raktereigenschaften“), so vermochten
heute in jedem seiner Weine zum Aus-
ständige Kontrollen gewährleisten be-
wir insbesondere Gefallen zu finden an
druck kommt. Als besonders inspirie-
kömmliche Weine, die dennoch ihre Ei-
seiner leicht moussierenden Art, die eine
rend bezeichnet er noch heute seine Er-
genständigkeit wahren und für außer-
dezente Säure vornehm zum Ausdruck
fahrungen in Neuseeland: „Dort durfte
gewöhnliche Erfahrungen sorgen.
bringt. Goldgelb im Glas erlebten wir
Weinbauregionen
in
klassisch
Noten von Quitte und Pomelo, dabei et-
ich die verschiedenen Cabernet-Rebsorten kennenlernenn.“ Heute zeugt davon
Die Weine der „Black Label Linie“ wer-
was frischen Rasenschnitt sowie Vervei-
noch der Name des neu erschienenen
den zu 100 % mit vermehrten Wildhe-
ne. Diese deutliche Fruchtigkeit ist tat-
„Black Label Pango“ „In der Sprache
fen vergoren. Die Weißweine sind im
sächlich geeignet, diesen Wein zu einem
der
Holzfass (Tonneau und gebrauchte Bar-
herausragenden Grauburgunder zu ma-
riques) vergoren und gereift. Die Rot-
chen, der genau den Zeitgeist trifft, der
weine dagegen durchlaufen eine län-
eben diese Rebsorte gerade favorisiert.
Ureinwohner
Neuseelands
steht
‚pango‘ für die Farbe Schwarz.“
Signifikant ist die Intention des Win-
gere, intensivere Maischegärung als die
zers, sich umfänglich, aber immer auf
klassische Linie und eine längere Reife-
Als letzten Weißwein verkosteten wir
hohem Niveau mit alten und traditio
zeit im Holzfass.
den 2019er Auxerrois. Überflüssig zu betonen, dass auch dieser (dieses Mal mit
nellen Sorten auseinanderzusetzen und diesen ein neues, individuelles und hochklassiges Renommee zu verschaffen. Dazu wieder der Winzer: „Eine eigene lange Geschichte oder Tradition gibt es noch nicht, aber wir haben das Ziel, mit unseren Weinen Geschichte zu schreiben.“
Sein Motto lautet: „Unkompliziertheit, Bodenständigkeit, Frische und Indivi dualismus – das muss Grundlage all unserer Bestrebungen sein, das soll der Connaisseur in unseren Weinen vorfinden und bestenfalls bei jedem Schluck schmecken.“
Die Weine
Die Verkostung Verkostet
wurden
fünf
Weine:
„Silber“) beim Bioweinpreis prämiert wurde: als „ausgezeichneter Wein, der drei
Weißweine und zwei Rotweine.
Wir starteten unsere Degustation mit dem Weißburgunder aus dem Jahr 2019, nicht wissend, dass dieser kurz darauf beim Internationalen Bioweinpreis 2020 mit 96 von 100 Punkten ausgezeichnet und mit dem Prädikat versehen würde: „Weltklassewein, der ein prägendes sinnliches Erlebnis gewährt und jeden Weinliebhaber in seinen Bann zieht.“ Wir erlebten ihn als intensiven Vertreter seiner Sorte, in dem sich diverse helle Früchte zu einer äußerst angenehmen Kombination vereinen: Ananas, grüner
Angebaut werden demzufolge die wei-
Apfel, Zitrone und Stachelbeere dominie-
ßen Sorten Grauburgunder, Weißbur-
ren am Gaumen, beim Abgang zeigte sich
gunder, Chardonnay, Riesling, Auxerro-
eine Spur Kiwi. Dabei konnten wir fest-
is und Scheurebe, bei den Rotweinsorten
stellen, dass die 13 % Alkohol einige Zeit
stehen Spätburgunder, Schwarzriesling,
benötigen, sich im Glas zu öffnen bzw.
Lemberger und Cabernet Sauvignon im
teilweise zu verflüchtigen, um einen
Programm.
vollendeten Genuss erleben zu können.
COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
die Aufmerksamkeit eines jeden geübten Verkosters erweckt“. Solchermaßen im Nachhinein durch die internationale Jury geadelt, die damit auch uns ein gutes Zeugnis ausstellte, erinnerten wir uns – gerne – erneut an diesen typischen Vertreter des Kraichgaus, der aus dem Hause Klenert dennoch viel Individualität und Besonderheit mit sich bringt. Eine Ahnung von Erdbeeren, kombiniert mit Boskop-Apfel und einem feinen Gemüse-Ton entsteigt dem strohgelben Wein, der vor allem auch durch seinen zarten Schmelz, der sich am Folgetag noch steigerte, überzeugen konnte. Dabei durften wir feststellen, dass der Auxerrois sich zunächst durch eine eher verhaltene Nase verleugnet, während das Geschmackserlebnis (glücklicherweise) sehr intensiv ist.
An dieser Stelle ist es an der Zeit, ein Eingeständnis zu machen, vielleicht gar
DAVID KLENERT (FOTO: KRAICHGAU-STROMBERG TOURISMUS E.V./CHRISTIAN ERNST)
20
eine Entschuldigung auszusprechen: Lemberger gehörten bis dato nicht zu unseren
bevorzugten
Weinen.
Bislang
hatten wir sie hauptsächlich als tanninlastige, eigenwillige Rebsorte kennengelernt, die weder geeignet ist, ein gutes Essen kunstvoll zu begleiten, noch eigenständige Brillanz aufzuweisen. Wir müssen Abbitte leisten! Der Lemberger aus dem Hause Klenert ist ein wunderbarer Wein, der zwar auch durchaus
eigenwillige,
individuelle
Weinbau im Trend und mit Anspruch
Noten hat, diese aber zu einem grandiosen Geschmackserlebnis hebt. Vor
Das Weingut Klenert ist seit dem Jahr-
diesem Hintergrund erscheint es uns
gang 2019 Ecovin-biozertifiziert. Dies,
angemessen, das positive Urteil der Jury
so David Klenert, sei die logische Kon-
noch um diese Rebsorte zu erweitern,
sequenz seines Bestrebens gewesen,
denn Waldbeeren und vor allem dunkle
den intendierten naturnahen Weinan-
Kirschen sind geeignet, auch in diesem
bau weiter nach vorne zu bringen.
Bereich einen deutlichen Akzent zu setzen. Zukünftig werden wir Lembergern
Bereits seit 2018 hatte er sich zudem in-
mehr Aufmerksamkeit schenken – wohl
tensiv mit regenerativer Landwirtschaft
wissend, dass sicherlich nicht viele das
auseinandergesetzt. Dabei geht es dar-
Niveau dieses Kraichgauer Vertreters
um, den Boden für den Klimawandel fit
erreichen werden.
zu machen und den Mikroorganismen
lage zu bieten. All diese Anstrengungen
Spätburgunder, der eindeutig doku-
zusammen ermöglichen es dem Wein-
mentiert, dass Deutschland inzwischen
gut, trotz seines jungen Alters für eine
auch bei den roten Rebsorten mit der
nachhaltige Erzeugung qualitativ hoch-
internationalen
mitzu-
wertiger Weine zu stehen und sich mit
halten und diese sogar in mancher-
weit älteren, renommierten Mitwettbe-
lei Hinsicht zu überholen vermag. Ein
werbern in ernsthafte Konkurrenz be-
kräftiges Bukett aus Pflaume und roten
geben zu können.
Konkurrenz
Beeren wird eindrucksvoll unterstützt durch einen Anklang von Brot, wobei
Viel Erfolg, David! Das Image als auf-
sich das Aroma von dunkler Schokolade
strebender Jungwinzer wird mit diesen
dezent im Hintergrund versteckt. Bei
Weinen nicht mehr lange anhalten, ab
mehrmaligem Schwenken im Glas traten noch
sofort muss ein höherer Maßstab ange-
Noten von Weichseln in die Nase und run-
legt werden. n n n
deten das Geschmackserlebnis damit ab. Ein Rotwein, der durchaus imstande ist, auch auf internationalem Parkett vom Ruhm des Kraichgaus zu künden: David Klenert kann nicht nur weiß!
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FOTO: KRAICHGAU-STROMBERG TOURISMUS E.V./CHRISTIAN ERNST
im Boden eine geeignete LebensgrundDen Abschluss fanden wir mit dem
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• Eyre Peninsula schreibt Weingeschichte
• Eine Krankenschwester wird Winzerin • Port Lincoln bekommt alles, was er hat • Ein frommes Leben für den Wein • Sevenhill und seine himmlischen Tropfen FOTO: HOLGER LINK
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Eyre Peninsula schreibt Weingeschichte Eyre Peninsula, und da stimmen Weinexperten überein, wird sich als Weinregion im Süden Australiens etablieren. Die markante dreieckige Halbinsel mit der Stadt Port Lincoln an der Südostspitze liegt zwischen dem Spencer-Golf im Osten und wird im Norden und Westen von den Gawler Ranges (Nationalpark) eingerahmt. Der Name der Region lehnt sich an ihren Entdecker Edward John Eyre an, der in den Jahren 1839 bis 1841 den Großteil dieser Halbinsel erforschte.
AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD
Z
wischen Port Lincoln, Port Augusta und Adelaide, die ebenfalls ein Dreieck bilden, herrscht mediterranes Klima. „Wir haben
hier stets eine kühle Brise vom Meer, die den Trauben eine schöne Säure und Frucht verleiht und sie auch vor Überreife bewahrt“, sagt Liz Heidenreich, Winemaker bei Peter Teakle Wines. Er hat die erfahrene Winzerin geholt, um ein komplett neues Weingut mit modernem Keller aus dem Boden zu stampfen. Mit ihr an der Spitze war Teakle sicher, kann es nur erfolgreich beginnen. Kennengelernt haben sich die beiden durch David O’Leary von O’Leary Walker Wines (Ehemann von Liz Heidenreich), der die Weine für Peter Teakle kelterte und abfüllte, nachdem er 2016 sein jetzt völlig neu gestaltetes Weingut nahe Port Lincoln gekauft hatte.
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Fisch und Wein Überhaupt ist diese Region kulinarisch geprägt. Etwa 250 Kilometer westlich der südaustralischen Hauptstadt Adelaide liegt Port Lincoln, die größte Stadt auf der Eyre Peninsula. Sie gilt als Australiens Hauptstadt für erstklassige Meeresfrüchte, in der Blauflossen-Thunfisch, Abalone und Austern das Angebot anführen. Bisher wurden die hier geernteten Trauben des von Teakle übernommenen Weingutes aus einer rund zwölf Hektar großen Rebanlage, die sich entlang der Boston Bay hinzieht, über Hunderte von Kilometern zu O’Leary Walker Wines im Clare Valley transportiert, wo sie gekeltert wurden. Das ist jetzt Geschichte.
Erstmals Keltern in großem Stil
EYRE PENINSULA – SÜDAUSTRALIEN – 170.500 KM 2
Seit dem Jahrgang 2019 wird das Traubenmaterial vor Ort verarbeitet. „Es ist das erste Mal, dass auf der Eyre Peninsula Trauben in dieser Größenordnung gekeltert und auch Weine in diesem Umfang hier abgefüllt werden. Das ist ein Novum, denn hauptsächlich beherrscht die Fischindustrie die Halbinsel“, erklärt Heidenreich. „Die Weißen blubbern schon im Keller und die Roten sind ebenfalls im Gärprozess.“ Die talentierte Winzerin ist in der Regel in der Weinregion Clare zu finden, wo sie die Herstellung ihrer eigenen Weine unter dem Label „Liz Heidenreich Wines“ koordiniert. Mit einfließen lässt sie einen Teil des Trau-
Teakles Investment in Port Lincoln
benmaterials aus den ursprünglichen Weinbergen, die ihr
Peter Teakle ist seit mehr als 50 Jahren in der Weinerzeu-
Großvater 1936 im Barossa Valley gepflanzt hat. Jetzt ver-
gung tätig und hat auch eine Druckerei für Weinetiketten
stärkt sie das Team von Peter Teakle Wines und verbrachte
geführt. 2016 übernahm er das in der Nähe von Port Lin-
die letzten Monate in Port Lincoln, wo sie neben dem Bau
coln gelegene Weingut Delacolline Estate und benannte es
der Weinkellerei auch die Ernte überwacht hat.
um in Peter Teakle Wines. Dessen Rebflächen erweiterte er und ließ parallel das Restaurant Line & Label mit be-
Bei Peter Teakle Wines werden Riesling, Sauvignon Blanc
eindruckendem Blick über Port Lincoln auf die Boston Bay
und Chardonnay kultiviert. „Für diese Sorten ist das eher
errichten.
kühlere und trockene Klima auf der Eyre Peninsula ideal. Aber auch Shiraz, Cabernet Sauvignon und Merlot bringen
Zu seinem mithilfe von Liz Heidenreich 2018 völlig neu
hier schöne Qualitäten in die Flasche. Aktuell denken wir
gestalteten Weingut gehört ein Obstgarten mit Hunder-
darüber nach, zukünftig auch Pinot Noir zu pflanzen“, er-
ten Bäumen und eine großflächige Gartenanlage mit Ge-
zählt Heidenreich.
müseanbau. Um die Pflanzen in dieser doch recht trockenen Region zu bewässern, wurde beim Neu- und Umbau besonderes Augenmerk auf Wassertechnik gelegt. Große Auffangbecken für Regenwasser mit angeschlossenen Vorratstanks komplettieren das imposante Weingut. n n n
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Eine Krankenschwester wird Winzerin FOTO: LIZ HEIDENREICH WINES
AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD
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Die letzten Monate des Jahres 2018 waren Wendejahre für Liz Heidenreich. Sie beendete ihre fast 14-jährige Amtszeit als Winzerin bei Sevenhill, gelegen im Clare Valley (rund 100 Kilometer nördlich von Südaustraliens Hauptstadt Adelaide), heiratete und baute ein Weinlabel und ein Weingut mit ihrem Namen auf. Ihre Geburtsstadt Adelaide war auch die Heimat ihrer in der Weinerzeugung engagierten Familie. schon der Großvater gründete 1936 ein Weingut im Barossa Valley. Doch zuerst wollte Liz nichts vom Weinbau wissen, obwohl sie von Kind an damit in Kontakt war. Nach einer Ausbildung am Royal Adelaide Hospital wurde sie Krankenschwester und arbeitete 15 Jahre lang auf der Intensivstation in einer Klinik ihrer Geburtsstadt.
D
och im Laufe der Zeit machten sich die Wein-Gene bei Liz bemerkbar und nach einem erfolgreichen Abschluss an der University of Adelaide jobbte sie bei südaustrali-
schen Weingütern. Anschließend führte sie ihre Neugier nach Portugal, um sich hier in der Weinbereitung weiter ausbilden zu lassen. An der portugiesischen Algarve blieb sie vier Jahre beim Weingut Adega do Cantor des britischen Popstars Sir Cliff Richard und reifte zur Winzerin.
Bruder May und Sevenhill Zurück in Australien, wir schreiben das Jahr 2005, bekam Liz einen Job im legendären Weingut Sevenhill. Ihre bisherigen Kenntnisse in der Weinbereitung wurden dort perfektioniert. Sevenhill war aber auch ein Wendepunkt in ihrem Leben als Winzerin, denn sie schloss eine enge Freundschaft mit ihrem Mentor John May, einem viel bewunderten Weinmacher, der auch Bruder der Jesuiten war. May hatte erst eine Lehre als Zimmermann absolviert und trat im Jahr 1949 in den Jesuitenorden ein. Es folgte eine Umschulung zum Winzer und im Jahr 1963 wurde er Assistent bei Sevenhill, wo er für fünf Dekaden die Weine prägte.
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BRUDER JOHN MAY UND LIZ HEIDENREICH (FOTO: ABC SYDNEY)
53 Jahre später erhielt May im Jahr 2016 die Auszeichnung
aus Trauben von familieneigenen Rebflächen des Barossa
„Order of Australia“ für seinen Beitrag zur Weinbereitung
Valley gekeltert sind.
im Clare Valley, zum dortigen Tourismus und zur katholischen Kirche. Der heute 89-jährige, der in Sydney im Ru-
Angesichts der Erfolge der Sevenhill-Weine, die Liz mit-
hestand lebt, ließ es sich nicht nehmen, an der Hochzeit
verantwortet hat, ist es keine Überraschung, dass ihr Wa-
seines Schützlings teilzunehmen. Er war einer der liebs-
tervale Riesling und auch ihre Roten von bester Qualität
ten Gäste von Liz, die Ende des Jahres 2018 Jeremy O’Le-
sind. Das beruht auf sorgfältiger Arbeit, dem Wissen ihres
ary heiratete, der ebenfalls Erfahrung im Weinbereich hat.
Mentors Bruder May, der Handschrift einer Winzerin, die
Zur Jahrtausendwende gründete er zusammen mit seinem
Wein im Blut hat und auch in Portugal Kniffe gelernt hat.
Partner Nick Walker O’Leary Walker Wines im Clare Valley.
Auf den Unterschied eines Pflegeberufs im Krankenhaus
Treueschwur an das Clare Valley
und als Winzerin angesprochen, sagt Liz: „Es gibt eine Überschneidung der Disziplinen. Dazu gehört das Zeitmanagement, die nötige Ruhe und auch der Druck ist adäquat. Ich bin an lange Arbeitszeiten und Nachtschichten gewohnt, somit stört mich dies als Winzerin weder in der
„Ich werde dem Clare Valley immer treu bleiben“, sagt Liz,
Erntephase noch bei der Weinbereitung und auch nicht bei
die aber auch Ende letzten Jahres ein spannendes Engage-
der Beratung.“
ment auf der Eyre Peninsula angenommen hat (siehe mein Beitrag: „Eyre Peninsula schreibt Weingeschichte“). In
Die australische Weinszene hat Liz Heidenreich längst im
Port Lincoln unterstützt sie als Beraterin Peter Teakle beim
Fokus, eine professionelle Weinmacherin, die erste Winze-
Aufbau eines bemerkenswerten Weinprojektes. Zu Hause
rin Südaustraliens in führender Position. Darauf angespro-
im Clare Valley hat sie zwischenzeitlich ihren 2018er Cla-
chen, konstatiert sie: „Mag sein, dass ich talentiert bin,
re Valley Watervale Riesling und 2016er Shiraz sowie Gre-
aber meine Wegbereiter waren Männer – Sir Cliff Richard
nache-Rotweine auf den Markt gebracht, die zum Teil auch
und Bruder John May.“ n n n
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Port Lincoln bekommt alles, was er hat FOTO: PETER TEAKLE
AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD
FOTO: EXPLOREEYRE.COM.AU
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Es war ein sonniger Tag. Peter Teakle hatte gerade seine Angel an einem Gewässer auf Hamilton Island vorbereitet, als er einen jungen Mann entdeckte, der scheinbar am Ufer eingeschlafen war. Neugierig schaute er nach ihm. Er schlief wirklich. Und es roch stark – der Bursche hatte tote Fische in seiner Tasche. „Diese Episode wurde später ein Running Gag. Wir haben ihn schon oft gehänselt, weil er so stank. Dennoch sind wir Kumpel, seit ich ihn schlafend entdeckt und geweckt habe“, erzählt Teakle.
Mentor, Ratgeber und Investor In der Region ist Teakle als Unterstützer und Berater bekannt. Als Mitte der letzten Dekade der Eigentümer des in der Nähe von Port Lincoln gelegenen Weingutes Delacolline verstarb und die Familie einer unsicheren Zukunft entgegensah, wandten sich die Erben an Teakle. „Die Familie wollte ihr malerisches Gut nicht auf dem Markt anbieten. Sie fragten mich, ob ich helfen könnte“, erzählt Teakle. „Ich habe mir alles angeschaut und bemerkte, dass ich nur die Infrastruktur sortieren und den Produktionsbereich modernisieren musste. Also habe ich das Weingut gekauft.“
Teakle erwarb parallel noch die direkt an den Weinbergen gelegene Farm, womit er das Anwesen auf insgesamt 30 Hektar vergrößerte. Hinzu kamen damit ausgedehnte Obstgärten und ein überdimensionales Gemüsebeet. Dies war die Grundlage für seine Vision eines Restaurants, das er mittlerweile über der Stadt Port Lincoln verwirklicht hat. „Ich habe je eine Million Dollar in das Restaurant, die Weinberge und die Ausstattung des Weingutes investiert“, erzählt Teakle. Sein Engagement und auch der von ihm gewählte Standort wurden von der südaustralischen Tourismuskommission als „Neuanfang auf der Eyre Peninsula“ beschrieben.
Der Druckmagnat der dritten Generation räumt ein, dass
H
seine heutigen Unternehmungen völlig anders sind als die eute ist Pete Evans bekannt in Australien
Geschäfte, die sein Großvater 1903 in Adelaide begründet
als Paleo-Food-Experte und beratender
hatte. Teakles Familienunternehmen unterhält 34 Produk-
Chefkoch im Top-Restaurant The Line &
tionsstätten in zehn Ländern, beschäftigt 3.500 Mitarbeiter
Label auf Peter Teakle Wines. Ihre Freund-
und ist seit 40 Jahren ein wichtiger Akteur im Druckge-
schaft trug dazu bei, ein Herzensprojekt von Teakle zu
schäft, vor allem im Bereich Etikettendruck.
verwirklichen – ein Top-Restaurant und ein Weingut in seiner geliebten Heimat. Teakle ist Erbe eines südaustralischen Druckerimperiums. Als vermögender Unternehmer und sozial interessierter Mensch hat er sich zu einem leidenschaftlichen Unterstützer von Port Lincoln entwickelt und half schon mehrmals, Geschäfts- und Gemeindeprojekte auf den Weg zu bringen. Man munkelt, dass er hier kürzlich sechs Millionen Dollar in diverse Vorhaben investiert hat.
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Eine Vision wird wahr „Ich spiele jetzt auf zwei völlig neuen Ebenen – zum einen manage ich Weinbau, Produktion und Abfüllung in Port Lincoln und zum anderen stehe ich hinter meinem Restaurant, für das wir von eigenem Grund Gemüse und Obst ernten können“, freut sich Teakle, der damit nicht nur seine Vision erfüllt sieht, sondern auch sichtlich Spaß an diesen Projekten hat. Trotz seiner Freundschaft zu Pete Evans, der ihn beim Betrieb seines Foodtempels unterstützt, will er seinem Restaurant keinen Stempel eines einseitigen Foodstils aufsetzen. „Wir haben hier auf der Eyre Peninsula eine
Dass Teakle die Etiketten für seine Weine selbst druckt,
traditionelle Fischerei. Täglich bekommen wir frischen
erscheint naheliegend. Doch für deren Design suchte
Fisch, Gemüse und Obst. Es geht mir darum, die Region zu
er ebenfalls Hilfe. Das markante Logo hat die heimische
beleben. Wir wollen auch Besucher aus Adelaide anlocken.
Künstlerin Maya Kolega entwickelt. Das Etikett zeigt den
Die Gäste sollen sich in unserem Restaurant wohlfühlen
charakteristischen, mit Emufedern geschmückten Hut
und zwanglos Speisen genießen, die vielfältig sind und vor
der Australian Light Horse, Truppen mit Merkmalen so-
allem auf Produkten aus unserer Region aufgebaut sind“,
wohl der Kavallerie als auch der berittenen Infanterie, die
konstatiert Teakle. Dass er mit dem Restaurant Erfolg hat,
im Zweiten Burenkrieg und im Ersten Weltkrieg dienten.
zeigt sich auch darin, dass Gäste aus Adelaide mit Helikop-
Teakle möchte damit eine Reminiszenz an diese tapferen
tern einfliegen und direkt neben dem Restaurant auf einer
Männer zum Ausdruck bringen.
dafür angelegten Fläche landen können.
Mit Hilfe einer Weinfrau
Peter Teakles Statement
„Die Projekte, an denen wir arbeiten, wecken einerseits
Teakles Herz hängt ebenso stark am Wein, der auch im Res-
das Interesse der hier lebenden Menschen, andererseits
taurant angeboten wird. Das Weingut, das heute den Namen
kommen sie dem Tourismus und damit der ganzen Regi-
Peter Teakle Wines trägt, zu modernisieren, die Weinberge
on zugute. Wir arbeiten eng mit der SATC (South Austra-
ordentlich zu gestalten, neue Rebsorten zu pflanzen und ei-
lian Tourism Commission (SATC) und Tourism Australia
nen eigenen Stil in die Flasche zu bringen, das traute er sich
zusammen, um eine brillante Destination zu schaffen. Es
allerdings nicht zu. Dafür brauchte er Hilfe. Er hörte sich
kommen nur Handwerker und Arbeiter aus der Region in
um und fand Liz Heidenreich – eine Weinfrau, die in der
Frage. Wir sind hier alle eine große Familie. Unser Ertrag
australischen Weinszene bereits Bemerkenswertes geleistet
soll auch in dieser Familie verteilt werden. Außerdem ha-
hatte. Für sie, die im südaustralischen Clare Valley ein eige-
ben wir uns Verträge mit Sponsoren gesichert, um auch
nes Weingut betreibt und lange Zeit mit ihrem Mentor John
dazu beizutragen, dass alle Mühen nicht umsonst sind
May die Weine des berühmten Weingutes Sevenhill verant-
und ein Mentoring auf Dauer diese Projekte unterstützt“,
wortete, war die Aufgabe der Renovierung eines Weingutes
bringt Peter Teakle sein Credo auf den Punkt. Chapeau für
und damit auch die Möglichkeit, einen Neustart mitgestal-
dieses beispielhafte Engagement. n n n
ten zu können, eine willkommene Herausforderung. Lesen Sie dazu hier im Dossier meine Beiträge „Eyre Peninsula schreibt Weingeschichte“ und „Eine Krankenschwester wird Winzerin“. COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
Ein frommes Leben für den Wein AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD
JOHN MAY (FOTO: SEVENHILL CELLARS)
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Wir schreiben das Jahr 1850, als Jesuitenbrüder einen Weiler gründeten, ungefähr 130 Kilometer nördlich von Adelaide. Unter ihnen war der österreichische Jesuitenpriester Aloysius Kranewitter, der dem Jesuitenhort als Hommage an die sieben Hügel Roms den Namen Sevenhill verlieh. Ein Jahr später pflanzten die Jesuiten Reben, um eigenen Messwein zu produzieren. Bis über die Jahrtausendwende waren durchgängig Jesuiten am gleichnamigen Weingut Sevenhill Cellars beteiligt. Erst mit der mittlerweile in Australien bekannten und anerkannten Weinmacherin Liz Heidenreich wurde diese Tradition unterbrochen. Ihr Lehrmeister und Mentor war Bruder John May, der als siebter Jesuitenwinzer über vier Jahrzehnte die Weinbereitung bei Sevenhill Cellars verantwortete. Mehr zu seinem Schützling und zu Nachfolgerin Liz Heidenreich lesen Sie in meinem Beitrag „Eine Krankenschwester wird Winzerin“.
A
nfang der Jahrtausendwende verließ der mehrfach ausgezeichnete Bruder John May das Clare Valley,
um in den verdienten Ruhestand zu wechseln. Heu-
te wohnt er in einer geförderten Gemeinschaft mit
weiteren altgedienten Jesuitenbrüdern in Sydney. Geehrt mit der lebenslangen Mitgliedschaft der „Winemakers‘ Federation of Aus-
tralia“, übernimmt Bruder May weiterhin eine Rolle als Schirmherr der Weinherstellung und wird somit seine Verbindung zu Sevenhill Cellars aufrechterhalten.
COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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Das Gemeinwohl Parallel kümmerte sich Bruder May um den Ausbau des Verkaufsnetzes. Er ließ Verkostungsräume einrichten, zog
Die Anfänge
damit auch erstmals Weinliebhaber zu Besuchen der Kellerei an und kümmerte sich intensiv um den internationalen
1963 war Bruder Mays erster Jahrgang bei Sevenhill Cellars. Er kam damals als junger Jesuitenbruder aus Melbourne, um als Assistent des damaligen Jesuitenwinzers Bruder John Hanlon zu arbeiten. Mit seiner Einstellung begann eine Zeitenwende bei Sevenhill Cellars. Die erste hydraulische Presse wurde 1963 installiert und 1968 wurde der erste trockene weiße Tafelwein aus Trauben der Sorte Crouchen (Clare Riesling)* gekeltert. Ein Jahr später kehrte Bruder May zum Loyola College (römisch-katholische Sekundarschule in ignatianischer Tradition in Melbourne) zurück und wurde dort zum Leiter des großen Exerzitienhauses und Noviziats berufen. Als Bruder Hanlon im Februar 1972 plötzlich verstarb, rief man Bruder May nach Sevenhill zurück, der am Vorabend der anstehenden Weinlese unter schwierigen Bedingungen als siebter Jesuitenwinzer die Verantwortung übernahm.
gagierten Bruder May noch nicht völlig gerecht. Er kümmerte sich auch in vielerlei Hinsicht um Beiträge für die Gemeinschaft. Dazu gehörte sein Engagement als Vorsitzender der „Clare Valley Tourism Association“ und die ebenso engagierte Mitgliedschaft bei der „Clare Valley Winemakers Association“, der „Clare Region Winegrape Growers Association“ und der damaligen Organisationen für Rebenverbesserung und Landschaftspflege. Privat war Bruder May ebenso engagiert. Er war ein begeisterter Sportler, spielte Tennis und Tischtennis und war 14 Jahre lang Mitglied der lokalen Theatertruppe namens „Auburn Players“.
Der Un-Ruhestand Bruder May zog sich Anfang 2003 aus seinem aktiven Wirken zurück, wobei seine außergewöhnliche Karriere viel-
Der Manager
fach geehrt und anerkannt wurde. Er hinterließ Sevenhill Cellars einen Ruf als Produzent von Qualitätsweinen,
In der Frühzeit seines Wirkens wurde Bruder May von der Winzergemeinschaft des Clare Valley unterstützt, deren kooperativer Geist sicherstellte, dass Sevenhill als wertvolles Weinbaugebiet dieser Region die damals schwierigen Zeiten überstehen konnte. Außerdem zeigten sich bei Bruder May besondere Qualitäten in der Führung. Er übernahm bald die Rolle eines Managers der Weinherstellung sowie der Pflege der Weinberge und begann ein ehrgeiziges Programm, um die Nachhaltigkeit der Weinbereitung bei Sevenhill Cellars zu gewährleisten. Seine Strategie beinhaltete die Modernisierung der Kellereigebäude und deren technische Ausrüstung. In den Weinbergen ließ er unter Verwendung der bestmöglichen Klone, die ihm damals für das Clare Valley geeignet erschienen, neue Reben pflanzen, wobei er mit dem damaligen Ministerium für Landwirtschaft (heute das „Primary Industries and Regions SA“) kooperierte.
Vertrieb der Sevenhill-Weine. Aber auch das wird dem en-
eine moderne Kellerarbeit, die Bekanntheit des Gutes und schließlich die Anerkennung, den Charakter eines religiösen und historischen Gutes in die Moderne geführt zu haben. Sein Beitrag wurde von Sevenhill Cellars mit der Lancierung des „Brother John May Reserve Release Shiraz 2004“ geehrt. Der fünfte Jahrgang dieses für Weinliebhaber wertvollen Weines, auch aufgrund der Geschichte dahinter, kam 2010 auf den Markt. Für diesen Wein verarbeitete man bei Sevenhill Cellars ausschließlich handverlesene beste Trauben und produzierte nur eine begrenzte Menge.
Die neue Umgebung von Bruder May ist durchdrungen von der Geschichte des Jesuitenordens. Seinen Umzug von Sevenhill nach Sydney beschrieb er als ein weiteres Kapitel in seinem Ordensleben nach Berufung durch den Provinzial der australischen Jesuiten. Bruder May, der in den Staaten South Australia und New South Wales gewirkt hat, will seinen dortigen Netzwerken treu bleiben, schließlich ist er in beiden Staaten kein Fremder. Seine Taten werden sicher noch lange in Erinnerung bleiben, heute zu Lebzeiten sind diese schon Legenden.
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JOHN MAY UND LIZ HEIDENREICH (FOTO: DON BRICE PHOTOGRAPHY)
Die Ehrungen 2016: Aufnahme als Mitglied in den „Order of Australia“ (AM) – eine höchste Auszeichnung in die Ehrenliste
Crouchen (Clare Riesling)
zum Geburtstag der Königin in Anerkennung seiner bedeutenden Verdienste um die Weinherstellung und durch
*Crouchen ist eine weiße Rebsorte, die nach heutiger
Beiträge zu Berufsverbänden, zum regionalen Tourismus
Kenntnis aus einem Teil der Weinregion Sud-Ouest in den
und zur katholischen Kirche in Australien
französischen Pyrenäen stammt. Sie gelangte um 1850
2014:
Ernennung zum Gründungsmitglied der „Clare
durch Auswanderer nach Südaustralien, wo sie seither ins-
Valley Wine Hall of Fame“ als einer von bisher sechs Emp-
besondere im Barossa und Clare Valley angebaut wurde.
fängern der legendären Auszeichnungen, die von der „Cla-
Zeitweise verwechselte man die Sorte mit Sémillon, den
re Valley Winemakers Inc.“ verliehen werden
man lange Zeit fälschlicherweise als Riesling bezeichnete.
2006: Ehrung mit der Jubiläumsmedaille der australi-
Daher entstand auch der Name Clare Riesling.
schen Jesuiten
2005: Auszeichnung mit dem „Harry Dowling Award“
Erst seit 1976 kennt man durch den französischen Ampelo-
für hervorragende Leistungen im regionalen Tourismus,
grafen Paul Truel die wahre Herkunft. Die Rebsorte Crou-
verliehen bei den „South Australian Tourism Awards 2005“
chen ist neben dem australischen Clare Riesling auch als
2004: Ehrung mit der lebenslangen Mitgliedschaft in
Cape Riesling (Südafrika) oder auch als Trouchet Blanc im
der „Winemakers‘ Federation of Australia“ für seinen Bei-
französischen Baskenland bekannt. n n n
trag zur Weinindustrie Australiens COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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Sevenhill und seine himmlischen Tropfen AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD
(FOTO: SEVENHILL CELLARS)
Heiliger Wein aus dem Clare Valley
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Sevenhill Cellars produziert Weine, speziell Messweine, die von der katholischen Kirche empfohlen werden. Die Geschichte wäre nicht einzigartig, wenn sie nicht von Anfang an durchgehend dem katholischen Glauben und dessen Symbolen entsprochen hätte. Der Name Sevenhill verweist auf die Septem Montes Romae, die sieben Hügel Roms, verliehen von den Jesuiten, die das Weingut 1851 im Clare Valley gründeten. Einer der Gründerväter war der österreichische Jesuitenpriester Aloysius Kranewitter, der auch als Namensgeber gilt. Weintausch
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sagt Heidenreich. „Bruder May war mir ein großartiger Lehrer. Die Herstellung von Messwein ist sehr wichtig, es ist etwas Besonderes, und wir alle nehmen die Verant-
Bereits seit dem Jahr 1858 lieferte Sevenhill Messwein
wortung, die wir haben, sehr ernst.“
an umliegende Pfarreien und Tafelwein an die örtlichen Kupferminen und deren Bergleute. John May, der 1963 erstmals als Aushilfe im Weinbau eingestellt wurde und
Restriktionen
in der Folge nach kurzer Absenz bis 2005 die Geschicke als Kellermeister, später auch das gesamte Gut ver-
Sevenhill Cellars liefert nach wie vor Wein an alle Re-
antwortete, lebt heute im Un-Ruhestand und erinnert
ligionen, die diesen in der Ausübung ihrer Traditionen
sich: „Die Gebäude sind aus wunderschönem Sandstein
und Messen verwenden. Doch die katholische Kirche hat
errichtet, den man teils mit erfinderischen Mitteln be-
strenge Anforderungen an die Weinbereitung. Messwein
sorgte. Immer wenn Baumaterial benötigt wurde, egal ob
muss demnach aus Trauben hergestellt werden und darf
zum Ausbau oder zu Renovierungen, wurde dieses mög-
kein künstliches Produkt enthalten, das nicht aus Trau-
lichst gegen Wein getauscht. Hier auf dem Land gehört
ben gewonnen wurde. „Unser Altarwein repräsentiert
das Tauschen zur Lebensart. Die Leute tauschen auch
das Blut Christi, der Grund, warum wir so wählerisch
Schafe, um beispielsweise Weizen für ihre Ernährung zu
und penibel in der Herstellung sind“, sagt Bruder May
bekommen.“
und erläutert weiter: „Wenn der pH-Wert zu hoch ist, können wir keine schweflige Säure verwenden, sondern
Seit der Gründung im Jahr 1851 haben ohne Unterbre-
nur Zitronensäure oder Weinsäure, die ein Produkt der
chung Jesuitenbrüder als Kellermeister bei Sevenhill
Traube ist. Jedes Tannin besteht aus Traubentannin und
gedient. Bruder May ist vorerst der Letzte dieser Reihe,
jeder Farbstoff stammt von der Farbe der Traube.“
denn im Jahr 2005 übergab er an seinen Schützling Liz Heidenreich, die erste Frau in der Weingeschichte von
Drei Messweine hat Sevenhill Cellars im Angebot: einen
Sevenhill. „Nicht nur wegen des hervorragenden Sand-
süßen Roten, einen süßen Weißen und einen trockenen
steins, sondern weil Sevenhill von den Brüdern stets sehr
Weißen, den vor allem Diabetiker benötigen. An vor-
gepflegt wurde, sind die Mauern noch nicht eingestürzt“,
derster Front steht jedoch der Rotwein, auch wenn er auf
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der Altarwäsche zuweilen unschöne Flecken hinterlässt.
Unter ihrer Führung erhielt das Jesuitengut weitere Me-
„Trotz allem ist unser süßer Roter der beliebteste Mess-
daillen, insbesondere gewann der Riesling bei den Royal
wein, von dem wir rund 120.000 Flaschen pro Jahr ab-
Melbourne Wine Awards.
setzen“, sagt Heidenreich. „Da
unser Messwein weite
Strecken zurücklegen muss und auch für lange Zeiträu-
„Solche Erfolge sind auf anderen Ebenen wichtig, denn
me oftmals unter extremen Bedingungen gelagert wird,
mit einem Teil der Gewinne aus dem Weinverkauf fi-
stellen wir ihn gespritet im Sherrystil her.“
nanzieren wir Programme der Jesuiten in Australien und Asien,“ erzählt Heidenreich. Und Bruder May ergänzt:
Liz Heidenreich übernimmt
„Die einzige Möglichkeit, Menschen aus der Armut herauszuholen, ist Bildung. Wir versuchen, mit den Geldern Schulen zu bauen, und unterstützen jüngere Jesuiten, damit sie Universitätskurse besuchen können. Wir helfen auch Brüdern in der Missionsarbeit in Pakistan und
Neben den für den Altar bestimmten Weinen produziert
Indien und pflegen unsere Verbindung in Südostasien.“
Sevenhill Cellers auch eine breite Palette an Tafelweinen, darunter Cabernet Sauvignon, Malbec, Chardonnay und
Sevenhill Cellars kann gute Verkäufe auf dem internati-
auch Rosé. Am bekanntesten ist Sevenhill Cellars aber für
onalen Parkett nachweisen, in Australien und Asien füh-
seinen Riesling. „Mein erster Jahrgang war 2006. Da-
ren ihre Messweine die Spitze der Verkaufszahlen an und
mals gewannen wir eine Goldmedaille mit unserem Ries-
auch die Tafelweine werden immer gefragter. „Ich habe
ling. Nicht nur ich war mit dieser Auszeichnung sehr zu-
auch israelischen Messwein aus Kana in Galiläa probiert,
frieden. Ich glaube, das war überzeugend, und die Brüder
dort, wo Jesus Wasser in Wein verwandelt hat, aber ich
ließen mich danach bleiben“, erinnert sich Heidenreich.
bevorzuge unseren“, sagt Bruder May. n n n
FOTO: SEVENHILL CELLARS
Klassische Weine zum (verlängerten) BeethovenJahr AUTOR: RUDOLF KNOLL
Ta-ta-ta-taaa – selbst wer keinerlei Ahnung von klassischer Musik hat, weiß diese Buchstaben unterzubringen. Mit gewaltigen Tönen startet die berühmte „Fünfte“ von Ludwig van Beethoven, einem der größten Komponisten der Weltgeschichte. 2020 wäre sein Jahr gewesen. Denn 250 Jahre zuvor, 1770, erblickte er das Licht der Welt. Wann genau, ist nicht bekannt, nur dass er am 17. Dezember getauft wurde. Das von der Beethoven Jubiläums GmbH geplante „Beethoven-Jahr“ mit zahlreichen Veranstaltungen konnte heuer indes durch Corona nur auf Sparflamme flackern, sodass es bis September 2021 verlängert wurde. Das wird natürlich auch von den Weinerzeugern begrüßt, die zu Beethoven eine besondere Beziehung haben, so wie dieser zum Wein eine spezielle und offenbar gefährliche Verbindung hatte … COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
FOTO: WEINGUT FREIHERR VON GLEICHENSTEIN
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in guter Freund über einen langen Zeitraum war Franz Gerhard Wegeler, der den jungen Ludwig, mit dem er gemeinsam die Schulbank gedrückt hatte, bei einer Exkursion im Siebengebirge während eines Gewitters in einem
Unterstand später zufällig traf. Der Kontakt riss nicht wieder ab, weil Kinder der Familie Breuning in Bonn eine freundschaftliche Beziehung zu beiden pflegten und von Beethoven Klavierunterricht bekamen. Die nächsten Treffen der beiden fanden in Wien statt. Wegeler hatte als junger Arzt dort beruflich zu tun, Beethovens Bruder Johann hatte sich in Wien als Apotheker niedergelassen.
FOTO: WEINGUT FREIHERR VON GLEICHENSTEIN
E
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Diese Stadt, in der Ludwig van Beethoven von 1792 bis zu seinem Tod im Jahr 1827 lebte, sollte für ihn zu einem gefährlichen Pflaster werden. Denn er war beim Wein kein Kostverächter, kehrte oft in Wiener Heurigen ein, genoss aber hier auch Gebirgswein aus Ungarn, was immer das war. Rotwein lehnte er ab, weil er ihn nicht gut vertrug. In den Vororten Heiligenstadt, Grinzing, Sievering und Nussdorf war er offenbar Stammgast in einigen gemütlichen Stuben. 1817 wohnte er eine Weile am Pfarrplatz in Wien, wo er an seiner berühmten 9. Symphonie feilte. Das sogenannte „Beethoven-Haus“ ist Teil des Weingutes Mayer am Pfarrplatz (seit etlichen Jahren eine erste Weinadresse von Wien). Und weil der Künstler viele Jahre in Wien lebte, ist ihm auch ein Museum gewidmet.
Mit seinem Freund Wegeler hielt er in all diesen Wiener Jahren Kontakt durch Briefe, in denen er ihm auch sein Gehörproblem beschrieb, das schließlich zur Taubheit führte – trotzdem komponierte er fleißig weiter und schuf dabei seine 9. Symphonie „Ode an die Freude“, die 1970 zur Grundlage für den Pop-Welthit „A Song of Joy“ wurde. Das Gehör war nicht das einzige gesundheitliche Problem von Beethoven. Er litt offenbar an einigen chronischen Erkrankungen, die man später auch darauf zurückführte, dass er regelmäßig billigen Weißwein trank, der durch den Alkohol die Leber schädigte und zudem mit Bleizucker statt mit teurem Rohrzucker versetzt war. Die Gefahr einer Bleivergiftung war in jener Zeit nicht bekannt. In Untersuchungen nach seinem Ableben wurde in Beethovens Haar eine enorme Konzentration von Blei gefunden. Da sich auch noch eine Leberzirrhose bei ihm eingestellt hatte, war es nicht verwunderlich, dass er kein biblisches Alter erreichte.
Dass unverfälschter Wein das bessere Genussmittel für ihn gewesen wäre, stellte sich im Nachhinein heraus. Im Sommer 1826 hielt er sich eine Weile im Landsitz seines Bruders Johann in Gneixendorf bei Krems auf. Haar-Analysen mit zeitlicher Fixierung ergaben später, dass er in dieser Zeit guten Wein getrunken hatte, während für die Zeit danach deutliche Blei-Ausschläge erkennbar waren. Er ahnte damals schon sein Ende. So schrieb er am 22. Februar 1827 an seinen Verleger Schott in Mainz, er möge ihm doch alte Rhein- oder MoselCOPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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weine schicken. Die Flaschen trafen erst kurz vor seinem
Das ist wohl auch eine Hoffnung von Johannes Freiherr von
Tod (26. März) ein. Als Beethoven eine Flasche 1806er Rü-
Gleichenstein aus Oberrotweil am Kaiserstuhl. Sein Urur-
desheimer Bergwein an sein Bett gestellt bekam, soll er nur
urgroßonkel Ignaz Freiherr von Gleichenstein, der Beetho-
noch geflüstert haben: „Schade, schade, zu spät!“
ven in Wien kennenlernte, war über drei Jahre lang dessen engster Freund und half ihm in vielen geschäftlichen Ange-
Die alte Verbindung zur Familie Wegeler mündete 1838 in
legenheiten. Als Dank schrieb ihm der Komponist eine So-
der ersten Biografie über Ludwig van Beethoven, heraus-
nate für Klavier und Violoncello. Der Nachfahre wurde 2016
gegeben von Franz Gerhard Wegeler. Es versteht sich, dass
ein Initiator und Gründungsmitglied des „Internationalen
die Familie Wegeler, zu Hause in Oestrich-Winkel bei Rü-
Fördervereins Beethovenfest Bonn e.V.“. Seine beiden Edi-
desheim und Eigentümer von zwei Weingütern, im Beetho-
tionsweine sind ein 2013er Spätburgunder und ein 2019er
ven-Jahr die Chance für eine entsprechende Edition nutz-
Grauburgunder, die beide im Stil durchaus der markanten,
te, die auch Bezug nimmt auf Werke des Komponisten. Zu
druckvollen Musik von Beethoven entsprechen. Zwei Euro
ihr gehören ein Gutssekt, betitelt mit „O, Welche Lust“,
des Verkaufspreises gehen an den Förderverein.
ein Riesling Gutswein („O, Namenlose Freude“), eine trockene Riesling Spätlese („O, Welche Wonne“), ein Premi-
Eher bescheiden ist offenbar der weinige Beitrag von Wien,
um Riesling 2013 („O, Himmlisches Entzücken“) sowie ein
obwohl hier Beethoven die größte Zeit seines Lebens ver-
Spätburgunder („O, Welch ein Augenblick“). Gut ausgesucht
brachte. Lediglich das Weingut Mayer am Pfarrplatz wartet
und durchaus Beethoven-würdig ist das alles. Wegeler-Chef
mit einem „Beethoven Viennese White“ (Grüner Veltliner,
Tom Drieseberg hofft, dass in den nächsten Monaten, wenn
Riesling, Weißburgunder) auf, der jedes Jahr zum Standard-
geplante Beethoven-Veranstaltungen doch stattfinden, die
programm des Hauses gehört. Aktuell ist Jahrgang 2019. n
Weine ihre Zielgruppe erreichen. „Gut, dass das Jahr ver-
nn
längert ist. Wir hatten schon geglaubt, unser Engagement
FOTO: WEINGÜTER WEGELER
sei vergeblich gewesen.“
COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
Yvonne Wachholder und Vater Ernst (Foto: Weinidylle Südburgenland)
Wachholder – kein Gin, sondern ein erstklassiger AUTOR: RUDOLF KNOLL Blaufränker
W
er ihren Namen hört oder
trägt zur Sicherheit auf den Straßen bei.
reichlich Sonnenstunden. Sie schwärmt
beim Lesen nicht genau
Das macht sie unter der Woche, dann fährt
zudem von „frischer Luft und einer tol-
hinschaut,
zu-
sie am Freitagabend rund 150 Kilometer
len Landschaft“. Belohnt wird alles mit
nächst einmal an das mo-
denkt
nach Hause, um am Wochenende dem Va-
guten Bewertungen in Weinführern und
dische Getränk Gin, bei dem bekanntlich
ter bei der Arbeit in den Weinbergen und
bei Wettbewerben in Austria. Kein Wun-
Wacholder ein wichtiger, geschmacksprä-
im Keller beizustehen. Der betreibt vor
der, ist schon der Basiswein, ein Eisen-
gender Grundstoff ist. Yvonne Wachholder
Ort ein Weinlabor, ist also ein altgedienter
berg DAC, ein beeindruckendes Gewächs
aus Burg im südlichen Burgenland in der
Profi, der es schätzt, dass seine Trauben
mit feinem Brombeerduft und eleganten
Weinregion Eisenstadt weiß das, lacht und
auf der Toplage Saybritz heranwachsen.
Facetten im Geschmack. Der Blaufränker
meint: „Mein Vater Ernst und ich überle-
aus der Riede Saybritz kitzelt die Nase mit
gen schon, ob wir uns nicht irgendwann
Weinbau liegt bei den Wachholders in der
Kräuterdüften und einem Hauch Nuss.
an die Produktion von Gin machen.“
Familie. Schon Yvonnes Großeltern wa-
Er ist auf der Zunge ungemein druckvoll
ren in den Reben aktiv. Sie selbst war von
und zugleich geschmeidig. Auf Augen-
Aber vorläufig bleibt die flotte, fesche
Kindesbeinen an im Weinberg an der Seite
höhe mit ihm befindet sich die noble Ei-
34-Jährige mit dem Doppel-h in der Na-
von Senior Ernst und konnte sich schnell
senberg DAC Reserve vom spät geernteten
mensmitte noch dem Rotwein treu, hier
für Blaufränkisch und Co. begeistern. Ihre
Blaufränkisch, der in kleinen und großen
vor allem dem Blaufränkisch, der klassi-
Schulaufgaben hat sie immer möglichst
Holzfässern ausgebaut wurde und erst im
schen Sorte des Gebietes. Wein ist freilich
flott bewältigt, damit sie wieder draußen
zweiten Jahr nach der Ernte in den Ver-
bei ihr nicht alles im Leben. Sie ist haupt-
anpacken konnte. Drei Hektar bewirt-
kauf kommt. n n n
beruflich beim ÖAMTC (dem österreichi-
schaften Vater und Tochter inzwischen
schen Gegenstück zum ADAC) tätig und
in Fluren mit viel Schiefer im Boden und
Spätburgunder Jahrgang 2003 AUTOR: JOACHIM A. J. KAISER
FOTO: IRENE KREDENETS
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2003 war ein außergewöhnliches Jahr, Desertifikation: heiß und trocken. Zwar gab es auch schon vorher heiße Jahre, aber die lange Hitzewelle ohne Regen war für deutsche Winzer beispiellos. Mit der Verkostung wollten wir sehen, wie sie mit der neuen Situation zurechtgekommen sind, wie sich die Weine entwickelt haben und welche Konsequenzen daraus gezogen werden können. Das Panel Vier Juroren waren bei allen Terminen anwesend: Joachim A. J. Kaiser - VINOSITAS Journalism & Photography Thorsten Kogge - Mitarbeiter beim Weinkritiker Yves Beck Maximilian Philipps - Weinblogger Patrick Johner – Winzer
Weitere Juroren: Uwe Blumhofer - Winzer und Feinkostkaufmann Moritz Görg - Oenologe (Bürklin-Wolf, Dönnhoff) Johannes Jülg - Winzer Susanne Kaufmann - Informatikerin Jürgen Kling - Sammler von High-End-Weinen Andreas Klumpp - Winzer Philipp Petri - Winzer Holger Klotz - Sommelier und Gastronomieleiter Ivo Rogina - Professor für Informatik Walter Zentner - Ingenieur
Die Weine Vier renommierte Pinots Noirs aus dem Burgund wurden zum Vergleich herangezogen. Der Les Epenottes kommt vom Schweizer Weinkritiker Yves Beck (herzlichen Dank!). Die meisten Weine wurden von den Weingütern gestellt. Es wurden 53 Weine von 42 Weingütern verkostet.
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44
D
ie Weine wurden an vier Terminen 2019 verkostet. Sie wurden 1,5 Stunden vorher geöffnet, auf TCA und Co getestet, dann
Die Verkostung
kühl gelagert. Alle wurden zunächst blind
verkostet. Eine zweite, offene Runde fand drei Stun-
Die Bewertungen wurden statistisch ausgewertet: Me-
den später statt, um zu schmecken, wie sich die Weine
dian, Mittelwert, Standardabweichung. Ausreißer wur-
entwickelt hatten. Bei dieser zweiten Runde durfte ma-
den eliminiert (4 von 338). Falls eine Konterflasche
ximal um zwei Punkte korrigiert werden. Hintergrund
vorhanden war, wurde bei unter 90/100 Punkten die
dieser Regel: Die meisten Konsumenten warten keine
Konterflasche bei einem der nächsten Termine blind
drei Stunden zu Hause oder im Restaurant, ehe sie eine
eingeschleust.
geöffnete Flasche trinken. Weine teilnehmender Winzer wurden an Terminen verkostet, an denen sie nicht anwesend waren. Patrick Johner, der an allen vier Terminen teilnahm, wusste nicht, wann seine Weine anstanden. Er hat sie nicht erkannt und seine Bewertungen unterscheiden sich nicht von denen der anderen Juroren.
FOTO: WEINFEDER ARCHIV COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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Platz 2: 95/100, Shelter Winery, 2003 Pinot Noir
Die Rangfolge
Was Hans-Bert Espe und Silke Wolf vinifiziert haben, ist eine Sensation, denn das war ihr erster Jahrgang. Feuerstein
Die olympischen Disziplinen kennen drei Sieger: Gold,
und ein kühler, ätherischer Duft in der Nase, verwoben mit
Silber und Bronze. Bei den 2003er Spätburgundern sind
roter Beerenfrucht. Im Mund Aromen von Brombeeren
es allerdings fünf, denn Silber und Bronze teilen sich
und hellem Leder. Die Frische von roter Johannisbeere
jeweils zwei Weine.
kontrastiert mit dezenten Noten nach Liebstöckel, Koriandergrün, schwarzem Pfeffer und erzeugt eine Spannung,
Platz 1: 96/100 Bernhard Huber, 2003 Spätburgunder >R<
die sofort nach dem nächsten Schluck verlangt. Der Wein ist balanciert, ungewöhnlich nuanciert und wirkt trotz seiner 14,5 % Alkohol eher kühl am Gaumen.
>R< ist der Vorläufer vom Wildenstein, der ab 2004 als VDP.GG auf den Markt kam. Würziger und kalkiger Duft, rote und blaue Beerenfrüchte. Am Gaumen voll,
Platz 3: 94/100, Ziereisen, 2003 Pinot Noir Jaspis
dabei elegant und fest zugleich, mit Luft und Wärme zusätzlich helle Pflaume, Aronia, Himbeere, auch Ta-
Die handbeschriftete Flasche kommt direkt aus Ziereisens
bak, Leder und ein Hauch von frischem Jogurt, alles
Schatzkammer. Der Jaspis übt sich zunächst in Zurück-
sehr fein verwoben, nichts aufdringlich, Tannine rund
haltung, dezenter, unspezifisch rot- und dunkelbee-
und seidig, lang. Mit 13,5 % ist der Alkoholgehalt des
riger Duft, dann kalkige und feine ätherische Noten,
>R< noch moderat.
Eukalyptus, Minze und Kampfer, immer noch alles sehr zurückhaltend. Im Mund wiederholt sich dieser
Platz 2: 95/100, Knipser, 2003 Spätburgunder Im Großen Garten
Eindruck, nachhaltig und fest am Gaumen, aber nichts dominiert, alles verschmilzt zu einem harmonischen Ganzen. Wenn überhaupt etwas heraussticht, dann die packende Säure, die den Wein frisch und saftig erschei-
Im Großen Garten ist der Vorläufer des VDP.GG Burg-
nen lässt und die Aufmerksamkeit fokussiert. Dabei nur
weg. Der Wein duftet kräftig nach Cassis, Schwarzkir-
12,5 % Alkohol, eine Meisterleistung für das heiße Jahr
sche und „Zwetschgenkuchenbackblech“, auch leicht
2003! Ein Musterbeispiel an Eleganz, das zeigt, dass
rauchige Noten, Holzasche. Im Mund kräftig, dezente
12,5 % Alkohol vollkommen ausreichen, um einen Spit-
Bittermandelnote, Zigarrenkiste, Tannine feinkörnig,
zen-Spätburgunder zu erzeugen.
saftig-animierend trotz seiner Kraft, lang. Die 14,5 % Alkohol sind gut eingebunden.
Offensichtlich beherrschen Knipsers die Kunst, kräftige
Platz 3: 94/100, Parent, 2003 Les Epenottes Premier Cru de Beaune
und trotzdem elegante Spätburgunder auf die Flasche zu ziehen, nicht erst seit gestern.
Parent ist einer der vier Vergleichsburgunder. Der Wein duftet dezent nach Rhabarber, schwarzem Tee, Kornelund Sauerkirsche, auch eine leicht ätherische Note ist vorhanden. Im Mund kommt mit Wärme eine kalkige Note hinzu. Die Tannine sind noch feinkörnig, leicht adstringierend, prägnante Säure. Die 14,5 % merkt man, die Wärme des Alkohols dominiert den Wein jedoch nicht.
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Die Mitte In die Mitte wurden alle Weine zwischen 93 und 90/100 Punkten (Median) eingereiht. Im Rahmen dieser Ver-
Der Alkoholgehalt
kostung sind das exzellente Weine, die sich auch international nicht verstecken müssen.
Der Alkoholgehalt liegt zwischen 12,5 und 18 %. Eine erhebliche Schwankungsbreite, wobei man von einer
Platz 4: 93,5/100, drei Weine
trockenen Beerenauslese auch nicht erwartet, dass sie
Platz 5: 93/100, sechs Weine, darunter der Clavelier
der Archetyp des schlanken, eleganten Spätburgunders/
Platz 6: 92,5/100, fünf Weine, darunter der SERAFIN
Pinot Noirs ist und nur 12,5 % aufweist, wie beim Aus-
Platz 7:92/100, sieben Weine inkl. Charat-Coquidant
nahmewein Jaspis.
Platz 8: 91,5/100, drei Weine Platz 9: 91/100, sechs Weine Platz 10: 90,5/100, vier Weine Platz 11: 90/100, zwei Weine
Die Anderen
Bewertung im Vergleich zum Alkoholgehalt
12 Weine liegen unter 90/100. Bei diesen handelt sich im-
Etliche Weine mit 15 bis 16 % steckten den hohen Al-
mer noch um gute Weine. Die niedrigste Bewertung be-
koholgehalt jedoch erstaunlich gut weg, da sie aufgrund
trug 84/100. Nur einer dieser Weine musste ausgeschlos-
ihrer strukturellen Substanz gut ‚gepuffert‘ waren. Bleibt
sen werden, da er komplett zusammenbrach, nicht mehr
die Frage, ob trockene Spätburgunder Beerenauslesen
genießbar war. Es war der einzige Wein mit zweifelhafter
wünschenswert sind. 17 oder 18 % machen sich schon
Provenienz. Alle anderen Weine stammten direkt von den
deutlich bemerkbar. Die Weine wirken bitter, spritig,
Weingütern oder den Kellern der Juroren.
brennend auf der Zunge. Letztendlich ist das wohl Geschmackssache, Spirituosen haben noch viel höhere Al-
Die Regionen
koholgehalte. Es gab auch 14,5%ige Weine, bei denen der Alkohol sich deutlich bemerkbar machte. Nicht wirklich unangenehm, aber stark genug, um sie nicht in die Spit-
Mit 18 Weinen ist Baden am häufigsten vertreten, ge-
zengruppe vordringen zu lassen.
folgt von der Pfalz mit 12, Württemberg mit 5, Burgund, Franken und Rheingau mit je 4, Ahr und Rheinhessen
Eine eindeutige Korrelation zwischen dem Alkoholgehalt
mit je 3 Weinen.
und der Bewertung gibt es nicht. Das Panel bewertete drei der sechs Weine mit 16, 17 und 18 % relativ nied-
Die Dominanz von Baden und Pfalz verwundert nicht,
rig, 85,5/100 oder weniger. Drei Weine mit 16 % schnitten
denn das sind die beiden Regionen mit dem wärmsten
jedoch exzellent ab mit 90 bis 93/100. Weine mit 15 bis
Klima in Deutschland. Die Weingüter verfügen deshalb
15,5% finden sich querbeet. Auffällig ist jedoch, dass kei-
am ehesten über Erfahrung, wie mit heißen Jahrgän-
ner der fünf Weine an der Spitze mehr als 14,5 % aufweist
gen umzugehen ist. Allerdings gab es auch in Baden
und die beiden Weine mit 17 und 18 % zusammen mit
und in der Pfalz Winzer, die zugaben, dass sie nicht gut
einem 16%igen Wein das Schlusslicht bilden. Allerdings
mit dem Jahrgang 2003 zurechtgekommen sind. Dabei
gesellt sich auch ein 14%iger Wein zu diesen Schluss-
machte ihnen weniger die Hitze als viel mehr die Tro-
lichtern. Der Grund liegt bei diesem Wein also nicht am
ckenheit zu schaffen. Diese Winzer haben deshalb keine
Alkohol. Was ist die Ursache für das relativ schlechte Ab-
Weine zur Verfügung gestellt.
schneiden dieses und weiterer Weine?
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FOTO: ANDREAS HASLINGER
Das bekannte, unbekannte Risiko Kork 2,4,6-Trichloranisol (TCA) ist die bekannteste einer Reihe von phenolischen Verbindungen, die als Korkton bekannt sind. Weitere chlor- und bromhaltige Anisole riechen nicht so penetrant wie TCA, beeinflussen Wein aber ebenfalls stark negativ.
Weit weniger bekannt sind geschmackliche Beeinträchtigungen, die überwiegend erst mit der Reifung und Alterung von Wein in mit Kork verschlossenen Flaschen auftreten. Korken durchfeuchten langsam und laugen im Laufe der Jahre aus. Hohe Alkoholgehalte begünstigen diese Auslaugung, weil viele dieser Stoffe sich besser in alkoholischer Lösung als in reinem Wasser lösen. Schlechte oder verunreinigte Korken können unangenehm riechende und schmeckende Stoffe abgeben. So ist zum Beispiel 1-Octen3-ol (Octenol) eine Verbindung, die ähnlich unangenehm wie TCA riecht und typischerweise auf Schimmel im ausgelaugten Korken zurückzuführen ist.
Geschmacklich besonders auffällig ist die Korkauslaugung bei gereiften Weißweinen. In sehr geringen Konzentrationen schmecken die Weine erdig, nach nassem Herbstlaub, in höheren Konzentrationen von muffiger Pappe bis hin zu stinkendem Bahnhofstunnel. Bei Rotweinen fällt die Korkauslaugung in geringer Konzentration nicht so sehr auf wie bei Weißweinen. Erdige und Herbstlaubnoten werden als die Komplexität bereichernde Aromen gereifter Rotweine wahrgenommen. Einige Spätburgunder wiesen trotzdem eine erhebliche Korkauslaugung auf. Sie trat in der zweiten Runde, nach drei Stunden Luftkontakt, noch deutlicher als in der ersten Runde hervor. Die Konterflaschen bestätigten die niedrigeren Bewertungen wegen Korkauslaugung in drei von vier Fällen.
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Das Aromenprofil
wird das schon lange so gehandhabt. Nötigenfalls wird chaptalisiert, um ca. 13 % Alkohol zu erreichen. Oder wird angesäuert, wenn in zu heißen Jahren die Säurewerte in die Knie gehen. 2003 wurde zum ersten Mal die Ansäuerung in Deutschland zugelassen.
S
Hinzu kommt, dass Spitzenwinzer mittlerweile gepätburgunder/Pinot Noir ist der König un-
lernt haben, die Pflege ihrer Weinberge gezielt an
ter den Cool Climate-Rotweinsorten. Als
heiße und trockene Jahre anzupassen, was ebenfalls
klassisch gelten elegante, eher schlanke bis
dazu beiträgt, den Alkohol zu reduzieren. Trauben
mittelgewichtige, rotfruchtige Weine: Him-
können in heißen Jahren, müssen aber nicht un-
beere, Erdbeere, rote Johannisbeere, Sauerkirsche und
bedingt zum frühestmöglichen Zeitpunkt geerntet
ein Hauch Bittermandel, wie er aus angebissenen
werden. Es spielt auch die innere Dichte der Weine
Kirschkernen kommt. Man spricht von ‚kühler‘ Aro-
eine Rolle, das heißt der zuckerfreie Extrakt, weil
matik. Alkoholgehalte über 13,5 % sind unerwünscht.
er hohen Alkohol geschmacklich ‚puffert‘. Zu hohe
In sehr warmen Jahren steigt der Zuckergehalt in den
Erträge, zum Beispiel durch Bewässerung ohne Er-
Beeren und damit der Alkoholgehalt. Die Weine wer-
tragsreduzierung, reduzieren diese innere Dichte.
den ‚breiter‘, die Säure niedriger und das Aromen-
Bei gleichzeitig hohem Alkoholgehalt wirken diese
profil verschiebt sich in Richtung reifer, dunklerer
Weine unbalanciert und brandig.
Frucht: Schwarzkirsche, Brombeere, Blaubeere, Cassis. Man spricht von ‚reifer‘ Aromatik. Und in rich-
Wer nun denkt, dass in sehr heißen Jahren die Trau-
tig heißen Jahren sind locker 15 % Alkohol und mehr
ben stets problemlos diese physiologische Reife errei-
möglich. Die Weine wirken ‚fett‘ und das Aromenpro-
chen sollten, täuscht sich. 2018 hat das exemplarisch
fil geht in Richtung Zwetschge, Feige, Rumtopf.
sehr deutlich gezeigt. Wenn Hitze und Dürre zusammentreffen, kann der Wassermangel in Verbindung
Die meisten Kritiker goutieren diese ‚überreifen‘,
mit der Hitze dazu führen, dass die Reben den Rei-
‚marmeladigen‘ Spätburgunder/Pinots Noirs nicht.
fungsprozess einstellen und den Stoffwechsel auf ein
Die meisten Konsumenten schätzen dagegen diesen
lebenserhaltendes Minimum reduzieren. Haben die
dunkelfruchtigen, fülligen Stil. Einige Jahre später ist
Reben später im Jahr keine Gelegenheit mehr, diese
die Frucht oft weg und der brennende Alkohol bleibt:
Reifeunterbrechung aufzuholen, weil das Wetter nicht
Sie reifen nicht gut.
mitspielt oder die Zeit nicht mehr reicht, dann können die Weine auch in heißen Jahren die erwähnten,
Mit zunehmender Klimaerwärmung verschärft sich
grünen, unreifen Noten zeigen. 2018 war dies bei vie-
das Problem, wie 1997, 2003 und zuletzt 2019 zei-
len Weißweinen der Fall. Auch bei manchen Rotwei-
gen. Mittlerweile haben die Winzer eine pragma-
nen, allerdings deutlich weniger als bei Weißweinen.
tische Lösung gefunden: einfach genau auf das Mostgewicht schauen, früher ernten und das Aromenprofil bei der Heranreifung genau beobachten. Unreife
Spätburgundertrauben
können
Aromen
Die Reifung auf der Flasche
nach Gras, grünem Paprika oder grün-gemüsige Noten zeigen. Dann kommt eine Reifephase mit
Schon einmal wurden etliche 2003er Spätburgun-
Obst-Aromatik. Trauben können so früh wie mög-
der, die wir in der Verkostung hatten, im gereiften
lich geerntet werden, sobald sie sich geschmack-
Zustand probiert, nämlich 2013. An der 10 Years
lich in der Obst-Phase befinden. Man spricht von
After-Probe des Gault&Millau nahm Panelmitglied
physiologischer Reife. Ganz unabhängig davon,
Patrick Johner ebenfalls teil. Abgestraft wurden
ob sie bereits 95 Grad Oechsle aufweisen, was den
Weine mit derben Tanninen, Alkohol-Imbalance,
erwünschten 12,5 bis 13 % Alkohol entspricht. Im
oxidativen Noten und auch der ‚falschen‘ Aroma-
Burgund, das in der wärmeren Weinbauzone C liegt,
tik, dunkler bis überreifer Frucht.
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Eine „zu derbe Tanninstruktur“ trat bei unserer Verkostung nicht auf. Tannine waren durch die Bank ‚abgeschmolzen‘, der geschmacklich-taktile Eindruck
Das Niveau lag sehr hoch, lediglich vier Weine er-
reichte von seidig-rund bis zu feinkörnig. Es gab auch
zielten weniger als 86/100 Punkte (Median). Acht
keine ‚Biberweine‘, das heißt durch zu intensiven
Weine erreichten 86 bis 89 Punkte, 41 erzielten 90
Holzeinsatz geprägte Weine. Das liegt sicher zum Teil
und mehr Punkte. Das Ergebnis ist auf der einen
an den verstrichenen 16 Jahren. Zudem haben deut-
Seite nicht verwunderlich, weil an der Verkostung
sche Winzer seit den 1980ern erheblich dazugelernt.
überwiegend Spitzenweingüter teilnahmen. Win-
Spitzenwinzer beherrschen mittlerweile den Einsatz
zer, die Probleme mit dem Jahrgang hatten, nahmen
von Barriquefässern hervorragend. Wenn überhaupt,
erst gar nicht teil. Auf der anderen Seite zeigt sich
dann deuten als geschmacksbereichernd empfunde-
überraschenderweise, dass der schlechte Ruf heißer
ne, dezente Asche-, Rauch- oder Specknoten auf den
und trockener Jahrgänge zu Unrecht besteht. Win-
Holzeinsatz hin. Sehr leichte oxidative Noten traten
zer, die bereits Erfahrung mit heißen Jahrgängen im
bei einigen wenigen Weinen auf, machten sich aber
Burgund und in anderen Weinbaugebieten gewon-
nicht wirklich störend bemerkbar.
nen hatten, brachten exzellente Spätburgunder auf die Flasche. Weine, die nicht nur in der Jugend gut
Zu niedrige Säure haben wir nicht festgestellt. Einige
schmecken, sondern gut gereift sind und auch noch
Weine wiesen durchaus packende Säure auf. Welcher
nach 16 Jahren wunderbar dastehen und sich mit
Winzer angesäuert hat, lässt sich im Nachhinein nicht
großem Genuss trinken.
mehr eindeutig feststellen, da zum Teil die jüngere Generation übernommen hat oder die entsprechen-
Die Rezeption solcher Weine aus heißen und tro-
de Dokumentation fehlt. In keinem Fall wurde jedoch
ckenen Jahrgängen ist allerdings sehr verschieden.
eine kräftige Säure als unangenehm empfunden. Im
Während Kritiker überwiegend den klassischen,
Gegenteil, sie trug zum Eindruck von Frische bei, vor
schlanken, rotfruchtigen Pinot Noir-Stil mit sehr
allem bei den Weinen mit kräftiger, dunkler Frucht.
moderatem Alkoholgehalt bevorzugen und hoch bewerten, ziehen Konsumenten meist den kräfti-
Die „falsche“ Fruchtaromatik zeigte sich dagegen bei
gen, dunkelfruchtigen Stil mit höherem Alkohol-
einer Reihe von Spätburgundern. Die Rumtopfaromen
gehalt vor.
der hochprozentigen Weine machten sich negativ bemerkbar. Dabei machten sich weniger die Aromen,
Die Verkostung hat gezeigt, dass hoher Alkoholge-
sondern eher der hohe Alkoholgehalt dieser Weine
halt und superreife Frucht hoher Qualität nicht im
negativ bemerkbar. Einige Weine mit 14,5 bis 16 %
Wege stehen, insofern ausreichend Säure als Balance
und den gleichen superreifen Fruchtaromen schnitten
für Frische sorgt. Außerdem muss der Wein genü-
exzellent ab, weil genügend Säure Frische und Balan-
gend innere Dichte als weiteren ‚Puffer‘ für den ho-
ce in den Wein brachte und die substanzielle Dichte
hen Alkoholgehalt aufweisen. Ausreichend zucker-
den Alkohol zusätzlich ‚pufferte‘.
freier Extrakt, um diese Dichte zu erhalten, ist mit hohen Ernteerträgen allerdings nicht zu erzielen.
Das Fazit
Ein unterschätztes Problem ist die Korkqualität. Schlechte oder verunreinigte Korken laugen aus und
An vier Terminen im Juni und Juli 2019 wurden 53
können selbst ursprünglich exzellente Weine stark
Spätburgunder verkostet. 49 aus Deutschland und vier
beeinträchtigen. Vor allem bei Weinen, die für eine
zum Vergleich aus dem Burgund. Alle Weine wurden
längere Lagerung vorgesehen sind, sollte unbedingt
zunächst blind und erst in einer zweiten Runde offen
auf beste Korkqualität geachtet werden. n n n
verkostet.
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Bordeaux 2018 Ein JahrhundertJahrgang? AUTOR: HEIKO T. TAUDIEN
Dieser Artikel ist sowohl dem erfahrenen Weinliebhaber als auch dem Kaufinteressenten von hochwertigen Bordeaux Weinen gewidmet. Mit großer Sorgfalt habe ich mich nach dem Besuch der Bordeaux En Primeur-Woche im letzten Jahr bemüht, Hintergründe sowohl im Weinbau als
FOTO: WEINFEDER ARCHIV
auch in der Vermarktung der besten Weine in einem so faszinierenden wie herausfordernden Jahrgang 2018 zu beschreiben. Wieder einmal sprechen der Weinhandel und nicht wenige Journalisten von einem Jahrhundertjahrgang.
I
51
st dabei der Wunsch der Vater
sollte man sich von allen Einfluss-
Personal am Wochenende des plötzli-
des Gedankens? Für die erfolg-
faktoren trennen, die im Lauf der Zeit
chen Mehltauausbruchs verhinderte. Es
reiche Vermarktung braucht der
vergleichsweise konstant bleiben. Zum
hört sich banal an, aber diese Bemer-
Fachhandel Jahr für Jahr eine
Beispiel die Handschrift eines Weinguts
kung wurde so häufig gemacht, dass ich
besondere Story. Dabei hilft natürlich
oder auch die charakteristischen Noten
es nicht unerwähnt lassen möchte.
die Hoffnung auf einen Jahrhundert-
von entsprechenden Rebsorten.
Château Palmer
jahrgang. Vorab bemerkt: Ich konnte Weine mit wunderbarer Konzentration,
Ein Faktor ist in den Breitengraden des
Frische, klaren und feinen Aromen sowie
Bordeaux jedoch prädestiniert für ein
Thomas Douroux von Château Palmer
großer Tannindichte bei mittleren bis
erstes Indiz für einen Jahrhundert-
berichtete, es sei der schlimmste Aus-
hohen Alkoholwerten verkosten. Diese
wein: das Klima. So unbeeinflussbar es
bruch von Mehltau seit 40 Jahren ge-
Eigenschaften erfordern ein sehr gutes
selbst ist, so außergewöhnlich ist sei-
wesen. Palmer musste den größten
Traubenmaterial. Ebenso bedarf es wie
ne Wirkung in Bezug auf den Wein. Nur
Ernteverlust seit Jahrzehnten mit ei-
in einem nachfolgend beschriebenen
wenn optimale klimatische Bedingun-
nem Ertrag von nur elf Hektolitern pro
besonderen Weinjahr intelligenter An-
gen herrschen und den Rebstock schon
Hektar hinnehmen, verglichen mit er-
sätze in Bezug auf Extraktion und Fer-
beim Ausbilden der Beeren unterstüt-
warteten 35 Hektolitern pro Hektar. Ein
mentation des Lesegutes. In den Kellern
zen, können Winzer ihren hohen Qua-
solches Niveau entspricht fast der Pro-
war das sicherlich nicht einfach, denn
litätsanspruch noch übertreffen. Wein,
duktion von Sauternes! Château Palmer
einen wirklich über alle Zweifel erha-
so viel ist sicher, entsteht daher stets im
erlitt keineswegs allein dramatische
benen, balancierten Wein herzustellen,
Wechselspiel des Winzers mit der Natur.
Ertragseinbußen, auch Château Pon-
war eine Herausforderung.
Bei maßgeblichem Tannin (in vielen
tet-Canet verarbeitete nur ein Drit-
Klimadaten 2018 im Winter und im Frühjahr
Fällen auf Rekordniveau, gemessen am
tel der normalen Produktionsmenge. Die Ausfälle bei diesen beiden Gütern sind sicherlich die dramatischsten und
IPT-Index) und eher hohem Alkohol-
Die Klimadaten für das Jahr 2018 im
können
gehalt kann man sich fragen, wie sich
Bordeaux zeigen einen außergewöhnli-
schem Weinbau zugeschrieben wer-
die Weine entwickeln werden. Trotz der
chen Verlauf. Der Winter war sehr nass.
den. Im Wesentlichen verzichten die-
erwähnten jugendlichen Frische bleibt
konkret gab es zwischen Dezember 2017
se Weingüter auf ihre Flexibilität für
die Frage, ob der Säuregehalt ausreicht,
und Mai 2018 über 800 Millimeter Nie-
ihre Philosophie. Die Mehltauattacken
um längerfristig eine Balance aus allen
derschlag, was dem durchschnittlichen
waren nicht nur auf Médoc und Marg-
Komponenten zu schaffen. Es ist nicht
Wert eines ganzen Jahres in der Regi-
aux beschränkt. Auch Weingüter wie
überraschend, dass viele Weingüter die
on entspricht. Durch diese nassen und
Smith-Haut Lafitte in Pessac-Léognan
Fassproben weitaus kühler als üblich
auch kalten Bedingungen verzögerte
verzeichneten Verluste von bis zu 40 %
servierten, da niedrigere Temperaturen
sich der Austrieb der Reben. Der Früh-
des üblichen Ertrages.
die Wahrnehmung am Gaumen kom-
ling blieb nass und kühler als in einem
pensieren können.
durchschnittlichen Jahr und im späten Frühling bzw. Frühsommer entwickel-
Was macht einen Jahrhundertwein aus?
deren
biologisch-dynami-
Klimadaten im Sommer 2018
te sich ein starker Befall von Mehltau. Viele Weingüter berichteten über eine
Ab Juli war die Gefahr von Mehltau vo-
eher normale Frühjahrsarbeit im Wein-
rüber und es setzte ein heißer, trocke-
Eine Beschreibung für das zu finden,
berg. Von größerer Relevanz war das
ner Sommer ein. Trotz der Regenfälle
was einen Wein zum Jahrhundertwein
Zeit- und Personalmanagement, denn
im Winter und Frühjahr litten die Reben
macht, ist nicht einfach. Professionel-
bei vielen Winzern kam es zu Perso-
unter erheblichem Wassermangel. In
le Verkoster und erfahrene Weinlieber
nalengpässen, um den Mehltau ausrei-
der Folge entwickelten sich kleine Bee-
stimmen überein, dass die Entstehung
chend bekämpfen zu können. Das größ-
ren (in einigen Fällen um 20 % kleiner
hochwertiger Genüsse mit unzähligen
te Problem war tatsächlich das extrem
als normal) mit erhöhter Konzentration
Details und Faktoren verbunden ist.
restriktive
Arbeitsrecht,
und dicker Beerenhaut. Die trockenen
Um einen Jahrhundertwein zu finden,
das eine ausreichende Bereitstellung von
und heißen Bedingungen setzten sich
französische
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FOTO: HEIKO T. TAUDIEN
FOTO: HEIKO T. TAUDIEN
53
im August mit wenigen Millimetern Re-
von bis zu 17 Grad entscheidend. Im Ver-
diesbezüglich vielleicht ein bisschen zu
gen fort – einige technische Direktoren
gleich zum Jahr 2003, in dem die Tem-
weit gegangen zu sein. Häufig erhielt
und Winzer bemerkten, dass sie es noch
peraturen bis in die Nacht hoch waren,
ich Hinweise auf niedrigere Gärtempe-
nie so trocken erlebt hätten. Der Unter-
haben die 2018er Weine eine unheimli-
raturen (durch Kühlsysteme gesteuert).
schied zwischen Tag- und Nachttempe-
che Frische, sowohl was die Aromen als
Bei höherer Temperatur würde entspre-
raturen ist zudem eine wichtige Kompo-
auch den Gaumen betrifft, insbesondere
chend mehr Substanz aus den Schalen
nente für den Jahrgang. Werden heiße
für ein so schwieriges Jahr. Der zwei-
extrahiert, sodass mit niedrigerer Tem-
Tage durch kühle Nächte ausgeglichen,
te Faktor, der den Jahrgang 2018 prägt,
peratur eine sanftere Extraktion ange-
bleiben Aromen und Frische erhalten.
betrifft die Tannine. Diese liegen in den
strebt wird. An diesen Entscheidungen
meisten Fällen auf Rekordniveau, ge-
sieht man die Faszination der Rotwein-
Lese 2018
messen am IPT-Index, und dies ist auf
bereitung: Eigentlich geht es nur um die
die geringe Größe der Beeren und die di-
optimale Verarbeitung der Trauben und
cken Häute zurückzuführen.
trotzdem erfordert es eine sehr komple-
Für die meisten Güter im Médoc begann
xe Entscheidungskette.
die Lese der jüngeren Merlot-Reben be-
Vollreife Trauben des Cabernet Sauvignon
Die Weine des Jahres 2018
Wochen vor dem Cabernet Sauvignon
Faszinierend waren die Trauben des Ca-
Die Weine wiesen durchweg eine dich-
des linken Ufers geerntet. Ein Premier
bernet Sauvignon, die erstmalig mit ei-
te Textur auf, generell eine positive Ei-
Cru Classé B-Winzer berichtete, dass die
nem potenziellen Alkohol des Merlot
genschaft. Dennoch hatte man bei eini-
Kerne der Trauben bereits Ende August
geerntet wurden – normalerweise sind
gen den Eindruck, dass diese Dichte die
braun wurden – ein Zeichen dafür, dass
es zwei Volumprozent Alkohol weniger.
Präzision und den Trinkfluss ein wenig
die volle Phenolreife erreicht wurde und
Der Zuckergehalt in den bemerkenswert
einschränkte. Es war einfach, sich von
der resultierende Wein besonders feine
kleinen Beeren sorgte in vielen Weingü-
Konzentration, jugendlicher Frische und
Tannine aufweisen sollte. Seine Ernte
tern des Médoc für Alkoholhöchstwer-
ausgeprägten Aromen beeindrucken zu
begann am 17. September mit dem Mer-
te bei Cabernet Sauvignon. Im Château
lassen, doch die Alterungsfähigkeit eines
lot und endete am 12. Oktober mit Ca-
Calon Ségur konnten wir einen beein-
Weins hängt auch von seinem Gleichge-
bernet Franc und Cabernet Sauvignon.
druckenden Wein des Jahres 2018 ver-
wicht ab – der Balance. Dazu prüft man
Sein direkter Nachbar merkte an, dass
kosten, der einen Alkoholgehalt von 14,9
bei Fassproben die Weine bezüglich Tan-
die Trauben schnell reiften und somit
% aufwies, im Vergleich zu 13,8 % des
nin, Struktur, Säure, Fruchtdichte und
saubere Primäraromen zeigten. Er ern-
Jahrgangs 2014. Alkohol an sich ist in
Reinheit.
tete später, um eine komplexere Aroma-
der Weinbereitung nicht problematisch,
tik zu ermöglichen. Glücklicherweise ist
wenn er sich im Gleichgewicht zu Frucht
Bei so üppiger Frucht in diesem Jahr-
ihm dies gelungen, ohne den Zucker-
und Süße befindet. Bei hohen Alkohol-
gang 2018 fragte ich mich, ob die Wahr-
bzw. Alkoholgehalt maßgeblich zu erhö-
werten, kleinen Beeren mit reifen Tan-
nehmung der Tannine korrekt war, da
hen. Geerntet wurde an einem einzigen
ninen und vollen Farben wird jedoch
sie durch das Volumen an komplexer
Tag, dem 5. Oktober.
reichlich und schnell aus den Schalen
Frucht und Alkohol überschattet wer-
extrahiert. Viele Weingüter reduzierten
den können. Ich glaube nicht, dass es in
Kleinere Beeren
das Umpumpen bzw. Untertauchen, da
diesem Jahrgang einfach war, langfristig
sie sich der Gefahr der übermäßigen Ex-
sehr bedeutende Weine herzustellen.
reits Mitte September und endete in der ersten Oktoberwoche. Der Merlot reift
früher und wird deshalb oft bis zu zwei
Mehltau war nur für einen Teil der Men-
traktion bewusst waren.
Weine von Weltklasse
genreduzierung verantwortlich, maßgeblich waren auch die kleineren Beeren aufgrund des trockenen Sommers. Zwei
Hinweise auf niedrige Gärtemperaturen
wichtige Faktoren trugen dazu bei, die
Spektakuläre Weine wurden sowohl am rechten Ufer (Pomerol und St.-Émili-
Fruchtintensität im Jahr 2018 auszuglei-
Der technische Direktor eines der füh-
on) als auch im Pauillac erzeugt, mit den
chen. Zum einen war die Verschiebung
renden Weingüter des Bordeaux merk-
Weinen von Cheval Blanc, Lafleur, La-
zwischen Tag- und Nachttemperaturen
te vertraulich an, er habe das Gefühl,
tour und Lafite. Während der Verkostung
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Fazit
samten Jahrgangs etwas anderes. Kann
en überlegten wir immer wieder, ob der
man den neuen Jahrgang 2018 mit einem
Cheval Blanc 2018 einer der besten Wei-
Jahrgang aus der Vergangenheit verglei-
2018 gab es potenzielle Jahrhundert-
ne ist, den wir je getrunken haben. Au-
chen? Dies ist nicht einfach. Dichte und
weine wie zum Beispiel Cheval Blanc,
ßergewöhnliche Weine fanden wir unter
Struktur erinnern mich in den besten
Lafleur und Latour und ebenfalls nicht
anderem auch in Margaux auf Château
Beispielen an das Jahr 2010, gepaart mit
wenige beeindruckende Weine. Den-
Palmer und in Pessac-Léognan auf Châ-
Frische, Finesse und Präzision des Jahres
noch kann man meines Erachtens nicht
teau La Mission Haut-Brion. Wir stellten
2016 und einer Qualität der Tannine, die
von einem Jahrhundertjahrgang spre-
während der Verkostung eine Reife fest,
im Jahr 2015 insbesondere am rechten
chen, allerdings ohne Zweifel von einem
jedoch ist Jahrhundertqualität eines ge-
Ufer zu finden war.
sehr guten Jahr 2018. n n n
FOTO: HEIKO T. TAUDIEN
mit einigen Kollegen aus Großbritanni-
Komplexe Rotweine von kalkigen Riffs AUTOR: PETER W. SCHNEIDER
In der Region Ribera del Duero in Nordwestspanien werden Rotweine auf hohem Niveau erzeugt, die eine gut austarierte Balance zwischen Moderne und Tradition bieten.
FOTO: BODEGAS EL LAGAR DE ISILLA
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Wenn man von Madrid über die kastilische Hochebene Richtung Norden fährt, vermittelt sich durchaus das Gefühl von Reduktion, ja von Kargheit. Die rauen
W
ie oft in Spanien haben die Rebstöcke der hier vorherrschenden hier
Sorte
meist
Tinto
Tempranillo
Fino, ge-
nannt, ein geradezu biblisches Alter, 100 Jahre und mehr sind keine Seltenheit. Sie wachsen auf
Winter – bis zu zehn Minusgrade – und
unterschiedlichen, durch die diversen Höhenla-
die bis zu 40 Grad heißen Sommer, ver-
gen bedingt, kalkigen und sandigen Böden, aber
bunden mit viel Trockenheit, sind typisch für dieses Kontinentalklima. Die Höhen-
auch rötlich gefärbten Lehmböden, insgesamt ca. 23.000 Hektar. Die alten Stöcke sind ein ampelografischer Schatz, der so richtig erst seit etwa
lagen klettern von 600 bis auf über 1.000
30 Jahren gehoben wird. Obwohl es in dem Gebiet
Meter Meereshöhe, das Landschaftsbild
schon eine lange, hauptsächlich durch Klöster
wird über weite Strecken von Pinienwäl-
aufrechterhaltene Weinerzeugung gibt, geriet der Landstrich ein wenig in Vergessenheit.
dern, Olivenhainen und Sonnenblumenfeldern bestimmt. Irgendwann schieben sich die Riffe mächtiger Kalkberge ins
Im 19. Jahrhundert wurde wieder vermehrt Getreide angebaut und die Winzer lieferten ihre Erzeugung oftmals im Fass an Genossenschaften.
Gesichtsfeld und ein kleines Flüsschen
Die Qualität war solide, aber nicht bemerkens-
– der Duero – wird überquert. Ab jetzt
wert. Nur einige Edelweingüter wie Vega Sicilia
wird die Straße durch die Autonome Re-
konnten sich schon früh im letzten Jahrhundert als Premiummarke positionieren. Doch ab etwa
gion Kastilien und Léon von Aranda del
1980 kam Bewegung in die Region: Große In-
Duero (Provinz Burgos) bis zur Groß-
vestitionen, oft auch von außerhalb, wurden auf
stadt Valladolid (Hauptstadt der gleich-
breiter Front getätigt, seit 1982 gibt es die D. O. Ribera del Duero, das Weingut Protos war hier
namigen Provinz), also im westlichen
Namenspate. Weltweit renommierte Weinkriti-
Teil des Anbaugebiets, hauptsächlich
ker wie Robert Parker entdeckten die Weine und
von eher bescheidenen Ansiedlungen, Rebstöcken, alten Festungen und Kir-
die Pioniere - hier sei Alejandro Fernandéz mit seinem Weingut Pesquera genannt – der Region. Heute kostet ein Hektar bestockte Fläche bis zu
chen gesäumt. Allerdings findet sich nun
100.000 Euro. Die Zahl der Güter wuchs rasch von
entlang der „Ruta del Vino del Ribera del
einst zehn auf derzeit fast 300 Betriebe. Man-
Duero“ eine hohe Dichte von Weingütern mit teilweise imposanten Gebäuden.
che befinden sich außerhalb der Ortschaften und glänzen mit futuristischem Design wie die Bodegas Aalto oder Valdemonjas.
In den Rotweinen muss zu 75 % Tempranillo enthalten sein, gelegentlich findet sich Cabernet Sauvignon oder Merlot zur Abrundung der Cuvée. Die Nomenklatur folgt der bewährten spanischen Einteilung mit Joven, Crianza, Reserva und Gran Reserva, doch nicht wenige Güter verzichten auf diese Bezeichnungen, was legitim ist. Viele unterscheiden, gerade im Premiumbereich, eher nach Parzellen und Lagen, die auch separat vermarktet werden. COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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FOTOS: WEINFEDER ARCHIV
Es gibt hier fast nur Rotwein, von eini-
September bis Mai häufig Frostgefahr.
gen ordentlichen Rosados oder Weiß-
Die Sorte treibt jedoch spät aus, ist also
weinen aus der säurereichen Sorte Al-
gut an dieses Klima angepasst.
billo abgesehen. Die Qualität fast aller verkosteten Weine war beeindruckend.
Da die meisten Betriebe durch große In-
Dies liegt natürlich in erster Linie an
vestitionen und Neugründungen tech-
der Sorte Tempranillo aus den oft al-
nisch auf neuestem Stand sind, finden
ten, wettergegerbten Anlagen, zumeist
auch Anbau, Ernte und Weinbereitung
in Gobelet-Erziehung. In vieler Hin-
auf hohem Niveau statt. Aufwendige
sicht ist sie eine ideale Rotweintraube,
Laubarbeit, Handlese in kleinen Gebin-
deren Weine manchmal bis zu 15 Vo-
den und penibles Sortieren der Trauben
lumprozent Alkohol enthalten. Aus-
sind Standard.
gestattet mit prägnanter Frucht nach roten und dunklen Beeren, mit gele-
Der Durchschnittsertrag ist mit 4.000
gentlichen Gewürznoten, verfügt sie
Kilogramm pro Hektar eher niedrig.
auch über ein zwar hohes, aber nicht
Die Vergärung findet im Edelstahl, aber
aufdringliches
für
auch in hölzernen Behältern neuester
gute Struktur sorgt. Die hohen Tem-
Fertigung statt. Die besten Weine prä-
peraturunterschiede zwischen Tag und
sentieren eine gelungene Balance zwi-
Nacht fördern zudem die Aromenbil-
schen internationaler Rotweinstilistik
dung. Durch das windige und trockene
und regionalem Charakter. Zum Reifen
Klima gibt es kaum Fäulnisprobleme,
landen sie immer im Stolz des spani-
allerdings besteht im Anbaugebiet von
schen Winzers, dem zumeist beeindru-
Tanninlevel,
das
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ckenden Barriquekeller mit viel ameri-
duzenten mit tollem Niveau wie Sei Solo,
Die Qualität der Grundzutaten, seien es
kanischer und französischer Eiche. Die
auf der anderen Seite eher traditionell
Fleisch, Käse oder Früchte, war bereits
Ergebnisse sind entsprechend erfreu-
arbeitende Betriebe wie Dehesa de los
seit jeher von sehr guter Beschaffenheit,
lich, wenn auch oftmals nicht gerade
Canónigos. Stilistisch liegen sie alle je-
die Tapas-Kultur ist wie immer hervor-
günstig. 40 Euro und mehr für eine Fla-
doch gar nicht so weit auseinander: Fast
ragend. Doch eine Generation junger
sche im Premiumbereich ist eigentlich
alle Weine verfügen über gute Konzen-
Köche versteht es mittlerweile meis-
die Regel, jedoch gibt es auch Joven-
tration und Dichte, profilierte Struktur
terlich, viel Raffinesse und Innovation
und Crianza-Weine in sehr ordentlicher
mit polierten Tanninen und eine Frucht
in die Menüfolgen zu zaubern. Vega-
Qualität schon für ca. 10 Euro ab Keller.
ausprägung, die sowohl jung als auch
ner kommen hier etwas zu kurz, doch
gereift ihre Reize entfaltet. Das gefällt
die übrigen Genießer haben sehr häufig
Das Spektrum der Konzepte in der Wein-
dem Einsteiger wie auch dem Kenner.
Grund zur Freude.
herstellung ist breit: auf der einen Sei-
Selbstverständlich passen die Weine, die
te die mit viel Geld, Know-how und
in alle Welt exportiert werden, gut zur
Alles in allem ist Ribera del Duero ein
aufwendigem Marketing entwickelten
spanischen, besonders zur kastilischen
Eldorado für Rotweinfans und Gour-
Weingüter wie die Bodegas Aalto, Biody-
Küche, die in den letzten Jahrzehnten
mets, aber auch für kulturell interes-
namiker wie Marta Maté, Selfmade-Pro-
erhebliche Fortschritte gemacht hat.
sierte Besucher. n n n
Weiterführende Links zum Consejo Regulador: • www.riberadelduero.es zu einer Auswahl von empfehlenswerten Weingütern: • www.martamate.com • www.valdemonjas.es • www.bosquedematasnos.es • www.bodegasnabal.com
• • • • • • • •
www.balbas.es www.dominiodeatauta.com www.dehesadeloscanonigos.com www.seisolo.es www.garmoncontinental.com www.pagodecarraovejas.com www.vinoslaveguilla.com www.lagarisilla.es
zu Übernachtungsmöglichkeiten: • www.castillatermal.com
FOTO: PETER W. SCHNEIDER
HEIKE PHILIPP (FOTO: RESTAURANT PHILIPP)
Phänomenales Franken: „Philipps“ Philosophie AUTOR: DR. MARTIN SACHSE-WEINERT
Zugegeben: Aufgrund des „F“ in Franken ist die voranstehende Alliteration nicht ganz konsequent. Äußerst konsequent dagegen dokumentiert sich die Philosophie von Heike und Michael Philipp in der Durchsetzung höchster
D
iesem Prinzip zugute kommen die enge Zusammenarbeit sowie das blinde Vertrauen des Ehepaars zueinander: Während Michael in der Küche regionale und saisonale Pro-
dukte mit französischem Flair kreiert, berät seine Frau Heike die Gäste bei der Wahl des Weins oder hat die
Qualitätsstandards in ihrem Restaurant (und
passende Weinbegleitung bereits ausgesucht. Außer-
Hotel) „Philipp“ in Sommerhausen vor den
ihres Fachs sind.
Toren Würzburgs. Dort betreiben die beiden in einem über 400 Jahre alten Renaissance-Pa-
gewöhnlich dabei ist, dass beide ausgewiesene Meister
Michael Philipp, der Spitzenkoch Michael ist seit 2003 Mitglied bei den Jeunes Restaurateurs d’Europe, was bereits per se seine innovative
lais ein Gourmet-Eldorado, das – man möge
Kochkunst auf höchstem Niveau belegt, ist deren Mot-
sich von der Richtigkeit dieser Ankündigung
gleichen Jahr (und seitdem kontinuierlich wieder) wur-
auf der Homepage bei einem Besuch selbst
to doch „Leidenschaft für die Spitzengastronomie“. Im
de ihm ein Michelin-Stern verliehen; damit zählt sein „Philipp“ zu den 14 auserwählten Restaurants, die sich derzeit mit dieser Auszeichnung in Franken schmücken dürfen. Dabei soll eine Besonderheit nicht unerwähnt
überzeugen – geprägt ist von der „Harmonie von Speisen und Wein“.
bleiben: Michael ist der einzige „Genussbotschafter“ für „Bayerisches Rindfleisch g. g. A.“, also mit geschützter geografischer Angabe, in Deutschland. Quasi als „Diplomat“ ist es ihm daher ein besonderes Anliegen, seinen Gästen qualitätsvolles bayerisches Rindfleisch in seinen vielfältigen Koch-, Gar- und Brat-Methoden äußerst geschmackvoll nahezubringen. Wer die Gelegenheit hat, ihn häufiger zu besuchen, sollte jedoch unbedingt auch seine Fisch- und Wildgerichte probieren: Auch sie belegen Kochkunst vom Feinsten – eben sternereif.
Heike Philipp, die Star-Sommelière In wunderbarer Symbiose zu diesen Speisen stehen die von seiner Frau Heike ausgewählten Weine aus dem unmittelbaren fränkischen Umfeld, aber auch aus weiteren deutschen und international renommierten Regionen. Als Diplom-Sommelière der Unabhängigen Interna-
61
tionalen Weinakademie (UIW) ist es ihr ein Anliegen,
angenehmer gestalten, ist das Fazit von Heike Philipp
für jedes Gericht den passenden Wein zu wählen – aber
leicht nachvollziehbar: „Uns war nie langweilig und uns
eben auch im Gespräch mit dem Gast dessen Vorlieben
ist auch nicht die Decke auf den Kopf gefallen, während
und Erwartungen zu erfüllen oder sogar zu übertreffen.
wir geschlossen hatten.“
Dabei erlaubt sie sich, mit ihren umfassenden Kenntnissen und großem Einfühlungsvermögen auch einmal
Vor allem seit dem Zeitpunkt, als das Datum für die
abweichende Vorschläge zu machen, um neue Perspek-
Wiedereröffnung auf den 3. Juli terminiert war, steiger-
tiven aufzuzeigen und den Horizont zu weiten, was im-
ten sich die vorbereitenden Arbeiten erneut. Es wurde
mer wieder zu überaus positiven Überraschungen führt.
wieder eingekauft und die Mitarbeiterinnen und Mitar-
Dieses nicht selbstverständliche Vermögen wurde im
beiter bereiteten sich auf die anstehende Sommersaison
aktuellen Jahr auch dadurch gewürdigt, dass Heike vom
vor. Kurz: „Brühen wurden gekocht und Saucen ange-
„Schlemmer-Atlas“ zur „Sommelière des Jahres 2020“
setzt und Silber poliert und …“
gekürt wurde.
Die Weinkarte
Ein Restaurant in Zeiten von Corona …
Die Weinkarte im „Philipp“ orientiert sich am Geschmack des kongenialen Duos, wobei die Wahlheimat
Natürlich war auch das Restaurant „Philipp“ betroffen
Heikes (die geborene Heilbronnerin lebt seit nunmehr
von den Regelungen bzw. Einschränkungen während des
20 Jahren in Franken) den Keller prägt – durchaus zu
strengen Lockdowns in Bayern und Deutschland. So blie-
dessen Vorteil: „Es erfüllt mich mit Freude, dass sich
ben Einnahmen während dieser Zeit aus. Wer glauben
qualitativ so viel getan hat in Franken und Deutsch-
würde, dies sei zugleich mit weniger Arbeit verbunden
land überhaupt. Alle Winzer kennen wir seit langer Zeit
gewesen, der täuscht sich: Während der Schließung wur-
persönlich und mit einigen pflegen wir enge Freund-
den viele administrative und organisatorische Aufgaben
schaften. Ich versuche auch, mit meinen Mitarbeitern
erledigt, die im üblichen Berufsalltag manchmal auf der
die Winzer regelmäßig vor Ort zu besuchen. Für uns ist
Strecke bleiben und nun, nach der Öffnung, den Gästen
es wichtig, die Menschen und Geschichten hinter dem
wieder zugute kommen. Im Homeoffice hat sich Heike
Produkt zu kennen, um sich damit auch identifizieren
Philipp in diesen Wochen weiterhin kontinuierlich via
zu können.“
Mail um Reservierungen und Stornierungen gekümmert und dabei häufig auch Zuspruch leisten müssen, ja sogar
Dass diese Philosophie, die sich nicht nur auf fränkische
Weinempfehlungen telefonisch und online gegeben.
Weine beschränkt, durchaus erfolgreich ist, dokumentieren die Reaktionen der Gäste. Geht man davon aus,
Zudem
wurde
das
Reservierungsbuch
auf
einen
dass gerade ein Restaurant, das sich auf solch hohem
Cloud-basierten Kalender umgestellt, um damit in Zu-
Niveau präsentiert und dafür permanent ausgezeichnet
kunft Arbeitszeit zu sparen bzw. effektiver arbeiten zu
wird, häufig auch von Wein-Connaisseuren mit höchs-
können. Heike Philipp: „Das hatte ich lange vor, aber so
ten Erwartungen und ausgeprägten Degustationser-
etwas klappt nicht während des laufenden Geschäfts, da
fahrungen besucht wird, so mag es vielleicht verwun-
ist einfach keine Zeit und Ruhe dafür.“
dern, dass dennoch so viele offen für die Empfehlungen Heikes sind und sich auf ihre Weinauswahl zum Menü
Darüber hinaus nahm sie an Online- bzw. Zoom-Tas-
einlassen. Sie selbst sagt dazu: „Ich versuche immer,
tings teil, um sich auch während dieser Zeit fortzu-
eine harmonische Allianz zwischen den liebevoll kre-
bilden oder selbst Anregungen geben zu können. Auch
ierten und angerichteten Gängen meines Mannes und
als Ausbildungsbetrieb konnte sich das „Philipp“ zwi-
den sorgsam von mir ausgewählten Weinen herzustel-
schenzeitlich weiter profilieren, denn die beiden Aus-
len. Wenn das beim Gast so ankommt und auch so ver-
zubildenden wurden auch während der Schließung auf
standen wird, ist das das schönste Lob für mich. Das ist
ihre Prüfungen vorbereitet. Da zeitgleich Michael Phi-
wahrscheinlich unser Erfolgsrezept und der Punkt, der
lipp mit diversen Renovierungen und Verschönerun-
uns so authentisch macht. Es ist überall 100 % Heike
gen beschäftigt war, die zukünftig den Aufenthalt noch
und Michael Philipp im Glas und auf dem Teller.“
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Die Weinbegleitung zum Sommermenü (Menü „Classique“) Amuse bouche || Gelbschwanzmakrele „Togarashi“ ||
(Avocado / Papaya / Bergamotte) ||
der betreten, wir möchten fast sagen: Der Genießer „muss“ das Restaurant wieder besuchen, denn ihn erwartet ein köstliches Programm.
Auch wenn wir noch nicht selbst testen konnten, trauen wir uns die Empfehlung auszusprechen: So-
Hausgemachte Pansooti & rote Garnele
wohl unsere bisherigen Erfahrungen bei Heike und
(Krustentiernage / Kopfsalat / Estragon)
Michael Philipp als auch die Tatsache, dass wir ei-
|| Bretonischer
Seeteufel „von kleinen Schiffen“
(Tomate / Taggiasca-Olive / Kapern / Fenchel) || Das
Beste vom Salzwiesen-Lamm aus Husum
(Wildkräuter-Graupen / Tropea Zwiebeln / Bergpfeffer) ||
Seit dem 3. Juli kann der Gast das „Philipps“ wie-
Roquefort (Kirsche
/ Süßholz / Früchtebrot)
nige der empfohlenen Weine bereits kennen, zudem die umfänglichen Arbeiten während der zurückliegenden Schließung – all dies berechtigt zur Überzeugung, ab sofort wieder Spitzenküche und Top-Weine in Sommerhausen genießen zu dürfen.
Korrespondierende Weine: Sollten die voranstehenden Zeilen den Eindruck er|| 2019 Gelber Muskateller (WG Brügel)
weckt haben, wir würden uns darauf freuen, bald
|| 2018 Retzstadter Langenberg „Der Schäfer“ (WG R. May)
wieder in Sommerhausen einen wunderbaren Abend
|| 2017 Sommerhäuser Reifenstein (WG A. Steinmann)
verbringen zu dürfen, so täuscht dieses Gefühl nicht:
|| 2011 Remelluri, Reservam (Bodejas Remelluri) || 2014 Banyuls Rimage (Abbè Rous) || 2016 Les trois schistes (Domaine der Montgilet)
FOTO: RESTAURANT PHILIPP
Essen und Trinken, Genießen auf höchstem Niveau – wer will dies nicht, vor allem nach den zurückliegenden Zeiten. n n n
63
„Wetten, der schmeckt“ Thomas Gottschalk gibt es bald auch als Wein AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD (FOTO: „© SUPERBASS / CC-BY-SA-4.0 VIA WIKIMEDIA COMMONS“)
A
ltgedienter
Nicht der Wein, sondern die Marke steht im Fokus
Enter-
tainer Thomas Gottschalk
steigt
ins
Weingeschäft
ein.
Ab August sind seine Weine in
Gottschalks langjähriger Wegge-
Deutschland
Discounter
fährte Günther Jauch, unter an-
Netto erhältlich – allerdings zu
derem bekannt als der „Wer wird
einem ambitionierten Preis.
Millionär?“-Quizmaster, ist längst
beim
„Winzer“ (obwohl er nicht so bekön-
zeichnet werden möchte), nennt
nen ihr Idol bald als Wein kaufen:
das Weingut von Othegraven (mit
Der 70-Jährige bringt drei Weine
VDP-Status) in Kanzem an der
unter seinem Namen in den Han-
Saar sein Eigen. Damit nichts zu
del, wie der „Spiegel“ am Sams-
tun haben zwei Weine mit der Be-
tag, dem 17. Juli, berichtete. Er
zeichnung „Günther Jauch weiss“
sei der Richtige für seine eigene
und „Günther Jauch rot“ (gekel-
Weinedition, „weil für den Wein
tert sowie abgefüllt von der Kel-
Thomas-Gottschalk-Fans
das Gleiche gilt wie für mich: Je älter, desto besser“, so
lerei Peter Mertes in Bernkastel-Kues), die seit 2018 bei
der Entertainer im Magazin. „Es gibt natürlich einige, die
Aldi über die Theke gehen – vormals für 5,99 Euro. heute
mich für ’ne Flasche halten. Dann passt’s auch wieder.“
für „nur“ 4,99 Euro, somit rund zwei Euro günstiger als
Gleichzeitig räumte Gottschalk ein, er sei „kein Weinken-
Gottschalks Weine bei Netto. Seit Mai 2020 hat Aldi-Süd
ner, sondern Weintrinker“.
auch noch einen halbtrockenen Rosé mit Jauchs Namen zum gleichen Preis im Programm.
Gottschalks EasyWines bei Netto Über den „Winzer-Kollegen“ Jauch sagt Gottschalk, der Gottschalks Weine in den Regalen von Netto stammen
auch schon für Mc Donald´s und Haribo-Gummibärchen
aus seiner Wahlheimat Kalifornien, wo er seit Jahren in
warb: „Wir waren immer Vorbilder füreinander. Ich bin
Malibu lebt. Unter dem Label EasyWines kann der Kun-
seines, was den Job betrifft, Günther ist mein Vorbild
de in Gottschalks Netto-Kollektion auswählen zwischen
als Geschäftsmann.“ Die Bezeichnung „Vorbild“ nimmt
Rot, Weiß und Rosé. Alle drei sind etwas teurer als die
Gottschalk beim Wort: Jauch gibt sein Autogramm fürs
anderen Weine des Discounters, die im Mittel bei drei
Aldi-Etikett her, auf dem bei „weiss“ und „rot“ auch
Euro liegen. Ganze sieben Euro muss der Käufer aus-
noch seine Silhouette auf dem Quizmaster-Hocker zu
geben, um einen Wein von Gottschalk zu erwerben. Auf
sehen war. Gottschalk kopiert das mit seinem Schatten-
dem Etikett ist er in äußerst laxer Pose auf der „Wetten,
riss auf der Couch. Damit ist klar, worum es den beiden
dass“-Couch zu sehen, dazu das allzu vorhersehbare
TV-Granden geht – nicht um den Wein, sondern um die
Wortspiel: „Wetten, der schmeckt.“
Marke. n n n
COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
FOTO: SWR
Trocken bis lieblich: Radio-Weinmann goes PODCAST AUTOR: WOLFGANG JUNGLAS
Seit über 20 Jahren ist Werner Eckert der „SWR1 Weinmann“: ein Mikrofon-Dino sozusagen. Mit wohlgesetzten Worten bringt er in knapp zwei Minuten aktuelle Weintrends auf den Punkt und lässt die Hörer an seinen Verkostungen lautmalerisch teilhaben. Die kurzen, informativen Weinhäppchen werden regelmäßig im Hörfunk gesendet – der Weinjournalist unterhält damit die Hörer der SWR1 Musikfarbe.
S
65
eit
vergangenem
Herbst
über Klimaschutz: Er kennt sich aus.
seiner Webseite. Etablierte Wein-
produziert auch der Ra-
Als Reporter nimmt er an den inter-
blogger wie der Hamburger Chris-
diomann
nationalen
toph
seinen
Podcast
Weltklimakonferenzen
Raffelt
(„Originalverkorkt“)
„Trocken bis lieblich“. In
teil und erfährt so unmittelbar vor
haben das Hör-Medium ebenfalls
dem Langformat (rund 20 Minuten)
Ort, welche Probleme es bei der in-
für sich entdeckt: Seit 2013 erscheint
befragt Reporter Dominik Bartoschek
ternationalen Verständigung über das
sein wöchentlicher Podcast, in dem
den
im
komplexe Thema gibt. Als Kommen-
er deutsche und internationale Weine
zweiwöchentlichen Rhythmus zu ak-
tator der ARD-Tagesthemen bringt er
vorstellt und Winzer*innen inter-
tuellen Weinthemen: Von Sommer-
seine pointierte Meinung und Ein-
viewt. Zudem produziert er mit dem
weinen über Weinrecht bis zu Rosé-
schätzung zu Umweltthemen ein.
Berliner Blogger Holger Klein ein-
Experten
Werner
Eckert
weinen kommt alles zur Sprache, was
en weiteren Wein-Podcast in des-
für interessierte Verbraucher relevant
Schon vor der Corona-Krise zeichnete
sen Format „WRINT“. Das ist die
sein könnte. Die Radiomacher ver-
sich ab: Podcast ist trendy, in der Al-
Abkürzung für das Gottfried-Benn-
breiten ihren Podcast über die ARD
tersgruppe der 18- bis 30-Jährigen
Zitat „Wer redet, ist nicht tot“. Die
Audiothek – in kurzer Zeit hat sich
nutzen rund 44 % das hippe Medi-
monatlichen,
das öffentlich-rechtliche Hörangebot
um, aktuell hören 29 % der Bundes-
Sendungen zu Weinen angesagter
auf dem deutschen Markt etabliert:
bürger (26 % im Vorjahr) regelmäßig
Weingüter kommen locker und un-
Seit 2017 installierten User rund eine
Podcasts. Die Corona-Krise hat den
terhaltsam daher – das scheint für
Million Mal die App auf ihren Smart-
Trend befeuert: Der NDR-Podcast
das junge Medium typisch zu sein.
phones – über 41 Millionen Abrufe
des Virologen und Charité-Forschers
des umfangreichen Audioangebotes
Christian Drosten wird täglich bis zu
Unter dem Label „Affektiertes Nip-
wurden seitdem insgesamt gezählt.
800.000 Mal abgerufen.
pen hilft nix“ diskutiert Felix Bod-
Zur „special interest wine commu-
mann,
rund
Berliner
einstündigen
Weinblogger,
in
nity“ gehören immerhin einige Tau-
Die weinaffine Community nutzt die
seiner „Blindflug“-Reihe mit dem
send User.
Möglichkeit, Informationen und Un-
Fotografen Sascha Radke alle zwei
terhaltung rund um Wein als digi-
Wochen Weinthemen. Dabei schen-
„Die Ansprechhaltung ist beim Pod-
talen Hörbericht im Netz zu senden,
ken sie sich gegenseitig einen Wein
cast eine andere – wir talken salopper
schon seit Jahren. Über die Plattfor-
zur Blindprobe in ein schwarzes Glas
als bei der klassischen Hörerschaft.
men Spotify und Apple Music werden
– was die Hörer natürlich ohnehin
Podcast wird überwiegend von jun-
sie vertrieben. Zwar sind Wein-Pod-
nicht sehen können.
gen Leuten genutzt“, erklärt der
casts nicht unter den TOP HUNDRED
SWR-Redakteur. Mit seinem Pod-
unter Apple-Apps zu finden: Hier
Auch das Deutsche Weininstitut pro-
cast kann er Weininteressierte auch
führt Christian Drosten. Aber unter
duziert Podcasts: Seminarleiter Man-
außerhalb
SWR1-Hörerschaft
dem Suchfilter FOOD bei Apple findet
uel Bretschi befragt Persönlichkeiten
erreichen. Für die Sommerzeit hat
sich auf Platz 10 der Weinstein-Pod-
der deutschen Weinszene zu ihrer
er eine kleine Serie mit drei Folgen
cast (Erklär-Podcasts für Einsteiger
Arbeit. Die ehemalige württember-
aufgenommen:
zum
von Gymnasiallehrer Jan Eißmann),
gische Weinkönigin Theresa Olkus
Hermann
auf Platz 15 Holger Klein mit WRINT:
trifft sich für das SZ Magazin „Auf
Flaschen.
ein Glas Wein mit …“ mit Promi-
der
Eva
Vollmer
Film „Wein Weiblich“, Hick,
Weinetiketten-Designer
aus
der Pfalz, und den Leitenden Ober-
nenten – das Interview wird als Pod-
staatsanwalt in Bad Kreuznach über
Podcasts sind perfekt für Publizis-
die Aufgaben der Weinkontrolle.
ten, die keinen Hörfunksender ha-
cast gepostet.
ben. Häufig werden Gespräche mit
Die
Werner Eckert steht klar für un-
Winzer*Innen geführt – so zum
so vielfältig wie die deutsche Medi-
abhängigen,
öffentlich-rechtli-
Beispiel bei „Genuss im Bus“, dem
enszene – vom Marketing-Tool über
chen Journalismus. Der Leiter der
mobilen Wein-Podcast von Wolfgang
interessengeprägte Unterhaltung bis
SWR-Fachredaktion
und
Staudt: Er besucht Winzer*Innen und
zu unabhängigem öffentlich-rechtli-
Ernährung“ produziert auch Podcasts
postet die Interviews mit ihnen auf
chem Journalismus. n n n
„Umwelt
Podcast-Landschaft
erscheint
COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
Shanghai Malu Grape Theme Park – Ort für einen Traubenschock?
In westlichen Augen ist der Chinese zuweilen laut, schmatzt und rülpst beim Essen, liebt Buntes, Edles und lockt zuweilen mit überschwänglichen Versprechungen. Wenn es dann nicht passt, egal. Als Reisender, dessen Gastgeber wissen, dass man auch im Weinbereich aktiv ist, war der Vorschlag, einen freien Nachmittag statt in Shopping-Malls in einem Traubenpark zu verbringen, nicht von der Hand zu weisen. Man ist ja höflich und weiß, dass ein „Nein“ die chinesische Seele kränkt.
FOTO: ARTHUR WIRTZFELD
AUTOR: ARTHUR WIRTZFELD
67
G
erade jetzt beginnt in Shanghai, ja, Sie haben richtig gelesen, in diesem urbanen Moloch, die Reifephase der Weintrauben. Die Erntesaison steht bevor und Interessierte sind
eingeladen, zuzusehen oder mitzuhelfen. Ja, ein Weinberg und Traubenlese in Shanghai, das hat was. Also auf zum Trauben-Themenpark, einem charakteristischen landwirtschaftlichen Park, so wie Chinesen sich dies vorstellen. Am Eingang ist zu lesen, dass hier wissenschaftliche Forschung, basierend auf staatlicher Förderung, sowie Ausbildung und Erholung geboten werden. Auch einen weiteren Text lasse ich mir übersetzen: „Der Park bietet Besuchern die Möglichkeit, die erstklassigen Trauben und die wunderschöne ländliche Umgebung zu genießen.“
Popularisierung von Traubenwissen
Zweifelhafte Weinqualität Vier Weinsorten stehen zur Auswahl, spucken tut hier keiner – ich mache es trotzdem in ein zweites Glas. Meine Gastgeber und ich sind sicher, dass diese Weine bei den großen Malls der Stadt in den Regalen neben ihren „Billig-Kollegen“ stehen. Ein Führer, der uns begleitet, schwört, dass es sich um Qualitätsweine handelt. Apropos, Trauben kann man hier auch kaufen und mit nach Hause nehmen. Das Kilogramm kostet 60 RMB (rund 7,50 Euro) gegenüber 70 RMB (rund 8,75) im Ladengeschäft in der City. Wir haben dankend abgelehnt.
Nach Durchqueren des Besucherzentrums darf man etwas freier lustwandeln. Die ab hier sichtbaren Weinberge sind allerdings nicht zugänglich. Irgendwie logisch,
Irgendwie steigen in mir Zweifel auf. Der Trauben-Themenpark im Jiading-Distrikt ist sicherlich nur einer von vielen „merkwürdigen“ Themenparks in Chinas Metropolen, in denen Wissen meist auf eine kitschige Art präsentiert wird. Hier soll sich
dass der Parkbetreiber die Rebflächen abriegelt – man stelle sich Menschenmassen vor, die unkontrolliert, ohne fachmännische Begleitung einen Weinberg niedertrampeln.
„Shanghais Quelle für Wissen und Forschung über Trauben vereinen“, sagen meine Gastgeber. Eigentlich ist es ein 2005 gegründetes Weingut, dessen so gepriesene Attraktionen etwa 33 Hektar umfassen. Aus der beim Eintritt ausgehändigten Broschüre übersetzen meine Gastgeber: „Beim Malu-Traubenpark handelt es sich um eine umfassende Basis mit der Funktion der Traubenforschung, Produktion, Pflanzung, Ausbildung und Popularisierung von Traubenwissen“ – aha, verstehe, so eine Art Trauben-Universität.
Geschenkt Und dann kommt sie, wie in allen Themenparks üblich:
die
„Traubenwissen-Popularisierungs-Galerie“,
wo versucht wird, die Geschichte der Traube zu erläutern. Auf die Übersetzung der vielen Textinformationen habe ich verzichtet. Und dann sehen wir einen süßen Esel, der im monotonen Rundgang einen Mahlstein in Bewegung hält. Anschließend finden wir eine Streichel-
Die beschriebenen Funktionen des Parks enden allerdings nach Abschluss der Traubenlese im September, bis dahin sind Besucher ab der Blüte im Frühjahr willkommen. Doch wo ist der Weinberg? Den Boulevard dorthin säumen nervige Händler mit mehr oder weniger „weini-
farm mit Kaninchen, Hasen und Ziegen und noch einen Kinderspielplatz, ein Angebot, das die Kleinen bei Laune halten soll. Für die City-Kids, geboren in diesem Moloch von Stadt, ist das okay – Traubennaschen und Spielen gefällt jedem Kind.
gen“ Souvenirs. Die 30 RMB, umgerechnet 3,75 Euro Eintrittspreis, erscheinen mir eher als vernachlässigbar. Und dann kommt das, was ich schon erwartet hatte: Das Besucherzentrum lässt sich nicht umgehen, die Wegführung gleicht der einer Mall, wie bei Carrefour, also es geht in Menschentrauben nur so dahin, wie es sich der Betreiber gedacht hat. Einen Weinberg zu betreten, ist vorerst nicht vorgesehen – erst sind Infotafeln zu studieren, und es kann Wein aus den Trauben des Parks probiert werden.
„Leider“ war der „Liebesbereich“, bestehend aus Holzbänken unter verflochtenen Reben, an denen köstliche Trauben reifen, noch geschlossen, weil die Trauben noch nicht ganz reif sind, heißt es auf Nachfrage. Mein Eindruck des Ganzen: geschenkt – im wahrsten Sinne des Wortes. Was sollte ich meinen Gastgebern sagen? Ich habe es mit der Wahrheit versucht. Das war auch gut so, denn sie schienen nicht beleidigt zu sein. Sie wissen nun, dass sie mich in solche Themenparks nicht mehr einladen müssen. n n n
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68
Der Wein ist ein Medium, das einen die Welt erleben lässt, hat der gelernte Konditor einmal gesagt. Fast 40 Jahre lang hat er für den Pfälzer Restaurantführer getestet. Er kannte praktisch jedes Restaurant und jede Weinstube in der Pfalz. Ohne ihn wäre dieser Führer nicht das, was er wurde.
Für seine Artikel und Fotos hat Heinz Feller Hunderte
FOTO: HEINZ FELLER
Winzer, Köche und Gastronomen besucht, hat verkostet, probiert und recherchiert. Dabei agierte er stets unaufgeregt und freundlich. Mit seiner Arbeit hat er das Gastgewerbe und die Welt des Weins bereichert.
Von den Toten nur gut zu reden – de mortuis nil nisi bene –, ist längst zum geflügelten Wort geworden.
AUTOR: HERBERT HEIL
Nachruf auf
Heinz Feller
Gewiss: Zu viel Weihrauch schwärzt den Heiligen, doch Heinz Feller war wirklich ein Mann ohne Fehl und Tadel. Punkt! Ein durch und durch liebenswerter Zeitgenosse. Ein großer Mensch und ein Kollege, der stets Zuversicht und Lebensfreude ausstrahlte. Das mag nach Lobhudelei klingen, ist es aber nicht. Ich kenne ihn seit mehr als drei Jahrzehnten.
– langjähriges Weinfeder-Mitglied gestorben
A
ls Journalist mit den Fachgebieten Wein und Kulinarik war
Er war immer ein Freund, ein charmanter Typ,
Heinz Feller aus Haßloch in der Pfalz ein weithin geschätzter
dessen Gegenwart man schätzte. Und er war ein
Profi und Tester. Sein Fachwissen und seine Fairness wusste
umgänglicher
seine Leserschaft zu schätzen. Er genoss hohes Ansehen. Jetzt
Schreiber, tatkräftig und gradlinig. Er formulierte
ist er im Alter von 85 Jahren an Krebs gestorben.
Mensch,
ein
leidenschaftlicher
auf den Punkt. Schreiben war für ihn Leidenschaft. Auch jenseits der 80 war er oft unterwegs, um über
Heinz Feller, Gründungsmitglied von Weinfeder e.V., dem Verband
Winzer, Köche und Hotels zu schreiben. Er war ein
der deutschsprachigen Weinpublizisten, war bis zuletzt für Zeitungen,
Vielschreiber. Nach dem Tod seiner Frau war er noch
Zeitschriften und Magazine tätig, darunter die Allgemeine Hotel- und
mehr unterwegs als zuvor.
Gastronomie-Zeitung (AHGZ). Zu Spitzenköchen, Restaurateuren und Winzern hatte er einen guten Draht. Wenn es um Wein ging, liebte er es
Den Mittelpunkt seines erfüllten Lebens hatte Heinz
unprätentiös: „Der ehrliche Wein eines bodenständigen Winzers steht mir
Feller bis zuletzt in Haßloch, an der Schnittstelle der
näher als die Kultweine großer Weinmogule.“
beiden größten deutschen Anbaugebiete Pfalz und Rheinhessen – quasi im Epizentrum des rheinland-
Das Interesse für das Thema Wein begann erst in seiner zweiten Lebenshälfte.
pfälzischen Weinanbaus mit seinen wunderbaren
Mit 35 Jahren startete er seine Karriere als Foodjournalist beim Matthaes
Rieslingen. Mit ihm verlieren wir einen erfahrenen
Verlag – Abteilung Konditorei & Café – als freier Mitarbeiter. Nachdem die
Kollegen und lieben Menschen. Als Journalist und
Chefredaktion zur AHGZ wechselte, kam es zu den ersten professionellen
Mensch hat er Zeichen gesetzt, die in Erinnerung
Berührungen mit Wein. Bei unzähligen Reisen und Verkostungen im In-
bleiben werden. n n n
und Ausland lernte Feller den Mythos Wein in all seinen Facetten kennen. COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
69
Ein geniales Buch Top-Sommelier Aldo Sohm hat ein grandioses Weinbuch geschrieben AUTOR: HERBERT HEIL
A
uch wer schon zweiein-
All sein geballtes Wissen hat Aldo Sohm
wichtige Anbauregionen, wie probiert
halb Regalmeter an Wein-
jetzt in „Einfach Wein – Der illustrierte
man Wein, wie schult man den Gaumen,
büchern sein Eigen nennt,
Guide“ gepackt. Seine Philosophie und
Aufbau
sollte sich den folgenden
die Herangehensweise an das Thema
Weinproben für Fortgeschrittene, Wein
Band unbedingt zulegen: Titel „Einfach
Wein sind erfrischend ungezwungen
und Essen, wie findet man ein perfektes
Wein“. Das englischsprachige Original
und gerade für jüngere Weininteres-
Paar, wie konserviert man nicht leer ge-
heißt übrigens „Wine Simple“. Autor
sierte besonders zugänglich. Leicht ver-
trunkene Weine am besten, welche Glä-
ist der Top-Sommelier Aldo Sohm. Der
ständliche Sprache, lebendige Texte und
ser eignen sich für welchen Wein und
gebürtige Tiroler stammt aus Inzing bei
anschauliche Illustrationen bieten einen
vieles mehr.
Innsbruck und hat inzwischen in den
Einstieg nach Maß in die Welt des Weins.
USA eine sensationelle Karriere hinge-
Alles schlüssig verpackt, somit auch vi-
„Aldo besitzt einen ansteckenden Ent-
legt. 18 Monate wollte er ursprünglich
suell ein Genuss – benutzerfreundlich
husiasmus“, sagt Eric Ripert, Besit-
in New York bleiben, fast 16 Jahre sind
und inspirierend obendrein.
zer und Chefkoch des „Le Bernardin“.
es jetzt schon.
einer
Geschmacksbibliothek,
Sohm könne sich an jeden verkosteten Der Autor verschwendet keinen Platz für
Wein erinnern und habe einen sechsten
155 West, 51st Street, im teuersten Teil
Namedropping. Schließlich ist sein Buch
Sinn dafür, was der Kunde wolle. „Ich
von Manhattan in Midtown unweit des
kein Kaufführer, sondern ein übersicht-
habe noch nie einen wie ihn getroffen“,
Rockefeller Center, hat er seinen Traum
lich und klar gegliedertes Kompendium
so der Küchenchef weiter.
wahr gemacht: Seit 2007 ist er Somme-
mit fesselnden Kapiteln über Wein mit
lier im New Yorker Spitzenrestaurent
all seinen Facetten. Sohms Darstellung
Fazit: Ein Weinbuch, gleichermaßen für
„Le Bernardin“ (drei Michelin-Sterne).
des Themas ist einfach und didaktisch
Kenner und Novizen empfehlenswert!
Gleich gegenüber betreut er seine „Aldo
hervorragend gemacht. Keine überflüs-
Erfrischend anders, ein blitzgescheites
Sohm Wine Bar“. Trotz dieser Fülle an
sigen, wissenschaftlichen Worthülsen,
Werk mit Informationen und Tipps in
Erfolgen und zahlreicher Auszeichnun-
stattdessen profunde Wissensvermitt-
Hülle und Fülle. Mit anderen Worten:
gen ist der 49-Jährige bodenständig
lung mit gut aufbereiteten Fakten. Alles
Ein Must-have! n n n
geblieben und nach wie vor ein Som-
bleibt locker, unterhaltsam und unprä-
melier aus Leidenschaft. Sohms Missi-
tentiös. Die einzelnen Kapitel sprechen
on: Er will seinen Gästen die Angst vor
für sich: was ist überhaupt Wein, wie
gutem Wein nehmen.
wird Wein gemacht, wichtige Rebsorten,
Aldo Sohm: Einfach Wein – Der illustrierte Guide, Hardcover, 280 Seiten, Prestel Verlag, München, 28 Euro
COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
70
S
chon mit dem Buch „Vom Einfachen das Beste“ nahm der ehemalige Sternekoch Franz Keller kein Blatt vor den Mund. Er focht vehement für eine bessere, gesündere
Ernährung und verknüpfte das Ganze mit spannend zu lesenden Memoiren. Nun folgt mit „Ab in die Küche!“ Teil zwei des famosen Streiters für eine bessere Ernährungswelt, gerade auch der des Normalbürgers.
Wieder einmal prangert Franz Keller – immer mit Belegen und einer nicht aggressiven Bestimmtheit – die durchkonfektionierte und nur auf Profitmaximierung bedachte Nahrungsmittelwirtschaft an. Diese Industrieproduktion, befeuert von Tausenden Lobbyisten, überschwemmt den Großteil der Verbraucher mit seelenlosen und oft sogar gesundheitsschädlichen Produkten, die oft genug auch noch in Mengen vernichtet werden. Hier analysiert Franz Keller „küchenmesserscharf“, vorurteilsfrei und ohne ideologische Scheuklappen. Als Bio-Tierzüchter richtet er den Fokus besonders auf die unsinnige und wesensverachtende Massenfleischerzeugung und ihre fatalen gesundheitlichen Folgen. Es bleibt nicht nur bei Kritik, denn er zeigt praktikable Visionen einer vernünftigen Revolution im Ernährungssektor auf wie eine „Hochschule der neuen Kochkultur“. Natürlich ist vieles mit oftmals vergnüg-
Manifest und Gebrauchsanweisung für eine gesündere Ernährung
lichen Anekdoten aus seinem intensiven und bewussten Leben „abgeschmeckt“.
Was das Buch jedoch wirklich zu einem praktischen „Küchenutensil“ macht und ein überzeugendes Plädoyer fürs Selberkochen liefert, sind viele Seiten mit
AUTOR: PETER W. SCHNEIDER
wissenswerten, grundlegenden Fakten rund um Naturprodukte, Küchenwerkzeuge und elementare Zubereitungsarten, denen sich Franz Keller ausführlich und profund widmet. Der „Magie der Soße“ ist sogar ein eigenes Kapitel gewidmet. Ein Spektrum an wirklich von allen nachkochbaren schmackhaften Basisrezepten, etwa Kartoffelsalat oder Rührei, einfach und unterhaltsam erklärt, verlockt tatsächlich mit einem sofortigen Impuls zum Gang: „Ab in die Küche!“ n n n
COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
71
Authentische Ernährung statt Fake Food AUTOR: HERBERT HEIL
N
Spitzenkoch Franz Keller plädiert in seinem Buch „Ab in die Küche!“ für einen Neuanfang.
ach seinem Bestseller „Vom
den und zu wenig dafür tun, dass sich
felt sich eine zunehmende Zahl der Zu-
Einfachen das Beste“ hat der
diesbezüglich etwas ändert. Er zeigt auf,
schauer offensichtlich Tiefkühlpizza und
frühere
Franz
wie man mit guten Rohstoffen und ein-
Fertigfutter aus der Mikrowelle rein oder
Keller jetzt nachgelegt und
fachen Mitteln gesund und lecker ko-
lässt sich Fastfood durch unterbezahlte
chen kann.
Kuriere vom Lieferservice nach Hause
Sternekoch
ein weiteres wichtiges Buch über Ernährung, gesundes Essen, Versäum-
bringen.
nisse und Schandtaten im Agrarsektor
Für Keller ist die Küche ein besonderer
geschrieben. Dabei geht er mit einem
Ort, den wir wieder mehr zu unserem
Viele Geschichten und Anekdoten aus
Großteil der Verbraucher ebenso wie mit
Lebensmittelpunkt machen sollten. Lei-
seiner bewegten Zeit als Sternekoch
der Politik hart ins Gericht.
der sei dies bei vielen Menschen verloren
würzen dieses Buch. Franz Keller gehör-
gegangen. Arbeit, Hektik, Stress – all
te zu den renommiertesten Sterneköchen
Keller plädiert in seinem neuen Buch „Ab
das habe dazu geführt, dass wir unse-
in Deutschland. Er lernte sein Handwerk
in die Küche!“ für eine Umkehr und for-
re Ernährung quasi wegrationalisiert
bei Kochlegenden wie Jean Ducloux, Paul
dert unter anderem: „Schluss mit Fake
haben. Viele wollen Essen heute mög-
Bocuse oder Michel Guérard und kon-
Food – wir müssen zurück zu einer au-
lichst effizient und ohne große Zeitver-
zipierte als einer der Ersten die „Neue
thentischen Ernährung.“ Und: Wir müs-
schwendung nebenbei erledigen. Seiner
Deutsche Küche“. Dann verabschiedete
sen keine Exportweltmeister für Gemüse
Meinung nach ließen sich moderne Zivi-
er sich aus dem „Sterne-Zirkus“ und
und Fleisch sein. Wir müssen Qualitäts-
lisationskrankheiten wie Burn-out und
verfolgte seine persönliche Philosophie
weltmeister werden. Oder: „Ich wünsche
so mancher Weg zum „Seelenklempner“
in der „Adler Wirtschaft“ in Hattenheim
mir eine Hochschule der nachhaltigen
vermeiden, wenn wir der Zubereitung
im Rheingau. Das Restaurant führt heu-
Kochkultur.“ Er stellt außerdem fest:
und der Aufnahme unserer Nahrung
te sein Sohn, er selbst lebt seinen Traum
„Die besten Lebensmittel haben keine
wieder mehr Raum, Zeit und Aufmerk-
vom Kochen als Genusshandwerk auf
Zutatenliste.“ Keller ist überzeugt, dass
samkeit in unserem Leben schenken. Für
seinem Öko-Bauernhof, dem „Falken-
Essen unsere Lebensgrundlage und Ko-
ihn ist regelmäßiges Kochen eine echte
hof“ im Wispertal.
chen eine Kulturtechnik ist, die jeder
Zufriedenheitsstrategie, es habe ganz
Mensch beherrschen sollte. Eine grund-
viel mit Kreativität zu tun, mit Lust und
Ein gutes Dutzend Rezepte rundet die-
legende Fähigkeit wie Lesen und Schrei-
Leidenschaft. So führe uns das Kochen
sen äußerst lesenswerten Band ab. Es
ben. Im Vorwort seines Buches postuliert
näher zu uns selbst und stelle wieder
wäre zu wünschen, dass er ein breites
er: „Es gibt viel zu tun, fangen wir doch
eine Verbindung zur Natur her.
Leserinteresse findet.
wie wir die Kontrolle über unsere Ernäh-
Keller gibt zwar zu, dass die meisten
Fazit: Keller liefert ein leidenschaftliches
rung zurückerobern können.
Menschen eine gesunde Ernährung fa-
Plädoyer für eine ehrliche Küche und ein
einfach beim Essen an.“ Und er zeigt,
vorisieren, doch leider oft nur in Mei-
radikales Umdenken in der industriellen
Er findet auch, dass die Bevölkerung in
nungsumfragen. Die Realität sieht ganz
Nahrungsmittelproduktion,
vielen Teilen bereit ist für eine Agrar-
anders aus: Mehr als zwölf Prozent der
Meinung nach den Respekt vor den Tie-
und
Gleichzeitig
Deutschen nehmen niemals einen Koch-
ren und Pflanzen verloren hat und den
liest er den Politikern die Leviten, die in
löffel in die Hand. Über ein Drittel kocht,
Menschen krank macht. n n n
Deutschland und der gesamten EU von
wenn es hoch kommt, zwei Mal in der
den starken Lobbyinteressen der Nah-
Woche. Und während die Promiköche in
rungsmittelkonzerne ausgebremst wer-
der Glotze um die Wette witzeln, schau-
Lebensmittelwende.
die
seiner
Franz Keller: „Ab in die Küche!“, Westend Verlag, Frankfurt, 224 Seiten, 24 Euro
COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
PETER W. SCHNEIDER
D
er ambitionierte Weinliebhaber - immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen,
aber auch nach neuen Fakten über sein Lieblingsgetränk - mag zuerst einmal denken: Brauche ich wirklich noch ein Weinbuch und warum?
Doch der Titel „Wein ist Kult!“ von Rudolf Nickenig ist keines der vielen ach so angesagten Publikationen vom x-ten „Topsommelier“, die oft eine recht subjektive Sicht auf das in der Tat momentan kultige Getränk transportieren. Denn Rudolf Nickenig ist nicht irgendjemand, sondern verfügt über jahrzehntelange professionelle Erfahrung in den unter-
Buchbesprechung: Wein ist Kult! Und auch Kultur! Zwei Blicke auf ein Sachbuch von den Autoren
AUTOREN PETER W. SCHNEIDER & WOLFGANG JUNGLAS
73
schiedlichsten Berufsfeldern rund um
sam und mit einer Vielzahl von oft recht
und Gesundheitsexperten bringen zu-
den Wein. So war der Winzersohn etwa
amüsanten Zitaten durch jene Themen,
sätzliche Standpunkte ins Spiel und
Generalsekretär des deutschen Wein-
die sowohl die Praxis als auch die Theo-
eine Fülle historischer Bilder sowie
bauverbandes, ist promovierter Er-
rie des Weinkonsums betreffen.
aktueller Statistiken sorgt für Kurzweil
nährungswissenschaftler und vielfältig publizistisch tätig.
und belastbare Daten. SelbstverständDie historische Seite wird genauso
lich finden sich zum Schluss nützliche
profund beleuchtet wie immer dring-
Literaturhinweise und Anmerkungen.
In diesem Buch wird nun nicht, wie der
liche Fragen zu Wein und Verkehr, zu
Herausgeber, die Deutsche Weinakade-
Gastronomie und Gesundheit, zu Sport
Wer bewusst und vor allen Dingen in
mie, vermuten ließe, einseitig eine un-
und Arbeit, zu Weinbaupolitik und so-
Maßen – genau darum geht es die-
kritische Haltung zum Weingenuss ein-
gar zu feministischen Aspekten. Selbst
sem Werk – guten Rebensaft genießen
genommen. Dies wäre in den heutigen
Themen wie Weingenuss zur Anregung
möchte, findet hier viel Wissenswertes
fitnessbewussten Zeiten gar nicht mehr
der Kreativität oder die vielfältigsten
und einige geistreiche Einsichten.
möglich und zudem falsch. Vielmehr
Trinkmuster werden einer kritischen,
streift Rudolf Nickenig, gelegentlich
doch ausgewogenen Betrachtung un-
etwas akademisch, jedoch unterhalt-
terzogen. Interviews mit Ernährungs-
WOLFGANG JUNGLAS
A
uf den ersten Blick scheint
Da der Autor Rudolf Nickenig eindeutig
derater Alkoholgenuss recht umfas-
das
eine
als Interessenvertreter der Weinbran-
send zusammen und berücksichtigt
Marketing-Replik auf die
che zu identifizieren ist (32 Jahre lang
dabei auch die Themen „Wein und
zunehmenden Meldungen,
Generalsekretär Deutscher Weinbau-
Frauen“, „Wein und Jugend“, „Wein
dass im aktuellen öffentlichen Dis-
verband und Chefredakteur der Fach-
und Speise“ und auch „Wein und Ver-
kurs die Gefahren des Alkoholgenusses
zeitschrift „Der deutsche Weinbau“),
kehr“. Zum anderen bietet das Werk
(„Krebsrisiko!“) höher bewertet werden
zudem das Layout des Buches stellen-
eine interessante Rückschau auf das
als die positiven Aspekte des moderaten
weise mehr an ein Verbands-Jahrbuch
Weinverständnis früherer Jahrzehnte.
Weingenusses („French Paradox!“).
erinnert als an ein sinnliches Wein-
Buch
lediglich
buch, könnte die Buchbesprechung
Das Buch ist leicht lesbar, mit der Ru-
Der Eindruck wird unterstützt durch das
mangels Motivation, weiter darin zu
dolf Nickenig eigenen „weinfröhlichen
nicht sehr geglückte Titelfoto:
stöbern, schon zu Ende sein.
Gelassenheit“
geschrieben
und
eine
Fundgrube an Fakten und Argumenten Junge Menschen im besten Werbeal-
Wenn, ja, wenn es nicht doch einen
für alle Weinliebhaber*Innen, die sich
ter (irgendwie zwischen 25 und 49) in
zweiten Blick gäbe. Auf diesen ist dem
an der öffentlichen Diskussion über die
einem international anmutenden Per-
Bopparder Winzersohn und Weinprofi
gesundheitlichen und kulturellen As-
sonenmix mit Trendy-Einfachfahrrad
Dr. Rudolf Nickenig ein bemerkens-
pekte des Weins beteiligen wollen. n n n
beim Picknicken (4 von 6 Personen
wertes Werk gelungen. Auf 184 sorg-
drehen dem Betrachter den Rücken zu!)
sam recherchierten Seiten fasst er zum
könnten in dieser Bildsprache auch für
einen den aktuellen Diskussionsstand
Rum, Cola oder Mineralwasser werben.
in der Weinbranche zum Thema mo-
Wein ist Kult, heilen - berauschen - genießen: Trinkmuster im Wandel der Zeit, Dr. Rudolf Nickenig, Herausgeber: Deutsche Weinakademie GmbH (DWA), 184 Seiten, Verlag Nünnerich-Asmus, Oppenheim am Rhein 2020, ISBN 978-3-96176-113-5, 25,00 Euro COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN
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Rainer Zeller zum neuen Präsidenten des Badischen Weinbauverbandes gewählt Eine Meldung, eingereicht von Mitglied Horst Kröber ...
A
m 13. Juli 2020 wurde Rainer Zeller (63) aus MüllheimBritzingen mit großer Mehrheit zum Präsidenten des Badischen Weinbauverbandes gewählt. Zeller ist im Hauptberuf selbstständiger Versicherungsmakler,
Nebenerwerbswinzer
und
seit
1999
Vorsitzender des Verwaltungsrates der WG Britzingen. Seit 2004 ist er außerdem Aufsichtsrat des Badischen Winzerkellers und seit 2016 Vorsitzender desselben. Mit dem eindeutigen Ausgang zeigten sich alle Beteiligten mehr als zufrieden. Zeller tritt die Nachfolge von Kilian Schneider an, der das Amt nach zehn Jahren aus gesundheitlichen Gründen abgibt. Gemeinsam mit seinen vier Vizepräsidenten wird Zeller den Weinbauverband in die Zukunft führen. Die Vizepräsidenten wurden in der Verbandsausschusssitzung ebenfalls neu gewählt und sitzen mit Ausnahme von Thomas Walz (47), Winzer aus Heitersheim sowie Vizepräsident des Badischen und Deutschen Weinbauverbandes, erstmals im Präsidium. Komplettiert wird das Gremium durch Stephan Danner (46), geschäftsführender Vorstand der WG Durbach, Martin Linser (42), Wein- und Spargelbauer aus Opfingen, sowie Martin Schmidt (44) aus Eichstetten. Er ist Inhaber der Weinkellerei Friedrich Kiefer sowie des ökologischen Weingutes Schmidt.
Deutlich erleichtert schienen die Verantwortlichen des Weinbauverbandes. So sollte die Wahl eigentlich Anhang Februar stattfinden, doch es gab
RAINER ZELLER (FOTO: BADISCHER WEINBAUVERBAND)
Schwierigkeiten bei der Kandidatensuche. Erst die danach eingesetzte Findungskommission mit Vertretern von Genossenschaften und Weingütern einigte sich auf den jetzt gewählten Kandidaten Rainer Zeller. „Das deutliche
seiner Amtszeit sei es außerdem, die Chancen
Votum spricht für Rainer Zeller, der das Vertrauen des Verbandsausschusses
für die badischen Winzer klar zu definieren und
und damit der Winzerinnen und Winzer in Baden genießt. Auch spricht es
konsequent umzusetzen. Ausdrücklich lobte er
für die gute Arbeit der Findungskommission, die wir im Vorfeld eingesetzt
die Arbeit seines Vorgängers Kilian Schneider.
hatten“, freute sich Verbandsgeschäftsführer Peter Wohlfarth.
Hierbei
würdigte
er
insbesondere
dessen
Mitarbeit am neuen deutschen Weingesetz „Bei allen Herausforderungen, die der Verband in den kommenden Jahren zu
sowie sein Engagement beim Volksbegehren
meistern hat, ist es wichtig, dass der Präsident den Rückhalt der gesamten
„Rettet die Bienen“. Das frisch gewählte
Branche hat und dass wir alle an einem Strang ziehen“, betonte er. Der neue
Gremium wird sich zeitnah zusammensetzen,
Präsident sieht sich als Mittler, der die Interessen aller Winzer Badens unter einen
um die anstehenden Aufgaben zu besprechen.
Hut bekommen möchte. In seiner Antrittsrede betonte Zeller, dass er die gute
Hierzu
Arbeit seiner Vorgänger fortsetzen und die nötigen Strukturen schaffen wolle,
Rahmen des neuen Weinbezeichnungsrechts
um die Zukunft des Winzernachwuchses zu sichern und den nachfolgenden
auch die künftige strategische Ausrichtung des
Generationen ein auskömmliches Arbeiten zu ermöglichen. Ein wesentliches Ziel
Verbandes. n n n
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zählt
neben
den
Änderungen
im