«Zwischenspiel» Dokumentation der praktischen BA
Anastassia Andreadaki Hochschule Luzern – Design Film Kunst Objektdesign 2025 Mentor: Andreas Saxer
Ich danke allen beteiligten Personen herzlich für die Unterstützung während meiner Arbeit. Mònika Gaspar Andreas Saxer Freier Chindsgi Hönggerberg Frida Huwiler Annina Weiss Kerim Ergül Hannah Borer Luna Schmitz Holzwerkstatt HSLU Metalwerkstatt HSLU Irina Rossi, Stadt Zürich, Soziokultur Kinder Nadine Junghanns, UNICEF Schweiz
Motivation Meine eigene Gelegenheitsarbeit als Kleinkindbetreuerin und der enge Kontakt zu Kindern in meinem privaten Umfeld haben mein Interesse an ihrer Denk- und Ausdrucksweise geweckt. Ihre spielerische, unvoreingenommene Sicht auf die Welt hat mich motiviert, kindliche Perspektiven in gestalterische Prozesse einzubinden. Dabei wurde deutlich, dass zwischen Kindern und Erwachsenen häufig eine Kommunikations- und Wahrnehmungslücke besteht. Im Bereich der stadtbaulichen Gestaltung wird nach wie vor zu wenig Partizipation der Nutzer:innen berücksichtigt, insbesondere die Beteiligung von Kleinkindern findet kaum statt. Kleinkinder sollten jedoch nicht nur als Nutzer:innen städtischer Infrastruktur, sondern als aktive Mitgestalter:innen ernst genommen werden.
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Idee Der Titel des Projekts wurde bewusst auf Deutsch gewählt, da es in der Schweiz stattgefunden hat. Zwischenspiel bedeutet ein kurzer Abschnitt zwischen zwei Teilen oder ein Zeitraum zwischen zwei Ereignissen. Diese Bedeutung passt gut zum Projekt, das eine spielerische Verbindung zwischen Kleinkindern und Erwachsenen im Zusammenhang mit der Gestaltung öffentlicher Räume herstellt. Im Mittelpunkt steht eine interaktive Sammlung von Objekten, die aus den Ergebnissen von Workshops mit Kleinkindern entstanden ist. Diese Objekte helfen Fachpersonen in der Stadtplanung, besser zu verstehen, wie kleine Kinder ihre Umgebung erleben. Die Sammlung bietet ein visuelles Werkzeug, um die Beteiligung von Kleinkindern zu unterstützen. Das Ziel des Projekts ist es, kindliche Sichtweisen auf anschauliche und spielerische Weise an Erwachsene weiterzugeben. So können Städte in Zukunft kindgerechter, offener und gemeinschaftlicher gestaltet werden.
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Vorhaben vom Januar 2025 Im Januar 2025 habe ich das Konzept des Vorhabens erarbeitet, das die Motivation, die Projektidee sowie die geplanten Schritte zur Erreichung des gewünschten Ergebnisses beinhaltet. Schritt 1: Durch die schriftliche Arbeit wurde eine theoretische Grundlage erarbeitet, die ein fundamentales Verständnis für kindliche Entwicklung, Kinderrechte und Adultismus ermöglicht.
Schritt 2: Zeit mit Kleinkindern verbringen, sie beobachten und ihnen zuhören.
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Schritt 3: Eine Objektserie entwickeln, die die Kommunikation im stadtbaulichen Kontext zwischen Erwachsenen und Kleinkindern erleichtert.
Schritt 4 SDG 10 berücksichtigen.
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Erkenntnisse aus der schriftlichen Arbeit Die schriftliche Arbeit hat das Ziel, Kleinkinder (4–6 Jahre) wirksam und kindgerecht in städtebauliche Planung einzubinden. Die Forschungsfrage war: Welche Methoden eignen sich besonders gut für die partizipative Einbindung von Kleinkindern? Die Frage wurde beantwortet indem die Relevanz der kindlichen Perspektive für Stadtplanung aufgezeitgt wurde. Themen wie Kindliche Wahrnehmung, Entwicklungspsychologie, Raumwahrnehmung, Partizipation, Adultismus (=strukturelle Benachteiligung von Kinder), Kinderrechte (UN-KRK, v. a. Art. 12 Beteiligung) sowie auch Interviews mit Expertinnen, die in Berührung mit Kleinkinder, Stadtgestaltung und Partizipation kommen, wurden untersucht um wertvolle Erkenntisse zu gewinnen und das Bewusstsein der Herausvorderungen wie Sprachbarrieren und fehlende Strukturen zu fördern. Die Fallstudien der Projektn «Kinder Planen Stadt (Luzern)» und «La République en Résidence (Lisieux)» haben bewährte partizipative Methoden beliefert. Bewährte Methoden: 1. Kinderspaziergänge / Quartiersbegehungen 2. Modellbau mit Alltagsmaterialien 3. Zeichnungen / Collagen 4. Spielerische Stadtraumnutzung 5. Rauminstallationen / Aktionen
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Methoden aus Interviews mit Expertinnen: 1. Transparenz, Wertschätzung und Freiwilligkeit 2. Quartierspionage 3. Stecknadelmethode 4. Visuelle & kreative Methode 5. UNICEF-Label «Kinderfreundliche Gemeinde» als strukturiertes Partizipationsmodell
Dieser Untersuchung hat gezeigt:
Partizipation ≠ Symbolik, sondern echte Mitgestaltung. Kleinkinder sind kompetente Mitgestalter:innen. Beteiligung muss altersgerecht, freiwillig, kreativ und wirksam sein. Partizipation braucht institutionelle Verankerung & Erwachsenen-Reflexion. Gestaltung und Design können als Brücke dienen.
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Wer Städte kindgerecht denkt, gestaltet sie für alle besser.
Workshops und sonst Zeit mit kiddies In den ersten Monaten des Projekts habe ich regelmässige Besuche im Freien Chindsgi Hönggerberg bei den Kindergärtnerinnen gemacht. Dort wurde mit verschiedensten Alltags- und Bastelmaterialien das Thema Stadt bearbeitet.
Ich habe Fragen gestellt wie: «Wenn du die Stadt gestalten würdest, wie sieht sie aus?» «Wie sieht dein Lieblingsplatz aus?» «Wo spielst du gern?» «Wo fühlst du dich sicher?» «Was findest du blöd?»
Ausserdem habe ich sie beim basteln unterstützt, viel beobachtet und zugehört.
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...und zugehört und beobachtet...
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Erkenntnisse aus Workshops mit kiddies Kinder sagen:
«und dann... und... dann... und...» «Schaukeln» «Rutschen»
«hör mir zu!»
«mit dir!»
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ich beobachte:
Am Werden Baustelle Gerüst Entwicklung Aufbau Unvolständig Zusammensetzend Im Fluss Wellenartig Bewegung Im Wandel Dynamisch Rutschen Kontinuierlich Kreisbewegungen Entwicklung Veränderung Ohne Ende Unklar Offen Weiterführend Gemeinsam Zusammen Achtsam Geduldig Zeit lassen So einfach wie möglich
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nonsense Objekte Aus den kindlichen Aussagen und meinen Beobachtungen während der gemeinsamen Zeit habe ich bestimmte Begriffe und Themen herausgegriffen. Auf dieser Grundlage habe ich begonnen, die Objektsammlung zu entwickeln. Besonders wichtig waren für mich Eigenschaften, die auch für Erwachsene inspirierend sein können. Kinder zeigen eine grosse Offenheit. Sie sind neugierig, probieren Dinge aus und befinden sich in einem ständigen Prozess des Werdens. Sie sind ständig in Bewegung, reden viel und folgen ihrem eigenen Rhythmus. Sie handeln gerne gemeinsam und leben ganz im Moment. Für sie ist nichts endgültig, «Morgen basteln wir weiter». Diese kindlichen Qualitäten habe ich mit meiner Objektsammlung sichtbar gemacht.
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Workshop- Wagen Der Wagen dient als Träger der Objektsammlung. Die Idee ist, dass er bei Partizipationsworkshops zur Gestaltung des öffentlichen Raums eingesetzt wird. Jedes Projekt ist anders, und jede Situation bringt eigene Bedingungen mit sich. Deshalb ist der Inhalt des Wagens so gestaltet, dass nach jedem Workshop und jeder neuen Erfahrung neue Erkenntnisse einfliessen können. So entwickelt sich der Inhalt kontinuierlich weiter. Der Wagen passt zur Grundhaltung des Projekts. Er wurde aus vorhandenen Materialien gebaut und ist im Stil einer Baustelle gestaltet – inspiriert von der Idee, dass alles noch im Werden ist.
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Anwendungmöglichkeiten Der folgende Objektansatz ist ein mögliches Ergebnis, das von der Objektsammlung inspiriert wurde. So könnte eine spielerische Sitzbank an einer Bushaltestelle aussehen. Die Sitzbank wurde ebenfalls aus herumliegenden Materialien und Restmaterialien von Baustellen gebaut.
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Ausblick Während dieser Arbeit habe ich die kindliche Perspektive als Ausgangspunkt genutzt, um städtische Gestaltungsprozesse infrage zu stellen und neu zu denken. Durch meine Nähe zu Kleinkindern im privaten und beruflichen Kontext wurde mir bewusst, wie vielschichtig und wertvoll ihre Sichtweisen auf unsere gebaute Umwelt sind und wie selten diese im Stadtentwicklungsprozess berücksichtigt werden. Im Projekt «Zwischenspiel» habe ich eine Sammlung interaktiver Objekte entwickelt, die gemeinsam mit Kleinkindern entstanden ist. Diese Sammlung dient als Werkzeug für Gestalter:innen im städtebaulichen Kontext, um mit Kindern auf Augenhöhe in Dialog zu treten. Der Gestaltungsprozess war geprägt von partizipativen Methoden wie Kinderspaziergängen, Bastel-Workshops und Gesprächen. Aus deren Aussagen und Handlungen habe ich eine visuelle Sprache entwickelt, die komplexe planerische Fragen auf kindgerechte Weise erfahrbar machen kann. Besonders wichtig war mir, die erarbeiteten Prototypen nicht als fertige Lösungen zu verstehen, sondern als offene Denkanstösse, die zum Weiterentwickeln und Verhandeln einladen. Ich sehe in dieser Arbeit grosses Potenzial für die Zusammenarbeit mit soziokulturellen Akteurinnen und Akteuren, urbanen Netzwerken oder Initiativen wie dem UNICEF-Label Kinderfreundliche Gemeinde. Besonders interessiert mich der Austausch mit Institutionen wie der Stadt Zürich im Bereich Soziokultur Kinder oder urbanen Planungsgruppen, um herauszufinden, wie partizipative Werkzeuge in reale Planungsprozesse integriert werden können. Auch der Diskurs mit interdisziplinären Kollektiven, die sich mit Fragen von Inklusion, spekulativem Design und sozialem Wandel befassen, scheint mir fruchtbar. Ich möchte das Projekt über den Studienrahmen hinaus weiterführen. In einem nächsten Schritt plane ich, Rückmeldungen aus der Praxis einzuholen, meine Ob-
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jekte technisch weiterzuentwickeln und gezielt in partizipativen Prozessen zu erproben. Ziel bleibt es, mit kindlicher Perspektive die Stadt von morgen spielerischer, gerechter und offener zu gestalten.
Anastassia Andreadaki 079 268 82 57 a.andreadaki@gmx.ch