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Flora des Kantons Zürich

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Artporträts


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Melanthiaceae

Paris quadrifolia L. Vierblättrige Einbeere Mehrjährig, 15–30 cm hoch. Stängel mit einem Quirl von meist 4 netznervigen Blättern, in deren Mitte auf dünnem Stiel die endständige grüne Blüte sitzt. Frucht ist eine schwarzblaue Beere. Sehr giftig. Blüht IV–V. In Wäldern auf frischen bis feuchten Böden. Kollin-montan(-subalpin). Verbreitet im eurasiatischen Raum. In der ganzen Schweiz vorkommend. Im Kanton wächst die Art in 87 % der Flächen. Meldungen aus dem 19. und 20. Jh. sind relativ spärlich. Es ist aber anzunehmen, dass sich an der Verbreitung der Art wenig geändert hat. Häufig. Toxikologie Die ganze Pflanze ist giftig. Ihr Verzehr kann zu Brechreiz und Magenkrämpfen bis hin zum Tod durch Atemlähmung führen. Da die Frucht der Heidelbeere ähnelt, besteht die Gefahr, dass insbesondere Kinder die beiden verwechseln. In früheren Jahrhunderten wurde die Einbeere teils als berauschende Droge oder Heilmittel betrachtet. Heute ­erwähnen sie viele Heilpflanzenbücher nicht mehr. Für Tiere ist die Einbeere ebenfalls giftig, für Fische und Gliedertiere sogar tödlich.  JBu

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Veratrum album L. Gemeiner Germer Mehrjährig, 60–150 cm hoch. Blätter oval, bis 20 cm lang. Perigonblätter bleichgrün, 10–20 mm lang. Sehr giftig. Blüht VII. Kommt in Wiesen und Weiden, Hochstaudenfluren und Läger­ stellen vor. Montan-alpin. Verbreitet im eurosibirischen Raum. In der Schweiz in den Alpen, im Mittelland, in Alpennähe und im Jura (nördlich bis Jura und Solothurn) zu finden. Die Art ist im Kanton in 12 % der Flächen in den Gebieten Albis/Höhronen und im Oberland zu finden, meist oberhalb von 600 m. An tiefergelegenen Orten (z. B. Kämptnerbach bei Wetzikon, Rüti) wurde sie meist durch Bäche heruntergeschwemmt oder wächst in Mooren (z. B. Hausen a. A.). Um 1900 war die Art dichter verbreitet. Selten. !

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Toxikologie Der Gemeine Germer enthält starke Nervengifte. Er kann mit dem Gelben Enzian, dessen Rhizome für die Herstellung von Enzianschnaps verwendet werden, verwechselt werden. Während der Enzian gegenständige Blätter hat, sind Germerblätter schraubig angeordnet. In neuerer Zeit fanden sich Hinweise, dass Alexander der Grosse mit Germer vergiftet wurde.  JBu


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Liliaceae

Lilium martagon L. Türkenbund Mehrjährig, 30–90 cm hoch. Blätter breit-lanzettlich, im mittleren Stängelteil in Quirlen zu 4–8. Perigonblätter zurückgerollt, hellpurpur mit dunklen Flecken. Mässig giftig. Blüht VI–VII. In Wäldern und Bergwiesen, meist auf Kalk. Kollin-subalpin. Verbreitet im eurasiatischen Raum. In der Schweiz verbreitet, ausser im westlichen und zentralen Mittelland. Im Kanton ist die Art auf einem Drittel der Flächen nachgewiesen. Geschlossene Verbreitungsgebiete sind das Tösstal vom Bachtel bis zum Rhein und das Albisgebiet. Weiter findet sich die Art gehäuft an der Lägern und im westlichen Unterland sowie im unteren Thurtal. Lokal häufig. Bedeutung Pflanzenname !

Eine Erklärung für den Artnamen deutet auf die «martaǧon»  genannte Kopfbedeckung, die unter Sultan Mehmed I. in Mode kam und dessen runde Form an die zurückgeschlagene Blütenblätter der Pflanze erinnert. Andere Quellen sehen im Namen den Gott Mars erwähnt, den die Alchimisten auch als Gott der Metallumwandlung bezeichneten. Den Türkenbund (auch «Goldwurz» genannt) hielten sie entsprechend für eine Pflanze, die bei der Goldherstellung helfe.  JBu

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Lilium bulbiferum L. Feuerlilie

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Mehrjährig, 20–80 cm hoch. Blätter schmal-lanzettlich. Blüten 4–8 cm lang, trichterförmig, lebhaft orangerot. Mässig giftig. Blüht VI–VII. Wächst in Bergwiesen, auf Gesteinsschutt und Felsen. Montan-subalpin. Verbreitet in den Alpen, im Apennin und auf Korsika. Kommt in der Schweiz in den Nordalpen, in Graubünden, im Tessin und Wallis, bei Neuenburg und an der Lägern vor. An einigen Orten verwildert. Im Kanton wächst die Art in einer Fläche auf dem Lägerngrat wild. Der Bestand ist seit dem 19. Jh. bekannt, wobei seine Individuenzahl aber stark abgenommen hat. Sehr selten. !

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Bedeutung Pflanzenname Während bei den Römern sowohl die weissen als auch die roten Lilien «Lilium» genannt wurden, hatten die Griechen dafür zwei komplett verschiedene Namen, nämlich «leirion» für die weisse und «krinion» für die rote Lilie verwendet. «Lilie» könnte ausserdem von einem Ur-Wort kommen, das «Blume schlechthin» bedeutete. Dieses Wort hat in «ilili» in der Berbersprache und «lili» im Baskischen (beide mit der Bedeutung «Blume») überlebt.  JBu


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Liliaceae

Gagea lutea (L.) Ker Gawl. Wald-Gelbstern Mehrjährig, 10–25 cm hoch. Meist mit einem einzigen grundständigen Blatt, dieses ist 5–10 mm breit, mit kurzer kappenförmiger Spitze (Unterschied zu G. pratensis). Blütenstiele kahl (Unterschied zu G. villosa). Mässig giftig. Blüht IV–V. In Wiesen, Hecken, Baumgärten und lichten Laubmischwäldern. Kollin-montan(-subalpin). Verbreitet im eurasiatischen Raum. In der ganzen Schweiz vorkommend (ausser Engadin). Im Kanton ist die Art in 18 Flächen gefunden worden. Die meisten Funde stammen aus der Region Sihltal/Albis. Zwei weitere Bestände sind im Tösstal nachgewiesen. Um 1900 war die Art noch im Weinland, um Winterthur und im Glatttal verbreitet. Sie wird leicht übersehen (siehe bei G. villosa). Sehr selten. !

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Bedeutung Pflanzenname Der Gattungsname «Gagea» geht nicht auf einen altsprachlichen Pflanzennamen zurück und hat auch keine umschreibende Bedeutung. Die Gattung wurde nach Sir Thomas Gage (1781–1820) benannt, einem englischen Adligen, der die Naturwissenschaften gefördert hatte.  JBu

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Gagea villosa (M. Bieb.) Sweet

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Acker-Gelbstern

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Mehrjährig, 5–15 cm hoch. 2 grundständige Blätter, schmaler als die Stengelblätter. Blütenstand 5–10(–20)blütig, Blütenstiele dicht flaumig behaart, auch die Aussenseite der Blüte und der Griffel sind behaart (Unterschied zu G. pratensis und G. lutea). Mässig giftig. Blüht III–IV. Äcker und Weinberge. Kollin(-montan). Verbreitet im mediterranen Raum. In der Schweiz im Wallis und im Bündner Rheintal, in den Regionen Genf, Basel, Zürich-Nord und Schaffhausen. Im Kanton ist die Art seit 2000 im Norden in sieben Flächen in kleinen Beständen gefunden worden. Um 1900 war sie zwischen Bülach, Rafzerfeld und Weinland in 15 Flächen belegt. Sehr selten. ! !

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Morphologie Die Art (wie auch G. pratensis und G. lutea) ist nicht leicht zu finden. Ohne Blüten sind die Pflanzen kaum erkennbar. Ihre Blütezeit ist kurz, aber auch blühend sind sie leicht zu übersehen. Am besten sucht man sie gemäss einem Fachmann «bei Regen/Nebel Ende März/anfangs April». Diese Unauffälligkeit könnte auch ein Grund für die geringe Anzahl an Nachweisen sein.  JBu


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Liliaceae

Gagea pratensis (Pers.) Dumort. Wiesen-Gelbstern Mehrjährig, 10–15 cm hoch. Mit einem einzigen grundständigen, nur 4–6 mm breiten Blatt, an der Spitze allmählich verschmälert (Unterschied zu G. lutea), wie das unterste Hochblatt den Blütenstand überragend. Blütenstiele kahl (Unterschied zu G. villosa). Mässig giftig. Blüht IV. Findet sich in Äckern, Rebbergen und auf Wiesenplätzen. Kollin. Verbreitet im europäischen Raum. In der Schweiz im Bündner Rheintal und in der Nordschweiz zwischen nördlichem Aargau, unterem Tösstal und Schaffhausen vorkommend. Die Art ist seit 2000 in sieben Flächen im Norden des Kantons vorhanden. Um 1900 waren noch über ein Dutzend Fundorte in elf Flächen bekannt, wovon sich mehrere bis Ende des 20. Jh. halten konnten. Sehr selten. !

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Gefährdung und Schutz

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Die Fachstelle Naturschutz hat die Art (wie auch G. villosa) in ihr Artenförderungsprogramm aufgenommen. In Zwischenkulturen werden sie vermehrt und an acht geeigneten Orten ausgepflanzt. Der Erfolg der Aktion ist noch offen; unter anderem, weil die Erfolgskontrolle schwierig ist (siehe bei G. villosa).  JBu

Tulipa sylvestris L. ! !

Weinberg-Tulpe

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Mehrjährig, 20–50 cm hoch. Blätter 2 cm breit und bis 20 cm lang. Blüten kleiner als die der Gartentulpen, vor dem Aufblühen nickend, dann aufrecht. Blütenblätter gelb, spitz. Mässig giftig. Blüht IV–V. Acker- und Rebberg-Begleitpflanze. Kollin. Ursprüng­ lich Mittelmeerpflanze, in der Schweiz in Rebgebieten eingebürgert, mit Schwerpunkt Westschweiz. Um 1900 war die Art im Norden des Kantons von Uhwiesen bis Marthalen vorhanden. Baumann bezeichnete sie als «sehr selten». Aktuell kommt sie in fünf Flächen im Norden in Rebbergen und Äckern vor sowie an der Lägern und in der Stadt Zürich an einer Stelle unter Gehölzen. Diese zwei Bestände sind die grössten im Kanton, bilden aber nur wenige Blüten. Sehr selten. Ökologie Die Weinberg-Tulpe ist auf die mechanische Bearbeitung der Böden in den Rebbergen eingestellt. Solange sie ihren Lebenszyklus im Frühling ohne Störungen vollenden kann, wird sie dadurch sogar gefördert, weil die Zwiebelgruppen aufgebrochen werden und im lockeren Boden besser wachsen können.  JBu


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Orchidaceae

Cypripedium calceolus L. Frauenschuh Mehrjährig, 30–60 cm hoch. Auffällig gelb gefärbte, zur Kesselfalle umgebaute Lippe, Perigonblätter bis 5 cm lang, purpurbraun. Blüht V–VI(–VII). Wächst in lichten Wäldern und Gebüschen. Kollin-subalpin. Verbreitet im eurasiatischen Raum. Ehemals in der ganzen Schweiz verbreitet, im westlichen Mittelland und Tessin stark dezimiert. Im Kanton ist die Art stark zurückgegangen. Aktuell ist sie noch in 18 % der Flächen nachgewiesen. Der Frauenschuh gedeiht in lichten Wäldern und ist infolge der heute zuwachsenden, dunkler werdenden Waldungen lokal an vielen Orten verschwunden. Räuberisches Ausgraben hat die Zahl der Populationen zusätzlich reduziert, sodass die Art aus 54 Flächen verschwunden ist. Selten. !

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Volksnamen

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Neben dem im ganzen Kanton gebräuchlichen Namen «Fraueschüeli» wird die Art auch «Jumpfereschue» genannt. In Turbenthal nennt man zweiblütige Exemplare «Stogele» oder «Paarfuess» , dreiblütige Exemplare «Dreifuess». Aus Dättlikon ist der Name «Guggehööndli» überliefert.  BW

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Cephalanthera rubra (L.) Rich. Rotes Waldvögelein !

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Mehrjährig, 20–50 cm hoch. Stängel oben fein drüsig behaart. Blätter lanzettlich, rinnig gefaltet. Blüten rosa bis rotlila, zusammenneigend und die Lippe meist verdeckend. Blüht VI–VII. Wächst in lichten Wäldern sonniger Lagen. Kollin-montan. Verbreitet im europäisch-westasiatischen Raum. In der ganzen Schweiz vorkommend. Das Rote Waldvögelein ist im Kanton lückenhaft verbreitet und weniger zahlreich als die anderen Waldvögelein-Arten. Die Art ist aktuell in 42 % der Flächen nachgewiesen, aber aus weiteren 24 Flächen nur historisch bekannt (z. B. aus Gärten und Parks der Stadt Zürich). Ingesamt ist die Verbreitung gegenüber 1900 jedoch mehr oder weniger stabil geblieben. Verbreitet. !

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Ökologie Weibchen von fünf Wildbienenarten sammeln Pollen für ihre Brut ausschliesslich auf der Pfirsichblättrigen Glockenblume (Campanula persicifolia). Die Männchen werden deshalb von der Glockenblume magisch angezogen. Sie besuchen aber irrtümlich das Rote Waldvögelein, das früher blüht und für Bienenaugen eine identische Farbe aufweist.  BW

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Orchidaceae

Cephalanthera damasonium (Mill.) Druce Weisses Waldvögelein Mehrjährige Krautpflanze, 20–50 cm hoch. Stängel mit länglich-eiförmigen, umfassenden, ungefalteten Blättern. Blüten gelblich-weiss, Lippe vorne gelb. Blüht VI. Wächst in schattigen Wäldern. Kollin-montan. Verbreitet im europäischen Raum. Die Art ist ausser im Engadin und im Nordtessin in der ganzen Schweiz anzutreffen. Im tiefen Schatten von Buchenwäldern und Laubmischwäldern ist die Art im ganzen Kanton weit verbreitet und in 60 % der Flächen nachgewiesen. Diese Orchidee wächst stellenweise auch im Siedlungsgebiet unter alten Buchen, z. B. auf Schulhausarealen oder Friedhöfen. Sie tritt meist einzeln oder in kleinen Gruppen auf, lokal auch zahlreicher. Ihre Verbreitung hat sich seit 1900 kaum verändert. Verbreitet. !

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Ökologie !

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Die Art ist autogam, das heisst, sie befruchtet sich selber, indem die Pollinien sich aus den Pollenfächern lösen und auf die klebrige Narbe fallen. Die Selbstbestäubung erklärt auch, weshalb die Blüten sich kaum öffnen, da sie keine Besuche von Insekten benötigen.  BW

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Cephalanthera longifolia (L.) Fritsch Langblättriges Waldvögelein

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Mehrjährige Krautpflanze, 20–50 cm hoch. Blätter lineal-lanzettlich gefaltet und zweizeilig angeordnet. Blütenstand langgestreckt mit bis zu 40 rein weissen Blüten. Blüht V–VI. Wächst in lichten Eichen-, Buchen-, Föhrenund Laubmischwäldern. Kollin-montan. Eurasiatische Art. In der ganzen Schweiz vorkommend, ausser im Engadin. Diese lichtbedürftige Charakterart des Orchideen-Buchenwaldes ist im ganzen Kanton verbreitet. Sie zeigt deutliche Verbreitungsschwerpunkte in den Regionen Irchel, Tösstal und Albis. Aktuell ist sie in 41 % der Flächen bestätigt. In 16 Flächen konnte die Art seit 2000 nicht mehr nachgewiesen werden, insgesamt hat sich ihre Verbreitung seit 1900 jedoch wenig verändert. Verbreitet. !

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Ökologie Die Lippenoberseite ist mit einer Schicht eines pollenähnlichen, gelben Pulvers bedeckt (Pseudopollen), wodurch Bestäuber angelockt werden. Zwar bietet die Art keinen Nektar an, doch können die Insekten sich an den stärkehaltigen Pseudopollen gütlich tun.  BW


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Orchidaceae

Epipactis atrorubens Besser Braunrote Stendelwurz Mehrjährig, 20–80 cm hoch. Stängel oben dicht flaumig behaart und purpur überlaufen. Blätter zahlreich, eiförmig, oft sichelförmig gebogen, dunkelgrün, unterseits purpur überlaufen. Langgestreckter Blütenstand mit bis zu 40 locker stehenden, dunkel purpurroten Blüten, diese duften nach Vanille. Lippe 2-gliedrig, Vorderlippe mit runzligen Wülsten. Blüht VI–VIII. Pflanze lichter Wälder. Kollin-subalpin. Verbreitet im eurasiatischen Raum. In der ganzen Schweiz vorkommend. Die Art wurde im Kanton aktuell in einem Drittel der Flächen, ins­ besondere auf den Hügelzügen, gefunden. Am Standort tritt sie meist spärlich, selten ziemlich zahlreich auf. Vermutlich war sie um 1900 weiter verbreitet als heute, doch hierzu fehlen fundierte Angaben. Verbreitet. ! !

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Ökologie Diese Orchideenart besiedelt Rutschhänge, frisch geschlagene Böschungen oder abhumusiertes Gelände in wenigen Jahren, allerdings nur auf kalkhaltigem Boden. Da sie viel Licht und Wärme braucht, verschwindet sie bei aufkommendem dichtem Wald wieder.  BW

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Epipactis palustris (L.) Crantz Sumpf-Stendelwurz

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Mehrjährig, 20–70 cm hoch. Stängel oben flaumig behaart. 4–8 Blätter, dunkelgrün, länglich lanzettlich, rinnig, stark geadert. Lockerer Blütenstand mit bis zu 20 lang gestielten, grossen, weissen Blüten. Lippe 2-gliedrig mit beweglichem Gelenk zwischen rot geaderter Hinterlippe und weisser Vorderlippe mit gelben Wülsten am Grunde. Lang gestielter Fruchtknoten, flaumig behaart. Blüht VI–VII. Feuchtgebietspflanze. Kollin-montan. Verbreitet im eurasia­ tischen Raum. In der ganzen Nordschweiz in Sumpfwiesen vorkommend, in den Alpen und der Südschweiz vereinzelt bis punktuell. Die relativ anspruchslose Art ist im ganzen Kanton in über der Hälfte der Flächen nachgewiesen und fehlt in den Gebieten mit intensiver Landwirtschaft. Sie kann am Fundort spärlich bis sehr zahlreich auftreten. Ha­ bitatverluste haben ihre Verbreitung seit 1900 reduziert. Lokal häufig. !

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Morphologie Die Lippe wird durch Beugung des Fruchtknotens nach hinten gekippt, nicht durch Drehung des Fruchtknotens um 180 Grad, wie bei den meisten Orchideenarten.  BW


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Orchidaceae

Epipactis microphylla (Ehrh.) Sw. Kleinblättrige Stendelwurz Mehrjährig. 15–45 cm hoch. Stängel dünn, oben dicht graufilzig behaart. Blätter 3–12, auffallend klein, nur halb so lang wie die Stängelglieder, schmal, oft violett überlaufen. Blütenstand locker- und armblütig, kleine, nickende, wenig öffnende Blüten. Diese blaugrün, oft violett angehaucht. Blütenblätter aussen kraus behaart. Lippe 2-gliedrig, Vorderlippe grünlich bis rötlich weiss, mit länglicher Mittelleiste und runzelig-warzigen Höckern. Blüht VI–VII. Waldpflanze. Kollin-montan. Verbreitet in Mittel- und Südeuropa. In der Schweiz hauptsächlich im Jurabogen und im Alpenrheintal, sonst vereinzelt. Die Art wurde im Kanton vor 2000 in vier und auch seit 2000 nur in sechs Flächen von der Limmat bis zum ­Irchel nachgewiesen. Baumann hat die Art einmal in Rüschlikon gefunden. Sehr selten. Ökologie Die Art wächst nur auf kalkhaltigen Böden warmer Lagen, gerne an steilen, laubfreien Böschungen in trockenen, unterwuchsarmen Buchen- und Laubmischwäldern.  BW

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Epipactis helleborine (L.) Crantz Gewöhnliche Breitblättrige Stendelwurz Mehrjährig, 30 –100 cm hoch. Schlanke, an sonnigen Standorten kräftige Pflanze mit zahlreichen eiförmigen, stark geaderten Blättern. Langgestreckter Blütenstand mit zahlreichen Blüten, diese weit öffnend, sehr variabel in der Farbe, von weisslich-grün bis dunkelrosa, meist rot oder violett überlaufen. Lippe 2-gliedrig, hinten als dunkelbraune Schüssel, vorne mit zurückgekrümmter Spitze, am Grunde mit zwei Höckern. Blüht VII–IX. Waldpflanze. Kollin-subalpin. Verbreitet im eurasiatischen Raum. In der ganzen Schweiz vorkommend. Die Art ist im Kanton weit verbreitet und seit 2000 in 50% der Flächen nachgewiesen. Aus der Zeit vor 1931 liegen nur aus vier Flächen Nachweise vor, was wohl darauf hindeutet, dass diese häufige Art nicht herbarisiert wurde. Am Fundort tritt sie zerstreut auf, stellenweise auch zahlreich. Verbreitet. !

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Taxonomie Das Aggregat E. helleborine aggr. umfasste früher auch andere Sippen wie E. muelleri, E. distans und weitere, welche heute als Arten abgetrennt werden.  BW


Orchidaceae

Epipactis muelleri Godfery Müllers Breitblättrige Stendelwurz Mehrjährig, 20–90 cm hoch. Stängel hellgrün, oben filzig behaart, schwach wellig gebogen. Blätter lang zugespitzt, sichelförmig gebogen und randlich gewellt. Länglicher Blütenstand mit bis zu 40 nickenden, gelblich grünen Blüten. Lippe 2-gliedrig, Hinterlippe mit breitem Übergang zur Vorderlippe, diese hellrosa oder grünlich-weiss und breit herzförmig, zudem meist zurückgebogen und mit arttypischer Mittelleiste. Blüht VI–VIII. Pflanze lichter Wälder; auf Kalk. Kollin-montan. Mittel- und südeuropäische Art. In der Schweiz hauptsächlich im Jurabogen, sonst zerstreut. Die Art konnte im Kanton vor 1931 nicht nachgewiesen werden. Allerdings ist sie ab 2000 in 30 Flächen (13 %) über den ganzen Kanton verstreut gefunden worden. Am Fundort tritt sie nur spärlich auf. Selten. Taxonomie Die Art wurde 1921 beschrieben, aber lange Zeit nur als Unterart oder Varietät von E. helleborine behandelt. Der Erstnachweis von E. muelleri aus dem Kanton erfolgte 1990 im Horgenberg (AGEO-Datenbank).  BW

Epipactis leptochila (Godfery) Godfery Schmallippige Breitblättrige Stendel­wurz Mehrjährig. 20–70 cm hoch. Stängel relativ dünn, oben leicht behaart. Blätter 3–6, hellgrün, oft schlaff herabhängend, schmal eiförmig. Blütenstand locker mit bis zu 30 nickenden Blüten, vielfach nicht öffnend (kleistogam). Blüten grünlich, manchmal leicht rötlich überlaufen. Blüht VII–VIII. Waldpflanze schattiger, unterwuchsarmer Buchenwälder. Kollin-montan. Pflanze des europäischen Laubwaldes. In der Schweiz hauptsächlich im Jurabogen und in der westlichen Landeshälfte, in weiten Teilen fehlend. Im Kanton wurde die Art bisher in einem einzigen Exemplar in der Gemeinde Fischenthal in Steg-Äsch auf 770 m ü.M. (AGEO-Datenbank) gefunden. Das Vorkommen liegt etwa 50 Kilometer von den nächsten Vorkommen im schaffhausischen Randen entfernt. Funde bei Birmensdorf und Irchel betreffen subsp. neglecta. Sehr selten. Taxonomie Die Unterart E. leptochila subsp. neglecta wurde früher als eigene Art beschrieben. Sie ist im Kanton an der Lägern, am Irchel und in der Gemeinde Birmensdorf an vier Fundorten nachgewiesen.  BW

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Orchidaceae

Epipactis purpurata Sm. Violette Stendelwurz Mehrjährig. 20–80 cm hoch. Stängel dick, violett überlaufen, oben graufilzig behaart. Blätter eher klein, beim Austrieb dunkelviolett, später graugrün. Blütenstand länglich, reichblütig. Blüten grünlich-weiss, schwach violett überlaufen, weit öffnend, leicht hängend, Lippe 2-gliedrig. Blüht VII–VIII. Pflanze schattiger, frischer Laub­ mischwälder auf kalkhaltigen, tiefgründigen Böden. Kollin-montan. Mitteleuropäische Art. In der Schweiz nördlich einer Linie Montreux-Luzern-Vaduz vorkommend. Die Art ist in weiten Teilen des Kantons verbreitet und seit 2000 in 44 % der Flächen nachgewiesen. Lücken bestehen z. B. im Glatttal und im Weinland. Vor 1931 war sie aus acht Flächen bekannt, wurde aber wohl wegen der späten Blütezeit übersehen. Die Art tritt am Fundort einzeln, aber auch ziemlich zahlreich auf. Verbreitet. ! !

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Ökologie

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Hauptbestäuber dieser Art sind Feldwespen, die vom reichlichen Nektar naschen. An heissen Augusttagen vergärt der Nektar zu Alkohol, was die Wespen betrunken macht, sodass sie im Zickzack fliegen.  BW

Limodorum abortivum (L.) Sw. Dingel Mehrjährig, 20–80 cm hoch. Stängel kräftig und dick, blauviolett, spargelartig, mit Blattschuppen. Blütenstand langgesteckt und reichblütig, Blüten gross, violett, Kelchblätter länglicheiförmig, die seitlichen zurückgeschlagen, Kronblätter schmal-lanzettlich. Lippe 2-gliedrig, Vorderlippe mit violetten Längsrillen, Sporn lang, ­abwärts gerichtet. Blüht V–VI. Pflanze warmer Föhren- und Flaumeichenwälder. Kollin-montan. Mediterrane Art. In der Schweiz verbreitet im Wallis, in der Westschweiz und am Jurasüdfuss, lokal im Tessin, Aargau und Graubünden. Im Kanton wurde die Art um 2009 erstmals im Rahmen von Artenschutzmassnahmen angepflanzt. Seither konnte sie sich in den Gemeinden Eglisau, Glattfelden und Hüntwangen in drei Flächen halten. Die Art tritt an ihren Fundorten nur spärlich auf. Sehr selten. Ökologie Der Dingel ist sehr wärmebedürftig und öffnet seine Blüten nur bei warmem Wetter. Bestäuber sind grössere Wildbienen. In trockenen Jahren kann er unterirdisch blühen und führt dann Selbstbestäubung aus.  BW


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