Themenheft von Hochparterre, November 2026
Grün, dicht, gewagt Das Projekt ‹ klybeckplus › führt die innerstädtische Entwicklung in der Schweiz in neue Dimensionen. Ein Zwischenbericht zum grössten Basler Transformationsareal.
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Ungefähr so könnte die Stimmung unter dem Baumdach der Esplanade sein: bestehender Strassenraum im Klybeck-Areal.
Cover: Blick über den Rhein auf das Areal von ‹ klybeckplus › Rückseite: Der ‹ Qiosk › am Klybeckplatz
Editorial
Zwischenbericht aus dem Basler Norden Inhalt
4 Wagnis einer Stadt Auf dem Klybeck-Areal entsteht ein Stadtteil nach neuartigen Rezepten und unter den Bedingungen der heutigen Zeit. Eine Einordnung zum Einstieg.
8 Das Richtprojekt: Der Plan für ‹ klybeckplus › Wie wird das zukünftige Klybeck-Quartier aussehen ? Das Richtprojekt zeigt den aktuellen Stand der Planung.
12 « Wichtig ist das gemeinsame Ziel » Ein Gespräch mit Kantonsbaumeister Beat Aeberhard, Rhystadt-CEO Christian Mutschler und Jürgen Friedrichs, dem Gesamtprojektleiter Klybeck bei Swiss Life.
14 Ein Quartier redet mit Der Norden der Stadt Basel steht vor grossen Veränderungen. Wie lebt es sich mitten im Entwicklungsgebiet ?
18 Zu dritt die Zukunft planen Seit der Planungsvereinbarung zwischen den Grundeigentümerinnen und dem Kanton im Jahr 2016 ziehen alle am selben Strick. Die Planungsgeschichte.
22 Auch Klybeck ist Babylon ‹ Klybeckplus› gründet auf einer bereits bestehenden Stadtstruktur. Das Projekt erzählt deshalb auch eine Geschichte über das Verweben von Alt und Neu.
26 « Es ist ein Idealfall von Innenverdichtung » Ein Gespräch mit Ariane Widmer vom städtebaulichen Begleitgremium sowie Roger Diener und Michael Roth vom Architekturbüro Diener & Diener
Grosse Ereignisse, man weiss es, werfen ihre Schatten voraus. Auf dem Industrieareal im Herzen des Basler Klybeck-Quartiers hat sich erst stellenweise etwas verändert. Trotzdem bewegt ‹ klybeckplus › die Gemüter. Angesichts der Dimensionen der geplanten Arealentwicklung erstaunt das nicht: Das von den Planungspartnern Swiss Life AG, Rhystadt AG und Kanton Basel-Stadt vorangetriebene Projekt sieht nichts weniger als ein neues Stück Stadt am Rhein vor, mit 24 Hochhäusern, Blockrandbebauungen, Gewerbe- und Bildungsbauten, dazwischen viel Grün- und Freiraum und mehr als 1200 neu gepflanzte Bäume. Eine Planungsvereinbarung zwischen den damaligen Eigentümerinnen und dem Kanton hatte 2016 den Grundstein für die Transformation gelegt. 2022 wurde das von Diener & Diener Architekten, Vogt Landschaftsarchitekten sowie Gruner und Heller Enterprises entwickelte städtebauliche Leitbild präsentiert. Seit Ende des vergangenen Jahres liegt ein Richtprojekt vor, das derzeit zu einem verbindlichen Bebauungsplan weiterentwickelt wird. Über diesen wird der Grosse Rat von Basel-Stadt voraussichtlich 2028 abstimmen. Zehn Jahre nach Planungsbeginn ist es Zeit für einen Zwischenbericht. In diesem Heft schauen wir mit Neugier auf ‹ klybeckplus › und bieten einen vertieften Einblick in die Geschichte und den Stand der Planungen. Wir sprechen mit der Eigentümerschaft, dem Kantonsbaumeister, dem Planungsteam und der Quartierbevölkerung. Und wir zeigen Bilder des Basler Fotografen Derek Li Wan Po: Zum einen vermitteln sie einen Eindruck vom Quartier, wie es sich heute präsentiert, zum anderen zeigen sie das grosse Modell in Holz, das in einer der historischen Industriebauten untergebracht ist und die aufregende Zukunft des Klybeck illustriert. Marcel Bächtiger
28 Den Freiraum als Ganzes denken Dicht, aber autoarm – und beispielhaft grün: das Freiraumund Mobilitätskonzept des Projekts ‹ klybeckplus›
Themenfokus Die Inhalte dieses Hefts erscheinen auch als Themenfokus auf der Website von Hochparterre: klybeckplus.hochparterre.ch
Dieses Themenheft / dieser Themenfokus ist eine journalistische Publikation, entstanden in Zusammenarbeit mit Partnern. Die Hochparterre-Redaktion prüft die Relevanz des Themas, ist zuständig für Recherche, Konzeption, Text und Bild, Gestaltung, Lektorat und Übersetzung. Die Partnerinnen finanzieren die Publikation, genehmigen das Konzept und geben ihr Einverständnis zur Veröffentlichung. Impressum Verlag Hochparterre AG Adressen Ausstellungsstrasse 25, CH-8005 Zürich, Telefon +41 44 444 28 88, www.hochparterre.ch, verlag@hochparterre.ch, redaktion@hochparterre.ch Geschäftsleitung Deborah Fehlmann, Roderick Hönig Redaktionsleitung Axel Simon Leitung Themenhefte Roderick Hönig Konzept und Redaktion Marcel Bächtiger Fotografie Derek Li Wan Po, www.derekliwanpo.photography Designkonzept Antje Reineck Layout Jenny Jey Heinicke Produktion Ursula Trümpy Korrektorat Markus Schütz, Ursula Trümpy Lithografie Team media, Gurtnellen Druck Stämpfli AG, Bern Herausgeberschaft Hochparterre in Zusammenarbeit mit dem Kanton Basel-Stadt, Swiss Life und Rhystadt AG hochparterre.ch / klybeckplus Themenheft bestellen ( Fr. 15.—, € 12.— ) und als E-Paper lesen
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Vision in Holz: Das Architekturmodell zu ‹ klybeckplus › und Umgebung im Massstab 1 : 500 Themenheft von Hochparterre, November 2026 — Grün, dicht, gewagt — Wagnis einer Stadt
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Auf dem Klybeck-Areal entsteht ein Stadtteil nach neuartigen Rezepten und unter den Bedingungen der heutigen Zeit. Eine Einordnung zum Einstieg.
Wagnis einer Stadt
Text: Marcel Bächtiger
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Zunächst gilt es festzuhalten: Was auf dem Klybeck-Areal geplant ist, sprengt die in der Schweiz gängigen städtebaulichen Dimensionen. Natürlich werden derzeit schweizweit neue Hochhäuser gebaut und ganze Stadtteile entwickelt – nicht zuletzt auch in Basel, wo neben dem KlybeckQuartier auch Orte wie das Dreispitz-Areal vor grossen Veränderungen stehen. Auch findet man über das ganze Land verteilt vergleichbar grosse Industrieareale, die sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in Wohnund Geschäftsviertel verwandelt haben oder noch transformiert werden sollen. Und ein Blick auf die Schweizer Geschichte zeigt, dass es schon frühere Epochen gab, in denen man mit grossem Wachstum konfrontiert war und darauf mit der Planung grossmassstäblicher Stadterweiterungen antwortete. Dass innerhalb eines Zeitraums von knapp einer Generation Wohnraum für 8500 Menschen sowie 7500 Ar beitsp lätze entstehen sollen, ist jedoch eine einzigartige Angelegenheit – zumal es sich bei ‹ klybeckplus › nicht bloss um ein planerisches Rahmenwerk handelt, sondern um ein handfestes Bauvorhaben im städtebaulichen Massstab. Bereits arbeitet der Kanton am Bebauungsplan, bereits sind die groben Umrisse und Höhen der Bauten festgelegt, bereits wird ausgehandelt, wo gearbeitet und wo zu welchen Konditionen gewohnt werden soll, bereits sind die Grün- und Freiräume konzipiert und mit dem Verkehrskonzept in Einklang gebracht. Wir bauen eine Stadt!, möchte man erstaunt und fast etwas euphorisiert aus rufen. Wann gab es so etwas zum letzten Mal ? Bedingungen der Zeit Angesichts des gern beklagten baulichen Wildwuchses in den helvetischen Stadtlandschaften ist die Planung von ‹ klybeckplus › zweifellos bemerkenswert. Fast scheint es, als könnten wir im Norden von Basel die Rückkehr der gut gestalteten Stadt feiern – einer Stadt, in der die übergreifende Struktur wichtiger ist als der Gestaltungswille des oder der Einzelnen, in der die einzelnen Häuser in eine grössere Ordnung eingegliedert sind, in der Stadtund Freiraum den Vorrang vor dem motorisierten Indivi-
dualverkehr haben und in der es zudem vorbildlich durchgrünte Zonen gibt, kurz: in der eine städtebauliche Idee erkennbar wird. Wie ist das möglich ? Die Antwort ist vielleicht profaner, als es die idealistischen Umschreibungen des Kulturguts Stadt nahelegen. Die Homogenität des städtebaulichen Entwurfs, die vorausschauende Integration verschiedenster planerischer Aspekte, überhaupt der grosse Wurf des ‹ klybeckplus › – all das ist nicht primär Ausdruck eines neu erwachten Gemeinschaftssinns der Stadtgesellschaft, sondern hat auch damit zu tun, dass das 30 Hektar grosse Gebiet im Besitz von gerade mal zwei Grundeigentümerinnen ist, die das Projekt ‹ klybeckplus › als kohärentes und nachhaltiges Stadtquartier entwickeln möchten. « It’s the economy, stupid » – das gilt auch für Form und Inhalt vieler städtebaulicher Entwicklungen, heute noch mehr als gestern. In dieser Sichtweise steht ‹ klybeckplus › exemplarisch für die veränderten Bedingungen, unter denen Schweizer Städte im 21. Jahrhundert wachsen und sich transformieren. Einerseits spielen institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Versicherungsgesellschaften oder Investmentfonds eine immer grössere Rolle auf dem Immobilienmarkt, andererseits findet Stadtwachstum kaum noch über die kontinuierliche Bebauung einzelner Parzellen statt, sondern über die integrale Entwicklung grossflächiger Areale. Partnerschaften spielen dabei eine immer zentralere Rolle – im Fall von ‹ klybeckplus › die Planungspartnerschaft der beiden Grundeigentümerinnen Swiss Life AG und Rhystadt AG mit dem Kanton Basel-Stadt, der die öffentlichen Interessen und die raum- und verkehrsplanerischen Vorgaben in den Prozess einbringt. Trotz des verführerischen Bilds einer progressiven, klimaresilienten und gleichzeitig an tradierte städtebauliche Werte anknüpfenden Stadt stehen deshalb diffizile Fragen im Raum: Wie wird aus Boden, der 150 Jahre lang durch Privatbesitz geprägt war, ein gemeinschaftlicher Stadtraum ( einmal abgesehen davon, dass der Kanton die Allmend übernehmen wird ) ? Wie lässt sich Öffentlichkeit, wie Durchmischung, wie bezahlbarer Wohnraum garantieren ? Und wie steht es andererseits um die Handlungsfreiheit der Besitzenden ? Was bedeuten die homogenen Besitzverhältnisse für die längerfristige Entwicklung des Stadtgebiets ? Und welchen Einfluss besitzen Kanton, öffentliche Hand und Bevölkerung – heute und morgen ? Das Projekt ‹ klybeckplus › ist ein Zeichen der Zeit: eine Stadt in der Stadt, entstehend aus den Bedingungen des frühen 21. Jahrhunderts. Wie jede Stadtgründung in der Geschichte ist sie ein Wagnis mit offenem Ausgang. Ein anhaltender Aushandlungsprozess Dieses Wagnis bietet zweifellos immense Chancen: Aus einer Hand entwickelt, ist ‹ klybeckplus › ein durchdachtes Stadtquartier, das wie kaum ein anderes auf der Höhe der Zeit ( oder ihr sogar ein wenig voraus ) ist: durchgrünt und vernetzt, auf aktive Mobilität und öffentlichen Verkehr ausgerichtet, Hochhäusern ebenso Platz bietend wie Genossenschaften, Bildungsbauten und Freizeitanlagen – eine 10-Minuten-Nachbarschaft wie aus dem Lehrbuch, mit Regenwassermanagement und Biotopverbundachsen siehe ‹ Den Freiraum als Ganzes denken ›, Seite 28. Die Durchwegung und Erschliessung des bisher geschlossenen Industrieareals kommt zudem der ganzen Stadt zugute: Das Rheinufer wird einfacher zugänglich, und für viele Anwohner*innen im Norden und Osten des Areals wird auch der Weg in die Innenstadt bequemer und direkter. Die oben aufgeworfenen Fragen bleiben trotzdem relevant. Einige interessante Antworten darauf gibt die bisherige Entwicklungsgeschichte von ‹ klybeckplus ›. Die
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Blick aus Bau 90 Richtung Esplanade Visualisierung: Diener & Diener Architekten / Filippo Bolognese
grundlegende Feststellung ist dabei, dass ‹ klybeckplus › im Besitz zweier privater Grundeigentümerinnen ist; das heisst aber nicht, dass die Öffentlichkeit zur Entwicklung des Stadtteils nichts zu sagen hätte. Im Gegenteil: Die vergangenen zehn Jahre sind ein Lehrstück über Aushandlungsprozesse und Kompromisse. Es beginnt mit der Planungsvereinbarung, die der Kanton Basel-Stadt mit den ursprünglichen Besitzerinnen Novartis und BASF im Jahr 2016 unterzeichnete, führt über die Projektorganisation ‹ klybeckplus ›, die den Kanton und die beiden Investorinnen als gleichwertige Planungspartner bestimmt, und endet – vorläufig und voraussichtlich – 2028, wenn der Grosse Rat ( und im Falle eines Referendums auch das Stimmvolk ) über den vorgeschlagenen Bebauungsplan entscheiden wird siehe ‹ Zu dritt die Zukunft planen ›, Seite 18. Potenzielle Konfliktfelder gibt es viele, und die Positionen von Bevölkerung, Regierung und Investorinnen sind naheliegenderweise nicht immer deckungsgleich. Ein Beispiel dafür ist die Frage nach bezahlbarem Wohnraum. Eine Volksinitiative wollte auf sämtlichen Basler Transformationsarealen einen 50-Prozent-Anteil an gemeinnützigen Wohnungen festschreiben, die Investorinnen verwiesen im Gegenzug auf die vereinbarte Wirtschaftlichkeit, das Parlament handelte schliesslich einen Kompromiss aus, der für gemeinnützigen Wohnraum das Ziel von einem Drittel verankerte und es an tiefere Mehrwertabgaben für Investor*innen koppelte. Strittig war von Anfang an auch der Umgang mit dem Baubestand des Industrieareals. Das ökologische und baukulturelle Anliegen, möglichst viel Bausubstanz zu erhalten, stand hier nicht nur in Konflikt mit dem Bedarf an mehr Wohnraum auf Stadtgebiet, sondern auch mit der Schadstoffbelastung zahlreicher Gebäude. Nach der letzten Überarbeitung des Projekts haben sich die Wogen merklich geglättet: Einerseits sind gemäss Richtprojekt etwas mehr Objekte erhalten als ursprünglich vorgesehen, andererseits handelt es sich bei vielen der aufgegebenen Objekte um Gebäude, die aufgrund der Schadstoffe voraussichtlich nicht sinnvoll weiterverwendet werden könnten siehe ‹ Auch Klybeck ist Babylon ›, Seite 22.
Schliesslich steht immer wieder die grundsätzliche Frage im Raum, was den gesamtgesellschaftlichen Mehrwert des Projektes ausmacht. Partizipationsprozesse haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Anliegen der Bevölkerung zutage gefördert ; Dialogworkshops beschäftigen sich mit Themen wie Freiraum oder quartierdienlichen Erdgeschossnutzungen siehe ‹ Ein Quartier redet mit ›, Seite 14. Wie die Forderungen nach bezahlbarem Wohnraum und nach durchmischter Bewohnerschaft sind auch die Inputs aus den umliegenden Quartieren unter anderem Ausdruck legitimer Ängste vor Verdrängung und Gentrifizierung. Für wen ist ‹ klybeckplus › gedacht ? Für einen breiten Querschnitt der Stadtbevölkerung oder für einige wenige, die es sich leisten können ? Die Aushandlung der verschiedenen Bedürfnisse ist noch im Gange. Was aber bereits jetzt feststeht: Ein Drittel des Wohnraums wird gemeinnützig vermietet. Die bisherige Entwicklungsgeschichte von ‹ klybeckplus › gibt indes keinen Anlass zu Schwarz-Weiss-Malerei. Vielleicht muss es in der nächsten Zeit auch um eine Justierung von Ansprüchen und Vorstellungen gehen: ‹ klybeckplus › ist ein Stadtquartier, nicht die ganze Stadt ( und nicht einmal das ganze Klybeck ). Seine Faszination beruht nicht zuletzt darauf, dass es anders funktioniert als die umliegenden Quartiere und auch unter anderen Bedingungen entstanden ist als die historische Stadt – viele Qualitäten und einige Fragezeichen inbegriffen. Vielleicht liegt der besondere Beitrag des Projekts ‹ klybeckplus › zur Stadtentwicklung gerade in seiner Andersartigkeit. Das Postulat der Durchmischung ist im Grunde ein relatives: Wenn jedes einzelne Quartier gleich durchmischt ist, wird die Stadt als Ganzes homogen. Die Unterschiedlichkeit ( nicht die Segregation ) der verschiedenen Quartiere trägt hingegen zur Erfahrungsdichte der Stadt bei. Welche Form von Stadtleben sich mit ‹ klybeckplus › letztlich entfalten wird und wie sich dieses auf die umliegenden Quartiere auswirken wird, bleibt freilich abzuwarten. Es ist Teil des vielversprechenden Wagnisses, das der Kanton Basel-Stadt ebenso eingegangen ist wie die beiden Grundeigentümerinnen.
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Das Richtprojekt: Der Plan für das Projekt ‹ klybeckplus › Planungsperimeter Gebäude Bestandserhalt Gebäude Neuplanung Bestandsbäume B äume in Neuplanung Gestaltungsspielraum Tramgleise Tramhaltestelle Plätze und Standorte A Silopark B L aborplatz C Schulstandorte D Rheinterrasse E Klybeckplatz F Mehrzweckspielfeld G Rasenspielfeld H Gleisharfe I Horburgpark
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Bauten siehe Seite 10 / 11 1 K lybeck-Kantine, Bau 610 2 Bau 90 3 Kesselhaus, Bau 180 4 Bau 26 5 Bau 25 6 Wohlfahrtsgebäude, Bau 430 7 Bau 141 8 Bau 125 9 Backsteinbauten an der Mauerstrasse, Bauten 222 – 228 und 370 – 381
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Die wichtigsten Bauten auf dem Klybeck-Areal
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Bau 610 – Klybeck-Kantine Die Klybeck-Kantine wurde 1966 bis 1967 nach Plänen von Suter + Suter als Personalrestaurant der Ciba errichtet. Der pavillonartige Bau orientiert sich an der Architektur von Ludwig Mies van der Rohe. Mit seiner parkartigen Umgebungsgestaltung, der flachen Kubatur und den goldbraun schimmernden Fassaden sollte er sich deutlich von der Fabrikarchitektur absetzen. Im Innern befinden sich unter anderem sechs grosse Wandbilder von Hans Erni. Die Aufnahme ins Denkmalverzeichnis ist vorgesehen.
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Bau 90 – Fabrikationsgebäude In den Jahren 1952 bis 1956 entstand nach den Plänen von Suter + Suter Bau 90 als Fabrikationsgebäude für die Herstel lung synthetischer Farbstoffe. Mit seiner Kalksandsteinfassade und den grossflächigen filigranen Betonfenstern entsprach der markante Industriebau dem damaligen Gesamtkonzept. Die 2011 hinzugefügte, auf zwei Seiten aussenliegende Erdbebenertüchtigung hat das Erscheinungsbild stark verändert. Im Inneren bringen mehrere Lichthöfe Tageslicht in die tiefen Produktionsräume. Der Bau wurde wegen seiner Schadstoffbelastung aus dem Inventar der schützenswerten Bauten des Kantons Basel-Stadt entlassen, soll aber gemäss Richtprojekt erhalten und aufgestockt werden.
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Bau 26 – Lagerhaus Das siebenstöckige Lagerhaus wurde 1937 bis 1938 vom Baubüro der Ciba in Zusammenarbeit mit dem Bauunternehmen Locher & Cie. errichtet. Der Stahlbetonbau zeichnet sich durch eine faszinierende Pilzstützenkonstruktion, ungewöhnliche Fassaden, die über Fensterbänder mit feinen Betonsprossen verfügen, und eine sehr spannungsvolle kubische Gestaltung aus. Er steht seit 2022 unter Denkmalschutz.
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Bau 430 – Wohlfahrtsgebäude Am Rande des Horburgparks entstand 1956 / 57 das Wohlfahrtsgebäude, das neben Speisesälen und Cafeterien für die Angestellten auch einen Vortragssaal und eine Ausstellungsfläche beherbergte. Der ausgesprochen elegante Bau von Suter + Suter hob sich deutlich vom bis dahin üblichen Erscheinungsbild der Fabrik ab. Es war die erste, zudem sehr hochwertige Vorhangfassade in Basel, in Kombination mit dem Flugdach war sie ein herausragendes Beispiel für die Basler Nachkriegsarchitektur. Die Aufnahme ins Denkmalverzeichnis ist vorgesehen.
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Bau 141 – Verwaltungsgebäude Für die Verwaltung der Ciba errichtete Fritz Stehlin 1905 einen ersten Bau im Stil eines neubarocken « Lustschlösschens ». Durch etliche Um- und Anbauten sowie Aufstockungen, an denen neben Stehlin unter anderen auch Hans Eduard Ryhiner und Suter + Suter beteiligt waren, erlangte das Verwal tungsgebäude seine heutige Gestalt. Die Geschichte des Baus ist eng mit dem Areal verknüpft und symptomatisch für die Entwicklung und Expansion der Ciba. Heute sind in den Büroräumlichkeiten diverse Unternehmen eingemietet. Das Gebäude steht seit 2025 unter Denkmalschutz.
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Bau 125 – Hochhaus für biologische Forschung Das Hochhaus für biologische Forschung entstand 1963 bis 1966 nach Plänen von Suter + Suter und diente der Ciba als repräsentatives Forschungs- und Laborgebäude. Mit seiner Höhe von rund 75 Metern war es damals das höchste Gebäude in Basel, und mit seiner markanten Rasterfassade zählt es bis heute zu den prägendsten Bauten des KlybeckAreals. Die Aufnahme ins Denkmalverzeichnis ist vorgesehen.
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Backsteinbauten an der Mauerstrasse Die Fabrikationsbauten entlang der Mauerstrasse entstanden in mehreren Bauphasen. Backsteinfassaden, grosse Fensterflächen und sichtbare Beton- respektive Stahlbetonkonstruktionen verleihen ihnen den industriellen Charakter. Die Bauten 322 und 328 von 1926 / 27 werden dem Ciba-Baubüro zugeschrieben und zählen zum ältesten noch erhaltenen Bestand. Das Ensemble mit den Bauten 370–373, 375, 379 und 381, erbaut 1946 bis 1955, stammt von Suter + Suter. Es ist ein erstes Beispiel für die dichtere und höhere Bebauung, die ab 1945 durch Suter + Suter und die Ingenieurabteilung der Ciba geplant und realisiert wurde. Alle genannten Bauwerke wurden 2025 wegen ihrer Schadstoffbelastungen aus dem Inventar entlassen.
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Ein Gespräch mit Kantonsbaumeister Beat Aeberhard, Rhystadt-CEO Christian Mutschler und dem Gesamtprojektleiter Klybeck bei Swiss Life, Jürgen Friedrichs.
«Wichtig ist das gemeinsame Ziel »
Interview: Marcel Bächtiger
Hinter ‹ klybeckplus › stehen drei Planungspartner: Swiss Life, Rhystadt und der Kanton Basel-Stadt. Wir fragen nach: Wie arbeiten die drei unterschiedlichen Parteien zusammen ? Und welche gemeinsamen Ziele verfolgen sie ? ‹ Klybeckplus› zählt zu den grössten Transformations arealen in der Schweiz – und es liegt mitten in Basel. Aus Sicht des Kantonsbaumeisters: Wie profitiert die Stadt von diesem Projekt ? Beat Aeberhard: Die Stadt Basel wird auf ganz unterschiedlichen Ebenen und auf vielfältige Art von ‹ klybeckplus › profitieren. Wir arbeiten an der Weiterentwicklung eines Industrieareals, das für das kollektive Gedächtnis der Stadt enorm wichtig ist – das ist zunächst mal eine riesige Chance. Die Öffnung des grösstenteils noch geschlossenen Areals ermöglicht, dass die Quartiere Kleinhüningen und Klybeck zusammenwachsen. Die breite Öffentlichkeit profitiert aber auch von vielfältigen Frei- und Grünräumen, von neuen Zugängen zur Wiese und zum Rhein und natürlich von neuem Wohnraum, quartierdienlichen Nutzungen und neuen Arbeitsplätzen. Für die Investorinnen Swiss Life AG und Rhystadt AG muss sich das Projekt auch rechnen. Inwiefern sind Ihre Investitionen auch eine Investition in die Zukunft der Stadt Basel ? Jürgen Friedrichs: Natürlich geht es Swiss Life darum, die Versichertengelder ihrer Kund*innen anzulegen und für sie einen Mehrwert zu schaffen. Wir sind jedoch an einer Wertschöpfung interessiert, die auf lange Sicht stabil ist – und darum interessieren uns auch langfristige Investitionen. Ich sehe ‹ klybeckplus › als nachhaltige Investition in eine der grössten und interessantesten Schweizer Städte. Christian Mutschler: Die Entscheidung zu investieren basiert ja auf der Entwicklungs- und Wachstumsstrategie des Kantons: Der Kanton will wachsen, er muss sich weiterentwickeln, und das erfordert Investitionen. Diese münden nicht nur in Rendite für die Investorinnen, sondern auch in eine enorme Wertschöpfung für die Stadt Basel. Ich bin überzeugt: Durch die Transformation wird dieser Stadtteil zu einem besonders zukunftsorientierten und klimaresilienten Gebiet in der Stadt Basel. Es wird so viel neuer Grün- und Freiraum geschaffen wie sonst nirgends auf Stadtgebiet. Mehr als 1200 neue Bäume ! Davon profitiert ganz Basel, die ganze Bevölkerung. Bergen Ihre Investitionen ein hohes Risiko ? Jürgen Friedrichs: Grosse Transformationsareale, die über eine so lange Zeit entwickelt werden, stellen per se ein Risiko dar. Im Prinzip kann es immer noch passieren, dass
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das Volk das Projekt ablehnt. Davon gehen wir aber nicht aus, weil wir aus unserer Sicht ein überzeugendes Paket geschnürt haben, von dem die ganze Basler Bevölkerung profitiert. Und weil wir schon im Vorfeld versucht haben, kritische Punkte ins Projekt aufzunehmen und zu berücksichtigen, um das Risiko des Scheiterns zu minimieren. Swiss Life, Rhystadt und der Kanton sind für ‹ klybeckplus › eine Planungspartnerschaft eingegangen. Dabei sind die Interessen der Grundeigentümerinnen und die der öffentlichen Hand verständlicherweise nicht immer deckungsgleich. Worin sind Sie sich einig ? Beat Aeberhard: Wir sind uns einig, dass wir gemeinsam ein Stück Stadt entwickeln wollen. Ganz banal. Und wir haben alle ein Interesse daran, dass die Mühe sich lohnt, dass wir ‹ klybeckplus › also auch umsetzen können. Es gibt viele Stolpersteine auf dem Weg. Zum einen sehe ich meine Rolle als Kantonsbaumeister darin, zu zeigen, wie wir diese Stolpersteine am besten aus dem Weg räumen. Zum anderen stehen wir als Kanton natürlich für die Interessen der Öffentlichkeit ein. Da geht es um etwas, was ich Stadtrendite nenne: Was ist der Gegenwert, der sich am Ende dieser grossen Entwicklung für die Bevölkerung ergibt ? Bei ‹ klybeckplus › geht dieser Mehrwert weit über Naheliegendes wie grosse Freiräume oder preisgünstigen Wohnraum hinaus. Ein weiterer Wert ist beispielsweise die Innovation im Städtebau. Oder die Antwort auf die Frage nach dem Umgang mit belasteten Gebäuden. Exemplarisch ist hierfür der Bau 90: Aus dem belasteten Gebäude, das für den dauerhaften Aufenthalt von Menschen bis auf Weiteres nicht geeignet ist, wollen wir ein Parkhaus für die neuen Bewohner*innen machen. Dafür kann die Investorin auf dem Dach aufstocken und dort Wohnungen anbieten. Und wo harzt es ? In welchen Situationen gelangt die Planungspartnerschaft an ihre Grenzen ? Christian Mutschler: Zuerst ist es wichtig zu verstehen, dass jede der drei Parteien zwei Hüte aufhat. Als Planungspartner teilen wir das übergeordnete strategische Ziel, das Industrieareal zu einem Stadtquartier zu entwickeln. Sobald es konkret wird, kommen aber die einzelnen Interessen zum Tragen. Diese Interessen gegeneinander abzuwägen und auszugleichen, ist zugegebenermassen ein herausfordernder Prozess. Jürgen Friedrichs: Aber nur so geht es. Wir verbringen sehr viel Zeit miteinander. Am Ende finden wir einen Kompromiss. Wichtig ist der vertrauensvolle Umgang miteinander und die Verpflichtung auf das gemeinsame Ziel. Wir alle wollen, dass ‹klybeckplus› Wirklichkeit wird. Je früher, desto besser. Die Bevölkerung, aber auch Interessenverbände und Fachstellen tragen viele Anliegen und Wünsche in Bezug auf ‹ klybeckplus › an Sie heran. Können Sie, Beat Aeberhard, nachvollziehen, dass die Eigen tümerschaft manchmal um die finanzielle Tragfähigkeit des ganzen Vorhabens fürchtet ? Beat Aeberhard: Ja, klar. Aber so funktioniert unser demokratisches System nun einmal. Auch als Kantonsbaumeister habe ich nicht die Kompetenz, mich über die Empfehlung der Fachstellen hinwegzusetzen. Alle müssen gemeinsam an einen Tisch sitzen und die Dinge aushandeln. Und die Stadtplanung muss die unterschiedlichen Interessen koordinieren. Meine Erfahrung sagt mir, dass die Planung durch Reibungen oder durch Widerstand aus der Bevölkerung robuster und unter dem Strich besser wird. Nichtsdestotrotz darf man das Ziel nicht aus den Augen verlieren. In diesem Projekt steckt viel Geld. Wir können nicht einfach fünfzig Jahre lang vor uns hinplanen. Irgendwann braucht es einen Return on Investment. Das haben auch wir verstanden.
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Jürgen Friedrichs: Wir planen inzwischen schon seit rund zehn Jahren. Und bis wir das letzte Gebäude gebaut haben, werden nochmals mehr als 20 Jahre ins Land gehen. Es ist ein Generationenprojekt. Und die schiere Grösse des Projekts weckt verständlicherweise Begehrlichkeiten. Es wird sehr viel auf ‹ klybeckplus › projiziert, seien es ökologische Themen, seien es soziale Themen. Und in Zukunft werden es andere Inhalte sein als heute. Das muss das Projekt aushalten. Christian Mutschler: Es ist ein Marathon – das muss uns bewusst sein. Die Zahl der Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert werden, nimmt rasant zu, und sie sind kaum mehr vorhersehbar – geopolitisch oder auch auf der Ebene von Partikularinteressen, durch die das Gemeinwohl infrage gestellt ist. Das Projekt muss also robust sein, aber auch flexibel genug, damit wir auf veränderte Anforderungen und Bedürfnisse reagieren können. Vor allem aber braucht es Mut, und zwar seitens aller Beteiligten. Den Mut, Entscheidungen zu treffen und dieses Projekt ans Ziel zu führen. Es wird in der Öffentlichkeit und in den Medien immer wieder emotional diskutiert. Ein wiederkehrendes Thema ist die Gentrifizierung. Sind die Ängste der Quartierbevölkerung vor Verdrängung gerechtfertigt ? Christian Mutschler: Das wäre ein abendfüllendes Thema. Jedes Wachstum bringt Veränderungen mit sich. Aber Veränderung muss nichts Negatives sein. Der Projektname ‹ klybeckplus › ist meiner Meinung nach sehr weise gewählt: Wir nehmen niemandem etwas weg, sondern wir schaffen mehr. Wir sorgen dafür, dass über 5000 Wohnungen, Arbeitsplätze, Grün- und Freiräume entstehen. Die Alternative wäre, dass das Areal bleibt, was es ist: ein Industriestandort. Ich glaube, das wäre sowohl wohnpolitisch als auch wirtschaftspolitisch suboptimal für den Kanton. Beat Aeberhard: Verdrängungsängste sind legitim und in der Bevölkerung zweifellos ein Thema. Gentrifizierung ist Ausdruck einer prosperierenden Stadt, aber sie ist nicht die schönste Seite der Medaille. Mit der Wohnschutzverordnung hat der Kanton Basel-Stadt Leitplanken geschaffen, die das Wachstum sozialverträglich abfedern und die wirtschaftlich Schwächeren vor übermässigem Druck schützen. Beim Projekt ‹ klybeckplus › stehen wir seit Tag eins im engen Austausch mit der Bevölkerung. Meine Erfahrung ist, dass es ganz wichtig ist, unterschiedliche Stimmen zu hören. Es gibt im Klybeck beispielsweise viele Menschen, die als Kinder mit ihren Eltern aus dem Balkan hierhergezogen sind, unterdessen Karriere gemacht haben und sich im Quartier eine Neubauwohnung wünschen. Wenn sie diese Neubauwohnung nur in der Agglomeration finden, dann ist das auch eine Art von Verdrängung. Das Thema ist also vielfältig und komplex. Jürgen Friedrichs: Man darf nicht vergessen, dass ein Drittel des Wohnraums auf dem Klybeck-Areal gemeinnützig sein wird. Hinzu kommt, dass bei solchen Projekten zusätzlich auf indirektem Weg preisgünstiger Wohnraum verfügbar gemacht werden kann. Es gibt auch Studien, die belegen, dass in innerstädtischen Neubauquartieren wie zum Beispiel Erlenmatt vor allem Menschen leben, die in den umliegenden Quartieren zu Hause waren und eine neue oder grössere Wohnung gesucht haben. Durch diesen Prozess werden bestehende Wohnungen in den Quartieren frei, deren Mietpreise geschützt sind. ‹ Klybeckplus › ist ein Paradebeispiel für Innenverdichtung und damit einem klassischen Zielkonflikt der heutigen Zeit ausgesetzt: Der Wunsch nach mehr Wohnraum steht dem Wunsch nach möglichst vollständigem Bestandserhalt gegenüber.
Beat Aeberhard: Ich würde behaupten, dass wir diesbezüglich wegweisend unterwegs sind. Die ganze Entwicklung des Projekts ‹ klybeckplus › basiert auf dem Bestand, aber eben nicht nur auf den Gebäuden, sondern auch auf den vorhandenen stadträumlichen Strukturen. Das Richtprojekt enthält Vorschläge zu ganz unterschiedlichen Bebauungsmustern, von der Esplanade mit Türmen im Grünen über Zeilenbauten bis zu klassischen Blockrändern – alles in Fortschreibung der vorhandenen städtebaulichen Strukturen. Ein schwieriges Thema ist die Belastung mit Schadstoffen: Es gibt auf dem Areal industrielle Bauten, die baukulturell absolut einmalig und daher identitätsstiftend sind. Im ISOS, also im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz, sind sie als Gebiet A eingetragen, die Substanz sollte also integral erhalten bleiben. Auf kantonaler Ebene ist die Denkmalpflege aber zum Schluss gekommen, dass einige Bauten teilweise derart stark belastet sind, dass man sie nicht erhalten kann. Auch mit diesem Widerspruch müssen wir kreativ umgehen. Für die Folgeschritte nach Genehmigung des Bebauungsplans sind also transparente Vorgaben durch die Stadtplanung nötig. Jürgen Friedrichs: Gebäude, die erhaltensfähig sind, sollten aufgrund der CO2-Ziele wenn möglich erhalten bleiben – das ist nachvollziehbar. Wichtig ist hier aber das Wort «erhaltensfähig». Auf dem Klybeck-Areal verunmöglicht die Vergangenheit als Produktionsstandort der chemischen Industrie in vielen Fällen eine neue Nutzung. Das lässt sich nicht wegdiskutieren, auch wenn die Gebäude von aussen gut aussehen. Bestand zu erhalten, macht aber ökologisch nur Sinn, wenn darin eine dauerhafte neue Nutzung Platz finden kann. Christian Mutschler: Es geht auch hier um eine Interessenabwägung. Um die Frage, was wir stärker gewichten: den Schutz der Gesundheit oder den baukulturellen Wert einzelner Bauten ? Ich persönlich finde die Backsteinbauten ja auch schön. Aber der nutzbare Raum ist ein begrenztes Gut, besonders in Basel-Stadt. Wir können uns geografisch nicht mehr ausweiten, müssen also sehr sorgfältig mit dem Boden umgehen. Wenn der Bestand aufgrund der Altlasten gar nicht genutzt werden kann, ist eine zukunftsorientierte Nutzung in einem Neubau mit CO2-neu tralem Betrieb viel sinnvoller. Wenn wir einen Blick in die Zukunft wagen: Wo sehen Sie die grössten Hürden bei der Realisierung des Projekts ‹ klybeckplus › ? Christian Mutschler: Wir haben uns gemeinsam ein sehr sportliches Ziel gesetzt und arbeiten gemeinsam darauf hin, im Frühjahr 2027 den Bebauungsplan auflegen zu können. Das ist eine entscheidende Etappe, denn danach beginnt der politische Prozess. Wenn wir gemeinsam auftreten, bin ich zuversichtlich, dass wir die Vorteile für Stadt und Gesellschaft überzeugend darlegen können. Im Austausch, den wir schon heute mit allen Parteien von links bis rechts führen, spüre ich viel Unterstützung. Jürgen Friedrichs: Für mich ist die Zeit die grösste Hürde. Als Planungspartner geben wir gerade Vollgas. Aber wenn dann der politische Prozess einmal läuft, kann noch vieles passieren. Es besteht beispielsweise die Möglichkeit, dass plötzlich ein neues Thema aufkommt, das vielleicht nur indirekt mit ‹ klybeckplus › zu tun hat, den Prozess aber trotzdem verlangsamt. Beat Aeberhard: Es gab und gibt immer wieder Entscheide, die unsere Planung rund um ‹ klybeckplus › tangieren, beispielsweise den Beschluss über die Verlegung der Hafenbahn. Aber was die Zustimmung zum Bebauungsplan betrifft, habe ich so etwas wie eine radikale Zuversicht: Es kommt auf alle Fälle gut.
Jürgen Friedrichs ist Gesamtprojektleiter Klybeck-Areal bei Swiss Life. Zuvor war er Immobilienentwickler für Losinger Marazzi und unter anderem massgeblich an der Konzeption des Zürcher Quartiers Greencity beteiligt.
Christian Mutschler ist CEO von Rhystadt. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der strategischen und operativen Führung von Grossprojekten. Bekannt wurde er als Turnierdirektor Schweiz an der Fussball-Europameisterschaft 2008.
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Themenheft von Hochparterre, November 2026 — Grün, dicht, gewagt — « Wichtig ist das gemeinsame Ziel »
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Beat Aeberhard hat Architektur und Urban Design studiert. Von 2008 bis 2014 war er Stadtarchitekt von Zug, seit 2015 ist er Kantonsbaumeister in Basel-Stadt.
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Vorahnung vom künftigen Stadtleben: Szenerie beim ‹ Qiosk › am Klybeckplatz
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Im Norden der Stadt Basel stehen grosse Veränderungen bevor. Wie lebt es sich mitten im Entwicklungsgebiet ? Ein Stimmungsbild aus dem Herzen des Klybeck-Quartiers.
Ein Quartier redet mit
Text: Henriette Lutz
Im Jahr 2016 verkündeten BASF, Novartis und der Kanton Basel-Stadt grosse Pläne: Unter dem Namen ‹ klybeckplus › sollte aus dem Industrieareal im Herzen des KlybeckQuartiers ein durchmischter Stadtteil entwickelt werden. Das waren gute Nachrichten für das Klybeck, aber auch für die angrenzenden Stadtquartiere Kleinhüningen im Norden und Matthäus im Süden. Die rauchenden Schornsteine der Basler Chemieindustrie würde niemand vermissen. Und das isolierte Klybeck-Areal könnte endlich mit dem Rest der Stadt zusammenwachsen. Auch das angrenzende Hafengelände soll grundlegend transformiert werden siehe ‹ Zu dritt die Zukunft planen ›, Seite 19. Auf dem Klybeckquai ist ein durchmischtes Wohnquartier geplant; der nördlich anschliessende Westquai verbleibt in der Industrie- und Gewerbezone, soll sich aber weiterentwickeln und für neue Nutzungen öffnen. Auch das sind gute Nachrichten für das Klybeck. Denn heute trennt die Gleisanlage der Hafenbahn den Klybeckquai von den Wohnquartieren. Partizipation für ein Generationenprojekt Während die privaten Grundeigentümerinnen Rhy stadt und Swiss Life die Entwicklung gemeinsam mit dem Kanton Basel-Stadt vorantreiben, liegt die Arealentwicklung Klybeckquai-Westquai allein beim Kanton. Grosse Blockränder werden den Klybeckquai in ein vielfältiges und preisgünstiges Wohnquartier mit begrünten Innenhöfen, Schulen und teils öffentlichen Erdgeschossnutzungen verwandeln. Der Fuss- und Veloverkehr wird priorisiert siehe ‹ Den Freiraum als Ganzes denken ›, Seite 28. Fast 50 Prozent des Areals Klybeckquai-Westquai werden zu Freiflächen für Erholung und Naturerlebnis. Neben einem grossen Quartierpark verlängert sich die öffentliche Rheinpromenade von der Dreirosenbrücke bis zum Dreiländereck. Der Westquai soll flexibler geplant werden, um auf zukünftige Nutzungsbedürfnisse reagieren zu können. Denkbar ist, dass am Westquai die heutigen beliebten Zwischennutzungen des Klybeckquais bleiben. Die Pläne für die verschiedenen Entwicklungsphasen werden schrittweise konkreter ausgearbeitet: Der Stadtteilrichtplan für Klybeck-Kleinhüningen, mit dem die unterschiedlichen Projekte aufeinander abgestimmt werden sollen, wird im kommenden Jahr festgelegt. Das Richtprojekt für ‹ klybeckplus › wurde bereits vorgestellt; im Jahr 2027 soll der Bebauungsplan vorliegen. Die Transformation des Klybeckquais wird sich bis in die 2040er-Jahre
ziehen, während am Westquai kontinuierlich neue Nutzungen Platz finden sollen. Beides ist abhängig von der Verlegung der Hafenbahn, deren Finanzierung und Zeitpunkt noch unsicher sind. Die Partizipation der Bevölkerung wird bei der Transformation des Basler Nordens grossgeschrieben: Verschiedene Partizipationsverfahren sollen die Anliegen und Erfahrungswerte aus den Quartieren in die Planungen integrieren. So verlief die partizipative Erarbeitung des Stadtteilrichtplans Klybeck-Kleinhüningen über mehrere Etappen und wurde im Herbst 2024 mit einem grossen Beteiligungsanlass abgeschlossen. Über die Vorschläge für Klybeckquai und Westquai diskutierten im September 2025 knapp 400 Personen in unterschiedlichen Formaten. Für ‹ klybeckplus › wiederum haben die Planungspartner die ‹ Quartierentwicklung klybeckplus › ( Qek ) ins Leben gerufen, die über Dialogworkshops Inputs aus der Bevölkerung aufnimmt und weiterverfolgt. Nach gut zehn Jahren Planung ist es Zeit für ein Stimmungsbild: Wie geht es den Bewohner*innen von Klybeck, Kleinhüningen und Matthäus ? Und wie gelingt es den Planungsverantwortlichen, die Bevölkerung bei so einem komplexen und langwierigen Prozess zu beteiligen ? Mitgestalten über Jahrzehnte Der Verein ‹ Zukunft.Klybeck › macht sich für das Recht der Bevölkerung auf Mitwirkung bei den verschiedenen Transformationsprozessen stark. Mit der Initiative ‹ Basel baut Zukunft › konnte er einen politischen Teilerfolg feiern: Nach einem im Parlament geschmiedeten Gegenvorschlag muss in Basel-Stadt auf grossen Transformationsarealen mindestens ein Drittel der neuen Wohnflächen gemeinnützig sein und in Kostenmiete zur Verfügung gestellt werden siehe ‹ Zu dritt die Zukunft planen ›, Seite 18. Vereinsmitglied Christoph Moerikofer ist seit dem ersten Beteiligungsverfahren im Jahr 2016 mit dabei und überzeugt: «Es braucht viel mehr Menschen und Meinungen, als in einem Planungsteam vorhanden sind. Nur so kann eine lebendige Stadt entstehen.» In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Inhalte und Formate der Partizipation weiterentwickelt. Während zu Beginn in grossangelegten Workshops gemeinsame Zukunftsbilder von Grünräumen, Energieversorgung und Mobilität entwickelt wurden, ist die Beteiligung heute stärker institutionalisiert und auf konkrete Punkte konzentriert, so etwa bei der ‹ Dialoggruppe klybeckplus ›: Quartiervertreter*innen begleiten mit ihrer Expertise über einen längeren Zeitraum den Prozess und die Erarbeitung des entstehenden Bebauungsplans. Für Fritz Rösli von ‹ KLŸCK Quartierarbeit KlybeckKleinhüningen › bedeutet Partizipation weiterhin Ausprobieren. Eine bekannte Herausforderung bei Mitwirkungsverfahren ist auch in Basel zu beobachten: Nur ein kleiner, gut informierter Teil der Bevölkerung erscheint an Beteiligungsveranstaltungen. Im Auftrag des Kantons versucht ‹ KLŸCK ›, Stimmen zu erreichen, die in den üblichen Partizipationsverfahren untervertreten sind. Dazu zählen Frauen, Migrant*innen und Menschen in schwierigen Lebenssituationen. ‹ KLŸCK › versucht, die Menschen an ihren Alltagsorten, etwa vor einem Supermarkt, anzusprechen. Beim Stadtteilrichtplan hat das gut funktioniert. Mit einer grossen Quartierkarte hat man je nach Bedürfnis informiert, diskutiert oder konkrete Anliegen formuliert. Da es um Veränderungen in der direkten Nachbarschaft gehe, seien die Menschen grundsätzlich interessiert, berichtet Fritz Rösli. Bestimmte Themen tauchten auch immer wieder auf, beispielsweise der Zugang zum Rhein, die Schadstoffe im Boden, die Angst vor Verdrängung, die Ver- →
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offen. « Es sind viel Herzblut und Energie in den Transformationsprozess geflossen », sagt die Künstlerin und Genossenschafterin Sibylle Hauert, die bei vielen Beteiligungsformaten dabei war. Das mache etwas mit einem. Es sei ermüdend, immer wieder das Gleiche zu erzählen und dabei das Gefühl zu haben, doch nicht richtig gehört zu werden. Nichtsdestotrotz setzt sich die Genossenschaft weiterhin für mehr gemeinnützigen Wohnraum im Quartier ein. Zuletzt ist es gelungen, ein Wohnhaus gleich gegenüber auf der anderen Strassenseite zu erwerben.
Sibylle Hauert, Künstlerin und Genossenschafterin
« Es sind viel Herzblut und Energie in den Transformationsprozess geflossen. » Christoph Moerikofer, Mitglied im Verein ‹ Zukunft.Klybeck ›
Wohnträume und Zwischennutzungen Die Mitglieder der Wohngenossenschaft Klybeck gehören zu den Quartierbewohner*innen, die sich schon Jahre vor dem offiziellen Planungsstart für ein neues Klybeck engagierten. Die zwölf Häuser der Genossenschaft beherbergten einst die Arbeiter*innen der chemischen Industrie. Sie grenzen in südlicher Richtung direkt an das ehemalige Werkareal. Als direkte Nachbar*innen sahen die Genossenschafter*innen viele Leerstände und ungenutzte Parkplätze auf dem Chemieareal. Sie schmiedeten grosse Pläne für mehr gemeinnütziges Wohnen, mehr Soziokultur und neue Räume für die Kreativwirtschaft. So entstand der Verein Dreieck Klybeck. Die Stadtentwicklung, so fanden die Genossenschafter*innen, sollte nicht den Investoren und Planern allein überlassen werden. 2018 gab der Verein eine städtebauliche Studie für die an die Genossenschaftshäuser angrenzende Parzelle des Chemieareals in Auftrag: Das untersuchte Areal in Form eines grossen Dreiecks sollte als vermittelndes Scharnier zwischen dem gewachsenen Quartier und dem neuen ‹ klybeckplus › dienen, mit einer bunten Mischung aus Neuund Bestandsbauten. Die damalige Eigentümerschaft zeigte sich offen für die genossenschaftlichen Ideen; der Verein hoffte auf den Verkauf des Bodens an den Kanton. Es passte zur damaligen Aufbruchstimmung, dass die in der städtebaulichen Studie involvierten Industriegebäude 102, 104 und 106 ab 2019 für Zwischennutzungen zur Verfügung gestellt wurden. Der Kulturklub ‹ Humbug › veranstaltete Konzerte, es gab Sportnutzungen, eine Zirkusschule, Quartiertreffs, Ateliers von Künstler*innen, Räume für den Verein ‹ Migranten helfen Migranten › und noch vieles mehr. Mit der Belebung zeigte das Areal sein Potenzial für eine vielfältige Stadt mit Strahlkraft auf die bestehenden Nachbarschaften. Ende 2025 ist die siebenjährige, von der ‹ unterdessen › GmbH koordinierte Zwischennutzung ausgelaufen, weil die Gebäude für die im Richtprojekt vorgesehenen Bauvorhaben oder für Grün- oder Freiflächen rückgebaut werden. In Saba’s Lädeli auf der Höhe der Tramhaltestelle Inselstrasse, nur wenige hundert Meter von der ehemaligen Zwischennutzung entfernt, bedauert man das Ende der Zwischennutzung: Man war froh um die zusätzliche Laufkundschaft aus den zwischengenutzten Gebäuden. Die vielen jungen Menschen hätten das Quartier belebt. Auch für die Wohngenossenschaft Klybeck ist es anders gekommen als erhofft. Der Raum für ihre Idee des gemeinschaftlichen Lebens und Arbeitens im Dreieck wurde mit jeder neuen Planungsphase kleiner. Heute sieht das Richtprojekt auf der Parzelle einen grossen Wohnblock vor; wie er dereinst vermietet und bewohnt wird, ist noch
« Es braucht viel mehr Menschen und Meinungen, als in einem Planungsteam vorhanden sind. »
→ kehrsbelastung oder der Wunsch nach mehr Grünraum. Gerade Menschen in schwierigen Lebenssituationen oder mit geringem Einkommen sind auf Sozialraum im Quartier angewiesen. Sie sind auch von den anstehenden Veränderungen im Klybeck besonders betroffen. Und dennoch spielen die geplanten Entwicklungen im Alltag oft nur eine untergeordnete Rolle. In der kollektiv geführten Capribar, gleich gegenüber dem nördlichen Zugang zum KlybeckAreal gelegen, macht sich ein junger migrantischer Vater Sorgen über den angespannten Wohnungsmarkt im Klybeck. Er lebt gerne hier. Wichtig sind ihm attraktive Spielplätze, problematisch findet er den Drogenkonsum im öffentlichen Raum. Was hält er von den Planungen im Klybeck ? Ja, davon habe er gehört. Ob er dann noch im Quartier wohne ? Das könne er sich kaum vorstellen. Die neuen Wohnhäuser seien doch eher etwas für reiche Leute.
Hoffnungen und Erfolge Zwischen dem unterdessen verriegelten Industriebau 105 und dem genossenschaftlichen Gartenrestaurant Lauch liegt ein kleiner temporärer Garten. Auch dieser Ort gehört Swiss Life. Gepflegt werden die Hochbeete vom kleinen Verein ‹ Kompost und Begrünung Klybeck ›. Bei der Gartenarbeit erzählen Luca Pfeiffer und Antoinette Voellmy von ihrer besonderen Verbindung zum Quartier und davon, wie es sich anfühlt, die letzte Zwischennutzung zu sein. Sie haben den Ort ‹Mathilde-vonOrelli-Platz› genannt. Ein selbstgemachtes Strassenschild erinnert an die Sozialarbeiterin, die sich bis in die 1930erJahre für Mädchen und Frauen aus der Arbeiter*innenschicht im Klybeck engagierte. Auch in Zukunft wird sich an der Schnittstelle zwischen ehemaligem Chemieareal und Wohnquartier ein Platz befinden. ‹Laborplatz› schlagen die Behörden als Namen vor. Dabei habe es gerade an diesem Ort niemals Labornutzungen gegeben, sagt Antoinette Voellmy kopfschüttelnd. Das erste Planungsjahrzehnt war für die Quartierbewohner*innen ein Auf und Ab. Was erwarten sie von den weiteren Partizipationsprozessen, was vom zukünftigen Quartier Klybeck-Kleinhüningen ? Luca Pfeiffer und Antoinette Voellmy hoffen, dass am Ende noch ein Stück Gestaltungsraum für die Bevölkerung übrig bleiben wird. Dass es irgendwo Raum für Soziokultur und spontane Aktivitäten und attraktiven, bezahlbaren Wohnraum geben wird. Die Genossenschafterin Sibylle Hauert hofft, dass der wirtschaftliche Druck auf die Bestandsbauten im Quartier nicht weiter steigen wird und das Wohnschutz gesetz von 2022, das bezahlbaren Wohnraum sichert, seine Wirkung entfalten wird. Dass der langjährige Einsatz der Bewohner*innen sich lohnt und Anliegen der Bevölkerung durchaus berücksichtigt werden, zeigt sich am deutlichsten in den städtischen Entwicklungen auf dem Areal Klybeckquai-Westquai. Aus früheren, stark verdichteten Konzepten, die der Planung zeitweise den Spitznamen « Rheinhattan » gaben, ist in den aktuellen Planungen ein grünes Wohnquartier geworden. Alt und Neu wachsen hier zusammen. Aus der bestehenden Wiese Ackermätteli entwickelt sich ein neuer Quartierpark mit direktem Zugang zum Rhein. Ein Ort für alle – für das Klybeck und für Basel.
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Weg entlang der Wiese mit den Backsteinbauten an der Mauerstrasse im Hintergrund
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Ein Stadtteil vor dem grossen Umbruch: Blick vom Dach des Baus 125 über das Klybeck-Areal und Kleinhüningen mit dem Hafenareal
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Seit der Planungsvereinbarung zwischen Grundeigentümerschaft und Kanton im Jahr 2016 ziehen die am Projekt ‹ klybeckplus › beteiligten Partner am selben Strick.
Zu dritt die Zukunft planen
Text: Werner Huber
Vor rund zehn Jahren eröffneten die Einstellung der Produktion von Huntsman, die Absicht von BASF, ihre Liegenschaften zu verkaufen, und die Überlegungen von Novartis, nicht mehr benötigte Teile ihrer Klybeck-Areale neuen Nutzungen zuzuführen, eine einmalige Chance: die Industrieareale zu öffnen und darauf ein neues Quartier zu entwickeln. Und so unterzeichneten im Mai 2016 Novartis Pharma, BASF Schweiz und der Kanton Basel-Stadt eine Planungsvereinbarung über die Arealentwicklung Klybeck. Vom gut 320 000 Quadratmeter grossen Planungsgebiet gehörten 120 000 Quadratmeter der BASF und 165 000 der Novartis; 40 000 Quadratmeter bestanden aus angrenzenden Grün- und Freiräumen. « Durch eine abgestimmte Arealentwicklung soll eine unter städtebaulichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten optimale und den raumplanungsrechtlichen Randbedingungen entsprechende Transformation der Areale erreicht werden », heisst es in der Vereinbarung. « Dabei sollen die individuellen Interessen der Planungspartner im Rahmen eines Interessensausgleichs miteinander verbunden und bestmöglich zum Tragen gebracht werden. Die Grundeigentümerinnen Novartis und BASF sowie der Planungsträger Kanton Basel-Stadt gehen die Planung gemeinsam an. » Auf den Arealen der Chemiefirmen sollte ein Quartier mit einer Durchmischung von Wohnen und Arbeiten, vielfältigen wirtschaftlichen Nutzungen sowie Kultur- und Freizeitangeboten entstehen. Diese Entwicklung sollte im Rahmen der Hafen- und Stadtentwicklung Klybeck-Kleinhüningen stattfinden und Teil des trinationalen Raumkonzepts ‹ 3Land › werden, das der Kanton Basel-Stadt, die Stadt Weil am Rhein und die Ville de Huningue 2012 gemeinsam aufgegleist hatten. Dass Novartis und BASF diese Entwicklung nicht allein zum Wohl der Stadt anstreben, sondern damit eine « bestmögliche Wertschöpfung » erreichen möchten, wie es in der Vereinbarung heisst, versteht sich von selbst: Das Ganze muss sich am Ende rechnen – auch für die Stadt, die sich einen Zuwachs an Bewohner*innen und Arbeitsplätzen verspricht. Ein Schwerpunkt in der Planungsvereinbarung liegt auf dem gemeinsamen Vorgehen der drei Partner: « Die Projektorganisation ist trilateral und paritätisch », ist darin zu lesen. Und: « Die Planungspartner fassen ihre Beschlüsse einstimmig. » Unter dem Motto ‹ klybeckplus – ein Stadtquartier entsteht › stellten sie ihre Vereinbarung der Öffentlichkeit vor. Die Reaktionen in den Medien waren grundsätzlich positiv. « Klybeckareal soll ein neues Gesicht erhalten », titelte die ‹ Basler Zeitung › nüchtern, « Basel, Novartis und BASF planen goldene Zukunft fürs Klybeck », hiess es bei der damaligen ‹ Basellandschaftlichen Zeitung › schon etwas euphorischer.
plinäre Teams ein. Die federführenden Architekturbüros waren Albert Speer & Partner ( AS + P ) aus Frankfurt am Main, Diener & Diener aus Basel, Hans Kollhoff aus Berlin und OMA aus Rotterdam. Ebenso breit gefächert war das Fachgremium mit den Architekten Jacques Herzog, Vittorio Magnago Lampugnani und Dani Ménard, der Landschaftsarchitektin Rita Illien und dem Stadtplaner Rainer Klostermann. Hinzu kamen Expert*innengremien zu einzelnen Themenfeldern. Die Testplanung begann im November 2016 mit einem Start-Workshop. Die vier Teams traten nicht gegeneinander an, sondern arbeiteten parallel und im kontinuierlichen Dialog mit den Planungspartnern. Drei Begleitveranstaltungen mit jeweils 150 bis 180 Teilnehmer*innen bezogen die Bevölkerung mit ein. Im Juni 2017 wurden die vier unterschiedlichen Ansätze vorgestellt: Hans Kollhoff schlug eine traditionelle Stadtstruktur mit Blockrandbauten und einem sternförmigen, von Hochhäusern gesäumten Platz vor. OMA hingegen setzte auf ein Nebeneinander von typologisch und massstäblich äusserst unterschiedlichen Nachbarschaften. AS + P entwarfen einen Hochhaus-Cluster für den Süden und ein Blockrandquartier für den Norden. Stärker als die anderen Teams gingen Diener & Diener mit ihrem Vorschlag von den bestehenden Stadtstrukturen und Bauten aus und sahen folgerichtig den Klybeckplatz als Herz des Quartiers vor – einer der Gründe, warum die Planungspartner später mit diesem Team weiterarbeiteten. Verwaltungsintern wurden die Erkenntnisse aus den Vorschlägen herausdestilliert und im November 2017 im Synthesebericht konsolidiert. Am Ende lag kein städtebaulicher Entwurf vor, sondern eine Reihe von wichtigen Erkenntnissen zu Stadtstruktur und Freiraum, zur Allokation von Nutzungen, zu Verkehr und identitätsstiftenden Elementen. Unter anderem wurde die Linienführung des neuen Trams festgelegt und der geplanten Schule einer der prominentesten Standorte auf dem Areal zugewiesen. Eine Synthesekarte hielt die Erkenntnisse grafisch fest. Der Schlussbericht datiert vom November 2018.
Eingebettet in übergeordnete Planungen Die Entwicklungsplanung ‹ klybeckplus › ist eingebettet in die grossräumigeren Planungen in den Quartieren Klybeck und Kleinhüningen. Hier ist in den vergangenen hundert Jahren ein dichtes, eng verflochtenes Gefüge von Wohn- und Arbeitsgebieten entstanden, das – neben dem Klybeck-Areal der « Chemischen » – geprägt ist von den Einrichtungen des Rheinhafens. Nach der Eingemeindung von Kleinhüningen in die Stadt Basel 1908 nahm 1922 das Hafenbecken 1 den Betrieb auf, 1939 folgte das Hafenbecken 2. Zu den Hafenanlagen gehören ausgedehnte Eisenbahnanlagen, die im Bereich des Klybeck- und des Westquais die Stadt vom Rhein abschneiden. Nun sollen auf dem Areal des ehemaligen badischen Güterbahnhofs das neue Hafenbecken 3 und das trimodale Container-Terminal Gateway Basel Nord entstehen. Im Gegenzug soll die Hafenbahn an den Südquai im Hafenkerngebiet verlagert werden. Westquai und Klybeckquai will man von den Gütergleisen befreien. So lassen sich die Bestandsquartiere Klybeck und Kleinhüningen an ihre Lebensader, den Rhein, anschliessen. Der aktuelle Zeithorizont für die Verlagerung der Hafenbahn erstreckt sich, nach einigen Verzögerungen, bis 2038. Die Transformation des Quartiers verlangt auch den Testplanung lotet Potenziale aus Die Planungsvereinbarung gliedert den Prozess in Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Zurzeit durchquert die sechs Phasen. In der ersten Phase sollte eine Testplanung Tramlinie 8 auf ihrem Weg nach Weil am Rhein die Quardie städtebaulichen Potenziale, die Dichte, die Nutzung, tiere Klybeck und Kleinhüningen; die Tramlinie 17 und die Erschliessung sowie die Grün- und Freiräume des Ge- Buslinien ergänzen das Angebot. Die Tramlinie 14 endet biets ausloten. Die Planungspartner luden vier interdiszi- heute am südlichen Rand des Transformationsareals →
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Nutzungsverteilungen Wohnen Gewerbe Bildung Quartierdienliche Nutzung Potenzielle Sportnutzung Parking
Blick über den Klybeckplatz Richtung Wiese Visualisierung: Diener & Diener Architekten / Filippo Bolognese
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Politischer Prozess
Planauflage Bebauungsplan
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Nutzungsplanung
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Präsentation Richtprojekt
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Städtebauliches Leitbild Städtebauliches Leitbild
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Vision klybeckplus – Ein Mehrwert für Basel
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Kauf des Areals durch Rhystadt und Swiss Life
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Abschluss Testplanung
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Novartis und BASF verkaufen Ende 2018 wurde bekannt, dass Novartis und BASF ihre Arealteile verkaufen wollten. In der Planungsvereinbarung hatten sich die Partner verpflichtet, auf den Verkauf ihrer Grundstücke zu verzichten oder bei einem allfälligen Verkauf die Verpflichtungen aus der Planungsvereinbarung auf die Käufer zu übertragen. Diese Verpflichtung endete am 31. Dezember 2018. Würde die Planung in sich zusammenfallen, wenn etwaige Käufer ganz andere Interessen hätten ? Oder wäre der Verkauf gar eine Chance, da dann keine Industriekonzerne, sondern professionelle Immobilienfachleute am Planungstisch sässen ?
Zeitachse ‹ klybeckplus ›
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→ ‹ klybeckplus ›. Im Rahmen des Projekts Tramnetz 2030 wollen die Basler Verkehrsbetriebe die Linie 14 in einem Bogen über den Riehenring zum Klybeckplatz und weiter nach Kleinhüningen führen. Für das Vorhaben ‹ klybeckplus › war es wie Weihnachten im Frühling, als die Regierungen beider Basel im April 2017 die neuesten Pläne für das Herzstück, die Verbindung der beiden Bahnhöfe Basel SBB und Badischer Bahnhof, präsentierten: eine S-förmige Linie mit Haltestellen in Basel Mitte und im Klybeck. Doch die Freude erfuhr im September 2025 einen empfindlichen Dämpfer: In seinem Gutachten ‹ Verkehr 2045 › bewertete ETH-Professor Ulrich Weidmann das Herzstück zwar als « konzeptionell interessanten Ansatz », in der Konkretisierung erwies es sich aber als aufwendig. Er empfahl, das Vorhaben auf die Zeit nach 2045 zu « depriorisieren ». Dies löste in Basel einen Sturm der Entrüstung aus und liess die Planer*innen über die Bücher gehen. Schon im Dezember 2025 präsentierten die beiden Kantonsregierungen den Vorschlag einer einfachen Durchmesserlinie ohne Haltestellen: pragmatisch und günstiger, aber auch ausbaufähig. Und damit zukunftsgerichtet ? Die Antwort auf diese Frage steht noch aus. Denn Weidmann kritisierte nicht die beiden Haltestellen, sondern verwies vor allem auf die komplexe Struktur der Zulaufstrecken und die Einbindung des Herzstücks ins Netz, wo er erhebliche zeitliche und finanzielle Risiken sieht.
Themenheft von Hochparterre, November 2026 — Grün, dicht, gewagt — Zu dritt die Zukunft planen
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In einer Interpellation verlangte die SP, dass der Kanton die Areale kaufen solle – vergeblich. Im Mai 2019 verkaufte die Firma Novartis ihre 160 000 Quadratmeter an die eigens gegründete Central Real Estate Basel ( seit Ende 2020 Rhystadt ), einen Zusammenschluss von Baloise, Credit Suisse, Safra Sarasin, Zuger Pensionskasse und anderen. Die BASF, die einige Liegenschaften bereits zur Zwischennutzung vermietete, zog im Juli nach: Sie verkaufte ihren Arealteil an Swiss Life. Die Befürchtung, die neuen Grundeigentümerinnen könnten sich über die bisher geleisteten Planungen hinwegsetzen, erwies sich als unbegründet: Auch sie bekannten sich zum Dreigespann mit dem Kanton. Während die Bürgerlichen die Verkäufe begrüssten, bedauerte die Linke die verpasste Chance, die sich ergeben hätte, wenn der Kanton gekauft hätte. Der Verein Zukunft Klybeck kündigte eine Initiative an, um den gemeinnützigen Wohnungsbau auf den Arealen zu sichern. Diese hing fortan wie ein Damoklesschwert über den Planungen. Ein weiteres Thema, das im Kontext der Grundstücksverkäufe aufkam, waren die Standortbelastungen. 2016 hatte es geheissen, gemäss dem Kataster der belasteten Standorte weise der grösste Teil der Areale keine chemischen Rückstände in den Böden auf. Doch im Juni 2019 präsentierte die Vereinigung ‹ Ärzte für den Umweltschutz › ( AefU ) eine Studie, wonach auf einigen Arealen noch bis ins Jahr 2000 chemische Substanzen verarbeitet und entsorgt worden seien. Die Sanierung könne bis zu einer Milliarde Franken kosten, so die AefU. Das Thema eignete sich gut, um grosse Befürchtungen und die Aussicht auf unkalkulierbar hohe Kosten zu wecken. BASF und Novartis, aber auch die Käufer*innen der Areale beschwichtigten: Sie seien sich der Problematik bewusst und rechneten nicht mit bösen Überraschungen. Vision und städtebauliches Leitbild Als Reaktion auf die öffentlichen Beteiligungen entstand im Sommer 2020 die ‹ Vision klybeckplus › mit vier zentralen Leitsätzen: « Mehr Mut zu grossem Denken! », « Mehr Experimentierfreude! », « Mehr Produktionsstätten für die Zukunft! » und « Mehr soziale Innovation! ». Sie stehen am Anfang des städtebaulichen Leitbilds, das 2022 vorlag. Darin haben Diener & Diener Architekten, Vogt Landschaftsarchitekten, das Ingenieurbüro Gruner und Heller Enterprises, begleitet von zahlreichen Fachstellen, die Erkenntnisse aus der Testplanung weiterentwickelt und daraus einen robusten Orientierungsrahmen für die
künftige Entwicklung erstellt. Das Leitbild gibt Anweisungen zum Umgang mit dem Bestand, zu den Herausforderungen durch den Klimawandel und zu einem zukunftsfähigen Mobilitätsangebot; weiter macht es Aussagen über Typologien, Freiräume, Nutzungen sowie Entwicklungsschritte. Der Lärmschutz, der Zwei-Stunden-Schatten, das Energiekonzept und der Bauteilkreislauf sind weitere Themen, die das Leitbild behandelt; schliesslich soll ‹ klybeckplus › einen maximalen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Auf der politischen Ebene gab es Auseinandersetzungen um die Initiative ‹ Basel baut Zukunft ›. Sie war nach dem Verkauf der Areale an private Investorinnen lanciert worden und forderte auf den grossen Transformations gebieten einen 50-Prozent-Anteil an gemeinnützigem Wohnungsbau. In zähen Verhandlungen erarbeitete die Bau- und Raumplanungskommission des Grossen Rats einen Gegenvorschlag, der die Initiant*innen im Frühjahr 2024 bewog, ihr Begehren zurückzuziehen. Nun wird ein Drittel gemeinnütziger Wohnraum verlangt – ein Kompromiss, mit dem auch Swiss Life und Rhystadt leben können. Kaum war dieses Problem gelöst, tauchte ein anderes wieder auf: die Standortbelastungen. Die SRF-‹ Rundschau › berichtete, dass die Situation komplizierter sei als gedacht und dass der Kanton das schon immer gewusst habe. Angesichts der Brisanz des Themas, das ja nicht nur eine Frage der Kosten, sondern vor allem auch eine der Lebensqualität im künftigen Quartier ist, lancierten die Investorinnen im Frühling 2025 eine Transparenzinitiative: Man werde alle Schadstoffberichte öffentlich zugänglich machen. An der Medienkonferenz betonten Swiss Life und Rhystadt, dass der Umgang mit Schadstoffen aus der Industrieproduktion eine « grosse, aber lösbare Aufgabe » sei, wie die ‹ bz Basel › schrieb. « Schenkt den Grundeigentümerinnen Vertrauen », titelte die Zeitung im Kommentar. Das Abstrakte wird noch etwas konkreter Es ist die Krux eines solchen Planungsprozesses, dass er lange dauert und lange Zeit keine verlässlichen Bilder produziert. Früher vermittelten ein paar gekonnte Skizzen die räumliche Atmosphäre eines Ortes, ohne ein konkretes Versprechen zu enthalten. Heutige Darstellungen oszillieren zwischen präzisen Aussagen und der Unverbindlichkeit, die dem Planungsstand angemessen ist. Auch bei ‹ klybeckplus › konnte der nächste Planungsschritt noch nicht mit konkreten Bildern aufwarten. Das Richtprojekt, das die Planungspartner im November 2025 der Öffentlichkeit vorstellten, vertiefte das städtebauliche Leitbild, prüfte seine Machbarkeit und passte es da und dort an. Das Grundgerüst bleibt bestehen: der Klybeckplatz als Zentrum im Basler Norden, daran angrenzend die miteinander verbundenen Nachbarschaften Esplanade, Klybeckhöfe, Klybeckmatte, Klybeckplatz Süd und Mauerstrasse Nord. Rund 50 Gebäude sieht das Richtprojekt vor, wobei rund ein Drittel davon bereits besteht. Von neun Objekten, die zu Beginn der Planung ins Inventar schützenswerter Bauten aufgenommen worden waren, wurden in der Zwischenzeit zwei definitiv unter Schutz gestellt, bei vier laufen die Verhandlungen mit den Grundeigentümer*innen, drei hat der Kanton aus dem Inventar entlassen siehe ‹ Auch Klybeck ist Babylon ›, Seite 22. Die Bilder sind immer noch vage, die Gebäudevolumen abstrakt. Verbindlichere und atmosphärischere Eindrücke werden erst die Architekturwettbewerbe zu den einzelnen Baufeldern liefern können. Doch der Planungsprozess ist auf gutem Weg: 2027 soll der Bebauungsplan für ‹ klybeckplus › aufgelegt und in den politischen Prozess eingespeist werden. Läuft alles rund, könnten 2029 die ersten Baumaschinen auffahren.
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Stadtstruktur mit Verdichtungs- und Begrünungspotenzial: Asphaltfläche im südwestlichen Teilgebiet des Klybeck-Areals.
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‹ Klybeckplus › entsteht nicht auf der grünen Wiese, sondern aus einer bestehenden Stadtstruktur heraus. Deshalb ist das Projekt auch eine Geschichte über Erhalt und Abriss.
Auch Klybeck ist Babylon
Text: Marcel Bächtiger
‹ Überall ist Babylon ›: So lautete der Titel eines populären Sachbuchs aus den 1960er-Jahren. Wolf Schneider erzählte einem breiten Publikum die Geschichte des Städtebaus vom frühen Mesopotamien bis zu den westlichen Metropolen der Nachkriegszeit. Schneider schrieb sein Buch unter dem Eindruck einer «galoppierenden Verstädterung der Welt» – wobei ‹ Stadt › für ihn weder a priori gut noch a priori schlecht war, sondern schlicht eine unvermeidliche Folge der Zivilisationsgeschichte. Die ‹ Stadt als Schicksal ›, wie ein anderes Buch aus den boomenden Sechzigerjahren hiess, verfasst von der Architekturhistorikerin Sibyl Moholy-Nagy. Wolf Schneiders damalige Beobachtung, dass « morgen überall Babylon sein wird », trifft erstaunlicherweise auch auf die aktuelle Situation der Schweiz mehr als ein halbes Jahrhundert später zu, zumindest wenn man den Zahlen des Bundesamts für Statistik vertrauen will. Dieses prognostiziert im mittleren Szenario ein Bevölkerungswachstum von 15 Prozent auf 10,47 Millionen Menschen bis 2055. Berücksichtigt man die Ziele des Raumplanungsgesetzes, das die Neubautätigkeit auf bereits besiedelte Gebiete beschränkt, dann ist eine weitere Verdichtung der Schweizer Städte, Dörfer und Agglomerationen unumgänglich. Schliesslich geht es darum, Platz für zusätzliche 1,4 Millionen Menschen zu finden – immerhin das Zehnfache der Bevölkerung der Stadt Bern. Die zahlreichen neuen Stadtviertel, die in Luzern Süd, Zürich Nord, Lausanne Ost oder eben Basel Nord in die Höhe wachsen, sind eine unmittelbare Folge der demografischen Herausforderungen. Sie scheinen eine von Schneiders Grundthesen zu bestätigen: Die Geschichte der Welt, schrieb er, sei die Geschichte ihrer unaufhörlichen Urbanisierung. Der Bestand als widersprüchliches Kapital Auch das Klybeck-Areal wird aus dieser Perspektive bald Babylon, oder etwas profaner: ein Stück neuartiger Grossstadt, sein. Dabei stellt das Projekt ‹ klybeckplus › das wohl markanteste Exempel der « galoppierenden » Verstädterung in der Schweiz im 21. Jahrhundert dar: Schaut man auf das aktuelle Richtprojekt, zählt man 24 Hochhäuser auf einer Fläche von 300 000 Quadratmetern – das gab es bislang und gibt es in keiner anderen Stadt des Landes. Die Hochhäuser, die in einer neuartigen Typologie als nah beieinander stehende, aber von einem dichten Baumdach umgebene Bauten konzipiert sind ( Esplanade ), sind jedoch nur ein Teil der Gesamtidee: Zur Esplanade gesellen sich vier niedrigere Hofrandbebauungen im Norden des Gebiets ( Klybeckhöfe ), Gewerbebauten, ein Schulhaus, möglicherweise eine kantonale Sportnutzung, ferner eine grosse Grünfläche für Spiel und Sport ( Klybeckmatte ) sowie ein Grünzug, der von Osten erst zum zentralen Klybeckplatz und schliesslich zur sogenannten Rheinterrasse führt, die sich mit der Promenade entlang des Rheins verbindet siehe ‹ Das Richtprojekt: Der Plan für klybeckplus ›, Seite 9.
Neben all dem Neuen gibt es gleichzeitig einiges an Bestehendem. Wie es bei jeder Innenverdichtung der Fall ist, entsteht auch ‹ klybeckplus › aus einer bestehenden Stadtstruktur heraus. Die geplanten neuen Gebäude und Freiräume stehen darum im räumlichen Austausch mit den charakteristischen Industriebauten aus dem 20. Jahrhundert. Nachdem auf dem Areal jahrzehntelang Farbstoffe, Dünger und Medikamente hergestellt wurden, sind allerdings viele Gebäude und Teile des Bodens stark mit Schadstoffen belastet. Dennoch stellt der Bestand ein grosses Kapital für die Entwicklung von ‹ klybeckplus › und dessen Integration in den Stadtkörper dar. Nicht selten wird bei neugeschaf fenen Stadtquartieren ja die fehlende Identität oder Verwurzelung im Gefüge der Stadt bemängelt – so beispielsweise beim etwas östlich vom Klybeck-Areal gelegenen Gebiet Erlenmatt, das ab 2007 auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs entwickelt wurde. Kein Zufall also, dass Roger Diener, betraut mit der Ausarbeitung des städtebaulichen Leitbilds von ‹ klybeckplus ›, schon 2021 auf die Unterschiede zwischen den beiden Planungen hinwies, wie die ‹ Basler Zeitung › damals berichtete: « Die Voraussetzungen auf dem Klybeck-Areal, wo Bestehendes und Neues zusammenkommen werden, sind ganz anders als damals auf der Erlenmatt, die als völlig neues Quartier entwickelt worden ist. » Das vielversprechende Verweben von Alt und Neu findet auf dem Klybeck-Areal allerdings unter widersprüchlichen Bedingungen statt: Die erwähnte Schadstoffbelastung vieler Bauten steht dem Ideal eines möglichst integralen Bestandserhalts genauso entgegen wie die gebotene hohe Ausnützung des Quartiers, die durch das absehbare Bevölkerungswachstum geboten ist. Hinzu kommt, dass sich nicht jede Typologie in gute Wohnungen umnutzen lässt und dass neuer Wohnraum auch nach neuen Frei- und Grünflächen verlangt, die in der historischen Bebauungsstruktur fehlen. Bestandserhalt ja – wenn möglich und sinnvoll, könnte man deshalb die Strategie von ‹ klybeckplus › umschreiben. Die Debatte um Erhalt und Abriss Als im September 2022 das städtebauliche Leitbild von ‹ klybeckplus › präsentiert wurde, fand in Basel gerade eine vielbeachtete Ausstellung statt: ‹ Die Schweiz: Ein Abriss ›, kuratiert vom Verein Countdown 2030, machte im Schweizerischen Architekturmuseum ( S AM ) auf die hohe Abrissquote und die damit verbundene Vernichtung von grauer Energie aufmerksam: « Die Baubranche ist für 84 Prozent des Abfalls in der Schweiz verantwortlich », schrieben die Ausstellungsmacher*innen. Und: « Die Schweizer Bestrebungen sind heute nicht ausreichend, um die Ziele des Pariser Klima-Abkommens zu erreichen. Die Lösungsansätze für dieses Problem liegen im Erhalt, im Umbau und in der Umnutzung bestehender Gebäude. Abrisse und Ersatzneubauten sollten, wenn immer möglich, verhindert werden und dürfen nicht länger die erste und scheinbar beste Option sein. » Dass die damaligen Pläne für ‹ klybeckplus › nicht auf einhellige Zustimmung stiessen, kann in diesem Zusammenhang wenig verwundern – schliesslich sollte nur ein ausgewählter Teil des Baubestands auf dem Areal erhalten bleiben, während der grössere Teil einer dichteren und höheren Bebauung Platz machen wird. Das lokale Online-Portal ‹ Architektur Basel › titelte in Anlehnung an die Ausstellung im Architekturmuseum ‹ Klybeck – ein Abriss › und warf kritische Fragen in den Raum: « Wieso ist es nicht gelungen, den Bestand noch stärker in den Städtebau zu integrieren ? Braucht es tatsächlich so viele →
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Die chemische Industrie Basel ( Ciba ) in den 1920er-Jahren, fotografiert von Luftfahrtpionier Walter Mittelholzer Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Stiftung Luftbild Schweiz
Das Klybeck-Areal anno 1991, eingefangen von Gary Kammerhuber Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv
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→ neue Hochhäuser, die letztlich nicht besonders nachhaltig sind ? Wieso finden an der Mauerstrasse bereits Abbrucharbeiten statt ? » In der emotional geführten Debatte, die sich in der Folge entspann, widerspiegelten sich Fragen, die nicht nur das Projekt ‹ klybeckplus ›, sondern die Raumplanung der Schweiz im Allgemeinen betreffen: Zunehmend gibt es Hinweise darauf, dass die Strategie der Innenverdichtung zwar mehr Wohnfläche schafft, die Landschaft vor weiterer Zersiedelung und Verkehr schützt und im Idealfall neues urbanes Leben entstehen lässt, gleichzeitig aber auch Verdrängungsprozesse auslösen kann und die Dynamik von Abbruch und Ersatzneubau befördert. Es sind Zielkonflikte, für die es keine einfachen Lösungen gibt – nur eine sinnvolle, der konkreten Situation angemessene Prioritätensetzung. Die Weiterentwicklung von ‹ klybeckplus › zeichnete sich durch den Versuch aus, den Tabula-rasa-Vorwürfen der Kritiker*innen mit nachvollziehbaren Argumenten entgegenzutreten. Als die Planungspartner drei Jahre nach dem städtebaulichen Leitbild das Richtprojekt für ‹klybeckplus› publizierten, konnte man unter dem Stichwort ‹Nachhaltigkeit› Folgendes lesen: «Im Vergleich zum städtebaulichen Leitbild sollen zusätzliche Bestands gebäude erhalten oder durch Aufstockungen weiterentwickelt werden. Einige Gebäude sind allerdings derart stark mit Schadstoffen belastet, dass sie aus Gründen des Gesundheitsschutzes zurückgebaut werden müssen.» Erhaltungsziele und überraschende Lösungen Zielkonflikte blieben trotzdem bestehen, nicht nur zwischen Gesundheits- und Klimaschutz, sondern auch zwischen Gesundheits- und Denkmalschutz, was die Debatte nochmals verkomplizierte: Verschiedene Teile des Areals sind im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder ( ISOS ) mit dem höchsten Erhaltungsziel ausgezeichnet, darunter das markante und weithin sichtbare ehemalige Fabrikationsgebäude Bau 90 am zukünftigen Klybeckplatz und die ehemaligen Fabrikationsgebäude der Ciba an der Mauerstrasse: charakteristische Backsteinbauten des Basler Architekturbüros Suter & Suter. Nach vertieften Abklärungen schuf die Kantonale Denkmalpflege im Juni 2025 Fakten: Zwei Gebäude, das Lagerhaus Bau 26 und das Verwaltungsgebäude Bau 141 an der Klybeckstrasse, wurden 2022 respektive 2025 unter Denkmalschutz gestellt. Für vier weitere Bauten ist der Abschluss einvernehmlicher Schutzverträge vorgesehen. Bei den inventarisierten Backsteinbauten an der Mauerstrasse hatten die Untersuchungen allerdings ergeben, dass auch bei umfassenden Sanierungsmassnahmen ein gesundheitliches Restrisiko bestehen bleiben würde. Sie wurden deshalb im Mai 2025 aus dem Inventar der schützenswerten Bauten des Kantons Basel-Stadt entlassen. Einen Sonderfall stellte schliesslich Bau 90 dar: Weil die Abklärungen ergeben hatten, dass eine Nutzung mit beschränkter Verweildauer möglich wäre, wurde im Richtprojekt vorgeschlagen, das Gebäude als Sammelparking zu nutzen und dabei « auszulüften ». Der bisher im Gebäude geplante Wohnraum soll nun im Rahmen einer Aufstockung realisiert werden. « Ein überraschender und gleichzeitig pragmatischer Umgang mit dem ikonografischen Industriebau », schrieb das Online-Portal ‹ Architektur Basel › . Allerdings bleibe die Diskrepanz zwischen Erhaltungsanspruch und tatsächlicher Abrissquote ein kritischer Punkt des Richtprojekts. Christian Mutschler, CEO von Rhystadt, entgegnete in der ‹bz Basel›, dass auf dem gesamten Areal immerhin 19 Ensembles erhalten werden könnten, was einem Anteil von 30 Prozent an der gesam-
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ten Bruttogeschossfläche entspreche. Aus seiner Sicht handle es sich um eine klassische Frage der Interessenabwägung – wobei der Schutz von Menschen und Umwelt klar Vorrang vor dem Schutz von Gebäuden habe. Weiterhin weiterbauen In der Debatte um Abriss und Erhalt ging beinahe vergessen, dass das von Roger Diener versprochene « Zusammenkommen von Bestehendem und Neuem » auch ein stadträumliches Potenzial beschreibt. Zum Bestand des Areals gehören schliesslich auch die Strassen und Plätze: die Klybeck-, die Mauer- und die Kleinhüninger strasse oder der Klybeckplatz – Stadträume, die morphologisch bereits mit der umliegenden Stadt verwoben sind und durch die Öffnung des Areals eine neue Bedeutung erlangen werden. Darin liegt die Besonderheit von ‹klybeckplus› und vielleicht auch das beste Mittel gegen das Phänomen des Inselurbanismus, das in vielen anderen neuen Stadtquartieren zu beobachten ist. Ergänzt durch neue Frei- und Grünräume, Sichtbeziehungen und Wegverbindungen, bildet das bestehende Strassennetz die Grundlage für eine selbstverständlich wirkende Verknüpfung von ‹ klybeckplus › und der näheren und weiteren städtischen Nachbarschaft siehe ‹ Den Freiraum als Ganzes denken ›, Seite 28. Gleichzeitig verweisen die Strassen und Räume des Klybeck-Areals auf eine Geschichte, die älter ist als diejenige der meisten der heute bestehenden Bauten. Ein Foto von Flug- und Luftfotopionier Walter Mittelholzer zeigt das Klybeck-Areal in den 1920er-Jahren: Gut zu erkennen sind die heute noch vorhandenen Strassenzüge und grossräumlichen geografischen Ordnungen. Hingegen sind die allermeisten Fabrikbauten von damals inzwischen verschwunden – verdrängt von Industriebauten, um deren Erhalt in den vergangenen Jahren intensiv gestritten wurde. Man liegt darum nicht ganz falsch, wenn man beim Stichwort ‹ Babylon › auch an das berühmte Gemälde ‹ Der Turmbau zu Babel › von Pieter Bruegel dem Älteren denkt: Der Turm erscheint als Stadt, an der beständig weitergebaut wird, Schicht um Schicht, Stein um Stein. Altes verschwindet unablässig unter Neuem, der Turm wächst immer weiter in den Himmel. Menschlicher Grössenwahn, wie von der biblischen Erzählung suggeriert ? Im Fall von ‹ klybeckplus › ist es vielleicht schlicht die zeitgemässe Antwort auf die Bedürfnisse unserer Zeit.
Pläne zur Transformation ( Richtprojekt ) Bestand: Abbildung oben Neubau: Abbildung unten
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Veränderung gegenüber Städtebaulichem Leitbild Aus dem Inventar entlassen Zusätzlicher Erhalt Bestand gegenüber Städtebaulichem Leitbild Bestand Neubau
Vom Richtprojekt zur Architektur: Die nächsten Schritte Mit der Präsentation des Richtprojekts im November 2025 hat die Planung von ‹ klybeckplus › einen Meilenstein erreicht. Ausgehend vom Richtprojekt, wird zurzeit der Bebauungsplan erarbeitet, den man voraussichtlich 2027 dem Grossen Rat vorlegen wird. Der Bebauungsplan schafft verbindliche baurechtliche Grundlagen und enthält ein Regelwerk zur konkreten Umsetzung. Ausserdem wird in dieser Phase der städtebauliche Vertrag abgeschlossen, der rechtliche
Vereinbarungen zwischen dem Kanton und den Grundeigentümer*innen bezüglich Gebietsaufteilung, öffentlicher Freiflächen, Nutzung, Erschliessung sowie Abgaben und Entschädigungen festhält. Wie geht es weiter, wenn das Projekt ‹klybeckplus› 2028 grünes Licht erhält ? Für die Projekte auf den einzelnen Baufeldern und die Freiraumgestaltung finden Architekturwettbewerbe und Studienaufträge statt. Die Transformation des gesamten Gebiets wird sich voraussichtlich bis in die 2040er- oder 2050er-Jahre erstrecken.
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Roger Diener und Michael Roth von Diener & Diener Architekten, Thomas Kissling von Vogt Landschaftsarchitekten und Ariane Widmer aus dem Begleitgremium im Gespräch.
«Es ist ein Idealfall von Innenverdichtung»
Interview: Marcel Bächtiger
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Ariane Widmer ist Architektin und Stadtplanerin. Von 2019 bis 2025 war sie Genfer Kantonsplanerin, von 2003 bis 2019 leitete sie die Umsetzung des Richtplans für Lausanne West.
Roger Diener ist Architekt BSA SIA BDA und Partner des Büros Diener & Diener in Basel. Von 1999 bis 2015 war Diener als Professor an der ETH Zürich tätig. Er ist Mitgründer des Forschungs instituts ETH Studio Basel.
Das Planungsteam hinter dem Richtprojekt ‹ klybeckplus › setzt sich aus Diener & Diener Architekten ( Städtebau und Architektur ), Vogt Landschaftsarchitekten ( Landschaftsarchitektur ) und Basler & Hofmann ( Mobilität ) zusammen. Bereits in der Testplanungsphase arbeiteten Diener & Diener mit dem Landschaftsarchitekturbüro Vogt zusammen und schlugen eine Entwicklung vor, die dezidiert von den Bestandsstrukturen ausgeht. Was ist das Besondere von ‹ klybeckplus › im Vergleich zu anderen Arealentwicklungen in der Schweiz ? Roger Diener: Die städtebauliche Figur ‹ klybeckplus ›, die im Dialogprozess entstanden ist, entwickelt aus den bestehenden Strukturen am Rhein und an der Wiesemündung heraus ein starkes Identifikationspotenzial für Kleinbasel. Diese Urbanisierung des Industrieareals setzt mehr als andere Arealentwicklungen auf Bestand und Kontinuität – und schafft gleichzeitig ganz neue und ortsspezifische Qualitäten. In diesem Prozess hat der Grün- und Freiraum eine ausserordentlich grosse Rolle gespielt. Weshalb ? Thomas Kissling: Forderungen nach stadtklimatischen Anpassungen, Artenvielfalt, Grünraumvernetzung und Entsiegelung sind nicht neu, aber in den vergangenen Jahren noch relevanter geworden. Der Hitzesommer 2026 hat die Wichtigkeit der Themen für alle wahrnehmbar gemacht. ‹ klybeckplus › schafft diesbezüglich grosse Potenziale, etwa durch das neue Biotopverbundsystem, das Wiese und Rhein zusammenschliesst. Gleichzeitig ist die Vernetzung mit der umliegenden Stadt ein Kernanliegen des Projekts und insbesondere für die Schaffung zugänglicher und aneigenbarer Freiräume von zentraler Bedeutung. Die Verschiedenartigkeit der Freiräume spielt dabei eine wichtige Rolle: Es gibt Freiräume, die in erster Linie für das Quartier da sind, aber auch solche wie die Promenade entlang des Rheins, die sich auf die Gesamtstadt Basel oder sogar auf den trinationalen Raum beziehen. Wichtig war für uns immer, dass die Freiräume den Stadtfiguren inhärent sind – sie wurden zusammen mit dem städtebaulichen Entwurf von Diener & Diener entwickelt und schaffen ein differenziertes Raumgeflecht. Michael Roth: Unsere Kooperation mit Vogt, die Zusammenarbeit zwischen Architekt*innen und Landschaftsarchitekt*innen, war von Anfang an sehr eng. Es war immer eine Gesamtbetrachtung: Nicht nur die baulichen Strukturen sollen auf den städtebaulichen Kontext Bezug nehmen, sondern auch die Freiräume. So verweist beispielsweise die Klybeckmatte auf bekannte Kleinbasler Freiraumtypen wie die Claramatte. Ariane Widmer: Dass es gelingt, Bauten und Freiraum so eng zusammenzudenken, ist ein zentraler Punkt. Das ist eine Grundvoraussetzung für die Innenverdichtung, die hier in durchaus substanziellen Dimensionen stattfindet. Die Kohärenz und die Qualität der städtebaulichen Figur wurden möglich, weil ‹ klybeckplus › aus einer Hand geplant werden konnte. Birgt diese Art von Stadtplanung auch Risiken? Thomas Kissling: « Aus einer Hand geplant » ist etwas eng gefasst. Es war ein vielstimmiger Chor, der sich um die Entwicklung von ‹ klybeckplus › kümmerte – von der Vertretung der Grundeigentümerinnen über die kantonale Verwaltung, die Anwohner*innen, die Fachstellen und die Planenden in Architektur, Freiraum und Verkehr bis hin zum Begleitgremium, das den Prozess von aussen gespiegelt hat. Es gibt eine Autorschaft, das ist richtig. Und für die Kohärenz des Entwurfs ist diese Autorschaft zentral. Aber ebenso zentral ist der Prozess an sich, der schon sehr früh mit den Parteien und der Bevölkerung auf Augenhöhe
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stattfand. Die Integration möglichst vieler Stimmen hat zu einem Projekt geführt, das nun sehr breit abgestützt ist. Ariane Widmer: Eigentlich ist es doch genau so, wie es sein sollte. Wir haben am Anfang eine kollektive Autorschaft, die im Austausch mit den verschiedenen Interessengruppen eine Stadtfigur entwirft. Diese Stadtfigur beruht nicht auf einer zweidimensionalen oder rein funktionalen Planung, sondern formuliert eine klare gestalterische Idee. Wenn es dann um die konkrete Umsetzung der einzelnen Teile geht, werden die Architekt*innen und Landschaftsarchitekt*innen über Konkurrenzverfahren individuelle Lösungen entwerfen. Am Anfang steht aber die Sicherheit einer starken, kohärenten Grundlage. In meinen Augen ist das der Idealfall einer zeitgemässen Stadtplanung. Roger Diener: Die konkrete Umsetzung der städtebauli chen Idee, wie wir sie im Richtprojekt festgehalten haben und nun im Bebauungsplan genauer ausformulieren, wird entscheidend sein für den Erfolg des Projekts. Diesbezüglich liegt auch eine grosse Verantwortung bei den Entwicklern und Investoren. Es gibt in unserem Projekt zum Beispiel grosse Blockrandbereiche. Ein differenzierter Umgang mit dieser Typologie ist äusserst wichtig. Ein Teil des Blockrands sollte aus einzelparzellierten Häusern zusammengesetzt sein und nicht als umfassende Baumassnahme umgesetzt werden. Das führt zu unterschiedlichen Fassaden, Eingängen und Haustypologien innerhalb desselben Blocks. Das ganze Gebiet befindet sich im Besitz von gerade einmal zwei Grundeigentümerinnen. Wie werden sich diese Eigentumsverhältnisse auf die Charakteristik des neuen Stücks Stadt auswirken ? Michael Roth: Früher gehörte das Klybeck-Areal dem Chemiekonzern Ciba-Geigy, später BASF und Novartis, und seit sechs Jahren ist das Areal im Besitz von Rhystadt und Swiss Life. Es ist also nicht so, dass eine ehemals kleinteilige Stadt plötzlich in die Hände von Investorinnen geraten wäre. Im Gegenteil: Die einheitliche Eigentümerschaft wurde dem Areal in die Wiege gelegt und gehört deshalb zu seiner historischen Charakteristik. Ariane Widmer: Gleichzeitig wird aus dem historischen Werkareal ein Quartier entstehen, das sich so sorgfältig mit der Stadt verknüpft, dass die ehemaligen Grenzen in der alltäglichen Wahrnehmung verschwinden. In den vorgeschlagenen Stadtfiguren erkennt man weder, wo die Eigentumsgrenzen verlaufen, noch, dass es sich nur um zwei Grundeigentümerinnen handelt. Mit den verschiedenen Architekturen wird ‹ klybeckplus › nochmals einen Schritt machen hin zur Normalität einer gemischten Stadt. Neben der Bezugnahme auf den städtebaulichen Kontext wartet ‹ klybeckplus › mit einer ganz neuartigen städtebaulichen Typologie auf. Für die Esplanade sind dicht angeordnete Hochhäuser vorgesehen, die von ebenso dicht nebeneinanderstehenden Bäumen umfasst sind. Woher stammt diese Figur ? Roger Diener: Am Anfang stand die Beobachtung, dass es südwestlich vom Klybeckplatz ein grosses Feld mit industriellen Gebäuden gibt, die bestehen bleiben sollten. Und wir waren der Ansicht, dass man sich dieses Feld auch in Zukunft als fliessenden, zusammenhängenden und vernetzten Raum vorstellen kann, also nicht neu eingeteilt in Blockrandgebiete oder ähnliche Typologien. Die freistehenden Häuser des Bestands werden daher durch freistehende Hochhäuser ergänzt. Dazwischen breitet sich ein durchgehendes Baumdach aus. Der Raum auf Fussgängerniveau ist radikal verkehrsberuhigt. Und je älter und dichter die Bäume werden, desto mehr verschwindet der Schaft der Hochhäuser hinter den Blättern.
Das Baumdach ist also eine Art Bindemittel zwischen Bestands- und Neubauten ? Thomas Kissling: Ja, das durchgehende Baumdach als charakteristisches Element der Esplanade wird die Wahrnehmung, aber auch die Nutzung des Raums entscheidend mitprägen. Der zweite wichtige Aspekt ist, dass die Öffentlichkeit, die sich heute linear entlang des Rheins bewegt, über das offene Feld der Esplanade bis tief ins Quartier hinein diffundieren kann. Wir wollen keine privatisierte Situation entlang des Rheins schaffen, sondern eine städtebaulich offene Figur. Michael Roth: Relevant ist dabei das Regelwerk, das wir parallel zum Bebauungsplan erarbeiten. Im Fall der Esplanade formuliert es auch Ziele für die Gestaltung. Sie werden weitgehend öffentlich zugängliche Nutzungen beherbergen, damit die öffentlichen Freiräume der Esplanade funktionieren können. Das ist eine Grundbedingung. Was gewinnt Basel, wenn ‹ klybeckplus › Realität wird ? Roger Diener: Mit ‹ klybeckplus › bekommt Basel ein offenes Quartier, das zwischen zwei reizvolle landschaftliche Grenzen gespannt ist. Das heisst, die alten Strukturen, die mit der Industrialisierung getrennt wurden, werden durchgängig. Das heute von der Stadt abgewandte Wiese-Ufer bildet in ‹ klybeckplus › einen wesentlichen Teil des öffentlichen Raums. Auf seiner anderen Seite wird sich das Quartier direkt zum Rhein hin öffnen, der ein essenzieller Teil der Identität der Stadt Basel ist. Durch das Quartier entsteht zwischen beiden Flussufern eine Verbindung. Ariane Widmer: Wenn ich einen historischen Vergleich wagen darf, dann ist ‹ klybeckplus› wie Amsterdam-Zuid Ende des 19. Jahrhunderts ein Geschenk an die bestehende Stadt: eine Stadterweiterung als neuer Möglichkeitsraum. Im Fall von Basel ist es ein neues Stück Stadt, das aus der alten entwachsen und vielfältig mit ihr vernetzt ist. Von diesem positiven Bild profitiert die ganze Schweiz. In der Politik ist ja bereits wieder die Rede davon, neues Bauland einzuzonen, weil die Innenverdichtung zu anspruchsvoll ist. ‹ klybeckplus › zeigt, wie man mittels guter Prozesse substanziell verdichten und dabei wertvolle Räume für die ganze Stadt schaffen kann. Insofern ist ‹ klybeckplus › ein hochinteressantes Vorzeigebeispiel für die Stadt- und Agglomerationsentwicklung in der ganzen Schweiz.
Thomas Kissling studierte Architektur und arbeitete am Lehrstuhl von Günther Vogt an der ETH Zürich. Seit 2021 ist er Gesamtbüroleiter von Vogt Landschaftsarchitekten in Zürich, Berlin und Paris.
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Michael Roth ist Architekt BSA SIA. Seit dem Jahr 2000 arbeitet er bei Diener & Diener, seit 2021 führt er das Archi tekturbüro gemeinsam mit Roger Diener als Partner und Mitinhaber.
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Das Ufer des Rhein-Nebenflusses Wiese: heute von der Stadt abgewandt, in Zukunft vernetzt mit dem Grünraum von ‹ klybeckplus ›
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Dicht, autoarm und beispielhaft grün: Der systemische Ansatz des Freiraum- und Mobilitätskonzepts ‹ klybeckplus › vermittelt zwischen Ansprüchen und Unsicherheiten.
Den Freiraum als Ganzes denken
Text: Stéphanie Hegelbach
Thomas Kissling legt den Finger auf ein leuchtend pinkfarbenes Dreieck auf der Hitzekarte des zukünftigen Stadtquartiers. Er ist Gesamtbüroleiter von Vogt Landschaftsarchitekten, die das Freiraumkonzept des Transformationsareals ‹ klybeckplus › entwickelt haben. Die bestehende Gleisharfe ist stadtklimatisch der heisseste Ort auf dem Klybeck-Areal und kühlt in warmen Sommermonaten selbst in der Nacht kaum ab. Zugleich verfügt der trockenwarme Standort über eine spezifische Artenvielfalt. « Je nach Gewichtung dieser Eigenschaften werden die Rahmenbedingungen für die weitere Entwicklung des Raums unterschiedlich festgelegt », erklärt Kissling. Was ist nun höher zu werten? Und wer entscheidet darüber ? Das Klybeck-Areal ist geprägt von solchen Komplexitäten: dicht, aber autoarm ; mit chemisch-pharmazeutischen Schadstoffen belastet, aber in Zukunft beispielhaft grün; räumlich vernetzt und in den Kontext eingebunden, aber mit lokalen Besonderheiten ausgestattet. Um einen Konsens für die vielfältigen Ansprüche zu finden, pflegten die Grundeigentümerinnen, die Fachpersonen des Kantons, unter anderem aus den Bereichen Städtebau, Mobilität und Freiraum, sowie Expert*innen und Anwohner*innen einen intensiven Dialog. « Der Diskurs fand auf Augenhöhe und über einen langen Zeitraum statt », betont Kissling. Sonst gelinge das Projekt nicht. Es galt, den Freiraum als Ganzes zu denken, als « Organismus », der vor dem Hintergrund einer präzisen räumlichen Idee und unter Berücksichtigung zahlreicher Variablen ein neues Equilibrium etabliert – immer mit dem Ziel, für alle Beteiligten einen Mehrwert zu schaffen. Inbegriff dieser Interessenüberlagerungen ist der zentrale Klybeckplatz: Hier werden sich in Zukunft die Tramlinien und der Quartierverkehr kreuzen, unzählige Fussgänger*innen und noch mehr Velofahrer*innen werden stündlich den Platz queren. Der Klybeckplatz ist ein Mobilitätshub mit öffentlichem Verkehr, Carsharing, Velostation und vielleicht, in ferner Zukunft, mit einer unterirdischen S-Bahn-Haltestelle.
Im Fall des Biotopverbunds schlagen die Beteiligten zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Trasse der neuen Tram linie 14, die das Klybeck-Areal von Ost nach West durchquert, ist zugleich die Fläche, auf der Tiere und Pflanzen von Trittsteinbiotop zu Trittsteinbiotop über den Klybeckplatz « wandern » können, um von der einen Seite auf die andere zu gelangen. Damit das funktioniert, gelten für die Tramlinie strikte Vorgaben, die gemeinsam mit dem Umweltberatungsunternehmen Oekoskop entwickelt wurden. « Eine Herausforderung, die Potenzial bietet für eine Synergie von Mobilität und Ökologie », sagt Silvan Nigg, Teamleiter Verkehrsplanung bei Basler & Hofmann. Zusammen mit seinem Kollegen, Projektleiter Elias Staudinger, hat er das Mobilitätskonzept für das KlybeckAreal entwickelt. Dabei musste er sich nicht nur mit den Planer*innen abgleichen, sondern auch die bestehenden Strukturen einbeziehen. Die kantonalen Netzpläne für den Fuss-, Velo- und Tramverkehr und die Fussgänger konzepte werden in das Stadtquartier integriert und in der Routenführung so angepasst, dass sie für die Bewohnerschaft einen möglichst grossen Nutzen bieten. Die Hauptverkehrsachsen Gärtner-, Mauer- und Klybeckstrasse bleiben vorerst auch für den Autoverkehr offen. Alle neuen Strassen im Areal sind den Velofahrer*innen und Fussgänger*innen vorbehalten, zudem partiell der Zufahrt für den Lieferverkehr und dem Anwohner*innenverkehr zu den Sammelgaragen. Das Velo als Hauptverkehrsmittel Die Sammelgaragen bilden den Schlüssel für das Ziel, den motorisierten Individualverkehr auf dem Areal zu beschränken. « Im Sinne einer angebotsorientierten Planung haben wir uns gefragt, wie viel Autoverkehr das Quartier und die umliegende Stadt vertragen », erklärt Elias Staudinger. Ausgehend davon wurde die Anzahl maximal möglicher Parkplätze respektive Fahrten für Privatfahrzeuge ermittelt. Um die Parkplätze weiter zu reduzieren, werden sie nicht bestimmten Wohngebäuden zugeordnet, sondern alle Bewohner*innen können sie nach Bedarf nutzen. Einzelne Gebäude sind gar als autofrei definiert. Attraktive Alternativen zum Privatauto sind neben der guten Fussund Veloverkehrserschliessung das ÖV- und CarsharingAngebot in den drei geplanten Mobilitätsstationen. Die Planenden wollen die neuen Bewohner*innen in erster Linie über die Qualität der Velo-, Fussverkehrs- und ÖV-Netze zur umweltfreundlichen Fortbewegung animieren. In der Vision von Jürgen Friedrichs, dem Gesamtprojektleiter des Klybeck-Areals seitens Swiss Life, ist das Velo das Hauptverkehrsmittel auf dem Areal. « Im Sinn der 10-Minuten-Stadt komme ich mit dem Fahrrad bis zur Mittleren Brücke », sagt er. Rund drei Kilometer Veloverbindungen werden innerhalb des neuen Stadtquartiers realisiert. Eine Velovorzugsroute bietet besonders für die Quartiere im Norden von Basel eine direkte, komfortable Anbindung an Innenstadt und Bahnhöfe.
Neuartige Grünräume Hohe Qualität und kurze Distanzen sind gleichermassen Thema in der Freiraumversorgung, die bei allen Bauetappen gewährleistet sein muss. Das LandschaftsarchiSynergie von Mobilität und Biodiversität tekturbüro Vogt denkt dabei in Nachbarschaften, die über Aber der Klybeckplatz ist auch Teil der Biotopver- spezifische Freiraumeigenschaften verfügen. Rund um bundachse und verknüpft die Gleisharfe an der Wiese mit die Blockrandbauten der Klybeckhöfe und der Klybeckder Rheinterrasse. Die Platzfigur ist radial organisiert und matte arbeitet es mit Vorzonen und Vorgärten, die je nach artikuliert das räumliche Zentrum des neuen Stadtteils, Nutzung und Typus der Strasse in ihrer Ausgestaltung vaan dem drei prägende Hochhäuser stehen werden. Auch riieren und die Logik der Bestandsquartiere fortschreiben. die diversen Nachbarschaften mit ihren spezifischen Die Esplanade ist in Basel ein völlig neuer Freiraumtyp mit einem dichten, durchgehenden Baumdach zwischen → Freiraumqualitäten werden an den Platz angebunden.
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Der öffentliche Park Klybeckmatte wird sich von der Wiese ins neue Stadtquartier ziehen. Visualisierung: Diener & Diener Architekten / Filippo Bolognese
→ den Hochhäusern als charakteristischem Element. Die Klybeckmatte und die Rheinterrasse schliessen sich als grössere Parks an die Wiese und den Rhein an und verweben die linearen Erholungsräume entlang beider Flüsse mit dem Stadtquartier. Lineare Verbindungen wie etwa die Klybeck-Promenade fördern die Kaltluftströme durch das Quartier und damit die Nachtauskühlung. Im Zusammenspiel mit Innenhöfen und kleineren Freiräumen ermöglicht das Vegetationskonzept einen Kronendeckungsgrad von durchschnittlich 25 Prozent. In einer kleinteiligen Planung versuchen die Landschaftsarchitekt*innen, möglichst viele Bäume und Grünflächen zu erhalten und, wo unmöglich, mittels Ersatzflächen zu kompensieren. Zusätzlich zu den etwa 280 erhaltenen Bäumen sollen auf diese Weise rund 1200 neue gepflanzt werden. Genauso stark wie die oberirdische Nutzung beeinflusst der Untergrund die Ausgestaltung der Freiräume. Einerseits ist das Areal in vielen Bereichen mit Tiefgaragen und Infrastrukturen unterbaut. «Ziel des Prozesses war es auch, die notwendigen Überdeckungstiefen möglichst flächendeckend sicherzustellen», sagt Thomas Kissling. An einzelnen Stellen auf der Esplanade sind dazu Stadtgärten mit aufgeschüttetem Substrat geplant, um für die Baumgruppen bessere Wachstumsbedingungen zu schaffen und das beabsichtigte Baumdach zu etablieren. Daneben sollen auch grosskronige Bäume möglich sein. Dazu werden die Tiefgaragen situativ durchstanzt, um voluminösere Baumgruben zu schaffen. Situationsgerechte Massnahmenbausteine Andererseits gibt es die chemisch-pharmazeutische Vorgeschichte des Areals: Arsen, Benzidin, 4-Aminobiphenyl und PFAS sind nur einige der 200 Substanzen, auf die das Areal derzeit untersucht wird. « Die Belastung ist sehr heterogen, und in jeder Situation muss ein spezifischer Umgang damit gefunden werden », sagt Jürgen Friedrichs. Insbesondere für den Umgang mit dem Regenwasser ist die Schadstoffbelastung von höchstem Interesse. Um zu klären, ob ein Wassermanagement, das auch zur lokalen Kühlung des Stadtkörpers beitragen kann, über-
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haupt umsetzbar ist, haben die Landschaftsarchitekt*innen von Vogt mit Spezialist*innen von Henning Larsen aus dem Schwammstadt-Mekka Dänemark zusammengearbeitet. Über die vertiefte Analyse dreier exemplarischer Standorte im Arealperimeter von ‹ klybeckplus › haben sie einen Katalog mit sogenannten Massnahmenbau steinen erarbeitet, die sich je nach vorgefundener Situation unterschiedlich kombinieren lassen. « Anhand dieser ‹ Tiefenbohrungen › konnten wir nachweisen, dass ein Regenwasserkonzept mit unterschiedlichen Aufgaben trotz Schadstoffbelastung umsetzbar ist », so Kissling. Es ist diese modulare Denkweise, die das Freiraumund Mobilitätskonzept von ‹ klybeckplus › auszeichnet. Im interdisziplinären Austausch haben die Beteiligten es geschafft, ein resilientes System zu entwickeln, das sich an vorhersehbare Situationen und neu auftauchende Herausforderungen anpassen lässt. Ein System, das über die Arealgrenzen hinausgeht, in alle Windrichtungen – und auch den Blick nach oben und unten nicht vergisst.
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Beteiligte Richtprojekt Auftraggeberschaft – Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt – Rhystadt AG – Swiss Life AG Leitung – Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt: – Beat Aeberhard, Kantonsbaumeister – Reto Pedrocchi, Bereichsleiter Basel Nord, Städtebau & Architektur – Kate Lemmen Mazzei, Gesamtprojektleiterin, Städtebau & Architektur – Rhystadt: – Christian Mutschler, CEO – Thomas Grossenbacher, CTO – Mettler Entwickler AG, im Auftrag von Rhystadt: Urs Imwinkelried, Immobilienentwickler – Swiss Life: – Jürgen Friedrichs, Gesamtprojektleiter Klybeck – Bricks AG, im Auftrag von Swiss Life: Philippe Druel, Direktor Niederlassung Basel; Chun-Oh Ryser, Immobilienentwickler Planung – Diener & Diener Architekten: Roger Diener, Michael Roth, Francesco Di Giuseppe, Krzysztof Juda, Viktoria Portman – Vogt Landschaftsarchitekten: Günther Vogt, Thomas Kissling, Bettina Stauder, Kimberly Fisher – Basler Hoffmann: Silvan Nigg, Elias Staudinger, Ulrike Huwer – Kontextplan: Pascal Kleb, Benjamin Stalder – GEO Partner AG: Andreas Wicki – Gruner AG: Sandra Rudolf, Christoph Sturm – Rapp AG: Zoe Fränkle, Katarzyna Stefanska, Anne-Kathrin Bodenbender – Malheur & Fortuna: Lukas Stadelmann Fachstellen – Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt: – Städtebau & Architektur, Städtebau: Marc Février, Stanislava Predojevic – Städtebau & Architektur, Kantonale Denkmalpflege: Tipje Reimann – Amt für Mobilität, Verkehrsplanung: Mirijam Fromm – Stadtgärtnerei, Grünplanung: Armin Kopf, Jan Klein, Martin Huber – Tiefbauamt: Thomas Weiss, Martin Hoffmann – Präsidialdepartement des Kantons Basel-Stadt: – Kantons- und Stadtentwicklung: Lukas Ott, Nicole Dresemann
Grün fürs Klybeck Neue und bestehende Bäume ( oben ) und Verbindungsachsen Rhein – Wiese ( unten )
Begleitgremium – Ariane Widmer, Architektin und Stadtplanerin, Kanton Genf – Ingemar Vollenweider, Jessenvollenweider Architektur – Stefan Rotzler, Landschaftsarchitekt BSLA – Rainer Klostermann, Atelier 231
Baumbestand Neupflanzungen Grünverbindungen
Dem Richtprojekt liegen diverse Machbarkeits- und Vertiefungsstudien zugrunde, erarbeitet in Kooperation mit – Christ & Gantenbein, Basel – Energy-Group.ch, Rotkreuz – GEO Partner AG, Zürich – Henning Larsen, München – Herzog & de Meuron, Basel – Lars Ruge Landschaften, Zürich – Morger Partner Architekten, Basel – Patriarche, Basel – RMB Engineering AG, Zürich – Vischer Architekten, Basel
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Grün, dicht, gewagt Das Industrieareal im Basler Quartier Klybeck wird ein zukunftsweisendes Stück Stadt: Entwickelt von den Planungspartnern Swiss Life, Rhystadt und Kanton Basel-Stadt, soll ‹ klybeckplus › Wohnraum für 8500 Menschen sowie 7500 Arbeitsplätze bieten und verwoben sein mit den grossen Frei- und Grünräumen zwischen Rhein und Wiese. Nach zehn Jahren Planungszeit und dem Abschluss des Richtprojekts zieht dieses Heft eine erste Zwischenbilanz: Es erzählt, wie sich das Projekt seit der Anfangsidee entwickelt hat, lässt die Verantwortlichen, die Planenden und Menschen aus der Quartierbevölkerung zu Wort kommen und bietet Einblicke in die Freiraumplanung und den Umgang mit dem historischen Bestand. www.klybeckplus.ch In Zusammenarbeit mit:
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