Skip to main content

HS25 _Masterthesis_Architektur_Prozessbuch_LeuenbergerSven_ImUntergrund

Page 1

Im Untergrund Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

Thesisbuch Herbstsemester 2025 Von Sven Leuenberger


2

Im Untergrund


Abstract

Das vorliegende Thesisbuch verbindet das Thesisprojekt mit einer theoretischen Auseinandersetzung über die sequenzielle Wahrnehmung städtischer Räume. Im Zentrum steht die Querverbindung von der Baselstrasse bis zum Reussufer, die bestehende Wege, Plätze und Gebäude punktuell ergänzt, neu miteinander verknüpft und so eine kontinuierliche Abfolge von Stadträumen erzeugt. Mit dem Projekt wird untersucht, wie die Wegsequenzen der Querverbindung räumlich, funktional und sozial erfahrbar gemacht werden können und wie architektonische Eingriffe Kontinuität, Orientierung und Identität des Quartiers fördern. Begleitend dazu werden quartiersbezogene Nutzungen geschaffen, die sich mit den Freiräumen entlang der Querverbindung verflechten. Die Stadtentwicklung wird dabei als fortlaufender Prozess verstanden: Behutsame Eingriffe im Bestand, partizipative Aneignung und flexible Nutzungsmöglichkeiten erlauben eine nachhaltige Aufwertung des Quartiers, ohne den Gebrauch der vorhandenen Freiräume vorzuschreiben oder einzuschränken. Die Querverbindung fungiert somit nicht nur als Durchgangsweg, sondern vor allem als Abfolge von Sequenzen, die zu einem sinnlichen und lebendigen Stadterlebnis beitragen.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

3


Thesisbuch Im Untergrund Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss Verfasser Leuenberger Sven Ziegeleiweg 4 6048 Horw

HOCHSCHULE LUZERN Technik & Architektur Technikumstrasse 21 6048 Horw Master in Architektur Herbstsemester Datum: 16.01.2026

Begleitung Thesisbuch Bächtiger Marcel Begleitung Thesisprojekt Wülser Stefan Buchproduktion Gegendruck GmbH Mythenstrasse 7 6003 Luzern

4

Lucerne University of Applied Sciences and Arts

Im Untergrund


Inhalt

1

Prolog

6

2 2.1 2.2

Der Untergrund Im Schattenlicht der Leuchtenstadt Entwicklungskonzept der Stadt Luzern

12 14 26

3 3.1

Denken in Sequenzen Stadtbildtheorien nach Kevin Lynch und Gordon Cullen Architektur und Bewegung bei Auguste Choisy, Sergei M. Eisenstein und Le Corbusier

30

3.2

4

36 58

4.1 4.2 4.3 4.4 4.5

Freiraumsequenzen zwischen Baselstrasse und Reussufer Das Quartier von morgen Vom städtischen Fragment zur Stadtlandschaft Die Querverbindung Sequenzen entlang der Querverbindung Verflechtung der Quartiersnutzungen

78 80 84 88 108 132

5

Epilog

152

6

Literaturverzeichnnis

157

7

Abbildungsverzeichnnis

161

8

Redlichkeitserklärung

168

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

5


Prolog 6

Im Untergrund


1

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

7


GSEducationalVersion

Abb. 1. Die Baselstrasse: «Dramaturgisches Moment des Durchschreitens geprägt durch den Trubel.»

8

Im Untergrund


Stadt und Raum werden nicht überblickt, sondern erfahren. Sie erschliesst sich im Gehen, im Wechsel von Räumen und im Erleben von Übergängen. Besonders in dichten Stadtquartieren zeigt sich urbane Qualität weniger in einzelnen Objekten als in den Verbindungen zwischen ihnen. Der öffentliche Raum wird damit zum zentralen Träger und Ausdruck der Identität eines Ortes. Der Untergrund von Luzern entzieht sich dabei einer schnellen Lesbarkeit. Obwohl er räumlich präsent ist, bleibt er im urbanen Bewusstsein oft randständig. Er ist durch Brüche und infrastrukturelle Eingriffe geprägt. Diese Strukturen fragmentieren den Stadtraum und schaffen zugleich spezifische räumliche Situationen, deren Potenzial häufig ungenutzt bleibt. Gerade diese Bereiche sind jedoch entscheidend für die Alltagserfahrung der Bewohnerschaft und für die Qualität des Quartiers als Lebensraum. Die daraus entstandenen räumlichen und sozialen Spannungen bilden den Ausgangspunkt dieser Arbeit. Da zwar ein Mangel an nutzbarem und zugänglichem Freiraum festgestellt, jedoch nicht unbedingt ein Mangel an Dichte herrscht, hat die These, dass der bestehende Raum lediglich umcodiert werden muss, als Ausgangsinteresse dazu geführt, dass der Bestand und der Aussenraum fragmentartig auf seine Transformation untersucht wurden. So folgte bereits die Analyse dem Ansatz des Denkens in Sequenzen. Auf dieser Grundlage wurde die Idee einer sequenziellen Abfolge von Aussenräumen in ein entwerferisches Konzept überführt, das den öffentlichen Raum als verbindendes Element stärkt und unmittelbar benötigten Freiraum bereitstellt. Durch gezielte Verknüpfungen und die Aufwertung bestehender Strassenräume entstehen neue räumliche Beziehungen, in denen Bewegung, Aufenthalt und Aneignung als gleichwertige Aspekte eines lebendigen Stadtraums verstanden werden.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

9


In der Luzerner Vorstadt zwischen Baselstrasse und Reussufer wird diese Haltung räumlich konkret. Das Projekt entwickelt eine neue Querverbindung als sequenzielle Wegabfolge, die bestehende verkehrsinfrastrukturelle Hindernisse und Unterbrechungen überwindet, vorhandene Fragmentierungen aufnimmt und durch gezielte räumliche Eingriffe neu lesbar macht. Ziel ist es, bislang isolierte Orte miteinander zu verknüpfen und den öffentlichen Raum als zusammenhängendes, erfahrbares Gefüge zu stärken. Die architekturtheoretische Auseinandersetzung des Thesisbuchs bildet dafür eine konzeptionelle Grundlage als auch ein reflexives Instrument. Die Beschäftigung mit Sequenz, Bewegung und Wahrnehmung schärft ein Raumverständnis, das die zeitliche Abfolge räumlicher Erfahrung in den Mittelpunkt stellt und den Entwurfsprozess gezielt unterstützt. In der Umsetzung zeigt sich, wie fragmentierte Wege zu Verbindungen, Durchgangsräume zu qualitätsvollen Aufenthaltsorten und die alltägliche Bewegung zu einem bewusst gestalteten Stadterlebnis werden. Statt gross angelegter Eingriffe tragen gezielte Massnahmen im Bestand zur langfristigen Verbesserung der Lebensqualität bei. Der Stadtraum wird dabei nicht neu definiert, sondern schrittweise im Massstab des Menschen und im Bewusstsein der räumlichen sowie sozialen Zusammenhänge weiterentwickelt. Abb. 2. Der Reussuferweg: «Dramaturgisches Moment des Flanierens geprägt durch die Entschläunigung.»

GSEducationalVersion

10

Im Untergrund


GSEducationalVersion

Abb. 3. Die Dammstrasse: «Dramaturgisches Moment des Fortbewegens geprägt durch den Rhythmus.»

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

11


Der Untergrund 12

Im Untergrund


2

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

13


2.1 Im Schattenlicht der Leuchtenstadt Geschichtliche Einordnung Kein anderes Quartier der Stadt Luzern hat im Laufe der Zeit eine vergleichbare Vielfalt an Nutzungen aufgenommen wie der Untergrund. Dessen Name wurde bereits im 18. Jahrhundert verwendet und beschreibt ein Gebiet in der westlichen Vorstadt in Luzern. 1833 wurde dieser Stadtteil anlässlich einer städtebaulichen Gliederung in acht Quartiere unterteilt. Dazu zählten unter anderem die Bereiche entlang der heutigen Baselstrasse und Bernstrasse sowie die Säntimatt. Das Gebiet erstreckt sich über weite Teile entlang der linken Flussseite der Reuss. Über eine lange Zeit stellte die Reussfähre die einzige Verbindung zur gegenüberliegenden Flussseite dar. Brücken gab es keine. Erst 1891 entstand mit der Geissmattbrücke die erste Überquerung, während die Reussfähre 1909 durch die St.-Karli-Brücke ersetzt 1 wurde. Letzterer kommt bis heute besondere Bedeutung zu, da sie stadtauswärts Richtung Emmen über weite Strecken die einzige Flussüberquerung darstellt.

Abb. 4. Der Untergrund von 1792, Blick von Süden auf den späteren Beginn der Baselstrasse, die stadtauswärts Richtung Westen führt.

1

14

Willener et al., 2008, S. 10-11.

Im Untergrund


Abb. 5. Ansicht der Bahnlinie, die über die Strasse führt, vor der Erhöhung des Bahndamms und dem Bau der Eisenbahnbrücke über die Baselstrasse, ca. 1896.

Abb. 6. Sprengung der Kaserne in Luzern im Zuge des Autobahnausbaus, 1971.

Prägend für den damaligen Untergrund war die 1859 eröffnete Centralbahnlinie die von Luzern nach Basel führte. Sie zerschnitt das lediglich 200 Meter schmale Terrain zwischen Reuss und Gütschhang in zwei Teile und verschlechterte die ohnehin durch das topografische Nadelöhr bedingte Situation. Mit dem kontinuierlichen Ausbau der Bahntrasse kamen später weitere Linien hinzu. Im Jahre 1896 wurde das gesamte Eisenbahntrasse schliesslich auf einen 4 Meter hohen Damm angehoben, der noch heute besteht. Dadurch wurden die Quartiere weiter getrennt, sodass insbesondere die Säntimatt einem urbanen Fragment gleicht und vom Stadtkörper abgetrennt, zwischen Fluss und Bahndamm eingezwängt ist. Eine spätere Erweiterung des Damms um mehrere hundert Meter verstärkte diese Abgrenzung weiter und beeinträchtigte auch die Reussin2 sel. Grosse bauliche Veränderungen im Zusammenhang mit der Bahnlinie gab es seither keine mehr, sodass die räumliche Trennung bis heute deutlich spürbar ist. Mit dem Ausbau der Autobahn A2 kam jedoch ein weiteres grossmassstäbliches Infrastrukturprojekt hinzu, das die Situation weiter verschärfte. Das betreffende Teilstück zwischen Emmen und dem Kasernenplatz, einschliesslich der Reussüber3 querung, wurde 1974 eröffnet. Während im 18. Jahrhundert das Baslertor den westlichen Abschluss der kompakten Kleinstadt bildete, übernimmt diese Funktion ab diesem Zeitpunkt die Autobahn, die stadtauswärts und quer zum Flussverlauf eine 4 markante Zäsur schafft. Als verkehrstechnische Infrastruktur ist sie, ebenso wie die Bahnlinie, für Luzern und die gesamte Schweiz von hoher Bedeutung. Trotz der Vorteile für das städtische Zentrum von Luzern gingen beide Infrastrukturen zulasten der Zugänglichkeit und der Lebensqualität des ehemaligen Untergrunds. Schon damals prägte der Charakter eines Durchgangsortes das Gebiet, ein Eindruck, der bis heute spürbar bleibt.

2

Willener et al., 2008, S. 11-12.

3

Luzerner Zeitung, 2024.

4

Willener et al., 2008, S. 13.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

15


Quartiersentwicklung Im 16. Jahrhundert standen entlang der Baselstrasse nur wenige Gebäude, vorwiegend am Gütschhang. Die reussseitige Säntimatt war zu sumpfig, um bebaut zu werden. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts ordnete der damalige Sänti-Verwalter die Entsumpfung an, womit eine rasche Entwicklung des Quartiers einsetzte. Durch die intensive Bautätigkeit der Baumeister und Immobilienhändler waren die Säntimatt und beide Flanken der Baselstrasse bis ende 1890 nahezu vollständig überbaut. Viele der drei- bis viergeschossigen, biedermeierlichen Häuser an der reussseitigen Strassenseite bestehen bis heute, während die gütschseitigen Zeilen in den 1960er-Jahren durch deutlich grössere Volumen ersetzt wurden. Nach der Erschliessung und grossflächigen Bebauung setzte nach 1890 eine weitere Verdichtung ein, besonders entlang der Bernstrasse, der Baselstrasse vom Kreuzstutz zur Fluhmühle sowie in der Säntimatt. Getrieben wurde dies vor allem durch Bauspekulationen, wobei eine bewusste stadtplanerische Steuerung nur vereinzelt Einfluss hatte. Übernamen für die Quartiere hielten schnell Einzug. So war die Bernstrasse mit den vielen Mietshäusern unter der Bezeichnung «Oberitalien» bekannt, während man die Baselstrasse mit der eher geringen sozialen Durchmischung 5 «klein Chicago» nannte.

5

16

Willener et al., 2008, S. 13-14.

Im Untergrund


Die städtische Industrie entwickelte sich zunächst auf der Reussinsel zwischen Kreuzstutz und Fluhmühle, einem Standort, der die Nutzung der Wasserkraft ermöglichte. Dort entstanden unter anderem Getreidemühlen, Drahtzug- und Stiftenfabriken, Diamantschleifereien, Holztypenfabriken sowie Betriebe für Dampfmaschinen und hydraulische Aufzugsanlagen. Aufgrund begrenzter Platzverhältnisse verlagerte die Industrie ihre Standorte jedoch bald in Nachbargemeinden wie Emmen6 brücke, Kriens und Ebikon. Neben öffentlichen Gebäuden und Fabrikationsanlagen prägten einzelne markante Bauten das Quartier. Zu nennen ist etwa der Lädelihof als Beispiel des Neuen Bauens oder das benachbarte Strassenwärter- und Toilettenhäuschen, einst eine Tramhaltestelle. Auch das Wohnund Geschäftshaus St. Karlihof ist ein qualitätsvoller Bau, der 7 bis heute erhalten blieb.

Abb. 7. Blick auf die Reussinsel, Ende 19. Jh.

6

ebd. S. 17.

7

Willener et al., 2008, S. 17.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

17


Heute erschweren die Zugänglichkeit der inselartig gelegenen Säntimatt und das starke Verkehrsaufkommen an der Baselstrasse die Entwicklung des Quartiers. Von der eigentlich privilegierten Lage direkt am Fluss wird nur wenig profitiert. Aufgrund der schlechten Besonnung der linken Reussseite orientieren sich viele Gebäude nicht zum Fluss, sondern zur dichter bebauten, lauteren, aber sonnigen Seite. Das Quartier weist eine grosse Vielfalt an Bautypologien und Nutzungen auf. Viele Gebäude sind zweiseitig ausgerichtet, während sich die Bebauungsstruktur der länglichen Form des Gebiets entlang von Fluss und Strassen orientiert. Während auf der Säntimatt noch vereinzelt Gebäude aus der industriellen Vergangenheit erhalten sind, haben sich zwischen die wenigen charaktervollen Einzelbauten auch solche mit geringerer architektonischer Qualität gemischt. Jenseits des Bahndamms entlang der Baselstrasse ist der Bestand ebenfalls stark durchmischt. Viele Gebäude sind über hundert Jahre alt. Einige besitzen aufgrund ihrer Stellung im Strassenraum und ihrer Zugehörigkeit zu den ältesten kleingewerblichen Vorstadtbauten des 19. Jahrhunderts denkmalpflegerische Relevanz. Insgesamt befinden sich zahlreiche Gebäude in eher schlechtem baulichem Zustand. Ein Eindruck, der die heutige Stimmung des Quartiers prägt: teilweise verlassen, eher verfallen, vielfach sich selbst überlassen.

18

Im Untergrund


Abb. 8. Durchgang des Bahndamms zur Säntimatt am Beginn der Baselstrasse, Anfang 19. Jh.

Abb. 9. Durchgang des Bahndamms zur Säntimatt auf Höhe Kreutzstutz, Anfang 19. Jh.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

19


Abb. 10. Karte 1890 Die Bahnlinie trennt die Gebiete. Die Säntimatt nördlich der Bahn ist erschlossen, jedoch nur schwach bebaut, während die Baselstrasse südlich davon bereits dicht bebaut ist.

Abb. 11. Karte 1897 Die Bahnlinie begrenzt das Gebiet im Osten. Die Säntimatt wurde weiter ausgebaut, und zwischen Bahnlinie und Baselstrasse entstand eine zusätzliche Bebauungsreihe.

Abb. 12. Karte 1899 Die Säntimatt wurde durch zusätzliche Strassen weiter strukturiert und ausgebaut.

Ausbau der Verkehrsinfrastruktur Entwicklung der Bebauungsstruktur

20

Im Untergrund


Abb. 13. Karte 1913 Die St.-Karli-Brücke wurde errichtet und ersetzte die Reussfähre, die zuvor an derselben Stelle den Fluss überquerte.

Abb. 14. Karte 1976 Der Ausbau der Autobahn führte zu einem offenen Teilstück über die Reuss. Entlang der Baselstrasse verdichtete sich die Bebauung weiter. Auf der Reussinsel wurden Genossenschaftswohnungen errichtet.

Abb. 15. Karte 2021 Der Kreisel Kreuzstutz und die Autobahn, die nun teilweise überdeckt ist, stellen die letzten wichtigen infrastrukturellen Veränderungen bis zum heutigen Zeitpunkt dar.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

21


Leben im Quartier – damals und heute Mit 2'618 Einwohnern (22,4 Prozent der Stadtbevölkerung) war der Untergrund 1860 der mit Abstand bevölkerungsreichste Stadtbezirk. Sieben von zehn Bewohnenden waren Zugezogene aus der Luzerner Landschaft und jeder 25. stammte aus dem Ausland. Während die Stadtbürgerschaft in der Vorstadt lebte, siedelten sich ausserhalb des Baslertors Handwerkende mit eingeschränktem Bürgerrecht an. Der Ausländeranteil stieg kontinuierlich, sodass zu Beginn des 19. Jahrhunderts entlang der Basel- und Bernstrasse rund ein Drittel der Bevölkerung aus 8 dem Ausland stammte. Im Untergrund lebten mehrheitlich Angehörige der Unterschicht. Da der Markt innerhalb der Stadt geschützt war, verkauften viele ihre Waren ausserhalb der Mauern entlang der Baselstrasse und umgingen damit das Verbot. Zwar wurden die offenen Stände und «Lädeli» später untersagt, doch liess sich dieses Verbot kaum durchsetzen. Gleichzeitig gab es im Untergrund zahlreiche legitim niedergelassene Handwerkende, die entlang der Baselstrasse Schmieden, Schreinereien und Schlossereien betrieben. 9 Relikte dieser Gewerbebauten sind bis heute erhalten. 1864 gründeten Einheimische den Quartierverein «Wächter am Gütsch» als Reaktion auf die tiefgreifenden Veränderungen durch äussere Einflüsse. Der Verein engagierte sich vor allem für die Wohlfahrt im Quartier, denn im Untergrund zeigte sich ein deutliches Gefälle des Wohnkomforts gegenüber den Verhältnissen innerhalb der Stadtmauer. Gleichzeitig bot der Bereich ausserhalb des Baslertors Qualitäten, die innerhalb der Stadt kaum noch vorhanden waren. Die Baselstrasse war damals noch wenig befahren und bildete einen offenen und ruhigen Wohnstandort. Prägend war zudem das ausgeprägte Vereinsleben mit zahlreichen Stammlokalen, was in der ganzen Stadt einzigartig 10 war.

22

8

Willener et al., 2008, S. 19.

9

ebd. S. 18-19.

10

ebd. S. 20.

Im Untergrund


Die Vorurteile gegenüber dem Untergrund wirken bis heute nach. Das Quartier fungiert nach wie vor als Ankunfts- und Durchgangsort. Viele verlassen es, sobald sich sozial bessere Perspektiven eröffnen. Zurück bleiben häufig Personen, deren Lebenssituation sich nicht verbessern liess, auch wenn das nicht auf alle zutrifft. Während die Bausubstanz über Jahrzehnte weitgehend unverändert blieb, weist das Quartier Jahr für Jahr eine hohe Fluktuation auf. Viele der im Quartier lebenden Menschen und Familien leben eher zurückgezogen. Besonders betroffen sind ethnische und soziale Untergruppen, die einen grossen Teil der Bevölkerung ausmachen. Studierende, Kulturschaffende und einkommensschwächere Haushalte tragen zu diesem Mix bei. Gemeinsam ist allen Gruppen, dass geeignete Räume für Austausch und Begegnung fehlen. Das soziale Leben verlagert sich daher vielfach in den privaten Bereich. Man lebt getrennt, isoliert und nach innen gekehrt. Räumlich eher nebeneinander oder übereinander. Die Wege führen meist direkt von der privaten Wohnung auf die öffentliche Strasse. Dazwischen befinden sich nur Hausflure und Treppenhäuser. Es mangelt am menschlichen Massstab und an Übergängen mit abgestuften Raumqualitäten, stattdessen dominieren harte, klare Grenzen. Impulse und Anziehungspunkte für Aussenstehende gibt es nur wenige im Säntimatt-Quartier. Entlang der Baselstrasse zeigt sich ein anderes Bild. Dort prägen lokal verankertes Kleingewerbe und Gastronomie das Strassenleben. Dabei werden viele Betriebe von Personen geführt, die auch vor Ort wohnen. Besonders auffällig ist dabei das vielfältige Angebot ausländischer Herkunft. Die grosse Heterogenität der Bebauung, der Bewohnerschaft und der Nutzungen führt, zusammen mit räumlichen und topografischen Herausforderungen, zu einem komplexen Gesamtgefüge. Dies, kombiniert mit unklaren Entwicklungsperspektiven und dem Fehlen einer langfristigen Vision, hat dazu beigetragen, dass im Quartier wenig investiert wurde und vieles sich selbst überlassen blieb. In der Folge gingen sowohl Wohn- als auch Arbeitsqualität sukzessive verloren.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

23


Abb. 16. Die heutigen Freiräume im Quartier ordnen sich dem Auto unter und sind entsprechend unattraktiv.

24

Im Untergrund


Abb. 17. Im Quartier dominieren harte Übergänge die Schwellenräume zwischen Privat- und Öffentlichem Raum vor den Gebäuden.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

25


2.2 Entwicklungskonzept der Stadt Luzern Die im Perimeter liegenden Entwicklungsschwerpunkte sind im Plan gebündelt dargestellt. Sie wurden von der Stadt Luzern in einem partizipativen Prozess gemeinsam mit der Bevölkerung erarbeitet, sodass die Übersicht einem abgestimmten Zukunftsbild entspricht. Abgebildet sind aktuelle, vor allem aber mittelund langfristige Entwicklungen, die aufzeigen, wie sich das Quartier rund um die Baselstrasse und die Säntimatt baulich-räumlich weiterentwickeln soll. Gemäss der Stadt Luzern zielt das Entwicklungskonzept darauf ab, die Freiraumversorgung und die Lebensqualität im Quartier zu stärken, bestehende Freiräume zu sichern und aufzuwerten sowie den Bestand sorgfältig weiterzuentwickeln. Wo möglich, sollen qualitativ hochwertige Ergänzungen entstehen, ohne den Quartiercharakter zu gefährden. Angestrebt wird ein lebendiges Quartier mit funktionierenden Zentren und sicheren, attraktiven Strassenräumen für alle Verkehrsmittel. Fuss-, Velo- und öffentlicher Verkehr sollen gezielt gefördert und der Modal Split zugunsten des Umweltverbunds verbessert werden. Ebenso sollen Biodiversität und ökologische Vernetzung gestärkt 11 werden. Daraus ergeben sich folgende im Plan dargestellte Entwicklungsschwerpunkte: . Transformation des Emmi-Areals mit Käselager zu einem gemischten Wohn- und Arbeitsquartier. . Durchgehender Reussuferweg auf der Südseite des Flusses vom Stadtzentrum bis zum Nordpol. . Parkanlage Kreuz-Platz am südlichen Brückenkopf der St.-Karli-Brücke. Infolgedessen soll der Rückbau der Genossenschaftswohnungen Platz für ein Quartierrestaurant schaffen.

11

26

Stadt Luzern, 2020, S. 8.

Im Untergrund


. Grünanlage Kreuzstutz, die den Bereich um den Strassenkreisel sowie neue Bushaltestellen umfasst. . Der Säntipark, welcher im Zusammenhang mit der Eindeckung der Autobahn eine grossflächige Grünanlage bildet. . Ausbau der Baselstrasse. Die Tempo-30-Zone soll zur Verkehrsberuhigung beitragen. Neue Wohn- und Geschäftsgebäude auf der Südseite der Hauptstrasse orientieren sich künftig mit grösserem Abstand zur Strasse. . S-Bahn-Haltestelle Kreuzstutz. Die beschriebenen Entwicklungsschwerpunkte sind überwiegend grossmassstäblich und teilweise mit weitreichenden Eingriffen verbunden. Nicht dargestellt sind kleinere Sanierungen oder Aufstockungen, die den Bestand weitgehend weiterführen. Ergänzend dazu erfolgt eine verkehrstechnische Priorisierung der drei Hauptrichtungen. Die Baselstrasse fungiert künftig als Hauptachse für den Autoverkehr, die Dammstrasse wird zu einer übergeordneten Fahrradschnellverbindung ausgebaut, während der Reussuferweg primär dem Fussverkehr dient. Auffällig und für die weitere Bearbeitung wesentlich ist, dass sämtliche geplanten Entwicklungsschwerpunkte um das Quartier herum geplant werden. Bestehende Freiräume zwischen den Gebäuden werden dabei nicht berücksichtigt, obwohl sie das Potenzial bieten, unmittelbare Aufenthalts- und Erlebnisqualitäten vor der Haustüre zu schaffen. Zwar tragen die geplanten Freiräume zur Aufwertung des Grossraums entlang der Reuss bei, das Quartier selbst wird dadurch jedoch nur bedingt in seiner Erschliessung und Weiterentwicklung gefördert. Dieses bislang ungenutzte Potenzial soll im Rahmen des Projekts gezielt aktiviert und in die städtebauliche Gesamtentwicklung des Quartiers integriert werden.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

27


Entwicklungsschwerpunkte Stadt Luzern Rückbau des Bestandes mit Neubau Freiräume

Reussu fer

Kreuz-Platz

Verkehrsberuhigte Begegnungsräume Strassen- und Wegenetz mit Aufenthaltsqualität

Emmi-Areal

S-Bah n Hal testel le

Grünanlagen Kreuzstutz

30e

r Zo

ne

Reussu

Kreuz-Platz

S-Bah Er n Halt sa estell tz e tb

au te n

Damm strass e

Grünanlagen Kreuzstutz

Bas elst ras se

Abb. 18. Übersichtsplan mit den Entwicklungsschwerpunkten im Perimeter.

28 GSEducationalVersion

Im Untergrund


Reuss uferw eg

Reussuferweg

mstra sse Säntipark

Tempo -30-Zo

ne

G h sc

üt

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

29


Denken in Sequenzen 30

Im Untergrund


3

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

31


In der Schweiz führt die Überlagerung divergierender Interessen, politischer Grenzziehungen und Verkehrsinfrastrukturen häufig zu funktional überformten Territorien und damit zu räumlich 12 diffus ausgebildeten Bereichen. Vor diesem Hintergrund entstanden zahlreiche Stadtgebiete, einschliesslich des Untergrunds, deren Prägung diese Überlagerungen deutlich widerspiegelt. Eine integrierte Betrachtung der historischen Entwicklung und der heutigen räumlichen Situation macht Folgendes deutlich: Im Untergrund haben sich komplexe, spannungsreiche Sequenzen herausgebildet, die durch Infrastrukturen, unterschiedliche Nutzungen und bauliche Verdichtung einen eigenen Charakter ausformen. Der Stadtraum um die Baselstrasse besitzt bereits heute ein gewisses Identifikationspotenzial, das sich jedoch vorwiegend auf die Bewohnerschaft, bestehende Problemlagen und den baulichen Zustand bezieht. Gleichzeitig weist der Untergrund mit seinen quartiersprägenden Strukturen ein hohes Potenzial für identitätsstiftende Orte auf, auch wenn dieses gegenwärtig überlagert oder abgeschwächt wirkt. Entwerferische Impulse werden daraus bislang kaum gewonnen, obwohl gerade die räumliche Heterogenität sowie die über- und unterdeterminierten Räume zwischen den Gebäuden beachtliches Transformationspotenzial bergen. Diese teils zufälligen, teils geplanten und oft tiefgreifenden Konstellationen lassen sich entschlüsseln, wodurch Brüche und Übergänge zwischen unterschiedlichen Nachbarschaften sichtbar werden. Neuartige räumliche Situationen sowie Mischungen und Fusionen von Programmen müssen jedoch über diese Brüche hinweg gedacht werden, was bedeutet, dass bestimmte Hindernisse in Kauf zu nehmen sind. Dies gilt insbesondere für grossmassstäbliche Verkehrsinfrastrukturen, deren Nachteile akzeptiert und im besten Fall strategisch genutzt werden sollten.

12

32

Graber et al., 2009, S. 2.

Im Untergrund


Gerade in einem derart vielschichtig überformten Stadtraum gewinnt das Denken in Sequenzen eine besondere Bedeutung. Die Stadt wird vom Menschen nicht als abstrakte Gesamtform wahrgenommen, sondern als fortlaufende Abfolge von Eindrücken, die sich beim Durchschreiten entfalten. Diese menschliche Perspektive macht sichtbar, wie sich Brüche, Übergänge und Verdichtungen räumlich anfühlen und wie sie Orientierung, Atmosphäre und Identifikation prägen. Das sequenzielle Lesen des Raums erlaubt es, die verborgenen Qualitäten zwischen Hang und Wasser aufzuspüren und die oft überlagernden Potenziale und Zwischenräume des Untergrunds neu zu interpretieren und Raumsequenzen über die Brüche hinweg zu schaffen. Vor diesem Hintergrund dient der theoretische Teil dieses Kapitels dazu, die räumlichen Schlüsselelemente herauszuarbeiten und aufzuzeigen, mit welchen Möglichkeiten und architektonischen Mitteln einzelne Sequenzen gestaltet werden können, und gleichzeitig den Mehrwert der sequenziellen Betrachtung des Stadtraums zu verdeutlichen.

Abb. 19. Luftaufnahme des Gebiets um die Baselstrasse und die Säntimatt mit hervorgehobenen prägenden Verkehrsinfrastrukturbauten. Während die Baselstrasse heute vorwiegend als Durchgangsort fungiert, wird die Säntimatt eher als Insel wahrgenommen. (Bild auf der nachfolgenden Seite)

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

33


800 m

50

0m

Insel 400 m

Durc

hgan

34

Im Untergrund

gsort


Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

35


3.1 Stadtbildtheorien nach Kevin Lynch und Gordon Cullen Das Bild der Stadt ist weder absolut noch anhand einfacher Zusammenhänge zu erklären. Als einzige Gemeinsamkeit hat das Stadtbild wohl nur, dass es in der Wahrnehmung subjektiv ist. Die nachfolgende Ausführung hat deshalb nicht den Anspruch einer abschliessenden Definition oder Erklärung, sondern stützt sich auf die Theorien und Stadtbildanalysen von Gordon Cullen, der 1961 das Buch The Concise Townscape veröffentlichte, sowie Kevin Lynch, dessen Werk The Image of the City 1960 erschien. Beide waren Stadtplaner und entwickelten Konzepte und Werkzeuge, die sie insbesondere in diesen Publikationen beschrieben. Im Folgenden werden diese Ansätze untersucht und wesentliche Aspekte und Strukturen urbaner Räume erläutert, die nicht nur dazu dienen, das Bild der Stadt zu verstehen und die Wahrnehmung urbaner Räume zu systematisieren, sondern auch Handlungsfelder aufzeigen.

36

Im Untergrund


Städtischer Nutzen Da das Stadtbild wesentlich von den Menschen mitgeprägt wird, soll zunächst der Wert der Stadt in Bezug auf den Nutzen, den sie letztlich hervorbringt, erläutert und zugleich die räumlichen sowie sozialen Beziehungen aufgezeigt werden, die in ihr entstehen. Dies sowohl im Verhältnis von Mensch zu Mensch als auch im Verhältnis von Mensch zur gebauten Umgebung. Die Nutzenden und deren Tätigkeiten, sind dabei ebenso bedeutsam wie die stationären physischen Strukturen. Wir sind nicht bloss Beobachtende, sondern Teil des Geschehens. Unsere Wahrnehmung ist daher fragmentiert und mit individuellen Interessen verknüpft. Fast alle Sinne wirken daran mit, 13 sodass das Bild der Stadt aus vielfältigen Eindrücken entsteht. Der Mensch ist das beweglichste Element der Stadt und benötigt Ankerpunkte für Aktivitäten im Freien. Offene Räume sind hierfür zwar notwendig, jedoch nur dann wirksam, wenn sie mit Objekten oder Strukturen ausgestattet sind, die individuelle Bewegungen bündeln und Gemeinschaft ermöglichen. Die Stadt als Ort der Versammlung, des Handels, der Freizeit und des sozialen Austauschs war über Jahrhunderte selbstverständ14 lich. Auch heute besteht dieses Bedürfnis weiterhin, sodass Begegnungen in der Stadt erwartet werden. Dies zeigt sich vor allem im gemeinschaftlichen Zusammenwirken, wodurch Vorteile entstehen, welche die Möglichkeiten einzelner deutlich übersteigen und bescheidene individuelle Mittel zu kollektiven Annehmlichkeiten summieren. Eine Stadt ist deshalb mehr als die Summe ihrer Bewohnenden, da sie einen sozialen und räumlichen Überschuss erzeugt und ein wesentlicher Grund, 15 weshalb Menschen eine Gemeinschaft der Isolation vorziehen. Die Stadt ist für alle und deshalb interessant, weil sie nicht für einzelne Personen, sondern für Menschen mit vielfältigen Herkünften, Berufen, Lebensgeschichten und Temperamenten 16 gebaut ist. 13

Lynch, 2014, S. 10.

14

Cullen, 2015, S. 103-104.

15

ebd. S. 7.

16

Lynch, 2014, S. 132.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

37


Analog zum kollektiven Nutzen des menschlichen Zusammenkommens erzeugen auch gebaute Strukturen gemeinsam eine visuelle Wirkung, die keine für sich hervorbringen kann. Der Zweck der Stadt besteht deshalb auch darin, alle Elemente wie Gebäude, Natur, Wasser, Verkehr, Werbung und weitere, so zu verweben, dass eine räumliche Dramaturgie entsteht. Dies, weil die Zusammensetzung der Umgebung zu den zentralen Quellen menschlicher Freude zählt und gerade im urbanen Kontext ein dynamisches Zusammenspiel bildet. Der menschliche Geist reagiert hierbei besonders auf Kontraste und Überlagerungen. Werden zwei räumliche Bilder gleichzeitig wahrgenommen, entsteht ein lebendiger Eindruck und ein Empfinden das die Stadt in einem tieferen Sinn sichtbar macht. Fehlen solche 17 Kontraste, gleitet sie ohne Besonderheiten an uns vorbei. In jedem Augenblick ist somit mehr vorhanden, als unmittelbar erfasst werden kann, sodass stets weitere Eindrücke darauf warten, erschlossen zu werden. Nichts wird für sich allein wahrgenommen, sondern jede Wahrnehmung ist in Zusammen18 hänge, Abläufe und Erinnerungen eingebettet.

Abb. 20. Piazza del Campo in Siena, Italien: das Stadtzentrum mit dem grossen Platz vor dem Rathaus.

38

17

Cullen, 2015, S. 9-15.

18

Lynch, 2014, S. 10-11.

Im Untergrund


Abb. 21. Piazza del Campo in Siena, Italien: Durch die geschlossene räumliche Gestaltung, die Orientierung an Sonne und Klima, die schalenförmige Topografie sowie die sorgfältig platzierten Brunnen und Poller ist der Platz ein idealer Treffpunkt und öffentlicher Raum.

Abb. 22. Piazza del Campo in Siena, Italien: Aktivitäten bündeln sich um die Poller, die den Übergang von den Randzonen zum Platz markieren.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

39


Letztendlich hängen die Beziehungen im städtischen Umfeld eng mit den Aktivitäten zusammen, die diesen Erfahrungen vorausgehen. Diese Aktivitäten lassen sich in drei Kategorien gliedern und sind ein wesentlicher Bestandteil des städtischen Lebens, der in Wechselwirkung mit dem Nutzen der Stadt steht. Die Notwendige Aktivitäten erfolgen unter allen Umständen und sind unvermeidbar, wie beispielsweise der Weg zur Schule, zur Arbeit oder alltägliche Erledigungen. Freiwillige Aktivitäten hingegen finden nur bei günstigen äusseren Bedingungen statt und werden wahrgenommen, wenn der Wunsch besteht und Zeit sowie Ort dies zulassen. Soziale Aktivitäten wiederum setzen die Anwesenheit anderer im öffentlichen Raum voraus und umfassen vielfältige gemeinsame Handlungen. In Strassen und Stadträumen geringer Qualität finden nur minimale Aktivitäten statt. Wird ein Raum hingegen als attraktiv wahrgenommen, entstehen insgesamt mehr Aktivitäten, die aufgrund angenehmer 19 physischer Bedingungen meist auch länger andauern. Diese Zusammenhänge sind für die Stadtplanung zentral. Während durch die planerische Arbeit in erster Linie solche Kontakte ermöglicht werden, beeinflussen die physischen Rahmenbedingungen Qualität, Inhalt und Intensität der Aktivitäten massgeblich.

Abb. 23. Grafische Darstellung des Verhältnisses zwischen der Qualität des Aussenraums und dem Vorkommen von Aktivitäten.

19

40

Gehl, 2012, S. 5-8.

Im Untergrund


Der selbstverstärkende Prozess:

Etwas passiert, weil etwas passiert.

Es passiert nichts, weil nichts passiert. Jan Gehl Leben Zwischen Häusern

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

41


Das Gefüge der Stadt aus Sicht der Bewohnenden Um eine Stadt oder Teile ihrer Ausprägung zu verstehen, ist es wesentlich, das bestehende Stadtgefüge zu entschlüsseln. Besonders wenn innerhalb dieser städtischen Struktur, im öffentlichen Raum und im Bestand weitergebaut werden soll, liefern Erkenntnisse über die vorhandene Bedeutung der Räume wertvolle Hinweise für eine spätere, gezielte Planung. Kevin Lynch entwickelte hierzu eine Herangehensweise zur Einordnung der Elemente einer Stadt, die insbesondere auf der Wirkung physisch wahrnehmbarer Strukturen (Form) basiert. In seiner Analyse grenzt er die Rolle der Form bewusst von anderen Einflussfaktoren wie sozialer Bedeutung, Funktion oder Geschichte ab. Hingegen untersucht er gezielt, wie die sicht20 bare Umgebung das Bild der Stadt beeinflusst. Nach Lynch lassen sich die gegenständlichen Elemente, welche das Stadtbild und letztlich die Menschen wesentlich prägen, in fünf Typen gliedern: Wege, Grenzlinien, Bereiche, Brennpunkte und Merkzeichen. Dieser Kategorisierung, die sich auf verschiedenste Orte anwenden lässt, gingen Analysen und Befragungen voraus, bei denen er feststellte, dass jede Stadt ein bestimmtes Bild besitzt, das sich aus zahlreichen individuellen Vorstellungen von Bewohnenden zusammensetzt und sich zu einer kollektiven Vorstellung verdichtet. Diese individuellen Stadtbilder sind einzigartig, enthalten jedoch oftmals gegenständliche Elemente, 21 die Lynch in die fünf Typen überführt hat. Zentral ist diese Beobachtung vor allem, da sie den visuellen Zusammenhang der Stadt aufzeigt und zugleich Sequenzen unterschiedlicher Grösse und Ausprägung beschreibt, die das Stadtgefüge und letztlich das beim Durchschreiten erfahrbare Bild der Stadt prägen.

20 Lynch, 2014, S. 60. 21 ebd. S. 60.

42

Im Untergrund


Wege sind lineare Strukturen, entlang derer sich Menschen regelmässig, gelegentlich oder potenziell bewegen. Dazugehören etwa Strassen, Fusswege oder Bahntrassen. Sie stellen für viele Beobachtende die dominanten Elemente ihres Stadtbildes dar, da die Wahrnehmung der Umgebung häufig während der Bewegung erfolgt. Identifizierbare Wege besitzen eine funktionale Kontinuität und oft klare Richtungsqualitäten. Gut erkennbare Anfangs- und Endpunkte erleichtern Orientierung, 22 strukturieren den Stadtraum und vermitteln Sicherheit. Grenzlinien oder Ränder sind lineare Elemente, die vom Beobachtenden nicht als Wege genutzt oder wahrgenommen werden. Sie markieren Übergänge zwischen zwei Gebieten und stellen lineare Unterbrechungen im räumlichen Zusammenhang dar, wie beispielsweise Küsten, Bebauungsränder oder Mauern. Sie fungieren weniger als Orientierungsachsen, sondern eher als seitliche Bezugslinien. Je nach Ausprägung können Grenzlinien 23 als trennende Barrieren oder als verbindende Nähte fungieren. Bereiche sind mittlere bis grosse Stadtabschnitte, die als zweidimensionale Gebiete wahrgenommen werden. Beobachtende erkennt sie anhand eines charakteristischen Erscheinungsbildes, sowohl von innen wie, sofern sichtbar, auch von aussen. Die Gliederung einer Stadt in Bereiche ist ein weit verbreitetes 24 Muster der Raumwahrnehmung. Brennpunkte sind strategische Orte innerhalb der Stadt, die dem Beobachtenden zugänglich und häufig intensiv genutzt sind. Sie dienen als Ziel- oder Ausgangspunkte von Bewegungen. In erster Linie lassen sie sich als Knotenpunkte verstehen, als Kreuzungen, Übergänge oder Treffpunkte, an denen verschiedene Strukturen aufeinandertreffen. Darüber hinaus können Brennpunkte als Konzentrationsorte betrachtet werden, deren Bedeutung aus der Verdichtung von Nutzungen oder ihrer räumlichen Eigenart oder dem Charakter entsteht, etwa an einer 25 Strassenecke oder auf einem Platz.

22 Lynch, 2014, S. 60-69. 23 ebd. S. 61. 24

ebd. S. 61.

25 ebd. S. 61-62.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

43


Merkzeichen sind optische Bezugspunkte, die von Beobachtenden als äussere Orientierungshilfen dienen. Im Gegensatz zu Bereichen oder Brennpunkten sind sie nicht direkt betretbar. Es handelt sich meist um einzelne Objekte wie Gebäude, Türme, Schilder oder topografische Erhebungen. Häufig liegen Merkzeichen in einiger Entfernung und sind aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Distanzen wiedererkennbar. Sie überragen ihre Umgebung und fungieren als visuelle Ankerpunkte oder Radialmarken, die eine konstante Orientierung innerhalb oder sogar 26 ausserhalb der Stadt ermöglichen. Keines dieser Elemente tritt in der Realität isoliert auf. Vielmehr greifen sie ineinander und überlagern sich. Für ein befriedigendes räumliches Gesamtbild müssen sie jedoch gemeinsam betrachtet werden. Laut Lynch stehen diese wie folgt in Beziehung zueinander: Innerhalb der städtischen Gesamtstruktur verbinden Wege die Brennpunkte und schaffen Zugang zu den Bereichen. Brennpunkte verknüpfen und beenden Wege, Grenzlinien definieren die Ränder von Bereichen, und Merkzeichen markieren im besten Falle deren Zentren. Eine gelungene Gestaltung urbaner Formen stellt sicher, dass diese Strukturen und Erscheinungsbilder kontinuierlich lesbar bleiben, zwischen Tag und Nacht ebenso wie zwischen den Jahreszeiten. Sie dienen dabei nicht nur der Gliederung des Gebiets, sondern tragen zur Identität der Stadt bei, indem sie deren Eigenart vertiefen und bereichern. Ziel einer qualitätsvollen Umweltgestaltung ist es nicht allein, alltägliche Abläufe zu erleichtern oder bestehende Bedeutungen zu verstärken, sondern ebenso neue Erfahrungen und Erkun27 dungen zu ermöglichen. Vor diesem Hintergrund zeigt sich, dass Baukultur eine zentrale Rolle für die Qualität des gebauten Umfelds spielt, jedoch über die rein funktionale Gestaltung 28 hinausgeht. Aus Sicht von Betrachdenen entspricht das Denken in Sequenzen letztlich dem Erleben des Stadtraums in Sequenzen.

26 Lynch, 2014, S. 62. 27 ebd. S. 129-131. 28 Bundesamt für Kultur BAK, 2021, S. 5.

44

Im Untergrund


Wege Grenzlinien Brennpunkte Bereiche Merkzeichen

St. Karli Kirche St. Karli Kirche

Kanto

nsspit

al

al

Dammgärtli

Dammgärtli

Kreutzstutz

nsspit

Kanto

Kreutzstutz

St. Karli Kirche

Kanto

nsspit

al

Dammgärtli Gütsch

Kreutzstutz

Gütsch

Ch â Gü teau tsc h

Ch â Gü teau tsc h Gütsch

GSEducationalVersion

Ch â Gü teau tsc h

GSEducationalVersion

Abb. 24. Betrachtungsperimeter des Projekts mit den fünf eingezeichneten Kriterien.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

45


Die Betonung der Wege Die Ablesbarkeit des Wahrgenommenen, verbunden mit einer guten Vorstellung von der Umgebung, vermittelt ein ausgeprägtes Bewusstsein gefühlsmässiger Sicherheit und ermöglicht eine harmonische Verbindung zwischen der eigenen Wahrnehmung und der Aussenwelt. Zwar besitzt eine Umgebung, die Geheimnisse, Irrewege und Überraschungen bereithält, einen gewissen Reiz, wirklich überzeugend wirkt dies jedoch nur unter zwei Bedingungen. Erstens darf keine Gefahr bestehen, den Weg oder die Orientierung zu verlieren, sodass Überraschungen in ein übergeordnetes räumliches Gerüst eingebettet sein müssen, in dem auch komplexe Bereiche klar bleiben. Zweitens sollte das Geheimnisvolle eine Form besitzen, die erforscht und 29 mit der Zeit verstanden werden kann. Die Betonung der Wege, die von baulichen und dynamischen Elementen umgeben sind, ist demnach entscheidend sowohl für die Erfüllung ihrer Funktion als auch für das Wohlbefinden der Nutzenden. Die städtische Umwelt lässt sich somit zu einer einprägsamen Landschaft formen, die zusammenhängend und klar verständlich ist, wobei die Wege eine zentrale Rolle spielen. Dies erfordert eine Gestaltung, deren Formen das Auge ansprechen und auf unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Ebenen aufein30 ander abgestimmt sind. Aus visueller Sicht ist insbesondere die Neutralisierung des Bodens zu vermeiden. Der Raum zwischen den Gebäuden würde sich dadurch von einer verbindenden zu einer trennenden Fläche wandeln und büsst seine spezifischen Eigenschaften zugunsten verallgemeinerter Merk31 male ein, was einen erheblichen Verlust darstellt.

29 Lynch, 2014, S. 15. 30 ebd. S. 110. 31

46

Cullen, 2015, S. 128.

Im Untergrund


Eine typische, organisch gewachsene Stadt verdeutlicht diese Zusammenhänge. Ihre Struktur folgt nicht einem festen Strassenmuster, sondern einer Abfolge von Räumen und Sequenzen, die durch Gebäude gebildet werden und aus dem charakteristischen Wesen der Stadt sowie ihrer zeitlichen Veränderbarkeit und kontinuierlichen Weiterentwicklung hervorgehen. Die Betonung der Wege bedeutet daher nicht die Rationalisierung all dieser Räume, sondern das Verbinden der Sequenzen zu einer Wegverbindung, die mehr bietet als eine lineare und normierte Achse zwischen zwei Orten. Andererseits führt die Vernetzung der Sequenzen innerhalb einer Stadt zu einem Fussgängernetz, das insbesondere unter der Wahrung von Zugang und Kontinuität entsteht und widerständige sowie lebendige urbane Räume 32 für die Menschen schafft. Letztlich meint die Betonung der Wege also auch die Betonung der Sequenzen, der Zusammenhänge und die räumliche Ausprägung entlang der Wege. Diese fungieren als verbindende Elemente, die erkannt werden sollen und ebenso Querverbindungen zu anderen Stadtbereichen ermöglichen, wodurch sie grössere städtische Gebiete zu einem Netz von Bewegungslinien zusammenbinden.

Abb. 25. Das Stadtzentrum von Florenz, 1843, als anschauliches Beispiel einer organisch gewachsenen Stadt. Die Unterschiede zwischen entstandenen und geplanten Bereichen entlang der Wege sowie das ausgeprägte Wissen um den menschlichen Massstab, das mittelalterliche Städte prägt, sind evident und im modernen Städtebau in dieser Form kaum zu finden.

32 Cullen, 2015, S. 54.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

47


Das Gestalten der Serie Die anschliessende Sammlung an Begrifflichkeiten zum prägnanten Stadtbild beschreibt mögliche Handlungsfelder und architektonische Werkzeuge, um die serielle Wahrnehmung auf unterschiedlichen Ebenen und in verschiedenen Massstäben zu gestalten. Eine Sequenz kann sich dabei aus mehreren dieser architektonisch-räumlichen Elemente zusammensetzen. Aus der Perspektive des Fussgängers betrachtet, definieren sie die Handlungsspielräume, innerhalb derer die Wahrnehmung beeinflusst und gestaltet werden kann. In ihrer Gesamtheit und abhängig von ihrer Ausprägung prägen diese die Nutzung, die Identität und das Bild der Stadt.

48

Im Untergrund


Ablenkung: Eine Variation des Weitblicks ist die Ablenkung, bei der das Objekt vom rechten Winkel abgedreht wird. Dies weckt die Erwartung, dass ein kohärenter, dazugehöriger Teil an einem 33 noch ungesehenen Ort liegt. Besetztes Territorium: Schatten, Schutz und Annehmlichkeit lösen Besitznahme aus. Solche Orte schaffen ein Bild unterschiedlicher Nutzungsformen und verwandeln einen fliessenden Aussenraum in eine statische 34 Umgebung. Boden: Die Umgebung ist fragmentiert in einzelne Häuser oder Zonen. Der Boden ist einer der stärksten Faktoren, um diese Abschnitte der Stadt zu einen und zu verbinden. Er gehört allen und fördert 35 die Koexistenz verschiedener Elemente. Definierter Raum: Es geht um die Reduktion und Fragilität der Mittel, um Räume einzufassen und zugleich den Wunsch zu umschliessen als auch 36 den Blick auf das Dahinterliegende freizugeben. Dominanz: Die Vorherrschaft eines Elements über andere, durch Dimension, Intensität oder Interesse, lässt das Ganze als Hauptteil erscheinen. Dies erleichtert die Vereinfachung des Stadtbildes 37 durch Unterordnung anderer Elemente. Drama: Das Hiersein und das Identitätsgefühl mit einem Ort erzeugen räumliches Drama, das auch ein Gefühl des Dahinterliegens 38 erzeugen muss.

33 Cullen, 2015, S. 43. 34 ebd. S. 23. 35 ebd. S. 53. 36 ebd. S. 32. 37 Lynch, 2014, S. 126. 38 Cullen, 2015, S. 33.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

49


Einfassung: Ausserhalb, der Lärm und die Geschwindigkeit der unpersönlichen Kommunikation. Innerhalb, die Ruhe und der menschliche 39 Massstab, übersetzt in Platz- oder Hofsituationen. Einmaligkeit: Gegensätze in der Umgebung oder im Erleben des Betrachters machen Elemente bemerkenswert, lebendig und erkennbar. Kontraste und Einmaligkeit beleben die Szene, sodass die Menschen immer weniger auf die grobe physische Form ange40 wiesen sind. Einzelheit: Details wie Türme, Silhouetten oder Farben fangen das Auge, 41 verhindern Langeweile und lenken vom Dahintergleiten ab. Engstellen: Druck und Nähe zu Details stehen im Gegensatz zu weiten Plätzen. Engstellen ermöglichen Einfassung ohne Durchgangs42 blockade und gliedern den Raum klar. Enklave: Ein offener Innenraum mit direktem Zugang, abseits des Hauptstroms, in dem Schritte nachhallen, Licht abnimmt und die 43 Umgebung von sicherer Position überblickt werden kann. Fokuspunkt: In einer belebten Stadt dient er als Vertikalachse der Ansamm44 lung dazu, ein Zentrum zu betonen.

39 Cullen, 2015, S. 25. 40 Lynch, 2014, S. 125. 41

Cullen, 2015, S. 44.

42 ebd. S. 45. 43 ebd. S. 25. 44 ebd. S. 49.

50

Im Untergrund


Entscheidend ist, die Menschen emotional zu erreichen.

Gordon Cullen The Concise Townscape

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

51


Gefahren: Der Prozess des Verknüpfens und Zusammenführens wirft das Problem auf, dass er visuell lohnend sein mag, dies aber möglicherweise nicht dem unmittelbaren Zwecken entspricht. Geländer, Wasser, Bepflanzung oder Höhenunterschiede erlauben visuellen Zugang, verhindern jedoch physischen 45 Zutritt. Gegenüberstellung: Die direkte Beziehung zweier Kategorien zeigt deren klaren 46 Charakter, ohne ihn zu verwischen. Höhenunterschiede: Jede Darstellung der emotionalen Reaktionen eines Menschen auf seine Position beinhaltet das Thema der Ebenen und den Akt des Hinauf- oder Hinabsteigens. Eine Ebene darunter erzeugt Intimität, Unterlegenheit, Einfassung und Klaustrophobie, während eine Ebene darüber Erhebung, Übersicht, 47 Überlegenheit und Ausgesetztsein vermittelt. Klarheit: Einfache, klare Formen im geometrischen Sinn erleichtern 48 Wahrnehmung und Aufnahme ins Gedächtnis. Kontinuität: Durchlaufende Oberflächen, Fluchtlinien, Wiederholung und Ähnlichkeit vereinfachen die Wahrnehmung komplexer Räume 49 und verleihen ihnen eine einheitliche Identität. Namen: Steigern Einprägsamkeit und Identität eines Elements. Sie geben Hinweise auf Lage, Historie oder Funktion und unterstützen jene Aussage über Identität und Struktur, die schon in 50 der äusseren Form eines Elementes angedeutet ist.

45 Cullen, 2015, S. 56. 46 ebd. S. 60. 47

ebd. S. 38.

48 Lynch, 2014, S. 126. 49 ebd. S. 126. 50 ebd. S. 129.

52

Im Untergrund


Reihenfolgen: Einfache «eins-nach-dem-anderen»-Verknüpfungen verbinden Elemente und verstärken das Zusammenspiel über die Einzel51 teile hinaus. Richtungsdifferenzierung: Asymmetrien, Steigungen und Kurven unterscheiden Enden, Seiten oder Himmelsrichtungen und sind wichtig für die Struk52 turbildung im grossen Massstab. Sichtbereich: Durchsichten, Überschneidungen, Aussichten und Panoramen erweitern das Blickfeld in die Tiefe und sind Hinweise auf verborgene Elemente, welche die Wahrnehmung des Raums 53 erhöhen. Unstofflicher Raum: Durch das Auflösen von Wänden mittels Gittern, Spiegeln oder Illusion entsteht ein Raum ohne begrenzende Wände, der sich zurücknimmt bei der Annäherung und sich hinter einem wieder 54 schliesst. Vor- und Rücksprung: Die Komplexität des abgestuften und gewundenen Strassenverlaufs fängt den Blick und erzeugt Ruhe oder ein Verweilen 55 des Geistes.

51

Lynch, 2014, S. 128.

52 ebd. S. 127. 53 ebd. S. 127. 54 Cullen, 2015, S. 31. 55 ebd. S. 44.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

53


Laut Gordon Cullen erweist sich die Wirkung der Nebeneinanderstellung häufig als prägnanter als die Wirkung einzelner 56 Objekte. Dies zeigt, dass die Elemente der Umgebung untrennbar miteinander verbunden sind und die genannten Begrifflichkeiten nicht isoliert betrachtet werden sollten. Im Gegenteil, ein gewisses Mass an Wiederholung und ein Überfluss sich ergänzender Merkmale sind notwendig, denn ein Gebiet wird erst dann unverwechselbar, wenn seine Form 57 innerhalb der Stadt einzigartig ist. Auch die Wege sollten deshalb über spezifische Eigenschaften verfügen, die sie von anderen Verkehrskanälen unterscheiden. Deutlich spürbare Knotenpunkte im Wegsystem können ein lebendiges Gesamtbild erzeugen, die Orientierung erleichtern und Zonen erhöhter Wahrnehmung markieren. Das Bild wird noch klarer, wenn Wege mit ähnlicher topologischer Führung oder identischer Himmelsrichtung jeweils eigenständig gestaltet sind. So erhalten Strassen und Wege eine individuelle räumliche Identität. Eine gewisse Kontinuität ist für die Betonung der Wege demnach zentral. Sie macht den räumlichen Zusammenhang sichtbar und ermöglicht, gegebenenfalls, das Überdauern von 58 Veränderungen im Wandel der Zeit. Räumliche Sequenzen hängen insofern damit zusammen, indem sie Aussenräume und Fusswege in visuell fassbare und zusammenhängende Einheiten gliedern, ohne das Gefühl der Fortbewegung zu beeinträchtigen. Der Weg vom Ausgangspunkt zum Ziel wird dadurch nicht unbedingt sofort erkennbar. Diese Unregelmässigkeit teilt die Route in eine Abfolge identifizierbarer visueller Einheiten, die wirksam und mitunter überra59 schend miteinander verknüpft sind. Die gewonnenen Qualitäten zeigen sich in der Serie, die einen menschlichen Massstab besitzt, Ereignisse schafft und ein Gefühl von Entfaltung vermittelt. Denn letztlich sind Lebhaftigkeit und Verständlichkeit des Stadtbildes grundlegende Voraussetzungen dafür, dass die Stadt sowohl Freude als auch Nutzen erzeugen kann. 56 Cullen, 2015, S. 189. 57 Lynch, 2014, S. 129. 58 ebd. S. 105-118. 59 Cullen, 2015, S. 106.

54

Im Untergrund


Das Potenzial und zugleich die Herausforderung liegen also darin, ein Gleichgewicht zwischen der Wahrung von Orientierung und Kontinuität des Weges sowie seiner Funktion als Verbindungsachse beizubehalten und gleichzeitig den Akt des Durchschreitens zu kuratieren, sodass die Bewegung durch die Stadt in gleichmässigem Tempo eine Abfolge von Sequenzen erzeugt, die zu Enthüllungen führt. Im besten Fall ergibt sich aus dem gleichmässigen Fortgang eine Reihe plötzlicher Kontraste, die den visuellen Eindruck schärfen und das Gefühl von Entdeckung sowie situativem Drama hervorrufen. So bewegt sich die betrachtende Person von einer Atmosphäre in die nächste, was 60 die Stadt mit all ihren Facetten erfahrbar macht.

Abb. 26. Das Beispiel zeigt eine Abfolge räumlicher Situationen entlang eines Weges. Es veranschaulicht, wie vielfältig die Wahrnehmung einer Serie von Sequenzen sein kann. Anstelle eines sich wiederholenden Bildes erweitert jede Perspektive die vorhergehende Ansicht und führt schrittweise durch die Stadt, sodass voneinander getrennte, eigenständige Raumbilder entstehen.

60 Cullen, 2015, S. 17-19.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

55


Der menschliche Massstab Im unmittelbaren Erleben wird das Bild der Stadt wesentlich durch jene Erfahrungen geprägt, die auf Augenhöhe wahrgenommen werden. Besonders in der Bewegung verändert sich dieses Bild fortlaufend, da kontinuierlich neue Reize auf die Sinneswahrnehmung einwirken. Der Massstab des Gebauten im Verhältnis zur menschlichen Grössenordnung spielt dabei eine zentrale Rolle, während die kombinierte sensorische Erfahrung das räumliche Wohlbefinden massgeblich prägt. Bauen für den menschlichen Massstab bezieht sich vor allem auf Abmessungen, die an den menschlichen Körper, die Sinnesorgane und typische Verhaltensweisen gekoppelt sind und daher kleinere Bauteile sowie geringere Höhen begünstigen. Entscheidend ist eine Gestaltung, die sich am Erleben auf Augenhöhe orientiert. Kleinere Räume bringen Menschen einander und dem alltäglichen Geschehen näher. Details werden sichtbarer, leise Geräusche werden wahrnehmbar, Gerüche und Oberflächen erfahrbar. Dadurch intensivieren sich die räumlichen Begegnungen und Erlebnisse. Gleichzeitig lassen sich überschaubare Räume leichter erfassen, was das Sicherheits61 empfinden erhöht. Die Wahrnehmung auf Augenhöhe ist die stärkste Grundlage, um die Umgebung zu interpretieren, sich mit ihr auseinanderzusetzen und angemessen zu reagieren. Besonders prägend sind jene Erlebnisse, Personen und gebauten Elemente, die sich in einem Abstand von weniger als drei Metern befinden und 62 dadurch eine unmittelbare Verbindung zum Ort herstellen. Die Kenntnisse über die menschlichen Sinne sowie deren Funktionsund Wirkungsbereiche bilden somit eine weitere zentrale Grundlage für die Gestaltung der Serie und stehen in engem Zusammenhang mit dem wahrgenommen Stadtbild.

61 Sim & Gehl, 2022, S. 234. 62 ebd. S. 235.

56

Im Untergrund


Abb. 27. Der Modulor. Darstellung eines in Architektur und Technik allgemein anwendbaren harmonischen Masses im menschlichen Massstab.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

57


3.2 Architektur und Bewegung bei Auguste Choisy, Sergei M. Eisenstein und Le Corbusier Die architektonische Wahrnehmung ist niemals statisch. Sie entfaltet sich in der Bewegung, in der Abfolge von Eindrücken und im Zusammenspiel von Raum und Zeit. Aufbauend auf den vorangegangenen Theorien zur Stadtbildanalyse wird im Folgenden gezeigt, wie die serielle Wahrnehmung das Erleben und Verstehen von Sequenzen prägt. Dabei werden die Ansätze von Sergei M. Eisenstein, dem bedeutenden sowjetischen Filmregisseur, Auguste Choisy, französischem Architekturhistoriker, und Le Corbusier, Pionier der modernen Architektur, herangezogen, die dieses Prinzip jeweils aus unterschiedlichen Perspektiven und Überzeugungen beschreiben. Während Eisenstein im Begriff des Kinematismus die Grundlagen einer montagetechnischen Betrachtung von Architektur entwickelt und damit eine "Kunst der konstruierten Bewegung" formuliert, knüpft diese Denkweise an frühere architekturtheoretische Überlegungen an, wie sie Auguste Choisy mit seiner Analyse perspektivischer Bildfolgen erstmals systematisch beschrieb. Demgegenüber betont Le Corbusier die zentrale Rolle des Grundrisses als ordnendes Prinzip räumlicher Sequenzen und veranschaulicht dies anhand der inszenierten Abfolge von Blicken und Wegen, die sowohl die statische als auch die bewegte Wahrnehmung miteinbezieht. Während erstere sich auf den Aussenraum fokussieren, zeigt sich bei Corbusier, wie dieses Prinzip konsequent bis in die Innenräume fortgeführt werden kann. Beide Ansätze verdeutlichen jedoch, dass sich Architektur erst durch den Weg des Blicks oder den Weg der Schritte vollständig erschliesst.

58

Im Untergrund


Kinematismus nach Sergei M. Eisenstein In seinen Essays zur Malerei sucht Eisenstein nach Sequenzialität und Montage innerhalb statischer Bilder und versucht damit, eine neue Kategorie „zwischen Malerei und Kino“ zu formulieren, die vor allem durch rhythmische, kontrastreiche und konflikthafte Montage entsteht und beim Publikum eine starke Wirkung hervorruft. Der Begriff des Kinematismus sollte daher eine grundlegende Ebene der Bildartikulation sichtbar machen. Dabei greift er auf jene perspektivische Bildsequenz zurück, die erstmals 1899 in Choisys "Histoire de l’architecture" erschien. Choisy war der Erste, der die ästhetische Motivation variabler 63 Blickpunkte der Betrachtenden nachzuvollziehen versuchte. In diesem Zusammenhang argumentiert Eisenstein, dass einzelne Bilder oder Phasen zwar Elemente eines Ganzen darstellen, jedoch isoliert kaum entzifferbar sind. Ihre Wirkung entfalte sich erst, wenn sie in eine sequentielle Ordnung überführt werden. Zu seiner Zeit, so beschreibt er, folgte vor allem der imaginäre Pfad des Auges einem Objekt, dessen Erscheinungsform sich je nach Blickwinkel verändert. In früheren Epochen hingegen bewegten sich die Betrachtenden selbst durch eine sorgfältig arrangierte Abfolge von Phänomenen, die 64 sie nacheinander wahrnahmen.

Abb. 28. Sergei M. Eisensteins Zerlegung und Neuinszenierung einer Illustration von David Burliuk.

63 Eisenstein et al., 1989, S. 113-114. 64 ebd. S. 115-116.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

59


Die sorgfältig arrangierte Abfolge zeigt sich besonders deutlich in Choisys Analyse der Akropolis. Der Grundriss wirkt auf den ersten Blick unregelmässig, bildet jedoch ein ausgewogenes Ganzes. Die allgemeine Symmetrie der Masse wird von subtiler Vielfalt in den Details begleitet, sodass die optische Symmetrie beim Durchschreiten präzise wirkt. Zudem dominiert an jedem Punkt nur ein zentrales architektonisches Motiv, was die Klarheit des Eindrucks und die Einheit des Bildes sichert. Die Abfolge der Bilder, die die Akropolis bietet, ist dabei konsequent auf den ersten visuellen Eindruck hin gestaltet und bis zur Perfektion ausgearbeitet. Auch die Dauer, in der jedes Bild wahrgenommen wird, ist Teil der räumlichen Komposition. Der Auffassung Eisensteins zufolge ist die Wirkung solcher Montagesequenzen geradezu eng mit dem Rhythmus des Bauwerks verbunden, wobei die Zeit der Bewegung zwischen zwei Punkten dessen 65 feierlichen und würdigenden Charakter verstärkt.

Abb. 29. Grundriss der Akropolis von Athen mit eingezeichnetem Wegverlauf und Standpunkte A bis D.

Erechtheion

D

Parthenon

C Promachos

B Propyläen

A

65 Eisenstein et al., 1989, S. 118-121.

60

Im Untergrund


Abb. 30. Standpunkt A: Westlicher Zugang mit frontalem Blick auf die Propyläen.

Abb. 31. Standpunkt B: Frontaler Blick auf den Promachos.

Abb. 32. Standpunkt C: Seitlicher Blick auf das Parthenon.

Abb. 33. Standpunkt D: Seitlicher Blick auf das Erechtheion mit den Karyatiden des Südportikus davor.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

61


Abb. 34. Schemata A bis D zur Komposition der Wegabfolge.

62

Im Untergrund


Die strenge und zugleich elegante Konstruktion dieser kompositorischen Abfolge lässt sich anhand der vier Schemata nachvollziehen. Sie beschreiben die zuvor dargestellten Sequenzen des Durchschreitens. Die Bilder A und B sind in ihrer Symmetrie gleichwertig, stehen jedoch hinsichtlich ihrer räumlichen Ausdehnung in einem gegensätzlichen Verhältnis. Die Bilder C und D sind spiegelbildlich angelegt und wirken als Vergrösserungen der rechten und linken Flügel von Bild A, um sich anschliessend wieder zu einer ausgewogenen Gesamtform zu verdichten. Das skulpturale Motiv aus B setzt sich in C fort und wird in D erneut aufgegriffen, wodurch eine kontinuierliche 66 motivische Abfolge entsteht. Die vereinfachte Darstellung der Abfolge zeigt, dass sich das vollständige Bild dieser räumlichen Montagesituation erst in der sequentiellen Nebeneinanderstellung erschliesst. Gleichzeitig erweist sich die Trennung der Elemente als wirksamstes Mittel, ein Bild zu verbergen, das erst in seiner Folge sichtbar werden soll. In beiden Fällen gewinnt die Darstellung ihre Wirkung durch die Zusammenfügung getrennter Bildelemente. Das Beispiel verdeutlicht überzeugend die Verbindung von Montagetechnik und Architektur und macht die enge Beziehung zwischen mise-en-cadre (Bildkomposition innerhalb einer Szene) und mise-en-scène (Gesamtszene) deutlich. Diese Verbindung bildet den Grundpfeiler für das Verständnis beider Bereiche und der 67 Kunst der Montage nach Sergei M. Eisenstein.

66 Eisenstein et al., 1989, S. 120. 67 ebd. S. 128-129.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

63


Le Corbusier zwischen Ordnung und Bewegung Sequenzen, Bewegung und räumliche Abfolgen machen Le Corbusiers Architektur aus einer Perspektive erfahrbar, die über rein gestalterische oder funktionale Aspekte hinausgeht. Diese Wahrnehmung formiert sich im Spannungsfeld zwischen baulicher Ordnung und der dazugehörigen Wegführung, die aus der konstruierten Raumidee hervorgeht. Die von ihm in diesem Zusammenhang behandelten Themen umfassen sowohl die statische als auch die bewegte Wahrnehmung sowie den menschlichen Massstab der architektonischen Umsetzung. Alle Elemente stehen in wechselseitiger Beziehung zueinander, werden im Folgenden jedoch einzeln beschrieben. Zunächst spielt die bauliche Ordnung, die Le Corbusier über den Grundriss bestimmt, eine zentrale Rolle in seiner Auffassung von Architektur. Er beschreibt den Grundriss als besonders einflussreich, da er nicht nur die Frage nach den Bedürfnissen aufwirft, sondern auch die Wahrnehmung entscheidend zu beeinflussen vermag. Die Idee eines Entwurfs wird deshalb erst durch ihre Ordnung wirksam, wobei Baukörper und Raumhülle als zentrale Elemente direkt vom Grundriss bestimmt werden. Aus ihm entstehen geordnete Sinneseindrücke, die in Verbindung mit der Bewegung eine höhere Form der räumlichen Befriedigung vermitteln. Es zeigt sich, dass der Grundriss in seinem Verständnis vor allem als Ausgangspunkt der räumlichen Erfahrung dient, wie bewusst er diese Abfolge gestaltet und welche Bedeutung er dieser zuschreibt. Damit enthält der Grundriss das Wesentliche der Wirkung auf die Sinne und verdient entsprechend besondere Aufmerksamkeit, die Le Corbusier nicht zuletzt auch als Ausdruck von Baukunst 68 bezeichnet.

68 Fondation Le Corbusier, 2014, S. 26-51.

64

Im Untergrund


Abb. 35. Typus eines hinduistischen Tempels bei dem die Türme einen Rhythmus im Raum bilden.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

65


Teil der Grundrissgestaltung ist bereits jene räumliche Erfahrung, die aus einer statischen Wahrnehmung heraus entsteht. Dies zeigt sich exemplarisch in Le Corbusiers Skizzenabfolge Zuckerhut – Bucht von Rio – Fauteuil – Raum mit Glasfassade, dargestellt in La Maison des Hommes von 1942. Die sequenzielle Annäherung verweist auf filmische Mittel und verdeutlicht zugleich, wie Ausrichtung und Bezug zum Aussenraum, die im Grundriss festgehalten sind, Teil der räumlichen Erfahrung werden, noch bevor die Bewegung der betrachtenden Person einsetzt. In diesem Zustand erfasst das Auge sowohl die Tiefenwirkung der räumlichen Harmonie als auch die Vielfalt der Formen, die sich als Abfolge von Eindrücken aneinanderreihen, 69 sodass das Geschehen als distanziertes Bild vorüberzieht. Aufbauend auf der statischen Raumauffassung erweitert Le Corbusier die Betrachtung um die Wahrnehmung des Raumes in der Bewegung und präzisiert damit den Zusammenhang zwischen räumlicher Konzeption und sequenzieller Auffassung. In La Maison des Hommes definiert er das Auge als Aufnahmemedium, das architektonische Sequenzen analog zu einem Kameraobjektiv erfasst. Der Wahrnehmungspunkt liegt dabei auf einer Höhe von 1,60 m über dem Boden. Mit der Fortbewegung erschliessen sich dem Blick nacheinander unterschiedliche Raumsituationen. Die Skizzen verdeutlichen den sequenziellen Charakter, indem sie nicht nur das Blickfeld als Wahrnehmungsrahmen begrenzen, sondern zugleich eine Wegabfolge formulieren, über die sich die Bewegung im Raum nachvollziehen 70 lässt. Abb. 36. Blickfeld und Wegabfolge bei Le Corbusier, das einem Storyboard gleicht.

69 Bächtiger, 2025. 70 ebd.

66

Im Untergrund


Abb. 37. Le Corbusiers Skizzenabfolge: Zuckerhut – Bucht von Rio – Fauteuil – Raum mit Glasfassade.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

67


Wie sich der Weg als Ausdruck inszenieren lässt und welchen Einfluss der Grundriss auf die Baukunst ausübt, zeigt sich beispielsweise an der von Le Corbusier geplanten Villa La Roche-Jeanneret in Paris. Das Untersuchungsobjekt verdeutlicht, wie Bewegung, Ästhetik und funktionale Anforderungen sich gegenseitig bereichern können. Die Sequenzialität greift Le Corbusier insbesondere in Verbindung mit der Wegkonzeption auf. In seinen architektonischen Äusserungen bedient er sich dabei des künstlerischen Prinzips der Verlangsamung, das mit einer intensivierten Wahrnehmung einhergeht. Als zentrales architektonisches Instrument setzt er unter anderem die Rampe ein, die er als „promenade architecturale“ beschreibt. Die baulich manifestierten Sequenzen, die sich aus Formen, Linien, Rhythmen und Proportionen ergeben, werden dadurch aus einer neuen Perspektive erfahrbar und verdeutlichen sowohl die Beziehungen der beteiligten Elemente als auch deren ordnende Wirkung innerhalb einer kohärenten 71 Einheit. In der Villa La Roche-Jeanneret tritt die „promenade architecturale“ im Sinne eines räumlich inszenierten Weges erstmals in Erscheinung und bindet die Nutzenden in einen aktiven Wahrnehmungsprozess ein, um den Reichtum der architektonischen Konzeption erfahrbar zu machen. Neben dem Grundriss versteht Le Corbusier die „promenade architecturale“ als Mittel zur Aufbrechung automatisierter Wahrnehmungsmuster und zur Förderung einer seriellen Leseart des Bauwerks, die durch das Abschreiten der Wege eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Architektur ermöglicht. Für Le Corbusier umfasst das Wegthema deshalb sowohl das physische als auch das metaphysische Universum und fungiert als architektonisches Instrument zur 72 Erschliessung und Erfahrung äusserer wie innerer Räume.

71

Blum, 1988, S. 14-19.

72 ebd. S. 14-33.

68

Im Untergrund


Gute Architektur wird durchwandert, durchschritten, innen wie aussen.

Le Corbusier Le Corbusiers Wege

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

69


Abb. 38. Villa La Roche-Jeanneret, Axonometrie und Schema der Ankunft.

70

Im Untergrund


Das Doppelhaus La Roche-Jeanneret präsentiert sich als L-förmiger Baukörper, der einen kleinen Platz am Ende des Grundstücks frontal und seitlich fasst. Die Eingänge sind widersprüchlich gestaltet. Schlicht und zurückhaltend, aber durch Massstab und Positionierung zugleich auffällig. Mehrere Zugangsmöglichkeiten konkurrieren miteinander, wodurch Unsicherheit und Neugier bei den Betrachdenen erzeugt werden. Ein zurückversetzter Gebäudeteil verbindet die Gesamtordnung und leitet zugleich in den Galeriebereich über. Eine konvexe Stirnwand nimmt die Bewegung auf, während sie gleichzeitig zum eher versteckten Eingang führt. So vermittelt die Gestaltung Präsenz, lenkt den Blick und schafft einen 73 geordneten Aussenraum. Auch innen setzt sich das Spiel von Räumen und Sequenzen fort. Nach dem Durchschreiten des kleinen Eingangsbereichs öffnet sich die grosszügige Halle, die von dreigeschossigen Wänden umgeben ist. Eine zunächst abweisend frontal zum Eingang ausgerichtete Wand unterbricht den Bewegungsfluss. Erst durch das Durchschreiten erschliessen sich seitliche Galerien, Passerellen, Lichtöffnungen und Balkone, die eine differenzierte Wahrnehmung von Innen- und Aussenraum ermöglichen. Massstab, Lichtführung und Kontraste beleben den Raum, während dieser durch überdimensionale Wände, zurückgesetzte Treppen und Balkone strukturiert wird. Die gebotenen Sequenzen erzeugen ein Erlebnis und bieten sowohl 74 Intimität und Orientierung als auch Überraschung.

73 Blum, 1988, S. 34-41. 74

ebd. S. 42.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

71


Abb. 39. Villa La Roche-Jeanneret, Wegverlauf vom Aussenraum bis in die Eingangshalle.

72

Im Untergrund


Abb. 40. Villa La Roche-Jeanneret, Eingangshalle aus verschiedenen Blickpunkten.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

73


Die Wege innerhalb der Halle und des Galeriebereichs wechseln zwischen offenen Aufenthaltszonen und kanalisierenden Treppen und Rampen. Unterschiedliche Grade von Licht und Intimität sowie die subtil inszenierten Durchblicke verstärken das Bewusstsein für Raum, Bewegung und Sequenz. Insgesamt inszeniert die Villa La Roche die „promenade architecturale“ als bewusst gestaltetes, sinnliches Erlebnis, das Schritt für Schritt die Aufmerksamkeit lenkt, überraschende Blickbezüge eröffnet und die Bewohnenden aktiv in die Wahrnehmung der Räume 75 einbezieht. Die theoretische Auseinandersetzung mit Architekturreferenzen und Instrumenten der Stadtbildanalyse verdeutlicht das Potenzial des sequenziellen Lesens und Erlebens von Raum. Besonders eindrücklich ist dabei die Erkenntnis, welchen Einfluss die Bewegung auf statisch verortete Architektur haben kann. Damit erweitert sich ein Architekturverständnis, das sich primär mit Anforderungen an Behaglichkeit, Konstruktion, Bauphysik und ähnlichen Aspekten befasst, um die Dimension der Bewegung, welche den Raum und die räumliche Abfolge (Sequenzen) wieder stärker ins Zentrum rückt. Ebenso wird deutlich, wie gering die Wirkung einzelner Sequenzen für sich genommen ist und wie gross der Mehrwert sein kann, wenn auch den Wegen zwischen den Sequenzen Bedeutung zukommt. So entstehen Abfolgen räumlicher Erfahrungen, die in vielfältiger Weise miteinander verknüpft sind. Im Unterschied zu den untersuchten Fallbeispielen, die von Grund auf im Sinne der sequenziellen Erfahrung geplant wurden, werden die Erkenntnisse im Projekt überwiegend auf einen bestehenden Kontext angewendet und entsprechend adaptiert. Der Fokus liegt also vielmehr darauf, vorhandene Sequenzen zu erkennen, diese zu einer übergeordneten Abfolge zu verbinden und situativ durch gezielte Eingriffe zu erweitern. In Verbindung mit einer übergeordneten gestalterischen Idee entwickeln sich so aus bestehenden städtischen Fragmenten zusammenhängende Abfolgen von Stadträumen.

75 Blum, 1988, S. 42-51.

74

Im Untergrund


2. OG

1. OG

EG

Abb. 41. Villa La Roche-Jeanneret, Grundrisse mit eingezeichneter Wegabfolge.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

75


Abb. 42. Villa La Roche-Jeanneret, Wegverlauf über die Treppe vom Erdgeschoss bis ins 1. Obergeschoss.

76

Im Untergrund


Abb. 43. Villa La Roche-Jeanneret, Wegverlauf über die Rampe vom 1. Obergeschoss bis ins 2. Obergeschoss.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

77


Freiraumsequ zwischen Baselstrasse und Reussufer 78

Im Untergrund


4

quenzen

e Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

79


4.1 Das Quartier von morgen Die vorangegangene Entwicklung und Verdichtung des Quartiers hat zu engeren Wohn- und Lebensverhältnissen geführt. Das Ungleichgewicht zwischen Privatsphäre und Geselligkeit wirkt sich deutlich auf das Wohlbefinden der Bewohnenden aus. Einsamkeit und das Leben in geschlossenen Gebäuden beeinträchtigen zudem die Gesundheit. Sich zu bewegen und das Leben zwischen den Häusern zu erfahren, ist wichtiger denn je. Anstatt jedoch nach komplexen, neuen Techniken zu suchen, sollten einfache, gezielte und menschenorientierte Lösungen angestrebt werden, die das Stadtleben wieder attraktiver und angenehmer machen. Dazu muss der Übergang vom vertrauten Zuhause zum weniger vertrauten Quartiersraum gestaltet und der Mangel an Freiraum ausgeglichen werden. In dieser neuen Realität sollen Bequemlichkeit, Zweckmässigkeit, Geselligkeit 76 und gemeinschaftliche Aktivitäten im Alltag ermöglicht werden.

76 Sim & Gehl, 2022, S. 17-18.

80

Im Untergrund


Abb. 44. Transformationspotenzial – bessere Erschliessung?

Abb. 45. Transformationspotenzial – andere Nutzung?

Das Säntimatt-Quartier wie auch die Baselstrasse bieten hierfür vielfältige räumliche Szenarien. Einige erfordern eine bessere Erschliessung, andere eine neue Nutzung, ein Grossteil wartet jedoch schlicht auf eine gestalterische Aufwertung. Dominant sind der Flussraum sowie die Dammstrasse mit dem parallel verlaufenden Bahndamm. In der Baselstrasse sind besonders die Hauptstrasse mit ihrem breiten Angebot und der Dynamik hervorzuheben. Darüber hinaus bieten verschiedene Restflächen und Zwischenräume ein grosses Aufwertungspotenzial. Grundsätzlich mangelt es nicht an Dichte, sondern an der durchdachten, vielseitigen Nutzung der vorhandenen Strukturen, insbesondere jedoch an räumlichen Verknüpfungen und funktionalen Überlagerungen. Betrachtet man das Quartier als Ganzes, zeigt sich das Potenzial für zahlreiche Aktivitäten, die es als Wohnort, Gewerbestandort und Aufenthaltsort im Freien attraktiv machen. Die Lage dieser potenziellen Aussenräume und Strassenabschnitte ist heute eher fragmentartig verteilt. Erstrebenswert ist daher, das grosse Ganze zu stärken und die Zusammengehörigkeit zu festigen. Die Multikulturalität des Quartiers soll dabei als zentrales Charakteristikum erhalten und gefördert werden. „Multikulturell“ meint hier nicht nur kulturelle Vielfalt, sondern auch unterschiedliche Lebensphasen, Lebensentwürfe und Alltagsrealitäten, die 77 auch räumlich bedient werden sollen. Da ein grosser Teil der Bausubstanz bereits besteht, kommt den Zwischenräumen, insbesondere den heutigen Strassenräumen, eine zentrale Bedeutung zu. Über sie lassen sich funktionale Zusammenhänge herstellen, wodurch ein ganzheitliches und zugängliches Stadt- und Quartiererlebnis ermöglicht wird.

Abb. 46. Transformationspotenzial – Aufwertung?

77 Willener et al., 2008, S. 13.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

81


Angestrebt wird ein lebendiges Quartier mit gemeinschaftsfördernden Strukturen, das direkte Kontakte zur Nachbarschaft und damit zur Gesellschaft ermöglicht. Der öffentliche Raum muss dazu einladend gestaltet, erlebbar und vielfältig nutzbar sein. Dabei soll der urbane Charakter mit seinen Kontrasten erhalten bleiben, jedoch durch eine Intensivierung der „Dramaturgie“ sowie durch gemischt und gleichzeitig genutzte Räume gestärkt werden. Da zunehmend mehr Menschen in verdichteten Umgebungen leben, wird es immer wichtiger, Zeit im Freien zu verbringen, Naturereignisse zu erleben und mit den Jahreszeiten zu leben. Die tägliche Erfahrung, mit der Natur verbunden zu sein, ist 78 langfristig wesentlich für Gesundheit und Wohlbefinden. Verbunden damit sind sinnliche Reize und Erholung, die in Kombination mit einem quartiersorientierten kulturellen Angebot auch urlaubsähnliche Assoziationen hervorrufen vermag. Schwimmen, Sonne tanken, Spiel, Tanz und ausgelassene Zusammenkünfte gehören so zum urbanen Leben, wodurch die Trennung zwischen Alltag und Ausnahme überflüssig wird. Ein dynamisch und gemischt genutztes Stadtquartier eröffnet letztendlich neue Nutzungsmöglichkeiten. Besonders profitieren Menschen mit geringerem Einkommen, die auf unmittelbar zugängliche Freiräume angewiesen sind. Dabei liegt besonderes Potenzial in der Umgestaltung der Strassenräume ohne Autoverkehr. Die dadurch gewonnenen Flächen können neu priorisiert und umcodiert werden. Ohne Autoverkehr entfallen Lärm, Sicherheitsrisiken und Verschmutzung. Gerade weil die Strassenräume im Quartier eher klein und überschaubar sind, bieten sie eine hohe Erlebnisdichte, bei der Details nicht verloren gehen. Gleichzeitig ermöglichen sanfte Übergänge einen besseren Zu- und Abgang, schaffen Orte zum Verweilen direkt vor den Häusern und bieten die Möglichkeit, sich dort auch aktiv aufzuhalten.

78 Sim & Gehl, 2022, S. 163.

82

Im Untergrund


Langsamer Verkehr bedeutet lebendige Städte.

David Sim Sanfte Stadt

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

83


4.2 Vom städtischen Fragment zur Stadtlandschaft Die Gestaltung einer sozialen, identitätsstiftenden und nachhaltigen Stadt erfordert eine ganzheitliche Herangehensweise. Die nachfolgend beschriebenen Themenfelder basieren auf den ermittelten Potenzialen und der vorangegangenen theoretischen Auseinandersetzung zum Denken in Sequenzen. In ihrer Gesamtheit verdeutlichen sie die zugrunde liegende Motivation und bilden die Ausgangslage für die Transformation von Strassen hin zu Stadträumen und schliesslich für die übergeordnete Absicht einer Querverbindung von der Baselstrasse bis zum Reussufer.

84

Im Untergrund


Bahndamm → Identitätsanker

Der Bahndamm bildet seit der Erschliessung des Gebiets die einzige Konstante im Quartier. Er hat sämtliche Veränderungen überdauert und wird auch in Zukunft nicht wegzudenken sein. Neben dem Reussufer stellt er einen wichtigen Identitätsanker des Quartiers dar. Als Ausgangspunkt des Projekts soll er nicht nur erhalten bleiben, sondern aktiv in die Transformation des Quartiers integriert werden. Insel → Weg vom städtischen Fragment

Das Säntimatt-Quartier ist zu grossen Teilen von Infrastrukturprojekten oder natürlichen Grenzen umgeben und heute als Insel zu verstehen, die nur an wenigen Punkten mit der Aussenwelt verbunden ist. Die Baselstrasse ist zwar besser an die Stadt angebunden, jedoch nahezu vollständig vom Teilgebiet der Säntimatt und dem Reussufer isoliert. Ziel ist, dass die Bewohnenden der Baselstrasse von den Freiräumen des Reussufers profitieren und umgekehrt die verbesserte Durchlässigkeit das Angebot der Baselstrasse sowie die Freiräume zwischen den Häusern besser zugänglich macht. Dammdurchbruch → Quervernetzung

Ein Durchbruch des Bahndamms ist überfällig, um die künstliche Trennung der Quartiere zu entschärfen. Der dadurch geschaffene Querbezug ist für die Bevölkerung besonders wertvoll. Ebenso profitieren Gewerbe und Gastgewerbe. Eine Quervernetzung für den Langsamverkehr eröffnet zudem andere Qualitäten als die stark befahrenen Strassen. Der Dammdurchbruch dient daher nicht nur als „Shortcut“, sondern als Katalysator zur Belebung bislang kaum genutzter (Frei)Räume und verwandelt den Hinterhof zur Bühne. Strassenraum → Gemeinsamer Nenner

Der Strassenraum verbindet das Quartier und ist für alle zugänglich. Er bildet den gemeinsamen Nenner, insbesondere in einem divers bebauten Gebiet, und dient als Ausgangspunkt für die Transformation. Durch die aktive Nutzung und Aneignung entstehen nicht nur sicherere Räume, sondern es wird zugleich

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

85


der Privatisierung oder der Verwahrlosung des öffentlichen Raums entgegengewirkt. Zugänglichkeit und Nutzung der gewonnenen Freiräume auf Strassenniveau sowie in den Erdgeschossen müssen dazu teilweise neu verhandelt werden. Freiraum → Möglichkeitsraum

Der Freiraum ist als Möglichkeitsraum zu verstehen. Er fördert die soziale Vernetzung, Identifikation mit dem Ort und kann die Wohnsituation deutlich verbessern. Ohne diese Räume verschwinden die Übergänge zwischen Alleinsein und Zusammensein auf hohem Niveau. Zentrale Qualitäten des Freiraums sind Anwesenheit anderer Menschen, vielfältige Aktivitäten, Veranstaltungen sowie Inspiration und Anregung, die von diesen Begegnungen ausgehen. Die dafür benötigten Räume befinden sich im Aussenraum wie auch vereinzelt in anliegenden Gebäuden, die als Quartierszentren Nutzungsangebote bündeln. Langfristige Perspektive → Die dritte Reihe

Das Quartier hat seit Jahrzehnten kaum von wirtschaftlichen oder städtebaulichen Impulsen profitiert. Auch die aktuellen Planungskonzepte der Stadt zeigen, dass künftige Entwicklungen vor allem um das Quartier herum vorgesehen sind, während sich innerhalb nur wenig verändern wird. Die Quervernetzung in Verbindung mit der Belebung der beteiligten Strassenzüge und Freiräume soll als Impulsgeber für eine langfristige Transformation des Quartiers dienen. Durch gezielte Aufwertungen der sogenannten „dritten Reihe“, kombiniert mit der bereits qualitativ und räumlich besser gestellten „ersten Reihe“, entsteht eine Transformation von innen heraus, die auch die dazwischenliegenden Räume zur Weiterentwicklung auffordert. So werden die Zusammengehörigkeit im Quartier und die Lebensqualität erhöht, ohne sozial schwächere Bevölkerungsteile zu verdrängen, und der heutige „Durchgangsort“ kann durch verbesserte Lebensumstände zu einem dauerhaften Zuhause werden. Gleichzeitig profitieren Eigentumsinhabende von verbesserten Bewirtschaftungs- und Vermietungsperspektiven. Denn ohne die Aufwertung des Wohnumfelds, die bessere Vernetzung der Quartiere und die Öffnung zum Reussufer kann dieser Kreislauf nicht wirksam durchbrochen werden.

86

Im Untergrund


Abb. 47. Anfängliche Skizze, die den übergeordneten Zusammenhang der Themenfelder aufzeigt.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

87


4.3 Die Querverbindung Szenario Im Zusammenhang mit der Quervernetzung wird ein Szenario verfolgt, das auf den bestehenden Entwicklungsschwerpunkten der Stadt Luzern aufbaut und diese ergänzt. Mit der Querverbindung ist ein weiterer Durchgang geplant, der sich ungefähr mittig zwischen den beiden bestehenden Zufahrten zur Säntimatt befindet. Zukünftig wird es somit drei Durchgänge zur Säntimatt geben. Die beiden bestehenden berücksichtigen weiterhin den Autoverkehr, während der neue Durchbruch vorrangig dem Langsamverkehr dient. Die drei Querverbindungen verbinden künftig jeweils auf unterschiedliche Weise zwei wichtige Aussenräume oder Knotenpunkte über den Bahndamm hinweg und führen so von einem Freiraum zum nächsten. Zwischen diesen drei Verbindungsachsen spannen sich Wohn- und Geschäftshäuser sowie die Quartiersstrassen entsprechend der Längsstruktur der Hauptrichtungen auf.

88

Im Untergrund


Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

89


Entwicklungsschwerpunkte Stadt Luzern Rückbau des Bestandes mit Neubau Freiräume

Reussu fer

Kreuz-Platz

Verkehrsberuhigte Begegnungsräume Strassen- und Wegenetz mit Aufenthaltsqualität bestehende Querverbindungen

Emmi-Areal

S-Bah n Hal testel le

neue Querverbindung Grünanlagen Kreuzstutz

Innenentwicklung entlang der Quartierstrassen Knotenpunkte

30e

r Zo

ne

Reussu

Kreuz-Platz

S-Bah Er n Halt sa estell tz e tb

au te n

Damm strass e

Grünanlagen Kreuzstutz

Bas elst ras se

Abb. 48. Übersichtsplan mit den Entwicklungsschwerpunkten im Perimeter und dem Projektszenario mit der neuen Querverbindung.

90 GSEducationalVersion

Im Untergrund


Reuss uferw eg

Reussuferweg

Knote np Reus unkt sufer

mstra sse Säntipark

Tempo -30-Zo

ne Kno ten Base punkt lstra sse

G h sc

üt

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

91


90 Grad Ein zentrales Kriterium der Querverbindung besteht darin, dass sie rechtwinklig zu den Hauptrichtungen des Quartiers verläuft. Diese Hauptrichtungen werden durch die Baselstrasse, die Dammstrasse und den Reussuferweg gebildet, die jeweils auf einer Ebene liegen, lange Sichtdistanzen aufweisen und parallel zueinander verlaufen. Die Bewegung entlang dieser Kernlinien bietet zwar jeweils eigene Qualitäten und klare Orientierung, erzeugt jedoch über ihre gesamte Länge kaum räumliche Spannung. Stattdessen entsteht ein sich wiederholendes, kontinuierliches, aber monotones Wahrnehmungsmuster. Mit der Querverbindung hingegen werden fussgängerfreundliche Räume geschaffen, die durch das Durchschreiten verschiedener Sequenzen erlebbar werden und eine serielle Wahrnehmung von Raumfolgen ermöglichen. Sie erschliesst Freiräume im Inneren des Quartiers und bietet Qualitäten, die die Hauptrichtungen nicht liefern können. Dabei entstehen Brüche, etwa durch die bestehende heterogene Bebauung oder beim Überqueren der hierarchisch höher gestellten Hauptrichtungen. Angestrebt wird eine kontinuierliche Wegführung, was jedoch nicht bedeutet, dass diese geradlinig verlaufen muss. Sie wird nicht erzwungen, sondern durch das behutsame Verknüpfen vorhandener Kristallisationspunkte entstehen. Dies in Anlehnung an eine organisch gewachsene Stadtstruktur. Die Kristallisationspunkte liegen innerhalb des Betrachtungsperimeters des geplanten Dammdurchbruchs. Damit gemeint sind bestehende urbane Situationen und soziale Knotenpunkte, die bereits erhebliches Potenzial aufweisen, derzeit aber aufgrund ihrer Lage, ihres Zustands oder anderer ungünstiger Faktoren nicht oder nur sporadisch genutzt werden. Durch die gezielte Vernetzung und Stärkung dieser verschiedenartigen Kristallisationspunkte entwickelt sich letztlich die Querverbindung.

92

Im Untergrund


Reuss uferw eg

Reussp lattform

Damm strass e Tr afo ha us

Da mm du rch bru ch

BaBeLTreff

Läde

Baselstra sse

liplatz

Brunne nplätzli

Bunker terras se

GSEducationalVersion

Abb. 49. Schematische Darstellung der Hauptrichtungen und der dazwischenliegenden Kristallisationspunkte im Bestand.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

93


Bunk e

rterr asse

Lädelip

latz

Reus s

platt

form

Abb. 50. Darstellung der Kristallisationspunkte mit Interverntion als einzelne Sequenzen.

GSEducationalVersion

94

Im Untergrund


Brunne n

plätzli Tr afo

ha us

BaBeL-T reff

Dam

md

urc

hbr

uch

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

95


Fussläufigkeit Zum Erfolg der Querverbindung als etablierter Freiraum trägt insbesondere die Fussläufigkeit bei, also die unmittelbare Verbindung von Baselstrasse bis Reussufer und die Anbindung an die zweite und dritte Reihe innerhalb des Quartiers. Fussläufigkeit bezieht sich auf die kleinsten, aber wichtigsten täglichen Bewegungen der Bewohnenden und ist ein zentraler Bestandteil des städtischen Lebens. Jede Strecke beginnt und endet mit 79 dem Gehen. Ein einfacher Zugang und gute Erreichbarkeit sind daher zentral. Die fussläufige Querverbindung ist deshalb so gestaltet, dass sie sowohl Schutz und Komfort als auch mühelose Übergänge bietet, ohne dabei den Charakter eines monotonen, einheitlichen Raums anzunehmen. Die Vielfalt erreichbarer Orte und Kristallisationspunkte, innerhalb kürzester Zeit, macht den Reiz der Verbindung aus. Diese Dynamik wird durch die dramaturgische Gestaltung des Durchschreitens verstärkt. Gleichermassen ist bei der Planung die Vielfalt der Menschen und ihrer Lebensumstände zentral. Denn alle mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und individuellen 80 Geschwindigkeiten teilen sich denselben Raum. Städtische Mobilität bedeutet deshalb auch soziale Mobilität. Das Fortbewegen verbindet nicht nur mit einem Ziel, sondern umfasst auch Beziehungen, wie dem Begegnen von Menschen und das Erleben des städtischen Raums. So entsteht eine dynamische Verbindung zwischen der statischen und der mobilen Welt, zwischen privatem und öffentlichem Raum, zwischen einzelnen Haushalten und der gesamten Stadtbevölke81 rung.

Abb. 51. Grundriss des Stadtraums entlang der Querverbindung auf Erdgeschossniveau mit eingefügtem Projekt.

79 Sim & Gehl, 2022, S. 236. 80 ebd. S. 237. 81 ebd. S. 109-117.

96

Im Untergrund


Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss GSEducationalVersion

97


Von Fassade zu Fassade und in die Strasse hinein Die Querverbindung tritt in der Umsetzung subtil in Erscheinung und lässt dem Bestand einen hohen Stellenwert. Der Boden übernimmt dabei eine zentrale Rolle. In Zusammenhang mit der Materialisierung und der Ausstattung fungiert er als Schlüsselelement und erfüllt Aufgaben auf mehreren Ebenen. Über den Boden werden sowohl die Wegverbindung als auch die Übergänge zu den angrenzenden Strassenräumen markiert. Anfangs- und Endpunkte schieben sich dafür jeweils leicht in die Hauptachsen hinein und betonen deren Beginn oder, je nach Situation, die Fortführung des Weges auf der gegenüberliegenden Strassenseite. An diesen Übergängen entstehen kleine, klar definierte, zugleich offene Räume, die zwischen Querverbindung, Trottoir und Strasse vermitteln. Durch die leichte Erweiterung des Trottoirs zur Strasse hin verteilt sich der Raum jedoch ausgewogener. Gleichzeitig entsteht mehr Platz für wartende Personen und deren Bewegungen, eine bessere Übersicht zur Orientierung sowie Raum für lokale Aktivitäten, die das soziale Potenzial des Ortes unterstützen. Zudem dämmt die Erweiterung des Trottoirs potenziell gefährliches Fahrverhalten an den Übergängen ein und verkürzt die Wege für zu Fuss Gehende, 82 wodurch die Sicherheit erhöht wird. Raum und Stadtmobiliar erlauben je nach Situation das Anlehnen, Warten und Sitzen und schaffen Orientierungspunkte entlang der stark frequentierten Durchgangsstrassen.

Abb. 52. Detailansicht der Weganfangs- und Endpunkte. Je nach Lage und Grösse variiert das bereitgestellte Stadtmobiliar.

Sitzgelegenheit Bereich im Übergang zur Strasse In die Strasse hinausragende Poller

82 Sim & Gehl, 2022, S. 126. GSEducationalVersion

98

Im Untergrund


Zwischen den Gebäuden markiert der Bodenbelag vor allem den neu zur Verfügung gestellten Aussenraum. Er erstreckt sich von Fassade zu Fassade und gliedert den Raum durch Materialwechsel in unterschiedliche Zonen. Nahezu ton in ton setzt sich der Boden aus einer Ornamentik mit gefüllten Feldern zusammen. Diese Differenzierung ermöglicht ein reibungsloses Nebeneinander der Nutzenden und initiiert zugleich vielfältige und freizeitbezogene Aktivitäten entlang der Querverbindung. Ein wesentlicher Mehrwert liegt darin, dass die Bereiche lediglich angedeutet werden, ohne sie jedoch räumlich vorzubestimmen. Die urbane Form der Querverbindung bezieht somit auch die unmittelbaren Bereiche vor Wohnhäusern, Gewerbeeinheiten und Quartierszentren mit ein. Solche Schwellenräume entschärfen klare Trennungen und erweitern den Innenraum, der auch Teile des Aussenraums einbeziehen darf. Aufenthaltsangebote am Gebäuderand finden sich insbesondere im Erdgeschoss, rund um Eingänge sowie in nutzbaren Hybridräumen entlang der Aussenränder. Dazu zählen beispielsweise auskragende Dächer, erhöhte Sockelbereiche oder durch den Boden markierte Bereiche, die als räumliche Puffer wirken. Besonders bei Dunkelheit oder ungünstigen Witterungsverhältnissen bieten beleuchtete Randzonen, Schaufenster und Überdachungen 83 deutliche Vorteile. Die Sorgfalt, die dem letzten Meter zukommt, ist entscheidend für die Qualität der Verbindung zwischen Innen- und Aussenraum und prägt massgeblich die sozialen und 84 räumlichen Beziehungen im Stadtraum.

83 Sim & Gehl, 2022, S. 178. 84 ebd. S. 112.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

99


Abb. 53. Gestalterische Ausformulierung des Bodenbelags der Querverbindung.

100

Im Untergrund


Der Bodenbelag Die Gliederung des Bodenbelags verbindet eine übergeordnete gestalterische Idee mit den funktionalen Anforderungen der Querverbindung. Die Gestaltung des Bodens stellt dabei sicher, dass Kontinuität und räumlicher Zusammenhang gewährleistet sind, Nutzungen implizit angedeutet werden und funktionale Aspekte wie Sicherheit sowie eine hindernisfreie Nutzung erfüllt sind. Überlegungen zur heutigen und zukünftigen Leistungsfähigkeit des Freiraums dienten als kreativer Ausgangspunkt für verschiedene Nutzungsszenarien und machten das Potenzial sowie das Zusammenspiel der Nutzenden sichtbar. Auf dieser Basis setzt sich die Gestaltung und Gliederung des Bodenbelags wie folgt zusammen: . Eine als Rinne ausgebildete Linie markiert den schnellsten Weg zwischen der Baselstrasse und dem Reussufer. Sie führt jeweils aus dem Zentrum der Weganfangs- und Endpunkte heraus und verbindet diese miteinander. . Eine in Laufrichtung ausgerichtete Rhythmik in ornamentähnlicher Gestaltung erzeugt eine gleichbleibende Dynamik, ohne eine Richtung vorzuschreiben. Sie überschneidet sich dort, wo unterschiedliche Wegverläufe aufeinandertreffen, und orientiert sich an der führenden Linie sowie an der Ausrichtung der angrenzenden Strassenräume. . Höhenunterschiede werden nach demselben Prinzip, durch einen engeren Abstand, angedeutet. . Treffen zwei Wegrichtungen aufeinander, entsteht ein Fokuspunkt, der durch eine kreisförmige Ausformung markiert wird. Je nach Situation entspricht dieser einem Platz oder einer räumlich gliedernden, begrünten Zone. Das vergleichsweise strenge System der Gliederung entfaltet seine besondere Qualität im Zusammenspiel mit dem Bestand. Durch die Reaktion auf die vorhandene bauliche Struktur entstehen entlang der gesamten Querverbindung ganz unterschiedliche räumliche Situationen.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

101


Während die Gliederung des Bodenbelags die örtlich und zeitlich begrenzte Aneignungen begünstigt, wird die Querverbindung als Freiraum zusätzlich durch eine infrastrukturelle Grundausstattung ergänzt. Diese ist unkompliziert in der Handhabung und somit einfach in der Nutzung. Sämtliche Komponenten und Verankerungspunkte sind strategisch entlang der Wegverbindung angeordnet. Dieses Angebot erweitert vor allem lokale Nutzungsmöglichkeiten, baut auf der Gliederung des Bodens auf und umfasst folgende Komponenten: . Versenkbare Hülsen im Boden ermöglichen die temporäre Verankerung von Sonnenschirmen, Zelten, Sonnensegeln oder ähnlicher Ausstattung. . Anschlüsse an das städtische Versorgungsnetz sind über Bodensteckdosen sowie Wasseranschlüsse gewährleistet.

Abb. 54. Konstruktiver Aufbau des Bodenbelags: Verschiebesicherung mit dazwischenliegenden sickerfähigen Feldern sowie dem Übergang zur Begrünung.

102

Im Untergrund


Abb. 55. Konstruktiver Aufbau des Bodenbelags: Ausformulierung der mittigen Rinne.

Abb. 56. Konstruktiver Aufbau des Bodenbelags: Übergang vom asphaltierten Trottoir zu den Weganfangs- und Endpunkten der Querverbindung.

Abb. 57. Konstruktiver Aufbau des Bodenbelags: Im Boden versenkte Hülse, eingefügt zwischen zwei gliedernde Ornamente.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

103


Nutzung und Weiterentwicklung der Querverbindung Formal betrachtet stellt die Querverbindung einen Weg sowie eine zusätzliche Möglichkeit dar, den Bahndamm zu durchqueren. Sie schliesst eine Lücke im kommunalen Wegnetz, verbessert die Verbindung zwischen den beiden angrenzenden Quartieren und stärkt zugleich die Anbindung an die Innenstadt. Damit übernimmt die neue Verbindung eine funktional wichtige Rolle und erleichtert die alltäglichen Wegbeziehungen der Menschen. Gleichzeitig ist die Querverbindung als Freiraum zu verstehen. Einerseits werden bereits bestehende Freiräume erschlossen, andererseits können auch die für die Vernetzung beanspruchten Bereiche als städtische Freiräume genutzt werden. So bildet sich eine Abfolge verschiedener Sequenzen aus unterschiedlichen öffentlichen und halböffentlichen Orten, die räumlich nahe beieinanderliegen, direkt an die Erdgeschossbereiche anschliessen, durch quartiersbezogene Nutzungen ergänzt werden und miteinander verknüpft sind. Die Aussenräume spannen sich überwiegend zwischen den Bestandsgebäuden auf und werden durch Gruppierungen von Baukörpern oder durch die hierarchisch höhergestellten Hauptrichtungen unterbrochen und geformt. Je nach Standort sind diese Räume sowohl baulich als auch visuell geschützt. Je vielfältiger die Aussenräume gestaltet sind, desto grösser ist ihr Potenzial für unterschiedliche Aktivitäten. Mit der Querverbindung wird daher vor allem Raum geboten, ohne ihn funktional vorzubestimmen. Die gebaute Form besteht aus identifizierbaren, gut gefassten Sequenzen, die je nach Nutzung von Einzelpersonen oder Gruppen genutzt und kontrolliert werden 85 können. Wertvoll ist hierbei der Mix aus robusten und flexiblen Mehrzweckbereichen sowie aus Wegen, Vorzonen und Plätzen entlang der Querverbindung. Die vorhandene Dichte ermöglicht es, bebaute und unbebaute sowie private und öffentliche Räume direkt nebeneinander anzuordnen, getrennt lediglich durch die Gebäude, wodurch kurze Wege und eine hohe Nutzungsvielfalt entstehen.

85 Sim & Gehl, 2022, S. 230.

104

Im Untergrund


Der weitgehend bestehende und frühere Strassenraum leistet somit deutlich mehr als bisher. Die Nutzung dieser Aussenräume wird Teil des alltäglichen Lebens und variiert je nach Witterung, Tageszeit und lokalen Ereignissen. Ihre Qualität liegt in der zeitlich versetzten und vielfältigen Nutzung, die zu einer ganztägigen Belebung und zu einer hohen räumlichen Vielfalt auf kurzer Distanz führt, die gerade beim Durchschreiten eine serielle Abfolge von Sequenzen erzeugt. Abhängig von den Bedürfnissen der Bewohnenden können sich die Nutzungen entlang der Querverbindung über die Zeit auch verändern. Temporäre oder saisonale Aktivitäten sind ebenso möglich wie spätere Erweiterungen. In jedem Fall haben die Quartiersbewohnenden Einfluss auf die Nutzung, sei es durch aktive Mitgestaltung oder durch vorübergehende Aneignung der Räume im Alltag. Der Freiraum entsteht so nur zu einem Teil auf dem Plan. Ebenso prägend ist der partizipative Prozess, der eine kontinuierliche Korrektur und Anpassung der physischen Lebenswelt an die städtischen Funktionen ermöglicht.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

105


Abb. 58. Geländeschnitte enlang der Querverbindung von Baselstrasse bis Reussufer.

GSEducationalVersion

106

Im Untergrund


Trafohaus

Reussplattform

Kiosk Badehaus

Reussplattform

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

107


4.4 Sequenzen entlang der Querverbindung Weil gerade die Schrittgeschwindigkeit eine intensive, sinnliche Verbindung und die Interaktion mit der Umgebung ermöglicht, lassen sich die Räume so gestalten, dass derartige Erlebnisse 86 verstärkt werden. Die ausgestaltete Querverbindung und ihr dramaturgischer Ablauf lassen sich daher mit einem Drehbuch vergleichen. Sie bildet jedoch keine lineare Abfolge mit festem Anfang und eindeutigem Ende, sondern eine offene räumliche Erzählung, die von beiden Seiten erfahrbar ist. Der Weg wird durch verschiedene architektonische, gestalterische und natürliche Elemente in gut bewältigbare Sequenzen gegliedert, da Menschen ihre Aufmerksamkeit eher auf die Bewegung von einem Abschnitt zum nächsten als auf die Gesamtdistanz richten. Die Räume suggerieren somit keine Richtung, sondern beschreiben polare Zustände, zwischen denen sich die Erfahrung entfaltet. Über die sequenzielle Wahrnehmung hinaus werden bestimmte Orte als sichtbare Ankerpunkte hervorgehoben, sodass die Querverbindung einer visuellen Ordnung folgt und auch während des Durchschreitens verständlich bleibt. Dies ist relevant, da sich die Freiräume einerseits zwischen den Häusern im Quartier befinden und je nach Standort nur schwer einsehbar sind, andererseits den räumlichen Zusammenhang verdeutlichen und ebenso eine Vorschau auf die noch folgenden Sequenzen bieten. Im Kontext des Bahndamms ist dies besonders wirksam, da die Fortführung dahinter trotz der Unterbrechung bereits angekündigt wird.

86 Sim & Gehl, 2022, S. 119.

108

Im Untergrund


Während der Bodenbelag vor allem Kontinuität und flächige Ausdehnung signalisiert, setzen die Turmbauten als formaler Kontrast und die Quartierszentren mit ihrem einheitlich materialisierten Dachrand prägnante Akzente. Sie dienen sowohl der Orientierung wie auch als Fokuspunkte für eine Ansammlung von Nutzungen und markieren die Zusammengehörigkeit innerhalb des Quartiers. Gleichermassen dominiert an jedem Fokuspunkt jeweils nur eine Quartiersnutzung, was nicht nur zur Identität des Ortes beiträgt, sondern auch die Querverbindung in erkennbare Sequenzen strukturiert. Die Querverbindung im projektierten Zustand verbindet somit verschiedene im Bestand vorgefundene Kristallisationspunkte, die nun auf unterschiedliche Weise miteinander vernetzt sind. Das dramaturgische Moment, das an jedem Kristallisationspunkt spürbar wird, resultiert aus dem spezifischen Charakter des Ortes, der im Extremzustand besonders deutlich hervortritt. Aus diesen theoretischen Extremzuständen entwickelten sich sowohl die künftige Nutzung der Quartierszentren als auch die räumliche Dramaturgie, welche das Durchschreiten der Wegführung, bestimmen. Für jeden Kristallisationspunkt wurde ein Begriffspaar definiert, das sowohl die dominanteste Handlung als auch das räumliche Schlüsselelement beschreibt und als Grundlage für die Transformation diente. Diese anfänglichen Funde prägen somit auch nach der Entwicklung der Querverbindung die Orte, die nun als zusammenhängender Aussenraum erfahrbar sind. So entstanden verschiedene Sequenzen atmosphärisch unterschiedlicher Räume, die nah beieinanderliegen, miteinander verknüpft sind und deren Gesamterlebnis erst beim Durchschreiten erfahrbar wird. Die Wahrnehmung dieser Sequenzen in der Bewegung wird im Folgenden exemplarisch am Verlauf der Wegverbindung von der Baselstrasse in Richtung Reussufer beschrieben.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

109


Vom Stadtzentrum her wird die Hauptachse beidseitig von direkt anliegenden, bis zu sechs geschossigen Gebäuden räumlich gefasst. Die Strasse liest sich als linearer, kanalisierter Raum, geprägt durch hohe Dynamik infolge des Verkehrs sowie des kontinuierlichen Wechsels von Nutzungen und Bewegungen. Eine Ausnahme bildet die linksseitige Mauer, die trotz ihrer Eigenheit keine eigenständige Raumwirkung entfaltet, sondern sich in ihrer Wahrnehmung dem Verlauf geschlossener Fassaden vor und nach ihr angleicht. Zwischen den Baukörpern öffnen sich beidseitig schmale Durchgänge, die punktuell als Erschliessung für den Autoverkehr oder ausschliesslich für den Fussverkehr dienen. Die Querverbindung nutzt diese unbebauten Zwischenräume und schliesst so an das Trottoir sowie den Strassenraum an. Ihr Zugang wird in subtiler Verlängerung der Durchgänge durch zwei leicht in den Strassenraum versetzte Poller markiert. Von hier aus führt die Querverbindung 90° zur Hauptachse in das Quartier hinein und entwickelt sich als sequenzielle Abfolge bis hin zum Reussufer.

Abb. 59. Sequenz 1: Standpunkt mit Blickrichtung.

GSEducationalVersion

110

Im Untergrund


Abb. 60. Sequenz 1: Blick in die Baslerstrasse Richtung Westen.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

111


Folgt man der Stützmauer, öffnet sich diese zwischen den beiden Abgängen der Querverbindungen und markiert einen Knotenpunkt entlang der Strasse. Die ehemalige Bunkerterrasse wird zu einer Treppenanlage umgebaut, die direkt neben dem Quartiersladen und der Poststelle liegt und hangseitig, in Verlängerung der Querverbindung, einen räumlichen Abschluss bildet. Das dramaturgische Moment des Beobachtens, geprägt durch den Wissensvorsprung, wird hier im Sinne des Verweilens aufgenommen. In der leichten Kurve situiert, eröffnet sich durch den Höhenunterschied nicht nur ein Überblick, sondern auch ein weiter Blick beidseitig entlang der Strassenflucht. Gegenüber der Bunkerterrasse liegt das kleine, nahezu unscheinbare Brunnenplätzli. Es stellt eine Besonderheit dar, da es als einziger Ort entlang der Strasse eine Einbuchtung bildet, die durch ein zurückversetztes Gebäude gefasst ist. Das Brunnenplätzli verkörpert das dramaturgische Moment des Innehaltens, geprägt durch den Kontrast zur unmittelbar angrenzenden Strasse.

Abb. 61. Sequenz 2: Standpunkt mit Blickrichtung.

GSEducationalVersion

112

Im Untergrund


Abb. 62. Sequenz 2: Erhöhter Standpunkt mit Sicht auf die Treppenanlage und den gegenüberliegenden Zugang zur Querverbindung.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

113


Das Brunnenplätzli im Vordergrund, mit dem kleinen Brunnen an der Hausfassade, bildet einen kleinmassstäblichen städtischen Freiraum entlang der Strasse. Auch hier markieren die Poller den Zu- und Übergang der Querverbindung, welche den kleinen Platz mit der dahinterliegenden Häuserreihe verbindet. Das dramaturgische Moment des Überquerens wird dabei vor allem durch den langen, schmalen Weg geprägt, der zwischen zwei Hausfassaden hindurchführt und in der Verzögerung über eine kleine Brücke direkt in das Quartiersgebäude des BaBeL-Treffs leitet. Obwohl sich das Gebäude eine Häuserreihe hinter der Strasse befindet, ist es ebenso beim Vorbeigehen gut sichtbar. Das Quartiersgebäude tritt dabei zurückhaltend in Erscheinung. Der Dachrand fungiert jedoch als wiederkehrendes Erkennungsmerkmal entlang der Querverbindung und ist aus unterschiedlichen Blickwinkeln wahrnehmbar.

Abb. 63. Sequenz 3: Standpunkt mit Blickrichtung.

GSEducationalVersion

114

Im Untergrund


Abb. 64. Sequenz 3: Blick in die Häuserschlucht bis zum BaBeL-Treff dahinter.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

115


Während der zuvor beschriebene Zugang der Querverbindung auf gleicher Ebene fortgeführt wird, führt der zweite direkt über ein Gefälle eine Ebene tiefer. Aufgrund des geringen Gebäudeabstands wirkt der Raum nicht nur eng, sondern liegt zudem oftmals im Schatten, was den räumlichen Kontrast verstärkt. Das Abzweigen in die Querverbindung unterscheidet sich demnach deutlich von der langgezogenen und übersichtlichen Baselstrasse. Auch ohne das Ende des weiteren Verlaufs zu kennen, ist ersichtlich, dass sich die Wegsequenzen über verschiedene Ebenen bis zum Bahndamm fortsetzen und sich dazwischen hin und wieder Bereiche öffnen. Zwar bleibt die genaue Richtung des Weges nach dem Damm unklar, doch vermitteln die Kontinuität des Bodenbelags sowie ein kleiner Durchblick durch den Bahndamm Orientierung. Zusätzlich dient der Trafoturm mit seinem Dachrand und der Beschriftung als markanter Anhaltspunkt, der bereits oberhalb des Bahndamms sichtbar ist und einen weiteren Hinweis darstellt.

Abb. 65. Sequenz 4: Standpunkt mit Blickrichtung.

GSEducationalVersion

116

Im Untergrund


Abb. 66. Sequenz 4: Sicht in die Querverbindung hinein bis zum Bahndamm und darüber hinweg.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

117


Geht man dem Weg entlang, öffnet sich, sobald der erste Höhenunterschied überwunden ist, auf der linken Seite ein Platz. Nur durch jeweils eine Gebäudezeile von der Baselstrasse beziehungsweise dem Bahndamm getrennt, ist der Lädeliplatz sowohl visuell als auch akustisch abgeschirmt und von aussen kaum einsehbar. Er ist gut besonnt und aufgrund seiner Grösse sowie seiner räumlichen Fassung gut überschaubar. Die Gliederung des Bodenbelags unterteilt den Platz zusätzlich in unterschiedliche Zonen. Das dramaturgische Moment des Entdeckens, das sich beim Vorbeigehen an der Gebäudeecke eröffnet und von der Intimität des Ortes geprägt ist, bestimmt die Wahrnehmung während des Durchschreitens der Querverbindung. Während im Vordergrund Geschäfte und Wohngebäude direkt an den Platz angrenzen, tritt im Hintergrund das Quartiersgebäude des BaBeL-Treffs nochmals in Erscheinung, das auch auf dieser Ebene unmittelbar an den Platz angebunden ist.

Abb. 67. Sequenz 5: Standpunkt mit Blickrichtung.

GSEducationalVersion

118

Im Untergrund


Abb. 68. Sequenz 5: Überlick über den Lädeliplatz von der Querverbindung her.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

119


Die Fortführung des Weges in Richtung Bahndamm führt über ein zweites Gefälle auf eine Ebene weiter unten. Während der vertikal gegliederte Turmbau des Trafogebäudes erneut sichtbar ist und vor dem horizontal strukturierten Bahndamm noch markanter hervorsticht, eröffnet sich nun auch der Blick auf den Gebäudeteil des Mehrzweck- und Ausstellungsraums im Dammdurchbruch selber. Obwohl der Durchgang bewusst kanalisiert und der Weg leicht geknickt ist, bleibt der Durchblick durch den Bahndamm erhalten. In Verbindung mit der Gliederung des Bodenbelags bleibt die Wegrichtung gut erkennbar. Direkt vor dem Gebäudeteil im Durchbruch des Damms, der die Materialisierung des Dachrands ebenso aufgreift, wird durch das Sonnenlicht ein kleiner, gefasster Vorplatz akzentuiert, der sich erst beim Vorbeigehen in seiner Gesamtheit erschliesst. Die Bepflanzung trägt hier nicht nur zur atmosphärischen Qualität bei, sondern fungiert zugleich als Sichtschutz und verhindert, dass der zuvor beschriebene Lädeliplatz bereits vom Durchbruch aus einsehbar ist.

Abb. 69. Sequenz 6: Standpunkt mit Blickrichtung.

GSEducationalVersion

120

Im Untergrund


Abb. 70. Sequenz 6: Sicht in dem Bahndurchgang und auf den Platz davor.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

121


Im Durchgang des Bahndamms befindet sich der Eingang zum Mehrzweck- und Ausstellungsraum des Quartiers. Während sich der Weg bis hierhin zunehmend kanalisiert hat, eröffnet sich für einen kurzen Moment eine räumlich differenzierte Umgebung. Diese Wahrnehmung beim Durchschreiten unterscheidet sich nicht nur aufgrund der kurzzeitigen Verdunkelung und obigen Begrenzung, sondern auch durch den sich eröffnenden Blick Richtung Reuss, der wie durch ein Fenster nach draussen in eine räumlich andere Sequenz führt. Gleichermassen ist bereits der Kiosk an der gegenüberliegenden Gebäudeecke wahrnehmbar. Das dramaturgische Moment des Durchquerens des Bahndamms ist von Ironie geprägt. Zwar ist die Fortführung des Weges gut erkennbar, gleichzeitig wird dieser von der Strasse durchbrochen, was zusätzlich durch die identisch ausgeführten Poller ersichtlich wird, welche bereits den Zugang zur Querverbindung markierten und als wiederkehrendes Element auftreten.

Abb. 71. Sequenz 7: Standpunkt mit Blickrichtung.

GSEducationalVersion

122

Im Untergrund


Abb. 72. Sequenz 7: Standpunkt im Durchgang des Bahndamms mit Blick auf die Weiterführung des Weges auf der gegenüberliegenden Strassenseite.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

123


Kurz vor dem Überqueren der Strasse, jedoch noch im Durchgang des Bahndamms, ergibt sich zwangsläufig ein Moment des Innehaltens. Die notwendige Rücksichtnahme auf den Verkehr erzwingt das Anhalten und begünstigt das bewusste Umschauen. Das dramaturgische Moment des Orientierens ist hier gezielt inszeniert. Wahrnehmbar sind nicht nur der zuvor bereits erfasste Trafoturm sowie der gegenüberliegende Kiosk, sondern auch ein weiterer Hinweis, der sich bereits am Wasser befindet und schräg über die Dächer hinweg sichtbar ist. Der Turmbau der Reussplattform liegt wohl noch in einiger Distanz, lässt sich aufgrund der klaren Sichtverbindung jedoch eindeutig lokalisieren. Auch wenn beim erstmaligen Durchschreiten der Zusammenhang zwischen Bodenbelag und Quartiersnutzung nicht unmittelbar lesbar ist, kann davon ausgegangen werden, dass die wiederkehrende Materialisierung sowie die runde Form des Turms Neugier erzeugen und den Fortgang intuitiv unterstützen. Zusätzlich deutet die Gliederung des Bodenbelags die Wegfortführung an, sodass sich nicht nur der Kreis formal schliesst, sondern die Linie in Bewegungsrichtung konsequent bis zur Reuss weitergeführt wird.

Abb. 73. Sequenz 8: Standpunkt mit Blickrichtung.

GSEducationalVersion

124

Im Untergrund


Abb. 74. Sequenz 8: Sicht Richtung Reuss kurz vor dem Überqueren der Strasse.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

125


Vor dem Trafohaus markieren sowohl eine kleine Einbuchtung als auch die Gliederung des Bodens den Übergang zwischen Quartiersnutzung und Aussenraum. Der Belag reagiert dabei mit einem leichten Knick bis zum Eingang und setzt sich ins Gebäude hinein fort, wodurch der räumliche Zusammenhang lesbar wird. Der Turm, der unmittelbar auf dem Baukörper aufbaut, ist aufgrund der Nähe kaum als eigenständiges Element wahrnehmbar und tritt je nach Sonnenstand vor allem über seinen Schattenwurf in Erscheinung. Die Eingangssituation zum Trafogebäude als Kulturstätte sowie das insgesamt geradlinige Wegstück der Querverbindung werden durch eine mittig platzierte Baumgruppe in mehrere Sequenzen gegliedert. In der Annäherung liefert der Bodenbelag einen weiteren Hinweis auf eine in die Querverbindung einmündende Strasse und akzentuiert die Baumgruppe als räumliches Zentrum. Dadurch rücken zugleich der Flussraum und die Reussüberquerung der Autobahn hier noch in den Hintergrund.

Abb. 75. Sequenz 9: Standpunkt mit Blickrichtung.

GSEducationalVersion

126

Im Untergrund


Abb. 76. Sequenz 9: Standpunkt vor dem Eingang zum Trafohaus mit Blick auf die dahinterliegende Wegsequenz.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

127


Ist die Baumgruppe passiert, öffnet sich in dieser Sequenz der Wegverbindung der Blick bis zum Wasser, wobei nun auch die Reussüberführung der Autobahn als prägnanter Blickfang in Erscheinung tritt. Der Raum weitet sich dazu in Richtung Ufer leicht auf, bevor das Wasser erreicht wird. Der leichte Knick im Wegverlauf und die rechts angeordnete Baumgruppe beeinflussen dabei nicht nur die Bewegung, sondern lenken zugleich den Blick, der kurz vor dem letzten Gebäude auf einen abschliessenden Hinweis trifft, bevor sich die gesamte Szenerie des Flussraums erschliesst. Das Badehaus als Teil der Uferbebauung der Reussplattform markiert mit seinem Dachrand auch hier die Zugehörigkeit zur Quartiersnutzung. Zugleich bewirkt die Setzung dieses Baukörpers, dass der seitlich verlaufende Weg entlang des Wassers unterbrochen wird und der Blick gezielt in die Querverbindung in Richtung Bahndamm gelenkt wird.

Abb. 77. Sequenz 10: Standpunkt mit Blickrichtung.

GSEducationalVersion

128

Im Untergrund


Abb. 78. Sequenz 10: Blick auf den offenen Raum des Reussufers und die dahinterliegende Autobahnüberquerung.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

129


Beim Überqueren der letzten, parallel zum Fluss verlaufenden Hauptrichtung und im Weitergehen entlang des Reussuferwegs erschliesst sich das Infrastrukturgebäude gemeinsam mit dem Turmbau der Reussplattform in seiner gesamten räumlichen Präsenz. Der Turmbau wirkt flussabwärts als markanter Orientierungspunkt und steht zugleich in der Verlängerung der einmündenden Strasse in Bezug zum Quartiersgebäude des BaBeLTreffs auf der gegenüberliegenden Seite des Bahndamms. Zwischen den beiden Uferbebauungen öffnet sich ein grosszügiger Freiraum, bevor die Wegführung entlang einer Baumreihe weitergeführt wird. Eine gestufte Treppenanlage vermittelt zwischen Stadtraum und Fluss und führt bis an das Wasser heran, sodass der Übergang vom Gebauten zur Landschaft räumlich erfahrbar wird. Das dramaturgische Moment des Eintauchens in das Wasser ist geprägt durch das Erlebnis und bildet die letzte Sequenz der Querverbindung.

Abb. 79. Sequenz 11: Standpunkt mit Blickrichtung.

GSEducationalVersion

130

Im Untergrund


Abb. 80. Sequenz 11: Blick Richtung Westen und Sicht auf die Uferbebauung.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

131


4.5 Verflechtung der Quartiersnutzungen Die quartiersbezogenen Nutzungen, die ergänzend zu den Aussenräumen der Querverbindung geboten werden, entsprechen den lokalen Bedürfnissen der Anwohnenden. Entlang der Querverbindung angeordnet, bildet sich ein Quartierzentrum, das sich auf mehrere nahe beieinanderliegende Standorte verteilt. Dies stärkt die Integration, fördert die Vernetzung über den Bahndamm hinweg und reagiert gezielt auf den Bestand sowie vorhandene Naturelemente, wodurch abwechslungsreiche und nutzungsspezifische Orte entstehen. So entsteht einerseits eine Verflechtung der Nutzungen mit der Querverbindung, die den Anwohnenden ein vielfältiges Angebot eröffnet, und andererseits eine räumliche Verbindung von Innen- und Aussenräumen. Der Bodenbelag, der sich bis in die Innenräume der Quartierszentren fortsetzt, verdeutlicht zudem visuell die Zusammengehörigkeit. Der BaBeL-Quartierverein spielt dabei eine zentrale Rolle. Als lokal verankerter, breit aufgestellter und gut vernetzter Verein ist er seit mehr als zwanzig Jahren im Quartier aktiv und mit den Ereignissen und insbesondere den Bedürfnissen der Bewohnerschaft vertraut. Er wird die Standorte des Quartierzentrums verwalten. Ein Mix aus unterstützenden, gemeinschaftsorientierten und freizeitfokussierten Angeboten verteilt sich auf vier Standorte. Diese sind entsprechend ihrer Funktion positioniert und integrieren unterschiedliche Nutzungen sowie räumliche Besonderheiten, die im Folgenden beschrieben werden.

Abb. 81. Standorte der Quartiersnutzungen entlang der Querverbindung.

132

Im Untergrund


Reussp lattform

Traf oh

aus

BaB

eLTre ff

Da m

md

ur ch

br

uc

h

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss GSEducationalVersion

133


BaBeL-Treff In die bestehende Häuserzeile eingebettet, schliesst der Bau eine Lücke im Bestand und fügt sich in die vorhandene Struktur ein. Die Erschliessung über zwei Ebenen sowie die unmittelbare Lage am Dammdurchbruch gewährleisten eine gute Erreichbarkeit und eine starke Vernetzung über den Bahndamm hinweg. Als permanente Anlaufstelle nutzt der Quartiersverein BaBeL die Büroräume und bietet damit eine zentrale Kontaktstelle für das Quartier. Ergänzt wird das Angebot durch einen festen Standort der Quartiersbibliothek sowie ein kleines Café im Erdgeschoss, das als niederschwelliger Treffpunkt fungiert. Erwachsenenbildung, integrationsfördernde Angebote und erweiterte schulische Programme bilden den inhaltlichen Schwerpunkt und stärken die soziale Infrastruktur des Quartiers. Die Auseinandersetzung mit dem beidseitig angrenzenden Bestand und die daraus resultierenden unterschiedlichen Geschosshöhen sind an der Fassade ablesbar und setzen sich im Innenraum fort. Versetzte Ebenen und Zwischengeschosse prägen ab dem ersten Obergeschoss das Raumkonzept und erzeugen ein grosszügiges, räumlich verbundenes Raumerlebnis, das alle Ebenen visuell und funktional miteinander verknüpft. Aufgrund der besonderen Lage in Verlängerung zweier Strassen- und Wegfluchten ist dies zudem der einzige Ort im Quartier, der gleichzeitige Ausblicke auf die stark frequentierte Baselstrasse und den ruhigeren Flussraum der Reuss ermöglicht. Die Sichtbezüge aus dem Inneren reichen somit bis an die Quartiersgrenzen und darüber hinaus und verankern das Gebäude im lokalen Kontext.

Abb. 82. BaBeL Treff: EG Grundriss mit Fassadenansicht.

134

Im Untergrund


BaBeL Treff

Café

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

135


Abb. 83. BaBeL Treff: Eingangsbereich mit Bodenbelag und Dachrand im Detail.

GSEducationalVersion

136

Im Untergrund GSEducationalVersion


Bibliothek

Seminarraum

Bibliothek

BaBeL Büro

Bibliothek

Eingang

Abb. 84. BaBeL Treff: Schnittperspektive.

GSEducationalVersion

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

137


Dammdurchbruch Der Dammdurchbruch bietet Raum für einen kleinen Mehrzweck- und Ausstellungsraum, der an einem räumlichen Nadelöhr der Querverbindung liegt und dadurch besonders stark frequentiert ist. Als markanter Durchgang zwischen den beiden Quartieren bildet er einen natürlichen Anziehungspunkt innerhalb der Wegsequenzen. Der Fokus liegt auf temporären Nutzungen, wechselnden Ausstellungen und niederschwelligen Formaten, die den Raum immer wieder neu besetzen und beleben. Insbesondere für die zahlreichen ortsansässigen Kunst- und Kulturschaffenden entsteht so eine offene Plattform, die Sichtbarkeit schafft und den Austausch zwischen Quartier, Besuchenden und Kreativszene fördert. So wird der Dammdurchbruch vom reinen Durchgang zu einem Ort der Begegnung und der kulturellen Identifikation innerhalb des Quartiers.

138

Im Untergrund


Gleis 4

Ausstellungsraum

Abb. 85. Dammdurchbruch: EG Grundriss mit Fassadenansicht.

GSEducationalVersion

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

139


Abb. 86. Dammdurchbruch: Eingangsbereich mit Bodenbelag und Dachrand im Detail.

GSEducationalVersion

140

Im Untergrund GSEducationalVersion


Ausstellungsraum

ionalVersion

Abb. 87. Dammdurchbruch: Schnittperspektive.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

141


Trafohaus Der künftig leerstehende eingeschossige Bestandsbau bildet die Grundlage für eine kleine, quartiersbezogene Kulturstätte, die sich bewusst aus dem Vorhandenen entwickelt. Der offen gestaltete zentrale Innenraum, der von dienenden Nebenräumen gefasst wird, eignet sich besonders für kulturelle und gemeinschaftliche Nutzungen wie Ausstellungen, Lesungen, kleinere Veranstaltungen oder performative Formate. Seine klare räumliche Organisation ermöglicht eine flexible Bespielung und lässt unterschiedliche Szenarien zu, ohne den Bestand grundlegend zu verändern. Ergänzend ist ein Kiosk mit direktem Bezug zum Aussenraum vorgesehen, der als niederschwelliger Anziehungspunkt fungiert und ein breiteres, auch zufälliges Publikum anspricht. Durch seine Öffnung zum Freiraum trägt er zur Belebung der angrenzenden Aussenflächen bei und verknüpft kulturelle Nutzung, Alltag und Aufenthalt auf selbstverständliche Weise. Als besondere räumliche Qualität zeichnet sich der überhohe Raum aus, der auf dem ehemaligen Trafogebäude aufbaut. Er wird über ein grosses Oberlicht sowie indirekte Belichtung geprägt und erzeugt eine ruhige, stark kontrastierende Atmosphäre. Experimenteller zeigt sich der kleine Raum im Turm des Trafohauses. Von hier eröffnet sich ein weiter Blick über das Quartier, der die lineare Erfahrung der Querverbindung verlässt und eine weitsichtige Perspektive einführt. Der Ort ermöglicht es, die räumlichen Zusammenhänge, die Abfolge der Sequenzen und die Verflechtung der Quartiersnutzungen aus einer neuen Perspektive zu erfassen. Damit wird der Turm auch zu einem Ort der bewussten Auseinandersetzung mit dem Stadtraum.

Abb. 88. Trafohaus: EG Grundriss mit Fassadenansicht.

142

Im Untergrund


Trafohaus

Kiosk

Kiosk

GSEducationalVersion

ilm

sik, F

, Mu

ng Lesu anz, ter, T Thea

Lesung, Musik, Film, Ausstellung

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

143


Abb. 89. Trafohaus: Eingangsbereich mit Bodenbelag und Dachrand im Detail.

GSEducationalVersion

144

Im Untergrund GSEducationalVersion


Kiosk

Lesung, Musik, Film, Ausstellung

Abb. 90. Trafohaus: Schnittperspektive.

GSEducationalVersion

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

145


Reussplattform Die Ufergestaltung entlang der Reuss schafft einen grosszügigen, zusammenhängenden Aussenraum, der sowohl dem Aufenthalt als auch dem direkten Zugang zum Wasser dient. Der Freiraum ist bewusst offen gehalten und ermöglicht unterschiedliche Nutzungen zwischen Erholung, Bewegung und informellem Treffen. Am östlichen Ende der Anlage bietet ein unbeheizter Infrastrukturbau witterungsabhängigen Schutz und ergänzt den Aussenraum funktional. Umkleide- und Sanitärräume beanspruchen den Grossteil der Fläche. Ergänzt wird das Angebot durch einen überdachten Sitzplatz, von dem aus bei Bedarf eine kleine Küche zugeschaltet und betrieben werden kann. Dieser Bereich fungiert als sozialer Treffpunkt und unterstützt temporäre Nutzungen, kleinere Anlässe oder gemeinschaftliche Aktivitäten am Wasser. Am westlichen Ende der Uferbebauung markiert die Reussplattform mit dem Turmbau einen prägnanten Abschluss der Sequenz. Trotz seines geringen Fussabdrucks wirkt der Turm vor allem durch seine Höhe und setzt ein deutliches räumliches Zeichen. Als Objekt übernimmt er mehrere Funktionen zugleich: Er dient der Orientierung im Stadtraum, gliedert den offenen Uferbereich und bietet durch händisch aufklappbare Elemente gezielte Beschattungsmöglichkeiten, die flexibel auf Nutzung und Tageszeit reagieren. Zwischen diesen beiden baulichen Elementen führt eine terrassierte Treppenbebauung hinab zur Schwimm- und Aufenthaltsplattform, die knapp über dem Wasser schwebt und den Übergang zwischen Land und Fluss räumlich inszeniert. Die Plattform lädt zum Verweilen, Sonnen, Baden oder Beobachten ein und verstärkt die unmittelbare Nähe zum Wasser. Die Nutzungen und die Atmosphäre bleiben dabei bewusst naturnah und zurückhaltend. Der Ort verändert sich mit den Jahreszeiten und dem Wetter und gewinnt gerade dadurch an Qualität. Abb. 91. Reussplattform: EG Grundriss mit Fassadenansicht.

146

Im Untergrund


Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

147

GSEducationalVersion

Umkleidekabinen, WC

Badehaus

gedeckter Aufenthaltsbereich

Reussplattform


Abb. 92. Reussplattform: Eingangsbereich mit Bodenbelag und Dachrand im Detail.

GSEducationalVersion

148

Im Untergrund GSEducationalVersion


Abb. 93. Reussplattform: Schnittperspektive.

GSEducationalVersion

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

149


Entwicklungsschwerpunkte Stadt Luzern Rückbau des Bestandes mit Neubau Querverbindung mit Kristallisationspunkten Freiräume

Reussu fer

Kreuz-Platz

Verkehrsberuhigte Begegnungsräume

Emmi-Areal

Strassen- und Wegenetz mit Aufenthaltsqualität S-Bah n Hal testel le

Grünanlagen Kreuzstutz

30e

r Zo

ne

Reussu

Kreuz-Platz

S-Bah n Halt estell e

Grünanlagen Kreuzstutz

Er sa tz tb au te n

Damm strass e

Bas elst ras se

Abb. 94. Übersichtsplan der Entwicklungsschwerpunkte mit der projektierten Querverbindung und den Quartiersnutzungen im Perimeter.

150 GSEducationalVersion

Im Untergrund


Reuss uferw eg

Reussuferweg

Reussp lattform

mstra sse

Trafo haus

Säntipark

BaB eLTre ff

Läd

Tempo -30-Zo

ne

elip

Da mm du rch br uc h latz

Brunne nplätzli Bunke rterra sse

G h sc

üt

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

151


Epilog 152

Im Untergrund


5

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

153


Abb. 95. Konsensskizze von 2004 zur zukünftigen Quartiersentwicklung entlang der Baselstrasse und der Säntimatt.

154

Im Untergrund


Mein persönliches Empfinden des heutigen Untergrunds von Luzern legte den Grundstein für diese Arbeit. Den Ort habe ich von Beginn an nicht als statisches Gebilde betrachtet, sondern als komplexes Geflecht, in dem ich mich zwischen vorübergehenden Strukturen und Identitätsankern positionierte. In diesem Spannungsfeld überlagern sich der fortlaufende Fortschritt und das Alltägliche. Die im Jahr 2004 in Zusammenarbeit mit den Anwohnenden des BaBeL-Quartiers erstellte Konsensskizze zur zukünftigen Quartiersentwicklung diente dabei als Ausgangslage, um über das vielschichtige Gefüge des Quartiers nachzudenken, wie es auch im Bild ersichtlich ist. Im Zusammenhang mit dem Projekt führte dies insbesondere dazu, das Potenzial der Zwischenräume zu reflektieren und zu untersuchen, wie sich Stadt und Quartier durch das Zusammenspiel von Bewegung, Wahrnehmung und Nutzung entfalten können. Die Querverbindung von der Baselstrasse bis zum Reussufer steht dabei sinnbildlich für den angestrebten Wandel des Quartiers, vom fragmentierten Nebeneinander hin zu einem lebendigen, durchlässigen Stadtraum, der vor allem durch das Erleben verschiedener Sequenzen erfahren wird. Mit der Arbeit wird auch reflektiert, dass urbane Räume mehr sind als Architektur im engeren Sinne. Die anfänglichen Überlegungen zum Thema „Permanent Vacation“ dienten dabei als poetische Maximen und verdeutlichen, dass das bewusste Spiel mit Ambivalenz, Offenheit und Aneignung einen Unterschied machen kann. Im Umgang mit dem Bestand wird dabei die Wirkung gezielter Eingriffe deutlich, ebenso wie die Bedeutung von Zusammenhängen und das Potenzial ursprünglich unspektakulärer, kaum genutzter Räume. Jede Sequenz, jede Veränderung und jeder Übergang eröffnen dabei neue Perspektiven, die sowohl Orientierung als auch Identität stiften. So versteht sich das Projekt als Einladung, Stadt als Ort der Zusammenkunft und der sinnlichen Erfahrung zu begreifen. Die Querverbindung ist deshalb mehr als ein Weg; sie ist ein Versprechen, dass Stadt lebendig, menschlich und wandelbar sein kann.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

155


Literaturverzeichnnis 156

Im Untergrund


6

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

157


Bächtiger, M. (2025). Kino-Obsessionen: Le Corbusier, die Architektur und der Film. Basel: Birkhäuser.

Sim, D., & Gehl, J. (2022). Sanfte Stadt : Planungsideen für den urbanen Alltag. Berlin: Jovis Verlag.

Blum, E. (1988). Le Corbusiers Wege : wie das Zauberwerk in Gang gesetzt wird. Braunschweig: Friedr. Vieweg & Sohn.

Stadt Luzern. (2020). Entwicklungskonzept Basel- und Bernstrasse. Aufgerufen von https://www.stadtluzern.ch/_ docn/2507032/ Entwicklungskonzept_Basel-_und_ Bernstrasse.pdf (08.01.2026)

Bundesamt für Kultur BAK (2021). Davos Qualitätssystem für Baukultur - Acht Kriterien für eine hohe Baukultur. Aufgerufen von https://davosdeclaration2018.ch/wp-content/uploads/ sites/2/2023/06/2022-06-17-174027dbqs-de.pdf (08.01.2026) Cullen, G. (2015). The concise townscape. Abingdon: Architectural Press. Eisenstein, S. M., Bois, Y. & Glenny, M. (1989). Montage and Architecture. The MIT Press. Fondation Le Corbusier. (2014). 1922 - Ausblick auf eine Architektur (4th ed.). Basel: Birkhäuser. Gehl, J. (2012). Leben zwischen Häusern. Berlin: Jovis Verlag. Graber, M., Ruby, A., Olonetzky, N., Pulver, T., & Graber Pulver Architekten. (2009). Raumsequenzen und urbane Infrastrukturen = Spatial sequences and urban infrastructures : Graber Pulver at ETH Zürich. Zürich: Scheidegger & Spiess. Luzerner Zeitung. (2024). Eröffnung Reussporttunnel 1974: A2 bei Luzern wird 50 Jahre alt. Aufgerufen von https://www.luzernerzeitung.ch/ zentralschweiz/stadt-region-luzern/ eroeffnung-reussporttunnel-bleibt-nur-zu-hoffen-dass-die-automobilisten-vernuenftig-fahren-vor-50-jahren-kam-die-autobahnnach-luzern-ld.2689622 (08.01.2026) Lynch, K. (2014). Das Bild der Stadt (2nd ed.). Basel: Birkhäuser. Pierrefeu, F. de, & Le Corbusier. (1942). La maison des hommes. Paris: Plon.

158

Im Untergrund

Stadt Luzern. (2004). BaBeL – Nachhaltige Quartierentwicklung Basel-/ Bernstrasse Luzern . Aufgerufen von https://www.stadtluzern.ch/_ docn/2236745/BaBeL_-_Nachhaltige_ Quartierentwicklung_Basel-Bernstrasse_Luzern.pdf (08.01.2026) Willener, A., Geissbühler, D., & Spalinger, N. (2008). Projekt BaBeL: Quartierentwicklung im Luzerner Untergrund: Einsichten - Ergebnisse Erkenntnisse. Zürich: vdf Hochschulverlag an der ETH Zürich.


Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

159


Abbildungsverzeichnnis 160

Im Untergrund


7

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

161


Abb. 1: Die Baselstrasse: «Dramaturgisches Moment des Durchschreitens geprägt durch den Trubel». Aus: Eigene Darstellung. Abb. 2: Der Reussuferweg: «Dramaturgisches Moment des Flanierens geprägt durch die Entschläunigung». Aus: Eigene Darstellung. Abb. 3: Die Dammstrasse: «Dramaturgisches Moment des Fortbewegens geprägt durch den Rhythmus». Aus: Eigene Darstellung. Abb. 4: Der Untergrund von 1792, Blick von Süden auf den späteren Beginn der Baselstrasse, die stadtauswärts Richtung Westen führt. Aus: https:// zenodo.org/records/3432267 (08.01.2026) Abb. 5: Ansicht der Bahnlinie, die über die Strasse führt, vor der Erhöhung des Bahndamms und dem Bau der Eisenbahnbrücke über die Baselstrasse, ca. 1896. Aus: https://www. stadtluzern.ch/dokumentebilder/ bildergalerien/detail/36515#lg=1&slide=17 (08.01.2026) Abb. 6: Sprengung der Kaserne in Luzern im Zuge des Autobahnausbaus, 1971. Aus: https://zenodo.org/ records/3432267 (08.01.2026) Abb. 7: Blick auf die Reussinsel, Ende 19. Jh. Aus: https://www.babel-quartier.ch/de/data/_uploaded/file/ Reussinsel%20Luzern.pdf (08.01.2026) Abb. 8: Durchgang des Bahndamms zur Säntimatt am Beginn der Baselstrasse, Anfang 19. Jh. Aus: https:// elearning.hslu.ch/ilias/ilias.php?baseClass=ilrepositorygui&ref_ id=6905450 (08.01.2026) Abb. 9: Durchgang des Bahndamms zur Säntimatt auf Höhe Kreutzstutz, Anfang 19. Jh. Aus: https://elearning. hslu.ch/ilias/ilias.php?baseClass=ilrepositorygui&ref_id=6905450 (08.01.2026)

162

Im Untergrund

Abb. 10: Karte 1890 Die Bahnlinie trennt die Gebiete. Die Säntimatt nördlich der Bahn ist erschlossen, jedoch nur schwach bebaut, während die Baselstrasse südlich davon bereits dicht bebaut ist. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 11: Karte 1897 Die Bahnlinie begrenzt das Gebiet im Osten. Die Säntimatt wurde weiter ausgebaut, und zwischen Bahnlinie und Baselstrasse entstand eine zusätzliche Bebauungsreihe. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 12: Karte 1899 Die Säntimatt wurde durch zusätzliche Strassen weiter strukturiert und ausgebaut. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 13: Karte 1913 Die St.-Karli-Brücke wurde errichtet und ersetzte die Reussfähre, die zuvor an derselben Stelle den Fluss überquerte. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 14: Karte 1976 Der Ausbau der Autobahn führte zu einem offenen Teilstück über die Reuss. Entlang der Baselstrasse verdichtete sich die Bebauung weiter. Auf der Reussinsel wurden Genossenschaftswohnungen errichtet. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 15: Karte 2021 Der Kreisel Kreuzstutz und die Autobahn, die nun teilweise überdeckt ist, stellen die letzten wichtigen infrastrukturellen Veränderungen bis zum heutigen Zeitpunkt dar. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 16: Die heutigen Freiräume im Quartier ordnen sich dem Auto unter und sind entsprechend unattraktiv. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 17: Im Quartier dominieren harte Übergänge die Schwellenräume zwischen Privat- und Öffentlichem Raum vor den Gebäuden. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 18: Übersichtsplan mit den Entwicklungsschwerpunkten im Perimeter. Aus: Eigene Darstellung.


Abb. 19: Luftaufnahme des Gebiets um die Baselstrasse und die Säntimatt mit hervorgehobenen prägenden Verkehrsinfrastrukturbauten. Während die Baselstrasse heute vorwiegend als Durchgangsort fungiert, wird die Säntimatt eher als Insel wahrgenommen. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 20: Piazza del Campo in Siena, Italien: das Stadtzentrum mit dem grossen Platz vor dem Rathaus. Aus: Gehl, 2012, S. 36. Abb. 21: Piazza del Campo in Siena, Italien: Durch die geschlossene räumliche Gestaltung, die Orientierung an Sonne und Klima, die schalenförmige Topografie sowie die sorgfältig platzierten Brunnen und Poller ist der Platz ein idealer Treffpunkt und öffentlicher Raum. Aus: https://stock. adobe.com/ ch_de/search?k=piazza+ del+campo&search_ type=usertyped&asset_ id=284541436 (08.01.2026) Abb. 22: Piazza del Campo in Siena, Italien: Aktivitäten bündeln sich um die Poller, die den Übergang von den Randzonen zum Platz markieren. Aus: Gehl, 2012, S. 147. Abb. 23: Grafische Darstellung des Verhältnisses zwischen der Qualität des Aussenraums und dem Vorkommen von Aktivitäten. Aus: Gehl, 2012, S. 6. Abb. 24: Betrachtungsperimeter des Projekts mit den fünf eingezeichneten Kriterien. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 25: Das Stadtzentrum von Florenz, 1843, als anschauliches Beispiel einer organisch gewachsenen Stadt. Die Unterschiede zwischen entstandenen und geplanten Bereichen entlang der Wege sowie das ausgeprägte Wissen um den menschlichen Massstab, das mittelalterliche Städte prägt, sind evident und im modernen Städtebau in dieser Form kaum zu finden. Aus: https://www.meisterdrucke. com/kunstdrucke/ Fantozzi/354995/Karte-vonFlorenz-%28Detail%29.html (08.01.2026)

Abb. 26: Das Beispiel zeigt eine Abfolge räumlicher Situationen entlang eines Weges. Es veranschaulicht, wie vielfältig die Wahrnehmung einer Serie von Sequenzen sein kann. Anstelle eines sich wiederholenden Bildes erweitert jede Perspektive die vorhergehende Ansicht und führt schrittweise durch die Stadt, sodass voneinander getrennte, eigenständige Raumbilder entstehen. Aus: Cullen, 2015, S. 20. Abb. 27: Der Modulor. Darstellung eines in Architektur und Technik allgemein anwendbaren harmonischen Masses im menschlichen Massstab. Aus: https://eguide. pavillon-le-corbusier.ch/de/ objekt/modulor/ (08.01.2026) Abb. 28: Sergei M. Eisensteins Zerlegung und Neuinszenierung einer Illustration von David Burliuk. Aus: Eisenstein et al., 1989, S. 115. Abb. 29: Grundriss der Akropolis von Athen mit eingezeichnetem Wegverlauf und Standpunkte A bis D. Aus: Fondation Le Corbusier, 2014, S. 53. Abb. 30: Standpunkt A: Westlicher Zugang mit frontalem Blick auf die Propyläen. Aus: Eisenstein et al., 1989, S. 118. Abb. 31: Standpunkt B: Frontaler Blick auf den Promachos. Aus: Eisenstein et al., 1989, S. 118. Abb. 32: Standpunkt C: Seitlicher Blick auf das Parthenon. Aus: Eisenstein et al., 1989, S. 119. Abb. 33: Standpunkt D: Seitlicher Blick auf das Erechtheion mit den Karyatiden des Südportikus davor. Aus: Eisenstein et al., 1989, S. 119. Abb. 34: Schemata A bis D zur Komposition der Wegabfolge. Aus: Eisenstein et al., 1989, S. 120. Abb. 35: Typus eines hinduistischen Tempels bei dem die Türme einen Rhythmus im Raum bilden. Aus: Fondation Le Corbusier, 2014, S. 49.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

163


Abb. 36: Blickfeld und Wegabfolge bei Le Corbusier, das einem Storyboard gleicht. Aus: Pierrefeu & Le Corbusier, 1942, S. 141.

Abb. 49: Schematische Darstellung der Hauptrichtungen und der dazwischenliegenden Kristallisationspunkte im Bestand. Aus: Eigene Darstellung.

Abb. 37: Le Corbusiers Skizzenabfolge: Zuckerhut – Bucht von Rio – Fauteuil – Raum mit Glasfassade. Aus: Pierrefeu & Le Corbusier, 1942, S. 69.

Abb. 50: Darstellung der Kristallisationspunkte mit Interverntion als einzelne Sequenzen. Aus: Eigene Darstellung.

Abb. 38: Villa La Roche-Jeanneret, Axonometrie und Schema der Ankunft. Aus: Blum, 1988, S. 36.

Abb. 51: Grundriss des Stadtraums entlang der Querverbindung auf Erdgeschossniveau mit eingefügtem Projekt. Aus: Eigene Darstellung.

Abb. 39: Villa La Roche-Jeanneret, Wegverlauf vom Aussenraum bis in die Eingangshalle. Aus: Blum, 1988, S. 39. Abb. 40: Villa La Roche-Jeanneret, Eingangshalle aus verschiedenen Blickpunkten. Aus: Blum, 1988, S. 40. Abb. 41: Villa La Roche-Jeanneret, Grundrisse mit eingezeichneter Wegabfolge. Aus: Blum, 1988, S. 35. Abb. 42: Villa La Roche-Jeanneret, Wegverlauf über die Treppe vom Erdgeschoss bis ins 1. Obergeschoss. Aus: Blum, 1988, S. 46. Abb. 43: Villa La Roche-Jeanneret, Wegverlauf über die Rampe vom 1. Obergeschoss bis ins 2. Obergeschoss. Aus: Blum, 1988, S. 47. Abb. 44: Transformationspotenzial – bessere Erschliessung?. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 45: Transformationspotenzial – andere Nutzung?. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 46: Transformationspotenzial – Aufwertung?. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 47: Anfängliche Skizze, die den übergeordneten Zusammenhang der Themenfelder aufzeigt. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 48: Übersichtsplan mit den Entwicklungsschwerpunkten im Perimeter und dem Projektszenario mit der neuen Querverbindung. Aus: Eigene Darstellung.

164

Im Untergrund

Abb. 52: Detailansicht der Weganfangs- und Endpunkte. Je nach Lage und Grösse variiert das bereitgestellte Stadtmobiliar. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 53: Gestalterische Ausformulierung des Bodenbelags der Querverbindung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 54: Konstruktiver Aufbau des Bodenbelags: Verschiebesicherung mit dazwischenliegenden sickerfähigen Feldern sowie dem Übergang zur Begrünung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 55: Konstruktiver Aufbau des Bodenbelags: Ausformulierung der mittigen Rinne. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 56: Konstruktiver Aufbau des Bodenbelags: Übergang vom asphaltierten Trottoir zu den Weganfangsund Endpunkten der Querverbindung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 57: Konstruktiver Aufbau des Bodenbelags: Im Boden versenkte Hülse, eingefügt zwischen zwei gliedernde Ornamente. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 58: Geländeschnitte enlang der Querverbindung von Baselstrasse bis Reussufer. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 59: Sequenz 1: Standpunkt mit Blickrichtung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 60: Sequenz 1: Blick in die Baslerstrasse Richtung Westen. Aus: Eigene Darstellung.


Abb. 61: Sequenz 2: Standpunkt mit Blickrichtung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 62: Sequenz 2: Erhöhter Standpunkt mit Sicht auf die Treppenanlage und den gegenüberliegenden Zugang zur Querverbindung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 63: Sequenz 3: Standpunkt mit Blickrichtung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 64: Sequenz 3: Blick in die Häuserschlucht bis zum BaBeL-Treff dahinter. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 65: Sequenz 4: Standpunkt mit Blickrichtung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 66: Sequenz 4: Sicht in die Querverbindung hinein bis zum Bahndamm und darüber hinweg. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 67: Sequenz 5: Standpunkt mit Blickrichtung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 68: Sequenz 5: Überlick über den Lädeliplatz von der Querverbindung her. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 69: Sequenz 6: Standpunkt mit Blickrichtung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 70: Sequenz 6: Sicht in dem Bahndurchgang und auf den Platz davor. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 71: Sequenz 7: Standpunkt mit Blickrichtung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 72: Sequenz 7: Standpunkt im Durchgang des Bahndamms mit Blick auf die Weiterführung des Weges auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Aus: Eigene Darstellung.

Abb. 76: Sequenz 9: Standpunkt vor dem Eingang zum Trafohaus mit Blick auf die dahinterliegende Wegsequenz. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 77: Sequenz 10: Standpunkt mit Blickrichtung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 78: Sequenz 10: Blick auf den offenen Raum des Reussufers und die dahinterliegende Autobahnüberquerung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 79: Sequenz 11: Standpunkt mit Blickrichtung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 80: Sequenz 11: Blick Richtung Westen und Sicht auf die Uferbebauung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 81: Standorte der Quartiersnutzungen entlang der Querverbindung. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 82: BaBeL Treff: EG Grundriss mit Fassadenansicht. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 83: BaBeL Treff: Eingangsbereich mit Bodenbelag und Dachrand im Detail. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 84: BaBeL Treff: Schnittperspektive. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 85: Dammdurchbruch: EG Grundriss mit Fassadenansicht. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 86: Dammdurchbruch: Eingangsbereich mit Bodenbelag und Dachrand im Detail. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 87: Dammdurchbruch: Schnittperspektive. Aus: Eigene Darstellung.

Abb. 73: Sequenz 8: Standpunkt mit Blickrichtung. Aus: Eigene Darstellung.

Abb. 88: Trafohaus: EG Grundriss mit Fassadenansicht. Aus: Eigene Darstellung.

Abb. 74: Sequenz 8: Sicht Richtung Reuss kurz vor dem Überqueren der Strasse. Aus: Eigene Darstellung.

Abb. 89: Trafohaus: Eingangsbereich mit Bodenbelag und Dachrand im Detail. Aus: Eigene Darstellung.

Abb. 75: Sequenz 9: Standpunkt mit Blickrichtung. Aus: Eigene Darstellung.

Abb. 90: Trafohaus: Schnittperspektive. Aus: Eigene Darstellung.

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

165


Abb. 91: Reussplattform: EG Grundriss mit Fassadenansicht. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 92: Reussplattform: Eingangsbereich mit Bodenbelag und Dachrand im Detail. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 93: Reussplattform: Schnittperspektive. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 94: Übersichtsplan der Entwicklungsschwerpunkte mit der projektierten Querverbindung und den Quartiersnutzungen im Perimeter. Aus: Eigene Darstellung. Abb. 95: Konsensskizze von 2004 zur zukünftigen Quartiersentwicklung entlang der Baselstrasse und der Säntimatt. Stadt Luzern, 2004, S. 8.

166

Im Untergrund


Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

167


Redlichkeitserklärung 168

Im Untergrund


8

Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

169


Hiermit versichere ich, dass die vorliegende Arbeit mit dem Titel: Im Untergrund Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss selbstständig durch mich verfasst worden ist, dass keine anderen Quellen und Hilfsmittel als die angegebenen benutzt worden sind und dass die Stellen der Arbeit, die anderen Werken - auch elektronischen Medien - dem Wortlaut oder Sinn nach entnommen wurden, unter Angabe der Quelle als Entlehnung kenntlich gemacht worden sind. Sven Leuenberger

Horw, 08.01.2026

170

Im Untergrund


Freiraumsequenzen zwischen Haus, Schiene und Reuss

171


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
HS25 _Masterthesis_Architektur_Prozessbuch_LeuenbergerSven_ImUntergrund by Hochschule Luzern - Issuu