Vorwort Warum ein IngolStadtBuch? Menschen und Orte prägen eine Stadt. In diesem Buch sollen Menschen zu Wort kommen, die für Ingolstadt stehen. Und Geschichten über kulturell und kulinarisch relevante Orte, die Ingolstadt ein Gesicht geben, erzählt werden. Der Schnelllebigkeit der aktuellen Berichterstattung soll dieses Slow Paper entgegengesetzt werden. Warum Schwarzweiß? Dazu der Aufsichtsratsvorsitzende der Leica AG und passionierte Fotograf Dr. Andreas Kaufmann: „Schwarzweiß ist Struktur und Farbe ist Emotion. Ja, und dieses Schaffen der Struktur durch Schwarzweiß, das hat einen ganz eigenen Zauber, der gerade auch in Zeiten des Digitalen, wenn man es richtig hinkriegt, etwas ganz Besonderes darstellen kann.” Zitat aus „Psychologie der Fotografie: Kopf oder Bauch?“ von Sven Barnow (© dpunkt.verlag 2015) Sollte dieser Band interessierte Leser finden, dann werden weitere folgen. Hermann Käbisch
7
Joschi Haunsperger war 16 Jahre lang Pressesprecher des Klinikums. Im April 2017 wurde er plötzlich am Baggersee verhaftet. Im Buch „Endstation Baggersee“, aus dem dieses Kapitel stammt, schildert er seine Erlebnisse in der JVA Gablingen - wo auch Rupert Stadler einpassieren musste - und mit der Justiz. Es erscheint im Juli.
8
Herr Haunsperger, Sie wurden im Zuge der Klinikum-Ermittlungen verhaftet, wann und wo? Ich wurde am 21. April 2017, es war der Freitag nach Ostern, am Baggersee in Ingolstadt verhaftet. Ich stand am Parkplatz beim Fischerheim und wollte gerade die Schuhe wechseln. Ich war nämlich mit Sportschuhen rund um den Baggersee gegangen. Als ich gerade auf dem Fahrersitz saß und die Schuhe wechselte, näherte sich mit relativ hoher Geschwindigkeit ein grünes Fahrzeug und stellte sich schräg hinter mein Auto, wohl um zu verhindern, dass ich wegfahren könnte. Es stiegen dann zwei in Zivil gekleidete Herren aus dem Fahrzeug aus und der Ältere von beiden fragte mich: „Herr Haunsperger, was machen Sie hier?“ Meine Antwort lautete: „Ich bin eine Runde um den Baggersee gegangen.“. Daraufhin wiederholte er die Frage: „Nein, was machen Sie hier?“. Ich wiederhole meinerseits, dass ich rund um den Baggersee gegangen sei und dies nahezu jeden Tag so mache. Daraufhin erklärte der ältere der beiden Polizisten: „Nein, Sie haben sich mit jemanden getroffen.“ Ich erwiderte: „Ja, auf der Runde habe ich Heribert Fastenmeier, meinen früheren Chef, getroffen.“ Nun fragte er, was ich mit Heribert Fastenmeier gemacht hätte. Ich erklärte, dass wir uns unterhalten hätten. Diese Antwort passt ihm offensichtlich nicht, denn er entgegnete: „Nein, Sie haben ihm Unterlagen übergeben.“ Die Behauptung, ich hätte Heribert Fastenmeier Unterlagen übergeben, war objektiv falsch. Tatsache ist, dass ich ihm Unterlagen gezeigt habe. Übergeben habe ich ihm nichts. Herr Haunsperger, ist es richtig, dass zum damaligen Zeitpunkt gegen Heribert Fastenmeier und gegen Sie wegen Vorkommnissen im Klinikum Strafverfahren liefen? 10
16
Mehr als tägliches Brot Brot-Sommelier Thomas Hackner über Brot, Reinheitsgebot und Food-Pairing Thomas Hackner ist nicht nur geschäftsführender Gesellschafter beim Backhaus Hackner sondern auch Brot-Sommelier. Wie ein Wein-Sommelier über den „Rebensaft“ so hat er bei seiner Ausbildung viel über unser tägliches Brot gelernt. Herr Hackner, Sie sind Brot-Sommelier. Was ist das eigentlich und was machen Sie da? Brot war in der Vergangenheit etwas kostbares. Aber es hat an Bedeutung verloren, es wurde ein Alltagslebensmittel. Der Brot-Sommelier soll das Brot wieder ins Bewusstsein rücken. Brot ist etwas besonderes. Und: Brot ist nicht gleich Brot. Es gibt das Brot aus dem Supermarkt. Damit wird man satt. Aber es gibt auch Brot, das etwas mehr kostet. Bei dem man aber auch ein reines Lebensmittel hat. Das ist ein Aspekt. Der Brot17
Sommelier soll natürlich auch die Geschichte des Brotes vermitteln. Wo kommt es her, wie hat es sich entwickelt. Dazu gehört auch die Entwicklung des Getreides und dessen Kultivierung. Brot war wichtig für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. Früher waren die Menschen Nomaden, sie zogen umher, auf der Suche nach Nahrung. Vor etwa 11.000 Jahren wurden sie sesshaft. Nur so konnten sie Ackerbau betreiben, damit Getreide anbauen und daraus Nahrungsmittel, zum Beispiel Brot, herstellen. Getreideanbau ohne Sesshaftigkeit geht nicht. Diese Sesshaftigkeit führte auch zur Spezialisierung: Bevor die Menschen sesshaft wurden, hat „jeder alles gemacht“. Nachdem sich die Menschen an bestimmten Orten niedergelassen haben, begann eine Spezialisierung. Der eine baute das Getreide an, der andere ging auf die Jagd, es gab einen Müller, und dann auch einen Bäcker. Dies bedeutet: Der Wunsch, Getreide anzubauen, um daraus Brot zu backen, förderte diese Spezialisierung. Nun sind Sie Brot-Sommelier. Aber was machen Sie konkret? Also in unserem Backhaus bin ich für den Geschmack unserer Produkte zuständig. Als Brot-Sommelier organisiere ich natürlich auch Veranstaltungen zum Thema Brot. Zum Beispiel einen Abend über „Brot und Religion“ oder Vorträge zur Geschichte des Brotes. Wir werden auch mit einer Schule einen Projekttag zum Thema Brot veranstalten. Damit möchte ich das Thema auch jungen Menschen näher bringen. Wie wird man Brot-Sommelier? Seit wann sind Sie Brot-Sommelier? Ich habe im Jahre 2016 einen Kurs besucht, der von Februar bis November dauerte, jeden Monat eine Woche. Während des Kurses musste zum Thema Brot eine Projekt-Arbeit geschrieben werden – mindestens 60 Seiten. Am Schluss stand eine Prüfung. Bei der wurden die 18
Welches Brot zu Käse und Wein? Auch damit befasst sich ein Brot-Sommelier. Es passt vieles zusammen, aber nicht sauer zu sauer; zu einem Riesling mit deutlicher Säure sollte man kein Brot aus einem Sauerteig reichen. Foto: oh
19
Männerfreundschaft: Wolfgang Erhard, Peter Kammerer und Klaus Mittermaier (von li.) sind seit Jahren freundschaftlich verbunden. Von Wolfgang Erhard kam bei der Feier auch das allseits gelobte Eis. Das hat er ja auch schon für Schuhbeck produziert. Foto: Jürgen Schuhmann
26
Geburtstag nach dem Tumor Klaus Mittermaier: Rückblick auf 50 Jahre und ein Trauma Wer dabei war, der wird sich lange daran erinnern: an die Geburtstagsfeier von Klaus Mittermaier. Der SPD-Stadtrat und Geschäftsführer des Gesamtbetriebsrats der Audi AG ließ es anlässlich seines 50. Geburtstags „richtig krachen“. Doch es war nicht allein der runde Geburtstag, der ihn zu diesem Fest animierte. Nach der Beseitigung eines lebensbedrohlichen Tumors feierte Mittermaier zugleich eine Art „Wiedergeburt“. „Ich hatte viel Glück in meinem Leben“, stellt er bei einem Rückblick auf fünf Jahrzehnte fest. Der freundliche Junge Klaus Mittermaier wurde vor 50 Jahren in Ingolstadt geboren, ist also ein echter Schanzer. Die ersten 15 Jahre seines Lebens verbrachte er in Ringsee. Sein Vater war ein Audianer durch und durch, die Mutter arbeitete im Modehaus Wagner. Er ist nach eigenem Bekunden ein „verwöhntes 27
Einzelkind“. Die Prägung im Elternhaus umfasste unter anderem: Nachbarn sind zu grüßen, überhaupt muss man immer freundlich sein. Das waren Eigenschaften, die insbesondere dem Vater sehr wichtig waren. Den Eltern war auch wichtig, dass Klaus Mittermeier am Vereinsleben teilnahm. Bereits mit fünf Jahren wurde er Mitglied im Trachtenverein in Ringsee. Er ist bis heute noch dabei. Die dörfliche Struktur, die es damals in Ringsee noch gab, hat ihm nach eigenem Bekunden sehr gut getan. Er konnte auf der Straße mit anderen Kindern Fußball spielen und man kannte sich. Die Familie wohnte direkt neben der Schule. Als Schüler war Klaus Mittermaier – so seine Aussage – sehr brav. Ämter wie das eines Klassensprechers strebte er nicht an. Aber: er organisierte schon damals gern. Bereits im Alter von zehn Jahren war er damit befasst, Reisen nach Wien oder in Freizeitparks zu organisieren. Natürlich unter der Anleitung des Lehrers. Er hatte als Jugendlicher zwei Wunschberufe: Koch oder Gärtner. Schon in jungen Jahren kochte er gern, seine Spaghetti Bolognese waren beliebt. „So schlecht können die nicht gewesen sein. Es leben noch alle“, kommentiert er seine Kochkünste heute. Ab der vierten Grundschulklasse hatte er bereits ein Mini-Gewächshaus von Dehner und baute dort Tomaten, Peperoni und anderes Gemüse an und versorgte damit die Nachbarschaft. „Verlangt habe ich nichts, aber die haben mir was gegeben“, erläutert er verschmitzt sein damaliges Geschäftsmodell. Als Gewerkschaftler „Blut geleckt“ Das gute Verhältnis zu seinem Vater erfuhr eine leichte Belastung durch eine schwierige Entscheidung: Der Vater wollte unbedingt, dass der Junge bei Audi eine Lehre macht. Das war natürlich mit den eigenen Berufsvorstellungen schwer unter einen Hut zu bringen. Klaus Mittermaier ironisch: „Ich wurde nicht unbedingt antiautoritär erzogen, so das es 28
Erkennbar gute Beziehungen: Klaus Mittermaiers Vater Alois und sein Sohn verstanden sich immer gut. Vielleicht hat der Junior deshalb den väterlichen Wunsch erfßllt und auch bei Audi eine Lehre absolviert, statt Koch oder Gärtner zu werden. Foto: oh
29
Vor der Hauptprobe im Turm Bauer: Ingrid Cannonier und Sascha Römisch. Beide sind privat ein Paar und spielen in Friedrich Dürrenmatts Stück „Besuch der alten Dame“ ein Ex-Liebespaar, bei dem die Frau den Tod ihres früheren Liebhabers fordert.
42
Sie will seinen Tod Ingrid Cannonier und Sascha Römisch in „Der Besuch der alten Dame“ Mit einem Sarg kommt Claire Zachanassian in der bankrotten Stadt Güllen an. Die reichste Frau der Welt verspricht einen reichen Geldsegen für Stadt und Bewohner, sobald ihr früherer Geliebter Alfred Ill darin liegt. Dieser hatte sie als 17-Jährige geschwängert, die Vaterschaft abgestritten und aus der Stadt gemobbt. Nun fordert sie von den Bewohnern den Tod des einstigen Geliebten, für den sie auf Capri bereits ein Mausoleum errichtet hat. Das ist in knappen Worten der Inhalt von Friedrich Dürrenmatts tragischer Komödie „Der Besuch der alten Dame“. Claire Zachanassian wird in der Freilichtaufführung des Stadttheaters Ingolstadt von Ingrid Cannonier gespielt. Den Mann, nach dessen Leben sie trachtet, verkörpert pikanterweise ihr Lebenspartner Sascha Römisch.
43
50
Alles Huhn oder was? Die Malerin Elisabeth-Anna Jung liebt das Federvieh Hut und Huhn sind ihre Markenzeichen. Das Federvieh stellt sie mit Engeln auf eine Stufe: die Malerin Elisabeth-Anna Jung. Ihr Atelier in Gerolfing, in dem sich die Hennen tummeln - allerdings nur auf der Leinwand - verlässt sie aber gern, um sich der Jugend zu widmen. Sie ist Gründungsmitglied der Aktion Künstler an die Schulen. Bei den Schülern verzichtet sie auf ihr Lieblingstier und widmet sich dem Thema „Menschen in Bewegung“. Frau Jung, in Ihrer Malerei spielen Hühner eine große Rolle. Warum? Die Liebe zum Tier ist meine Leidenschaft. Ich würde auch einem Tier nichts zuleide tun. Wenn man ohne Scheuklappen das Tun der Menschen betrachtet, so stellt man fest, dass den Tieren sehr viel Leid angetan wird. Ich hatte schon als Kind sehr früh Kontakt mit Hühnern und habe dabei 51
58
„Ingolstadt war mein Sprungbrett“ Karsten Wettberg im Interview Von Joschi Haunsperger Als er die Straße in Geisenfeld entlang kam, habe ich ihn natürlich sofort erkannt. Er hat sich gar nicht verändert, seit er seine größten Erfolge feierte. Als er das Café betrat, in dem wir uns zum Interview verabredet hatten, hatte er sein verschmitztes Lächeln drauf, wie in alten Tagen. Dabei hat Karsten Wettberg, der ehemalige „König von Giesing“, längst ein Alter erreicht, in dem viele andere schon lange im Ruhestand sind. Nicht der sympathische Niederbayer. Der kommt gerade von seinem möglichen neuen Arbeitgeber. Aber dazu später mehr. Er, der früher die Titel sammelte, wie andere Briefmarken, war schon wieder halb auf dem Sprung zum nächsten Termin. Trotzdem nahm er sich die Stunde für das Interview Zeit. Herausgekommen sind viele Anekdoten aus alten Zeiten.
59
Bleibt kulinarischen Genüssen treu: Josef Jauernig betreibt in Kösching einen Weinhandel und veranstaltet regelmäßig in Ingolstadt Weinproben, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Foto: oh
70
Was macht eigentlich Josef Jauernig? Er war der kulinarische Geist der Neuen Welt. Während sich Partner Walter Haber vorwiegend um das Programm der Kleinkunstbühne kümmerte, war Josef Jauernig für die Gastronomie verantwortlich. Legendär sein Chili con Carne und die Gulaschsuppe. Auch die Auswahl der Weine kam bei den Gästen gut an. Nach mehr als 30-jähriger Zusammenarbeit mit Haber gaben beide Ende Juli 2016 die Neue Welt auf. Bereits im Jahre 2013 hatte Jauernig in Kösching, wo er wohnt, mit einem Weinhandel begonnen. Dem gilt jetzt das ganze Interesse des inzwischen 65-Jährigen. Er führt Weine aus vielen Ländern, hegt aber eine Vorliebe für italienische Rot- und deutsche Weißweine. Die präsentiert er in regelmäßigen Abständen bei Weinproben - oft im Brezl‘s am Paradeplatz in Ingolstadt. In der Regel gibt es 10 Weine zum Probieren und dazu ein mediterranes Büffet, das sich inzwischen so großer Beliebtheit erfreut wie sein Chili con Carne. Die Zahl der Teilnehmer ist begrenzt; der Unkostenbeitrag für Weine und Speisen beträgt zumeist 35 Euro - ein guter Preis für vier Stunden südländisches Urlaubsfeeling. 71
Das Nord-Ost-Eck des Westparks ist ein Parkdeck und grenzt unmittelbar an das Gelände der Landesgartenschau. Im Vordergrund befindet sich der kßnftige See.
72
Zwischen Westpark und GVZ Die Gestalter der Landesgartenschau 2020 sind gefordert Diese Frau ist ein Glücksfall für Ingolstadt: Eva Linder, die Geschäftsführerin Landesgartenschau Ingolstadt 2020 GmbH. Die studierte Gartenbauarchitektin-Ingenieurin wohnt nicht nur seit 30 Jahren in Ingolstadt, was sie natürlich besonders motiviert und prädestiniert, wenn es um die Gestaltung der Gartenschau 2020 geht, sie ist auch ein Routinier. Schon 1983 wirkte sie an der Gestaltung der Internationalen Gartenbauausstellung in München mit. Seit 1984 ist sie für die Bayerische Landesgartenschau GmbH tätig. Und die zeichnet für alle Landesgartenschauen in Bayern verantwortlich. So wirkte Eva Linder seit den achtziger Jahren bei der Gestaltung vieler Landesgartenschauen in Bayern mit; nur in den Jahren, in denen sie bei der Erziehung der Kinder gefordert war, hat sie ausgesetzt. Auch bei der Landesgartenschau 2017 Pfaffenhofen war sie Geschäftsführerin. In Ingolstadt leitet sie jetzt zusammen mit Thomas Hehl die für die Planung und Durchführung verantwortliche Gesell73
104
Warum Ingolstadt? Michael Klarner, Beatrix Schönewald und Theodor Straub über Mary Shelleys Frankenstein-Roman Zur Klarstellung: Viktor Frankenstein, der Schöpfer der so genannten „Kreatur“ – zumeist fälschlich als „Monster“ bezeichnet – und diese selbst sind frei erfunden. Es sind Geschöpfe aus Mary Shelleys Roman „Frankenstein oder der moderne Prometheus“. Dieses Werk, das erstmals im Jahre 1818, also vor 200 Jahren, erschien, handelt von der Schaffung eines künstlichen Menschen, eben der „Kreatur“. Und das Ganze soll sich in Ingolstadt abgespielt haben. Wie es dazu kam, dass Mary Shelley diesen Roman schrieb und warum er in weiten Teilen in Ingolstadt spielt, das hat Michael Klarner in seinem Buch „Spuren eines Phantoms – Frankenstein in Ingolstadt“(ISBN 978-3-9810765-9-2) dargelegt.
105
Um die Mittagszeit brach am 26. 6.1918 im Konvikt ein Brand aus. Die Ursachen sind bis heute ungeklärt. Wie auf dem Bild zu sehen ist, gab es schon damals „Gaffer“, die zuschauen wollen - aber noch keine Handyfilmer. Foto: Hans Fegert
114
Der rote Hahn Geschichte der Ingolstädter Feuerwehr Von Silke Federsel Rauch quillt aus den Fenstern im Obergeschoss, Hilfeschreie dringen auf die Straße, auf der verzweifelte Passanten mitansehen müssen, wie ein ganzes Haus droht, Raub der Flammen zu werden. Dass in einem solchen Fall binnen weniger Minuten die Feuerwehrleute vor Ort sind und alles geben, um Bewohner und Gebäude zu retten, war Jahrhunderte lang keine Selbstverständlichkeit. Die Angst vor dem Feuer ist zwar eine Urangst des Menschen, doch brauchte es lange Zeit, bis sich das Feuerlöschwesen richtig organisierte. In Ingolstadt war das im Jahr 1863 der Fall, als die Freiwillige Feuerwehr gegründet wurde, die mehr als hundert Jahre dann allein für das Retten, Löschen und Bergen in der Stadt zuständig war. Denn die Berufsfeuerwehr ist eine noch recht junge Institution – sie feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen.
115
Vor der Gründung der Ingolstädter Feuerwehr gab es freilich schon Maßnahmen gegen Brandgefahren. Die ersten von ihnen lassen sich sogar bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Um der Gefahr Herr zu werden, standen etwa Feuerkessel an öffentlichen Plätzen, öffentliche Brunnen sorgten für Wasser zum Löschen und Türmer wachten über die Stadt. Feuerordnungen, in denen mehr oder weniger detailliert die Aufgaben zur Verhütung und zur Bekämpfung von Bränden niedergeschrieben waren, gab es ebenfalls und auch Trupps zum Löschen kamen zusammen. Im 19. Jahrhundert wurden in ganz Deutschland Feuerwehren gegründet und auch in Ingolstadt zog man mit. Mitglieder des 1861 gegründeten Turnvereins stellten ihre Dienste als Löschtrupp zur Verfügung und übernahmen die Bedienung der von der Stadt erworbenen und für damalige Verhältnisse hochmodernen Metzschen Abprotzspritze (Löschspritze). Unter dem Namen „Freiwillige Feuerwehr“ gründeten sie schließlich am 17. März 1863 einen selbständigen Verein. Von nun an übernahmen Turnverein und Freiwillige Feuerwehr gemeinsam die Brandbekämpfung. 170 Männer gehörten damals dem Verein an, die erste Hauptübung fand am 9. Oktober vor dem Schrannengebäude mit der Metzschen Abprotzspritze statt, Schlauchwagen und Steigerwagen begeisterte die Bevölkerung. Das Feuerwehrhaus war damals die Hohe Schule. Als die Mannschaft (mittlerweile waren beide Vereine schon wieder selbständig) immer größer wurde und immer mehr Geräte hinzukamen, zog man schließlich aus Platzgründen 1888 in das heutige Alte Rathaus und den Pfarrstadel der Unteren Pfarr (Moritzkirche). 1922 erfolgte der Umzug in die Kurfürstliche Reitschule in der Hallstraße
116
Die Freiwillige Feuerwehr im Jahre 1891. I. Zug, I. Rotte Foto: oh
Bei der Feuerwehr wusste man auch zu feiern: Beim Faschingsball, der in den 50er Jahren stattfand, war auch Rudolf Vierheilig dabei (vierter von links) Foto: oh
117
122
Sportbar oder Almhütte Szene-Gastronom Sandro Montuori hat ein neues Lokal eröffnet: Nero Mit 16 Jahren kam Sandro Montuori nach Deutschland. Das war im Jahre 1993. Fortan arbeitete er als Koch und im Service in der Pizzeria Michelangelo in Ingolstadt – einem italienischen Ristorante mit exzellentem Ruf. Fremdeln musste der junge Italiener nicht, denn Claudio Tomei, der Chef des Michelangelo, war ein Bekannter aus seiner italienischen Heimat. Er stammt aus dem gleichen Ort wie Sandro – aus Palinuro im Cilento. Der Ort liegt direkt an der Küste des Tyrrhenischen Meeres, etwa 120 km südlich von Neapel. Im Dezember 2007 wagte Sandro – im besten Einvernehmen mit Claudio Tomei – den Sprung in die Selbständigkeit und eröffnete das legendäre Corso Italia. Sein Lokal in der Theresienstraße war von Anfang an eine Erfolgsgeschichte, denn Sandro ist ein Menschenfänger. Mit italienischem Schmäh umgarnt er besonders die Frauen. “Heute ist wieder die 123
128
Eisbar mit Münsterblick Das Stella d‘Oro hat jetzt eine „Filiale“ Wer in Ingolstadt wirklich gut essen gehen will, der kommt am Ristorante Stella d‘Oro nicht vorbei. In den einschlägigen Bewertungsportalen, beispielsweise Tripadvisor, wird es als das Ingolstädter Spitzenrestaurant geführt. Von mehr als 200 Bewertungen im Tripadvisor urteilten etwa 85 Prozent der Tester mit „ausgezeichnet“ oder „sehr gut“. Nunmehr hat der von vielen als „Edelitaliener“ bezeichnete Gastronomiebetrieb in der Kreuzstraße im Anwesen Nummer 3, gleich neben dem altehrwürdigen Münster, eine „Filiale“ eröffnet: Stella d‘Oro Eisbar. Wirtschaftlich steht auch hier die Familie Proetto dahinter. Die kleine Eisbar ist schick und das haben wohl viele anspruchsvolle Stammgäste des Stella d‘Oro schon bemerkt. So finden sich in den sozialen Medien begeisterte Kommentare, unter anderem von der Inhaberin eines stadtbekannten edlen Bekleidungsgeschäftes. Und Prominente wie 129
Dr. Ernst Aichner, der Vorsitzende des Vereins Freunde des Bayerischen Armeemuseums und langjährige Direktor des Museums mit dem Militär-Max-Joseph-Orden, der zum Zankapfel zwischen Freundeskreis und Museumsdirektor Ansgar Reiß wurde.
92
50 Jahre Freundschaft? Zwischen dem Verein Freunde des Bayerischen Armeemuseums und dem Museum gibt es auch mal Zwist Im Juni 2018 feierte der Verein Freunde des Bayerischen Armeemuseums seinen 50. Geburtstag. An der Spitze des Vereins steht seit 2016 Dr. Ernst Aichner, der frühere Direktor des Bayerischen Armeemuseums. Im Interview erläutert er die Geschichte des Freundeskreises, dessen Zielsetzung und warum das Verhältnis zum Direktor des Bayerischen Armeemuseums, Ansgar Reiß, aus Sicht des Vereins zur Zeit schwierig ist. Herr Dr. Aichner, wie kam es zur Gründung des Freundeskreises? Der Verein wurde 1967 gegründet. Damals befand sich das Bayerische Armeemuseum „als Gast“ im Gebäude des Bayerischen Nationalmuseums in der Prinzregentenstraße in München. Das alte Armeemuseum war ja im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Nach dem Wiederaufbau findet sich jetzt die Bayerische Staatskanzlei auf diesem Areal.
93