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RÄUME FÜR ALLE
TRÄUME VOM GLÜCK
ZIELE AM HORIZONT
Drinnen und draußen das Ötztal erkunden
Oben, unten und rundum urlaubsselig sein
Überall dem Ötztaler Pioniergeist begegnen
Ötztal. Tirol in Hochform.
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EDITORIAL
Liebe Gäste, bei uns hat alles Priorität, was ein gesundes Miteinander von Besuchern, Bewohnern und Mitarbeitern möglich macht. Wir vom Ötztal Magazin tragen dazu bei mit Inspirationen und Informationen für die einzigartige, so erholsame wie erlebnisreiche und sichere Sommerfrische in unserem Tal. In unserem neuen Magazin für den Sommer 2021 stehen die Ötztaler Lebensräume als Fixpunkte im Fokus. Sie sind jederzeit und für immer unsere Freiräume – allen voran die grandiose Natur der Ötztaler Alpen. Mitten im Klimawandel überrascht sie uns sogar mit einem neuen Lebensraum, den Gletschervorfeldern und ihrer außergewöhnlichen Flora. Beobachtet, erlebt, nutzt und schont mit uns die natürlichen Lebensräume, ob als Abenteuer- oder Sportfreunde, ob als Berg- oder Naturfreunde aller Art! Lebensräume sind auch Arbeitsräume. Wir zeigen euch, was Dorfchronisten, Historiker, Seilbahner oder Wetterexperten im Ötztal für uns alle tun. „Hauptsache, wir haben ein Dach über dem Kopf!“ Das sagten einst hochalpine Bergsteiger. Unser Magazin nimmt euch mit auf Reisen durch die Außen- und Innenräume der Ötztaler Herbergs- und Wohnkultur im Wandel der Zeit. Grenzenlos ist der Lebensraum der Fantasie. Unser Ötztal Magazin nimmt euch mit auf Schatzsuche und spannende Touren. Herzlich, euer Redaktionsteam
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12 Vom Eis befreit – Das Gletschervorfeld als neuer Lebensraum
42 Ein Like fürs Bike So toll lernen Kinder biken
34 Impressum Herausgeber: Ötztal Tourismus, 6450 Sölden Konzept Inhalt: media von mersi Redaktionsbüro, Wien Konzept Layout: NORDEN Werbeagentur, Innsbruck, www.norden.co Redaktion: Isolde v. Mersi, Carmen Fender, Yvonne Auer Creative Director: Julian Sprengel Fotoredaktion: Yvonne Auer, NORDEN Werbeagentur Coverbild: Wandern in Gurgl, Heinz Zak Bildnachweis: © Ötztal Tourismus – C. Bayer, S. Dierk, W. Elmer, M. Geisler, D. Gehm, U. Grinzinger, R. Gstrein, E. Hessenberger, J. Hohfeld, E. Holzknecht, T. Hupfer, J. Kreulitsch, M. Krings, F. Künzel L. Lehmeier, A. Lohmann, E. Lorenzi, F. Oss, C. Penning, B. Ritschel, B. Schäfer, P. Schildbach, C. Schöch D. Schultheiß, J. Sprengel, P. Stöckl, T. Vielgut, W. Watzke, R. Wyhlidal, H. Zak , ©Aqua Dome, © Berghotel Gstrein, © Heimatmuseum Längenfeld, © Turmmuseum Oetz, © AREA 47 – R. Wyhlidal, © Bergbahnen Sölden – C. Nösig, © Bergbahnen Hochoetz – C. Schneider, © Liftgesellschaft Obergurgl-Hochgurgl, © Naturpark Ötztal, © Ötzi-Dorf Die jeweiligen Autorenbilder wurden mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt. Illustrationen: © Ötztal Tourismus – NORDEN Werbeagentur/L. Günther Auflage: 32.000 D/EN Druck: Buchdruckerei Lustenau Offenlegung lt. § 15 Mediengesetz: Eigentümer zu 100 % und Herausgeber ist Ötztal Tourismus, 6450 Sölden, T +43 (0) 57200, info@oetztal.com, Direktor Mag. Oliver Schwarz
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Quelle des Wohlbefindens Die Geschichte der Therme
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Inhalt Bergsteigen
Wandern
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Vom Eis befreit
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5 Fragen zum Bergwetter
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Vom Luxus des Überlebens
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Hier geht’s rund
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Standpunkt: Gebt mir die Gipfel!
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Standpunkt: Lasst mir die Talgründe!
Natur
Wir Ötztaler
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Holla die Gams
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Heimkehrer
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Röslein schwarz
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Training für die Seele
Landleben
Familie
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Herrgottswinkel
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Blicke in den Zauberspiegel
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Bäuerliche Wort-Antiquitäten
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Ein Like fürs Bike
Wasser 34
Quelle des Wohlbefindens
Abenteuer 37
Standards
Radsport 44
Mountainbiken am Taleingang
Kultur 46
Alles außer gewöhnlich
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Das Coole am Ötzi
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Talschluss: Am Puls der Zeit
Unten am Fluss
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Editorial
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Inhalt & Impressum
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Ötztal Flash
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Impressionen
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Ötztal Rätsel – mit Gewinn!
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Ötztal Landkarte
Genuss 38
Tradition trifft Innovation
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Ausklang: Gute Geister
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NEWS
Ötztal Flash Memmingen/ München DE
Garmisch/München
Fernpass
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Friedrichshafen Telfs
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Imst Zürich
Arlberg
ÖTZTAL HAIMING BAHNHOF HAIMINGER BERG OCHSENGARTEN A12
SAUTENS
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Innsbruck Zirl
Kühtai
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UMHAUSEN
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Salzburg/Wien München
NIEDERTHAI
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SALZBURG FRIEDRICHSHAFEN
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VENT
Ötztal & i-Oetztal – Mobile App Kostenlose Mobile App: www.oetztal.com
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OBERGURGL
Das Ötztal im Social Network Facebook, Instagram, YouTube und WhatsApp führen Sie virtuell ins Ötztal. Wir bauen unsere Kommunikation über Social Media laufend weiter aus.
Timmelsjoch/ Wintersperre
NEWS
Das Ötztal und Covid-19
Zur Ergänzung behördlicher Corona-Sicherheitsvorgaben führt Ötztal Tourismus seine eigene, 2020 eingerichtete Taskforce auch in diesem Sommer weiter mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen zur flexiblen und zielgenauen Reaktion auf die aktuelle Lage im Tal. Immer aktuell: www.oetztal.com/covid-19
Oetz und sein Kulturturm
Mit der Ausstellung „Der Stuibenfall. Kleine Kulturgeschichte eines Naturdenkmals“ und dem Begleitbuch von Walter Falkner zeigt das Turmmuseum Oetz Tirols größten Wasserfall von Mai bis Oktober 2021 aus neuer Perspektive. Durch den Ortskern ins Turmmuseum führen die wöchentlichen Kinder- und Familienführungen „Zeitreise durch das alte Oetz in den Turm“. www.oetztalermuseen.at/turmmuseum
Mehr Öffis für Biker
Aufgerüstet haben die öffentlichen Linienbusse seit 2020 mit neuen, einfach zu bedienenden Anhängern für jeweils 16 Bikes und E-Bikes. Zwischen Imst und Gurgl steht Fahrgästen bei 10 Bussen kostenloser Radtransport zur Verfügung. An den Haltestellen gibt es QR-Codes, um per Smartphone frühzeitig freie Kapazitäten abzufragen. www.soelden.com/biken
Sesshafte und Fahrende
„Jenische“ nennen sich Nachfahren eines verarmten und diskriminierten Teils der Tiroler Bevölkerung. Der Geschichte dieser umherziehenden Wanderhändler oder Pfannenflicker widmet sich der Gedächtnisspeicher in Lehn/Längenfeld mit der Ausstellung „Fahrend? Jenische Geschichten“ von Juni 2021 bis Oktober 2021. Die „Jenischen Kulturtage“ sind für den 17. und 18. Juli 2021 im Veranstaltungszentrum Kalkbrennanlage Sautens angesetzt. www.oetztalermuseen.at/gedachtnisspeicher
Artenvielfalt in Gefahr
Die Ötztaler Flora und Fauna ist artenreich, aber vielfach bedroht. Daher setzt sich der Naturpark Ötztal 2021 mit den Themen „Artenvielfalt“ und „Artensterben“ auseinander: In der Sommerausstellung im Naturparkhaus in Längenfeld, aber auch im talweiten Veranstaltungs- und Wanderangebot.
Den Stressstecker ziehen
Ein Wochenende zum Entspannen und Krafttanken mit Bewegung und Naturbeobachtung, Kulinarik und Musik bietet das Bergsteigerdorf mit dem Wochenendprogramm „Vent unplugged“ im September 2021. www.vent.at
www.naturpark-oetztal.at
Ötztaler Genussbotschafter
Seit 2020 dürfen sich die ersten jungen Köche der gehobenen Gastronomie und Hotellerie offiziell „Ötztaler Genussbotschafter“ nennen. Nachdem sie in 3 Modulen Zusatzqualifikationen in den Themengebieten „Ötztaler Fleischspezialitäten“, „Almwirtschaft im Ötztal“ und „Obst, Wein, Wild, Fisch, Foodhunting, Natur und Kultur“ erworben haben, repräsentieren sie in ihren Betrieben die Vielfalt der kulinarischen Traditionen und die Vielfalt des Tals.
Geolehrpfad Winkelberg 2.0
Neue Lernimpulse zum Köfler Bergsturz und seinen Gesteinen gibt es in Längenfeld. Der Erlebnisweg auf der bewährten Route des Geolehrpfads mit Start in Winklen und Ziel am Winkelbergsee hat 10 neue Stationen. Mit Hilfe von Installationen vor Ort, einer analogen Karte und der Locandy App können Besucher das Rätsel des Köfler Bergsturzes lösen. www.laengenfeld.com
www.oetztal-genussbotschafter.at
Preisgekröntes Ötztal Magazin
In der Kategorie Brand Communication – Print hat das Ötztal Magazin den German Brand Award 2020 des Rats für Formgebung gewonnen, eines der weltweit führenden Kompetenzzentren für Design, Kommunikation und Innovation.
Ötztal Websites www.oetztal.com www.soelden.com www.gurgl.com
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Christian Schneider
WIDIVERSUM Hochoetz 2.020 Meter
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Wolfgang Watzke
BIKE REPUBLIC SÖLDEN „Fernar Trail“
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IMPRESSIONEN
Heinz Zak
Zirbenwald und Klettersteig in Obergurgl 1.930 Meter
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Blick ins Rotmoostal
Vom Eis befreit Bernd Ritschel
Wo die Gletscher geschmolzen sind, entsteht in kurzer Zeit ein neuer Lebensraum für Tiere und Pflanzen: das Gletschervorfeld. Unser Autor hat die neuen Naturwunder am Rand des Rotmoosferners in Gurgl beobachtet.
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ine Herde Haflinger galoppiert voller Leichtigkeit und mit wehenden Mähnen über die Wiesen bei der Schönwieshütte. Ein grüner Hügel, dahinter ein weites Tal. Bin ich hier wirklich in den Alpen? Ja, und wie. Auch wenn das Rotmoostal vom Landschaftsbild wunderbar in das schottische Hochland oder gar nach Island passen würde, so ist es doch ein Teil der Ötztaler Alpen. Alles hier erinnert an eine archaische, seit Ewigkeiten unveränderte Urlandschaft. Über vier Kilometer zieht das Hochtal als grüner Trog Richtung Südosten. Erst an seinem Ende steilen sich die Geröll- und Felsflanken auf, bevor die Eisfelder des Rotmoos- und Wasserfallferners zu den schroffen Gipfeln hinaufziehen. Beide Gletscher haben sich in den letzten Jahren stark zurückgezogen. Und genau dort, wo das Eis zuletzt abgeschmolzen ist, entsteht ein neuer Lebensraum der Natur. Aber was tritt unter dem Eis zutage? Wie lange dauert es, bis sich erstes Leben, erstes Grün und damit wieder eine Pflanzen- und Tierwelt dort ansiedelt?
Maximaler Wandel
Heute weiß man, dass vor allem die Gletscherzungen in den Tieflagen, die nicht von Schutt bedeckt sind, sehr
Rotmoostal
schnell abschmelzen. Die Flächen, die das Eis freigibt, nennt man Gletschervorfeld. Dort entwickelt sich binnen weniger Jahre neues Leben. An den Rändern wachsen erste Büsche und Bäume, im Vorfeld selbst blühen Dutzende verschiedener Blumen. Die Wurzeln dieser jungen Vegetation stabilisieren den Boden und verhindern damit das Wegspülen von Erdreich, Kies und Sand bei Starkregen und Hochwasser. Der Botaniker Roland Mayer vom „Naturpark Ötztal“ ist begeistert: „Es gibt nur wenige Orte auf der Erde, wo sich die Natur – das heißt die Pflanzen- und Tierwelt – so frei und in so einer Fülle und Vielfalt entwickeln kann wie in einem neu entstanden Gletschervorfeld. Hier passiert maximale Veränderung auf engstem Raum und in kürzester Zeit.“
Alpen-Leinkraut
Als der gut markierte Wanderweg hinauf zum Rücken der Hohen Mut nach links abzweigt, gehe ich einfach geradeaus weiter. Nur mehr selten entdecke ich ein paar Trittspuren im Sand. Eis und Wasser haben hier kleine Moränenrücken und windgeschützte Mulden entstehen lassen. Vorsichtig setze ich meine Schritte auf den Fels. Überall dort, wo Sand und Kies überwiegen, schmücken bunte Farbkleckse den graubraunen Boden. Es sind abertausende kleiner Blumen, die Licht
„
Es gibt nur wenige Orte auf der Erde, wo sich die Natur so frei entwickeln kann. Hier passiert maximale Veränderung auf engstem Raum und in kürzester Zeit.
“
und Wärme des kurzen Sommers nutzen. Mal überwiegt das Violett des Alpen-Leinkrauts, dann wieder das leuchtende Gelb des Fetthennen-Steinbrechs. Wenige Meter weiter entdecke ich einen Alpentragant und einen komplett mit Stängellosem Leimkraut bewachsenen kleinen Buckel. Niemals hätte ich in diesem kargen Gelände so eine Blumenvielfalt erwartet. Welche Kraft steckt nur in all den winzigen Blumen, um den von Regen und Wind verdichteten Sand zu durchdringen? In diesem kleinen Gletschervorfeld auf fast 2.500 Meter kann man jeden Sommer wieder Evolution pur erleben. Weit verzweigt hat sich der Gletscherbach vom Rotmoosferner seinen Lauf durchs Tal gesucht und die Landschaft gestaltet. Mal mäandert er um Kiesbänke herum, wenig später sind es fast ein Dutzend einzelner Wasserläufe, die parallel talaus fließen. Selbst auf den Inseln dazwischen, die ja nur aus Geröll und Sand bestehen, blüht es im Juni und Juli. Links und rechts der Bachläufe stehen die sattgrünen Wiesen und die feuchten Moos- und Moorflächen, für die das Rotmoostal so bekannt ist. Weißes Wollgras weht im lauen Wind des Nachmittags.
„Es war einmal...“
Mit diesen Worten werde ich wohl in ein paar Jahren ein „modernes“ Märchen für meine Enkel beginnen. Es wird
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Vom Rotmoosferner existieren nur noch ein paar einzelne Gletscherreste unter dem Rotmoosjoch. Schlimm? Ja und nein. Alpentragant im Rotmoostal
ein Märchen voll eisiger Abenteuer und leidenschaftlicher Emotionen. Eine Frage stellt sich aber jetzt schon: Wird es den Rotmoosferner dann überhaupt noch geben? An manchen Tagen sind es eher traurige Erinnerungen, die ich mit dem Rückgang der Gletscher in den Alpen verbinde. So manche Eistouren, die wir in unserer Jugend, das heißt vor mittlerweile 40 Jahren, noch durchwegs mit Steigeisen an den Bergschuhen gehen konnten, sind heute im Hochsommer eisfreie Bergtouren. Die Gletscher ziehen sich unaufhaltsam in die Hochlagen der Alpen zurück.
Nichts bleibt, wie es ist
Landschaftlich hat sich die Schöpfung mit dem Rotmoostal und der Hohen Mut in epischer Schönheit entfaltet. 15 Dreitausender umrahmen den Kamm der Hohen Mut. Alles überragend steht
im Talschluss der 3.489 Meter hohe Hintere Seelenkogel. Links davon das tausendfach fotografierte und auf Postkarten verewigte Dreigestirn von Scheiber-, Trinker- und Heuflerkogel. Im Osten ragen steil und abweisend Gipfel wie Granatenkogel, Hochfirst und Liebenerspitze auf. Alles scheint wie immer – und doch hat sich die Landschaft massiv verändert. Im Frühsommer bedecken noch große, strahlend weiße Schneeflächen das Eis der Gletscher und vor allem auch die neu entstandenen, weitläufigen Geröllhänge. Im Spätsommer, wenn nur noch die schneefreien Gletscherflächen im Talschluss zu sehen sind, wird das volle Ausmaß des Gletscherrückganges sichtbar. Schon seit vielen Jahren sind der Rotmoos- und der Wasserfallferner nicht mehr miteinander verbunden. Noch in den 1980er Jahren verschmolzen ihre Eisströme zu einer breiten, mächtigen
Zunge. Mittlerweile hat sich der Wasserfallferner bis weit hinauf Richtung Seelenkogel zurückgezogen. Vom Rotmoosferner existieren nur noch ein paar einzelne, nicht mehr miteinander verbundene Gletscherreste unter dem Rotmoosjoch. Schlimm? Ja und nein. Seit es die Erde gibt, verändert sie ihr Antlitz. Aber wir Menschen brauchen sie zum Leben und ohne Natur gibt es für uns langfristig kein Überleben.
„Happy End?“
Nur noch ein paar hundert Meter trennen mich von der sonnigen Terrasse der Schönwieshütte. Hunger und Durst haben meinen Schritt zuletzt beschleunigt. Selbstverständlich suche ich mir einen Tisch mit ungetrübtem Blick ins Rotmoostal. Die Traurigkeit beim Gedanken an die zurückweichenden Gletscher weicht jetzt Freude und Zuver-
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HOCHGURGL
Noch im Frühling 2003 waren der Rotmoosferner und der Wasserfallferner miteinander verbunden (links). Mittlerweile ist die schmale Eiszunge längst abgeschmolzen und beide Gletscher haben sich weit zurückgezogen (rechts). 14
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ROTMOOSTAL
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Die Schönwieshütte 2.270 Meter
sicht. Zuversicht deswegen, weil ich dort hinten niemals in so kurzer Zeit so viel frisches Leben erwartet hätte und Freude, weil das Rotmoostal auch mit kleineren Gletschern einfach wunderschön ist. Kein anderes Gletschervorfeld im Ötztal ist so vielfältig und dank der Seilbahn auf die Hohe Mut auch so angenehm zu erreichen. Seit es die Erde gibt, gibt es den Wandel. Altes geht, Neues entsteht. Natürlich müssen wir alle Anstrengung auf den Schutz dieser so wertvollen Natur richten. Deren Kraft und Ressourcen sind begrenzt. Doch letztendlich erzählt jedes einzelne neue Gletschervorfeld, das gerade in den Alpen entsteht, von einem kleinen Wunder. Und – zumindest lokal betrachtet – von einem kleinen ökologischen „Happy End“. Das sollte uns Menschen Ansporn sein.
BERND RITSCHEL Rotmoostal
Das Ötztal ist seit Jahrzehnten eines der bevorzugten Touren- und Fotomotivreviere des international renommierten bayerischen Autors und Fotografen.
Weitere Informationen unter
Wollgras im Rotmoostal
www.oetztal.com
www.naturpark-oetztal.at Berg-Blogs unter
www.oetztal.com/magazin
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Vom Luxus des Überlebens Maren Krings
LÄNGENFELD
SÖLDEN
HOCHSTUBAIHÜTTE ZWIESELSTEIN
Hochstubaihütte 3.175 Meter
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Nur vom Sölder Windachtal aus ist die Hochstubaihütte zu Fuß erreichbar. 3.175 Meter über dem Meer ruht der Hüttenzauber auf einem Fundament aus straffer Logistik und höherer Improvisationskunst.
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as Geräusch schlagender Rotoren erreicht mich, als ich auf Augenhöhe mit Bergkräutern eine Wildbiene im Windachtal beobachte. Sekunden später fliegt ein Helikopter über mich hinweg, voll beladen mit Nahrungsmitteln und Bauholz an einem langen Tau. Knappe zwölf Flugminuten wird der Heli brauchen, um die 1.200 Meter vom Tal zur Hochstubaihütte zurückzulegen. Wir dagegen haben noch viele Stunden Fußmarsch vor uns. Silvia, meine Bergführerin, hat diese Route wegen des „Überraschungsei-Effekts“ ausgewählt. Der steile Weg schlängelt sich durch drei Vegetationszonen, von den Almwiesen des Windachtals ins karge Gelände oberhalb der Baumgrenze und zuletzt in hochalpines Gelände, das die „Himmelsleiter“ markiert. Diese senkrecht angelegte Treppe im Fels entlässt uns in das Hochplateau, auf dem majestätisch die Hochstubaihütte thront. Zugegeben, diese Tour ist nichts für einen geschwächten Körper wie meinen, ohne Akklimatisierung an die Höhe über der Dreitausendergrenze. Für mich kamen die Anzeichen der Höhenkrankheit überraschend. Jedoch komme es häufiger vor, dass Besucher kreideweiß um eine kräftigende Suppe bäten statt ums wohlverdiente Weißbier, tröstet der DAV-Hüttenwart Heiko Kunath. Der Hüttenwirt Thomas Grollmus wird auf einer der am höchsten gelegenen Hütten im europäischen Alpenraum meist mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert. Denn weit ist der Weg für alles, was hier oben gebraucht wird. Darum gibt es die Unterscheidung zwischen überlebenswichtigen Dingen und Luxusgütern. Letztere muss man selbst hoch-, Reste selbst wieder hinuntertragen. Eine passende Parabel für unsere ökologische Krise, finde ich. Nach dem köstlichen Abendessen erkunde ich die unberührte Berglandschaft ringsum. Ein atemberaubender Sonnenuntergang schenkt uns ganz ohne Strom
einen Kinoabend – erste Reihe. Hinter uns türmen sich aber bereits große Gewitterwolken auf. Die Urkraft der Elemente stellt für Thomas oft eine harte Herausforderung dar. Auf dem Weg zum 100 Meter tiefer gelegenen Schmelzwassersee für den Wasserbedarf der Hütte zeugen unzählige Blitzeinschläge in der Strom- und Wasserleitung von den heftigen Unwettern, die den Hüttenbetrieb schon behindert haben. Für Thomas alles kein Problem, denn neben seiner langjährigen Erfahrung als Heeresbergführer ist er gelernter Elektriker, leidenschaftlicher Koch, Wasseraufbereitungsexperte, alpiner Ersthelfer vor Ort und …na ja, einfacher wäre es, Qualitäten aufzuzählen, die er nicht besitzt.
Höhere Logistik
„Bevor man sich hier oben darauf verlassen kann, Hilfe zu bekommen, ist es sinnvoller, sich selbst zu helfen“, bemerkt er beiläufig im Gespräch. Auf Hütten in Extremlage ist alles höherer Logistik unterworfen, von der Gasflasche bis zur Müllentsorgung. Dazu zählt während der knapp 3 Monate dauernden Saison außer 650 kg Restmüll auch der organische Müll, den die Gäste erleichtert in zwei Trockentoiletten hinterlassen. Die Container müssen ein bis zwei Mal pro Saison ausgeschaufelt, ihr Inhalt gut verpackt mit dem Helikopter abtransportiert werden. Eine echte „Scheißarbeit“, aber sie gehört dazu. Anerkennend erzählt Thomas, dass die Dresdner DAV-Mitglieder auch bei dieser Arbeit ohne Zögern kräftig mit anpacken. „Hier oben“, so erzählt er weiter, „geht eben ohne solidarisches Miteinander gar nichts.“ Auf dem Dach des Winterraums befinden sich neue Solarzellen. Sie ersetzen das Dieselaggregat, das nur mehr ersatzweise bei tiefer Verschneiung zum Einsatz kommt. Allerdings reicht der Solarstrom nicht für Warmwasser: Duschen gibt’s nicht. Das Brennholz zum Beheizen bringt der Heli.
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Hochstubaihütte
Teure Luftpost
Nur kurz ist die Pause, die Thomas sich gönnen kann, um mir die Logistik der Hüttenversorgung zu zeigen, denn auf dem Herd kocht bereits das Gulasch für die nächsten Hüttengäste. „Wie schaut es mit den Vegetariern aus?“, frage ich. Nun schmunzelt Thomas, der sonst eher ernst wirkt: „Für den Umweltschutz würden die Vegetarier besser daran tun, hier Fleisch zu essen.“ Wie das, wo doch erwiesen ist, dass Fleischkonsum global hohe CO2-Emissionen verursacht? Einleuchtend Thomas’ Erklärung: „Auf dieser Höhe gehört frisches Gemüse zur Kategorie ,Luxus’.“
Cessna auf Kufen auf dem Gletscher vor dem Winterraum. Das geht jetzt nicht mehr, weil das Gletschereis massiv weggeschmolzen ist. An ein Relikt aus dieser Zeit erinnert sich Thomas noch, der seit neun Jahren die Hütte bewirtschaftet: Ein Kasten Bier, der am Ende der Cessna-Landebahn deponiert und von einem Schneesturm begraben wurde. Jahrzehnte später aperte der Bierkasten aus – leider leer! Nachdenklich schaut Thomas zum Wütenkarferner, wo sich die Gletscherspalten wie ein Spinnennetz herausgebildet haben. Er fürchtet, das Ende dieses Gletschers noch zu erleben. Am frühen Vormittag zeigt das Thermometer bereits 21 Grad Celsius auf über 3.000Meter an. Wir beginnen den Abstieg, zurück zu Leichtigkeit und Luxus, mit geschärftem Sinn für die fragile Schönheit der Alpen.
Weitere Informationen unter
www.hochstubaihuette.at Berg-Blogs unter
www.oetztal.com/magazin
Hüttenwirt Thomas
Den Fleischvorrat für die ganze Saison bringt der Heli beim ersten Versorgungsflug; er wird sofort in der Tiefkühltruhe gelagert. Bei frischen Obst- und Gemüsesorten ist das nicht ohne weiteres möglich. Tatsächlich hat die steigende Zahl von Vegetariern (im Tal bei weniger aufwändigen Transportwegen sehr löblich) die Zahl der Versorgungsflüge verdreifacht. Momentan jedoch fliegt der Heli nie leer ins Tal, erzählt Thomas, während er auf den wachsenden Berg Plastikmüll im Lagerraum deutet. Bis Mitte der 1990er Jahre versorgten zwei Materialseilbahnen die Hütte. Weil sie immer wieder von Lawinen zerstört wurden, stellte man auf Belieferung aus der Luft um. Anfänglich landete eine 18
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MAREN KRINGS Die Dokumentarfotografin, Autorin und Nomadin ist fokussiert auf soziale und ökologische Auswirkungen der Klimakrise. Sie publiziert in internationalen Medien.
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Heimkehrer Die Technikleidenschaft hat den Ötztaler Patrick Kuprian hinaus in die Welt geführt. Heute geht er seiner Berufung bei den Bergbahnen Sölden nach. Markus Geisler
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ei unserem Zusammentreffen auf der Sonnenterrasse in Hochsölden fällt die Giggijochbahn ins Blickfeld. Dass Patrick Kuprian einmal am Bau der weltweit leistungsstärksten Seilbahn mitwirken würde, hat er in seiner Jugendzeit nicht erwartet. Als 15-Jährigem waren ihm nur zwei Dinge klar: „Ich wollte einen technischen Beruf erlernen und gleichzeitig nicht in die Fußstapfen meines Vaters als Betriebsleiter treten.“ Zwei Jahrzehnte später hat sich dieser Vorsatz überlebt. Heute verantwortet Kuprian als Betriebsleiter der Bergbahnen Sölden sieben Seilbahnanlagen im Bereich Gampe und führt ein Team von rund 30 Mitarbeitern.
Fort von daheim
Der Lebensweg des Mittdreißigers ist geprägt von der Lust auf neue Erfahrungen. Beim Seilbahnproduzenten Doppelmayr absolvierte er seine Ausbildung zum Elektroanlagentechniker, blieb danach fast 12 Jahre in Vorarlberg. Als Montagetechniker wurde er zum Vielflieger: Auf allen Kontinenten bereitete der Ötztaler neue Bergbahnen für die Inbetriebnahme vor. Sein zufriedenes Fazit: „Ich bin froh über diese Zeit. Dadurch schätze ich das Ötztal mehr.“ 2012 hatte der Sölder genug vom Leben aus dem Koffer und startete als Techniker bei den Bergbahnen. Nach Aus- und Fortbildungen und einem Fachhochschulstudium trägt er den Titel „Akademischer Experte für Seilbahnmanagement“. Die Faszination für seinen Beruf ist ungebrochen: „Eigentlich haben wir ja zwei Jobs. Einmal Dienstleister und dann Techniker. Leider ist die Wahrnehmung für die anspruchsvollen Tätigkeiten an den Seilbahnanlagen bei vielen Menschen nicht besonders ausgeprägt.“
Patrick Kuprian
Das Funkgerät ist Patricks ständiger Begleiter. Unten: Die weltweit leistungsstärkste Seilbahn: Giggijochbahn in Sölden.
MARKUS GEISLER Der Längenfelder arbeitet in einer Kommunikationsagentur in Imst und widmet sich mit viel Leidenschaft den facet-
Berg-Blogs unter
www.oetztal.com/magazin
tenreichen Themen des Ötztals.
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Fragen zum Bergwetter Unser Autor hat mit dem Tiroler Meteorologen Thomas Pichler erörtert, was Wanderer und Bergsteiger über das sommerliche Wetter in den Alpen wissen sollten. Und dazu passende Profi-Tipps für die Tourenplanung bekommen. Uwe Grinzinger 1. Woran erkenne ich seriöse Wetterportale im Internet?
Der regionale Wetterexperte Thomas Pichler empfiehlt, zu hinterfragen: „Steht da ein professioneller Wetterdienst dahinter, bei dem auch tatsächlich ein Meteorologe die Prognose erstellt? Oder handelt es sich um ein kommerzielles Portal, das nur User auf seine Seite locken will?“ Ersterer liefert in der Regel verlässliche, regional zugeschnittene Vorhersagen. Letzteres dagegen automatisierte Computerprognosen, auf Wunsch auch für jeden Punkt der Erde – oft von zweifelhafter Qualität, ohne jeglichen Text, nur mit bunten Symbolen. „Im Zweifelsfall sollte man sich da eher an die amtlichen, staatlichen Wetterberichte halten“, rät Thomas. Auch der Vorhersagezeitraum gibt Aufschlüsse: Detailprognosen, die über fünf Tage hinausgehen, sind nicht sonderlich seriös. 20
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2. Gibt’s Gewitter nur an Sommernachmittagen?
Nein. Nur das bekanntere Wärmegewitter tritt vor allem im Sommerhalbjahr auf, bevorzugt in der zweiten Tageshälfte. Wer also seine Wanderung früh beendet, kann dem Wärmegewitter recht gut aus dem Weg gehen. Genau das funktioniert beim Frontgewitter nicht: Diese zweite Gewitterart kann zu jeder Jahres- und Tageszeit auftauchen – eben dann, wenn eine Schlechtwetterfront eintrifft. Zusätzlich zu Blitz und Donner bringen Frontgewitter oft einen markanten Wettersturz samt Abkühlung. Umso wichtiger ist hier ein möglichst präziser Wetterbericht. Denn das einzig Sichere bei einem Gewitter ist: in keines hineinkommen!
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Wetterforscher Pichler mit Messgeräten
4. Was bedeuten Fronten für den Wanderer?
3. Was unterscheidet beide Gewitterarten?
„Das Wärmegewitter erkennt man gut anhand der Quellwolken, die allmählich in die Höhe wachsen“, erklärt Thomas Pichler. Beim Frontgewitter dagegen bleibt oft viel weniger Zeit zum Wolkenbeobachten und Reagieren: Schon bald nach den ersten Anzeichen bilden sich mächtige Quellwolken, Blitz und Donner.
Sie bringen Wetterverschlechterung und Regen – die Frage ist nur, wie schnell und wie intensiv. Bei einer Warmfront passiert das meist gemächlich. Wer sich darauf einstellt, irgendwann nass zu werden und vorsichtshalber in Talnähe bleibt, kann bei Warmfrontaufzug durchaus noch kurze Wanderungen unternehmen. Ganz anders bei der Kaltfront: Sie sorgt häufig für plötzliche Temperaturstürze, starke Niederschläge und manchmal auch Gewitter – die oben erwähnten Frontgewitter. Ein Regensymbol alleine ist bei der Wetterprognose somit zu wenig, um zwischen Warm- und Kaltfront zu unterscheiden. Der Wetterbericht muss auch erklären, warum es zum Regen kommt.
5. Welche Eigenheiten hat das Wetter im Ötztal?
Expertentipps Meteorologe Thomas Pichler übers Bergwetter
1. Wetterbericht studieren Immer über die Wetterentwicklung informieren, spätestens am Vortag. Mithilfe der Prognose dann die Tour planen. Dabei das Wanderziel an den Wetterbericht anpassen, nicht umgekehrt!
2. Früh aufstehen Zeitig starten, speziell im Sommer! Denn im Tagesverlauf nimmt die Gefahr von Schauern und Wärmegewittern üblicherweise zu.
„Dass es hier drei Wetterregionen gibt“, weiß Thomas Pichler. „Sie wiederholen, vereinfacht gesagt, den großen Querschnitt von Alpennordseite – Inneralpin – Alpensüdseite. Und zwar innerhalb eines Tales: Das vordere, nördliche Ötztal, bis etwa Umhausen, erhält Niederschläge häufiger von Nordwesten. Der Bereich nahe dem Alpenhauptkamm, zwischen Obergurgl und Vent, ist hingegen stärker von Süden her beeinflusst. Dazwischen liegt das mittlere Ötztal, von Längenfeld bis Sölden. Es bekommt aus beiden Himmelsrichtungen in etwa gleich viel ab.“ Weitere Informationen unter
3. Regen-, Wind- und Kälteschutz mitnehmen
www.zamg.ac.at
www.oetztal.com/wetter
Auch am schönsten Tag kann sich das Wetter Berg-Blogs unter
im Tagesverlauf schnell ändern. Daher gehören Regenjacke,
Haube
und
Handschuhe
immer
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in den Rucksack – egal wie die Prognose ist.
4. Den Höhenwind beachten Ziehen Wolken mit dem Wind über den Himmel, befinde ich mich wahrscheinlich in einer wechselhaften Wetterphase. Mit plötzlichen Wetterumschwüngen ist zu rechnen, auch schon früh am Tag.
5. Bei Südföhn aufpassen Föhniger Südwind kündigt gerade im Ötztal häufig
UWE GRINZINGER
markante Wetterstürze an: Gewitter, Starkregen, massive Abkühlung, bis hin zu Schneefall im
Der Bergfotograf, -journalist und Wanderführer-Ausbil-
Gebirge – auch im Sommer.
der ist bei einer Bergtour erst einmal so richtig ins Gewitter gekommen. Das reicht ihm aber fürs gesamte Leben.
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WA N D E R N
Dagmar Gehm
Zurück in die Zeit eines der größten Abenteuer des vergangenen Jahrhunderts führt der 18 Kilometer lange Piccard-Rundweg, der sich zu beiden Seiten der Gurgler Ache entlangzieht.
A
ls der tollkühne Stratosphärenforscher Auguste Piccard zur Notlandung auf dem Gurgler Ferner ansetzen musste, sah der Gletscher noch wesentlich beeindruckender aus als heute. Geradezu einladend, um das seltsame Luftgefährt des Schweizers sowie seines Assistenten, dem Ingenieur Paul Kipfer, am 27. Mai 1931 butterweich abzufedern. Wahrscheinlich würde der Ferner auch heute noch eine punktgenaue Landung garantieren, denn er ist trotz ständiger Schmelze mit 9,58 km² der drittgrößte Gletscher Tirols. Piccards Ballonlandung machte das abgeschiedene Dorf Obergurgl da-
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mals mit einem Schlag berühmt. Heute kommen Wanderer auf dem Piccard-Rundweg zum Schauplatz der Geschichte. Der Weg ist mittelschwer und erfordert eine gute Kondition. Sich zu verlaufen ist ausgeschlossen, denn von Obergurgl aus geht es immer nur in eine Richtung und nach Überquerung der spektakulären Hängebrücke in die andere Richtung zurück. Ab dem gut beschilderten Einstieg in Obergurgl auf 1.930 Meter immer im Blick: Die Langtalereckhütte auf der Ostseite der Schlucht. Über Grashänge geht es zunächst auf der Westseite zur aufgelassenen Küppelealm mit ihrer halb verfallenen Hirtenhütte auf 2.303 Meter.
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Wolkenkuckucksheim
Immer begleitet vom Duft wilder Blumen und Kräuter, müssen wir über mehr als sieben Brücken gehen, unter denen kleine Sturzbäche rauschen, die sich vom Mannigenbach abspalten. Murmeltiere machen Männchen, Bartgeier kreisen hoch am Himmel. Irgendwann stehen wir unter dem hohen Felsvorsprung, auf dem das traditionsreiche Ramolhaus, die Hütte des Deutschen Alpenvereins „Sektion Hamburg und Niederelbe“, auf 3.006 Meter Höhe thront. Ein echtes „Wolkenkuckucksheim“, eingerahmt von einem Wolkenkranz. Wer dort übernachten möchte, muss den rechten Abzweig nehmen. Wir bleiben auf dem erst 2017 angelegten Weg zur Brücke, zum Ferner. Bald spannt sich am Talschluss die Pic-
de Kugel im Ortszentrum von Obergurgl stellt den Ballon dar, mit dem der experimentierfreudige Professor und sein Assistent Paul Kipfer von Augsburg gestartet waren, als erste Menschen eine Höhe von knapp 16.000 Meter erreicht und danach wegen eines technischen Versagens hier auf dem Gletscher zur Notlandung angesetzt hatten. Das Ereignis ging durch die Welt-
SÖLDEN
HOCHGURGL OBERGURGL VENT PICCARD-RUNDWEG
Knödelvariationen
Piccard-Hängebrücke
card-Hängebrücke in 100 Meter Höhe. Höhe über die Schlucht. Noch im 18. Jahrhundert konnte man einfach über den Ferner laufen, um auf die andere Seite zu kommen. Immer mehr zog sich die Gletscherzunge zurück und erschwerte die Überquerung. Steinschlag und Hochwasser hatten mehrmals die vorherige Brücke beschädigt. Zeit für eine neue, kühne Konstruktion.
Wie auf dem Mars
In unmittelbarer Nähe der neuen Hängebrücke war Auguste Piccard notgelandet. Eine große glänzen-
presse und brachte Gurgl in die Schlagzeilen. „Schönes, unbekanntes Hochgebirge, Gondel und Ballon liegen auf einem Gletscher“, hatte Piccard nach der glücklichen Landung in sein Bordbuch notiert. Eine Tafel an der Brücke berichtet von dem Abenteuer. Auf der anderen Seite der Brücke, auf dem Weg ins Langtal, scheinen wir auf dem Mars gelandet zu sein. Rote Felsen, wohin man schaut. Schön abgeflacht und angenehm zum Wandern sind die meisten – das perfekte Podest für den weiten Panoramablick auf Obergurgl!
Info Rundweg: Der 18 km lange Piccard-Rundweg ist mittelschwer und eignet sich für geübte Bergwanderer mit guter Kondition.
Langtalereckhütte 2.450 Meter
www.gurgl.com
Und oh Wunder – die langersehnte Langtalereckhütte (2.450 Meter) rückt näher. Endlich Einkehr! Urgemütlich ist es in der 1928/29 erbauten und später erweiterten Hütte der Sektion Karlsruhe des Deutschen Alpenvereins. Senior-Pächter Melitta und Georg Gufler unterstützen ihren Sohn, Hüttenwirt Mario, zum Beispiel bei der Herstellung von Knödeln in allen Variationen, mit Schweinsbraten
Ramolhaus 3.006 Meter
und Gulasch. Serviert wird rund um die beiden alten Kachelöfen. Frisch gestärkt treten wir den letzten Abschnitt der langen Wanderung an, passieren die Zollwachhütte, eine kleine Kapelle und die Schönwieshütte, um nach sieben Stunden und 1.076 Meter Abstieg wieder in Obergurgl einzutreffen. Direkt neben dem silberfarbenen Ballon des Piccard-Denkmals im Ortszentrum. Der Kreis hat sich geschlossen. O E T Z TA L - M AG. C O M
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S TA N D P U N K T
n e f l ug h ö H Bernd Ritschel
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ir die Gipfel
in Schritt vor und ein halber zurück. Die Oberschenkel brennen, der Atem geht schwer. Nein, ich wurde nicht unfreiwillig aufs Tanzparkett gezogen. Traumtänzer bin ich trotzdem: Ich versuche gerade, in einer gut 35 Grad steilen Geröllflanke irgendwie an Höhe zu gewinnen. Weglos und einsam. Alles um mich herum scheint lose und locker zu sein, alles rutscht und wackelt. Erst als eine begrünte Rampe nach rechts hinauf zum Südgrat des Lochkogels zieht, geht es sich leichter. Wenig später trete ich aus dem Schatten ins Licht. Die Sonne blendet in glasklarer Luft. Ein Stück steige ich noch höher, um mich auf einem flachen Absatz ins trockene Gras zu setzen. Um mich herum nur Stille und Weite, Schönheit und Friede. 1.800 Meter tiefer verteilen sich die Häuser von Huben im flachen Grün, eine Talstufe höher glitzern die Dächer von Sölden in der tief stehenden Sonne. Beim Blick über die Gipfel bekomme ich eine Gänsehaut: Über 60 Dreitausender ragen in den tiefblauen Himmel. Auf die Atterkarspitze und die Wilde Leck im Süden folgen die vergletscherten Gipfel des Gurgler Kammes. Auf die wuchtigen Berge des Ramolkammes folgt das riesige Gletschermeer der Wildspitze (3.774 Meter). Im Westen all die Gipfel des Geigenkammes und des dahinterliegenden Kaunergrates.
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!
All diese Berge gaben und geben meinem Leben Sinn. Allerdings versuchte ich in den letzten Jahren, ein wenig „Druck“ aus meinem alpinen Tatendrang zu nehmen. Schwierigkeitsgrade und Gipfelhöhen traten in den Hintergrund. „Der Weg ist das Ziel“ wurde zu meiner fotografischen und entschleunigenden Maxime. Aber wenn ich ehrlich bin, ist es nach wie vor ein unbeschreiblich schönes, ein erhebendes, ja fast magisches Gefühl, den höchsten Punkt eines Berges zu betreten. Hinauszuschauen aufs Wogen des Gipfelmeers, hinabzublicken in die Täler. Der alpine Dauerseller des 79-jährigen Tiroler Spitzenbergsteigers Peter Habeler über sein aufregendes Leben mit und in den Bergen der Welt trägt den Titel „Das Ziel ist der Gipfel“. Recht hat er.
Sinn des Nutzlosen
Natürlich ist es nutzlos, auf die Gipfel der Alpen und anderer Gebirge zu steigen. Aber wenn der Nutzen all der Anstrengung, all der Quälerei, der Abenteuer und der Gefahren mir auch weiterhin so viel pures Glück schenkt, bin ich gerne bereit, weiter dem Nutzlosen zu frönen. Weise Worte des chinesischen Philosophen Tschuang-Tse: „Alle kennen den Nutzen des Nützlichen, aber niemand versteht den Nutzen des Nutzlosen.“
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Isolde v. Mersi
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nkommen im Ötztal: Natürlich beginnt das für die meisten Gäste in einer Bodenstation. Viele zieht es aber sofort weiter auf die höchsten Höhen der Ötztaler Alpen. Mich nicht. Ich schaue diese grandiosen Berge am liebsten als Bühnenkulisse der Natur vom Parkett aus an. Meine ersten Runden ziehe ich immer um die Kirche im Dorf – egal, wo ich lande: Draußen in Oetz, Umhausen oder Längenfeld, drinnen in Sölden, Vent oder Obergurgl. Ich schaue, was es Neues gibt: Promenaden, Radoder Themenwege, Restaurierungen, Kultur- oder Natureinrichtungen. Ich kehre ein in Gastwirtschaften, die ich immer schon mochte, und probiere ein paar neue aus. Am liebsten in Gesellschaft von Menschen, die ich im Lauf vieler Jahre im Ötztal kennen und schätzen gelernt habe.
Lob der Vielfalt
Ganz unten ist gut sein, weil die Orte im Talgrund eine Art Scharnier zwischen Kultur- und Naturraum sind. Vom leise plätschernden Dorfbrunnen ist es nicht weit zum tosenden Wasserfall, das Heimatmuseum liegt am Waldesrand, das Ötzi-Dorf ebenso. Weil ich sehr ungern steil, aber umso lieber weit gehe, sind mir ausgedehnte Wanderungen von Dorf zu Dorf am liebsten.
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Ich bin glücklich, wenn ich den weichen Waldboden unter meinen Füßen federn spüre und den Duft von Farnen, Moos und Pilzen einatme. Oder wenn ich dann aus dem Waldesdämmerlicht auf hell leuchtende Wiesen komme, auf denen malerisch Kühe, Schafe oder Pferde, aber auch schöne Kapellen oder Höfe stehen. Und dann hinein in historische Dorfgassen! Windschiefe Scheunen mit Schindeldach, kunstvoll aufgeschichtete Brennholzstapel, liebevoll freskierte Fassaden: Ich kann mich daran niemals sattsehen. Voll in meinem Element fühle ich mich freilich an den Waal- und Wasserwegen. Ich bin neben einem Bach aufgewachsen, der so schnell, so schön und so wild ist wie die Ötztaler Ache. Bis heute schlafe ich am besten in Zimmern, von denen aus ich das Wasser laut rauschen höre. Einmal, da war ich höchstens vier Jahre alt, fürchtete meine Mutter, ich sei in den Bach gefallen, weil ich aus dem Garten verschwunden war. Mein Vater fand mich schließlich. Im Gasthaus. Am Stammtisch. Mitten in einer Runde honoriger Herren, die sich köstlich über mein Geplauder amüsierten und mir dafür einen Saft nach dem anderen spendierten. So frühkindlich geprägt können die guten Gründe fürs Bleiben am Talboden sein.
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Holla die Gams Sie ist Akrobatin, Jagdtrophäe, Sagengestalt und Überlebenskünstlerin. Die Gämse gehört zu den ältesten und erstaunlichsten Hochgebirgstieren der Alpen.
Isolde v. Mersi
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ämsen sind Vollbluteuropäer. Ihr Vorkommen ist weitgehend auf unseren Kontinent beschränkt, eine Rarität in der Tierwelt. Heute siedeln sie nur mehr im Alpenraum und in manchen Balkangegenden. Während der letzten europäischen Kaltzeit, der Würmeiszeit von etwa 115.000 bis 10.000 Jahren vor heute, erstreckte sich ihr Lebensraum auch auf Mittelgebirgslagen. Heute erspähen wir Wanderer Gämsen nur mehr im Hochgebirge, in schroffem Felsgelände. Gämsen mögen’s nämlich kalt, schon Temperaturen ab 12 Grad empfinden sie als unangenehm. In den Alpen bewegen sich die Tiere daher oberhalb des Waldgürtels auf Höhen bis zu 2.500 Meter, außer in kargen Wintern. Fürs Leben in der Vertikalen sind Gämsen körperlich perfekt ausgestattet. Das Gamsherz ist so groß und muskulös, dass es bis zu 200 Herzschläge pro Minute aushält. Das Wesentliche sind aber die spreizbaren Hufe mit hartgummiartigen Sohlen und Außenkanten, die wie Steigeisen funktionieren. Damit können Gämsen bis zu zwei Meter hoch und sechs Meter weit springen. Bergab rennen sie mit bis zu 50 km/h.
Jägerlatein
Der Name der Gämse stammt aus einer untergegangen Alpensprache und ist seit dem 13. Jahrhundert im Althochdeutschen als „Gamiza“ bezeugt. In der alpinen Sagenwelt, auch der des Ötztals, sind Gämsen ma26
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gische und heilige Tiere. Wer sich gegen sie versündigt, wird bestraft. Auch davon künden die Sagen: Weil kein Mensch dessen Akrobatik erreichen kann, war das Gamswild in den Alpen immer schon die faszinierendste Herausforderung für Jäger. Nur die erfahrensten, geländegängigsten und geduldigsten unter ihnen bringen seit jeher Gämsen zur Strecke. Dafür werden sie traditionell auch doppelt belohnt. Zum einen tragen außer den Gamsböcken auch die Gamsgeißen Geweihe, die sie nie abwerfen. Zum anderen haben alle Gämsen einen Gamsbart. Nicht am Kinn, sondern auf dem Rücken. Und so sind Gamskrucken an der Hauswand, noch mehr aber die ambulant vorzeigbaren Gamsbärte auf den Hüten traditionell die alpinen Jagdtrophäen schlechthin. Im Alpenbogen leben geschätzte 400.000 Gämsen, die größte Population hat Österreich. Die Tiere sind jagdbar, allerdings nach genauen Regeln. Schutz braucht das Gamswild trotzdem. Seuchen wie Gämsblindheit, Naturgewalten wie Lawinen und Feinde wie der Steinadler dezimieren es. Im Sommer setzen oftmals rücksichtslose Wanderer die tagaktiven Herden von Weibchen und Jungen unter Stress. Übrigens gibt es auf der Südinsel Neuseelands die einzigen nichteuropäischen Gämsen. Für Jäger am Mount Cook kamen per Schiff 1907 acht Gämsen, 1914 zwei weitere zum Aufbau einer Population. Beide Frachten stammten aus Österreich.
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Röslein schwarz Der Naturpark Ötztal hat 2020 das geschützte Schwarze Kohlröslein zur Pflanze des Jahres gekürt. Isolde v. Mersi
Schwarzes Kohlröslein
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amen sind Schall und Rauch, pardon: Duft. Das kleine Schwarze Kohlröslein verströmt einen intensiv süßen und echt betörenden Geruch nach Vanille. Aber, nochmals pardon: Schwarz ist es absolut nicht. Auf der Farbpalette eines Malers wäre es anzusiedeln irgendwo im Grenz- und Mischbereich von sattem Dunkelrot und tiefem Schokoladenbraun. Spielt aber keine Rolle. Farb-, Namensgebung und Beschreibung obliegen halt nun mal den Botanikern. Die reihen die Gattung der Kohlröschen in die Familie der Orchideen ein. Und liefern dazu folgende Daten: Das Schwarze Kohlröschen wird zwischen 15 und 25 cm hoch. Es wächst in höheren Lagen von der subalpinen bis zur baumfreien alpinen Stufe oberhalb der Baumgrenze, bis hinauf auf rund 2.300 Meter. Erstmals beschrieben hat das Schwarze Kohlröschen 1561 der Schweizer Arzt und Naturforscher Conrad Gesner. Im Lauf der Zeit hat die kleine Alpenorchidee viele volkstümliche Namen bekommen: Köhlröserl und Brunelle, Blutröserl und Männertreu. Die Volksmedizin schrieb dem Schwarzen Kohlröschen eine kräftig aphrodisierende Wirkung zu; außerdem soll es gegen Abgeschlagenheit wirken und die Nerven beruhigen.
Duftspender
Das sensible Orchideengewächs ist jedenfalls Indikator für falsche oder richtige Behandlung von Berg-
wiesen. Wo gedüngt wird hoch oben, dort lässt sich das Schwarze Kohlröschen niemals nieder. Es mag nur naturbelassene Magerrasen, Bergwiesen und Weiden. Im Ötztal und seinem Naturpark leuchtet und duftet uns die wunderbare Bergblume vor allem an den Seitenhängen des Gaisberg- und Rotmoostals in Gurgl entgegen, wo Kalkgestein und Marmor das Fundament bilden. Wie alle Orchideenarten ist auch das Schwarze Kohlröschen in Tirol vollständig geschützt und darf nicht gepflückt werden. Es gilt aber nicht als gefährdet, obwohl es selten ist. Für seine Schwester hingegen, das Rote Kohlröschen, das an seiner leuchtenden Farbe mit viel mehr Rotanteilen zu erkennen ist, steht die botanische Ampel voll auf Rot: Es ist überall in den Westalpen gefährdet, also auch im Ötztal. Der Schutz ist demnach rigoros.
ISOLDE V. MERSI Die Südtiroler Magazinmacherin und Kulturreporterin erzählt am liebsten vom vielfältigen Leben in den Alpen.
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Christian Penning
Training für die Seele Sieger im Wintersport werden nicht nur im Schnee gemacht. Im Sommer tanken die Skistars aus dem Ötztal Kondition und mentale Power in den heimischen Bergen. Unterwegs mit der Allrounderin Franziska Gritsch und Slalom-Spezialist Fabio Gstrein.
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ranziska Gritsch strahlt, als hätte sie gerade ihr erstes Weltcup-Rennen gewonnen. Dabei steht sie nicht mal auf Ski. Die 23-jährige Ski-Rennläuferin schraubt sich auf dem Rennrad Höhenmeter um Höhenmeter zum Timmelsjoch hinauf. Es ist noch früh, gerade schickt die Sonne ihre ersten Strahlen über den Bergkamm der Dreitausender, die das Südtiroler Passeiertal vom Ötztal und Gurgler Tal trennen. „In solchen Momenten geht mir das Herz auf“, gesteht sie mit großen Augen. Etwa zur gleichen Zeit streift ihr gleichaltriger Nationalmannschaftskollege Fabio Gstrein über
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die im Morgentau glitzernden Bergwiesen nahe der Gaislachalm – hinauf zu den Schotterkaren am Gaislacher See. Der Slalom-Spezialist und A-Kader-Athlet aus Sölden genießt die wenigen Wochen im Sommer in den heimischen Hausbergen – zwischen Trainingsblöcken auf Schnee, die ebenfalls im Sommer stattfinden. Wenn er die Bergschuhe schnürt, ist auch das Teil seines Trainings. Aber ein freieres. „Erholung für den Kopf“ nennt er das. Die Heimat – ein Ruhepol. Grüne Almen statt weißer Hänge. Kraftplätze statt Kraft- und Koordinationstraining. Für Letzteres fährt er dreimal pro Woche zum
Olympiastützpunkt nach Innsbruck. Anderntags kurbelt Fabio mit dem Mountainbike einen Trail überm Venter Tal zur Hütte seiner Familie hinauf – für ihn der perfekte Weg, um innere Ruhe zu finden. Gelassenheit und Konzentration für Vollgasfahrten durch den Stangenwald tankt er auch daheim am Bauernhof der Eltern. Wenn er vom Berg kommt, geht’s ans Heumachen, in den Stall, zu Kühen, Ziegen und Hühnern. „Die Konkurrenz im Slalom ist knallhart“, erklärt er. „Oft liegen die 30 Topfahrer weniger als 1,5 Sekunden auseinander. Da reichen Fitness und Technik alleine nicht aus.“
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Natur heilt
Das sieht auch Franziska Gritsch so. Ganz bewusst hat sich die Umhausnerin entschieden, den größten Teil des Sommers daheim im Ötztal zu verbringen. Über 200 Tage im Jahr ist sie auf Achse, die meisten davon im Schnee. Ihr Sommermotto: Regenerieren, Kraft tanken. Schwere Verletzungen hätten sie vor ein paar Jahren beinahe aus der Erfolgsspur geworfen: Wadenbeinbruch, Kreuzbänder gerissen, Schienbeinkopf und Meniskus kaputt. „Im Grunde ein Totalschaden“, resümiert sie. Doch sie nutzte die harte Zeit. Im vergangenen Winter gelangen ihr Top-Platzierungen im Weltcup. Die Basis dafür hat sie sich nicht nur auf Schnee geholt. „Die Sommertage in der Natur helfen mir, Körper, Geist und Seele in einen harmonischen Dreiklang zu bringen.“
Natur pusht
Im Therapiezentrum Radl in Umhausen absolviert Franziska das Konditionstraining: Kniebeugen, Schnellkraft, Rumpfstabilität, feinmotorische Gleichgewichtsübungen. Fünf bis sechs Mal pro Woche. Genauso oft ist sie zusätzlich draußen aktiv. „Wenn ich die Treppen zum Stuibenfall hinaufrenne, führt mich jeder Schritt näher zu meinem persönlichen Olymp“, grinst sie, als sie nach über 700 Stufen hechelnd am Scheitel des Wasserfalls ankommt. „Kein Mensch ist eine reine Leistungsmaschine“, überlegt Franziska, „weder ein Spitzensportler noch
Franziska am Stuibenfall
ein Top-Manager. Nirgendwo sonst kannst du besser du selbst sein als in der Natur.“ Ruhige Plätze dafür gebe es im Ötztal trotz manch beliebtem Insta-Spot mehr als genug, sagt Fabio, als er Franziska zu einem kurzen Trainingslauf über die Moränen des Rettenbachgletschers trifft. Am nächsten Morgen hat sich die Allround-Athletin mit sich selbst zum
Die Konkurrenz im Slalom ist knallhart. Da reichen Fitness und Technik alleine nicht aus.
Yoga und Stretching am Habicher See verabredet. Einer ihrer Lieblingsplätze. „Ideal zum Runterkommen!“ Ruhig atmend findet sie in der Standwaage die Balance. Die Sonne schickt ihre ersten Strahlen durch die Baumkronen am Ufer und lässt kleinste Quarzpartikel im Wasser schimmern wie Goldstaub. „A bissl Glitzer schadet nie im Leben“, meint Franziska versonnen. So klappt’s sicher auch bald mit Edelmetall im Schnee.
CHRISTIAN PENNING Der Autor und Fotograf liebt im Sommer die Vielseitigkeit am Berg: beim Biken, Wandern,
Fabio am Trail
Alpinsport-Blogs unter
wwww.oetztal.com/magazin
Trailrunning und Rennradfahren.
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LANDLEBEN
Herrgottswinkel Dagmar Gehm
Im Heimatmuseum Längenfeld
Sie duften nach Zirbe oder Fichte. Sie verströmen Behaglichkeit und sind als traditionell intime Rückzugsorte für Familien und Gäste in LockdownPerioden wichtiger denn je: Die alten Stuben im Ötztal.
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enn der Nikolaus kommt, versammelt sich die ganze Familie im Herrgottswinkel“, erzählt Liesl van der Heyde-Haueis. Von 1839 ist das Getäfel in der alten Stube vom Haus Acherkogel in Tumpen, die Decke vermutlich sogar über hundert Jahre älter. „Zweimal im Jahr putzen wir das Zirbenholz mit dunkler Schmierseife“ sagt Liesl, die mit Ehemann Alexander, Kindern und Enkeln den alten Gasthof bewohnt. Ihre Familie schätzt den Wert des alten Lebensraums. „Alle sagen: ‚Die Stube muss so bleiben, wie sie ist.‘“ Innen hält das Schmuckstück, was die prächtige Freskenfassade am Gasthof zum Stern in Oetz verspricht. Rundum vertäfelt ist das „Stiebele“ von 1617. „Ursprünglich gehörte der ‚Stern‘ zum großen Keilhof des adeligen Benediktinerinnen-Stifts in Frauenwörth am Chiemsee“, berichtet der heutige Besitzer Georg Amprosi. Schon seine Vorfahren haben im Herrgottswinkel auf den geschnitzten Stühlen gesessen, zusammen musiziert, gegessen, gebetet. „Der Tisch war immer für die Familie reserviert“, erinnert sich Georg. Im Posthotel Kassl in Oetz legte König Ludwig III. von Bayern auf der Flucht nach Ungarn 1919 eine
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mehrmonatige Erholungspause ein. Er wird sich wohl gefühlt haben in der heute gut 400 Jahre alten Stube, ebenso wie die jetzigen Besitzer Waltraud und Anton Haid, die sie als Wohnzimmer nutzen. Auch die nächste Generation ist stolz auf die Traditionen. Sohn Philipp präzisiert: „Insgesamt haben wir sechs alte Stuben. Fünf davon stehen unter Denkmalschutz, aber alle sind noch in Gebrauch.“
Zierde des Hauses
Nur ein paar Schritte weiter steht das Hotel 3 Mohren aus dem Jahr 1908. „Unsere Gäste wissen die drei schön getäfelten Stuben – darunter das Jagdzimmer – immer mehr zu schätzen“, sagt Seniorchef Hans Swoboda. Die reichen Schnitzereien, die Intarsien, Sinnsprüche im Türstock wie: „Den Gästen vom Besten“ oder „Trinke tapfer, zahle bar“ sind einzigartig. „Wir bemühen uns, den großen Schatz zu bewahren“, betont der Hausherr. Zurück in versunkene Zeit führen auch die alten Stuben in Vent. Die Franz-Senn-Stube im Hotel Kleon etwa oder die Stube im urigen Gasthaus Obervent. 650 Jahre ist sie alt, das Gasthaus seit 1930 fast unverändert so, wie es jetzt Stefan und Hilde Gram-
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SAUTENS
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niger Betuchte gaben sich mit Fichte zufrieden. Die Inschriften im Türstock trugen Baudatum und Namen der Erbauer. Und im ‚Kasteler‘, dem eingebauten Schränkchen mit Geheimfächern, wurden Schnaps, Papiere und Geld aufbewahrt.“ Im Schein rußender Öl- und Petroleumlampen wurde abends Flachs gesponnen. So färbten sich Stubendecken und -wände immer dunkler. „Oft waren sie auch bemalt“, weiß Hessenberger, „je nach Zeitmode hat man sie aber später wieder abgebeizt.“
OETZ
1 TUMPEN
UMHAUSEN
LÄNGENFELD
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HOCHGURGL OBERGURGL
Im Oetzer Gasthof zum Stern
bichler führen. Aus Zirbenholz sind Wand, Decke und Schrank in der Stube. „In den 1980er Jahren haben wir viele Schichten von Ölfarbenanstrich abgebeizt“, erzählt das Ehepaar. „In die Ofenlöcher haben wir immer Äpfel gelegt“, erinnert sich Adolfine Pirpamer, Mutter von Christine Pirpamer, Besitzerin des Appartement Wildspitz. Bereits 1909 kehrten Alpinisten in das gelbe Gasthaus ein. Sie wärmten sich in den beiden Zirbenstuben auf und schmunzelten über die Sprüche im Türstock: „Der Adam hat die Lieb erfunden, der Noe den Wein, der David das Zitherspielen, das müssen wohl Tiroler gwösn sein.“
INFO Stubenliteratur im Heimatmuseum und Gedächtnisspeicher Längenfeld www.oetztalermuseen.at 1
Haus Acherkogel
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Gasthof zum Stern
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Posthotel Kassl
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Hotel 3 Mohren
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Hotel Kleon
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Gasthaus Obervent
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Appartement Wildspitz
Im Gasthaus Obervent
Zentrum des Lebens
„Die Stube war früher der zentrale Raum, weil er als einziger beheizbar war“, erklärt Edith Hessenberger, Leiterin der Ötztaler Museen, in den beiden Museumsstuben vom Heimatmuseum und Gedächtnisspeicher in Längenfeld. „Die Stube diente als Wohn-, Ess- und Arbeitsraum; dort wurden auch die Toten aufgebahrt.“ In der inneren Ecke stand traditionell der Kachelofen. Gegenüber befand sich der Herrgottswinkel mit dem Kruzifix oder einem Hausaltar. „Es gab eine sehr strenge Sitzordnung“, berichtet die Expertin. „Die Täfelungen in den Stuben wohlhabender Bewohner waren aus Zirbe, we-
DAGMAR GEHM Die Hamburger Journalistin und sportliche Globetrotterin ist langjähriger Fan des Ötztals.
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LANDLEBEN
Bäuerliche Wort-Antiquitäten Uwe Grinzinger
Mit dem Ötztaler Dialektforscher Josef Öfner suchte und fand unser Autor ländliche Begriffe, die es vor dem Vergessen zu bewahren gilt.
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as Ötztalerische ist ein rund 900 Jahre alter, recht eigenständiger Dialekt. Er hat zahlreiche Altertümlichkeiten bewahrt – bedingt durch die frühere Abgeschiedenheit des Tales. Nicht zuletzt deshalb wurde der Ötztaler Dialekt im Jahr 2010 von der UNESCO als „Immaterielles Kulturerbe“ geadelt. Dialektexperte Josef Öfner schaut – oder besser: hört – den Einheimischen seit Jahrzehnten aufmerksam aufs Maul. Wer meint, das wäre etwas grob formuliert: „Das Wort ‚Mund‘ gibt es im Ötztaler Dialekt nicht“, schmunzelt Josef. „Egal, ob Kuh, Ross oder Mensch: alle haben ein Maul.“ Hörproben des lautmalerischen Singsangs gibt’s nicht bloß im Museum oder über Soundfiles im Internet. Sondern auch auf der Straße, im Geschäft, in der Schu-
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le, am Bauernhof. Überall im Tal wird im Alltag selbstverständlich Ötztalerisch gesprochen. „Ich habe absolut keine Angst, dass der Ötztaler Dialekt demnächst verschwindet“, ist sich Josef Öfner sicher. „Im Gegenteil: Speziell bei jungen Leuten um die zwanzig ist der Dialekt total ‚in‘. Sie verwenden ihn sogar für Nachrichten in den sozialen Medien oder am Anrufbeantworter.“ Gerade weil der Dialekt so lebendig ist, ändert er sich auch ständig. Denn Sprache ist ein Kommen und Gehen: Neues wird eingebunden, Altes wird ausgemistet. Etwa bäuerliche Alltagsgegenstände, die nur mehr selten in Gebrauch sind. Oder handwerkliche Tätigkeiten, die kaum mehr jemand ausführt. Hier sechs Begriffe, die fast in Vergessenheit geraten sind:
Josef Öfner
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Ein „Brotgatter“: Also ein Gestell, in dessen Fächern die Breätlen aufbewahrt werden, eine Ötztaler Brotsorte. In manchen Häusern gibt’s noch ein solches Bröetgattr. In anderen feiert es demnächst vielleicht ein Comeback – gefördert durch den Trend zum Selbstbacken.
Eine historische „Brechelmühle“ zum Flachsbrechen („pluien“): Zwei mit Wasserkraft angetriebene große Holzbalken stampfen abwechselnd auf Granitblöcke, auf denen der getrocknete Flachs liegt. Dadurch lösen sich die holzigen Teile des Flachs-Stängels von der Faser. Zu besichtigen im Ötztaler Heimat- und Freilichtmuseum in Längenfeld.
Brechelmühle
Das Stampfen der Butter. Man verwendet dazu ein Butterfass, also einen Bottich aus Holz. Darin wird ein Holzstab auf und nieder gestampft, mit einer Scheibe am unteren Ende. Dadurch wird der Rahm zur Butter verfestigt. Auch heute nennen manche die Tätigkeit noch „Kiible treibm“, obwohl das Buttern inzwischen maschinell geschieht.
Ein steifer, gepolsterter Ring, den man Zugtieren um den Hals legt. Er verteilt die Zugkraft – z. B. auf Brustkorb und Schultern. Bei Pferden wird so erst die volle Zugkraft nutzbar.
Heimat- und Freilichtmuseum in Längenfeld
Ein Metallbehälter zum Erwärmen von Wasser. In anderen Regionen nennt man ihn „Wasserschiff“. Alte Küchenherde enthielten meistens einen wassergefüllten Blechbehälter. Wer den Herd eingeheizt hat, hatte somit gleichzeitig warmes Wasser.
Weitere Informationen unter www.oetztalermuseen.at/dialektwoerterbuch
Kultur-Blogs unter
www.oetztal.com/magazin
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Quelle des Wohlbefindens
80.000 Liter Thermalwasser täglich, 40 Grad warm aus 1.865 Meter Tiefe, 22.000 Quadratmeter mit zwölf Innen- und Außenbecken, jährlich rund 300.000 Besucher aus aller Welt. Der 2004 eröffnete AQUA DOME – Tirol Therme Längenfeld ist die erste und größte Therme Tirols. Ihre Entstehung verdankt sie jahrhundertealter Kurtradition, zahlreichen Experten und Investitionen in Millionenhöhe. Und der Hartnäckigkeit einiger Menschen. Petra Schildbach
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iner von ihnen ist Hermann Lunger, Geschäftsmann und ehemaliger Obmann des örtlichen Tourismusverbandes. Er kennt die Geschichte des Längenfelder Thermalwassers wie kaum ein Zweiter, hat unzählige Schriften, Urkunden und Bücher dazu gesammelt. Über 3.000 Jahre alt ist die am Fuß der Burgsteiner Wand entspringende Thermalquelle. Die ersten einfachsten Badevorrichtungen, die „Bauernbadln“, wurden schon vor über 400 Jahren meist von Einheimischen im Sommer aufgesucht. Doch es sollte noch ein paar Jahrhunderte und ein paar Ereignisse
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mehr brauchen, bis die Geschichte so richtig in Schwung kam. 1830 gab es die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen. „Bei Längenfeld im Ötztal quillt ein mit schwefeligem Wasserstoffgas geschwängertes Wasser, welches wohl das reinste unter den bisher bekannten Quellen sein dürfte“, belegen alte Schriften. Ein einfaches Badgebäude mit hölzernen Wannen wurde neben der Quelle errichtet, das 12 Grad warme Wasser in Kesseln erwärmt und in Kübeln zu den Badewannen getragen. „Sehr simpel und wenig komfortabel“, erzählt Hermann Lunger lachend. „Doch der gute Ruf des
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hochwertigen Schwefelwassers reichte schon damals weit über die Landesgrenzen hinaus.“
LÄNGENFELD
AQUA DOME
Altes Wissen
Bis 1875, als ein Brand das Bauernbadl vollständig zerstörte. Acht Jahre später entstand an gleicher Stelle schon ein richtiges Kurhotel: ein stattliches, im Fachwerkstil erbautes Gebäude, das ausschließlich im Sommer geöffnet war – „und das aus Längenfeld das anerkannte ‚Bad Längenfeld‘ machte“, wie der ehemalige Tourismusobmann Lunger erzählt. Der Bau eines Entwässerungsgrabens brachte die Quelle jedoch in den 1960er Jahren zum Versiegen, das Kurhotel schloss seine Pforten und wurde 1980 schließlich abgerissen.
Gezieltes Bohren
Und dabei wäre es wohl auch geblieben, wenn, ja wenn nicht Hermann Lunger und drei Mitstreiter die alte Kurtradition und das Kurhotel unbedingt wieder hätten aufleben lassen wollen. „Ziemlich blauäugig, doch absolut motiviert und überzeugt“ gingen sie die Sache an, ließen 1986 erst Wünschelrutengänger, dann die Wassermutter Quellen orten und Probebohrungen durchführen. Doch erst mehr als zehn Jahre später wurde man fündig – in 1.865 Meter Tiefe stieß man auf 68 Grad heißes Schwefelwasser. Und legte damit – nichtsahnend – den Grundstein für das Längenfelder „Jahrhundertprojekt“ – den AQUA DOME – Tirol Therme Längenfeld.
Neue Entspannung
Heute bewahrt und erzählt eine 2019 errichtete Bilderwand chronologisch die Geschichte des Längenfelder Thermalwassers. Die Ausstellung wurde in Quellennähe beim Längenfelder Naturparkhaus untergebracht, dessen umlaufenden Wassergraben die Skulptur „WasserMann“ des Künst-
SÖLDEN
lers Tomas Ramberg ziert. Direkt aus der wiederentdeckten Heilquelle sprudeln heute drei bis vier Liter Thermalwasser pro Sekunde in die Therme hinein, aufbereitet über spezielle 3-Schicht-Filter. Der AQUA DOME – Tirol Therme Längenfeld mit dem dazugehörigen Hotel ist nicht nur Anziehungspunkt für „Menschen aller Altersklassen, aus der Region bis aus den entlegensten Orten der Welt, die den Wunsch nach aktivem Ent-
Was ist Thermalwasser? Als Thermalwasser wird natürliches Grundwasser mit einer Quellaustrittstemperatur von mindestens 20 °C bezeichnet. Meist enthält es Mineralstoffe wie Magnesium,
Kalzium,
Sulfate,
Jod,
Kohlendioxid oder den am Geruch erkennbaren
Schwefelwasser-
stoff. Prinzipiell wirkt Baden in warmem Thermalwasser beruhigend und ausgleichend auf den Organismus. Während des Badens erweitern sich die Blutgefäße, der Blutdruck sinkt, Herzschlag und Stoffwechsel nehmen zu, die Sauerstoffaufnahme erhöht sich. Je nach Zusammensetzung hat mineralisiertes Heilwasser vielfältige Wirkungen:
Kohlensäure
zum
Beispiel steigert die Durchblutung, Schwefelbäder lindern HautprobHermann Lunger
spannen im Ötztal haben“, wie es Bärbel Frey, Geschäftsführerin des AQUA DOME, beschreibt. Die Therme hat die 4.700-Seelen-Gemeinde Längenfeld selbst zu einem ganzjährig beliebten Urlaubsort gemacht. Und irgendwann vielleicht, zumindest wenn es nach Hermann Lunger geht, heißt dieser auch wieder „Bad Längenfeld“.
leme oder Rheuma.
PETRA SCHILDBACH Drei Leidenschaften prägen die Arbeit der freien Journalistin – die für interessante
Weitere Informationen unter
www.aqua-dome.at
Menschen, die für außergewöhnliche Orte und die für natürliche Genüsse.
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LIEBE ADRENALINJUNKIES UND OUTDOORFREAKS.
WIR MÜSSEN REDEN!
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ABENTEUER
Fluss Unten am
Isolde v. Mersi
Die AREA 47 liegt am 47. Breiten- und am 11. Längengrad unseres Erdballs. 11 Jahre nach der Eröffnung ist es Zeit für einen Rückblick – mit Adrenalinkick.
HAIMING AREA 47 SAUTENS
OETZ
UMHAUSEN
te AREA-Gründer Hansi Neuner vor fast zwei Jahrzehnten, eine Bodenstation für alle sommerlichen Bergsportarten zu schaffen. „Die Idee war perfekt, der vom Haiminger Bürgermeister vorgeschlagene Platz an der Ötztaler Achenmündung in den Inn ideal, nur das Geld fehlte“, resümiert Chris die Ausgangslage.
Wellenbewegung
E
inen Geschäftsführer stellt man sich im Anzug mit Krawatte vor. Außer dem ständig piepsenden Smartphone hat Chris Schnöller aber nichts mit einem solchen gemeinsam. Er kommt in seinen Sportklamotten so lässig daher wie jeder in der AREA 47. Seine Königsdisziplin, das Canyoning, hat der Tiroler Globetrotter lange Jahre weltweit gelehrt – bis er auf einen Landsmann mit Visionen traf. Es wäre doch cool, träum-
Acht Jahre hat es gedauert, bis im Mai 2010 die AREA 47 eröffnen konnte, mit der Water Area und dem Hochseilgarten in 27 Meter Höhe unter zwei gigantischen Brückenpfeilern. Mit Hansi Neuner als unermüdlichem Motor und Geschäftsführer bis zu seinem frühen Tod 2015 und mit Chris als Marketingchef. „Die Leute sind zwar in Massen gekommen, aber nur zum Schauen“, erinnert er sich an das verflixte erste Jahr des ambitionierten Freizeitprojekts. Das kam im dritten Jahr richtig in Fahrt – und heute ist die AREA 47 in Österreich und im Alpenraum der größte Outdoorplayground, weltweit führend mit dem Canyoning- und Raftingangebot, gepriesen sogar von der New York Times. „Hansi Neuners Erkenntnis, dass ständige Weiterent-
wicklung nötig ist, setzen wir unverändert um. Denn auch bei Abenteuer- und Funsportarten entstehen Trends“, erklärt Chris. Vom Bungy Jumping über Mountainbiken bis zum Wakeboarden ist zu Wasser und zu Land auf dem 9,5 ha großen Gelände längs der Ache und am Inn sowie in der alpinen Umgebung nahezu nichts unmöglich für Sportler, die ihren Bewegungsdrang mit einer satten Portion Adrenalinkick ausleben wollen. „Ein einziger Plan von Hansi Neuner ist nicht aufgegangen“, bilanziert Chris: „Er war ursprünglich mit dem ,Crazy Eddy’ in Silz Eventspezialist und wollte auch Megaevent-Publikum in die AREA-Halle mit 8.000 Plätzen holen. Aber die Lust auf Sport dominiert bei unseren Kunden. So ist die Halle seit 2016 Tummelplatz der E-Motocross-Biker.“ Die Palette der Sportarten und die Extras für Gäste der Zimmer und Lodges im „100.000-Sterne-Hotel“ mitten in der (geschützten!) Natur sind online abrufbar. Den Spirit aber, den gibt’s nur live. „Mitarbeiter, Guides und Gäste bilden in einem großem Miteinander die Seele der AREA 47.“ Passt, Chris. Weitere Informationen unter
www.area47.at
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GENUSS
Tradition trifft Innovation Edith Hessenberger
Hosnar mit Schlompar-Kraut
Kulinarisches aus dem Ötztal – das ist tief verwurzelte bäuerliche Kost zum einen, zum anderen junge Experimentierfreude mit besonderen Produkten aus dem Tal.
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ede Region hat ihre eigenen Gerichte, geprägt von der regionalen Landwirtschaft, ihrer Geschichte und natürlich Einflüssen der Nachbarregionen. Auch der Naturraum prägt die regionale Küche, besonders im Gebirge. Im Ötztal haben über Jahrhunderte die Viehwirtschaft und die durch die alpine Lage eingeschränkte Vielfalt an Ackerfrüchten und Getreide die Ernährung der Menschen bestimmt: Kraut, Rüben, Kartoffeln, allerlei Getreide und Maismehl, nach Möglichkeit Fleisch, Eier und Käse – und jede Menge Butter, Schmalz und Milch. Mit Produkten aus Wald und Wiesen verfeinerte und vitaminisierte man den Speiseplan je nach Saison: Mit Pilzen, Heidelbeeren und „Grantn“ (Preiselbeeren), oder gar mit aromatischen Wacholderbeeren und „Grätschenkernen“ (Zirbelnüssen). Eine hervorragende Köchin, die gerne nach alter Ötztaler Tradition kocht, ist Rosamunde Kuen aus Längenfeld.
GENUSS
Rosamunde Kuen
Traditionsküche
R Hosnar mit Schlompar-Kraut
EZ E P T
Zutaten Hosnar 27 EL glattes Mehl, 1 Ei, 30 g Butter, 6 cl Milch, Öl zum Frittieren, Salz
Zutaten Schlompar-Kraut 1 halber Weißkraut-Kopf, 50 g Bauchspeck, gewürfelt, Martin Scheiber
Eiswerkstatt
2 EL Schweinefett, 1 EL Öl, 1 Zwiebel gehackt, Salz, gemahlener Kümmel und Zucker
2020 hat sie ihren 80. Geburtstag gefeiert. Ihr Alter merkt man ihr kaum an, wohl aber ihre Lebenserfahrung, wenn sie selbstverständlich in der Küche hantiert und dabei aus ihrer Kindheit erzählt: „Früher aß man viel Kraut, weil man so viele Krautköpfe auf dem Acker hatte. Man machte allerhand damit: Sauerkraut, Schlomparkraut, Krautwickler, Erdäpfel mit Kraut. Was man brauchte, hatte man selber oder machte man selber. Und so wuchs man auf.“ Wichtig war in einer Gesellschaft, die schwere körperliche Arbeit leistete, dass die Gerichte nahrhaft waren und satt machten – ein Bergbauer verbrannte einst bis zu 6.000 Kalorien täglich bei seiner Schwerarbeit. Mit Butter wurde daher beim Kochen nicht gespart. Besonders beliebt waren die „Hosnar“, in Ecken geschnittene und in Fett herausgebackene Teigstücke. „Hosnar“ gab es auch an Werktagen, zum Beispiel kombiniert mit frischem Kraut. Dieses Gericht wurde „Hosnar mit Schlompar“ genannt – und als Hausmannskost ist es bis heute im Ötztal beliebt. Fett wird reduziert, die Ansprüche an die Kost steigen, eine junge Generation von Köchen, Bäckern und Konditoren setzt auch im Ötztal neue Standards. Zu ihr gehört der Konditor Martin Scheiber, Inhaber der „Ötztalerei“ in Umhausen. In seiner „Eiswerkstatt“ probiert Scheiber neue Geschmacksrichtungen aus, streng auf regionale Produkte fokussiert. Meloneneis gibt es in der „Ötztalerei“ nicht. Dafür jedoch Sorten wie Rosmarin-Heidelbeer alias „Rosi“, Preiselbeer-Mohn, oder – Zirbeneis. Lange tüftelte Martin mit Extrakten wie ein Alchemist an der optimalen Rezeptur. Die bleibt geheim – Hauptsache, das Zirbeneis überzeugt auf Anhieb und bleibt Publikumsmagnet.
Zubereitung Hosnar: Butter und Milch erwärmen. Mit Mehl und Ei zu einem glatten Teig verkneten und 20 Minuten ruhen lassen. Den Teig rechteckig ca. 2 mm dick ausrollen. In 6 cm große Rechtecke schneiden und in heißem Fett schwimmend ausbacken. Schlompar-Kraut: Kraut fein hobeln. Mit 2 Prisen Salz und Kümmel in einer Schüssel von Hand gut durchkneten. Ruhen lassen. Zwiebel und Speck in einem großen Topf in Öl glasig dünsten. 1 EL Schweinefett hinzufügen. Das Kraut in den Topf geben, leicht zuckern und salzen und mit etwas kochendem Wasser aufgießen. Unter regelmäßigem Rühren ca. 10 min dünsten. Das Schlompar-Kraut und die Hosnar werden in getrennten Schüsseln serviert. Das Kraut wird eingeschlagen in die Hosnar verzehrt.
EDITH HESSENBERGER Die Ethnologin und Geografin leitet die Ötztaler Museen. Sie forscht und publiziert zudem als freie Kulturwissenschaftlerin zur Geschich-
Genuss-Blogs unter
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te der Berglandwirtschaft, des Tourismus und des Alpinismus. Erzählforschung und Oral History sind weitere Schwerpunkte.
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Blicke in den Zauberspiegel
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Auf Entdeckungsreise
Große Magie erleben kleine Leute in den verwunschenen Naturräumen am und um den Winkelbergsee Julian Sprengel
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Winkelbergsee 1.230 Meter
apa, schau mal, schnell!“ Aufgeregt klingt der Ruf von Jona (5) durch die klare, warme Luft des Vormittags. Mein Sohn liegt bäuchlings auf dem kleinen Steg am Ufer des Winkelbergsees und starrt wie elektrisiert ins Wasser. Er hat die Forellen entdeckt, die sich in dem smaragdgrünen See tummeln. Während ich zu Jona eile, ist meine Tochter Alma (7) bereits dabei, Schuhe und Strümpfe auszuziehen. Unerschrocken watet sie ins Wasser. „Uhh, ist das kalt! Aber erfrischend.“ Wir sind an einem dieser warmen Tage im Spätsommer von zuhause in Innsbruck ins Ötztal ausgeflogen. Es ist mit seinen Seen, Wasserfällen und leichten Wanderungen immer eine tolle Option im Wochenend- und Ferienkalender unserer Familie. Ausgangspunkt unserer kurzen Wanderung war ein Parkplatz neben der Brücke über die Ötztaler Ache bei Au/Winklen. Den Schildern folgend, haben wir das Dorf bald hinter uns gelassen und sind, vorbei
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UMHAUSEN
WINKELBERGSEE LÄNGENFELD
Wasserspielplatz am Winkelbergsee
an grasenden Kühen und Ziegen, in den Wald spaziert. Der ist angenehm kühl und wirkt märchenhaft: Zwischen Kiefern und Fichten türmen sich haushohe Granit-Felsblöcke. Waldboden und Steine überwachsen dicke Mooskissen. Und plötzlich glitzert mitten im Wald der glasklare Winkelbergsee mit seinen drei kleinen Inseln wie ein Zauberspiegel im Sonnenlicht.
Geo-Lehrpfad
Die Kinder spielen vergnügt am Ufer im seichten Wasser. Ich mache es mir auf einer Holzbank bequem und versuche, mich mitten in der Idylle zurückzuversetzen in die dramatische Zeit vor knapp 10.000 Jahren, als hier der größte Bergsturz der Zentralalpen abging. Etwa drei Kubikkilometer Gestein donnerten bei Köfels zu Tal, lösten ein Erdbeben aus, wie es in dieser Stärke sonst bei uns gar nicht vorkommen kann. Das abstürzende Gestein heizte sich durch die Reibung so stark auf, dass es teilweise schmolz und aufschäumte – so ist die Bimssteinart Köfelsit entstanden. Heute führt ein geologischer Lehrweg von Winklen an der Ötztaler Ache entlang, über den Winkelberg und den Winkelboden bis zum Win-
kelbergsee. 11 Tafeln erklären Bergwasser, Grundwasser und geologische Ereignisse der Bergsturzgegend. Für etwas ältere und internetaffinere Kinder als meine gibt es seit 2020 sogar das interaktive Hörspiel-Abenteuer „Das Rätsel des Köfler Bergsturzes“. Mit Hilfe von Installationen, einer analogen Karte und einer App können kleine und große Ratefüchse auf einer in 2,5 h zu bewältigenden Runde knifflige Aufgaben lösen und nebenbei viel lernen über die geologischen Besonderheiten der Region. Meine Kleinen und ich träumen lieber weiter in der verwunschenen Wasserlandschaft. Stolz präsentiert mir Alma einen kleinen Frosch. Während wir noch beratschlagen, ob es vielleicht ein verzauberter Prinz ist, ruft uns Jona. Er ist an dem Bächlein, das den See mit Frischwasser versorgt, auf ein Wasserrad gestoßen. Eilig gesellen wir uns zu ihm. Oberhalb des Winkelbergsees entdecken wir einen idyllischen Wasserspielplatz. Die Wasserräder und andere Spielstationen fesseln die Kinder sofort. Und nachdem sie alles bespielt haben, ringen sie mir auf dem Rückweg das Versprechen ab, ganz bald wiederzukommen.
Weitere Informationen unter
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JULIAN SPRENGEL Der gebürtige Hamburger ist Geschäftsführer einer Werbeagentur in Innsbruck und verbringt seine Freizeit am liebsten mit der Familie in freier Natur.
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Ein Like fürs Bike Jasmin Kreulitsch
BIKE REPUBLIC SÖLDEN
Stadt, Land, Flow: Junior-Reporterin Sophie tauscht ihr Cityfahrrad gegen ein Mountainbike. Die flowigen Lines in Sölden eignen sich für Freerider genauso wie für Trail-Einsteiger – und für Teenager aus der Stadt, die im Ötztal Abenteuer suchen.
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LÄNGENFELD
BIKE REPUBLIC SÖLDEN
SÖLDEN ZWIESELSTEIN
JASMIN KREULITSCH Die freie Reisejournalistin Jasmin Kreulitsch und ihre Nichte Sophie testen alles, was Familien in der Gipfelwelt der Ötztaler Berge erleben können. 42
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ach den Gorilla!“ ruft Vreni. „Jetzt warst du gerade ein Gummibärchen!“ Sophie lacht auf und nimmt die richtige Haltung ein. Ellbogen nach außen, Kopf nach unten, Blick nach vorne. Nur wenn die Position passt und die Pedale mittig auf gleicher Ebene sind, kann sie aufstehen und den Berg in der korrekten Haltung runtersausen. Zumindest theoretisch, denn noch lernt Sophie die richtige Fahrtechnik. Vreni Meijerink von der Bikeschool „RIDE ON!“ in Sölden erklärt unermüdlich, zeigt Kniffe, führt Bewegungen vor: „Im ersten Schritt geht es um ein Grundverständnis für das Fahrrad.“ Zwei Stunden lang wird geübt: Gleichgewicht finden, richtiges Bremsen, Kurven fahren – und eben auch den „Gorilla“ lernen, die Position für das richtige Downhill-Fahren mit angewinkelten Ellbogen. Das „Gummibärchen“ soll Sophie vermeiden – so nennt man das zu sehr vorgelehnte Fahren. Sophie kommt wie viele Teenager, die im Sommer im Ötztal Urlaub machen, aus der Stadt. Sie fährt dort zwar auf Fahrradwegen, aber nicht auf Trails oder Lines auf dem Berg. Sie staunt, als sie das Mountainbike besteigt: „Das fährt ganz anders als meines zuhause!“ Vreni klärt auf: „Die meisten glauben, dass
die Voraussetzungen in der Stadt und auf dem Berg dieselben sind, aber das ist ein Irrtum. Ein Citybike ist kein Bergrad, ein Fahrradweg kein Mountainbiketrail.“ Gemeinsam mit ihren Kollegen bietet sie in der Bikeschool Bikepark-Trainings und Fahrtechnik-Workshops an. Jeder Rider ist willkommen; spezialisiert sind sie auf Kinder und Teenager. Biker ab drei Jahren dürfen hier auf die Mountainbikes, für die Älteren gibt es einwöchige Bike-Camps.
Einstimmung
Bevor Sophie auf dem Mountainbike einen Berg runterfahren wird, geht es auf den Pumptrack. Hier soll sie ausprobieren, was sie im Fahrtechnikunterricht gelernt hat. Ein Pumptrack ist eine Art Rundkurs mit Wellen und Elementen wie Steilwandkurven. Kurze Loops ermöglichen wiederholendes Lernen. Zuerst gehen Vreni und Sophie die Strecke ab. Vreni erklärt, auf welcher Linie Sophie fahren soll. Je besser die Linie, desto leichter nimmt man die Kurven. Markierungen auf dem Boden sollen helfen, auf Kurs zu bleiben. „Du musst so bald wie möglich ans Ende der Kurve schauen. Ist der Kopf richtig positioniert, folgt der Körper automatisch“, erklärt Vreni.
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Kurven & Wellen
Sophie atmet tief durch, ehe sie aufs Rad steigt. „Wenn man diese Kurven und Wellen vor sich sieht, macht das schon ein bisschen Angst“, sagt sie. Noch ein lauter Schnaufer, dann tritt sie in die Pedale, schaut konzentriert auf die Markierungen. Da, die erste Kurve. Sophie ist nicht ganz auf Kurs, fährt zu hoch, kommt aus dem Rhythmus. „Weiterfahren, du schaffst das!“, ruft Vreni. „Nochmal von vorne!“ Sophie konzentriert sich, erinnert sich an das Gelernte, geht in die erste Kurve – und nimmt sie im perfekten Bogen. „Super, Sophie!“ jubelt Vreni. Sophie lacht. „Ich bin es nicht gewohnt, stehend zu fahren. Das ist anfangs echt anstrengend. Doch sobald ich mich überwunden hatte, die erste Kurve zu fahren, ging es besser. Es sieht schwerer aus, als es ist!“
Sicherheit ist oberstes Gebot
Wenig später schaut Sophie auf die Line vor sich. Nach Fahrtechnikunterricht und Pumptrack steht sie jetzt auf dem Berg. Vreni hat eine blaue Line ausgewählt. „Die eignen sich perfekt für erste Trail-Fahrten!“ In Sölden gibt es rund 30 verschiedene Möglichkeiten, mit dem Bike zu riden. 2015 wurde die BIKE REPUBLIC SÖLDEN eröffnet, auf der es nicht nur angelegte Lines, sondern auch Naturtrails gibt – für jedes Niveau und für jede Laune. Die Strecken werden tadellos in Schuss gehalten, im Sommer sind schon mal um die vierzig Trail-Bauer an der Arbeit. „Sicherheit ist das oberste Gebot“, erklärt Vreni, „das gilt für uns in der Bikeschool genauso wie für die Strecken auf dem Berg.“ Die Line vor Sophie ist menschenleer. Sie fährt los, erst langsam, dann schneller. Die richtige Haltung, Blick nach vorne, Körper angespannt. Vreni hat Sophie im Blick, ruft ihr lobende Worte zu. Sie sieht es als eine ihrer Aufgaben, sich in ihre Schüler hineinzuversetzen. Gut zuzuhören, Ängste zu nehmen, Spaß zu vermitteln. „Am Ende will ich, dass sie sagen: ‚Wow, das ist lässig!’“ Sophie bleibt stehen. Die erste Kurve macht ihr Angst. Vreni spricht ihr Mut zu. „Ich hätte dich nicht raufgenommen, wenn ich mir nicht sicher wäre, dass du es schaffst“, motiviert sie. „Du packst das!“ Sophie fährt langsam an, gleitet die Line hinunter, biegt in die erste Kurve, in die zweite, … bleibt stehen, dreht sich strahlend um und ruft: „Wow, das ist lässig!“
Weitere Informationen unter www.bikerepublic.soelden.com
Trainerin Vreni bringt Sophie in Sölden die Fahrbasics bei. Theorie vor der Fahrschule (oben links) und Praxis im Pumptrack (oben rechts und unten).
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Du musst so bald wie möglich ans Ende der Kurve schauen. Ist der Kopf richtig positioniert, folgt der Körper automatisch.
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BIKE REPUBLIC SÖLDEN „Ollweite Line“
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RADSPORT
Mountainbiken am Taleingang
OCHSENGARTEN
TRAILCENTER SAUTENS OETZ
E-BIKE PARK
Die Maskottchen „WIDI“, „Oachkatzl“ und „Wolfsrudel“ sind die Namensgeber der Runden durch den Wald auf der Ötztaler Höhe. Direkt am Tor zum Ötztal liegt ein brandneues Trailcenter. Sissi Pärsch
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RADSPORT
Oetz
E-BIKE PARK in Oetz
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o das Ötztal vom Inntal abzweigt, beschert mildes Klima den Obstbauern eine üppige Ernte – und den Bikern eine lange Saison von April bis in den November hinein. Auf der Ötztaler Höhe zwischen Haiming und Sautens findet sich denn auch eines der Bikeparadiese Tirols. Es ist das Heim-Terrain von Laura Stigger, einer der erfolgreichsten Radsportlerinnen Österreichs. Es ist Schauplatz renommierter Weltcup-Rennen – und jetzt auch Spielplatz für Mountainbiker jeglichen Fahrlevels. Direkt hinter dem Kreisel am Taleingang steht das neue Trailcenter Ötztaler Höhe mit einem direkt zugänglichen Pfadnetz. Die drei Loops haben verschiedene Schwierigkeitsgrade und hohen Spaßfaktor für jeden Fahrer. Der perfekte Einstieg für Kids, Trail-Neulinge oder zum Warmfahren ist der WIDI-Trail. Er schlängelt sich entspannt über einen Kilometer dahin, ohne Hindernisse, dafür mit purem Fahrgenuss. Anspruchsvoller ist der mittelschwere Oachkatzl-Trail. Auf den 1,1 km gibt es auch technische Passagen – dennoch ist er superflowig zu fahren. Auf die noch längere Wolfsrudel-Schleife sollten aber tatsäch-
lich nur Biker starten, die souverän im Sattel sitzen und bissige Abschnitte und Wurzelteppiche mögen.
Perfekte Infrastruktur
Alle drei Loops starten und enden am gleichen Ort. Das ist praktisch, weil man sich als Familie oder Gruppe immer wieder treffen kann. Die Infrastruktur ist perfekt: Es gibt zahlreiche Einkehrmöglichkeiten und einen Waschplatz für Bikes. Der Ötztal Radweg und die Bushaltestelle sind nur einen Steinwurf entfernt. Und noch einen Steinwurf weiter wartet die AREA 47 – mit ihrer Bike Academy, die Anfängern und Könnern aller Bikediszipinen tolle Kurse und Exkursionen von Profis bietet – Abkühlung in der Water AREA inklusive.
Fest im Sattel
Biken kann man auf der Ötztaler Höhe bereits ab April. Und man dreht auch noch genüsslich
Bike-Blogs unter
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seine Runden, wenn in Sölden auf dem Gletscher
mit dem Ski-Weltcup die Wintersaison eröffnet
wird.
www.oetztal.com/biken
E-BIKE PARK in Oetz Radfahren kann jeder? Naja, der eine mehr, der andere weniger! Vor allem, wenn es ins Gelände geht und vor allem, wenn man auf ein motorisiertes Bike umsteigt, sollte man sich eine gute Fahrtechnik aneignen. Auf dem ersten E-BIKE PARK Tirols in Oetz kann man sich in Sicherheit, Balancegefühl und Geschicklichkeit schulen. An der Talstation der Acherkogelbahn findet sich der Übungsparcours, speziell für E-Biker entwickelt. Auf
SISSI PÄRSCH
der 1,5 km langen Runde können Anfänger wie Fortgeschrittene Bremsen und Schalten, Kurventechnik und das Überwinden von Hindernissen trainieren. Und das sogar bergauf! Der Uphill-Flowtrail zeigt, wie viel
Die Münchnerin und freie Journalistin
Spaß das Hochfahren mit E-Bike machen kann. Wer sich auf der leichten Runde sicher fühlt, der kann sich
für Magazine wie BIKE oder „Bergwel-
auf den etwas anspruchsvolleren Übungstrail „Sattelfest“ wagen.
ten“ wird nicht müde, sich vom Ötztal begeistern zu lassen.
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Alles außer gewöhnlich Barbara Schaefer
Seit Jahrhunderten entsteht im Ötztal Aufsehen erregende Architektur. Von bäuerlichen Bauten über frühe Hotels mit damals neuester Technik bis zu permafrostsicheren Gipfelbauten. Ur-Tiroler Architektur, nicht zwangsläufig mit Holzbalkonen.
BARBARA SCHAEFER Die freie Autorin lebtin Berlin, verbringt aber viel Zeit in den Bergen. Sie schreibt für Printmedien wie die FAS oder BRIGITTE. Als Tiroler Bergwanderführerin führt sie Wandergruppen – im Piemont. 46
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Altes Arbeitsgerät
Historische Küche
Bäuerliches Bauen
„Die Ötztaler Architektur schlechthin gibt es nicht“, sagt Edith Hessenberger, Leiterin des Heimatmuseums in Lehen/Längenfeld. Sie zeigt auf die 16 historischen Gebäude im Freiluftmuseum und sagt: „Jedes ist komplett anders gebaut.“ Die Häuser bilden einen der letzten beinah ursprünglich erhaltenen Dorfkerne des Tales. Im massiv gemauerten Hauptgebäude mit zwei Stuben wohnte wohl eine begüterte Familie. Daneben steht ein „geteiltes Haus“ mit Grundmauern aus dem 15. Jahrhundert. Heute beherbergt es den „Gedächtnisspeicher“ mit Bibliothek und Archiv. Früher wohnten darin zwei Familien; die im ersten Stock erreichte ihre Wohnung separat über eine Treppe. Ein weiteres Zweifamilienhaus, vorwiegend aus Holz gebaut, jedoch vertikal geteilt, wartet noch auf eine Renovierung. Hinzu kommen Mühlen, eine Säge, Brunnen und Backofen. Und ein Pfostenspeicher, der belegt, dass das obere Tal von Südtirol aus besiedelt wurde, wo diese Speicher verbreitet waren. Aus Brandschutzgründen standen sie abseits des Hauses und dienten als Lager für alles Wertvolle, für Getreide, Speck und Mehl, aber auch für Stoffe. Die Speicher standen auf Pfosten, so kamen keine Tiere ran. Und die Leiter wurde weggestellt, so waren sie einbruchssicher. „Alles an den Bauernhäu-
sern spiegelt die Lebensumstände wider“, erklärt die Ethnologin Hessenberger. „Zum Bauen wurde verwendet, was leicht zu bekommen war. Das war hinten im Tal eher Holz, draußen wurde mehr verputzt.“ Nur ein Haus wurde aufs Museumsgelände transloziert: Das Blockhaus stand ursprünglich in Sölden, wurde um 1650 erbaut und war bis 1965 bewohnt. Es war eine typische „Sölde“, die Wohnstatt eines sogenannten Söldners, eines Kleinhäuslers, der von der Landwirtschaft nicht leben konnte und sich als Tagelöhner Sold dazuverdienen musste.
Lesenswert Bau.Kultur.Landschaft im Ötztal Die gleichnamige Ausstellung im Heimatmuseum ist bis 21. Oktober 2021 zu sehen. Das Buch bricht eine Lanze für den sensiblen Umgang mit dem landschaftlichen und kulturellen Erbe. Besteller und Besucher wenden sich an www.oetztalermuseen.at
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K U LT U R HAIMING
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Bleiverglaster Erker
SÖLDEN ZWIESELSTEIN HOCHGURGL
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Posthotel Kassl, Oetz
„Gräfinnen und Herzoginnen kamen zur Sommerfrische – und blieben monatelang“, erzählt Philipp Haid vom Tourismusboom am Ende des 19. Jahrhunderts. Haid führt gemeinsam mit Vater und Bruder das Posthotel Kassl. Dessen Wurzeln liegen im 17. Jahrhundert. Das Gebäude war Poststation und Unterkunft für Fuhrleute. Daraus wurde ein Hotel mit Schlösschen-Charakter und Fachwerkverzierungen. Die Gäste trafen sich im Musikzimmer, im Lesezimmer, im großen Speisesaal. Geworben wurde mit fließend Wasser, und eine Fassadenmalerei zeigt den Stolz auf die Elektrizität ab 1893: Ein Engel schwebt mit einem Strommasten vorbei. Vieles aus dieser Zeit ist noch zu sehen, auch wenn das Hotel oft erweitert wurde. Auf knarzendem Parkett spaziert man zu den bleiverglasten Fenstern in den Erkern der Stube. Ein Stammgast war Anna Freud-Bernays, die Schwester des Psychoanalytikers Siegmund Freud. Sie lobte in ihrem Buch „Eine Wienerin in New York“ die herrliche Natur und die „sehr nette Gesellschaft“ von Oetz: „Ich fühlte mich so wohl dort, daß ich mich nicht trennen konnte.“ Das kann man bis heute verstehen – und muss schon genau hinsehen, welcher Trakt des Hauses ein Neubau ist, weil er sich so nahtlos dem Altbau anschließt. War man damals stolz auf neueste Errungenschaften, verbirgt man sie heute in Designzimmern hinter Historismusfassaden.
Weitere Informationen unter
www.posthotel-kassl.at
www.gstrein-vent.at
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Symbiose von Alt und Neu
OBERGURGL
Der Spott war groß, als 1936 das Hotel Gstrein am Ortsende von Vent fertig war. „Es fehlen nur noch Palmen vor der Türe, dann wären wir in Saudi-Arabien“, zitiert Hoteliersfrau Martina Gstrein die Lokalpresse. Was war so unerhört am Neubau? Er war komplett schnörkellos. Umlaufende schwarze Balkone schwangen sich um eine runde Ecke. Zu allem Übel kam auch noch ein Flachdach. Martinas Schwiegervater Hannes Gstrein erzählt die Geschichte: Erbaut wurde das Haus von seinen Großeltern, der Großvater Johann hatte in den 1920ern als Skilehrer in St. Christoph gut verdient. Dort lernte er den Architekten Hans Feßler (1896 – 1973) kennen. Der baute viel für den aufkommenden Tourismus, insgesamt 23 Hotels, aber auch die PatscherkofelTalstation. Hannes Gstrein sagt: „Das Haus war damals hypermodern! Man kann gar nicht wirklich verstehen, wie der Großvater sich das getraut hat.“ „Jaja“, sagt Martina Gstrein. Architekten seien oft gekommen, waren begeistert, aber mit Etagendusche wollte keiner wohnen. Seit 15 Jahren renoviert die Familie, vor allem neue Leitungen, neue Bäder mussten sein. Und doch hat sie dem Haus die Aura der Neuen Sachlichkeit gelassen, das Schnörkellose eben. Und Palmen stehen noch immer keine davor.
Weitere Informationen unter
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Berghotel Gstrein, Vent
4 VENT
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Schnörkellos und schwungvoll
K U LT U R
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Permafrostsichere Gipfelbauten: ice Q, 007 ELEMENTS und Gaislachkoglbahn
Seilbahnbau, Sölden
Ist schon das Bauen mit Permafrost eine Herausforderung, macht es der schwindende Permafrost noch komplizierter. „Der Untergrund zerstört sich praktisch selbst“, sagt Michael Gritsch, stellvertretender Betriebsleiter der Gaislachkoglbahn. Und erklärt: Zwischen den Gesteinsschichten am Gipfel des Gaislachkogls steckt Eis. Wenn das schmilzt, verschiebt sich alles. Und so schuf Architekt Hans Obermoser die drei spektakulären Gebäude auf diesem Berg mit drei verschiedenen Techniken. „Schon beim Vorgängerbau der Bergstation hatten sich Risse im Gebäude gezeigt, man merkte, dass sich etwas ändert“, sagt Gritsch. Die neue Bergstation der 3S-Bahn, 2010 eröffnet, schwimmt nun sozusagen auf 28 Einzelfundamenten. Das Gourmet-Restaurant ice Q hingegen, 2013 eröffnet, überspannt zwei Verwerfungslinien des Gesteins und steht auf drei Fundamenten. Berühmt wurde es als die „Hoffler-Klinik“ im James-Bond-Film „SPECTRE“. Apropos Bond: Nochmal anders erdachte Obermoser die cineastische Installation „007 ELEMENTS“, 2019 eröffnet. Von außen zu sehen ist nur ein Beton-Zugang in den Berg. Unterirdisch sind einzelne Würfel mit Gängen verbunden, „diese Würfel können sich gegeneinander verschieben“. Zu den Herausforderungen sagt Gritsch: „Der Geologe will’s sicher haben. Der Architekt will’s hübsch haben.“ Aus diesem Zusammenspiel entsteht das Bauen in großer Höhe, auch auf 3.048 Meter auf dem Gaislachkogl.
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Kongress- und Veranstaltungszentrum Gurgl Carat, Gurgl
Der Name passt zu Gurgl, dem „Diamant der Alpen“: Karat ist die Einheit für das Gewicht, und für das höchste Kirchdorf Österreichs auf 1.907 m spielt das neue Zentrum eine gewichtige Rolle. Sein Entwurf stammt von superwien, dem Architekturbüro eines Imsters in Wien. „Lederhosenmäßig" wie andere Projekte im Wettbewerb ist Gurgl Carat keinesfalls: Die vielkantige Fassade umspannt den kristallinen Baukörper. Auf Stelzen gebaut, gibt er darunter eine Plaza frei. Der alte Piccardsaal im Zentrum von Obergurgl war längst zu klein geworden und mit veralteter Technik bestückt. Nun eröffnete Gurgl Carat im Januar 2020 mit einem Pädiatrie-Kongress, mit 400 Teilnehmern. Bis zu 520 Personen haben Platz, natürlich bietet das Zentrum moderne Technik – auch eine Beamer-Projektion mit 21 x 5 m. Die riesigen Carat-Fenster neigen sich nach innen. Das Putzen werde ziemlich aufwändig; ob man die Fenster nicht nach außen neigen könne, fragten Begutachter des Projekts. Nein, sagte der Architekt. Denn wenn man unten auf den Bus warte, spiegelten sich in den Fenstern der Platz und der Verkehr. Seien hingegen die Fenster nach innen gekippt, spiegelten sich darin Himmel und Berge. Und so ist es nun.
Weitere Informationen unter
Weitere Informationen unter
www.iceq.at und www.007elements.soelden.com
www.gurgl-carat.com
Gaislachkoglbahn
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Veranstaltungszentrum Gurgl Carat
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K U LT U R
Das Coole am Ötzi Vor 30 Jahren tauchte der Mann aus dem Eis auf. Das Freilichtmuseum Ötzi-Dorf spürt seinem Leben in der Jungsteinzeit seit 21 Jahren nach. 5.000 Jahre Alpingeschichte faszinieren Forscher und Laien noch immer. Isolde v. Mersi
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in perfekt erhaltener Körper mit Bekleidung und Ausrüstung: Der 5.000 Jahre alte Fund war die Weltsensation schlechthin. Es brodelte und kochte in den Laboren der Forscher, in den Redaktionen der Medien, in den Köpfen und Gerüchteküchen von Hobbyhistorikern. Die Erkenntnisse, Mutmaßungen und Theorien über Ötzi, den jungsteinzeitlichen Mann aus dem Eis, kreuzten, überschlugen und widersprachen sich. „Leidenschaftlich sind sie bis heute, denn Ötzi hat ein neues, einzigartiges Fenster aufgemacht, durch das wir auf zuvor unbekannte Weise zurück in die Jungsteinzeit schauen können“, kommentiert Walter Leitner, emeritierter Professor für Archäologie an der Universität Innsbruck und wissenschaftlicher Berater und Begleiter des ÖtziDorfs in Umhausen. Er fasst zusammen, was 30 Jahre interdisziplinärer Forschung nach und nach ans Tageslicht gebracht haben: „Ötzi war ein Mordopfer, das Tötungsmotiv bleibt spekulativ. Er gehörte der Elite an und war reich – das bezeugen sein für damals überdurchschnittliches Alter von rund 50 Jahren, seine technische Ausrüstung wie das Kupferbeil oder seine medizinischen Kenntnisse, dokumentiert durch Kör-
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pertätowierungen und blutstillende Medizinschwämme, die er mit sich trug.“ Politiker, Heiler, Priester, Schamane? Das alles könnte Ötzi gewesen sein. Weit über seine Person hinaus weisen die Erkenntnisse: Ötzi und seine Zeitgenossen waren mobil. Feuerstein vom Gardasee, Beilkupfer aus der Toskana, Lebensspuren aus dem Eisack- und Etschtal und nicht zuletzt Ötzis Wanderung ins Ötztal zeigen das.
„Wir Archäologen können auch durch andere, noch 2.000 Jahre ältere Funde nachweisen, dass von Süden her schon lang vor Ötzi Jäger und Hirten saisonal ins Ötztal kamen“, erklärt Walter Leitner. Für das Ötzi-Dorf in Umhausen hat er zum Jubiläum einen neuen Guide verfasst und eine neue „Handwer-
kerzone“ konzipiert. Die soll zeigen, wie in der Steinzeit Felle für Bekleidung hergerichtet und Birkenteer gewonnen wurde.
Ötzi in 3D
Der Ötzi selbst liegt in Bozen im Mu-
seum und „seine Konservierung als Feuchtmumie ist ein heikles und wichtiges Forschungsanliegen“, so Leitner. Ötzis Welt im steinzeitlichen Freilichtmuseum am Ortsrand von Umhausen hingegen ist dreidimensional und interaktiv. Zum Anfassen und Ausprobieren, zum learning by doing und zum Mitmachen bei Sachen, die der sesshafte Mensch von Anbeginn konnte: Backen und bauen, Feuer machen und hüten, knüpfen und weben, schnitzen und schießen, Tiere züchten und verwerten. „Genau besehen sind wir Heutigen den Gestrigen näher, als wir ahnen“, resümiert der Professor: „Außer Corona hatte Ötzi nachweislich so ziemlich alle Leiden, die viele von uns Heutigen plagen.“ Weitere Informationen unter www.oetzi-dorf.at Kultur-Blogs unter www.oetztal.com/magazin
R ÄT S E L
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des richtigen Lösungsworts verlost. Der/die Gewinner/in wird online informiert. Ötztal Tourismus-Datenschutzbestimmungen unter www.oetztal.com/datenschutzerklaerung Irene Prugger
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Pöülschtr
1. Kunstreich
Die gotische Pfarrkirche von Umhausen ist die älteste Kirche des Ötztals. Geweiht ist sie einem sizilinischen Märtyrer; seine Statue ziert eine Kapellen-Nische der Friedhofsmauer. Wie heißt der Kirchenpatron? R Hl. Johannes von Nepomuk E Hl. Bernardo da Corleone P Hl. Vitus
3. Wortreich
Der Ötztaler Dialekt bewahrt seine lautkundlichen Eigenheiten fast unverändert seit dem 12. Jahrhundert. Bitte übersetzen: „Weegn dir honn i znochts in Pöülschtr druttlt!“
5. Glorreich
James Bond war auch schon im Ötztal. Die multimediale Erlebniswelt „007 ELEMENTS“ am Gaislachkogl zeigt spektakuläre Szenen aus Bond-Filmen. Wie heißt der u. a. in Sölden gedrehte Film?
M Wegen dir hab ich schon wieder die Bürste verlegt.
S Goldfinger
B Wegen dir hab ich am Abend den Polster zerknittert.
F Söldner und Sölder
R SPECTRE
N Wegen dir hab ich nichts Besseres erreicht.
4. Lehrreich
6. Kulturreich
A Köfelskristall
Im Garten des Heimat- und Freilichtmuseums in Längenfeld werden alte Pflanzen kultiviert. Eine davon bescherte den Bauern einst den wichtigsten Zuerwerb. Um welche Pflanze handelt es sich?
Die Schafwandertriebe vom Südtiroler Schnalstal ins Almgebiet oberhalb von Vent sind uraltes Kulturgut. Wie nennt man die Weidewirtschaft mit saisonalem Wechsel der Weidegebiete?
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E Wilder Hopfen
L Hirtenkultur
A Ötztaler Gerste
N Humantrans
U Ötztaler Flachs
G Transhumanz
2. Steinreich
Eine Gesteinsart kommt weltweit nur in Köfels vor. Wie nennt man diese dem Bimsstein ähnliche Gesteinsverglasung, die beim Bergsturz entstanden ist? Köfelsit
L Umhauser Pyrit
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AUS K L A N G
Gute Geister
1 HAIMING 3 2 SAUTENS
OETZ
UMHAUSEN
Die Obstbrennerei im vorderen Ötztal reicht weit zurück. In Sautens werden seit Jahrhunderten Früchte zu Hochprozentigem veredelt. Der neueste Tropfen kommt aus Haiming: Goldener Whisky aus Mais. Jasmin Kreulitsch
A
m Anfang war der Mais. Seit über 30 Jahren wächst er auf den Feldern rund um den Biohof Glatzl in Haiming und wird zu Mais-Mehl verarbeitet. Dann hatte Bauer Josef Glatzl eine Idee, die ihn Jahre des Forschens und Probierens kostete: „Ich wollte Whisky aus Mais produzieren, zu 100 Prozent und in Bio!“ Er fand schließlich die ideale feine und süßliche Sorte. Vor vier Jahren füllte er seinen ersten Whisky in Eichenfässer, 2020 konnte er das Destillat aus der Taufe heben, den ersten Whisky Tirols, der nach der Tradition eines amerikanischen Bourbons hergestellt wird. Nach seiner Farbe heißt er „Gold-Glatzl“. Im Keller schlummern noch einige Fässer: „Das werden die besonders edlen Tropfen“, so Josef Glatzl. Erfolg ist schon da: Bei der Edelbrand-Meisterschaft „Destillata 2020“ gewann der Neuling auf Anhieb Gold.
Rar & sortenreich
Im nahen Sautens reicht die Obstbau-Tradition Jahrhunderte zurück. Rund 30 Betriebe brennen hier Schnaps. Der Hof von Gabi und Helmut Mair besitzt sogar eine Urkunde mit den Brennrechten der Kaise52
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rin Maria Theresia. Das Obst wird hier akribisch verarbeitet: „Jede Frucht einzeln, nur das Beste ist gut genug!“ So entstehen über 30 Sorten wie Apfelweinbrand, Enzian in Apfelbrand, Venter Vogelbeere oder Ötztaler Meisterwurz. Rezepte gibt es keine, dafür „Feingefühl und Sensorik“. Besonders spannend ist der blaue Gletscher-Gin, der sich mit Tonic lila färbt. Gleich um die Ecke brennt Werner Hackl, 2006 Gründer des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins. Das Fachwissen helfe beim Brennen, davon ist er überzeugt. Die Edelbrände der Schnapsbrennerei Hackl entstehen aus einheimischen Früchten: Apfelsorten wie Krummstiel oder Kaiser Wilhelm werden zu Apfelbränden. Hakl brennt auch Raritäten wie Kornelkirsche, Quitte oder Sautener Traube. Seine Frau Edith hatte die Idee für einen weiteren Tropfen. Sie sammelt Johanniskrautblüten von den Ötztaler Bergwiesen und trocknet sie als Basis für einen Entspannungsdrink. „Der Johanniskrautbrand ist gut für die Nerven!“
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www.biohofglatzl.at
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www.edeldestillerie-mair.at
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www.gaestehaus-michaela.at
TA L S C H LU S S
Am Puls der Zeit Franz Scheiber (links) und Ewald Schöpf
Jede Ötztaler Gemeinde hat einen Dorfchronisten. Der Job ist ein Ehrenamt und eine Berufung. Warum beides so unverzichtbar wie unbezahlbar ist, erzählen Söldens alter und neuer Dorfchronist. Isolde v. Mersi
I
ch bin ja noch ganz neu, deswegen wird auch mein Vorgänger Ewald „ Schöpf bei unserem Gespräch dabei sein“, sagt Franz Scheiber, als wir telefonisch unser Treffen in Sölden vereinbaren. Im Dorfchronisten-Büro mit zwei Computern und jeder Menge Ordnern stellt dann Ewald sich und seinen Nachfolger Franz derart vor: „Ich war der analoge, Franz ist der digitale Dorfchronist.“ Franz war bis zu seiner Pensionierung 2020 ein führender Beamter der Gemeinde Sölden. Ewald, schon seit 2002 in Rente als Hauptschuldirektor, fungierte von 1984 bis 2020 als offizieller Dorfchronist. Im Unruhestand sind beide: Ihr Dorf, seine Geschichte und Geschicke, lassen sie nicht los. „Ich bin all die Jahrzehnte aus dem Sammeln nicht herausgekommen“, sagt Ewald. Was er analog erfasst hat, führt Franz erst einmal nach und nach in ein zentrales digitales Dorf-
archiv über. „So gewinne ich einen guten Überblick über alles, was wir schon haben und noch hereinbekommen an Informationen. Aber am hilfreichsten ist es natürlich, Schüler bei Ewald zu sein“, meint er. Wir Laien denken beim Wort „Dorfchronist“ meistens an jemanden, der sich hauptsächlich mit der Vergangenheit befasst. Ewald und Franz belehren mich eines Besseren, als wir über ihre Aufgabenbereiche reden. Ja, lokale Ahnen-, Geschichts- oder Kulturforschung spielen schon eine große Rolle: Niemand stürzt sich freiwillig in ein unbezahltes Ehrenamt, wenn er nicht brennt für die Wurzeln seines Dorfs.
Informationsfluten
„Aber wir müssen auch alles erfassen, was aktuell in unserer Gemeinde geschieht, was über sie oder ihre Persönlichkeiten publiziert wird, was gemacht, was restauriert oder gebaut wird“, betont
Franz. Ewald präzisiert: „ Mit 468 km² und den Dörfern Gurgl, Heiligkreuz, Sölden, Vent und Zwieselstein sind wir die größte Gemeinde Österreichs, auch wenn wir nur rund 3.000 Einwohner haben. Es ist sehr schwierig, all das zu erfassen – wir müssen ja außerdem noch Anlauf- und Auskunftsstelle für interessierte Forscher sein.“ Zwei engagierte Mitstreiter haben Franz und Ewald schon. Erstens Söldens Bürgermeister Ewald Schöpf: er rüstet das ehrenamtliche Chronistenamt bestens mit den nötigen Sachmitteln aus und hat zudem ein kommunales, frei zugängliches audiovisuelles Zeitzeugenarchiv geschaffen, um das kulturelle Erbe aller Ortsteile lebendig zu halten. Zweitens die Lehrerin Brunhilde Hochschwar-
Digitaler Chronist
Analoger Chronist
zer, sie dokumentiert die Geschichte des Ersten Weltkriegs im Gemeindegebiet. „Auch Vereine und Private wirken mit an der Chronik der laufenden und vergangenen Ereignisse“, ergänzt Ewald. Zukunftsträume? Aber klar: „Offiziell bestallte Chronisten-Helfer in jedem Sölder Ortsteil wären optimal!“, ergänzt Ewald. Weitere Informationen unter www.zeitzeugen-soelden.at Porträt-Blogs unter
www.oetztal.com/magazin
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007 ELEMENTS Almzeit AQUA DOME / VIVEA Gesundheitshotel Archäologische Fundstelle AREA 47 / Wakearea Aussichtspunkt Bahnhof BIG 3 BIKE REPUBLIC SÖLDEN Bootsverleih Campingplatz Canyoning Carat E-Bike Ladestation Fernwanderweg Flughafen Geocaching Schatzsuche Gletscherstraße Gokartbahn Greifvogelpark Hängebrücke Hochseilgarten ice Q Information Kajak Kinderspielplatz Klettergarten Klettersteig Museum Naturpark Haus Naturpark Ötztal Ausstellungen Ötzi-Dorf Ötztal Trek Ötztal Urweg Paragliding Pumptrack Rafting Reiten Schwimmbad / Badesee Stuibenfall Tennisplatz Themenweg Timmelsjoch Hochalpenstraße Top Mountain Star Wasserläufer WIDIVERSUM HOCHOETZ WIDIs Spielplatz
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– Naturpark Ötztal Wanderprogramm – Naturpark Haus – Schwimmbäder & Badeseen – Freizeitspaß & Familienattraktionen – Bikevergnügen mit dem Leihbike – und vieles mehr!
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