Taekwondo 20 Magazin für olympisches Taekwondo in Deutschland
FINALS 2021
Zwei Eisen im Feuer Kimia und Alex bei Olympia Iris Hitzemann Grande Dame der Poomsae-Szene
Ausgabe 08 - Juli 2021
Foto: Taekwondo Europe
Taekwondo auf der großen Sportbühne
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Liebe Freunde des Taekwondo, liebe Sportlerinnen und Sportler! Olympia steht vor der Tür. Doch im Gegensatz zu früheren Olympischen Spielen will so recht keine Euphorie aufkommen. Von Seiten der Veranstalter und des IOC wurde sicherlich alles Menschenmögliche getan, damit die bereits um ein Jahr verschobenen Spielen im würdigen Rahmen stattfinden können. Doch die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Verbote, Gebote und sonstigen Maßnahmen erschweren die Vorbereitungen und die Durchführung erheblich. So werden unsere beiden Taekwondo-Teilnehmer Kimia Alizadeh und Alex Bachmann lediglich von ihrem Trainer und mir nach Tokio begleitet. So wie es aussieht werden wohl auch keine oder nur sehr wenige Zuschauer die Wettkämpfe direkt verfolgen können. Alle wichtigen Informationen zu den Olympischen Spielen in Tokio und wann unsere Teilnehmer dort kämpfen, finden Sie ab Seite 18. Im Interview mit Alex Bachmann (Seite 20) und Kimia Alizadeh (Seite 24) geben uns die beiden Olympiateilnehmer einen kleinen Einblick in ihre Gedanken und ihr Seelenleben. Mit den FINALS 2021 am 4. Juni in Dortmund kam Taekwondo nach langer Zeit wieder auf die große Bühne. Die ARD berichtete fast eine halbe Stunde live aus der Helmut-Körnig-Halle und zeigte unter anderem den Finalkampf von Alex Bachmann gegen Marc Lenkewitz. Die Veranstaltung selbst war ein willkommenes Kräftemessen unserer Athletinnen und Athleten auf hohem Niveau in allen olympischen Gewichtsklassen. Ab Seite 4 gibt es einen reichlich bebilderten Nachbericht mit vielen Impressionen von diesem tollen Wettkampftag. Hado Yun, langjähriger Weggefährte von Iris Hitzemann, der Grand Dame der Poomsae-Szene, hat die Formenwett kämpferin der ersten Stunde zum Gespräch gebeten. Was uns Iris Hitzemann darin zu erzählen hat, erfahren Sie ab Seite 28. Roger Kesternich, der Techniker und Anya Kisskalt, Kämpferin im olympischen Taekwondo haben sich gegenseitig interviewt, ganz nach dem Motto: „Was ich schon immer mal von Dir wissen wollte“. Diese interessante Gegenüberstellung gibt es ab Seite 32. Roger Kesternich geht auf die Herausforderungen beim Yop Chagi ein und erklärt, wie man mit dem richtigen Training dahin kommt (ab Seite 36). Weitere Berichte aus dem Jugend- und Poomsae-Bereich, sowie begleitende Trainingsmaßnahmen ergänzen diese achte Ausgabe des DTU 20-Magazins. Jetzt heißt es, Daumen drücken für Kimia und Alex in Tokio und Dir/Euch allen eine erholsame und schöne Sommerzeit. Herzliche Grüße Helena Stanek
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Inhalt ■
4 Taekwondo auf großer Sportbühne
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6 Finals 2021 – Impressionen und
Danksagung ■
14 Olympia – Weltereignis, bei dem alle
gleich sind ■
18 Vorbericht Olympia
■ 20 Hoffnungen ruhen auf Alexander
Bachmann ■ 24 IOC-Flüchtlingsteam mit Kimia
Alizadeh ■ 26 Videoanalyse im Trainingsplan ■ 28 Grande Dame der Poomsae-Szeme ■ 30 Gegner einen Kick voraus ■ 32 Gegenüberstellung: Anja und Roger ■ 34 Bundeskader Technik-Para ■ 35 Jugendarbeit der Taekwondo Jugend
Berlin ■ 36 Hoch Hinaus: Yop Chagi ■ 39 Poomsae Online Challenge
Impressum Herausgeber: Deutsche Taekwondo Union e. V. Georg Brauchle-Ring 93 80992 München Telefon: 089 15 00 21 31 Verantwortlich für den Inhalt: Helena Stanek Mitarbeiter an dieser Ausgabe: Hermann-J.Hoffe (hh), Raffaella Delli Santi, Paul Knauthe, Daniela Koller, Klaus Haggenmüller, Aylin Semrau Fotos: DTU-Archiv, BeLa Sportfotografie, Werner Thorenz, DC-Fotografie, Norbert Schmidt, Adele Marschner Redaktionsleitung: Helena Stanek (Fromm) – E-Mail: stanek@dtu-mail.de – Mobil: +49 174 6853194 www.dtu.de www.facebook.com/DeutscheTaekwondoUnion instagram.com/ger_taekwondo/
DTU-Magazin Taekwondo 20 - Ausgabe 8 07/2021 -
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TAEKWONDO KEHRT NATIONAL AUF DIE GROSSE SPORTBÜHNE ZURÜCK von Helena Stanek Der deutsche Sport ist nach der langen coronabedingten Zwangspause erfolgreich auf die große Bühne zurückgekehrt. Beim Multi-Sportevent „DIE FINALS 2021 Berlin | Rhein-Ruhr“ zeigten Athletinnen und Athleten aus 18 Sportarten vor einem Millionen-Fernsehpublikum und teilweise erstmals wieder vor Zuschauern und Zuschauerinnen in den Sportstätten Top-Leistungen und noch mehr Emotionen. 140 Deutsche Meistertitel wurden an den vier Wettkampftagen vergeben. Zum ersten Mal nutzte auch die Deutsche Taekwondo Union dieses Event, um die Deutsche Meisterschaft in den acht olympischen Gewichtsklassen auszutragen. Dortmund – 4. Juni 2021. Es ist ein erster heißer Sommertag in Deutschland. In Dortmund treffen pünktlich die dreißig eingeladenen Sportler und Sportlerinnen mit ihren Trainern in der Helmut-Körnig Halle ein. Zwei Teilnehmer mussten kurz vor dem Event verletzungsbedingt absagen. Doch jeder der Angereisten kam hochmotiviert und voller Vorfreude, endlich wieder auf der Wettkampffläche stehen zu können. Das Orga-Team ist an diesem Tag schon lange vorher auf den Beinen, um die letzten Vorbereitungen für die große Show abzuschließen. Eine große Show im Taekwondo erlebte man bisher in Deutschland nur selten. Doch dank der Live-Übertragung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen war die Motivation bei dem elfköpfigen OrgaTeam hoch, hier eine professionelle und perfekte Vorstellung unserer Sportart abzuliefern. Ich erwähne hier die Zahl Elf, da man im Vergleich zu anderen Sportarten (z.
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B. Karate und Tischtennis mit mehr als dreißig Helfern) mit wenig Personal ein richtiges Mammut-Programm stemmen musste. Denn nicht nur die LED-Wand/LEDBanden-Bespielung und die TV-Live-Übertragung während eines Taekwondo-Wettkampfes waren für die meisten freiwilligen Helfer im Orga-Team absolutes Neuland, „nebenbei“ kursierte ja auch noch eine Pandemie. Ein umfangreiches Hygienekonzept musste zuvor erarbeitet und vom Gesundheitsamt abgenommen werden. Dies war nur eine große Hürde, die Sportreferent Timo Weiss in den letzten Wochen in der Turniervorbereitung meistern musste. „Es ist unser erstes Turnier, das wir während der Pandemie organisiert haben. Natürlich mussten strenge Hygieneauflagen und Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. Wir haben uns aber sehr gefreut, dass wir nach so langer Zeit wieder etwas ausrichten können“, erzählt er. „Eine große Herausforderung war die enge und detaillierte Abstimmung mit den beiden anderen Sportarten (Karate und Tischtennis), der Fernsehproduktion, den Betreibern der Helmut-Körnig-Halle und beauftragten Dienstleistern. Das hat aus meiner Sicht sehr gut geklappt, war aber natürlich sehr arbeitsintensiv.“
Show im Taekwondo
Dank der beispielhaften Unterstützung der Hamburger Sportfreunde und dem Bundeskampfrichterreferent Abdullah Ünlübay und seinem Team konnten wir im Rahmen unserer Möglichkeiten für die Sportlerinnen und Sportler ein Set-Up schaffen, das ein wenig Olympiafeeling
freikitzeln sollte. Es gab einen Einlauf der Athleten mit Nebeleffekten. Parallel dazu wurde farblich auf die Westenfarbe abgestimmt eine Einspielung mit dem Namen, Alter, Gewicht und größtem Erfolg der Kämpfer und Kämpferinnen auf den LED-Banden und auf der LEDWand eingespielt. Videoclip-Einspielungen während der Rundenpausen sollten die Schönheit unserer Sportart zeigen. Eingeübte Laufwege der Kampfrichter sorgten ebenso für ein professionelles Bild. Der pünktliche Start aller Kämpfe nach einem festgelegten Zeitplan gab dem ganzen Turnier einen geordneten und planbaren Ablauf. Das Orga-Team hatte beschlossen, dass jede Kampfpaarung zu einer festen Uhrzeit startet; in unserer Sportart eine ungewohnte Ordnung, die man sonst fast nur von den Olympischen Spielen kennt. Sieht man es doch oft, dass Kämpfer und Trainer ungeduldig in der Aufwärmhalle stehen und nicht genau wissen, wann denn nun der Kampf los geht. Hier bei den FINALS war jeder Kampf genau eingeplant, sodass auch das Fernsehteam sich zu 100 Prozent auf uns verlassen konnte. Dustin Wagner (Redaktion ARD): „Wir waren sehr happy mit der Art und Weise, wie es gelaufen ist. Die DTU hat uns das Arbeiten wirklich leicht gemacht, alles war sehr angenehm. Diese Form der Kooperation ist wirklich selten und nicht zuletzt deshalb umso schöner.“
Hitze spüren
Nicht nur außerhalb der Wettkampffläche war die Hitze an diesem Tag zu spüren. Auch auf der Fläche lieferten sich in einigen Gewichtsklassen die Sportlerinnen und Sportler hitzige Kämpfe. Das Damen-Finale in der Gewichtsklasse unter 49 kg zwischen der Sportsoldatin Ela Aydin und Süheda Nur Celik war an Spannung kaum zu überbieten. War es zunächst die Gladbeckerin Celik, die den Kampf in die Hand nahm und in Führung ging. Nach weiteren packenden und ausgeglichenen Runden, holte Süheda Celik in der letzten Sekunde der dritten Runde den entscheidenden Punkt für die Verlängerung (4. Runde). In der Verlängerung war es letztlich die Bronze medaillen gewinnerin der vergangenen Europa meisterschaft, Ela Aydin, die einen schönen Kopftreffer landete und den Kampf für sich entschied. „Diesmal ging es in die vierte Runde und ich bin froh, dass ich den Treffer setzen konnte und heute meinen zehnten Deutschen Meistertitel in den Händen halten darf“, sagte Ela Aydin nach dem gewonnenen Finale. Gezeigt wurde dieser Kampf live in der ARD. Beide Sportlerinnen präsentierten in den wenigen Minuten unsere Sportart von ihrer besten Seite. Auch wenn Ela Aydin im Interview sagte, dass der Kampf sehr taktisch geprägt gewesen sei, waren viele spannende Aktionen im Kampf zu sehen. Wenn dann auch noch in der letzten Sekunde der entscheidende Treffer für eine Verlängerung
fällt, kann man dies einfach als tolle Werbung für unsere Sportart sehen.
Taekwondo live
Insgesamt muss man sagen, dass die Athleten und Athletinnen in Dortmund viele spannende, actionreiche und hochinteressante Kämpfe auf die Matte gezaubert haben. Sicher gibt es auf der Wettkampffläche immer Gewinner und Verlierer. So ist der Sport. Doch der Erfolg für alle, das an diesem Tag zählte, war die Rückkehr auf die nationale Wettkampfbühne. So sah es auch der leitende Bundestrainer, Georg Streif, der alle Kämpfe aufmerksam beobachtete. „Der sportliche Vergleich war für die anwesenden Trainer in den olympischen Klassen sehr wichtig. Mit hoher Motivation haben die Teilnehmer dieses Event angenommen. Die Freude, national wieder kämpfen zu können, war bei jedem zu spüren. Es gab viele neue Reize für die Athleten und Athletinnen, die nun für das weitere Training wichtig sind. Diese positive Stimmung und die hohe Medienpräsenz hat dieses Event zu etwas Besonderem gemacht.“ Es war sicherlich nicht alles perfekt, teilweise auch dem geschuldet, dass wir von der DTU ein wenig Neuland in diesem großen Rahmen betreten haben. Aber die positiven Rückmeldungen von Sportlern und Trainern, und auch die mehrfach erwähnte Zufriedenheit der Fernsehproduzenten zeigt, dass doch auch Einiges richtig gelaufen ist. Für mich ist es immer ein ganz besonderes Lob, wenn Personen, die Taekwondo zuvor noch nie gesehen haben, sagen, wie attraktiv, spannend und interessant unsere Sportart ist. Mein Appell an dieser Stelle an die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender: Zeigt doch bitte, ähnlich wie im Winter, auch im Sommer regelmäßig die breite Vielfalt des Sportes. Es bündelt enorme Kräfte bei allen Beteiligten, wenn man das öffentliche Auge mit Fernsehübertragungen an solch einem Event teilhaben lässt. Für mich war dieses Event ein absolutes Highlight in der DTU. Nicht nur, dass ich mein Kommentatorinnen-Debüt feiern konnte, auch zu sehen, wie viel Arbeit tatsächlich hinter solch einem Event steckt, an dem ich viele Jahre einfach „nur“ als Kämpferin teilgenommen habe, das war sehr spannend und interessant. Die Motivation, solche Events häufiger auszutragen, ist enorm gestiegen. Mal sehen, ob und wie es in diesem Bereich weitergeht. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich bei den Hamburger Sportfreunden für die effektive und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Bedanken möchten wir uns auch ganz herzlich bei Abdullah Ünlübay und seinem Kampfrichterteam, die sich auch unter CoronaBedingungen wieder in einer vorbildlichen Form präsentiert haben. An das medizinische Personal mit unserem Verbandsarzt Reza Rahimi richten wir ebenso unseren Dank! DTU-Magazin Taekwondo 20 - Ausgabe 8 07/2021 -
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WIR BEDANKEN UNS HERZLICH FÜR DIE VERTRAUENSVOLLE UND UNKOMPLIZIERTE ZUSAMMENARBEIT WÄHREND DER FINALS ...
... bei unserem Kampfrichterteam: Name Abdullah Ünlübay Paul Heinrich Asis Mousa Helge Fitz Frank Barz Nebras Kazkaz Karin Wittkamp Martin Poller Emil Gümüsdagli Frauenfelder Daniel Sergej Nitsche Daryoush Hassanzadeh Uwe Neumann Remzi Ünlübay Zekiye Ünlübay Nildem Tuncat Anne-Kathrin Minx Palina Glebova Sara Telatar Martin Rees Erol Saldirdak
Lizenz IR IR IR IR IR BKR BKR BKR BKR IR BKR IR IR Helfer Helferin BKR BKR Anwärter BKR BKR BKR
Verein Ünlübay TKD e.V. ETSV Fortuna Glückstadt SV Bad Düben TKD TV Salmünster Taekwondo - Gem. Wörth/Isar - Essenbach e.V. DJK RSC Essen e.V. TG Neuss Taekwondo Scorpions Berlin e.V. Turngemeinde Neuss von 1848 e.V. Taekwondo TSV Wolnzach e.V. TV Lokstedt Hamburg Taekwondo Uni Darmstadt e. V. TSV Eintracht Karlsfeld
Landesverband TVSH TUS HTU BTU NWTU NWTU TVBB NWTU BTU TUH HTU BTU
LT Sports e.V. Taekwondo Hochschulsport Rostock e.V. TANGUN Hamburg e.V. Sportschule WuChi e.V. Sportschule WuChi e.V. LT Sports
TUNRW TUMV TUH TUBW TUBW TUNRW
... bei den Hamburger Sportfreunden:
Sven Hartmann, Tom Hartmann, Michel Mialki, Stephan Oldenbürger, Andre Neumann, Amelie Brüning, Adele Marschner ... bei unserem Verbandsarzt, Dr. Reza Rahimi, unserem Antidopingbeauftragtem Thomas Stroscher und unserer Hygienebeauftragten Heike Braun.
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SIEGER UND PLATZIERTE BEI DEN FINALS
Männer -58 kg • GOLD: Cemal Can Malkoc • SILBER: Emircan Onus BRONZE: Antonios Andreopoulos • BRONZE: Dalibor Topic
Frauen -49 kg • GOLD: Ela Aydin • SILBER: Süheda Celik BRONZE: Adiba Asimi • BRONZE: Lea Anais Karmely
Männer -68 kg • GOLD: Iordanis Konstantinidis • SILBER: Imran Zkaya BRONZE: Rene Ackermann • BRONZE: Ranye Drebes
Frauen -57 kg • GOLD: Laura Goebel • SILBER: Vanessa Beckstein BRONZE: Julia Ronken • BRONZE: Madeline Folgmann
Männer -80 kg • GOLD: Yassine Ali Trabelsi • SILBER: Eduard Drewlau BRONZE: Adnan Hamza Kerim • BRONZE: Philipp Trzeciak
Frauen -67 kg • GOLD: Anna Lena Frömming • SILBER: Celine Yagussevic BRONZE: Lisa Marie Seele • BRONZE: Kim Kreuzer
Männer +80 kg • GOLD: Alexander Bachmann • SILBER: Marc Lenkewitz
Frauen +67 kg • GOLD: Alema Hadzic • SILBER: Lorena Brandl BRONZE: Yanna Schneider • BRONZE: Sarah Di Sinno
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OLYMPIA IST DAS EINZIGE WELTEREIGNIS, BEI DEM ALLE GLEICH SIND von Christoph Fischer
IOC-PRÄSIDENT THOMAS BACH MACHT WEITER Das Internationale Olympische Komitee (IOC) steht in den Wochen vor den Olympischen Spielen in Tokio im Blickfeld der Weltöffentlichkeit. Mittendrin der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach, dem der Job, wie er in einem Interview vor einiger Zeit mit den Westfälischen Nachrichten *1 sagte, jedoch weiterhin „vor allem Freude bereitet.“ Im Brief von IOC-Präsident Thomas Bach am 29. Juni an die Olympische Bewegung teilte er mit, dass die Olympischen Spiele wenige Tage vor der Eröffnungsfeier am 23. Juli voll auf Kurs liegen. Dies unterstrich auch das Organisationskomitee in seinem Bericht an die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees am 9. Juni. Derzeit werden die letzten Vorbereitungen getroffen, um sichere und erfolgreiche Olympische und Paralympische Spiele zu organisieren. „Es gehe auf der Zielgeraden weiterhin darum, gemeinsam mit dem IOC, dem IPC, der Tokioer Stadtregierung und der Regierung von Japan alle notwendigen Vorkehrungen zu verfeinern, um die Gesundheit aller Beteiligten und der japani-
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schen Bevölkerung zu schützen.“ Die immer wieder ins Gespräch gebrachte Absage der Spiele wegen der andauernden Coronakrise kam für Thomas Bach und das IOC nie in Betracht. Schon vor knapp einem Jahr, im August 2020, hatte Thomas Bach auf die Frage „Können Sie sich vorstellen, im Sinne der Olympischen Spiele 2021 in Zeiten der andauernden Coronakrise, Ihr Diktum vielleicht doch zurücknehmen zu müssen, Olympia nicht ohne Zuschauer stattfinden zu lassen?“ geantwortet: „Das ist kein Diktum. Ich sagte, Olympia ohne Zuschauer ist nicht das, was wir wollen und es ist nicht das, auf was wir hinarbeiten. Ich habe aber auch gesagt, dass wir in dieser Krise alle Szenarien bedenken und im Auge behalten müssen. Alle Spekulation ist verfrüht und hilft niemanden. Wir wissen derzeit nicht einmal, ob wir morgen unsere Häuser noch verlassen können. Gleichzeitig wird heftig über Einzelheiten spekuliert, wie das komplexeste Sportereignis der Welt in einem Jahr stattfinden kann. Lasst uns doch erstmal arbeiten. Mit Spekulationen verlieren wir nur Zeit.“
29 Flüchtlingssportlerinnen und -sportler senden in Tokio eine Botschaft von Solidarität und Hoffnung Anfang Juni konnte IOC-Präsident Thomas Bach 29 Sportlerinnen und Sportlern, die das IOC in einem Flüchtlingsprogramm fördert, in einer virtuellen Zeremonie die freudige Mitteilung für eine Teilnahme an den Spielen in Tokio übermitteln: „Ich gratuliere euch herzlich und spreche im Namen der gesamten Olympischen Bewegung, wenn ich sage, dass wir es kaum erwarten können, euch persönlich zu treffen und in Tokio starten zu sehen. Wenn ihr, das IOCFlüchtlingsteam und die Athleten und Athletinnen der Nationalen Olympischen Komitees aus aller Welt am 23. Juli endlich in die Welt sendet. Ihr seid ein fester Bestandteil der olympischen Gemeinschaft – und wir heißen euch mit offenen Armen willkommen.“ Zu den 29 Sportlerinnen des IOC-Flüchtlingsteams zählt auch die 2019 aus dem Iran geflüchtete TaekwondoSportlerin Kimia Alizadeh, die seit Frühjahr 2020 im Bundesleistungszentrum in Nürnberg trainiert (siehe hierzu auch das Interview auf Seite 24). Kimia erkämpfte sich bei den Olympischen Spielen in Rio die Bronzemedaille in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm und hat auch in Tokio berechtigte Medaillenchancen.
Olympia unter besonderen Bedingungen Durch die weltweite Corona-Pandemie und die dadurch eingeleiteten Maßnahmen, finden die Olympischen Spiele in Tokio unter besonderen Bedingungen statt. Besonders in Japan selbst ist eine andauernde Diskussion entbrannt, bei der es immer wieder darum geht, ob die Spiele überhaupt stattfinden dürfen. Japans Oppositionsführer hat in diesem Zusammenhang sogar den Ausschluss von IOC-Präsident Thomas Bach von Olympia in Tokio gefordert. Bach und weitere Personen, deren Anwesenheit bei den Sommerspielen nicht zwingend notwendig seien, solle angesichts der fragilen Pandemie-Lage die Einreise nicht erlaubt werden. Thomas Bach hatte zuletzt erklärt, auf einen geplanten Besuch in Tokio im Vorfeld der Spiele verzichten zu wollen. Stattdessen wird er, so die Verlautbarungen, Mitte Juli rechtzeitig zur IOC-Session anreisen und dann an den Spielen vom 23. Juli bis 8. August teilnehmen.
Schneller, Höher, Stärker – Gemeinsam Für die 138. IOC-Session wird unter anderem die Erweiterung des Olympischen Mottos vorgeschlagen. Das bisherige „Schneller, Höher, Stärker“ wird um einen Gedankenstrich und das Wort „Gemeinsam“ erweitert.
IOC-Präsident Thomas Bach hat bereits im März bei seiner Wiederwahl auf der 137. IOC-Session und im April gegenüber der Exekutive diese Idee zur Diskussion gestellt. Mit dem erweiterten Motto „Schneller, Höher, Stärker – Gemeinsam“ (Latein: Citius. Altius, Fortius – Communiter“) soll auch deutlich gemacht werden, dass ab 2022 Athletenvertreter in allen Präsidien und Mitgliederversammlungen der Nationalen Olympischen Komitees (NOKs) verpflichtend mit Sitz und Stimme vertreten sein müssen. Diese Änderung der Olympischen Charta hat die IOC-Exekutive der 138. IOC-Session im Juli in Tokio vorgeschlagen. Thomas Bach bleibt weiterhin der „Fels in der Brandung“. Auf die Frage „Ist Olympia weiter stark genug, um eine Situation wie aktuell zu überleben?“, antwortete der alte und neue IOC-Präsident gegenüber den Westfälischen Nachrichten: „Ich glaube nach wie vor, dass die Grundbotschaft der olympischen Idee in einer Zeit, in der wir mehr und mehr spaltende Kräfte in der Gesellschaft spüren und Nationalismus gesunden Patriotismus ablöst, enorm wichtig ist. Wir sehen, dass der Nationalismus und egoistische Interessen zur Konfrontation führen. Die Spiele sind das einzige Weltereignis, bei dem alle Nationen und Menschen zusammenkommen, bei dem alle gleich sind, die Regeln für alle gleich sind und alle unter einem Dach im olympischen Dorf wohnen. Diese Symbolkraft demonstriert, dass uns immer noch mehr verbindet als uns trennt. Ich glaube fest daran, dass dieser Gedanke jeglichen Einsatz wert ist.“ Auch auf die besonders kritischen Meinungen und Äußerungen zu Olympia in Deutschland ging Thomas Bach in dem Interview mit den Westfälischen Nachrichten ein. „Ich habe aber den Eindruck, dass auch in Deutschland ein Unterschied zwischen veröffentlichter und öffentlicher Meinung durchaus existiert. Ich bin daran seit vielen Jahren gewöhnt. Wenn man sich dann international umschaut, wird das in eine andere Perspektive gerückt. Ich mache meinen Job, ich wollte das so. Es ist nie einfach, aber es macht mir vor allem eines: Freude.“ Thomas Bach, geboren am 29. Dezember 1953 in Würzburg. Studium in Würzburg, promovierter Wirtschaftsjurist, Florett-Olympiasieger mit der Mannschaft 1976 in Montreal und zweimaliger Weltmeister, seit 1991 IOC-Mitglied, Präsident des IOC seit 2013, verheiratet mit Claudia. *1 Das Interview am 4. August 2020 in den Westfälischen Nachrichten führte Christoph Fischer
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Olympia unter Coronabedingungen Olympia ohne Zuschauer
Wie die Zeitung WELT mitteilte, vertrat der deutsche Olympia-Arzt Bernd Wolfarth kürzlich in einer VideoGesprächsrunde der Deutschen Olympischen Gesellschaft in Berlin die Meinung: Die Olympischen Spiele in Tokio können auch in der Corona-Pandemie gelingen, wenn sich alle Teilnehmer an die strengen Hygiene-Vorgaben halten. Der Erfolg der Spiele „steht und fällt mit den Konzepten“, sagte Wolfarth. Turniere im Spitzen-Fußball oder die Handball-WM hätten gezeigt, dass es sehr wohl möglich ist, auch unter den komplizierten Bedingungen Großveranstaltungen sicher zu organisieren.
Diese Spiele werden andere werden – auch, weil in den Stadien und in der Stadt keine Olympia-Fans aus aller Welt sein werden. Wegen der Corona-Pandemie dürfen keine ausländischen Fans nach Japan einreisen. Grund für den Beschluss der japanischen Organisatoren ist die Angst vor der weiteren Verbreitung des Virus. Ticketkäufer aus dem Ausland sollen eine Kostenerstattung erhalten. Am 8. Juli haben die japanischen Organisatoren und das IOC entschieden, dass zu den Wettkämpfen überhaupt keine Zuschauer zugelassen werden. Die Olympischen Spiele in Tokio finden somit völlig ohne Zuschauer statt.
Und so soll Olympia sicher durchgeführt werden
Wie der japanische Fernsehsender NHK unter Berufung auf das Internationale Olympische Komitee (IOC) berichtete, habe die japanische Regierung zudem gegenüber dem IOC die Notwendigkeit geäußert, die Zahl der nicht unmittelbar mit der Austragung der Wettkämpfe befassten offiziellen Besucher signifikant zu reduzieren. Nach Informationen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo soll die Zahl der offiziellen Olympia-Gäste um die Hälfte auf rund 30.000 Personen gekürzt werden. Demnach werden schätzungsweise 90.000 Personen aus dem Ausland erwartet, einschließlich rund 30.000 Athleten, Trainer und Teammitglieder. Die Regierung wolle nun als weitere Vorsichtsmaßnahme die Zahl all jener um die Hälfte kürzen, die nicht direkt mit den Wettkämpfen zu tun haben. Zu den Betroffenen könnten Gäste von IOC-Mitgliedern sowie frühere Gewinner von Olympia-Medaillen gehören.
beraten
fotografieren
texten
erkennen
planen
Wir
verstehen
• Alle Teilnehmer (Sportler und das direkte Umfeld wie Trainer und Betreuer) müssen sich vor der Abreise nach Japan zweimal testen lassen. Nach der Ankunft werden sie je nach Funktion bei den Spielen und Kontakt zu Athleten drei Tage lang täglich erneut getestet. • Eine 14-tägige Quarantäne entfällt, sodass die Sportler sofort nach Ankunft mit dem Training beginnen können. • Die Athleten dürfen sich nur in zugewiesenen Fahrzeugen bewegen; die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist verboten. • Das Essen ist nur an bestimmten Orten mit AntiCorona-Maßnahmen wie den Kantinen an den Wettkampfstätten, Restaurants im Olympischen Dorf sowie in den Unterkünften erlaubt.
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TAEKWONDO BEI OLYMPIA
TOKIO 2021 25. JULI UND 27. JULI
Wenn am 23. Juli in Tokio die Olympischen Spiele eröffnet werden, schaut die ganze Sportwelt gespannt, wie dieses Mega-Event unter Corona-Bedingungen vonstattengehen wird. Dass diese Spiele in die Geschichte eingehen werden, ist schon jetzt klar. Noch nie wurden Olympische Spiele um ein Jahr verschoben, noch nie mussten sie unter Pandemie-Bedingungen stattfinden. Auch für die Deutsche Taekwondo Union werden diese Olympischen Spiele schon vor Beginn geschichtsträchtig.
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Noch nie reiste die DTU mit nur einem Sportler zu Olympischen Spielen. Noch nie war der Fokus auf Trainer und Sportler bei Olympischen Spielen so groß. Und noch nie schaffte es eine in Deutschland lebende Sportlerin über das IOC-Flüchtlingsteam zum größten Sportevent der Welt. Dass die Deutsche Taekwondo Union schon mehrfach bewiesen hat, nicht nur vor, sondern auch bei Olympischen Spielen Geschichte zu schreiben, zeigt ein Blick in die Vergangenheit.
2000: Faissal Ebnoutalib gewinnt in Sydney beim Olympia-Debüt unserer Sportart die Silbermedaille und schreibt deutsche Sportgeschichte als erster Medaillengewinner für die Deutsche Taekwondo Union. 2004: Wird ebenfalls in die Geschichtsbücher eingetragen, denn erstmals schaffte kein deutscher Taekwondo-Sportler die Olympiaqualifikation.
2008: Die Olympischen Spiele in Peking gehen gleich mehrfach in die Geschichtsbücher ein. Noch nie fuhr die Deutsche Taekwondo Union mit einem komplett besetzten Team von insgesamt vier Sportlern (zwei Damen und zwei Herren) zu den Olympischen Spielen. Ebenso geschichtsträchtig: das junge Durchschnittsalter unserer vier Starter. Mit im Durchschnitt 19,5 Jahren waren Sümeyye Gülec, Helena Fromm, Levent Tuncat und Daniel Manz das jüngste Team des gesamten Team Deutschland.
2012: Die Olympischen Spiele in London gehen ebenfalls zweifach in die Geschichtsbücher der DTU ein. Helena Fromm (heute Stanek) gewinnt die erste Medaille für eine deutsche TaekwondoSportlerin bei Olympischen Spielen und schreibt Geschichte. Ihre Teamkollegin Sümeyye Manz schreibt ebenfalls Sportgeschichte, in dem sie als erste Mama in der DTU die Qualifikation zu Olympischen Spielen erkämpft. (Im deutschen Haus und auf der MS Deutschland sind nach dem Gewinn der Olympiamedaille sicherlich noch einige weitere historische Momente passiert, die hier aber nicht erwähnt werden können.) 2016: Mit Rabia Gülec und Tahir Gülec qualifizierte sich erstmals in der Geschichte der DTU ein Geschwisterpaar für die Olympischen Spielen. Geschichtsträchtig vor Ort war die verletzungsbedingte Absage von Levent Tuncat. Es ist also an der Zeit auch in Tokio 2021 wieder ein paar Seiten im DTUOlympiageschichtsbuch zu füllen.
Zeitplan für die Wettkämpfe von Kimia (bis 57 Kilogramm) und Alex (über 87 Kilogramm) Sonntag, 25. Juli von 10:00 - 17:00 Uhr (ist 03:00 - 10:00 Uhr Mitteleuropäische Zeit) • Frauen -57 kg Runde der besten 16 (8 Kämpfe) • Männer -68 kg Runde der besten 16 (8 Kämpfe) • Frauen -57 kg Viertelfinale (4 Kämpfe) • Männer -68 kg Viertelfinale (4 Kämpfe) • Frauen -57 kg Halbfinale (2 Kämpfe) • Männer -68 kg Halbfinale (2 Kämpfe)
Dienstag, 27 Juli von 10:00 - 17:00 Uhr (ist 03:00 - 10:00 Uhr Mitteleuropäische Zeit) • Frauen +67 kg Runde der besten 16 (8 Kämpfe) • Männer +80 kg Runde der besten 16 (8 Kämpfe) • Frauen +67 kg Viertelfinale (4 Kämpfe) • Männer +80 kg Viertelfinale (4 Kämpfe) • Frauen +67 kg Halbfinale (2 Kämpfe) • Männer +80 kg Halbfinale (2 Kämpfe)
Sonntag, 25. Juli von 19:00 - 22:30 Uhr (ist 12:00 - 15:30 Uhr Mitteleuropäische Zeit) • Frauen -57 kg Hoffnungsrunde (2 Kämpfe) • Männer -68 kg Hoffnungsrunde (2 Kämpfe) • Frauen -57 kg um die Bronzemedaille (2 Kämpfe) • Männer -68 kg um die Bronzemedaille (2 Kämpfe) • Frauen -57 kg um die Goldmedaille • Männer -68 kg um die Goldmedaille • Frauen -57 kg Siegerehrung • Männer -68 kg Siegerehrung
Dienstag, 27. Juli von 19:00 - 22:30 Uhr (ist 12:00 - 15:30 Uhr Mitteleuropäische Zeit) • Frauen +67 kg Hoffnungsrunde (2 Kämpfe) • Männer +80 kg Hoffnungsrunde (2 Kämpfe) • Frauen +67 kg um die Bronzemedaille (2 Kämpfe) • Männer +80 kg um die Bronzemedaille (2 Kämpfe) • Frauen +67 kg um die Goldmedaille • Männer +80 kg um die Goldmedaille • Frauen +67 kg Siegerehrung • Männer +80 kg Siegerehrung
Die beiden Wettkampftage werden in der ARD übertragen. Bitte hierbei die Zeitverschiebung beachten. Wenn bei uns 12 Uhr am Mittag ist, ist es in Tokio bereits 19 Uhr am Abend (+7 Stunden).
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GUTES GEFÜHL FÜR OLYMPIA
TAEKWONDO-DEUTSCHLAND HOFFT AUF ALEXANDER BACHMANN
Interview mit Alexander Bachmann von Hermann-J. Hoffe Bereits am 6. Dezember 2019 qualifizierte sich Alexander Bachmann in Moskau mit einem Direktstartplatz für die Olympischen Spiele in Tokio. Am 29. Mai dieses Jahres erkämpfte sich der einzige deutsche Taekwondo-Olympiastarter bei den FINALS in Dortmund gegen Marc Lenkewitz seinen zweiten Deutschen Meistertitel. Vor dem spannenden Wettkampf in Dortmund haben wir mit Alexander Bachmann und seinem Trainer Vanja Babic gesprochen. DTU 20: Du kämpfst gleich im Finale um den Deutschen Meistertitel. Was sind deine Gefühle? Ich bin froh, dass wir wieder die Möglichkeit haben, auf nationaler Ebene zu kämpfen. Ich denke aber auch insgesamt sind die FINALS für unser Taekwondo ein tolles Event. Mit einer sehr schönen Bühne und einem sehr guten Programm. Heute wird noch mal gekämpft, und da hoffe ich, dass mein Leistungsstand gut ist und ich mein Bestmögliches geben kann. DTU 20: Die großen nationalen oder internationalen Kämpfe konnten nicht stattfinden. Wie hast du
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dich in den letzten Wochen vorbereitet? Was war in den letzten Wochen und Monaten dein Trainingsprogramm? Ich war überwiegend beim Heimtraining in Stuttgart. Da habe ich viel mit meinem Heimtrainer Vanja Babic zusammengearbeitet und auch mit meinem Athletiktrainer haben wir ein sehr straffes Programm durchgezogen. Ich denke, ich bin im Moment auf einem guten Weg. DTU 20: Wie sieht dein tägliches Trainingsprogramm aus? Morgens und abends trainiere ich jeweils zwei Stunden.
DTU 20: Wie schätzt du dein Leistungsvermögen im Moment ein? Vor der Europameisterschaft in Sofia hatte ich ja leider eine Coronainfektion. Trotzdem habe ich zwei gute Kämpfe abgeliefert, wenn man bedenkt, dass ich vorher drei Wochen ausgesetzt habe. Ich bin optimistisch, dass wir die vorhandenen Defizite in den nächsten Wochen noch ausräumen können. DTU 20: Worauf wird es in Tokio ankommen, um über die erste und zweite Runde zu kommen? Ich glaube, man muss da einfach einen kühlen Kopf bewahren. Zum Glück bin ich ein Kämpfer, der mit Druck umgehen kann. Eigentlich arbeite ich unter Druck ein bisschen besser. Ich hoffe, dass mich diese Eigenschaft in Tokio aufs Treppchen bringen wird. DTU 20: Was tust du im Training, um mit Druck gut umgehen zu können? Das wurde mir wahrscheinlich in die Wiege gelegt. Ich nehme das Ganze immer sportlich. Das Wichtigste ist, das sagt auch meine Frau, dass man gesund nach Hause kommt. Alles andere kriegt man schon irgendwie hin. Die Gesundheit steht immer im Vordergrund. DTU 20: Welche Aufgaben, neben Taekwondo, beschäftigen dich? Ich bin bei der Sportförder gruppe der Bundeswehr in Sonthofen als Stabs ober offizier tätig. DTU 20: Deine Bundeswehr zeit erlaubt dir, dieses zeitaufwendige sportliche Pro
gramm zu absolvieren. Was bedeutet dir die Bundeswehr darüber hinaus? Ich bin hauptberuflich bei der Bundeswehr angestellt. Ohne die Bundeswehr wäre das ganze Trainings pro gramm unmöglich. Gerade für olympische Rand sport arten ist die Bundes wehr enorm wichtig. Als Arbeit geber und auch Förderer. Ich bin stolz, Deutschland zu vertreten. Ich werde mein Bestes geben und versuchen, eine Medaille nach Hause zu bringen. DTU 20: Wie ist der Kontakt zu Sportlern anderer Sport arten, die ebenfalls bei den Olympischen Spielen dabei sind? Hast du dich mit denen schon ausgetauscht? Durch die verschiedenen Laufbahnlehrgänge bei der Bundeswehr kennt man sich. Man knüpft automatisch neue Freundschaften. Der eine oder andere hat sich ebenfalls für die Olym pischen Spiele qualifiziert. Wir haben natürlich regelmäßig Austausch über Social Media. Dort schreibe ich gerne mit meinen Jungs darüber, wie es momentan läuft. Dazu gehören zum Beispiel der Speerwerfer Sebastian Vetter, der Säbelfechter Richard Hübers und der Ringer Frank Stäbler. DTU 20: Deine sportlichen Ziele für dieses Jahr sind klar. Deine persönlichen Ziele hast du auch genannt. Gibt es schon Pläne für die Zeit nach dem Sport? Ich kann mir vorstellen, bei der Bundeswehr zu bleiben und eine Feldwebellaufbahn einzuschlagen. DTU 20: Zurück zum Taekwondo. Es ist ja eine DTU-Magazin Taekwondo 20 - Ausgabe 8 07/2021 -
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Randsportart, wie du gesagt hast, aber eine Sportart, in der sehr viel Disziplin, Konzentration und wichtige andere Werte geübt und gelebt werden. Was hat dir Taekwondo im täglichen Leben gegeben? Zum Beispiel im Umgang mit deinen Mitmenschen? Ich denke, sehr wichtige Bestandteile von Taekwondo sind Disziplin und Respekt. Und gerade im sozialen Bereich sind Disziplin, Respekt, Pünktlichkeit und Selbstbewusstsein viel Wert. Diese Werte versuche ich auch nach außen zu vermitteln und sie an Kinder und Jugendliche weiterzugeben. Ich will ein gutes Vorbild sein. DTU 20: Was könnte aus deiner Sicht von Seiten der DTU getan werden, damit Taekwondo noch mehr Anerkennung und Wertschätzung entgegengebracht wird? Die Öffentlichkeitsarbeit unter der Leitung von Helena Stanek ist aus meiner Sicht sehr wichtig und auch sehr gut. Die Freunde und Fans sowie wir Aktive bekommen jetzt viel mehr vom Taekwondo zu sehen, ganz besonders auch auf Social Media und überhaupt online. Ich denke, mit einer olympischen Medaille könnten wir unsere Sportart gut vermarkten und präsentieren. DTU 20: Helena ist es vor neun Jahren gelungen, zur Hauptsendezeit die Bronzemedaille in die Tagesschau zu bekommen. So ein Glück wünschen wir dir ebenfalls! – Wie ist innerhalb der Taekwondo Union die Kommunikation unter den Sportlern, den Funktionären, aber auch zu den anderen Breitensportaktivitäten? Olympisches Taekwondo ist in Deutschland ein guter Mix aus Breitensport und Leistungssport. Unser Verband macht auf jeden Fall sehr gute Arbeit. Ich glaube, das deutsche Taekwondo kann sich sehr zufrieden schätzen. Man bekommt von allem etwas mit: vom Breitensport bis zur Poomsae-Abteilung, auch von den Wettkämpfen der Poomsae-Athleten. Da sind wir sehr gut aufgestellt. DTU 20: Gibt es Rivalitäten unter diesen verschiedenen Disziplinen? Nein, überhaupt nicht. Die haben ihre Maß nahmen, wir haben unsere. Deswegen laufen wir uns kaum über den Weg. DTU 20: Gibt es Trainingseinheiten anderer Disziplinen, von denen man profitieren kann? Bei uns im Verein gab es viele Videoanalysen. Wir analysieren unsere Kämpfe und schauen,
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was wir besser machen können, an was wir arbeiten können. Ich denke, da sind wir uns eigentlich schon ähnlich. DTU 20: Wie hast du während der Corona-Pandemie trainiert? Anfangs war ich noch recht motiviert. Ich bin viel raus in die Natur und an die frische Luft gegangen. Ich habe selbst viel gemacht, bin viel gelaufen. Dann kam die Frage, ob die Spiele stattfinden werden oder nicht – und dann die Verschiebung um ein Jahr. Da ist die Motivation ein bisschen gesunken. Du kannst ja nicht ein Jahr lang voll durchtrainieren. Das geht nicht. Wir haben das Tempo ein bisschen rausgenommen, sodass ich jetzt und im Sommer vor Olympia das Training nochmals anziehen konnte. DTU 20: Würdest du sagen, dass es ohne diesen Reiz der Olympiateilnahme für viele Athleten an nötiger Motivation fehlen würde? Ich denke schon. Gerade auch, weil es im Taekwondo schwer ist, sich für die Spiele zu qualifizieren. Ich habe es geschafft und mich über die Weltrangliste auf Platz drei qualifiziert. Viele haben geglaubt, dass das gar nicht möglich wäre. Ich versuche immer das scheinbar Unmögliche zu erreichen und dadurch auch Kinder und Jugendliche zu motivieren. Ich sage ihnen: Wenn ihr einen Traum habt, dann kämpft und trainiert dafür. Wenn ihr fleißig seid, werdet ihr belohnt. Ich habe jedem bewiesen, dass es möglich ist. DTU 20: Hat dich dein privates Umfeld motiviert und unterstützt, damit dein Traum nicht an Selbstzweifeln scheitert? Auf jeden Fall. Ich bin sehr froh, dass ich eine sehr starke Frau an meiner Seite habe, die mich wirklich jeden Tag motiviert. Meine Familie ist immer für mich da. Mein Heimtrainer. Mein Verein. Ich bin stolz, ein so starkes Umfeld zu haben. DTU 20: Was macht deine Frau beruflich? Sie war auch bei der Bundeswehr und ist vor einem Jahr ausgeschieden. DTU 20: Habt ihr schon Kinder? Noch nicht. DTU 20: Würden deine Kinder auch Taekwondo trainieren? Schauen wir mal.
DTU 20: Was gibt es noch über dich zu berichten, was die Community der DTU unbedingt wissen sollte? Ich glaube, die meisten Taekwondo-Fans kennen mich schon ganz gut. Ich habe schon mehrere Interviews gegeben. DTU 20: Was ist dir persönlich wichtig? Worauf bist du, neben den sportlichen Erfol-gen, besonders stolz? Es ist mir wichtig, dass mein familiäres Umfeld passt, dass Harmonie herrscht, dass alle glücklich, zufrieden und gesund sind. Gesundheit spielt auf jeden Fall eine sehr große Rolle in unserem Leben. Ohne die können wir nichts machen. Ich denke, viele Menschen vergessen das einfach oder wissen das nicht zu schätzen. Man sollte für Gesundheit und die Familie dankbar sein.
Wenn es im Privatleben oder mit der Familie nicht gut läuft, spiegelt sich das auch im Training und den Wettkampfleistungen wider. DTU 20: Was machst du, wenn es mal nicht so gut läuft? Was ist dein Antrieb, um da wieder herauszukommen? Ich versuche, die Probleme im Training einfach auszuschalten, eine Sendepause zu machen, mich nur aufs Training zu konzentrieren und voll auszupowern. Manchmal gehe ich auch eine Stunde im Wald joggen. Bei mir klappt das ganz gut. Ich bin brause schnell auf, aber ich kriege mich dann auch wieder in den Griff. DTU 20: Wir bedanken uns bei dir für das Interview und wünschen dir für Olympia viel Erfolg!
DTU 20: Also Harmonie? Ja, wenn die Harmonie im Umfeld und im Training passt, spiegelt sich das auch in der Leistung wider.
Gespräch mit Trainer Vanja Babic DTU 20: Seit wann trainierst du mit Alexander? Alexander ist schon als kleiner Junge, mit etwa sieben Jahren, zu uns gekommen. Er wurde von Jahr zu Jahr besser und trainierte irgendwann bei den Größeren mit – dann kam er zu mir.
dass er auch selbst weiß, wie weit er im Training gehen kann. Ich bringe ihn an sein Maximum und er zieht es durch. Es ist eine Freude mit ihm zu arbeiten, auch außerhalb der Wettkampfhalle und auch außerhalb von Taekwondo.
DTU 20: Wie bist du auf Alexander Bachmann aufmerksam geworden, was zeichnet ihn aus? Er hat von Anfang an Talent gezeigt und immer ein gutes Gefühl für den Kampf gehabt. Ich habe schon früh gesehen, dass er gut wird. Als er in die Jugendabteilung kam, kämpfte er immer erfolgreicher. Damals war Aziz Acharki Bundestrainer. Er meinte damals, dass Alexander ein enormes Poten zial habe und wir ihn in den Leistungskader bekommen müssen. Wir haben mit Alexander darüber gesprochen und gesagt, dass wir das zusammen mit der Bundeswehr versuchen werden. Zum Glück hat er es dann auch gemacht.
DTU 20: Wie siehst du aufgrund der Beobachtung der letzten Wettkämpfe seine Chancen für Tokio? Alex ist jemand, der, wenn es darauf ankommt, da ist. Und klar, wir gehen nicht als Favorit nach Tokio, aber Alex wird einiges erreichen, was viele überraschen wird. Ich bin mir ganz sicher, dass er in Topform aufläuft: psychisch und körperlich. Die Atmosphäre macht ihm nichts aus. Er ist ziemlich cool. Wladislaw Larin aus Russland ist die Nummer eins, der hat bisher alles gewonnen. Der wird deutlich mehr Druck haben als wir.
DTU 20: Wie beschreibst du Alexander als Sportler, was die Trainings beteiligung und Trainingsleistung angeht? Alex ist einer, der hört auf einen. Der macht was man ihm sagt. Es gab mal eine problematische Phase in der Jugend, wo ich ihn ein wenig zurechtstutzen musste. Aber mittlerweile ist es wirklich toll mit ihm zu arbeiten. Was ich ihm sage, das setzt er um. Er hat auch langsam so viel Erfahrung,
DTU 20: Wie sind die FINALS hier in Dortmund aus Trainersicht zu bewerten? Super! Es ist alles gut organisiert. Auch für Alex ist es gut, dass er noch einmal einen Kampf gemacht hat. Jetzt geht es noch in die Türkei ins Trainingslager und dann weiter nach Tokio. Am 19. Juli fliegen wir direkt ins Olympische Dorf. Die TaekwondoWettkämpfe sind am 27. Juli. Am 28. Juli fliegen wir wieder – hoffentlich mit einer Medaille im Gepäck – zurück nach Deutschland.
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„Ich bin nicht geboren, um eine normale Person zu sein“ von Helena Stanek Am 8. Juni verkündet IOC-Präsident Dr. Thomas Bach, dass 29 Athleten aus zwölf Sportarten Teil des IOCFlüchtlingsteams in Tokio sein werden. Mit dabei ist auch die aus dem Iran geflohene und in Deutschland lebenden Kimia Alizadeh aus unserer Sportart Taekwondo. Sie vertritt das IOC-Flüchtlingsteam in der Gewichtsklasse - 57 kg. Helena Stanek sprach mit Kimia während ihres Trainingslagers in Frankreich. DTU 20: Wie geht es dir aktuell? Mir geht es gut, auch wenn ich sehr müde bin. Ich habe im Moment sehr viel Training, Training und noch mal Training. Aktuell trainiere ich in Frankreich und bereite mich auf Olympia vor. Es ist wenig Freizeit und ich tue im Moment alles, was für den Erfolg getan werden muss. DTU 20: Wie geht es dir nach deinen Operationen? Ich habe sehr viel Physiotherapie neben dem Training. Aber ich muss es durchziehen, um in Tokio mein Bestes geben zu können.
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DTU 20: Auf der Europameisterschaft hast du das erste Mal, seitdem du aus dem Iran geflohen bist, wieder international gekämpft. Wir war das für dich? Ich war für dieses Turnier noch nicht bereit. Aber ich musste dort kämpfen, um Erfahrungen für die Olympiaqualifikation zu sammeln. Ich habe im zweiten Kampf verloren und danach sehr viele böse Stimmen gehört. Ich wäre viel besser gewesen, als ich noch für den Iran gekämpft habe. Also habe ich daraufhin meinen Instagram-Account geschlossen, um mich mehr auf das Training zu konzentrieren. DTU 20: Auf der kontinentalen Qualifikation in Sofia, Bulgarien, hast du im Halbfinale hauchdünn gegen Fani Tzeli aus Griechenland verloren. Was waren deine Gefühle nach der verlorenen Qualifikation? Natürlich war ich sehr traurig und auch schockiert. Ich habe sehr lange gebraucht, um zu verstehen, dass ich die Qualifikation verpasst habe. Mir selbst zu sagen „Kimia, du wirst in Tokio nicht starten“, war für mich sehr schwer. Einen ganzen Monat habe ich gebraucht, um das zu verarbeiten. Mein zweiter Kampf in Sofia war eigentlich der schwierigste.
mein Bestes zu geben und zu gewinnen. Sie wird auch ihr Bestes geben und will gewinnen. Vor und nach dem Kampf sind wir Freundinnen. Ich muss es als Kampf sehen, so wie jeden anderen Kampf auch.
Darum weiß ich nicht, was in diesem Halbfinale passiert ist. Es war so knapp. Ich weiß, dass ich mein Bestes gegeben habe, aber es hat auf diesem Turnier nicht für das Ticket gereicht. DTU 20: Wie hast du dich gefühlt, als du die Nachricht bekommen hast, dass du für das IOC-Flüchtlingsteam nominiert wirst? Ein wenig habe ich es geahnt. Ich hatte so ein Gefühl. Darum habe ich auch nach der Qualifikation direkt weiter trainiert. Ich hatte gehofft, diese eine letzte Chance zu bekommen. Aber am Ende war es natürlich eine Überraschung und ich war sehr aufgeregt. Ich will diese Chance nutzen, um mir selbst zu beweisen, dass ich es wieder schaffen kann, eine Medaille zu gewinnen. DTU 20: Dein erster Kampf in Tokio wird gegen Nahid Kiyanichandeh aus dem Iran sein. Wie gehst du mit dieser außergewöhnlichen Situation um? Unglücklicherweise muss ich im ersten Kampf gegen Nahid Kiyanichandeh kämpfen. Wenn ich ehrlich bin, wird das für mich sehr hart. Sie ist meine Freundin, ihr Coach ist meine Freundin. Ich habe viele Jahre mit ihnen zusammen trainiert. Aber mein Verstand sagt mir natürlich, dass es eben ein Kampf ist. Es ist mein Job,
DTU 20: Was waren die schwierigsten Momente auf deinem Weg nach Tokio? Es gab viele schwierige Momente. Wo soll ich starten? Die größte Herausforderung war, dass ich mich oft sehr allein gefühlt habe. Ich habe ein paar Freunde in Deutschland, aber es war anders als im Iran. Ich war einfach sehr viel allein. Auch im Training war ich allein. Ich musste mich selbst pushen, wenn ich im Training müde war. Das war am schwierigsten. Sich selbst zu pushen, weil kein anderer es tun kann. Auch der Papierkram war für mich sehr kompliziert. Aber als das erledigt war, war mein Kopf frei und ich konnte mich wieder auf den Sport konzentrieren. Meine Verletzungen mit den drei Operationen waren auch eine sehr schwere Zeit. Aber ich habe mir immer gesagt, ich bin nicht geboren, um eine normale Person zu sein. Ich muss weitermachen, um etwas Besonderes zu sein.
Kimia im Refugee Olympic Team Kimia fliegt am 11. Juli nach Doha. Dort trifft sich das gesamte IOC-Flüchtlingsteam und fliegt gemeinsam nach zwei Tagen weiter nach Tokio. Kimias Wettkampftag ist der 25. Juli. Ihre erste Gegnerin ist Nahid Kiyanichandeh aus dem Iran. In ihrer Gewichtsklasse - 57 kg kämpft ebenfalls die zweifach Olympiasiegerin Jade Jones aus England, die in Tokio mit einer weiteren Goldmedaille TaekwondoGeschichte schreiben könnte (noch nie konnte ein Sportler oder eine Sportlerin drei Goldmedaillen bei Olympia gewinnen). In Tokio wird Kimia von ihrem Trainer Davoud Etminnani sowie unserem Bundestrainer Vanja Babic betreut. The Refugee Olympic Team Tokyo 2020 In an endeavour to raise awareness of the magnitude of the refugee crisis, the IOC created the first Refugee Olympic Team for the Olympic Games Rio 2016. The team inspired the world with the strength of their
human spirit. The Refugee Olympic Team Tokyo 2020 will continue to send a message of hope to the 79.5 million forcibly displaced people in the world. The composition of the Refugee Olympic Team Tokyo 2020 has been based on a number of criteria, including first and foremost each athlete’s sporting performance and their refugee status as confirmed by UNHCR. Personal background, as well as balanced representativity in terms of sport, gender and regions, will also be considered. The members of the team will be invited by the IOC to compete at the Olympic Games Tokyo 2020. • The Refugee Olympic Team official acronym is EOR, based on the French name: Equipe Olympique des Réfugiés. • During the Opening Ceremony, the team will march with the Olympic flag in second position, immediately after Greece. • For all official representations of the team (including any medal ceremonies), the Olympic flag will be raised and the Olympic anthem will be played.
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Videoanalyse im Trainingsplan von Helena Stanek Die heutigen digitalen Möglichkeiten in unserer Sportart sind auf ein Niveau herangewachsen, das personell viele Ressourcen fordert, das aber auch oft entscheidende Vorteile für Sportler und Trainer schaffen. Eine seit kurzer Zeit im Bundeskader eingesetzte Methode, ist die videobasierte Wettkampfanalyse in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Trainingswissenschaften und Informatik von der Technischen Universität München. Klaus Haggenmüller: „Wer heutzutage keine professionelle Videoanalyse mit seinen Athleten und Athletinnen macht, verschenkt enorm viel Potenzial.“ In vielen Telefonaten mit Klaus Haggenmüller, in Gesprächen mit dem leitenden Bundestrainer Georg Streif und auch mit einigen Athleten und Athletinnen habe ich erfahren, was hinter dieser sehr aufwendigen Prozedur der Videoanalyse steckt. Wenn ich mich an meine aktive Zeit als Kämpferin erinnere und wie das Thema Videoanalyse behandelt wurde, ist ein Vergleich nahezu unmöglich. Das, was heutzutage möglich ist, kann man mit den damaligen Methoden nicht mehr vergleichen. Stellen Sie sich einmal vor, Sie fahren auf einen internationalen Wettkampf, bei dem schon feststeht: „Meine Schülerin/mein Schüler kämpft heute im ersten Kampf gegen xy aus Frankreich.“ Was für ein enormer Vorteil wäre es, zu wissen, - welche Stärken dieser Kämpfer/diese Kämpferin hat? - welche Tritte er/sie statistisch belegt am häufigsten tritt und zu wie viel Prozent diese einen Treffer auslösen? - wie oft er/sie im Schnitt den Fauststoß einsetzt? - ob er/sie eher offensiv oder defensiv kämpft? - ob er/sie häufig Verwarnungen kassiert?
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- welche Auslage die bevorzugte Auslage ist oder ob er/ sie stets wechselt? Einige können an dieser Stelle sagen: „Ach, das wissen wir doch schon. Es sind ja immer wiederkehrende Gegner und Gegnerinnen auf den Turnieren. Man kennt sich doch und weiß, was der Gegner oder die Gegnerin hauptsächlich macht.“ Nun aber wird das Ganze mithilfe des Videoanalyse-Projektes statistisch belegt. Es ist somit nicht nur eine persönliche Einschätzung, dass die Gegnerin xy aus Frankreich eher offensiv kämpft und stets einen Paltung nachkickt, wenn sie mit der Faust verkürzt hat. All dies kann nun statistisch belegt werden und dank des Softwaretools der Firma Athlyzer den Trainern in der Vorbereitung oder aber auch direkt am Turniertag zur Verfügung gestellt werden. „Aktuell haben die Bundestrainer der DTU Zugang zu der Video-Datenbank. Hier sind zur Zeit etwa 200 Kämpfe gespeichert. Da unser Fokus in den letzten Monaten in der Vorbereitung auf Olympia, sprich Alexander Bachmann, lag, stehen aus seiner Gewichtsklasse etwas mehr Kämpfe zur Verfügung. Unser Ziel ist es aber natürlich, die Datenbank stets weiter auszubauen und mit Material zu füllen. Und natürlich die Trainerwelt für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren“, so Klaus Haggenmüller.
Wie sieht das in der Praxis aus?
Wir nehmen das Beispiel Alexander Bachmann. Aufgrund der Weltrangliste für seine Gewichtsklasse wissen wir schon heute, dass Alex bei den Olympischen Spielen am 27. Juli im ersten Kampf voraussichtlich gegen Ruslan Zhaparov kämpfen wird. Videos von dem Kämpfer aus Kasachstan wurden auf den vergangenen internationalen Turnieren gesammelt, in die Datenbank eingepflegt und mithilfe zuvor festgelegter Kriterien analysiert. Nach der Analyse durch Klaus Haggenmüller
erhalten Trainer und Sportler eine ausgearbeitete Analyse, die nur die wichtigsten Stärken/Schwächen/ Ticks/etc. des Gegners beinhaltet. Auch kurze Videoclips unterstreichen diese Analysepunkte, sodass Trainer und Sportler auch visuell die statistischen Werte nachschauen können. „Einen kompletten Kampf bei einer Videoanalyse anzuschauen wäre zeitlich gesehen sehr ineffektiv und wäre am Turniertag kaum machbar. Dafür gibt es dann uns. Wir stellen die wichtigsten Punkte übersichtlich und nachvollziehbar für den Trainer zusammen. Und das sogar in Echtzeit.“ In Echtzeit, das bedeutet, um auf das Beispiel Alexander und Olympia zurückzukommen: Schon jetzt steht fest, dass Alex in seinem zweiten Kampf entweder gegen Kuba (Rafael Alba) oder Korea (Kyo-don IN) kämpfen wird. Für diese beiden Kämpfer wird nun im Vorfeld ebenso ein umfangreiches Gegnerprofil mit statistischen Werten erstellt. Bei den Olympischen Spielen am 27. Juli läuft das Software-Programm bei den beiden Kämpfern aus Kuba und Korea mit und erfasst die aktuelle Tagesform während ihres Vorkampfes bei Olympia. Vanja und Alex erhalten dann unmittelbar nach den Kämpfen eine Info von Klaus wie z. B.: „Am heutigen Tag kämpft der Kämpfer xy statistisch gesehen genauso wie das Gegnerprofil aus der Vorbereitung.“ Vielleicht verhält er sich am Tag der Olympischen Spiele aber auch anders und hat beispielsweise eine neue Supertechnik erlernt. Dann kann Klaus Haggenmüller auch das Erfassen und den Trainern mitteilen: „Er kämpft heute statistisch gesehen so wie es das Gegnerprofil aussagt, außerdem setzt er heute mehrfach einen eingedrehten PandaDollyo-Chagi ein.“
Ist dieses Wissen nicht ein enormer Vorteil für unsere Sportlerinnen und Sportler? Aus meiner Sicht ist es das. Grenzt dies nicht ein wenig ans Ausspionieren? Aus meiner Sicht nicht. Es ist einfach ein weiterer Schritt in eine noch professionellere Vorbereitung mit Daten, die das Netz frei hergibt. Dank der Livestream-Übertragungen von internationalen Turnieren ist das Netz voll mit Material. Das Heraussuchen, Aufarbeiten und Analysieren kostet enorm viel Zeit. Zeit, die Trainer im normalen Trainingsalltag nur schwer freischaufeln können. Wenn nun solch ein gutes Programm in Deutschland für Deutschland zur Verfügung steht, sollte dieser Vorteil im internationalen Vergleich noch besser genutzt werden. „Es ist unser Ziel, zukünftig an die Landesverbände heranzutreten und Trainer noch stärker für dieses Thema zu sensibilisieren und Vertrauen zu schaffen. Schulungen im Umgang mit der Software sollen angeboten werden, damit wir diesen nationalen Vorteil international nutzen“, sagt auch Klaus Haggenmüller Jede statistisch erhobene Zahl über einen Gegner ist aber natürlich kein Freifahrtschein zum Gewinnen. Auf der Fläche herrschen immer noch eigene situative Regeln. Und auch nicht jeder Sportler ist der Typ, der möglichst viel über seinen Gegner wissen will. Manche konzentrieren sich lieber auf sich selbst und ihre eigenen Stärken. Aber genau in diesem Punkt kann auch die Videoanalyse helfen. Das bewusste Auseinandersetzen mit seinen eigenen Fähigkeiten und das Wissen über seine möglicherweise stärksten Gegner sollte in der heutigen Zeit ebenso zur Wettkampfvorbereitung gehören, wie Konditions-, Ausdauer- und Krafttraining.
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Iris Hitzemann: Grande Dame der Poomsae-Szene von Hado Yun Iris Hitzemann, Formenwettkämpferin der ersten Stunde, hat vor Kurzem ihren Rücktritt aus dem Technik-Bundeskader erklärt. Anlass genug für das DTU-Magazin, die Grande Dame der deutschen Poomsae-Szene um ein Interview zu bitten. Wir freuen uns, dass wir niemand Geringeren als ihren langjährigen Weggefährten, den ehemaligen TechnikBundestrainer Hado Yun, dafür gewinnen konnten, mit Iris auf ihre lange Karriere zurückzublicken. Hado hat sie bereits während seiner Zeit als Mitglied im Bundeskader kennengelernt und später als Bundestrainer lange Jahre begleitet – zuletzt bei ihrem Einsatz bei der Online-WM. Iris, du bist eine lange Zeit als Sportlerin erfolgreich gewesen. Was war in den vielen Jahren dein persönliches Highlight? Das war, als ich 1996 meine Konkurrentin Brigitte Karrasch geschlagen und erstmals auf internatio-
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naler Ebene den ersten Platz erreicht habe. Von da an wusste ich, dass ich doch was kann, und habe noch mehr trainiert. Du bist nicht nur Sportlerin, sondern auch Trainerin. Gab es auch da einen Höhepunkt, an den du dich gerne erinnerst? Du hast ja auch sehr erfolgreiche Kinder! Die Erfolge meiner Tochter Mirja auf den Europameisterschaften waren definitiv ein Highlight für mich. Du bist seit den 1990ern dabei: Wie bewertest du die Entwicklung im Formenbereich der letzten Jahrzehnte? Ich finde die Änderungen gut, zum Beispiel, dass man in den Techniken immer genauer wurde. Aber die Turniere sind mir ein bisschen zu voll geworden. Ich hätte
nicht gedacht, dass es auf einer Euro so viele Kampfflächen gibt. 1999 und 2001 gab es nur eine Fläche – das war eine ganz andere Wettkampfatmosphäre. Man schaute nur auf den einen Starter, das war spannender. Alleine in der Halle zu stehen ist einfacher, als wenn es viele sind und alles so unruhig um einen herum ist. Wie war es für dich, als Grande Dame im Nationalteam zu sein? Der Großteil des Teams war doch etwas jünger. Das Nationalteam war super. Man kann immer auf jemanden zugehen, wenn man Fragen hat. Ich möchte immer erst einmal üben, bevor ich jemanden frage, ich war da immer vorsichtig und sage zu mir selbst: „Üb das erstmal noch, bevor du jemanden fragst.“ Daher übe ich sehr viel alleine. Aber im Team sind alle hilfsbereit. Was hat dir geholfen, die Motivation über einen so langen Zeitraum aufrecht zu erhalten? Ich mache Taekwondo an sich gerne, egal ob Formen oder Kampf. Nur im Alter ist Formenlauf natürlich besser. Ich habe mich eigentlich immer selbst motiviert. Was macht für dich die Faszination beim Formenlaufen aus? Dass man alleine dasteht und selbstsicher ist. Diese ganze Atmosphäre finde ich heute noch toll. Und dass man Yop Chagis tritt, ohne zu wackeln, dass du wirklich Gleichgewicht hast. Und dass du zeigen kannst, was du wirklich kannst, und es in dem Moment auf den Punkt bringst. Hattest du Trainer, die dich besonders geprägt oder unterstützt haben? Mit Hans Schlewinski habe ich bis zum ersten Dan trainiert und ich konnte ihn immer fragen, wenn ich etwas wissen wollte. Auch Christian Senft ist als Trainer wirklich super. Und natürlich du: Du hast mir schon bei der ersten Euro 1999 viel geholfen. Ich durfte immer zum Training kommen, wenn ihr irgendwo in der Halle wart, und das ist über die Jahre so geblieben. Das finde ich wirklich toll.
Du bist Mutter von vier Kindern: Wie hast du eigentlich Training und Familie unter einen Hut bringen können? In der wenigen Freizeit, die ich hatte. Wenn ich am Herd beim Kochen stand, habe ich Yop Chagis getreten (lacht). Ich habe jede freie Minute genutzt. Abends, wenn vor allem der Jüngste im Bett war, habe ich mich gedehnt. Oder mein Kind hat einfach mitgemacht. Gibt es etwas, dass du zukünftigen Formenläufern mit auf den Weg geben willst? Ja! Dass sie sich durchbeißen und nicht sagen sollen: „Och, ich kann das nicht!“ oder „Ich krieg das noch nicht hin“. Ich habe mich immer selbst motiviert. Auch wenn andere gesagt haben: „Super, toll hast du das gemacht“. Du hast nach der WM, die überaus erfolgreich verlaufen ist, deinen Hut genommen und deinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Was machst du jetzt? Formenlaufen! Nur nicht mehr unter Druck … … und dürfen wir mit einem Comeback auf Turnieren rechnen? Nein (lacht). Aber das Training läuft für mich weiter. Und ich bin sicher auch auf Turnieren zu sehen – mit den Kindern, die ich trainiere.
Liebe Iris und lieber Hado, vielen Dank für dieses Interview!
Iris Hitzemann, Jahrgang 1953, betreibt seit 1985 Taekwondo und trainiert im TSV Bad Eilsen. Ihr erstes Turnier bestritt sie 1991. Neben zwei Goldmedaillen im Einzel bei den Europameisterschaften 1999 in Kolding und 2001 in Garmisch-Partenkirchen sowie einer Silbermedaille bei der EM 2019 in Antalya zählt der Sieg bei der Online-WM 2020 zu ihren größten Erfolgen. In ihren 30 Turnierjahren hat sie an unzähligen Meisterschaften teilgenommen – und unzähliges Edelmetall gewonnen.
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Dem Gegner einen Kick voraus von Helena Stanek „Der Faktor Zeit ist ja oft ein ganz kritischer. Wenn ich aber nun ein Produkt habe, welches mich körperlich nicht anstrengt, im Gegenzug aber leistungsfördernd ist, dann ist das natürlich im Spitzensport eine interessante Geschichte.“ – Christoph Mickel Helena Stanek sprach mit dem CEO von Athlyzer, Christoph Mickel, über „sein“ Produkt und seine Vorfreude auf Tokio. DTU 20: Wie ist Athlyzer entstanden? Athlyzer gibt es seit 2017 und ist aus einem wissenschaftlichen Projekt hervorgegangen. Der Antrieb in diese Richtung etwas zu machen, ist daraus entstanden, dass wir drei Gründer schon immer im Sport beheimatet waren und alle Sportwissenschaften studiert haben. In vielen Gesprächen konnten wir feststellen, dass Videoanalyse im Spitzensport dazu gehört, weil man weiß, dass diese letzten ein bis zwei Prozent, die über Sieg oder Niederlage entscheiden, auch durch Videoanalyse verändert werden können. Auf der anderen Seite haben wir aber auch festgestellt, dass, wenn man den absoluten Spitzenbereich verlässt, Videoanalyse nicht mehr angewendet wird – in erster Linie, weil die Kosten für Soft- und Hardware gescheut
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werden. Wir haben gesagt, dass wir mit unserer Expertise und unserem Netzwerk ein Produkt schaffen können, welches diese Kosten stark reduziert. Das heißt: Jede digitale Videodatei kann mit unserer Software auf jedem Endgerät bearbeitet werden, ohne dass man zuvor eine Ausbildung benötigt, um die Software bedienen zu können. DTU 20: In welchen Sportarten wird Athlyzer aktuell verwendet? Grundsätzlich kann die Software in allen Sportarten verwendet werden. Denn die Idee ist die, dass es bei einer Videoanalyse darum geht, aus einem langen Video einzelne Sequenzen zusammenzustellen, die wirklich Relevanz für die Arbeit von Trainer und Sportler haben. Die Kunst ist es also, aus dem großen Video die relevanten Bestandteile herauszustellen. Wir stellen den Werkzeugkasten zur Verfügung, mit dem der Trainer dann mit seinen eigenen Kriterien diese relevanten Bestandteile herausfiltern kann. Darum ist unsere Software in allen Sportarten anwendbar. Aktuell sind wir aktiv in den Sportarten: Taekwondo, Wasserball, Volleyball, Feldhockey, Eishockey, Fußball, Handball, Basketball usw.
DTU 20: Betreut ihr neben Alexander Bachmann noch weitere Olympiateilnehmer? Wir sind unheimlich stolz, dass wir mit der DTU nach Tokio kommen dürfen. Es war schon immer unser Traum, irgendwann einmal in irgendeiner Form bei Olympischen Spielen dabei sein zu können. Dass es schon mit Tokio klappt, ist großartig. Wir hatten gehofft, in Paris 2024 mitwirken zu können. Das wir es jetzt schon geschafft haben, darauf sind wir sehr stolz. Das ist auch unser größter Firmenerfolg. DTU 20: Was ist die Zielgruppe für Athlyzer? Olympia kann nicht immer die Messlatte sein. Wir freuen uns genauso, wenn in den Spielsportarten im unterklassigen Bereich beispielsweise ein Aufstieg gelingt und wir da das Gefühl haben, etwas beitragen zu können. Bei jeder Trainingsmethode, die im absoluten Spitzenbereich noch funktioniert, kann man ganz klar sagen, dass diese bei einem niedrigeren Leistungsniveau einen umso größeren Effekt erzielt. Das ist beim Ausdauertraining so, beim Krafttraining und eben auch bei der Videoanalyse. Darum sind wir froh, dass wir im absoluten Spitzenbereich etwas beitragen können, wollen aber auch, dass Athlyzer flächendeckend genutzt wird. DTU 20: Wie funktioniert eure Software ganz einfach erklärt? Im Vorfeld werden bestimmte Buttons festgelegt, die für jede Sportart individuell charakterisiert sind. Im Taekwondo beispielsweise „Angriff Hinterbein“. Klaus Haggenmüller, der Fachmann für Taekwondo, guckt sich dann den jeweiligen Kampf auf dem Bildschirm an und jedes Mal, wenn eine Aktion passiert, die zu einem der zuvor festgelegten Buttons passt, drückt er den Knopf. So wird dann im Laufe der gesamten Kampfzeit ein Profil beziehungsweise eine Analyse erstellt, welche die einzelnen Kriterien beinhaltet. Ein automatisches Taggen der Aktion ist tech-
nisch aktuell noch nicht möglich, aufgrund der zweiund dreidimensionalen Abbildung einer Aktion. DTU 20: Wie kann ein Vereinstrainer dann die Software am Wettkampftag nutzen, denn Klaus Haggenmüller ist aktuell ja eher im Dienst der DTU unterwegs? Es gibt zwei Möglichkeiten. Der Trainer könnte eine Kamera an der Fläche aufstellen und den Kampf aufnehmen. Diese Aufnahme kann er dann mit der Software auf dem Tablet oder Smartphone analysieren. Er könnte aber auch sein Tablet oder Smartphone mit Stativ aufstellen und direkt in die Software spielen. Das hängt alles auch ein wenig von den örtlichen Gegebenheiten ab. Das, was Klaus für die DTU macht, könnte der Vereinstrainer im Prinzip für seine Schüler ebenso machen. DTU 20: Wie habt ihr die Pandemie überstanden? Wir hatten wirklich das Glück, dass wir Investoren haben, die an uns glauben und die einen langen Atem haben. Die FINALS in Dortmund kamen für uns genau richtig. Die Aufmerksamkeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen war für uns ein grandioser Erfolg und eine tolle Möglichkeit, die wir durch die DTU bekommen haben. Dafür sind wir unheimlich dankbar. DTU 20: Was sind eure Ziele für die kommenden Monate? Weiterentwicklung in die Vermarktung ist ein großes Ziel von uns. Auf der Softwareseite wollen wir an der ein oder anderen Stelle vielleicht noch ein wenig polieren, die Integration verschiedener Kameraperspektiven etwa. Wir möchten auch gern die Plattform weiterentwickeln, sodass eine Art Trainerdatenbank entsteht, über die ein Austausch stattfinden kann.
Gegenüberstellung: Was du von einem Techniker/Zweikämpfer schon immer mal wissen wolltest! Roger fragt, Anja antwortet:
Anja fragt, Roger antwortet:
Was ist dein großes sportliches Ziel? Anja: Mein größtes sportliches Ziel sind die Olympischen Spiele 2024. Vorher möchte ich bei vielen Europa- und Weltmeisterschaften starten.
Was ist für euch Techniker das Größte, das ihr erreichen könnt? Habt ihr auch eine Olympiade? Roger: Olympia gibt’s bei uns leider nicht, lediglich die Universiade für Studenten. Das Größte für uns ist der Weltmeister- und der Europameistertitel. Für mich persönlich ist es jedoch das Größte, von meinem Landestrainer gesagt zu bekommen, dass ich eine super Form gelaufen bin!
Wie findest du persönlich den „New Style“ im Vergleich zum „Old Style“? Anja: Ich finde, dass jeder Style seine Vorteile hat. Der „New Style“ herrscht vor, aber spannender finde ich den „Old Style“. Was war bisher dein schönstes Erlebnis im Taekwondo? Anja: Dank Taekwondo konnte ich an so vielen Orten dieser Welt sein. Die WM 2015 in Korea war einer meiner schönsten Erlebnisse, weil ich hier mit der Bronzemedaille nach Hause gekommen bin.
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Trainiert ihr eigentlich auch etwas anderes außer eurer Beweglichkeit? Roger: Bei Technik brauchst du sehr viel Athletik, auch wenn man das im ersten Moment nicht glaubt. Die Techniken dynamisch und mit Speed durchzuführen (sowohl Bein- als auch Armtechniken) setzt eine starke Physis voraus. Die Beweglichkeit spielt da gar nicht die größte Rolle.
Hast du auch berufliche Pläne nach dem Taekwondo? Anja: Ich liebe Taekwondo, bin aber auch ein sehr kreativer Mensch. Deshalb möchte ich bald Design studieren – mal etwas anderes als Sport. Was macht dir im Training und an Turnieren am meisten Spaß? Anja: Ich liebe es, wenn ich im Training alles rauslassen kann. Ich trainiere gern mit voller Kraft und wenn meine Freunde das mit durchziehen und wir uns gegenseitig pushen, dann macht es mir am meisten Spaß. Ich freue mich jedes Mal auf die internationalen Turniere, mal aus Deutschland rauszukommen. Wir treffen unsere Freunde auf Turnieren und können nebenher noch unsere wichtigen Ranglistenpunkte sammeln. Das mag ich.
Was ist das „eine“, das dich antreibt, ein Techniker zu sein und kein Kämpfer? Roger: Ich sehe mich weder als Techniker noch als Kämpfer. In meinen Augen bist du ein guter Taekwondo-Athlet, wenn du in allen Disziplinen „daheim“ bist. Gibt es Momente auf Turnieren, in denen du denkst, dass du nicht fair bewertet wurdest? Roger: Ja, so Momente gab und gibt es oft. Das ist immer frustrierend. Aber ich denke, wenn man richtig gut ist, erkennen und würdigen das auch die Kampfrichter. Vor allem die Profis. Was hältst du von der Idee, das Training zu wechseln. Würdet ihr bei unserem Training mithalten können? Roger: Ich trainiere eigentlich schon so. Und ich muss sagen, dass ich das super gerne regelmäßig machen würde, weil es bestimmt Spaß macht, gemeinsam zu trainieren.
Anja, warum hast du dich für Vollkontakt entschieden?
Roger, warum hast du dich für Poomsae entschieden?
Anja: Ich mag Poomsae. Ich hätte vielleicht auch den anderen Weg genommen, aber ich habe gemerkt, dass ich mehr Spaß am Kämpfen habe. Das Adrenalin und die starke Spannung im Kampf gefallen mir. Hier kann ich alles rauslassen oder besser „rauskicken“.
Roger: Das hat sich damals so ergeben. Ich habe immer alle Disziplinen im Taekwondo gerne ausgeübt – und mache es nach wie vor (natürlich mit Schwerpunkt Formen). Auf einem Breitensportlehrgang hat mich der damalige und heutige Landestrainer Formen Klaus Sommer angesprochen, ob ich gerne Formen laufen würde. Von da an hat alles seinen Gang genommen.
Trainingsalltag – wie viel Taekwondo und wie viele NichtTaekwondo-Einheiten machst du pro Woche? Anja: Aktuell trainiere ich etwa neun bis zehn Stunden Taekwondo in der Woche und drei Stunden Kraft oder Athletik.
Roger: Heute trainiere ich anders als früher (lacht). Taekwondo mache ich ein- bis zweimal pro Woche und Nicht-TaekwondoEinheiten vier- bis fünfmal. Das ist aber auch davon abhängig, ob ein Turnier ansteht oder nicht. Früher habe ich mehr trainiert. Da war ich aber auch jünger und hatte mehr Zeit.
Verletzungen – welche Verletzungen sind bei euch am häufigsten? Anja: Ich glaube die häufigsten Verletzungen im Vollkontakt passieren am Fuß beziehungsweise am Sprunggelenk. Aber auch die Hände und Finger sind schnell verletzt, wenn der Gegner kickt und man versucht, den Kick zu blocken. Ich selbst hatte auch schon Probleme mit dem Knie.
Roger: Mit Verletzungen hatte ich immer Glück. Ich habe immer nur die üblichen Wehwehchen. Ganz früher, als ich noch klein und gläsern war, gab es natürlich auch immer mal wieder gebrochene Zehen oder Handgelenke. weiter Seite 34 ➔
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Wettkampfvorbereitung – wie sieht der Trainingsplan vor Großturnieren aus? Anja: Vor großen Turnieren versuche ich nichts Neues mehr zu lernen und nur noch an meinen besten Techniken zu arbeiten. Kondition trainiere ich eigentlich jeden Tag, das ist vor großen Turnieren nicht weniger. Ich versuche mich schon auf meine kommenden Gegner zu fokussieren und auf den Wettkampf einzustellen
Roger: Mein Trainingsplan sieht eigentlich immer sehr ähnlich aus. Natürlich gibt es vor Großturnieren noch Trainingslager und das ein oder andere Zusatztraining.
Dehnung – welche Rolle spielt Dehnung in deiner Trainingsroutine, wie viel dehnst du? Anja: Dehnung ist auch im Vollkontakt sehr wichtig, nicht nur bei Poomsae. Wir müssen den Fuß möglichst schnell an den Kopf vom Gegner platzieren. Ich dehne mich auf jeden Fall immer vor dem Training und in der Regel auch danach.
Roger: Tatsächlich dehne ich mich (wenn überhaupt) nur ein paar Minuten im Taekwondo-Training. Zum Aufwärmen mache ich ein intensives Stretching und zum Abschluss ein kurzes Cooldown. Ab und zu gönne ich mir auch eine Runde Yoga am Bildschirm.
Anja = Anja Kisskalt
Roger = Roger Kesternich
Berufung des Bundeskaders Technik – Para Der Ausbau des Para-Bereichs im Leistungssportbereich Technik der DTU schreitet kontinuierlich voran. Im April sind auf Vorschlag von Bundestrainer Bernhard Thomys nun die ersten Sportler in den Para-Bundeskader berufen worden. Neben dem amtierenden Welt- und Europameister Christopher Frömmgen, der bisher mit den Athletinnen und Athleten des Bundeskaders Technik (Recognized und Freestyle) trainiert hat, sind drei weitere Formenläufer aufgrund ihrer bisherigen Leistungen ausgewählt worden: Arndt Mallepree (NWTU), Marcel Dirmeier (TUS) und Alexander Kurz (BTU). Die vier Sportler freuen sich schon sehr auf die Trainingsarbeit mit Bundestrainer Thomys. „Für mich ist es eine riesige Ehre und ein Privileg dazuzugehören“, beschreibt Marcel Dirmeier seine Berufung in den Kader. So geht es auch seinen Kollegen, die die Aufnahme „auch als Anerkennung der bisher erbrachten Erfolge sehen“, ergänzt Arndt Mallepree. Alle haben sich zum Ziel gesetzt, sich weiter zu verbessern und, so Alex Kurz und Christopher Frömmgen, „viele Erfolge – mit den anderen im Team und persönlich – zu holen“. Christopher freut sich insbesondere auch darüber, dass er nun Verstärkung im Para-Team hat.
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Bis ein reguläres Bundeskadertraining wieder in Präsenz aufgenommen werden kann, arbeitet Thomys seit Mai virtuell mit den vier Sportlern. Sie treffen sich jede zweite Woche zum gemeinsamen Online-Training. Darüber hinaus trainieren die vier Athleten zusammen mit dem Bundeskader Technik (Recognized und Freestyle) in den Online-Einheiten zu Mobilisation, Stabilisation und Kraft. Ein nahes Trainingsziel gibt es auch schon: im September findet die dritte Online-Challenge der WT in den SeniorenKlassen statt – dabei sollen auch Para-Klassen zur Austragung kommen.
JUGENDARBEIT DER TAEKWONDO JUGEND BB Zuerst sei gesagt: Die Taekwondo Jugend BerlinBrandenburg wurde bisher vor allem durch zwei sehr engagierte Sportler getragen, die sich unheimlich für die Jugend eingesetzt haben. Als diese ihr Amt niederlegten, verschwand auch die Organisation von der Bildfläche. Im Dezember 2020 wurden wir, Yannic Schalk und Julia August, als neue Vorsitzende gewählt und hoffen nun, die Arbeit des Jugendverbandes wieder aufnehmen zu können. Welche drei Wörter beschreiben euer Engagement/eure Arbeit in eurem Verband am besten? Neues Erlebnis wagen! – Unterstützung, Vernetzung, Wiederaufbau. Uns liegt die Jugendarbeit am Herzen, weil … … wir denken, dass Taekwondo nicht nur ein Sport ist. Es ist Aufgabe des Verbandes zu bilden und zu vernetzen. Wir wollen den Jugendlichen einen Ort geben, an dem sie sich miteinander im Sport und in der Freizeit austauschen und weiterentwickeln können. Wir engagieren uns für unsere Jugend, indem … … wir nach der Inaktivität der TJBB in letzter Zeit wieder anfangen Events zu planen und uns präsent zeigen. … wir ein direktes Sprachrohr zum Verbandsvorstand darstellen und auf die Bedürfnisse der Jugend eingehen. … wir einige kleinere Online-Aktionen wie ein digitales Quiz anbieten, um die Zeit im Corona-Lockdown aufzulockern.
An der Arbeit gefällt uns am meisten … … dass wir unsere eigenen Ideen einbringen können und uns mit den Interessen vieler auseinandersetzen. Wir können ganz individuell auf die Anforderungen und Ideen der Jugend eingehen und das, indem wir unser eigenes Wissen dazutun und verbreiten. Für die Zukunft wünschen wir uns für die Jugendarbeit, dass … … wir einen regelmäßigen Austausch initiieren können, bei dem wir uns enger mit den Jugendlichen abstimmen und auch direktes Feedback erhalten. Wir wollen feste Strukturen etablieren, um eine beständige Möglichkeit für die Jugend darzustellen, sich im Verband zu organisieren und einzubringen. Außerdem … Die TJBB hat sich schon immer für ein fröhliches und spielerisches Miteinander eingesetzt. So diente die Organisation von offenen Trainings in den Bereichen Technik und Kampf oft dem Austausch von Jung und Alt, denn gerade dies ist der TJBB sehr wichtig. Die Förderung der Jugend profitiert in höchstem Maße von der Durchmischung aller Altersklassen. Auch gab es unter anderem Einheiten und Events wie Sackhüpfen, die eher dem Spaß als dem Sport dienen, denn Jugendarbeit ist genau das: Wir bieten den Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit, außerhalb des normalen Trainings miteinander Spaß zu haben.
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HOCH HINAUS von Paul Knauthe und Daniela Kollere
Es ist eine der faszinierendsten Techniken des Taekwondo: Ein kraftvoll auf 180 Grad getretener Yop Chagi. Für Formen wettkämpfer ist dieser senkrechte Kick ein erstrebenswer-
tes Trainingsziel, wollen sie international konkurrenzfähig sein. Welches Training und welche Kniffe dabei helfen können, den Yop Chagi in diese Höhe zu treten, wollen wir hier vorstellen.
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Claudia Peters, eine der erfolgreichsten Formen läuferinnen Deutschlands, brachte 2014 von ihrem Trainings lager in Korea eine einfache Maxime des Trainers für den senkrechten Yop Chagi mit: „Du musst trainieren. Jeden Tag. Und dehnen. Jeden Tag.“ Daher begannen alle Trainingseinheiten dort auch mit: Kicktraining. Für mindestens eine Stunde. Ist das schon das Erfolgsgeheimnis? „Das ist nicht das Geheimnis, aber eine entscheidende Grundlage. Wiederholungen und ständiges An-sich-arbeiten sind ohnehin Schlüsselfaktoren im Leistungssport,“ sagt Bundestrainer Technik-Recognized Paul Knauthe. Wenn man betrachte, wie viele Wiederholungsschleifen die Bundes kaderathleten und -athletinnen absolvieren, bis die Techniken „sitzen“, sei das sicherlich ein fundamentaler Faktor. „Nur wenn ich den perfekten Ablauf verinnerlicht habe, kann ich ihn auch unter höchstem Stress abrufen.“ Natürlich gibt es weitere Komponenten, um die Trainingszeit effizient zu nutzen und sein Ziel zu erreichen: Die körperliche Grundkonstitution, die Kenntnis der korrekten TechnikBestandteile sowie sinnvolle, auf das Zielbild abgestimmte Trainingsmethoden sind drei entscheidende Bausteine. Wichtig ist, ein klares Zielbild vom Kick zu haben – von allen Einzelteilen (Standbein, Hüfte, Oberkörper, Arme) und zwar während des gesamten Prozesses der Kickausführung. Nur wenn man das hat, kann man zum einen sein Training darauf ausrichten und zum anderen weiß der Kopf, wo es „hingehen“ soll, und kann den Körper auf dem Weg dorthin unterstützen. Sobald man das eigene Zielbild hat, gibt es zahlreiche Übungen und Trainingsmethoden. Zu den Favoriten von Paul Knauthe gehören beispielsweise diese: Bevor er seine Formenwettkämpfer den Kick als Ganzes üben lässt, teilt er die Sequenz auf und trainiert die einzelnen Bestandteile. „Und dabei darf man wirklich kleinteilig werden“, betont Knauthe. Das gibt einem die Möglichkeit,
noch genauer darauf zu achten, worauf es ankommt. Weitere Tools sind Videoanalyse und Feedback – gerade wenn man im Detail arbeitet, ist es wichtig, eine qualifizierte Rückmeldung zu erhalten. Das funktioniert mit Videoaufnahmen und entsprechenden Apps oder über einen Trainer/Mitsportler. Diese sofortige Rückmeldung ist zwischen den Wiederholungen im Training besonders wertvoll. Eine dritte Hilfestellung bilden Beschreibung und Visualisierung. „Ich zum Beispiel schreibe mir meinen perfekten Ablauf auf. Dabei erwähne ich die einzelnen Schritte und worauf ich konkret achten möchte. Ich kann mir auch bestimmte Begriffe dafür ausdenken, um noch mehr auf den Punkt zu bringen, worauf der Fokus liegen soll.“ Geht man diesen Ablauf dann immer wieder vor dem inneren Auge durch, verfestigt er sich von Mal zu Mal.
Kontrolle über den Körper
Eingangs ist die Bedeutung der Grundkonstitution angesprochen worden. „Bewegung bedeutet Kommunikation unserer Knochen, Muskeln, Gelenke und Organe mit der Zentrale, unserem Gehirn. Je flexibler ich in dieser Kommunikation bin, desto besser bin ich im Sport“, erläutert die Physiotherapeutin Daniela Knauthe, die seit vielen Jahren auch Formenläufer betreut. „Man kann und sollte trainieren, alle Systeme abrufen zu können.“ Wenn man den Sportlern erklärt, dass das Herzkreislaufsystem das Kühlsystem des Körpers ist, werde klar, warum sie Ausdauer trainieren sollten: „Je besser mein Körper in der Lage ist, sich selbst zu regulieren, desto länger und besser kann er alle Funktionen ausführen und sich selbst versorgen.“ Bei der Mobilisation stehe nicht der Zug auf den Muskel im Fokus, sondern vielmehr der Druck im Gelenk als Information und Impuls. Dadurch entstünden Rezeptoren, die dem Gehirn auch langfristig bessere Kommunikation ermöglichen und es zum Beispiel dem Muskel in der Aktivität mehr Länge gibt. Hierzu bieten sich Übungen aus dem Yoga mit einer längeren Verweildauer (ein bis drei Minuten) an. Was das für das Trainieren des senkrechten Yop Chagis bedeutet? „Wenn die Kommunikation zwischen Gelenk und Gehirn gut funktioniert, kann der zugehörige Muskel besser gekräftigt werden.“ Die Form der Kräftigung richte sich nach dem aktuellen Ziel, ob man klassisch Maximalkraft oder Ausdauer, Schnellkraft trainiert. Bundestrainerin Recognized Daniela Koller ergänzt, dass Kondition und Koordination als wichtige sensomotorische Fähigkeiten mit sportartspezifischen sowie speziellen Übungsreihen zum Tritt und Übungen „outside the box“ – also nicht taekwondospezifisch – trainiert werden müssen. Spannend sei, dass Formenläufer oft den Kick nach oben trainieren, für den Körper aber viel wichtiger ist, was pas-
siert, wenn das Bein nach oben „fliegt“ – wo braucht der Sportler Stabilität, damit diese Bewegung ermöglicht wird? Sowohl das Standbein, die Stabilität in der Hüfte und ein fester Oberkörper sind hierfür mindestens genauso relevant wie die Aufwärtsbewegung des Kickbeins selbst. Dass man über eine sehr gute Dehnung verfügen muss, ist klar. Aber für weitere Trainingsimpulse bieten sich auch diverse Hilfsmittel an: Für Stabilität und Koordination kann beispielsweise der Untergrund variiert werden, indem man seine Übungen und auch die Kicks selbst auf unterschiedlich beschaffenen Matten oder verschiedenen Balance Boards ausführt. Übungseinheiten auf der Slackline schulen zusätzlich das Gleichgewicht. Dafür sollte allerdings eine gewisse Grundstabilität bestehen, sonst ist die Verletzungsgefahr zu groß. Einzelne Kick-Übungen können auch mit unterschiedlich starken Thera- oder Kickbändern trainiert werden. Es darf jedoch auch nicht außer Acht gelassen werden, so Koller, auch die Beinachse zu trainieren. „Um den Oberkörper besser aufrichten und stabilisieren zu können, muss neben dem Latissimus auch die komplette Bauchmuskulatur, speziell die seitliche, trainiert werden.“ Formenläufer trainieren diese mit ergänzendem Fitnesstraining, aber natürlich auch taekwondospezifisch. „Bei all dem Fokus auf 180 Grad darf nicht vergessen werden, dass die Härte des Yop Chagis und vor allem die korrekte Ausführung wichtiger ist“, betont Koller.
Diese Aspekte sind wichtig für den 180-Grad-Yop Chagi:
- Starten aus dem sicheren Stand - Bei der Aufzugbewegung des Knies sollte der Unterschenkel bis kurz vor Schluss am Oberschenkel verbleiben; zunächst führt das Knie, ab dem Zur-Seitedrehen die Ferse. Das Knie ist vor dem Kippen höher als Ferse und Hüfte sowie seitlich, die Ferse ist eng vor dem Gesäß - Der Standfuß ist 180 Grad nach hinten rotiert - Das Standbein ist zu 95 Prozent gestreckt, beide Hüften müssen komplett geöffnet sein - Das Standbein steht mit seinem Schwerpunkt senkrecht zum Boden - Das Ziel ist es, die Hüfte bewusst zu kippen und nicht lediglich den Oberkörper nach unten zu bewegen - Erst im letzten Drittel des Kicks wird das tretende Bein gestreckt und mit Geschwindigkeit zu einem klar erkennbaren Endpunkt geführt (Impact) - Am Endpunkt des Kicks bilden Oberkörper, Hüfte/ Gesäß und das Kickbein eine Linie - Die Hüfte ist die ganze Zeit aktiv geöffnet - Als Ideal: „Y“-Form des Oberkörpers, d. h. Oberkörper aktiv zum Kickbein führen, dabei in der Achse bleiben Viel Erfolg beim Training! Und nicht vergessen: Man muss üben. Jeden Tag! DTU-Magazin Taekwondo 20 - Ausgabe 8 07/2021 -
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DTU-JUGEND UPDATE Rückblick
Die letzten drei Monate nutzten wir für Weiterbildungsangebote und um strukturelle Planungen weiter zu verwirklichen. Trotz des Ausblicks auf bundesweite Lockerungen bezüglich des Trainingsalltages hoffen wir, dass digitale Trainingsangebote als Ergänzung zum Altbekannten bleiben werden. Daher wurden zwei Workshops zur Optimierung von digitalen Trainingseinheiten angeboten. Als Referentin und Referent konnten wir Lisa Rucker (BTU) und Jin Kwak (TUBW) gewinnen. Unsere Referentin für Safe Sport, Charlotte, leitete einen digitalen Workshop für den Thüringer Landesverband rund um das Thema Prävention sexualisierter Gewalt im Taekwondo. Eine wichtige Erkenntnis dieser austauschfreudigen Runde war die Notwendigkeit eines praxisorientierten Leitfadens rund um das Thema PSG. Dieser Leitfaden wird aktuell erstellt. Das Stufenmodell zur Prävention wird vom DOSB in Zusammenarbeit mit der dsj aktualisiert, damit auch der Erwachsenensport in das Themenfeld integriert wird. Der Leitfaden der DTU soll dann sowohl den Kinder- und Jugendsport als auch den Erwachsenensport abdecken.
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Am 26. Juni wurde die digitale Weiterbildung „Aufbau einer Schulsport-AG“ mit Mike Paustian als Referent angeboten. Im kommenden Schuljahr stehen für Schüler und Schülerinnen turbulente Zeiten bevor. Umso wichtiger ist es, dass wir uns Strategien erarbeitet haben, Taekwondo weiterhin an Schulen zu etablieren.
Ausblick Wir freuen uns, ankündigen zu können, dass im zweiten Halbjahr 2021 eine Schulsportausbildung in Präsenz geplant wird. Weitere Informationen diesbezüglich werden auf allen bekannten Kanälen folgen. Die Planungen für die Mitgliederversammlung der DTU-Jugenden im Herbst in Hamburg stehen in den Startlöchern! Ab sofort können sich Nachwuchsleistungssportler/ innen und ehrenamtlich Engagierte im Alter von 16 bis 19 Jahren für die Teilnahme am DOJL Peking bewerben, um die Faszination Olympia live vor Ort zu erleben. Die Bewerbung ist bis zum 8. August möglich.
WT POOMSAE ONLINE CHALLENGE – VIRTUELLE TURNIERSERIE GEHT WEITER von Raffaella Delli Santi Nach der ersten Online Poomsae Challenge der WT im April für die Jugendklassen geht es im Juni und Juli weiter mit den Kadetten und Kadettinnen. Wie schon bei Teil 1 treten die Sportler und Sportlerinnen in zwei Kategorien an – die für Nationalmannschaften und in einer zweiten offenen, bei der alle Interessierten mitmachen dürfen, sowohl in den Einzelklassen als auch in Paar- und Team/ Familienkonstellationen. Die DTU schickt zwei Mitglieder des Technikbundeskaders ins Rennen um Medaillen: Helena Silberhorn (HTU) und Tom Lüdders (TUH) sind für das deutsche Nationalteam nominiert. Helena im Einzel Recognized der Kadettinnen, Tom in den beiden Klassen Einzel Recognized und Einzel Free Style der Kadetten. Von 10. Juni bis 3. Juli werden die drei Runden in den unterschiedlichen Klassen auf YouTube gestreamt. Die erste Runde haben die beiden jungen Formenläufer sehr gut gemeistert und sind jeweils in die Halbfinal-Durchgänge ihrer Klassen vorgerückt. Dort hat Helena Silberhorn trotz einer starken Leistung leider ganz knapp als Neuntplazierte das Finale der besten Acht verpasst. Tom Lüdders hat als einziger Europäer das Finale in seiner Klasse erreicht und kämpft nun ab 2. Juli um Edelmetall – und das gleich doppelt, denn auch in seiner zweiten Startklasse, dem Freestyle, geht es jetzt um die Podestplätze. Auch in dieser Kategorie ist er einziger Starter aus Europa. Zur Drucklegung dieser Ausgabe waren die Ergebnisse der Finaldurchgänge noch nicht bekannt. Die deutschen Starterinnen und Starter der ersten Challenge im Frühjahr haben sich beachtlich gegen die
zum Teil sehr starke Konkurrenz aus Asien geschlagen. Ana Catalina Pohl (9.), Tim Do (10.) und Leon Reich (Freestyle, 11.) haben den Einzug ins Finale der besten acht nur knapp verpasst, ebenso Anna Siepmann, die im Halbfinale ihrer Gruppe der Open Category 6. wurde. Mian Fromm wurde 14. im Halbfinale seiner Gruppe und zeigte in dieser hoch besetzten Gruppe eine starke Leistung. Adina Machwirth, die sechste im Bunde der Nominierten, musste leider krankheitsbedingt auf den Start im Halbfinale verzichten. Die Chance, sich in der Open Category online mit Formenläufern und -läuferinnen weltweit zu messen, haben auch die beiden Juniorinnen Jessica Storm (TUS) und Pia Hoffmann (HTU) wahrgenommen und jeweils das Halbfinale ihrer Gruppe erreicht. Eine Besonderheit bei den Challenges sind Paar- sowie Teamklassen, in denen Familienmitglieder in unterschiedlicher Besetzung und unabhängig vom Alter zusammen an den Start gehen dürfen. Diese Möglichkeiten haben die beiden Brüder Fabian und Leon Reich (TVBB) sowie die Geschwister Cira und Chris Lange (TUS) wahrgenommen und jeweils das Halbfinale erreicht. Bis ins Finale ihrer Kategorie haben sich dann Katrin und Ronja Paschke (TVBB) als MutterTochter-Duo vorgekämpft, als Familienteam ist dies Coni, Chris und Cira Lange (TUS) gelungen. Nach der Sommerpause geht es im September mit den Senioren- und Paraklassen weiter. Das große Finale findet im Dezember statt, bei dem die jeweils acht Finalteilnehmer jeder Altersklasse nochmals gegeneinander antreten. DTU-Magazin Taekwondo 20 - Ausgabe 8 07/2021 -
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FÖRDERER UND SPONSOREN DER
RDERN THLETEN. E MENGE MOMENTE. 11.09.19 12:42
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