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Eingenistet, Noah Buehler, BA Objektdesign, 2026

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Eingenistet

Ich Danke: Vera

Vera von Gunten

Friz Gempeler

Nora Engels

Ozan Altuntas

Seline Zürcher

Meiner Familie

Dem gesamten HSLUWerkstadt Team

Fragestellung

Wie kann in Räumen mit grosser Reizüberflutung ein Ort geschaffen werden, der erholsam ist und an dem die Sinne möglichst umfassend angesprochen werden?

Vorhaben

Das Ziel meiner praktischen Arbeit ist es, basierend auf den Erkenntnissen der theoretischen Arbeit, ein «Nest» als Ort der Erholung zu gestalten und umzusetzen. Dabei war ein wichtiges Kriterium, hochwertige Materialien zu verwenden. Mit dem Fokus auf neurodivergente Menschen ist es mir wichtig, das Endprodukt realitätsnah zu gestalten, um es möglichst vielen Menschen zugänglich machen zu können. Um mein Vorhaben einzugrenzen, fokussiere ich mich auf Kinder im Alter von ca. 4–12 Jahren, im Schulzyklus 1 und 2.

Das Nest soll ein Ort werden, der sowohl von innen als auch von aussen ansprechend wirkt, Geborgenheit vermittelt und gleichzeitig Teilhabe ermöglicht und in Schulräumen als Teil der Einrichtung eingesetzt werden kann.

Gestalterische Eckpunkte

Grundsätzlich sollte sich jeder Designer von einem Escape Space an diesem Zitat orientieren:

“This space should be equipped with minimal furnishings, soft lighting, soothing music, and comfortable pillows to sit on […] few outside items can be provided in the space for sensory stimulation, if they are not overwhelming to the child and will be a source of comfort. Items should be small, like a piece of fabric or sandpaper. Escape spaces can be stress-reducing interventions for individuals with ASD at school or home.”1

Unter Berücksichtigung der oben genannten Kriterien und der Personal-Space-Theorie haben sich folgende Masse für die Gestaltung des Objekts ergeben:

Der Personal Space hat einen Durchmesser von min. 120 cm bis 240 cm2, und bei der durchschnittlichen Körpergrösse meiner Zielgruppe (4 bis 12 Jahre), die ungefähr 104 bis 152 cm3 beträgt, gehe ich von einem ungefähren Durchmesser von 160 cm aus. Die minimale Breite des Innenraums und der Öffnungen beträgt 80 cm, basierend auf der lichten Breite einer Türe. DieWandhöhe sollte mind. 90 cm betragen, da der Oberkörper eines zwölfjährigen Kindes ca. 80 cm misst. Diese Masse erlauben eine grosse Spannbreite verschiedener Körpergrössen von Kindern, da diese gerade bei Kindern imWachstum individuell sehr verschieden sind.

Infolge der Filterschwächen und taktilen Bedürfnisse von Menschen mit ASS muss der Escape-Space folgende Eigenschaften aufweisen: schalldämpfendeWirkung, Licht lindernd, visuell abschirmend. Das Objekt macht Angebote für die taktile, geruchliche und sensorische Stimulierung in Form von Geruchskulissen, Soundscapes, Licht und Farbe. Ferner sollte es bequem und weich sein. Ergänzend mit Pflanzen, Ästen, Terrarien usw. wird auch die heilende Kraft der Natur einbezogen.

Weil ASS-Betroffene stark ausgeprägte individuelle Präferenzen bei Gerüchen und Geräuschen, aber auch bei Farben und Texturen haben, ist es wichtig, die einzelnen sensorischen Angebote individualisierbar zu gestalten. Damit der Escape-Space zu ihrem persönlichen Ort werden kann, sollten ihn seine Nutzer*innen mitgestalten.

1 Gaines Kristi, Bourne Angela, Pearson Michelle, Kleibrink Mesha, Designing for Autism Spectrum Disorders, Routledge NewYork 2016. S.67

2 Gaines Kristi, Bourne Angela, Pearson Michelle, Kleibrink Mesha, Designing for Autism Spectrum Disorders, Routledge NewYork 2016. S.60

3 https://www.familie.de/kleinkind/wachstum-bei-kindern/ und https://steybe.de/pages/grossentabelle?srsltid=AfmBOooh-UinfPQsZL14i6z3FxtYXh_M12rQf1CNTfz9BR7wbqsCC5el zuletzt abgerufen am 10.05.26

Um 12:47 Uhr.

Biophilie und Modularität

Dieser Ansatz basiert stark auf naturnahen Formen, inspiriert von der Biophilie-DesignTheorie, die besagt, dass Menschen sich von der Natur und natürlichen, lebendigen Dingen angezogen fühlen. Zudem geht die Theorie davon aus, dass die Natur eine heilende und beruhigendeWirkung auf den Menschen hat.

Ein zentraler Bestandteil dieses Ansatzes ist die Modularität. Sie sollte den Nutzer*innen ermöglichen, ihr eigenes «Nest» zu bauen. Dabei entstanden zwei Konzepte:

Das erste Konzept integrierte Gelenke in eine gestopfte Stoffwurst, die dann frei gebogen und in verschiedene Formen gebracht werden konnte.

Das zweite Konzept bestand aus einer langenWurst, die mit Knöpfen verbunden werden konnte und so unterschiedliche Formen ermöglichte.

Diese Konzepte verfolgte ich abgesehen von einigen Prototypen und Experimenten nicht mehr weiter, da es strukturelle Probleme gab. Zudem war das System mit den Knoten wenig benutzerfreundlich, da es sehr lange dauerte, eine andere Form zu bilden. Ausserdem wäre die Lagerung der Stoffwurst sehr umständlich gewesen.

Vom Geflecht zum Nest

Dieser Ansatz geht auf ein Ausstellungsstück zurück, das ich in Kopenhagen gesehen habe. Besonders das Geflecht hat mich fasziniert, da es mich stark an natürliche, organische Formen erinnerte. Daraufhin stellte ich mir die Frage, wie ich diese Inspiration für mein eigenes Projekt adaptieren könnte.

Ich entwarf ein Konzept, das an ein Nest erinnert. Es hat einen erhöhten Bereich, der zum bequemen Anlehnen einlädt. Um diese Idee zu erproben, arbeitete ich zunächst mit Kartonstreifen und testete verschiedeneVarianten aus. Dabei experimentierte ich unter anderem mit spiralförmigen Strukturen und anderen geometrischen Anordnungen.

Doch schnell zeigte sich, dass diese Ansätze nicht nur unglaublich aufwendig in der Umsetzung, sondern auch sehr starr in ihrer Form und Anwendung waren. Hinzu kamen praktische Einschränkungen: Beim Nest mussten Nutzer*innen über eine hohe Kante steigen, was für kleinere Kinder eine Hürde darstellte. Beim Tunnel lag die Öffnung sehr tief am Boden, sodass die Decke für die älteren Kinder zu niedrig war, was die Nutzung erschwerte. Doch am problematischsten erwies sich die finale Grösse der Objekte, zumal bei diesen Konzepten oft nur ein kleiner Teil des Objektes wirklich genutzt werden konnte.

Inspiration:Waldsofa

Sinn desWaldsofas ist es, einen Raum imWald zu schaffen, der Schutz vermittelt, der aber noch immer Teil desWaldes ist. Es hält denWind ab und, wenn wirklich nötig, auch den Regen (sofern man eine Plane über dasWaldsofa spannt). In der Mitte befindet sich eine Feuerstelle, die zum Kochen genutzt werden kann. Das verankert dasWaldsofa als Mittelpunkt der Gruppe und es wird so zum natürlichen Sammelpunkt. Ausserdem ist es ein guter Orientierungspunkt in der Unübersichtlichkeit desWaldes.

Von Stoffwürsten zu stabilen

Multiplex-Platten

Nach der Erkenntnis, dass dasWaldsofa viele der Probleme, die ich lösen wollte, bereits behoben hatte, begann ich mit einem Entwurf, der auf diesem Konzept aufbaut, und habe ihn für den Innenraum adaptiert und immer mehr simplifiziert.

Zu Beginn plante ich, dieWände, analog desWaldsofas, mit gestopften Stoffwülsten zu gestalten. Allerdings musste ich feststellen, dass diese zwar optisch ansprechend, aber sehr schwer, teuer, gross und mit einem hohen Materialbedarf verbunden gewesen wären.

Da sah ich meine Hängematte aus der Pfadi vor mir, die bloss aus Schnüren und Stoff besteht, ein kleines Packmass aufweist, aber sehr bequem ist. Statt gestopfteWürste zu türmen, hatte ich, analog meiner Hängematte, die Idee, alsWand und Rückenlehne des Nestes Stoffstücke zwischen Spanngurten an Stützen aufzuspannen. Das Ergebnis ist eine angenehme und weiche Rückenlehne, die komplett ohne Füllung auskommt.

Zudem wechselte ich von massiven Holzteilen, die mit Dampf gebogen werden sollten, zu MultiplexPlatten und einfacheren Formen, die mit einer CNC-Fräse leicht gefertigt werden konnten.

Um dieVerbindung der Stützen einfach, stabil und günstig zu gestalten, verwendete ich Vierkantstücke mit einem 30-mm-Loch und einemWinkel von 30 Grad. Diese wurden aus den Zwischenräumen der Stützen gefräst, um den Abfall zu minimieren. In dieseVerbindungsstücke wurde ein Buchenholzstab eingeleimt. Das Ergebnis ist eine einfach installierbare Stütze, die viel Erweiterungspotenzial bietet und auch multifunktional nutzbar ist.

Zu schmal!

Vom Prototypen zur einfachen Lösung

Wie oben bereits beschrieben, war der Designprozess geprägt von immerwährender Simplifizierung des Objekts. Die Lösung bestand darin, die Formgebung am CAD zu entwickeln und die Hauptträger mit der CNC-Fräse aus Multiplexplatten herauszufräsen. Dabei konnte der Prozess so weit vereinfacht werden, dass sich das vorliegende Objekt mit überschaubarem Aufwand als Flatpack-Lösung realisieren liesse.

Im Entwicklungsprozess habe ich verschiedenste Entwurfs- und Testmethoden durchlaufen, von primitiven Prototypen bis zum Einsatz vonVR. Ich habe jede Technik genutzt, die mir bekannt war und mir zielführend erschien. Heute ist das Ergebnis eine Mischung aus Hightech und Lowtech: Für die Produktion kommen CNC-Fräsen und 3D-Drucker zum Einsatz, doch das Endergebnis bleibt bewusst simpel und reduziert

Vom starren Konzept zur lebendigen Lösung

Aus den einst starren und schweren Konzepten ist ein modulares, leichtes und Nutzer*innen-zentriertes System geworden. Es ermöglicht den freien Ausdruck der eigenen Identität.Vom einfachen Umstellen der Module bis zum Bemalen der Holzkonstruktion sollen möglichst alle Gestaltungsmöglichkeiten offenbleiben. Deshalb habe ich es bewusst nicht lackiert oder geölt.

Sobald ich es derWelt übergebe, entzieht sich seine weitere Gestaltung meiner Kontrolle. Es soll sich weiter entwickeln, weiterleben und genutzt werden. Ich sehe das Ziel des Designs erfüllt, wenn das Objekt ein Jahr nach der Übergabe an eine Schule von den Nutzer*innen komplett individuell gestaltet und den eigenen individuellen Bedürfnissen angepasst worden ist. So verstehe ich das Objekt als Plattform zum Auf- und Ausbauen. So soll es den Menschen dienen, die es verwenden, mit ihm leben und die so auch davon profitieren.

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