Glaube, Liebe, Religion Vielfalt Verfeindet Wir haben Kirchen In «The Current War» und Glaubenshäuser geht`s nicht um Errund ums Freilager leuchtung, aber um besucht. Beleuchtung.
Verein In der Weihnachtszeit erwarten euch spannende Events zum Mitmachen.
Wie immer das Leben spielt. Wir spielen mit.
Agentur ZĂźrich-West Albisriederstrasse 334 8047 ZĂźrich-West T 044 217 99 11 zuerich@mobiliar.ch mobiliar.ch
161221B01GA
Michele Zannini, Versicherungs- und Vorsorgeberater T 044 217 99 47, michele.zannini@mobiliar.ch
tholische sind im Westen der Stadt, den Quartieren Altstetten, Albisrieden und Hard, besonders häufig (zu je rund 34 %). Evangelisch-Reformierte sind in Wi-
EDITORIAL
INHALT ●
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Römisch-katholisch Anteil in %
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14,5 – 18,5
23,4 – 26,1
18,6 – 22,6
26,2 – 28,8
22,7 – 26,7
36,2 – 41,4
28,9 – 31,6
26,8 – 30,8
41,5 – 46,9
31,7 – 34,5
30,9 – 35,0
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Unsicherheit (Prozentpunkte) 0,5 – 0,9 0,0 – 0,4 1,0 – 1,4
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Jüdisch Anteil in % 0,2 – 1,9
3,7 – 6,5
2,0 – 3,7
6,6 – 9,3
3,8 – 5,4
9,4 – 12,2
5,5 – 7,2
12,3 – 15,1
7,3 – 9,1
2,0 – 2,4
2,5 – 2,9
14
STATISTIK STADT ZÜRICH
1,4 – 2,6 2,7 – 4,0 4,1 – 5,3 5,4 – 6,7 6,8 – 8,1
7 Moschee Gleich neben dem Freilager an der Rautistrasse in einem unscheinbaren Geschäftshaus trifft sich die albanisch islamische Gemeinschaft zum Gebet.
IMPRESSUM Inside Freilager November 2019 3. Jahrgang 4. Ausgabe Erscheint 4x jährlich Auflage 1000. Wird an alle Haushalte des Freilagers verteilt und in nahen Läden und Lokalen aufgelegt. Diese Zeitung wurde unentgeltlich von Bewohner/innen des Freilagers gemacht.
Redaktion: Mirko Hofmann, Noah Munzinger, Ben Liechti, Kati Moser, Peter Egli, Lorenz Ineichen
Kontakt für Inserate: Noah Munzinger noah@freilager.org
E-Mail an die Redaktion: inside@freilager.org
E-Mail: vorname@freilager.org
Nachdruck von Texten oder Bildern ist nur in Absprache mit der Redaktion erlaubt. Konto Freilager Verein CH52 0900 0000 8984 9663 0 Vereinsadresse: Freilager Verein Zürich 8000 Zürich
Layout: Mirko Hofmann Lektorat: Beatrice Huber «Inside Freilager» ist politisch und konfessionell unabhängig und nicht kommerziell. Alle Ausgaben online: www.issuu.com/insidefreilager
Titelbild: Wikimedia Commons, Religionssymbole
14 Atheisten Was genau ist denn bitte ein Spaghetti-Monster und was haben die Piraten damit zu tun? Wir liefern die Antworten auf diese Fragen.
Viel Spass beim Lesen! Mirko Hofmann Redaktionelle Leitung
Christlich-orthodox Anteil in %
13 Scientology An der Freilagerstrasse kann man mittels Kursen die Heilung der Seele erreichen. 50 Franken kostet die Einführung zum Scientologen.
Im Bewusstsein, dass dieses Thema durchaus kontrovers sein kann, haben wir uns hier der (journalistischen) Neutralität verschrieben. Wir möchten einen Einbilck gewähren, aber nicht werten. Denn jeder soll und darf glauben, was er oder sie will.
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12 Neuapostolische Kirche Die Freikirche hat seit 2015 einen Neubau gleich neben der James-Siedlung. Doch es mangelt an Nachwuchs.
Die Weihnachtszeit ist ja ideal, um sich wiedermal bewusst zu werden, was man dieses Jahr alles geleistet hat. Und natürlich passt auch das Hauptthema dieser Ausgabe zur aktuellen Jahreszeit: Wir widmen uns den Kirchen, Religionen und Glaubensrichtungen in unserer nahen Umgebung. Dabei haben wir einige diese Glaubenshäuser besucht und mit Menschen gesprochen, die eng damit verbunden sind.
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0,9 – 3,6
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Muslimisch Anteil in %
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4 Vielfalt der Religionen In der Stadt Zürich haben sich die Mitgliederanteile der verschiedenen Religionen stark gewandelt. Wir zeigen die wichtigsten Veränderungen. ●
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20,6 – 23,3
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Evangelisch-reformiert Anteil in %
30,8 – 36,1
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25,5 – 30,7
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20,1 – 25,4
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Es ist wirkich kaum zu glauben, aber unser Magazin geht bald schon ins vierte Jahr. Ihr haltet also die insgesamt 12. Ausgabe in den Händen. Wir sind natürlich sehr stolz darauf und danken allen, die sich bisher in irgend einer Form für das «Inside Freilager» engagiert haben.
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Konfessionslos Anteil in %
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Kaum zu glauben!
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15 %). Das hängt unter anderem mit den Nationalitäten-Verteilungen in diesen Stadtquartieren zusammen. Ähnlich sieht es bei den Christlich-Orthodoxen
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WER GLAUBT WAS
S TA DT Z Ü R C H E R R E L I G I O N S L A N D S C H A F T
Zürich und seine Religionen 5.2
Stadtquartiere
Die Wohnbevölkerung der Quartiere unterscheidet sich unter anderem nach Alter und Nationalität. Da die Religion stark von diesen beiden Faktoren abhängt, zeigen sich je nach Quartier verschiedene Religionsmuster: So zählt das Quartier Escher Wyss 47 Prozent Konfessionslose (K_5.1). Im Kreis 1 und in den Quartieren Seefeld, Mühlebach und Werd sind mehr als 40 Prozent konfessionslos. Römisch-Katholische sind im Westen der Stadt, den Quartieren Altstetten, Albisrieden und Hard, besonders häufig (zu je rund 34 %). Evangelisch-Reformierte sind in Wi-
tikon am stärksten vertreten (35 %), einem Quartier mit einem beträchtlichen Anteil älterer Menschen. Dort sind über zehn Prozent 80-jährig oder älter, was deutlich über dem städtischen Mittel von knapp fünf Prozent liegt. Saatlen, Schwamendingen-Mitte, Altstetten und Seebach haben die höchsten Anteile muslimischer Menschen in der Stadt Zürich (zwischen 10 und 15 %). Das hängt unter anderem mit den Nationalitäten-Verteilungen in diesen Stadtquartieren zusammen. Ähnlich sieht es bei den Christlich-Orthodoxen
Der Blick auf statistische Daten zeigt: In Zürich sind sowohl die Religionsvielfalt wie auch der Bevölkerungsanteil ohne Religion gewachsen. Von Noah Munzinger
Im Wandel Mit heute 34 Prozent ist aber nochmals eine andere Gruppe die grösste, nämlich die der Konfessionslosen. Seit den 1970er-Jahren ist es der am stärksten wachsende Bevölkerungsanteil. Die Anteile an Personen mit muslimischem, christlich-orthodoxem und jüdischem Glauben sind seit dem Jahr 2000 etwa konstant bei je ca. 2 bis 6 Prozent. Anhängerinnen und Anhänger des Hinduismus, Buddhismus und anderer Religionen kommen heute auf je ca. 1 bis 2 Prozent. Die Religionslandschaft ist aber immer nur eine Momentaufnahme und unterliegt stetiger Veränderung. Ursachen dafür können neben demografischen Prozessen wie Geburten, Todesfällen sowie Zu- und Wegzügen, auch Austritte und Konversionen sein. Konfessionslos … Die meisten Konfessionslosen finden sich bei den 25- bis 39-Jährigen. Das ist auch die Altersklasse, welche die meisten Austritte aus den beiden grossen Landeskirchen zu verzeichnen hat. Als Begründung wird dabei am häufigsten – und auffällig oft von älteren Personen – angegeben, dass sie mit den Stellungnahmen der Religi4
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Evangelisch-reformiert Anteil in %
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20,1 – 25,4
20,6 – 23,3
14,5 – 18,5
25,5 – 30,7
23,4 – 26,1
18,6 – 22,6
30,8 – 36,1
26,2 – 28,8
22,7 – 26,7
36,2 – 41,4
28,9 – 31,6
26,8 – 30,8
41,5 – 46,9
31,7 – 34,5
30,9 – 35,0
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Muslimisch Anteil in %
Unsicherheit (Prozentpunkte) 0,5 – 0,9 0,0 – 0,4 1,0 – 1,4
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Römisch-katholisch Anteil in %
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Konfessionslos Anteil in %
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Jüdisch Anteil in %
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Christlich-orthodox Anteil in %
0,9 – 3,6
0,2 – 1,9
1,4 – 2,6
3,7 – 6,5
2,0 – 3,7
2,7 – 4,0
6,6 – 9,3
3,8 – 5,4
4,1 – 5,3
9,4 – 12,2
5,5 – 7,2
5,4 – 6,7
12,3 – 15,1
7,3 – 9,1
6,8 – 8,1
1,5 – 1,9
2,0 – 2,4
2,5 – 2,9
onsgemeinschaft nicht einverstanden seien. Am zweithäufigsten – und vor 14 allem von jüngeren Personen – wird die Begründung genannt, nie einen Glauben gehabt zu haben. Die Vermeidung von Steuern oder anderen finanziellen Beiträgen erscheint erst auf Platz vier. Häufiger vertreten sind noch diejenigen, die ihren Glauben verloren hätten.
und Stadtzürcher, die sich selbst als spirituell bezeichnet, bezeichnet sich zusätzlich auch als religiös. Ebenso wenig scheint Religiosität an der aktiven Teilnahme an religiösen Veranstaltungen messbar zu sein. Wiederum nur etwa die Hälfte derjenigen, die sich selber als religiös bezeichnet, nimmt zumindest mehrmals im Jahr an religiösen Veranstaltungen teil.
… aber spirituell Religiosität und Spiritualität hängen für viele Menschen auch nicht zwangsläufig zusammen. Nur etwa die Hälfte der Stadtzürcherinnen
Quartiere Die verschiedenen Stadtquartiere zeigen charakteristische Religionsmuster. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass sich ihre Bevölkerungen auch
STATISTIK STAD T ZÜR ICH
Grafiken: Statistisches Amt Stadt Zürich
Vor 170 Jahren waren 93 Prozent der Stadtzürcher Bevölkerung noch evangelisch-reformiert. Seither hat sich die Religionsvielfalt stark erhöht. Begünstigt durch die Zuwanderungen in den 1910er- und 1960er-Jahren wuchs der Anteil an römisch-katholischen Personen stetig an. Letztere haben 1990 erstmals die anhaltende evangelisch-reformierte Mehrheit in der Stadt abgelöst.
Religionslandschaft grundlegend zu verändern – sie pen im Laufe der Zeit verändert? Die christkatholiwird vielfältiger. Immer mehr Menschen gehören sche Kirche wurde nach dem Ersten Vatikanischen nicht mehr den beiden Landeskirchen an. So haben Konzil im Jahr 1870 gegründet. Christkatholische die Konfessionslosen von 1970 bis heute von 2 auf wurden jedoch bis zur Volkszählung 1910 noch ge34 Prozent zugelegt. Die Anteile der Römisch-Ka- meinsam mit den Römisch-Katholischen ausgewietholischen nehmen ab – ein ungewohntes Bild nach sen. Getrennte Daten für Christkatholische liegen über hundert Jahren Zuwachs. Die Anteile der Evan- bloss für die Periode von 1920 bis 2000 vor; in dieser gelisch-Reformierten sind noch stärker gesunken als Zeit hat ihr Anteil von 3,5 auf 0,2 Prozent abgenomdie der Römisch-Katholischen. In den 1990er-Jah- men. Die Anteile der hinduistischen und buddhistiren nahm die muslimische und christlich-orthodoxe schen Menschen in der Stadt Zürich veränderten sich in Alter und Nationalität unterscheiwas mit dem hohen Anteil an älteren und Seebach besonders hoch. Jüdische Wohnbevölkerung in der Stadt Zürich zu, unter ande- in der Vergangenheit nur wenig; seit dem Jahr 2000 den. In den Quartieren Escher-Wyss, Personen einhergeht. In Altstetten und Personen leben besonders häufig in rem wegen Kriegen im ehemaligen Jugoslawien und betragen diese ungefähr je ein Prozent. Seefeld, Mühlebach und Werd sowie Albisrieden sowie im Quartier Hard den Quartieren Enge, Werd, Wollishoder damit verbundenen Zuwanderung. Im Jahr 2000
im Kreis 1 sind über 40 Prozent der Bevölkerung konfessionslos. Evangelisch-Reformierte hingegen sind in Witikon am stärksten vertreten,
leben besonders viele römisch-katholische Personen. Der Anteil muslimischer Bewohner ist in den Quartieren Saatlen, Schwamendingen, Altstetten
fen und Alt-Wiedikon. Die Daten wurden aus der Publikation «Analyse Stadtzürcher Religionslandschaft» der Stadt Zürich entnommen.
% 100 Konfessionslos Römisch-katholisch
90
Evangelischreformiert
80
Muslimisch Christlich-orthodox Jüdisch
70 60 50 40 30 20 10 0 1850
1870
1890
8
1910
1930
1950
1970
1990
2010
S TAT ISTIK STAD T Z ÜR ICH
5
KATHOLISCHE KIRCHE
Eine lebendige Gemeinschaft An der Saumackerstrasse 83 steht seit 1979 die heutige katholische Kirche Heilig Kreuz. Doch die Anfänge reichen viel weiter zurück. Wir haben uns die Kirche genau angeschaut. Von Lorenz Ineichen
Ursprung im 19. Jahrhundert Er empfängt mich mit offenen Armen im modernen, hellen Pfarrhaus. Auch die Kirche ist modern: Sie wurde 1979 feierlich eröffnet. Die Anfänge reichen aber weiter zurück: Als Altstetten noch ein kleines Dorf an der Landstrasse zwischen Zürich und Baden war, entstand die Idee, für die immer zahlreicher werdenden Bewohnerinnen und Bewohner – viele davon aus südeuropäischen Ländern zugewandert und katholisch – eine eigene Pfarrei zu gründen. Denn damals gab es in Albisrieden und Altstetten nur reformierte
Das Taufbecken.
6
Kirchen und die Katholiken mussten im St. Peter und Paul beim Stauffacher zum Gottesdienst. Den Turm gibt`s erst seit 1937 1899 begann man mit dem Bau einer neuen Kirche, dort, wo die heutige Kirche Heilig Kreuz steht. Als sie 1900 eingeweiht wurde, stand sie allein auf der grünen Wiese. Heute sieht man die Kirche kaum mehr. Sie ist umgeben von Wohnhäusern. Nur den markanten Turm, der stolz ein grosses Kreuz auf dem Dach trägt, erkennt man von Weitem. Man konnte sich ihn übrigens erst 1937 leisten. Im Inneren zeigt sich die Kirche modern, aufgeräumt, schlicht. Viel Holz und Beton, dazu eine raffinierte Lichteinlassung in der Decke, durch die das Tageslicht strömen kann. Die Gottesdienstbesucher sitzen im Halbrund und bilden soauch räumlich eine Gemeinschaft. Stolze 10`500 Mitglieder aus über 50 Nationen gehören dazu. Die Pfarrei lebt. Angebote für Kleinkinder Matthias Horat freut das. Er mag seinen Beruf, weil er Menschen jeden Alters, jeder Herkunft und jeder Prägung in ihrem Alltag begleiten kann. Er und seine Mitarbeitenden haben auch für die Bewohnerinnen und Bewohner des Freilagers ein offenes Ohr. Schon für Kleinkinder gibt es Angebote. Am Katholizismus gefällt Pfarrer Horat das Weltumspannende, die Einheit aller Gläubigen. Selbst am anderen Ende der Welt kann er einen katholischen Gottesdienst besuchen und erkennt ohne Kenntnisse der lokalen Sprache, was gebetet, gesungen und gefeiert wird. Denn katholisch geht zurück auf das altgriechische katholikós, was soviel bedeutet wie «allumfassend».
Der Turm der Heilig Kreuz Kirche.
Jeden Freitag ab 09.30 Uhr trifft sich im Erdgeschoss der Kirche die Eltern-Kind-Gruppe für Kinder jeden Alters und ihre Mütter/Väter, inkl. Frühstück und Spielmöglichkeiten. Teilnahme ohne Anmeldung. Gottesdienste immer samstags 17.30 Uhr und sonntags 10.00 Uhr. www.heiligkreuz-zuerich.ch
Bilder: Lorenz Ineichen
Es ist nicht selbstverständlich, dass eine katholische Pfarrei heutzutage überhaupt noch einen Pfarrer hat. Geschuldet ist das dem Priestermangel, der sich wegen des fehlenden Nachwuchses stetig verschärft. Doch die Pfarrei Heilig Kreuz Altstetten, zu der die katholischen Bewohnerinnen und Bewohner des Freilagers gehören, hat einen Pfarrer. Er heisst Matthias Horat, stammt aus Schwyz und ist mit 43 Jahren voll im Schuss.
ALBANISCHE ISLAMISCHE GEMEINSCHAFT
Gebetsraum im Geschäftshaus Zu Besuch in der Moschee an der Rautistrasse. Eine Begegnung mit der Welt des Islam und der sich hier versammelnden Gemeinschaft.
Ismail Ademi empfängt uns am Eingang des unscheinbaren Geschäftsgebäudes an der Rautistrasse 58. Er ist der Präsident der Moschee der Albanischen Islamischen Gemeinschaft Zürich. Mit dem Lift fahren wir in den dritten Stock und treten ein. Wir werden gebeten – wenn es uns denn nichts ausmache – die Schuhe auszuziehen. In einem Raum, der als Unterrichts- und Sitzungsraum dient, führt uns der äusserst freundliche Präsident nun geduldig in die Welt der Moschee und der sich hier versammelnden Gemeinschaft ein. Die Albanische Islamische Gemeinschaft ist ein Verein mit rund 350 Mitgliedern. Gesprochen wird hauptsächlich Albanisch, denn die meisten Mitglieder stammen aus Nordmazedonien, aus dem Kosovo und aus Südserbien. Es ist die erste albanisch-islamische Gemeinschaft der Schweiz, gegründet 1987 und seit 1999 hier zu Hause. Fünf Mal am Tag beten Jeden Tag wird in der Moschee fünfmal zum Gebet gerufen. Das Freitagsgebet ist das wichtigste – ein Gemeinschaftsgebet, an dem die Teilnahme Pflicht ist. Bis zu 200 Gläubige treffen jeweils ein, auch Angestellte aus der Nachbarschaft, die nicht albanischer Herkunft sind. Die Verständigung stellt kein Problem dar, denn die Gebete der Muslime werden weltweit auf Arabisch gehalten und bestehen meist aus Koranversen. Zwischen den Gebeten wendet sich der Imam auf Albanisch an die Betenden – mit der jüngeren Generation wird aber (Schweizer-)Deutsch gesprochen. Frauen sind selbstverständlich auch in der Moschee zugelassen, erläu-
tert Ismail Ademi, für sie ist ein separater Raum oder, wenn sich gleichzeitig Frauen und Männer in der Moschee befinden, der hintere Teil des Gebetsraums vorgesehen.
Präsident Ismail Ademi, Imam Nebi Rexhepi und Kassier Adem Mustafa (v.l.n.r)
Unentgeldliches Engagement Die Mitglieder stammen mehrheitlich aus dem Grossraum Zürich. Ismail Ademi wohnt im Aargau. Er, der sich hier (wie der gesamte Vorstand) ohne Bezahlung um organisatorische Belange kümmert, arbeitet aber gleich nebenan in Altstetten. So kann er hier regelmässig nach dem Rechten sehen. Nun ruft der Imam zum Gebet. Ismail Ademi bietet an, mit ihm im Gebetsraum dem Abendgebet beizuwohnen. Wir setzen uns ganz hinten hin und folgen der rund eine Viertelstunde dauernden Fürbitte, an der ein gutes Dutzend Gläubige teilnimmt. Im Raum verbreitet sich nun, kurz nach Sonnenuntergang, eine würdevolle Stimmung. Nach dem Gebet stellt uns Ismail Ademi den Imam, Nebi Rexhepi, und den Kassier, Adem Mustafa, vor. Sie beantworten geduldig unsere Fragen und erklären zum Beispiel die Linien auf dem Teppich, welche die nach Mekka ausgerichtete Anordnung für das Gebet vorgeben. Wie Ismail Ademi stammt auch der Imam aus Nordmazedonien. Er ist von der Gemeinschaft angestellt und prak-
Bild: Peter Egli
Von Peter Egli
tisch zu jedem Gebet in der Moschee. Adem Mustafa hingegen stammt aus dem albanisch besiedelten Gebiet in Südserbien. Mehr Zusammenarbeit als Ziel Die Gemeinschaft ist in diverse übergeordnete Netzwerke eingebunden, sei es die Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich VIOZ oder das Zürcher Forum der Religionen. Integrationsprojekte und interreligiöser Austausch werden stark gepflegt und einige Male wurde hier bereits ein Tag der offenen Moschee durchgeführt. Angesprochen auf die Zusammenarbeit mit anderen religiösen Gemeinschaften in Altstetten und Albisrieden, sind sich die drei Herren einig: In diesem Bereich möchten sie wieder mehr unternehmen. Der einst recht intensive Austausch sei in den letzten Jahren etwas eingeschlafen. Und auch auf die Einwohner/innen des Freilagers würden sie gerne zugehen. Spontan kommt die Idee auf, nächstens einmal alle Interessierten aus der Nachbarschaft in die Moschee einzuladen. Wer weiss, vielleicht führt dieses Treffen demnächst zu einem Besuchsangebot? 7
IMPRESSIONEN
Der Blick ins Innere
Wo gebetet, gepredigt, gelehrt und geschwiegen wird.
Von links nach rechts: Oben: Buddhisten-Tempel, Moschee, Neu Unten: Evangelisch-reformierte, Scientol
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Bilder: Lorenz Ineichen, Noah Munzinger, Mirko Hofmann, Kati Moser, Peter Egli
uapostolische logy, Heilig Kreuz
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KADAMPA MEDITATIONSZENTRUM
Buddhisten-Tempel im Quartier Das Kadampa Meditationszentrum Schweiz steht an der Mirabellenstrasse 1 in Altstetten. Das Programmangebot nimmt Rücksicht auf Frühaufsteher, wie auch auf Heimkehrende nach Büroschluss.
Herzlich empfängt mich Valentina Schweizer im Kadampa Meditationszentrum Schweiz (KMC), das in einem hellfarbenen, dreistöckigen Haus untergebracht ist. Im Parterre befindet sich eine Küche, eine Cafeteria mit hübschem Garten, ein Shop mit Bücher, Malas (Gebetsketten) und Buddhafiguren sowie das Kernstück des Hauses: Der Tempel. Durch die offene Tür schimmert die goldene Statue eines Buddhas in der Earth Touching Pose, d.h. die linke Hand im Schoss mit der Innenseite nach oben gerichtet, die rechte zum Boden zeigend. Der imposante Buddha sitzt hinter Glas auf einer Lotusblüte, Symbol für die Reinheit des Herzens, links und rechts weitere Buddhafiguren. Die vor ihm in Tüchern eingewickelten Bücher stehen symbolisch für seine Reden, die goldene Stupa für seinen Geist. Stühle und Kissen sind im Raum verteilt. «Zur Meditation brauchen wir nichts anderes als ein Sitzkissen oder einen Stuhl», erklärt Valentina Schweizer, Co-Leiterin des Zentrums, das sich seit 15 Jahren in Zürich-Altstetten befindet und Teil der Neuen Kadampa-Tradition – Internationale Union des Kadampa Buddhismus Geshe Kelsang Gyatso Rinpoche. ist. 10
Die Meditations-Zentrum gibt es auch einen kleinen Shop mit Café.
Weltumspannende Lehre Der Buddhismus hat weltweit um die 500 Millionen Anhänger und ist damit die viertgrösste Religion der Erde. Die Glaubenssätze der meisten buddhistischen Lehren beziehen sich auf umfangreiche philosophisch-logische Überlegungen. Gemeinsam ist allen Buddhisten, dass sie sich auf die Lehren des Siddharta Gautama berufen, der im 6. Jahrhundert v. Chr. lebte und der als «historischen» Buddha bezeichnet wird. Der Kadampa Buddhismus ist eine Schule des Mahayana-Buddhismus und wurde von dem grossen indischen buddhistischen Meister Atisha im 10. Jahrhundert n. Chr. gegründet. Durch die Aktivitäten des bekannten buddhistischen Meisters, des Ehrwürdigen Geshe Kelsang Gyatso, hat sich der Kadampa-Buddhismus in den letzten Jahren weltweit stark verbreitet. Die Unterweisungen in seinen zahlreichen Bücher sind mit dem modernen Leben kompatibel und
für jedermann verständlich. «Im KMC ist jeder willkommen, egal, was sein Hintergrund oder Glaube ist», erklärt Valentina Schweizer, die seit ihrem 18. Lebensjahr praktizierende Buddhistin ist. Das Zentrum finanziert sich über Mieteinnahmen – dreizehn Menschen wohnen im Gebäude, darunter drei Nonnen, ein Mönch und auch Valentina – und über Kurse. Das Angebot ist breit gefächert, unter der Woche gibt es um 7.30 und um 17 Uhr Meditation (auf Englisch). Beliebt sind auch die Tages- und Wochenendkurse mit vegetarischem oder veganem Brunch, sowie Workshops und Retreats in Zürich und der Region. Freiwillige Mitarbeit wird auch geschätzt, so bei den Workshops, im Garten, beim Kochen oder beim Sauberhalten des Zentrums. «Die Regel des Hauses lautet: Anderen nicht zu schaden und deshalb essen wir auch kein Fleisch.» Das finale Ziel all dieses Tuns: Inneren Frieden, Ausgeglichenheit und Positivität zu erlangen. www.kadampa.ch
Bilder: Kati Moser, ZVG
Von Kati Moser
EVANGELISCH-REFORMIERTE KIRCHE
Der grosse Zusammenschluss Dieses Jahr haben die Reformierten in Zürich ihre Kirche grundlegend verändert. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Von Noah Munzinger
Angebote für Jung und Alt Mit dem Zusammenschluss hat die Kirche unter anderem auf die sinkenden Mitgliederzahlen reagiert. Sie verliert jährlich rund ein halbes Prozent ihrer Mitglieder, insbesondere die 25- bis 40-Jährigen. Es ist auch die Altersklasse, für die es heute am wenigsten Angebote gibt. Die heutigen Angebote decken viel mehr die Bedürfnisse von Kindern und Familien sowie von älteren Personen ab. Für Kinder und Familien gibt es Familiengottesdienste, Kinderlager, Weihnachtsspiel, Eltern-Kind-Singen oder Religionsunterricht inklusive Mittagstisch. Ältere
Personen erfreuen sich über Gottesdienste in Altersheimen, Jass- und Spielnachmittagen oder das Tanzangebot Everdance. Im Angebot «Va bene» bekommen Seniorinnen und Senioren Weiterbildungen und Supervision im Umgang mit älteren und hochbetagten Personen. Ein anderes Angebot richtet sich an Flüchtlinge, die Deutschkurse besuDie Reformatoren Zwingli und Bullinger im Kirchenfenster. chen – einer davon speziell für Analphabeten – und wöchentlich ein Mittagessen Die Neue Kirche wurde 1951 eingevon einem afghanischen Koch genieweiht, besonders um der hohen Zahl ssen. Durch solche Projekte kommen der Protestanten im Quartier gerecht viele Personen teilweise zum ersten zu werden. Die Gestaltung wurde Mal mit der Reformierten Kirche in dabei so gewählt, dass neben GotBerührung, die dadurch auch Eintritte tesdiensten auch Gemeindeanlässe verzeichnen kann. veranstaltet werden können. Weitere evangelisch-reformierte Kirchen im Sechs Kirchen Kirchenkreis neun sind die Alte und In unserem Quartier stehen die Alte die Grosse Kirche Altstetten sowie die und die Neue Kirche Albisrieden. Die Kirchen Suteracher und Grüenau. Alte Kirche blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück. Bereits 1270 soll an Kirche vor Ort dieser Stelle eine Kapelle gestanden Neben den Kirchen ist die reformierte haben, die im Zuge der Reformation zu Kirche auch vor Ort aktiv. Eines dieser einer Kirche aufgewertet wurde. Das Angebote ist der FreiRaum auf dem Bauwerk erfuhr viele Veränderungen, Freilager Areal, genauer gesagt in der zuletzt erfolgte eine Innenrenovation Marktgasse. Dieser kann ab 20 Franken 2011. Im Innenraum stechen die Bildpro vier Stunden gemietet werden. nisse von vier Reformatoren, darunter Es finden darin diverse Angebote von Martin Luther und Philipp MelanchFamilienfeiern bis zu Seelsorge und thon, hervor. Sie ist jeden Tag offen Gebetsabenden statt. Durch das neue und beteiligt sich an Albisrieder Anläs- Schulhaus Freilager und die neuen sen wie Vielschau oder Adventsmarkt Wohnungen im Koch Areal dürfte der mit Turmbesteigungen und GospelFreiRaum in Zukunft an Wichtigkeit chor-Konzerten. gewinnen.
Bild: Noah Munzinger
2019 war für die reformierten Kirchen in Zürich das Jahr der grossen Veränderung. Nach einem rund 10-jährigen Vorbereitungsprozess haben sich 32 Kirchgemeinden per Abstimmung zu einer einzigen zusammengeschlossen. Entstanden ist die Reformierte Kirchengemeinde Zürich. Darin wurden die bisherigen Verwaltungen, Finanzen und Immobilien zusammengelegt. Auch die Kommunikation wurde vereinheitlicht, beispielsweise die Homepage und die Kirchenzeitung refomiert.lokal, um die Angebote besser sichtbar zu machen. Ein Zusammenschluss dieser Grösse ist schweizweit und vermutlich auch international einzigartig. Die neue Kirchgemeinde umfasst rund 80‘000 Mitglieder und 47 Kirchen. Sie ist in Kirchenkreisen organisiert, die das lokale Kirchenleben strategisch und operativ unterhalten. Altstetten und Albisrieden bilden zusammen den Kirchenkreis neun. Dieser umfasst rund 10‘000 Mitglieder, rund 40 Festangestellte, vier Pfarrerinnen, zwei Pfarrer und sechs Kirchen.
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NEUAPOSTOLISCHE KIRCHE
Eine Freikirche mit Tradition Seit 2015 steht an der Anemonenstrasse 41 ein prunkvoller Neubau. Darin befinden sich die Gemeinden der Neuapostolischen Kirche von Albisrieden und Wiedikon.
Auch viele Mitglieder der Landeskirchen wissen es nicht: Was ist die Neuapostolische Kirche (NAK)? Sie verfügt zwar über repräsentative Bauten in der ganzen Schweiz und ein Emblem mit hohem Wiedererkennungswert, doch für was sie steht und an was ihre Mitglieder glauben, ist weitherum unbekannt. Auch viele Bewohnerinnen und Bewohner des Freilagers sind sicherlich schon am modernen Bau der NAK in unserer Nachbarschaft vorbeigefahren und manche dürften sich gefragt haben, was in dieser Kirche stattfindet. «Das ist eines unserer Probleme, das ist uns bewusst – wir sind zu unbekannt», sagt Heinz Briner, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und mir bereitwillig Auskunft gibt. «Aber wir grenzen uns auch bewusst von anderen freikirchlichen Gemeinschaften ab, wie beispielsweise dem ICF, der für Jugendliche attraktiver scheinen mag mit seiner modernen Musik und den ekstatischen Gottesdiensten. Wir sind eine traditionellere Kirche.» Finanziert aus Mitglieder-Abgaben Die NAK ist eine christliche Freikirche, das heisst, sie ist nicht staatlich anerkannt und der Staat treibt für sie auch keine Steuern ein. Sie finanziert sich ausschliesslich über Abgaben ihrer Mitglieder, das Opfer, wie sie es nennt. Das funktioniert deshalb, weil fast alle Amtsinhaber unentgeltlich arbeiten. Man Das Emblem der NAK. sei da auch 12
Bilder: ZVG
Von Lorenz Ineichen
Der Neubau der Neuapostolische Kirche steht seit 2015.
nicht so streng wie andere Freikirchen, sagt Heinz Briner. Richtwert sei zwar der biblische Zehnt, also 10 Prozent des Einkommens, aber viele Mitglieder könnten sich das nicht leisten. Viele Mitglieder opferten auch durch Mitarbeit im kirchlichen oder seelsorgerischen Dienst. Im Gegensatz zu den katholischen und den evangelisch-reformierten glauben die neuapostolischen Christen an die Wiederkunft Jesu Christi auf Erden. Diesen Glauben führen sie direkt auf die Bibel zurück, in der es heisst, dass Christus genauso wiederkomme, wie er in den Himmel aufgefahren sei. Fehlender Nachwuchs Im Alltag treiben die NAK aber die gleichen Sorgen um wie die Landeskirchen: Die Gemeinschaft in der Schweiz ist überaltert, es gibt immer weniger Nachwuchs. Nun hat sie die Debatte über Ordinationen von Frauen angestossen. Heinz Briner stellt in Abrede, dass dies direkt mit Nachwuchsmangel zu tun habe. Vielmehr wolle man die Stellung der Frau verbessern. Die NAK ist auf allen Kontinenten
dieser Erde präsent und hat weltweit 9 Millionen Mitglieder. Entstanden ist sie 1863 in Hamburg, nachdem sich 1832 bereits in England manche Katholiken und Anglikaner das urchristliche Apostelamt zurückgewünscht und die katholisch-apostolische Kirche gegründet hatten. Die NAK ist also eine Abspaltung von der katholisch-apostolischen Kirche und nicht etwa von der evangelisch-reformierten Kirche. Sie verbreitete sich rasch weltweit, vor allem auch in Afrika. Neubau dank Zusammenführung Die NAK-Gemeinde Zürich-Albisrieden wurde 1922 gegründet. Der 2015 eröffnete Neubau an der Anemonenstrasse entstand infolge der Zusammenführung mit der Gemeinde Zürich-Wiedikon. Willkommen sind dort alle, auch Nichtmitglieder. Gottesdienste finden immer mittwochs 20.00 Uhr und sonntags 09.30 Uhr statt. www.nak.ch www.zh-albisrieden.nak.ch
SCIENTOLOGY
Mit Kursen zur Weisheit Einfache Sitzungszimmer und Schulungsräume, kein Pomp oder Prunk. Darin wird gelehrt, wie man die Weisheit erreichen kann, um die menschliche Seele zu befreien und zu heilen. Von Mirko Hofmann
Einführungskurs für 50 Franken Hier betrete ich – gemäss eben dieser Aufschrift – eine Kirche, die erste seit langem. Und im Gegensatz etwa zum Grossmünster, wo ich vor 15 Jahren mein Uni-Diplom erhalten habe, wirkt die Scientology-Kirche sehr karg, Pomp und Prunk fehlen hier gänzlich. Jürg Stettler, Präsident und Pressesprecher der Zürcher Sektion empfängt mich. «Religion ist grundsätzlich immer kontrovers», antwortet er auf die Frage, warum viele Menschen seine Kirche eher kritsch sehen. Es habe aber auch damit zu tun, dass Scientology nach aussen kommuniziert, sich etwa gegen angebliche Missbräuche in der Psychiatrie oder gegen Drogenkonsum engagiert, aber auch missioniert. Wer sich selbst ein Bild machen will, wie Scientology funktioniert und wie die Lehre aussieht, der kann für 50 Franken einen Einführungskurs buchen. Dort wird man auch von der Brücke zur völligen Freiheit hören. Alle Religionen sind willkommen Gemäss Scientology ist sie der Weg, dem man folgen muss, um völlig frei zu werden. Sie ist exakt und enthält ein genau vorgegebenes Vorankommen. Mittels Kursen lernt man alles Nötige für eine Stufe (Klasse) und bei bestandener Prüfung kann man eine Klasse höher aufsteigen. Oberstes
Bilder: Mirko Hofmann
In grossen blauen Lettern, an einer hellen Fassade eines eher unscheinbaren Gebäudes steht «Scientology Kirche». Ansonsten könnte man an der Freilagerstrasse 11 auch davon ausgehen, eine Mensa würde sich hier befinden: ein paar rauchende Personen vor dem Eingang und ein Kundenstopper mit dem «Menu» darauf.
Nur an der blauen Schrift lässt sich erkennen, dass hier der Eingang zu einer Kirche ist.
Ziel ist die Befreiung und Heilung der Seele. Die Kurse kosten natürlich Geld. Eine Weiterbildung auf dem Weg in obere Klassen kann mit bis zu 1500 Franken zu stehen kommen. «Wir finanzieren uns ausschliesslich über Kurse und Beratungen», sagt Stettler. Willkommen seien dabei alle Menschen, egal welche Religion sie Das Scientology Kreuz. haben. Beratung bei Problemen kostenlos Wer jedoch ein (psychisches) Problem hat, der kann die Beratungsdienste auch kostenlos in Anspruch nehmen. Mit Hilfe eines so genannten E-Meters oder Elektropsychometers werden
Änderungen des elektrischen Widerstands des Körpers als Zeigerbewegung sichtbar gemacht. Das E-Meter wird mit beiden Händen an den Elektroden festgehalten und hilft, grössere Probleme oder mentale Blokaden zu erkennen. Medizinisch ist das E-Meter jedoch umstritten. Altersdurchschnitt steigt Früher seien gemäss Stettler vor allem Menschen zwischen 25 und 30 Jahren bei Scientology dabei gewesen. Heute liege der Schnitt etwa zwischen 45 und 50 Jahren. In Zürich engagieren sich rund 100 Leute im Vorstand der als Verein gemeldeten Organisation, 70 Prozent davon sind Frauen. Dass Scientology Zürich in Albisrieden zuhause ist, dürfte Zufall sein. In den nächsten Jahren will sie in ein eigenes, grösseres Gebäude umziehen. Bevor ich das wenig spekatakuläre Gebäude verlasse, kriege ich noch eine Broschüre in die Hand gedrückt: «Der Weg zum Glücklichsein.» Den habe ich aber für mich bereits gefunden.
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PASTAFARIANER
Die ungläubigen Gläubigen Von den gut 30 Prozent der Konfessionslosen in der Schweiz haben einige ihre ganz eigene Religion. Die Pastafarianer etwa glauben an das Spaghetti-Monster. Von Ben Liechti
Pastafarianer & Spaghetti-Monster Nein, denn rund die Hälfte der Befragten gehören zwar keiner der Landeskirchen respektive keiner der Weltreligionen an, sie sind aber Anhänger oder Sympathisanten der noch wenig bekannten Pastafarianer und werden in der Statistik zu unrecht als Konfessionslose geführt. Erst im Jahre 2005 erkannte Bobby Henderson, ein amerikanischer Physiker, dass es das nicht nachweisbare, fliegende Spaghettimonster war, welches unsere Welt und das Universum erschaffen hatte. Alle Hinweise auf eine Evolution wurden von ebendiesem bewusst gestreut, um die Menschen zu verwirren. Auch das Konzept der Gravitation ist eine Illusion. Das Spaghettimonster drückt alles mit seinen unsichtbaren Tentakeln nach unten – Erdanpressung wäre das richtige Wort. Gleichgewicht Mensch und Natur Die ersten Anhänger des «flying spaghetti monster» waren die Piraten. Diese verstanden damals die Zeichen des Schöpfers und sorgten durch die
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Bilder: ZVG
Eine nicht ganz repräsentative Umfrage unter vier konfessionslosen Bewohnern des Freilagers hat ergeben, dass «konfessionslos» keinesfalls zu bedeuten hat, dass jemand keinen Glauben hat, gut von böse nicht unterscheiden kann und nur wissenschaftliche Erklärungen für unser Dasein nennen kann.
Piraten gelten als erste Anhänger des Spaghetti-Monsters.
Einhaltung der 8 «Mir wär’s wirklich lieber, du würdest nicht …», die das Spaghettimonster an den Piratenkapitän Mosey übergeben hat, für ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur.
geschichte im Biologieunterricht gleichberechtigt zur Evolutionstheorie gelehrt werden soll. Bobby Henderson forderte darauf, dass auch die Schöpfungstheorie des Spaghettimonsters gleichberechtigt gelehrt werden muss.
In die Lehre aufnehmen? Als es den Piraten aber Anfang des 19. Jahrhunderts an den Kragen ging, verschlechterte sich auch der Zustand unseres Planeten. Mit sinkender Anzahl Piraten nahm die globale Durchschnittstemperatur stetig zu. Einige mögen diese Lehre als Religionsparodie verstehen, die als Verteidigung der Evolutionslehre entstand. Die Intelligent-Design-Bewegung sorgte vor rund 20 Jahren in einigen US-Bundesstaaten dafür, dass die Schöpfungs-
Noch immer populär Die Pastafarianer erfreuen sich noch heute über wachsende Popularität und setzen sich für ein Zusammenleben in Frieden und mit Freude ein.
KULTURTIPPS
Brainfood für den Herbst Über Weltreligionen, eine vorwitzige Katze und das Licht. Von Kati Moser
COMIC
«Die Katze des Rabbiners – Sammelband I»
FILM
«The Current War» – Gleichstrom gegen Wechselstrom
Religionen faszinieren. Jeder glaubt an etwas, sei es an einen oder mehrere Götter, an eine höhere Macht im Universum, an die verstorbenen Seelen der Ahnen, an die Natur. Oder eben an nichts. Doch wie sind diese Glaubensrichtungen entstanden? Seit wann gibt es Judentum, Christentum, Islam? Animismus, Buddhismus, Hinduismus? Das «Religionen-Buch – Grosse Ideen einfach erklärt» verschafft einen tiefen Einblick und ist hilfreich bei der zeitlichen Einordnung der Religionen. Über 100 Glaubenssätze, Rituale und Mythologien werden so erklärt, dass man
sie leicht versteht. Zudem werden dank innovativen Grafiken, Diagrammen und Fotografien Zusammenhänge auf einen Blick klar. Die Spannweite reicht von Stammesreligionen seit der Vorzeit über antike Religionen bis zu den Weltreligionen und modernen Glaubensrichtungen. Biografien zu den bedeutendsten religiösen Denkern, Kurzporträts der verschiedenen Richtungen sowie ein Register und ein Glossar bereichern dieses wichtige und spannende Sachbuch.
Die Katze des Rabbiners – eigentlich ein Kater – ist vorlaut, intelligent, raffiniert. Und ein dreister Lügner. Nachdem er sich den Hauspapageien einverleibt hat, beginnt er zu sprechen und fordert mit seiner Hartnäckigkeit die Geduld des Rabbiners heraus. Als dieser ihm den Umgang mit seiner Tochter Zlabya verbietet, muss aus dem frechen Kater ein guter Jude werden – und dazu gehört auch eine Bar-Mizwa, die Feier zur religiösen Mündigkeit. Doch die Einwände des Oberrabbiners sind nicht leicht zu ignorieren. Im Sammelband sind drei Ge-
schichten zusammengefasst: «Die BarMizwa», «Malka, der Herr der Löwen» und «Exodus». Joann Sfar siedelt seine moderne Fabel, die Einblicke in die Kultur und Geschichte des Judentums gewährt, in der jüdisch-sephardischen Gemeinde im Marokko der 1920er Jahre. Die Zeichnungen sind witzig, der Kater zum Verlieben. Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Joann Sfar wurde 1971 in Nizza geboren. Er gehört zu den wichtigsten Autoren der französischen Comic-Szene.
Im Film «The Current War» des Amerikaners Alfonso Gomez-Rejon geht es nicht um Erleuchtung, sondern um Beleuchtung. Er schildert das spannende und teils äusserst unkorrekte Wetteifern zweier brillanten Erfinder und Geschäftsleute um die Einführung eines marktfähigen und nachhaltigen Elektrizitätssystems. Die Rivalen sind Thomas Edison, gespielt von Benedict Cumberbatch, und George Westinghouse, interpretiert von Michael Shannon. Ende der 1880er Jahre ist die Welt bereit für ein flächendeckendes Stromnetz, jeder Haushalt soll
«Das Religionen-Buch», Verlag DK
«Die Katze des Rabbiners – Sammelband I“ von Joann Sfar, Avant Verlag
mit Elektrizität versorgt werden. Der Traum ist kurz davor, Wirklichkeit zu werden, doch die beiden Männer, die dies bewerkstelligen könnten, sind sich keinesfalls einig. Während die Edison Electric Light Company Gleichstrom bevorzugt, setzt Westinghouse Electric Company auf Wechselstrom. Edison kämpft vor Gericht um das Patent seiner Glühlampen, Westinghouse muss die Menschen überzeugen, dass seine Wechselspannung nicht gefährlich ist. Fazit: Ein historischer Film mit viel Spannungspotenzial. «The Current War», ab 21.11. im Kino
Bilder: ZVG
SACHBUCH
«Das Religionen-Buch – Grosse Ideen einfach erklärt»
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Gemütlichkeit für die Weihnachtszeit Während den dunklen und kalten Wintertagen wollen wir es uns in unserem Quartier gemütlich machen. Wir haben ein paar tolle Projekte geplant – und freuen uns auf euer Mitwirken. Von Nora Herbst
Freilager Weihnachtsbaum In diesem Jahr möchten wir den Weihnachtsbaum auf dem Freilager Platz gemeinsam mit euch schmücken. Ihr seid alle herzlich eingeladen, euren selbstgebastelten Baumschmuck mitzubringen und selber aufzuhängen. Der Event findet am 30. November um 15.00 Uhr statt. Damit wir auf unseren Baum zusammen anstossen können, werden wir für warme Getränken besorgt sein.
Weihnachtsfest Das Freilager feiert Weihnachten am 14. Dezember ab 16.00 Uhr auf dem Freilagerplatz. Um 17.00 Uhr versammeln wir uns um den geschmückten Weihnachtsbaum herum und singen mit dem Freilager Chor mehrsprachige Weihnachtslieder. Wir offerieren euch leckere Guetsli, Mandarinli und Glühwein. Wir freuen uns auf euch.
Hast du Lust mitzumachen? Wir freuen uns, wenn du dich mit deinen Ideen einbringst, bei unseren Events mithilfst und uns als Mitglied unterstützt. Weitere Infos auf www.freilager.org.
Bilder: Quartierverin A-Ha, Alexandra Otto, Freilagerverein
Adventsfenster Wie ein Adventskalender, bei dem täglich ein neues Türchen geöffnet wird, soll im Freilager während der Adventszeit jeden Abend ein neues Fenster erstrahlen und das Quartier weihnachtlich verzaubern. Damit der Adventskalender zustande kommt, sind wir noch auf der Suche nach engagierten Nachbarn, die ein Fenster gestalten möchten. Melde dich bis zum 24. November bei lisa@freilager.org.