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Luc Semal
Ăœbersetzung Ulrike Kirrsch
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Gegen Ende des Jahres 2008 nahm die Idee für das vorliegende Buch Gestalt an, fünf Jahre später kam sie zur Vollendung. Viele Menschen halfen in materieller oder intellektueller Hinsicht bei der Realisierung dieses Projekts, und der Autor möchte insbesondere folgenden Personen danken: Frédéric Lisak, Laura Puechberty und dem gesamten Team des Verlags Editions Plume de Carotte, die bei der Konkretisierung dieses Werks halfen; Ate-Alma Cohen, René Dekker, Frans Verburgt, Marinus Hoogmoed und den anderen Mitgliedern des Naturkundemuseums Naturalis in Leiden, die ihre Sammlungen mit großem Enthusiasmus zur Verfügung stellten; Bruno Villalba und Caroline Lejeune für ihren unermüdlichen Beistand; und, wie immer, Mathilde Szuba.
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Text: Luc Semal Fotos: Yannick FouriĂŠ
Haupt NATUR
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1. Auflage 2014 Die französische Originalausgabe erschien 2013 bei Editions Plume de Carotte unter dem Titel Bestiaire disparu. Histoire de la dernière grande extinction Copyright © Editions Plume de Carotte, 2013 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
ISBN 978-3-258-07873-1 Alle fotografierten Tiere stammen aus der Sammlung des Naturalis Biodiversity Center, NL-Leiden. Sämtliche Fotografien wurden mit ausdrücklicher Genehmigung des Museums Naturalis in diesem Buch abgedruckt. Layout: Geneviève Démereau Fotografien: Yannick Fourié Projektleitung: Laura Puechberty Aus dem Französischen übersetzt von Ulrike Kirsch, D-München Satz der deutschsprachigen Ausgabe: Verlag Die Werkstatt, D-Göttingen
Alle Rechte vorbehalten. Copyright © 2014 der deutschsprachigen Ausgabe: Haupt Bern Jede Art der Vervielfältigung ohne Genehmigung des Verlages ist unzulässig. Printed in Germany www.haupt.ch
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Auf Entdeckungsreise im Naturkundemuseum Naturalis Das Naturalis Biodiversity Center ist ein beliebtes Museum für die ganze Familie. Mit über 250 000 Besuchern im Jahr gehört es zu den zehn am häufigsten besuchten Museen in den Niederlanden. Darüber hinaus ist es ein internationales Forschungszentrum. Mehr als 120 Wissenschaftler arbeiten an rund 200 Forschungsgegenständen und befassen sich Tag für Tag mit den Themen Biodiversität, Natur und Evolution, beschreiben sie, machen sie verständlich und lehren sie. Dabei können Museum und Forschungszentrum auf eine Sammlung von 37 Millionen Pflanzen, Tiere, Fossilien und Mineralien zurückgreifen, die im Laufe der Jahrhunderte zusammengetragen wurden. Schwerpunkt des Museums ist das Thema Biodiversität, das es einem breiten Publikum zugänglich machen möchte. Im Naturalis Biodiversity Center werden Lehre und Forschung an einem inspirierenden, mit hochwertigen Sammlungen bestückten Ort kombiniert. Warum werden hier Tiere, Pflanzen und Fossilien erforscht? Das Naturalis Biodiversity Center kooperiert eng mit den Universitäten in Leiden, Amsterdam und Wageningen, um die Forschungsarbeit und praktische Ausbildung für Studierende zu erleichtern. Wozu dient die Erforschung der Biodiversität? Jedes gut erhaltene Fossil, Skelett oder Exemplar gibt uns wertvolle Hinweise zur Evolution und zur Rolle und Funktion, die Organismen in der Ökologie spielen, und trägt so ein wenig zum Erhalt der Arten bei. Denn nicht nur der Klimawandel bedroht die biologische Vielfalt, auch direkte Eingriffe des Menschen stellen Gefahren dar. Darüber hinaus können sich bislang unbekannte Spezies als wichtige Komponenten zur Herstellung neuer Medikamente erweisen. Und dank der Forschungsarbeit können wir leichter herausfinden, welche Arten vom Aussterben bedroht sind. Ohne Forschung und ohne Wissen ist die Biodiversität in Gefahr – und mit ihr unsere eigene Zukunft.
• ERKUNDUNG VON VERGANGENHEIT UND GEGENWART Einige der konservierten naturgeschichtlichen Exponate des Naturalis wurden von berühmten Forschungsreisenden im 18., 19. und 20. Jahrhundert zusammengetragen, wie etwa von Darwin, Wallace oder Kapitän James Cook. Diese Exemplare werden in den Sammlungen sehr sorgsam aufbewahrt. Aber auch etliche weniger bekannte Abenteurer bereicherten unsere Sammlungen mit außergewöhnlichen Geschichten, Reisejournalen, Skizzen und Stücken aus der Natur. Dieses Material gibt uns selbst heute noch Geheimnisse preis. Den Spuren der Naturforscher vergangener Jahrhunderte folgend, reisen die Wissenschaftler des Naturalis Biodiversity Center um die Welt, um die biologische Vielfalt zu erkunden.
• STUMME ZEUGEN Manche der von den damaligen Forschungsreisenden gesammelten Tier- und Pflanzenspezies sind inzwischen ausgestorben. Bisweilen sind die mitgebrachten Exemplare sogar die letzten ihrer Art, die man zwar noch im Naturalis-Museum bestaunen, aber nirgendwo mehr lebend auf dieser Erde sehen kann. Die in diesem Buch porträtierten Tiere sind stumme Zeugen menschlichen Tuns, das zu ihrem Verschwinden führte oder es zumindest förderte.
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Frans Verburgt und Ate-Alma Cohen bei den naturkundlichen Sammlungen des Naturalis.
Man könnte sich fragen: «Sind nicht alle Tierarten irgendwann zum Aussterben verdammt, auch ohne dass der Mensch auf diesen natürlichen Vorgang Einfluss nähme?» Mit der Zerstörung der Lebensräume mancher Arten hat der Homo sapiens zweifellos den natürlichen Prozess der Evolution weitgehend gestört. Durch den Einfluss des Menschen wurden manche Arten der Möglichkeit zur Evolution und zum Überleben beraubt. Mit dem Aufbewahren verlorener Spezies hält man dem Menschen stets vor Augen, wie sehr er die biologische Vielfalt beeinflusst. Gleichzeitig bewahrt man damit genetisches Material, mithilfe dessen ausgestorbene Arten vielleicht eines Tages wieder zu neuem Leben erweckt werden können und – warum nicht? – die Zukunft vorhergesagt werden kann. Wer weiß schon, welche Dienste diese Sammlungen uns eines Tages noch leisten können? Mein Lieblingsstück aller Naturalis-Sammlungen ist der Gesellschaftsläufer (Prosobonia leucoptera), und das gleich aus mehreren Gründen. Zum einen handelt es sich um das einzige Exemplar der Welt. Zum anderen wurde der Vogel 1773 auf Tahiti gefangen, auf der zweiten Reise des Kapitäns James Cook, dessen Abenteuer ich als kleiner Junge las. Auf einer Reise nach Tahiti hatte ich Gelegenheit, den Ort zu besichtigen, an dem der Vogel gefangen wurde, und mir wurde bewusst, dass dies einst sein Lebensraum war, in dem er umherflog, nach Nahrung suchte und wahrscheinlich auch sein Nest baute. Und schließlich stellte man 2012, also 239 Jahre nachdem man ihn gefangen hatte, anhand einer Analyse der von seiner Kralle stammenden DNA fest, dass er sehr eng mit einer noch lebenden Spezies verwandt ist, dem Kleinschnäbligen Südseeläufer. So geben verschwundene Arten als stumme Zeugen manchmal noch immer Geheimnisse preis. Dr. René Dekker, Direktor der Sammlungen des Naturalis Biodiversity Center
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KLEINE EREIGNISSE – GROSSES ARTENSTERBEN
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unter einen Hut zu bringen. Und schließlich ist die Ausrottung des Baiji, die niemand herbeiwünschte, dennoch der Verantwortung des Menschen zuzuschreiben – als eine Art «Kollateralschaden», der billigend in Kauf genommen wurde, denn Wissenschaftler hatten die Entscheidungsträger vor der zunehmenden Zerstörung des Flusshabitats gewarnt. Doch nicht nur Ignoranz und Ohnmacht spielten eine Rolle. Die Ausrottung war auch die sträfliche Konsequenz einer langen Reihe von Entscheidungen, die im Großen und im Kleinen getroffen wurden und in ihrer Gesamtheit mit der Existenz wild lebender Baijis nicht vereinbar waren. Was haben wir mit dem Baiji verloren? Auf alle Fälle wurde die Welt um ein bemerkenswertes Lebewesen ärmer, an dem wir uns nicht mehr erfreuen können. Umweltethiker würden dem wohl hinzufügen, dass die Spezies um ihrer selbst willen ein Recht auf Leben hatte. Biologen beklagen mit dem Verlust des Flussdelfins wahrscheinlich vor allem den Verlust einer außergewöhnlichen Art, die für die Wissenschaft einen besonderen Wert besaß, um die Mechanismen der Evolution besser zu verstehen. Wirtschaftswissenschaftler gehen sicherlich mehr von der praktischen Warte aus und sehen darin den Wegfall einer potenziellen Ressource, wenn auch vielleicht nur im Tourismusbereich. Es gibt zahlreiche verschiedene und mitunter auch einander widersprechende Gründe, den Untergang des Baiji zu bedauern. Problematisch aus ökologischer Sicht ist jedenfalls auch, dass die Ausrottung des Baiji kein Einzelfall ist, sondern sich global in eine zeitlich lange Reihe von Verlusten an biologischer Vielfalt fügt, die durch menschliche Eingriffe beschleunigt wurden. Das Ende des Baiji ist nur ein winziges Steinchen in einem großen Mosaik: dem sechsten Massensterben der Arten.
m Jahr 2006 fuhr eine Gruppe internationaler Teilnehmer den Jangtse hinab, um an Bord eines Forschungsschiffes den Baiji oder Chinesischen Flussdelfin zu suchen. Diese Delfinart kam nur im Jangtse vor und begründete in früheren Zeiten viele Mythen der Region. Das Vorkommen des Baiji war sicherlich nie besonders groß, dennoch hatte er mehrere Jahrtausende überlebt. Aber am Ende des 20. Jahrhunderts sah alles anders aus: Seine Anzahl war drastisch gesunken, vor allem als Folge der Lebensraumzerstörung durch industrielle Entwicklung in Flussnähe: Wasserverschmutzung, erhöhter Schiffsverkehr, Bau von Dämmen etc. Die Wissenschaftler mussten erkennen, dass der Baiji nicht nur eines der seltensten großen Säugetiere geworden war, sondern auch am Rande der Ausrottung stand. Sogleich suchte man nach Möglichkeiten zur Finanzierung und Entwicklung von Schutzprogrammen, um die Spezies entweder in ihrer natürlichen Umgebung oder in Gefangenschaft zu erhalten. Doch die wenigen Chinesischen Flussdelfine in menschlicher Obhut starben, ohne Nachwuchs zu hinterlassen. Unterdessen ging die industrielle Entwicklung am Jangtse ungehindert weiter. So war die Expedition von 2006 auch ein fast verzweifelter Versuch, die letzten Baijis aufzuspüren, um sie zu retten. Vergebens. Man fand keinen einzigen, die Art war verschwunden. Der Verlust des Baiji ist in mehrfacher Hinsicht symbolträchtig. Zum einen starb mit ihm die erste große Säugetierart nach dem Verschwinden der letzten Karibischen Mönchsrobben in den 1950er-Jahren aus. Zum anderen ereignete sich der Untergang der Spezies in einer der dynamischsten Industrieregionen der Welt, was einmal mehr die Schwierigkeit unterstreicht, wirtschaftliche Entwicklung und Artenschutz 6
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Das sechste Massensterben der Arten
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eit Abermillionen von Jahren, in denen es Leben auf der Erde gibt, kommen und gehen die Arten. Diese natürliche Abfolge von Lebensformen ist durch Evolution und Diversifizierung bedingt. In der Regel geht dieser Vorgang extrem langsam über einen Zeitraum von Jahrmillionen vonstatten und betrifft in einem Jahrhundert stets nur eine Handvoll Spezies. Durchschnittlich nur eine Wirbeltierart stirbt bei «natürlicher» Rate in einem Jahrhundert aus, wie man anhand paläontologischer Daten berechnen konnte. Im Laufe der letzten 100 Jahre sind dagegen etwa 260 Wirbeltierarten aufgrund menschlicher Aktivitäten verschwunden. Mit anderen Worten, das Tempo, mit dem Arten gegenwärtig verloren gehen, hat nichts mehr mit einem «natürlichen» zu tun, das man erwarten dürfte. Das Ausmaß des beschleunigten Aussterbens bleibt zwar umstritten, aber wenn man alle Spezies zusammennimmt, könnte die aktuelle Artensterberate viele Dutzend Male höher sein als die natürliche. Fünfmal bereits hat unser Planet ein Artensterben in ähnlichem Ausmaß erlebt. Paläontologen sprechen von den fünf «Massenaussterbeereignissen», um Zeiträume zu bezeichnen, in denen die Vielfalt von Lebensformen in Rekordzeit drastisch schrumpfte. Das letzte große Massensterben ereignete sich vor 65 Millionen Jahren: Ein in den Golf von Mexiko eingeschlagener kolossaler Meteorit
und möglicherweise auch gigantische Vulkaneruptionen in Indien als zusätzliche Faktoren läuteten nicht nur das Ende der Dinosaurier ein, sondern auch das zahlreicher anderer Lebensformen auf unserem Planeten. Manche Spezies wurden sicherlich auf einen Schlag ausgelöscht, andere wiederum verschwanden im Laufe der nachfolgenden Jahre und Jahrhunderte in gleichbleibendem Rhythmus. Die Ökosysteme entwickelten neue Strukturen, die Diversifizierung der Lebewesen nahm erneut ihren Lauf, doch in der Zwischenzeit waren zahlreiche Arten und Familien ausgestorben. Nach Richard Leakey und Roger Lewin stützt das derzeit rasante Artensterben die Hypothese, wonach für das sechste Massenaussterben erstmals nicht klimatische oder geologische Ereignisse Auslöser sein sollen, sondern vielmehr die explosionsartige Zunahme einer dominanten Spezies in nur wenigen Jahrtausenden, also einem winzigen Augenblick aus ökosystemischer Perspektive. Natürlich ist damit die Spezies Mensch gemeint, der alle bewohnbaren Kontinente besiedelte und sie landwirtschaftlich und industriell erschloss. Die territoriale Expansion und das fast überall vorherrschende gewinnorientierte Denken des Menschen haben den Schwund zahlreicher Tierarten beschleunigt … ein Phänomen, das sich im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte definitiv verstärkt hat.
Katastrophenphänomen
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ie Hypothese des sechsten Massensterbens der Arten zeigt, dass wir es nicht mit einem immerwährenden Problem in der Geschichte der Menschheit zu tun haben, das sich jeder anderen früheren Gesellschaft gestellt hätte. Vielmehr handelt es sich um ein Problem in einem seit 65 Millionen Jahren beispiellosen Ausmaß, das sich in der Geschichte der Menschheit noch nie stellte und letztlich unser menschliches Fassungsvermögen übersteigt. Denn selbst
wenn das Artensterben im Vergleich mit einem Menschenleben als allmählich zunehmend erscheint, so kommt es mit Bezug auf das Leben an sich einer Katastrophe gleich. «Katastrophe» bedeutet in diesem Zusammenhang eine abrupte Unterbrechung, eine radikale Trennung zwischen «vorher» und «nachher», die wir kaum wahrnehmen können, weil wir zu nahe dran sind. Als Individuen sind wir einem Alltag verhaftet, der es uns nicht erlaubt, die Realität des sechs7
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ten Massenaussterbens zu begreifen. Für uns, die wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts leben, waren Dodo oder Mammut schon immer ausgestorbene Arten. Nur in der Literatur und in wissenschaftlichen oder künstlerischen Werken werden wir daran erinnert, dass Menschen diesen Lebewesen einst begegneten. Ebenso gehören Tiger für uns zu den Tieren, die schon immer am Rande der Ausrottung standen, mit unseren Sinnen können wir es nicht erfassen, wenn ihre Bestände von Jahrzehnt zu Jahrzehnt dahinschwinden. Zwar sterben die Arten jetzt schneller aus, dennoch bleibt es ein im Wesentlichen schleichendes Phänomen, das wir nicht wirklich sehen können. Wir müssen sozusagen lernen, das Problem des gegenwärtig offenbar stattfindenden Massenaussterbens zu begreifen. In einer eindrücklichen Studie zum Thema hat der Philosoph Julien Delord die Gründe vorgebracht, warum uns dieses Lernen offenbar so schwerfällt. Während der Begriff der «Art» als eine auf globaler Ebene verständliche anthropologische Konstante betrachtet werden kann, ist der des «Aussterbens einer Art» nicht unmittelbar greifbar. Jahrhundertelang, also schon zu Zeiten, als Arten verschwanden, sorgten etliche intellektuelle Hindernisse – etwa epochenabhängige Vorstellungen über die Natur oder manche religiöse Dogmen – dafür, dass dieser Vorgang bei unseren Vorfah-
ren nur langsam ins Bewusstsein drang. Erst im 16. Jahrhundert wurde die wissenschaftliche Hypothese des Artensterbens endlich klar formuliert, erst im 19. Jahrhundert wurde sie in Gelehrtenkreisen konsensfähig. Und bis zum späten 20. Jahrhundert musste man warten, bis Wissenschaftler dem ungeheuren Ausmaß des stattfindenden Massenaussterbens ins Auge blickten, das man nur ganz allmählich in groben Umrissen verstand. Es gibt also ein kollektives Lernen in dieser Sache, wenngleich ein sehr langsames. Das Verschwinden einer Spezies könnte auch jeweils isoliert als kleine Tragödie betrachtet werden, die zwar bedauerlich, aber ohne große Bedeutung ist. Denn im Hinblick auf ein Menschenleben sind Aussterbeereignisse selten und scheinen in unserem Alltag nicht viel zu verändern. Daher möchte das vorliegende Buch mithilfe von 69 Porträts ausgestorbener oder fast ausgestorbener Tiere den systematischen Charakter des sechsten Massensterbens der Arten spürbar machen. Die Sammlung kleiner Ereignisse in chronologischer Reihenfolge soll auf das größere Ereignis hinweisen, das gerade voll im Gange ist, das schon vor unserer Geburt existierte und das wahrscheinlich auch über unseren Tod hinaus andauern wird: die massive Destabilisierung der biologischen Vielfalt auf der ganzen Erde.
Artensterben und Biodiversität
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tät» kann sich sowohl auf die weltweiten Ökosysteme beziehen als auch auf die Arten in einem Ökosystem oder auch auf die Unterarten und Individuen innerhalb einer Art. Das Aussterben einer Spezies ist in der Regel nur das Ergebnis eines längeren Prozesses, im Laufe dessen eine lokale Population nach der anderen verschwindet, bis auch die letzte verloren ist. Nicht nur das Aussterben einzelner Arten, sondern jeder Verlust einer Population oder Unterart trägt zum generellen Schwund der biologischen Vielfalt bei. Die hier vorgestellten 69 Porträts zeigen lediglich einen kleinen Ausschnitt des sich gegenwärtig im Gange befindlichen Massenausster-
ie in diesem Buch porträtierten verschwundenen Tiere wurden aus den Sammlungen des Naturkundemuseums Naturalis im niederländischen Leiden ausgewählt. Bei den meisten handelt es sich um ausgestorbene Arten, bei manchen um ausgestorbene Unterarten, und manche werden gar nicht mehr als gültige wissenschaftliche Taxa anerkannt, wie etwa der Kaplöwe und das Burchell-Zebra. Sie werden hier dennoch vorgestellt, weil ihr Verlust zum einen von den Forschern als Aussterben miterlebt wurde und sich zum anderen die Problematik des Biodiversitätsverlustes nicht auf das Verschwinden von Arten reduzieren lässt. Denn «Biodiversi8
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also die biologische Vielfalt insgesamt, auf die sich das Phänomen auswirkt. Aber der Mangel an Informationen und Erkenntnissen über die anonymen Verluste zeigt indirekt, wie weit wir noch entfernt davon sind, das in Worte zu fassen, was wir gerade erleben. Leider erleben wir fast alle dieses sechste Massenaussterben, wenn auch in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Bei der Klimaerwärmung spricht man mitunter von «gemeinsamer, aber unterschiedlicher Verantwortung». Der Biodiversitätsverlust lässt ein ähnlich diffuses Verantwortungssystem erahnen, in dem unendlich viele kleine Entscheidungen direkt oder indirekt zur Veränderung und Zerstörung von natürlichen Umgebungen und Habitaten beitragen. Abgesehen von dringend erforderlichen Schutzprogrammen besteht eine zunehmende Notwendigkeit, sich vom gewinnorientierten Denken loszusagen, weil es den tödlichen Prozess des sechsten Massenaussterbens beschleunigt. Notwendigkeit, weil sich am Horizont bereits eine Art Punkt ohne Wiederkehr abzeichnet, an dem die Destabilisierung der Biodiversität den Fortbestand unserer Gesellschaften gefährden würde, da der Zugang zu bestimmten lebenswichtigen Ressourcen, wie Ackerland, Trinkwasser, Fischereiressourcen, schwieriger wird … All dies, und nicht nur seine eigene Geschichte, erzählt uns der Baiji vom Jangtse.
bens. Es handelt sich dabei überwiegend um Säugetiere und Vögel, seltener um Reptilien und Amphibien. Das ist leider eine unvermeidliche Einseitigkeit bei allen Werken dieser Art, da die Beobachter nur diesen Wirbeltieren genügend Aufmerksamkeit schenkten und uns die Erinnerung daran in Form von Berichten und naturkundlichen Sammlungen hinterließen. Verschwindet ein Vogel oder Säugetier, wird dies von vielen beklagt und das Andenken an sie lebendig gehalten. Stirbt ein Fisch, eine Echse oder eine Kröte aus, stößt dies meist auf Gleichgültigkeit … Das ist schade, denn Amphibien beispielsweise gehören zu den am stärksten bedrohten lebenden Gruppen weltweit. Das Verschwinden von Weichtieren, Insekten und anderen Wirbellosen bleibt, bis auf sehr seltene Ausnahmen, dem breiten Publikum und sogar Wissenschaftlern verborgen. Man geht davon aus, dass zahlreiche Arten aussterben, noch bevor sie entdeckt und beschrieben werden, insbesondere aufgrund der Zerstörung von Wäldern und Feuchtgebieten. So bestreiten Vögel und Säugetiere den Großteil der dokumentierten Fälle des Artensterbens, obwohl sie nur die Spitze des Eisbergs sind. Insgesamt stellen Wirbeltiere nur einen winzigen Bruchteil der weltweiten Fauna dar (schätzungsweise 1 bis 5 % der Tierspezies). Und zu allen Wirbellosen, die lautlos verschwinden, kommen noch zahlreiche Pflanzen und Pilze hinzu, die von diesem Massensterben ebenfalls in großem Ausmaß betroffen sind. Es ist
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INHALT Auf Entdeckungsreise im Naturkundemuseum Naturalis . . . . . . . . . . 5 Kleine Ereignisse – großes Artensterben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Kapitel I ARTENSTERBEN in PRÄHISTORISCHER ZEIT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 Riesenbeutler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Höhlenbär. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 Riesenhirsch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Wollhaarmammut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Moas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Elefantenvogel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
Kapitel II FORSCHUNGSREISEN und KOLONIALISIERUNG (1681–1945) . . . . . . . . . . . . 27 Dodo . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gesellschaftsläufer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rodriguez-Riesenschildkröte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Blaubock . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Boninfink. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rabenstar. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Delalande-Seidenkuckuck . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gelbe Gallwespenschleiche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Riesenalk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Weissfusskaninchenratte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Brillenkormoran . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hopfstar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dünnschnabelnestor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gould-Maus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kaplöwe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sharpe-Ralle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Neuseelandwachtel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Labradorente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hangwachtel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Falklandwolf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Quagga . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kuba-Ara . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mamo . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Langschwänzige Australische Hüpfmaus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Martinique-Riesenreisratte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Piopio . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Japanischer Wolf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lappenhopf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Burchell-Zebra. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Weisswangenkauz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86
Wandertaube . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88 Kapverdischer Riesenskink . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 Karolinasittich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 Lord-Howe-Brillenvogel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 Paradiessittich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 Beutelwolf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Balitiger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 Javakiebitz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102 Berberlöwe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 Laysanralle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 Elfenbeinspecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
Kapitel III BESCHLEUNIGUNG und WIRTSCHAFTSWACHSTUM (1945 bis heute) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111 Rosenkopfente. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112 Japanischer Seelöwe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 Karibische Mönchsrobbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Kaiserspecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Türkisara . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120 Neuseelandschlüpfer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 Javatiger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124 Guam-Monarch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126 Fische Des Viktoriasees . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128 Eskimobrachvogel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130 Kauai-Krausschwanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132 Stummelfussfrösche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134 Pelzelnstar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136 Rubinkrönchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138 Nukupuu . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140 Dünnschnabel-Brachvogel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142
KAPITEL IV VARIANTEN und KONTROVERSEN . . . . 145 Javanashorn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sumatrahase. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auerochse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kakapo . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Spix-Ara . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kalifornischer Kondor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
146 148 150 152 154 156
Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Register. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bibliografie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Autorenbiografie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bildnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kapitel I
ARTENSTERBEN in PRÄHISTORISCHER ZEIT
D
ie Funde fossiler Knochen in den letzten 200 Jahren ermöglichten den Nachweis, dass bereits zu Zeiten, als man der Schrift noch nicht mächtig war, menschliche Einflüsse die Ursache für das Aussterben etlicher Tierspezies waren. Da Augenzeugen fehlen, sind es vor allem Paläontologen, die helfen können, die genauen Hergänge zu klären, auch wenn vieles offenbleibt. Starben Mammuts und die übrige Fauna in Europa aus der Eiszeit aus, weil sie zu stark bejagt wurden, oder spielten auch Klimaveränderungen eine Rolle? Hierauf gibt es keine Antwort. In vielen anderen Fällen dagegen folgten kurz nach der Ankunft des Menschen in neuen Gebieten Wellen des Aussterbens: vor rund 45 000 Jahren in Australien, vor etwa 12 000 Jahren höchstwahrscheinlich auch in Nord- und Südamerika und vor weniger als einem Jahrtausend in Madagaskar und Neuseeland, zwei Inselregionen, in denen zahlreiche endemische Arten lebten. In diesem Kapitel werden einige dieser frühzeitig ausgestorbenen Tiere vorgestellt, von denen wir nur annähernd wissen, wie sie aussahen, und deren Verschwinden in gewisser Weise das sechste Massensterben der Arten einläutete.
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RIESENBEUTLER Diprotodon optatum, Säugetiere (Mammalia), Diprotodontia, Diprotodontidae • Größe: ca. 3 m lang, 2 m Schulterhöhe • Vor ca. 45 000 Jahren ausgestorben • Einst in Australien endemisch • D. optatum war die größte von mehreren beschriebenen Diprotodon-Arten.
Riese unter australischen Riesen
S
eit dem 19. Jahrhundert wurden in Australien fossile Knochen von mehreren Tierriesen entdeckt, die für Überraschung sorgten. Manche glichen zeitgenössischen Exemplaren, waren aber um einiges größer: so etwa der schafgroße Riesen-Ameisenigel oder imposante Beuteltiere wie zum Beispiel Kängurus, die über zwei Meter Höhe erreichen konnten. Andere wiederum wiesen überhaupt keine Ähnlichkeit mit bekannten Tieren auf und besitzen anscheinend bis zum heutigen Tag keine Artverwandten. Dazu zählt der Beutellöwe Thylacoleo carnifex sowie mehrere riesige pflanzenfressende Beuteltiere, die Diprotodonten, deren größter Vertreter die ungefähr rhinozerosgroße Spezies Diprotodon optatum war. Diese heute unter dem Namen der «australischen Megafauna» gruppierten Kolosse waren und sind Gegenstand einer der lebhaftesten wissenschaftlichen Kontroversen, die Australien in den letzten Jahrzehnten erlebt hat. Zentrale Fragen dabei sind, wie und warum diese Giganten vor Zehntausenden von Jahren vollständig verschwanden. Lange Zeit schrieben die meisten Wissenschaftler dieses kollektive Aussterben einem Klimawandel zu, der den australischen Kontinent
allmählich ausgetrocknet und dabei die größten Spezies ausgelöscht haben soll, da diese sich in der Regel nicht schnell genug anpassen können. Andere tendierten zu der ebenfalls nur schwer belegbaren Hypothese, dass all diese Riesen von den ersten australischen Ureinwohnern bis zur Ausrottung bejagt wurden. Die Theorie, dass der Mensch der Hauptverursacher war, wird seit den 1960er-Jahren durch verbesserte Methoden zur Datierung fossiler Überreste gestützt. So ist die gesamte australische Megafauna anscheinend vor rund 45 000 Jahren verschwunden – zur gleichen Zeit, als die ersten Menschen den Kontinent besiedelten. Das bedeutet nun nicht, dass die Vorfahren der Aborigines ein ungeheures Gemetzel anrichteten, sondern vielmehr, dass sie so viele Exemplare erlegten, dass sie den Untergang der sich sehr langsam vermehrenden, also der größten, Tierarten beschleunigten: darunter auch die der Gattung Diprotodon. In seinen groben Umrissen scheint dieses Untergangsszenario immer mehr Akzeptanz zu finden, wobei die Details weiterhin heftig diskutiert werden. Die Kontroverse über das Ende der Diprotodon-Spezies ist noch lange nicht beendet. 14
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HÖHLENBÄR Ursus spelaeus, Säugetiere (Mammalia), Raubtiere (Carnivora), Großbären (Ursidae)
• Größe: bis 3,50 m Höhe in aufrechter Stellung auf den Hinterpfoten • Vor ca. 25 000 Jahren ausgestorben (anderen Quellen zufolge vor 10 000 Jahren) • Einst in Europa beheimatet • Verwandter des heutigen Braunbären.
Romanfigur
I
gleichsweise einfachere Gegner dar. Möglicherweise wirkte sich diese selektive Art der Jagd, auch vor dem Hintergrund einer wachsenden Bevölkerung, langfristig negativ auf die Fortpflanzung der Bären aus. Vor 25 000 Jahren waren die Höhlenbären aus einem Großteil ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets verschwunden. Dieser Zeitraum markiert ungefähr den Anfang des Höhepunkts der letzten Vereisung, des sogenannten letzten glazialen Maximums, also einen Zeitraum von mehreren Jahrtausenden, in denen weite Teile Europas von Eisschilden bedeckt waren. Wie für die meisten Tiere wurde es auch für Höhlenbären zunehmend schwieriger, Nahrung zu finden, und ihre Bestände schwanden möglicherweise aufgrund natürlicher Ursachen. Manche Forscher halten es aber für denkbar, dass die Konkurrenz mit der wachsenden Bevölkerung das Aussterben des Höhlenbären beschleunigte, und zwar zu einem Zeitpunkt, als dessen Bestände ohnehin schon durch den raschen Klimawandel geschwächt waren. Einer nicht unumstrittenen Hypothese zufolge sollen kleine Gruppen von Höhlenbären in abgelegenen Regionen weit länger überlebt haben und vielleicht sogar erst vor 10 000 Jahren ausgestorben sein.
n nahezu ganz Europa bis in den Westen Russlands fanden Archäologen Knochenreste Tausender riesiger Bären in Höhlen. Sie stammten vom Höhlenbären, der über mehrere Zehntausend Jahre hinweg in Koexistenz zunächst mit dem Neandertaler, während der letzten Eiszeit auch mit dem modernen Menschen lebte. Er verbrachte, ebenso wie viele der heutigen Bären, einen mehrmonatigen Winterschlaf in Höhlen. In dieser Zeit wurde er wahrscheinlich am häufigsten vom Menschen angegriffen, der gleichfalls Schutz in Höhlen suchte, um zu überleben. Die Vorstellung, unsere Vorfahren könnten diesen Giganten mit Holz- und Steinwaffen gegenübergetreten sein, übte auf Schriftsteller von Paläo-Fiction-Romanen eine starke Faszination aus. So wurde der Höhlenbär Anfang des 20. Jahrhunderts zur Symbolfigur in den Erzählungen des Autors J. H. Rosny aîné und später auch in den Romanen der amerikanischen Schriftstellerin Jean M. Auel. Die darin beschriebenen epischen Kämpfe beschönigen die Wirklichkeit vielleicht ein wenig, denn die Urmenschen legten sich mit den großen männlichen Vertretern dieser Art sicher nur sehr zögerlich an. Die deutlich kleineren und weniger gefährlichen Jungen und Weibchen hingegen stellten ver16
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RIESENHIRSCH Megaloceros giganteus, Säugetiere (Mammalia), Paarhufer (Artiodactyla), Hirsche (Cervidae) • Größe: bis zu 2 m Schulterhöhe • Vor ca. 7000 Jahren ausgestorben • Lebte einst in weiten Teilen Eurasiens • Alle der einst existierenden Megaloceros-Arten sind heute ausgestorben.
Kein Irischer Elch
A
ls sich die Protagonisten des Romans Die verlorene Welt von Arthur Conan Doyle durch einen Dschungel voller lebender Fossilien kämpfen, begegnen sie plötzlich einem imposanten hirschartigen Tier: «Einmal sahen wir durch eine Lücke in den Bäumen in einiger Ferne eine grüne Hügelschulter, über die ein großes, dunkelbraunes Tier galoppierte. […] Wäre es ein Hirsch, wie Lord John behauptete, dann wäre er ebenso groß wie die monströsen Irischen Elche, deren fossile Überreste bisweilen in den Torfmooren meiner Heimat ausgegraben werden.» Über Jahrzehnte hinweg hatte man in irischen Torfmooren unzählige fossile Geweihe von gewaltigem Ausmaß entdeckt, deren Form an Elchgeweihe erinnerte. Mitunter hingen größere Fundstücke mit einer Ausladung von mehr als drei Metern wie Jagdtrophäen an den Wänden der Salons irischer Adeliger. Aus kleineren Geweihen sollen Bauern gelegentlich Einfriedungen oder kleine Bachüberbrückungen gefertigt haben. Dieser beeindruckenden Ansammlung fossiler Überreste hat das Tier den Namen «Irischer Elch» zu verdanken, als ob es sich um eine ausschließlich im prähistorischen Irland vorkom-
mende Inselspezies gehandelt hätte. Doch sie war kein Elch und kam auch nicht nur auf der grünen Insel vor, sondern in weiten Teilen des eurasischen Festlands … Der vermeintliche «Irische Elch» erwies sich als Riesenhirsch, er war Sinnbild für die letzte Eiszeit und wurde wahrscheinlich von den Urmenschen in ganz Europa bejagt. Lange nahmen Wissenschaftler an, dass er aufgrund seines überdimensionalen Geweihs ausstarb, da es eine Flucht durch die Wälder erschwert haben soll. 1974 konnte der Paläontologe Stephen Jay Gould jedoch anhand eines Vergleichs mit dem Geweih heutiger Hirsche nachweisen, dass die Proportionen jeweils perfekt übereinstimmten. Genau genommen war der Riesenhirsch auch kein Waldbewohner, sondern lebte in den eiszeitlichen Steppen und Tundren. Er war an seine Umgebung also perfekt angepasst, und es werden wohl die durch die Erderwärmung hervorgerufenen tief greifenden Lebensraumveränderungen gewesen sein, die den Untergang der Spezies besiegelten. Die letzten Exemplare sollen vor etwa 7000 Jahren in Ostsibirien gestorben sein. Ob die Bejagung das Ende der letzten Bestände beschleunigt haben könnte, ist nicht mehr zu sagen. 18
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WOLLHAARMAMMUT Mammuthus primigenius, Säugetiere (Mammalia), Rüsseltiere (Proboscidea), Elefanten (Elephantidae)
• Größe: mitunter über 3 m Schulterhöhe • Vor ca. 4000 Jahren ausgestorben • Einst in Eurasien und Nordamerika beheimatet • Es existierten mehrere Mammutarten, darunter kleinwüchsigere Inselpopulationen.
Tiefgefroren im hohen Norden
J
ahrtausendelang lebten Mensch und Mammut nebeneinander. Die Menschen nutzten die Tiere als Fleischlieferanten, fertigten Elfenbeinskulpturen aus ihren Stoßzähnen und malten sie auf Höhlenwände. Mitunter dienten Knochen und Fell der Riesen auch als Baumaterial für menschliche Behausungen. Waren unsere Vorfahren also unerschrockene Mammutjäger? Das ist fraglich, denn vielfach mussten sie sich damit begnügen, eines natürlichen Todes gestorbene Tiere zu verwerten. Die Verletzungsspuren an manchen aufgefundenen Exemplaren könnten jedoch von Lanzen stammen und damit die Vermutung nahelegen, dass die Jäger der Urzeit es hin und wieder doch wagten, den Riesen nachzustellen. Vor allem den im Permafrost des hohen Nordens entdeckten tiefgefrorenen Mammutleichen ist es zu verdanken, dass die Art eine der bekanntesten der gesamten eiszeitlichen Megafauna ist. Während man oftmals nur anhand fossiler Überreste versuchen kann, die Ökologie damaliger Säugetiere zu verstehen, ermöglichten die Funde Dutzender Wollhaarmammuts jeden Alters, die seit dem späten 17. Jahrhundert im Dauerfrostboden von Sibirien und Alaska gemacht wurden, sehr viel genauere Erkenntnisse. So weiß man, wie sie
aussahen, etwa welche Farbe ihr Fell hatte, oder sogar, wie sich ihr Speiseplan zusammensetzte, weil sich bei einigen noch Spuren der letzten Mahlzeit im Magen befanden. Diese jahrtausendelang eingefrorenen Tiere haben den Mythos Mammut noch verstärkt, und der eine oder andere Forscher hofft, die Spezies durch Klonieren eines Tages wiederauferstehen zu lassen … Aber davon ist man noch weit entfernt, denn nach so langer Zeit im Eis hat die Qualität des Genmaterials stark gelitten. Manche vertraten die Ansicht, diese Tiere seien erst vor Kurzem ausgestorben, weil sie nicht glauben wollten, dass derart gut erhaltene Überreste Jahrtausende im Eis lagerten. In seiner Erzählung Das letzte Mammut lässt der Schriftsteller Jack London einen Jäger gar davon berichten, wie er das letzte seiner Art im späten 19. Jahrhundert in einer abgeschiedenen Region Russlands niederstreckte. In Wirklichkeit waren die meisten Wollhaarmammuts bereits vor 12 000 Jahren verschwunden. Ursachen dürften sowohl Bejagung als auch Lebensraumverlust gewesen sein. Eine letzte Population mit wenigen kleinwüchsigen Individuen überlebte weitere 8000 Jahre isoliert auf der russischen Wrangelinsel. Doch sie verschwand etwa zu dem Zeitpunkt, als die ersten Menschen dort eintrafen. 20
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MOAS Hier Emeus crassus, Vögel (Aves), Strauße (Struthioniformes), Moas (Dinornithidae) • Größe: 1 bis 3 m Höhe (artabhängig) • Wahrscheinlich zwischen 1400 und 1500 ausgestorben • Einst in Neuseeland endemische Arten • Man geht heute davon aus, dass etwa ein Dutzend verschiedene MoaArten existierten.
Knochenarbeit
1839
ihnen William Colenso. Dieser hatte von den Maori erfahren, dass in einer Höhle in einem nahe gelegenen Gebirge ein gigantischer Vogel leben soll: eine Art Riesenhahn mit menschlichem Antlitz namens Moa. Aber keiner der befragten Einheimischen schien ihn je mit eigenen Augen gesehen zu haben … Bei der Erkundung des Gebirges fand man Knochen, aber keinen lebenden Vogel. Immer mehr wurden zusammengetragen, da Colenso für Knochenfunde eine Belohnung ausgesetzt hatte. Schon bald stieß man in Grotten, Flussbetten und Gletscherspalten auf ganze Skelette und in den trockeneren Gebirgsregionen sogar auf einige natürlich mumifizierte Moas. An die Dutzend verschiedene Spezies konnten nun beschrieben werden. Doch entgegen allen Hoffnungen wurde kein einziges lebendes Exemplar entdeckt. Dafür fanden Archäologen unzählige Knochen in den Abfallresten der ersten menschlichen Siedlungen in Neuseeland und konnten somit nachweisen, dass Moas über mehrere Jahrzehnte hinweg in großem Maßstab bejagt worden waren. Aufgrund des sehr langsamen Fortpflanzungszyklus dieser Vögel dürften die Bestände rapide zusammengebrochen sein, sodass die letzten ihrer Art wohl im 15. Jahrhundert verschwanden.
erhielt der britische Paläontologe Richard Owen Besuch von einem Unbekannten, der ihn unbedingt sprechen wollte. Er sei gerade aus Neuseeland gekommen und wolle dem Experten ein überdimensionales Knochenfragment zeigen, das seiner Meinung nach von einem gewaltigen Vogel einer unbekannten und wahrscheinlich verlorenen Art stammen könne. Beim Anblick des Fundstücks soll Richard Owen das Ganze zunächst für einen Schwindel gehalten und sich beschwert haben, dass man ihm mit einem ordinären Rinderknochen die Zeit stehle. Doch der Besucher blieb hartnäckig, bis Owen sich schließlich bereit erklärte, den Fund zu untersuchen und ihn mit den Exemplaren aus der naturkundlichen Sammlung zu vergleichen. Am nächsten Morgen hatte der Wissenschaftler sein Urteil komplett revidiert und bestätigte dem Besucher, dass es sich um das Endstück eines Oberschenkelknochens einer sehr großen emu-artigen Spezies handele. Wie er seine Kollegen wissen ließ, war er davon überzeugt, dass in Neuseeland einst ein gigantischer Vogel gelebt habe und dass es dafür bald neue Beweise geben würde. Und so kam es auch. Bereits in den späten 1830er-Jahren hatten ähnliche Knochenreste das Interesse einiger neuseeländischer Einwanderer geweckt, unter 22
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REGISTER A
Felsschlüpfer, Xenicus gilviventris .................................122 Fisch des Viktoriasees, Haplochromis bareli .............128 Fledermaus ...................................................................126 Flusspferde, Madagaskar ................................................40 Frettchen ......................................................................126 Fuchs ........................................................................66, 74
Adler .............................................................................. 24 Amazone ........................................................................70 Ameisenigel ....................................................................14 Amsel .............................................................................36 Annam-Nashorn, Rhinoceros sondaicus annamiticus ...146 Apapane, Himatione sanguinea ......................................72 Aplonis fusca hulliana ....................................................94 Ara .................................................................................70 Auerochse, Bos primigenius ...............................145, 150
G
Gazelle ...........................................................................34 Gelbe Gallwespenschleiche, Celestus occiduus .........42 Gelbstirnara, Ara gossei ..................................................70 Gesellschaftsläufer, Prosobonia leucoptera ................30 Goldhähnchen ..............................................................138 Goldschultersittich, Psephotus chrysopterygius .............96 Gould-Maus, Pseudomys gouldii ............................54, 74 Guam-Fliegenschnäpper, siehe Guam-Monarch .............126 Guam-Monarch, Myiagra freycineti ............................126 Guamralle, Gallirallus owstoni .......................................126
B
Baiji ..............................................................................6, 9 Balitiger, Panthera tigris balica ...................................100 Barbuda-Riesenreisratte, Megalomys audreyae ..............76 Berberlöwe, Panthera leo leo ......................................104 Beutellöwe, Thylacoleo carnifex .....................................14 Beutelteufel .....................................................................46 Beutelwolf, Thylacinus cynocephalus 42, 46, 98, 111, 150 Bindenralle, Gallirallus philippensis .................................58 Bishop-Krausschwanz, Moho bishopi ...........................132 Blaubock, Hippotragus leucophaeus ............................34 Blauseidenkuckuck, Coua caerulea ................................40 Boiga irregularis ...........................................................126 Bonindrossel, Zoothera terrestris ....................................36 Boninfink, Carpodacus ferreorostris .............................36 Bonin-Inselreiher, Nycticorax caledonicus crassirostris ...36 Bonintaube, Columba versicolor .....................................36 Braunbär ........................................................................16 Brillenkormoran, Phalacrocorax perspicillatus .............48 Burchell-Zebra, Equus burchellii burchellii ...............8, 84 Bürstenschwanz-Kaninchenratte, Conilurus penicillatus .46
H
Hahn ..............................................................................22 Hangwachtel, Ophrysia superciliosa .............................64 Haubenschwarzspecht, Dryocopus pileatus .................108 Hawaii-Akialoa, Hemignatus obscurus ..........................140 Hawaii-Krausschwanz, Moho nobilis .......................72, 132 Hawaii-Mönchsrobbe .....................................................116 Hirsch .............................................................................18 Hirtenstar, Acridotheres tristis ........................................50 Höhlenbär, Ursus spelaeus ...........................................16 Hokkaido-Wolf, Canis lupus hattai ..................................80 Hopfstar, Fregilupus varius .............................................50 Hund ........................................................................36, 60 Hyazinthara, Anodorhynchus hyacinthinus ...................120
C
Chinesischer Flussdelfin, siehe Baiji ................................6, 9 Cylindraspis indica .........................................................32 Cylindraspis inepta .........................................................32 Cylindraspis peltastes ....................................................32 Cylindraspis triserrata ....................................................32 Cylindraspis vosmaeri ....................................................32
I
D
Jamaika-Leguan, Cyclura collei .......................................42 Japanischer Seelöwe, Zalophus japonicus ................114 Japanischer Wolf, Canis lupus hodophilax ...................80 Javakiebitz, Vanellus macropterus ..............................102 Javaleopard ..................................................................124 Javanashorn, Rhinoceros sondaicus ..........................146 Javatiger, Panthera tigris sondaica ..............................124
Iiwi, Vestiaria coccinea ...................................................72 Irischer Elch ....................................................................18
J
Delalande-Seidenkuckuck, Coua delalandei ...............40 Didus ineptus, siehe Dodo ..............................................28 Dingo ........................................................................46, 98 Diprotodon, siehe Riesenbeutler .......................................14 Dodo, Raphus cucullatus ...................8, 27, 28, 42, 50, 66 Dreifarbenara, siehe Kuba-Ara .........................................70 Dronte, siehe Dodo ..........................................................28 Drossel .....................................................................78, 94 Dünnschnabel-Brachvogel, Numenius tenuirostris ...142 Dünnschnabelnestor, Nestor productus ......................52
K
Käfer ...............................................................................86 Kaiserspecht, Campephilus imperialis ........................118 Kaka, Nestor meridionalis ..............................................52 Kakapo, Strigops habroptila ........................................152 Kalifornischer Kondor, Gymnogyps californianus ......156 Kalifornischer Seelöwe, Zalophus californianus .............114 Känguru ..........................................................................14 Kaninchen .....................................................................106 Kaplöwe, Panthera leo melanochaitus ..............8, 56, 150 Kapverdischer Riesenskink, Chioninia coctei .............90 Karibische Mönchsrobbe, Monachus tropicalis......6, 116 Karolinasittich, Conuropsis carolinensis ......................92 Kaspischer Tiger, Panthera tigris virgata .......................124 Katze .............................. 36, 40, 46, 54, 74, 122, 126, 152 Kauai-Krausschwanz, Moho braccatus .....................132 Kea, Nestor notabilis ......................................................52 Kleinschnäbeliger Südseeläufer, Prosobonia parvirostris .30 Krähe ..............................................................................38 Kuba-Ara, Ara tricolor ...................................................70 Kuckuck ..........................................................................40 Kuckuckskauz, Ninox novaeseelandiae ..........................86
E
Echse .................................................................42, 86, 90 Eichhörnchen ..................................................................46 Einsiedlergrünkleidervogel, Hemignatus sagittirostris ....140 Elch ................................................................................18 Elefantenvogel, Aepyornis maximus .......................24, 40 Elfenbeinspecht, Campephilus principalis ..106, 108, 118 Emu ................................................................................22 Eskimobrachvogel, Numenius borealis ......................130 Eule ..............................................................................126 Eulenpapagei, siehe Kakapo ..........................................152
F
Falklandfuchs, siehe Falklandwolf .....................................66 Falklandwolf, Dusicyon australis....................................66 Fasan .............................................................................60 162
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Kusaie-Sumpfhuhn, Porzana monasa .............................38
L
Labradorente, Camptorhynchus labradorius ................62 Lachkauz, siehe Weißwangenkauz ...................................86 Langschwänzige Australische Hüpfmaus, Notomys longicaudatus ..............................................74 Lappenhopf, Heteralocha acutirostris ...........................82 Lappenkrähe, Callaeas cinereus .....................................82 Laysanralle, Porzana palmeri ......................................106 Lear-Ara, Anodorhynchus leari .....................................120 Lemur ..............................................................................40 Lerche ............................................................................78 Lord God Bird, siehe Elfenbeinspecht ...........................108 Lord-Howe-Brillenvogel, Zosterops strenuus ..............94 Lord-Howe-Inseldrossel, Turdus poliocephalus vinitinctus . 94 Lord-Howe-Kuckuckskauz, Ninox novaeseelandiae albaria 94 Lord-Howe-Sumpfhuhn, Porphyrio albus ........................94 Löwe, Panthera leo ........................................................56
M
Mähnenwolf, Chrysocyon brachyurus .............................66 Mammut .............................................................8, 13, 150 Mamo, Drepanis pacifica ...............................................72 Manguste .................................................................42, 76 Martinique-Riesenreisratte, Megalomys desmarestii ..76 Maus ...............................................................................46 Meerschweinchen .........................................................106 Mensch, moderner ..........................................................16 Mikro-Antipodenschnäpper, Myiagra oceanica ..............126 Mittelmeer-Mönchsrobbe ..............................................116 Moa, Emeus crassus .....................................................22 Moho, siehe Hawaii-Krausschwanz .........................72, 132 Moskito ............................................................... 108, 132
N
Neandertaler ...................................................................16 Nelkenente, siehe Rosenkopfente ..................................112 Neuseelanddrossel...........................................................80 Neuseelandschlüpfer, Xenicus longipes ....................122 Neuseelandwachtel, Coturnix novaezelandiae .............60 Nilbarsch, Lates niloticus ..............................................128 Nukupuu, Hemignatus lucidus ......................................140
Riesenbeutler, Diprotodon optatum .............................14 Riesenhirsch, Megaloceros giganteus ..........................18 Rodriguez-Riesenschildkröte, Cylindraspis vosmaeri .32 Rosenkopfente, Rhodonessa caryophyllacea ..............112 Rubinkrönchen, Calyptura cristata .............................138
S
Saint-Lucia-Riesenreisratte, Megalomys luciae ...............76 Sceloglaux albifacies albifacies ......................................86 Sceloglaux albifacies rufifacies ......................................86 Schildkröten, Maskarenen ...............................................32 Schlange .........................................................42, 108, 126 Schnecke .......................................................................40 Schwarzbrustwachtel, Coturnix pectoralis ......................60 Schwarzmamo, Drepanis funerea ...................................72 Schwein ....................................................................36, 88 Seeotter ..........................................................................48 Sharpe-Ralle, Gallirallus sharpei ...................................58 Sittich ............................................................52, 70, 92, 96 Spix-Ara, Cyanopsitta spixii ................................120, 154 Star .....................................................................38, 50, 94 Stephenschlüpfer, Xenicus lyalli ....................................122 Steppenzebra, Equus burchellii oder Equus quagga 68, 84 Strauß ............................................................................24 Stummelfußfrosch, Atelopus ignescens .....................134 Sumatrahase, Nesolagus netscheri .....................145, 148 Sumatrakaninchen, siehe Sumatrahase ..................145, 148 Sumatratiger, Panthera tigris sumatrae .........................124
T
Tahiti-Laufsittich, Cyanoramphus zealandicus .................30 Tasmanienschleiereule .....................................................94 Tasmanischer Tiger, siehe Beutelwolf ...............................98 Tasmanischer Wolf, siehe Beutelwolf ...............................98 Taube .......................................................................28, 52 Telfair-Skink, Leiolopisma telfairii ....................................90 Tiger ................................................................................ 8 Tordalk, Alca torda .........................................................44 Torome, siehe Gesellschaftsläufer ....................................30 Torote, siehe Gesellschaftsläufer .....................................30 Türkisara, Anodorhynchus glaucus .............................120
U
Ur, siehe Auerochse ...............................................145, 150
O
Oahu-Akialoa, Hemignatus ellisianus ............................140 Oryxantilope ...................................................................34
P
Pallasscharbe, siehe Brillenkormoran ..............................48 Panthera sondaica .......................................................124 Papagei ........................................................52, 70, 92, 96 Paradiessittich, Psephotus pulcherrimus .....................96 Pelzelnstar, Aplonis pelzelni ..................................38, 136 Pferdeantilope, Hippotragus equinus ..............................34 Piopio, Turnagra capensis und Turnagra tanagra ...........78 Pirol ................................................................................78 Polarfuchs ......................................................................48 Prärietaube, siehe Eskimobrachvogel ............................130
Q
Quagga, Equus quagga quagga .......................68, 84, 150 Quahah, siehe Quagga ...................................................68
V
Viktoriabarsch, siehe Nilbarsch ......................................128 Vogel Roch .....................................................................24
W
Wachtel .....................................................................52, 64 Wake-Ralle, Gallirallus wakensis ...................................106 Wandertaube, Ectopistes migratorius ...................88, 130 Weißflügel-Moschusente, Asarcornis scutulata .............112 Weißfußkaninchenratte, Conilurus albipes ............46, 74 Weißspitzen-Krausschwanz, Moho apicalis ...................132 Weißwangenkauz, Sceloglaux albifacies ......................86 Westliches Javanasnorn, Rhinoceros sondaicus inermis ... 146 Whekao, siehe Weißwangenkauz ....................................86 Wiedehopf ......................................................................50 Wildziege .........................................................................34 Wollhaarmammut, Mammuthus primigenius ................20
Y
R
Rabenstar, Aplonis corvina ...........................................38 Rappenantilope, Hippotragus niger ................................34 Ratte 30, 36, 38, 40, 46, 54, 58, 60, 86, 94, 106, 122, 126, 134, 152 Rhinoceros sondaicus sondaicus .................................146 Riesenalk, Pinguinus impennis .....................44, 106, 142
Ypsilonwachtel, Coturnix ypsilophora .............................60
Z
Zaunkönig .....................................................................122 Ziege ........................................................................34, 36 Zosterops (lateralis) tephropleuru ..................................94
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Autorenbiografie Luc Semal, promovierter Politikwissenschaftler, ist Lehrbeauftragter am Muséum national d’Histoire naturelle in Paris. Er wurde 1982 in der Region von Lille geboren. Sein Interesse galt zunächst der Vogelwelt, dann den Insekten, Pflanzen, Pilzen … Sein Studium brachte ihn dazu, sich eingehender mit den Ursachen zu befassen, die dazu führten, dass ökologische Themen insbesondere seit den 1970er-Jahren Eingang in die Politik fanden. Seine 2012 verteidigte Doktorarbeit mit dem Titel Militer à l’ombre des catastrophes («Aktives Engagement im Schatten von Katastrophen») analysiert die Denkansätze im politischen Engagement der Aktivisten aus den Bewegungen der Décroissance (etwa «Wachstumsrücknahme») und Transition-Town (etwa «Stadt im Wandel») in den 2000er-Jahren in Frankreich und Großbritannien. Er stützt sich dabei auf die Bewegung der «grünen politischen Theorie» im englischsprachigen Raum, um aufzuzeigen, wie Katastrophismus-Theorien zum rationalen Verständnis der gegenwärtig stattfindenden ökologischen Umwälzungen beitragen können. Insbesondere anhand klima- und energiebezogener Fragen erklärt er, wie das Katastrophismus-Paradigma lokalen Debatten neue Dynamik verleihen und so demokratisches Lernen für das postfossile Zeitalter fördern kann. Seine parallel dazu durchgeführten Untersuchungen zur Verwendung von Katastrophismus-Ideen in den Naturwissenschaften weckten sein Interesse an der Hypothese vom sechsten Massensterben der Arten.
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