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Catherine Lechner: Fritz Koppe

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Catherine Lechner

Fritz Koppe Ein Leben für den Konsumentenschutz


Catherine Lechner

FRITZ KOPPE Ein Leben für den Konsumentenschutz


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Bibliographic information published by the Deutsche Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek lists this publication in the Deutsche Nationalbibliografie; detailed bibliographic data are available in the Internet at http://dnb.d-nb.de.

Coverabbildung: © Copyright 2015 von Barbara Kintaert

ISBN-13: 978-3-8382-1829-8 © ibidem-Verlag, Stuttgart 2023 Alle Rechte vorbehalten Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und elektronische Speicherformen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. All rights reserved. No part of this publication may be reproduced, stored in or introduced into a retrieval system, or transmitted, in any form, or by any means (electronical, mechanical, photocopying, recording or otherwise) without the prior written permission of the publisher. Any person who does any unauthorized act in relation to this publication may be liable to criminal prosecution and civil claims for damages.

Printed in the EU


Vorwort Fritz Koppe war nicht nur der „Konsumentenpapst“, sondern auch an der Schaffung des Lebensmittelgesetzes 1975 und des Konsumentenschutzgesetzes 1979 beteiligt. Er engagierte sich für die Rechte der Konsumenten 1 und trug deshalb den eingangs erwähnten Beinamen „Konsumentenpapst“. Über das Lebensmittelgesetz 1975 habe ich im Jahr 2020 meine Masterarbeit an der Universität Wien bei Prof. Dr. Peter Becker verfasst und damals ein Kapitel Fritz Koppe gewidmet. Dieses Material, welches sich im Nachlass von Dr. Fritz Koppe befand, bildete die Grundlage für weitere Forschungen. Der gesamte Nachlass von Fritz Koppe wird im Sozialarchiv der AK aufbewahrt und ist nach Sachthemen geordnet. Dieser Nachlass entspricht nicht nur den zeitgeschichtlichen Überlieferungen, sondern vermittelt auch ein kulturhistorisches Bild und ist bedeutsam für die weitere Forschung. Fritz Koppe war ein Mensch, der für seine Überzeugungen gelebt hat und dessen wichtigstes Ziel es war, die Bevölkerung über die Konsumentenrechte aufzuklären, um sie unter anderem vor gesundheitlichen Schäden zu bewahren. Ich habe von ehemaligen Mitarbeitern von Fritz Koppe Informationen über seine Tätigkeit erhalten. Dieser Umstand ermöglichte es mir, Näheres über ihn zu erfahren. Ich möchte allen Gesprächspartnern und Personen danken, die zusätzliches Material zur Verfügung gestellt haben, und von diesen einige hervorheben. Besonders erwähnen möchte ich Frau Maria Ettl, Koppes langjährige Sekretärin und Managerin 34 Jahre hindurch im VKI (jetzt in Pension, aber noch immer tätig als Direktorin des Bezirksmuseums Wien-Josefstadt), welche mir mit Rat und Tat Hilfestellungen leistete. Frau Barbara Kintaert war 34 Jahre lang als Sachbearbeiterin in der SOWIDOK beschäftigt und mit der Beschlagwortung von Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln bis Ende 2001 sowie der Betreuung von Leser und Leserinnen bis Ende 2020 betraut. In diesen Funktionen konn1

Auf Gendern des Texts wurde verzichtet, weil dies in der von dieser Arbeit beschriebenen Zeit noch nicht üblich war.

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te sie mir viele relevante Artikel zur Erstellung der Biographie von Fritz Koppe zur Verfügung stellen. Bei Herrn Peter Hauer-Pawlik, möchte ich mich ebenfalls für seine Unterstützung bedanken.


Inhaltsverzeichnis Vorwort................................................................................................... 5 1.

Einleitung ....................................................................................... 9 1.1 Begründung und Ziel dieser Biographie ............................ 9 1.2 Die Familie Fritz Koppes .................................................... 11 1.2.1 Eltern und deren Geschwister im Nationalsozialismus .................................................. 11 1.2.2 Fritz Koppe in der Sozialistischen Jugend (1.12.1954 – 30.4.1958) ............................................... 24 1.2.3 Der berufliche Werdegang von Fritz Koppe .......... 28

2.

Konsumentenschutz: Die Vorgeschichte ............................... 45 2.1 Die internationale Entwicklung der Konsumentenrechte und des Konsumentenschutzes.. 45 2.2 Die Entstehung der Zeitschrift „Konsument“ in Österreich seit 1961 .......................................................... 61 2.3 Die Aufgabe und Entstehung des politischen Konsumentenbeirats ........................................................ 68

3.

Fritz Koppe und das Konsumentenschutzgesetz 1979......... 91 3.1 Die politische Vorgeschichte des Konsumentenschutzgesetzes 1979 ................................. 91 3.2 Der Gesetzgebungsprozess im Parlament ...................... 101 3.3 Das neue Lebensmittelgesetz (LMG) 1975 und die Mitwirkung Fritz Koppes .............................................. 122

4.

Fritz Koppe und die Lebensmittelskandale ........................ 133 4.1 Der Fleischskandal............................................................. 133 4.2 Der Weinskandal ............................................................... 137

5.

Fritz Koppe und der Verein für Konsumenteninformation (VKI) ........................................... 145 5.1 Die historische Entwicklung des VKI und seine Aufgaben ............................................................... 145 5.2 Die Veränderungen im VKI nach dem EU-Beitritt ....... 167 7


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FRITZ KOPPE Das Ausscheiden Fritz Koppes aus dem VKI und der AK ......................................................................................... 177 6.1 Fritz Koppes weitere Funktionen nach seiner aktiven Laufbahn ............................................................ 177 6.2 Nachrufe auf Fritz Koppe ................................................. 184

7.

Zusammenfassung.................................................................... 189

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Verwendete Quellen und Literatur ....................................... 195 8.1 Archivalien des Österreichischen Staatsarchivs ............ 195 8.2 Archivalien des Parlamentsarchivs ................................. 195 8.3 Archivalien des Bezirksmuseums Wien-Josefstadt ....... 196 8.4 Archivalien des Instituts für Historische Sozialforschung (AK) ..................................................... 196 8.5 Archivalien des Bundesministeriums für Handel, Gewerbe und Industrie .................................................. 200 8.6 Literatur .............................................................................. 200 8.7 Schriftstücke aus einer Privatsammlung ........................ 206

9.

Internetressourcen .................................................................... 209

10. Verzeichnis der Interviewpartner ......................................... 211 11. Abbildungen ............................................................................. 213 11.1 Firma Neuber .................................................................... 213 11.2 Zeugnisse von Fritz Koppe ............................................. 214 11.3 Bilder von Fritz Koppe..................................................... 216


1. Einleitung 1.1 Begründung und Ziel dieser Biographie Das Hauptziel meiner Biographie ist es, einen umfangreichen Gesamtüberblick über Fritz Koppes Tätigkeiten und besonders den Konsumentenschutz, die Entstehung der Zeitschrift „Der Konsument“, den Verein für Konsumenteninformation (VKI) sowie Koppes privates Umfeld zu skizzieren. Interessanterweise wurde Koppes Persönlichkeit aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht bearbeitet. Meine Forschungsarbeit verfolgt vorrangig folgende Zielsetzungen: 1.

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4.

5.

Fritz Koppes Biografie, d.h. seine Eltern, Großeltern sowie seine eigene „halbjüdische“ Herkunft nach den „Nürnberger Rassengesetzen“ und die Ermordung seiner jüdischen Verwandtschaft im Zweiten Weltkrieg. Er wurde von den Nationalsozialisten als sogenannter „Mischling ersten Grades“ eingestuft, was für ihn eine Diskriminierung bedeutete. Fritz Koppes politische Karriere: Er war z.B. langjähriger Sprecher der Sozialistischen Jugend und öfters bei der internationalen Organisation der sozialistischen Jugend (IUSY) tätig. Koppes berufliche Laufbahn als Konsumentenschützer sowie sein Einsatz in der Arbeiterkammer (AK) und als Wegbereiter der Zeitschrift „Konsument“. Koppes Engagement für das Konsumentenschutzgesetz 1979 und das Lebensmittelgesetz (LMG). Er engagierte sich für den Gesundheitsschutz und trat unter anderem für die Kennzeichnungspflicht ein, die zu weitreichenden Verbesserungen für die Konsumenten führte. Koppes Freundschaft und Zusammenarbeit mit Josef Staribacher im Handelsministerium, wo er zunächst als Sekretär des Ministers für konsumentenpolitische Angelegenheiten zuständig und ab 1973 Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) war. Im

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1.

2.

3. 4. 5.

Rahmen der Recherchen wurden folgende Quellenbestände bearbeitet: Koppes Nachlass in der Arbeiterkammer. Hier finden sich wichtige Primärquellen, die das Zeitgeschehen dokumentieren. Stenographische Protokolle und Unterlagen zum Gesetzgebungsprozess aus der Parlamentsbibliothek, die den Diskurs in den Medien und in der Öffentlichkeit sowie dessen politische Auswirkungen belegen. Quellen des Bundesministeriums für Konsumentenschutz. Kommentare in den Zeitungen und die dazugehörige Debattenanalyse. Ministerratsprotokolle, die die Entstehung der Gesetzgebung dokumentieren. Die Vorbereitung des Konsumentenschutzgesetzes war ein zentraler Punkt, weil dabei unterschiedliche Interessen und Ordnungsvorstellungen aufeinandertrafen. Die vorliegende Arbeit stützt sich hauptsächlich auf den Nachlass Fritz Koppes sowie „Erinnerungsstücke und private Dokumente, bereitgestellt von der Schwiegertochter Barbara Kintaert“, sowie auf die Aufzeichnungen Maria Ettls vom Bezirksmuseum WienJosefstadt, das Material im Archiv des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und auf Gespräche mit Zeitzeugen. Nachdem ich die Quellenlage gesichtet und interessante Unterhaltungen mit ehemaligen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Koppes geführt hatte, habe ich mich dazu entschlossen, mich dem Menschen Fritz Koppe wissenschaftlich anzunähern. Sein persönlicher Nachlass ist ein zeithistorisches Dokument und deshalb zeige ich in dieser Biografie die bedeutendsten Innovationen Koppes auf. Seine Tätigkeiten sind dermaßen umfangreich, dass sich in der weiteren Forschung noch mehr Erkenntnisse über seine Tätigkeit herauskristallisieren dürften.

Meine Forschungen beziehen sich nicht nur auf Koppes historische Biografie, sondern sind vor allem mit seinem politischen Wirken für den Konsumentenschutz in der Arbeiterkammer ver-


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bunden. Der Gegenstand der Arbeit umfasst damit eine soziologische und historische Bearbeitung der Person Fritz Koppe und seiner Familie sowie der vielen Tätigkeiten, welche er im Lauf seines Lebens ausübte. Ohne einen geschichtlichen Blick auf die Entstehung des Konsumentenschutzgesetzes, der daraus abgeleiteten Rechte der Konsumenten und Konsumentinnen sowie der Zeitung „Konsument“ sind die Entwicklungen nicht zu verstehen. Konsum und Konsumentenrollen unterliegen einer Veränderungsdynamik, welche nicht abgeschlossen ist, wie z.B. die Kennzeichnungspflicht im neuen Lebensmittelgesetz. Fritz Koppe hat sich mit den fachwissenschaftlichen Themen intensiv beschäftigt. Diese Ausführungen fanden in seinen Büchern einen weiteren Niederschlag. Seiner Hartnäckigkeit und Deutlichkeit ist es zu verdanken, dass viele Neuerungen, z.B. die Einführung des Konsumentenschutzes, umgesetzt wurden. Es scheint dennoch so, als ob er in Vergessenheit geraten wäre. Deswegen war es mir ein Anliegen, über Fritz Koppe zu schreiben, um sich an ihn als Mensch und an seine Leistungen zu erinnern.

1.2 Die Familie Fritz Koppes 1.2.1

Eltern und deren Geschwister im Nationalsozialismus

Der väterliche Großvater von Fritz Koppe, Carl W. Koppe, stammte aus Preußen bzw. aus dessen Provinz Brandenburg und war Maurer. Mit seiner ersten Frau, Lina Neupert, hatte er zwei Kinder, Max und Grete, die in Luckenwalde (zwischen Leipzig und Berlin) geboren wurden. Nach dem frühen Tod seiner Frau heiratete Carl erneut und bekam mit seiner zweiten Ehefrau einen weiteren Sohn und eine Tochter. Die Familie war evangelisch/protestantisch nach dem Augsburger Bekenntnis (A.B.).2 Max Koppe, geboren am 24.9.1887 in Luckenwalde, besuchte in seiner Heimat sechs Jahre die Volksschule und absolvierte nach einer weiterführenden Schule eine Ausbildung als Schriftsetzer.3 2

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Vgl. Barbara Kintaert, Biographischer Abriss der Herkunftsfamilie von Fritz Koppe, Wien Februar 2021, 1. Vgl. Kinderfreunde-Archiv, Max Koppe, Laudatio-Text.


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Als er die Lehrzeit 1906 beendet hatte, ging er auf Wanderschaft, d.h. „auf die Walz.“4 Fritz Koppe erinnerte sich 2009: „Mein Vater wollte die Welt kennenlernen. Deshalb verließ er Luckenwalde und ging auf die Walz. 5 Fritz Koppe schildert in seinen handschriftlichen Aufzeichnungen, dass sein Vater von Buchdruckerei zu Buchdruckerei wanderte und seinen Sonntagsanzug in einem Koffer mit der Bahn hunderte Kilometer vorausschickte, um ihn zu schonen. Dieser Anzug war dann ein regelmäßiger Begleiter von Max Koppe. Er trug ihn so oft wie möglich, z.B. auch „auf seiner Walz“, die ihn von Luckenwalde bei Berlin bis Straßburg, durch das Rheinland und die östliche Schweiz bis nach Wien führte. Dieser Anzug blieb für Max Koppe immer das Ideal eines „guten Stückes.“ 6 Diese Strecken legte er meistens zu Fuß zurück. 1910 ließ er sich für immer in Wien nieder.7 Max Koppe arbeitete immer wieder in seinem erlernten Beruf. Fritz Koppe berichtete über seinen Vater: „Es gab zwei Dinge, die er immer tat, wenn er in eine neue Stadt kam: Er meldete sich erstens bei der Buchdruckergewerkschaft und zweitens bei den Sozialdemokraten.“8 Max Koppe baute in Wien zusammen mit Max Winter (ein österreichischer Journalist und Politiker, 1870-1937) die sozialdemokratische Bildungseinrichtung „Kinderfreunde Leopoldstadt“ auf, wobei seine spätere Frau, Berta Fleischer von Beginn an dabei war. Mitglieder dieser Organisation beaufsichtigten gegen einen geringen Mitgliedsbeitrag Kinder deren Eltern sie ihnen zeitweilig anvertrauten9 Überdies hatte nahezu niemand von den Funktionären und den beaufsichtigten Kindern der „Kinderfreunde Leopoldstadt“, die alle der Sozi-

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Vgl. Kintaert, Biographischer Abriss, 1. Märkische Allgemeine, Luckenwalder Nachrichten, Beilage, Ausflüge und Bücher, Max Koppe ist Mitbegründer der Leopoldstädter Kinderfreunde/Nachfahren leben in Wien, 8.1.2010. Vgl. Fritz Koppe, Im Kampf gegen Gauner und Geschäftemacher, unveröffentlichtes Typoskript, Wien 16.6.1980, 1-2. Vgl. Kintaert, Biographischer Abriss, 1. Märkische Allgemeine, Luckenwalder Nachrichten, Beilage, Ausflüge und Bücher, Max Koppe ist Mitbegründer der Leopoldstädter Kinderfreunde/Nachfahren leben in Wien, 8.1.2010. Ebd.


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aldemokratie angehörten und fast alle jüdischer Abstammung waren, die Judenverfolgung überlebt.10 1962 verfasste Max Koppe das Heft „50 Jahre Kinderfreunde, eine politische Chronik in der Leopoldstadt“. Darin beklagte er, dass es keine Wiedergutmachung für die Kinderfreunde gab.11 Max Winter, der 1889 die „Arbeiterzeitung“ gegründet hatte, war gleichzeitig einer deren Redakteure.12 Da sein Vater gewalttätig war, wollte er schon früh die gesellschaftlichen Zustände ändern.13 Es war ihm ein großes Bedürfnis, mehr Verständnis für Kinder zu erwirken. So gründete er unter anderem 1910 die Ortsgruppe „Alsergrund“.14 Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde Max Koppe nicht zum Kriegsdienst eingezogen, weil er lungenkrank (TBC) war. Während viele seiner Freunde zum Kriegseinsatz verpflichtet wurden, wurde Max Koppe mit der Leitung der Kinderfreunde beauftragt. 15 Er berichtete: „Nachdem ich nun das Glück hatte, mein Vaterland nicht verteidigen zu müssen, übernahm ich nun die Obmannstelle der Kinderfreunde – eine Funktion, die erst am 13. Februar 1934 von der Polizei in einer Kerkerzelle im PraterKommissariat als beendet erklärt wurde.“ 16 Kurzfristig wurde Max Koppe im Februar 1934 unter dem Verdacht inhaftiert, Waffen des Schutzbundes zu verstecken17 Er leistete bereits im April 1945 als neuerlicher Vereinsobmann einen wesentlichen Beitrag zur Wiedererrichtung der Ortsgruppe Wien-Leopoldstadt der österreichischen Kinderfreunde. Nebenbei übte er viele Jahre lang verlässlich die Funktion eines Kontroll- und Überwachungsaus-

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Vgl. Kintaert, Biographischer Abriss, 2. Vgl. Max Koppe, 50 Jahre Kinderfreunde Leopoldstadt, Eine politische Chronik, Mai 1962, 28. Vgl. Gabrielle Selbherr, Max Winter. Sein Wort sprach für Freiheit und Recht. Seine Feder diente den Verkannten und Enterbten. Sein Herz aber schlug für die Kinder, phil. Diss., Univ. Wien 1995, 31. Vgl. ebd., 25.4.1995, 22. Vgl. ebd., 25.4.1995, 57. Vgl. Ausflüge und Bücher, Max Koppe ist Mitbegründer der Leopoldstädter Kinderfreunde/Nachfahren leben in Wien, Märkische Allgemeine, Luckenwalder Nachrichten, Beilage, 8.1.2010. Max Koppe, 50 Jahre Kinderfreunde Leopoldstadt, Eine politische Chronik, Mai 1962, 25. Vgl. ebd.


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schussmitglieds im Landesvorstand der Wiener Kinderfreunde aus. 18 Sein Glaube an den Sozialismus blieb trotz des Hitlerregimes und seiner Existenzvernichtung weiterhin bestehen 19 Er war ab 1945 in der Sozialdemokratischen Partei erneut tätig. Es war gerade der Faschismus, der aufzeigte, dass viele jener Kinder, die früher bei den Kinderfreunden gewesen waren, weiterhin ihrer sozialistischen Gesinnung treu geblieben sind. 20 1948 vertraute Max Koppe die Führung der Gemeinschaft dem damaligen Obmann Josef Weis an.21 Max Koppe hat aber auch enorme Leistungen für die italienischen Überschwemmungsopfer im Zuge der Polesine- Aktion 1952 erbracht. So wurden seinerzeit auf seinen Einsatz hin 500 Kinder aus dem Po-Gebiet (Italien) zu einem Erholungsaufenthalt nach Wien geschickt.22 Max Koppe hatte nicht nur mit großem Erfolg Schülerausspeisungen, vor allem nach den zwei Weltkriegen, durchgeführt, sondern war auch für die Kinderlandverschickung „Wiener Kinder fahren nach Italien“ zuständig.23 Er arbeitete in den Jahren 1914 bis 1934 als Obmann mit Erfolg für die Kinder seiner Region. In dieser Zeit gründete Koppe die Tageserholungsstätte in der Freudenau.24 Dieser Verein organisierte Lernmöglichkeiten sowie Ausflüge für die Kinder des Arbeiterviertels, deren Eltern sich meistens in Untermiete befanden, und gründete darüber hinaus Spiel- und Sportstätten.25 Die Kinderfreunde waren als Faktor des Widerstands gegen die „christliche“ Regierung Dollfuß antiklerikal. Der Zweck der Kinderfreunde war nicht nur mit Bildung und Freizeit verbunden, sondern er hatte auch eine politische Ausrichtung. Im Februar 1934, mit der Untersagung der Kinderfreunde und der Pfändung

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Vgl. Kinderfreunde-Archiv, Max Koppe, Laudatio Text. Vgl. Bezirkszeitung der SPÖ, Kleine Nachrichten, Mitteilungen der Bezirksorganisation, Nr. 10, 4. Jg., Oktober 1952, 3. Vgl. ebd., 2. Vgl. SPÖ Wien, Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie 2005, URL: http:// www.dasrotewien.at/seite/koppe-max.html. Vgl. Kinderfreunde-Archiv, Max Koppe. Vgl. ebd. Ebd. https://www.luckenwalde.de/Stadt/Geschichte/Ehrenb%C3%BCrger-und-b ekannte-Luckenwalder/ 26.3.2018.


EINLEITUNG

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ihres Besitzes, ging alles aus heiterem Himmel rasch zu Ende. Die Jugendgemeinschaften der Roten Falken und der Sozialistischen Arbeiterjugend waren augenblicklich sich selbst überlassen und gingen in die Illegalität. Zudem konnte die Durchführung solcher politischer Tätigkeiten mit Haft bestraft werden. Dennoch lebten diese Gemeinschaften weiter. Der bedeutsamste Unterschlupf war die Lobau, eine ursprüngliche Aulandschaft an der Donau in Wien. 26 1934 wurden alle Organisationen der Sozialdemokratischen Partei unter Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, dem Nachfolger Dollfuß, verboten. Auch die Kinderfreunde-Büchereien wurden geplündert und erst nach Kriegsende 1945 – notdürftigwiederhergestellt. Die Kinderfreunde hatten jedoch nie mehr jene Relevanz wie in der Zwischenkriegszeit, bevor sie das autoritäre Dollfuß-Regime auflöste. 27 Es wurde zu Ehren Max Koppes im Jahre 2005 eine Gasse im zweiten Bezirk nach ihm benannt28 Max Koppe übte seinen Beruf als Schriftsetzer von 1911 bis 1931 erfolgreich aus. Ab 1931 bis zu seiner Kündigung durch die Nationalsozialisten 1938- „wegen politischer Unzuverlässigkeit“war er als Hausinspektor der Gemeindebauten der Stadt Wien tätig. Nach dem Kriegsende 1945 bis zu seiner Pensionierung 1954 übertrug man ihm abermals die frühere Stellung als Inspektor bei der Hausverwaltung der Gemeindebauten der Stadt Wien.29 1910 lernte er seine Frau Berta Fleischer, geboren 1889 in Wien im zweiten Bezirk, kennen und vermählte sich 1921 mit ihr. Sie war wie Max Koppe in der sozialistischen Bewegung tätig. 30 Berta Fleischer war nicht nur eine gelernte Buchhalterin, sondern auch maßgeblich am Aufbau des Büchereiwesens der Leopoldstädter Kinderfreunde beteiligt und für die Ausbildung ehrenamtlicher

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Vgl. Archiv der Arbeiterkammer Wien (AK), Nachlass Fritz Koppe, Kassette vom 23.6.2003, Auswirkungen der Rassengesetze auf die Familie Koppe, 2. Vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien in 5 Bänden, Band 4, Wien 1995, 701. Vgl. SPÖ Wien, Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie 2005, URL: http:// www.dasrotewien.at/seite/koppe-max.html. Vgl. Kinderfreunde-Archiv, Max Koppe. Vgl. Kintaert, Biographischer Abriss, 1.


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Bibliothekarinnen zuständig. 31 Die Eheschließung bewahrte die Jüdin Fleischer später vor der Deportation durch das NS-Regime und sicherte ihr das Überleben.32 Sie wurde allerdings diskriminiert und musste mit den mit „J“ für „Jude/Jüdin“ gekennzeichneten Lebensmittelkarten einkaufen gehen. Dadurch bekam sie nur minderwertige Lebensmittel. Hiermit sollte auf die jüdische Abstammung des Karteninhabers hingewiesen werden.33 Außerdem durfte sie den Schrebergarten an der Alten Donau, den die Familie Koppe gepachtet hatte, als „Jüdin“ nicht benützen.34 Fritz Koppe erinnerte sich: „Erst in den letzten Kriegsjahren wohnte sie wieder in unserem Gartenhaus, wurde als meine ‚Tante‘ ausgegeben und betrat möglichst selten den Garten vor unserem Haus und verließ niemals die Parzelle. Besonders arg war es für uns, dass sie nie einen Ausflug machen konnte und kein Kino oder Theater besuchen durfte.“35 Max Koppe konnte mit seiner „preußischen Art“ gegen etwaige Nazi-Profiteure erreichen, dass der Schrebergarten an der Alten Donau nicht „arisiert“ wurde.36 Über die Besitzverhältnisse des Schrebergartens wusste die Schwiegertochter Barbara Kintaert nur, dass die Koppes (vielleicht schon seit der Hochzeit 1921 oder auch erst zehn Jahre später, als Fritz Koppe ein kleiner Bub war ) diesen Garten im Kleingartenverein „Me31

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Ausflüge und Bücher, Max Koppe ist Mitbegründer der Leopoldstädter Kinderfreunde/Nachfahren leben in Wien, Märkische Allgemeine, Luckenwalder Nachrichten, Beilage, 8.1.2010. Vgl. ebd., 2. Märkische Allgemeine, Luckenwalder Nachrichten, Beilage, Ausflüge und Bücher, Max Koppe ist Mitbegründer der Leopoldstädter Kinderfreunde/Nachfahren leben in Wien, 8.1.2010. Vgl. Mag. Sabine Lichtenberger,, Zeitzeugeninterview des Instituts für AKund Gewerkschaftsgeschichte, 11.12.2008. 7.. Archiv der Arbeiterkammer Wien, Nachlass Fritz Koppe, Kassette vom 23.6.2003, Auswirkungen der Rassengesetze auf die Familie Koppe, 4. Märkische Allgemeine, Luckenwalder Nachrichten, Beilage, Ausflüge und Bücher, Max Koppe ist Mitbegründer der Leopoldstädter Kinderfreunde/Nachfahren leben in Wien, 8.1.2010. Fritz Koppes Schwiegertochter Barbara Kintaert dazu: „Es ist familienintern jahrelang immer wieder erzählt worden, dass Max Koppe, der den sogenannten „brandenburgischen Piefke‘Dialekt sprach“, es mehrmals geschafft hat, durch sein (gespieltes) ‚Preußisches‘ Auftreten irgendwelche Wiener Nazis oder Mitläufer nachhaltig einzuschüchtern, auch solche, die angedeutet hatten, ihm den Schrebergarten wegnehmen zu wollen.“


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