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Ballenberg, 50 Jahre Ballenberg

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Ballenberg, Freilichtmuseum der Schweiz (Hrsg.)


Ballenberg, Freilichtmuseum der Schweiz (Hrsg.)

Ballenberg Sichtweisen auf das Freilichtmuseum der Schweiz

Haupt Verlag


Diese Publikation wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung durch: Association des Amis Romands du Ballenberg ARB; Bühlmann-Kühni Stiftung; Förderverein Bauernhoftiere auf dem Ballenberg; Förderverein Forstmuseum Ballenberg; Gemeinden Regionalkonferenz Oberland Ost; Oertli Stiftung; Ostschweizer Fördergesellschaft OFG; Private Spenderinnen und Spender; Swisslos Kultur Kanton Bern; Verein zur Förderung des Ballenbergs VFB; Victorinox, Carl und Elise Elsener-Gut Stiftung und dank den jährlichen Leistungsabgeltungen des Bundesamts für Kultur (BAK) und des Standortkantons Bern.

1. Auflage: 2019 Diese Publikation ist in der Deutschen Nationalbibliografie verzeichnet. Mehr Informationen dazu finden Sie unter http://dnb.dnb.de Der Haupt Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2016–2020 unterstützt. ISBN 978-3-258-08094-9 Alle Rechte vorbehalten. Copyright © 2019 Haupt Bern Jede Art der Vervielfältigung ohne Genehmigung des Verlages ist unzulässig. Herausgeber: Ballenberg, Freilichtmuseum der Schweiz Redaktion: Beatrice Tobler Mitarbeit: Andreina Mark, Lydia Räss, Marion Sauter, Stefan Seiler, Jeanne Simmen Konzept Jubiläum: Beatrice Tobler, Lorenz Blaser, Peter Kohler, Susanne Kudorfer, Pierre Mentha, Samuel Studer Zeichnungen: Roland Ryser, zeichenfabrik, Zürich Grafisches Konzept, Gestaltung und Satz: Katarina Lang, Zürich Übersetzungen: Marielle Larré, Peter Schrembs Korrektorat: Claudia Bislin Lithos: FdB Fred Braune, Bern Gedruckt in der Schweiz. www.haupt.ch


Inhaltsverzeichnis

Vorwort / Préface / Prefazione 7 Peter Flück, Präsident des Stiftungsrates Einleitung 11 Kulturerbe ist lebendige Auseinandersetzung Beatrice Tobler, Leiterin Wissenschaft; Peter Kohler, Betriebsdirektor Ansprachen zum Jubiläum Peter Flück, Präsident des Stiftungsrates 15 Johann Schneider-Ammann, Bundesrat: Das Paradies im Petit Paradis Schweiz 19 Monika Maire-Hefti, Conseillère d’État du canton de Neuchâtel 21 Beatrice Simon, Regierungsrätin Kanton Bern 24 Hanspeter Müller-Drossaart, Schauspieler: 2068, 2018: Zwei Reden 26 Sichtweisen auf das Freilichtmuseum der Schweiz 1. Aussensicht Vom Verschwinden und Wiederentdecken der nachhaltigen Ressourcen 33 Patrick Schoeck Häuser im Freilichtmuseum und das Schicksal ihrer Geschwister am Herkunftsort Die Beispiele Wohnhaus von Ibach SZ und Alp Champatsch GR 41 Benno Furrer Tradition und Innovation im Freilichtmuseum Hessenpark 57 Jens Scheller Das Verwaltungsgebäude auf dem Ballenberg 67 Gion A. Caminada Im Prättigauer Gangwärch über den Ballenberg 77 Köbi Gantenbein Siedlungsraum im Wandel 87 Martina Schretzenmayr Häuser als Quellen historischer Forschung Chancen, Grenzen und Perspektiven transdisziplinärer Ansätze 99 Anne Schillig 2. Auseinandersetzungen im Jubiläumsjahr Es summt nicht nur die Bäuerin, es brummt nicht nur der Bauer 109 Daniela Pauli, Matthias Bürgi Dem Ballenberg-Klang auf der Spur 121 Annette Marti «Das Klappern der Zoggeli». Vom Gehen durch Zeit und Raum 127 Marie-Anne Lerjen Vom Dörren im Rauch und vom Trocknen an der Sonne 133 Dominik Flammer Seile verknüpfen Tradition und Zukunft 141 Andreas Staeger Exoten und Urschweizer: Die Geschichte der Ballenberg-Tiere 147 Annette Marti Kurszentrum Ballenberg, 22 Jahre mit dabei 155 Adrian Knüsel Wie das Landschaftstheater den Ballenberg belebt – und noch stärker beleben kann 161 Christian Sidler Kooperationen mit drei Gemeinden 169 Susanne Kudorfer Kulturelle Teilhabe im Freilichtmuseum – ein Selbstversuch 179 Beatrice Tobler Meileinsteine der Museumsgeschichte 189 Zu den Autorinnen und Autoren 193 Bildnachweis 197


Ballenberg – Sichtweisen auf das Freilichtmuseum der Schweiz


Vorwort Préface Prefazione

2018, eingebettet im Kulturerbejahr, durfte das Freilichtmuseum Ballenberg 50 Jahre Stiftung und 40 Jahre Museumsbetrieb feiern. Unter dem Motto «Kultur teilen» begleiteten zahlreiche spezielle Events und Attraktionen die Museumssaison. Die Besucherinnen und Besucher konnten die Kulturlandschaft im weitläufigen Museumsgelände neu entdecken, traditionelle Handwerke anders kennenlernen und von vielen zusätzlichen Möglichkeiten zum Mitmachen profitieren. Der Ballenberg hat sich im Jubiläumsjahr für verschiedene Auseinandersetzungen geöffnet und einmal mehr bewiesen, dass er ein Stück Schweizer Kulturerbe ist und wie kaum ein anderer Ort die kulturelle Vielfalt der Schweiz abbildet. Zahlreiche Persönlichkeiten, Kunst- und Kulturschaffende, Handwerkerinnen und Handwerker, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, Partner, Delegationen von Herkunftsgemeinden und auch die Mitarbeitenden, die Geschäftsleitung und der Stiftungsrat gestalteten und erlebten 2018 ganz besondere Momente. Wie vielfältig, spannend und inspirierend diese waren, erfahren Sie auf den nachfolgenden Seiten. Die Beiträge in Wort und Bild von Autoren, Experten, Künstlern und Politikerinnen und Politikern aus dem In- und Ausland beleuchten den Ballenberg aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln und in all seinen Facetten. Das Werk zeigt, dass der Ballenberg heute weit mehr als ein historisches Museum zur ländlichen Kultur ist und eine Vielzahl an Inspirationen, Erfahrungen und Erlebnissen bietet. In diesem Sinne lade ich Sie auf einen Spaziergang ein. Treten Sie ein und entdecken Sie das bedeutendste und grösste Museum der Schweiz zur Vermittlung der ländlichen Kultur neu: Begegnen Sie den über 100 als schützenswert klassierten historischen Gebäuden in der reichen Kulturlandschaft. Erleben Sie die Zeugen aus Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe. Erfahren Sie Wissenswertes zur Baukultur und über traditionelles Bauhandwerk. Bestaunen Sie die

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themenorientierten Ausstellungen, freuen Sie sich über die vielen Bauernhoftiere, geniessen Sie die Ruhe und Erholung in der wunderbaren Landschaft oder lassen Sie sich von den sinnlichen und spannenden Veranstaltungen unterhalten. Ein Besuch lohnt sich – nicht nur einmal, sondern immer wieder – für alle, egal welcher Altersklasse, aus dem In- und Ausland. Der Ballenberg ist ein Ort der Inspiration, der kulturellen Begegnung und der Erlebnisse! Der Jubiläumsband gibt Ihnen auch einen Einblick in die lange Vergangenheit unserer einzigartigen Institution, und Sie spüren die Herausforderungen, welchen sich das Freilichtmuseum gegenwärtig und in Zukunft stellen darf und muss. Wir, der Stiftungsrat, die Geschäftsleitung sowie die 40 Fest- und rund 120-Saisonangestellten sind motiviert, diese Herausforderungen anzunehmen! Dabei zählen wir wie in den letzten 50 Jahren auf die Unterstützung sämtlicher Freunde und Förderer des Ballenbergs – von privater und öffentlicher Seite, ideell und finanziell. Ihnen allen – und an dieser Stelle besonders allen an diesem Buch und an sämtlichen Jubiläumsanlässen Mitwirkenden und den Unterstützern danken wir herzlich. Es ist eine grosse Freude und Ehre, das Werk Freilichtmuseum Ballenberg mit ihnen zusammen weiter zu entwickeln und erfolgreich in die Zukunft zu führen. Peter Flück Präsident des Stiftungsrates Ballenberg, Freilichtmuseum der Schweiz

En cette année 2018, année du patrimoine culturel, le Musée suisse en plein air Ballenberg a célébré le cinquantenaire de la Fondation et les 40 ans de fonctionnement du musée. Prenant pour devise « Partager la culture », il a accompagné sa saison muséale de nombreux événements spéciaux et attractions. Les visiteuses et visiteurs ont pu redécouvrir le paysage culturel dans le vaste site du musée, changer leur regard sur l’artisanat traditionnel et profiter de nombreuses autres possibilités de participation. Pour marquer cette année anniversaire, le Ballenberg s’est livré à une réflexion approfondie et a prouvé, une fois de plus, qu’il fait partie du patrimoine culturel suisse et qu’il reflète, comme aucun autre lieu, la diversité culturelle de la Suisse. De nombreuses personnalités – artistes et créateurs culturels, artisans et artisanes, scientifiques, partenaires, délégations des communes d’origine des bâtiments, mais aussi collaboratrices et collaborateurs, direction et conseil de fondation – ont planifié et vécu des moments privilégiés en 2018. En consultant les pages suivantes, vous comprendrez à quel point ceux-ci ont été variés, passionnants et inspirants.

Préface


Les contributions en mots et en images d’auteurs, d’experts, d’artistes, de politiciennes et politiciens, de Suisse et de l’étranger, éclairent Ballenberg sous des angles très différents et sous toutes ses facettes. Cette publication montre que Ballenberg est aujourd’hui bien davantage qu’un simple musée historique de la culture rurale et qu’il offre une multitude d’impulsions, d’expériences et d’aventures. C’est dans cet esprit que je vous invite à une promenade. Entrez et redécouvrez le plus grand et le plus important musée de Suisse pour la médiation de la culture rurale : dans ce riche paysage culturel, visitez la centaine de bâtiments classés monuments historiques et dignes d’être protégés. Observez les témoins anciens de l’agriculture, de l’artisanat et des métiers. Informez-vous sur la culture et les techniques traditionnelles de construction. Laissez-vous charmer par les expositions thématiques, amusez-vous avec les nombreux animaux de la ferme, profitez de la tranquillité et de la détente dans ce paysage magnifique ou distrayez-vous grâce à des événements sensuels et passionnants. Une visite vaut la peine – plus d’une fois, encore et toujours – pour tous, d’ici et d’ailleurs, quel que soit l’âge. Ballenberg est un lieu d’inspiration, de rencontres et d’expériences culturelles ! Cette publication anniversaire vous donnera également un aperçu du long passé de notre extraordinaire institution, et elle vous permettra de comprendre quels défis le Musée en plein air peut et doit relever aujourd’hui et à l’avenir. Nous, le Conseil de fondation, la direction, les 40 collaboratrices et collaborateurs permanents et les quelque 120 saisonniers, nous sommes fermement décidés à relever ces défis ! Et de même que ces 50 dernières années, nous comptons sur le soutien de tous les amis et sponsors du Ballenberg – soutien privé et public, idéel et financier. À vous tous – et en particulier, à tous ceux qui ont contribué à cette publication et à tous les événements anniversaires –, nous adressons nos remerciements les plus sincères. C’est un grand plaisir et un honneur de travailler avec vous au développement du Musée en plein air Ballenberg et de le conduire avec succès vers l’avenir. Peter Flück Président du Conseil de fondation Ballenberg, Musée suisse en plein air

In concomitanza con l’Anno del patrimonio culturale, nel 2018 il Museo all’aperto del Ballenberg ha festeggiato i 50 anni della fondazione e i 40 anni di attività del museo. La stagione al museo è stata costellata da numerosi eventi e attrazioni speciali all’insegna del motto «condividere la cultura». Le visitatrici e i visitatori hanno potuto riscoprire il paesaggio rurale che si estende per la

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vasta area del museo, conoscere nuovi aspetti degli artigianati tradizionali e approfittare di svariate possibilità aggiuntive di partecipazione. In occasione dell’anno del giubileo il Ballenberg ha voluto aprirsi al confronto in diversi ambiti dimostrando una volta in più quanto faccia parte del patrimonio culturale svizzero e come rappresenti come pochi altri luoghi la varietà culturale della Svizzera. Numerose personalità, artisti e operatori culturali, artigiani, ricercatori, partner, delegazioni dei Comuni di provenienza e anche le collaboratrici e i collaboratori, la direzione e il Consiglio di fondazione hanno realizzato e vissuto nel 2018 momenti del tutto particolari. Nelle pagine che seguono scoprirete la varietà, l’entusiasmo e l’ispirazione che li hanno caratterizzati. I contributi sotto forma di testi e immagini di autori, esperti, artisti, politici svizzeri ed esteri esaminano il Ballenberg da disparate angolazioni e in tutte le sue sfaccettature. L’opera mostra come oggi il Ballenberg sia molto più di un museo storico sulla cultura rurale e offra davvero una moltitudine di ispirazioni, esperienze ed emozioni. Vi invito dunque a una passeggiata al Ballenberg. Entrate e riscoprite il più grande e importante museo svizzero dedicato alla cultura rurale. Visitate i più di 100 edifici storici classificati come meritevoli di protezione nella magnifica cornice di questo paesaggio antropico tradizionale. Scoprite le testimonianze dell’agricoltura, dell’artigianato e del commercio del tempo che fu. Esplorate la cultura della costruzione e le tramandate tecniche edili. Ammirate le esposizioni tematiche, compiacetevi dei numerosi animali da fattoria, godetevi la quiete e il ristoro nell’incantevole paesaggio o lasciatevi affascinare dagli interessanti e avvincenti eventi. Una visita vale sempre la pena, non una volta, ma spesso e volentieri, a tutte le età, dalla Svizzera e dall’estero. Il Ballenberg è un luogo di ispirazione, di incontri culturali e indubbiamente di belle emozioni! Questo volume dell’anniversario getta anche uno sguardo sul passato della nostra istituzione unica nel suo genere e vi permette di percepire le sfide che il Museo all’aperto può e deve affrontare oggi e in futuro. Noi, Consiglio di fondazione, direzione, 40 dipendenti fissi e 120 collaboratrici e collaboratori stagionali siamo motivati ad raccogliere queste sfide! E per questo contiamo, come negli ultimi 50 anni, sul sostegno ideale e finanziario di tutti gli amici, promotori e sostenitori del Ballenberg, privati e pubblici. A loro va il nostro più vivo ringraziamento, come pure in questa sede in particolare a tutti coloro che hanno contribuito al libro e agli eventi del giubileo. È un grande piacere e un onore poter continuare a sviluppare insieme a voi l’opera del Museo all’aperto Ballenberg e condurla con successo verso il futuro. Peter Flück Presidente del Consiglio di fondazione Ballenberg, Museo svizzero all’aperto

Prefazione


Einleitung: Kulturerbe ist lebendige Auseinandersetzung

Dass das Ballenberg-Jubiläum mit dem Kulturerbejahr zusammenfiel, war ein Glücksfall und erlaubte es uns, ausgehend vom Ballenberg auch in einem grösseren Kontext über Kulturerbe nachzudenken. Der vorliegende Band ist kein Rückblick auf 40 Jahre Museum und 50 Jahre Stiftung. Die Entstehungsgeschichte des Freilichtmuseums wurde bereits vor 20 Jahren von unseren Vorgängern hervorragend aufgearbeitet und publiziert.1 Das vorliegende Buch versammelt in drei Teilen das, was der Untertitel verspricht: heutige Sichtweisen auf das Freilichtmuseum der Schweiz. Im ersten Teil sind die Jubiläumsansprachen abgedruckt. Die grosse Jubiläumsfeier fand am 26. Mai 2018 im Museumsgelände statt. Wie bei der Museumseröffnung vor 40 Jahren umrahmte die Musikgesellschaft Brienzwiler den Anlass. Sie führte die rund 250 geladenen Gäste zum Festzelt, eröffnete den Festakt und schloss ihn musikalisch ab. Moderatorin Sabine Dahinden begrüsste die Gäste und führte durch den Nachmittag. In kurzen Interviews entlockte sie den Rednerinnen und Rednern nach ihren Ansprachen ein paar persönliche Worte. Dazwischen überraschte und verzauberte das Vokalensemble «ardent» das Publikum mit exzellenten Arrangements und breitgefächertem Repertoire. In den hier abgedruckten Festansprachen geben Stiftungspräsident Peter Flück, Bundesrat Johann Schneider-Ammann sowie die Regierungsrätinnen Monika Maire-Hefti und Beatrice Simon ihre Sichtweisen auf den Ballenberg und auch durchgehend ihre Begeisterung wieder. Die Grussbotschaft der Berner Regierungsrätin Beatrice Simon war verbunden mit der offiziellen Übergabe der vier Sonderbriefmarken zum Ballenberg-Jubiläum durch Thomas Baur, Leiter PostNetz von Die Post. Die Briefmarken wurden gestaltet von PierreAbraham Rochat. Als letzter Redner hielt der Schauspieler Hanspeter MüllerDrossaart eine fiktive Festansprache zum 100-Jahr-Jubiläum im Jahr 2068. Im Anschluss an den offiziellen Teil klang der Anlass bei einem Apéro riche aus. Der Zeichner Roland Ryser hielt die Jubiläumsfeier in seinem Skizzenblock fest.

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Seine Zeichnungen illustrieren die Ansprachentexte und geben die Stimmung dieses Frühlingsnachmittages wieder. Der zweite Teil versammelt Aussensichten auf den Ballenberg. Patrick Schoeck vom Schweizer Heimatschutz sieht den Ballenberg als Inspirationsquelle für ein nachhaltigeres Wirtschaften in der Gegenwart und Zukunft. Benno Furrer von der Schweizerischen Bauernhausforschung fragt, wie es den «Geschwistern» der Ballenberg-Häuser geht, die nicht auf den Ballenberg versetzt worden sind. Jens Scheller vom Freilichtmuseum Hessenpark plant, eines der eingelagerten Häuser als Musterhaus für zeitgenössisches Wohnen im historischen Fachwerk wiederaufzubauen, und vergleicht dieses Projekt mit dem 2007 auf dem Ballenberg modernisierten Wohnhaus aus Matten BE. Dem Architekten Gion Caminada gelang mit dem Verwaltungsgebäude beim Eingang West eine «Einleitung» für den Ballenberg. Er setzte sich dafür intensiv mit den historischen Bauten auseinander. Köbi Gantenbein fragte sich bei einem Spaziergang durch das Freilichtmuseum zusammen mit Hans Weiss, einem Sohn des 1962 verstorbenen Richard Weiss, was der Schweizer Volkskundler der ersten Stunde wohl über den Ballenberg sagen würde. Die Raumplanerin Martina Schretzenmayr realisierte Filme, die zeigen, was sich heute an den ehemaligen Standorten von 14 Ballenberg-Häusern befindet und wagte damit den Blick «zurück» in die Schweiz von heute. Die Historikerin Anne Schillig fragt in ihrem Beitrag, inwiefern Gebäude im Freilichtmuseum als materielle Quellen in geschichtswissenschaftlichen Untersuchungen dienen können. Im dritten Teil dieses Buches finden sich Beiträge zu Veranstaltungen wie Lesungen, Führungen, Besuchen von Gemeinden und Happenings, die während des Jubiläumsjahres im Museumsgelände stattgefunden haben. Der Ballenberg bietet auf 66 Hektaren Raum für die lebendige Auseinandersetzung mit dem vielfältigen Kulturerbe. Alle Beiträge in diesem Teil haben irgendwie mit Inanspruchnahme und Aneignung dieses Raumes zu tun. So nehmen beispielsweise Wildtiere die Kulturlandschaft und die Häuser auf dem Ballenberg in Beschlag. Verschiedene Wildbienenarten bevölkern die beiden Strohdächer, unter anderen Dächern hausen Fledermäuse. Die ganze Vielfalt an Pflanzen und Tieren, die sich auf dem Ballenberg angesiedelt haben, konnten die Teilnehmenden an einer Führung zur Biodiversität mit Fachleuten Anfang Mai erkunden, die Daniela Pauli und Matthias Bürgi initiiert hatten. Der Schlagzeuger Julian Sartorius klopfte den Ballenberg im April, wenige Tage vor der Saisoneröffnung, mit seinen Trommelschlägern aus dem Winterschlaf. «Ballenbergs Türen» heisst das Video, das dabei entstand und den Soundtrack zum Jubiläumsjahr lieferte. Ebenfalls auf den Klang des Ballenbergs konzentrierte sich die Spazierkünstlerin Marie-Anne Lerjen, die Interessierte an einer experimentellen Wanderung durch die Geräuschwelt des Freilichtmuseums teilnehmen liess. Der Foodscout Dominik Flammer lud Köchinnen und Produzenten auf den Ballenberg ein, alte Konservierungs- und Veredlungstechniken in der

Einleitung


modernen Küche einzusetzen. Sie verzauberten das Publikum mit exquisiten Häppchen. Eine weitere Begegnung zwischen früher und heute fand an den Seilerei-Tagen in der Seilerei aus Unterägeri ZG statt. Autor Andreas Staeger traf dort neben dem Ballenberg-Seiler auch heutige Seilhersteller, die ihr innovatives Handwerk präsentierten. Was wäre der Ballenberg ohne die Bauernhoftiere? Sie leben von April bis Oktober im Museumsgelände, fressen das Gras der Ballenberg-Wiesen, legen Eier oder bekommen Jungtiere, wie die Evolèner Kuh Ronja. Annette Marti richtete ihren Blick auf die kulturelle Vielfalt der Schweizer Nutztiere und besuchte zwei Züchter und ihre Tiere. Adrian Knüsel vom Kurszentrum Ballenberg schenkte dem Freilichtmuseum zum runden Geburtstag fünf Wundertage und einen grossen Feuerzauber. Dieses Happening zelebrierte nicht zuletzt die Vergänglichkeit von Kulturerbe. Auch das Landschaftstheater Ballenberg schafft Kulturerbe und setzt sich mit dem Kulturerbe im Museumsgelände auseinander. Für das Jubiläum entwickelte es ein auf den Ballenberg zugeschnittenes Erzählformat: Buschi Luginbühl lud vier Geschichtenerzähler und eine Geschichtenerzählerin und Sängerin ein, in einem Haus aus ihrer Region und in ihrem Dialekt Sagen und Geschichten zu erzählen. Christian Sidler schlägt in seinem Beitrag zum «Sagenhaften Ballenberg» weitere Formen der Zusammenarbeit zwischen dem Museum und dem Theater vor. In den letzten beiden Beiträgen reflektieren die Leiterin Bildung und Vermittlung und die Leiterin Wissenschaft des Freilichtmuseums über kulturelle Teilhabe: Susanne Kudorfer berichtet über Kooperationen mit drei Gemeinden, die «ihr» Gebäude auf dem Ballenberg besucht haben. Dabei entstanden ganz unterschiedliche Formen des kulturellen Austausches. Beatrice Tobler verbrachte einige Tage im Museumsgelände und ging mit ihrer Strickmaschine der Frage nach, wie kulturelle Teilhabe im Freilichtmuseum möglich ist. Die Vielseitigkeit der Beiträge in diesem Band bildet die Vielschichtigkeit des Freilichtmuseums der Schweiz ab. Wir haben uns geöffnet für neue Positionen. Die Auseinandersetzungen im Jubiläumsjahr haben unseren Blick erweitert, neue Einsichten gebracht und etwas mit uns gemacht. Diesen Weg gehen wir weiter. Auch die zahlreichen Besucherinnen und Besucher, die sich das Museum erwandern, setzen sich individuell mit dem Kulturerbe auseinander. Sie nehmen ihren eigenen Weg, sehen unterschiedliche Anknüpfungspunkte und gestalten ihren ganz individuellen Besuch. Seit 1978 zählte das Freilichtmuseum über zehn Millionen Besuche – und jeder war einzigartig. Beatrice Tobler und Peter Kohler

1 Schweizerisches Freilichtmuseum Ballenberg (Hg.): 20 Jahre Schweizerisches Freilichtmuseum Ballenberg. 2. Jahrbuch. Brienz 1998.

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Sichtweisen auf das Freilichtmuseum der Schweiz

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Fusszeile


Vom Verschwinden und Wiederentdecken der nachhaltigen Ressourcen Patrick Schoeck

1 Kirschenernte im Kanton Zug, 2018. 2 Städtebau der 1970er Jahre: Das Satellitendorf Benglen ZH. Landwirtschaftsland und eine Baumschule wichen 600 Neubauwohnungen. Die Ziegeldächer verraten die Lage des ursprünglichen Weilers. 3 Luftbild von Benglen ZH aus dem Jahr 1969.

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Die Transferierung der kulturhistorisch bedeutenden Gebäude auf den Ballenberg hat an den einstigen Standorten Platz gemacht für bauliche Banalitäten, die kaum zur Siedlungsqualität beitragen. Der Ballenberg ist heute fertig gebaut und gesammelt. Gepflegt wird nun traditionelles bäuerliches Wissen, das in den letzten Generationen in Vergessenheit geraten ist. Dieses Know-how ist eine wichtige Inspirationsquelle für die Reflexion, wie ein nachhaltigeres Wirtschaften im Zeitalter der Klimaerwärmung und Umweltveränderungen möglich ist. Mit diesem zukunftsgerichteten Ansatz kann die Schweiz von etwas mehr Ballenberg ausserhalb des Freilichtmuseums nur profitieren.

Eine sumpfige Geländemulde auf der Rückseite der Zürcher Goldküste wurde in den frühen 1970er Jahren planmässig ausgetrocknet und mit 600 Plattenbauwohnungen bebaut. Benglen, heisst dieses Satellitendorf am Zürcher Stadtrand. Hier bin ich aufgewachsen. Spielmöglichkeiten und Kollegen hatte ich


zuhauf, ländliche Traditionen gab es indes in Benglen kaum zu entdecken: Die Bauernhäuser blieben zwar von der Bebauung ausgespart, doch hatten ihre Eigentümer ihr karges Kulturland verkauft und die Landwirtschaft aufgegeben. Wie man Bohnen pflückt und trocknet, wie man Mäuse fängt und Kaninchen züchtet und verarbeitet, sah und lernte ich in den langen Sommerferien bei meinen Grosseltern in Interlaken.

Der Ballenberg und die Leerstellen in der Landschaft

4 und 5 Stallscheune aus Meggen LU auf dem Ballenberg und heutige Situation am einstigen Standort: Das älteste Ökonomiegebäude der Innerschweiz musste einer Neubebauung weichen. Im heutigen Einfamilienhausquartier erinnert nichts mehr an die einstige landwirtschaftliche Nutzung.

Ende der 1980er Jahre, als ich die heissen Sommertage schweisstriefend im grossen Garten der Grosseltern verbrachte, wuchsen die Hauslandschaften auf dem Ballenberg zügig heran. Dieser Wachstumsdrang wurde nicht überall mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen. Persönlichkeiten, die sich damals im Heimatschutz engagierten, äussern sich noch heute kritisch gegenüber dem einstigen Willen, so rasch wie möglich wertvolle Objekte aus allen Landesteilen in einem Freilichtmuseum zu sammeln, ohne die Möglichkeiten des Erhalts am Ursprungsort fundiert zu prüfen.1 Das Dilemma ist leicht erklärt: Gebäude, die es wert sind, auf den Ballenberg zu kommen, haben den Charakter von Schutzobjekten. Auch wenn sie im Freilichtmuseum die nötige Wertschätzung und Pflege erhalten, so werden sie doch aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissen und hinterlassen dort schmerzliche Leerstellen.

Vom Verschwinden und Wiederentdecken der nachhaltigen Ressourcen


Konflikte und Langzeitwirkungen Der Ballenberg nimmt diesen Teil seiner Entstehungsgeschichte schon lange ernst. Geradezu bildhaft verdeutlicht dies etwa ein vom Freilichtmuseum initiiertes Filmprojekt, das 2016 in vierzehn Videos mündete. Die kurzen Filmbeiträge zeigen, was anstelle der transferierten Bauten entstanden ist. Natürlich: Einige der Häuser mussten nach langwierigen Abklärungen Infrastrukturprojekten von nationaler Bedeutung weichen. Aber erschreckend häufig fanden die leer geräumten Parzellen ihre neue Bestimmung als Flächen im Dienste der banalen Bauindustrie: An ihrer Stelle entstanden Mehrfamilienhäuser, Gewerbebauten oder Strassenverbreiterungen mit mässigem bis geringem gestalterischem Anspruch.2 Diese reflektierte Auseinandersetzung mit dem Dilemma zwischen dem Erhalt vor Ort und der Sammlungstätigkeit eines Freilichtmuseums hat die einstigen Gräben zwischen dem Heimatschutz und dem Ballenberg weitgehend eigeebnet. Man hat einen grundsätzlichen Konsens gefunden und verfolgt ähnliche Ziele. Gleichwohl sind die Spuren der einstigen Sammlungstätigkeit nicht gänzlich verwischt: In den Köpfen zahlreicher Menschen wird der Ballenberg noch immer als eine Art Gebäudefriedhof angesehen, in dem alte Häuser ihre letzte Ruhestätte finden: «Dann bringt die Bruchbude doch auf den Ballenberg …», hören wir es nicht selten schallen, wenn sich der Heimatschutz für den Erhalt von Baudenkmälern einsetzt. Dabei hat das Freilichtmuseum seit vielen Jahren mehrfach öffentlich und deutlich erklärt, dass die Sammlungsergänzungen einer klaren Strategie folgen und man nicht gewillt ist, als Feigenblatt für einen fahrlässigen Umgang

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6 und 7 Das älteste Holzhaus Europas: 1176 erbaut und nach über achthundert Jahren zerlegt: Das Haus Niederöst an seinem alten Standort in Schwyz im Jahr 2000 und wiederaufgebaut beim Informationszentrum zur Schlacht bei Morgarten 2015.


mit dem gebauten Erbe herzuhalten. Beispielhaft ist die Diskussion um das vermutlich älteste Holzhaus in Europa: Als der Kanton Schwyz um die Jahrtausendwende das Haus Nideröst, dessen Kern auf das Jahr 1176 zurückgeht, entgegen allen Fachmeinungen zerlegen und dem Ballenberg schenken wollte, winkte dieser dankend ab. Auch wenn es verlockend gewesen wäre, ein derart einmaliges Kulturobjekt sein Eigen zu nennen, hätte eine Übernahme dem Sammlungsprinzip widersprochen: Der Ballenberg verfügte bereits über ein bauähnliches Schwyzer Holzhaus mit dem ebenso stattlichen Baujahr 1336.

Wenn Wissen verloren geht

8 Dreschen und Kornhisten beim Dorf Villa im Bedrettotal TI, um 1930. 9 Kornernte 2015 im Freilichtmuseum Ballenberg.

Meine Sommerferien im Garten, der Obstwiese und der Scheune meiner Grosseltern liegen inzwischen knapp dreissig Jahre zurück. Meine Kinder haben keinen Grossvater mit Stall, Gemüsegarten und Streuobstwiese. Im Kleingarten unseres Reihenhauses und in den Beeten, die auf dem Vorplatz ihrer Schule angelegt wurden, erhalten sie einen schmalen Einblick in das langsame Wachstum der Natur. Dass Kinder Erde in die Hand nehmen, wird bereits als didaktischer Erfolg gewertet. Das Mähen der Wiesen von Hand, das permanente Flicken der zur Bewirtschaftung nötigen Geräte oder das Schlachten und Verzehren der eigenen Tiere lernen sie nicht mehr als Teil der gelebten Realität kennen. Der Ballenberg vermittelt diese überlieferten Traditionen und einstigen Überlebensnotwendigkeiten. Natürlich sind die Angebote zum Mitmachen und Erleben im Freilichtmuseum und anderswo zahlreich. Nur: Während mein Grossvater mir, dem Kind aus der Agglomeration, das Wissen um die traditionelle Selbstversorgung auf den Lebensweg mitgeben wollte, führe ich meine Kinder heute lediglich an Orte, an denen solche Tätigkeiten demonstriert, sprich: nachgestellt, werden.

Vom Verschwinden und Wiederentdecken der nachhaltigen Ressourcen


Kompetenzen nutzen Dieser Wissensverlust macht sich nicht nur in meiner Familie bemerkbar. Wer durchs Land streift, erkennt, dass es sich um eine gesamtgesellschaftliche Tendenz handelt. Beton, Benzin und Baggerkraft wurden in den letzten Jahrzehnten oft als günstigere Lösungen angesehen als eine fundierte Analyse des Bestandes und die Reflexion von tradiertem Wissen. Dabei geht es nicht nur ums «Chlefele» oder «Tängele», sondern um grundsätzliche Fragen mit potenziell riesigen ökologischen und ökonomischen Auswirkungen: Wenn man nicht mehr weiss, wie ein landwirtschaftlicher Haushalt einst funktionierte, misslingt auch die Umnutzung von nicht mehr gebrauchten Bauernhäusern und die Transformation der ländlichen Dorfstrukturen. Und wenn man die Landschaft und die Böden nicht mehr lesen kann, wird das Falsche am falschen Ort gebaut. Bezeichnend ist, dass es heute oftmals gerade die Neubaugebiete der Nachkriegszeit sind, die mit massiven baulichen Massnahmen gegen Hochwasser und andere Naturgefahren künstlich gesichert werden müssen. Viel von diesem schleichend verschwindenden Wissen um die nachhaltige Nutzung von regionalen Ressourcen ist auf dem Ballenberg versammelt, wird dort gepflegt und publikumsnah vermittelt. Man darf von einem eigentlichen Kompetenzzentrum sprechen, das aus dem Freilichtmuseum, seinen Mitarbeitenden, einem breiten Netzwerk von Experten sowie dem angegliederten Kurszentrum besteht. Das Freilichtmuseum darf diese Kompetenzen durchaus stärker herausstreichen als heute und bestimmter nach aussen tragen. Denn im Zeitalter der schrumpfenden nicht erneuerbaren Ressourcen und des Klimawandels

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10 Sich der Natur unterordnen und sie nutzen: Das spärliche Kulturland im Tessiner Valle Bavona zwang die Menschen zum sorgfältigen Umgang mit den Ressourcen. 11 Zu wenig Rücksicht auf tradiertes Wissen genommen? 2017 erschütterte der Bergsturz von Bondo GR die ganze Schweiz. Während das Neubaugebiet an der Flussmündung überschwemmt und zerstört wurde, ist der alte Dorfkern verschont geblieben.


12 und 13 Bauern im industriellen Massstab: Der Gemüsebau im Grossen Moos FR und in Hinwil ZH zeugen vom Anspruch, eine effiziente Landwirtschaft betreiben zu wollen. Beim Standortentscheid spielt die Erreichbarkeit durch Lastwagen eine zentrale Rolle.

braucht es eine Rückbesinnung auf das kontextbezogene Handeln. Und dieses beginnt dort, wo die traditionelle bäuerliche Wirtschaft einst aufgehört hat.

Den Perspektivenwechsel wagen Der Bundesrat hat im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 den Anlauf genommen, die Ratifizierung des «Rahmenübereinkommens des Europarats über den Wert des Kulturerbes für die Gesellschaft», kurz die «Konvention von Faro», anzustossen. Eine zentrale Kernbotschaft der international anerkannten Konvention lautet: Die Fachwelt hat sich lange um das Was und Wie des Kulturerbeerhalts gekümmert, heute aber muss dringend darüber gesprochen werden, warum und für wen wir diese Leistungen erbringen.3 Der Ballenberg als Institution, die sich weitgehend aus den eigenen Erträgen finanzieren muss, ist natürlich auf diese Fragen sensibilisiert. Das Freilichtmuseum muss mit seiner Kommunikation und seinen Angeboten nahe beim Markt sein und eine weite Zielgruppe ansprechen. Es ist dennoch sinnvoll, sich mit dem Kern der Forderung der Konvention von Faro auseinanderzusetzen und sich zu überlegen, wie sich ein Freilichtmuseum in einem sich rasant verändernden Umfeld zukunftsfähig halten lässt. Wenn die Gesellschaft das Wissen um traditionelle Praktiken in einem rasanten Tempo verliert, steigt der Erklärungsbedarf vor Ort beständig an. Früher konnten die Grosseltern bei einem Besuch des Freilichtmuseums oft noch über die Nutzung der Geräte aus erster Hand berichten. Heute braucht es jedoch ein immer grösseres Mass an Vermittlungsarbeit – sei es durch Demonstrationen, Hands-on-Angebote oder durch schriftliche Erklärungen. Aber läuft man ob all den Bemühungen um die Vermittlung des nicht mehr Gebrauchten nicht auch Gefahr, dass die Häuser und eindrücklich konstruierten und sorgfältig gepflegten Landschaften hinter den vielen Schautafeln, Vitrinen oder Foxtrail-Posten

Vom Verschwinden und Wiederentdecken der nachhaltigen Ressourcen


in die zweite Reihe treten, und Handwerksvorführungen zum nostalgischen Nachspielen verkommen? Oder andersherum gefragt: Wie gelingt es, die materielle und immaterielle Sammlung auf dem Ballenberg so zu vermitteln, dass die Gäste erkennen, was das Gezeigte mit ihnen selbst, ihrem Handeln und ihrer Lebensumgebung zu tun hat? Ein Freilichtmuseum, das sich aktiv um einen solchen Diskurs bemüht, leistet einen wertvollen Beitrag für den Erhalt und die Wiedererlangung von Lebensqualität und für die Förderung einer echten Nachhaltigkeit. Wenn man so will, kann damit ein geflügeltes Wort eine neue Bedeutung erhalten: Dem Heimatschutz wird seit Jahrzehnten regelmässig vorgehalten, er wolle aus den Dörfern und Städten der Schweiz einen Ballenberg machen. Wenn damit eine Siedlungs- und Landschaftsentwicklung gemeint ist, die zuerst das Vorhandene in allen Dimensionen reflektiert und erst auf dieser Basis Entscheide trifft, darf die Schweiz gerne noch etwas mehr zum Ballenberg werden.

1 Vgl. Badilatti, Marco: Freilichtmuseum und Heimatschutz: Zu ewiger «Hassliebe» verurteilt. In: Schweizerisches Freilichtmuseum Ballenberg (Hg.): 20 Jahre Schweizerisches Freilichtmuseum Ballenberg. 2. Jahrbuch. Brienz 1998, S. 306–309; Schoeck-Ritschard, Patrick: Von Abneigung und Wertschätzung. Der Heimatschutz und der Ballenberg. In: Schweizer Heimatschutz (Hg.): Gartenkultur Ballenberg: Schulthess Gartenpreis – Prix Schulthess des jardins 2018. Zürich 2018, S. 17–18. 2 Vgl. Beitrag von Martina Schretzenmayr in diesem Band. 3 Schweizerische Eidgenossenschaft: Genehmigung des Rahmenübereinkommens über den Wert des Kulturerbes für die Gesellschaft; Erläutender Bericht. In: https://www.newsd. admin.ch/newsd/message/attachments/50222.pdf (Stand: 24.10.2018).

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Zu den Autorinnen und Autoren

PD Dr. Matthias Bürgi (*1967) ist Umweltnaturwissenschaftler und leitet die Forschungseinheit Landschaftsdynamik der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL in Birmensdorf. Prof. Gion A. Caminada (*1957) ist Architekt in Vrin GR und Professor für Architektur und Entwurf an der ETH in Zürich. Dominik Flammer (*1966) ist Foodscout und Autor. Er lebt in Zürich und Vitznau LU. Zu seinen bekanntesten Büchern gehören «Schweizer Käse» sowie die drei Bände zum «Kulinarischen Erbe der Alpen». Seit 2014 ist Flammer Projektleiter für die Planung des «Culinarium Alpinum», das künftige Kompetenzzentrum für alpine Regionalkulinarik im Kloster Stans NW. Peter Flück (*1957) ist dipl. Sanitärplaner und dipl. Berufsschullehrer. Der Unternehmer und Politiker ist seit 2006 Grossrat des Kantons Bern und seit 2015 Präsident der Stiftung Ballenberg, Freilichtmuseum der Schweiz. In den Jahren 2001–2012 amtete er in seiner Heimatgemeinde Brienz als Gemeinderats- und Gemeindepräsident und bekleidet u. a. bei der Brienz Rothorn Bahn AG seit 2008 das Amt des Verwaltungsratspräsidenten. Dr. Benno Furrer (*1953) studierte Geografie an der Universität Zürich, 1979–1984 bearbeitete er den Band Uri der Reihe «Bauernhäuser der Schweiz», anschliessend 1984–1991 den Band Schwyz-Zug der gleichen Reihe. Seit 1989 ist er wissenschaftlicher Leiter der Schweizerischen Bauernhausforschung mit Archiv in Zug. Daneben 1986–1989 Dissertation und 1989–1992 Vorlesungstätigkeit an den Universitäten Basel und Zürich.

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Köbi Gantenbein (*1956) ist der Chefredaktor und Verleger von Hochparterre, dem Verlag für Architektur, Design und Planung. Er ist im Engadin geboren und lebt heute in Fläsch. Er schreibt Essays, Reportagen und Kommentare über Landschaft, Raumplanung und Lebensformen für Hochparterre, für Bücher und für Vorträge. Adrian Knüsel (*1957) studierte 3D ceramics an der Bath Academy of Art UK. Er arbeitete 18 Jahre im eigenen Atelier, wo er einen Holzbrennofen betrieb. Seine Werke wurden mehrfach mit Stipendien von Bund und den Kantonen LU und BE ausgezeichnet. Von 1997–2018 war der eidg. dipl. Erwachsenenbildner Leiter des Kurszentrums Ballenberg. Peter Kohler (*1971) absolvierte nach einer kaufmännischen Ausbildung Weiterbildungen zum Gemeindeschreiber, Finanzverwalter und Ausbildungen in Kommunikation, Unternehmens- und Personalführung. Er war u. a. kaufmännischer Leiter eines heilpädagogischen Zentrums, Stv. Stabschef / Leiter Finanzen und Controlling der Stadt Luzern und Geschäftsleiter der Gemeinde Meiringen. 2016–2019 war er Betriebsdirektor des Freilichtmuseums Ballenberg. Susanne Kudorfer, M.A. (*1967) leitet den Bereich Bildung und Vermittlung im Freilichtmuseum Ballenberg und unterrichtet an der HSLU D&K. Sie studierte Kunstgeschichte, Pädagogik und Sozialpsychologie, arbeitete für das Kinderund Jugendmuseum München (bis 1997), leitete den Besucherdienst der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen (bis 2008) und die Kunstvermittlung des Kunstmuseums Luzern (bis 2013). Lic. phil. Marie-Anne Lerjen (*1968) ist Spazierkünstlerin. 2011 hat sie die künstlerische Unternehmung «lerjentours. Agentur für Gehkultur» in Zürich gegründet. Sie beschäftigt sich mit der Kunst- und Kulturgeschichte von Gehen und Raum ebenso wie mit der konkreten Umsetzung vielgestaltiger Spazierexperimente. Lic. phil. Annette Marti (*1971) ist freie Journalistin und wohnt in Interlaken. Sie hat ursprünglich Ethnologie an der Universität Zürich studiert, zog es aber nach vielen Reisen und Auslandaufenthalten vor, in den Bergen zu leben. Sie schreibt am liebsten über Menschen und Geschichten aus dem alpinen Raum. Hanspeter Müller-Drossaart (*1955) ist ein in der Öffentlichkeit durch Filme und TV-Produktionen wie «Grounding», «Die Herbstzeitlosen», «Cannabis», «Lüthi & Blanc» sowie durch die markante Gestaltung der Titelrolle an den Thunerseespielen im Musical «Dällebach Kari» bekannter Schauspieler und Autor von Mundart-Gedichten und Volkstheater-Stücken.

Zu den Autorinnen und Autoren


Dr. Daniela Pauli (*1963) ist Biologin und leitet seit 1999 das Forum Biodiversität Schweiz der Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) in Bern. Roland Ryser (*1977) absolvierte den Vorkurs an der Schule für Gestaltung Zürich und studierte nach einer Grafikerlehre Wissenschaftliche Illustration an der ZHdK in Zürich. Nach Tätigkeiten in verschiedenen Agenturen und wissenschaftlichen Verlagen gründete er 2006 sein eigenes Atelier. Seit 2013 unterrichtet er ausserdem an Fachhochschulen und in der Erwachsenenbildung. Dr. Jens Scheller (*1965) ist gelernter Bankkaufmann. Von 1997–1998 und 2008– 2009 war er freiberuflich als Diplom-Geograf tätig, von 1998– 2002 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturgeographie, Stadt- und Regionalforschung, Frankfurt am Main, von 2002–2008 als Dezernent für Regionale Flächennutzungsplanung im Regionalverband Frankfurt / Rhein-Main. Seit 2009 ist er Museumsleiter im Freilichtmuseum Hessenpark. Anne Schillig, M.A. (*1986) studierte Geschichte und Ethnologie an den Universitäten Potsdam, Basel und Luzern. Seit 2015 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im SNF-Projekt «Doing House and Family». In ihrer Dissertation setzt sie sich mit Haus und Familie in der ländlichen Schweiz des 18. und 19. Jahrhunderts auseinander. Lic. phil. Patrick Schoeck-Ritschard (*1978) ist stellvertretender Geschäftsführer des Schweizer Heimatschutzes und Leiter Baukultur. Der Historiker publiziert regelmässig zu Themen an der Schnittstelle zwischen Architekturund Kulturgeschichte. Dr. Martina Schretzenmayr (*1967) studierte Geografie und Raumplanung und promovierte an der ETH Zürich. Sie ist Dozentin an der ETH Zürich und forscht im Bereich Raumentwicklung und Raumplanungsgeschichte der Schweiz. Lic. phil. Christian Sidler (*1966) wohnt in Stalden ob Sarnen. Der Historiker arbeitete als Journalist, von 1995 bis 1999 als Stiftungssekretär am Freilichtmuseum Ballenberg und von 1999 bis 2017 als Kulturamtsleiter des Kantons Obwalden. Seit 1. April 2017 ist er Geschäfts- und Produktionsleiter des Landschaftstheaters Ballenberg.

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Andreas Staeger (*1961), ist Journalist und Texter. Mit seinem Kommunikationsbüro staegertext.com in Brienz BE unterstützt er Firmen und Verbände auf den Gebieten Textproduktion und Kommunikationsberatung. Sein Spezialgebiet sind Wanderreportagen sowie Berichte zu Themen des Alltags. Lic. phil. Beatrice Tobler (*1967) studierte Volkskunde / Europäische Ethnologie. 1996–1999 war sie wissenschaftliche Assistentin an der Universität Basel, danach bis 2012 Kuratorin am Museum für Kommunikation in Bern. Seither arbeitet sie im Freilichtmuseum Ballenberg, seit 2016 als wissenschaftliche Leiterin und Stv. Betriebsdirektorin. Dr. Hans Weiss ist Landschaftsschützer. Er ist 1940 in Schiers geboren, wo sein Vater Richard Weiss Mittelschullehrer war. Er schützt Landschaften als Aktivist und Publizist, er vermittelt deren Schönheit als Forscher, Schreiber und Redner. Er war Graubündens erster Beamter für Landschaftsschutz und hat später die Stiftung für Landschaftsschutz aufgebaut und jahrelang geleitet. Er lebt in Bern.


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