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HIGH LIGHTS - Richard Kaplenig

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H I G H LIGHTS Richard Kaplenig


HIGH LIGHTS L

icht ist eine komplizierte Materie. Laut Quantenphysik ist es zugleich auch eine Schwingung. Im Alltag berührt uns dieser Dualismus wenig, aber Licht braucht es jedenfalls zum Sehen. Nach einer weniger wissenschaftlichen Anschauung existiert nicht, was nicht gesehen wird. Die Malerei bildet als Medium die Domäne der Imagination, als Technik ist sie die Kunst mit Farben, die auch als Segmente des Lichtspektrums definiert werden können. Sehen und Sichtbarmachung fallen hier in eines, oder anders gesagt: Malerei ist ein ins Licht gebrachtes Sehen. Das künstlerische Sehen – nicht von ungefähr hat Kokoschka 1953 die Sommerakademie Salzburg als „Schule des Sehens“ gegründet – weiß um die Materialisierung des Gegenstandes durch eine mediale Fokussierung.


Richard Kaplenigs Malerei lebt von einer markanten Transgression des Sehens. Der Blick des Künstlers führt ihn zu einem Mikrokosmos aus Glühbirnen, Schrauben, Flaschen, Schnitzelklopfer usw., die er wiederum zu gekonnten Imaginationen überführt. Seit über einem Jahrzehnt hebt er die Welt der kleinen, metallenen, oft häuslichen Dinge ins Breitwandkino seiner Malerei. Seine in Bilder umgesetzte Wirklichkeit ist allerdings mit großer Vorsicht als naturalistische Kunst zu bezeichnen. Gegenständlich ist sie klarerweise – aber vordergründig. Hintergründig führt uns seine Malerei nicht nur zum Malgrund, den er aus schwarzweißen Landkarten zu einer suggestiven Chiffre ausbaut, sondern auch zum Grund der Dinge. Nicht die Alltagsrealität der Dinge ist essenziell, sondern der Blick des Künstlers auf ihre Erscheinung. Wo nichts scheint, da bleibt es finster. Nicht die Oberfläche ist maßgeblich, sondern der Schimmer des Lichts darauf. Form ohne Licht ist ein Unding. Kaplenig führt über die malerische Reflexion des Lichts, die er farblich nahezu auf eine Grauwertskala mit subtiler Beimischung von Indigo, Grün, Blau und Violett reduziert, einen Dialog mit ausgewählten Oberflächen, die wir als Gegenstände benennen, aber für den Künstler mehr Substanz als Name sind. Das Bemerkenswerte daran ist, dass Kaplenig in seinem Malprozess instinktiv einer philosophischen Genese der Dinglichkeit folgt, die in eine Art „Übersteigerung“ mündet: seine bestechende Kunst erhöht das heideggersche Zeug in Richtung des kantischen Dings an sich. Indem er Kugellager, Abflussstöpsel, Metallkännchen, Karabiner, Küchensiebe und Motorenteile nicht nur mit hoher technischer Finesse, sondern auch im übertragenen Sinne ein Glanzlicht verleiht, verwandelt er die profanen Inhalte seiner Malerei zu glamourösen Stars und zu beständigen Highlights seiner Kunst. Michael Kos, 2023 Künstler & Autor


FWM - 02, 2023 Öl auf Papier auf Leinwand, 140 x 140 cm


KL - 01, 2023 Öl auf Papier auf Leinwand, 140 x 140 cm


Ansicht Galerie Lukas Feichtner


Ansicht Galerie Lukas Feichtner


AS 10/01, 2023 Öl auf Papier auf Leinwand, 120 x 80 cm


LOT 09/1, 2023 Öl auf Papier auf Leinwand 130 x 170 cm


H - 28/09, 2023 Öl auf Papier auf Leinwand 100 x 150 cm


Stöpsel 09, 2023 Öl auf Papier auf Leinwand 130 x 170 cm


Ansicht Galerie Lukas Feichtner


small is bigger von Claudia Aigner

Sie sind unter uns. Nämlich im Waschbecken, in unseren Kastln, Armaturen,

Küchengeräten. Die Aliens? Falsch. Dann vielleicht irgendwelche Krabbelviecher bzw. Pilze? Die zwar möglicherweise auch, die Rede ist aber trotzdem von den stillen Helden des Alltags. Jeder hat sie zu Hause. Halt in klein. Jedenfalls nicht so monumental, wie der Richard Kaplenig sie malt. (Tja, small is beautiful. Besonders in XXL. Size Zero in Übergröße.) Denn im Grunde pumpt der 1963 in Kötschach-Mauthen geborene Kärntner mit meisterhafter Hingabe graue Mäuse zu stattlichen Elefanten auf. (Was natürlich nur eine Metapher ist. Kein Tier kommt in seinem Atelier zu Schaden.) Ihn faszinieren eben die unscheinbaren, funktionalen Dinge, die keinem groß auffallen, solange sie brav im Hintergrund ihren Job erledigen. Die Schrauben, deren Muttern und Schwiegermuttern (Pardon: „Überwurfmuttern“ – nicht verwandt mit den Helikoptereltern), der Stöpsel im Abfluss. Insgeheim freilich sorgen sie dafür, dass die Welt nicht auseinanderfällt. Ohne sie würde ja vermutlich die komplette Zivilisation zusammenbrechen. Wenn es diese ganzen Dinger nicht gäbe, hätte der Künstler dafür in seiner Küche auf dem Fensterbankl auf einmal Platz für ein Basilikumtöpfchen. Schließlich belagern sie sogar sein trautes Heim wie invasive Nippesfigürchen, während seine Ateliers in Faak am See und Wien gleich überhaupt zu Eisenhandlungen mutiert sind (mit ein paar Pinseln mittendrin).


Seit über zehn Jahren vergrößert er diese kleinen Rädchen im Getriebe nun schon um ein Vielfaches. Macht die klare Eleganz ihres schnörkellosen Designs sichtbar. Wobei er jeden zarten Schimmer, der wie ein Lächeln über den Stahl oder übers Messing huscht, jede Spiegelung, jeden Lichtreflex genüsslich auskostet. Weil sein Pinsel offenbar ein Zauberstaub ist, der Ölfarbe in Metall, Glas, Plastik oder Gummi verwandeln kann. Und in Licht. In Highlights. Kein glatter Fotorealismus, eine romantische Sachlichkeit. Sinnliche Andachtsbilder, die der – vermeintlich unbunten – Farbe, der Form, dem Raum und dem Licht huldigen. Zu richtigen Bühnenstars macht er die handlichen Kleinigkeiten, der Kaplenig (und nachher zu Leinwandstars). Inszeniert sie auf Minibühnen in stimmungsvoller Beleuchtung, wo sie völlig in ihrer Glanzrolle aufgehen. Bevor er in Venedig Malerei studiert hat, hat der sachliche Romantiker übrigens Elektriker gelernt. Und Bildhauer. Drum malt er wahrscheinlich wie einer. Ein Elektriker, der Glühbirnen einschraubt? Na ja, mehr wie ein Bildhauer. Modelliert seine schlichten Form-follows-function-Objekte unglaublich greifbar heraus. „Schaut a bissl aus wie a Skulptur vom Gironcoli.“ (Kaplenig über seinen Schnitzelklopfer.) Regelrechte Porträts sind das. Eventuell sogar Selbstporträts. (Selbstporträt als Fleischwolfmesser, als Bohrmaschinenaufsatz, Überwurfmutter...) Weil wenn man genauer hinsieht, bemerkt man, dass da was Autobiografisches unten drunter ist. Wie eine Unterwäsche gewissermaßen. Vertrauter Boden. Nein, Kaplenig malt nicht auf einer Schicht Kärntner Erde. Dennoch sind die Sachen, die in einem diffusen Raum zu schweben scheinen (sprich vor einem grünblau oder lila angehauchten Grau), geerdet. Verortet. In der Geografie, in der sich der Maler herumtreibt. Eine Collage aus zerrissenen Kopien von Landkarten blinzelt durch die seelenvolle, atmosphärische Malerei. Wie tektonische Platten driften die Regionen unter der Farbe dahin und wild durcheinander, wenn Kaplenig aus den Fragmenten seiner zwei Heimaten, zwischen denen er hin- und herpendelt (Dreiländereck und Wien), einen neuen Superkontinent erschafft: Kärnslowienien. Die Welt ist bekanntlich klein. Und im globalen Dorf sind wir doch eh alle Nachbarn.


SK - 09/28, 2023 Öl auf Papier auf Leinwand, 120 x 100 cm


FL 02, 2023 Öl auf Papier auf Leinwand 160 x 80 cm


FL 01, 2023 Öl auf Papier auf Leinwand 160 x 80 cm


12 F, 2023 Öl auf Papier auf Leinwand 130 x 170 cm


Ohne Titel, 2023 Öl auf Papier auf Leinwand, 100 x 80 cm


Ohne Titel, 2023 Öl auf Papier auf Leinwand, 100 x 80 cm


Richard Kaplenig geb. 1963 in Kötschach-Mauthen lebt und arbeitet in Wien und in Faak am See

Gestaltung: isi bee media I www.isibee.media

www.kaplenig.com


SST 09/1, 2023 Öl auf Papier auf Leinwand, 140 x 140 cm


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lukasfeichtner Galerie

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