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Weinfeder december 2019

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KOSTENFREI IM ABO

EDITION #59

DEZEMBER 2019

VERBAND DEUTSCHER WEINPUBLIZISTEN

STARKE WEINFRAUEN // WEIHNACHTLICHE REZEPTE // PREIS DER DEUTSCHEN WEINKRITIK // WEINPERSÖNLICHKEIT DES JAHRRES // SEKT & CO. // PORTRAITS // WEINREISEN // KOMMENTARE // REZENSIONEN // NACHRUF COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


EDITORIAL / INHALT

WEINFEDER JOURNAL | EDITION # 59 | DEZEMBER 2019

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LIEBE LESERINNEN UND LESER, der Rückblick auf das zurückliegende Weinjahr fällt unterschiedlich aus: Der Weinjahrgang 2019 in Deutschland brachte weniger Menge, aber sehr gute Qualitäten in die Weinkeller. Auch die Zahl der Weinführer wird weniger: Der ZS Verlag hat die Lizenz für den GAULT MILLAU WEINGUIDE zurückgegeben. Offensichtlich wurde das 2017 bei der Lizenzerwerbung aus‐ gegebene Ziel, der Weinführer soll sich „von einer Printausgabe hin zur füh‐ renden multimedialen Premium‐ Plattform für alle Genuss‐Themen ent‐ wickeln“, nicht erreicht. Ob sich die übrigen Print‐Weinführer noch lange halten können? Das Ge‐ schäftsmodell scheint nicht mehr recht zu funktionieren: Online hat auch noch niemand eine Lösung gefunden, die sich rechnet. Ich bin gespannt, wie sich der Markt der Qualitäts‐Weinbewertung entwickeln wird.

Die deutschen Winzer jedenfalls kön‐ nen hoffnungsfroh in die Zukunft schauen – allen voran das Weingut Dönnhoff an der Nahe: 99 Punkte für Großes Gewächs, 18.000 Euro Versteigerungserlös für eine Mag‐ num 2015 Niederhäuser Hermanns‐ höhle Riesling TBA. Und die Aus‐ zubildende Angelina Vogt wird zur Deutschen Weinkönigin gewählt – Weihnachten kann kommen! Ich wünsche Ihnen ein schönes Fest und ein gutes neues Jahr! Ihr

Wolfgang Junglas 1. Vorsitzender Weinfeder e.V. (Verband deutschsprachiger Weinpublizisten)

TITELTHEMEN: STARKE WEINFRAUEN // WEINKULINARISCHE REZEPTE FÜR DIE FEIERTAGE

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AB SEITE AB SEITE REBECCA WILLSON & VITALIE TAITTINGER REZEPTE MIT WEINEMFPEHLUNGEN

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INHALT

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INHALT

6+7

WEINVERBÄNDE 06 Preis der Deutschen Weinkritik 08 Weinpersönlichkeit des Jahres

SEKT & CO. 10 Die „Traditionellen Sektmacher“ geben Gas 11 Sekt oder Selters? 12 100 Jahre schäumender Zauber 14 Nochmal Beauty­Secco Werbung abgemildert

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PORTRAITS 15 Weingut Corvers­Kauter jetzt deutsche Spitze 17 Unbekannte Weinhochburg Heilbronn 21 Wenn im Weinberg gewildert wird

WEINREISE 23 Eine Weinreise in die Zukunft Verkostung Château Changyu

WEINPROJEKT 28 Langhorne Creek Weinprojekt Nummer 5255

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WEINFRAUEN

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30 Rebecca Willson Powerfrau in Sachen Wein 34 Feminines Weinmanagement bei Taittinger 36 Das Champagner Start­up

ESSEN & TRINKEN 39 Rezepte mit Weinempfehlungen

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WEINBILDUNG 51 Wein in der Schule?

REZENSIONEN & NACHRUF 53 54 55 56

Ultimatives Weinbuch Steiermark Eine wahre Geschichte Vom Einfachsten das Beste Dr. Wolfgang Thomann

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INHALT/IMPRESSUM

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WEINFEDER JOURNAL | EDITION # 59 | DEZEMBER 2019

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● HERAUSGEBER Weinfeder e.V. Verband deutschsprachiger Weinpublizisten, 1. Vorsitzender: Wolfgang Junglas, Weinfeder e.V., Bienenbergweg 4, 65375 Oestrich­Winkel, Telefon: 06723­ 601902, Fax: 885546, E­Mail: info@weinfeder.de, Internet: www.weinfeder.de, Facebook: www.facebook.com/weinfeder ● TITELFOTO Champagne Taittinger ● AUTOREN DIESER AUS‐ GABE Hermann­Josef Berg, Britta Binzer, Harry George, Rudolf Knoll, Norbert Krupp, Dr. Martin Sachse­Weinert, Peter W. Schneider, Heiko T. Taudien, Arthur Wirtzfeld ● LEKTORAT Dr. Christa Hanten ● LAYOUT & SATZ Arthur Wirtzfeld, Telefon: 0931­322460, redaktion@weinfeder.de ● SCHLUSSREDAKTION Arthur Wirtzfeld ● ViSdPG Weinfeder e.V. ● COPYRIGHT‐HINWEIS Alle redaktionellen Beiträge im Weinfeder Journal werden in der Originalversion veröffentlicht. Für den Inhalt und die Ausformulierung der Texte sind allein die Autoren verantwortlich, die das alleinige Copyright für ihre Texte innehaben. Ein Nachdruck oder eine Veröffentlichung von Beiträgen im Internet, in sonstigen digitalen oder in Printmedien, auch auszugsweise, kann nur in Absprache mit den jeweiligen Autoren erfolgen. Gegen Honorar, das mit dem Autor zu vereinbaren ist, kann jeder Beitrag unter Angabe der Quelle (Weinfeder) und Namensnennung der/des Autorin/Autors übernommen und veröffentlicht werden.

REDAKTIONSSCHLUSS für die Ausgabe Edition #60 ist der 7. Februar 2020. Einsendungen von Beiträgen und Bildmaterial bitte an: redaktion@weinfeder.de – Ansprechpartner Arthur Wirtzfeld (gleiche Mailadresse). Rückfragen unter Telefon: 0931­322460.

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WEINVERBÄNDE

WEINFEDER JOURNAL | EDITION # 59 | DEZEMBER 2019

(Foto: Norbert Krupp)

PREIS DER DEUTSCHEN WEINKRITIK & WEINPERSÖNLICHKEIT DES JAHRES, AUSGEZEICHNET DURCH DIE WEINFEDER E.V. AUF SCHLOSS VOLLRADS

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WEINVERBÄNDE

WEINFEDER JOURNAL | EDITION # 59 | DEZEMBER 2019

Es war alles andere als ein günstiger Nährboden, auf dem sich 1986 eine Gruppe Weinerzeuger aus Württemberg zusammenfand, um besondere Akzente in der deutschen Weinszene zu setzen. 1981 war der Germanisierungsskandal hochge‐ kocht. Es stellte sich heraus, dass über Jahre hinweg deutsche Kellereien billigsten italienischen Grundwein zu deutschem Qualitätswein veredelt hatten. Dann folgte der Flüssigzuckerskandal, bei dem etliche Millionen Liter schlichter Qualitätswein zu scheinbar edlen Prädikatsweinen verwan‐ delt wurden. Ende 1984 kam es noch an der Mosel zu einer gefälschten Genehmigung für den Einsatz der Nassverbesserung – auch Gallisieren genannt –, um einen recht sauren Jahrgang zu retten. Alles überstrahlte 1985 der aus Österreich importierte Glykolskandal, der wochenlang die Schlagzeilen beherrschte, weil das zugesetzte Diethylenglykol angeblich giftig war – allerdings erkrankte niemand, der solche gepanschten Weine getrunken hatte. TEXT: RUDOLF KNOLL

PREIS DER DEUTSCHEN WEINKRITIK

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Laudator Rudolf Knoll, Vorstandsmitglied der Weinfeder e.V. (Foto: Norbert Krupp

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inzu kam in dieser Phase noch die Qualität der Jahrgänge in Deutschland: 1980 mies, 1981 gerade noch erträglich, 1982 und 1983 Massenerträge, 1984 wieder schlecht, 1985 viel Frost.

Es gehörte schon einiger Wagemut dazu, in dieser Zeit gegenzusteuern – und das noch förmlich revolu‐ tionär, nämlich mit Weinen aus Barriques, die da‐ mals alles andere als Wohlgefallen bei der Weinprüfung erregten. Die Weine wurden als „unty‐ pisch“ und „holzig“ abgelehnt und konnten allenfalls als „Tafelwein“ vermarktet werden. Ein Württemberger, der damals an der Weinbau‐ schule San Michele im Trentino eine Professur ausüb‐ te, gab den entscheidenden Anstoß für die im Oktober 1986 erfolgte Gründung der „Studiengruppe neues Eichenholzfass“. Rainer Zierock war ein glühender Verfechter des neuen Eichenfasses, das damals lang‐ sam Einzug in deutschen Landen hielt. Er wusste aber auch, dass der Holzeinsatz mit Überlegung erfolgen musste und es nicht möglich war, einen einfachen Wein damit zu verbessern. Er fand für seine Ideen einige Mitstreiter, nämlich den Fürsten zu Hohenlohe in Öhringen, Graf Adelmann in Steinheim‐Klein‐ bottwar, Drautz‐Able in Heilbronn mit dem unverges‐ senen Richi Drautz, Jürgen Ellwanger in Winterbach und den Sonnenhof der Familie Fischer in Vaihingen/ Enz. Aus diesen fünf Betrieben (konkret den Initialen) ergab sich fast automatisch ein griffiger Name für die schwäbischen Revoluzzer, zu denen sich noch die Weinbauschule Weinsberg zählte: Hades. In der grie‐ chischen Mythologie heißt so der Totengott und

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WEINVERBÄNDE

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Mitglieder der H.A.D.E.S.‐Gruppe mit Laudator Rudolf Knoll (Vorstandsmitglied) und Wolfgang Junglas (Vorstandsvorsitzender) der Weinfeder e.V. (Foto: Norbert Krupp

Herr der Unterwelt. Kritiker prophezeiten dem Verein deshalb auch, dass für ihn bald das Toten‐ glöcklein läuten würde. Aber das war nicht der Fall. Man hatte die Ziel‐ setzung, Weine zu erzeugen, die international vor‐ zeigbar waren. Deshalb wurden Studienreisen nach Bordeaux, in die Bourgogne und nach Italien durch‐ geführt. Und man wagte sich an Experimente wie einen nicht angereicherten Muskateller mit gerade 80 Grad Öchsle, einen leichtgewichtigen Riesling mit 11 „Volt“, einen hellroten Schillerwein und einen Spätburgunder, der drei Jahre im neuen Holz nicht überleben sollte. Manche Weine mussten entsorgt werden, mit anderen hatte man – oft gegen manche Lehrmeinung – Erfolg und diente der Branche lang‐ sam als Vorbild. Michael Graf Adelmann sprach sei‐ nerzeit von einer Arbeit im Untergrund und einem Umsturz im Keller. Dieser mündete in die Gründung eines bundeswei‐ ten Vereines, des Deutschen Barrique‐Forums. Um das ist es nach sehr aktiven Anfangsjahren zuletzt doch deutlich still geworden. Denn Ausbau in Barriques ist heute selbstverständlich. Die Weine müssen sich nicht mehr hinter dem Begriff „Tafel‐ wein“ verstecken. Die meisten Winzer haben erkannt, dass nicht „Barrique“ pur das Allheilmittel für bedeutende Weine sein muss, sondern die Kombination zwischen neu und gebraucht ebenfalls großartige Ergebnisse möglich macht.

Mag sein, dass es ohne die Hades‐Gruppe auch so gekommen wäre, die Erkenntnis wäre vielleicht spä‐ ter gereift. Von den Männern der ersten Stunden – oder Jahre – sind nicht mehr alle aktiv. Leider ver‐ storben sind Initiator Rainer Zierock, Richi Drautz und der Hohenlohe‐Betriebsleiter Siegfried Röll. Heute bilden Joachim Brand für Hohenlohe, Felix Graf Adelmann junior, Markus Drautz, die Junioren Felix und Jörg Ellwanger (noch ein bisschen beauf‐ sichtigt vom rüstigen Senior Jürgen) und Martin Fischer vom Sonnenhof die Hades‐Gruppe. Die Weinsberger Lehranstalt mit Betriebsleiter Dr. Dieter Blankenhorn und seinem Kellermeister Florian Solymari ist ebenfalls nach wie vor involviert. Flaschen mit dem Hades‐Symbol gehören jeweils zu den Aushängeschildern der Betriebe und konnten schon oft unter Beweis stellen, dass sie ein sehr gutes Alterungspotenzial haben. Auch wenn der letzte große öffentliche Auftritt zum 25‐Jährigen schon einige Zeit zurückliegt, so ist man in der Hades‐Unterwelt – in den Wein‐ kellern – nach wie vor aktiv, tauscht sich regelmä‐ ßig aus, verkostet die Weine miteinander, lobt und übt Kritik. Und man ist mit dem Wein aus dem neuen – und gebrauchten – Eichenfass nach wie vor auf breiter Front sehr gut unterwegs. Nach dem Motto der Anfangszeit: Sturheit muss nicht, aber kann sich manchmal auszahlen.

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WEINVERBÄNDE

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DR. ROWALD HEPP

Laudator Prof. Dr. Hans Reiner Schultz, Hochschule Geisenheim, Dr. Rowald Hepp, Preisträger „Weinpersönlichkeit des Jahres“, Wolfgang Junglas, Vorstandsvorsitzender) der Weinfeder e.V. (Foto: Norbert Krupp)

TEXT: NORBERT KRUPP

WEINPERSÖNLICHKEIT DES JAHRES COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


WEINVERBÄNDE

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GROSSE VERDIENSTE UM SCHLOSS VOLLRADS „WEINFEDER“ ZEICHNET GUTSVERWALTER DR. ROWALD HEPP ALS WEINPERSÖNLICHKEIT DES JAHRES 2019 AUS

Projektarbeit über „Die Möglichkeiten des integrierten Pflanzenschutzes im Weinbau“ geschrieben und sei schon damals seiner Zeit voraus gewesen. Nach Abitur, Winzerlehre und dem Studium von Weinbau und Önologie in Geisenheim und Gießen habe Hepp etliche Praktika im Ausland absolviert und ein Beratungs‐ projekt auf der Kanalinsel Jersey angenommen. Schließlich habe er mit einer Dissertation zur langfristi‐ gen Tendenz der Weltweinmärkte promoviert.

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Schultz bescheinigte Hepp, der schon als Direktor des Staatsweingutes Kloster Eberbach und Leiter des Staatlichen Hofkellers in Würzburg geglänzt hat, dass er die Aufgabe gemeistert habe, das Weingut Schloss Vollrads zu sanieren und zu einem erfolgreichen Unternehmen zu machen. Diese Leistung habe Hepp bundesweit und international viel Anerkennung einge‐ bracht, der im Ausland stets als Botschafter deutscher Weine unterwegs sei. Hepp war beteiligt an der Gründung des Vereins „Wine Saves Life“, er unterstüt‐ ze die soziale Initiative „steps for children“ und zeige sich bei vielen anderen Themen stets hilfsbereit. Ab 2013 habe Hepp als Vorsitzender des Geisenheimer Hochschulrates dazu beigetragen, für eine vernünftige Finanzierung der Hochschule zu sorgen.

Prof. Dr. Hans Reiner Schultz, der Präsident der Hochschule Geisenheim, hielt die Laudatio für seinen langjährigen Wegbegleiter und Freund Rowald Hepp. Schon am Gymnasium habe der gebürtige Franke eine

Anschließend überreichte Weinfeder‐Vorsitzender Wolfgang Junglas eine Urkunde und den Preis für die „Weinpersönlichkeit des Jahres 2019“ an Dr. Rowald Hepp, der sich darüber sichtlich freute und für diese Ehre bedankte, die er stellvertretend für sein Team von Schloss Vollrads entgegennahm.

ls „Weinpersönlichkeit des Jahres 2019“ zeich‐ nete der Verein „Weinfeder“, dem rund 70 deutschsprachige Weinpublizisten angehören, jetzt Dr. Rowald Hepp (57) aus. Die Ehrung fand im Rahmen einer Gala auf Schloss Vollrads statt, dessen Weingut seit 20 Jahren erfolg‐ reich vom Önologen Hepp geführt wird.

Eine sehr gelungene Veranstaltung, an der auch die Weine der Preisträger und die Küche von Schloss Vollrads ihren Anteil hatten. (Foto: Norbert Krupp) COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


SEKT & CO.

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DIE „TRADITIONELLEN SEKTMACHER“ GEBEN GAS TEXT: RUDOLF KNOLL

Beim Verein der ambitionierten deutschen Sekterzeuger ist Schwung reinge‐ kommen. Manchmal schon fast zu viel. Eine Absicht des Verbandes der tradi‐ tionellen Flaschengärer, dessen Mitglieder seit drei Jahrzehnten ihren Sekt nach der Methode à la Champagne erzeugen, war es vor Monaten, die Bezeichnung „Sekt“ für diese Art der Erzeugung schützen zu lassen. Alles andere sollte künftig nur mehr als „Schaumwein“ bezeichnet werden.

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chnell war klar, dass der Vorsitzende Volker Raumland („Weinfeder‐Weinpersönlich‐ keit des Jahres 2018“) und seine Mitstreiter hier bei den großen Sektkellereien nicht auf Weinstein, sondern auf Stahl beißen würden, und es auch rechtlich keine Handhabe dafür gibt. Außerdem wäre es dann wohl nicht zur Mitgliedschaft des Vereins im Deutschen Sektverband gekommen, gegen den man, so Raumland, nicht attackieren, sondern mit ihm gemeinsam vorankommen wolle. Weil „Flaschengärer“ nicht unbedingt ein mitreißender, sondern erklärungsbedürftiger Begriff in den Augen vieler Konsumenten ist, wurde nach einem neuen Vereinsnamen gesucht und kürzlich gefunden: Verband traditioneller Sektmacher. Der Name Winzersekt schloss sich praktisch von selbst aus, weil der sowohl für schäumenden Wein aus dem großen Tank als auch für die klassische Methode stehen kann.

(Foto: DWI)

Der neue Name ist nach Einschätzung der Premium‐Erzeuger zeitgemäßer und auch auf dem inter‐ nationalen Parkett eingängiger. Man will damit den Begriff „Sekt“ neu prägen. Im Verein steht er für die handwerkliche Methode und soll wie Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts den Nimbus von Hochwertigkeit vermitteln. Damals war das Vorbild Champagne bei der Erzeugung Praxis und gab es noch keine zweite Vergärung im Tank (Méthode Charmat). Der Stellenwert von Sekt war ein ganz anderer als heute. Die regelmäßigen Sonderangebote im Handel für teilweise weniger als drei Euro/0,75‐l‐Flasche haben dem Markensekt den Ruf der „Sekretärinnen‐Brause“ eingetragen. Der Qualitätsgedanke steht beim durch Zuwachs inzwischen 39 Mitglieder umfassenden Verein im Vordergrund. Betriebe, die Standards nicht einhalten, müssen sich verabschieden. In nächster Zeit will man vermehrt in die Offensive gehen, unter anderem mit einem Auftritt auf der ProWein. Um dem Verband mehr Schlagkraft zu geben, werden diverse Arbeitsgruppen gebildet.

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SEKT & CO.

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SEKT ODER SELTERS? Im Prospekt eines Discounters ent‐ deckte ich ein kurioses Schnäpp‐ chen: eine ganze Pulle in Deutschland produzierten Sekt für spektakuläre 2,00 Euro! Zuvor war mir schon mal ein ähnliches Angebot zum vermeintlichen Schnapspreis von 2,22 Euro aufgefallen.

(Foto: DWI)

TEXT: NORBERT KRUPP

Solche Preise, auch wenn sie durch den Handel subventioniert sein sollten, sind eigentlich unglaublich: Denn sie enthalten bereits 19 Prozent Mehrwertsteuer und 1,02 Euro Sektsteuer (anno 1902 zur Finanzierung der kaiserlichen Flotte eingeführt), die in die Staatskasse fließen.

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ach deren Abführung bleibt nur noch erschreckend wenig für das eigentliche Produkt übrig. Von den restlichen 60 bis 80 Cent müssen die stabile Flasche, der Kunststoffkorken, das Drahtkörbchen und die Kapsel darauf, die Etiketten, der Karton sowie der Transport der Grundweine, deren Versektung, das Abfüllen und schließlich der Transport zum Kunden bezahlt werden. Also können für den eigent‐ lichen Inhalt, der anregenden Genuss und einen Hauch von Luxus versprechen soll, allenfalls 20 Cent „investiert“ worden sein. Kein Wunder, das so mancher Billigsekt nach nix oder noch weniger schmeckt. Wenn ich mir bewusst mache, dass schon für die gleiche Menge eines guten Mineralwassers 40 oder 50 Cent fällig sind, dann verzichte ich lieber auf Billigsekt zum Ramschpreis. Noch weniger kann ich verstehen, dass sich manche Zeitgenossen zum Geburtstag oder Hochzeitstag, zu Weihnachten oder gar zu Silvester den vermeintlichen „Luxus“ gönnen, mit einem derartigen Billigprodukt anzustoßen. Okay, wenn man kaum Geld hat oder der Geschmacksinn schon verkümmert ist, mag das angehen. Aber wenn ich wirklich Grund zum Feiern habe, dann investierte ich gerne acht, zehn oder mehr Euro in einen ordentlichen Winzersekt, bei dem erkennbar ist, was in der Flasche wirklich drin ist. Auf Weltreisen will ich schließlich auch nicht im Blindflug sein, sondern stets wissen, in welchem Land ich mich gerade aufhalte.

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SEKT & CO.

100 JAHRE „SCHÄUMENDER ZAUBER“

(Foto: Hermann‐Josef BergI)

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TEXT: HERMANN-J. BERG

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SEKT & CO.

Z Zum einen wurde offiziell die neue Firmenzentrale in der Geisenheimer Straße eingeweiht. Fünf Millionen Euro (davon 20 Prozent Eigenanteil) hat das Unter‐ nehmen hier investiert. Durch einen 3.000 Qua‐ dratmeter großen Anbau vereinte Ohlig Verwaltung, Produktion und Versand unter einem Dach. Es war der Schlussstrich unter einen elf Jahre währenden Prozess. Karlheinz Bubeck, der technische Betriebs‐ leiter, schlug schon 2011 diese Lösung vor. 2016 schließlich war Baubeginn.

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um anderen gab es Grund zum Feiern, weil das Unternehmen wirtschaftlich aktuell gut dasteht und auch über ausreichende Ka‐ pazitäten für künftiges Wachstum verfügt. Drei Millionen Flaschen könnten produziert werden, derzeit sind es 1,7 Millionen. 40 Prozent davon werden

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lohnversektet, der Rest enfällt auf Eigen‐ marken und individuelle Sonde rab ‐ füllungen. Die Lagerkapazität liegt bei einer Million Flaschen. Drei bis fünf Prozent der Sekte gegen alljährlich in den Export. Bei den Grundweinen liegt der Fokus auf Riesling und Spätburgunder (darunter auch Ökoweine). Die Investition und der gegenwärtige unternehmerische Erfolg sind nicht selbstverständlich. Immerhin durchlebte der Getränkemarkt, insbesondere für Sekt, 2018 und 2019 eine schwierige Zeit. Die deutschen Verbraucher trinken weni‐ ger Sekt. Auch der angebliche Trend zu alkoholarmen Sekten kann diese Verluste nicht auffangen. Firmenchef Markus Jost, seit 2003 offiziell im Betrieb und ab 2006 Geschäftsführer, zeigt sich dennoch opti‐ mistisch. Er will sich primär im Sektseg‐ ment zwischen fünf und zehn Euro seinen Marktplatz sichern.

(Foto: Sekt‐Kellerei Ohlig)

„ICH BETRACHTE ES ALS EIN GROSSES PRIVILEG, HEUTE UNSER FAMILIENGEFÜHRTES UNTERNEHMEN LEITEN ZU DÜRFEN.“ Markus Jost, Geschäftsführer

Vertriebsgeschick und Mut hat er. So wie „seine“ Vorfahren. Der Geisenheim‐Ab‐ solvent und Wahl‐Rheingauer Anton Ohlig gründete gemeinsam mit dem Rüdeshei‐ mer Feinkosthändler und Hotelier Wilhelm Heymach die Rheingauer Schaumwein‐ kellerei Ohlig & Co. am 1. Oktober 1919. Es war eine Hoch‐Zeit für Sekt in Deutschland. Leider machte dem erfolgshungrigen Unternehmen der Erste Weltkrieg einen Strich durch die Umsatzrechnung. Auch der Zweite Weltkrieg hemmte die Aktivitäten. Allerdings sorgte Anton Ohlig mit der Idee, Sekt an die Offiziere der Westfront zu liefern, zum Kriegsende hin für Verkaufsimpulse. Sekt von hoher Qualität herzustellen, scheint seit jeher in der Ohlig‐DNA verankert. Anfang der 1960er‐Jahre erklärte der damalige Herzog von Sachsen die Sektkellerei Ohlig gar zum offiziellen Hoflieferanten. Ihm ist heute noch ein Rieslingsekt mit dem Namen „Herzog“ gewidmet.

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NOCHMAL BEAUTY SECCO: WERBUNG ABGEMILDERT TEXT: RUDOLF KNOLL

In der letzten Ausgabe wurde unter der Überschrift „Buchbinder Wanninger“ à la Karl Valentin über die mühsame Recherche berichtet, ob ein Beauty Secco mit Kolla‐ genzusatz überhaupt zulässig ist. Keine der amtlichen Prüfstellen erklärte sich letztlich für zuständig, die Frage wurde weiterge‐ reicht wie die sprichwörtliche heiße Kartoffel. Schließlich nahm sich doch noch eine Institution dieses Produkts an. Via Volker Raumland, „Weinpersönlichkeit des Jahres 2018“ der Weinfeder e.V. und genialer Sekt‐ erzeuger, erreichte uns eine Stellungnahme des Verbands Deutscher Sektkellereien.

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ier wird festgestellt, dass die Ausstattung rechtlich nicht an‐ greifbar ist. Die Erwähnung von Perlwein („Secco“) als Bestandteil des Produkts sei nicht per se unzu‐ lässig. Ähnliches musste der Verband vor Jahren in einem Gerichtsverfahren zur Kenntnis nehmen, als man gegen einen aromatisierten weinhaltigen Cocktail vor‐ gehen wollte, in dessen Ausstattung der Produzent die Angabe „Sekt & Orange“ verwendet hatte. Überlegt wurde, ob es unter önologischen Gesichtspunkten überhaupt zulässig er‐ scheint, einem Perlwein Kollagenpeptide

zuzuführen. Das Ergebnis war, dass das damit assoziierte Risiko als wohl eher gering einzustufen ist. Da es sich bei Kollagen im weitesten Sinn um ein Eiweiß handelt, könn‐ te es im schlimmsten Fall zu Trübungen oder Ausfällungen kommen. Dennoch habe man das Produkt erfolg‐ reich angegriffen, und zwar unter Bezug‐ nahme zu einem vermeintlich positiven Effekt auf das körperliche Wohlbefinden. Auf der Homepage des Herstellers befand sich ursprünglich der Hinweis, Kollagen sei ein bewährtes Mittel im Bereich Anti‐ Aging; das oral aufgenommene Kollagen könne das Hautbild nachweisbar verbes‐

(Foto: GbR Tommy Hielscher, Anke Sterzing)

sern. Diese Aussagen, die der Sektverband als abmahnfähige gesundheitsbezogene Angaben eingestuft hatte, finden sich inzwischen nicht mehr auf der Website. Gleiches gilt für einen entsprechenden Bereich der Douglas‐Homepage, auf der ebenfalls diese gesundheitsbezogenen Angaben zu finden waren. Fazit des Ver‐ bandes: „Wir konnten immerhin das Bewerben des Produktes abmildern.“ Raumland selbst hatte übrigens nach einer Kostprobe auch nachgefragt, ob man die‐ ses merkwürdige Produkt nicht schon wegen seines schlechten Geschmacks abmahnen könne …

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(Foto: Corvers‐Kauter)

PORTRAIT

WEINGUT CORVERS-KAUTER JETZT DEUTSCHE SPITZE TEXT: HERMANN-J. BERG

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PORTRAIT

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(Foto: Corvers‐Kauter)

Vor 25 Jahren begann die Erfolgsgeschichte: Nach der privaten Ehe „ver‐ mählten“ Brigitte Corvers‐Kauter und Matthias Corvers auch ihre Betriebe. In Oestrich‐Winkel entstand das Weingut Dr. Corvers‐Kauter. Jetzt zählt es zur deutschen Spitze. Das belegen diese aktuellen Auszeichnungen in den maßgebenden Weinführern: „Aufsteiger des Jahres“ beim Gault&Millau. Hochstufung bei Vinum zum Vier‐Trauben‐Betrieb. „Beste edelsüße Kollektion“ bei Eichelmann. Von Falstaff zum „Winzer des Jahres“ nomi‐ niert, letztlich wieder mit vier von fünf Sternen eingestuft.

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ls Newcomer kann das Weingut schon lange nicht mehr bezeichnet werden. Dr. Corvers‐Kauter über‐ zeugte immer wieder mit ausge‐ zeichneten Weinen und guten Bewertungen. Doch jetzt dürfte der große Durchbruch gelungen sein. Vier Faktoren spielen dabei entscheidende Rollen: Das ständige Bemühen von Matthias Corvers um Qualitätssteigerung (etwa durch Investi‐ tionen in eine Korbpresse und hochwertige‐ re Holzfässer). Das Mitwirken von Sohn Philipp (23), der in Kürze sein Masterstudium der Oenologie in Geisenheim beendet. Der konsequente Umstieg seit 2013 auf ökologi‐ schen Anbau. Und die langfristige Pachtung

von 15 Hektar Top‐Weinbergslagen des tra‐ ditionsreichen Weingutes Langwerth von Simmern (Eltville) im Jahr 2018. Dieser Coup hat in der Weinbranche über‐ rascht. Die Weinguides schienen abzuwar‐ ten, wie Dr. Corvers‐Kauter mit dieser Verdoppelung der Rebfläche auf nunmehr 32 Hektar zurechtkommt. Der Betrieb hat es geschafft und erntet dafür jetzt die Meriten. Die Weinberge des Weingutes zählen zu den klangvollsten Rheingauer Lagen: Assmannxhäuser Höllenberg, Rü‐ desheimer Berg, Oestricher Doosberg, Hattenheimer Nussbrunnen, Erbacher Marcobrunn oder Rauenthaler Baiken.

Rieslinge und Spätburgunder von Dr. Corvers‐Kauter sind jetzt offiziell deutsche Spitze. Nachvollziehbar, dass bereits in der Vergangenheit der VDP.Rheingau wegen einer Mitgliedschaft angefragt hatte. Laut Dr. Corvers stehe das Thema jedoch auch jetzt nicht zur Diskussion. En passant: Auch der Gutsausschank des Weingutes gilt als geschätzte Adresse für eine anspruchsvolle Regionalküche. Brigitte Corvers‐Kauter, die sich auf dieses Ge‐ schäftsfeld konzentriert, ist eine Slow Food‐ Verfechterin und probiert immer wieder neue, teils historische Gerichte mit regiona‐ len Zutaten aus.

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UNBEKANNTE WEINHOCHBURG HEILBRONN

(Foto: Heilbronn Marketing GmbH/Projekt X ‐ Manuel Schönfeld)

TEXT: RUDOLF KNOLL

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Wer über die dauerhaft staugefährdete Bundesautobahn A6 an Heilbronn vorbei‐ fährt, sieht zunächst einmal ein großes Steinkohlekraftwerk (das im Frühjahr 2020 nur noch mit einem von einst sieben Kraftwerkblöcken in Betrieb sein wird). Dass in dieser scheinbar industriell geprägten Stadt mit 126.000 Weinbau eine prägende Rolle spielt, ist nicht auf den ersten und wohl auch nicht auf den zweiten Blick erkennbar. Und wenn man auf bedeutende Weinstädte in Deutsch‐ land zu sprechen kommt, wird Heilbronn vermutlich selten genannt.

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Dabei hat die Stadt eine reiche Weinbau ‐ geschichte: Anno 766 schenkte ein Adeliger dem Kloster Lorsch vier Ort schaften mit Wiesen, Weingärten und Wohnhäusern, die allesamt auf heutigen Heilbronner Gemarkungen liegen. Weil das urkundlich fixiert ist, kann die Stadt 1253 Jahre Weinbaugeschichte vorweisen. Und 530 Hektar Reben sind auch kein Pappenstiel. Bewirtschaftet werden sie von 120 Familienbe‐ trieben, von denen etliche der großen Heilbronner Genossen schaftskellerei angehören, die selbst durch zahlreiche Fusionen mit Kooperativen in Nachbargemeinden inzwischen Trauben von rund 1400 Hektar verarbeitet. Der Riese reiht sich, ohne die Rolle eines Souveräns zu spielen, in die Reihen der Privatwinzer ein und betreibt mit mehr als einem Dutzend „Wengerter“ (schwäbisch für „Weingärtner“) gemeinsam die Wein Villa, die einst einem Zuckerfabrikanten gehörte und seit einigen Jahren ein beliebter gastronomischer Treffpunkt für Genießer ist. Hier fand vor kurzem zum achten Mal die Präsentation des „Bürgerweines“ statt, einer roten Cuvée, ausgebaut in zwei Holzfässern, die im Wechsel vom Weingut G.A. Heinrich und der Genossenschaftskellerei vinifiziert wird. Nur 1500 Flaschen gibt es davon. Samtrot (zwei Drittel) und Lemberger waren im aktuellen Jahrgang 2018 die Sorten, die zusammengeführt wurden. Zwei Euro vom Flaschenpreis werden zur Pflege des sechs Kilometer langen „Wein Panorama Wegs“ am Heilbronner Wartberg abgezweigt, der Wein ‐ freunden deutlich macht, dass Heilbronn eine durchaus malerische Weinstadt ist.

(Foto: Heilbronn Marketing GmbH/Roland Schweizer)

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19 (Foto: Heilbronn Marketing GmbH/Ulla Kühnle)

PORTRAIT

Der Bürgerwein hat indes, trotz seiner über‐ zeugenden Qualität für einen Preis von 11,90 Euro, nur marginale Bedeutung im Vergleich mit den sonstigen Heilbronner Weinaktivitäten. Eine regelmäßige Attrak‐ tion im Mai ist der Trollinger Marathon durch die Weingärten, bei dem einige Tausend Sportler die halbe oder die ganze Marathon‐ strecke (42,195 km) bewältigen (und schon mal haltmachen an einem Trollinger‐Stand). COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


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Noch ganz andere Dimensionen hat das Heilbronner Weindorf im September, bei dem in 2019 im Umfeld des historischen Rathauses rund 270.000 Besucher registriert wurden, die etwa 380 verschiedene Weine zur Auswahl hatten. Der Termin 2020 (10. bis 20. September) wird besonders gefeiert werden, es ist das 50. Weindorf! Und die Qualität der Weine ist durch entsprechende Kontrolle und Wettbewerbe immer besser geworden. Im Jubi‐ läumsjahr wird eine spezielle Veranstaltung vorgescho‐ ben, nämlich eine Weinauktion mit über 50 Lots, darun‐ ter eine Reihe reifer Rieslingweine aus den 1960er‐ und 1970er‐Jahren (27. März). Ältester Wein ist ein 1959er Trollinger, nach Angaben des Erzeugers die letzte Flasche dieses Weines auf der Welt.

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Im Rückblick auf 2019 meint Steffen Schoch, der Chef von Heilbronn Marketing, dass man „am Weinprofil hart gearbeitet habe“. Die Bundes‐ gartenschau vom Frühjahr bis Oktober gab hier viel Rückenwind. Am Weinstand Heilbronns wurde dreimal so viel Wein verkauft wie erwartet, der Nachschub musste fast Tag und Nacht rollen. Schoch hat auch intensive Aktivitäten im Weinhandel erlebt und kann darauf verweisen, dass man mit dem Ratskeller ein Restaurant vor‐ weisen kann, dass mit seiner Weinauswahl alle deutschen Ratskeller in den Schatten stellt. Die Duale Hochschule Baden‐Württemberg in Heil‐ bronn bietet seit Kurzem auch einen Wein‐ Studiengang in Kooperation mit der Weinbau‐ schule im Nachbarort Weinsberg an. Einen Riesling‐Akzent setzte man im Herbst mit der Siegerehrung des Wettbewerbs Riesling‐Champion des Magazins Vinum, die erstmals in Heilbronn stattfand. Einziger Wermutstropfen: Unter den Siegern war kein Heilbronner Betrieb dabei.

Rund 30 Weingüter, darunter die VDP‐Mitglieder Drautz‐Able und Kistenmacher‐Hengerer, wollen deutlich machen, dass eine Aussage des Hofkaplans von Kaiser Maximilian I. aus dem 16. Jahrhundert („Der pesst Neckarwein wächst zu Haylprunn“) immer noch zutrifft. Das wusste damals auch die Damenwelt, die den Ruf hatte, trinkfester als die Männer zu sein. So wurde anno 1561 verfügt: „Den Weibern, so dem Trunck erge‐ ben, sollen vom Stadtknecht Zettel an den Kopf geheftet werden mit den Worten „Versoffene Krugsurschel“…

(Foto: Heilbronn Marketing GmbH/Ulla Kühnle)

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Moritz (links) und Hans Haidle (Foto: Weingut Karl Haidle)

WÜRTTEMBERG

WENN IM WEINBERG GEWILDERT WIRD TEXT: RUDOLF KNOLL

Dass Winzer mit einem Kollegen Trauben von der gleichen Sorte tauschen und dann jeweils einer das Material des anderen zu Wein verarbeitet, kommt immer wieder mal vor. Unterschiede treten selbst beim identischen Traubengut zutage, weil die Verarbeitung im Detail variieren kann, zum Beispiel durch die Pressausbeute, die Dauer einer Maischegärung und auch – bei Verzicht auf Reinzuchthefe – durch die verschiedene Flora im Keller. COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


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Württemberg“ vorstellt. An die fragenden Blicke hat er sich gewöhnt und antwortet dann mit der Aussage: „Ich heiße nun mal so.“ Sein Kollege Hans Haidle macht es sich leicht, er begrüßt den Herzog freundlich mit „Herr Nachbar“.

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Nachbarn sind die beiden im Weingarten unterhalb der markanten Ruine Stettener Yburg. Hier befinden sich die Lage Brotwasser im Alleinbesitz des adeligen Hauses und die Flur Pulvermächer, in der die Haidles einige Parzellen ihr Eigen nennen. Optisch sind beide Lagen verwandt, mit ihren Terrassen und einer Hangneigung von bis zu 60 Prozent. Die Namen erzäh‐ len Geschichten. Pulvermächer wurde bereits 1650 erstmals erwähnt und ist zurückzuführen auf einen Sprengmeister, der damals mittels Pulver im Weinberg Steinsprengungen vornahm. Für Brotwasser ist eine weindurstige Hofdame verantwortlich, die Ende des 17. Jahrhunderts immer wieder in einem Krug Wein aus dem Keller holen ließ, in den sie Brot tunkte. Sie wollte vortäuschen, dass sie Brotwasser kommen ließ, aber das nahm ihr bald niemand mehr ab…

Initiator des Projektes „Traubentausch“ ist Michael Herzog von Württemberg.

Demnächst wird ein internationales Experiment zu Wein: Der Heilbronner Winzer Martin Heinrich hatte schwäbische Trollinger‐Trauben zum Kollegen der Genossenschaft in Bozen in Südtirol geliefert und von diesem Vernatsch‐Trauben übernommen. Die Sorte ist zwar im Prinzip identisch, die Ergebnisse dürften span‐ nend sein, auch deshalb, weil das Südtiroler Material von Klonen stammt, die kleinbeerige Trauben aus nied‐ rigen Erträgen liefern. Möglicherweise wird Heinrich zur Erkenntnis kommen, dass er eine neue Bezugsquelle für sein Rebenmaterial braucht … Das jüngste Tauschgeschäft ist anders geartet und hat zwei Betriebe zusammengebracht, die eine muntere Beziehung unterhalten: Das Weingut Karl Haidle in Kernen‐Stetten und das Weingut Herzog von Württemberg in Ludwigsburg, beide Mitglieder im regionalen VDP. Der Chef in Ludwigsburg, Michael Herzog von Württemberg, irritiert immer mal bei einer Begrüßung, wenn er sich mit „gestatten,

Im Jahrgang 2018 verabredeten beide Betriebe einen interessanten Tausch. Man könnte auch sagen, der eine hat im Riesling‐Weingarten des anderen gewil‐ dert. Der Önologe des Herzogs, Moriz Just, übernahm im Sommer einige Parzellen des Haidle‐Pulvermächer. Umgekehrt widmete sich Moritz Haidle vom Weingut Karl Haidle einem Areal im Brotwasser. Jeder arbeitete eigenständig auf den nicht komplett identischen Flächen, reduzierte Erträge zu unterschiedlichen Zeitpunkten, bestimmte selbst den Lesezeitpunkt und ließ die Jungweine im Keller unterschiedlich reifen. Auch etwas biologischer Säureabbau sollte eine Rolle spielen. Ansonsten war bei den Weinen die übliche Schonung angesagt. Nachdem Brotwasser und Pulvermächer zudem ganz normal verarbeitet wurden, gab es am Ende zweimal den spannenden Vergleich. Jeweils 400 Flaschen wurden davon gefüllt, die im Quartett offeriert werden (130 Euro). Beim Brotwasser‐Riesling vom Herzog dominiert die Würze. Die Säure ist im Vergleich zum Haidle‐ Brotwasser, der sich sehr fordernd und mineralisch präsentiert, recht niedrig (5,5 gegenüber 6,8 g/l). Im Alkoholgehalt liegen die beiden Weine nicht weit aus‐ einander (12,5 beim Herzog, 12,8 bei Haidle). Im Restzucker sind sie praktisch identisch (2,3 bei Haidle, 2,2 g/l beim Herzog). Der Pulvermächer ist zweimal ein Großes Gewächs nach den VDP‐Statuten, hat aber dennoch unterschiedliche innere Werte. Bei Herzog dominieren Eleganz und ausgewogene Fülle. Der Alkoholgehalt ist mit 14 „Volt“ relativ stattlich (Haidle „nur“ 13 % Vol.), der Restzucker ist niedrig (1,7 g/l, bei Haidle sind es 2,2 g/l). Der größte Unterschied ist die Säure. Moritz Haidle hat seinem facettenreichen, mineralischen Wein mutige 7,1 g/l gelassen, während Moriz Just mit 5,9 g/l Säure einen sanften, geschmeidi‐ gen Riesling in die Flasche bekam.

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EINE WEINREISE IN DIE ZUKUNFT:

VERKOSTUNG CHÂTEAU CHANGYU TEXT: HEIKO T. TAUDIEN (Foto: Heiko T. Taudien)

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Anlässlich einer Bordeaux‐Verkostung in den Vereinigten Emiraten im Juni dieses Jahres erhielt ich eine Einladung bezie‐ hungsweise die Möglichkeit, die Weine der Changyu‐Gruppe direkt in China zu verkosten. Während der Vorbereitung für diese Reise wurden mir die Dimension, die Bedeutung und die zukünftige Relevanz des chinesischen Weinmarktes klar.

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Im Jahr 1892 gründet der Diplomat Zhang Bishi sein Weingut in Yantai und nennt es Zhang Yu Wine Com‐ pany. Seither ist diese Firma immens gewachsen und gilt als das älteste und gleichzeitig fortschrittlichste Unternehmen in Sachen Wein in China. Die derzeitigen Produktionsmengen sind nicht genau deklariert, Brancheninsider sprechen von rund 150 Millionen Flaschen und es wird weiter expandiert. Diese Entwicklung ist unter anderem einem Fünfjahresplan der Jahre 1996 bis 2000 geschuldet. Der damalige Premier Li Peng erörterte in seiner Rede dazu die gesundheitlichen Vorteile des „roten Weins aus Trauben“ und motivierte sein Volk, dem Genuss von Wein mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Allein zwi‐ schen den Jahren 1995 und 1998 verzehnfachte sich das Volumen des importierten Weines, ein regelrech‐ ter Boom begann. Heute liegt die Anzahl der Weingüter bei knapp unter 1000, allerdings bedarf diese Zahl einiger Erklärung. Der Grund und Boden der Weingüter gehört der Volksrepublik China und kann nicht erworben werden. Somit stehen sämtliche Weingüter auf Pachtgrund. Die drei größten Weinerzeuger – Dynasty, Great Wall und die Changyu‐Gruppe – sind unmittelbar oder indirekt in staatlichem Besitz und dominieren den heimischen Markt mit einem Anteil von ungefähr 90 Prozent. Noch verhindert die zu schnell wachsende Menge des pro‐ duzierten Weines ein mit Europa vergleichbares Qualitätsmanagement. In China sind 875.000 Hektar mit Reben bepflanzt, Wein wird daraus derzeit nur zu ungefähr 15 Prozent produziert. Insgesamt tranken die Chinesen im Jahr 2016 Wein im Wert von ungefähr 15 Milliarden US‐ Dollar und für 2021 ist bereits ein Umsatz von 23 Milliarden geplant.

BINNENMARKT

FRANZÖSISCHE SCHLÖSSER IN CHINA – EIN PRUNKVOLLES CHÂTEAU NACH DEM ANDEREN ENTSTEHT

Rund 1,4 Milliarden Menschen leben heute in China, das ist rund ein Fünftel der Weltbevölkerung. Die gut ausgebildete junge Generation – 295 Millionen – träumt vom Aufstieg in die größte gesellschaftliche Mittelklasse der Welt. Diese jungen Chinesen streben nach Lebensglück: eine eigene Wohnung, ein eigenes Auto und schließlich eine Flasche Rotwein auf dem Tisch. Nahezu 96 Prozent von ihnen geben in einer aktuellen Konsumstudie Wein als ihr bevorzugtes alko‐ holisches Getränk an.

GESCHICHTE UND ENTWICKLUNG Bereits 1500 vor Christus wurde in China Wein ange‐ baut, doch kulturelle und politische Wirren verhinder‐ ten eine kontinuierliche Entwicklung. Sie ist daher mit unserer europäischen Entwicklung beziehungsweise Tradition kaum vergleichbar.

Im Jahr 2002 gründete der Changyu‐Konzern ein Gemeinschaftsunternehmen mit der französischen Castel‐Gruppe. Gemeinsam baute man in China fran‐ zösische Châteaus nach. Das erste, Château Changyu Moser XV, dessen schiere Größe viel über das Selbstbewusstsein der Chinesen verrät, entstand in Yantai. Es folgten die Schlösser Changyu Yuquan und Changyu Castel. Im Jahr 2005 erbaute man im Großraum Peking das Château Changyu AFIP. Allesamt haben sie sich zu Magneten für Besucher entwickelt und erhöhen den Weinabsatz quasi stündlich.

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(Foto: Wikipedia/Nicstricsmith)

CHINESISCHER WEIN IN EUROPA Das Château Changyu Moser XV hat in den letzten Jahren eine bedeutende Exportkarriere erlebt und eta‐ bliert sich zunehmend als Botschafter für gute bis sehr gute chinesische Weine im Ausland. Dieser Export hilft dem heimischen Image des chinesischen Weines. Nach Aussagen von Laurenz Maria Moser V. benötigt ein hochpreisiger chinesischer Wein die uneingeschränkte Akzeptanz von etablierten europäischen Connais‐ seuren, bevor er in China zu einem nachhaltigen Sta‐ tussymbol werden kann.

EUROPÄISCHER EINFLUSS IM CHINESISCHEN WEINBAU Aus zuvor genanntem Grund ist seit 2013 der gebürti‐ ge Österreicher Laurenz Maria Moser V. bei Changyu maßgeblich involviert. Er ist nicht nur Co‐Namens‐ geber für das Château, sondern zeichnet auch verant‐ wortlich für dessen Produktion. Laurenz Moser vinifi‐ ziert unter anderem einen weißen Cabernet Sauvig‐

non, der so gut ankommt, dass die Produktion laufend gesteigert wird. Zusätzlich verbessert der weiße Cabernet den Rotwein, da er aus dessen Vorprodukt hergestellt wird. Beim normalen Cabernet Sauvignon legte Laurenz Moser fest, diesen ohne Holzausbau in die Flaschen zu füllen. Das Resultat ist ein unkompli‐ zierter Wein, der Frucht und Aromatik in einer inten‐ siven Form aufzeigt. Der Cabernet Sauvignon Grand Vin geht bezüglich Extrakt, Holzeinsatz und Trauben‐ selektion noch zwei Qualitätsstufen weiter. Dessen neueste Jahrgänge wirken recht geschliffen und kön‐ nen mit hochwertigen Weinen aus anderen Regio‐ nen der Welt bereits konkurrieren. Potenzial nach

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oben gibt es noch reichlich. Bei näherer Be ‐ trachtung wird klar, dass Château Changyu Moser XV einer der ganz wenigen großen Betriebe ist, welcher derzeit nicht nur mit Quantität, sondern auch mit Qualität aufwartet.

CHANGYU IN 2020 GRÖSSTER WEINKONZERN DER WELT Im Jahr 2016 wurde die Yantai Changyu International Wine City eröffnet, dieses Projekt sprengt unser Vorstellungsvermögen für bisher existierende Weincenter in der Welt. Der Changyu‐ Konzern kaufte ebenfalls die qualifizierte Mehrheit der spanischen Kellerei Marqués del Atrio. Changyu‐Chef Hongjiang Zhou zahlte 35 Millionen Euro für das Familienunternehmen aus dem nord‐

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spanischen Navarra, bekannt für die Marke Faustino Rivero. Für die Yantai Changyu Pioneer International Company war die Summe kein Problem. Die älteste Weinkellerei im Reich der Mitte hat einen Börsenwert von umgerechnet 5,5 Milliarden Euro und generiert einen Umsatz von einer Milliarde Euro. Bis zum Jahr 2020 will man zum größten Weinkonzern der Welt avancieren. Dazu will das Unternehmen auf der ganzen Welt einkaufen – und anschließend auf die heimischen Weintrinker setzen. In China trinken bisher nur 38 Millionen Menschen Wein. Doch in den letzten fünfzehn Jahren hat sich der Pro‐Kopf‐Verbrauch von Rotwein im Riesenreich verdoppelt. Der verkostete Wein Noble Dragon wurde bereits erst‐ mals im Jahr 1931 vinifiziert und mittlerweile kom‐ men von ca. 1.500 Hektar jährlich über 25 Mil‐ lionen Flaschen. Die historische Gesamtproduktion soll ca. 500 Millionen Flaschen umfassen.

(Foto: Heiko T. Taudien)

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VERKOSTETE WEINE UND DEREN VERFÜGBARKEIT Im Folgenden stelle ich die chinesischen Weine der Changyu‐Grupppe vor, die ich in China verkostet habe. Viele Weine davon sind schon in Europa ver‐ fügbar und warten bereits auf ein eigenes Urteil der Leser dieses Artikels. ____________________________________________ Changyu Moser XV Blanc de Noir Cabernet Sauvignon 2018 Lachsfarben. In der Nase Aromen von reifen, roten Kirschen und etwas Holunderbeeren. Am Gaumen vol‐ ler Körper, viel Extraktsüße, komplexes Aroma von dunkelroter Frucht sowie einer leicht floralen Note. Gute Struktur und Balance. Guter Nachhall. (90/100) ____________________________________________ Changyu Moser XV Moser Family Blanc de Noir Cabernet Sauvignon 2017 Eher blasses Rosa. Etwas dezente Aromatik von gelber und hellroter Frucht sowie eine leichte Holzwürze. Am Gaumen vom Holz getragen, Kräuterwürze und hell‐ rote Frucht. Der Wein hat Balance, Struktur und einen mittleren Nachhall. (90/100) ____________________________________________ Changyu Moser XV Cabernet Sauvignon 2017 Dunkles Rubingranat. In der Nase Aromen von Süßkirsche und Johannisbeere. Am Gaumen Kirsche und Geißblatt, gepaart mit erkennbarem Tannin. Struktur ist vorhanden und der Nachhall kraftvoll. Eventuell wurde auf Holzausbau verzich‐ tet, um den Wein für neue Zielgruppen in China zugänglich zu machen. (88/100) ________________________________ Changyu Moser XV Moser Family Cabernet Sauvignon 2016 Ein Wein aus einem guten Jahr in Ningxia. Noch dunkles Rubin. Komplexe Aromen von dunkler, roter Frucht und einer leichten Note von Garrigue in der Nase. Am Gaumen Aromen von schwar‐ zer Kirsche, Johannisbeere und Holun‐ derblüte. Das feine Tannin wird sich noch besser integrieren. Der Wein hat sehr gute Struktur und Balance. Der Nachhall ist lang. (93/100) ________________________________ Changyu Moser XV Cabernet Sauvignon 2016 Mittleres Purpurrot. Anfangs eine fast dezente Nase mit Düften nach Vanille und Cassis. Am Gaumen Aromen von rei‐

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fer dunkler Kirsche, Johannisbeere, Zeder und etwas Minze. Süße bzw. Extrakt sind ausgeprägt. Das Tannin ist fein, die Balance erkennbar und der Nachhall lang. (90/100) ____________________________________________ Changyu Moser XV Grand Vin Cabernet Sauvignon 2016 Rubinrot, violette Reflexe. In der Nase dominiert vor‐ erst der Holzausbau, dann folgen Nougat und reife Kirsche. Am Gaumen Toast, Süßkirsche und dunkle Johannisbeere bei feinem Tannin. Der Wein hat eine gute Struktur, nicht geringen Alkohol und einen lan‐ gen, kraftvollen Nachhall. Es werden ca. 35.000 Flaschen produziert und das Durchschnittsalter der Reben beträgt 15 Jahre. (92/100) ____________________________________________ Changyu Noble Dragon Chardonnay NV Es gibt keine Jahrgangsangabe. Der Wein wirkt jung. Dezente Nase mit Aromen von Pfirsich und Ananas. Am Gaumen gelbfruchtig, Veilchennote und leichtes Zuckerschwänzchen. Gute Balance und Länge. (88/100) ____________________________________________ Changyu Noble Dragon 2015 60 % Cabernet Gernischt (Carmenère), 35 % Cabernet Sauvignon, 5 % Merlot. Mittleres Purpur mit deutlicher Randaufhellung. Nicht ganz reife, hellrote Frucht. Leicht adstringierend. Balanciert mit mittlerer Länge. (87/100) ______________________________________ Changyu Noble Dragon 2013 60 % Cabernet Gernischt, 40 % Cabernet Sauvignon. Mitteldunkles Rubin. In der Nase leichte Kräuterwürze. Am Gaumen vollreife Kirsche, gekochte Heidelbeere, etwas Veilchen und Minze, gut integriertes Tannin und ein mittlerer Nachhall. Basierend auf 1.400 Hektar Cabernet aus Yantai. (88/100) ______________________________________ Chardonnay Changyu 2011 Im Duft reife, gelbe Frucht und ein wenig Akazienhonig. Am Gaumen etwas laktisch, wie‐ der gelbe und auch tropische Frucht bei pas‐ sender Säure. Der Wein endet mit einem guten Nachhall. (89/100) ______________________________________ Cabernet Gernischt Château Changyu 2009 Purpurrot im Glas. Duftnoten von Tabak, Pfeffer und dunkler reifer Kirsche. Am Gaumen gute Struktur, nicht ganz feines Tannin und wie‐ derum Aromen von Pfeffer sowie Kaffee und Schokolade. Es wurden ca. 48.000 Flaschen produziert. (89/100)

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WEINPROJEKT

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LANGHORNE CREEK

WEINPROJEKT NUMMER 5255 TEXT: ARTHUR WIRTZFELD

(Foto: Langhorne Creek – Project Number 5255)

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WEINPROJEKT

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Wie macht man als eher unbekannte Weinzone auf sich aufmerk‐ sam, wenn ringsum große Weinmarken den Markt beherrschen? Schwierig. Viele Überlegungen hierzu scheitern am Budget oder es finden sich keine unterstützenden Partner. Da braucht es schon eine außergewöhnliche Idee, die, wenn man sie mal versteht, ganz einfach ist, man muss sich nur trauen. Wesentlich am Weinprojekt Nummer 5255 ist, dass eine ganze Region sich enga‐ giert und auf kollegialer Basis quasi die benachbarten Weinregionen um Unterstützung bittet.

Die Gewinner der Ausschreibung (entspre‐ chende Daten lagen bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht vor) dürfen den Wein unter eigenem Namen verkaufen, mit der Auflage, dass der Wein zu 100 Prozent aus Langhorne Creek‐Trauben vini‐ fiziert wird. Cuvées sind nicht erlaubt und das Logo des Projektes 5255 muss aufs Etikett. Die liefernden Betriebe bieten den erfolgreichen Bewerben ihre Unterstüt‐ zung an, darunter auch die Abfüllung in Flaschen zu Sonderpreisen.

(Foto: Langhorne Creek Project Number 5255)

Langhorne Creek, weniger als eine Auto‐ stunde südöstlich von Adelaide gelegen, ist Australiens viertgrößte Weinregion, wird aber oft von den nahe gelegenen Wein‐ zentren McLaren Vale, Barossa Valley und Adelaide Hills überschattet. Eine Reihe von Traubenproduzenten und ein Industrie‐ verband der Region Langhorne Creek haben sich zusammengeschlossen, um das Projekt 5255 zu starten, das je zwei Tonnen lokal angebaute Trauben für jeweils drei erfolgrei‐ che Antragsteller bereitstellt, die daraus eigenen Wein herstellen dürfen. Insgesamt sind das etwa 1.800 0,75‐Liter‐Flaschen. Die Bewerber, die den Zuschlag erhalten, kön‐ nen aus den Sorten Shiraz, Merlot, Malbec, Mourvèdre, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Graciano, Grenache, Sangiovese, Petit Verdot, Riesling, Viognier, Sauvignon Blanc, Fiano, Pinot Gris, Chardonnay, Organic Malbec und Organic Chenin Blanc je eine weiße und eine rote Rebsorte wählen.

VORBILD FÜR UNBEKANNTERE WEINREGIONEN Für Rebecca Willson (Dossier Weinfrauen nächste Seite) von Bremerton Wines, die das Projekt von Beginn an federführend betreut, ist es ein einzigartiger Ansatz, der Vorbild‐ wirkung für andere Regionen haben könne. Als Bewerber erwartet wird ein breiter Querschnitt von erfahrenen Winzern bis hin zu Nachwuchstalenten aus anderen Wein‐ regionen Australiens. Auch internationale Winzer dürfen an dem Projekt teilnehmen, wenn sie über eine australische Produzen‐ tenlizenz verfügen. „Es könnte einige etablierte Winzer geben, die in der Vergangenheit noch nie die Möglichkeit hatten, Trauben aus der Region Langhorne Creek zu verarbeiten. Ich glaube, dass es aufstrebende Winzer geben wird, die dies als großartige Gelegenheit sehen wer‐ den“, sagt Willson. „Wir wollen erreichen, Erzeuger aus Australien dazu zu bringen, die Trauben des Langhorne Creek kennenzuler‐ nen und zu verstehen. Hauptziel ist es, unse‐ re Trauben als Materialpool zu akzeptieren und deren Profil weiter auszubauen.“

WEINPROJEKT 5255 Das Projekt 5255 bezieht seinen Namen von der Postleitzahl von Langhorne Creek und wird teilweise durch einen Zuschuss von 25.000 US‐Dollar von Primary Industries and Regions South Australia (PIRSA) finanziert. Ein Teil der Mittel wird verwendet, um die Trauben zu reduzier‐ ten Preisen von den teilnehmenden Landwirten zu kaufen.

AUSZEICHNUNGEN Dass die Trauben aus der Weinregion Langhorne Creek hohe Qualitäten aufwei‐ sen, ist längst bewiesen. Die Familie Follett, die seit den 1880er‐Jahren in der Region Langhorne Creek Weinbau betreibt, hat 1987 mit der Herstellung ihrer Lake Breeze‐ Weine begonnen und bisher mehr als 50 Trophäen auf bedeutenden australischen Weinmessen und Verkostungen gewonnen. Und in 2018 gewann Bleasdale Vineyards, das älteste Weingut der Region, sieben Trophäen auf großen Ausstellungen, darun‐ ter die Max Schubert Trophy für den besten Rotwein auf der Royal Adelaide Wine Show mit ihrem 2016 Generations Shiraz.

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„Es kommt darauf an, an welchem Tag ich antworten soll.“

30 (Foto: Wolfgang Junglas)

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TEXT: ARTHUR WIRTZFELD

REBECCA WILLSON BREMERTON WINES (Foto: Bremerton Wines)

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Wenn man offensichtlich nur die zweite Geige spielt, wenn der Fokus nicht das eigene Wirken trifft, man aber der Meinung ist, dass die eigene Qualität vergleichbar ist, dann braucht es ungewöhnliche Ideen und Aktionen, um voranzukommen.

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ie in meinem Beitrag „Weinpro jekt Nummer 5255“ geschildert, steht hin‐ ter dem dort beschriebenen Projekt Rebecca Willson als treibende Kraft. Als einer der führenden Winzer der nächsten Generation von Langhorne Creek glaubt Rebecca, dass diese Weinregion dem Status der umliegenden Anbaugebiete zugerechnet werden müsste, und auch, dass die unterschätzten Weißen aus dem Langhorne Creek bereit sind, die Bühne mit ihren bereits etablierten Rotweinen zu teilen. Sie weiß auch, dass Langhorne Creek nur voran‐ kommt, wenn alle Winzer der Region an einem Strang ziehen – Anlass genug, um sich den Werdegang und das Wirken von Bec, so nennen die Eltern Craig und Mignonne Willson ihre Tochter Rebecca, genauer anzusehen.. Rebecca Willson ist in Whyalla, einer Stadt am Spencer‐Golf an der Küste Südaustraliens, aufge‐ wachsen und wollte sich im Marketing engagieren. Sie entschied sich für den Kurs Weinmarketing am Roseworthy College. Die aus ihrer Sicht interessan‐ te Weinherstellung und sensorische Bewertung bewirkten bei Rebecca eine zunehmende „Abhängigkeit“ zum Weinmachen. Nach Abschluss des Kurses erlebte sie einen Jahrgang mit Tim Adams und Stephen John im Eaglehawk Estate in Watervale im Clare Valley, gelegen in der Region

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Mid North, rund 135 Kilometer nördlich von Adelaide, und stellte fest: „Ich liebe es einfach, Wein zu machen.“ Fortan reiste sie einige Jahre durch die Weinregionen in Übersee. Vor allem ihre Lehrzeit bei der Geyser Peak Winery, gelegen im kalifornischen Sonoma County, erweiterte ihren Horizont entscheidend, zumal sie hier neben der Mengenproduktion auch lernte, Kleinstserien zu vinifizieren. Wieder zurück im Langhorne Creek, übernahm Rebecca einen beson‐ deren Job im Keller der Bleasdale Vineyards. Sie hatte das Glück, dort mit Weinmacher Michael Potts zu arbeiten, der ihr sein enzyklopädisches Weinwissen über den Langhorne Creek vermittelte. Außerdem übernahm Rebecca bei Bleasdale auch die Verantwortung für die Auftragsherstellung der Bremerton‐Weine ihrer Familie. Und dann war da noch Geoff Weaver, Chief Winemaker bei Hardys, der ihr ein Mentor zu Beginn und während ihrer aufsteigenden Weinkarriere war. Rebecca sagt: „Er überzeugte mich, Weinbau zu stu‐ dieren, aber auch unabhängig davon riet er dazu, mir ein tieferes Verständnis anzueignen, was beim Prozess der Weinherstellung passiert.“ Weavers Zuspruch führte dazu, dass Rebecca in 2000 den Abschluss für Önologie von der University of Adelaide erhielt. Fortan war Kellertechnik und Weinbereitung ihr großes Thema.

REBECCA UND LUCY FÜHREN REGIE Nachdem die Eltern von ihren Töchtern Rebecca und Lucy die Zustimmung zur Umwandlung der Traubenproduktion in ein Familienweingut erhielten, begannen sie in 2002 mit Ausbaumaßnahmen von Bremerton Wines. Gemeinsam mit den Eltern arbei‐ teten sie daran, die Marke Bremerton zu entwickeln und zu etablieren. Vater Craig übernahm die Aufgaben eines Generalmanagers, Rebeccas Reich wurde der Keller und Schwester Lucy verantwortete das Marketing. Schon zwei Jahre später gab es einen großen Markenrelaunch und wiederum zwei Jahre später kam der Durchbruch. In 2006 wurde ganz Australien auf Bremerton Wines aufmerksam, als der Shiraz des Gutes in einem Weinführer des Landes die gleichen Punkte erhielt wie Penfolds‘ Grange und Henschkes Hill of Grace. All dies beobachteten die Eltern mit Freude, die mit Bremerton Wines ihren Töchtern eine Zukunft bereiten konnten. „Unser Weingut ist eine kleine Welt für sich. Die enge Zusammenarbeit mit Winemaker Matt Schmidt in den letzten zehn Jahren war sehr lehr‐ reich und beeinflusste unser ganzes Team“, sagt Rebecca. Sie glaubt, dass sich die Bremerton‐ Weine durch 15 Jahre intensiver Versuche mit Ausbau in Eiche stetig verbessert haben: „Ich bin

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aber immer noch auf der Suche nach Eiche, die eine in Bezug zu unseren Trauben bestmögliche Fassreifung ermöglicht und gleichzeitig den subti‐ len Fruchtcharakter und das Gleichgewicht der Weine unterstreicht. Die Verwendung des Traubenmaterials aus dem Langhorne Creek zwingt dazu, mit Zurückhaltung zu vinifizieren. Mit der Reife in Eiche sind nicht nur subtile Stile verbun‐ den, sondern man muss auf die Harmonie von Geschmack, Säure und Tannin achten.“ Rebecca glaubt, dass die Weißen des Langhorne Creek wegen der hier herrschenden warmen Tagestemperaturen bisher eher unterschätzt wer‐ den, und argumentiert, dass die kühlen Nächte der Region einen natürlichen Säuregehalt und eine erstaunliche Finesse in die Weine bringen. Die aktuellen Weißweine von Bremerton unterstützen Rebeccas Ansichten, insbesondere der Vermen‐ tino, der sich rassig und lebendig mit knackiger Säure präsentiert, ebenso der Fiano, ein kraftvol‐ ler, konzentrierter, trockener Weißwein mit fes‐ seln dem Abgang. „Insbesondere meine Er ‐ fahrungen bei der Geyser Peak Winery und das Wissen von Geoff Weaver, gepaart mit meiner Innovationsfreude, haben dazu geführt, dass wir internationale Sorten im Anbau haben, was unsere Erfahrungen enorm erweitert hat“, meint Rebecca.

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Und in der Tat präsentiert sich der Bremerton Graciano aus der Rebsorte, die man in Spanien gerne mit dem Tempranillo als Cuvée verbindet und deren Trauben hier von Rebecca sortenrein ausgebaut werden, brombeerig, fleischig und trotz seiner griffigen Tannine sehr zugänglich. Der Bremerton Lagrein überzeugt mit lebendiger und doch ausgewogener Säure. Und nicht zuletzt bietet der Bremerton Old Adam Shiraz Komplexität, Tiefe im Geschmack, seidige Geschmeidigkeit und zurückhaltende Kraft. Insgesamt hat Bremerton Wines 23 Weine im Angebot. Der Rebsortenspiegel ist vielfältig mit Verdelho, Vermentino, Fiano, Chardonnay, Caber‐ net Sauvignon, Shiraz, Grenache, Tempranillo, Graciano, Mourvèdre, Malbec und Lagrein. Rebecca versteht heute diese Sorten in Kombi‐ nation mit den Böden und dem Klima in Langhorne Creek so gut, dass sie ihnen spannende Spielarten entlockt. „Wir haben viel Spaß mit diesen Sorten“, sagt sie. Insbesondere die beeindruckende Aus‐ wahl ihrer erschwinglichen Rotweine, die den regionalen Footprint zeigen und Rebeccas persönli‐ che Handschrift tragen, sind beachtenswert. Ihre Arbeit mit verschiedenen Rebsorten verleiht den Weinen eine weitere Dimension und deutet darauf hin, dass ihr Bestes noch kommen könnte.

Rebecca (links) und Lucy Willson leben das ganz normale „Schwesternzeug“. (Foto: Bemerton Wines)

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DIE WILLSON-SCHWESTERN IM „KREUZVERHÖR“

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b dem Erntejahr 2013 häufen sich die Bewertungen der Bremerton‐Weine, die seit‐ her Top‐Plätze bei australischen Weinshows und Wettbewerben belegen. Das australische Wine Business Magazine (WBM) führte ein Interview mit den Willson‐Schwestern und der Online‐ Verlag Gourmet Traveller stellte Rebecca Willson 2017 als „Winemaker of the Year“ vor. Darin kommt die Übereinstimmung der Schwestern zum Ausdruck, dass sie zukünftig nur gemeinsam mit der Weinregion Langhorne Creek wachsen können, was sie auch mit ihrem Engagement für das „Weinprojekt Nummer 5255“ unterstreichen. Die Antworten auf die Frage, wie das Zusammenwirken der Schwestern funktio‐ niert, sind bezeichnend. Beide nehmen kein Blatt vor den Mund.

REBECCA WILLSON: WIE IST ES, MIT LUCY ZU ARBEITEN? „Es kommt darauf an, an welchem Tag ich antworten soll. Nun, die Arbeit mit Lucy spiegelt die gewöhnli‐ chen Geschwisterbeziehungen wider. Meistens spü‐ ren wir, was der andere denkt, ohne dass wir dafür Worte gebrauchen müssen. Auf der anderen Seite gibt es durchaus herausfordernde Meinungswechsel. Beide Formen der Kommunikation bieten unseren Mitarbeitern Unterhaltung. Wir sind sehr leiden‐ schaftliche Menschen. Das spiegelt sich auch in unse‐ ren Marken. Es ist unser Leben. Wir beide kennen das Engagement und die Hingabe des anderen. Lucy und ich haben unterschiedliche Bereiche des Geschäfts zu betreuen. Ich weiß, dass Lucys Bereich in guten Händen ist. Wir haben unterschiedliche Persönlichkeiten und Ideen, aber können miteinan‐ der aufgrund von Vertrautheit und Vertrauen darauf, dass wir auf dem gleichen Weg sind. Ich bin extrover‐ tiert, ich trage mein Herz auf der Zunge. Ich reagiere schnell, und das, was du siehst, ist das, was du bekommst. Obwohl ich mit zunehmendem Alter lerne, meine Reaktionszeiten zu verlangsamen und zuerst ein wenig zu verdauen. Lucy ist eher geneigt, die Dinge innerlich zu verdauen, zu denken und zu verarbeiten. Sie hat viel Geduld und Ausdauer. Es ist auch toll, dass wir unsere Kinder zu ähnlichen Zeiten großziehen, da wir uns gegenseitig unterstützen kön‐ nen. Dabei lernen wir zu bestimmten Zeiten des

Jahres, Lucy, wenn sie für unser Weingut unterwegs ist, und ich, wenn die Weinbergs‐ und Kellerarbeit erledigt werden muss, zu verstehen und zu helfen, wenn wir können. Man sagt, sie sei lustiger als ich. Lucy ist jedenfalls konsequenter und witziger, dies stets mit einem Hauch von Sarkasmus. Ich biete nur seltsame, unerwartete Nuggets aus Gold.“

LUCY WILLSON: WIE IST ES, MIT REBECCA ZU ARBEITEN? „Es kommt darauf an, an welchem Tag ich antworten soll. Nun, Rebecca ist lustig, frustrierend, erfüllend, fruchtbar und gelegentlich hört man von ihr Flüche, die mit „F“ beginnen. Normalerweise ist alles unkompliziert, da wir mit den übergeordneten Zielen und Wünschen des Familienunternehmens auf der gleichen Seite stehen und oft ähnlich denken. Wir sind entschlossen und eigenwillig. Mit dieser Mischung können die Dinge nie konstant rosig sein. Wir sind jedoch ziemlich gut darin, Probleme zu lösen – dank Mama, Papa und unserer Ehemänner, die oft die Hauptlast von gelegentlichen Gewittern tragen. Das normale Schwesternzeug eben. Das Gleiche zu denken oder zu sagen oder nicht wirklich etwas sagen zu müssen und nur die Körpersprache zu interpretieren, hat definitiv seine Vorteile bei der Zusammenarbeit. Obwohl das Timing oft unglücklich sein kann, wenn man ernst sein muss, beispielsweise bei Meetings mit Kunden, Verkostungen und Reden vor Publikum, sehen, fühlen Rebecca und ich das Gleiche, was uns oft zum Lachen bringt. Wenn wir beide dann versuchen, das Lachen zu ersticken, gelingt uns das nicht immer. Jedenfalls, ich bin defi‐ nitiv lustiger als Rebecca. In unserem Familien‐ betrieb gilt die Maxime: Bleibt zusammen, nutzt sowohl gemeinsame Spielzeit als auch gemeinsame Arbeitszeit. Wir haben das Glück, zu etwa gleicher Zeit und in etwa gleichem Alter in unserem Unter‐ nehmen gestartet zu sein, und haben uns beide nachträglich Ehemänner und Kinder angesammelt. Unser Fokus für das Unternehmen hat sich im Laufe der Jahre nicht verändert. Wir versuchen beide, die harmonische Balance zwischen Familie, Geschäft und Leben zu erhalten. Wir lachen, wir weinen, wir streiten, aber wir arbeiten gut als Team und lieben uns 99 Prozent der Zeit.“

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Vitalie Taittinger: „Unser Champagner leuch‐ tet, er ist elegant wie eine schöne Frau, sehr attraktiv und lebhaft, er bringt mich seit Jahren zum Träumen.“ (Foto: Champagne Taittinger/Galdones Photography)

FEMININES WEINMANAGEMENT BEI TAITTINGER

TEXT: ARTHUR WIRTZFELD

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Mit Vitalie Taittinger als Nachfolgerin ihres Vaters Pierre‐Emmanuel Taittinger sind die Weichen für die Zukunft gestellt, wie das Champagnerhaus mit Sitz in Reims jetzt mit‐ teilte. Die 40‐Jährige, die ab Januar 2020 die Geschäfte übernimmt, trat 2007 in das Familienunternehmen ein und leitet seit 2015 das Marketing. „Mit ihrer Berufung an die Unternehmensspitze erneuert Taittinger die Garantie des familiären Engagements“, heißt es in der Mitteilung.

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Es war eine Zeit des erneuten Auf‐ bruchs, als Vitalie Taittinger sich ihrem Vater anschloss, während dieser kurz vor ihrem Eintritt ins Unternehmen seine Familienkellerei Cham pagne Taittinger zurückkaufte. „Ich war davon überzeugt, dass es notwendig war, meinem Vater den Rücken zu stärken und mich gemeinsam mit ihm zu enga‐ gieren, um den Geist der Familie erneut in das Unternehmen zu bringen“, sagt Vitalie Taittinger. Während der ersten zwei Jahre bei Taittinger arbeitete sie als Beraterin und wechselte dann zur Abteilung Marketing und Kommunikation. Hier fand sie ihre Berufung, entwickelte sich weiter und wurde zur künstlerischen Leiterin ernannt. Heute trägt Vitalie Taittinger volle Verantwortung als Leiterin dieser Abteilung. Schon von Beginn an war sie die Werbeträgerin und Botschafterin des vom Vater neu aufgestellten Familienbetriebs. Heute ist sie in allen Aktivitäten direkt invol‐ viert, ob in Frankreich oder bei interna‐ tionalen Events. Ihre künstlerische Ader fiel schon in Ihrer Jugend auf, sodass ihr die Eltern den Besuch der Zeichenschule Emile Cohl in Lyon ermöglichten, die sie mit Auszeichnung abschloss. Anschließend wirkte sie als Mitautorin eines Buches über Alfred Courmes, einen bekannten Maler des frühen 20. Jahrhunderts, das

vom Verlagshaus Le Cherche Midi her‐ ausgegeben wurde. „Zeichnen und Schreiben interessieren mich noch heute. Die Erfahrungen, die ich so sam‐ meln konnte, helfen mir sehr bei mei‐ ner Arbeit für Taittinger", sagt Vitalie Taittinger. Der Traditionshersteller Champagne Taittinger entstand aus der ehemaligen Kellerei Forest & Fourneaux, die seit 1734 bestand, hat knapp 290 Hektar Rebflächen im Ertrag und ist damit einer der größten Produzenten in der Champagne. Die Rebflächen teilen sich in insgesamt 34 Grand Cru‐Lagen auf. Die Kellerei hat ihren Sitz in Reims, deren Kellerräume sind in dem ehema‐ ligen Benediktinerkloster Saint‐Nicaise untergebracht. In 2018 konnte das Unternehmen 6,5 Millionen Flaschen Champagner verkaufen. Solche Häuser werden überwiegend von Männern geführt, nur wenige Betriebe, wie zukünftig auch Taittinger, werden von Frauen geleitet. Ein weiterer bekannter Produzent, das Champagner‐ haus Duval‐Leroy, wird von Carol Duval‐ Leroy ge‐führt und an der Spitze des Erzeugerverbandes Nicolas Feuillatte steht Véronique Blin.

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Vitalie, Pierre‐Emmanuel und Clovis repräsentieren als Familie und eingespieltes Team Champagne Taittinger. (Foto: Champagne Taittinger)

DAS CHAMPAGNER START-UP

TEXT: ARTHUR WIRTZFELD

Sie sind eine starke Truppe, der extrovertierte Philanthrop Pierre‐Emmanuel, Sohn Clovis und Tochter Vitalie Taittinger. Alle drei präsentieren heute eines der letzten großen Häuser der Champagne, in denen eine Familie das Sagen hat. Beinahe wäre diese Tradition zu Ende gewe‐ sen, als das Unternehmen wegen Erbstreitigkei‐ ten verkauft werden musste und ein Jahr lang in fremde Hände geriet. Pierre‐Emmanuel Taittinger hat sich jedoch über alle Maßen enga‐ giert und mithilfe der Crédit Agricole du Nord Est

sein Champagnerhaus für 660 Millionen Euro zurückgekauft. Dabei war auch Glück im Spiel, denn die amerikanische Aktiengesellschaft Starwood, eines der weltweit größten Hotel‐ und Freizeitunternehmen, hatte lediglich den Hotelbereich der vormaligen Taittinger‐Gruppe übernommen, zu der neben dem berühmten Hôtel de Crillon unter anderen auch Bouvet‐ Ladubay, Baccarat und der Parfümeur Annick Goutal gehörten, war aber letztlich nicht an Champagne Taittinger interessiert.

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Wer denkt, dass es in traditionellen Betrieben staubig zugeht, der täuscht sich gewaltig. Clovis und Vitalie bringen seit Ende letzter Dekade fri‐ schen Wind ins Unternehmen, was sich bis in ein‐ zelne Champagner fortsetzt. Und Pierre‐ Emmanuel Taittinger, stolzer Vater und Retter sei‐ nes Betriebes, zieht immer noch jeden in seinen Bann, der ihm zuhört. Das Geschwistergespann Vitalie, sie als Markenbotschafterin das Gesicht

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des Unternehmens, und Clovis, verantwortlich für den Vertrieb, führen heute ein modernisiertes Familienunternehmen. Beide repräsentieren den Familienspirit auf erfrischende Weise. Dabei wirkt das über 300 Jahre alte Unternehmen eher wie ein Start‐up. Vor allem Vitalie, die vor zwölf Jahren ins Unternehmen eintrat, erschloss neue und aufre‐ gende Möglichkeiten und fordert das Team stetig mit innovativen Ideen.

IM GESPRÄCH MIT VITALIE TAITTINGER

Mit Vitalie Taittingers Berufung an die Unternehmensspitze erneuert Champagne Taittinger die Garantie des familiären Engagements. (Foto: Champagne Taittinger)

Taittinger ist auf dem Weg zu neuem Glanz. Wie sieht ein normaler Tag bei Ihnen aus?

Sie haben einen Hintergrund zur bildenden Kunst. Wie wirkt sich das auf Ihren Job aus?

In enger Zusammenarbeit mit meinem Vater und meinem Bruder verbringen wir neben unserer nor‐ malen Arbeit die Tage damit, uns die Zukunft von Champagne Taittinger vorzustellen. Ansonsten gibt es Tage, an denen Termin auf Termin folgt. Daneben kümmere ich mich um unsere Mitar‐ beiter, führe Gespräche über Kunst oder treffe mich mit dem Designer. Es sind stets viele Dinge zu erledigen, wobei ich versuche, die Balance zu hal‐ ten, was mir nicht immer leicht fällt.

Wer Kunst studiert, der studiert auch Meinungs‐ freiheit, lernt Werte und Authentizität zu verstehen. Alles und jedes ist nützlich, und genau da spannt sich der Bogen zu Marketing und Kommunikation. Ich lernte, bei den künstlerischen Arbeiten eigene Wege zu gehen, was viel besser ist, als Wege anderer zu kopieren. In meinem heutigen Job halte ich es eben‐ so. Ich möchte nicht durch Nachahmen besser wer‐ den, sondern herausfinden, wie ich meine Arbeit in der Verknüpfung unserer Tradition mit dem

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Anschluss an die Moderne verbessern kann, und zwar auf unsere eigene Weise. Meine Gedanken kreisen um die Fragen: Sind wir das oder nicht? Sind wir frei genug? Unterscheiden wir uns genug? Ich denke, diese Grundfragen muss sich jeder Familienbetrieb stellen. Allerdings, als ich vor zwölf Jahren ins Unternehmen eintrat, stellte ich mir diese Fragen noch nicht in dieser klaren Form. Wieso das? Weil Kunst mein Faible war. Ich wäre gerne Künstlerin geworden. Ich hatte schon eine Akademie gefunden, die auf Kunst spezialisiert war. Ich wollte weiterlernen, wie man zeichnet, wie man malt, wie man Skulpturen bildet. In die‐ sem Bereich präzise, anspruchsvoll und frei zu wir‐ ken, war mein Ziel. Aber im Leben ändern sich oft die Dinge unverhofft. Es hat mich sehr beeindruckt, dass und wie mein Vater unser Unternehmen zurückkaufte. Es war sein genialer Schachzug. Plötzlich faszinierte mich die Idee, unsere Tradition fortzuführen. Wie nahm die Familie den Verkauf des Unterneh‐ mens auf? Nun, als wir verkauften, war das eine Katastrophe für meinen Vater. Er empfand es als Schande. Es war sehr schwer für ihn, damit umzugehen. Er grämte sich nicht seines Ego wegen, sondern er war der Meinung, es sei nicht fair, die Arbeit zu töten, die von der Familie und den Vorgängern auf‐ gebaut und geführt worden war. Es war eine harte Zeit für ihn, er war sehr traurig und fühlte sich alleingelassen. Mein Bruder und ich versuchten ihn zu trösten und gaben ihm zu verstehen, dass wir an ihn glauben. Ich erinnere mich, dass damals auch bei meinem Bruder und mir gleichermaßen die Überzeugung reifte, wie kostbar unser Unter ‐ nehmen eigentlich war, und wir fingen an, daran zu denken, es wieder zurückzubekommen. Wie kam es zu ihrem Engagement bei Taittinger? Nachdem mein Vater unser Unternehmen zurück‐ gekauft hatte, ergriff ich die Initiative und fragte, ob ich mitwirken dürfe. Er reagierte skeptisch. Klar, ich hatte keinen klassischen Hintergrund, der einen Job bei einem Produzenten von Champagner prä‐ destiniert. Auch ich war mir nicht zu 100 Prozent sicher, ob ich den Anforderungen gerecht werden könnte. Dennoch blieb ich hartnäckig und brach schließlich das Zögern meines Vaters. Wir kamen zum Schluss, mich als Beraterin zu beschäftigen. Ich stürzte mich sofort in die Arbeit und nach zwei Jahren hatte ich meinen Vater vollends überzeugt. Danach wurden mir das Marketing und die künstle‐ rische Leitung anvertraut.

Wie reagieren die Kunden auf Sie, die ja den cha‐ rismatischen Vater stets an der Front erlebt hat? Unsere Befürchtung, dass ich in der Außenwirkung nur als Tochter und mein Bruder nur als Sohn von Pierre‐Emmanuel wahrgenommen würden, war völlig grundlos. Als Familie sind wir mittlerweile ein sehr gut harmonierendes Team und unsere Kunden werten es sehr positiv, mit uns als Eigentümer per‐ sönlich in allen Belangen zu kommunizieren. Gibt es ein Geheimnis rund um Champagne Taittinger? Nicht direkt, eher ein familiäres Geheimnis, das meinen Bruder und mich betrifft. Es war meine erste Begegnung mit dem Champagner. Ich war noch recht jung, als ich heimlich unseren Champagner probierte. Einige Male, wenn die Gäste verabschiedet wurden, schlichen wir Kinder uns ins Esszimmer und probierten die Reste. Für uns war es ein Rätsel, was das für eine Flüssigkeit war. Sie war lauwarm und schmeckte nicht. Als ich 13 Jahre alt war, durfte ich während eines familiä‐ ren Events erstmals offiziell mit Erlaubnis meines Vaters einen Champagner probieren. Es war ein fantastisches Erlebnis. Und heute? Unser Champagner leuchtet, er ist elegant wie eine schöne Frau, sehr attraktiv und lebhaft. Er bringt mich seit Jahren zum Träumen.

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O DU FRÖHLICHE: REZEPTE ZUM JAHRESAUSKLANG TEXT: BRITTA BINZER

(Foto: Fabio Sangregorio)

Der Mann im roten Gewand und mit weißem Bart steht schon in den Startlöchern. Nur noch wenige Tage, dann ist Weihnachten. Allerhöchste Zeit also, das Festessen zu planen – wenn Sie nicht ohnehin längst wissen, wie das Jahresende kulinarisch ausklingen soll. Für Kurzentschlossene gibt es Rezepte inklu‐ sive Weinempfeh‐ lungen.

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elche Gerichte kommen an Heiligabend, den Feiertagen oder Silvester in Deutsch‐ land eigentlich auf den Tisch? Regionale Unterschiede und Familienrituale spielen dabei eine wesentliche Rolle. Dazu wollte ich möglichst viele Meinungen einholen. In der Facebookgruppe „In/Ourdoor Kochen, BBQ, Grillen & Backen“ (mit knapp 7.450 Mitgliedern) startete ich deshalb eine Umfrage und bekam viele ausführliche Kommentare. Danke dafür nochmal an dieser Stelle!

Schon wieder ein Jahr vergangen? Gefühlt war es gestern, dass ich für die 55. Ausgabe des Weinfeder‐Journals drei weihnachtliche Menüs mit Sektempfehlungen vorstellte. Nach den positiven Rück meldungen war schnell klar: Auch in der We i h n a c h t s a u s g a b e 2019 wird es wieder Rezepte mit vinophiler Begleitung geben.

u den Speisen verkostete ich Weine der würt‐ tembergischen H.A.D.E.S‐Gruppe, deren Mit‐ glieder Anfang November mit dem Preis der Deutschen Weinkritik der Weinfeder e.V. aus‐ gezeichnet wurden.

Die Weingüter der H.A.D.E.S.‐Gruppe fanden sich 1986 mit der Vision zusammen, den Ausbau im Barrique auch in Deutschland salonfähig zu machen – getreu dem Motto „bewährte Rezepte und neue Ideen“. Nicht nur deshalb begleiten diese Weine meine Weihnachtsgerichte perfekt. Lassen Sie sich inspirieren!

Ich konnte es kaum glauben, hielt es immer für eine Legende: Doch wirklich meistgenannt für den 24. Dezember war Kartoffelsalat/Nudelsalat mit Würst‐ chen bzw. anderen fleischigen Beilagen. Gefolgt von Raclette oder Fondue, auch gerne für Silvester geplant. Aufwendiger wird meist am ersten oder zweiten Feiertag gekocht: Gans, Ente, Wild, Braten, in allen Facetten, mit allen möglichen Beilagen. Diese Klassiker waren die Grundlage für folgende Rezepte. Ich wünsche Ihnen allen genussvolle, friedliche Weih‐ nachtstage und ein gesundes 2020! Ihre Britta Binzer

• Fürst Hohenlohe‐Oehringen (Öhringen) www.verrenberg.de • Graf Adelmann (Steinheim‐Kleinbottwar) www.graf‐adelmann.com • Drautz‐Able (Heilbronn) www.drautz‐able.de • Jürgen Ellwanger (Winterbach) www.weingut‐ellwanger.de • Sonnenhof (Vaihingen‐Gündelbach) www.weingutsonnenhof.de • Staatsweingut Weinsberg (Weinsberg) www.staatsweingut‐weinsberg.de

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REZEPT I

Kartoffelsalat mit Lachsfilet

(Foto: Britta Binzer)

Nun gut, auf Würstchen habe ich verzichtet, der Kartoffelsalat ist in unserer Familie in Kombination zum Lachs jedenfalls der Hit.

und Pfeffer würzen, anschließend mit Honigsenf bestreichen. Für ca. 30 bis 35 Minuten im Backofen garen.

Zutaten für 4 Portionen

Variante 1

1 kg Kartoffeln, fest kochend 250 ml Gemüsebrühe 5 EL Apfelessig 2 TL Currypulver, mild Salz, Pfeffer 2 Äpfel 4 Eier, hart gekocht 1 Stange Lauch, in feine Ringe geschnitten und gedünstet frischer Dill, fein gehackt

Wenn Sie einen Räuchertopf besitzen, wäre heiß geräucherter Lachs meine bevorzugte Beilage zum Kartoffelsalat. Hängt natürlich auch davon ab, wie viele Personen sie bewirten. In den Ofen bekommen Sie auf einen Schwung mehr Fisch als in den Räuchertopf.

4 Lachsfilets, küchenfertig (ohne Haut) Rauchsalz, Salz, Pfeffer Honigsenf Zubereitung Die Kartoffeln mit Schale kochen, noch warm pellen und in Scheiben schneiden. Brühe mit Essig, Currypulver, Salz und Pfeffer vermischen und über die Kartoffeln gießen. Äpfel und Eier klein schneiden und zusammen mit den Lauchringen zu den Kartoffeln geben, alles vermischen. Den Salat mindestens über Nacht gut durchziehen lassen. Gegebenenfalls noch mit Salz und Pfeffer abschmecken oder wenig Olivenöl zufügen.

Variante 2 Kartoffelsalat mit kalt aufgeschnittenem Räucherlachs servieren

Passende Weine von H.A.D.E.S 2018 Chardonnay, Fürst Hohenlohe Oehringen 2017 Sauvignon Blanc, Drautz‐Able 2018 Grauburgunder, Jürgen Ellwanger 2017 Orange, Sonnenhof 2018 Fumé Blanc, Staatsweingut Weinsberg 2018 Chardonnay, Staatsweingut Weinsberg

Den Backofen auf 100 Grad Celsius (Ober‐ und Unterhitze) vorheizen. Die Lachsfilets mit Rauchsalz

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REZEPT II

Nudelsalat mit Rinderbraten und Sesamdressing

(Foto: Britta Binzer)

Inspiriert dazu hat mich meine Liebe zur japanischen Küche. Zutaten für 4 Portionen

Zubereitung Zutaten für die Marinade mischen und den Braten darin einlegen. Mindestens über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen.

1 kg Rinderbraten Marinade für den Braten: 10 EL Orangensaft 2 EL Reisessig 2 EL Misopaste, hell 1/2 Knoblauchzehe, fein gehackt 1 Sternanis, zerdrückt 2 EL Sojasauce hell 2 TL Sesamöl Etwa 400 ml Gemüsebrühe 800 g Udon‐Nudeln, alternativ Linguine, fertig gekocht 6 Karotten, geschnitten in Spiralen oder dünne Streifen Koriander, fein gehackt Olibenöl, Essig Salz, Pfeffer Dressing: 4 EL Sojasauce, hell 8 EL Orangensaft 1 TL Honig 3 EL Reisessig 1 TL Sesamöl 1 EL Sesamsamen, weiß

Das Fleisch aus der Marinade nehmen und trocken tupfen. Von allen Seiten scharf anbraten, mit der Marinade ablöschen, etwas Gemüsebrühe angießen und bei schwacher Hitze abgedeckt ca. 2 Stunden schmoren lassen. Fleisch aus der Sauce nehmen (diese aufbewahren), mit einem Küchenpapier abtupfen und beiseite stellen. Anschließend die Karottenspiralen in der Bratensauce dünsten. Mit den gekochten Nudeln und dem Koriander vermischen und ziehen lassen. Wenn zu trocken, dann noch etwas Olivenöl/Essig hinzufügen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit den genannten Zutaten das Dressing herstellen. Den Rinderbraten in feine, dünne Scheiben schneiden und mit dem Dressing beträufeln. Zusammen mit dem Nudelsalat servieren.

Passende Weine von H.A.D.E.S 2018 Chardonnay, Fürst Hohenlohe Oehringen 2017 Sauvignon Blanc, Drautz‐Able 2018 Nikodemus candidus, Jürgen Ellwanger 2017 Orange, Sonnenhof 2018 Fumé Blanc, Staatsweingut Weinsberg

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REZEPT III

Wildschweinragout mit Portweinfeigen

(Foto: Britta Binzer)

Ein Gericht, das ich in Spanien kennen und lieben lern‐ te. Keine Angst vor der Schokolade, sie ist kaum süß, verleiht dem Gericht aber Tiefe. Bitte nicht durch Schokolade mit weniger Kakaoanteil ersetzen, dann lieber weglassen. Zutaten für 4 Portionen 1 kg Wildschweinkeule, in mundgerechte Würfel geschnitten Butterschmalz zum Anbraten 2 Karotten, fein gewürfelt 2 Zwiebeln, fein gehackt 1 Knoblauchzehe, fein gehackt 400 ml Rotwein 2 TL Wildgewürz 150 g Feigen getrocknet, halbiert 2 TL abgeriebene Orangenschale 200 ml Portwein 150 g Chorizo, fein gewürfelt Salz, Pfeffer 1–2 TL Pimentón de la Vera (geräuchertes Paprikapulver) ca. 300 bis 400 ml Gemüsebrühe 15 g Schokolade, 85 %, fein gehackt Thymianblättchen, gezupft Zubereitung Fleischwürfel mit Karotten, Zwiebeln, Knoblauch, Wildgewürz und Rotwein marinieren, für mindestens 12 Stunden kühl stellen. Die Feigen in Portwein mit der

abgeriebenen Orangenschale einlegen. Mindestens 1 Stunde ziehen lassen, länger schadet auch nicht. Fleisch und Gemüse in einem Sieb abtropfen lassen – dabei die Marinade auffangen – und im heißen Butterschmalz anbraten. Salzen, pfeffern und mit dem Paprikapulver bestäuben.Mit der Marinade ablöschen und so viel Brühe angießen, dass das Fleisch knapp bedeckt ist. Langsam aufkochen lassen und bei schwa‐ cher Hitze etwa 80 bis 90 Minuten schmoren, je nach Dicke der Fleischwürfel. Die Schokolade 15 Minuten vor Ende der Garzeit einrühren. 2 bis 3 Minuten vor Ende der Garzeit die eingelegten Feigen und Thymian hinzugeben. Zum Schluss sollte die Sauce schön sämig sein, gegebenenfalls mit Pfeffer und Salz abschmecken. Meine bevorzugte Beilage: Nudeln oder Kartoffelpüree

Passende Weine von H.A.D.E.S 2015 Ex flammis orior, Fürst Hohenlohe Oehringen 2015 In senio, Fürst Hohenlohe Oehringen 2015 Vignette, Graf Adelmann 2015 Clevner, Graf Adelmann 2013 Samtrot „R“, Drautz‐Able 2011 Jodokus, Drautz‐Able 2015 Lemberger, Drautz‐Able 2016 Zweigelt, Jürgen Ellwanger 2013 Lemberger, Sonnenhof 2016 Tempranillo, Staatsweingut Weinsberg 2016 Syrah, Staatsweingut Weinsberg 2016 Syrah Reserve, Staatsweingut Weinsberg

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REZEPT IV

Knusprige Gänsekeule mit Maronenknödeln

(Foto: Britta Binzer)

Zutaten für 4 Portionen Passende Weine von H.A.D.E.S 4 Gänsekeulen, küchenfertig Salz, Pfeffer, Beifuß 100 g Speckwürfel 2 Äpfel, in Scheiben geschnitten 300 ml Gänsefond 200 ml Rotwein 1 EL Brombeer‐ oder Johannisbeergelee 100 ml Sahne 1 Soßenlebkuchen (ca. 60 g), in etwas Rotwein vorquellen lassen

2015 In senio, Fürst Hohenlohe Oehringen 2015 Vignette, Graf Adelmann 2011 Jodokus, Drautz‐Able 2015 Lemberger, Drautz‐Able 2016 Zweigelt, Jürgen Ellwanger 2013 Lemberger, Sonnenhof 2016 Syrah, Staatsweingut Weinsberg

Zubereitung Den Backofen auf 180 Grad Ober‐ und Unterhitze vor‐ heizen. Die Apfelscheiben und Speckwürfel auf einem tiefen Backblech verteilen. Gänsekeulen mit Salz, Pfeffer und Beifuß einreiben und auf die Apfel‐Speck‐Mischung legen. Im Ofen etwa 1 Stunde braten. Die Keulen vom Blech nehmen und warm halten. Den Bratensaft mit Gänsefond aufkochen und den Rotwein angießen. Gelee und Sahne einrühren, dann den Lebkuchen dazugeben. Sauce pürieren, nochmal auf‐ kochen lassen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Gänsekeulen mit der Sauce, Maronenknödeln und Rotkohl servieren. Dazu passt auch ein Soufflé vom Semmelknödel. Das  Rezept dazu finden Sie auf Seite 50.

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REZEPT V

Wildschweingulasch mit Steinpilzen

(Foto: Britta Binzer)

Zutaten für 4 Portionen 800 g Wildschweingulasch, aus der Keule Öl zum Anbraten 1 EL Wildgewürz 2 Zwiebeln, gewürfelt 3 Karotten, gewürfelt 1 Stück Knollensellerie (ca. 120 g), gewürfelt 1 EL Mehl 3 EL Balsamico 400 ml Wildfond 1 EL Tomatenmark 100 ml Sahne 100 g Schinken, fein gewürfelt 300 g Steinpilze (frisch oder tiefgekühlt), alternativ braune Champignons mit getrockneten Steinpilzen mischen Zubereitung Den Backofen auf 150 Grad (Ober‐ und Unterhitze) vorheizen. Das Fleisch mit dem Wildgewürz und Salz mischen.

noch 5 Minuten mitschmoren lassen. Zum Schluss die Sahne unterrühren und abschmecken, gegebenenfalls mit Salz und Pfeffer nachwürzen. Beilagenempfehlung: Klöße, Maronenknödel, Semmel‐ knödelsoufflé oder Nudeln In dieser Variante habe ich für die Sauce bewusst kei‐ nen Wein oder anderen Alkohol verwendet, deshalb ist meine Präferenz hier eindeutig weiß. Für die Rotweinfans habe ich ebenfalls Vorschläge, besonders dann, wenn die Sauce mit Rotwein oder Portwein abgerundet wird.

Passende Weine von H.A.D.E.S weiß 2018 Chardonnay, Fürst Hohenlohe Oehringen 2018 Grauburgunder, Jürgen Ellwanger 2016 Chardonnay, Sonnenhof 2018 Fumé Blanc, Staatsweingut Weinsberg 2018 Chardonnay, Staatsweingut Weinsberg Passende Weine von H.A.D.E.S rot

Öl in einem Bräter erhitzen. Das Fleisch portionsweise anbraten, aus dem Topf nehmen. Gemüse anrösten, Fleisch wieder hinzugeben, leicht mit Mehl bestäuben, alles gut vermischen, Tomatenmark hinzufügen. Mit Balsamico ablöschen und Wildfond dazugießen. Den Deckel des Bräters aufsetzen und in den vorgeheizten Backofen stellen (mittlere Schiene). Etwa 2 Stunden schmoren lassen (je nach Dicke der Fleischwürfel).

2015 In senio, Fürst Hohenlohe Oehringen 2015 Ex flammis orior, Fürst Hohenlohe Oehringen 2015 Clevner, Graf Adelmann 2015 Lemberger, Drautz‐Able 2016 Zweigelt, Jürgen Ellwanger 2013 Lemberger, Sonnenhof 2016 Syrah, Staatsweingut Weinsberg

Kurz vor Ablauf der Zeit die Pilze in der Pfanne mit den Schinkenwürfeln braten, zum Gulasch hinzufügen und COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


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REZEPT VI

Entenbrustfilet im Gewürzsud

(Foto: Britta Binzer)

Zutaten für die Marinade Saft von 3 Orangen 1 daumengroßes Stück Ingwer, klein gehackt oder geraspelt 1 Messerspitze Sternanispulver 2 Gewürznelken, gemörsert 2–3 Pimentkörner, gemörsert schwarzer Pfeffer 2 EL Portwein 1 EL Honig 1 EL Sherryessig 2 EL Olivenöl

Jetzt den Backofengrill einschalten und die Entenbrustfilets 5 Minuten grillen, bis die Haut noch knuspriger wird. Kurz vor Ende der Bratzeit die restliche Marinade in einem Topf erhitzen, den Weißwein und den Bratenfond der Ente aus der Fettpfanne hinzugie‐ ßen, kurz aufkochen lassen, Hitze ausschalten. Zum Schluss das Sesamöl einrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Entenbrustfilets aufschneiden, mit dem Gewürz‐ sud, Kartoffelplätzchen und Rahmspitzkohl servieren.

4 Entenbrustfilets Passende Weine von H.A.D.E.S 120 ml Weißwein 1 TL Sesamöl Zubereitung Aus den aufgeführten Zutaten eine Marinade her‐ stellen. Die Entenbrüste kalt abwaschen, trocken tupfen und die Haut (nicht das Fleisch!) rautenförmig einschneiden. Danach in eine Auflaufform legen und mit der Marinade übergießen. 24 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen.

2018 Chardonnay, Fürst Hohenlohe Oehringen 2017 Sauvignon Blanc, Drautz‐Able 2018 Nikodemus candidus, Jürgen Ellwanger 2016 Chardonnay, Sonnenhof 2018 Fumé Blanc, Staatsweingut Weinsberg

Den Backofen auf 180 Grad Ober‐ und Unterhitze vorheizen. Fleisch aus der Marinade nehmen, mit Salz und Pfeffer würzen und auf einen Backofenrost legen (obere Schiene, Hautseite nach oben). Unter den Rost eine Fettpfanne schieben. Etwas von der Marinade auf der Entenhaut verteilen, Filets etwa 20 bis 25 Minuten braten. COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


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REZEPT VII

Rouladen mit Ziegenkäse

(Foto: Britta Binzer)

Zutaten für 4 Portionen 1 Dose Kichererbsen (ca. 260 g) 175 g Ziegenfrischkäse 8 Datteln, getrocknet 4 Rinderrouladen Senf Salz und Pfeffer 4 Scheiben Schinken 3 Zwiebeln, in Ringe geschnitten 3 Karotten, in Stücke geschnitten 1 TL Harissa 100 ml Portwein 500 ml Rinderbrühe Zubereitung

Rouladen herausnehmen und warm halten. Die Sauce pürieren und mit dem Fleisch, Couscousbällchen und Ofenrosenkohl servieren. Tipp: Blätterteigtaschen, gefüllt mit der Kichererbsen‐ Ziegenkäse‐Dattel‐Mischung, sind ein pikanter Snack zum Wein – dann auch gerne weiß!

Passende Weine von H.A.D.E.S 2015 In senio, Fürst Hohenlohe Oehringen 2015 Vignette, Graf Adelmann 2015 Lemberger, Drautz‐Able 2016 Zweigelt, Jürgen Ellwanger 2013 Lemberger, Sonnenhof 2016 Syrah, Staatsweingut Weinsberg

Kichererbsen, Ziegenfrischkäse und Datteln fein mixen oder pürieren. Das Fleisch plattieren, mit Salz und Pfeffer würzen. Zuerst mit Senf, dann großzügig mit der Ziegenkäsepaste bestreichen. Mit einer Schinkenscheibe und Zwiebelringen belegen. Zur Roulade aufrollen und mit Zahnstochern fixieren. Den Backofen auf 175 Grad Ober‐ und Unterhitze vor‐ heizen. Rouladen von allen Seiten im Bräter scharf anbraten und herausnehmen. Karotten und restliche Zwiebelringe im Bräter anrösten, Harissa hinzugeben, verrühren, mit Portwein ablöschen. Rouladen dazuge‐ ben und die Rinderbrühe angießen. Bräter mit Deckel in den Ofen schieben und das Fleisch etwa 2 Stunden schmoren lassen.

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REZEPT VIII

Rouladen mit Parmesan // Rouladen klassisch

(Foto: Britta Binzer)

Umami grüßt – der fünfte Geschmackssinn kommt jetzt voll auf seine Kosten!

zieren und weitere 90 Minuten schmoren lassen. Anschließend die Rouladen aus dem Sud nehmen und warm stellen. Die Sauce pürieren.

Zutaten für 4 Portionen 4 Rinderrouladen Senf 4 große Scheiben Südtiroler Speck 4 getrocknete Tomaten, in Öl eingelegt 80 g Parmesan, gehobelt oder gerieben 4 Frühlingszwiebeln, in Ringe geschnitten Butterschmalz zum Anbraten 2 Karotten, in Stücke geschnitten 2 Zwiebeln, in Scheiben geschnitten 200 ml Rotwein 400 ml Rinderfond Zubereitung Den Backofen auf 175 Grad Ober‐ und Unterhitze vor‐ heizen. Die Fleischscheiben plattieren und mit Senf bestrei‐ chen, jeweils mit einer Speckscheibe, getrockneter Tomate, Parmesan und Frühlingszwiebeln belegen. Fleisch aufrollen und mit Zahnstochern fixieren. Rouladen in heißem Butterschmalz von allen Seiten anbraten, aus der Pfanne nehmen. Gemüse anrösten, mit Rotwein ablöschen und den Fond angießen. Das Fleisch zurück in den Bräter geben, Deckel aufsetzen und in den vorgeheizten Ofen stellen. Für 25 Minuten bei 175 Grad garen, Hitze danach auf 150 Grad redu‐

Rouladen mittig aufschneiden, mit Sauce auf dem Teller platzieren, dazu Kartoffel‐Parmesan‐Püree und Parmesan‐Chip servieren.

Passende Weine von H.A.D.E.S 2015 Ex flammis orior, Fürst Hohenlohe Oehringen 2015 Clevner, Graf Adelmann 2015 Vignette, Graf Adelmann 2015 Lemberger, Drautz‐Able 2012 Merlot, Drautz‐Able 2016 Zweigelt, Jürgen Ellwanger 2013 Lemberger, Sonnenhof 2016 Syrah Reserve, Staatsweingut Weinsberg 2016 Tempranillo, Staatsweingut Weinberg Alternative: Roulade klassisch Zur klassisch gefüllten Roulade, also gefüllt mit Speck, Zwiebeln und Gurke, empfehle ich folgende H.A.D.E.S.‐ Weine: 2015 In senio, Fürst Hohenlohe Oehringen 2015 Clevner, Graf Adelmann 2012 Merlot, Drautz‐Able 2013 Samtrot, Drautz‐Able 2016 Zweigelt, Jürgen Ellwanger 2013 Lemberger, Sonnenhof 2016 Syrah, Staatsweingut Weinsberg

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REZEPT IX

Maronenknödel

(Foto: Britta Binzer)

Tipp: Zu den Rezepten IV, V und VIII harmonieren auch Maronenknödel als Beilage.

Einen großen Topf mit Salzwasser zum Kochen bringen. Die Knödel vorsichtig ins Wasser geben und circa 15 Minuten sieden lassen.

Zutaten für 8 Stück Maronenknödel 600 g Kartoffeln, mehlig kochend 90 g Speisestärke 30 g flüssige Butter 1 Ei 1/4 bis 1/2 TL Salz 150 g Maronen, vorgekocht 10 g flüssige Butter Salz

Passende Weine von H.A.D.E.S weiß

Zubereitung

Passende Weine von H.A.D.E.S rot

Kartoffeln mit Schale weich kochen und noch heiß pellen. Danach durch eine Kartoffelpresse in eine große Schüssel drücken und abkühlen lassen.

2015 In senio, Fürst Hohenlohe Oehringen 2015 Vignette, Graf Adelmann 2013 Samtrot, Drautz‐Able 2012 Merlot, Drautz‐Able 2016 Zweigelt, Jürgen Ellwanger 2016 Syrah, Staatsweingut Weinsberg 2016 Syrah Reserve, Weinsberg

Mit 30 Gramm flüssiger Butter, Speisestärke, Ei und Salz zu einem Teig verkneten, zu einer Rolle formen, in Klarsichtfolie wickeln und 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

2018 Chardonnay, Fürst Hohenlohe Oehringen 2017 Sauvignon Blanc, Drautz‐Able 2018 Nikodemus candidus, Jürgen Ellwanger 2017 Orange, Sonnenhof 2018 Fumé Blanc, Staatsweingut Weinsberg 2018 Chardonnay, Staatsweingut Weinsberg

Die Maronen mit 10 Gramm flüssiger Butter und etwas Salz zu einer glatten Masse pürieren und 8 gleich große Kugeln daraus formen. Auch den Kartoffelteig in 8 gleich große Stücke tei‐ len. Mit feuchten Händen jeweils ein Teigstück in die Hand nehmen und flach drücken. In die Mitte des Teigs eine Maronenkugel platzieren, mit dem Kartoffelteig umhüllen und rund formen.

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BEILAGEN

Vorschläge für weitere individuelle Beilagen KARTOFFELPLÄTZCHEN

ROSENKOHL

Zutaten für 4 Portionen

OFEN-ROSENKOHL

700 g Kartoffeln, mehlig kochend 3 EL Hartweizengrieß 2 Eigelb 1/4 TL Salz

Zutaten für 4 Portionen

Zubereitung Die Kartoffeln mit Schale weich kochen und noch heiß pellen. Danach durch eine Kartoffelpresse in eine große Schüssel drücken, Grieß und Eigelb einrühren, mit Salz würzen und zu einem glatten Teig verarbeiten. Aus dem Teig eine Rolle formen, in Klarsichtfolie wickeln und 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen. Anschließend aus der Rolle Scheiben schneiden. In der Pfanne von beiden Seiten ausbraten.

1 kg Rosenkohl 2 Zwiebeln 5 EL Olivenöl 10 Datteln 1 TL Salz 2 EL Dukkah (Gewürzmischung) Zubereitung Den Rosenkohl putzen und die Röschen halbieren. In eine große Auflaufform füllen. Datteln und Zwiebeln klein schneiden und zum Rosenkohl geben. Mit Olivenöl, Salz und Dukkah vermischen und 30 Minuten ziehen lassen. Den Backofen auf 160 Grad Ober‐ und Unterhitze vorheizen. Den Rosenkohl etwa 40 Minuten backen, zwischendurch einmal umrühren.

SOUFFLÉ VOM SEMMELKNÖDEL

PARMESANCHIPS

Zutaten für 8 Stück

DAS I-TÜPFELCHEN ZUM PÜREE

500 g Brötchen oder Weißbrot vom Vortag, fein gewürfelt 280 ml Milch Thymian, gezupft 5 Eigelb Salz, Pfeffer 5 Eiweiß

Etwa 50 Gramm jungen Parmesan fein reiben. Auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech in Kreisen verteilen. Im Backofen bei etwa 180 Grad backen, bis der Parmesan verläuft und goldgelb wird (ca. 3 bis 4 Minuten). Achtung: Wenn die Chips zu dunkel werden, schmecken sie bitter. Alternativ die Chips in der Pfanne zubereiten.

Zubereitung Die Milch erwärmen und über die gewürfelten Brötchen gießen. Mit 1 TL Salz und Pfeffer würzen, ver‐ mengen und 45 Minuten quellen lassen. Den Backofen auf 175 Grad Ober‐ und Unterhitze vor‐ heizen. Eigelb mit der Brötchenmasse verkneten. Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen und unter die Brötchenmasse heben. Souffléförmchen oder feuerfeste Tassen (Durchmesser etwa 10 cm) ausbuttern und die Knödelmasse einfül‐ len. Eine Form mit heißem Wasser füllen, Förmchen hineinsetzen und im Ofen auf der mittleren Schiene 20 bis 25 Minuten garen. Zum Servieren vorsichtig aus den Formen lösen. COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN

Soufflé vom Semmelknödel


WEINBILDUNG

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WEIN IN DER SCHULE? TEXT: DR. MARTIN SACHSE-WEINERT

Eine wissenschaftspropädeutische Verkostung Alle Schülerinnen und Schüler an einem bayerischen Gymnasium, die dort das Abitur ablegen wollen, müssen in ihren letzten beiden Jahren an der Schule, das heißt in den Jahrgangsstufen 11 und 12, ein soge‐ nanntes Wissenschaftspropädeutisches Seminar besuchen, in dessen Rahmen unter anderem auch eine Seminararbeit zu erstellen ist. (Foto: Andrew Neel)

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WEINBILDUNG

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B

ereits im Schuljahr 2018/2019 wurde den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 10 am Matthias‐Grünewald‐Gymnasium Würzburg, das aufgrund seiner Lage im Anbaugebiet Franken für eine vinophile Themenstellung prädestiniert ist, ein ent‐ sprechendes Seminar mit dem Titel „Geschichte des Weinbaus in Mainfranken“ angeboten, für das sie sich neben diversen weiteren Angeboten entscheiden konnten. Tatsächlich verbuchte dieses Seminar die zweithöchste Anmeldezahl, ein nicht zu erwartender erster Erfolg für den Schul‐ leiter, der diesen Unterricht nunmehr selbst durchführt.

Als Ergebnis, so wurde den potenziellen Teilnehmern bereits im Vorfeld mitgeteilt, steht die Erstellung einer sowohl fachlich‐ wissenschaftlich korrekten als auch allge‐ meinverständlich‐interessanten Chronik des Weinbaus in Mainfranken. Der Fachlehrplan Geschichte für die Jahrgangsstufen 11/12 orientiert sich unter anderem am räumli‐ chen Kriterium der Nähe, das heißt, lokale und regionale Vorgänge beziehungsweise Besonderheiten stehen auch in diesem Seminar im Mittelpunkt der Auseinander‐ setzung mit historischen Themen. Anhand des exemplarischen Themenbereichs „Wein‐ bau in Mainfranken“ werden vor allem nach‐ folgende Teilbereiche historischer For‐ schung angesprochen: (1) sozial‐ und wirt‐ schaftsgeschichtliche Ansätze im Rahmen landesgeschichtlicher Betrachtungen, (2) Politik‐ und Mentalitätsgeschichte sowie (3) Klimageschichte und Geschichte der main‐ fränkischen Flora (Rebsorten). Bei der Auseinandersetzung mit der Gesamt‐ thematik und den spezifischen individuellen Fragestellungen im Rahmen der Seminarar‐ beiten stehen damit Aspekte vor allem der lokalen und regionalen Geschichte im Vordergrund, die – ausgehend von Ereignis‐ sen im und Entwicklungen seit dem 8. Jahr‐ hundert – die Lebenswirklichkeit bezie‐ hungsweise das Umfeld der Schülerinnen und Schüler bestimmten und noch heute prägen. Hier sind beispielhaft anzuführen: (1) sich wandelnde rechtliche, wirtschaftli‐ che, staatliche und soziale Rahmen‐ bedingungen, (2) Kontinuität und Wandel des Alltagslebens sowie (3) Wandel von (weinbaulichen) Produktionsmethoden vom Spätmittelalter bis in die Moderne. Grundsätzlich soll im Seminar auch auf individuelle, gegebenenfalls heimat‐ bzw. ortsbezogene Charakteristika der Schüle‐ rinnen und Schüler eingegangen werden sowie ihre eventuell vorhandenen fami‐ liären Bezüge zum Weinbau in Main‐ franken. Die einzelnen Arbeiten im Rah‐

men des Seminars sollen die Grundlage oder Bestandteile einer Publikation bilden. Besonders erfreulich war der Zuspruch, den das Projekt von Beginn an von vielen Seiten erfahren hat. Spontan sagten meh‐ rere Experten für diesen Themenkomplex ihre Unterstützung zu und fanden sich bereits zu Gesprächen am Gymnasium zusammen, sei es in vorbereitenden Sitzungen oder ganz konkret im Unterricht mit dem Seminar. So ist insbesondere Hermann Mengler zu danken, dem Fachberater für Kellerwirtschaft und Kellertechnik des Bezirks Unterfranken, Hermann Schmitt, dem Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbandes e. V., Robert Haller, dem Weingutsdirektor des Bürgerspitals, und nicht zuletzt Dr. Hermann Kolesch, dem Präsidenten der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau

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und Gartenbau in Veitshöchheim, der die Schülerinnen und Schüler mit einem über‐ aus dichten, informativen Vortrag in die Grundlagen ihrer Arbeit einführte. Derzeit steht die Auswahl geeigneter Themata für die Seminararbeiten auf der Agenda. Hier lassen sich bereits folgende Schwerpunkte erkennen, die aber noch variabel sind und deren abschließende De‐ tailformulierung von den aktuellen, ersten Nachforschungen der jungen Wissen‐ schaftler abhängt (Arbeitstitel): •„Tradition ist die Bewahrung des Feuers und nicht die Anbetung der Asche“ – die Geschichte des Weinguts Meintzinger in Frickenhausen • Brauchtum und Tradition im mainfränki‐ schen Weinbau • Fränkische Vielfalt im Spiegel neunhun‐ dertjähriger Geschichte – der Hofkeller in Würzburg

Es ist spannend zu beobachten, wie unterschiedlich die jungen Wissen‐ schaftler an ihren Aufgabenbereich her‐ angehen, Kontakte knüpfen und den Grundstein für ihre Arbeiten legen. Dabei muss natürlich berücksichtigt werden, dass vielfach keine oder kaum Vor‐ kenntnisse vorhanden sind, sodass der‐ zeit diverse Stunden mit grundlegenden Informationen erforderlich sind. Umso überraschender war es für das Seminar, als bereits zu diesem frühen Zeitpunkt ein großer Erfolg verbucht wer‐ den konnte: Allein aufgrund des überzeu‐ genden Konzepts gewann das Seminar einen Preis im Rahmen des Förder‐ wettbewerbs „Stadt der jungen Forscher 2019/2020“ der Stadt Würzburg. Zu‐ sammen mit der vom Oberbürgermeister Christian Schuchardt überreichten Urkun‐ de durften die Schülerinnen und Schüler immerhin 300 Euro für ihr Projekt über‐ nehmen, die nun für Reisekosten, Mate‐ rialien oder Bildrechte für die anstehende Publikation genutzt werden können. Von besonderer Bedeutung für die weite‐ re Arbeiten wird auch sein, inwiefern wei‐ tere Vernetzungen mit Weininteres‐ sierten hergestellt werden, die mit ihrem Wissen dazu beitragen können, wissen‐ schaftlich hochwertige Beiträge zu erstel‐ len und möglichst profunde Kenntnisse mit einzubringen. Ansprechpartner hier‐ für ist OStD Dr. Martin Sachse‐Weinert (martin.weinert@mgg‐wuerzburg.de).

• Zwischen Qualität und Quantität – der Wandel weinbaulicher Produktionsmetho‐ den vom Mittelalter bis in die Moderne, dar‐ gestellt unter anderem am Beispiel des Weinguts am Stein •„Zwischen Tradition und Moderne“ – die Geschichte des Bocksbeutels • Die Geschichte der Glasproduktion im Spessart vom Mittelalter bis heute • „Franken kann Rotwein“ – die Geschichte der Rotweinproduktion in Franken, darge‐ stellt unter anderem am Beispiel des Weinguts Roth in Wiesenbronn • „Typisch Franken“ – die Geschichte der Silvanerrebe seit 1659 • „Mit der Krone unterwegs in Franken“ – Geschichte und Geschichten rund um die fränkischen Weinköniginnen • Der Homburger Kallmuth – die Geschichte einer Lage seit dem Mittelalter, dargestellt unter anderem am Beispiel des Weinguts Fürst Löwenstein • „Braucht Wein Werbung?“ – die Geschich‐ te des Hauses des Frankenweins • „Die Schönheit eines Weines soll gewach‐ sen sein, nicht gemacht“ – die Geschichte des Weinguts Störrlein Krenig • Spagat zwischen Funktionalität, Marketing und Kunst – fränkische Weinetiketten im Wandel der Zeit

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REZENSION

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Das Weinland Steiermark ist einer der Aufsteiger in der internationalen Weinszene. Arrivierte Weingüter und junge Newcomer sind hier am Werk und überzeugen Genießer mit spannenden, vielschichtigen Gewächsen.

DAS ULTIMATIVE WEINBUCH STEIERMARK

I

m Weinbuch des namhaften deutschen Weinjournalisten Rudolf Knoll, der sich seit über 30 Jahren intensiv mit Wein aus Österreich beschäftigt, werden rund 75 Betriebe mit teil‐ weise sehr persönlichen Porträts vorgestellt, etwas abseits des üblichen Mainstreams und oft mit einer Prise Humor bereichert. Eingegangen wird auch auf aktuelle weinrechtliche Änderungen, die das Gebiet noch verständlicher machen, auf die Besonderheit des Schilchers und die Karriere des Junkers. Für eine gute Abrundung sorgen Informationen über das Reifepotenzial gro‐ ßer Gewächse der Top‐Weingüter sowie Geschichten über ambitionierte Vereine vor und hinter den Kulissen. Tipps für empfehlenswerte Weinhotels, Buschenschanken, Vinotheken und kulinarische Institutionen komplettieren das Buch. Obwohl die Steiermark mit ihren knapp 5.000 Hektar Reben zu den kleineren Weinländern gehört, sind ihre Weine in vieler Munde. Die Südsteiermark, das Vulkanland (früher Südost‐ Steiermark) und die für Schilcher bekannte Weststeiermark gehören zusammen zu den Aufsteiger‐Regionen in der internationalen Szene. Die Weine sind auch in führenden internationalen Restaurants zu finden.

ZUM GELEIT Von Annemarie Foidl, Präsidentin Sommelierunion Austria „Top‐Journalisten vom Format eines Rudi Knoll, der sich schon über einen sehr langen Zeitraum intensiv mit der steirischen und der österreichischen Weinwelt auseinandersetzt und deren Entwicklung verfolgt, bestätigen und zeigen auf, was sich in den letzten 25 Jahren getan hat.“

CADMOS Verlag, 224 Seiten, 21 x 24 cm, ISBN: 978‐3‐8404‐8514‐5, Preis: 24,95 Euro

„Viele Ideen wurden in der Steiermark geboren und sind erfolgreiche Modelle in Ausbau, Denke und Vermarktung geworden. Die junge Garde der Winzerinnen und Winzer, die vielerorts die Weingüter der Eltern übernommen haben und bald übernehmen und diese dynamische Region in die neue Zeit führen, lassen uns freudig gespannt sein, wie sie die Schätze der Steiermark in neue Höhen tragen.“

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REZENSION

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E

s ist eigentlich auch der Stoff für einen span‐ nenden Dokumentarfilm: Nach dem tragi‐ schen tödlichen Arbeitsunfall des Vaters von Kilian Franzen, der als Steillagenwinzer eine einmalige Kulturlandschaft rettete, über‐ nahm das junge Paar Angelina und Kilian in Bremm an der Mosel quasi über Nacht das Weingut und damit einen Berg von enormen Herausforderungen. Dieser Berg war fast so hoch wie der „Bremmer Calmont“, eine weltweit legendäre, sehr steile Weinbergslage, in dem sich die meisten Weinberge des Gutes befinden und die nur mit größten Mühen und hohem Zeitaufwand bewirtschaftet werden kann. Doch auf den 192 Seiten des Buches, mit „Der Sommer war sehr groß“ nach einer Zeile aus einem Gedicht von Rilke betitelt, breiten sie in einfachen, klaren Worten voller Wahrhaftigkeit die Geschichte einer unverbrüchlichen Jugendliebe aus, die sie befä‐ higt, selbst massiven Rückschlägen zu trotzen. Authentisch, von Betrachtungen und von Gefühls‐ reflexionen durchzogen, erzählen die beiden von ihrem mühevollen, aber auch freudigen Aufbaupro‐ zess, der durchaus viele Zweifel kannte. Doch ihr symbiotisches Verständnis füreinander ließ sie nach dem Unglück zehn Jahre lang den schwieri‐ gen Weg eines qualitätsorientierten Weinbaus unter härtesten Bedingungen gehen, der schließlich das Weingut in einen Spitzenbetrieb und das immer noch junge Paar in eine glückliche Familie verwandel‐ te. Zudem erfährt der Leser einiges Wissenswertes über den Weinbau an der Mosel und das Leben mit einer so faszinierenden wie unberechenbaren Natur. Zu wahr, um kitschig zu sein, erzählen die beiden, was mit Liebe, Vertrauen, Fleiß und optimistischer Zuversicht möglich sein kann.

Verlag: Bene, 192 Seiten, gebunden. ISBN‐13: 9783963400681, ISBN‐10: 3963400684, 18,‐ Euro.

EINE WAHRE GESCHICHTE VON LIEBE, ZUVERSICHT UND HARTER ARBEIT TEXT: PETER W. SCHNEIDER

DER SOMMER WAR SEHR GROSS

HERBSTTAG Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren laß die Winde los. Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; gieb ihnen noch zwei südlichere Tage, dränge sie zur Vollendung hin und jage die letzte Süße in den schweren Wein. Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. Rainer Maria Rilke

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M

enschen wie der ehemalige Sternekoch Franz Keller sind zwar nicht seltener geworden, doch ihr unverbogener Charakter wird in einer medialen Landschaft zwischen Meinungs‐ Mainstream auf der einen und Esoterik‐Verirrungen auf der anderen Seite einfach nicht mehr ausreichend wahrgenommen. Doch mehr Aufmerksamkeit und Präsenz wären dem Meisterkoch und seinem Buch „Vom Einfachen das Beste“ zu wünschen, das etwas reißerisch mit dem Slogan „Ein Sternekoch greift an“ daherkommt. Denn in diesem Buch, eigentlich eine Pflichtlektüre, geht es um nicht mehr oder weniger als um unser tägliches Essen. Dieses Thema wird natürlich von Heerscharen von Autoren beackert, doch hier haben wir es mit einer unterhaltsamen und gleichzeitig sehr informativen, oft amüsanten, doch vor allen Dingen kritischen Lektüre zu tun. In einem mit etlichen Anekdoten gewürzten Rückblick auf Kindheit und Karriere vermittelt Franz Keller viel von der Atmosphäre einer strengen Jugendzeit, von entbehrungs‐ und ausbeutungsreichen Jahren bei Paul Bocuse und anderen Starköchen. Schließlich die Verwirklichung der eigenen hohen Ansprüche, gefolgt von deftigen Misserfolgen, bedingt durch viel Naivität. Später die Jahre des Erfolgs in sei‐ ner „Adlerwirtschaft“ in Hattenheim und dann der all‐ mähliche Wandel hin zur verantwortungsbewussten Autonomie als Bauer und Erzeuger seiner eigenen Fleischqualitäten.

Franz Keller: „Vom Einfachen das Beste. Essen ist Politik oder Warum ich Bauer wer‐ den musste, um den perfekten Genuss zu finden“, Westend Verlag, gebunden, 243 Seiten, 24,‐ Euro. ISBN: 3864892031. EAN: 9783864892035

UNGESCHMINKTE AUTOBIOGRAFIE UND LEIDENSCHAFTLICHES PLÄDOYER TEXT: PETER W. SCHNEIDER

VOM EINFACHEN DAS BESTE

Sein von der Erkenntnis der absoluten Unzulänglichkeit unserer Agrarwirtschaft initiierter und sukzessiv konse‐ quent durchgeführter Entwicklungsprozess wird anschaulich in klarer Sprache dargestellt und immer mit Fakten unterfüttert. Hier geht es um Fleischqualität, um Ethik in der Küche und beim Essen, überhaupt um punktgenaue Analyse. Und nie ist der dogmatische Zeigefinger zu sehen. Sehr erfreulich ist, dass Franz Keller nie ein Blatt vor den Mund nimmt und die wahnwitzigen Strukturen der industriellen Nahrungsmittelerzeugung und ihrer neoliberalen Perfidien immer klar benennt. Das folgende Zitat als Beispiel mag als Credo des Buches dienen: „Unsere Marktwirtschaft muss so funktionieren, dass nicht nur eine Handvoll Manager und Milliardäre profitieren und der Rest kaputtgeht.“

FAZIT Das Buch ist aber eben nicht eine eigensinnige Generalabrechnung, sondern möchte immer auch Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Und zum Schluss gibt es als Schmankerl noch einige simple, mit Sicherheit schmackhafte Rezepte obendrauf.

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NACHRUF

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nfang November erreichte uns die traurige Mitteilung, dass unser Mitglied Dr. Wolfgang Thomann völlig unerwartet und plötzlich bei seinem zweiten Hobby – dem Turniertanz – verstorben ist.

Dr. Thomann kam vor der Wende aus Dresden nach Westdeutschland und arbeitete als promovierter Informatiker bis zu seinem Ruhestand bei der Eckes‐ Granini Deutschland GmbH in Nieder‐Olm. Er wohnte im rheinhessischen Ingelheim – auch hier engagierte er sich für sein erstes und großes Hobby: den Wein. Schon an der Volkshochschule Dresden arbeitete er als Wein‐Dozent. Durch seine fundierten Kenntnisse über den Weinbau in den sozialistischen Ländern zeichnete er verantwortlich in diversen Nachschlagewerken. Er verfasste Weinkapitel über die Ukraine, Georgien und Aserbaidschan, aber auch Beiträge über Wein an Saale und Unstrut, an der Elbe, in Slowenien, Polen und Rumänien standen in seinem Repertoire. In letzter Zeit galt sein besonderes Interesse der Ampelografie mit dem Schwerpunkt autochthone und pilzresistente Rebsorten.

(Foto: Dr. Wolfgang Thomann)

DIE WEINFEDER TRAUERT UM EINEN SEHR ENGAGIERTEN, FREUNDLICHEN UND BESCHEIDENEN WEINFREUND. TEXT: HARRY GEORGE

Außerdem engagierte er sich bei der Gesellschaft für Geschichte des Weines und baute die Internet‐ seite auf. Vor einigen Jahren wurde er auch in den Wissenschaftlichen Beirat sowie in den Vorstand gewählt und betreute nebenbei noch den Versand der Mitteilungen und Schriften. Dr. Thomann war Dozent für Mittel‐, Süd‐ und Ost‐ europa an der Deutschen Wein‐ und Sommelier‐ schule der Industrie‐ und Handelskammer Koblenz und betrieb außerdem noch einen kleinen Buchhandel für schwer zugängliche Weinliteratur aus Osteuropa. Bei so viel Engagement für den Wein entspannte er beim Tanzsport mit seiner Tanzpartnerin beim TSC Ingelheim und nahm sogar an einer Tanzwelt‐ meisterschaft teil. Umso trauriger ist es, dass er bei einem Tanzwettbewerb zusammenbrach und trotz sofortiger notärztlicher Versorgung am Folgetag, dem 27. Oktober, verstarb.

NACHRUF DR. WOLFGANG THOMANN COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN


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DEZEMBER 2019

verband deutscher weinpublizisten

Wir hoffen, dass Ihnen diese Ausgabe gefallen hat und die Beiträge unse‐ rer Autoren sie informiert und inspieriert haben. Die nächste Ausgabe des Wein feder Journals er ‐ scheint im Februar 2020, wieder mit Re portagen, Berichten, Entdeck ungen, Verkos tungen und vielen weiteren Themen. Wir wünschen Allen Lesern besinnliche Weihnachten und alles Gute für das Neue Jahr 2020.

Zu den Mitgliedern der Weinfeder e.V., des Verbands deutschsprachiger Weinpublizisten, gehören Journalisten, Autoren, Kritiker, Verkoster etc. Sofern Sie in diesem Bereich tätig sind, können Sie sich gerne wegen einer Mitgliedschaft erkundigen. Nehmen Sie dazu unkompliziert mit dem Vorsitzenden der Weinfeder e.V. Wolfgang Junglas via Mail Kontakt auf: info@weinfeder.de COPYRIGHT © WEINFEDER E.V. VERBAND DEUTSCHSPRACHIGER WEINPUBLIZISTEN

(Foto: Markus Spiske)

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Weinfeder december 2019 by Jan Rook - Issuu