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Kukka Urna, Noemi Curty, BA Objektdesign, 2026

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Dokumentation

Kukka Urna

Noemi

Bachelorarbeit gestalterisch

Bachelor of Arts Produktdesign

Vertiefung in Objektdesign

Hochschule Luzern Design, Film und Kunst

Mentorat : Christof Sigerist

Juni 2026

Motivation

In meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit dem Thema der Vergänglichkeit auseinandergesetzt. Die Motivation hierfür entstand während meiner Ausbildung zur Floristin: Dort fiel immer sehr viel pflanzlicher Abfall an und alles, was ich hergestellt habe, hielt nur für eine kurze Zeit. Dieser Aspekt hat mich damals sehr gestresst, weshalb ich mich nun ganz bewusst diesem Abfallmaterial gewidmet habe.

Ausgangslage

In der Floristikbranche fällt eine grosse Menge an pflanzlichem Abfall an, der durch das Rüsten, Anschneiden oder durch unverkäufliche Ware entsteht. Auch bei Anlässen wie Beerdigungen wird der Blumenschmuck oft schon nach kürzester Zeit wieder entsorgt. Da mich diese Kurzlebigkeit und der hohe Materialverlust beschäftigt haben, wollte ich mich dieser Problematik in meiner Arbeit annehmen.

Vorgehen

Mein Vorgehen gliedert sich in mehrere Schritte: Zuerst bin ich mit verschiedenen Blumenläden sowie Friedhöfen in den Regionen Basel und Luzern in Kontakt getreten, um deren Grün- und Blumenabfall zu beziehen.

In einem nächsten Schritt werde ich damit Experimente durchführen, bei denen ich das Material in verschiedenen Zuständen sowohl trocken als auch nass verarbeite.

Basierend auf den Erkenntnissen aus diesen Experimenten entscheide ich mich anschliessend für das Endobjekt. Die finale Umsetzung umfasst dann den Formenbau, die Definition der Formensprache, die Wahl der Technik sowie die Gestaltung der Oberfläche.

SDG

Meine Bachelorarbeit orientiert sich am SDG 12 für nachhaltigen Konsum und Produktion, spezifisch am Unterziel 12.5 zur erheblichen Reduktion des Abfallaufkommens. Aus einem Abfallprodukt der Floristikbranche entwickle ich ein neues Produkt, wodurch diesem Material ein zweites Leben geschenkt wird. Auf diese Weise wird der Ressourcenverbrauch reduziert, da das Rohmaterial bereits existiert und der Abfall direkt wiederverwertet wird.

Recherche

Da das übergeordnete Thema meiner Arbeit die Vergänglichkeit ist, habe ich mich in den vergangenen Monaten intensiv und auf ganz unterschiedlichen Ebenen mit dem Tod, Ritualen der Bestattung und dem Kulturraum Friedhof auseinandergesetzt. Um diesem sensiblen Thema nicht nur theoretisch, sondern auch emotional und praktisch zu begegnen, habe ich den direkten Weg gesucht: Ich habe Friedhöfe besucht, um deren ganz eigene Atmosphäre einzufangen, und führte ein tiefgehendes Gespräch mit einem Friedhofsgärtner über die Grabkultur, Bestattungen, Vergehen der menschlichen Überresten, Kremation und Grabpflege. Durch den schriftlichen Austausch mit einer Bestatterin erhielt ich zudem wertvolle Einblicke in die psychologische und organisatorische Arbeit hinter den Kulissen des Abschiednehmens und Eckpunkte zu Urne. In Blumenläden habe ich mich intensiv mit dem dort entstehenden Blumen- und Grünabfall auseinandergesetzt, ein kraftvolles Sinnbild für das Ver-

blühen und den Kreislauf der Natur. Ergänzt wurden diese persönlichen Begegnungen und Beobachtungen durch eine umfassende Literatur- und Internetrecherche, die mir half, historische, kulturelle und theoretische Fragen fundiert zu beantworten, dies ist in meiner schriftlichen Arbeit nachzulesen.

Experimente

Am Start der Experimente habe ich mich damit auseinader gesetzt, was gibt es alles für Techniken und natürliche Bindemittel und wie kann ich Konsistenzen der Blumen und Grüns nutzen und wie gross sollen die Stücke sein.

Diverse Blüten - und Grünblätter in Dörrex am trocknen

getrocknete Laubblätter und Stiele zerkleinert

Pulver mit Maisstärke und Wasser im Wasserbad unter ständigem Rühren aufgekocht

Rosenblätter getrocknet und zerkleinert

Das zerkleinerte Grünpulver mit Ton gemixt und zum Färben der Oberfläche benutzt

Getrocknete Stiele und Tulpenblätter in Ton reingepresst um so eine Oberfläche zu gestalten

Grün feucht mit Wasser gemixt

Trockene Rosenblätter zerkleinert, mit Agar Agar und Wasser aufgekocht

getrocknete Rosenblätter mit selbstgemachtem Maisstärkekleister um eine Schüssel gekleistert

Stand vor Zwischenpräsentation

Nach einer Reihe von intensiven experimentellen Phasen stand ich vor der entscheidenden Frage, welches finale Endobjekt meine gestalterische Absicht am besten verkörpern kann. Auf der Suche nach einer Form, die die tiefe Symbiose zwischen der Vergänglichkeit des Menschen und dem Welken der Natur begreifbar macht, wollte ich ein klares Bewusstsein für das Thema des Todes schaffen. Kurz vor der Zwischenpräsentation hat sich daraus eine klare Vision formiert, weshalb die Entscheidung schliesslich auf eine Urne fiel. Dieses Objekt schenkt meiner Arbeit nun die notwendige konzeptionelle Klarheit und definiert gleichzeitig das konkrete Ziel aller meiner bisherigen Experimente. Es fasziniert mich dabei besonders, aus vermeintlich wertlosen Abfallblumen etwas völlig Neues zu gestalten und diesen Pflanzen ein zweites Leben zu schenken. Durch diese Transformation gelingt es mir, sowohl auf die gesellschaftliche Wegwerfmentalität als auch auf unsere eigene Sterblichkeit aufmerksam zu machen, sodass das finale Objekt zu einem kraftvollen Symbol für den ewigen Kreislauf von Vergehen und Neubeginn wird.

Board für Zwischenpräsentation mit den bis dahin gemachten Experimenten

Experimenten und Farbkonzept

Zwischenfazit und Ausblick nach der Zwischenpräsentation

Die Zwischenpräsentation lieferte entscheidende Impulse für die Weiterentwicklung des Projekts und definierte die zentralen Aufgaben für die nächste Phase. Als primäres Ziel wurde festgelegt, die bisherigen Experimente zu verlassen, deutlich dreidimensionaler zu werden und in einer grösseren Dimension zu arbeiten. Das Fundament für die kommende Forschungsarbeit bildete die intensive Auseinandersetzung mit Friedhofabfall und Friedhofabraum. In diesem Zusammenhang galt es herauszufinden, welche gestalterischen Formen aus diesem spezifischen Material überhaupt möglich waren und wie verblühte Pflanzen oder organische Reste so transformiert werden konnten, dass sie eine neue Würde erhielten. Das Endobjekt der Urne sollte dabei eine klare Aussage über die Vergänglichkeit des Menschen und der Natur transportieren und das Bewusstsein für das Tabuthema Tod schärfen.

Der Schritt von der ersten Idee zur realen Umsetzung erforderte nach der Präsentation das präzise Erarbeiten von technischen Anforderungen und gesetzlichen Vorschriften. Es stand die Aufgabe an, das genaue Volumen und das zu erwartende Gewicht der Kremationsasche zu recherchieren, um die Dimensionen des Gefässes exakt zu bestimmen. Damit einher gingen komplexe konstruktive Fragestellungen bezüglich des Deckels, des Schliessmechanismus und der Art und Weise, wie die Urne schliesslich sicher in das Grab herabgelassen werden konnte. Das Material musste so beschaffen sein, dass es sowohl das Eigengewicht

der Asche hielt als auch dem Druck der feuchten Erde im Grab standhielt, ohne vorzeitig zu zerbrechen.

Zusätzlich mussten die strengen Friedhofsvorschriften in die Materialforschung einbezogen werden, da im Erdreich nur biologisch abbaubare Stoffe zugelassen waren, die sich nach der Liegezeit schadstofffrei zersetzten. Auf dieser Basis stand die Entwicklung eines exakten Rezepts im Vordergrund. Es galt in kommenden Versuchsreihen zu erproben, wie der getrocknete Friedhofabraum mit natürlichen Bindemitteln zu einer stabilen, formbaren Masse verbunden werden konnte, die allen statischen und rechtlichen Vorgaben gerecht wurde.

Urnenresearch: Was gibt es alles für Urnen? In welchem Material?

Welche Formen?

Ansprüche an Urne

- gut verschliessbar

- 2 - 3 L / 3 - 4 kg Volumen

- biologisch abbaubar

- Netz / Schnurr / Band zum ins Grab reinlassen

- stabil

- organische Form

Aschesack

Um nachzuempfinden wie schwer die Asche ist und wie viel Platz diese in der Urne braucht, habe ich einen „ Aschesack“ gemacht. Diesen habe ich mit Mehl und Katzenstreu gefüllt. Dies soll die menschliche Asche ersetzen und von der Konsistenz her ähnlich sein. Er wiegt 3,5 kg. Nach dem Kontakt mit einer Bestatterin habe ich diese Information gekriegt. So bin ich zu den Massen gekommen, welche die Urne braucht. So sollte diese in der Höhe ca. 250mm und im Durchnitt ca. 150mm betragen.

Form in Rhino gezeichnet um 3D zu drucken. Innen - und Aussenform um Masse reinzupressen und so die perfekte Urne zu bekommen.

Das war die erste Idee für den Deckel da kann die Masse eingefüllt werden und so dann als Deckel trocknen.

Als Anfang zum in die Form kommen habe ich verschiedene Formen aus Ton modeliert. So konnte ich schnell ein in die 3 Dimensionalität kommen. Die Tonformen sind aber kleiner als die Urne, es ging nur mal um die Technik.

Das Ziel war es daraus dann eine Gipsform zu machen und Tiefzuziehen.

Balloon eingekleistert mit Blüten - und Grünblättern und Maisstärkekleister

Pulver und Blätter mit Wasser aufquellen lassen

Zuckerwasser mit Blütenblättern aufgekocht.

Restflüssigkeit von aufgekochter, gemixter Maisstärke - Grünblättermasse. Tulpenblätter in Streifen gerissen und Chrysanthemenblütenblätter als Oberflächengestaltung verwendet.

Hier habe ich in einem Grüncontainer des Blumenladen in Dornach durchwühlen dürfen.

Den Grünabfall von Blumenladen und Friedhof habe ich gehäxelt.

So hat das gehäxelte Material ausgesehen. Es sind grössere und kleinere Stücke entstanden. Im rechten Bild habe ich das Material in eine Schüssel gepresst um die Optik mal zu sehen.

Welches Bindemittel?

Bei der Recherche welches natürliche Bindemittel ich verwenden kann, dass die Form so stabil wie möglich wird. Bin ich auf Guarkenmehl gestossen, dieses wird aus den Samen der Guarbohne gewonnen. Es kann Flüssigkeiten kalt und warm binden und muss nicht aufgekocht werden. Was sich für meine Anwendung sehr gut eignet, da ich so die Masse nicht mit viel Wasser aufkochen muss.

Innen - und Aussenform 3D gedruckt

Guarkenmehl - Blumen - Grünmischung in Zwischenraum gefüllt, leider war diese viel nzu feucht und ist nicht getrocknet, weswegen eine andere Lösung her musste.

Da dies mit der Innen - und Aussenform nicht geklappt hat, habe ich versucht aus der Masse eine Freiform zu formen.

Leider ist die Freiform auch wieder eingestürzt und dann habe ich mich dazu entschieden die Masse über die mit Backpapier eingepackte Innenform zu modelieren. Diese Form war dann für ca zwei Tage im Ofen.

Nach gutem Trocknen der Form habe ich eine neue Schicht aufgetragen da die Formm noch zu dünn und instabil war. Die Form war dann wieder eine Zeit im Ofen.

Diese Form habe ich mit der aussen an die Form modelieren Technik. Ich habe die Friedhofsblumen mit Maisstärke und Wasser aufgekocht und anschliessend die Flüssigkeit wieder so gut wie es ging ausgepresst.

Experimentreihe mit getrocknetem Material, Guarkenmehl und Wasser, Ich habe die Testreihe mit jeweils 30g getrockneten, gehäxelten mit 10ml Wasser angefangen und bis zu 100ml Wasser gemacht und war dieses mit 30g Material, 20ml Wasser und 1Tl Guarkenmehl

Wasser, um die perfekte Rezeptur herauszufinden. gehäxelten Blumen - Grünabfällen gemacht. Die Experimente habe ich und jeweils einem Teelöffel Guarkenmehl. Das perfekte Rezept (3g).

Hier habe ich noch ausprobiert ob es eine Möglichkeit wäre die Form mit Wachs als Bindemittel zu modelieren.

Hier habe ich mich mit Lehm als natürliches Bindemittel auseinander gesetzt. Da war mior aber der Grün / Blumenanteil zu gering so habe ich diesen Anhaltspunkt wieder verworfen.

Hier habe ich die Masse für welche ich das Rezept herausgefunden habe in die Aussenform gepresst.Ich habe gemerkt, dass wenn ich die Masse um die Innenform modeliere, diese sich noch extrem verformt und so die gewollte Form gar nicht mehr erkennbar ist.

Hier habe ich mich um den das Konstrukt gekümmert, die Urne ins Grab zu lassen und eine Art Korbgeflächt gewoben.

Um das Gewebe anschliessend im Grab zu lassen habe ich abbaubare Juteschnurr verwendet.

Hier habe ich mich mit dem Thema des Deckels auseinandergesetzt. Diesen habe ich als die Urne schon trocken war darüber geformt.Ich habe die Grün / Guarkenmehlmasse angemischt und dann mit einem Nudelholz ausgewallt und anschliessend an die Form angeschmiegt.

Weil das Geflecht lange dauert und viel Material braucht, habe ich noch ein einfaches Netz geknüpft um Zeit und Material zu sparen.

Hier habe ich nochmals eine neue Form gemacht mit frischem Blumenabfall. Die Wandstärke habe ich relativ breit gemacht, leider aber ist sie durch die Breite nicht richtig getrocknet und in sich zusammengefallen.

Ich war fustriert weil die Form nicht mehr so geklappt hatte wie ich es gerne gehabt hätte von der Form wie auch von der Masse her. Weswegen habe ich hier noch Experimente mit Eierkartoons und Grünabfall gemacht und Pappmache hergestellt.

Die Pappmache - Grünmischung ging gut zum 3 dimensional formen. Jedoch habe ich diese Idee auch wieder verworfen, weil mehr Pappe drin ist als Grünmaterial.

Da bei der vorherigen Form die Shape nie so gut erkennbar war und die Kanten zu eckig waren, habe ich nochmals eine neue organischere Form gezeichnet und gedruckt. Am Boden unten habe ich die Kanten abgerundet und der Boden hat eine Erhöhung in der Mitte, wie bei einer Tasse oder Schüssel, so soll die ganze Form stabiler sein.

Hier habe ich das Rezept nochmals ein bisschen angepasst und mehr Guarkenmehl hinzugefügt und die Wandstärke auch breiter gemacht. Leider ist diese Form aber beim Trocknen im Ofen und Dörrex wieder eingestürzt. Durch das warme Trocknen ist die ganze Masse viel feuchter geworden und durch die viele Feuchtigkeit zusammengestürzt.

Hier habe ich nochmals eine neue Form gemacht mit viel weniger Guarkenmehl und Wasser. Die Wandstärke habe ich auch verringert, so konnte die Form gut Trocknen. Es muss aber für eine finale Urne nochmals eine Schicht aufgetragen werden, weil diese doch noch zu schmal und löchrig ist.

Rezeptur

- 250g Blumen / Grünabfall trocken und frisch gemischt

- 25g Guarkenmehl

- 150ml warmes Wasser

Die Form gut mit Öl einölen. Grün und Blumenabfall zerkleinern mit Häxler, Mixer oder von Hand. Alles in eine Schüssel geben. Danach Guarkenmehl hinzufügen und einmal alles kräftig durchmischen. Danach Wasser langsam Stück für Stück hinzugeben und die Masse immer wieder kräftig durchkneten.

Deckel

Für den Deckel gibt es keine Form da sich die Urne während des Trocknungsprozesses von der Form her verändert. Weswegen der Deckel im trockenen Zustand an der Urne angepasst und dartüber geformt und zusammen nochmals getrocknet. Am Schluss, wenn die Asche in der Urne ist kann diese mit einem Guarkenmehl / Wasserkleber zusammengeklebt werden.

Fazit

Zum Abschluss dieser Bachelorarbeit lässt sich festhalten, dass der Forschungsprozess von wertvollen Erkenntnissen geprägt war. Obwohl die vollständige Entwicklung einer funktionsfähigen Urne im vorgegebenen Zeitrahmen nicht final abgeschlossen werden konnte, liefert der erarbeitete Ansatz eine vielversprechende Grundlage. Um eine ausreichende Stabilität und Belastbarkeit der Form zu gewährleisten, sind zukünftig Anpassungen der Wandstärke sowie das Auftragen zusätzlicher Materialschichten erforderlich.

Das gestalterische und ökologische Potenzial dieses Konzepts ist dennoch tiefgreifend: Die Verwendung eines Abfallmaterials, das durch den natürlichen Verfall von Blumen oder den floralen Abraum von Beerdigungen bereits eine natürliche Verbindung zur Vergänglichkeit aufweist, bietet einen starken konzeptionellen Mehrwert für die Bestattungskultur.

Danke an

Christof Siegerist

Mònica Gaspar

Studifriends

Leonie Curty

Fiona Curty

Melina Curty

René Curty

Bernadette Curty Zeugin

Steffi Behrens

Kevin Halbeisen

Kerstin Kock

Sibylle Ettmayer

Juri Liechti

Blume 3000

immergrün Therwil

Blumenwiese Dornach

Floradiso Luzern

Philipp Furrer Friedhof Luzern

Friedhof Dornach

Nicole Blättler Egli Bestattungen

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