Taekwondo 20 Magazin für olympisches Taekwondo in Deutschland
Erfolgreiche Bundesbreitensportlehrgänge Europameisterschaft und Weltmeisterschaft Medaillen und ihre Geschichten Erfolg mit der Bundeswehr Neue internationale Kampfrichter
Ausgabe 12 - Juli 2022
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Liebe Freunde des Taekwondo, liebe Sportlerinnen und Sportler! Taekwondo fasziniert Menschen jeden Alters. Das wird auch in unserem aktuellen DTU-Magazin Sommer 2022 deutlich. Beim Jugend- und Sichtungslehrgang Technik vom 13. bis 15. Mai in Hennef stand einmal mehr die Taekwondo-Jugend im Mittelpunkt (Seite 4). Die Deutsche Sportjungend (dsj) thematisiert in einer Broschüre das Thema „Rechtssicherheit im Sport“. Darin wird auch der rechtliche Rahmen der gesellschaftspolitischen Positionierungsmöglichkeiten für Vereine erklärt. Was lässt sich erfahren, wenn sich eine berufstätige Dreifach-Mama und eine berufstätige Zweifach-Mama zum Interview verabreden? Sarah Stevenson, die dreifache Weltmeisterin, vierfache Europameisterin und Bronzemedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen steht in der männerdominierten Verbandswelt ihren „Mann“ (Seite 6). Europameisterschaften, Weltmeisterschaften in den vergangenen Monaten am laufenden Band. Wir berichten über die bevorstehenden Weltmeisterschaften der Kadetten vom 28. bis 31. Juli in Sofia. Natürlich gibt es einen ausführlichen Nachbericht über die EM in Manchester (Seite 28) und die Technik-WM in Korea (Seite 32). Dazu jeweils Stimmen, Meinungen und Interviews. Einen zu Recht breiten Raum im Taekwondo nimmt der Breitensport ein. So auch in dieser Ausgabe. Am 18. Juni fand in Alsdorf bei Aachen zum ersten Mal ein Bundes breitensportlehrgang statt (Seite 20). Auch in Lauenau war es das erste Mal, das dort am 21. Mai ein solcher Lehrgang durchgeführt wurde (Seite 21). Bereits zum dritten Mal startete am 28. Mai ein Lehrgang für Breitensportler in Pfaffenhofen (Seite 26). Und nunmehr zum fünften Mal fand der Lehrgang „Falkenfighter meeting friends“ in Falkensee bei Berlin statt (Seite 27). Ai Quynh Vo, Nebras Kazkas und Anne-Kathrin Minx haben die Prüfung zum International Referee erfolgreich bestanden. Lesen Sie dazu den Bericht von Anne-Kathrin Minx ab Seite 40. Die Hilfe der jungen DTU-Community benötigt Steven Behn. Für seine Masterarbeit als angehender Sportpsychologe sucht er 13- bis 19jährige TaekwondoSportlerinnen und Sportler, die an einer Online-Umfrage teilnehmen (Seite 10). Weitere Interviews (zum Beispiel mit Milica Mandic aus Serbien (Seite 12) runden diese DTUMagazin-Ausgabe ab. Ich wünsche Euch/Ihnen einen erholsamen Sommer, beste Gesundheit und ein bisschen Lesespaß mit unserem Magazin. Wenn Sie das DTU-Magazin in Zukunft regelmäßig lesen möchten, können Sie für einen kleinen Beitrag ein Jahresabo abschließen. Dann kommt viermal im Jahr DTUTaekwondo persönlich zu Ihnen nach Haus (Seite 43). Herzliche Grüße Helena Stanek
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Inhalt ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■
4 Die Jugend im Mittelpunkt 6 Sarah Stevenson im Interview 9 Weltmeisterschaften Kadetten und Jugend 10 Steven Behn benötigt Unterstützung 12 Milica Mandic 16 EM-Medaillengewinner im Interview 18 Ausrüster zu Gast in Nürnberg 19 Stefan Klawitter und Parlamentarischer Abend 20 Bundesbreitensportlehrgänge 24 Trainingswochenende für TechnikBundeskampfrichter 26 DTU-Jugend: Sport und Politik 27 MUJU Taedwondo Online 2022 28 Europameisterschaft in Manchester 32 Technik Weltmeisterschaft im Rückblick 35 Vizepräsident Rainer Tobias 36 Sportdirektorin Raffaella Delli Santi 37 Interview mit Andreas Hahn 40 Internationale Kampfrichter 43 Abo DTU-Magazin!
Impressum Herausgeber: Deutsche Taekwondo Union e. V. Georg Brauchle-Ring 93 80992 München Telefon: 089 15 00 21 31 Verantwortlich für den Inhalt: Helena Stanek Mitarbeiter an dieser Ausgabe: Hermann-J.Hoffe (hh), Raffaella Delli Santi, Klaus Haggenmüller, Stephanie Wiechert, Paul Heinrich, Stephan Nerge Fotos: Holger Heubeck, Felix Schmale, Binh Doung, Peter Bolz, World Taekwondo, DTU-Archiv, Interviewpartner Redaktionsleitung: Helena Stanek (Fromm) – E-Mail: stanek@dtu-mail.de – Mobil: +49 174 6853194 www.dtu.de www.facebook.com/DeutscheTaekwondoUnion instagram.com/ger_taekwondo/
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DIE JUGEND IM MITTELPUNKT Umfangreiche Maßnahme in Hennef von Raffaella Delli Santi Lange war er geplant, der Jugend- und Sichtungslehrgang Technik der DTU. Vom 13. bis 15. Mai haben es die äußeren Rahmenbedingungen endlich zugelassen: Unter gewohnt perfekten Bedingungen kamen 27 Jugendliche zu einem Wochenende voller Impulse und Spaß in der Sportschule Hennef zusammen. Unter den eingeladenen Sportlerinnen und Sportlern waren sowohl erfahrene Bundeskader- als auch Perspektivsportler, die aufgrund ihrer ausgezeichneten Leistungen auf den letzten Turnieren eingeladen worden waren – und zwar erstmals aus allen drei Bereichen: Recognized, Freestyle und Para. Ziele des Lehrgangs für die fünf Bundestrainerinnen und -trainer Imke Turner, Daniela Koller, Bernhard Thomys, Paul Knauthe und Lukas Stein waren, sich einen Überblick über den aktuellen Nachwuchs zu verschaffen, Impulse und Erkenntnisse der WM an Sportler und Trainer weiterzugeben und vor allem den jungen Formenläuferinnen und -läufern ein tolles Umfeld für die persönliche Weiterentwicklung zu bieten. Begleitet wurden sie dabei auch von einigen (Landes-) Trainern, deren Feedback durchweg positiv ausfiel: „Meiner Sportlerin und mir hat der Lehrgang super gefallen!“, resümiert Cira Lange von der Taekwondo Union Sachsen. Für die Teilnehmer sei es eine tolle Gelegenheit gewesen, individuelles Feedback zu erhalten. „Ich persönlich wiederum konnte mir gute Anregungen herausnehmen und kann diese anschließend im selbstständigen Training sowie als Gruppenleiterin anwenden“, fasst
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sie zusammen. Das Fazit von Victoria Wunderle fällt ähnlich aus: „Als Co-Landestrainerin Jugend in Bayern war es für mich sehr interessant und beeindruckend zu sehen, wie die Bundestrainerinnen und Bundestrainer einen dreitägigen Lehrgang mit so vielen jungen Sportlern gestalten. Jede einzelne Einheit war gut strukturiert und hatte einen anderen Schwerpunkt.“ Besonders gut sei angekommen, dass die Bundestrainer jedem Talent spezifische Verbesserungen und Hinweise an die Hand gaben und immer Rücksprache mit anwesenden Vereins- und Landestrainern hielten. Der Lehrgang startete am Freitagabend mit einer lockeren Mobilisation und koordinativen Übungen zur Vorbereitung auf die weiteren Trainingseinheiten. Abgerundet wurde das Ganze mit einem kurzen, vorbereitenden Impuls zum Thema Fußstellungen. Bereits in der ersten Einheit war die große Motivation und Bereitschaft der Sportlerinnen und Sportler erkennbar. Der Samstag griff wichtige Schwerpunkte auf, die auf der letzten WM als Kernhandlungsfelder identifiziert wurden. Neben der Mobilisation als Grundlage startete der Tag mit einer Kickeinheit. Unter dem Motto „Mein perfekter Ap-/ Yop-chagi“ wurde viel Detailarbeit geleistet. Am Ende der Einheit konnte man bereits viele Fortschritte erkennen. Daran schloss eine gemeinsame Freestyle-Einheit an, in der sich alle Teilnehmer mit Mehrfachkicks beschäftigten. Der Nachmittag stand im Zeichen der Themen Fußstellungen, Drehungen, Impact, Flow und Aufzüge. Das Bundestrainerteam gab hierzu zahlreiche individuel-
le Hinweise, die den Sportlern eine optimale Entwicklung ermöglichen. Parallel arbeiteten die Freestyler an wichtigen Pflichtelementen. Bei so viel konzentrierter Feinarbeit wurde die Abendgestaltung auf entspannte Sportspiele ausgelegt, die Freude und Teambuilding in den Mittelpunkt stellten. Bevor alle Sportler am Sonntagmittag die Heimreise antraten, gab es eine Trainingseinheit mit Wettkampf läufen und nochmaligem individuellen Feedback. Jeder Sportler präsentierte zwei Poomsae und erhielt – zusammen mit dem anwesenden Landes- oder Vereinstrainer – Vorschläge für die weitere Trainingsarbeit. „Es war eine sehr schöne, entspannte, dabei hochkonzentrierte Lehrgangsatmosphäre“, fasst Bundestrainerin Daniela Koller zusammen und ergänzt: „Die jugendlichen Sportlerinnen und Sportler trainierten miteinander und unterstützten sich gegenseitig, die Erfahrenen gaben ihr Wissen weiter.“ Das Bundestrainerteam hat viele beeindruckende Talente und fleißige Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlebt. Paul Knauthe ergänzt: „Es war schön zu sehen, wie sich bereits während des Wochenendes eine Entwicklung eingestellt hat. Jetzt gilt es, das Ganze im Heimtraining nachhaltig zu integrieren und eine weitere Entwicklung stattfinden zu lassen.“
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„THIS ROLE COME TO ME AS A LITTLE BIT OF SHOCK” Sarah Stevenson – Präsidentin vom Britischen Taekwondo Verband im Interview von Helena Stanek Sie ist dreifache Weltmeisterin, vierfache Europa meisterin und Bronzemedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen. Lange Zeit war Sarah Stevenson die Vorzeigeathletin des britischen Verbandes. Nun ist sie zweifache Mutter und Personal-Trainerin und führt den Verband als Präsidentin an. Es ist nicht einfach, wenn eine berufstätige Dreifach-Mama versucht, sich mit einer berufstätigen Zweifach-Mama zum Interview zu verabreden. Doch wir haben es geschafft und ich freue mich ganz besonders, Sarah in diesem Interview als eine Art „Role Model“ für Präsidentinnen in einer männerdominierten Verbandswelt vorzustellen.
Seit 2012 ist in Großbritannien eine neue Ära angebrochen. Du hast mit deinen Erfolgen den Grundstein für diese neue Ära gelegt. Wo siehst du aktuell das Team GB im internationalen Vergleich?
A new era has dawned for Taekwondo in Great Britain since 2012. By your successes and medals you have laid the foundation for this new era. Where do you currently see the British team in an international comparison?
Ich fühle mich sehr geehrt, Teil der neuen Ära und des starken britischen Teams seit 2012 gewesen zu sein. Ich glaube, wenn man eine Goldmedaille errungen hat, hat man eine sehr günstige Ausgangsposition, um die Öffentlichkeitsarbeit und die Finanzierung zu fördern und den Pfad für die nächste Generation zu ebnen.
I feel very honoured to have been part of the new era and strong force of GB athletes since 2012. I believe that once a gold medal is achieved you have a huge window of opportunity to maximise the publicity and funding to create a pathway for the next generation.
Aktuell ist das britische Team immer noch eines der erfolgreichsten auf der Welt.
Currently GBR are still a major leading force in the world.
Was macht ihr anders als andere Nationen?
What do you do so much differently than other nations?
Ich glaube, dass wir mit Gary Hall MBE, unserem langjährigen Leistungssport-Direktor, eine starke Führungs persönlichkeit haben. Er hatte eine Vision, die er in die Realität umsetzte, und er brachte ein Team von gleichgesinnten Coaches und Athleten mit auf den Weg. Die Werte dieser Vision sind nach wie vor gültig und mächtig.
I believe we started with a strong leader in Gary Hall MBE, our longstanding performance director. He had his vision, made the vision come true and brought a team of likeminded coaches and athletes with him along the journey. The values of this vision are still strong.
Es gibt nicht viele weibliche Präsidenten in der TaekwondoWelt. Wie kam es, dass du diese Funktion übernommen hast? Was möchtest du vielleicht auch damit zum Ausdruck bringen?
There are not many female presidents in the Taekwondo world. How did it happen that you took this function? What do you perhaps also want to express with it?
Es gibt tatsächlich nur eine sehr kleine Anzahl an weiblichen Präsidentinnen in der Taekwondo Welt – man kann sie an einer Hand abzählen.
There is a very small number of female presidents within World Taekwondo, I can count on one hand.
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Diese Rolle war für mich ein kleiner Schock und ich habe einige Zeit gebraucht, um mich in einer solchen Männerwelt zurechtzufinden. Aber ich habe viel Unterstützung von British Taekwondo, GB Taekwondo und UKSport erhalten. UKSport bietet Führungskurse an, an denen ich teilgenommen und so viel von anderen weiblichen Führungskräften gelernt habe. Sehen heißt glauben und ich möchte, dass unsere ehemaligen Athleten sehen, dass auch Frauen in Führungspositionen kommen können, und wir brauchen mehr Frauen an der Spitze, um die besten und ausgewogensten Entscheidungen für unsere jungen Menschen zu treffen. Das Wichtigste für mich in dieser Funktion ist, dass ich nicht einfach nur diese Position habe, weil sie von jemandem besetzt sein muss! Ich möchte, dass meine Stimme gehört wird, denn ich weiß, dass alles, was ich sage und tue, zum Wohle unserer Mitglieder und der Entwicklung unserer Sportart ist. Du bist zweifache Mutter, betreust Sportlerinnen und Sportler im Personal-Coaching, bist selbst noch eine Sportskanone mit täglichem Training. Dein Mann, Steven, ist oft mit dem Nationalteam in der ganzen Welt unterwegs. Wie sieht euer Alltag aus? Mutter zu sein ist ohne Zweifel schwieriger als Sportlerin zu sein. Als Sportler muss man sich nur um sich selbst kümmern und die Leute sind da, um einem zum Erfolg zu verhelfen. Als Mutter ist man auf sich allein gestellt und die Kinder interessieren sich nicht für deine Vergangenheit, sie wollen nur ihre nächste Mahlzeit oder ihre GuteNacht-Geschichte. Es ist schwer, sich als Elite-Athletin, die früher einmal „wichtig“ war, in diese Rolle einzufinden.
This role came to me as a little bit of a shock and it has taken me some time to learn the ropes in order for me to feel comfortable in such a man’s world. However, I have had a lot of support from British Ta ek w o nd o , GB Taekwondo and UKSport. UKSport has leadership courses that I attended and learned so much from other female leaders. Seeing is believing and I want our ex-athletes to see that females can go in to leadership roles and we need more females at the top to make the best and most balanced decisions for our young people. The most important thing for me in this role is that I do not want to be a box ticked! I want my voice heard, as I know that everything I say and do is for the benefit of our members and our growth as a sport. You are a mum of two, you provide personal coaching for athletes and on top, you are still a jock with daily training. Your husband, Steve, often travels around the world with the national team. What does your everyday life look like? Being a mum is harder than being an athlete, for sure. When you‘re an athlete you only have to take care of you and people are there to help you succeed. When you‘re a mum, you are on your own and the children do not care about your past, they just want their next meal or their bedtime story, haha. It´s hard to get your head around this as an elite performer who used to be important.
Kinder geben mir Halt, sie geben mir eine Perspektive im Leben und machen mir klar, was wirklich wichtig ist.
Children keep me grounded; they give me perspective on life and make me realize what is important.
Es ist sehr schwer, das Leben mit meinem Business als Personal Trainerin, als öffentliche Rednerin, mit Präsidentschaft usw. unter einen Hut zu bringen, vor allem, wenn mein Mann viel unterwegs ist. Ich schaffe das mit den Fähigkeiten, die ich aus meiner Vergangenheit als Profi-Sportlerin mitgenommen habe. Wir haben Kompetenzen, die viele andere nicht haben, wir machen weiter, wir planen und wir schaffen es, dass es läuft.
It is very hard to balance life with my fitness business, my public speaking, being the president etc., especially when my husband is away a lot with coaching. I make it work with the skills I have instilled in me from my elite past. We have skills that many others don´t have, we get on with it, we plan hard and we make it work.
Hilft diese Gemeinsamkeit, die „Leidenschaft für das Taekwondo“, den Familienalltag zu bewältigen?
Does this commonality, the passion for Taekwondo, help to manage the daily family life?
Ich denke, diese Frage habe ich bereits beantwortet.
I think this is answered above.
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Welchen Appell hast du an ehemalige weibliche Profisportlerinnen in unserer Sportart?
Which appeal do you make to former female professional athletes in our sport?
Nicht denken, sondern machen! Als Frauen denken wir zu viel und glauben, dass wir in allem, was wir tun, qualifiziert sein müssen. Mach es einfach! Lasst uns das Imposter-Syndrom loswerden und wirklich alles tun, was wir wollen, unabhängig vom Ergebnis. Es ist die Reise, aus der wir am meisten lernen.
Don´t think, just do! As females, we overthink and believe we need to be qualified in everything we do. Go for it! Let´s get rid of the imposter syndrome and really just go for anything we want, regardless of the outcome. It´s the journey we learn most from.
Die EM
Die EM
Großbritannien setzt wieder neue Maßstäbe in der Organisation eines Events. Erstmals finden die Para-Wettkämpfe parallel zum olympischen Taekwondo statt. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Great Britain has once again set new standards in the organization of an event. For the first time, the para tournament took place parallel to Olympic Taekwondo. How did this decision come about? I am so proud of our event system and the team that put our events together; our standards are world leading and our visions world class!
Ich bin so stolz auf unser Veranstaltungssystem und das Team, das unsere Veranstaltungen auf die Beine stellt. Unsere Standards sind weltweit führend und unsere Visionen Weltklasse!
To have the para compete the same as everyone else was truly inspiring and I would like to see more nations follow suit.
Es war wirklich inspirierend, dass die Para-Sportler genauso wie alle anderen bei der EM antreten konnten, und ich würde mir wünschen, dass mehr Nationen diesem Beispiel folgen.
All of us are equal and deserve the same support and limelight. This was paramount in Manchester when we saw the para athletes have the same spotlight for their final matches ... We really got to see the sport in all its glory and for that, I am proud of my nation.
Wir sind alle gleich und verdienen die gleiche Unterstützung und das gleiche Rampenlicht. Es war in Manchester besonders wichtig, dass die Para-Athleten bei ihren Finalkämpfen im gleichen Rampenlicht standen. Wir konnten den Sport in seiner ganzen Pracht sehen und deshalb bin ich stolz auf meine Nation. Olympische Spiele 2024 in Europa. Zuletzt fanden sie hier in deinem Land mit dir als Kämpferin statt. Was bewirken Olympische Spiele immer noch in dir?
Olympic games 2024 in Europe. They were last held in your country with you as an active athlete. What do the Olympics still trigger in you?
Die Olympischen Spiele sind der einzige Wettkampf, der mich dazu bringen würde, aus dem „Ruhestand“ zurückzukehren. Die Olympischen Spiele sind ein wahr gewordener Traum und man kann das Gefühl nicht erklären, wenn man nicht dabei war.
The Olympics is the only competition that makes me want to come out of retirement. The Olympics is a dream come true and you cannot explain what it´s like unless you have been.
Die Olympischen Spiele lösen Gefühle aus, die ich hatte, als ich elf Jahre alt war und von einer Olympischen Medaille träumte. Jetzt kann ich meinen Kindern zeigen, dass ihre Mama an vier Olympischen Spielen teilgenommen hat und dass sie das auch schaffen können!
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Olympic Games World Championships
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The Olympics triggers feelings I had when i was 11 years old and saw my dream of being an Olympic medallist. Now I get to show my children that mummy went to 4 Olympics and you can do it, too!
WELTMEISTERSCHAFT KADETTEN UND JUGEND Nominierung zur Weltmeisterschaft der Kadetten und Jugend von Helena Stanek ist die Taekwondo-Familie bereit für einen Neustart.
Vom 28. bis 31. Juli findet in Sofia/Bulgarien die Weltmeisterschaft in der Altersklasse Kadetten statt. Es ist bereits die fünfte Ausgabe einer Weltmeisterschaft in dieser Altersklasse. Nach dem Debüt 2014 in Baku/Aserbaidschan folgten Muju/Korea (2015), Sharm El Sheikh/Ägypten (2017) und Tashkent/ Usbekistan (2019). Unmittelbar nach den Kadetten-Weltmeisterschaften, starten in Sofia die U-18 Sportlerinnen und Sportler bei der Jugend-Weltmeisterschaft. Die Jugend-Weltmeisterschaft findet bereits zum 13. Mal statt. Nach einer vierjährigen Pause, seit der letzten Jugend-WM 2018 in Hammamet/Tunesien,
Jugendnationaltaem 2022
WT-Präsident Dr. Choue unterstreicht in seiner Begrüßung zur Kadetten- und Jugendweltmeisterschaft deren Bedeutung: Die Wichtigkeit der Kadettenund Jugendweltmeisterschaft könne nicht unterschätzt werden. Bei den vergangenen Olympischen Spielen in Tokio waren 17 der insgesamt 32 Olympia medaillen gewinner bereits erfolgreich bei Kadetten- oder Jugendweltmeister schaften oder bei Olympischen Jugendspielen. Dies zeige, dass alle Nachwuchsathleten, die in Sofia an den Start gehen, das Potenzial haben, Weltmeister oder Olympiasieger zu werden.
Diese Sportlerinnen und Sportler sind die Hoffnungsträger der DTU für die kommende Weltmeisterschaft in Sofia: Kadetten: Männlich: - 37 kg Nicolai Yuma Sparre (BSV Friedrichshafen) - 41 kg Bato Yasar Özkan (Sportschule Park) - 45 kg Enis Ali Gürel (Sportschule Gürel) - 53 kg Aslan Eyman Cavusman (DJK Lowick) - 61 kg Milad Akbari (TKD Özer)
Weiblich: - 33 kg Johanna Carlotta Zander (KSZ Univers. Meiningen) - 37 kg Ela-Eylül Celik (LT Sports) - 44 kg Dina Kamandi (TKD Herringen) - 47 kg Zümra Yacici (TSV 1865 Dachau) - 51 kg Yara Hamzeh (TKD Elite Nürnberg) - 55 kg Emilia Laura Rucinski (TSV 1865 Dachau) - 59 kg Viktoria Rucinski (TSV 1865 Dachau) + 59 kg Angelina Melzenbach (TKD Swisttal)
Jugend: Männlich: - 45 kg Evangelos Koukousoudis (TKD Swisttal) - 48 kg Daniel Mehlmanan (BSV Friedrichshafen) - 51 kg Victor Husrev (TKD Axel Müller) - 55 kg Enis Calik (TKD Swisttal) - 59 kg Khaled Abdel Halim (TSV 1865 Dachau) - 63 kg Emre Cavusman (DJK SV Lowick) - 78 kg Vincent Hörmann (SV Raisting 1924) + 78 kg Kerim Kücüksungur (KSC Leopard)
Weiblich: - 42 kg Johanna Rommel (BSV Friedrichshafen) - 44 kg Nur Arayan (KSC Leopard) - 49 kg Leonie Mayer (TKD Altmannstein) - 52 kg Adiba Asimi (TSV 1865 Dachau) - 55 kg Svenja Skorupa (TKD Lebach e.V.) - 63 kg Roja Rezaie (TKD Özer) - 68 kg Julika Zimmerling (TKD Swisttal) + 68 kg Medina Karimova (TSV 1865 Dachau)
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WM-TEILNEHMER STEVEN BEHN BENÖTIGT EURE UNTERSTÜTZUNG BEI SEINER MASTERARBEIT! Wir stellen euch den sympathischen Studenten und seinen Werdegang vor. von Helena Stanek Meine Ausgangssituation Taekwondo wurde mir von Anfang an in die Wiege gelegt, da ich im Verein von meinem Papa quasi großgeworden bin. Mit sieben Jahren habe ich offiziell begonnen, danach aber eine längere Pause gemacht. Mit elf Jahren habe ich wieder angefangen und mir gesagt: „Wenn ich wieder loslege, dann richtig!“ Mein schulischer Werdegang Nach der Grundschule bin ich entgegen der Empfehlung der Lehrer auf ein Gymnasium gegangen (Gymnasium Alstertal, Hamburg). Auch hier habe ich mir wieder gesagt: „Wenn ich aufs Gymnasium gehe, dann will ich mich richtig durchbeißen!“ Während der Schulzeit hat sich meine Liebe zum Taekwondo immer mehr verfestigt, weil ich merkte, wie viel ich in der Schule vom Taekwondo profitiere. Während meine Freunde Partys gemacht haben, habe ich mich immer auf mein Training konzentriert. Das hat mir in einer schwierigen Zeit sehr viel Halt gegeben. 2014 konnte ich mein Abi mit 1,3 abschließen. Mein sportlicher Werdegang Ich bin beim Taekwondo Team Fuhlsbüttel aufgewachsen und habe im Laufe der Jahre immer mehr Verantwortung übernommen. Heute führe ich den Verein zusammen mit meinem Papa. Mein Weg zum Leistungssport war vergleichsweise lang und nicht vorhersehbar. Im Vergleich zu meinen Mitsportlern war ich definitiv untalentiert. Aber keiner hat meine Trainingseinstellung geschlagen. Langsam, aber sicher haben sich Erfolge auf Bundesebene eingestellt. Der Durchbruch kam durch das von Bundestrainer Hado Yun initiierte FreestyleTeam, mit dem ich in verschiedenen Konstellationen von 2015 bis 2019 zwei Europameistertitel und einmal WM-Bronze gewinnen durfte. Nach meiner HüftOperation begann 2020 ein neues Kapitel, in dem ich nur noch in Einzel- und mit Nami (aus meinem Verein) in Paarwettbewerben starte.
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Mein Weg an die FernUniversität Hagen Meinen Bachelor in Psychologie habe ich 2015, nach einem Jahr Bundesfreiwilligendienst, begonnen. Nach vier Jahren Studienzeit habe ich mich für den Master an der FernUniversität in Hagen entschieden, um die Flexibilität eines Fernstudiums für den Leistungssport zu nutzen. Vor allem während Corona hat sich diese Entscheidung als Glücksgriff erwiesen. Mein Alltag als studierender Spitzensportler Der Alltag erfordert eine gut durchdachte Planung, um alle Anforderungen unter einen Hut zu bekommen. Morgens und abends stehen bei mir Trainingseinheiten an. Um den Mittag herum finden die Lehrveranstaltungen statt. Momentan arbeite ich an meiner Masterarbeit. Da ist der Tag flexibler, weil ich keine festen Veranstaltungen habe, sondern alles so plane, wie es passt. Neben Studium und Leistungssport arbeite ich, da anders als im Kampfbereich die PoomsaeSportler keine Förderung der deutschen Sporthilfe oder Ähnliches bekommen. Meine größten Unterstützer Diesen Absatz möchte ich gerne meinem Papa widmen, weil in den wichtigsten Momenten in meinem Leben er derjenige ist, der am meisten Einfluss auf mich hatte. Ohne ihn wäre ich nicht derjenige, der ich heute bin. Ich hoffe, dass ich für meine Kinder später annähernd so eine Unterstützung sein kann, wie er es für mich immer noch ist. Meine berufliche Zukunft Meine berufliche Zukunft sehe ich in zwei Bereichen. Auf jeden Fall möchte ich Sportpsychologe werden. Hauptberuflich kann das momentan nur eine Handvoll Leute in Deutschland machen, daher werde ich noch einen „normalen“ Psychologie-Beruf ausüben. Sehr gut könnte ich mir auch vorstellen, zu promovieren.
Meine sportlichen Ziele Ich fokussiere mich nur auf das, was ich kontrollieren kann. Und das ist, jeden Tag ein bisschen besser und die beste Version von mir selbst zu werden. Alles andere kommt von alleine. Fakt ist: Ich bin immer hungrig auf mehr! Was ich anderen Sportlern/Sportlerinnen rate Das kommt immer darauf an, mit wem man spricht. Aber meine Philosophie ist, dass man mit Positivität, Optimismus, Leidenschaft und harter Arbeit alle Herausforderungen meistern und das Leben als eine Art Lernreise betrachten kann. Diese Einstellung hat mir immer geholfen, meine Ziele im Leben zu erreichen!
Hallo liebe DTU-SportlerInnen und Coaches, im Rahmen meiner Masterarbeit und als angehender Sportpsychologe untersuche ich, welchen Einfluss der Coach und sein Verhalten auf das Wohlbefinden seiner/ ihrer SportlerInnen hat. Besonders bei Jugendlichen ist das sehr wichtig. Hierbei ist deine Meinung gefragt! Meine Online-Umfrage erfragt, wie du dich beim Sport fühlst und wie das Verhältnis zum Coach ist. Aus den Ergebnissen können wir lernen, wie man Jugend leistungssport so gestalten kann, dass es für SportlerInnen eine langfristig positive Erfahrung ist. Du bist zwischen 13 und 19 Jahren alt? Trainierst seit mehreren Jahren Taekwondo und das min. 3 h pro Woche? Dann mach mit! Die Umfrage ist 100 Prozent anonym, dauert 20 Minuten und du kannst bei einer Teilnahme einen von drei 20 Euro Amazon Gutscheine gewinnen! Vielen Dank für deine Teilnahme!
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„JEDE MEDAILLE HAT IHRE GESCHICHTE.“ Milica Mandic von Helena Stanek Eine der erfolgreichsten Taekwondo-Sportlerinnen aller Zeiten, Milica Mandić aus Serbien, treffe ich bei der EM in Manchester gegen meine Erwartung auf der Tribüne statt auf der Wettkampffläche. Der Gewinn ihrer ersten EM-Goldmedaille war ihr nicht möglich. Wir sprachen miteinander über Medaillen, ihren energiegeladenen Trainer Dragan und den enormen Druck, der in Tokio auf ihr gelastet hatte.
Es sind für mich stets diese besonderen Momente in meinem Job: Wenn ich ehemalige Trainingspartnerinnen zum Interview treffe. In meiner Vorbereitung auf das Interview mit Milica habe ich die letzten Details über sie recherchiert. Dank der unfassbar wertvollen Datenbank Taekwondo Data finde ich alle nützlichen Infos zur Vorbereitung von Interviews, für Kommentatoren-Aufgaben und die eigene Berichterstattung. So konnte ich über Milica erfahren, dass sie es bislang noch nicht geschafft hat, den EM-Titel zu gewinnen. Ich war sicher, dass ihr dies in Manchester gelingen würde. Spontan, ohne Terminabsprache begegnen wir uns bei der EM. Ich hatte sie auf der Fläche erwartet, doch sie sagte kurz und knapp: „Nein. Nach Tokio habe ich meine Karriere beendet.“ Wir kennen uns sehr lange, haben damals, vor den Olympischen Spielen in London, gemeinsam in Sonthofen trainiert. Mein Trainer Carlos meinte damals: „Ein guter Freund aus Serbien kommt mit seiner Sportlerin auch zum Training.“ Serbien? Das wunderte mich damals, ohne zu wissen, welch herausragende Sportlerin mit mir trainierte. Direkt in meiner ersten Frage an Milica erfuhr ich, dass sie ihre Karriere beendet hatte und schon lange vorher wusste, dass Tokio ihr letzter Wettkampf sein würde. Genau deshalb sei
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in Tokio vieles anders gewesen als in London und Rio de Janeiro: „Tokio war besonders hart. Der Druck war enorm, denn ich wusste, dass ich meine Karriere nach den Spielen beenden werde. Ich weiß, wie sehr Erfolg und Misserfolg das Leben beeinflussen. Von daher waren diese Spiele für mich etwas ganz Besonderes.“ Kann man die Erfolge werten? Sprich, ist ein Olympiasieg wichtiger als ein WM-Titel? Milica hat beides erlebt und antwortet: „Es ist immer hart, diese Frage zu beantworten. Jeder Wettkampf hat seine Geschichte und jede Geschichte ist anders. 2012 war ich sehr jung und es waren meine ersten Olympischen Spiele. 2017 hatte ich viele familiäre Herausforderungen zu meistern. 2021 dann Tokio: Da hatte ich den größten Druck überhaupt, denn ich wusste, alles, was hier passiert, wird mein Leben beeinflussen. Aber insgesamt denke ich, dass die Olympischen Spiele immer das Schwierigste und auch das Schönste sind.“ Die EM sei immer ihr Schwachpunkt in der Karriere gewesen. Sechsmal stand sie in einem Finale der Europameisterschaft. Sechsmal sollte es mit dem Titelgewinn nicht klappen. 2021 habe sie sich für die EM topfit gefühlt. Alles habe gepasst und sie sei mit großen Ambitionen in die Mission GOLD gegan-
gen. Doch dann infizierte sie sich kurz vor der EM mit dem Corona-Virus; damit war ihr auch bei ihrer letzten EM der Titelgewinn verwehrt. Wenn man heute weiß, dass die Reise mit dem Gewinn der Goldmedaille in Tokio weiterging, denkt man sich vielleicht: „… Ach ja, dafür gab es eben Olympiagold.“ Was macht den Unterschied zwischen Titel gewinn bei einer EM und Titelgewinn bei Olympia aus? Milica begründet ihre Stärke bei Großereignissen wie den Olympischen Spielen mit ihrer mentalen Vorbereitung. „Jeder fährt fit zu den Olympischen Spielen. Aber wer mental auf diesen Druck vorbereitet ist, der wird erfolgreich sein.“ Vor allem die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro waren eine schmerzhafte, aber wichtige Lehre für sie: „Ich habe vor allem in Rio gespürt, wie mich der Druck belastet hat. Danach habe ich gemerkt, dass ich mehr tun muss. Ich dachte, nach meinem Erfolg in London geht es immer so weiter. Aber mein Kopf war nicht bereit für den Erfolg in Rio. Darum war ich sicher, dass wir für Tokio mehr arbeiten müssen.“ Seit langem schon arbeitet sie mit einem Mental trainer zusammen. Er hat ihr stets geholfen, mental an diesem einen wichtigen Tag topfit zu sein. Die ganzen Wettkämpfe vor den Olympischen Spielen nennt sie nur „Stationen“, aus denen man lerne könne. Man könne hier erkennen, wo man stehe und was man verbessern müsse, um dann bei Olympia 100 Prozent Leistung zeigen zu können.
Die Vorbereitung auf die Olympischen Spielen in Tokio waren komplett anders, als sie es vor 2012 und 2016 erlebt hat. Die Coronapandemie habe viel dazu beigetragen. Die Verschiebung der Spiele habe ihre Familienplanung sehr durcheinandergeworfen, denn sie hatte fest eingeplant, dass 2020 ihr letztes Wettkampfjahr sein würde. Auch der familiäre Druck sei in dieser Zeit groß gewesen. „Wenn du schon 30 Jahre alt bist, die Familie einige private Dinge von dir erwartet und du ständig persönliche Fragen gestellt bekommst, ist das nicht leicht. Dann kamen Corona und die Olympiaverschiebung. Das waren wirklich schwierige Momente für mich und meine Familie. Aber ich wusste, was ich wollte, und ich habe bekommen, was ich wollte, weil ich zuvor mit so vielen Schwierigkeiten klargekommen bin.“ Darum nennt sie den Gewinn der Goldmedaille in Tokio definitiv ihren „proudest moment“. Wie lief diese Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio ab? Wie schafft man es, Doppelolympiasiegerin zu werden? Nur einmal Gold oder überhaupt eine Medaille bei Olympia zu gewinnen, ist der Traum von vielen TaekwondoSportlerinnen und -Sportlern. Sie hat es gleich zweimal ganz nach oben geschafft. Die Vorbereitung auf Tokio sei schwierig gewesen, sagt sie. Stets schwebte die Angst mit, positiv getestet zu werden. Auch der Turnierkalender war eine Herausforderung. Es habe ja nur wenige Turniere gegeben, wo man seinen Leistungsstand prüfen konnte. „Es waren eigentlich nur Sofia Open und die EM.“ Nach der EM habe Milica festgestellt, dass sie
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bei etwa 70 Prozent Leistungsfähigkeit gewesen sei, und danach sei es erst richtig losgegangen. Vor allem das Konditionstraining sei besonders hart gewesen. Frische, ausgeruhte Trainingspartnerinnen aus der ganzen Welt hätten sie oft an ihre körperliche und mentale Grenze gebracht. Sie habe fast wöchentlich Testwettkämpfe mit internationalen Sparrings partnerinnen absolviert. „Die Gäste kamen stets frisch in das Training und die Kämpfe. Hier trotzdem weiter zu trainieren, macht dich mental enorm stark.“ Ich kann ihre Gedanken gut nachvollziehen. Zum einen, weil ich selbst viele harte Vorbereitungen auf Großereignisse absolviert habe, und zum anderen, weil mein Trainer Carlos ähnliche Charakterzüge hat wie Milicas Trainer Dragan. Carlos sagte mir damals oft: „Wenn du im Training so viel meisterst, wird dich an dem Tag auf der Fläche nichts mehr überraschen können.“ Es zeigt also, dass der hohe Trainingsumfang ein wichtiges Puzzleteil für den Erfolg ist. Dass man hier auch mal Umfänge fährt, die man selbst nicht versteht, sondern einfach nur macht, weil der Trainer es verlangt, ist anscheinend also normal. „Ich bin wie eine Soldatin. Was mein Coach sagt, mache ich! Ich denke nicht darüber nach, ich mache es einfach.“ Das Erfolgsduo Dragan und Milica hat die TaekwondoWelt in Tokio zum Staunen gebracht und einige vielleicht auch zu Tränen gerührt. Ich selbst habe in Tokio live miterlebt, wie dieses vertraute Team den Sieg auf der Fläche einfach nur genossen hat. Ein schöner Moment, besonders, wenn man sich so lange kennt. Was hat dieses Team so erfolgreich gemacht? „Er ist Teil meiner Familie. Ich habe enormen Respekt vor ihm und natürlich vertraue ich ihm. Vertrauen ist
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für jede Beziehung wichtig. Wenn ich in meinen Kampf gehe und habe meinen Coach bei mir, mache ich genau das, was er mir sagt. Sagt er: Tritt links, dann trete ich mit dem linken Bein.“ Auch Ehrlichkeit sei ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg gewesen und sie hätten stets für das gleiche Ziel gearbeitet. Dragan habe sie nie nur als Kämpferin gesehen, sondern eher als eines seiner Kinder. Was bei aller Motivation der Athletinnen ebenfalls von Bedeutung sei, sei die Energie der Trainer: „Dragan hat eine verrückte Energie. Jedes Turnier ist schon nah dran und man muss sofort hart weiterarbeiten.“ Das Verhandeln um Pausen oder gar Urlaub sei stets eine Herausforderung gewesen. „Seine Definition von einem day off ist witzig. Er sagt zum Beispiel: Freitag ist um zehn Uhr morgens Training und Samstag trainieren wir erst um sechs Uhr abends. Da sind ja mehr als 24 Stunden Pause dazwischen, es ist also ein day off ...“ Eine Verhandlung mit ihm wegen Urlaub sei noch schwieriger gewesen. Ein zweiwöchiger Urlaub habe stets bedeutet, dass dieser spätestens in der zweiten Woche aktiv gestaltet werden sollte. Rückblickend sei dies natürlich alles der richtige Weg gewesen. „Ich schaue mit einem großen Lächeln auf alles zurück, weil ich nichts ändern wollen würde.“ Mit zwei Goldmedaillen bei Olympischen Spielen und einem WM-Titel im Gepäck würde ich auch mit einem Lächeln auf meine Karriere zurückblicken. Und was kommt nun? Diese Frage kann Milica noch nicht genau beantworten. Die Zeit nach dem Leistungssport sei bisher sehr schwierig gewesen. Es fehlen ihr die tägliche Routine, der Rhythmus und natürlich der Sport: „Mein Leben
war bisher mit der Hingabe und Liebe für den Sport gefüllt. Es ist wirklich hart, dass von einem auf den anderen Moment alles stoppt. Für mich fühlt es sich fast so an, als ob ein Teil aus mir herausgerissen wurde.“ Doch so zielstrebig und verantwortungsvoll wir Milica als Sportlerin kennengelernt haben, so erfolgreich wird sie auch nach ihrer Karriere in einer neuen Funktion sein. Vielleicht als Mama, vielleicht als Funktionärin, doch gewiss nicht als Trainerin. Das wäre ihr zu anstrengend! Ich kenne Milica seit Beginn ihrer Karriere und bin nach unserem Interview stolz darauf. Eine zweifache Olympiasiegerin in unserer Sportart, die noch dazu so nett und sympathisch ist, kann man an einer Hand abzählen.
Hier erinnere ich mich an das Interview mit Servet Tazegül, der mir sagte, dass er 2015 unbedingt Weltmeister werden wollte, weil er allen zeigen wollte, dass man auch mit dem „alten System ohne Vorderbeinballett“ Weltmeister werden könne. Diese Aussage fand ich damals total interessant und je mehr man mit den Sportlerinnen und Sportlern über ihre großartigen Erfolge spricht, desto mehr schöne, spannende Geschichten kommen ans Licht. Und was ist eure Geschichte hinter einem besonderen Erfolg? Schreibt uns eure Geschichten und gestaltet die Herbstausgabe aktiv mit. Wir freuen uns auf eure Beiträge!
Und dann denke ich noch einmal darüber nach, was Milica zu Beginn unseres Interviews gesagt hat: „Jede Medaille hat ihre Geschichte.“ Vielleicht sollte man aufhören, darüber nachzudenken, welche Medaille die wichtigste im Leben eines Sportlers ist. Für die einen ist es Gold bei Olympia, für die anderen Bronze bei einer EM. Und für wieder andere ist der Gewinn eines G-Turnieres etwas ganz Besonderes, weil … ja, weil eben jeder seine eigene Geschichte hinter diesem Erfolg hat, nicht der Gewinn diesen Erfolg zu etwas Besonderem macht, sondern die Geschichte dahinter. DTU-Magazin Taekwondo 20 - Ausgabe 12 07/2022 -
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FÜR ELA AYDIN, IMRAN ÖZKAYA,
BRO
Unsere EM-Medaillengewinner im Interview
Ela Aydin (-53 kg), Bronzemedaille bei der EM in Manchester
Imran Özkaya (-63 kg), Bronzemedaille bei der EM in Manchester
Was war ein besonderer Moment für dich bei der EM? Für mich war der Moment der Siegerehrung ein ganz besonderer. Denn die Zeit nach meinem Halbfinale bis zur Siegerehrung verging für mich eher enttäuschend und mein Kopf war voller Gedanken. Das Ziel für diese EM war einfach von Anfang an ein anderes gewesen. Sobald man jedoch seinen Namen hört und das Treppchen besteigt, wird einem wieder bewusst, wie wertvoll auch eine Bronzemedaille ist und wie viel Arbeit dahintersteckte.
Was war ein besonderer Moment für dich bei der EM? Der Sieg im Medaillenkampf war für mich ganz besonders. Ich hatte mir in meinem vorherigen Kampf bereits eine kleine Verletzung zugezogen. Als ich dann das Viertelfinale gewonnen habe und mir einen Platz auf dem Podium sichern konnte, war das für mich sehr besonders.
Was hat an deinem EM-Tag besonders gut geklappt, sodass du die Medaille gewinnen konntest? Der Tag verlief wie jeder Wettkampftag bei einem G-Turnier. Das besondere sehe ich eher in der Vorbereitung. Das Training in Nürnberg war wirklich hart und intensiv, mit Irina und Anya hatte ich zudem wirklich gute Trainingspartner. Welche Energie gibt dir diese Medaille für deine nächsten Ziele? Und welche sind das? Europa zählt zu den stärksten Kontinenten im Taekwondo. In Tokio wurde dies ein weiteres Mal bestätigt. Eine EM-Medaille ist somit wirklich etwas Wertvolles. Mit dem Wissen, dass ich unter den Top Drei auf einer der schwersten kontinentalen Meisterschaften bin, starte ich umso selbstbewusster in die nächsten Grand Prix-Wettkämpfe und die kommende Weltmeisterschaft.
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Was hat an deinem EM-Tag besonders gut geklappt, sodass du die Medaille gewinnen konntest? Ich konnte in meinen Kämpfen stets meinen Kampfstil durchsetzen und habe auch im richtigen Moment die Ruhe bewahrt. Welche Energie gibt dir diese Medaille für deine nächsten Ziele? Und welche sind das? Mein Ziel ist es, mich in der Ranking-Position der Weltrangliste zu verbessern, weiter nach vorne zu kommen und bis zur WM meine absolute Topform zu erreichen, um dort meinen ersten Titel zu gewinnen.
von Helen
NZE
na Stanek
ADINA MACHWIRTH UND MANFRED STADTMÜLLER Unsere Technik WM-Medaillengewinner im Interview
Adina Machwirth, Bronzemedaille, WM 2022, Freestyle Jugend weiblich:
Manfred Stadtmüller, Bronzemedaille, WM 2022, Herren unter 65:
Was war ein ganz besonderer Moment für dich bei der WM? Ein besonderer Moment für mich war, als ich im Finale auf die Fläche gelaufen bin, denn da war die Chance, eine Medaille zu holen, ganz nah. Dieser Moment wurde getoppt, als ich wirklich eine Bronzemedaille gewann, auch wenn ich dies erst später so richtig realisieren konnte.
Was war ein ganz besonderer Moment für dich bei der WM? Ein ganz besonderer Moment war für mich, als ich auf dem Treppchen stand und die Medaille überreicht bekam.
Welche Energie gibt dir diese Medaille für deine nächsten Ziele? Mir persönlich gibt diese Medaille eine große Motivation, noch weitere Medaillen holen zu wollen, denn das war erst der Anfang meiner Ziele. Was hat an deinem WM-Tag besonders gut geklappt, sodass du die Medaille gewinnen konntest? Es gibt keine bestimmte Sache, die besonders gut geklappt hat. Es war ein Zusammenspiel aus allen Faktoren und die haben mir zu diesem Erfolg verholfen.
Welche Energie gibt dir diese Medaille für deine nächsten Ziele? Der Erfolg beflügelt. Er setzt Energien frei. Wenn man es schafft, diese umzusetzen, wird man noch besser. Was hat an deinem WM-Tag besonders gut geklappt, sodass du die Medaille gewinnen konntest? Gut geschlafen, physisch und psychisch gut darauf eingestellt, ein gutes Frühstück, die Vorbereitung mit meiner Bundestrainerin an diesem Tag und mit meinem Physiotherapeuten – das war auf den Punkt genau richtig. Ich war heiß darauf, auf die Fläche zu kommen.
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AUSRÜSTER JU-SPORTS ZU GAST IN NÜRNBERG Beim letzten EM-Vorbereitungslehrgang in Nürnberg hatte das Nationalteam Besuch von der Medienabteilung unseres Ausrüsters Ju-Sports/adidas. Svenja und Fiona Meiners begleiteten unsere Athleten und Athletinnen einen ganzen Tag im Bundesstützpunkt Nürnberg und sammelten Material für ihre und unsere Medienkanäle. Hier findet ihr ein paar tolle Eindrücke über den Tag in Nürnberg!
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STEFAN KLAWITER IN DIE DOSB-SPRECHERGRUPPE DER DEUTSCHEN SPITZENVERBÄNDE GEWÄHLT Am vergangenen Freitag fand die DOSB-Konferenz der deutschen Spitzenverbände in Berlin statt. Da im Dezember 2022 turnusmäßig die Wahlen des DOSBPräsidiums anstehen, fand nun gemäß den verbandsrechtlichen Vorgaben sechs Monate zuvor die Wahl der Sprechergruppe der deutschen Spitzenverbände statt. Unser Präsident Stefan Klawiter wurde von den Präsidenten der olympischen Verbände zur Wahl für die Sprechergruppe vorgeschlagen und von den Delegierten der olympischen und der nicht-olympischen Verbände einstimmig gewählt. Stefan Klawiter wird in den kommenden vier Jahren in der Sprecher gruppe der deutschen Spitzenverbände mitwirken und hier in der intensiven Zusammenarbeit mit dem
Weitere Hintergrundinformationen hier: www.dosb.de/sonderseiten/news/newsdetail/ news/andreas-michelmann-spricht-fuer-die-spitzenverbaende-im-dosb
Stefan mit dem neugewählten Vorsitzenden der Sprechergruppe, Andreas Michelmann (Präsident des Deutschen Handballbundes).
Stefan bei seiner Vorstellung vor den Delegierten der Spitzenverbände vor der anstehenden Wahl.
DOSB-Präsidium und dem DOSB-Vorstand u.a. die Interessen der Zweikampf- und Kraftsportarten vertreten. Wir gratulieren unserem Präsidenten zur Wahl in dieses wichtige Gremium des deutschen Spitzensports und wünschen ihm viel Erfolg bei den anstehenden Herausforderungen. Stefan Klawiter ist übrigens der erste DTU-Präsident, der von den Vertretern Sportdeutschlands in dieses hochrangige DOSB-Gremium gewählt wurde.
PARLAMENTARISCHER ABEND DES DEUTSCHEN SPORTES IN BERLIN Nach mehr als dreijähriger pandemiebedingter Pause begrüßte der DOSB am Donnerstagabend mehr als 400 geladene Gäste aus Politik, Sport und Wirtschaft zu seinem Parlamentarischen Abend im Berliner Olympiastadion, darunter u. a. Nancy Faeser, Bundesministerin des Innern und für Heimat, sowie Klara Geywitz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. In gewohnter Weise nahmen DTU-Präsident Stefan Klawiter und Generalsekretär Andreas Rahn teil und vertraten den Taekwondo-Sport vor Ort. Der Abend wurde für viele persönliche Gespräche genutzt und stand im Zeichen des Re-Starts nach Corona und der notwendigen Unterstützung des Vereinssports, um mit Schwung aus der Pandemiekurve zu kommen.
DTU-Präsident Stefan Klawiter und DTU-Generalsekretär Andreas Rahn
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Bundesbreitensportlehrgang Alsdorf von Stephanie Wiechert
Am 18. Juni 2022 fand in Alsdorf bei Aachen zum ersten Mal ein Bundesbreitensportlehrgang statt. Bei heißen 36 Grad trainierten rund 60 Sportlerinnen und Sportler unter der Leitung fantastischer Referenten. Angeboten wurden 13 Einheiten, in denen Poomsae, Zweikampf, Selbstverteidigung, Athletik, Fitness und die Ausbildung zum Sportabzeichen-Prüfer auf dem Programm standen. Als Referenten vor Ort waren: Paul Knauthe (Bundestrainer Technik) Dongeon Lee (Ex-Bundesstützpunkttrainer Düsseldorf Zweikampf) Maik Werner (Modern Arnis Trainer) Abdallah Ounis (Athletik Trainer) Stephanie Wiechert (Bundesbreitensportreferentin)
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Wie bei jedem Bundesbreitensportlehrgang konnte jeder Sportler individuell entscheiden, zu welcher Einheit er gerne gehen wollte. Für unsere kleinsten Teilnehmer gab es eine extra KidsHalle. Für das leibliche Wohl sorgte der Verein Euregio Kampfsport e.V. vor Ort. Das Feedback der Teilnehmer war sehr positiv. Durch die eher geringe Teilnehmerzahl waren die Einheiten noch intensiver und konnten entsprechend individueller gestaltet werden. Auch die Referenten waren von dem Einsatz und der Wissbegierde der kleinen und großen Sportler sehr angetan.
Bundesbreitensportlehrgang Lauenau von Stephan Nerge
Am 21. Mai fand, zum ersten Mal in Lauenau, ein Bundesbreitensportlehrgang statt. Unter dem Motto „Welcome Back“ gab es nach zweijähriger CoronaAbstinenz wieder die Möglichkeit, gemeinsam zu trainieren. 370 Sportlerinnen und Sportler aus 50 Vereinen und acht Landesverbänden nutzten das Angebot und kamen nach Lauenau. In sieben Hallen, einem Seminarraum und Outdoor wurde der Tag ausgiebig zum Training und zur Weiterbildung genutzt. Breitensport auf diesem Niveau bedeutet, dass wir ein Teilnehmerfeld aus Menschen vom 10. Kup bis zum 8. Dan im Alter von fünf bis 71 Jahren begrüßen durften, denen 14 hochrangige Referentinnen und Referenten in insgesamt 32 Einheiten zur Verfügung standen. Nach der Begrüßung, den Ehrungen und einem gemeinsamen Aufwärmprogramm mit Christian Senft begaben sich die Teilehmenden in die verschiedenen Angebote. Den Wettkampf übernahmen Yilmaz Helvaciouglu und Oktay Cakir. Von Pratzentraining für Kinder bis zu intensivem Sparringstraining für Fortgeschrittene wurde toller Sport geboten. NTU Prüfungsreferent Maik Glockemann bot einen intensiven Vorbereitungslehrgang für DAN Prüfungen an. DTU Breitensportreferentin Stefanie Wiechert konnte einige DTU Sportabzeichen verleihen und einigen Trainerinnen und Trainern die Prüferlizenz für das DTU Sportabzeichen überreichen. Im Bereich Technik durften die Aktiven bei Christian Senft, Paul Knauthe, Lukas Stein, Bianca Schönemeier,
Anna Monika Siepmann und Philipp Haverkamp in vielen formenorientierten Einheiten und im Freestyle technische Feinheiten und neue Impulse auf internationalem Niveau mitnehmen. Als Spezialist für Selbstverteidigung konnte Alfred Gehlen im Bodenkampf und in der Verteidigung gegen Waffen neue Impulse vermitteln. Die große Nachfrage nach diesen Einheiten zeigt das Interesse an dieser wichtigen Disziplin. Für einen Blick über den Tellerrand sorgten NTU Lehr-/Bildungsreferenten Max Domin und Philipp Haverkamp mit der Weiterbildung der Trainer C- bzw. Trainer B/A-Lizenzinhaber; Alfred Gehlen mit einer Einheit „Neurobics“, NTU Breitensportreferent Stephan Nerge mit Grundlagenausdauer (Joggingrunden im nahen Deister) und Yogalehrerin Sabine Nerge mit insgesamt vier Einheiten Yoga, die ebenfalls komplett ausgebucht waren. Abgerundet wurde das Tagesangebot durch ein reichhaltiges Buffet, das durch Helfer aus dem Verein organisiert wurde, und das Angebot des „Hattinger Kampfsportshops“ von Ralf Hill, der mit einer großen Auswahl an Kampfsportkleidung, Schutzausrüstung und Trainingsgerät angereist war. DTU Breitensportreferentin Stephanie Wiechert dankte den Vereinen Redfire Kampfsport e.V. für die Ausrichtung des Lehrgangs und Victoria Lauenau e.V. bzw. MTV Messenkamp e.V. für die Verfügbarkeit der Trainingshallen. Es war ein toller Tag für unseren schönen Sport. Für das kommende Jahr arbeiten wir bereits an den Planungen für den nächsten Breitensportlehrgang.
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BUNDESBREITENSPORTLEHRGANG AM 28. MAI 2022 IN PFAFFENHOFEN AN DER ILM von Klaus Haggenmüller
Am 28. Mai fand in Pfaffenhofen bereits zum dritten Mal ein Lehrgang für Breitensportler statt. Unter dem Motto „Welcome back“ gab es nach zweijähriger CoronaAbstinenz wieder die Möglichkeit, gemeinsam zu trainieren. 173 Sportler sind nach Pfaffenhofen gekommen und haben in fünf Hallen und zwei Seminarräumen trainiert. Das Angebot war wie gewohnt breitgefächert. Den Wettkampf übernahmen Regionalstützpunktleiter Alexander Berghammer und Olympia-Medaillen-Coach Georg Streif. Von Wettkampftraining für Kinder bis zu intensivem Sparringstraining für Fortgeschrittene wurde alles geboten. DTU-Prüfer und 6. DAN Jörg Steindl hat Selbstverteidigung und Ilbo Taeryon kombiniert und ein intensives Vorbereitungstraining für DAN-Prüfungen angeboten. Aus dem Bereich Technik haben Anna Monika Siepmann, unter anderem zweifache EM-Silbermedaillen-Gewinnerin und WM-Nominierte, zusammen mit Bundesbildungsreferent und VizeWeltmeister Christian Senft ihr Wissen weitergegeben und für Anfänger und Fortgeschrittene ein hervorragendes Formentraining angeboten. Christian Senft bot zusätzlich Einheiten zur Selbstverteidigung an. Für einen Blick über den Tellerrand sorgte der leitende
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Verbandsarzt der DTU, Dr. Frank Düren, in seiner Funktion als 4. DAN Kummooyeh und Vizepräsident Kummooyeh Bayern mit seinen Einheiten zum Schwertkampf und zum koreanischen Bogenschießen. Wer es besonders schweißtreibend haben wollte, war bei Fitness Coach Fabienne Fels B.Sc. richtig. Mit verschiedenen Einheiten aus ihrem HIIT-Repertoire konnte sie auch gut trainierte Taekwondo-Sportler an ihre Grenzen bringen. Mit dem Schwerpunkt Gesundheit und Massage waren auch die Angebote von Dr. Benjamin Schönfeld sehr stark nachgefragt. Abgerundet wurde das Tagesangebot durch die Möglichkeit, das Verbandssportabzeichen und das Deutsche Sportabzeichen abzulegen und sich zusätzlich als Prüfer für das Verbandsabzeichen zu qualifizieren. Bundesbreitensportreferent Klaus Haggenmüller war mit dem Verlauf des Lehrgangs überaus zufrieden und dankte in der Verabschiedung der ausgezeichneten Organisation des Taekwondo 1995 Pfaffenhofen e.V., vertreten durch Walter Schichtl. Nach dem positiven Feedback der Teilnehmer geht es schon jetzt in die Planung für den vierten Lehrgang in Pfaffenhofen 2023.
5. BUNDESBREITENSPORTLEHRGANG FALKENFIGHTER MEETING FRIENDS AM 11. JUNI 2022 IN FALKENSEE/BERLIN von Klaus Haggenmüller
Welcome back!
Bereits zum fünften Mal fand der Lehrgang „Falkenfighter meeting friends“ in Falkensee bei Berlin statt. Mit 123 Sportlern blieb die Teilnehmerzahl hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Im kommenden Jahr ist der Lehrgang wieder für den gewohnten Zeitpunkt im Februar geplant. Georg Streif, der auch schon am ersten Lehrgang in Falkensee dabei war, konnte in vier Einheiten sein Wissen im Zweikampf weitergeben. Sporttherapeut und Referent in der Schulsportausbildung Mike Paustian bot Kindertraining, SV-Einheiten und einen Verlängerungslehrgang für Schulsportlehrer. Der zweifache WM-BronzemedaillenGewinner Werner Unland bot ebenfalls vier Einheiten für Formeninteressierte an. Für Gesundheit und Massage zuständig und den ganzen Tag im Einsatz war Dr. Benjamin Schönfeld. Um die große Anzahl an Kindern
optimal zu betreuen, war Kinder-Coach Lea Haggenmüller während der Einheiten und auch in den Pausen Ansprechpartnerin und kümmerte sich um das Wohlbefinden der Kleinsten – mit der finalen Kids Relax-Einheit ging für die Kinder ein abwechslungsreicher und anstrengender Tag zu Ende. 41 Teilnehmer haben das Verbandsabzeichen abgelegt. Einige nutzten die Gelegenheit, um auch die ersten zwei oder drei Disziplinen für das Deutsche Sportabzeichen zu absolvieren. Außerdem wurden fünf Sportler zum Prüfer für das Verbandsabzeichen ausgebildet. Bundesbreitensportreferentin Stephanie Wiechert, ihr Kollege Klaus Haggenmüller und DAS-Prüfer Philipp Haggenmüller führten Prüfungen und Ausbildungen durch.
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Intensives Trainingswochenende für Technik-Bundeskampfrichter von Andreas Osthoff Am letzten Mai-Wochenende nahmen knapp 30 Bundeskampfrichterinnen und -richter aus ganz Deutschland am diesjährigen BKR-Lehrgang teil, der an zwei Tagen im Bundesstützpunkt Taekwondo der DTU in Nürnberg stattfand. Mit dem modernen Konferenzraum und der großen Sporthalle bot der Stützpunkt die perfekten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Lehrgang. Unter der Leitung von Bundeskampfrichterreferent Andreas Osthoff und Bundestrainerin Daniela Koller konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Wissen auffrischen und sich bestens für die kommenden Präsenzturniere vorbereiten. Im Gegensatz zu den letzten Jahren fand der Lehrgang bereits vor den Sommerferien statt, denn den Kampfrichtern sollten so schnell wie möglich die Erkenntnisse und Entwicklungen von der Poomsae-WM in Korea Ende April weitergegeben werden. Aus Kampfrichtersicht war die WM ein Highlight für die DTU, denn mit drei internationalen Kampfrichterinnen
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und Kampfrichtern konnte Deutschland nach dem Austragungsland Korea die meisten International Referees stellen. Wie schon bei der Europameisterschaft 2021 in Portugal galt es für die Kampfrichter auch bei der WM in Korea, den Sportlerinnen und Sportlern in der Technik bewertung ein wenig mehr Spielraum zu geben und ihre jeweilige Anatomie zu berücksichtigen. Der größere Fokus soll in der Präsentation liegen, und hier ist es klar eine Kampfrichter-Aufgabe, die Unterschiede bei den Athletinnen und Athleten besser herauszustellen sowie die Bewertungsmöglichkeiten im Präsentationsbereich besser auszunutzen. Während des theoretischen Teils wurde intensiv über diese Dinge gesprochen und es wurden Sequenzen in den Formen herausgearbeitet, an denen man gut erkennen kann, ob es sich um einen Formenvortrag handelt, der eher auf Sicherheit geht, oder ob man wirklich viel Kraft und Geschwindigkeit in die Techniken steckt und
damit natürlich auch ein gewisses Risiko eingeht (beispielsweise Balance-Probleme riskiert). Bereits im letzten Jahr haben die Kampfrichterinnen und Kampfrichter in Deutschland begonnen, sich verstärkt mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Dies wird auch bei den kommenden Online-Lehrgängen so bleiben. Auch der Bereich Freestyle wird immer wichtiger und stellt die Kampfrichter vor große Herausforderungen. Durch die verlängerte Präsentationsdauer gibt es entsprechend mehr Techniken und Elemente, die sie berücksichtigen und erfassen müssen. Zudem wird es vermutlich bald ein neues Pflichtelement geben (eine Tritt-Technik, die mindestens fünf Sekunden im Brennpunkt gehalten werden muss), worauf die BKRs in Nürnberg schon vorbereitet wurden. Bei der WM wurden den International Referees spektakuläre Leistungen geboten und man sieht ganz klar, dass die Freestyler in der Corona-Pause extrem viel trainiert haben und das Level nun insgesamt deutlich höher ist als noch vor wenigen Jahren. Gerade bei den Paar-/ Teamwettbewerben konnte man zudem sehr kreative neue Ansätze sehen. Man darf gespannt sein, was in den nächsten Jahren noch auf uns zukommen wird. Damit die Kampfrichterinnen und Kampfrichter alle wichtigen Dinge für eine faire Bewertung erfassen können, ist es ungemein wichtig, in Übung zu bleiben, die erforderlichen Pflichttechniken sofort zu erkennen und
unter Rücksichtnahme aller wichtigen Aspekte (wurden alle Bedingungen erfüllt, zählt das Pflichtelement überhaupt?) zu bewerten. Wie schon bei den letzten OnlineLehrgängen, wurden im Theorieteil eine Reihe von Freestyle-Formen in der Gruppe gemeinsam bewertet und die einzelnen Pflichtelemente in der Videoanalyse ganz genau untersucht. Am zweiten Tag ging es für alle Teilnehmer in die Halle, um alle turnierrelevanten Formen detailliert durchzusprechen. Neben den wichtigen Keypoints ging es vorrangig darum, Fehlerquellen zu identifizieren und durchzusprechen. Eine wichtige Neuerung betrifft zum Beispiel die Kopfbewegung bei hohen Tritten, denn mittlerweile ist es wieder erlaubt und auch gewünscht, den Kopf bei hohen Tritten anzuheben. Das macht es auch für Kampfrichter leichter zu erkennen, ob die Blickrichtung wirklich in Trittrichtung geht. Nach etwa sechs Stunden erfolgte eine praktische Überprüfung des Erlernten in kleinen Gruppen. Neben den Bundeskampfrichterinnen und -richtern nahmen auch wieder einige interessierte Sportler/Trainer an dem Lehrgang teil. Der große Wunsch ist, dass auch in Zukunft noch mehr Interessierte an den Lehrgängen teilnehmen, da hier erfahrungsgemäß immer neue Aspekte und Lehrinhalte mitgenommen werden können. Das gilt natürlich auch für die nächsten KR-OnlineLehrgänge ab Ende August.
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Sport und Politik von Paul Heinrich Für Frieden in der Ukraine werben? Eine Regenbogenflagge posten? Welche gesellschaftspolitischen Äußerungen von Vereinen sind erlaubt und wie hängen Sport und Politik zusammen? Fragen wie diese begleiten das Vereinsleben im Kleinen wie im Großen ständig. Denn das Vereinsleben ist normaler Teil des gesellschaftlichen Lebens. Es ist völlig klar und menschlich, dass alle Beteiligten (Trainerinnen/Trainer, Sportlerinnen/Sportler, Eltern, Funktionäre) das, was sie im Alltag beschäftigt, mit in das Vereinsleben transportieren. Das Zusammenwirken im Sportverein ist eben viel mehr, als nur gemeinsam Taekwondo-Sport zu treiben. Man tauscht sich neben dem Training aus, durchlebt gemeinsam Erfolge, aber auch Niederlagen. Die DTU und die meisten ihrer Mitgliedervereine sind eingetragene Vereine – es gilt also das deutsche Vereinsrecht für sie. Sie verfügen über eine Satzung und oft zusätzlich über ein großes ergänzendes Regelwerk. Der Sportverein schafft sich seine eigenen Regeln. Das allein ist schon Politik – im klar gesteckten Rahmen und den Sportverein betreffend. Doch es gibt auch eine Verbindung zur allgemeinen (gesellschafts-)politischen Lage: Als Sportverein bewegt man sich innerhalb eines vom Sport selbst definierten Wertegerüstes. Auf der großen Sportbühne wird das durch diverse Slogans internationaler Sportorganisationen sichtbar: „My game is fair play“ (FIFA), „No to Racism“ (UEFA), „Zusammen für eine gemeinsame Zukunft“ (Olympia 2022). Dass solche Slogans oft nicht viel mit der Wirklichkeit dieser Organisationen zu tun haben, steht auf einem anderen Blatt – man denke nur an die internierten Uiguren in China oder die katastrophalen Arbeitsbedingungen in Katar. Nicht nur internationale Sportorganisationen haben sich positioniert. Auch in der DTU haben wir uns auf klare Werte zum Miteinander verständigt. Im von der Mitgliederversammlung verabschiedeten Ethik-Code ist recht deutlich formuliert, woran sich jedes Mitglied halten muss und was z.B. unter Toleranz, Respekt und Würde zu verstehen ist. Aus diesem Code ergibt sich quasi selbstverständlich eine Positionierung der DTU zu gesellschaftlichen Themen, die einen Bezug zum (Taekwondo-)Sport haben. Diese Tatsache wird durch ein Rechtsgutachten der Deutschen Sportjugend (dsj) unterstrichen. In der Broschüre RECHTSsicherheit im Sport wird der rechtliche Rahmen der gesellschaftspolitischen Positionierungsmöglichkeiten für Vereine erklärt. Dort heißt es: Grundsätzlich stehe es jedem Verein zu, eine klare gesellschaftspolitische Position zu beziehen. Eingeschränkt werde diese Positionierung allerdings durch das Gemeinnützigkeitsrecht. Sportvereine verfolgten den Zweck der Förderung des Sports, weshalb sie nur sportspezifische Positionierung tätigen dürfen. Es dürfen keine rein parteipolitischen Aktivitäten unterstützt werden. Es heißt weiterhin: „Auch der Einsatz für einen „Sport mit Courage“ zur Förderung der Werte des Sports wie Fairness und Völkerverständigung ist möglich.“ Was bedeutet das nun für einen Social Media-Post mit einer Regenbogenflagge? Wenn sich die Aussage des Sportvereins auf den Sport bezieht – also zum Beispiel „Bei uns sind Sportler:innen jeglicher sexuellen Orientierung willkommen!“ als Untertitel zu einem Social Media-Post mit Regenbogenflagge –, stellt diese Positionierung kein Problem dar. Die dsj thematisiert in ihrer Broschüre darüber hinaus den Umgang mit parteipolitischen Akteuren. So gebe es keine Verpflichtung zum Vermieten von Räumlichkeiten an Parteien. Auch müssten keine parteipolitischen Vertreterinnen und Vertreter zu Veranstaltungen des Vereins eingeladen werden. Dabei wird zusätzlich herausgestellt: „Wenn nur an Partei X vermietet wird, dann braucht es sachliche, d.h. überparteiliche Gründe, warum dies für Partei Y nicht gilt.“ Solche überparteilichen Gründe seien „verfassungsrechtliche, insbesondere menschenfeindliche oder diskriminierende Gründe“. Der Sport kann und darf also eine klare und selbstbewusste gesellschaftspolitische Haltung einnehmen, wenn sie im Bezug zum Sport steht. Die „Werte des Sports“, die jeder Verein für sich selbst in seiner Satzung oder weiteren Regelwerken wie einem Ethik-Code beschreibt, bieten dafür einen Ankerpunkt.
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MUJU TAEKWONDOWON ONLINE 2022 WT POOMSAE OPEN CHALLENGE SERIES
In der Pandemie haben sich die Online-Turniere im Formenbereich bewährt. Zwar freuen sich alle darüber, dass nun mit der Weltmeisterschaft im April auch wieder internationale Meisterschaften in Präsenz stattfinden, dennoch erfreuen sich Online-Titelkämpfe weiterhin großer Beliebtheit. Daher hat die WT im Frühjahr die Muju Taekwondowon Online 2022 WT Poomsae Open Challenge Series ins Leben gerufen. Ähnlich wie die Challenges letztes Jahr gibt es vier Events, nach Altersklassen gebündelt, sowie ein großes Finale am Ende. Teil 1 war nur für die Recognized Seniorenkategorien ausgeschrieben. Die DTU hatte Sportlerinnen und Sportler in den zwei stärksten Klassen, U 30 und U 40, nominiert und dabei Athleten ausgewählt, die gerade erst in die Altersklasse aufgestiegen oder noch recht „neu“ in der Klasse sind. Für die Damen unter 30 Jahre startete Anna Siepmann, zweifache Bronzemedaillengewinnerin in der Jugend bei der Europameisterschaft 2021. Sie konnte sich in der
ersten Runde sehr gut behaupten und zog ins Halbfinale ein. Dort konnte sie in dem stark besetzen Feld Platz 12 erringen. Ihr Paarlaufpartner Tim Do ging in der Herrenklasse unter 30 erstmals an den Start. Er zeigte sich in guter Form, schaffte den Einzug ins Halbfinale aber leider nicht. Bei den beiden Startern in der Klasse unter 40 lief es für Franziska Schneegans und Roger Kesternich hervorragend: Beide zogen souverän in die Finalrunde der besten acht ihrer Kategorien ein. Franziska errang hier mit starker Performance Platz 8, Roger konnte die Kampfrichter mit seinen beiden Formen von sich überzeugen und gewann sogar die Bronzemedaille! „Die Klassen hatten ein sehr hohes Niveau“, resümiert Bundestrainerin Imke Turner und freut sich, dass sie beiden U 40 nun auch beim großen Finale Ende des Jahres nochmals antreten dürfen, um weitere Weltranglistenpunkte zu ergattern.
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ELA AYDIN UND IMRAN ÖZKAYA GEWINNEN BRONZE BEI DER EUROPAMEISTERSCHAFT IN MANCHESTER von Helena Stanek
Eine hundertprozentige Steigerung in der Medaillenausbeute im Vergleich zum Jahr 2021. Doch ist der Gewinn von zwei Bronzemedaillen für die Führungsriege zufriedenstellend? Wir lassen die Europameisterschaft in Manchester noch einmal Revue passieren. Schon vor der EM war die Rede von der leichtesten Europameisterschaft aller Zeiten, da die beiden Nationen Russland und Weißrussland aufgrund des anhaltenden Krieges in der Ukraine ausgeschlossen wurden. Bei der Pressekonferenz zur EM machte Sportdirektor Holger Wunderlich jedoch deutlich, dass in Manchester noch viele weitere Top-Nationen auf das deutsche Team warten würden. Von einer leichten EM könne, wenn man sich die Teilnehmerlisten genau anschauen würde, folglich keine Rede sein. Im Teilnehmerfeld seien unter anderem Olympiasieger, Olympiamedaillengewinner und Olympiateilnehmer zu finden. Auf Platz 4 der Nationen reihte sich Deutschland hinter der Türkei, Kroatien und Spanien in den Favoritenkreis ein. „Wir hatten eine gute Vorbereitung mit in- und ausländischen Trainingspartnern, internationale Lehrgänge in Polen und in der Türkei und natürlich Erfolge auf den diesjährigen G2-Turnieren“, bestätigte Vize-Präsident Jannis Dakos die gute Form des Teams vor der EM. Zwei Herren
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und vier Damen standen zum Zeitpunkt der EM in ihren Gewichtsklassen in den Top Ten der Weltrangliste.
Zwei Medaillen an Tag 1 Doch nur eine der Damen konnte ihre kontinuierliche Medaillenjagd auch bei Großereignissen bestätigen. Die an Nr. 1 gesetzte Ela Aydin (-53 kg) startet mit einem überlegenen 12:1Sieg gegen Roya Hajiyeva aus Aserbaidschan. Im Viertelfinale bezwingt Ela die Rumänin Liana Musteata klar mit 12:5 Punkten und sichert sich ihre insgesamt fünfte EM-Medaille. Das Halbfinale gegen die Türkin Zeliha Agris, Weltmeisterin 2017, verläuft ausgeglichen. Beide Kämpferinnen punkten. Am Ende ist es Agris, die einen knappen 4:3-Sieg einfährt und Elas Goldträume platzen lässt. Ela Aydin: „Es ist mit Bronze wieder die gleiche Farbe wie auf der letzten Europameisterschaft. Es macht mich zum einen stolz, dass ich es wieder aufs Podest geschafft habe. Auf der anderen Seite bin ich enttäuscht, dass es nicht für das Finale gereicht hat. Ich habe in den letzten Wochen sehr
hart trainiert und die Medaille zeigt: Ich bin auf dem richtigen Weg nach Paris 2024.“ Am selben Tag brachte Imran Özkaya Deutschland zum Jubeln. Mit viel Action gestaltete der Neu-Ulmer Imran Özkaya seine Kämpfe in der Gewichtsklasse -63 kg. Der Auftaktkampf gegen den Finnen Niko Saarinen endete mit 29:14 Punkten. Auch das Viertelfinale gegen den Kroaten Lovre Brečić, Europameister 2018 und Multi European Games-Sieger 2021, ist von vielen Treffern geprägt. Endstand: 22:12 Punkte für Imran, große Freude beim Team über den Gewinn der zweiten Medaille an diesem ersten Tag in Manchester. Imran Özkaya: „Natürlich bin ich mit dem Ziel nach Manchester gekommen, Gold zu gewinnen. Dieses Mal hat es leider nur zu Bronze gereicht. Trotzdem bin ich sehr glücklich über den Gewinn meiner ersten Senioren-EMMedaille. Jetzt werde ich weiterarbeiten, um irgendwann aus Bronze Gold zu machen.“ Die Stimmung im Team nach Tag 1 in Manchester war mit dem doppelten Medaillenerfolg gut. Jedem war bewusst, dass dies aller Wahrscheinlichkeit nach nicht so weitergehen würde. Die Zuversicht auf weitere Medaillen war dennoch groß, da die Athleten und Athletinnen bei den vergangenen Turnieren stets gute bis sehr gute Leistungen erzielt hatten.
Schmerzliche Niederlagen Verletzungsbedingt konnte Lorena Brandl kein einziges Turnier vor der EM absolvieren. Balázs Tóth, Bundestrainer Damen, zu Lorenas Abschneiden: „Lorena konnte das ganze Jahr kein Turnier kämpfen. Sie war heute einfach noch nicht wieder in dem Wettkampfmodus, der Wettkampfroutine drin. Wir sind froh, dass ihr Knie in Ordnung ist und sie nun mehr und mehr zurückkommen wird.“ Kennt man Lorena sonst im Kampf aggressiv, kraftvoll und vor allem stark bei Kopftechniken, fehlten diese Stärken im Kampf gegen Sude Yaren Uzuncavdar aus der Türkei. Eine starke Faust brachte der Türkin einen 8:2-Sieg, den Lorena trotz unzähliger Kicks auf die Weste nicht verhindern konnte. Eine bittere Auftaktniederlage für die Sportsoldatin, die schon einige verletzungsbedingte Rückschläge in ihrer Karriere verkraften musste. Verletzungsfrei und erstmals in seiner neuen Rolle als Familienvater präsentierte sich Olympia teilnehmer Alexander Bachmann bei einer EM. Er startete fulminant in seinen Wettkampftag, in der Gewichtsklasse -87 kg. Mit
sehenswerten Dreh techniken bezwingt Alex seinen Gegner Josip Bilić aus Kroatien vorzeitig und zieht, wie schon 2018, ins Viertelfinale ein. Im Medaillenkampf läuft es für den Stuttgarter zunächst aussichtsreich. Doch der erfahrene fünffache EM-Medaillengewinner Raúl Martínez García aus Spanien bricht mit einem Nerio-Chagi die Dominanz seines Gegners Alex, setzt mit einem weiteren Kopftreffer nach und dreht den Kampf zum 17:8-Endstand. „Dies war der Knackpunkt in diesem Medaillenkampf“, bestätigt der Bundestrainer Herren, Marco Scheiterbauer. Er nennt diese Niederlage äußerst schmerzlich, da sich Alex in Topform präsentiert habe. „Er hat in beiden Kämpfen mutig angegriffen, hat die Kämpfe selbst in die Hand genommen und hat endlich auch auf der Fläche wieder seine Leistung gezeigt. Das hat mich heute sehr am Auftritt von Alex gefreut, macht die Niederlage aufgrund dieser einen Unachtsamkeit aber umso schmerzlicher.“ Mutig und angriffslustig, so präsentiert sich stets Anya Kisskalt in ihren Kämpfen. Vor allem in ihrem Auftaktkampf gegen Patimat Abakarova aus Aserbaidschan lässt Anya hochkonzentriert, kraftvoll und vielseitig in den Techniken nichts anbrennen. Mit 18:7 Punkten besiegt Anya die Bronzemedaillen gewinnerin der Olympischen Spiele in Rio. Eine weitere Olympia-Bronzemedaillengewinnerin steht Anya im Viertelfinale gegenüber. Es ist die Überraschungsathletin des vergangenen Jahres: die Israelin Abishag Semberg. Die Israelin wird ihrer Favoritenrolle in diesem Kampf gerecht und erkämpft einen 21:12-Punktesieg über die junge Nürnbergerin. Mit Platz 5 auf ihrer ersten Europameisterschaft bestätigt Anya ihre Ambitionen, in Zukunft den Sprung aufs Podest zu schaffen. Anya: „Ich habe mich sehr gefreut, hier teilnehmen zu dürfen. Ich habe super Erfahrungen machen können. Ich bin mental stark und mit positiven Gedanken in den Kampf gegangen und habe mir selbst gesagt, dass ich das schaffen kann, und habe nicht gezweifelt. Klar ist meine Gegnerin eine Top-Athletin, aber ich bin sicher, dass ich es irgendwann schaffen werde. Jetzt werde ich weiterarbeiten, um noch fitter und besser auf der Fläche zu stehen.“
Unglückliche Auftaktniederlagen Durch die Qualifikation von Imran Özkaya über den Presidents Cup konnte Herren-Bundestrainer Marco Scheiterbauer einen weiteren Sportler in der Gewichtsklasse -63 kg nominieren. Ebenfalls in dieser Gewichtsklasse startete WM-Medailleng ewinner Iordanis Konstantinidis. Der 23-Jährige hat noch DTU-Magazin Taekwondo 20 - Ausgabe 12 07/2022 -
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gute Erinnerungen an die Stadt Manchester. Denn genau hier gewann er 2019 die letzte und einzige WM-Medaille für Deutschland. An seinem Wettkampftag fand Iordanis jedoch von Beginn an nicht in den Kampf, musste schnell einem Rückstand hinterlaufen und verlor am Ende mit 18:24 Punkten seinen Auftaktkampf gegen Novak Stanić aus Serbien. Eine knappe Auftaktniederlage musste auch Emircan Onus hinnehmen. Gegen den Slowenen Domen Mojl, der zuletzt Silber bei den Spanish Open gewinnen konnte, gab es immer wieder einen ausgeglichenen Schlagabtausch. Am Ende lief die Zeit gegen den Nürnberger und die gestartete Aufholjagd wurde nicht belohnt. Mit einer knappen 8:10-Niederlage muss Emircan diese EM beenden. Obwohl es der erste Kampf von Alema Hadzic in der Gewichtsklasse -73 kg war, ging es direkt um Edelmetall. Aufgrund ihrer guten Setzposition stand Alema sofort im Viertelfinale. Mit ihren gewohnten Stärken versuchte sie, den Kopfschutz von Nika Klepac aus Kroatien zu treffen. Doch die Kroatin hatte sich gut auf Alemas Stärke eingestellt und vereitelte der Nürnbergerin die Treffer. Der Kampf endet knapp mit 4:2 Punkten für die Kroatin. Andreas Hahn, Referatsleiter Spitzensport im Kommando Streitkräftebasis, fieberte auf der Tribüne mit und fasst für uns den Medaillenkampf von Vanessa Körndl (-67 kg) zusammen: „Ich glaube, es war eine starke erste Runde und ein starker Endspurt, aber das Quäntchen Glück hat dann gefehlt, um die dritte Medaille für Deutschland und für die Deutsche Taekwondo Union zu sichern.“ Die an Nummer 4 gesetzte Sportsoldatin konnte den Größenvorteil der Italienerin Natalia D´Angelo stets geschickt kontrollieren und wichtige Treffer mit einer starken Faust erzielen. Dennoch gestaltete sich der Kampf ausgeglichen, eine Siegerin stand nach der regulären Kampfzeit von zwei mal zwei Minuten nicht fest. Die vierte Runde, der sogenannte „Sudden Death“, muss entscheiden. Vanessa besinnt sich hier auf ihre Stärke und erzielt zwei kraftvolle Faustpunkte. Sieg für Deutschland. Im einzigen deutschen Medaillenkampf am heutigen Tag erhöhen sich die Spannung und der Puls bei allen Beteiligten noch einmal drastisch. Auch hier bringt erst die vierte Runde eine Kampfentscheidung. Ein unglücklicher Ausrutscher von Vanessa bringt die Spanierin Cecilia Castro Burgos mit 1:0 in Führung. Die Entscheidung fällt durch einen Faustpunkt für die Spanierin. Mit einer starken, souveränen und hochkonzentrierten Leistung startete Süheda Celik in die EM. In der ungewohnten Gewichtsklasse -46 kg wurde Süheda
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nicht gesetzt und es war von Beginn an klar, dass dieser Tag eine Herausforderung werden würde. Unbeirrt von einer schweren Auslosung, zeigte Süheda im ersten Kampf gegen Veronika Pau aus Italien, dass mit ihr eine Überraschung gelingen könnte. Mit zahlreichen Drehtechniken und einem absolut souveränen Auftritt besiegte Süheda die Italienerin vorzeitig mit 26:3 Punkten. Diese Souveränität ging ihr im darauffolgenden Kampf gegen die Nummer 1 der Weltrangliste, Lena Stojković (CRO), verloren. Die amtierende Europameisterin aus Kroatien wird ihrer Favoritenrolle in diesem Kampf gerecht, geht von Beginn an in Führung und verteidigt diese bis zum Ende. Süheda gelingt zum Ende noch ein schöner Kopftreffer, der den Rückstand verkürzt, die Niederlage aber nicht mehr verhindern kann.
Drei greifbare Medaillen am Finaltag Der letzte Wettkampftag war noch einmal von großer Zuversicht geprägt. Denn alle drei Sportler schafften den Einzug ins Viertelfinale und somit lag die erhoffte dritte Medaille für unser Team zum Greifen nahe. Bei ihrer insgesamt 16. Europameisterschaft startete Anna-Lena Frömming in der Gewichtsklasse -62 kg mit einem soliden 9:4 Punkte-Sieg über die Französin Clara Maillien. Die erste Viertelfinal teilnahme an diesem Tag war gesichert. Kurze Zeit später folgte Cem Ünlüsoy in der Schwer gewichtsklasse (+87 kg) ins Viertelfinale. Er besiegte den Schweden Erik Faramakaas in einem tollen Auftaktkampf mit 20:17 Punkten. Sehenswerte Kopftreffer und auch einige Drehtechniken fanden eine Wertung. Eduard Drewlau (-74 kg) setzte den erfolgreichen Weg des Teams GER an diesem Tag fort. In einem spannenden Kampf behält Eduard die Übersicht, besiegt den Italiener Samuele Baliva mit 12:8 Punkten und sichert die dritte Medaillenchance an diesem Tag. Doch sowohl Anna-Lena als auch Cem und Eduard schafften es in ihren Medaillenkämpfen nicht, die Kontrolle über
ihre Gegner zu bekommen. Eduard, der aus Bundestrainersicht heute die größten Medaillenchancen bei den Herren hatte, blieb phasenweise unter seinen Möglichkeiten. Betrachtet man das knappe Endergebnis von 7:6 Punkten gegen den Vize-Olympiasieger (Jugend) Badr Achab aus Belgien, wäre die Medaille mit einer normalen Performance absolut machbar gewesen. „Wenn Eduard den Kampf von Anfang an mehr in die Hand genommen hätte, wäre er als Sieger von der Fläche gegangen. Bei Cem war es dagegen schwierig, da der Aserbaidschaner größenmäßig deutlich überlegen war“, bewertet Marco Scheiterbauer das Abschneiden seiner Herren. Dennoch startete Cem aktiv und beherzt in diesen Medaillenkampf. Setzte einige Treffer, kämpfte, musste am Ende aber dem Olympiasieger 2016, Weltmeister 2015 und Europameister 2018 den Sieg lassen. Die letzte Medaillenchance aus Damensicht lag bei AnnaLena Frömming. Doch mit der Tschechin Petra Stolbova hatte Anna es mit einer starken Athletin zu tun. Zunächst blieb der Kampf ausgeglichen, doch zwei Aktionen brachten der Tschechin eine komfortable Führung, die sie bis zum Endstand von 18:8 Punkten verteidigte. Einer der wenigen aus dem deutschen Team, der von morgens bis abends unermüdlich auf der Fläche eingesetzt wurde, war unser einziger deutscher Kampfrichter Abdullah Ünlübay. Vom ersten Wettkampftag bis zum Schlusstag war er in den verschiedensten Funktionen als Kampfrichter im Einsatz. Mal als Center-Referee, mal als Punktrichter. Stets lieferte er eine professionelle Leistung ab. Bedanken möchten wir uns ganz herzlich bei Dr. Reza Rahimi und Oliver Reiff für die medizinische Betreuung unseres Teams. Alle Sportlerinnen und Sportler standen fit auf der Fläche und können ohne schwerwiegende Verletzung in die nächsten Trainingseinheiten starten. Vielen Dank für euren Einsatz! Einen Dank schicke ich außerdem an meinen Medienpartner Peter Bolz. Er stand, wie schon seit vielen Jahren, mit dem Blick für den entscheidenden Moment an der Fläche, um aus Gesehenem Erinnerungen zu machen. Danke für die großartigen Fotos, lieber Peter! Wir bedanken uns auch bei unseren Förderern und Sponsoren sowie allen Unterstützern, die zu diesem Teamerfolg, auch wenn er sicherlich noch ausbaufähig ist, beigetragen haben.
Stimmen zur EM Ein Interview mit Andreas Hahn finden Sie auf S. 37 Vize-Präsident Zweikampf Jannis Dakos zieht Bilanz: „Wir können mit dem Ergebnis dieser Europameisterschaft nicht zufrieden sein. Zwei Bronzemedaillen sind für unser Team, das aus meiner Sicht sehr viel mehr Potenzial hat, zu wenig. Die Vorbereitung war aus unserer Sicht gut, über eine lange Zeit wurde zentralisiert trainiert, es gab viele Trainingslager mit internationalen Trainingspartnern und
auch die Wettkampfleistung auf den Turnieren in diesem Jahr hat gestimmt. Ich habe Vertrauen in die Sportler und in die Arbeit der Trainer. Ich denke, die neue Teamkonstellation braucht noch etwas Zeit, um das Team stärker zu formen. Die EM war jetzt ein guter Zwischenstand für unser Hauptturnier in diesem Jahr – die Weltmeisterschaft im November. Dafür haben die Trainer noch gut ein halbes Jahr Zeit, das Team vorzubereiten, damit wir wieder mehr Medaillen gewinnen. Das ganze Team ist motiviert, um diese große Aufgabe mit der WM anzugehen.“ Damenbundestrainer Balázs Tóth resümiert: „Meine Erwartungen waren weit höher als das, was wir als Team in Manchester erreicht haben. Wir müssen akzeptieren, dass wir nur eine Medaille gewonnen haben. Ich habe gedacht, dass wir in dieser kurzen Zeit von fünf Monaten eine größere Veränderung bewirken. Aber mit dem Ergebnis von Manchester sehen wir diese Veränderung noch nicht. So, wie die Damen gekämpft haben, hat es mir größtenteils gefallen. Wie sie die Kämpfe gestaltet haben, war gut. Oft war es sehr knapp und in drei Klassen haben wir gegen die späteren Siegerinnen verloren. Das zeigt mir, dass die Athletinnen auf dem richtigen Weg sind. Ich bin sicher, dass unser System noch etwas mehr Zeit braucht. Dann kommen auch noch bessere Ergebnisse.“ Fazit Marco Scheiterbauer:
Aufgrund der erbrachten Saisonleistungen im Vorfeld der EM kristallisierte sich ein Potenzial von zwei Medaillen heraus. Mit einer Bronzemedaille durch Imran Özkaya in der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm wurde das Minimalziel erreicht. Durch die beiden sehr knapp verlorenen Viertelfinale von Eduard Drewlau bis 74 Kilogramm und Alexander Bachmann bis 87 Kilogramm bestanden noch weitere Möglichkeiten zwei Medaillen zu erkämpfen. In einigen Gewichtsklasse haben wir an der europäischen Spitze angeschlossen in manchen sind wir noch zu weit weg, um Medaillen zu erkämpfen, dennoch sind auch hier positive Entwicklungen zu verzeichnen. Wir werden weiterhin stark an der Entwicklung des Teams arbeiten um wieder in den Kreis der Medaillengewinner aufzuschließen. Unser mittelfristiges Ziel ist es uns im Ranking weiter nach oben zu arbeiten um eine realistische Chance zu erhalten um an den olympischen Spielen in Paris 2024 teilzunehmen.
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DIE TECHNIK-WM IM RÜCKBLICK ADINA MACHWIRTH GEWINNT FÜR DEUTSCHLAND DIE ERSTE EINZEL-FREESTYLE MEDAILLE IN EINER DAMENKLASSE BEI EINER WM von Raffaella Delli Santi
Lange war wegen der Pandemie unsicher, ob die PoomsaeWM in Korea überhaupt stattfinden kann und unter welchen Voraussetzungen die koreanische Regierung die Einreise der Sportler aus aller Welt zulassen würde. Als endlich das Signal kam, dass die WM ausgetragen werden kann und die Teams ohne Quarantäne nach Korea einreisen dürfen, konnten die umfangreichen Vorbereitungen für das Saisonhighlight endlich mit Vollgas betrieben werden. Zwischen dem 21. und 24. April kamen mehr als 760 Formenläuferinnen und Formenläufer aus der ganzen Welt in Goyang zusammen, um die Besten unter sich auszumachen. Für Deutschland kämpften 20 Bundeskaderathletinnen und -athleten in 17 Kategorien um die heißbegehrten Medaillen, betreut vom Head of Team, Vizepräsident Technik Rainer Tobias, den vier Bundestrainern Imke Turner, Daniela Koller, Paul Knauthe und Lukas Stein sowie dem Team-Osteopathen und Physiotherapeuten Joey Wittek. Auch zahlreiche Eltern und Fans konnten dank der Einreiselockerungen mitfliegen und das deutsche Team vor Ort anfeuern und unterstützen. Das DTU-Team sicherte sich insgesamt zwei Medaillen: Adina Machwirth, Freestyle Einzel Jugend weiblich, gewann Bronze und damit die erste WM-FreestyleEinzelmedaille in einer Damenklasse für Deutschland. Manfred Stadtmüller, Senioren unter 65 Jahre, errang, nach der Goldmedaille bei der EM 2021, ebenfalls Bronze. Zwei Medaillen – und außerdem sieben Sportler bzw. Paare oder Teams, die hauchdünn an der Medaille vorbeischrammten und jeweils den fünften Rang belegten. Diese WM zeigte eine große Dominanz des Gastgebers, der sich auch die
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Nationen-Gesamtwertung sicherte. „Die WM war beeindruckend, das Niveau unfassbar hoch. Dennoch hat das deutsche Team gezeigt, dass es neben den Besten der Welt bestehen kann. Wir sind sehr stolz auf jede und jeden“, so das Gesamtfazit des Bundestrainerteams. Head of Team Rainer Tobias hat dem DTU-Magazin zu seinem WM-Fazit ein ausführliches Interview gegeben. Sie finden es auf Seite 35 in diesem Magazin. „Nach vier Jahren ohne WM hat man richtig gespürt, wie glücklich alle Teilnehmer aus der ganzen Welt waren, sich wiederzusehen und zusammen so ein toll organisiertes, beeindruckendes Event zu erleben“, fassen die beiden Aktivensprecher Bärbel Reiner und Steven Behn die Stimmung der WM zusammen. In der riesigen Messehalle sei vielleicht ein wenig Stimmung verlorengegangen, aber es sei deutlich zu spüren gewesen, wie viel Mühe und Liebe in das Drumherum investiert wurde – Verkaufsstände, tolles Essen, riesiger Aufwärmbereich, Demonstrationsteams, kostenloses Wasser für die Athleten und Gastgeschenke für alle Teams. „Eine Weltmeisterschaft in Korea zu erleben, war wirklich etwas sehr Besonderes.“ Dazu hat auch beigetragen, dass die WM große mediale Aufmerksamkeit genoss: professionelle Liveübertragung im koreanischen Fernsehen sowie Livestreams im Internet, die die WM in die Wohnzimmer der Fans zu Hause brachten. Bundeskampfrichterreferent Andreas Osthoff war zusammen mit Nicole Ketteniss und Dr. Marion Schrader als Kampfrichter für die WM eingeladen worden. Auch sein Fazit fällt begeistert aus: „Nachdem wir in Europa mit der
EM in Portugal bereits wieder ein großes Turnier in Präsenzform hatten, konnte man auch bei den rund 60 Kampfrichtern aus aller Welt eine große Erleichterung spüren, dass nach der zweijährigen Zwangspause endlich wieder ein großes Turnier auf Weltebene möglich war.“ Zunächst durchliefen die Kampfrichter ein zweitägiges Training, bevor sie vier Tage lang hochkonzentriert im Einsatz waren. „Neben den Freestyle-Wettbewerben, die auch für uns Kampfrichter immer ein Highlight sind, waren die Finalrunden im Single Elimination-Verfahren enorm spannend und uns wurden durch die Bank erstklassige Leistungen präsentiert“, so Osthoff. „Besonders stolz macht mich, dass Deutschland mit drei Kampfrichtern auf der WM in Goyang vertreten war und damit neben Südkorea die meisten internationalen Kampfrichter gestellt hat.“
Zu den einzelnen Leistungen der deutschen Starterinnen und Starter: Matteo-Won Campana, Kadetten männlich: Der amtierende Europa meister startete souverän und konzentriert in den Wettbewerb. Mit präzisen und dynamischen Vor trägen zog er ins Finale der acht Besten ein und lieferte sich dort im ersten Duell ein hochspannendes Kopf-an-KopfRennen, das der Sportler aus Vietnam nur hauchdünn für sich entscheiden konnte. Platz 5 für Matteo bei seinem ersten WM-Start und der zweiten Teilnahme auf einem großen Turnier überhaupt – eine starke Leistung, die viel für die Zukunft verspricht. Vivi Do, Kadetten weiblich: Die jüngste Sportlerin im deutschen Team zeigte sich in der Vorrunde und im Halbfinale angriffslustig. Sie riskierte alles im Kampf um den Finaleinzug. Eine kleine Unsicherheit ließ dies dann leider nicht zu. Sportlich wie mental eine starke Leistung in der Kadettinnenklasse! Mian Fromm, Junioren männlich: Mit leichten Beinen und höchster technischer Präzision zog Mian sicher in die finale Runde der besten acht Junioren ein. Sein erstes Duell im Finale bestritt er gegen den späteren Medaillengewinner aus Korea – trotz einer hervorragenden Leistung musste sich Mian leider geschlagen geben. Damit sicherte er sich einen hervorragenden 5. Platz!
Ana Catalina Pohl, Junioren weiblich: In der hochklassig besetzten Juniorinnenklasse zog Ana Catalina auf Platz vier liegend ins Halbfinale ein. Sie zeigte mental wie auch läuferisch eine sehr überzeugende Leistung, doch leider reichte es ganz knapp nicht für den Einzug ins Finale. Helena Silberhorn und Mian Fromm, Paar Junioren: Die beiden jungen Sportler überzeugten mit ihrer synchronen und willensstarken Präsentation. Souverän überstanden sie die Vorrunde. Im Halbfinale zeigten sie sich weiter angriffslustig, wurden an diesem Tag aber nicht dafür belohnt – und konnten sich nicht ins Finale vorarbeiten. Pia Hoffmann, Ana Catalina Pohl, Helena Silberhorn, Team Junioren weiblich: Die drei Jugendlichen überzeugten von Beginn an mit ihrem mühelosen und dynamischen Laufstil und sicherten sich eine gute Ausgangsposition für die Finalrunde. Dort trafen sie auf die USA und mussten sich den späteren Medaillen gewinnerinnen hauchdünn geschlagen geben. Platz 5 für das Juniorenteam. Patrick Kuzenko, Herren unter 30: Bei seinem zweiten internationalen Einsatz in der Seniorenkategorie überzeugte Patrick mit seinem dynamisch kraftvollen Laufstil. Im Duell um den Einzug in die Runde der acht Besten musste er sich dem Kontrahenten aus Costa Rica geschlagen geben. Nami Vuong, Damen unter 30: In Topform präsentierte die Drittplatzierte der EM 2021 ihre Formenvorträge. Gewohnt dynamisch und ausstrahlungskräftig konnte sie sich in die Runde der besten 16 vorarbeiten. Dort unterlag sie knapp der Weltranglistendritten aus den USA und errang Platz 9.
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Emir Can Erdemir, Leon Pfaffl, Patrick Kuzenko, Team männlich bis 30: Die Bronzemedaillen gewinner der EM 2021 zeigten auch in Korea Nerven stärke und präsentierten dynamisch und kraftvoll ihre Formen, was ihnen den Einzug ins Finale der acht Besten ermöglichte. Dort wartete das Team der Gastgebernation auf sie, dem sich die drei Jungs leider geschlagen geben mussten. Platz 5 für das Team.
Manfred Stadtmüller, Herren unter 65: Der amtierende Europa meister startete souverän und konzentriert in den Wettbewerb. Er zog sicher in die Runde der besten Acht ein. Im ersten Duell wartete der schwedische Starter auf ihn. Mit hohen, sportlichen Tritten konnte Manni sich durchsetzen und traf im Halbfinale auf den koreanischen Starter, der ihn besiegte. So holte Manni bei seinem ersten WM-Start die Bronzemedaille für Team Deutschland.
Bärbel Reiner, Damen unter 40: Bärbel präsentierte sich gewohnt angriffslustig und lieferte sich ein interessantes Duell mit der mexikanischen Starterin. Trotz einer mental sehr staken Leistung auch nach einer kleinen Unsicherheit in der ersten Form konnte sich Bärbel nicht durchsetzen und errang Platz 9.
Adina Machwirth, Freestyle weiblich unter 17: Adina performte voller Leidenschaft ihre Freestyleform! Ihre technische Exaktheit und ihre Sportlichkeit kombinierte sie mit einer ausdrucksstarken Präsentation, die keinen Zweifel an ihrem Siegeswillen zuließ. Auf ihrem ersten WM-Start erkämpfte sich Adina damit die Bronzemedaille.
Binh Duong, Patrick Lebens, Tilman Gothner, Team männlich über 30: Die zweifachen Vizeeuropa meister „BPT“ überzeugten mit ihrer gewohnt einheitlichen und geschlossenen Präsentation. Ihr dynamischer Formenvortrag ließ sie ins Finale vorrücken. Dort erkämpften sie nach einem unterlegenen Duell Platz 5.
Jules Berger, Freestyle männlich über 17: Auch Jules startete zum ersten Mal auf dem Weltturnier und zeigte sich bestens vorbereitet und angriffslustig. Eine kleine Unsicherheit verhinderte leider den Einzug ins Finale der besten Acht in dieser äußerst stark besetzten Klasse.
Christian Senft, Herren unter 50: Chris hatte in der Vorbereitung zur WM nochmals neue Schwerpunkte gesetzt und konnte diese auf der Matte in Korea gut umsetzen. Leider musste er sich im Halbfinale der starken Konkurrenz geschlagen geben.
Nami Vuong und Steven Behn, Freestyle Paar über 17: Die leidenschaftliche und mitreißende Präsentation der beiden überzeugte die Kampf richter und ermöglichte ihnen den Finaleinzug. Dort präsentierten Nami und Steven ihre Form erneut fehlerfrei – leider hauchdünn am Bronzerang vorbei, aber Platz 5 gewonnen.
Heekyung Reimann, Damen unter 60: Heekyung trat mit ihrem ersten WM-Start in große Fußstapfen in dieser Klasse, ließ sich davon aber nicht beirren und präsentierte ihre gewohnt präzisen und ruhig vorgetragenen Poomsae. Sie erreichte sicher die Finalrunde, wo eine spätere Medaillengewinnerin aus den USA auf sie wartete. Heekyung musste sich knapp geschlagen geben und wurde 5.
Jetzt heißt es: Nach der WM ist vor der EM 2023. Die deutschen Formenläuferinnen und -läufer bereiten sich ab sofort auf die neuen Herausforderungen vor. Zwischenzeitlich hat das Bundestrainerteam die Bundeskadersportler und Nachwuchstalente bereits auf einem Jugend- und Sichtungslehrgang bzw. bei den Regional-Bundeskaderlehrgängen trainiert und die frischen Erkenntnisse der WM weitergeben. Als nächstes steht das Bundesranglistenturnier in Lehrte an, das ein erster Gradmesser für das nächste Großturnier sein wird.
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„ES WAR EIN GROSSARTIGER SPORTLICHER AUFTRITT VON ALLEN NOMINIERTEN DEUTSCHEN ATHLETEN“ Rainer Tobias, Vizepräsident Technik im Interview über die Weltmeisterschaft in Korea von Helena Stanek Ein Europameister gewinnt Bronze – eine erste Einzel-Freestyle-WMMedaille bei den Damen. Nimm uns doch noch einmal mit nach Korea und erzähl uns von diesen beiden besonderen Erfolgen. Was lief an diesem Tag bei Manfred besonders gut? Manfred hatte mit Ruhe und Fokus mit seinen ersten beiden Formen einen tollen Start hingelegt und ist sicher ins Finale eingezogen. Mit viel Nervenstärke hat er auch sein erstes Battle gegen Schweden entschieden. Gegen den koreanischen Athleten und für den Einzug ins Finale hat es dann leider nicht mehr ganz gereicht. Wie sehr hat die Performance von Adina gestimmt oder vielleicht sogar auch überrascht? Was war ihre Stärke an diesem Tag? Man hat bei Adina deutlich den Willen gespürt, bei ihrem Start etwas Großes erreichen zu wollen. Das hat sie dann auch mit einer unglaublichen Überzeugung vorgetragen. Alle ihre Akrobatikaktionen waren sehr gut gelungen und ihre Moves sowie ihre Vielseitigkeit und ihr Ausdruck kamen bei den Referees gut an. Gut sechs Wochen sind seit der WM vergangen. Wie bewertest du nach diesem Abstand das Abschneiden deines Teams in Korea? Es war ein großartiger sportlicher Auftritt von allen nominierten deutschen Athleten und alle haben ihr Können unter Beweis gestellt. Die Erfahrung für jeden Einzelnen bei so einem Ereignis ist durch nichts anderes zu erlangen und wird den Athleten sicher in vielen kommenden Wettkämpfen helfen. Eine WM in Korea mit vielen koreanischen Weltmeistertiteln. Hat dich diese Dominanz überrascht oder war das vorhersehbar? Wenn man die vergangenen Weltmeisterschaften beleuchtet, war Korea immer mit Abstand das erfolgreichste Team, daher war es zu erwarten, dass es bei einer WM in ihrem
Heimatland wieder so sein wird. Das muss man neidlos anerkennen. Was hat dich bei der WM, sei es eine Leistung, eine Geste oder ein bestimmter Moment, besonders beeindruckt? Eine jugendliche Sportlerin konnte aufgrund einer Covid-Infektion erst kurz vor ihrem ersten Wettkampftag nach Korea einreisen und wurde mit großem Applaus vom Team im Hotel empfangen. Keine 18 Stunden später musste sie gleich ran und legte, gemeinsam mit ihrem Synchronteam, exzellente Formenvorträge hin. Das Team verpasste nur hauchdünn eine Medaille. Der Empfang im Hotelfoyer durch das Team und die Freude aller über ihr Eintreffen sowie die Gewissheit, dass es nun mit einem Teamstart klappt, sowie die trotz aller Strapazen großartige Leistung haben mich sehr stolz auf dieses Team gemacht. Man muss sagen, dass mit zwei gewonnenen Bronzemedaillen die Erwartungen sicherlich nicht erfüllt werden konnten. Welche Erwartungen hattest du persönlich an diese WM? Wir haben zwei Medaillengewinner der letzten WM vom Kader in den Trainerstab geholt. Das macht sich bei der Gesamtquote natürlich bemerkbar. Von daher sind zwei gewonnene Medaillen ein sehr gutes Ergebnis, vor allem, wenn man bedenkt, dass wir weitere sieben Finalteilnahmen hatten, die teilweise nur mit zwei hundertstel Punkten Differenz eine Medaille verpasst haben. Die Vorbereitung auf die WM lief an vielen Stellen holprig. Neben zahlreichen formellen Vorschriften, die es aufgrund der Corona-Pandemie zu erfüllen gab, konnte auch nicht in dem Maß an Turnieren teilgenommen werden, wie wir es sonst im Technik-Bereich gewohnt sind. Was waren die größten Probleme in dieser WM-Vorbereitung? Was lief besonders gut? Das war für alle Beteiligten eine auch mental sehr anstrengende Phase. Die Ungewissheit, ob es tatsächlich eine WM geben würde, und die lange Zeit, in der von einer siebentägigen Quarantäne ausgegangen werden musste, der sich DTU-Magazin Taekwondo 20 - Ausgabe 12 07/2022 -
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nicht alle freiwillig unterworfen hätten, womit manche letztendlich nicht dabei gewesen wären, hat allen sehr viel Durchhaltevermögen abverlangt. Aus der Vorbereitung hat das Technik-Team gemeinsam das Beste gemacht. Nur eine Online-Meisterschaft als Vorbereitung in der Covid-Hochphase konnte natürlich keine optimale Vorbereitung ersetzen. Aber die Nominierten haben trotzdem sehr diszipliniert, auch mit individueller Unterstützung der Bundestrainer, gearbeitet. Ich bin tatsächlich sehr froh darüber, dass inzwischen wieder wie gewohnt Präsenzveranstaltungen stattfinden können, um optimale Trainingsbedingungen zu schaffen. Vollende den Satz: Mit der WM in Goyang bin ich …! um einige Erfahrungen reicher geworden, und ich war sehr beeindruckt von der Perfektion der Ausrichtung.
Das Jahr befindet sich in der Halbzeit; welche Aufgaben warten auf dich als Vize-Präsident in der zweiten Jahreshälfte? Das zweite Halbjahr ist schon gut gefüllt. Wir planen mehrere Kadermaßnahmen, dann stehen das Bundesranglistenturnier II sowie die Deutsche Meisterschaft und der Deutsche Jugend-Cup Anfang Oktober an. Außerdem gibt es Online-Kampfrichterlehrgänge für alle drei Bereiche: Recognized, Para und Freestyle. Sofern es sich umsetzen lässt, wollen wir Sportler aus den Klassen unter 30 und unter 40 auf Turniere entsenden. Zu guter Letzt steht die Vorbereitung der German Open Poomsae im Frühjahr 2023 auf dem Plan.
„NATÜRLICH WAR MEIN HERZ DIE GANZE ZEIT BEIM TEAM“ Sportdirektorin Raffaella Delli Santi verfolgte die Technik-WM in der Heimat von Helena Stanek Du bist nicht zur WM mitgeflogen. Wie schwer war es für dich, zu Hause zu bleiben, obwohl dein Herz sicherlich gerne mit in Korea gewesen wäre? Ich hatte bewusst entschieden, nicht mitzufliegen, um die Kosten für mich einzusparen und diese Mittel für Maßnahmen in der noch langen Saison nach der WM zur Verfügung zu haben. Natürlich war mein Herz die ganze Zeit beim Team in Korea. Ich wurde über unsere Whatsapp-Gruppen bestens mit Informationen versorgt und habe die Läufe im Livestream verfolgen können. Die organisatorischen Vorbereitungen für die WM waren immens, nicht zu vergleichen mit vorherigen Großturnieren. Daher hoffte ich, dass vor Ort alles reibungslos funktioniert (wohlwissend, dass eine WM in puncto Organisation immer für Überraschungen gut ist) und freue mich, dass das gesamte Team sich gegenseitig großartig unterstützt hat. Ich möchte deshalb die Gelegenheit nutzen, um mich bei allen dafür zu bedanken: Rainer, dem Bundestrainerteam, Joey, den beiden Aktivensprechern, den „Creative Directors“, den mitgereisten Eltern und Fans und natürlich bei allen Teammitgliedern! Und nicht zu vergessen bei allen helfenden Händen „hinter den Kulissen“, wie etwa Helena Stanek und unserem Reisebüro.
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Was ist dein persönliches Fazit dieser WM? Ich freue mich für jede und jeden unseres Teams über ihre/ seine Leistung und darüber, dass sie auf einer WM in Korea starten konnten – das ist eine Erfahrung, die ihr ganzes Taekwondo-Leben prägen wird. Was mir sehr imponiert hat, war die mentale Stärke unserer Teammitglieder: Die Pandemie hat Trainingsmöglichkeiten stark beeinflusst, zudem hatten sie zwischen EM und WM nur wenig Erholungs- und Vorbereitungszeit, gleichzeitig diese lange Unsicherheit – findet die WM statt, und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Davon haben sie sich nicht beeindrucken lassen. Alle waren topmotiviert, haben ihr Bestes gegeben, sind über sich hinausgewachsen. Dass es dieses Mal in vielen Fällen so unglaublich knapp nicht für einen Podestplatz oder den Einzug ins Finale gereicht hat, ist natürlich sehr schade und ich kann die Enttäuschung verstehen. Die sieben fünften Plätze beweisen aber auch, dass unser Team vorne „mitspielt“. Eine Medaille auf der WM zu gewinnen hängt einfach von vielen Faktoren ab, es muss an dem Tag auch alles passen. Ich freue mich sehr darüber, dass alle begeistert nach Hause gekommen sind und sich auf die nächsten Großturniere freuen – nach der WM ist schließlich vor der EM 2023.
ERFOLG MIT DER BUNDESWEHR Interview mit Andreas Hahn, Leiter des Referats Sport, Spitzensport und Militärsport des Kommandos Streitkräftebasis in Bonn von Hermann-J. Hoffe Die Bundeswehr ist einer der wichtigsten Partner der Deutschen Taekwondo Union. Andreas Hahn leitet dort seit vielen Jahren das Referat Sport, Spitzensport und Militär sport des Kommandos Streitkräftebasis in Bonn. Nach der Europa meister schaft in Manchester haben wir mit Andreas Hahn über das Thema Leistungssport und Bundeswehr gesprochen. DTU 20: Der Erfolg der deutschen Athleten und Athletinnen in den vergangenen Jahren hängt ganz eng mit der Förderung und Unterstützung durch die Bundeswehr und die Bundespolizei zusammen. Wie hoch ist der Anteil der durch die Bundeswehr geförderten Sportlerinnen und Sportler insgesamt? Andreas Hahn: Der Parlamentarische Auftrag der Bundesregierung an die Bundeswehr lautet, die Spitzensportförderung in Deutschland zu unterstützen, also erfolgreiche Repräsentanz Deutschlands bei internationalen Wettbewerben. Die Zielwettkämpfe hierfür sind die Olympischen Spiele. Dazu gehört zunächst eine erfolgreiche Qualifikation der Sportsoldatinnen und Sportsoldaten, um es alle vier Jahre überhaupt zu den Olympischen Spielen zu schaffen und dort Herausragendes zu erreichen. Das ist auch nahezu das einzige Mittel der Effizienzmessung. Weltmeisterschaften und Europameisterschaften hat jede Sportart. In manchen Sportarten gibt es jedes Jahr eine Weltmeisterschaft, bei manchen alle zwei Jahre, bei den nächsten alle vier Jahre. Deswegen ist eine klare Aussage für eine Unterstützung und Förderung: Erfolgreiche Teilnahme an den Olympischen Spielen und für den Nichtolympischen Bereich an den World Games. Und wenn ich das im Rückblick seit der Wiedervereinigung, also ab 1992, sehe, dann sind wir mit knapp 40 Prozent Anteil der Sportsoldatinnen und Sportsoldaten an der deutschen Mannschaft und Beteiligung an rund 50 Prozent aller deutschen Olympiamedaillen gut aufgestellt. Das ist ein deutliches Zeichen, wie wichtig die Spitzensportförderung der Bundeswehr ist, aber auch mit welcher Effizienz sie arbeitet.
DTU 20: Das bedeutet ja, nahezu die Hälfte aller Medaillen oder alle herausragenden Leistungen hängen eng mit der Unterstützung, mit der Tätigkeit des Sportlers oder der Sportlerin bei der Bundeswehr zusammen? Andreas Hahn: Ganz genau. Wir geben quasi den sozialen Rahmen. Für Training und Wettkampf ist der Spitzenverband verantwortlich. Da übertrage ich das fachliche Direktionsrecht, in die Hände des Bundessportfachverbandes. DTU 20: Die einzelnen Sportlerinnen und Sportler durchlaufen eine bestimmte Karriere innerhalb der Bundeswehr. Was sind die höchsten Ränge, die Spitzensportler erreicht haben? Andreas Hahn: Bisher war das der Stabsfeldwebel. Ich freue mich aber, dass es uns gelungen ist, seit April dieses Jahres den Spitzendienstgrad Oberstabsfeldwebel auch für die Spitzensportförderung der Bundeswehr aufzubringen. Hier gibt es jetzt Beförderungsmöglichkeiten, insbesondere für herausragende langjährige Trainerinnen und Trainer mit Bundesaufgaben, von denen wir ja auch 50 in unseren Reihen haben. DTU 20: Welche Athleten, unabhängig vom Taekwondo, haben schon diese Dienstgrade erreicht? Andreas Hahn: Wir fördern in Jahresschritten nach leistungssportlicher Bewertung. Dabei denken wir aber im Olympia-Zyklus, also im Vier-JahresRhythmus. Wir haben viele Athletinnen und Athleten, die sehr erfolgreich unterwegs sind. Und da kommen dann nicht nur ein Olympia-Zyklus, sondern auch zwei, drei oder sogar vier Olympiazyklen zusammen. Es kann, wenn jemand ganz lang dabei ist, zu einer Beförderung in den Spitzendienstgrad Oberstabsfeldwebel führen. Immer mit der Prämisse: erfolgreiche Teilnahme bei den Olympischen Spielen oder World Games. Im April dieses Jahres haben wir, wie eben schon erwähnt, den Spitzendienstgrad Oberstabsfeldwebel bereits die ersten Beförderungen durchgeführt.
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DTU 20: Gibt es einen prominenten Namen? Andreas Hahn: Beim Biathlon etwa hat ChefBundestrainer Mark Kirchner den Spitzendienstgrad erreicht. Er hat sich als erfolgreicher Sportler und auch als langjähriger erfolgreicher Chefbundestrainer mehr als verdient gemacht. DTU 20: Wie viele Sportsoldaten und Sportsoldatinnen werden aktuell durch die Bundeswehr unterstützt? Andreas Hahn: Aktuell fördern wir 850 Sportsoldaten und Sportsoldatinnen. Hinzu kommen 40 MilitärSportler und -Sportlerinnen, die wir in eigenem Interesse fördern. Das sind militärspezifische Sportarten, für die es keinen Dachverband gibt, wie der militärische Fünfkampf und der maritime Fünfkampf. Zusätzlich fördern wir seit 2012 auch den paralympischen Sport mit derzeit 25 Individualverträgen. Darüber hinaus stellen wir auch noch Guides für sehgeschädigte bzw. blinde Leichtathleten, Radsportler, nordische und alpine Skiläufer sowie Biathleten zur Verfügung. DTU 20: Vor einigen Wochen haben Sie die Europameisterschaften in Manchester besucht. Wie war Ihr Gesamteindruck? Andreas Hahn: Eigentlich sehr gut, auch wenn sich nicht alle Medaillenhoffnungen erfüllt haben. Zwei Bronzemedaillen, aber auch sieben Mal Platz fünf, also dicht an der Medaille dran, sind ein gutes
Ergebnis. Wir wissen ja, in Zweikampfsportarten, insbesondere im Taekwondo, ist es zwischen Sieg und Niederlage manchmal ganz, ganz eng. Ich glaube, das gibt Hoffnung auf den Weg nach Paris. Taekwondo konnte leider von den beiden letzten Olympischen Spielen keine Medaille mitbringen. Diese sind aber für die Förderung, für die Zuerkennung von Kontingenten ein ganz wichtiges Kriterium. Ich denke hierbei auch an die Potenzialanalyse, welche bei den olympischen Verbänden zugrunde gelegt wird. Die letzte Olympische Taekwondo Medaille hat Helena Fromm 2012 in London erkämpft. Es gilt diese Erfolgsspur wieder aufzunehmen. Wir als Spitzensportförderung Bundeswehr versuchen unser Möglichstes an Unterstützung beizutragen, damit man für die nächsten Olympischen Spiele in Paris möglichst viele Qualifikationen erreicht. So u.a. 18 Förderplätze, davon eine Trainerstelle und halten in der Sportfördergruppe Infrastruktur vor, die es erlauben auch Lehrgangsmaßnahme durchzuführen. DTU 20: Wie man hört, haben Sie persönlich ein großes Interesse an Taekwondo? Andreas Hahn: Ja, auf jeden Fall. In den 27 Jahren, in denen ich für die Spitzensportförderung der Bundeswehr Verantwortung trage, haben wir viel auf den Weg gebracht – bis hin zur Steigerung der Förderplätze auf das jetzige hohe Niveau. Zudem trainieren alle hart und geben ihr Bestes. Manchmal liegt
Andreas Hahn (2. v. l.) bei der Weltmeisterschaft 2018 in Manchester mit dem deutschen Team
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es an vielen Kleinigkeiten, die Qualifikation zu schaffen: die Tagesform ist natürlich auch ausschlaggebend, hinzu kommt die Schwierigkeit, verletzungsfrei zu bleiben, und dann noch die Vielzahl an Qualifikationskämpfen, um die erforderlichen Punkte zu sammeln. Es ist unheimlich schwer und das Quäntchen Glück gehört eben hier und da auch dazu. Ich denke an Alex Bachmann, der mit einem Verletzungshandicap in den olympischen Wettkampf von Tokio eingestiegen ist, und dem durchaus, wäre er verletzungsfrei geblieben, ganz andere Platzierungen zuzutrauen gewesen wären. DTU 20: Welchen Gesamtblick hat man bei der Bundeswehr auf diese Sportart, die für Sportsoldatinnen und Sportsoldaten eine interessante Sportart ist? Sport und Bundeswehr zu verbinden, da hat ja bei Taekwondo eine ganz gute Grundlage? Andreas Hahn: Taekwondo zählt durchaus zu den bundeswehraffinen Sportarten, da ja der Zweikampf für Soldaten grundsätzlich ein Thema ist. Wir haben uns von Anfang an um Taekwondo vielleicht ein bisschen intensiver gekümmert und bei der Sportfördergruppe Sonthofen entsprechende Strukturen geschaffen. So können, wie bereits erwähnt, zentrale Lehrgangs- und Trainings maßnahmen durchaus in der Obhut der Sportfördergruppe mit bundeswehrsportlicher Infrastruktur durchgeführt werden. DTU 20: Ist die Sportförderung in anderen Ländern, was die Unterstützung durch die Militärorganisation des Landes angeht, anders geregelt oder vergleichbar? Andreas Hahn: Neben der Gewährleistung einer erfolgreichen Repräsentanz Deutschlands bei internationalen Wettbewerben gilt es auch unseren Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern die gleichen Fördermöglichkeiten einzuräumen wie in anderen Nationen üblich. Das ist deswegen so wichtig, weil die Förderung des Spitzensports in vielen Ländern, auf nahezu allen Kontinenten, sich in den Armeen dieser Welt widerspiegelt. Alleine aus dieser
Sicht ist ein parlamentarischer Auftrag an eine so große Organisation wie der Bundeswehr, richtig platziert. DTU 20: Aus dem Ausland hört man ab und zu, gerade auch bei Taekwondo, dass die erfolgreichen Sportlerinnen und Sportler dort großzügig versorgt werden. Mit dem Gewinn einer Olympiamedaille hat man dann alles erreicht, was man je erreichen kann. Andreas Hahn: Bei uns gibt es keine Beförderung nach sportlichem Erfolg. In Gleichbehandlung aller Soldatinnen und Soldaten erfolgen die Beförderungen auch für unsere Sportsoldatinnen und Sportsoldaten nach erfolgreich absolvierten militärischen Laufbahnausbildungen zum Feldwebel. Jedoch sind dies alles Sonderlehrgänge, bei denen die Spitzen sportlerinnen und Spitzensportler unter sich bleiben, zudem sind diese Lehrgänge deutlich kürzer. Der Fokus liegt auf Training und Wettkampf. In anderen Nationen kann das ein bisschen anders aussehen, vor allem in ihren Nationalsportarten. Ich habe mal von einer Beförderung eines 18-jährigen Sportsoldaten aus einem osteuropäischen Land zum General nach seinem Olympiasieg gehört. DTU 20: Im Spätherbst finden im Iran die Militärweltmeisterschaften im Taekwondo statt. Welchen Stellenwert haben diese Meisterschaften für die Sportförderung der Bundeswehr? Andreas Hahn: Eine Weltmeisterschaft ist natürlich immer ein ganz wichtiges Ereignis. Auch eine Militärweltmeisterschaft, die mit ihrem hochklassigen Teilnehmerfeld kaum einer zivilen Welt meisterschaft nachsteht, wird im Punkteranking eine wichtige Rolle auf dem Weg nach Paris spielen können. Der Iran ist natürlich ein besonderer Austragungsort. Gemeinsam mit der DTU bereiten wir unsere Sportsoldatinnen und Sportsoldaten bestens auf diese Militärweltmeisterschaft vor. DTU 20: Vielen Dank, Herr Hahn, für das interessante und informative Gespräch.
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DEUTSCHLAND HAT DREI NEUE INTERNATIONALE KAMPFRICHTER Ai Quynh Vo, Nebras Kazkaz und Anne-Kathrin Minx bestehen die Prüfung zum International Referee. von Anne-Kathrin Minx
Nur kurz vor dem ersten pandemiebedingten Lockdown Anfang 2020 fand der letzte Refresher- und Ausbildungslehrgang für Internationale Kampfrichter in persona statt. Seitdem wurden Online-Kurse zur Weiterbildung und Online-Schnupperkurse für Aspiranten angeboten, jedoch nicht der so wichtige „Offline“-Kurs, der essentieller Bestandteil zum Erwerb der internationalen Kampfrichterlizenz ist. Anfang April dieses Jahres war die Wartezeit vorbei und ab da ging es Schlag auf Schlag. Wir erhielten die erlösende Nachricht: Baku, Aserbaidschan, 11.–14.05.2022! Wir, das sind Ai Quynh Vo (TVBB), Nebras Kazkaz (NWTU) und Anne-Kathrin Minx (TUMV), hatten nun einen Monat Zeit, bereits geplante Urlaubsreisen zu verschieben oder zu verkürzen sowie Verhandlungsgespräche mit dem Chef zu führen, um noch Urlaub beantragen zu können. Denn: Diese Chance wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Mit der ausdauernden Hilfe von Abdullah Atilla Ünlübay, unserem
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Bundeskampfrichterreferenten, haben wir alle Hürden der Anmeldung problemlos meistern können und waren für den Lehrgang nun bestens vorbereitet. Für die Reise hatten wir außerdem ein Ass im Ärmel: Hakan Bagtas (NWTU) hat uns als erfahrener IR nach Baku begleitet und war ein sprudelnder Quell an Informationen, die wir dankbar aufgesogen haben. Da wir vier aus unterschiedlichen Städten und sogar Ländern anreisten, hatten wir unterschiedliche Ankunftszeiten am Heydar Aliyev International Airport in Baku. Dies sollte uns jedoch nicht zum Nachteil gereichen, da wir auf diese Weise umso mehr erste Kontakte zu den unterschiedlichsten Personen und Nationen knüpfen konnten. Während Ai mir bereits von ihrer Sightseeing-Tour mit zwei Indonesiern berichtet hatte, trafen wir übrigen am Flughafen auf Jordanier und Norweger und saßen im Auto Richtung Hotel mit zwei US-Amerikanern und einer Belgierin zusammen. Allein diese Begegnungen bei der Ankunft zeigen, dass die
ganze Welt sehnsüchtig auf den ersten Lehrgang seit zwei Jahren gewartet und das kurzfristige Angebot der WT gerne angenommen hat. Der erste Tag begann mit einer Busfahrt zur Aserbaidschanischen Sportakademie. Deren Aula war für die Theorie-Einheiten vorgesehen und mit insgesamt 128 Teilnehmern und dem Lehrpersonal ausreichend gefüllt. Nach einer kurzen Vorstellung aller Lehrenden und den obligatorischen einleitenden Worten nahm Madame Chair Amely Moras auf einem Podest mit einer riesigen Leinwand im Rücken Platz – frisch im Amt als Referee Chair der WT, als erste Frau. Sicherlich nicht nur wir waren gespannt und voller Erwartungen, was die kommenden vier Tage betraf. Begonnen haben wir mit dem rein theoretischen Teil und wir sind die Neuerungen und Änderungen im Regelwerk Schritt für Schritt durchgegangen, mit Hilfe einer PowerPoint-Präsentation mit eingebetteten Videos zur Erläuterung. Außerdem gab es viele Nachfragen von den Zuhörern, die alle geduldig und ausführlich beantwortet wurden, bis alle es verstanden hatten. Das hat den Zeitplan natürlich ein wenig durcheinandergewürfelt, ist aber ungeheuer wichtig, da wir die hier erlangten Informationen mit nach Hause bringen und an unseren Landesverband weitergeben. Beendet wurde der Tag mit der Vorstellung des ParaTaekwondos durch Chakir Chelbat, dem Chairman ParaTaekwondo der WT. Das ist ein Novum und wurde bei vorherigen Lehrgängen nicht ins Programm aufgenommen. Der Para-Bereich soll jedoch in den Fokus der breiteren Masse gerückt werden und das ist auf jeden Fall ein guter erster Schritt. Neben den Unterschieden zum regulären Regelwerk waren besonders die anders genutzten Handzeichen spannend. Nach neun Stunden Theoriepauken hatten wir den restlichen Abend zu unserer freien Verfügung und erweiterten unseren Kenntnis-Horizont in einem unbekannten Land: Wir suchten einen guten kulinarischen Ort, um die heimische Küche zu erforschen. Dazu fuhren wir in die 20 Minuten entfernte Altstadt. Getreu nach Hakans
Motto („Ist der Laden voll mit heimischen Gästen und nicht nur Touristen, muss es da gutes Essen geben.“) sind wir im Qaynana eingekehrt und haben uns typische Gerichte der aserbaidschanischen Küche auftischen lassen. Die Namen der Gerichte sind im letzten Winkel meines Gedächtnisses verstaut und wollen nicht hervorkommen, aber dass es fantastisch geschmeckt hat, weiß ich noch wie gestern! Der zweite Tag begann mit einer praktischen Einheit im aserbaidschanischen Taekwondo-Stützpunkt, einer ca. 50 x 20 Meter großen Halle, komplett mit Matten ausgelegt und gerade groß genug für alle Teilnehmer. In Blockformation sind wir hier alle Handgestiken, die ein Kampfrichter während eines Kampfes zeigen muss, von vorne bis hinten durchgegangen. Vom Aufrufen der Kämpfer über das Prozedere beim Video Replay bis zum Erklären des Runden- und Match-Siegers. Damit die geübte Gestik auch gleich in Aktion getestet werden kann, wurden einige Athleten des aserbaidschanischen Nachwuchskaders zu unserer praktischen Einheit geladen. Die Athleten wurden vorher sehr genau instruiert und produzierten für uns in einem simulierten Kampf Situationen, auf die man hauptsächlich als Kampfleiter, aber auch als Punktrichter oder Jury reagieren musste. Ein ganz großes Lob an dieser Stelle für die Athleten, die das wirklich super gemacht und mit stoischer Ruhe ertragen haben! Für die zweite Hälfte des Tages ging es ein letztes Mal zurück in die Aula der Sportakademie, um den übrigen Teil der Theorie zu besprechen. Tag drei begann ebenfalls mit einer praktischen Einheit, in der wir Szenarien für ein mögliches Video Replay durchgespielt haben, auch hier wieder mit Unterstützung des aserbaidschanischen Nachwuchskaders. Verteilt auf drei Kampfflächen, sollte jeder Kampfrichter jede Position einmal durchgespielt oder zumindest einmal als Kampfleiter in der Mitte gestanden haben. Dies sollte quasi als Vorbereitung für den nächsten Tag dienen, an dem das Verhalten als Kampfleiter prüfungsrelevant werden sollte. Vorher gab es jedoch erst einmal eine DTU-Magazin Taekwondo 20 - Ausgabe 12 07/2022 -
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andere Prüfung zu meistern, nämlich den Sporttest. Am Tag vorher war uns bereits gezeigt worden, welche Übungen auf uns zukommen würden, damit man sich schon einmal mental darauf einstellen konnte. Der Test bestand aus drei unterschiedlichen Laufübungen, einem Weitsprung mit beiden Beinen aus dem Stand und dem Halten der Plankposition für mindestens 60 Sekunden. Am Prüfungstag selbst hatten wir zuerst die Möglichkeit, jede Station einmal auszuprobieren, bevor es ans Eingemachte ging. Schon bei den Testdurchgängen, spätestens aber bei den richtigen Prüfungsdurchgängen entwickelte sich unter den Prüflingen in der Halle eine Dynamik, die sich schwer mit Worten wiedergeben lässt. Sobald die Zeit für jemanden lief, wurde angefeuert und Mut gemacht, gejubelt und getröstet, es wurden Highfives verteilt, man nahm sich in den Arm. Es war egal, ob man sich kannte oder welcher Nation man angehörte, ob man bereits International Referee war oder nicht. In diesem Moment gehörte man zur gleichen Familie und die galt es auf jede erdenkliche Art zu unterstützen. Und bei mindestens einem der drei Lauftests war dies bitter nötig, denn der verlangte allen Teilnehmern wirklich viel ab. Tag vier und damit der letzte Tag war ganz den restlichen Prüfungen gewidmet. Wir begannen Punkt 9 Uhr morgens mit dem schriftlichen Teil in der riesigen Halle, die die beiden Tage zuvor für die praktischen Übungen genutzt worden war. Auf dem Boden sitzend und mit zwei Metern Abstand in alle Richtungen zur nächsten Person trugen wir unsere Antworten ein. Nach 40 Minuten Bearbeitungszeit war dieser Teil geschafft und es ging gleich mit dem Scoring weiter. Immer zehn Prüflingen wurde gleichzeitig ein Video mit 20 Kampfsituationen vorgespielt, die mit Hilfe eines Pads live bewertet werden mussten. Es galt innerhalb eines festgelegten Zeitfensters zu entscheiden, ob ein Fauststoß oder Drehkick erfolgt war. Klingt leicht, erfordert aber sehr viel Konzentration und Schnelligkeit in
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den Fingern. Der letzte Test bestand aus der praktischen Prüfung. Zu fünft wurde man erst zum Referee Chair Para Chakir Chelbat gerufen, um in einer simulierten Kampfsituation die korrekten Handgestiken für Para zu demonstrieren. Danach ging es weiter zu Madame Chair Amely Moras, die jeden Prüfling einzeln in einer Kampfsimulation mit den bereits bekannten Nachwuchsathleten beobachtete und bewertete. Und das war´s! Als die letzte Prüfung abgeschlossen war, ging eine sichtliche Erleichterung durch die Reihen der Prüflinge, und das nicht nur bei denen, die das erste Mal dabei waren. Mit einer abschließenden Fotosession verabschiedete man sich voneinander, der restliche Tag stand zur freien Verfügung. Da wir in den letzten vier Tagen bis auf die hervorragenden Restaurants nicht viel von Baku gesehen hatten, entschlossen wir uns zu einer Sightseeingtour, der sich zwei Amerikaner und zwei Tschechen anschlossen. Erst ging es in die historische Altstadt mit einer mittelalterlichen Palastanlage, danach in ein Einkaufszentrum zum Rutschen (jap, genau das!) und anschließend durch die moderne und sehr belebte Innenstadt mit allerhand Lokalen, Bars und sehr schöner Architektur. Am nächsten Tag stand die Abreise gen Heimat an, die wir mit neuem Wissen und einer wunderbar verbrachten Zeit im Gepäck antraten.
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