Waldbrand Henning
Mit den ansteigenden Temperaturen und zunehmenden Trockenperioden wird es in Mitteleuropa immer häufiger im Wald brennen. Waldbrände haben hohe wirtschaftliche Verluste zur Folge und stellen sowohl Waldbesitzer als auch Feuerwehrleute vor große Herausforderungen. Das vorliegende Buch zeigt auf, wie Feuer im Wald entstehen, welche Maßnahmen das Waldbrandrisiko senken, wie man sich im Brandfall richtig verhält und wodurch sich die Regeneration des Waldes fördern lässt.
Bernhard Henning
Waldbrand Prävention, Bekämpfung, Wiederbewaldung
Aus dem Inhalt: – Ökosystem Wald und Feuer: Wie reagiert der Wald auf Störungen? – Wie entstehen Waldbrände? – Was kann der mitteleuropäische Waldbesitzer aus den Erfahrungen waldbrandgefährdeter Regionen lernen? – Woran lässt sich erkennen, dass der eigene Wald gefährdet ist? – Wie lässt sich aktiv gegen den Waldbrand wirtschaften?
ISBN 978-3-258-08138-0
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Bernhard Henning
Waldbrand Prävention, Bekämpfung, Wiederbewaldung
Haupt Verlag
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Dipl.-Ing. Bernhard Henning lebt im österreichischen Waldviertel und ist auf einem bäuerlichen Betrieb aufgewachsen. Das Studium der Forstwirtschaft an der BOKU Wien ergänzte er mit Auslandsaufenthalten an den renommierten Fakultäten der SLU in Umeå, Schweden und der School of Forestry in Berkeley, Kalifornien. Bei diversen Arbeitgebern lernte er die forstliche Praxis in Mittel- und Osteuropa sowie in Zentralasien kennen. Neben seiner Tätigkeit als forstlicher Berater publiziert er laufend Artikel in Fachmagazinen sowie Fachbücher zur modernen und nachhaltigen Waldbewirtschaftung.
Der Haupt Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2016–2020 unterstützt. 1. Auflage 2019 Diese Publikation ist in der Deutschen Nationalbibliografie verzeichnet. Mehr Informationen dazu finden Sie unter http : / / dnb.dnb.de. ISBN 978-3-258-08138-0 Alle Rechte vorbehalten. Copyright © 2019 Haupt Bern Jede Art der Vervielfältigung ohne Genehmigung des Verlages ist unzulässig. Gestaltung : pooldesign, Zürich Lektorat: Frauke Bahle, D-Merzhausen Printed in Italy
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Inhalt
Ausnahmezustand Waldbrand
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Ökosystem Wald
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Waldbrand als Teil der Walddynamik
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Feuerökosysteme – angepasst ans Feuer ?
21
Der Klimawandel als Game Changer
36
Ist mein Wald gefährdet ?
46
Entstehung, Arten und Charakteristika von Waldbränden
53
Wenn der Funke überspringt
53
Auslöser : Wie Waldbrände entstehen
59
Waldbrandarten und ihre Charakteristika
62
Vorbeugung
67
Bloß keine Nadeln
67
Waldgesellschaften und ihr Waldbrandrisiko
70
Mischbaumarten für waldbrandgefährdete Gebiete
87
Waldbauliche Maßnahmen
103
Technische Maßnahmen
114
Monitoring
119
Wirtschaftliche Vorsorgemaßnahmen
122
Faktor Mensch : Richtiges Verhalten hilft
125
Rechtslage : Gesetzliche Grundlagen bei der Waldbrandvorbeugung
129
Bekämpfung
131
Kein Einsatz wie ein anderer
131
Was der Waldbesitzer tun kann
139
Grundlagen der Brandbekämpfung
142
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Wiederbewaldung
153
Der Wald hat gebrannt – und was jetzt ?
154
Das Leben kehrt zurück
164
Bestandsbegründung
176
Beim nächsten Wald wird alles anders
196
Glossar
203
Weiterführende Literatur
207
Register
211
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Ausnahmezustand Waldbrand
Asche liegt wie Feenstaub über dem schwarzen Wald. Ein silbergrauer Farbtupfer, unten dunkler als oben, wo die Pfähle gut 20 m hoch Richtung Sonne ragen. Im Abstand von zwei Armlängen reiht sich Pfahl an Pfahl, mal steht auch nur ein Stumpf, alle paar Meter reißen Krater tiefe Löcher in den schwarz schimmernden Boden. Kein Vogelzwitschern stört die Stille. «Einen schönen Katastrophenfilm können Sie hier drehen», sagt der Förster. Er versucht ein Lächeln, aber es gelingt nicht. Katastrophenfilm – das passt zu gut zu dem, was sich hier vor zwei Wochen abgespielt hat. Ende August 2018 kam das Feuer über Potsdam-Mittelmark, über Wälder rund um das Städtchen Treuenbrietzen. Zurück blieben 300 ha verbrannter Wald – 600 Fußballplätze mit verkohlten Pfählen, wo mal Kiefern in den Himmel wuchsen. Schwarze Stämme, die hier und da silbergrau schimmern, wo der Wind die Asche noch nicht fortgeweht hat. Ganz Deutschland schaute in diesen Tagen auf Treuenbrietzen, auf die evakuierten Ortslagen Tiefenbrunnen, Frohnsdorf und Klausdorf. Auf die Hubschrauber mit ihren riesigen Wasserkörben, die Panzer, die Schneisen in den Wald schlugen. Auf die Luftaufnahmen mit riesigen schwarzen Inseln im grünen Waldmeer. Es waren verstörende Bilder für eine Öffentlichkeit, die das Feuer nie als Bedrohung empfunden, die Waldbrandgefahr gern in Griechenland verortet hat oder in Portugal. Und wenn es in Brandenburg brennt, dann doch wohl nicht so nahe an Ortschaften. Nur der Förster sagt, er sei keineswegs überrascht. «Ich wusste seit Jahren : Wenn hier mal ein Feuer ausbricht, dann gnade uns Gott !»
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> Waldbrand
Der Förster ist mit einem großen Geländewagen nach Frohnsdorf gekommen. Er hat auch einen Namen und einen Dienstgrad, «aber den vergessen Sie bitte». Seine Vorgesetzten haben es gar nicht gern, wenn er öffentlich über den Wald und das Feuer spricht: «Dann habe ich sofort eine Abmahnung auf dem Tisch und beim nächsten Mal die Kündigung». Er hat sich zwei Stunden Zeit genommen für eine Fahrt durch den schwarzen Wald. Vom Spielplatz in Frohnsdorf, wo die Feuerwehr ihre Einsatzleitung eingerichtet hatte, bis nach Klausdorf, das den Flammen wie durch ein Wunder entkam. An einem Donnerstagnachmittag brach das Feuer ein paar Hundert Meter vor Frohnsdorf aus. Warum, das weiß bis heute niemand so genau. Manche tippen auf Brandstiftung, weil es an mehreren Stellen zugleich brannte. Die Polizei ermittelt. Andere verweisen auf den trockenen Sommer fast ohne Regen, auf die leicht entzündbaren Kiefern. «Da genügt schon ein Funke», sagt der Förster, «dann brennen die Nadeln, setzen ätherische Öle Rund 300 ha Wald verbrannten beim Feuer rund um Treuenbrietzen.
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frei und schon explodieren die Bäume regelrecht.» 600 Feuerwehrleute, Polizisten und Spezialkräfte kämpften drei Tage lang bis zu einer ersten Entwarnung gegen Flammen, die letzten Glutnester konnten erst nach einer Woche gelöscht werden. Männer und Frauen aus ganz Brandenburg und SachsenAnhalt kamen, auch die Berliner Feuerwehr schickte ihre Einsatzwagen in die Wälder von Treuenbrietzen. Den Kampf gegen die Flammen haben sie gewonnen, einen anderen aber verloren. Gut 90 % der betroffenen Bäume sind nicht mehr zu retten. Frohnsdorf liegt mitten im Wald an der Bundesstraße 102 und der Bahnstrecke von Treuenbrietzen nach Jüterbog. Vor ein paar Jahren hat die Deutsche Bahn hier bei Rodungsarbeiten eine tiefe Schneise geschlagen, einen scheinbar perfekten Schutz vor Waldbränden. Das Feuer scherte sich nicht darum und fraß sich seinen Weg über das Gleis, die Schneise und den Asphalt hinüber auf die Klausdorfer Seite des Waldes. «Da hätte man durchaus vorbeugen Warum das Feuer ausbrach, ist unbekannt. Da es an manchen Stellen gleichzeitig begann zu bren nen, ermittelt die Polizei wegen Brandstiftung.
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können», sagt der Förster und zeigt auf die verkohlten Kiefern direkt am Straßenrand. Einen natürlichen Waldbrandriegel hätten sie sich in der Forstverwaltung gewünscht, eine Randbepflanzung mit niedrigen Sträuchern und Laubbäumen, die mehr Wasser in sich tragen als die Kiefern. «Das kostet Geld.» Man habe die Landesregierung immer wieder darauf hingewiesen, ohne Erfolg. «Das Land hat sich aus der Verantwortung für den Wald zurückgezogen», sagt der Förster. Elf Jahre ist es jetzt her, dass die Forstleute gegen geplante Stellenstreichungen protestierten. 2600 Mitarbeiter hatte die Forstverwaltung damals – 1500 sind geblieben. Der Förster biegt nach links ab in den schwarzen Wald, auf einen Sandweg, überdeckt von einer zentimeterdicken Ascheschicht. Verkohlte Bäume stehen Spalier, links und rechts und geradeaus bis in eine scheinbare Unendlichkeit. Ausschließlich Kiefern, sie machen gut 70 % des Brandenburger Baumbestands aus. Die Kiefer wächst vergleichsweise schnell auf dem nährstoffarmen märkischen Sand. Kerzengerade Stämme, die schöne Bretter ergeben und sich gut an Sägewerke verkaufen lassen. Das ist nicht unwichtig in diesem Teil des Waldes, der sich im Besitz von gut 100 Privatpersonen befindet. Einer von ihnen ist Werner Seehaus, ein 63 Jahre alter Frührentner, dessen Haar und Bart so silbergrau glänzen wie die Asche an den Kiefern im Wald. Er steht der lokalen Waldgenossenschaft vor, einem Zusammenschluss von rund 80 Waldeigentümern. Zum Gespräch hat er in sein Haus nach Bardenitz geladen, das kurz hinter Klausdorf liegt. Als vor zwei Wochen das Feuer ausbrach, war Seehaus auf dem Rückweg vom Notar in Beelitz. Er hatte sich gerade ein neues Stück Wald gekauft. «Das wär’s gewesen», sagt er. Wenn sein neuer Besitz just an dem Tag des Kaufs in Flammen aufgegangen wäre. Auf dem Küchentisch hat er zwei Karten ausgebreitet. Die eine zeigt die Eigentumsverhältnisse im Wald jenseits der Bundesstraße Richtung Bardenitz. Die Flächen, die zur Forstgenossenschaft Bardenitz gehören, sind braun schraffiert. Auf der anderen Karte ist in Violett die Fläche markiert, auf der der Waldbrand wütete. Legt man beide Karten übereinander, das Violett über das Braun und das bisschen Grün für Privatwald, der nicht zur Genossenschaft gehört, erkennt man : Fast das gesamte Genossenschaftsgebiet hat gebrannt. «Allein von unserem Wald sind 182,98 Hektar betroffen», sagt Seehaus. Sein neues Waldstück und jenes, das er bereits besaß, liegen an der Brand-
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kante und blieben unversehrt. Seehaus hatte Glück, ganz persönlich. Aber von Glück will er nicht sprechen angesichts der Verluste, die andere erlitten haben. «Die Gemeinschaft hat fast alles verloren», sagt Seehaus. «Für viele von uns geht es ums wirtschaftliche Überleben.» Für den kommenden Dienstag ist in Treuenbrietzen eine Versammlung angekündigt, bei der die Waldeigentümer darüber informiert werden sollen, wie es weitergeht. Werner Seehaus sagt : «Bei der Brandbekämpfung sind sie alle hinterher !» Die Politiker, die sich in der Einsatzzentrale auf dem Frohnsdorfer Spielplatz vor die Kameras drängten. Ministerpräsident, Innenminister, Agrarminister, Landesund Bundespolitiker. Alle waren sie da, als es brannte. «Aber bei mir hat sich noch keiner gemeldet», sagt Seehaus. Am Dienstag, einen Tag später und wie auf Bestellung, beschloss das Kabinett in Potsdam, nun 36 neue Stellen für die präventive Waldbrandbekämpfung und Beratung der Waldbesitzer bereitzustellen. Erst einmal muss aufgeforstet werden, binnen 36 Monaten, so verlangt es das Brandenburger Waldgesetz. «Keine Ahnung, wie das funktionieren soll», sagt der Förster bei seiner Patrouille durch den Wald. «Mit den Bäumen ist auch der Humus verbrannt», die tote organische Substanz des Bodens. «Wenn wir alle zerstörten Bäume entfernen und der Wind hier durchfegt, dann haben wir einen unvorstellbaren Sandsturm.» Wie sieht die Alternative aus ? «Am sinnvollsten wäre es, einen Großteil der verbrannten Bäume erst mal stehen zu lassen und sie quasi als Schirme für die Aufforstung zu nutzen», als schattigen Schutz gegen die Temperatur, die hier bei direkter Sonnenstrahlung schon mal auf über 50 °C steige. Eine seltsame Szenerie : Schwarze Solitäre behüten Tausende von in Baumschulen herangezogenen Setzlingen. Vor allem wird es Geld kosten. Viel Geld. «Wir hoffen auf Fördermittel», sagt Seehaus und weiß doch, dass das nicht reichen wird. Der Zuschuss für neue Bäume – 80 % der Kosten können vom Land übernommen werden – gleicht nicht die durch Brand entstandenen Verluste aus. Das Holz ist einfach zu stark verbrannt, als dass es noch verkauft werden könnte. Die Flammen haben den Wert von 100 Jahren Arbeit vernichtet. So lange dauert es, bis eine Kiefer Ertrag bringt. Die erste Generation pflanzt an, die zweite pflegt und erst die dritte kann das Holz verkaufen. Im Wald macht sich der Förster auf zu einer Verabredung mit einem Kollegen. Lagebesprechung vor einer jungen Kultur von Kiefern, die
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Schlimmeres verhindert haben. Zwei Hektar mit zwergenhaft anmutenden Bäumchen, kein einziges hat das Inferno überlebt. Genau hier stand der Kollege, als das Feuer aus Frohnsdorf kam. Er zieht sein Handy aus der Tasche und zeigt, was er damals dokumentiert hat. Fotos von einer gelb-rot-orangenen Wand, gut 200 m breit und so hoch, dass sie den Bildausschnitt sprengt. «Ich hab nur gedacht : Wenn der Wind jetzt die Funken in die Baumkronen trägt, dann ist alles vorbei», auch für die nahen Häuser von Klausdorf. Es sind die jungen Bäumchen, die Klausdorf retten. Sie sind zu klein, als dass sie dem Feuer genug Material zur Ausbreitung bieten können. Die Feuerwehrleute erkennen ihre Chance und gehen zum Gegenangriff über. Es sind Ehrenamtliche Kräfte von der Freiwilligen Feuerwehr, die ein paar Euro für ihren Einsatz bekommen. Von der Kultur mit den jungen Bäumchen führt der Sandweg ein Stück nach oben, und gleich hinter der nächsten Biegung liegt das erste Haus von Klausdorf, mit weißem Anstrich und rotem Ziegeldach. Der Genossenschaftler Werner Seehaus erzählt noch zwei Wochen danach hörbar bewegt von den Das Wenige an Altbestand, das stehen geblieben ist, muss erhalten werden, um als Schirm für die Verjüngung zu dienen.
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entscheidenden Stunden. Von den endlosen Schläuchen, die durch die Gärten des Dorfes gelegt wurden, von den schnell errichteten Barrieren, die die Flammen aufhielten. Werner Seehaus hat kaum geschlafen in den vergangenen Tagen. Am Freitag, als das Feuer offiziell als gelöscht galt, übernahmen die Waldeigentümer die Brandwache. So ist es gesetzlich geregelt. Forstleute haben sie dabei unterstützt. An der neubarocken Kirche in Klausdorf war Wachablösung. Patrouillen fuhren durch den Wald, um Ausschau zu halten, ob irgendwo ein Glutnest neue Gefahr bedeutet. Zeit zum Aufbruch. Der Förster wendet seinen Geländewagen hinter der Klausdorfer Kirche und fährt zurück in den Wald. Melancholie ergreift ihn, aber kurz vor dem Abbiegen auf die Bundesstraße findet der Ausflug in den Wald dann doch ein versöhnliches Ende. Der Förster tritt auf die Bremse und springt aus dem Auto, er deutet auf ein paar winzige Wipfel, gerade eine Handbreit groß, aber so grün wie sonst nichts im schwarzen Wald. Drei wild ausgesäte Kiefern und eine Eiche. «Wenn es jetzt irgendwann mal anfängt zu regnen, dann haben sie es geschafft.» Der Wald wird leben, und wenn es 100 Jahre dauern wird. Diese Reportage wurde von Marion Kaufmann und Sven Goldmann in den Potsdamer Neuesten Nachrichten veröffentlicht. Anstatt eines Vorwortes habe ich diesen Artikel als Bucheinstieg gewählt, weil er sehr gut die Ohnmacht von Waldbesitzern und Forstleuten nach einem Waldbrand wiedergibt. Damit anderen Waldbesitzern und ihren Wäldern ein ähnliches Schicksal erspart bleibt, habe ich dieses Buch geschrieben. Mit diesem Buch will ich zeigen, dass Waldbrände zum natürlichen Störungsregime des Ökosystems Wald gehören, dass sie aber auch schwere Schäden verursachen können, und wie sich Waldbesitzer in besonders gefährdeten Gebieten darauf vorbereiten können. Als Abschluss wird dargestellt, wie das Leben nach einem Waldbrand neu erblüht. Kollegin Kaufmann hat es in ihrem Artikel treffend formuliert : Der Wald wird leben. Und es dauert bestimmt keine 100 Jahre, bis es wieder soweit ist. Bernhard Henning, Gmünd im Herbst 2019
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Auf uns Menschen wirkt der Wald statisch, tat sächlich ist er aber einem stetigen Wandel ausge setzt.
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Ökosystem Wald
Waldbrand als Teil der Walddynamik Auch wenn Wälder auf Menschen statisch wirken, als Ökosysteme unterliegen sie einem steten Wandel. Daher kommt es in Wäldern laufend zu dem, was der Ökologe als Störung bezeichnet. Typische Beispiele für Störungen in mitteleuropäischen Wäldern sind Windwürfe, Massenvermehrung von Insekten, Hochwasser, Schneebruch und Lawinen. Auch Waldbrände gehören zu den Störungen, im Vergleich zu anderen Waldregionen spielten sie in Mitteleuropa aber lange Zeit eher eine untergeordnete Rolle. Für das bessere Verständnis von Waldbränden wird im Folgenden ihre Rolle im Ökosystem erläutert. Störungen sind eine treibende Kraft in der Walddynamik. Durch sie verändern sich die Anzahl der Arten und deren Vielfalt. Auf eine Störung folgt die Sukzession. Darunter versteht man die Aufeinanderfolge verschiedener Pflanzengesellschaften. Flächen, die frei von Vegetation sind, werden nach und nach von verschiedenen Pflanzen besiedelt. Auf Standorten, die das Wachstum von Wald zulassen, wechseln sich verschiedene Pflanzengesellschaften ab, bis es zum sogenannten Klimax kommt. Das ist die Pflanzengesellschaft, die für den Standort typisch ist und von keiner anderen mehr abgelöst wird, also sozusagen den stabilen Endzustand darstellt. Zu beobachten ist dieses
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>  Waldbrand
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Phänomen unter anderem auf Kahlschlägen oder anderen großen Freiflächen, wie eben auf Waldbrandflächen : Zuerst siedeln sich Gräser und Kräuter an, danach folgen Sträucher und Lichtbaumarten, bis schließlich die Klimaxarten wie Buche, Tanne oder Fichte die Fläche wiedererobern. In so einem Fall spricht man von Sekundärsukzession. Landflächen, auf denen sich erstmals Pflanzen ansiedeln, unterliegen einer Primärsukzession, etwa auf Inseln oder ehemaligen Gletschergebieten im Hochgebirge. Es kommt aber nicht immer zum kompletten Ablauf der Sukzession : Ist die Freifläche nur von geringer Größe und sind in unmittelbarer Umgebung genügend samentragende Bäume der Klimaxgesellschaft, etwa von einem Buchenwald, vorhanden, so wird die Buche diese Freifläche in Form von Keimlingen und jungen Bäumen bald wiedererobern, ohne dass sich Lichtbaumarten ansiedeln können. Waren lange Zeit vor allem Stürme und Insektenkalamitäten der Auslöser für die Sukzession, so wird es durch den Klimawandel vermehrt Feuer sein, das eine Neubewaldung einleitet. Daher ist es notwendig zu wissen, welche Rolle Feuer im Wald spielen und wie Wälder durch Waldbrand beeinflusst werden, kurz : welche Faktoren entscheidend sind für das Feuerregime. Etwa 46 % der Landfläche der Welt sind durch Feuer beeinflusst. Dabei handelt es sich nicht nur um Wald, auch Halbwüsten und Savannen sind Vegetationszonen, in denen regelmäßig Feuer entstehen. Gänzlich unbeeinflusst von Feuer sind Regionen, in denen es entweder keine oder zu wenig Vegetation gibt, die als brennbares Substrat für Feuer dienen könnte, wie es in Wüsten und im Hochgebirge der Fall ist. Oder in Regionen, in denen es zwar reichlich Vegetation gibt, die Feuchtigkeit aber so groß ist, dass Feuer nicht oder nur in geringem Ausmaß entstehen, wie beispielsweise im tropischen Regenwald. Wer jetzt die großflächigen Waldbrandrodungen im Amazonasgebiet vor seinem geistigen Auge hat, dem sei gesagt, dass diese Waldbrände menschlichen Ursprungs sind. Dasselbe gilt für Waldbrandrodungen in Ostasien. Natürlich kann es durch Blitzschlag auch im tropischen Regenwald zu Feuern kommen, die schlecht brennbaren Blätter, die hohe Bodenfeuchte sowie die fast täglichen Regenfälle sind aber Gründe, warum diese Feuer – ohne menschliches Zutun – nur von kurzer Dauer sind. Waldbrände gehören ebenso zu den Störungen wie Sturmschäden, Insektenfraß oder Hoch wasser.
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Am ehesten von Feuer betroffen sind Regionen, in denen die Faktoren, die Feuer begünstigen, reichlich vorkommen. Dazu gehört zuerst einmal brennbares Material, also vor allem pflanzliche Biomasse. Tierische Biomasse spielt für die Brände eher eine untergeordnete Rolle, da die meisten Tierarten mobil genug sind, Feuern auszuweichen. Zudem ist tierisches Gewebe schwerer entflammbar als pflanzliche Biomasse. Entscheidend ist auch der Feuchtigkeitsgrad der Vegetation : Pflanzen mit kräftigen, fleischigen, grünen Blättern, wie sie auch in heimischen Breiten entlang von Fließgewässern wachsen, brennen vergleichsweise schlecht, da sie viel Feuchtigkeit enthalten. Dasselbe gilt für die meisten Kulturpflanzen. Im Gegensatz dazu brennen ausgetrocknete, dürre Pflanzen sehr gut und sind auch meist der Ausgangspunkt von Feuern. Dies sind vor allem abgestorbene Gräser sowie tote Blätter und kleinere, dürre Äste. Wie schon erwähnt, sind Wüsten und Hochgebirge kaum von Feuern betroffen, da zu wenig brennbares Material vorhanden ist. Es muss also ein Mindestmaß an Vegetationsdecke vorhanden sein, damit ein Feuer überhaupt ausbrechen kann und damit es sich dann weiter ausbreitet. Ein weiterer entscheidender Faktor ist eine Saisonalität des Klimas, also eine Periode, in der wenig bis gar kein Niederschlag fällt und in der daher Vegetation und Oberboden sehr trocken sind. Noch wichtiger als die Lufttemperatur ist nämlich der Mangel an Feuchtigkeit. Deshalb kann es auch im Winter in Mitteleuropa brennen, und zwar in Gebieten, in denen es seit Längerem nicht geregnet hat. Im österreichischen Bundesland Kärnten kam es in den letzten 15 Jahren mehrmals um den Jahreswechsel herum trotz relativ niedriger Temperaturen zu Waldbränden. Da seit Wochen in manchen Tälern der Regen ausgeblieben war, hatte sich so viel brennbares Material gesammelt, in erster Linie dürres Gras, dass sorglos weggeworfene Zigaretten für Waldbrände mitten im Januar verantwortlich waren. Besonders fatal wirkt sich die Kombination aus Trockenheit und hohen Lufttemperaturen aus. Deshalb herrschte in den letzten Rekordsommern auch in vielen mitteleuropäischen Wäldern höchste Waldbrandgefahr. Neben dem Vorhandensein von Vegetation und einer Trockenzeit, die zur Austrocknung führt, fehlt als letzter Faktor noch eine Zündquelle. Als wichtigste natürliche Zündquelle gilt der Blitzschlag – nahezu alle natürlichen Feuer entstehen durch die Energieentladung eines Blitzes. Andere Zündquellen wie
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bei richtigem Mengenverhältnis
brennbarer Stoff
etwa Vulkanausbrüche sind vernachlässigbar. Aber selbst der Blitzschlag ist in der modernen, vom Menschen beeinflussten Landschaft nur noch für die wenigsten Waldbrände verantwortlich. Vielmehr sind es der Mensch und sein verantwortungsloses Handeln im Wald. Zigaretten, Lagerfeuer oder der Funkenschlag von Eisenbahnen können in kürzester Zeit zur Katastrophe führen. Leider unterschätzten viele Menschen immer noch die Auswirkungen, die bereits eine Zigarette haben kann, und gerade Raucher sind schwer davon zu überzeugen, in waldbrandgefährdeten Gebieten auf ihr Laster zu verzichten. Feuer kann notwendig sein In manchen Regionen sind Waldbrände für die Erhaltung der natürlichen Flora und Fauna so notwendig wie Sonnenschein und Regen. Typische Feuerlandschaften sind die Taiga, die afrikanischen Savannen, die Trockenwälder Südasiens, die Eukalyptuswälder Australiens, die Nadelwälder Kaliforniens, die Mittelmeerregion und alle Kiefernwälder von der Taiga bis in die Subtropen. Die Ökosysteme dort haben sich dem Feuer angepasst. Das Feuerdreieck zeigt an, welche Elemente vorhanden sein müssen, damit ein Feuer ausbricht (neu gezeichnet nach William, C. T. (1994): Firefighters Handbook on Wildland Firefighting. Strategy, Tactics and Safety. Deer Valley Press).
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Wie bereits erwähnt, sind Störungen ein wesentliches Element in allen natürlichen Ökosystemen. Die Forstwirtschaft muss sich daher an zufällig auftretende natürliche Störungen, einschließlich Waldbränden, anpassen können. Dabei muss zwischen zerstörerischen und harmlosen beziehungsweise schädlichen und nützlichen Waldbränden unterschieden werden. Feuer kann manchmal zur Waldverjüngung erforderlich sein oder der lokalen Bevölkerung konkreten Nutzen bringen. In anderen Fällen zerstört das Feuer Wälder und hat schwerwiegende ökologische, soziale und ökonomische Folgen. Waldbrände sind ein natürlicher Bestandteil in vielen, aber nicht in allen Waldökosystemen. Wo die Klimaverhältnisse keine ausreichende Zersetzung der Streu und der Humusanlage durch Bodenorganismen zulassen, da es zu kalt oder zu trocken ist, schaffen Waldbrände die Voraussetzung für die Versorgung mit Nährstoffen. Sie sind sozusagen der Ausgangspunkt dafür, dass der Nährstoffkreislauf in Gang kommt. Baumarten wie die nordamerikanische Küstenkiefer benötigen die Hitze eines Waldbrandes als Impuls, damit sich die Zapfen öffnen und die Samen für die neuen Waldgenerationen freisetzen. Durch diese Anpassung finden die Keimlinge und jungen Bäumchen optimale Wuchsbedingungen, da die Konkurrenz durch andere Pflanzenarten noch gering ist und genügend Nährstoffe zur Verfügung stehen. Wo sich Ökosysteme durch Feuer entwickelt haben, bewahren Brände deren charakteristische Struktur und Zusammensetzung. Dabei brennen diese Feuerökosysteme nicht alle auf gleiche Weise. Für viele Wälder, Graslandschaften, Savannen und Feuchtgebiete sind beispielsweise häufige Bodenfeuer mit geringer Intensität charakteristisch. Sie dienen dazu, eine offene Landschaftsstruktur mit zahlreichen Gräsern und Sträuchern zu erhalten. Für Wälder und Buschlandschaften sind dagegen seltene, aber intensive Brände typisch, durch die der Bestand verjüngt wird. Charakteristisch für alle von Feuer abhängigen oder beeinflussten Ökosysteme ist jedoch die Widerstands- und Erholungs fähigkeit der Pflanzen und Tiere, solange das Feuer innerhalb der durch die natürlichen Faktoren gesteckten Grenzen abläuft. Brände zu verhindern, kann hier weitreichende, ökologisch und sozial unerwünschte Veränderungen der Ökosysteme zur Folge haben. Beispielsweise hat sich durch die Verhinderung von Bränden in manchen Teilen des Südwestens der USA die
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typische Graslandschaft, die sowohl für Wildtiere als auch für Weidevieh Futter bietet, in einen dicht geschlossenen Kiefernwald mit wenigen Gräsern umgewandelt, der genügend Brennstoff für äußerst intensive und zerstöre rische Brände liefert. Hervorzuheben ist aber, dass mitteleuropäische Wälder zwar waldbrandgefährdet sind, die oben angeführten Faktoren, die Feuer begünstigen, aber nur zum Teil vorhanden sind. Erst durch den Klimawandel und durch künstlich angelegte Nadelholzmonokulturen steigt die Waldbrandgefahr an. Somit kann zumindest für Mitteleuropa beim Waldbrand nur bedingt von einer natürlichen Störung gesprochen werden und daher sind eventuelle Forderungen von Seiten des Naturschutzes, «natürliche Prozesse» ablaufen zu lassen, sprich auf Waldbrände nicht zu reagieren, aus ökologischer Sicht nicht nachvollziehbar. Noch dazu, wo der Waldbrand im Vergleich zu anderen Kalamitäten wie Windwurf oder Borkenkäferbefall den wirtschaftlich schwersten Schaden anrichtet : Während eine vom Wind geworfene oder durch den Borkenkäfer abgetötete Fichte vermarktbar ist, bedeutet ein verbrannter Baum einen wirtschaftlichen Totalschaden. Daher gilt es, zumindest in Wirtschaftswäldern das Risiko von Waldbränden einzudämmen bzw. sie zu bekämpfen.
Feuerökosysteme – angepasst ans Feuer ? Im Gegensatz zu Mitteleuropa gibt es Regionen, in denen Waldbrände zum natürlichen Störungsregime gehören und dementsprechend häufig auftreten. Es handelt sich hierbei um das Mittelmeergebiet, die Taigaregion Russlands und Skandinaviens, die Pazifikküste Nordamerikas, insbesondere Kaliforniens, Teile der chilenischen Pazifikküste, Teile Nordaustraliens und Südafrikas und einige Regionen in Kanada. Am interessantesten für den mitteleuropäischen Waldbesitzer sind aber die Verhältnisse im Mittelmeerraum sowie in Russland und Schweden, da hier vergleichbare Zustände bezüglich Vegetation und Bevölkerung zu finden sind.
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Das Risiko eines Feuers hängt auch von der Vegetationszone ab : In polaren Gebieten und in Wüsten besteht praktisch keine Brandgefahr, da Vegetation nur spärlich vorhanden ist. Savannengebiete hingegen sind stark brand
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gefährdet, da sie über reichlich trockene Vegetation verfügen sowie über Trockenzeiten, in denen kein Regen fällt. Mediterrane Wälder sind ebenfalls stark brandgefährdet, tropische Regenwälder hingegen kaum.
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Mittelmeerraum Der Mittelmeerraum ist geprägt durch milde Winter und heiße Sommer, in denen die Waldbrandgefahr am größten ist. Die typischen Baumarten sind Eichen und Kiefern, wobei die mediterranen Arten nicht mit der heimischen Waldkiefer ( siehe Kasten auf S. 29 f. ) vergleichbar sind. Die mediterranen Wälder sind durch Waldbrände extrem gefährdet. Jedes Jahr gibt es dort mindestens 50 000 Brände, denen durchschnittlich 700 000 bis 1 Million Hektar Wald zum Opfer fallen. Dies entspricht der Fläche Kretas oder Korsikas. Kleinflächige Brände treten im Mittelmeerraum seit antiker Zeit auf, sie sind Teil der natürlichen Dynamik oder werden als Instrument zur Bewirtschaftung der Naturressourcen eingesetzt. In den letzten Jahrzehnten haben jedoch die Zahl und Fläche der Brände als Folge der sozioökonomischen Entwicklung im Mittelmeerraum besorgniserregend zugenommen. Traditionelle Formen der Landnutzung wurden aufgegeben. Damit wird brennbare Biomasse, beispielsweise trockenes Gras oder Brennholz, nicht mehr dem Ökosystem entnommen und genutzt, sondern kann sich ansammeln. Die Landschaft wird stattdessen vermehrt für Freizeit- und Erholungszwecke genutzt. Damit erhöht sich das Risiko, dass aus Fahrlässigkeit ein Waldbrand entzündet wird. Mit der Zersiedelung der Landschaft entstehen außerdem Anreize, mittels Brandstiftung aus Wald Bauland zu schaffen. Zudem wachsen durch die Zersiedelung die Übergangszonen zwischen Siedlung und Natur, in denen Waldbrände zu hohen Schäden führen und Menschenleben gefährden. Besonders betroffen sind Spanien, Portugal, Italien und Griechenland. Die Zahl der jährlichen Brände ist, soweit man sie anhand der nationalen Waldbrandstatistiken zurückverfolgen kann, in den letzten Jahrzehnten extrem angestiegen. In Spanien hat sich die Zahl der Waldbrände seit den 1960er-Jahren nahezu verzehnfacht. In Portugal ist eine ähnliche Entwicklung festzustellen. Seit einigen Jahren scheint sich die Zahl der Waldbrände jedoch auf einem hohen Niveau eingependelt zu haben. In Jahren mit günstigen Witterungsbedingungen ist sie sogar etwas zurückgegangen. Seit dem Jahrtausendwechsel haben die Mittelmeerländer mit einem neuen Phänomen zu kämpfen, den Mega-Waldbränden. Bei extremen Wetter bedingungen, wie sie als Folge des Klimawandels häufiger werden, entstehen wahre Feuerstürme, die mit solcher Intensität wüten und sich so rasch ausbreiten, dass sie nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden können. Sie
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enden erst, wenn sich die Wetterbedingungen ändern oder dem Feuer die Nahrung ausgeht. Einhergehend mit der Zersiedelung der Landschaft richten diese Mega-Brände in den Übergangszonen zwischen Siedlung und Wald erhebliche Schäden an und fordern oftmals Menschenleben. Die Ursachen für die Brände sind nahezu ausschließlich Fahrlässigkeit und bewusste Brandstiftung, lediglich 1 % der Brände ist auf Blitzschlag zurückzuführen. Ein Großteil der Waldbrände wird vorsätzlich gelegt. Immobilienspekulation und Baulandgewinnung sind vor allem in Griechenland und zum Teil in Italien das Motiv für vorsätzliche Brandstiftung. Weitere Motive sind die Jagd sowie die Weidewirtschaft, vor allem in Portugal, Spanien und Italien. In Portugal wird über ein Drittel, in Spanien über die Hälfte und in Italien sogar über 80 % der Waldbrände, bei denen die Ursache ermittelt werden kann, absichtlich gelegt. Da aber nicht jeder Waldbrand untersucht wird und nicht bei jedem untersuchten Waldbrand die Ursache festgestellt werden kann, sind die statistischen Daten mit Vorsicht zu interpretieren. Stehen starke wirtschaftliche Interessen im Vordergrund, begeht selten derjenige die Brandstiftung selbst, der direkt davon profitiert. Vielmehr werden professionelle Brandstifter beauftragt, die es verstehen, ihre Spuren zu verwischen, um nicht gefasst zu werden. Der Lohn dafür beginnt nach Erkenntnissen der italienischen Ermittler bei 200 bis 300 Euro und kann bis zu 5000 Euro bei groß angelegten Brandstiftungen betragen. Fahrlässige Brandstiftung wird nach den Erkenntnissen der italienischen Ermittler oftmals vorgetäuscht, um über die wahre Identität der Brandstifter und ihre Motive hinwegzutäuschen.
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Oben : Panorama eines Bodenfeuers im polaren Uralgebiet in Russland.
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Unten : Vegetationsbrand in Galizien im Sommer 2017.
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Acer pseudoplatanus 91 f. Ahorn 74 Aleppokiefern 30 Anemochorie 168 Artenwahl 67 ff., 104, 197 – Mischbestand 195 Arven 86 Aspen 174 f. Aufklärungsarbeit 128 Ausbreitungsgeschwindigkeit siehe Laufgeschwindigkeit Auszeige 109 Automatisiertes Waldbrand-Frühwarnsystem (AWFS) 121 f. Auwälder 73 f. Baumansprache 109, 157 Baumartenspektrum – Auwälder 74 – Buchenwälder 79 – Eichenwälder 76 – Fichtenwälder 83 – Kiefernwälder 72
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– Lärchen-Arven-Wälder 86 – Tannenwälder 81 Baumartenwahl 67 ff., 104, 197 – Mischbestand 195 f. Baumgrenze 82, 86, 93 Baumhaseln 95 f. Baumzahlentwicklung 191 Bekämpfung siehe Brandbekämpfung Bergahorn 70, 74, 77, 79, 81 ff., 91 ff. Bestandsbegründung 176 ff. – enge 191 Bestäubung 166 f. Bestockungszustand 46 ff. Birken 35, 72, 76, 174 Blitzschlag 17 ff., 25, 33, 53 Blütenbildung 167 Bodenbearbeitung 176 ff. – Saat 183 ff. Bodenbrand 20, 60, 62 f., 109 f. Bodenmanipulation 177 f. Bodenschutz 160 Bodenvegetation 47 f., 109 Borkenkäfer 37, 104
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Brandbekämpfung 131 ff. – durch Waldbesitzer 139 f. – Prioritäten 142 f. – Taktiken146 f. Brandstiftung 24 f., 33 Brennstoffe 59, 62 Buchen 37, 75 ff., 81 ff., 89 ff. Buchenwälder 69 f., 76 ff., 89 ff. Carpinus betulus 91 Corylus – avellana 96 – colurna 95 f. Douglasien 38, 76 Durchforstung 106, 199 Durchmesserentwicklung 191 Ebereschen 72, 76, 81 ff., 86, 93 f., 174 f. Eiben 77 Eichen 74 ff. Eichen-Hainbuchen-Wälder 91 Eichennesterpflanzung 193 Eichenwälder 69 f., 74 f., 77 Einsatz – mobiler 143 f. – stationärer 144 Einschlag (Pflanzung) 188 Einzelsaat 184 Engverband 191 f. Entasten 105 f. Erlen 74 Erschließung 116 f. Eschen 70, 74 ff., 79, 81
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Fagus sylvatica 89 ff. Fahrzeuge 148 Feuer, offenes 126 Feuerflanken 63 Feuerfront 63 f. Feuerökosysteme 21 ff. Feuerresistenz 29 f. Feuersaum 62 f., 144 Feuerwehren 131 ff. Fichten 38, 81 ff., 101, 180, 198 f. Fichtenersatzgesellschaften 84 f. Fichtenmonokulturen 79, 81, 84 f., 194, 198 f. Fichten-Tannen-Buchenwälder 79, 81 Fichtenwälder 69 f., 82 f. – künstliche 84 f. – montane 82 – subalpine 82 Flammenlänge 147 Flaumeichen 72, 75 f., 88 f. Gefährdungsstufen 119 ff. Gefahrenklassen 120 Geräte 117 Gesetze 129 f. Glutnester 150 Gras 59, 75 Grauerlen 174 f. Grubber 178 Grünästung 105 Hainbuchen 74 ff., 79, 91 Halbmast 167 Hartholzauen 74 Heide 59 Herzwurzelsystem 81, 90, 95, 97, 174
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Hochgebirge 17 f., 82 f., 86 Hochwasser 74 Höhenstufen 67 ff. Holzeinschlag, illegaler 33 Holzernte 109, 116 – nach Waldbrand 156 ff. Holzvermarktung 162 f. Holzzuwachs 101 f. – durch Klimawandel 37, 200 Hubschrauber 149 Incendi 121 Index, Waldbrandrisiko 48 Jahreszeiten 46, 48 Jetstream 44 Johanniskraut 165 Kadaververjüngung 175 Kahlschläge 33 Kalabrische Kiefern 30 Keimbett 179 Keimung 170 f. Kiefern 28 ff., 35 – Waldumbau 111 Kiefernwälder 53 f., 67, 69, 71 f. Klimawandel 36 ff., 42 ff. – Bewirtschaftungsmaßnahmen 38 – Holzzuwachs 37 Klimaxarten 15 ff., 165 Klimaxgesellschaft 17 Klumpen 193 Konkurrenzvegetation 174, 180, 185 Kosten – Lohnunternehmer 158 ff. – Pflanzung 186 f.
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Kronenfeuer 60 Küstenkiefern 20 Lagerfeuer 127 Lärchen 81 ff., 86 Lärchen-Arven-(Zirben-)Wälder 86 Laubhölzer 107 Laufgeschwindigkeit 144 ff. – Bodenbrand 63 – Moorbrand 65 – Vollfeuer 64 Lerchensporn 165 Lichtbaumarten 17, 93, 97, 165, 171, 196 Lichtbedarf, Jungpflanzen 171 Linden 74, 76, 95 Lohnunternehmer 158 ff. Löschfahrzeuge 148 Löschmittel 114 ff. Löschwasserentnahmestellen 114 ff. Maschinen 117 – Vorgaben für den Einsatz 161 f. Mega-Waldbrände 24 f. Mehlbeeren 72, 94 Mischbaumarten 70 f., 87 ff., 107 Mischwälder 104 f., 193 ff. Mitteleuropa 34 ff. Mittelmeerraum 24 f. Monitoring 119 ff. Monokulturen 193 ff. – Fichten 81., 194 f. – Klimawandel 38 Moorbrände 60, 64 f. Mullhumus 80
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Nachlöscharbeiten 150 Nadelwälder 67 – sekundäre 101, 198 Nährstoffhaushalt, Boden 177 Nährstoffkreislauf 20 Naturverjüngung 38, 173 ff., 179 ff. Niederdurchforstung 106 Öffentlichkeitsarbeit 128 Ökosysteme 15 ff. – durch Feuer entstandene 19 ff. Optisches Sensor System (OSS) 121 f. Ortstein 176 Pappeln 74 Pfahlwurzeln 96 f. Pflanzabstände 192 f. Pflanzendichte 189 Pflanzengesellschaften 15 Pflanzlöcher 189, 190 Pflanzmaterial 187 Pflanzreihen 193 Pflanzschock 181 Pflanztechniken 189 Pflanzung 185 ff. Pflanzverbände 189 f. Pflanzzahlen 192 Pflege 107 ff. Pflügen 176 f. Pinien 29 Pinus – brutia 30 – halepensis 30 – nigra 29, 99 – pinaster 29
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– pinea 29 – sylvestris 30 Pionierbaumarten 29, 35, 71 f., 91, 93, 174 f. Plätzesaat 184 Plenterwaldwirtschaft 79 Prävention 67 ff. prescribed burning 34, 51 Primärsukzession 17 Prognosen 119 ff. Provenienz 187 Pseudogleye 176 Quercus – pubescens 88 f. – robur 87 f. – rubra 96 ff. Rauch 62 ff. Rauchsäulen 142, 147 Rauchverbot 125 f. Reinbestände siehe Monokulturen Rillensaat 184 Rohhumus 34, 85, 176 f. Rotbuchen 75 f., 81 ff., 89 ff. Roteichen 96 ff. Rucksackspritze 144 Russland 32 f. Saat 181 ff. Saatmenge 185 Saattiefe 183 Saatzeit 185 Saisonalität 18, 46 Salweide 72, 174 f. Samenbäume 167, 179
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Samengewicht 169 Samenproduktion 166 ff. Sandhügel 114 Schadensausmaß, Versicherungen 124 Schadensmanagement 155 Schadensvergütung 123 f. Schaftform 191 Schattbaumarten 171, 193, 196 Schlagabraum 59, 106 f., 164 Schnittholzproduktion 33 Schutzstreifen 109 f. Schutzzonen 109 f. Schwarzerlen 74 Schwarzkiefern 29, 99, 197 Schwarzpappeln 74 Schweden 33 f. Seekiefer 29 Sekundärsukzession 17 Sensorsysteme 121 f. Silberpappeln 74 Silberweiden 74 Sommerlinden 76, 95 Sorbus – aria 94 – aucuparia 93 f. Spitzahorn 74, 76, 79 Sprengmast 167 Stammbrand 60, 65 Steilhänge 61, 144 Stieleichen 71 f., 74 ff., 79, 87 f. Stockverkauf 125 Störungen 15 ff. Streifenpflug 177 Streifensaat 184 Streuschicht, Buchenwälder 77, 79
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Substrat, brennbares 47, 59 f. 62, 75, 79, 106, 109 Sukzession 15 ff., 165, 174 f. Tanklöschfahrzeuge 143, 148 Tannen 77, 79 ff. Tannenwälder 71, 79 ff. Tilia spec. 95 Tollkirschen 165 Totholz 175 Tourismus 36, 125 ff. Traubeneichen 75 f., 79 Traubenkirschen 70, 79 trockenresistente Arten 38, 76, 96 Überwachungsflüge 122 Ulmen 74 Ursachen 18 f., 53 f., 59 ff. Verjüngung 165 ff., 179 ff. Verjüngungshemmnisse 176 f., 179 f. Verjüngungsinseln 107 Verordnungen 129 f. Versicherungen 123 ff. Vollfeuer 60 ff. Vollmast 167 f. Vollsaat 184 f. Vorbeugung siehe Prävention Vorwälder 174 f., 195 Waldbaumaßnahmen 103 ff. Waldbrandflächen 55 ff. Waldbrandgefahrenindex 119 f. Waldbrandgefahrenklassen 49 f., 120 Waldbrandriegel 109 Waldbrandrisiko 46 ff.
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– Index 48 – Jahreszeiten 59 – waldbauliche Maßnahmen 103 ff. – Waldgesellschaften 70 ff. – technische Maßnahmen 114 ff. Waldbrandrodungen 17 Waldbrandüberwachung 119, 121 f. Waldbrandversicherung 123 f. Walddynamik 15 Waldgesellschaften 69, 70 ff. – azonale 69, 71, 73 – Waldbrandrisiko 70 ff. Waldgrenze 82, 86 Waldkiefern 29 f., 72, 76, 101f., 197 – Pionierbaum 35 Waldumbau 111 Waldwirtschaft, saubere 106 f. Wasserentnahmestellen 114 ff., 146 Weichholzauen 74 Weiden 74 Weidenröschen 165 f. Weißtannen 81 Weitverband 192 Westwinddrift 42 Wetterdienste 119 f. Wiederbewaldung 153 ff. Wildverbiss 80 f., 180 Wind 59 ff. Windverbreitung 168 Winterlinden 74, 76, 95 Witterung 47 ff. Wundstreifen 109 f. Wurzelschnitt 189 Wüsten 17 f.
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Zerreichen 75 Zirbe siehe Arve Zoochorie 169 Zündquellen 18 f., siehe auch Ursachen
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Mit den ansteigenden Temperaturen und zunehmenden Trockenperioden wird es in Mitteleuropa immer häufiger im Wald brennen. Waldbrände haben hohe wirtschaftliche Verluste zur Folge und stellen sowohl Waldbesitzer als auch Feuerwehrleute vor große Herausforderungen. Das vorliegende Buch zeigt auf, wie Feuer im Wald entstehen, welche Maßnahmen das Waldbrandrisiko senken, wie man sich im Brandfall richtig verhält und wodurch sich die Regeneration des Waldes fördern lässt.
Bernhard Henning
Waldbrand Prävention, Bekämpfung, Wiederbewaldung
Aus dem Inhalt: – Ökosystem Wald und Feuer: Wie reagiert der Wald auf Störungen? – Wie entstehen Waldbrände? – Was kann der mitteleuropäische Waldbesitzer aus den Erfahrungen waldbrandgefährdeter Regionen lernen? – Woran lässt sich erkennen, dass der eigene Wald gefährdet ist? – Wie lässt sich aktiv gegen den Waldbrand wirtschaften?
ISBN 978-3-258-08138-0
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