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Emch, Nydeggbrücke

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Die Berner Nydeggbr端cke

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Urs Emch

Die Berner Nydeggbrücke Geschichte einer bautechnischen Pionierleistung

Urs Emch Mit Beiträgen von Jörg Amport Christine Bläuer Hans-Rudolf von Dach Emil Erne Daniel Flückiger Christian Kissling Toni Labhart Dieter Schnell Heinz Schürer Hans Stadler-Planzer

Haupt Verlag Bern Stuttgart Wien

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Diese Publikation wurde ermöglicht durch

1. Auflage 2013 Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek  : Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie  ; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http  ://dnb.ddb.de abrufbar. ISBN 978-3-258-07745-1 Alle Rechte vorbehalten Copyright © 2013 bei Haupt Berne Lektorat  : Daniel Schnyder, Dr. Schenker Kommunikation AG, Bern Gestaltung und Satz  : Atelier Mühlberg, Basel Litho  : FdB Für das Bild, Fred Braune, Bern Druck und Herstellung  : Appl Druck GmbH, Wemding Jede Art der Vervielfältigung ohne Genehmigung des Verlages ist unzulässig. Printed in Germany www.haupt.ch

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Die Berner Nydeggbrücke

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Inhalt

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Vorwort Dank

Vorspiel

Der Aaregraben – Berns Segen und Fluch

11

I

Eine Hochbrücke muss her, aber wo  ? Die Idee

27

II

Die Stunde der Experten Das Projekt

39

III

Dreimal vor dem Grossen Rat Die Entscheidung

55

IV

Wassernot in der Matte Die Fundamente für den Hauptbogen

75

V

Mauerwerk statt Erde und Särge Der rechte Seitenbogen

89

VI

Unterwasserarbeit bei 5 Grad Die Lehrgerüstfundamente in der Aare

95

VII

4800 Schläge für einen Pfahl Der linke Seitenbogen

105

VIII

Dem Druck nicht gewachsen Die Stützmauern

111

IX

Jeder Stein ein Unikat Der Hauptbogen

121

X

Bereit für den Verkehr Die Abschlüsse und Anschlüsse

133

XI

Der Bauleiter wird zum Sündenbock Die Kosten

147

XII

« Kommet her und seht das Meisterwerk » Die Eröffnung

153

7 8

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Die Berner Nydeggbr端cke

XIII

Fehlkonzeption und Liquidation Das Ende der Gesellschaft

161

XIV

Ein grossartiges Bauwerk, trotz allem Die W端rdigung

169

Nachspiel Wasser und Salze nagen am Sandstein

175

Anhang

183

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Die Berner Nydeggbrücke

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Vorwort Während meiner Tätigkeit als Bauingenieur habe ich vor allem Neukonstruktionen geplant  : Hochbauten, Industriebauten, Brücken, Stützmauern und Lärmschutzwände. Schon immer haben mich aber historische Bauten aus Naturstein in ihren Bann gezogen. Anfang 1980 wurde ich vom Kanton mit der Untersuchung des linken Seitenbogens der Berner Nydeggbrücke beauftragt, nachdem von dort eine grosse Steinplatte auf die Strasse gefallen war. Als die Sofortmassnahmen zur Sicherung durchgeführt waren, erhielt ich das Mandat für eine Untersuchung der gesamten Brücke und später für die Behebung von Verwitterungsschäden. Dazu musste ich mich eingehend mit der 1840  –1844 erstellten Brücke befassen. Als Unterlagen standen erst nur wenige Ansichtspläne ohne detaillierte Angaben zur Verfügung. Dann gelangte ich in den Besitz einer kompletten Mappe mit elf lithografierten Originalplänen, und ich las den Bericht zur Baugeschichte, 1848 publiziert vom damaligen Bauunternehmer Karl Emanuel Müller. Die Instandsetzung war 1991 abgeschlossen, doch die Geschichte des Bauwerks liess mich während vieler Jahre nicht los. Ich studierte Akten und Pläne in Archiven, befragte Historiker, Kunsthistoriker, Geologen und Baufachleute und recherchierte bis nach Italien und Frankreich. Ich erlebte eine Zeitreise, die mich je länger, desto mehr faszinierte  : Der Bau dieser Natursteinbrücke mit der Spannweite von 46 m ist eine Pionierleistung; die Qualität der Arbeit und des Materials ist hervorragend. Die erwähnte Instandsetzung war die erste nach 140 Jahren. Sie betraf fast ausschliesslich Verwitterungsschäden am Sandstein. Moderne Autobahnbrücken müssen in der Regel nach wenigen Jahrzehnten totalsaniert werden. Ebenso eindrücklich ist die Belastbarkeit der Nydeggbrücke  : Konzipiert für Pferdefuhrwerke, trägt sie 40-Tonnen-Lastwagen problemlos. Gefesselt haben mich auch die Vorgeschichte der Brücke, der Einfluss der politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen auf das Projekt, die Auseinandersetzungen um den richtigen Standort und die richtige Form, die Zusammenarbeit von Privaten und öffentlicher Hand, die teilweise dramatischen Ereignisse während des Baus. Über Technik und Geschichte hinaus bietet der Bau der Nydeggbrücke Anschauung, wie Ideen, Tatkraft, Einstellungen und Entscheidungen einzelner Personen den Ausgang von Projekten bestimmen. Und die Brücke zeigt stellvertretend, wie viel Überlegung, Leidenschaft, Beharrlichkeit in Objekten stecken, die im Alltag achtlos benutzt werden. Wie viele Menschen dafür gearbeitet haben, wie sie eine Vielzahl von Dingen durch präzises Schaffen zum Ganzen gefügt haben. Nicht zuletzt hat mich berührt, dass das kolossale Bauwerk sich aus Sicht der Verkehrsplanung zumindest teilweise als eine Fehlkonzeption erwiesen hat, dass es zudem aus architektonischer und städtebaulicher Sicht umstritten ist. Gehe ich heute über die Nydeggbrücke, nehme ich zusätzlich zu den drei räumlichen Dimen­ sionen die vierte, die Zeit, und die fünfte, die Leistung der Vorfahren, wahr. Urs Emch, August 2012

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Die Berner Nydeggbrücke

Dank Ohne die folgenden Personen wäre dieses Buch nie realisiert worden  : Hansjörg Schenker, Prä­ sident des Verwaltungsrats von Basler & Hofmann Ingenieure Planer und Berater AG, der das Projekt von der ersten Idee bis zur Realisierung unterstützt hat  ; Dieter Schnell, der den Nichthistoriker von Anfang an mit Hinweisen und Ratschlägen begleitet hat  ; Daniel Schnyder, mehr als ein Lektor, der die Geschichte erst lesbar gemacht hat  ; Nicholas Mühlberg, der mit viel Gespür für das Thema das Buch gestaltet hat  ; Therese Oester, die schon vor vielen Jahren die Baugeschichte von Müller digitalisiert und damit nutzbar gemacht hat. Ihnen allen herzlichen Dank  ! Ein grosser Dank gilt den Koautoren Jörg Amport, Christine Bläuer, Hans-Rudolf von Dach, Emil Erne, Daniel ­Flückiger, Christian Kissling, Toni Labhart, Dieter Schnell, Heinz Schürer und Hans Stadler-Planzer und für ihre Fachbeiträge und den Lernenden der Grafikfachklasse der Schule für Gestaltung Basel für die Fotos der heutigen Nydeggbrücke. Ein Dankeschön geht an die hilfsbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Berner Staatsarchivs, der Burgerbibliothek, der UB Zentralbibliothek Bern, des Politechnico di Torino und insbesondere des Berner Stadtarchivs. Viele weitere Personen haben mitgeholfen, das Projekt voranzubringen  : durch kritische Lektüre und hilfreiche Rückmeldung  : Thomas Accola, Peter Dübi, Nathalie Herren, Berchtold Weber  ; durch Mithilfe bei der Übersetzung der alten Kurrentschrift und italienischer und französischer Texte  : Therese Junker, Annamaria Bernasconi  ; durch die Montage von Fotos  : Laura Gonthier  ; durch Begleitung in Archiv und Stadt mit der Kamera  : Peter Kästli  ; durch wertvolle Hinweise, Auskünfte und durch Motivierung zum Dranbleiben  : Christophe von Werdt, Albert Köppel, Brigitte Egli. Dem Verleger Matthias Haupt und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Verlags danke ich für die engagierte Begleitung und sorgfältige Produktion. Schliesslich danke ich der Basler & Hofmann Stiftung, die mit ihrem grosszügigen Beitrag die Herausgabe dieses Werkes ermöglicht hat.

Nydeckbrücke wird zur Nydeggbrücke

Bis 1940 hiess die Nydeggbrücke Nydeckbrücke. Dann gab ihr der Gemeinderat der Stadt Bern den schweizerdeutschen Namen, als Zeichen der Abgrenzung gegenüber Deutschland zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. In diesem Buch wird der Einfachheit halber durchgängig die heutige Bezeichnung Nydeggbrücke verwendet.

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Vorspiel

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Der Aaregraben – Berns Segen und Fluch

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Der Aaregraben – Berns Segen und Fluch

Hindernis für Personen und Güter Bern liegt über der Aare. Der Fluss schlängelt sich in einer Tiefe von 20 bis 60 Metern um die Altstadt. Der Zähringer Herzog Berchtold V. hat die Stadt im Jahr 1191 nicht als Marktplatz in der Ebene und an den Hauptverkehrswegen gegründet, sondern als Festung auf der schwer zugänglichen Halbinsel. Oder, wie Archäologen vermuten, als Gewerbestandort, der die Wasserkraft in der Matte nutzt.

Der Graben erschwert den Personen- und Güterverkehr. 60 Jahre nach der Gründung lassen die Abbildung 1 Zähringer eine Holzbrücke über die Aare schlagen  ; 1491 wird an deren Stelle die steinerne Unter- Bern, die Stadt im Aarebogen ( Modell von 1830). torbrücke gebaut. Diese bleibt 350 Jahre lang die einzige feste Verbindung über die Aare. Die Untertorbrücke befindet sich auf Flussniveau. Sie erlaubt es Fussgängern und Fuhrleuten, die Aare zu überqueren, nimmt ihnen aber nicht die Mühe ab, in den Graben zu steigen und auf der anderen Seite wieder hinauf. Wie beschwerlich die Steigung ist, zeigt noch heute der Volkslauf « Grand Prix von Bern ». Die « Berner Zeitung » zitiert einen Läufer  : « Im Zustand fortgeschrittener Erschöpfung wirkt der Schlussaufstieg steil wie die Eigernordwand. Jetzt hilft nur noch Beten  ! »

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Der Aaregraben – Berns Segen und Fluch

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Abbildung 2 Die Untertorbrücke um 1830.

Von Brücken abhängig

Die Topografie Berns erschwerte von der Gründung der Stadt bis

Ohne eine Vielzahl von Brücken hätte sich die Stadt nicht auf

heute die Erschliessung durch Strasse und Eisenbahn. Als Mitte

ihre heutige Grösse ausdehnen können  : Holzbrücke am unteren

des 19. Jahrhunderts die Schweiz mit der Bahn erschlossen

Thor ca. 1250 ( abgebrochen um 1490 ), Untertorbrücke 1491,

werden sollte, verfassten zwei Engländer eine Expertise. Der eine

Altenbergsteg 1834, Nydeggbrücke 1844, rote Brücke ( Eisen-

war Stephenson, der Sohn des Erfinders der Dampflokomotive.

bahnbrücke ) 1858 ( abgebrochen 1930 ), Dalmazibrücke 1873

Zu Bern sagte er, die Stadt sei « unglücklicherweise so gelegen,

( Neubau 1958 ), Kirchenfeldbrücke 1883, Kornhausbrücke 1898,

dass, gegen Norden ausgenommen, kein Ausweg gefunden

Lorrainebrücke 1930, Eisenbahnbrücke 1941, Monbijoubrücke

werden kann » und « dass die Umgebungen der Stadt [  …  ] keine

1962 und Felsenauviadukt 1975. Diese Brücken sind das Werk

Hoffnungen gestatten, über Bern nach Lausanne und an die

kühner Ingenieure und Baumeister. Breite und Tiefe des Aare-

Ufer des Genfersees zu gelangen ».

grabens stellten sie vor enorme Herausforderungen. Auch im 21. Jahrhundert prägt die Lage Berns am Aaregraben die Verkehrsdiskussion, so zur Frage einer zweiten Tramachse, zur Schienenführung beim Ausbau des Hauptbahnhofs oder zu einer Velobrücke von der Länggasse in das Breitenrainquartier.

Abbildung 3 Der Berner Aaregraben im 3D-Modell.

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Der Aaregraben – Berns Segen und Fluch

Für den heutigen motorisierten Güterverkehr stellt eine Steigung kein Problem dar. Zur Zeit der Pferdefuhrwerke aber verringert sie die Geschwindigkeit deutlich. Eine Untersuchung aus dem 19. Jahrhundert gibt an, dass bei einer mittleren Steigung von 5 Prozent die Transportleistung ­eines zweispännigen Lastfuhrwerks ( 3,75 Tonnen ) auf die Hälfte sinkt. Beträgt die Steigung 10 Prozent, steht das Fuhrwerk beinahe still. Kein Wunder, sind Steigungen in früheren Jahrhunderten neben dem schlechten Zustand des Belags das Hauptproblem des Reisens und des Transports. Für grosse Steigungen, so auch in Bern, benötigen schwere Fuhrwerke Vorspannpferde. Die Vermietung von Vorspannpferden ist vor allem an den Passstrassen ein bedeutender Wirtschaftszweig. Geschwindigkeit 8 km/h 6 km/h 4 km/h 2 km/h

Abbildung 4 So verringern Steigungen die Geschwindigkeit von Pferdefuhrwerken.

zweispänniges Fuhrwerk

vierspänniges Fuhrwerk

achtspänniges Fuhrwerk 0 km/h 0 % 2.5 % 5 % 7.5 % 10 % 12.5% 15% 17.5% 20% Steigung

Die Transportkosten haben einen viel höheren Anteil am Warenwert als heute. Je länger die Reise dauert, desto mehr kosten Löhne, Verpflegung, Beherbergung und Pferdefutter. Am teuersten ist das Futter. Für die Landwirtschaft ist dessen Produktion zeitweise vorteilhafter als die Produktion von Nahrungsmitteln. In einzelnen Gegenden der Schweiz führt dies sogar zu Nahrungsmittelknappheit.

Abbildung 5 Achtspänniges Lastfuhrwerk ( Wandgemälde aus dem Jahr 1733).

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Der Aaregraben – Berns Segen und Fluch

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Habermus oder Hafersack  ? « Biotreibstoffe » in der Vormoderne Daniel Flückiger Für vormoderne Gesellschaften, zu denen aus energetischer Sicht

solche traditionellen Werte an Bedeutung. In Bern kam es in

auch die bernische in den 1830er und 1840er Jahren zählt,

den 1830er und 1840er Jahren zu heftigen Auseinander­

stellte die Verteilung knapper Ressourcen eine ständige Heraus­-

setzungen zwischen den wohlhabenden Liberalen, die den Markt

forderung dar. Das Futter, das die für den Verkehr gehaltenen

spielen lassen wollten, und Angehörigen der unteren Bevölke-

Zugtiere frassen, wurde auf Flächen erzeugt, die auch für den

rungsschichten. Im Mittelpunkt stand dabei allerdings weniger

Anbau von Nahrungsmitteln hätten genutzt werden können.

der Verkehr als vielmehr der Wald, in dem viele Arme auf tra­

In England rechnete man um 1800 damit, dass für die Fütterung

ditionelle Nutzungsrechte angewiesen waren.

eines Pferdes ungefähr gleich viel Land nötig war wie für

Mit dem steigenden Verbrauch fossiler Ressourcen entschärfte

die Ernährung von vier bis acht Menschen. Teilweise verzehrten

sich ab den 1880er Jahren die Nahrungskonkurrenz zwischen

Menschen und Tiere die gleichen Pflanzen  ; Hafer konnte im

dem Verkehr und den ärmeren Bevölkerungsschichten. Treib­

­Habermus der Armen oder im Hafersack der Pferde landen. Auch

stoffe, Brennstoffe, Werkstoffe, Nahrungs- und Futtermittel

die Erzeugung von Bauholz, Brennholz, Holzkohle, Flachs und

­wurden zunehmend importiert und die Transportkosten hingen

Hanf beanspruchte Land.

nicht mehr von den Futtermittelpreisen ab. Erst gegen Ende

Gewisse Grenzen setzten überlieferte Moralvorstellungen darüber,

des 20. Jahrhunderts ist unter dem Stichwort « Biotreibstoffe »

welches Verhalten der Wohlhabenden und Mächtigen angemes-

die alte Diskussion wieder aufgeflammt, ob die Mobilität der

sen war. Ein Autor, der 1779 unter dem Pseudonym « Graf von

Wohlhabenden oder die Ernährung der Armen wichtiger ist. Bis

Albion » eine Mitteilung in den Abhandlungen der Oekonomi-

jetzt wird über das Thema allerdings oberflächlich gestritten  :

schen Gesellschaft Bern veröffentlichte, fand es am besten, wenn

Golfplätze, Einfamilienhäuser, Supermärkte und andere Anlagen

ein Bauer « seinen Haber Nachbarn verkauft, die ihn nöthig

schränken den Anbau von Nahrungsmitteln ebenso ein wie die

­haben, und aufsuchen, als wenn er ihn zu Hause [  für die Pferde,

Produktion von Biotreibstoffen. Die Diskussion um Biotreib-

Anm. d. Verf.  ] verbraucht ». Die lebensnotwendige « Hausnoth-

stoffe dürfte deshalb nur ein Vorgeschmack davon sein, wie mit

durft » sollte gegenüber dem überflüssigen « Luxus » Vorrang

der künftigen Verknappung fossiler Ressourcen heftiger um den

­haben. Mit dem aufkommenden Wirtschaftsliberalismus verloren

Boden gekämpft werden wird.

Die Steigung wird reduziert Das Zentrum Berns liegt bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Unterstadt. Hier wohnen die Patrizier, hier befindet sich der Hauptzugang zur Stadt. Die Strasse aus der Stadt hinaus ( « untenaus » ) führt von der Untertorbrücke über das Klösterli und das Galgenfeld ins Worblental und weiter nach Osten. Den Aarehang überwindet sie in den ersten Jahrhunderten in der Falllinie. Die Höhendifferenz von der Aare bis zum Galgenfeld beträgt über 70 m, die Steigung dieser sogenannten Haspelgasse bis 20 Prozent. Anfang des 17. Jahrhunderts baut die Stadt mit dem Aargauerstalden ( heute Alter Aargauerstalden ) einen neuen Zugang, der den Aarehang in schräger Linie quert. Er weist aber immer noch gegen 15 Prozent Steigung auf. Die Haspelgasse wird 1688 mit einem Fahrverbot belegt, und bald genügt auch der Aargauerstalden den Ansprüchen nicht mehr.

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Der Aaregraben – Berns Segen und Fluch

Abbildung 6 Bern mit dem Aarebogen im Jahr 1607. Der Weg Richtung Osten und Norden verläuft « untenaus » über die Untertorbrücke und quert den Steilhang auf dem kurz zuvor erbauten Aargauerstalden ( heute Alter Aargauerstalden ).

1749 erhält der italienische Ingenieur Antonio Mirani den Auftrag, einen neuen Aargauerstalden zu bauen. Er hat sich bei bernischen Strassenbauten in der Waadt bewährt. Die Arbeiten beginnen im folgenden Jahr und dauern bis 1758. Mirani führt die Strasse vom ( heutigen ) Bärengraben bis zum äusseren Rand des Aarebogens und schneidet dort die Hangkante ein, wie die eindrücklichen Böschungen zum Rosengarten und zur Schönburg beidseits der oberen Kurve noch heute zeigen. So erreicht die Strasse die volle Höhe

Antonio Maria Mirani ( 1712 –1778  ) Antonio Maria Mirani stammt aus Massino bei Novara und wird in Savoyen zum Ingenieur ausgebildet. Ab 1747 steht er im Dienst der bernischen Obrigkeit. So baut er die Bergstrasse nach St-Cergues ( VD ). Später leitet er die Korrektion des Lombachs bei Unterseen, die Entsumpfung zwischen Meiringen und Brienzersee und den Bau der Bözberg-Passstrasse. 1771 wird er zum bernischen Inspektor für Brücken, Strassen und Dämme gewählt.

Abbildung 7 Plan von Mirani, 1749. Markiert ist das projektierte Trassee des neuen Aargauerstaldens, das durch eine Felsfluh führt, die auch in Abbildung 6 gut sichtbar ist.

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Abbildung 8 ( links ) Die 11 m breite Strasse des Aargauerstaldens mit Allee und Promenade stellt eine repräsentative Anlage dar. Abbildung 9 Gedenkstein von 1758 beim neuen Aargauerstalden mit lateinischer Inschrift. Die Übersetzung lautet  : « Für Bürger und Fremde wurde dieses dankenswerte Werk gebaut. Indem die

erst am niedrigsten Punkt des umgebenden Geländes, bei der heutigen Laubeggstrasse. Gegenüber dem alten Stalden reduziert Mirani die Höhendifferenz von 70 auf 60 m, bei gleichzeitiger Verlänneuer Weg angelegt und befestigt worgerung der Strasse um 150 m. Die Steigung beträgt jetzt 6 Prozent. den, durch einen Steilhang, obschon alte Strasse verlassen wurde, ist ein

es die Natur nicht zu gestatten schien. Begonnen 1750, vollendet 1758. »

Acht Jahre für 600 m Strasse sind auch für damalige Verhältnisse eine lange Bauzeit. Die Strasse führt durch eine Fluh und durch Steinbrüche, und der Hang enthält viel Wasser, das ab­ geleitet werden muss. Ein Gedenkstein bei der obersten Kurve lässt erahnen, welch schwieriges Unterfangen dieser Bau gewesen sein muss.

Mit Miranis Aargauerstalden löst die Stadt das Problem der Steigungen auf der Landseite aber nur teilweise. Der vom Aargauerstalden zur Untertorbrücke hinunterführende Klösterlistutz weist immer noch eine Steigung von mehr als 10 Prozent auf. Auf der Stadtseite beträgt die Höhendifferenz zwischen Untertorbrücke und Zytglogge nur 40 m. Trotzdem behindert auch diese Steigung den Güter- und Reiseverkehr. In « Lebendiges Bern » von Ernst Reinhard heisst es  : « Die Auffahrt in die Stadt durch den Stalden war mühsam und führte oft zu einer bösen Pferdeschinderei, wenn nicht einmal der Vorspann die schweren Wagen den Stalden hinaus zu ziehen imstande war. » Mirani schlägt deshalb der Regierung vor, durch eine neue Linienführung zwischen der Untertorbrücke und der unteren Gerechtigkeitsgasse die Steigung zu reduzieren. Wie beim Aargauerstalden auf der Landseite will er die Strecke verlängern. Neu soll die Strasse die Häuserreihe des Staldens in einem Bogen nach Norden umfahren und vor der « Staldenwache » ( Gerechtigkeitsgasse 2 ) in die Gerechtigkeitsgasse münden.

Abbildung 10 Mirani will die Zufahrt zur Stadt auf die Nordseite des Staldens verlegen. Dafür nötig wären hohe Stützmauern ( rot markiert ) am steilen Nordosthang.

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Der Aaregraben – Berns Segen und Fluch

Abbildung 11 Niklaus Sprüngli reicht 1759 drei Projekte ein. Das erste bedingt den Abbruch von 20 Häusern und den Neubau der Nydeggkirche.

Nach Eingang von Miranis Plan beauftragt die Berner Regierung in einer Art Wettbewerbsverfahren Baufachleute, ebenfalls Vorschläge zur Reduktion der Steigung auf der Stadtseite einzureichen. Zu diesen gehören die heute bekanntesten Architekten der damaligen Zeit, Niklaus Sprüngli und Erasmus Ritter. Das Gutachten ( Jurybericht ) vom 28. August 1759 beurteilt neun Projektvorschläge. Das Spektrum reicht von der einfachen Strassenkorrektur bis zum Abbruch zahlreicher Häuser und zur Neuanlage des Bereichs Nydeggstalden /Nydeggkirche. Die Jury entscheidet sich gegen die Projekte, wohl wegen der Kosten. Alle Projektverfasser erhalten eine Entschädigung mit der Begründung, « die Architekten hätten mehr ihre Kunst und Wissenschaft beweisen als den Auftrag der Obrigkeit erfüllen wollen ». Offenbar sind die Vorgaben

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Abbildung 12 Längsschnitt des ersten Projekts von Sprüngli mit der Rampe ab Gerechtigkeitsgasse und mit einer zweiten Brücke, die auf die bestehende Untertorbrücke gebaut wird. Das Konzept ist nicht Verlängerung der Strecke, sondern Reduktion der Höhendifferenz um rund 6 m.

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Der Aaregraben – Berns Segen und Fluch

Abbildung 13 Die Schattseite der unteren Gerechtigkeitsgasse. Das ursprüngliche Strassen­niveau ist an den Laubengängen ­ablesbar (rote Linie). Durch die Absenkung ­wurden die Keller freigelegt. Die ­untersten, auf dem heutigen ­Strassenniveau stehenden Häuser wurden nach 1760 neu gebaut.

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aber unklar gewesen. Empfohlen und von der Obrigkeit dann zur Ausführung bestimmt wird lediglich eine vermeintlich kostengünstige Absenkung der unteren Gerechtigkeitsgasse. Diese Arbeiten erweisen sich wider Erwarten als aufwändig. Sie dauern mehrere Jahre und erfordern hohe Nachkredite. « Die Strassenkorrekturen waren streckenweise derart gravierend, dass Keller und Fundamente zahlreicher Häuser ausgegraben wurden und sie nicht mehr haltbar waren. Die Obrigkeit musste sie ankaufen, abbrechen und auf dem gesenkten Niveau wieder aufbauen lassen. Mehrere Fassaden wurden ebenfalls auf Staatskosten zurückversetzt und in Sandstein neu errichtet. Neue Steinstufen für Treppen in privaten Wohnhäusern wurden subventioniert », schreibt Dieter Schnell in « Staldenwache Bern ». Die im untersten Abschnitt der Gerechtigkeitsgasse hoch über der Strasse verlaufenden Lauben zeugen noch heute vom Umfang dieser Arbeiten. Die Absenkung der unteren Gerechtigkeitsgasse und des inneren Staldens beseitigt offenbar die grössten Schwierigkeiten, auch wenn die Höhendifferenz den Fuhrwerken weiterhin Mühe bereitet. In den folgenden Jahrzehnten rückt die Frage der Steigung auf der Stadtseite in den Hinter­ grund. Mit dem Franzoseneinmarsch vom März 1798 und den politischen Umwälzungen beschäftigen andere Sorgen die Regierung und die Bevölkerung von Bern.

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Der Aaregraben – Berns Segen und Fluch

Vorbildliche Berner Hauptstrassen

Der Staat Bern, der bis zum Franzoseneinmarsch im März 1798 vom Genfersee bis in den Aargau reichte, setzte bereits im 18. Jahrhundert grosse Mittel ein, um die Strassen auszubauen. Basierend auf dem Memorial des Strasseninspektors F. G. Zehender « über die Construktion, Reparation und Conservation der hohen Landstrassen » von 1740, beschloss die Regierung, das Haupt­ strassennetz zu erneuern und zu klassieren. Im Zentrum des Strassenbaus stand die Transportroute von Süddeutschland nach Genf und Lyon. Sie verlief entlang der Linie Brugg – Bipperamt – Solothurn – Aarberg – Murten–Avenches– Moudon – Genfersee und entsprach damit weitgehend dem Verlauf der ­alten römischen Heerstrasse. Zum grossen Teil führte sie durch bernisches Staatsgebiet  ; die damit verbundenen Wegzölle und Transportlizenzen stellten eine der Haupteinnahmequellen

Abbildung 15 Die Stadt Bern ist um 1800 immer noch auf die enge Halbinsel im Aarebo-

des alten Berns dar.

gen beschränkt. Eine einzige Hauptverkehrsachse verbindet die Endpunkte

Im gleichen Zeitraum entstanden die weiteren Hauptstrassen,

Nydegg und Christoffelturm, von denen die Hauptstrassen ausgehen.

nämlich die ausschliesslich über bernisches Gebiet führende ­Aargaustrasse ( über Urtenen, Hindelbank, Kirchberg, Herzogen-

die Freiburgstrasse ( über das Wangental, Neuenegg ) und die

buchsee ), die Strasse nach Murten ( über Forst, Frauenkappelen,

­Aaretalstrasse Richtung Thun. Auf ihnen entwickelte sich der

Gümmenen ), die Solothurnstrasse ( über Urtenen, Fraubrunnen ),

Post- und Personenverkehr. Für den Gütertransport hatten sie wesentlich geringere Bedeutung als die Seelandroute.

Abbildung 14

Die Strassen erhielten einen tragfähigen Koffer und eine Ober­

Hauptstrassennetz des Staates Bern im 18. Jahrhundert

fläche aus Kies, die laufend unterhalten wurde. Das Querprofil

( rot die Seelandroute, orange die Hauptstrassen, gelb die später erstellte Lyss–Hindelbank-Strasse ).

war in der Mitte erhöht, so dass das Wasser in seitliche Gräben abfliessen konnte. Im Strassenbaugesetz von 1744 wurde für Durchgangsstrassen eine Mindestbreite von 25 Bernschuh ( ca. 7,3 m ) vorgeschrieben. Das ist etwa gleich viel wie bei den heutigen Hauptstrassen. Zwar wiesen alle Hauptstrassen bedeutende Steigungen auf. Trotzdem galt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das bernische Strassennetz als vorbildlich. Sogar Goethe soll « mit kummervollem Gemüte » die tadellosen Strassen, die durch das bernische Gebiet führten, « mit den Marterwegen in Thüringen und im ­ganzen nördlichen Deutschland » verglichen haben. Der bernische Staat verpflichtete die Gemeinden zu unentgelt­ licher Mitarbeit beim Strassenbau, da diese als Hauptnutzniesser galten. Die Gemeinden übernahmen durchschnittlich 85 Prozent des Aufwands. Auf diese Weise gelang es dem Staat, durch den Bau und Unterhalt von Strassen wesentlich mehr Geld ein­ zunehmen, als er dafür ausgeben musste.

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Bern zwischen 1798 und 1848 Emil Erne Abstieg vom Stadtstaat zum Verwaltungsbezirk  : Helvetik 1798–1803 Die Auswirkungen der Französischen Revolution von 1789 führten in der Alten Eidgenossenschaft vielerorts zu Unruhen und politischen Umwälzungen. Zu Beginn des Jahres 1798 befreiten sich die Untertanengebiete und erlangten die Gleichstellung mit den ehemals regierenden Orten. Doch diese « Helvetische Revolution » vermochte den Einmarsch der französischen Truppen und die Umwandlung des lockeren schweizerischen Staatenbundes in einen zentralistischen Einheitsstaat nach französischem Vorbild nicht zu verhindern. Am 4. März 1798 dankte die Berner Regierung ab. Die neue provisorische Regierung übergab am folgenden Tag die Kapitulationserklärung dem General der französischen Invasionsarmee. Damit ging das Goldene Zeitalter Berns abrupt zu Ende. Die stolze « Respublica Bernensis » war nur noch eine Verwaltungseinheit der Helvetischen Republik. Mit der helvetischen Verfassung vom 12. April 1798 begann in der Schweiz die Entwicklung zum modernen demokratischen Staatswesen. Das bisherige Ortsbürgerrecht, welches die Nutzungsrechte an den Gemeindegütern beinhaltete, wurde zwar beibehalten, jedoch von der öffentlichen Verwaltung gelöst. So entstanden zwei Gemeindearten  : die Munizipalgemeinde ( Einwohnergemeinde ) der mindestens seit fünf Jahren ansässigen, mindestens 20 Jahre alten Aktivbürger für die politischen, polizeilichen und verwaltenden Aufgaben, und die Bürgergemeinde ( Nutzungsgemeinde ) der Ortsbürger, in Bern als Burgergemeinde bezeichnet, für die Verwaltung der Gemeindegüter, die finanziellen Aufgaben und die Armenpflege. Die Patrizier, die bis 1798 faktisch allein regiert hatten, büssten ihre exklusive Stellung ein. Die Inhaber hoher Ämter der Helvetischen Republik kamen teils aus der nichtpatrizischen Burgerschaft, teils aus ehemals untertänigen Städten und Landschaften. Dank ihrem Fachwissen wirkten allerdings auf unterer Stufe vielfach Beamte, die schon im Ancien Régime entsprechende Ämter bekleidet hatten. Die grosse Last der Aufgabe, einen neuen Staat zu gestalten, finanzielle Probleme, die Auseinandersetzungen zwischen Unitariern – Anhängern des Einheitsstaates – und Föderalisten sowie die Abhängigkeit von der französischen Grossmachtpolitik und entsprechende Kriegshand­ lungen auch auf Schweizer Gebiet führten schliesslich das Scheitern der Helvetischen Republik herbei. Zwischen alt und neu  : Mediation 1803–1813 Auf dem Höhepunkt der Krise intervenierte Napoleon Bonaparte ( 1769–1821), nach einem Staatsstreich 1799 alleiniger Machthaber Frankreichs, erneut militärisch und stabilisierte die verfassungsmässigen Verhältnisse in der Schweiz durch einen Kompromiss  : mit der von ihm verfügten Mediationsakte vom 19. Februar 1803 kehrte die Schweizerische Eidgenossenschaft der 19 Kantone zur föderalistischen Struktur zurück, behielt aber unter Verzicht auf die Untertanenverhältnisse die neuen Kantone bei. Oberstes Bundesorgan war wieder die Tagsatzung  ; Bern gehörte zu den sechs « Vororten » oder Direktorialkantonen, wo sie sich abwechselnd versammelte, und war erstmals 1804 an der Reihe.

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Der Aaregraben – Berns Segen und Fluch

Wie die übrigen Stadtkantone stellte Bern den Obrigkeitsstaat weitgehend wieder her, bemühte sich aber vergeblich um die Waadt und den Aargau. Die Stadt erhielt den alten Vorrang gegenüber der Landschaft zurück, und die alte Elite hatte wieder die Macht inne. Bedeutsam wurde die Tatsache, dass Stadt und Kanton hinsichtlich Aufgaben und Vermögen fortan in zwei selbständige Organismen geteilt waren. Eine Urkunde vom 20. September 1803 sprach der Stadt grosszügig Grundstücke, Liegenschaften und Fonds zu, aus denen sie die kommunale Verwaltung zu finanzieren hatte. Das Burgerrecht bildete wieder die alleinige Grundlage der politischen Partizipation und spaltete die Stadtbevölkerung in Burger und politisch rechtlose übrige Einwohner auf. Mit dem Sturz Napoleons und dem Einmarsch österreichischer Truppen im Dezember 1813 endete die Mediationszeit. Bern setzte die 1798 gestürzten Behörden wieder als rechtmässige Obrigkeit ein und tat damit als erster Schweizer Kanton den Schritt zur Restauration. Rückkehr zum Ancien Régime  : Restauration 1813–1831 Unter dem lenkenden Einfluss der europäischen Grossmächte kam in der Schweiz nach längeren Auseinandersetzungen der neue Bundesvertrag der nunmehr 22 Kantone zustande und wurde am 7. August 1815 feierlich beschworen. Die Tagsatzung des sehr lockeren Staatenbundes präsidierten im zweijährlichen Wechsel nur noch Zürich, Bern und Luzern. Die Kantone waren praktisch wieder souverän wie einst. Unter den aristokratischen Städteorten etablierte Bern die restaurativste Verfassung. Im 27-köpfigen Kleinen Rat stellten die Landschaft und die nichtpatrizische Burgerschaft nur gerade je zwei Mitglieder. Von den 299 Grossräten kamen nur 99 aufgrund eines komplizierten Wahlverfahrens nicht aus der Hauptstadt. Die 200 stadtbernischen Vertreter entstammten mehrheitlich dem Patriziat und übten zusätzlich die Funktion als Grosser Stadtrat von Bern aus, der über alle wichtigeren Gegenstände bestimmte. Die laufenden Geschäfte der Stadt besorgte ab 1817 eine von den Zweihundert und den Zunftgesellschaften gewählte « Stadtverwaltung » aus 34 Mitgliedern. Kanton und Stadt waren also faktisch wieder ungetrennt. Die Landstädte und die nichtpatrizische Burgerschaft der Stadt Bern mussten sich in jeder Hinsicht zurückgesetzt fühlen. Die Patrizier führten den Staat in weitgehender Anlehnung an die Zustände des Ancien Régime landesväterlich-autoritär und unternehmerisch wieder zunehmend erfolgreich, indem sie u. a. durch Salzhandel, Zölle und sparsame Verwaltung Staats- und Stadtvermögen äufneten. Allmählich begannen sich unterschiedliche politische Haltungen herauszukristallisieren. Die Ultra oder Unbedingten strebten im Unterschied zu den gemässigten Patriziern eine vollständige Rückkehr zur alten Ordnung an. Die Anhänger der freiheitlichen Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution entwickelten als Liberale ein wachsendes Oppositionspotenzial. Vor allem Schützen-, Turn- und Gesangsvereine bereiteten den Boden für die liberale und nationale Erneuerung vor. Am eidgenössischen Schützenfest, das im Juli 1830 in der Enge stattfand, versuchte die Regierung zunächst, Reden und Gesang der Festteilnehmer zu zensurieren, musste aber vor dem Protest der Patrioten zurückweichen. Friedlicher Übergang von der Aristokratie zur Demokratie  : Regeneration 1831–1848 Unter dem Eindruck der Julirevolution in Paris 1830 vermochten in mehreren Kantonen liberale Volksbewegungen Verfassungsrevisionen in Gang zu setzen. Am 10. Januar 1831 löste eine Volksversammlung in Münsingen auch in Bern den Reformprozess aus. Der von den Landstädten, vor allem von Burgdorf, ausgehende Aufruhr bewog die Patrizier bereits am 13. Januar

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1831, ihr Amt niederzulegen und damit den friedlichen Übergang zum « regenerierten » liberalen Staat zu ermöglichen. Am 31. Juli 1831 fand die erste Verfassung Berns, welche die Volkssouveränität, die Gleichheit vor dem Gesetz und die individuellen Freiheitsrechte wie Glaubensfreiheit, Handels- und Gewerbefreiheit sowie Pressefreiheit festschrieb, in einer Volksabstimmung mit 27 802 Ja gegen 2153 Nein überwältigende Zustimmung. Gemäss den Prinzipien der repräsentativen Demokratie und der Gewaltenteilung wurden ein Grosser Rat mit 240 Mitgliedern als Legislative und ein Regierungsrat mit 17 Mitgliedern als Exekutive bestellt. Die Wahlen ergaben die Dominanz der Liberalen und – infolge des an Eigentum gebundenen Wahlrechts – der Wohlhabenden. Nichtpatrizische Burgerschaft und Zunftgesellschaften der Stadt Bern hatten anfänglich den Umsturz begrüsst. Über der Frage nach der Stellung der Stadt kam es zum Zerwürfnis zwischen ihnen und den Liberalen. Die neue Verfassung begrenzte die Zahl der stadtbernischen Vertreter auf ein Drittel, was allerdings nicht ausgeschöpft wurde. 44 nichtpatrizische Burger und 18 Patrizier wirkten schliesslich im Parlament mit. Im Regierungsrat waren immerhin 10 Stadtberner vertreten. Doch mit dem rechtlichen Vorrang der Stadt über das Land war es nun vorbei  : Aus der « Stadt und Republik Bern » wurde die « Republik Bern ». Die folgenden Jahre waren durch Spannungen zwischen Stadt und Kanton geprägt. WähKarl Zeerleder ( 1780  –1851) Als junger Patrizier beginnt Karl Zeerleder mit dem Amt eines Sekretärs in der Helvetik eine erfolgreiche Beamtenkarriere, die ihn durch Mediation und Restauration hindurch bis in den Kleinen Rat führt. Wie viele Patrizier lehnt er nach dem Umsturz 1831 die Wahl in den Grossen Rat ab. Von 1832 bis 1848 wirkt er als erster Gemeindepräsident Berns. Als Mitglied der Direktion der Brückenbaugesellschaft ist er eine der treibenden Kräfte für den Bau der Nydeggbrücke.

rend sich die Stadt gegen einen Übergriff des Kantons auf das Burgergut zu wappnen suchte, befürchteten die Liberalen einen Putschversuch der Patrizier. Vermeintliche und tatsächliche Umsturzvorbereitungen beantwortete die Regierung mit Verhaftungen von Patriziern, worauf sich fragwürdige Gerichtsverfahren jahrelang hinzogen und schliesslich Gefängnis- und Geldstrafen verhängt wurden. Der Kanton reanimierte den Gemeindedualismus aus der Helvetik und ordnete im Dekret vom 19. Mai 1832 die Schaffung von Einwohner- und Burgergemeinden an. Staats- und Stadtverwaltung waren damit definitiv getrennt, und die Stadt Bern sah sich den übrigen Gemeinden im Kanton gleichgestellt. Unter Protest fügte sie sich. Die Wahlen fanden am 17. und 18. Oktober 1832 für die Einwohnergemeinde und am 1. Februar 1833 für die Burgergemeinde statt. Das aktive und passive Stimm- und Wahlrecht besass von den männlichen Kantons- oder Schweizerbürgern nur, wer über ein bestimmtes Grundeigentum im Gemeindebezirk oder über ein entsprechendes Vermögen verfügte und in bürgerlichen Ehren stand. Von der damals rund 20 000 Personen zählenden Stadtbevölkerung waren nur rund 1200 Einwohner stimmberechtigt. Die 1832 gewählten Gemeinderäte besassen mit einer Ausnahme alle das Burgerrecht der Stadt Bern. Als Privatiers und Grundbesitzer konnten sie sich unentgeltlich dem Dienst an der Gemeinschaft widmen. Somit bestand eine enge personelle Verflechtung der Einwohnergemeinde mit der Burgergemeinde, was sich beispielhaft am ersten städtischen Gemeindepräsidenten, Karl Zeerleder, zeigte  : Er hatte als Präsident der Einwohnergemeindeversammlung, des Einwohnergemeinderats, der Burgergemeindeversammlung und des Burgerrats alle vier städtischen Spitzenämter inne. Gemäss der ersten städtischen Gemeindeordnung von 1834 lag die oberste Gewalt formal bei der Gemeindeversammlung. Tatsächlich bestimmten aber die 25 auf sechs Jahre gewählten

Abbildung 16

Mitglieder des Gemeinderats die Politik, indem sie alle Geschäfte prüften und vorbereiteten. Eine starke Stellung nahm der Gemeindepräsident ein, da er in beiden Gremien den Vorsitz hatte. Ständige Kommissionen aus Gemeinderäten und externen Fachleuten erledigten die Geschäfte. Nur der Präsident der Polizeikommission erhielt eine mit einem höheren Beamtengehalt vergleichbare Besoldung. Daher war dieses Kommissionssystem von ehrenamtlicher Tätigkeit

Karl Zeerleder um 1850.

abhängig und begünstigte die Burger, die über ausreichend Zeit und Musse verfügten.

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Der Aaregraben – Berns Segen und Fluch

Der Burgerrat als Exekutive der Burgergemeindeversammlung bestand ebenfalls aus 25 Mit­ gliedern. Die Verwaltung besorgten zwölf Kommissionen, bestehend aus einem Burgerrat als Präsidenten und mehrheitlich externen Mitgliedern. Von den öffentlichen Aufgaben waren das Bauwesen, die Vormundschafts- und Armenpflege sowie teilweise das Schulwesen bei der Burgergemeinde angesiedelt. Da das städtische Vermögen ganz bei der Burgergemeinde verblieb und die Kompetenzen nur unvollständig entflochten wurden, befand sich die Einwohnergemeinde in der folgenden Zeit in dauernder Abhängigkeit von finanziellen Übereinkünften mit der Burgergemeinde. Erst die Ausscheidung von 1852 schuf zwischen Einwohnergemeinde und Burgergemeinde eine klare Trennung der öffentlichen Aufgaben und des Vermögens. Mit ihrer Honoratiorenverwaltung bildete die Stadt ein Refugium der patrizischen und burgerlichen Konservativen, die in Opposition zu den im Kanton dominierenden Liberalen standen. Sie trafen sich im 1832 gegründeten « Bernerleist » im Casino. Unter ihnen befanden sich auch Persönlichkeiten aus dem « Juste-milieu », die als gemässigte Einzelkämpfer zwischen den Fronten für schrittweise zu realisierende Reformen eintraten. Die zukünftige Entwicklung im Kanton bestimmten die Radikalen, die als jüngere Generation sich von den Liberalen abspalteten und ab 1845 mit dem « Volksverein » erstmals eine Partei im modernen Sinne bildeten. Neben der Stärkung des Zusammenhalts auf eidgenössischer Ebene strebten sie den Ausbau der Volksrechte an, was im Kanton Bern am 31. Juli 1846, dem Jahrestag der ersten Verfassung, zur Verfassungsrevision führte. Das Wahlrecht hing fortan nicht mehr vom Vermögen ab, und die Verfassungsinitiative bot dem Stimmvolk die Möglichkeit, eine Revision der Verfassung zu verlangen  ; der Grosse Rat unterlag der direkten Wahl durch das Volk ( anstatt wie bisher der indirekten durch Wahlmänner ), und der Regierungsrat bestand nur noch aus 9 Mitgliedern. Mit dem Ersatz des « Schultheissen » durch den « Regierungspräsidenten » entfernte man sich auch sprachlich vom Ancien Régime. Die Radikalen dominierten mit vier Fünfteln der Sitze im Grossen Rat und sämtlichen Sitzen im Regierungsrat. In der Stadt Bern stellten die Konservativen neun von zwölf Grossräten. Kaum zwei Monate nach ihrem Amtsantritt unterstellte die radikale Regierung den Patri­ ziern wiederum Putschgelüste, nachdem es im Oktober 1846 auf dem Markt zu Bern wegen Lebensmittelknappheit zu Ausschreitungen gekommen war. Doch 1848 war der in Bern herrschende Konservativismus kein Hinderungsgrund, die Stadt zum Bundessitz zu wählen. Bereits im Jahr zuvor hatte sie turnusgemäss die Tagsatzung beherbergt, welche unter bernischem Präsidium jene Entscheidungen traf, die zur Schaffung des modernen Bundesstaates führten.

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I

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Eine Hochbrücke muss her, aber wo  ? Die Idee

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Eine Hochbrücke muss her, aber wo  ?

Von Lerber und von Sinner ergreifen die Initiative Mitte der 1820er Jahre, als Handel und Industrie zunehmen, wird das Thema einer bequemeren Strassenverbindung in die Stadt Bern wieder aktuell. Zu mühsam und zu kostspielig sind vor allem die Gütertransporte. Ein einfacherer Zugang würde die Einfuhr und die Ausfuhr von Waren verbilligen. Und der Reise- und Postverkehr könnte Zeit sparen. Nötig ist eine Hochbrücke über die Aare. Aus eigener Initiative untersuchen alt Schultheiss Karl von Lerber und der Ingenieur Rudolf von Sinner mehrere Standorte, so bei der Nydeggkirche und beim Kornhaus. Die beste Lösung sei eine Brücke zwischen Gerechtigkeitsgasse, oberhalb der Nydeggkirche, und Thun­ strasse ( heute Muristalden ). In den Jahren 1829, 1830 und 1835 lassen von Lerber und von Sinner an insgesamt 21 Tagen den Verkehr auf der Untertorbrücke zählen. Im Mittel passieren täglich 5970 Personen, 603 Fuhrwerke, 1060 Pferde und 250 Stück Horn- und Kleinvieh die Brücke. Diese Zahlen multiplizieren sie mit einem angenommenen Tarif für den Brückenzoll und errechnen damit einen jährlichen Gesamtertrag, der Bau und Betrieb einer neuen Brücke finanzieren soll. Wohl um nicht zu optimistisch zu kalkulieren, setzen sie nur die Hälfte davon ein, nämlich 43 509 Franken. Am 1. August 1835 publizieren von Lerber und von Sinner ihre « Einladung zur Theilnahme an dem Bau einer grossen steinernen Brücke in Bern ». Eingeladen, Aktien zu zeichnen, sind alle « Behörden, Corporationen, Bürger und Bewohner der Stadt Bern, sowie alle Bürger und Be­woh­ ner unseres Kantons, welche gerne zu einem so schönen, grossartigen und allgemeinnützigen Werk beitragen wollen, … ». Die Einladungsschrift enthält bereits ein Brückenprojekt.

Karl Anton von Lerber ( 1784  –1837 ) Der Berner Patrizier und alt Schultheiss Karl von Lerber ist ab 1816 Mitglied des Grossen Rats und gehört von 1824 bis 1831 dem Kleinen Rat an. Er ist einer der wenigen Patrizier, die nach 1831 im nun liberalen Kanton mitarbeiten, als Vizepräsident des Verfassungsrats, als Grossrat und von 1831 bis 1837 als Regierungsrat. Zwischen 1834 und 1837 ist er Mitglied des Bau­ departements, das über Projekte der Stadterschliessung befindet. Bekannt ist er auch wegen seiner gemeinnützigen Arbeit und als Förderer des Banken- und Versicherungswesens. So präsidiert er die gemeinnützige Gesellschaft und gründet die Berner Kantonalbank, die Hypothekarkasse und die Mobiliarversicherungsanstalt. Rudolf Albrecht von Sinner ( 1804  –1872 ) Seine Ausbildung zum Bauingenieur erhält Rudolf Albrecht von Sinner an der Ecole des Ponts et Chaussées in Paris. In Frankreich führt er bedeutende Kanalbauten aus. Später ist er in der Schweiz tätig. In der Schweizer Armee dient er als Genieoberst.

Abbildung 17 Zählung des Verkehrs über die Untertorbrücke in den Jahren 1829, 1830 und 1835.

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Abbildung 18

Nydeggbrücke oder Kornhausbrücke ?

Die Berner Unterstadt mit der Untertorbrücke im Jahr 1830. Noch liegt das Zentrum in der heutigen unteren Altstadt ; erst 30 Jahre später wird es sich mit dem Bau des Bahnhofs stadtaufwärts verlagern.

Eine bessere Verbindung der Stadt mit dem bernischen Hauptstrassennetz ist auch ein Anliegen des Kantons. Dieser ist seit 1831 für die Strassenbaupolitik zuständig. Das Baudepartement lässt 1834 drei Projekte für den Anschluss Berns an die kurz vor Baubeginn stehende Lyss –Hindelbank-Strasse ausarbeiten : n n n

Nydeggbrücke – Zürcher Allee ( heute Papiermühlestrasse)–Worblental– Zollikofen Kornhausbrücke –Wylerfeld–Worblental–Zollikofen Aarbergertor –Engestrasse ( heute Tiefenaustrasse )–Tiefenaubrücke – Zollikofen

Abbildung 19 Die drei Varianten für eine neue Strassenverbindung von Bern nach Zollikofen. Nydeggbrücke Kornhausbrücke Engestrasse

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Eine Hochbrücke muss her, aber wo  ?

Die Variante « Engestrasse/Tiefenau » bleibt vorerst im Hintergrund, weil die Engehalde ein instabiler und wassergetränkter Steilhang ist. Um die Varianten Nydeggbrücke und Kornhaus­ brücke aber entbrennt ein Streit. Der Ingenieur und Grossrat Jean Amédée Watt spricht sich für die Kornhausbrücke aus  : « Mein Vorschlag wäre eine Brücke vom Platz vor der Reitschule [ heute  : Stadttheater, Anm. d.Verf.], hinüber gegen das Rabbenthal. Diese Einfahrt auf einen der schönsten und mitten in der Stadt gelegenen Plätze, möchte wohl nicht zweckmässiger aufgefunden werden können, [  …  ]. Uebrigens wird der Umweg schon nicht so lange aufhalten, als die jetz­tige Hinunter- und Hinauffahrt am Stalden. » Watt selber liefert einen Vorschlag für eine Kornhausbrücke. Meereshöhe 590

Abbildung 20 Das Profil ( überhöht dargestellt )

580 570 550 540

Zytglogge

560

heutiges Stadttheater

Galgenfeld Papiermühlestrasse

heutiger Viktoriaplatz

zeigt die Steigungsverhältnisse der beiden Varianten Kornhaus und Nydegg.

heutige Kornhausbrücke

Zytglogge–Galgenfeld mögliche Kornhausbrücke

Zytglogge–Breitfeld

Aargauerstalden

530 520

Niveau Nydeggbrücke

Wirtshaus zum Goldenen Adler Nydeggkirche

510 500 Aare 490 0 200 Distanz von Zytglogge

Aare 400

600

800

1000

1200

1400

Zur Variante Nydeggbrücke schreibt Watt  : « Der vor ein paar Jahren gemachte Vorschlag, eine Brücke von der Nydeckkirche hinüber zu erbauen, wäre freilich schon etwas, doch immer nur höchstens eine Drittel-Remedur  ; viel Geld würde verwendet und wenig Erleichterung erreicht werden. Dem Uebelstand kann ganz abgeholfen, und die bequemste Ein- und Ausfahrt mitten in die Stadt gebracht werden [ Kornhausbrücke, Anm.d.Verf. ] ». Auch zehn umliegende Gemeinden sprechen sich im Januar 1836 in einer Bittschrift an den Grossen Rat für die Kornhausbrücke aus. Eine vorurteilslose Betrachtung zeige ganz klar deren Vorteile gegenüber der Nydeggbrücke. Ganz anders argumentieren von Lerber und von Sinner. In der Einladungsschrift begründen sie aus ihrer Sicht ausführlich, warum die Kornhausbrücke ungeeignet sei  : n Der Standort sei falsch. Er bringe nur der oberen Stadthälfte in Richtung Aargau und Zürich eine kürzere Verbindung, hingegen Umwege für die untere Stadt, das Aaretal und das ganze Oberland. n Auch vom Kornhaus bis zum Breitfeld seien noch 20 Höhenmeter zu überwinden. Dies müsste durch eine steile Strasse oder einen gewaltigen Einschnitt erreicht werden ( ähnlich wie heute beim Kursaal, Anm. d.Verf. ). Zudem sei eine neue Strasse Richtung Worblental oder Zollikofen erforderlich. n Die neue Strasse und eine Brücke von enormen Ausmassen, 353 m lang und 45 m hoch, wür­ den Kosten verursachen, die niemals über einen Brückenzoll finanziert werden könnten.

n

Die Brücke verursache an Markttagen Stau auf dem Kornhausplatz und Behinderungen an den Kreuzungen mit den städtischen Hauptachsen.

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Die Idee

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Bittschrift der Gemeinden von Januar 1836

« [  …  ] Nun ist bestritten, ob eine Brücke vom Graben nach dem

Thun, Konolfingen und Signau, mit einer im Verhältnis zum Werk

Altenberg ( Kornhausbrücke, Anm. d. Verf. ) oder aber von der Ge-

unbedeutenden Bevölkerung, erleichtert würden, wenn die

rechtigkeitsgasse ueber der oberen Seite der Nideckkirche vorbei

­Bezirke des Oberlandes und des Simmenthales, wie es vorauszu­

über die Aare auf die Thunstrasse anzulegen sei.

sehen ist, in Kurzem eine Strasse durch das Gürbethal erhalten,

Gegen das letztere Projekt streitet vorzüglich, dass immerhin

und sodann Bern durch das obere Thor erreichen würden. [  …  ]

noch eine Steigung von 64 Schuh ( 19 m ) bis zum Zeitglocken-

[  …  ] Fasst man ins Auge, dass jährlich nach einer angestellten

thurm diesseits, und eine eben so grosse Steigung jenseits der

Berechnung über hunderttausend Waaren über dieselbe transpor-

Brücke zu machen wäre und dass durch dasselbe, da die Gerech-

tirt, und täglich über sechstausend Menschen darüber gehen

tigkeitsgasse stumpfwinklicht und die Strassen von Thun und

würden, so dürfte gewiss bei jedem Vorurtheilsfreien der innige

Aargau beinahe rechtwinklicht eingelenkt werden müssten, der

Wunsch rege werden, dass  : es möchte dem Brückenprojekt beim

beim Brückenbau nothwendigen Bedingung der grad verlaufenen

Graben in Bern der Vorzug vor demjenigen bei der Nidekkirche

Zu- und Vonfahrt nicht entsprochen werden könnte. – Ueberdies

gegeben werden. [  …  ] »

spricht nicht weniger gegen dasselbe, dass nur die Amtsbezirke

n

Eine Kornhausbrücke « [  …  ] würde das jetzt so schöne Altenbergtal wie eine hohe, durch einen einzigen Bogen durchbrochene Felswand durchschneiden, [  …  ] ». ( Von Lerber und von Sinner stellen sich eine massive Bogenbrücke aus Naturstein vor, anders als die filigrane Stahlkonstruktion der heutigen Kornhausbrücke, Anm.d.Verf. )

Ende 1835 wird die Auseinandersetzung um den Standort öffentlich. Der « Schweizerische Beobachter » kritisiert in seinem Artikel « Brückenbau zu Bern » vom 3. Dezember 1835 die Variante Nydeggbrücke, weil auch nach dem Bau die Steigungen gross seien. Der Verfasser verweist darauf, dass das kantonale Baudepartement im Herbst 1834 die Linienführung über Kornhaus – Wylerfeld–Worblaufen–Zollikofen für Stadt und Region als die vorteilhafteste bezeichnet habe. Weiter kontert der Artikel das Argument von Lerbers, dass die Kornhaus-Variante das Altenbergtal verschandle. Eine Nydeggbrücke inmitten der Altstadthäuser sei wohl das grössere Problem. Die Befürworter der Nydeggbrücke publizieren am 23. Dezember 1835 eine Replik im « Intelligenzblatt für die Stadt Bern ». Zwar räumt der Einsender ein, dass bei der Nydegg noch Höhendifferenzen zu überwinden seien, glaubt aber, durch weitere « Abgrabungen » ( Streckenverlängerungen ) von Muri- und Aargauerstalden die Steigungen nochmals reduzieren zu können. Dieser Stadteingang sei immer noch der beste für das Emmental und das Oberland. Erstmals wird auch das Argument genannt, dass diese Brücke den Staat nichts koste.

27 m hohe Brücke mit zwei Bogen Wie sieht das Projekt der Initianten von Lerber und von Sinner aus  ? Die Brücke besteht aus zwei identischen Bogen von je 160 Fuss (46,9 m ) Spannweite und 52 Fuss ( 15,25 m ) Breite. Das Stras­ senniveau liegt 93 Fuss ( 27,3 m ) über dem Niederwasserstand der Aare, etwa 5 m höher als die heutige Nydeggbrücke. Der eine Bogen überspannt stützenfrei die Aare und der zweite das Matte­ quartier bis zu den Gärten der südlichen Häuser an der Gerechtigkeitsgasse. Die Brückenachse

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Abbildungen 21 und 22 Der Vorschlag f端r eine Nydeggbr端cke, den von Lerber und von Sinner 1835 publizieren, als Ansicht von Norden und als Situation. Der Bau der Br端cke bedingt den Abbruch mehrerer H辰user an der Wendschatzgasse.

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Die Idee

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weicht deutlich von der Hauptverkehrsachse ab. Der Anschluss am andern Aareufer liegt rechts oberhalb der heutigen Kreuzung Muristalden-Aargauerstalden. Auf dem Grundriss ist gut sichtbar, dass die Brückenlinie auf der Stadtseite mehrere Häuser der Wendschatzgasse durchsticht. Den Kostenvoranschlag haben die Initianten unter Mitarbeit des im Brückenbau erfahrenen Baumeisters Remont erstellt. Er beläuft sich auf 950 000 Franken inklusive Entschädigungen. Unter Entschädigungen werden Nebenkosten aller Art verstanden, vor allem für die Ankäufe der Häuser, die für den Brückenbau abzubrechen sind. Die Einladung enthält neben dem Projektbeschrieb und den erwähnten Argumenten gegen eine Kornhausbrücke auch sogenannte Grundlagen. Artikel 1 besagt, dass die Brücke « nach den vorgelegten Plänen » zu bauen sei  ; die Linie ist im Gelände abgesteckt. Artikel 2 bis 6 bestimmen, dass die Finanzierung durch Aktien erfolgt und dass ein Brückenzoll für die laufenden Kosten, den Brückenunterhalt und die fünfprozentige Verzinsung der Aktien erhoben wird. Ein Überschuss sei für den Rückkauf der Aktien zu verwenden.

Ein Ja mit Fragezeichen In der Stadt stösst die Einladung auf grosses Interesse. Am 23. September 1835 stellt sich die Finanzkommission des Burgerrats in einem Brief an von Lerber und von Sinner grundsätzlich positiv zur Idee und fragt gleichzeitig, ob das vorgelegte Projekt bezüglich Konstruktion und

Die Wendschatzgasse Dieter Schnell Vor dem Bau der Nydeggbrücke führte die Häuserzeile der schatt­- gasse und wuchs allmählich mit dieser zusammen. Möglich wurseitigen Junkerngasse bis zur Nydeggkirche hinunter. Allerdings

de diese architektonische Verbindung zwischen den ursprünglich

lautete die Adresse der Häuser nicht Junkern-, sondern Wend-

durch Graben und Mauern getrennten Siedlungen durch die

schatzgasse, wie das historisch-topografische Lexikon der Stadt

­Verfüllung der Querrinne zwischen Post- und Junkerngasse, die

Bern weiss. Hier lesen wir auch, dass der Name von einem im

mit dem Bau des Niederen Spitals im Jahr 1307 einen terminus

15. Jahrhundert in Bern ausgestorbenen Geschlecht stamme.

ante quem hat. »

Der Gassenzug geht nicht auf die Gründung der Stadt Bern zu-

Die neuesten Forschungen widersprechen also der These, die

rück, da sich ursprünglich bei der Nydeggkirche eine Burg

auch das oben erwähnte Lexikon noch vertritt, dass der Gassen-

­befand, die sich durch Mauern und einen tiefen Graben von der

zug am Ort des ehemaligen Burggrabens erst nach dem Stadt-

westlich davon liegenden Gründungsstadt absetzte. Der Stadt­

brand von 1405 erbaut worden sei. Der Pfarrer Karl Howald

archäologe Armand Baeriswyl und der Historiker Roland Gerber

­datierte Mitte des 19. Jahrhunderts in seinen Handschriften die

schrieben 2003  : « Um 1268 zerstörten die Berner die Stadtburg

hier entstandenen Gebäude sogar noch früher. Er schrieb über

Nydegg am östlichen Rand der Gründungsstadt. Dies war der

eines der hier stehenden Häuser  : « Vor der Erbauung des Frienis-

Ausgangspunkt, um die zur Burg gehörende Siedlung am Stalden

berg Hauses standen auf dem Platz desselben zwey Häuser

als zweite Erweiterung rechtlich wie baulich mit der Stadt zu

­welche Peter und Ulrich von Bolligen, Vater und Sohn im Jahr

verbinden. [  …  ] Ausgehend von den ehemals herrschaftlichen

1302 dem Closter Frienisberg vergabet hatten, welches nun die

Kernbereichen am Flussufer entwickelte sich die Besiedlung des

beyden Häuser zusammenbrechen liess und ein Schaffnerey

Staldens nach dessen Integration in die Gründungsstadt längs

­Gebäude errichtete, wo die, dem Closter gehörigen Zehenden,

des Hauptverkehrsweges in Richtung Kram- und Gerechtigkeits-

die in der Nähe der Stadt waren, bezogen wurden. »

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Eine Hochbrücke muss her, aber wo  ?

Kosten am geeignetsten sei. Am 27. September antworten die Initianten, das Projekt sei selbstverständlich noch optimierbar und letztlich würden die Aktionäre über die Ausführung entscheiden. Am 8. Oktober 1835 bildet der Brückenbau das Haupttraktandum der Versammlung der Burgergemeinde. Aus dem Ratsbericht geht hervor, dass sich die Stadt mit 200 Aktien, also 200 000 Franken, am Brückenbau beteiligen will. In der Ratsdebatte wird sogar vorgeschlagen, die Burgergemeinde solle als Bauherr das Projekt selber in die Hand nehmen und allein finanzieren. Der Antrag unterliegt zwar, zeigt aber, wie stark die Burger an diesem Projekt interessiert sind. Der Burgerrat stellt auch Bedingungen  : Der Zugang zur Untertorbrücke dürfe nicht verbaut werden. Und die Stadt will bei der definitiven Ausgestaltung des Projekts mitreden. Das Projekt sei einer Prüfung durch unabhängige Sachverständige zu unterziehen. Die Skepsis gegenüber dem Projekt des Ingenieurs von Sinner ist nachvollziehbar. Karl Emanuel Müller, der später für den Bau der Nydeggbrücke zuständige Bauunternehmer, kritisiert in seiner Baugeschichte von 1848  : « Nach diesem Plane, [  …  ] hätte die Aare mit einem Bogen von 160 Fuss lichter Weite übersetzt werden sollen, während ein zweiter von gleicher Spannung über die Strasse und die Häuser der Matte hergestellt worden wäre. In Betreff der Richtung scheint uns das Projekt ohne Nothwendigkeit und ohne überwiegende Vortheile allzu sehr von der Richtung der Gerechtigkeitsgasse abzuweichen, was bei der vorgeschlagenen Höhe der Brücke, bei welcher sie horizontal in besagte Gasse geführt worden wäre, das Auge um so mehr würde beleidigt haben. In Betreff des Projekts selbst scheint uns der bedeutende Bogen von 160 Fuss Spannung über die Matte nicht genügend gerechtfertigt, indem er grössere Auslagen als fast jede andere Anordnung verursachen musste, ohne dem Bau technische Vortheile von

« … würde eine solche Prüfung höchst vorteilhaft werden »

Aus dem Schreiben der Finanzkommission der Burgergemeinde

zu diesem grossen und wichtigen Baue schon hinreichend reif

vom 23. September 1835 an von Lerber und von Sinner. Die

zur Ausführung und nicht noch mehrerer Vervollkommnung fähig

Trennung von Burgergemeinde und Einwohnergemeinde war zu

seyen. [  …  ] Bey allem Vertrauen in die Bauweise des Herrn

diesem Zeitpunkt nicht vollständig vollzogen. Das Bauwesen

Sinner könnte sich die Finanz Commission nur dann zum Antrag

war noch in der Hand der Burgergemeinde  :

auf eine bedeutende Theilnahme an der Unternehmung ent-

« /  :Tit  :/ Die burgerliche Finanz Commission ist von Titl. Burger

schliessen, wenn die Pläne und Kostensberechnungen durch

Rathe aufgefordert worden  : sich über Wohldero Antrag auf Theil-

Experten in diesem Fache untersucht, geprüft und begutachtet

nahme der hiesigen Burgergemeinde an der projektirten Brücke

worden wären  ; so dass über ihre möglichste Zweckmässigkeit

zu berathen, und ist von demselben ermächtigt worden  : mit

und Durchführbarkeit keinerley Zweifel mehr obwalten würden.

den Titl. Herrn Antragstellern in nähere Erörterung über diesen

Sie glaubt zudem, dass es Herrn Sinner selbst erwünscht seyn

Gegenstand einzutreten.

müsste, die Ansicht sachverständiger Männer über seine Pläne

Die Finanz Commission interessiert sich lebhaft für dieses schö-

zu kennen und nöthigenfalls zu benutzen, und dem Unternehmen

ne Unternehmen und zweifelt nicht daran, so wie sie auch selbst

selbst würde eine solche Prüfung höchst vortheilhaft werden,

darauf antragen wird, dass die Stadtbehörden dasselbe kräftig

indem sich die Theilnehmer alsdann gewiss in grösserer Anzahl

unterstützen werden. Bevor sie sich jedoch über die Ausdehnung

und mit Beruhigung melden dürften. Die Finanz Commission

ihrer Theilnahme aussprechen kann, wünscht sie, dass Euer Titl.

ersucht Sie [  …  ], ihr gefälligst Auskunft geben zu wollen  :

ihr gefälligst einige Erläuterungen geben möchten  : ob die Pläne

inwiefern Sie geneigt seyen, diesem Begehren zu entsprechen  ? »

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Die Idee

Johann Daniel Osterrieth ( 1768  –1839 ) Geboren und ausgebildet in Strassburg, lebt Johann Daniel Osterrieth ab 1789 in Bern. 1803 wird er Baumeister des Kantons Bern. 1821 erhält er das Burgerrecht. Ab 1832 ist er Mitglied des kantonalen Baudepartements. Johann Daniel Osterrieth gilt als wichtiger Vertreter des Klassizismus. Er baut mehrere Kirchen und Pfarrhäuser in berni­schen Landgemeinden, zum Beispiel in Grosshöchstetten, und öffentliche Bauten in Bern, so das Aarbergertor und das Grosse Zuchthaus. Die ­meisten seiner Bauten in der Stadt sind nicht erhalten.

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einigem Belang zu gewähren. In ästhetischer Beziehung würde die geflissentlich herbeigeführte gerade Zahl der Bogen nicht sehr gut gestanden haben, und zwar um so mehr, weil der einzige ganz freie und desshalb hauptsächlich ins Auge fallende Bogen über die Aare weder als Mittelpunkt noch als Haupttheil des Baues erschienen wäre. » Auch aus baustatischer Sicht überzeugt das Projekt nicht  : In der Bogenmitte ist das Mauerwerk dünn, die benachbarten Pfeiler hin­ gegen sind massiv. Unterschiedliche Ausdehnungen bei Temperaturdifferenzen hätten in dem schwachen Bogenscheitelbereich bald Schäden entstehen lassen. Fünf Monate nach der « Einladung zur Theilnahme », am 28. Januar 1836, führt von Lerber die erste Versammlung durch. Bereits liegen Zusagen über mehr als 700 000 Franken vor. Die Versammlung bildet ein prominent besetztes Komitee mit 17 Mitgliedern, davon zwei Regierungsräte, unter der Leitung von Lerbers. Es soll die Statuten der Gesellschaft ausarbeiten. Ausserdem soll ein « engerer Ausschuss » mit fünf Mitgliedern das durch von Sinner erarbeitete Projekt beurteilen. In diesem Ausschuss arbeiten Gemeindepräsident Karl Zeerleder, alt Land­ ammann Anton Simon, der liberal gesinnte Oberst Karl Koch und der Architekt Johann Daniel Osterrieth mit. Am 30. März 1836 genehmigt die Gründungsversammlung die Statuten. Die Gesellschaft ist damit konstituiert und handlungsfähig. Karl von Lerber kann wegen Krankheit nicht an der Versammlung teilnehmen.

Die Initianten steigen aus Nur drei Tage später, am 2. April 1836, erhält Zeerleder ein Schreiben von Herrn Largin, dem Sekretär des Herrn von Lerber, mit welchem sich der Initiant von der eben gegründeten Gesellschaft distanziert. Was ist passiert  ? Von Lerber und von Sinner sind mit den am 30. März genehmigten Statuten nicht einverstanden. Diese weichen von ihrem seinerzeitigen Entwurf ab. So ist der Gesellschaftszweck nicht das von den Initianten vorgelegte Projekt, sondern allgemeiner formuliert eine steinerne Brücke « in dem untenher dem Gasthof zum goldenen Adler gelegenen Theile der Stadt Bern ». Gemäss Statuten soll jede Aktie einer Stimme entsprechen, die Initianten wollten die Stimmkraft degressiv gestalten. Und der Zinssatz beträgt maximal 5 Prozent, statt fix 5 Prozent, wie im Entwurf vorgesehen. Am 5. April trifft die Antwort des Komitees ein. Für einen Austritt von Lerbers aus der Gesellschaft bestehe kein Anlass, sein Projekt sei überhaupt nicht vom Tisch. Dieses werde jetzt geprüft, und die Aktionäre würden dann entscheiden. Man zweifle nicht daran, dass der Vorschlag von Lerber/von Sinner bestätigt werde. Man verschicke nun die Statuten an alle Aktionäre, und diese könnten ihren definitiven Beitritt durch Gegenzeichnung bestätigen. Am 9. April erhalten die Aktionäre ein Schreiben, in welchem die Initianten erklären, der Gesellschaft nicht beizutreten, und weitere Schritte « zur Beförderung der Sache » ankündigen. Nochmals betonen sie, dass die am 30. März beschlossenen Statuten von den ursprünglichen Grundlagen wesentlich abwichen, auf die hin über 700 Aktien zugesichert worden seien. Der Fünferausschuss habe sich mit 4 zu 1 Stimmen für das Projekt von Sinners ausgesprochen und gegen einen – inzwischen vom Architekten Osterrieth eingereichten – Vorschlag für eine andere Linie, der wesentlich schwieriger auszuführen wäre und « wenigstens mehrere Hunderttausend Franken mehr kosten würde ». Weiter kritisieren von Lerber und von Sinner den limitierten Aktienzinssatz und sprechen den Verdacht aus, man wolle den Aktionären den gerechten Zins

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Eine Hochbrücke muss her, aber wo  ?

nicht einmal dann auszahlen, wenn genügend Geld vorhanden sei. Und sie verheissen den Aktionären Verluste auf ihren Einlagen, die diese bei einem Engagement für ein Phantomprojekt ohne jegliche Sicherheitsgarantie erleiden würden. Die Kommission verfasst am 18. April einen Aktionärsbrief, in welchem sie als Reaktion « auf die Insinuationen vom 9.4. » erklärt, ihre Aufgabe und das Ziel der Gesellschaft seien durch den Rücktritt des Präsidenten von Lerber und des Herrn von Sinner in keiner Weise tangiert. Am 21. April verschicken die Initianten ein Einladungsschreiben zur Gründung einer anderen Gesellschaft an die Aktionäre. Es gehe nur um das Projekt von Lerber/von Sinner. Dieses könne nach externer Begutachtung noch angepasst werden. Von Lerber und von Sinner wollen persönlich dafür Sicherheit leisten, dass die Baukosten 800 000 Franken oder 1 Million inklusive Nebenkosten nicht überschreiten. Am 19. Mai wird ein flammender Appell von Lerbers an einer ausserordentlichen Versammlung der Burgergemeinde vorgelesen. Die Anwesenden sind beeindruckt, mehrere Votanten wünschen eine Versöhnung. Die Meinungen gehen aber so weit auseinander, dass kein Eintreten zustande kommt  ; der Burgerrat erhält den Auftrag, das Geschäft der nächsten ordentlichen Versammlung vom 1. Juni vorzulegen. An dieser Versammlung wird die Entwicklung allgemein bedauert  : « [  …  ] Überhaupt gibt Niemand in einem der Wiedervereinigung entgegengesetzten Sinne sich kund  ; sondern man lässt vielmehr den vielfachen Verdienst der HH. von Lerber und Sinner um die vorhandenen Vor­ arbeiten, allgemein Anerkennung zu Theil werden. [  …  ] ». Der Rat beschliesst, der Gesellschaft selber vorderhand nicht beizutreten, sondern auf eigene Kosten eine Expertise durch auswärtige Sachverständige erstellen zu lassen. Dafür spricht er einen Kredit von 6000 Franken. Der Aufruf der Initianten zur Bildung einer zweiten Brückenbaugesellschaft wird keinen Erfolg bringen. Von Lerber ist gesundheitlich angeschlagen. Er wird sich von seiner Krankheit, die schon seine Teilnahme an den entscheidenden Versammlungen verhindert hat, nicht mehr erholen. Am 30. März 1837 verstirbt er, genau ein Jahr nach der für ihn so fatalen Gründungsver­samm­lung. Von Sinner reicht später ein weiteres Projekt ein, eine Brücke mit drei Bogen und einer Linienführung ähnlich der heutigen Brücke. Es kommt aber nicht mehr zur Beurteilung.

Revanche der Patrizier  ?

Warum von Lerber und von Sinner sich so rasch zurückgezogen

Welchen Einfluss hatten die persönlichen Beziehungen der

haben, lässt sich aus heutiger Sicht nicht schlüssig sagen. Die

Hauptakteure  ? Von Lerber, Osterrieth und Simon waren seit 1832

Zeichnung der Aktien verlief erfolgreich. Die Kommission und der

Kommissionsvertreter im kantonalen Baudepartement und

Fünferausschuss äusserten sich grundsätzlich positiv zu ihrem

Zeerleder sass wie von Lerber jahrelang im Grossen Rat. Könnte

Projekt. Auch nach einer Modifikation war die Chance gross, dass

es sich sogar um eine Revanche der Patrizier am « Kollaborateur »

die beiden Initianten den Auftrag für die Realisierung erhalten

von Lerber handeln, der im Gegensatz zu den meisten Patriziern

hätten.

im liberalen Kanton konstruktiv mit­arbeitete  ?

Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, warum Kommission

Und handelte die Kommission aus ethischer Sicht korrekt, als sie

und Burgergemeinde so rasch von der ursprünglichen Idee ab-

eine vorliegende Idee und das Potenzial der Aktionäre praktisch

rückten. Warum setzten sich die befürwortenden Stimmen nicht

usurpierte  ? ­Würde sie mit ihrem Vorgehen heutiges Urheberrecht

durch, obwohl sie in der Mehrheit waren  ?

verletzen  ?

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Der Autor Urs Emch Dipl. Bauingenieur ETH/ SIA, geb. 1943  ; Obligatorische Schulen und Gymnasium in Thun, Studium ETH 1964–68, nach Anstellungen in Ingenieur­büros in Zürich und Bern 1976–2006 eigenes Ingenieurbüro für Konstruktiven Ingenieurbau, Historische Bauten, Umweltschutztechnik, Verkehrsplanung ( ITEC Ingenieur AG Bern ). Instandsetzungsprojekte und Bauleitungen für mehrere Natursteinbrücken in der Region Bern ( Nydeggbrücke Bern, Untertorbrücke Bern, Alte Schwarzwasserbrücke Köniz/Schwarzenburg, Scherlibach­ brücke Niederscherli ). 2006 Verkauf der Firma zwecks Nachfolgeregelung. Seit 2009 Senior Consultant/ freier Mitarbeiter in der Firma Basler & Hofmann, Ingenieure und Planer Bern.

Die Koautoren Jörg Amport Dipl. Bauing. HTL/FH, geboren 1961  ; Lehre als Tiefbauzeichner. Studium zum Bauingenieur HTL, 25 Jahre Emch + Berger AG Bern (Kadermitglied und Leitender Ingenieur), seit 2005 bei der Marti Holding AG, Mitglied der Zentralleitung. Seit 2000 Prüfungsexperte BFH/AHB  : Christine Bläuer Dr. phil. nat./CHGeol/SIA, Mineralogin/Konservierungsnaturwissenschaftlerin, geboren 1954  ; Lehre als Hochbauzeichnerin, Studium Geologie und Mineralogie-Petrographie, Promotion zur Verwitterung der Berner Sandsteine, Mitarbeit in Forschungsprojekten zur Wandmalereikonservierung, vielfältige Gutachterund Lehrtätigkeit sowie Publikationen zu Konservierungsfragen an Steinen, Mörteln und Wandmalereien, eigene Firma, Conservation Science Consulting Sàrl, in Freiburg ( www.cscsarl.ch ). Hans-Rudolf von Dach Dipl. Steinhauer, Dipl. Steinmetzmeister, geboren 1960  ; Lehre als Steinhauer in Bern. Ab 1979 in vierter Generation Steinbruchmeister im Steinbruch Krauchtal, Rud. von Dach Steinbruch Krauchtal. Weiterbildung über vier Jahre an der Kunstgewerbeschule Bern, Ausbildung zum Steinmetzmeister. Als Inhaber der von Dach Natursteine AG unter anderem Restauration der Nydeggbrücke 1989  –1991. Emil Erne Dr. phil. hist., Historiker, geboren 1948  ; Studium der Geschichte, der Germanistik und der Pädagogik an den Universitäten Bern und Kiel  ; 1977 bis 1986 Gymnasiallehrer für Geschichte und Deutsch  ; 1990 bis 2011 Stadtarchivar von Bern  ; 2003 Mitherausgeber der Berner Stadtgeschichte. Daniel Flückiger Dr. phil. hist., Historiker, geboren 1980  ; Studium der Geschichte, Volkswirtschaftslehre, Soziologie  ; 2009 bis 2012 Projektleiter beim Schweizerischen Bauernverband  ; seit 2012 Leiter Kommunikation bei Mutterkuh Schweiz  ; 2011 Publikation « Strassen für alle. Infrastrukturpolitik im Kanton Bern 1790  –1850 ». Christian Kissling geboren 1962, Theologe und Jurist, seit 2008 Fachspezialist Recht im Tiefbauamt der Stadt Bern. In dieser Funktion beschäftigt er sich u.a. mit Werkverträgen, mit Brücken und anderen Kunstbauten. Er war an mehreren Forschungsprojekten zur Geschichte des öffentlichen Rechts der Schweiz beteiligt.

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Toni Labhart Dr. phil. nat, geboren 1937  ; ehemaliger Dozent für Gesteinskunde an der Universität Bern. Tätigkeitsbereiche  : Unterricht  ; alpine Feldgeologie ( unter anderem geologische Kartierung der Urner Hochalpen )  ; allgemeinverständliche Publikationen ( « Geologie der Schweiz », « Granitland Grimsel » )  ; Arbeiten über historische Bausteine ( « Steinführer Bundeshaus », « Marmore von Grindelwald und Rosenlaui », « Die Steine Berns » ). Dieter Schnell PD Dr. phil., geboren 1962  ; Besuch des Lehrerseminars Hofwil, Studium der Architekturgeschichte, der Philosophie und der Psychologie an der Universität Bern. 1993  –  2000 Assistent von Prof. Dr. Kurt W. Forster an der ETH Zürich. Seit 2001 Dozent für Geschichte und Theorie der Architektur und der Denkmalpflege an der Berner Fachhochschule. Seit 2003 Privatdozent für Architekturgeschichte am Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern. Zahlreiche Publikationen zur Architektur und Architekturtheorie des 18. bis 20. Jahrhunderts in der Schweiz. Heinz Schürer dipl. Bauingenieur ETH, geboren 1935  ; 12 Jahre Tätigkeit in einer Bauunternehmung auf den Gebieten Stahlbeton, Holzbau und Brückenbau. 1971 Gründung des eigenen Ingenieurbüros für Statik und Konstruk­ tion, seit den achtziger Jahren hauptsächlich beschäftigt mit Entwurf und Bau von Brückenlehrgerüsten und Schalungen sowie mit dem Umbau und der Sanierung historischer Bauten. Hans Stadler-Planzer Dr. phil. I, geboren 1945  ; Studium Geschichte und Philosophie in Freiburg i.Ue., Basel und Bern. Inhaber des Büros für Geschichte und Archiv in Attinghausen UR. Verfasser einer « Geschichte des Landes Uri » sowie zahlreicher weiterer Publikationen vor allem zu historischen Themen der Innerschweiz und zur Kunstgeschichte. 1999 umfangreiche Biografie über Karl Emanuel Müller ( 1804  –1869 ), den Erbauer der Nydeggbrücke Bern.

Das Fotoprojekt Die in das Werk eingestreuten ganzseitigen Fotografien der Nydeggbrücke entstanden während eines im Sommer 2012 exklusiv für dieses Buch organisierten Fotoprojekts mit Lernenden der Fachklasse für Grafik an der Schule für Gestaltung Basel. Die Fotografinnen und Fotografen  : Anaïs Briner, Amaru Eslava, Céline Güttinger, Vera Hofer, Shana Messerli, Lukas Schmid, Solomon Tettey und Dominique Wegmüller. Projektleitung und -begleitung  : Regine Flury und Nicholas Mühlberg, SfG Basel.

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Bildnachweis 1 Modell im Bernischen Historischen Museum, Foto P. Kästli. 2 Burgerbibliothek Bern, Gr.B. 62. 3 Ver­ messungsamt der Stadt Bern. 5 Haus von Niklaus Rot in Dotzigen BE, Foto P. Kästli, Hinweis in «Seebutz» 1992. 6 Ausschnitt aus Sickingerplan 1607, StaBE AA IV 87, Foto P. Kästli. 7 Stadtarchiv SP 100. 8 Foto U.Emch. 9 Foto P. Kästli. 10 «    Statt Bern von Mitternacht  », D. Herrliberger 1757, Graphische Sammlung Nationalbibliothek Bern, Fotomontage Gonthier Architekten Bern. 11 BHM, Inventar Nr. 34551. 12 BHM, Inventar Nr. 34553. 13 Aus: F. Limbach, Die schöne Stadt Bern. 14 UB ZB Kartensammlung des Zentrums Historische Bestände 1844, Kanton Bern, K690094, Fotomontage Gonthier Architekten Bern. 15 UB ZB Kartensammlung des Zentrums Historische Bestände, Karten 1844 und 1811, Stadt-Bern, K206049, Fotomontage Gonthier Architekten Bern. Darstellungsidee aus Bern – eine Stadt bricht auf. 16 Burgerbibliothek Bern, Neg. 1321. 17 StAB BBX 1818. 18 Kolorierte Umrissradierung von Franz Schmid (1796–1851), NB GS-GUGE-SCHMID-F-B-7. 19 StAB, Archiveinheit AA VIII, Foto P. Kästli. 21 Stadtarchiv EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Foto FotoFrutig Bern. 22 StAB Br 373, Foto P. Kästli. 23 Aus: Carlo Donegani – Una via da seguire, Liceo Scientifico «    Carlo Donegani  », Sondrio, 2002. 24, 25 Aus: Deux projets de pont sur l’Aar a Berne, Stadtarchiv Bern, EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Foto FotoFrutig Bern. 26 Aus: Carlo Bernardo Mosca – Un ingegnere architetto tra illuminismo e restauratione. 27 Foto U. Emch. 28 Politecnico di Torino, DICAS-LSBC, FM 523. 29 Politecnico di Torino, DICAS-LSBC, FM 524, Fotomontage Gonthier Architekten Bern. 30 Poli­ tecnico di Torino, DICAS-LSBC, FM 521. 31, 32 Deux projets de pont sur l’Aar a Berne, Stadtarchiv Bern, EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Foto FotoFrutig Bern. 33 Stadtarchiv Bern, EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Foto P. Kästli. 34, 35 Aus: Second et troisieme projet de pont sur l’Aar a Berne, ZB H var Q 1157, Foto FotoFrutig Bern. 36 Lithographie von August Prinzhofer, 1845, Wikipedia. 37, 38 Wikipedia. 40, 41 StAB BBX 1818, Foto FotoFrutig Bern. 42 StAB Br 384, Foto P. Kästli. 43 StAB BBX 1808, Foto FotoFrutig Bern. 44 StAB Br 375, Foto P. Kästli. 45 Stadtarchiv Bern, EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Foto U. Emch. 46 Burgerbibliothek Bern, FP_E_383. 47–51 StAB BBX 1818, Foto FotoFrutig Bern. 52 www.matte.ch/mattearchiv. 53 Foto U. Emch. 54 StAB AA VIII 139, Foto P. Kästli. 55 Aus: Stadler-Planzer Hans, Karl Emanuel Müller (1804–1869), Ingenieur Unternehmer Staatsmann. 56 StAB Br 384. 57 Stadtarchiv Bern, EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Foto P. Kästli. 58 Aufnahmeplan ITEC Ingenieur AG 1991. 59 Stadtarchiv Bern, EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Foto P. Kästli. 60 ETH Bibloithek Rar 9973, Fotomontage: Gonthier Architekten Bern. 61 StAB BBX 1803. 62, 63 ETH Bibloithek Rar 9973. 64 Stadtarchiv Bern, EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Foto P. Kästli. 65 StAB BBX 1805. 66 Stadtarchiv Bern, EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Foto P. Kästli. 67 StAB Br 384. 68 Burgerbib Gr.B.166. 69 Foto P. Kästli. 70 StAB Br 378, Foto P. Kästli. 71 ETH Bib Rar 9973. 72 Stadtarchiv Bern, EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Foto P. Kästli. 73 Städt. Liegenschaftsverwaltung, Fotomontage Gonthier Architekten Bern. 74,75 Stadtarchiv Bern, EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Fotos P. Kästli. 76,77 Fotos H.-R.von Dach. 78 Burgerbib Mss.h.h.XXIb.389. 79 Stadtarchiv Bern, EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Foto P. Kästli. 80 Burgerbib Gr.C.68. 81 StAB BBX 1818. 82 Stadtarchiv Bern, EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Foto P. Kästli. 83 Foto P. Kästli. 84 StAB VIII/ II 36 a. 85 Baustoffe StAB AA VIII 139, Fotomontage Gonthier Architekten Bern. 86, 88–92 Fotos T. Labhart. 87 Burgerbib FN.G.C.737. 93 UB ZB Bern. ZB Zeit Q 9. 94 StAB, «    Hinkender Bot  » 1846. 95 StAB BBX 1818. 96 StAB BBX 1822. 98 StAB Br 382. 99 StAB BBX 1810. 100 Stadtarchiv Bern, SP 325e. 101 StAB BBX 1818, Foto FotoFrutig Bern. 102, 103 Fotos U. Emch. 104,105,110 Strasse und Verkehr 2/92. 107–109, 112 Fotos U. Emch. Abbildungen Kapiteltitel IV–X basierend auf Fotomontagen von Gonthier Architekten Bern. Pläne Karl Emanuel Müller im Anhang Stadtarchiv Bern, EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Fotos P. Kästli. Umschlag Zeichnung U1 unten basierend auf einer Fotomontage von Gonthier Architekten Bern. Zeichnung U1 oben links Stadtarchiv Bern, EB 6.21 3 Nydeggbrücke, Foto P. Kästli. Fotos U1 oben rechts und U4 Anaïs Briner, Fachklasse für Grafik Basel.

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