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Billeder Heimatblatt 2008
Billeder Heimatblatt 2008
Herausgegeben von der HOG Billed
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Bild oben: „Kiehhalt“ vor der Sauerländer Brücke auf dem Weg zu den Weideflächen. Bild unten: Heimatstube in Billed. Fotos: Werner Gilde
Lesen Sie auf den Seiten 83 - 96 Auszüge aus dem neuen Buch von Johann Steiner „Die Gräber schweigen“, die unser Landsmann unserem Heimatblatt zur Verfügung gestellt hat.
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Billeder Heimatblatt 2008 Dezember 2008 / 21. Ausgabe
Inhalt 3 Vorwort 4 Aktuell 8 Liste der Spender 10 Bürgermeisterwahl in Billed 10 Billeder Schüler: Fußball-Landesmeister! 11 Deutsches Haus eröffnet, Iulia Sur 19 Der Priester als Werkzeug Gottes, Kath. Senn 22 Die ersten 11/2 Jahre als Referendarin, A. Hehn 24 Eindrucksvolle Reise, Irmgard Triess 26 Brauchtum und Tradition 26 Heimatblätter, Elisabeth Martini 29 Präsentation der „Heimatklänge“, W. Tobias 32 Maiandacht wie sie mal war ..., Kathi Keller 33 Allerheiligen 2008 35 Bauernregeln im Jahreskreis 39 Suppepanz un Rakiknopp, Erika Weith 42 Rege Aktivität des Billeder B. D. Frauenvereins 45 Berlin - Billed - Reise Sommer 1939, H. Paschke 47 Brutaler Gattenmord eines 71-jährigen 49 Bildergalerie 58 Rückblick 97 Dichtung - Dialekt 103 Begegnungen 103 20-jähriges Jubiläumstreffen, Johann Gehl 104 Klassentreffen 1960-1965, Elfriede Mumper 107 Billeder in Ulm 2008, Peter Neumann 109 Herbstfest in Nürnberg, Renate Frombach 110 Schlachtfest, Adam Tobias 111 Leistung und Würdigung 111 Trauer-Rede für Franz Klein, Dr. Hans Dama 112 Beileidsschreiben 113 Hans Sieber-Brach achtzig 114 Eher ein Mann der Tat, Balthasar Waitz 116 Abschied mit Wehmut und Freude 117 Statistik 117 Statistik unserer Landsleute, Josef Herbst 142 In eigener Sache 144 Inhaltsverzeichnis
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Außenrenovierung unserer Kirche abgeschlossen, Peter Krier
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Eine unvergessliche Reise ins Banat, Reinhard Kaiser
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Wenn Grenzen sich verschieben, Wilhelm Weber
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Erlebnisse einer Zwangsarbeiterin,
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Das Anglereldorado an den Billeder Gewässern, Wilhelm Weber
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Die Gräber schweigen Auszüge aus dem neuen Buch von Johann Steiner
Impressum Umschlaggestaltung: Titelbild U1 - Foto von Roswitha Csonti, U2 - Umschlag des Buches „Die Gräber schweigen“ von Johann Steiner, U3 und U4 - Fotos von Werner Gilde Herausgeber: Heimatortsgemeinschaft Billed e.V., www.billed.de Redaktion: Elisabeth Martini / Layout, Grafik und Satz: Hans Rothgerber / Druck: Präzis-Druck Karlsruhe
Foto: Heimattreffen 2007 in der Badnerlandhalle Karlsruhe
Einladung zum Billeder Heimattreffen zu Pfingsten 2009 in Karlsruhe Samstag, 30. Mai 2009 10:00 Treffen der Landsleute in der Badnerlandhalle Karlsruhe - Neureut 14:00 Festzug durch Neureut, Abholen des Bürgermeisters und der Ehrengäste 15:00 Gottesdienst in der St. Judas- Thaddäus-Kirche 16:30 Begrüßung, Grußworte der Ehrengäste und Kulturprogramm in der Festhalle 20:00 Unterhaltungsabend in der Festhalle mit der Billeder Blasmusik Sonntag, 31. Mai 2009 10:00 Gedenkfeier am Billeder Denkmal auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe 11:00 Hauptversammlung mit Neuwahlen der Heimatgemeinschaft Billed e.V. in der Gaststätte der Rintheimer Sporthalle, Mannheimer Str. 2. Anschließend gemeinsames Mittagessen und gemütliches Beisammensein. Ausklang des Treffens. Zur Mitwirkung bei dem Umzug durch Neureut in unserer heimatlichen Tracht sind alle Billeder Jugendliche und Junggebliebene herzlich eingeladen. Nicht zuschauen, sondern mitmachen und selbst mitgestalten bei diesem schönen Fest der Billeder! Wir freuen uns auf alle Jugendlichen mit Billeder Wurzeln, die zu unserem Fest kommen. Anmeldung der Trachtenträger bei Heidi Müller, Tel. 0721/1331547 Die Chorprobe des Kirchenchores findet am Samstag in der St .Judas-Taddäus- Kirche statt. Änderungen im Programmverlauf sind möglich.
Liebe Billeder und Freunde! Gleich am Anfang meines Vorwortes möchte ich mich bei allen Landsleuten und Freunden für die Zusendung von Beiträgen und Fotos bedanken. Nur durch die Mitarbeit Vieler und die finanzielle Unterstützung Aller wird es uns möglich sein, das Heimatblatt weiter zu erhalten. Ich möchte schon jetzt alle Billeder zu unserem Treffen 2009 am Pfingstsamstag einladen. Fühlen Sie sich herzlich eingeladen, nach Karlsruhe in die Badener-Landhalle zu kommen, gute Bekannte, Freunde oder Nachbarn zu treffen und zu sehen. Es ist ein guter Anlass, Erinnerungen auszutauschen. Es sind Erinnerungen, die einem immer wieder in den Sinn kommen, Erinnerungen, über die man sehr oft bei Besuchen von Landsleuten redet und ganz oft in einsamen Stunden oder in Gesprächen davon zehrt. Wie sagt man immer so schön: „Weißt du noch, wie es damals war?“ Die Jüngeren und Junggebliebenen möchte ich bitten, beim Trachtenumzug mitzuwirken. Wir hoffen, dass viele zusagen und die schönen Trachten anziehen. Auch in diesem Jahr dürfen wir auf viele Aktivitäten zurückblicken: das Heimattreffen in Ulm, das Seniorentreffen in Karlsruhe, verschiedene Klassen- und Jahrgangstreffen, das Herbstfest in Nürnberg, das Schlachtfest in Frankenthal. Anhand der Berichte, die einen Querschnitt durch unser Billed oder die neue Heimat widerspiegeln, mögen Sie sich bitte selbst ein Bild davon verschaffen. Gleichzeitig möchte ich an dieser Stelle alle zur aktiven Mitarbeit in unserer Gemeinschaft auffordern. Den Organisatoren der verschiedenen Veranstaltungen möchte ich meinen Dank aussprechen. In Zukunft muss das ehrenamtliche Engagement unserer Mitglieder auf den verschiedenen Gebieten noch stärker eine tragende Säule unserer Gemeinschaft werden. Ein Beweis, dass unser Heimatblatt die Landsleute anspricht, ist das Interesse dafür und die Tatsache, dass von den bisher erschienenen Auflagen viele vergriffen sind. Das über 140 Seiten umfassende Büchlein ist so gestaltet, dass den Interessen eines jeden Lesers Rechnung getragen wird. Dies führt zur Stärkung und zur Festigung des Zusammengehörigkeitsgefühls aller Billeder, die fern von der alten Heimat leben. Es bietet uns nicht nur Ereignisse aus der Vergangenheit, wie der Beitrag von Wilhelm Weber, sondern auch welche aus der Gegenwart, um uns auf dem Laufenden zu halten mit Ereignissen aus dem letzten Jahr. Die gleiche Aufgabe wie dem Heimatblatt fällt auch den Wissensträgern und Zeitzeugen von vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg zu. Es geht darum, die Jugend über unsere erfolgreiche Entfaltung und unsere Tragödie in der alten Heimat zu informieren. Letztere hat schließlich zur Aussiedlung geführt. Viele der Bedrängnisse, Diskriminierungen, Bedrohungen, Demütigungen u.v.m., die so manchem Landsmann von den damaligen Machthabern angetan wurden, sollten der Vergessenheit entrissen werden. Johann Steiner hat das mit seinem Buch „ Die Gräber schweigen“ getan. Um dies alles der Öffentlichkeit bekannt zu machen, steht das Heimatblatt bereit. Das Jahr 2008 liegt hinter, 2009 vor uns. Trotz aller Hektik im heutigen Alltag halten die Menschen zur Weihnachtszeit und zu dem anstehenden Jahreswechsel inne, denken nach, blicken zurück und nach vorne. Es gibt, so glaube ich, keine Zeit im Jahreslauf, die die Menschen mehr anrührt und bewegt, als die Weihnachtstage. Im Namen des Vorstandes der Heimatgemeinschaft Billed e. V. wünsche ich allen Billedern frohe Weihnachten und ein gutes und glückliches Neues Jahr 2009. Werner Gilde, Vorsitzender der Heimatgemeinschaft Billed
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Aktuell
Außenrenovierung unserer Kirche abgeschlossen
Peter Krier
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ie im Heimatblatt 2007 berichtet, kamen die in der zweiten Augusthälfte 2007 begonnenen Renovierungsarbeiten an unserer Kirche zügig voran. So konnten die Erneuerung der Dacheindeckung, die Isolierung des Mauerwerkes, Reparatur und Streichen aller Blechabdeckungen einschließlich der Turmhaube, Erneuerung der Dachrinnen, Reparatur und Streichen des Turmes noch im Oktober 2007 abgeschlossen werden. Mit dem Beginn der Gutwetterperiode in diesem Jahr wurden die Arbeiten mit dem Verputzen am Unterteil des Mauerwerkes fortgesetzt, zum Schutz des Mauerwerkes wurde der Außenwand entlang ein Betonstreifen von 60 cm Breite gegossen. Diese Arbeiten wurden noch im Mai d. J. abgeschlossen. Beim Streichen der Außenwände kam es dann zu Verzögerungen. Im Gegensatz zu dem vertraglich festgelegten Zeitplan begannen diese Arbeiten erst nach dem Austausch zweier Arbeitsgruppen Mitte September und konnten am 4. November 2008 abgeschlossen werden. Die Endabnahme der Arbeiten erfolgte durch die leitende Architektin der Diözese, Frau Ramona Ehrenberger, Herrn Pfarrer Bonaventura Dumea, Herrn Adam Csonti und den Berichterstatter. Einige Mängel mussten von der ausführenden Firma nachgebessert werden. Damit die Leser eine bessere Vorstellung der ausgeführten Arbeitsmengen haben, werden folgend die Hauptmaße unserer Kirche aufgelistet: Bezugnehmend auf die Sohle des Eingangsportals hat die Dachtraufkante eine Höhe von 10,15m, die Spitzen der drei Giebel sind 13,40m hoch, die Unterkante der Turmhaube 24,0m hoch, die Unterkanten der „Vier Löcher“ sind 29,83m hoch, das obere Ende des Turmkreuzes erreicht die Höhe von 36,40m. Die Firsthöhe des Ziegeldaches beträgt 14,31m. Unsere Kirche ist 44m lang, das Mittelschiff hat eine Breite von 12,16m, mit den beiden Seitenschiffen ist unsere Kirche 24m breit.
Folgende Mengen wurden bearbeitet • 450m² Ziegeldach wurden erneuert. Dafür wurden 4.500 Dachziegelb und 170 Firstziegel der Firma Bramac, Tip Donau verwendet. Wegen des größeren Gewichts der Dachziegel wurden neue stärkere Dachlatten aufgeschlagen, geschwächte Sparren wurden versteift. Jeder 3-4 Dachziegel wurde aufgeschraubt, die Anschlüsse an die Blechabdeckungen und an das Mauerwerk liegen gleitfähig in einem U-Profil. • 640m² Blechabdeckung am Turm, auf den Seitenschiffen, Dachübergängen und Mauerbänken wurden gereinigt, ausgebessert, grundiert und gestrichen. • 163m Dachrinne und 30m Fallrohre wurden erneuert. • 174m Mauerwerk innen und außen von 90cm, an den Pfeilern 140cm Dicke wurden horizontal gegen aufsteigende Feuchtigkeit isoliert. Dafür mussten 1450 Löcher durch die dicken Wände gebohrt werden, in die, nach dem Trocknen, 4 Tonnen heißes Paraffin eingespritzt wurde. • Der Außenputz wurde bis zu einer Höhe von 1,50 bis 1,80m abgeklopft. Die Fläche wurde mit einem Haftmörtel gestrichen, darauf wurde die Mörtelschicht – Multipat – aufgetragen worauf eine Oberschicht aus Dünnbettmörtel – Tinci – gerieben wurde. • Um die Außenmauer wurde auf 154m Länge ein Betonstreifen von 60cm Breite gegossen. • 1.900m² Außenmauer wurden gereinigt, alte Farbschichten und schlechte Putzschichten wurden mit einem Hochdruckreiniger oder manuell abgetragen, stellenweise wurde ein Glasfasergewebe angebracht, die Flächen wurden mit einem Tiefengrund eingelassen, worauf die Grundierung gestrichen wurde, auf die letztlich die obere Farbschicht aufgetragen wurde. Verwendet wurde österreichische Qualitätsfarbe der Firma Baumit.
Aktuell Folgende Kosten sind bei den Renovierungsarbeiten entstanden: • Ziegeldach Erneuern - Fa. Ulmeanu: 8.985 € • Blechdach Reparatur und Streichen - Fa. Schüssler: 1.162 € • Dachrinnen Erneuern - Fa. Schüssler: 1.421 € • Turmhaube und Turm Rep. und Streichen - Fa. Alpconstruct: 1.660 € • Mörtel Abklopfen - Fa. Ulmeanu: 440 € • Mauerisolierung, Arbeitslohn - Fa. Oprea: 2.038 € • Mauerisolierung, Paraffinschicht Fa. isotec Nürnberg: 11.250 € • Verputzen Mauerwerk, Betonstreifen Fa. Ulmeanu: 2.890 € • Außenwand Ausbessern, Grundieren, Streichen Fa. Alpconstruct: 10.671 € • Sand: 202 € • Spritkosten: 377 € • Stromkosten: 500 € • Summe: 42.998 € Diese Ausgaben wurden durch folgende Einnahmen finanziert: • Verkauf Dachziegel: 711 € • Spenden der Gläubigen in Billed: 2.449 € • Beitrag der Gemeinde Billed, Baumaterial 1.428 € • Zuwendung Kultusministerium Bukarest über die Diözese: 8.571 € • Spenden der Landsleute in Deutschland und anderen Ländern: 30.463 € • Summe: 43.622 € Der Bestand von 624 Euro wird zum Schließen der Bohrungen innen und zum Streichen des Sockels innen eingesetzt. Leider haben die Mittel nicht gereicht, um auch das Kreuz vor der Kirche auszurichten, zu reinigen und neu zu streichen. Während bei der vorletzten Renovierung unserer Kirche in den Jahren 1975-1977 die Angehörigen der Billeder Kirchengemeinde nicht nur Geld gespendet haben sondern auch sehr viel Eigenleistung bei den Arbeiten einbringen konnten, war dies diesmal nicht mehr möglich. Zum guten Abschluss der Arbeiten soll den wenigen gedankt werden, die mitgearbeitet
5 haben. Unsere Ansprechpartner bei der Diözese war das Architekten-Ehepaar Ehrenberger, das uns bei der Ausschreibung der Arbeiten und bei deren Kontrolle geholfen hatten. Unser Heimatpfarrer Bonaventura Dumea hatte die Aufsicht der Arbeiten, insbesondere der Streicharbeiten in diesem Jahr. Die Mesnerin, Frau Maria, hatte viele Reinigungsarbeiten zu leisten. Die Elektriker Erwin Rieder und Jakob Donawell haben uns geholfen, ebenso war Ing. Hans Martini bei der Schadensfeststellung und Arbeitsplanung dabei. Koordinator unsererseits vor Ort war Adam Csonti, während Roswitha Csonti die Buchführung der Ausgaben hatte. Die Sammelaktion in Billed hat Brunhilde Klein durchgeführt. Es wird nicht unbescheiden sein zu erwähnen, dass der Berichterstatter während der Planungs- und Renovierungszeit 14 Mal in Billed vor Ort war. Möglich war die Außenrenovierung unserer Kirche jedoch nur durch die reichlichen Spenden der Landsleute. Daher gilt ihnen unser Dank, den Landsleuten in Billed und den Billedern in Deutschland und anderen Ländern. Unser Dank gilt auch der Gemeinde Billed für ihre Unterstützung, der Diözese und dem Kultusministerium in Bukarest. Allen sagen wir ein herzliches „Vergelt‘s Gott“. Unsere Kirche ist ein Gotteshaus, unser Gotteshaus, sie ist ein bedeutendes Geschichtsdenkmal und ein Kulturdenkmal, immer noch das größte, nun auch wieder schönste Gebäude Billeds. Sie ist Zeugnis des Glaubens unserer Vorfahren und unseres Glaubens. Wir haben für ihren Erhalt gesorgt. Wir dürfen uns freuen darüber, dass unsere Kirche nun wieder in ihrem alten Glanz erstrahlt und als eine der schönsten und besterhaltenen Kirchen des Banats das Dorf überragt und die Besucher der Gemeinde von weitem grüßt. Ihre Bausubstanz ist nun wieder für viele Jahrzehnte gesichert. Wenn die notwendigen Pflegearbeiten laufend durchgeführt werden, wird sie noch lange Zeit von denen künden, die sie erbaut haben, die in ihr und um sie ihren Glauben gelebt haben.
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Aktuell
Aktuell
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Foto oben: Aufnahme der Renovierungsarbeiten vom 1. September 2008 Linke Seite: Bilder von der Streichung der Fassade und des Turmes der Billeder Kirche durch die Billeder Mahlermeister Michael Karl, Hans Freer, Josef Leidecker und einen Hilfsarbeiter, im Sommer 1959. Ohne Gerüst, nur in einer fachmännisch gefertigten Holzkiste, die über Rollen rauf und runter gelassen wurde, konnte der Kirchturm gestrichen werden, eine lebensgefährliche, anstrengende Aufgabe, bei der sich Karl und Leidecker abwechselten, während Freer und der Hilfsarbeiter für die Sicherheit am Seil sorgten. Für diese gefährliche Leistung am Gotteshaus hat Pfarrer Josef Wild die Namen der Vier ins „Goldene Buch“ eingetragen.
Heimatkirche
Margarethe Pierre
Denkt ihr der Kirche noch im Heimatort? Die Glocken klingen dort, als ob sie riefen: „Warum, warum trieb man euch fort?“ Es schweigt die Nacht... und graue Nebel steigen aus den Tiefen. Es ist, als schliefen da unten unaufhörlich Not und Leid.
Aktuell
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Liste der Spender für die Renovierung der Billeder Kirche (Reihenfolge nach Bankeingang 10. Nov. 2007 – 01. Nov. 2008 Angaben der Spendesumme ab 50 €) 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 33. 34. 35. 36. 37. 38. 39. 40. 41.
Zoppe Hans und Kaharina Jung Peter und Magdalena Inpuscatu Nikolaus und Maria Frank Hans und Erika Tröster Georg und Katharina Potche Nikolaus und Elisabeth Metzger Josef und Eva Fost Hans und Anna Müller Walter und Michaele Kiss Georg Mayer Maria Magdalena Lauth Johann und Margarete Fröhr Erwin und Irmgard Schortje-Sommer Peter und Maria Heinrich Susanna Schwarzmann Barbara Rollinger Susanna Karl Angela Speicher Elisabeth Adam und Erika Krauser Peter und Magdalena Ross Roland und Maria Rothgerber Elisabeth und Hans Jobba Johann und Katharina Schortje Eduart und Barbara Deleanu Constantin und Diana Schrottmann Jakob und Ruth Kenderes Alfred und Yung Sas-Scholpp Horst und Ramona Roos Erwin und Yvonne Plennert Josef und Christa Keller Katharina Nuss Thomas und Gisela Dugonitsch Franz und Frieda Hirth Maria Ballmann Josef und Susanna Fronius Michael und Katharina Donauer Volker und Elisabeth Slavik Helmuth und Hannelore Ortinau Johannes und Siegrun Ortinau Hilde
112 142 237 520 410 641 668 300 103 235 502 677 335 432 764 764 691 543 792 666 154 221 542 364 145 357 389 779 280 221 431 237 539 411 475 71 42 132 229 229 229
Stuttgart Neuburg Forchheim Solingen Freilassing Nürnberg Nürnberg Weingarten Singen München Nürnberg Karlsruhe Rheinstetten Plüderhausen Hockenheim Schwetzingen Neuried Freilassing Karlsruhe Karlsruhe Balingen Karlsruhe Karlsruhe Karlsruhe Gaildorf Igensdorf Karlsruhe München Thüngen Karlsruhe Singen Simmershofen Karlsruhe Nürnberg Maxdorf Traunreut Würzburg Bilsdorf Weingarten Eggenstein Weingarten
50 50 50 50 55 50 100 100 150
50 50 100 50 100 50 50 100 50 50 50 100
Spenden unserer Landsleute in der alten Heimat, Angaben der Spendesumme in Lei /neu 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.
Bartha Petru und Lidia Titirica Rodica Dobos Petre und Elisabeta Vasiu Petere und Elisabeta Csonti Adam und Margarete Uzun Ecatarina Kileber Sigfried und Hildegard Weber Johann und Anna Bec Magdalena Marx Elisabeth
172 251 408 402 77 722 47 472 334 62
100 20 50 130 100 50 150 50 20 100
Aktuell 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 33. 34. 35. 36. 37. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54. 55. 56. 57. 58. 59. 60. 61.
Otto Nikolaus und Leontine Miron Clara Lupu Lucian und Veronica Faur Georg und Elisabeth Faur Johann und Simona Varyu Elena Done Katharina Faur Nikolaus Bonaventura Dumea Pop Livius und Elena Szatmary Johann, Susana, Elisa. Musta Cristian und Ana Elena Musta Johann und Ioana Stoiov Petru Pantea Ilie und Eugenia Hubert Johann und Margarete Jojar Istvan Trendler Peter Raia Jenica und Brigitte Mirsch Sigfried Tomoiaga Grigore und Barbara Tomoiaga Arthur und Simona Neu Tiberiu und Monika Dobos Petre und Elisabeta Rieder Erwin Rieder Katharina und Johann Hubert Josef und Elisabeth Toma Ecaterina Legindi Ioan Legindi Cristian und Dana Mayer Johann und Margarete Musta Georg und Maria Kukavecz Katalin Orosz Peter und Ildiko Ciobanu Gertrud Schemer Ioan und Ana Schemer Mariana PopErwin und Eva Billi Rozalia Stefanescu Stelian und Magda. Legindi Constantin und Elena Legindi Marius und Cristina Legindi Constantin und Ilonga Schortje Maria Clodeanu Constantin Opris Gh., Emeric und Nita Legindi Ana Herbst Etelca Ruppert Maria Gaina Johann und Anna Gilde Werner und Gerlinde
9 91 415 729 727 727 402 728 (Hunedoara) 625 238 940 306 657 657 172 415 304 304 (Temeschburg) 324 325 405 408 472 472 243 38 677 681 502 499 335 370 372 372 300 231 310 38 38 681 432 432 786 775 706 19 549 118 (Karlsruhe)
85 100 100 50 50 200 50 100 20 30 100 100 25 30 10 20 100 10 200 200 100 100 100 50 200 20 50 50 20 15 20 100 50 25 25 100 180 200 100 100 100 50 50 200 30 30 30 20 200 5165 Lei.
Einige der oben genannten Personen und Familien haben größere Summen gespendet, wollen aber nicht mit dem Betrag genannt werden. Ein Dankeschön allen Spendern, auch denen, die anonym bleiben wollen. Der Durchschnitt der Spenden liegt bei 45 € pro Spender.
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Aktuell
Bürgermeisterwahl in Billed 1. Juni 2008 – 1. Wahlgang:
Partei Stimmen SD 758 44,3 % PDL 377 22 % TM 318 18,6 % PC 183 10,7 % PRM 46 2,6 % Indep. 2 1,5 %
Kandidat Glodeanu Duta Csonti David Bogdan Mot
15. Juni 2008 - 2.Wahlgang: 887 Stimmen 909 Stimmen
49,39 % 50,61 %
Gemeinderäte Partei PSD PDL TM PC PRM PNG Mot
Stimmen 676 380 290 174 72 51 32
Prozent 40,03 % 22,68 % 17,31 % 10,38 % 4, 29 % 3,04 % 1,5 %
Gemeinderäte 6 3 2 2 0 0 0
Billeder Schüler: Fußball-Landesmeister!
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ie Auswahlmannschaft der Klassen 1- 4 hat im Rahmen der Schüler-Sportolympiade den Landestitel im Fußball erkämpft. Nachdem diese Mannschaft im April in Lugosch Kreismeister und danach in Aiud Zonenmeister geworden war - mit Daniel Munteanu als Torschützenkönig – gewann sie auch das Endspiel und wurde Landesmeister.
Betreut wurde die junge Mannschaft von den Trainern Cezar und Marcela Toma sowie von den Lehrerinnen Camelia Pasca und Adriana David. Billed kann stolz auf diese Nachwuchs-Fußballer sein und ihnen weitere Erfolge auf ihrem Weg wünschen. (nach „Renasterea banateana“)
Aktuell
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Deutsches Haus im Temeswarer Freilichtmuseum eröffnet
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as Interethnische Festival findet jährlich am ersten Juni-Sonntag statt. Veranstalter waren diesmal der Temescher Kreisrat, das Zentrum für Kultur und Kunst des Kreises Temesch und das Dorfmuseum. Das Demokratische Forum der Deutschen im Banat übernahm die Patenschaft für das Festival anlässlich der Eröffnung des Deutschen Hauses in der EthnienAllee im Freilichtmuseum. Der DFDB-Vorsitzende, Univ. Prof. Dr. Karl Singer, betonte die Bedeutung des fast 250 Jahre alten Hauses aus der Temescher Ortschaft Billed/Biled, das aus der Zeit der Kolonisierung der Deutschen im Banat stammt, die eine wichtige Komponente in der Entwicklung des Banats waren. Anschließend wurde das Deutsche Haus von Ignaz Bernhard Fischer, dem Vorsitzenden des Vereins der ehemaligen Russlanddeportierten in Rumänien, eingeweiht. Es wurde dem Originalhaus in Billed nachgebaut, jedoch mit neuerem Baumaterial: gebrannten Ziegeln. Das ursprüngliche, aus gestampftem Lehm errichtete Haus hatte 2 Zimmer, eine Küche und war mit einem Schilfrohrdach gedeckt, so die Enkelin der einstigen Inhaberin, Elisabeta Faur. Sie erinnerte sich, wie ihre mit 93 Jahren verstorbene Großmutter zu Lebzeiten ihr Heim nicht verlassen wollte. Das jetzige, geringfügig kleinere Haus
Iulia Sur – ADZ 10. Juni 2008
sieht dem Original ähnlich. Mit feuchten Augen und bewegter Stimme erzählte die 76-jährige Enkelin, wie das Haus und die Wirtschaft ihrer Großmutter einst ausgesehen haben. Es hatte auch einen Keller, im Hof gab es einen Schuppen, einen Schweinestall und einen Brunnen. In den 2 Zimmern und der Küche des Deutschen Hauses können derzeit die Möbelstücke gesehen werden, die bis im Herbst 2007 in den Räumlichkeiten der Volkskunst-Abteilung des Banater Museums in Temeswar ausgestellt waren. Am Hausende ist der Eingang zum Pferdestall. Nach der Eröffnung des Deutschen Hauses schritt der Zug der verschiedenen Trachten- und Tanzgruppen, darunter auch die RosmareinTanzgruppe des DFDB mit der Rekascher Blaskapelle, von einem zum anderen Haus in der Ethnien-Allee der Banater Volksgruppen. Bei jedem Haus wurden die Gäste herzlich willkommen geheißen und mit spezifischen Speisen und Getränken der jeweiligen Ethnie verköstigt. Ganz im Geiste der für das Banat kennzeichnenden Toleranz und Multikulturalität befanden sich unter den Gästen auch der Konsul der Republik Serbien in Temeswar, Dr. Dragomir Radenkovic; der Direktor der Banatia-Stiftung in Temeswar, Horst Martin; der Vorsitzende des DFD Billed, Adam Csonti sowie Billeds Bürgermeister, Leontin Duta.
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Eine unvergessliche Reise ins Banat Ein Wiedersehen mit Billed nach 14 Jahren
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n das Blickfeld meines Interesses rückte die Donauschwabengemeinde Billed, schon lange bevor ich den Ort selbst kennen gelernt habe. Es war im Jahre 1984, zu Beginn meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Gemeinderat der Industriegemeinde Bürmoos bei Salzburg. Bürmoos liegt etwa 25 km nördlich von Salzburg im Dreiländereck von Salzburg, Oberösterreich und Bayern. Nach dem II. Weltkrieg waren viele Heimatvertriebene aus dem Banat, aus Siebenbürgen und dem Sudetenland nach Bürmoos gekommen und fanden hier in den zahlreichen Industriebetrieben Arbeit und Brot. Viele von ihnen bauten sich schmucke Einfamilienhäuser und fanden bei uns eine neue Heimat. Mit Johann Sauer aus Billed hatte ich als Fraktionskollege engen Kontakt. Sauer war als Vertreter der Heimatvertriebenen in die Bürmooser Gemeindestube als Gemeinderat bestellt worden und er erzählte mir öfters von seiner Heimatgemeinde Billed. Eines Tages fragte er mich, ob ich das Heimatbuch über Billed von seinem Landsmann Franz Klein lesen möchte. An der Geschichte der Donauschwaben war ich schon immer interessiert und so begann ich mit wahrem Feuereifer in diesem beeindruckenden Werk zu lesen. Die vielen Bilder und die eindrucksvollen Schilderungen von der Anwerbung der Kolonisten in der Pfalz, im Rheinland, im Sauerland, im Elsass und in Lothringen, ihre Fahrt mit den „Ulmer Schachteln“ der Donau entlang in ihre neue Heimat ins Banat. Von Krankheit und Tod der ersten Kolonistengeneration, der Not der zweiten Generation und der Blüte und dem Wohlstand der dritten Generation, von der Flucht vor den heranrückenden Russen im Jahr 1944, von der schweren Zwangsarbeit der Zurückgebliebenen in Russland und der Ver-
Aktuell
Reinhard Kaiser
schleppung in die Baragansteppe 1951. Als ich das Buch fertig gelesen und gründlich studiert hatte, brannte in mir der Wunsch, diesen Ort, aus welchem ja so viele Bürmooser Familien wie Sauer, Reiser, Glass, Jung, Adametz, Diener, Klein, Schwengler, Krier u.v.a. gekommen waren, einmal selbst kennen zu lernen. Dieser Wunsch sollte nach einer gewissen Zeit doch noch in Erfüllung gehen. Der Umsturz zu Weihnachten 1989 Mit großem Interesse verfolgten wir zu Weihnachten 1989 den Umsturz in Rumänien und die Bilder von dem Massaker an unschuldigen Kindern und Jugendlichen vor der orthodoxen Kathedrale in Temeswar. Wir erfuhren von den katastrophalen Zuständen und der Not, in welche das gestürzte Regime das Land durch jahrelange Misswirtschaft gebracht hatte. In ganz Österreich und Westdeutschland wurden Hilfsgüter für die Bevölkerung in Rumänien gesammelt und Hilfstransporte organisiert. Die Partnerschaft mit Billed Auch wir in der Gemeinde Bürmoos, wo doch so viele Familien aus Billed, aus Liebling und aus Siebenbürgen eine neue Heimat gefunden hatten, sammelten Hilfsgüter und stellten einen ersten Hilfstransport zusammen. Es ergab sich nun die Frage, welche Gemeinde damit gezielt unterstützt werden sollte. Zur Debatte standen Liebling oder Billed. Billed war mir als Gemeinderat ja aus dem Heimatbuch von Franz Klein bestens bekannt. Mit Sauer und Reiser hatte Billed auch starke „Fürsprecher“ und so wurde dieser Ort als Empfänger für die von allen Bevölkerungsgruppen spontan und zahlreich eingesammelten Hilfsgüter ausgewählt. Im Frühjahr 1990 ging der erste Hilfstransport aus Bürmoos nach Billed. Im Jahre 1992, anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums der Gemeinde Bürmoos, wurde auch eine Gemeindepartnerschaft zwischen Billed und Bürmoos geschlossen.
Rückblick
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Die „Hutweide“ hinterlässt auf mich einen tiefen Eindruck. Freundschaften werden geschlossen. Die unter ziemlich großen Mühen angereiste Delegation aus Billed mit ihrem Bürgermeister und zahlreichen Gemeinderäten, dem Arzt und dem Schuldirektor wurde freundlich bei Bürmooser Familien aufgenommen. Bei mir im Hause wohnte Adam Csonti, der Vorsitzende des Deutschen Forums in Billed. Dreimal begleitete ich nun unsere Delegation mit Hilfsgütern nach Billed und durfte die überaus herzliche Gastfreundschaft der Familie Csonti kennen lernen. Obwohl in Billed, bedingt durch die Ereignisse nach dem Weltkrieg und der kommunistischen Zwangswirtschaft, vieles nicht mehr so aussah, wie es zur Zeit der größten Blüte in der Zwischenkriegszeit war, war ich von dieser großen Donauschwabengemeinde fasziniert. Von der geordneten und übersichtlichen Anlage des Ortes, seinen schönen Häusern, den großen Gärten, den breiten Straßen mit den beidseitigen Grünstreifen und den zahlreichen Storchennestern auf den Telegrafenmasten, der stattlichen Kirche, den beiden Friedhöfen und dem Kalvarienberg. Die „Hutweide“ hinterlässt auf mich einen tiefen Eindruck. Was aber mich als Naturliebhaber besonders beeindruckte und in mir ein tiefes Gefühl zu Billed und den hier wohnenden Menschen
aufkeimen ließ, das war eine Pferdekutschfahrt mit Erwin Csonti und meinem Bürmooser Kollegen Rupert Schnaitl über die alte Sauerländerbrücke hinaus auf die „Hutwed“. Die endlos dehnende Weite der Hutweide, die flachen Lacken mit ihren vielen und seltenen Wasservögeln, das Schilf entlang vom neuen Kanal, das Summen der Bienen und der Geruch der Gräser und der über die „Hutwed“ streichende warme Wind haben sich tief in mein Herz und in mein Gedächtnis eingegraben. Zuletzt war ich in meiner Eigenschaft als Vizebürgermeister 1994 mit der Übermittlung von wertvollem zahntechnischen Gerät aus unserem weltbekannten Bürmooser Dentalbetrieb „W&H“ in Billed. Das Interesse lässt nach. Das Jahr 1994 brachte Neuwahlen in Bürmoos. Helmut Judas, der viele Hilfsgüter aufgetrieben und zahlreiche Transporte nach Billed organisiert hatte, schied aus beruflichen Gründen aus der Gemeindestube aus. Auch einige Leute aus dem damaligen Hilfskomitee waren verstorben oder waren altersbedingt nicht mehr in der Lage, die weite Fahrt auf sich zu nehmen. Und so verfiel langsam aber zusehends die einst so enthusiastisch begonnene Partnerschaft zwischen den Gemeinden Bürmoos und Billed in einen „Dornröschenschlaf“. Einzig und allein zwischen Adam Csonti und mir blieb der Kon-
14 takt auch über die weite Entfernung hin aufrecht. Auch mit Willi Adametz, der aus Billed stammte und der bei uns im „Moorverein“ tatkräftig mitwirkte, sprach ich oft über Billed. Jedes Jahr gab er mir das Billeder Heimatbuch zum Lesen und so blieben über Zeiten und Grenzen hinweg mein Kontakt und meine Liebe zu Billed aufrecht. Der Kontakt mit der Familie Csonti bleibt aufrecht. Da für meine Frau und mich die weite Autoreise zu beschwerlich war, besuchte uns von Zeit zu Zeit die Familie Csonti meistens auf ihrer Fahrt nach Karlsruhe für 2 oder 3 Tage. Stets wurde an mich und vor allem an meine Frau Sieglinde, die noch nie in Rumänien war, die Einladung ausgesprochen, doch endlich wieder einmal nach Billed und ins Banat zu kommen. Die Entscheidung dazu brachte schließlich im Herbst 2007 eine DVD, die mir Adam von dem interessanten und beeindruckenden Filmbericht des Bayrischen Fernsehens über das Banat und vor allem über Billed und die Böhmerwaldgemeinden Wolfsberg und Weidenthal im Banater Bergland zukommen ließ. Gemeinsam mit meinem Neffen Alex schaute ich mir diesen Film an. Ich fand vieles in dem Dokumentarbericht so, wie ich es von meinen Fahrten ins Banat und aus den Büchern kannte. Alex, der das Banat nur vom Hörensagen kannte, war ebenfalls von diesen Bildern über Land und Leute so angetan, dass er fest die Absicht bekundete, mit uns im Frühjahr 2008 nach Billed zu fahren. Ein Wiedersehen mit Billed nach 14 Jahren Endlich war es soweit. Zeitlich in der Früh fuhren wir am Donnerstag, den 17.April 2008, von Bürmoos weg und machten uns auf die Reise nach Billed. Die Verhältnisse waren nun ganz andere wie im Jahre 1994. Österreich, Ungarn und Rumänien waren nun Mitglied der Europäischen Union, langwierige Grenzkontrollen und Zollformalitäten fielen nun weg und das
Aktuell Autobahnnetz reichte bis vor die Tore von Rumänien, bis Szeged. Ein neuer Grenzübergang, der die weite Fahrt von der Grenze nach Billed über Arad und Temeswar verkürzte, war auch aufgemacht worden. Wir genossen die Fahrt durch diese weite und fruchtbare Landschaft des Banats, durch Großsanktnikolaus und Alexanderhausen. Nach relativ kurzer Fahrzeit von 9 Stunden kamen wir zu Mittag in Billed an. Schnell war die Abzweigung von der Hauptstraße beim Gemeindeamt hinunter zur Kirche gefunden. Da gab es aber bei meiner Frau Sieglinde und bei Alex ein großes Staunen, ich will nicht sagen Entsetzen, über den schlechten Zustand der Straßen. Es hatte am Vortag geregnet und so standen überall Pfützen in den zahlreichen Löchern der breiten Straße. Sogar die sogenannte „Grundlose Straße“ bei uns in Bürmoos, die durch das Moor führt, war in einem besseren Zustand. Ich war jedoch von meinen früheren Reisen mit den Verhältnissen hier in Rumänien besser vertraut und so kamen wir nach einer „Ehrenrunde“ über die „Neugasse“ bald in der „Sauerländergasse“ beim Haus der Familie Csonti an und wurden dort herzlich empfangen. Die blühenden Obstbäume, der schöne Blumen- und Weingarten am Haus von Adam und Roswitha, die klappernden Störche in ihren Nestern, die Gänse mit ihren jungen Gössln und die schönen alten Häuser in der Gasse, nahmen unsere Blicke gefangen und von diesem Augenblick an waren auch meine Frau und mein Neffe von Billed tief beeindruckt und erkannten das Besondere an diesem Ort, dieser Landschaft und den Menschen, die hier wohnen. Das besondere Wohngefühl in einem Haus der Donauschwaben Auch wir haben bei uns in Bürmoos ein schönes Haus. Aber man muss erst einmal in einem Billeder Haus gewohnt haben, um die besondere Atmosphäre zu spüren, wie man hier früher im Banat gelebt hat. Die breiten und hohen Zimmer, die schönen Öfen, die dicken Mauern, die im Sommer im ganzen Haus eine angenehme
Aktuell Kühle verbreiten und im Winter die Wohnräume warm halten, der schöne abgeschlossene Garten, die Stallungen und der große Garten geben jedem, der hier als Gast einziehen darf, ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit. Ein Besuch in Temeswar Nach einem ausgiebigen und schmackhaften Mittagessen mit richtigen „Banater Krautwicklern“ und einer süßen Nachspeise geht unsere Fahrt nach Temeswar. Adi muss zu einer Sitzung vom Deutschen Forum ins Guttenbrunnhaus und Roswitha führt Sieglinde, Alex und mich in die Stadt. Wir kommen an der Oper vorbei auf den breiten Boulevard, wir sehen die Einschusslöcher in dem großen Haus am Platz, wo am 20.Dezember 1989 die Revolution ausgebrochen ist und wir besuchen die große orthodoxe Basilika. Unser Weg führt uns hinunter zum Bega-Kanal und nun sehe ich zum ersten Mal jene Wasserstraße, die die Kolonisten auf ihrem Weg von der Donau herauf ins Banat benutzt haben. Wir gehen durch schöne und nun auch gepflegte Parkanlagen und besuchen die schöne barocke Kirche von Fischer von Erlach, der ja auch in unserer Heimatstadt Salzburg die Dreifaltigkeitskirche und die Ursulinenkirche gebaut hat. Vor allem die Ursulinenkirche weist mit dem Dom von Temeswar eine gewisse Ähnlichkeit auf. Wir sind beeindruckt von dem großen Stadtplatz und dem Brunnen. Ich glaube, mit dem nahezu quadratischen Stadtplatz von Budweis eine gewisse Ähnlichkeit zu erkennen. Das schöne geschlossene Ensemble der historischen Gebäude und der orthodoxen Kirche sind beeindruckend. Störend wirkt jedoch auf alle Fälle der riesige Betonklotz, der wohl ein Wohnblock aus den 1970er Jahren sein soll, der sich hinter den Dächern der am Stadtplatz stehenden historischen Gebäude erhebt. Roswitha zeigt uns auch das Seniorenwohnheim und das Heimatmuseum. Wir können uns überzeugen, dass hier die Bewohner sehr gut versorgt werden und ihren Lebensabend gut umsorgt von der deutschen Gemeinde im Banat verbringen können.
15 Roswitha will uns aber unbedingt auch noch das neue große Kaufhaus zeigen. Da kommen aber auch wir verwöhnten Salzburger aus dem Staunen nicht heraus. Das, was hier alles an Waren, Qualitätsmarken und Restaurants angeboten wird, finden wir auch bei uns zu Hause in dieser Größe und Vielfalt nicht! Den Abend verbringen wir wieder in der Stille und Geborgenheit von Billed und hören noch vor dem Einschlafen die quakenden Laubfrösche von der „Sauerländerbrücke“ herauf… Eine Fahrt in die Banater Heide, nach Otelec Adi weiß ja von seinen Besuchen bei mir in Bürmoos, dass Alex und ich passionierte Jäger sind, die schon in vielen Ländern Europas gejagt haben. So stellt Adi einen Kontakt zu einem befreundeten Jäger in Temeswar her, der mit seinen Jagdkameraden gerade dabei ist, in Otelec ein Jagdhaus einzurichten. Wir werden von dem Präsidenten dieser Jagdvereinigung herzlich begrüßt und ins Jagdhaus zu einem Gespräch zwischen Jägern eingeladen. Wir bestaunen die dort ausgestellten Trophäen und Tierpräparate und sprechen über die Jagd in seinem 10.000 ha umfassenden Revier. Nach einem angeregten Gespräch, wo wir auch einige Schnäpse aus heimischer Brennerei, guten Rotwein und eine köstliche Cremeschnitte verkosten dürfen, geht die Fahrt mit dem Auto wieder zurück nach Billed. Bei der Überquerung des geradlinig verlaufenden Begakanals bleiben wir stehen und genießen den weiten Blick in die Landschaft. Wir fahren durch Dörfer, die erst vor kurzer Zeit von einem furchtbaren Hochwasser heimgesucht wurden. Ein Rundgang durch Billed Nach einem guten Mittagessen im Deutschen Forum führen uns Adi und Roswitha durch Billed. Wir besuchen den Bürgermeister, richten die Grüße unseres Bürmooser Bürgermeisters aus und treffen dort auch bekannte Gesichter, die ich von meinen früheren Aufenthalten her kenne. Wir treffen vor dem Gemein-
16 deamt den Hans Mayer, der durch uns seinen alten Jugendfreund Peter Reiser in Bürmoos grüßen lässt. Wir statten auch der Feuerwehr einen Besuch ab und freuen uns, dass dort immer noch ein Wimpel unserer Freiwilligen Feuerwehr in Bürmoos hängt. Adi zeigt uns den Friedhof in der Neugasse und den Sauerländerfriedhof. Viele Namen sind mir dort aus der Billeder Heimatchronik vertraut, auch Namen von Familien, die nach Bürmoos ausgewandert sind, finde ich hier. Auch wir in Bürmoos hatten bis in die 1960er Jahre einen schönen Leichenwagen, der von zwei Pferden gezogen wurde. Unser Leichenwagen ist verschwunden, hier in Billed können wir einen solchen noch bestaunen. Wir besuchen auch die Volksschule und den Handballplatz, wo ja Adi jedes Jahr ein großes Turnier ausrichtet. Und weil die Schule gerade in die Osterferien gegangen ist, dürfen wir auch ein Klassenzimmer in der alten Lehrerwohnung besichtigen. Während Adi mit Alex und mir auf den Kirchturm klettert, um von ganz oben einen weiten Blick über Billed zu haben, schaut Sieglinde auf der anderen Straßenseite in ein altes, stattliches, aber leider vom Verfall bedrohtes Haus, das früher auch einmal als Kerker gedient hat. Weil Alex Lokführer bei den Österreichischen Bundesbahnen ist, schauen wir uns natürlich auch den Bahnhof an und er tauscht mit dem Fahrdienstleiter Berufserfahrungen aus. Auf dem Rückweg vom Bahnhof besuchen wir auch das Elternhaus von unserem Freund Willi Adametz, der im April 2005 seine letzte Ruhestätte auf dem Bürmooser Friedhof gefunden hat. Wir besuchen auch Bruder Erwin, der sich nun mit seiner Frau und seinen 2 Töchtern eine ansehnliche Landwirtschaft eingerichtet hat und einen köstlichen Käse erzeugt. Bei Brunhilde Klein und ihrem Mann kehren wir noch zu Kaffee und Kuchen in ihrer Konditorei ein, die bei meinem letzten Besuch im Jahr 1994 eröffnet wurde.
Aktuell Sieglinde, Alex und ich sind beeindruckt von Billed! Wenn auch vieles im Argen liegt und längst einmal die Straßen in einen ordentlichen Zustand gebracht werden müssten, verspüren wir immer noch das Besondere an Billed, dieser einstigen Mustergemeinde in der Banater Heide. Eine unvergessliche Fahrt zum Eisernen Tor, nach Herkulesbad und ins Banater Bergland Adi und Roswitha möchten uns aber nicht nur Billed, Temeswar und die nähere Umgebung zeigen, sie möchten uns unbedingt auch zur Donau und dem Eisernen Tor und in die Böhmerwaldgemeinde Wolfsberg bringen. Dazu planen wir einen 2-tägigen Ausflug mit Übernachtung in Herkulesbad. Auf unserer Fahrt zur Donau kommen wir auch bald nach Temeswar an einem Wegweiser nach Liebling vorbei. Leider verbleibt uns keine Zeit, auch diesen Ort, aus welchem ebenfalls zahlreiche Bürmooser Familien wie Bock, Intschert, Wächter u.v.a. stammen, zu besuchen. Bald geht es hinaus in das Hecken- und Hügelland. Obwohl in der Ferne die schneebedeckten Karpaten blinken, ist die Natur hier um einiges voraus als bei uns in Salzburg. Die Buchen prangen in ihrem neuen grünen Kleid. In Serpentinen geht es durch unberührte Buchen- und Eichenwälder hinunter zur Donau. Während beim Wegfahren in Billed noch ein unangenehmer kühler Wind geweht hat, ist es hier mild und warm. Unser Blick geht über die breite Donau hinüber nach Serbien. Nach einer kurzen Rast geht es entlang der zunächst noch sehr gut ausgebauten Uferstraße hinein in das Durchbruchstal der Donau. Wir können uns nicht satt sehen an der Schönheit und Einzigartigkeit dieser Landschaft. Immer wieder bleiben wir an markanten Punkten stehen und genießen die herrliche Landschaft. Wir bestaunen das in den Felsen geschlagene Antlitz des Dracerkönigs Decebal und die Felsenge, durch die sich die Donau durchzwängt. Adi erzählt uns, dass er als Kind in den 1960er
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„Wie froh und glücklich sind wir, dass uns Adi und Roswitha in diese herrliche Landschaft geführt haben.“ Jahren auf einem Lastwagen mit seinem Vater einen „Betriebsausflug“ von Billed zum Eisernen Tor mitgemacht hat, wo sie bei der Herfahrt auf freiem Feld in einer großen Heutriste ihr Nachtquartier gefunden haben. Damals konnten sie noch die türkische Enklave auf der Insel Ada-Kaleh besuchen, die leider dem Kraftwerksbau zum Opfer gefallen ist. Gut, dass wir bei der Besichtigung des Kraftwerks durch ausgestellte Fotos einen Eindruck von dem Leben auf der Insel gewinnen können. Herkulesbad Wir sind so beeindruckt von der Schönheit dieses romantischen Tales, dass wir beinahe die Einfahrt in den einstigen Weltkurort nicht finden. Nach der Quartiersuche machen wir uns auf den Weg in den einstigen Kurbezirk. Die rauschende Ache, die bizarren Felsen, die grünen Wälder, die herrliche Luft – sie lassen unsere Herzen höher schlagen und faszinieren uns. Wie froh und glücklich sind wir, dass uns Adi und Roswitha in diese herrliche Landschaft geführt haben. Sieglinde und ich kennen
die westböhmischen Weltkurorte Karlsbad, Marienbad und Franzensbad und so können wir Vergleiche ziehen. Mit Entsetzen und ungläubigem Staunen müssen wir jedoch sehen, wie hier die einst prachtvollen Kurhotels, das Kurbad und die Parkanlagen dem totalen Verfall preisgegeben sind. Kopfschüttelnd bleiben wir vor einer großen Müllhalde direkt im historischen Kurbezirk stehen, wo einst auch Kaiserin Elisabeth von Österreich Erholung und Heilung suchte. Es wäre zu wünschen, dass auch Herkulesbad - so wie die böhmischen Kurorte Karlsbad, Marienbad und Franzensbad - wieder in seinem einstigen Licht und Glanz erstrahlen könnte. Die Fahrt ins Banater Bergland, nach Wolfsberg Zeitig am Sonntag in der Früh fahren wir durch das Tal der Cerna hinauf nach Slatina Timis. Weil gerade an der Ortseinfahrt gearbeitet wird und offensichtlich das Ortsschild entfernt worden ist, finden wir erst nach kurzer Rückfrage bei einem Einheimischen den Weg nach
18 Wolfsberg. Auf meiner Landkarte ist die Straße nur ganz dünn eingezeichnet und mit einem grünen Strich versehen. Meine Vermutung, dass es sich um keine Straße, sondern eher um einen Forstweg handelt, wird bald bestätigt. Die Straße ist nur sehr schwer befahrbar und weist zahlreiche mit Wasser gefüllte Schlaglöcher auf. Roswitha, unsere Chauffeurin, lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen und bringt uns mit Umsicht und Bedacht immer weiter hinauf in das Bergland. Immer wieder bleiben wir zum Fotografieren und Filmen stehen. Alex und ich als naturbegeisterte Jäger können uns an der Unberührtheit und Schönheit dieser Berglandschaft nicht satt sehen. Entlang eines munter sprudelnden Bergbaches blühen gerade die Sumpfdotterblumen. Die Buchen haben soeben ihr grünes Kleid angenommen. Immer weiter geht es hinauf und dann sind wir oben auf der Höhe und wir haben einen grandiosen Fernblick auf die schneebedeckten Karpaten und den Semenik. Gleich nach Überquerung des Bergrückens tut sich vor uns ein breiter Kessel auf und darin liegen die beiden Böhmerwalddörfer Weidenthal und Wolfsberg. Wir machen eine kurze Rast beim Stausee „Drei Wässer“, aus welchem der Fluss Timis entspringt. Trotz der kräftig strahlenden Sonne ist es kühl hier heroben und man sieht, dass hier erst vor kurzem der Schnee weggeschmolzen ist. Hier ist es wie im Böhmerwald, wo ich schon so oft war und aus dem auch mein Großvater als Glasbläser um 1900 nach Bürmoos ausgewandert ist, wo er in der Glasfabrik Arbeit gefunden hat. Wir kommen nach Wolfsberg. Roswitha lässt uns am oberen Ortsende aussteigen und wir gehen zu Fuß hinunter zur Kirche und zum Friedhof. Wir kommen am Rathaus vorbei und weil gerade Gemeindewahlen bevorstehen, hält sich auch Bürgermeister Karl Rank im Gemeindeamt auf. Er lädt uns herein in die Gemeindestube und er erzählt uns vom Werden und Sein dieser Gemeinde im Banater Bergland, wo im Jahr 1828 Deutschböhmen angesiedelt wurden und diesen
Aktuell Ort gegründet haben. Dabei stellt sich heraus, dass Bürgermeister Rank auch ein begeisterter Jäger ist und er lädt uns zu sich in sein Haus ein, wo wir seine starken Hirsch- und Rehtrophäen bewundern können. Die Häuser sind in einem guten Zustand. Adi klärt uns aber auf, dass nur mehr 85 Deutsche hier wohnen und die meisten Häuser nur noch als Zweitwohnsitz für Bürger aus Temeswar und für einige Auswanderer nach Deutschland dienen. Wir besuchen noch den Bergfriedhof und auch hier finden wir Namen, die ich aus dem Böhmerwald kenne wie „Pankratz“, der auch bei uns in Bürmoos geläufig ist. In einer gastfreundlichen Pension mit einer Original-Böhmerwaldstube kehren wir zum Mittagessen ein und lassen uns mit Köstlichkeiten aus der heimischen Küche verwöhnen. Schweren Herzens nehmen wir Abschied von diesem schönen Ort und der stillen, weiten Landschaft. Der Rückweg führt uns durch die Industriestadt Reschitz zurück nach Temeswar und am Kalvarienberg vorbei nach Billed. Der Abschied von Billed fällt uns schwer. Weil wir den starken Verkehr gerade an einem Montag fürchten, drängt Alex, unser Chauffeur, auf eine baldige Rückreise noch am Sonntag Abend. Noch einmal genießen wir die laue Frühlingsluft im Garten der Csontis und lauschen in der Abenddämmerung dem lauten Rufen der Laubfrösche, die bei uns zu Hause schon fast ausgestorben sind. Rasch sind die Koffer und Taschen gepackt, letzte Geschenke ausgetauscht, es wird schweren Herzens Abschied genommen von echten und wahren Freunden und nach einer anstrengenden Nachtfahrt sind wir in den frühen Morgenstunden wieder gesund und glücklich zu Hause in Bürmoos. In unseren Herzen und in unserem Gedächtnis bleibt die Erinnerung an vier unvergessliche Tage, an ein Land, das unvorstellbar schön ist. Rumänien und das Banat haben sich uns von ihrer schönsten Seite gezeigt. Gerne kehren wir wieder!
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Der Priester als Werkzeug Gottes
Feierliche Primiz von Marius Frantescu in der Stadtpfarrkirche St. Josef in Dingolfing „Ich will den Namen des Herrn verkünden“ (Dtn. 32,3) Katharina Senn (Jobba) m Sonntag, dem 13. Juli 2008, fand in der nehmen Grabmeier in Höfen und arbeitete bei Stadtpfarrkirche St. Josef in Dingolfing mehreren Firmen. Danach machte er seinen Zi(Niederbayern) die Primizfeier des Neuprie- vildienst beim BRK Landshut-Hofberg (in der sters Marius Frantescu statt. Es war für die Verwaltung des Seniorenheims). Doch es zog gesamte Pfarrgemeinde, aber auch für uns Bil- ihn immer deutlicher zu einem anderen Weg leder ein besonderes Fest. hin, er wollte als Priester Gottes Liebe zu den Marius Frantescu wurde am 27. März 1972 Menschen bringen. in Billed als erstes Kind der Eheleute Zeno und Im September 2001 begann Marius sein Elisabeth Frantescu (geb. Slavik) geboren. Er Studium (Philosophie und Theologie) in der hat noch eine jüngere Schwester, Gabriela. Ordenshochschule der Zisterzienser, PäpstDie Familie zog nach Temeschburg, wo Ma- liche Hochschule Benedikt VI Heiligenkreuz rius die Grundschule und das Gymnasium be- bei Wien, das er im Sommer 2007 erfolgreich suchte, das er mit dem Abitur abschloss. Seine mit dem Magister (Diplom) abschloss. Ende Ferien verbrachte er immer in seinem Heimat- August besuchte er die Pastoralkurse im Priedorf Billed, bei seinen Großeltern. sterseminar Regensburg und begann ein PrakNach der Übersiedlung aus dem Banat hat tikum in der Pfarrei Maria Immaculata/Vohensich die Familie in Dingolfing niedergelassen. strauß in der Oberpfalz. Marius machte hier seine Ausbildung zum Am 8. Dezember 2007 wurden in der Pfarrkaufmännischen Angestellten im Bauunter- kirche St. Josef in Dingolfing 9 Priesteramts-
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20 kandidaten, unter ihnen auch Marius, von Diözesanbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller zum Diakon geweiht. Mehrere hundert Gläubige aus den Heimatorten und den Praktikumspfarreien der Weihekandidaten nahmen am Gottesdienst teil. Dem festlichen Einzug in die Kirche schlossen sich zahlreiche Ministranten, Seminaristen, 80 Diakone und Priester an. In seiner Predigt erläuterte der Regensburger Bischof die Aufgaben der Diakone: Sie sollen durch Wort und Zeugnis das Wort Gottes hinaus in die Welt tragen. Am 28. Juni spendete Bischof Gerhard Ludwig Müller im Hohen Dom St. Peter zu Regensburg acht Diakonen, unter ihnen Marius Frantescu, das Sakrament der Priesterweihe. Einer von ihnen wird im Oktober in Rom geweiht. Die Kathedrale war überfüllt mit Gläubigen, die aus dem gesamten Bistum angereist waren, darunter auch einige Banater Landsleute. Die Priesteramtskandidaten traten einzeln vor den Bischof und bekundeten ihre innere Bereitschaft zum Dienst an der Kirche in Einheit mit dem Bischof. Der Regens des Priesterseminars Martin Priller erklärte gegenüber dem Bischof, dass die Kandidaten würdig befunden worden seien, die Weihe zu empfangen. In seiner Predigt warf Bischof Gerhard Ludwig Müller einen Blick auf die Entwicklung des Christentums in unserem Land. In den letzten 70 Jahren habe sich ein dramatischer Rückgang des christlichen Lebens vollzogen. Sein Leben ganz dem kommenden Reich Gottes zu verschreiben, ist nur möglich, wenn Gott die Mitte und das Ziel jeder gläubigen Existenz ist. Nach der Weihe durch Handauflegung wurden die jungen Männer mit Stola und Messgewand bekleidet und ihre Hände wurden gesalbt. Aus der Hand des Bischofs erhielten sie Hostienschale und Kelch zur Feier der Eucharistie. Mit dem Friedensgruß, der Umarmung durch den Bischof und die anwesenden Priester endete die Weihenhandlung. Seine Primizmesse feierte Marius Frantescu in seiner Heimatpfarrei St. Josef in Dingolfing
Aktuell Vor dem herrlich geschmückten Hauptportal der Kirche waren viele Gläubige versammelt, als die Kutsche vorfuhr, die den Primizianten und seine Mutter von zu Hause abgeholt hatte. Die Messe wurde gestaltet von der Schola des Priesterseminars, den 2 Chören von St. Josef, Sängern von Vilsbiburg und einer Gruppe Billeder Singmädchen. Prof. P. Dr. Karl Wallner, unter dem Marius in Heiligenkreuz studiert hatte, hielt eine persönliche und bewegende Primizpredigt. Er ging auf zwei Fragen ein: Warum brauchen wir Priester und wie werde ich ein guter Priester? Dazu gebe es aber kein Rezept. Man müsse die Menschen wieder zurück zu Gott führen und ihrem Leben einen Sinn geben. In den Fürbitten wurde des vor 6 Monaten verstorbenen Vaters des Primizianten gedacht. Nach der Eucharistiefeier richtete der Primiziant sichtlich bewegt seine Dankesworte an alle, die ihn auf seinem bisherigen Lebensweg begleitet und unterstützt haben: An seine Familie und Verwandte, an Priesterprediger Prof. P. Dr. Karl Wallner, an Stadtpfarrer Josef Laußer, an die gesamte Pfarrei, die tatkräftig bei der würdigen Gestaltung der Feier mitgewirkt hat, an die Stadträte, die auch alle drei anwesend waren, an seine Praktikumspfarrei Vohenstrauß mit Pfarrer H. H. Alexander Hösl, die auch zahlreich zur Primiz erschienen waren, und an seine Billeder Landsleute, mit einem schwäbischen Dankscheen. Anschließend sprach der Neupriester mit zwei Mitbrüdern den Primizsegen. Nach der geistlichen Feier luden die Mutter des Primizianten und die Angehörigen in die Stadthalle zu einem gemeinsamen Mittagessen ein. Danach beglückwünschten Bürgermeister Josef Pellkofer und Pfarrer Josef Laußer den Neupriester Marius Frantescu zu seinem Entschluss, Priester zu werden und überreichten ihm Präsente. Ein kleines Geschenk überbrachte auch Pfarrgemeinderatssprecherin Maria Eisner. Dem offiziellen Teil folgten zahlreiche Darbietungen auf der Bühne. Mitglieder der Prak-
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Marius Frantescu wurde am 27. März 1972 in Billed als erstes Kind der Eheleute Zeno und Elisabeth Frantescu (geb. Slavik) geboren. tikumspfarrei Vohenstrauß sangen ein auf den neuen Priester zugeschnittenes humorvolles Lied, Pfarrer Hösl ließ die Praktikumszeit von Marius mit lustigen Anekdoten Revue passieren und stattete ihn dementsprechend mit einem vollbepackten „Startpaket“ für sein neues Wirken als Kaplan aus. Er dankte ihm für die vielen Stunden, die sie mit Gesprächen, oft auf Spaziergängen, verbracht haben. „Dein Lachen, deine Aufgeschlossenheit und dein tiefer Glaube zu Gott ließen uns erfreuen“. Die Kinder vom Kindergarten nahmen den Primizianten in ihre Mitte und sangen für ihn. Es gab dazu passende Gedichte vom Gebetskreis Dingolfing und von Heimatpoetin Brigitte Hausbeck. Auch die Billeder Landsleute hatten eine kulturelle Darbietung vorbereitet. Nachdem die Glocken der Heimatkirche Billed erklangen, sang eine Gruppe Billeder unter der Leitung von Susanne Ballmann das Lied „Glocken der Heimat“. Der HOG- Vorsitzende von Billed Werner Gilde begrüßte den Primizianten, seine Familie und alle Anwesenden und berichtete kurz
über die Banater Schwaben und ihre Herkunft. Er und seine Frau Gerlinde waren in schwäbischer Kerweihtracht gekleidet und tanzten die „Dorfmädel-Polka“ nach der Musik der CD „Heimatklänge“. Danach sang der Chor das Lied „Ich kenn‘ ein schmuckes Schwabendorf“. Es folgte ein Gedicht in Billeder Mundart „Die Kerweihgäscht“ von Josef Herbst, vorgetragen vom Autor. Danach überreichte Werner Gilde dem Primizianten im Namen der HOG Billed ein Präsent. Im Anschluss bedankte sich Marius bei allen Gästen, es sei für ihn eine große Freude, mit ihnen gemeinsam dieses Fest zu feiern, „diesen besonderen Tag in meinem Leben“. Marius Frantescu wird ab September 2008 seine erste Kaplanstelle in Oberwiedbach antreten. Wir Billeder Landsleute wünschen Marius für seinen künftigen priesterlichen Dienst die Kraft und den Segen Gottes. Von den Billeder Gästen nochmals herzlichen Dank an die Familie Slavik, die sich rührend um alles gekümmert hat. Vergelts Gott!
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Die ersten eineinhalb Jahre als Referendarin
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Agathe Hehn (563)
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s wurde schon öfter über das Schulleben früher in Rumänien berichtet, seien es Erinnerungen an die Zeit als Schüler als auch Erlebnisse aus Lehrersicht. Mein Start ins Referendariat ist eine gute Gelegenheit zu erzählen, womit ein junger Lehrer heute so „kämpft“. 14. Januar 2007 Erstes Staatsexamen in der Tasche. Nach 13 Prüfungen in Chemie, Biologie und den Erziehungswissenschaften hatte ich zum Glück zwei Monate Verschnaufpause. Nun endlich habe ich Post vom Kultusministerium! Die Seminarschulen werden bekannt gegeben und ich bleibe …Juhuuu!… halbwegs in der Nähe von zu Hause. Allerdings muss ich zwei Schulen in München besuchen: Das Maximiliansgymnasium und das LMGU in Unterhaching. 19. Februar 2007 Mein erster Arbeitstag ist der Rosenmontag. Frisch vereidigt, geht es nach einer halben Stunde auch schon in die ersten Ferien. Also, wenn das so bleibt, dann ist dieser Job genau das Richtige für mich. 27. Februar 2007 Eine Woche später: Bei einer netten Begrüßung mit Kaffee und Kuchen lerne ich endlich die zukünftigen Kollegen, die Seminarlehrer und die Schulleitung kennen. Auch die anderen 5 Referendare scheinen ganz in Ordnung zu sein. Wir bekommen unseren Stundenplan mit Seminaren in Bio, Chemie, Schulkunde, Staatsbürgerkunde, Pädagogik und Psychologie (14 Wochenstunden), Unterrichtsbesuchen und Besprechungen. Von der guten Ausstattung der Sammlung und den schönen Chemieräumen im Neubau bin ich ganz überrascht, hier kann man sicher gut arbeiten. 11. März 2007 Heute ist es also so weit: Ich stehe vor einer echten Klasse mit echten Schülern. Wenn ich jetzt noch die Technik von Beamer, Gas, Elektrik, EDV, Sound und Verdunkelung verstehe,
kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Eigentlich!!! Dieses „Eigentlich“ zeigt sich in der anschließenden Stundenbesprechung. Viele Kleinigkeiten, wie Tafelbild, Stimmmodulation, Fragetechnik, Fachsprache auf Schulniveau und das Stundenende mit Hausaufgabenstellung und Tafeldienst kann ich noch deutlich verbessern. Aber es bleibt mir ja noch Zeit, an diesen Punkten in diversen Unterrichtsstunden und in den verschiedensten Klassen zu arbeiten. Dabei muss ich voller Sorge immer wieder an das Zitat von den Seminarlehrern denken: „Also gell, nach Ostern wird´s dann ernst, da bekommen Sie Ihre Klassen!“. 16. April 2007 …und es wird ernst! Ich übernehme zwei Klassen, eine in Biologie, eine in Chemie. Das bedeutet: Abfragen, Exen und Schulaufgaben ausarbeiten, selbige korrigieren, Arbeitsblätter, Folien und Stunden entwerfen. Nebenbei bleiben natürlich noch sämtliche Seminare mit Protokollen und Reisen quer durch München zum Maximiliansgymnasium weiter im Programm. Das pure Unterrichtsvergnügen kommt aber wirklich erst in den Stunden auf, in denen neben dem Seminarlehrer noch ein 2 Meter großer Kameraaufbau seinen analytischen Blick auf mich richtet und alle Fehler und Unsicherheiten auf Papier, bzw. Digitalband verewigt. Die Wochen bis zu den Pfingstferien vergehen aber wie im Flug. Und immer wieder die mahnende Stimme der Seminarlehrer: „Also gell, nach Pfingsten wird’s dann ernst, da kommen die Lehrproben!“ 28. Mai bis 8. Juni 2007 Die Pfingstferien sind ja gar keine Ferien. In der ersten Woche gilt es, Schulaufgaben zu korrigieren, was beim ersten Mal fast unendlich dauern kann. Protokolle zu den Fachsitzungen müssen geschrieben werden, das Sor-
Aktuell tieren und Einordnen tausender Blätter dauert auch einen Tag und: Bei den Ersten kommen die Lehrprobentermine ins Haus geflattert. Die Lehrprobe ist schließlich mehr als nur eine Unterrichtsstunde, die bewertet wird: Es ist die ultimative Unterrichtsstunde. Und die will gut vorbereitet werden, da reicht ein tolles Arbeitsblatt nicht aus. Man braucht eine perfekte Zeiteinteilung, Modelle, Folien und Versuche müssen ideal in den Unterricht eingearbeitet werden, jedes Wort und jede Frage wird genau durchdacht. Somit ist die zweite Woche dann auch gelaufen. Eigentlich wollte ich doch auch den Unterricht vorbereiten. 11. Juni 2007 Die Pfingstferien sind vorbei und es wird wieder ernst! Die Lehrprobe rückt unaufhaltsam näher und die Vorbereitungszeit wird immer knapper. Der ausgewählte Chemieversuch hat in der Vorbereitung gerade wieder nicht funktioniert, deshalb wende ich mich jetzt lieber erneut der Planung zu…. Aber nach der Lehrprobe wird sicher endlich alles gut!!! 03. August 2007 Letzter Schultag, das erste Halbjahr habe ich schon überstanden. Heute habe ich erfahren, an welcher Schule ich nächstes Schuljahr bin. Ich habe wieder Glück, Fürstenfeldbruck, ich muss nicht umziehen. Nächstes Schuljahr bin ich aber auf mich gestellt. Ich habe 16 Unterrichtsstunden in sechs Klassen und keine Seminare mehr. Allerdings muss ich immer noch alle Schulaufgaben und Exen kontrollieren lassen, sowohl die zusammengestellten Aufgaben wie auch meine Korrektur. 30. November 2007 Die gestiegene Anzahl der Unterrichtsstunden macht sich in der Vorbereitungszeit deutlich bemerkbar. Wenn man auch noch abwechslungsreichen Unterricht halten will mit Gruppenarbeit, Schülerversuchen, Lernzirkeln und Spielen, sind weniger als 60 Arbeitsstunden pro Woche nicht möglich. Wenn ich nachts um zwölf fertig bin, ist das ganz normal geworden. Freizeit... was ist das?! Aber es hat auch seine
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guten Seiten: Die Schüler und die neuen Kollegen sind sehr nett. Bald sind wieder Ferien, dann kann ich sicher etwas ausspannen. 25. Januar 2008 Der Unterricht läuft nach wie vor gut, an das Arbeitspensum gewöhnt man sich. Aber das mit den Ferien halte ich für ein Gerücht. Ich habe bis jetzt nur im Sommer Ferien gehabt. Es gibt immer etwas vorzubereiten: Unterrichtseinheiten, eine schriftliche Hausarbeit, Exkursion und Fortbildung, Wanderlehrgang, ein erste Hilfe Kurs fehlt noch... man weiß ja nie. Nach Ostern muss ich wieder eine Lehrprobe halten, das heißt in den Osterferien muss diese perfekte Stunde vorbereitet werden. Natürlich muss ich zwischendurch Seminarberichte schreiben. Das sind etwa 15 Seiten Darstellung über meine Schulklassen und besondere Unterrichtsstunden. Auch Erfolge und Probleme sowie Unterrichtsmaterial werden in regelmäßigen Abständen an meine Seminarlehrer in Unterhaching geschickt, um sie auf dem Laufenden zu halten.
24 04. Juli 2008 Es wird eng, in einer Woche ist der Abgabetermin für die schriftliche Hausarbeit. Ich habe zwar den Großteil der etwa 90 Seiten in den Pfingstferien geschrieben, aber die Zeit für’s Überarbeiten wird knapp. Ich hoffe natürlich auf eine gute Bewertung, da diese Note - wie auch die Lehrprobennoten - zum zweiten Staatsexamen zählt. Es ist kaum zu glauben, das Schuljahr ist schon fast zu Ende. Die Schüler (trotz kleiner Kämpfe mit dem einen oder anderen) und die Kollegen wachsen einem nach einem Jahr schon ganz schön ans Herz und leider werde ich sie bald wieder verlas-
Aktuell sen müssen. In meinem letzten Halbjahr im Referendariat muss ich wieder zurück an meine beiden Schulen nach München. Da heißt es wieder Lehrprobe, Seminare, Protokolle schreiben, Unterrichtsbesuche und natürlich die Prüfungen zum zweiten Staatsexamen. Lehrjahre sind auch bei unserem vieldiskutierten Berufsstand keine Herrenjahre. Nebenbei bemerkt: Wer immer über die faulen Lehrer schimpft, kann ja gern einmal tauschen! Aber bald sind erstmal Sommerferien und das sind endlich richtige Ferien. Und die werde ich genießen, denn 6 Wochen frei hat schließlich nicht jeder!
Eindrucksvolle Reise in die Bundeshauptstadt Berlin
Irmgard Triess
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er Kreisverband der Banater Schwaben Karlsruhe und die HOG Billed mit dem Vorsitzenden Werner Gilde organisierten eine fünf-Tage-Reise in die Weltstadt Berlin. 59 Landsleute fanden sich pünktlich am Treffpunkt um 7 Uhr morgens ein. Die Laune war von Anfang an gut und man freute sich auf Berlin, eine Stadt, in der immer etwas los ist, wo sich Menschen aus der ganzen Welt treffen. Auf dem Programm standen Besichtigungen der bekannten Sehenswürdigkeiten wie das Brandenburger Tor, der Reichstag, der Kurfürstendamm, Schloss Bellevue, Funkturm, Gendarmenmarkt, Nikolaiviertel und die Museumsinsel. Nach einer 4-stündigen Führung durch Berlin war es uns ein Vergnügen, das moderne Reichstagsgebäude im historischen Mantel zu besichtigen und im Plenarsaal, dem Herzstück des Parlaments, einem Vortrag über die vier Häuser des Bundestages, über die Fraktionen und ihre Sitze und den Erläuterungen zu parlamentarischen Begriffen zu lauschen. Der Blick von der Glaskuppel, das Berliner Panorama wird so manchem in Erinnerung bleiben. Mit seiner markanten Gestalt gehört der unter Kaiser Wilhelm II erbaute und von dem
Architekten Julius Carl Raschdorff entworfene Dom zu den Publikumsmagneten der Bundeshauptstadt. Seine Glocken rufen mit ihrem vollen Klang die Menschen täglich zu Gebet und Andacht. Auch wir ließen uns für eine kurze Zeit von diesem Dom gefangen nehmen. Der durch eine siebenstufige Treppenanlage erhöhte Altarraum ist besonders prachtvoll und mit weißem Marmor und Onyx ausgestattet. Wir lauschten den Klängen der Orgel und dem Gebet des Priesters, mit dem Blick auf die Kanzel gerichtet, ein prächtiges Schnitzwerk aus Eichenholz. Auch diese wunderbaren Minuten gingen leider viel zu schnell zu Ende. Die anschließende Busfahrt zu unserem Hotel, das gemeinsame Abendessen, die Gespräche in trauter Runde ließen uns die alltäglichen Sorgen vergessen. Mit frischgetankten Kräften ging es am nächsten Tag nach Potsdam, vorbei an Schloss Cecilienhof, zum Schloss Sanssouci. Die Gärten des weltbekannten Schlosses luden uns ein, einzutauchen in die Zeit Friedrichs des Großen. Das Schloss, das Neue Palais, das Grab Friedrich des Großen, die Orangerie, die Neuen Kammern als auch die historische Mühle und ganz besonders
Aktuell
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59 Landsleute fanden sich pünktlich am Treffpunkt um 7 Uhr morgens ein. das herrliche Wetter ließen uns etwas wie Dankbarkeit empfinden. Der darauffolgende Spaziergang durch das holländische Viertel bescherte jedem die Möglichkeit, nach eigenem Geschmack zu tun und zu lassen, was er mochte. Man kaufte Geschenke oder besichtigte die Propsteikirche St. Peter und Paul in Potsdam. Eine Kirche, die durch ihre Schlichtheit zur Ruhe und Besinnung einlud. Auch dieser schöne Tag ging zu Ende und unser Hotel hatte uns wieder. Die Sonne lachte auch am nächsten Tag vom Himmel und wir freuten uns auf den Spreewald. Er ist eine Kombination von Wald und Wasser, eine einmalige Kulturlandschaft, ein riesiger Park der Natur in der Niederlausitz. Die Spree verzweigt sich hier in zahlreiche Wasserarme, den Fließen. Früher waren diese Arme die einzigen Verkehrswege. Wir fuhren auf zwei Booten mit je 30 Personen, eine Stunde lang, vorbei an malerischen Ferienhäusern,
Gärten und seltsamen Baumgebilden. Nach einer längeren Essenspause ging es wieder zurück zum Abfahrtsort. Die letzten freien Stunden nutzten wir und besichtigten die Überreste der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, welche die verheerenden Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges ins Gedächtnis rufen sollen. Das Europa-Center gleich nebenan bezeugt den früheren Aufbauwillen der Stadt. Mit diesen Bildern und tiefgehenden Eindrücken verließen wir unsere Hauptstadt. Diese Reise hat mehrere Ziele erfüllt. Sie diente zur Fortbildung, was Geschichte, Architektur, Kultur betrifft; sie diente zum Bekanntwerden mit anderen Menschen, zur Erholung und ganz besonders zur Unterhaltung und Freude. Im Namen aller Teilnehmer bedanke ich mich bei den Organisatoren und dem Busunternehmen Stefan Mayer, die das alles ermöglichten.
Auf dem Programm standen Besichtigungen der bekannten Sehenswürdigkeiten wie das Brandenburger Tor, der Reichstag, der Kurfürstendamm, Schloss Bellevue, Funkturm, Gendarmenmarkt, Nikolaiviertel und die Museumsinsel.
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Brauchtum und Tradition Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers!
Heimatblätter als Teil unseres geistigen Raumes
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21. Ausgabe unseres Billeder Heimatblattes - Rückblick und Vorschau Elisabeth Martini
ie äußerst präzis-logische Bewertung der 20 Ausgaben unseres Heimatblattes durch Peter Krier, den langjährigen Vorsitzenden der Billeder HOG, aber auch einen der eifrigsten Beitragsschreiber dieses Informationsblattes, regte zu ergänzenden, eingliedernden Feststellungen an. Wenn Hugo von Hofmannsthal das Schrifttum als den geistigen Raum einer Nation bezeichnet, so haben zweifelsohne die Banater Heimatblätter heute einen wichtigen Stellenwert im geistigen Raum der Banater Schwaben, obwohl sie in den meisten Fällen kaum ihr 2. bzw. 3. Jahrzehnt erleben oder gar noch jünger sind. Auch sind die herausgebenden Heimatgemeinschaften im wahrsten Sinne des Wortes eigentlich nur noch virtuelle Gemeinschaften, lose zusammengehalten durch gemeinsame Feste, vor allem aber durch periodisch erscheinende Veröffentlichungen. Abgesehen von der Banater Post gibt es zur Zeit eine Vielzahl und Vielfalt von Heimatblättern, die der Banater Historiker und Publizist Luzian Geier als „Spiegel des Banater Kultur- und Heimatgemeinschaftslebens“ bezeichnet. Es sind Kleinchroniken der einzelnen Ortschaften, nehmen Bezug zur Gegenwart und sind Ergänzungen zu bereits veröffentlichen Monografien, Bindeglied zwischen den Landsleuten in der ganzen Welt, Informationsmaterial für die breite Öffentlichkeit, Zeugnisse mikrogeschichtlicher Prozesse. Die Bedeutung und Vielfalt der Heimatblätter erkennend, hat die Landsmannschaft der Banater Schwaben im März 2003 die 1. Tagung der Redakteure dieser Publikationen veranstaltet, von der wichtige Leitlinien für das Erstellen eines Informationensblattes ausgingen, bei der ein erstes Kennenlernen der Redakteure und ein Meinungsaustausch derselben möglich war. Von den 115 existierenden HOG der Banater
Schwaben sind es zur Zeit 31, die periodische Veröffentlichungen herausgeben, deren Vielfalt und Unterschiede schon an der Bezeichnung erkennbar werden: Bad Busiasch, Deutschbentscheker Heimatblatt, Gertjanoscher Kulener, Jahresheft Glogowatz, Grabatzer Heimatblatt, Heimatblatt Groß-Jetscha, Heimatblatt Großsanktnikolaus, Guttenbrunner Nachrichtenblatt, Heimatblatt Hatzfeld, Jahrmarkter Heimatblätter, Lenauheimer Heimatblatt, Lieblinger Rundschreiben, Lugoscher Heimatblatt, Heimatblatt Neuarad, Jahresheft Neupanat, Heimatbrief Perjamosch, Sackelhausener Heimatblatt, Rundbrief HOG Saderlach, Sanktandreser Heimatblatt, Sanktannaer Heimatbrief, Dreispitzer Brief (HOG Segenthau), Schager Heimatbote „Die Temesch“, Jahresheft Schöndorf, Semlaker Heimatbrief, Temeschburger Heimatblatt, Jahresheft Traunau, Heimatblatt Tschanad, Heimatblatt Triebswetter, Heimatblatt Ulmbach/Neupetsch, Extrapost Wiesenhaid. (Stand 01.11.2008) Einige davon erscheinen regelmäßig seit vielen Jahren, andere seit kurzer Zeit, die meisten jährlich einmal, andere halbjährlich, in zwangloser Folge, zweijährlich, fünfmal jährlich. Vor Billed (Erstausgabe 1988) war schon Orawitza seit 1955 auf dem Plan, Perjamosch, Ostern, Sackelhausen (1981), Ulmbach, Neupetsch, Wiesenhaid (1984), Saderlach (1985), Semlak (1987). Herausgeber der meisten Periodika ist die jeweilige HOG, außer einigen Einzelpersonen, die das Blatt redigieren. Die meisten werden gedruckt, wenige kopiert; nur sehr wenige haben eine Auflage von 1500 Exemplaren und mehr. Ein absolutes, endgültiges Erfassen dieser Publikationen ist schwierig , ja unmöglich, da sich ihre Situation ständig ändert und selbst das Dokumentationszentrum Ulm nur eine unvollständige Sammlung besitzt. Bei der Ulmer Tagung der Redakteure wurden
Brauchtum und Tradition Richtlinien für den optimalen Umgang mit dem zur Verfügung stehenden Material - ob Text oder Foto – geboten, eine erstrebenswerte Grundstruktur der Heimatmitteilungen, um Langatmigkeit und Monotonie zu vermeiden und jeden Leser auf eine Art und Weise anzusprechen. Fehl am Platz wäre Detailbesessenheit, selbstgefällige Eigendarstellung, unansehnliche oder protzige Aufmachung; wünschenswert eine gesunde Mischung von objektivem Bericht, nostalgischem Rückblick auf subjektiv Erlebtes, weniger wissenschaftliche Kühle, dafür mehr Bekenntnis zur Gemeinschaft, zu den Menschen: „Die Menschen erwarten eine Begegnung mit ihrem Zuhause, nicht mit abstrakten geschichtlichen Zuordnungen...Wir brauchen eine zentrale Monografie als Summe der Geschehnisse, worin das Herz unseres Volkskörpers schlägt...Die Mitteilungsblätter aber sind Blätter an diesem Baum, sind gleichwohl die Lunge, mit der wir atmen...“ (Hans Burger, Saderlach) Sie sind aber nicht nur Vorarbeit oder Ergänzung zu Monografien und Dokumentationsmaterial, sondern leisten auch Öffentlichkeitsarbeit, wenn sie an Behörden, Bibliotheken, Museen geschickt werden und für unsere Belange werben, was natürlich höchsten Einsatz erfordert, Qualität in jeder Hinsicht. Und ausgehend vom Gemeinschaftsprinzip: „Viel‘ Köpf‘ – viel‘ Sinn“ ist es im Laufe der Zeit Realität geworden, dass in unserem Billeder Heimatblatt nicht nur sehr viele lesen (in 4 Erdteilen und 12 Ländern), sondern auch immer mehr schreiben, immer mehr Stimmen verschiedenster Art zu „lesen“ sind: Verschiedene Berufe und Altersstufen, Billeder und NichtBilleder, Prosaautoren und Verseschmiede kommen zu Wort. So konnten in den bislang erschienenen 20 Ausgaben rund 200 verschiedene Autorennamen gezählt werden, was natürlich keinen Durchschnitt von je 10 Autoren bedeutet, zumal es auch überaus rührige Beitragsschreiber wie Peter Krier gibt, der mehr als 90 Mal die Landsleute informierte, mobilisierte. Nicht weniger bestrebt, das Heimatblatt
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Aufnahme einer jungen Frau aus Billed im Jahr 1916 (Name unbekannt) Eins.: Inge Aigner, geb. Thöres historisch-sozial-kulturell zu untermauern, war Wilhelm Weber sowohl durch den überaus reichhaltigen Lesestoff als auch durch die rund 200 Fotos, Listen, Karten von unschätzbarem Wert. Vieles davon, was Bewahrenswert ist, wäre schon in Vergessenheit geraten, würden nicht Billeder wie Wilhelm Weber, Peter Krier, Sepp Herbst, Werner Gilde u.a. dagegensteuern. Gegenwartsbezogener und zukunftsgewandter ist die Frauen-Power Brigitte Hehn, Hermine Schnur, Elisabeth Martini, die jeweils als Redakteure des Heimatblattes die Hauptlast der zu bewältigenden Aufgaben zu schultern hatten oder haben. So hat z. B. Brigitte Hehn für das Heimatblatt 1991 selbst 11 Artikel verfasst, für 1992 sogar 17, für 1993 „nur“ 8, was auf die Dauer niemand aushält, dabei berufstätig, Mutter und Hausfrau ist. Ein Verlagern der Aufgaben auf mehrere Schultern war somit dringend nötig, was auch die Statistik bezeugt. Obwohl die Anzahl der Beiträge schwankt,
28 kann ab 1988 ein Ansteigen derselben von 16 auf maximal 37 in den Jahren 2001und 2003 festgestellt werden; im Durchschnitt sind es in letzter Zeit um die 30 verschiedene AutorenNamen, weil auch die festgelegte Seitenan zahl dazu zwingt und manche Artikel – sofern sie nicht zeitgebunden sind – für die nächste Ausgabe aufgehoben werden. Ziel bleibt es, Langatmigkeit zu vermeiden, viele Stimmen laut werden zu lassen, eine Vielfalt von großer Buntheit zu verwirklichen, das erreichte und von den Lesern geschätzte Niveau zu halten. Was die Reimdichtungen betrifft, waren anerkannte deutsche Dichter dabei wie F. Schiller, H. Heine, H. Hesse, N. Lenau u.a.; Banater Dichter wie Josef Gabriel d. Ä., J. Gabriel d. J., J. Szimits, Peter Barth, Peter Jung, Jakob Dietrich, Klaus Günther, Hans Mokka, Stefan Michael Müller u. a. Vor allem aber liegt es uns am Herzen, auch Billeder Talente bekannt zu machen: Margarethe Pierre, Nikolaus Thöresz, Hans Jobba, Sepp Herbst, Margarethe Weber, Hans-Dieter Hartmann, Johann Plennert, Hans Slavik, Johann Sieber-Brach, Magdi Roos, Elke und Marliese Knöbl, Karl Balogh, Erwin Csonti u.a. Von den rund 200 Beitragsschreibern haben 120 es nur einmal gewagt, 24 haben zweimal gezeichnet, 9 dreimal, 3 viermal, 3 fünfmal, 4 sechsmal, 3 siebenmal... je einer 17-, 18-, 22-, 24-, 27-, 37-, 46mal. Rekordhalter ist Peter Krier mit 92 Artikeln, gefolgt von Wilhelm Weber mit 55, Elisabeth Martini mit 51, Brigitte Hehn 46, Hermine Schnur 37, Sepp Herbst 27, Werner Gilde 24, Adam Csonti 22, Johann Gehl 18...Diese Auflistung soll nur darauf aufmerksam machen, wie viel Arbeit schon in unserem Heimatblatt steckt, das wir mit Recht ein Schatzkästchen Billed-Banater Lebens und Wirkens nennen dürfen, das aber unverdrossen weiter angefüllt werden soll sowohl mit Informationsmaterial für die Jugend auf der Suche nach ihren Wurzeln als auch mit Material über die Probleme, Ängste und Perspektiven der Rückwanderungsgeneration. Am schwierigsten gestaltet sich die Aufarbeitung der Zwischenkriegszeit, vor allem aber die Zeit der
Brauchtum und Tradition Volksgruppe, an die sich die wenigsten wagen, obwohl schon 1989 der Bann gebrochen wurde. Schätzenswert sind auch die Bemühungen um den Erhalt des Billeder Dialekts (eigentlich Mischdialekt) durch die Beiträge von Erika Weith (Leidecker), Elisabeth Martini, Sepp Herbst, Hans Steiner, Jakob Martini, Werner Tobias, Margarethe Weber, J. Sieber-Brach u. a., die sich sowohl um den bildhaften Wortschatz des Billedrisch bemühen als auch um Wendungen, Sprichwörter, Kinderreime, um die Schönheit und Treffsicherheit der Mundart zu belegen und die Liebe zu ihr zu erhalten. Trotz guter oder perfekter Hochsprache-Kenntnisse „schlaat de Schwob uns doch manchmol ens Gnack.“ Das uns allen vertraute gefällige Äußere unseres Heimatblattes - die Ästhetik - sichert durch sein Können Hans Rothgerber, der seit 1997 für Layout, Grafik und Satz zeichnet. Abschließend geht mein Dank an alle, die mithalfen und mithelfen, unser „gedrucktes Denkmal Billeds“, wie Peter Krier es treffend nennt, zu gestalten, aber auch an all die, die es mit Spannung erwarten, gerne lesen und wie einen Talisman aufbewahren. Doch ganz zuletzt noch einiges aus der Einschätzung von Vedder Niklos bezüglich des Billeder Heimatblattes 2007: „Überhaupt, gerade jetzt, wo vieles aus dem Kulturleben der Banater Schwaben unterzugehen droht, finde ich es wichtig und richtig, sich mit dem Dialekt der Eltern und Großeltern zu beschäftigen, ... „Jedenfalls ist das Billeder Heimatblatt 2007 eine hervorragende Schrift, die keineswegs eigene Nabelschau betreibt, bei allen Beiträgen, die natürlich für Billeder interessant sind. Nein, dank der guten Recherche, des gut lesbaren Schreibstils der Mitwirkenden bietet es jedem Banater Schwaben, dessen Nachkommen und allen Interessierten einen bunten Strauß an Wissenswertem über das Banat und seine Leute. Es ist eben kein Vereinskäseblättchen, denn in löblicher Weise blicken die Macher desselben über den Tellerrand hinaus. Auf die 21. Ausgabe 2008 dürfen wir in großer Vorfreude gespannt sein...“
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Präsentation der „Heimatklänge“ der Blasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen
Werner Tobias / Mainz
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m Samstag, dem 07.06.2008, hat die Trachtenblasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen zur Präsentation der im Studio frisch aufgenommenen CD ins Haus der Donauschwaben nach Frankenthal eingeladen. Billeder und Nicht-Billeder, Musikfreunde von nah und fern gaben sich die Ehre - und sie haben was geboten bekommen, für Aug‘ und
Ohr, aber - wie könnte es bei den Billedern anders sein - auch was für den Gaumen ... Blasmusik hatte in Billed schon eine 160jährige Tradition und war ein fester Bestandteil der Gemeinschaft, in Freud` und Leid. Sie war aus dem kulturellen Leben der Gemeinde nicht wegzudenken. Seit vielen Jahren stand die „Blechmusik“ unter der Leitung von Jakob
30 Groß sen. und begleitete die Billeder bei jedem Dorf- und Familienfest, Kirchweih, Bällen oder Hochzeiten - aber auch auf dem Weg zur letzten Ruhestätte. Ihm, dem Kapellmeister, ist es auch zu verdanken, dass die vergilbten Bücher mit wertvollen Musikstücken aus der alten Heimat in die neue herübergerettet wurden. Als Adam Tobias 1995 einen Rundruf startete, um die Billeder Musiker in Deutschland wieder zusammenzubringen, glaubte keiner recht daran, dass dies zu schaffen sei. Doch Alt-Kapellmeister Jakob Groß war sofort gewonnen und unterstützte das Unternehmen nach Kräften. Die Kapelle kam wieder sporadisch zu Proben zusammen. Es fanden sich weitere Begeisterte, die ihr Instrument längst weggelegt hatten, aber auch Mitstreiter aus umliegenden Ortschaften von Billed. Mit viel Idealismus wurde geübt und es formte sich eine Blasmusik-Kapelle, die inzwischen bei keinem Heimattag oder Brauchtumsfest der Billeder fehlen darf. Der Name „TrachtenBlasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen“ wurde angenommen, um die Zusammengehörigkeit mit der Trachtengruppe zu unterstreichen, mit der gemeinsam sie vermehrt auftritt. Zwischenzeitlich ist die Leitung der Kapelle auf Jakob Groß jun. und Adam Tobias übergegangen, die sich diese Aufgabe teilen. Es ist eine große Herausforderung für jeden der 30 Bläser, alle Termine wahrnehmen zu können, aufgrund der beruflichen Belastung jedes Einzelnen, aber auch der Wohnort-Verteilung über die Bundesrepublik. Aus dem Gedanken heraus, mal eine Probe mit Publikum zu veranstalten, wurde das Frankenthaler Schlachtfest geboren. Diese Veranstaltung, die seit nunmehr zehn Jahren jeweils im Oktober stattfindet, ist eine wichtige Einnahmequelle zur Unterstützung unserer Blasmusik. Dank vieler fleißiger Helfer bekommen die Besucher der regelmäßig früh ausverkauften Halle neben dem Ohren- auch einen
Brauchtum und Tradition Gaumenschmaus in Form einer Schlachtplatte, die jedes Mal das Prädikat erzielt „Schmeckt wie derhem“. Im letzten Jahr stellte sich bei dieser Gelegenheit auch der „Erste Fanclub der Trachtenkapelle Billed-Alexanderhausen“ aus Nürnberg vor. Die Gründerinnen Elisabeth Follmer und Hedwig Grapini warben mit viel Herzblut um möglichst viele Anhänger und überbrachten einen Scheck mit einer beachtlichen Spende. Während einer Geburtstagsfeier bei seinem Freund Anton Hollich aus Glogowatz, als Adam Tobias die Idee äußerte, mit den Billedern mal eine CD aufnehmen zu wollen, fiel diese hier auf fruchtbaren Boden. Dieser Freund bestärkte ihn in seinem Ansinnen und sie spannen gemeinsam den Faden weiter. Mit Prof. Anton Hollich konnte somit ein erfahrener und erfolgreicher Musiker gewonnen werden, der zudem die Gabe besitzt, Menschen für etwas zu begeistern. Er übernahm die musikalische Gesamtleitung und bearbeitete die alten, in Handschrift überlieferten Walzer, Polkas, Ländler und Märsche, sodass die Harmonien so klingen wie „damals“. Dank einiger weiterer Musiker, die bei der Produktion unterstützend mitwirkten, konnte ein Werk aus der Taufe gehoben werden, das sich hören lässt und unter den Banater Blaskapellen seinesgleichen sucht. Bei der Vorstellung der CD „Heimatklänge“ hob Prof. Anton Hollich in seiner Ansprache die Begeisterung hervor, mit der die Musiker die Produktion angingen. Ihm selbst hat es sehr viel Spaß gemacht, mit ihnen zu arbeiten - und man kann es hören - seine Arbeit wurde durch ein hervorragendes Ergebnis belohnt. Es sei nicht Ziel gewesen, dieses Werk profimäßig zu gestalten, sondern vielmehr das Gefühl von damals zu vermitteln. Ich meine, das ist vollkommen gelungen. Vor allem war dies zu spüren, als Anton Hollich vor die Kapelle trat und selbst die Stücke ansagte und dirigierte. Diese gelebte Musik erzeugte bei so manch einem eine Gänsehaut, ein Gefühl, das man auch bei den Musikern verspürte.
Brauchtum und Tradition Jeder gab alles. Als die einzelnen Bläsergruppen dazu aufstanden und ihre Instrumente im Rhythmus der Musik schwenkten, gab es im Saal kein Halten mehr. Stehender Applaus nicht zuletzt vom Fanclub aus Nürnberg - der an diesem Tag eigens kreierte T-Shirts trug. Von allen Seiten war zu vernehmen: „So ergreifend hat die Blechmusik noch nie gespielt“. Somit war spätestens jetzt das Ziel erreicht. Erstmalig war an diesem Tag das Gesangs-Duo Jakob Groß und Melitta Giel zu hören, nachdem sich die allbekannte, langjährige Sängerin Elisabeth Rieder von der Bühne verabschiedet hatte. Wir danken Frau Rieder für ihren Einsatz. Zur optischen Untermalung der Feierlichkeit trat an diesem Nachmittag - wie kann’s anders sein - auch die „Trachtengruppe Banater Schwaben Karlsruhe“ auf. Unter der Leitung von Heidi Müller und Werner Gilde kommt diese Formation seit 1993 wöchentlich zu Proben zusammen und stellt bis zu 20-mal im Jahr ihr Können bei verschiedenen Veranstaltungen unter Beweis. Die Gruppe besteht aus 28 Aktiven zwischen 13 und ... zweitem Frühling, wobei die Hälfte Billeder Abstammung sind, aber selbst ein „echter“ Karlsruher dafür begeistert werden konnte. So präsentierten uns auch hier acht Paare in der schönen Banater Tracht gekonnt ihre einstudierten Tänze. Jede Gemeinde ist stolz darauf, wenn sich Jugendliche für die Weitergabe der Tradition so begeistern lassen. In seiner Ansprache lobte Werner Gilde, Vorsitzender der HOG Billed, den Einsatz al-
31 ler, die zum Gelingen der Aufnahmen sowie dieser Festveranstaltung beigetragen haben. Er sagte, dass eine solche CD nicht durch Brennen vervielfältigt werden sollte, sondern nur deren Kauf eine echte Unterstützung der Kapelle darstellt. Zudem kann sie ein treffliches Geschenk sein, das eine längere Nachwirkung beim Beschenkten hat als ein Strauß Blumen... Zum Dank für ihren Einsatz bei den Schlachtfesten der vergangenen Jahre waren die langjährigen Helfer unter Leitung von Sepp Dinjer zu dieser Feier eingeladen. Er selbst sowie viele von ihnen durften auch diesmal am Grill stehen und die Mici und Steaks zubereiten. Diese sowie die von vielen Frauen selbst gebackenen Kuchen und Torten wurden von den Besuchern mit viel Lob bedacht. Die Rosenkavaliere, zu ihrem 20-jährigen Jubiläum eingeladen von Adam Tobias und seinen Kameraden, spielten unermüdlich die ganze Nacht hindurch zum Tanz auf. Getreu dem Motto: „Wir haben zusammen was auf die Beine gestellt, jetzt wollen wir auch gemeinsam feiern.“ Die Billeder und Freunde Billeds konnten bis in die frühen Morgenstunden das Tanzbein schwingen und alle waren sich einig: „Es war wieder eine gelungene Veranstaltung.“ Eine Hörprobe der 14 Musikstücke sowie Informationen und Fotos von den Studioaufnahmen sind auf der Homepage der HOG Billed http://www.billed.de/ zu finden. Die CD kann über die Heimatgemeinschaft Billed e.V. bestellt werden bei Jakob Muttar, Tel:0721-784177.
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Ehepaar Josef und Katharina Holz, geb. Glasz (188), am 31. Mai 1928. Foto: Archiv
Maiandacht wie sie mal war ...
Kathi Keller (Lichtfusz)
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er denkt nicht gern zurück an die Maiandacht, abends, wie sie früher in der alten Heimat, in Billed, war? Es war selbstverständlich, als Kind jeden Abend im Mai in die Maiandacht zu gehen. Schon wegen der wunderschönen Marienlieder, wenn unsere liebe Kantorin Susi Ballmann mit den „Singmädcher“ gesungen hat, mit ihrer wunderbaren Stimme, die jedes Herz berührte. Zeitweilig war auch nur sonntagabends Maiandacht, aber zuletzt wurde immer gesungen: „Leise sinkt der Abend nieder und das Tagwerk ist vollbracht“. Wie schön auch der Marienaltar mit frischen
Blumen geschmückt war! Diese Zeit ist längst vorbei, aber unvergessen! Jetzt haben viele von uns eine neue Heimat gefunden, auch die Maiandacht hat sich verändert. Eine Frau sagte mir vor Jahren: „Ich kann mich hier schwer an die Maiandacht gewöhnen, kein einziges Marienlied wird gesungen.“ In unseren Herzen aber wird und soll die Erinnerung an die schöne Maiandacht daheim weiterleben. Grüßen möchte ich noch alle Mütter mit dem Lied: „Mutter, muss dich nochmals grüßen...“, auch wenn ich den weiteren Text nicht mehr im Gedächtnis habe.
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Während der Ansprache von Werner Griebel vor dem Billeder Denkmal in Karlsruhe
Allerheiligen 2008
Ansprache von Werner Griebel, HOG Lenauheim
Liebe Landsleute, für mich als Vertreter der HOG Lenauheim ist es heute eine besondere Ehre, als Ehrengast des Kreisverbandes Karlsruhe der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Eurer Mitte weilen zu dürfen und gemeinsam mit Euch den Festakt zu Allerheiligen in altgewohntem Rahmen zu begehen. Herzlichen Dank für die Einladung... Es ist wieder mal der 1. November, der Tag , an dem die Katholiken das Seelenlicht zum Tag der Allerheiligen entzünden, das leuchtet von Allerheiligen bis Allerseelen, ein Brauch unserer Ahnen wie auch der Landsleute heute in der alten und neuen Heimat, um den lieben Verstorbenen die Ehre zu erweisen.
Schon als Kind bin ich mit der Familie auf den Friedhof gegangen; wir haben auf die mit Blumen geschmückten Gräber der Großeltern und sonstigen Verwandten Kerzen gesteckt und angezündet. Nach dem Besuch all unserer Gräber sind wir gemeinsam wieder nach Hause. Auch an der Kirche und am Kriegerdenkmal hat jeder eine Kerze angezündet und gebetet. Zuhause angekommen, haben wir noch beisammengesessen, auf dem Küchentisch brannten Kerzen, während die Familie im Stillen Gebete sprach. Wir werden diesen Brauch auch beibehalten. Letztes Jahr hatte ich die Gelegenheit, zu Allerheiligen am Grab meiner Eltern in Lenauheim zu sein. Die Grabpflege an
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Allerheiligen 2008 vor dem Billeder Denkmal in Karlsruhe: Josef Herbst verliest die Liste der Billeder, die 2008 verstorben sind. sich ist oft mühselig, besonders für ältere Menschen... Ich finde es traurig, an Gräbern vorbei zu gehen, wo ewig keiner mehr war. Ein Friedhof strahlt soviel Ruhe aus und Geborgenheit. Die meisten unserer Verstorbenen befinden sich in der alten Heimat, wo die Grabpflege das Jahr über durch Spenden der Landsleute in Deutschland erfolgt. Doch zu Allerheiligen werden die Kreuzsteine gereinigt, auch sonst alles in Ordnung gebracht, die Gräber besonders schön mit Chrysanthemen geschmückt. Das Schicksal wollte es so, dass heute nur noch wenige Landsleute dort leben, Kerzen anzünden können, denn die meisten leben in Deutschland und in der Welt verstreut. Nur wenige finden den Weg zum Heimatfriedhof im Banat, doch alle stimmt dieser Tag nachdenklich, weil man seine Wurzeln nicht vergessen kann und nicht soll. Wir bringen gelegentlich Kerzen in die alte
Heimat, die für alle unsere Toten gedacht sind, auf Friedhöfen und Altären leuchten und uns alle in Christus vereinen. Durch die Landsmannschaft der Banater Schwaben wurden auf mehreren Friedhöfen der neuen Heimat Gedenksteine aufgestellt, die eingesegnet wurden und als Gedenkort für viele gelten, die noch keine Gräber hier haben. So versammeln sich auch am Billeder Gedenkstein von Jahr zu Jahr immer mehr Landsleute und gedenken der lieben Toten in den Vertreibungsgebieten Osteuropas, auf den heimatlichen Gottesäckern. Unsere Gedanken suchen ihre Gräber in fremder Erde, auf Soldatenfriedhöfen, in Russland, im Baragan, wo sie einsam und fern der Heimat starben, durch Unrecht und Gewalt, bei Flucht und Vertreibung... Herr, gib ihnen die ewige Ruhe. Lass sie ruhen in Frieden. Amen.
Brauchtum und Tradition
Bauernregeln im Jahreskreis
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auern waren schon immer besonders abhängig vom Wetter und haben es deshalb genau beobachtet. Die sogenannten Bauernregeln basieren auf eben diesen langjährigen Beobachtungen, da den Bauern gewisse Regelmäßigkeiten in den Wetterabläufen oder in der Entwicklung von Obst und Getreide auffielen. Jahrhunderte lang haben sie diese Beobachtungen in Form von Reimen festgehalten, deren Existenz bis in die vorchristliche Zeit reicht. Mit der Einführung des Christentums wandelte die Kirche bestehende Reime um und bezog sie auf die Namenstage von Heiligen. 1582 wurde durch Papst Gregor XIII der Gregorianische Kalender eingeführt, der den bis dahin bestehenden Julianischen Kalender ablöste. Diese beiden Kalender stimmten jedoch nicht in ihrer Berechnung der Anzahl der Tage im Jahr überein, sodass einige Bauernregeln nicht taggenau zutreffen z.B.: “St. Veit (15. Juni) hat den längsten Tag, Lucie (13. Dezember) die längste Nacht.“ Gemeint sind jedoch der 21. Juni und der 21. Dezember. Eine der bekanntesten Regeln ist wohl die des Siebenschläfer-Tages am 27. Juni, der 7 Märtyrern gewidmet ist: Maximus, Malchus, Martinianus, Dionysius, Johannes, Serapion und Constantinus. Sie flüchteten 251 vor der Christenverfolgung durch den damaligen Kaiser Decius in eine Höhle bei Ephesos (heute Ruinenstätte in der West-Türkei). Dort wurden sie von den Untergebenen des Kaisers eingemauert und verfielen in einen 195 Jahre andauernden Schlaf, aus dem sie durch die zufällige Öffnung der Höhle am 27. Juni 446 erwachten. Die Bauern verbanden ihre Beobachtungen mit dieser Sage; es soll sich an diesem Tag zeigen, wie das Wetter in den folgenden 7 Wochen zu erwarten ist. Doch die Bedeutung der Bauernregeln ist umstritten: Einige von ihnen sind purer Aberglaube,
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andere stellen sehr präzise naturwissenschaftliche Beobachtungen dar. Die meisten befassen sich mit der mittelfristigen Wettervorhersage ausgehend vom Wetter oder anderen natürlichen Ereignissen an bestimmten Lostagen eines Monats oder dem Wetter eines ganzen Monats, auch der Bezug auf Wetterboten ist weit verbreitet. Früher war die vorherrschende Lehrmeinung, dass Bauernregeln nur selten richtig liegen. Als man aber am Ende des 20. Jahrhunderts begann, sie statistisch zu überprüfen und dabei auf das Entstehungsgebiet der jeweiligen Regel achtete, stellte man fest, dass Bauernregeln als Erfahrungswerte relativ häufig zutreffen. Es muss nur die Entstehungszeit jeder Regel und die eventuelle Kalenderverschiebung in Betracht gezogen werden, dann sind viele regionale Regeln von erstaunlicher Zuverlässigkeit. Die Siebenschläfer-Regel z.B. ist insofern richtig, weil sich Ende Juni/Anfang Juli der Verlauf des sogenannten Jetstreams festgelegt hat, eines starken West-Ost-Windes, der sich in 5-10 km Höhe über einer Warm-und KaltluftFront bewegt.Diese Frontlinie erzeugt die von uns gefürchteten Tiefausläufer, die umso stärker sind, je höher die aufeinanderprallenden Temperaturunterschiede sind. Der Jetstream ist dafür verantwortlich, dass diese Tiefausläufer vom Nordatlantik bis Europa geschoben werden (Islandtiefs). Verläuft er im Norden, so können sich Azorenhochs in Mitteleuropa durchsetzen, die sich in südöstliche Richtung verlagern; verläuft der Jetstream jedoch weiter südlich, so gelangt Mitteleuropa unter den Einfluss von Tiefs, die über die Nord- und Ostsee zu uns herüberziehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Siebenschläfer-Regel zutrifft, ist von Region zu Region verschieden: Für Berlin gilt eine Trefferquote von 68,75% der Fälle, in München sind es sogar 80%, während man sich in Hamburg besser nicht auf diese Bauernweisheit verlässt. (Wikipedia)
36 Mehr oder weniger bekannte Bauernregeln (gesammelt von E. Martini): • 1. Januar – Neujahrsnacht, still und klar, deutet auf ein gutes Jahr. • 2. Januar – Wie das Wetter um Markarius war, so wird’s im September trüb oder klar. • 20. Januar – Fabian und Sebastien lassen den Saft in die Bäume geh‘n. • 22. Januar – Zu Vinzenzi Sonnenschein bringt viel Korn und guten Wein. • 25. Januar – Hat St. Paulus Wind, regnet‘s geschwind. • 2. Februar – Lichtmess spinne vergess, am Taach zu Nacht gess. Wann an Lichtmess de Bär sei Schatte gsitt, leet ne sich noch 6 Wuche schlofe. Wenn‘s zu Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit; ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell. • 6. Febraur – Die Dorothe bringt den meisten Schnee. • 21. Februar – Maria Opferung klar und hell, kommt der Winter kalt und schnell. • 22. Februar – Ist‘s an Petri Stuhlfeier kalt, so hat der Winter noch lange Gewalt. • 24. Februar – Matheis bricht‘s Eis; hat er keins, so macht er eins. • 3. März - Kunigund‘ macht warm von unt‘. • 10. März - Friert es am Märtyrer-Tag, dann friert es noch 40 Tag. • 12. März - Um Gregor kommt die Schwalbe vor. • St. Gregor macht den Tag so lang wie die Nacht. • 17. März - Ist Gertrude sonnig, wird’s dem Gärtner wonnig. • Gertraud – die erscht Sommerbraut. • 19. März - Ist es an Josefi klar, folgt ein fruchtbares Jahr. • 21. März - Sankt Benedikt macht die Zwiwle dick. • 25. März - An Maria Verkündigung komme die Schwalme wiederum. • Sternemengen am Verkündigungsmorgen
Brauchtum und Tradition befreien den Landmann von vielen Sorgen. • 27. März - Ist am Rupert der Himmel rein, so wird es auch im Juni sein. • 4. April - An Sankt Ambrosius man die Zwiebeln stecken muss. • 14. April - Tiburtius kommt mit Sang und Schall und bringt den Kuckuck und die Nachtigall. • 24. April - Sankt Georg und Sankt Markus bringen oft viel Arges. • 25. April - Quakt der Frosch vor St Markus viel, schweigt er dafür nachher still. • 8. Mai - An Stanislaus müssen die Kartoffeln raus. • 12. Mai - Pankratius, Servatius und Bonifatius bringen viel Kälte und Verdruss. • 13. Mai - Vor Servaz kein Sommer, nach Servaz kein Frost. • 12.-14. Mai – Eismänner-Gefahr bringt ein schlechtes Obstjahr. • 15. Mai - Die kalte Sophie sät Lein zum guten Gedeih‘n. • 22. Mai - Sankt Helene bringt den Flachs ganz schöne. • 25. Mai - Ist der Urban ohne Regen, folgt ein großer Weinsegen. • 8. Juni - Wie das Wetter zu Metardus fällt, es bis zu Mondschluss anhält. • Regnet‘s am Metardustag, regnet‘s noch 40 Tage hernach. • 10. Juni - Wann‘s an Margret regnerisch is, were wormich die Niss. • 11. Juni - Regnet‘s an Sankt Barnabas, schwimmen die Trauben ins Fass. • An Sankt Barnabas gehört die Sense in Wiese und Gras. • 18. Juni - Wenn Gervasius kommt heran, man den Roggen schneiden kann. • 24. Juni - Wenn Johannes ist geboren, gehen die langen Tage verloren. • An Sankt Johann schlägt der erste Mäher an. • Bienen, die vor Johann schwärmen, tun des Imkers Herz erwärmen. • 27. Juni - Regen an Siebenschläfertag, regnet‘s noch 7 Wochen lang.
Brauchtum und Tradition
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Ein seltenes Bild - Trachtenball 1931 im Großen Saal. Einsender: Angela Karl, geb. Scholz (Freilassing) • 29. Juni - Pedr on Paul mache die Äppl faul, die Piere sieß, die Krode hat vier Fieß. • 2. Juli - An Maria Heimsuchung Regen bringt 40 Tage keinen Segen. • Sankt Kilian stellt die Schnitter an. • 20. Juli - Am Margarethen-Tage ist Regen eine Plage. • 4. August - An Dominik wachsen die Rüben dick. • 10. August – An Laurentius man sterzen muss. • Schlechten Wein gibt’s heuer, wenn St. Lorenz ohne Feuer. • 13. August - Wie das Wetter an Kassian, hält es mehrere Tage an. • 15. August - Himmelfahrt Mariä Sonnenschein, bringt meist viel und guten Wein. • 24. August - Gewitter um Bartholomä bringt Hagel und Schnee. • Bartholomä treibt et Graas in die Heh. • 28. August - An Augustin ziehen die Wetter hin. • 1. September – Ist Ägidi ein heller Tag, er dir
schönen Herbst ansagt. • 8. September – An Maria Geburt fliehe die Schwalme furt. • Wie sich‘s Wedr an Maria Geburt tut verhalle, werd‘s noch 4 Wuche halle. • 21. September – Ist Mathäus erreicht, wird Tag und Nacht gleich. • Wie das Wetter am Mathäus-Tag, so es 4 Wochen bleiben mag. • 29. September – Die Wintersaat gut gerät, wenn man zu Michaeli sät. • 15. Oktober - Zu Theres is die Weinlees. • 16. Oktober - Am Sankt Gallus-Tag nichts mehr draußen bleiben mag. • Gießt St. Gallus wie ein Fass, ist der nächste Sommer nass. • Sankt Gallen lässt gern Schnee fallen. • 18. Oktober – Ob St. Lukas rau oder fein, das Winterkorn soll längst gesät sein. • St. Lukas mild und warm, Winterkälte, dass Gott erbarm. • 21. Oktober – Wie der Ursula-Tag ist, so der Winter aussehen wird.
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Brauchtum und Tradition
Familie Slavik (223) am 10. Feber 1924: Wendel und Elisabeth Slavik, geb. Schortje, Sohn Johann und Töchter Margarete und Elisabeth. Einsender: Hans Slavik (Nagold) • 28. Oktober - Wenn Simon und Judas vorbei, so rückt der Winter herbei. • 1. November – Is de 1. November klor un hell, setzt de Wenter schon of dr Schwell. • 11. November – Der Andreas-Schnee tut dem Korne weh. • St Martini hat man lieber dürr als nass, so ist es auch mit St. Andreas. • Martinstag trüb, macht den Winter lind und lieb. • Kehrt Martini ein, ist jeder Most schon Wein. • Bei fetter Gans und Saft der Reben lass den heil‘gen Martini leben! • 25. November – Sankt Kathrein sperrt die Geige ein. • 4. Dezember – Wenn an Barbara die Sonne
weicht, zu Lucia sie wieder herschleicht. • 6. Dezember - Regnet‘s an St. Nikolaus, wird der Winter streng und graus. • 24. Dezember – Wie die Witterung Adam und Eva erfreut, so sie bis Monatsende bleibt. • 25. Dezember – Grünen am Christtag Feld und Wiesen, wird uns Ostern mit Frost begrüßen. • Hängt zu Weihnachten Eis an den Weiden, kannst du zu Ostern Palmen schneiden. • Weihnachten im Schnee, Ostern im Klee; • Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee. • 31. Dezember – An Silvester Sonnenschein bringt selten guten Wein. • Kommt iwer e Preck von Eis et nei Johr, es vill gewunn on nix verlor.
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Suppepanz un Rakiknopp
Erika Weith geb. Leidecker
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izza, Hamburger und Sushi mögen meine Nichte Hannah und mein Neffe David gern. Doch wenn sie ihre Oma besuchen, darf nur schwowisch gekocht werden. Sie wünschen sich nur traditionelle Gerichte wie Bohnensuppe und Langosch, gefülltes Kraut, Franzesische Krumbiere, Reisfleisch, Schuppnuddle oder Saueressen. Das brachte mich auf die Idee, mich mit den Speisen in Billed zu beschäftigen. Denn nicht nur das Essen bei de Schwowe ist interessant. Auch die Bezeichnungen für die Gerichte und ihre Herkunft sind eine Untersuchung wert. Fangen wir doch gleich mal mit der Suppe an. Suppen bildeten schon immer einen wichtigen Bestandteil der Hauptmahlzeit. Es gibt verschiedene Suppen, die in Billed gekocht wurden: weiße Bohnesupp, Krumbiersupp, Rindssupp, Inbrennsupp, Hinglsupp, Kullrawesupp, Karfiolsupp, Reissupp oder Pardeissupp. Zum Würzen der Suppen konnte man Leiwelsknepp in die Suppe geben. Das sind runde, kleine, scharfe Paprika. Sie waren in etwa so groß wie die Knöpfe an den Leibchen der Männer, also der Leiwl. Bei zu großem Genuss von Suppen soll es auch schon mal zur Ausbildung von Suppepänz gekommen sein. Eine Besonderheit der schwowischen Küche ist die Speisenfolge in der Woche. So aß man überwiegend Suppe am Mittwoch oder am Sonntag. Am Mittwoch gab es Supp un Kuche. Sehr beliebt ist bei uns Langosch, das Wort kommt aus dem Ungarischen und bedeutet Fladen. Auch gibt es dicken Strudel, als Masohme-, Nuss- oder Grießstrudel, Owekrappe, Schmerkrappe, Hebkuche, Pannkuche mit Marmelade oder Ziehstrudel: Kärsche-, Käs-, Äppl- un Kerwesstrudel. Aber der Klassiker schlechthin nach der Suppe sind die Kipfel. Bereits im 13. Jahrhundert ist dieser Ausdruck für diese
Brotform bezeugt. Kipf ist die süddeutsche Bezeichnung für ein zugespitztes Brot.Wir haben schon mit Sonnenblumenkernen und Sesam als Bestreuung experimentiert, aber eigentlich sind sie mit Salz und Kümmel am allerbesten. Sonntags gab es Supp un Soß: Fleischsuppe vom Huhn, Schwein oder Rind. Einlagen in diesen Suppen waren Grießknedle, Fleckle, Riwwle (das sind geriebene Teigstückchen) oder lange dünne Nudeln, was meist ein rechtes Gschnuddls war. Nudeln wurden selbstverständlich selbst gemacht. Dazu brauchte man den Nudlwaljer, dieses Wort wurde aus dem Österreichischen übernommen. Dort heißt er heute noch Nudelwalker und nicht, wie in Deutschland üblich, Nudelholz. Demzufolge wird der Nudelteig auch ausgewaljert. Danach gab es das Fleisch mit gekochten Kartoffeln und Soße. Hier gibt es nun eine große Auswahl an Soßen zum Fleisch: Gaprsoß (eigentlich Dillsoße), Kärschesoß, Knowlsoß, Zwiwlsoß, Pardeissoß, Kriensoß, Saueramblsoß oder auch Äpplsoß. Montag war der Tag, an dem man Reste aß oder auch von Mehl Gekochtes: Nudelgerichte: Krumbiere un Nudle, Nussnudle, Käsnudle oder Grießnudle mit Dunstobst. Das Dunstobstregal mit schönen Gläsern in Reih und Glied war der Stolz jeder Hausfrau. Dunstobst aß man z.B. auch zu Backfleisch oder zu Schmorre und Schuppnudle. Der Dienstag war ein Fleischtag. Da gab es oft Faschiertes mit Zuspeis. Das Wort faschieren (durch den Fleischwolf treiben) kommt aus dem Lateinischen über das Französische nach Österreich und dann ins Banat. Auch bei den Zuspeisen gab es eine große Bandbreite: Gelriewezuspeis, Erwessezuspeis, Bohnezuspeis, Kulrawezuspeis, Kerweszuspeis, Kehlzuspeis, Krumbierezuspeis oder
40 auch Linsezuspeis. Auch der Donnerstag war eher ein Fleischtag, der Freitag auf jeden Fall ein fleischloser Tag. Am Samstag gab es oft Krumbiere, z.B. Blechkrumbiere, Franzesische Krumbiere oder Krumbierpaprikasch. Als wir in Wien waren, haben wir in einem ausgewiesenen Tafelspitzrestaurant Tafelspitz bestellt. Zuerst gab es die Suppe, dann das gekochte Fleisch mit Kriensoß, gekochten Kartoffeln und gebähtem Brot. Ich konnte es nicht fassen. Als Kinder haben wir das gebähte Brot geliebt. Es wurde auf einen alten Ofen gelegt und geröstet. Auf der Speisekarte stand „gebähtes Brot.“ Es ist ein Wort aus dem Althochdeutschen und bedeutet aufwärmen. Bähen ist nur noch vereinzelt im süddeutschen Raum erhalten und wird durch das englische Wort toasten verdrängt. Auf dieser Speisekarte standen auch Schneeknödel. Natürlich haben wir die auch sofort probiert und es handelte sich tatsächlich um die auch in Billed beliebten Schneeknedle, auch Vogelsmilch genannt. Auf unserer Reise durch das Burgenland kamen wir in ein Dorf, das uns mit seiner Hochzeitsbäckerei auffiel. In dieser Bäckerei gab es Doboschschnitten, Londoner und Eisenbahnstangen, Kipferl und Nußstangerl. Als mir die Besitzerin erklärte, wie früher bei Hochzeiten gebacken wurde, hat mich das doch sehr an Billed erinnert. Mehrere Frauen backten unter der Regie der Hochzeitsbäckerin die verschiedensten Kuchen und Torten für die Hochzeit. Auf der Hochzeit meiner Kusine 1983 durfte ich das mal selbst erleben. Und es war wirklich ein besonderes Ereignis. Noch heute denke ich gerne daran zurück, mit welcher Geschwindigkeit so viele verschiedene Torten gebacken und verziert wurden. Und das Beste war: Es hat alles fantastisch ausgesehen und geschmeckt. Die Hauptmahlzeit war früher das Mittagessen und das gab es pünktlich um 12 Uhr. Gekocht wurde im Reindl, auch ein aus Österreich übernommenes Wort oder im Dippe, das ist mosel- und rheinfränkisch, aber nicht im Topf.
Brauchtum und Tradition Das Nachtesse war ein kaltes Essen, z.B. Gallrei, Schwartelmaa oder Schunge. In einem Wienerlied kommt doch tatsächlich das Wort Schunken für Schinken vor. Auch wurde in Billed nicht geräuchert sondern gselcht. Auch das ist eine Übernahme aus dem Österreichischen. Dazu gab es natürlich Brot. Bevor man früher ein Brot anschnitt, machte man 3 mal das Kreuzzeichen auf dem Brot. Ist nicht ein einfaches Fettbrot mit Salz und Paprika ein Genuss? Auch aß man Omorte zum kalten Essen. In Österreich gibt es manchmal auch noch Umorte statt Gurken, dieses Wort kommt aber ursprünglich aus dem Polnischen ogurek. Kommen wir nun zum Kuchen in Billed. Auch hier finden wir eine große Auswahl, wobei man Kuchen, Mehlspeisen und Torten unterscheiden muss. Bei uns sind nach wie vor Krembitte, Dobosch, Grilljasch und auch Baumstamm der Renner. Was trank man in Billed? Ich denke, zu allen Zeiten hat man Wasser getrunken. Ich kann mich noch gut an die Sodawasserflaschen in Billed erinnern. Sie waren weiß, blau oder grün, hatten einen dicken Bauch und spritzten so schön. Als Kaffee trank man Frankkaffee. Er war nach der Firma benannt und wurde aus der Zuchtform der Zichorie (eine Pflanze, deren deutscher Name Wegewarte ist) und verschiedenen Getreidesorten hergestellt. Die Männer tranken Wein, Bier und auch Raki. Dieses Wort stammt aus dem Türkischen und bedeutet eigentlich Anisbranntwein. Der Raki in Billed wurde aber vorwiegend aus Maulbeeren hergestellt. Der Rakiknopp ist übrigens ein im Banat entstandener Begriff für den Adamsapfel, den hervortretenden Schildknorpel am Kehlkopf des Mannes. Zum Schluss möchte ich noch von meiner nicht repräsentativen Umfrage auf dem Ulmer Treffen berichten. Ich hatte einige Billeder nach ihrem Lieblingsessen befragt. Einige konnten keine Lieblingsspeise nennen mit der
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Erster Besuch der Fam. Klein in der alten Heimat: Michael und Maria Klein (Hehn) Nr. 699 waren eine der ersten Familien, die nach 1944 und der Russlandverschleppung 1960 die alte Heimat besuchten. Auf dem Foto die große Verwandtschaft mit Frau Klein in der Mitte. Jetzt 88-jährig denkt sie gerne an die schönen Stunden zurück, von denen nur Erinnerungen blieben. Unten v.l.n.r. beginnend: Maria Gilde (Römer), Jakob Römer, Aloisia Gabernack (Frank), Hans Rademacher, Josef Lauer, Nikolaus Hellberg, Elisabeth Lauer (Frank), Grete Hipp (Heim), Magdalena Hehn (Portscheller), Maria Klein (Hehn), Adam Hehn, Michael Klein, Jakob Rademacher jun., Katharina Just, Harald Ballmann, Anni Schillinger, Franz Tröster, Nikolaus Just, Maria Hirt, Anni Roth, Hans Roth, Wilhelm Hirt, Anna Römer, Maria Lauth, Maria Römer, Marg. Steiner, Anna Schmidt, Elis. Hellberg, Elis. Follmer (Hellberg), Aloisia Heim (Lauer), Josefa Portscheller, Mathias Heim, Peter Hirth, Mathias Gabernack, Anna Rademacher (Gabernack), Katharina Ballmann (Just), Peter Kilzer, Maria Kilzer (Just), Emmi Herrenreich, Kath. Tröster, Hans Jörg Tröster, Anneliese Lauth, Georg Römer, Jakob Bürger, Maria Gergen, Maria Schöpplein, Josef Schöpplein, Willi Groß, Maria Groß, Hans Andre, Anna Andre, Anna Roth, Jakob Roth, Magdalena Steiner, Nikolaus Hellberg sen, Johann Portscheller, Hans Andre sen., Joschka Vastag, Georg Dippong Begründung, sie seien nicht „haklich“ beim Essen und essen einfach alles. Bei meiner Umfrage wurden genannt: Juwetsch, Paprikasch, gefüllte Paprika, Quetscheknedle, Saueresse, Backfleisch und Franzesische Krumbiere.
Aber Platz eins erreichte das „Gfillte Kraut“. Liewe Landsleit, wann dr jetz Guste kritt hat uff a richtich schwowisch Esse, winsch ich Eich e gude Appetit. Eir Wortschatzsucherin
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Röm.-kath. Frauenverein Billed 1938. Einsender: Josef Herbst (Gaggenau)
Rege Aktivität des Billeder Banater Deutschen Frauenvereins
Helene Neumayer (Feiler) Grete Weber (Divo)
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n den 30er Jahren nahmen die verschiedenen Vereinsbildungen im Banat einen steten Aufschwung. Der Billeder Banater Deutsche Frauenverein stellte sich meist selber die Aufgaben im Dienste der Gemeinschaft. Die bäuerliche Frau machte eben den ersten Schritt aus ihrer häuslichen Umgebung hinaus in eine organisierte Gesellschaft, wo sie sich mit anderen Frauen beraten, Erfahrungen austauschen, neue Kenntnisse erwerben konnte. Um allen schwierigen Anforderungen der Kindererziehung gewachsen zu sein, besonders bei hoher Kinderzahl, nebenbei die bäuerlichen Arbeiten im Haus, die Viehversorgung, Gartenarbeit, Haus- und Hof-Instandhaltung zu bewältigen, kostete es große Anstrengung.
Diesbezüglich sollte der Frauenverein eine Stütze sein, auch in Billed. Hier leitete mit viel Verständnis und Organisationstalent Frau Elisabeth Pierre, Ehefrau von Ing. J. Pierre, den Verein. In der Vorweihnachtszeit wurde im großen Saal des Großen Wertshaus eine Bühne gezimmert und mit vielen Kindern kleine Weihnachtsstücke aufgeführt. Frau Pierre wählte passende Theaterstücke aus, verteilte die Rollen und nahm selber die Proben vor, bis alles zur Aufführung problemlos lief, wobei ihr auch Kindergärtnerin Frau B. Rieder oft beim Einstudieren der Lieder und Tänze half. Mit viel Liebe und pädagogischer Erfahrung im Umgang mit Kindern verstand es Frau Pierre, die Kinder zu begeistern, so dass
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Handarbeitenausstellung in den 30er Jahren im großen Wertshaus, im Hintergrund Anna Betsch und Anna Braun (Jost). Einsender: sie ihre Texte gerne lernten, die sie leicht lesbar bekamen. Die Aufführungen wurden dann festlich gestaltet: Der große Saal war bis zum Eingang bestuhlt, alle Plätze besetzt, die Stimmung im schön geschmückten Saal weihnachtlich. Immer eine Sensation in Billed! In der vorösterlichen Zeit – manchmal auch vor Weihnachten – organisierte der Frauenverein oft Ausstellungen mit selbstgemachten Arbeiten. Dafür waren im großen Saal entlang der Fensterreihe lange Tische aufgestellt, worauf die selbstgebastelten Einzelstücke standen oder lagen. Sehr beliebt waren damals die Wandschoner für Küchenherd und Waschtisch mit Stielstichen ausgenäht, oft mit heiteren oder tiefsinnigen Sprüchen wie: Folgt der Mann stets seiner Frau, bleibt der Himmel klar und blau. oder Eine fleißige Frau am Herd ist Goldes wert. Grete Weber (Divo) erinnert sich, dass man für den Wäscheschrank einen Spruch
bevorzugte, den man gleich beim Öffnen der Schranktür als Zierstreifen erblicken musste: Im Schranke weißes Linnen, im Herzen ernstes Sinnen, mit Treu und Lieb‘ gepaart, ist edler Frauen Art. Über dem Waschtisch war meist zu lesen: Eine Hand wäscht die andere! ... und vieles andere. Bei diesen periodischen Ausstellungen waren auch verschiedene Häkel- und Strickarbeiten zu sehen sowie Laubsäge-Schnitzarbeiten: Tannenbäumchen, Äpfel, Birnen, funkelnde Sterne, auch in Alu-Folie eingepackte Nüsse. Für die Osterzeit kamen Eier mit den einfallsreichsten Muster, Osterhasen aus Kuchenteig, Lebkuchen oder Schokolade auf die Tische. Dazu leckere Torten und Kuchen (Mehlspeisen) in den buntesten Ausführungen, kein Wunder also, dass diese Ausstellungen immer reich besucht waren. Gabi erinnert sich, dass der Banater Deutsche Frauenverein eine rege
44 kulturelle Tätigkeit entfalten konnte: Bei Zusammenkünften wurden die verschiedensten Themen angesprochen, es wurde viel gesungen, zumeist Volkslieder wie: Lang ist‘s her, Die Gedanken sind frei, Am Holderstrauch, In Mutters Stübele, Wahre Freundschaft usw. Auch Autorenlesungen gab es schon, z.B. die von der Lenauheimer Heimatdichterin Anni Schmidt-Endress (1903), die sowohl aus ihren Prosawerken las als auch einige ihrer Gedichte vortrug. Im Verein wurden auch Kochrezepte besprochen und ausgetauscht, viele erschienen auch in der damaligen Presse: Extrapost, Temeswarer Zeitung, Sonntagsblatt, Pollerpeitsch oder gar im Kuh-lener“. So ist es erklärlich, dass wir heute hier – ganz gleich, woher wir kommen – genüsslich über unsere gemeinsame Küche plaudern können, sei es über gestürztes Kraut, Zwetschgenknödel, Topfenknödel, Palatschinken, Rahm-Zitronen-Hendel (fein) oder Apfelstrudel, Kerwesstrudel, Apfelbitta, Doboschtorte (hm) usw. Im Frühjahr organisierte der Frauenverein ein Fest in der Parkanlage vor dem Bahnhof, Maialus genannt, an dem sich eine vergnügte Gesellschaft von Kindern und Erwachsenen im Park herumtummelte. Es spielte die Blasmusik der Dorfkapelle zum Treiben ihre frohe Weisen und alle waren recht vergnügt. Für die Kinder gab es verschiedene Wettspiele: Sackhüpfen, Eierlaufen, Springen, um die Wurst anzubeißen u.v.m., auch farbenfrohe Zuckerwatte am Stiel und – für damals eine Neuheit in Billed - Eis zum Schlecken in spitzen Waffeln oder am Stiel. Eine große Attraktion waren die bunten, mit Helium gefüllten Luftballons, an die wir Zettel banden und sie ganz hoch aufsteigen ließen. Groß war auch die Freude, wenn man per Los etwas gewinnen konnte. Grete bzw. ihre Schwester gewann einmal ein kunstvoll gebackenes Pfefferkuchenhaus mit Fenstern und Türen, das große Freude auslöste. Ein
Rückblick andermal war es ein Püppchen in einem kuschelig-weißen, mit Spitzen besetzten Wickelkissen und „Wir waren glücklich!!!“ Ein soziales Unterfangen, an dem sich der Frauenverein seriös beteiligte, war die Kinder-Landverschickung; man sorgte schon Wochen vorher für die gute Unterbringung der Kinder auf den Bauernhöfen, die Zuteilung der Kinder auf die Dörfer erfolgte in der Temeswarer Diözese-Zentrale. Dann kam der Bus aus Temeswar und hielt vor dem Gemeindehaus. Die Kinder hatten eine weite Zugreise hinter sich, denn sie kamen aus Wien. Es waren etwa 50 Kinder, dünn und schmächtig, zumeist aus Wien und Umgebung, und durften sich hier in Billed erholen.Einer von ihnen, Peppi, entstammte einer Schusterfamilie aus Wien und hatte daheim noch 9 Geschwister. In ihren Quartieren sollten die Kinder in kleine, leichte Arbeiten eingebunden werden, so dass sie das Gefühl hatten, für ihre Verpflegung eine Gegenleistung zu erbringen. Nach finanziellem Ausgleich fragte man nicht: Die Billeder handelten einfach im Sinne der Dazugehörigkeit. Nach 6 Wochen Aufenthalt kam wieder der Bus und sammelte die inzwischen rotbäckigen, oft pummeligen Kinder wieder ein und brachte sie zurück. Einige bekamen zu ihrem Gepäck von den Gasteltern auch noch ein Stück Billeder Schinken mit. Viele von ihnen schrieben noch Jahre danach dankbare Briefe an ihre Gasteltern. So haben die Billeder ihre Feste mit Freuden und Lustbarkeiten gefeiert, aber auch ihr soziales Engagement wahrgenommen. Man feierte die Feste, wie sie fielen und zwar in der Kirche, in der Schule, in den Vereinen, so dass sich alle beteiligen konnten. Denn es gab in Billed wohl auch ärmere Leute, aber keine armen. Alle hatten ihr Brot! Der Herr lenkte die Geschicke so, dass sich Billed eine geraume Zeit im tiefsten Frieden befand. Kaum ein Jahrzehnt danach kam plötzlich alles anders, so ganz anders...
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Verabschiedung der Ferienkinder aus Berlin am 1. Sept. 1939 von ihren Billeder Freunden. 1. Hans Braun *1929, 2. Hans Braun *1927 +1952, 3. Hans Ortinau *1927 +2006, 4. Leni Seibert *1928 +2006, 5.Grete Seibert *1926 +1996, 6. Gerda ? Berlin, 7. Ingrid Fischer Berlin, 8. Kati Braun *1930, 9. ? ? Berlin, 10. Ursel Pohl Berlin +2004, 11. ? ? Berlin, 12. Harry Paschke Berlin, 13. Franz Klein *1919 +2008, 14. Adelheid Braun *1926 +1995, 15. Gerhard Werner Berlin, 16. Michael Ortinau *1922 +2001, 17. Josef Thöresz *1925, 18. Emerich Remeny Temeschburg, 19.Ursel Heppner Berlin, 20. Werner Gehrmann Berlin. 21. Hans Jobba *1921, 22. ? ? Berlin, 23. Max Zugraf Berlin, 24. Karl Schneider *1919 +1970, 25. ? ? Berlin, 26. Nikolaus Jobba *1919 +1945, 27. ? ? Berlin, 28. Hans Steiner *1920 +1994 Einsender: Katharina Braun (Sulz)
Berlin - Billed - Reise Sommer 1939
Harry Paschke, Berlin
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m Frühsommer 1939 bekam ich die Nachricht, dass ich mit einigen Jungen und Mädeln für eine Reise nach Rumänien ausgesucht wurde. Da meine Mutter im Januar verstarb, war ich mit meinem Vater allein und er wollte mich nicht fahren lassen. Seine Arbeits Kollegen stimmten ihn aber um und ich bekam die Erlaubnis. Nun begannen die Vorbereitungen und Besprechungen sowie Fotografieren für einen Sammelpass.
Ausgangs Juli ging dann die Fahrt vom Bahnhof Charlottenburg los. Nach wundervoller Fahrt kamen wir in Budapest an. Es gab ein Mittagessen und von unserer Betreuung die Ermahnung, uns gut zu benehmen: „Denn die Berliner Schnauze“ sei auch auf dem Balkan bekannt! Mit einem anderen Zug ging die Fahrt weiter bis Temeschburg. Abends dort angekommen, wurden wir zur „Banatia“ zum Schlafen gebracht. Nächsten Morgen holte uns
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Jahrgang 1927 in der 2. Klasse mit Lehrer Franz Höckl im Jahre 1936 Einsender: Angela Karl, geb. Scholz (Freilassing) die DJ. mit dem netten Franz Klein ab und wir fuhren mit dem Zug nach Billed. Im Kino gab es vom Vetter Stefi Unger zur Ankunft in Billed einen „Himbeerspritzer“ und wir wurden unseren Gasteltern übergeben. Ich kam zur Familie Braun, Altgasse Nr. 469, dort war gerade die Dreschmaschine. Der Hof war zum Schutz der Pflastersteine dick mit Stroh ausgelegt, was mich gleich zu einigen Purzelbäumen animierte. Mit den Kindern des Hauses, Kati und Hans Braun, und auch mit meinen Kameraden, die in der Nähe wohnten, konnten wir bei herrlichem Wetter viel unternehmen. Zum Baden durfte ich mit Hans und Kati zur Ziegelei in ein kleines Schwimmbad. Aber auch zur „Schließ“, wo ein Freibad war, ging es zum Baden. Wenn wir Kinder uns sonst trafen, wurden wir auf allen Höfen liebevoll begrüßt und ohne eine kleine Leckerei kamen wir nie weg. Es war eine wunderbare Gastfreundschaft und ich möchte allen Billedern noch heute herzlich danken. Ganz besonders aber auch der Familie Braun,
die mich so gut betreute, meinen Dank. Da der Krieg ja vor der Tür stand, kam die Heimfahrt Ende August für uns viel zu früh. Hier in Berlin trafen wir 18, die in Billed waren, uns dann öfter mal. Leider besteht jetzt aber kein Kontakt mehr. Ingrid Fischer verzog im Krieg nach Posen (?), Ursel Heppner verstarb Ende 45, Max Zugrov ist gefallen. Werner Gehrmann, Gerhard Werner und Ursel Pohl (Weckel) lebten vor einigen Jahren noch. Habe jetzt aber kein Lebenszeichen von ihnen. Nach dem Krieg, Anfang der 50er versuchte ich die Brauns zu finden. Rotes Kreuz und ein Landsmann aus Diepholz konnten mir dann zum Finden verhelfen. Im Sommer 1954 konnte ich sie besuchen und seitdem stehen wir immer in Verbindung. Rückblickend auf die unvergessene – wunderschöne Zeit, kann ich mich nur nochmals bei allen Beteiligten für all das Gute bedanken. Nach fast 60 Jahren ist es ja fraglich, ob es noch Leute gibt, die sich daran erinnern.
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Brutaler Gattenmord eines 71-jährigen Billeders
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Temeswarer Zeitung , 30. Oktober 1930
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us Billed Einzelheiten über diesen Fall: Anton Christ, der wegen Gattenmordes im Gefängnis der Gendarmerie gefesselt sitzt, war früher ein wohlhabender Landwirt, den die Trunksucht allmählich an den Rand des Ruins brachte, so dass er nichts mehr besitzt als ein Häuschen, in welchem er mit seiner Gattin Anna – 73-jährig - lebte, die ihm seit 45 Jahren eine treue, ergebene Lebensgefährtin war. In einer anderen Wohnung desselben Hauses wohnt der Landwirt Peter Tasch mit seiner Frau. Diese hörten am Vorabend, dass zwischen dem alten Ehepaar ein heftiger Streit entbrannt war, nach welchem die alte Frau taumelnd aus der Wohnung wankte und sich in den Stall begab. Tasch und seine Frau maßen diesem Begebnis keine besondere Bedeutng bei, da Streitereien und selbst Prügelszenen zwischen den beiden nicht selten waren. Christ war oft sehr betrunken und bei solchen Gelegenheiten machte er zu Hause stets einen Höllenskandal. Einmal wollte er sogar seine Frau erstechen, aber die Nachbarn retteten die alte Frau aus seinen Händen. Später ging Frau Tasch zufällig am Stall vorbei und vernahm ein schweres Röcheln. Es war offenbar die alte Frau, die sich hier verkrochen hatte. Danach kamen Herr und Frau Tasch in den Stall, wo sie auf einer Schütte Stroh die Frau fanden, die tief bewusstlos war und nur Röchellaute von sich gab. An ihrer rechten Schläfe entdeckten die Nachbarn eine rote, blutunterlaufene Stelle, die offenbar von einem mit großer Kraft geführten Schlag herrührte. Das Ehepaar Tasch lief sofort zu Christ und erzählte ihm, in welchem Zustand sie seine Frau vorfanden. - „Lasst sie nur dort liegen, sie simuliert nur“, erwiderte der schwerbetrunkene alte Mann und weigerte sich hartnäckig zu gestatten, dass man die Ohnmächtige in seine Wohnung bringe. Als die Taschs energisch darauf bestanden, sperrte er einfach seine
Wohnungstür ab, so dass diese genötigt waren, die Schwerverletzte in ihre eigene Wohnung zu tragen. Später gewann die unglückliche Frau das Bewusstsein für einige Minuten zurück. Als man sie fragte, was mit ihr geschehen ist, sagte sie nur so viel: -“Mein Mann hat mich so hart geschlagen.“ Dabei wies sie mit der Hand auf die blutende Schläfe. Danach verfiel sie neuerlich in Ohnmacht. Als man schließlich sah, dass man eine Sterbende vor sich hatte und einen Arzt herbeirief, kam jede Hilfe zu spät. Christ ließ sich endlich herbei zu gestatten, dass man die Sterbende in seine Wohnung bringe, wo die unglückliche Greisin gegen 9 Uhr abends den Geist aufgab. Von dem Vorfall wurde die Gendarmerie in Kenntnis gesetzt, die im Verein mit dem Bezirksarzt am Tatort erschien, doch nur mehr den eingetretenen Tod der alten Frau feststellen konnte. Der Bezirksarzt äußerte die Ansicht, dass das Schläfenbein durch einen oder mehrere wuchtige Schläge mit einem harten Gegenstand geborsten sein muss, was den Tod der Greisin hervorrief. Christ wurde von der Gendarmerie in Haft genommen und verhört. Er gab an, dass er mit der alten Frau einen Wortwechsel hatte, weil diese zu einer Frau auf die Totenwache gehen wollte, er dies nicht zulassen wollte, weil er mit der betreffenden Frau in Feindschaft gelebt hatte. Deswegen zankte er schon nachmittags mit seiner Frau. Am Abend – er hatte 3 oder 4 Liter Wein getrunken – wollten sie sich gerade zum Nachtmahl setzen, als er bemerkte, dass die Frau dennoch schwarze Kleider anzog, also ihm zum Trotz zur Totenwache gehen wollte. Es gab einen neuerlichen Streit und plötzlich versetzte er ihr in seiner Wut zwei Faustschläge auf den Kopf. Die Frau wankte dann wortlos
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Rückblick
Peter Schubert, geb. 1889 mit Kindern und Enkelskindern 1950. Oben v.l.n.r. Tochter Wilma Wikete (Popovici) geb. Schubert+, Schwiegertochter Barbara Schubert geb. Hell+, Tochter Rosa Gergen (Leitner) geb. Schubert+. 2. Reihe v.l.n.r. Hans Schubert+, Rosi Ungh geb. Schubert, Peter Schubert+, Liese Breitenbach geb. Gergen+, Wilmi Schortje geb. Gergen. 3. Reihe v.l.n.r. Rosi Hirth geb. Wikete, Jakob Gergen, Grete Schubert. Einsender: Wilmi Schortje, Wesseling. zur Tür hinaus und begab sich in den Stall, wo sie dann von den Taschs in sterbendem Zustand aufgefunden wurde. Christ leugnete hartnäckig, dass er irgendeinen harten Gegenstand benützt hätte, als er die Frau schlug und will sich lediglich seiner Faust bedient haben. Da aber nach Ansicht des Bezirksarztes Fausthiebe keine derartige Wunde verursachen können, so wird die Leiche der
alten Frau gerichtsärztlich seziert, wobei diese Frage volle Klärung finden wird. Anton Christ wurde verhaftet und der Staatsanwaltschaft übergeben. Der brutale Mord hat in der Gemeinde Billed große Aufregung hervorgerufen. (Heute würde man vermutlich auf Totschlag und unterlassene Hilfeleistung plädieren, weniger auf Mord.)
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20-jähriges Jubiläumstreffen „Billeder un‘r sich“ - 2008. Zu den beiden diesjährigen Seniorentreffen kamen viele Landsleute, die schon von Beginn an dabei waren, aber auch jüngere Rentnerinnen und Rentner, die im Laufe der Zeit dazugekommen sind. So waren es im April 43 und beim Herbsttreffen 47 Billeder Senioren, die in gemütlicher heimatlicher Stimmung mit Nachbarn und Freunden ihr Beisammensein feierten.
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Stimmungsvolles Herbstfest in Nürnberg. Am 13. September ab 14 Uhr sorgte die Billed-Alexanderhausener Blaskapelle im Genossenschaftssaalbau in der Nürnberger Bauernfeindsiedlung für tolle Stimmung, obwohl am Anfang nicht der Eindruck erweckt wurde, dass sich der Saal füllen werde. Doch die Landsleute kamen – nicht nur die Billeder und Alexanderhausener, sondern auch Blasmusikfreunde aus anderen Heimatgemeinden des Banats, ja sogar Siebenbürger Sachsen – und der Saal füllte sich, es wurde wieder ein Erfolg.
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Billeder in Ulm 2008. Im Bild die Kinder-Tanzgruppe vor der Abfahrt. Trachtenball in Karlsruhe am 19.01.2008 in der Badnerlandhale mit der Billed-Alexanderhausener Blaskapelle
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Schlachtfest bei der Trachten-Blasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen. Am 25. Oktober war wieder Schlachtfest im Donauschwabenhaus in Frankenthal: Die Mannschaft um Sepp Dinjer, Franz Klein und Hans Muhl hat ihr Bestes gegeben, um dieses Fest wieder so richtig schรถn werden zu lassen und es hat alles bestens geklappt.
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Foto unten: Als offizieller Akt ehrte Werner Gilde für ihren langjährigen Einsatz beim Schlachtfest Maria Muhl mit einer Urkunde, auch Jakob Groß sen. für die vielen Jahre, die er Musik gemacht hat, davon etliche als Kapellmeister.
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Cobra Roadster Oltimer, Baujahr 1978, ein rares Vehikel gefahren von einem Billeder Landsmann Im Hof des Billeder Forums der Deutschen
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Eindrucksvolle Reise in die Bundeshauptstadt Berlin. „Die Spree verzweigt sich hier in zahlreiche Wasserarme, den Fließen. Früher waren diese Arme die einzigen Verkehrswege. Wir fuhren auf zwei Booten mit je 30 Personen, eine Stunde lang, vorbei an malerischen Ferienhäusern, Gärten und seltsamen Baumgebilden.“
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Klassentreffen der Jahrgänge 1960-1965 am 14. Juni 2008. Nimm dir Zeit für deine Freunde, sonst nimmt die Zeit dir deine Freunde’, heißt ein Sinnspruch eines unbekannten Dichters. Wenn wir das Wort „Freunde“ dann noch zweimal durch das Wort „Erinnerung“ ersetzen, so haben wir mindestens zwei gute Gründe, uns zu einem mehrere Jahrgänge umfassenden Klassentreffen zu sehen. Damals: Wir waren noch jung, unsicher, picklig, wollten die Welt verändern. Heute: Wir wissen, wo’s im Leben langgeht, die Haare werden heller, die ersten Falten sichtbar.
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Deutschland, Österreich-Ungarn, Rumänien und Serbien vor dem Ersten Weltkrieg
Wenn Grenzen sich verschieben
Neunzig Jahre seit dem Ende des Ersten Weltkrieges und dessen Folgen für das Banat und die Bevölkerung dieser historischen Provinz Wilhelm Weber
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as Ende des Ersten Weltkrieges vor neunzig Jahren führte zum Zusammenbruch der alten Donaumonarchie und damit zur radikalen Veränderung der politischen Karte Europas. Betroffen davon waren auch das Banat und dessen Bevölkerung. Weil der Balkan mit seinem Völkergemisch schon immer ein Pulverfass und Schauplatz grausiger Kriege war, prophezeite Bismarck, dass deswegen der nächste Krieg schon programmiert sei. Seine Prophezeiung bewahrheitete sich leider schon im Jahre 1914. Aus dem Balkankrieg 1912/13, der zur Befreiung des restlichen Teils des Balkans führte, der noch unter osmanischer Herrschaft stand und aus dem der 1913 unter den ehemals Verbündeten zur Aufteilung des Balkans geführt wurde, ging das kleine Serbien als stolzer Sieger hervor. Ermutigt durch seine Erfolge, strebte es danach, ein großserbisches Reich zu gründen, das alle slawischen Völker des Bal-
kans in einem südslawischen Staat vereinigen sollte. Diesem Staatengebilde sollten auch die Slawen einverleibt werden, die noch innerhalb der Österreich-Ungarischen Monarchie lebten. Dieses Vorhaben der Serben wäre aber an dem Projekt des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand gescheitert, das eine Neugliederung der Monarchie vorsah, unter anderem die Einführung der deutschen Sprache als Amtssprache in allen Einzelstaaten der Monarchie wie auch eine Gesamtregierung durch den Kaiser in Wien. Weil die Serben darin eine Vereitlung ihres Planes vermuteten, sahen sie in der Person des Thronfolgers ihren einflussreichsten Feind. Der Hass steigerte sich noch mehr, als bekannt wurde, dass der Thronfolger im Rahmen einer Inspizierung der in Bosnien stattfindenden Manöver am 28. Juni 1914 auch Sarajevo, der Hauptstadt Bosniens, das damals ebenfalls zur Monarchie gehörte,
Rückblick
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Das in Sarajevo ermordete österreich-ungarische Thronfolgerpaar
Zeitungsillustration des Attentats vom 28. Juni in Sarajevo, Auslöser des Ersten Weltkrieges
einen offiziellen Besuch abstatten würde. Seitens der Serben sollte gerade an diesem 28. Juni eine große Feierlichkeit auf dem Amselfeld im Kosovo stattfinden.Am 28. Juni 1389 wurde in einer Schlacht auf dem Amselfeld die christliche Welt besiegt, und der Balkan geriet damals unter osmanische Herrschaft. Erst 525 Jahre danach, als Folge des Ersten Balkankrieges 1912/13, wurde auch dieses Gebiet befreit. So sollte zum ersten Mal nach der Befreiung auf dem ehemaligen Schlachtfeld von Kosovo an diesem 28. Juni 1914, dem Vidovdan (Veitstag), dem serbischen Nationaltrauertag, eine groß angelegte Feier stattfinden. Und an eben diesem Tag wollte der Thronfolger Sarajevo besuchen. Darin sahen die Serben eine Provokation und Verschwörer der Geheimorganisation „Narodna Odbrama“ trachteten danach, den Thronfolger zu ermorden, der trotz Warnung seitens des österreichischen geheimen Nachrichtendienstes im offenen Auto durch Sarajevo fuhr. Selbst ein kurz vorher gescheitertes Bombenattentat konnte den Thronfolger nicht dazu bewegen, die Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen. Einem anderen Verschwörer na-
mens Gavrilo Princip, einem 17-jährigen Mittelschüler serbischer Herkunft, war es deshalb möglich, durch Revolverschüsse das Thronfolgerpaar Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Gattin Herzogin Sophie von Hohenburg zu erschießen. Weil die genannte Untergrundorganisation Kontakte zu serbischen Militärkreisen unterhielt, stellte Österreich-Ungarn der serbischen Regierung in Belgrad, die von den Österreichern für diesen Mord verantwortlich gemacht wurde, ein auf 48 Stunden befristetes Ultimatum. Weil Serbien die darin verlangten Bedingungen nicht vollständig erfüllen wollte, wurden die diplomatischen Beziehungen zu Serbien abgebrochen, die Mobilisierung der Armee eingeleitet und am 28. Juli 1914 Serbien der Krieg erklärt. Die in französischer Sprache abgefasste Kriegserklärung hatte folgenden Wortlaut: „Da die königlich serbische Regierung die Note, welche ihr vom österreichisch-ungarischen Gesandten in Belgrad am 23. Juli 1914 übergeben worden war, nicht in befriedigender Weise beantwortet hat, sieht sich die k.u.k. Regierung
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Bildpostkarte mit den Verbündeten des Ersten Weltkrieges: Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joseph. Darunter die Repräsentanten der verbündeten Armeen mit den Landesfahnen
Kaiser Franz Joseph auf einer Bildpostkarte anlässlich seines 66jährigen Thronbesteigungsjubiläums und der Eroberung Belgrads durch die Truppen der 5. Armee am 2. Dezember 1914 unter General Ritter von Frank. Das Belgrader Königsschloss ist symbolhaft mit den Fahnen Österreichs und Ungarns beflaggt.
in die Notwendigkeit versetzt, selbst für die Wahrung ihrer Rechte und Interessen Sorge zu tragen und zu diesem Ende an die Gewalt der Waffen zu appellieren. Österreich-Ungarn betrachtet sich daher von diesem Augenblick an als im Kriegszustand mit Serbien befindlich. Der österreichisch-ungarische Minister des Äußeren, Graf Berchtold.“ Weil die Begründung des Kaisers zur Kriegserklärung an Serbien sehr interessant ist, möchte ich daraus zitieren: „An meine Völker! Es war mein sehnlichster Wunsch, die Jahre, die mir durch Gottes Gnaden noch beschieden sind, Werken des Friedens zu weihen und meine Völker vor den schweren Opfern und Lasten des Krieges zu bewahren. Im Rate der Vorsehung
war es anders beschlossen. Die Umtriebe eines hasserfüllten Gegners zwingen mich, zur Wahrung der Ehre meiner Monarchie, zum Schutze ihres Ansehens und ihrer Machtstellung und zur Sicherung ihres Besitzstandes nach langen Jahren des Friedens zum Schwerte zu greifen. (...) Immer höher lodert der Hass gegen mich und mein Haus empor, immer unverhüllter tritt das Streben zutage, untrennbare Gebiete Österreich-Ungarns gewaltsam loszureißen. Eine Reihe von Mordanschlägen, eine planmäßig vorbereitete und durchgeführte Verschwörung, deren furchtbares Gelingen mich und meine treuen Völker ins Herz getroffen hat, bildet die weithin sichtbare blutige Spur jener geheimen Machenschaften, die von Serbien aus ins Werk
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Ehrenhalber Regimentsinhaber des Inf. Reg. 61, General Liborius Ritter von Frank
Soldaten des Temeswarer Inf. Reg. 61 im Schützengraben an der Isonzo-Front in Italien
gesetzt und geleitet wurden. Diesem unerträglichenTreiben muss Einhalt geboten, den unaufhörlichen Herausforderungen Serbiens ein Ende bereitet werden, soll die Ehre und Würde meiner Monarchie unverletzt erhalten bleiben. (...) In dieser ernsten Stunde bin ich mir der ganzen Tragweite meines Entschlusses und meiner Verantwortung vor dem Allmächtigen voll bewusst. Mit ruhigem Gewissen betrete ich den Weg, den die Pflicht mir weist. Ich vertraue auf meine Völker, auf Östereich-Ungarns tapfere und von hingebungsvoller Begeisterung erfüllte Wehrmacht. Und ich vertraue auf den Allmächtigen, dass Er meinen Waffen den Sieg verleihen werde. Franz Joseph m.p.“ Auf die Kriegserklärung an Serbien am 28. Juli 1914 geriet die Bündnispolitik der europäischen Großmächte in Bewegung, so dass sich nach dem 4. August 1914 schon alle diese Großmächte im Kriegszustand befanden und zwar die Entente-Mächte Russland, Fran-
kreich und England mit Serbien und Belgien und die Mittelmächte Österreich-Ungarn und Deutschland. Beiden Seiten schlossen sich im Laufe des Krieges weitere Staaten an, was diesen Krieg zu einem Weltkrieg ausdehnte. Im Gegensatz zum katastrophalen Ende des Zweiten Weltkrieges 1945, als die deutsche Führung den Kampf bis zur völligen Zerstörung und Besetzung des Heimatgebietes fortsetzte, blieb am Ende des Ersten Weltkrieges 1918 das Heimatland von Kämpfen und Zerstörungen verschont und die Truppen der Mittelmächte Deutschland, ÖsterreichUngarn und ihre Verbündeten Bulgarien und die Türkei standen meist noch auf feindlichem Gebiet. Trotzdem unterlagen sie den EntenteMächten und deren Verbündeten aus verschiedenen Gründen, die jedoch nicht Gegenstand dieser Ausführungen sind. Erwähnt soll aber werden, dass das Temeswarer Garnisonsregiment, das Infanterieregiment Nr.61 Ritter von
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Rückblick
Diese 1936 von Professor Virgil Pau erstellte physische, politische und ethnographische Karte des ganzen Banats gibt anhand von farbigen Kreisausschnitten die verhältnismäßige Anzahl der im Ort wohnenden Nationalitäten an. Mit blau sind die Deutschen angegeben, mit rot die Rumänen, mit gelb die Ungarn, mit grün die Serben, mit braun die Bulgaren, mit grau die Juden usw. Besonders auf der Banater Heide gab es viele Dörfer mit überwiegend deutscher Bevölkerung. Frank, gleich nach Kriegsbeginn an die Front kam. Dieses Ereignis wird in der Regimentsgeschichte „61 in Waffen“ folgendermaßen festgehalten: „Am 28. Jänner 1911 übernahm Oberstleutnant Franz Ritter Weiß von Mainprugg das Regimentskommando. Unter seiner zielbewussten Führung erreichte es den höchsten Grad einer modern ausgebildeten, streng disziplinierten Truppe. Und als ÖsterreichUngarns Hoffnung, der Erlauchte Thronfolger von des ruchlosen Nachbarn Sendling getötet und einige Wochen später der von langer Hand vorbereitete Krieg, der größte aller Zeiten, he-
raufbeschworen wurde, gehörte das Regiment zu den ersten, denen es beschieden war, in schimmernder Wehr zur Verteidigung der in ihren Grundfesten bedrohten Monarchie auf die Wallstatt zu ziehen. Die Verteidigung im Brand und Mord des großen Völkerringens wurde zu einer Ruhmesepoche der 61er.“ Das 61er Infanterieregiment kämpfte zuerst an der serbischen Front im Grenzschutzdienst. Ende August 1914 wurde es bataillonsweise auf den russischen Kriegsschauplatz verlegt. Gleich nachdem Italien in den Krieg gegen die Mittelmächte eingetreten war, gelangte das
Rückblick Regiment an die italienische Front und wurde am 17. Juli 1915 an die Isonzo-Front verlegt. Orte wie Sankt Daniel, das Kampfgebiet um den Fajti hrib, Doberdo, Krn, San Martino und die Isonzo-Schlachten gingen ruhmvoll in die Regimentsgeschichte ein. Zuletzt kämpfte es an der Westfront und, nachdem der Waffenstillstand geschlossen und der Krieg beendet war, marschierte es geschlossen quer durch Deutschland bis Rosenheim in Bayern, um von dort per Eisenbahntransport in die Garnisonsstadt Temeswar zu gelangen. Dem Schicksal des Banats, das bis Kriegsende Teil der Österreich-Ungarischen Monarchie war, soll in den folgenden Zeilen besondere Beachtung geschenkt werden. Als verantwortlicher Erbe der nach dem Krieg aufgelösten Monarchie wurde neben Österreich auch Ungarn betrachtet und infolge des Friedensvertags von Trianon um 2/3 seines Staatsgebietes verkleinert. Die von Ungarn abgetrennten Gebiete erhielten die benachbarten Staaten Serbien, Rumänien und der neu gegründete Staat Tschechoslowakei. Rumänien, das nach dem Tode König Karls I. von den Entente-Mächten großzügige Gebietsvergrößerungen zugesagt bekam, erklärte am 27. August 1916 den Mittelmächten den Krieg. Nach einigen anfänglichen Erfolgen musste es aber am 7. Mai 1918 besiegt den Frieden von Bukarest schließen und den Krieg beenden. Nachdem die Mittelmächte im November 1918 mit den Entente-Mächten Waffenstillstand geschlossen hatten, eröffnete Rumänien wieder die Kriegshandlungen gegen die Mittelmächte und ließ Truppen in Siebenbürgen einmarschieren. Eine kurzerhand von Siebenbürger Rumänen am 1. Dezember 1918 einberufene „Nationalversammlung“ in Alba Julia (Karlsburg) verkündete die Vereinigung Siebenbürgens und des Banats mit Rumänien (Altreich). Den Minderheiten (zum Großteil Ungarn und Deutsche) sicherten die sogenannten „Karlsburger Beschlüsse“ den Gebrauch der Muttersprache in der Verwaltung und im Schulunter-
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Die Proviantur, Verpflegungsstelle des Inf. Reg. 61 an der Front, nach der Garnisonsstadt Temeswarer-Platz, Temesvariter, benannt (Schild)
Unteroffiziere des Inf. Reg. 61 an der Front. Rechts im Bild Feldwebel Wilhelm Weber, Vater des Verfassers
Die Rechnungskanzlei des Inf. Reg. 61 bei Sankt Daniel auf der Karsthochfläche
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Frontbesichtigung und Auszeichnung von Offizieren und Mannschaft durch Kaiser Karl, den letzten Kaiser Österreich-Ungarns
Gräber der französischen Soldaten auf dem Temeswarer Heldenfriedhof an der Lippaer Straße, die während der Besatzungszeit 1918/1919 im Banat verstorben sind.
Das in französischer Sprache abgefasste Memorandum der Banater Schwaben an die Pariser Friedenskonferenz
Dr. Stefan Frecot, der Delegationsleiter
Rückblick richt zu, die volle nationale Freiheit; das Recht der Minderheiten auf Vertretung in den gesetzgebenden Körperschaften und andere Rechte. Über die Zukunft des Banats war man sich nicht gleich einig geworden. Obwohl es mehrheitlich von Deutschen und Rumänen bewohnt war, wurde diese Provinz von den EntenteMächten nicht allein Rumänien zugesprochen. Die von Thomas Woodrow Wilson, dem damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten, propagierte These, dass sich die Neuordnung und Festlegung der Landesgrenzen nach dem Selbstbestimmungsrecht der Völker – auch der besiegten – zu richten habe, wurde nicht respektiert. Weil die Entente-Mächte das Banat auch Serbien versprochen hatten und man in Serbien fürchtete, dass Rumänien übervorteilt werden könnte, marschierten schon am 20. November 1918 serbische Truppen in Temeswar ein. Weil daraufhin die Rumänen drohten, die von Serben besetzten Gebiete mit Waffengewalt zurückzuerobern, wurden seitens der Entente französische – zum Großteil KolonialTruppen ins Banat verlegt, deren Hauptquartier sich im Temeswarer Lloyd-Palais befand. Sie sollten so lange bleiben, bis der Friedensvertrag unterzeichnet und damit das Schicksal der Provinz entschieden war. Auf dem Temeswarer Heldenfriedhof befinden sich Gräber von Soldaten der französischen Besatzungsarmee, die während dieser Zeit verstorben sind. Nachdem die ungarische Verwaltung zusammengebrochen war, wurden überall Nationalräte gebildet und in Budapest die Räterepublik unter Bela Kun ausgerufen. Nachdem sich schon rumänische Truppen in Siebenbürgen befanden, kämpften die Rumänen auch gegen die ungarische Räterepublik. Sie überschritten die Theiß und zogen schließlich siegreich in Budapest ein. Hier veranstalteten sie am 4. August 1919 eine Siegesparade. Die Großmächte waren gegen eine Besetzung von Budapest und zwangen schließlich Rumänien, seine Truppen aus der ungarischen Tiefebene zurückzuziehen.
Rückblick Das Schicksal des Banats blieb weiterhin ungewiss. Eine fünfköpfige, von Rechtsanwalt Dr. Stefan Frecot geleitete Delegation der Banater Schwaben machte sich im August 1919 auf die Reise nach Paris mit der Mission, der dort tagenden Friedenskonferenz ( 18. Januar 1919 – Juni 1920) ein Memorandum zu überreichen, das für ein ungeteiltes Banat unter der Oberhoheit Rumäniens plädierte. Doch der Beschluss der Siegermächte über die Teilung des Banats wurde nicht mehr abgeändert. Der Kompromissvorschlag der französischen Vertreter vom 13. März 1919, der die Dreiteilung der Provinz vorsah, wurde von der Friedenskonferenz angenommen und dann auch verwirklicht. So wurde Rumänien der größere östtlicheTeil (70% der Gesamtfläche) zugesprochen, Jugoslawien ( das Köngreich der Serben, Kroaten und Slowenen) erhielt 26% und Ungarn 4%. Nachdem im Separatfrieden mit Ungarn in Trianon am 4. Juni 1920 die vereinbarten Grenzen anerkannt wurden, blieben diese endgültig. Rumänien fielen 18.715 km² zu, 9.307 km² gingen an Jugoslawien und 271 km² verblieben bei Ungarn. Durch die Konvention von Belgrad vom 24. November 1923 wurden dann noch zwischen Rumänien und Jugoslawien einige kleinere Grenzbereinigungen vorgenommen, nach denen die Ortschaften Modosch und Kudritz an Jugoslawien gingen, Hatzfeld und Großscham hingegen an Rumänien. Nach der rumänischen Volkszählung von 1920 lebten im rumänischen Teil des Banats mit dem benachbarten Arader Komitat 1.310.962 Seelen, davon waren etwa 330.000 Deutsche. Es wird angenommen, dass im westlichen Banat, das Jugoslawien zugesprochen wurde, etwa 200.000 Deutsche lebten. Durch die Teilung des Banats wurden viele Ortschaften von ihren wirtschaftlichen Mittelpunkten getrennt, was für diese ein großer Nachteil bedeutete. Die deutsche Bevölkerung des Banats war zum Großteil gegen eine Teilung. Darüber und über andere Probleme, die die Neuziehung der Grenzen mit sich brachte,
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Das nach dem Ersten Weltkrieg auf drei Staaten aufgeteilte Banat, 1920
Altrumänien (Vechiul Regat) vor dem Ersten Weltkrieg 1914 gab Dr. Kaspar Muth am 18. August 1920 im Bukarester Parlament im Namen der Banater Deutschen folgende Erklärung ab: „Ich muss im Namen des Banater schwäbischen Volkes gegen die willkürliche Teilung Protest erheben. Das Banat bildet eine geschlossene wirtschaftliche und geographische Einheit. Sein Wege- und Eisenbahnnetz, sein Flusssystem sind einheitlich. Hier hat man den größeren Teil des Banats und unseres Volkskörpers als
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Großrumänien (Romania Mare) nach dem Ersten Weltkrieg und dem Trianoner Friedensvertrag 1920
Rumänien nach dem Zweiten Weltkrieg mit den inzwischen neu gebildeten Nachbarstaaten Die ersten rumänischen Offiziere am 3. August 1919 vor der Domkirche. Viele Temeswarer fragten sich, wie es wohl unter der neuen Herrschaft sein wird?
Rückblick zu Rumäien gehörig erklärt, so wäre es logisch und richtig gewesen, auch den anderen Teil an Rumänien anzuschließen. Die Stadt Temeswar, welche seit vielen Jahrhunderten das historische, wissenschaftliche und kulturelle Zentrum des Banats bildete, wird durch die Teilung des Banats von einem großen Teil ihres natürlichen Hinterlandes abgeschnitten und dieses Hinterland wieder verliert sein natürliches Wirtschafts- und Kulturzentrum. Die Banater deutsche Volksgruppe wurde durch die Teilung des Banats widerrechtlich in drei Teile auseinandergerissen. Diese Entscheidung geschah und konnte nur geschehen mit Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes der Banater Bevölkerung und ohne Inanspruchnahme einer Volksabstimmung. Gegen dieses Unrecht wird das schwäbische Volk stets ein lebender Protest sein.“ Es ist anzumerken, dass noch 1936 viele Dörfer der Banater Heide überwiegend deutsche Bevölkerung hatten, obwohl in den 17 Jahren seit dem Anschluss an Rumänien eine rumänische Zuwanderung stattfand. Selbst in der Hauptstadt Temeswar hielt sich der deutsche Anteil auf einem Drittel. Laut Volkszählung von 1930 betrug die Einwohnerzahl Temeswars 91.580, davon 27.807 Deutsche (30,4% der Gesamteinwohnerzahl). Der Anteil der anderen Bevölkerungsgruppen: 27.652 Ungarn ( 30,3%), 24.217 Rumänen ( 26,4%), 7.171 Juden ( 7,8%), 2.156 Serben, Kroaten, Slowenen ( 2,4%), 700 Russen (0,8%), 597 Slowaken und Tschechen (0,6%), 337 Zigeuner (0,4%), 257 Bulgaren (0,3%), 101 Polen ( 0,1%) und 585 andere Volkszugehörige (6,6%). Auch in den nächsten 6 Jahren veränderte sich die nationale Zusammensetzung der Temeswarer Bevölkerung nur unwesentlich. Nach dem Ende des Krieges 1918 kam es aber auch in Temeswar zu verschiedenen Auseinandersetzungen und Ereignissen. In den Aufzeichnungen meines Bruders Richard Weber werden sie „Turbulenzen der Jahre 1918-1919 in Temeswar“ betitelt. So wurde am
Rückblick 26. Oktober 1918, also noch vor Kriegsende, bei einer habsburgerfeindlichen Kundgebung in Temeswar die Statue des Generals Anton Freiherr von Scudier (im nach ihm benannten Scudier-Park) vom Sockel gestürzt. Einen Tag danach schlugen Demonstranten der Frauenstatue auf dem Denkmal der Treue den Kopf ab und an ihren Hals hing man eine Tafel mit der Aufschrift „Österreich ist tot“. Zu den zahlreichen Strömungen im Herbst 1918 zählte eine Autonomiebestrebung, dann wieder die Zustimmung für einen unabhängigen ungarischen Staat. Am 31. Oktober 1918 konstituierten sich Räte nach Nationalitäten und am 1. November 1918 wurde vom Balkon des Rathauses die Banater Republik ausgerufen. Dem allem setzte die am 3. Dezember 1918 eingetroffene französische Besatzungsarmee ein Ende. Sie war von der Entente hierher verlegt worden, um – wie schon erwähnt – die Ordnung aufrecht zu erhalten und besonders um die schon am 20. November 1918 ins Banat eingerückten Serben zu überwachen, damit es zu keiner Auseinandersetzung mit der rumänischen Armee kommt, die ebenfalls das Banat besetzen wollte. Die Franzosen waren zumeist Kolonialtruppen aus Marokko und Algier. Befehligt wurden sie von General Gambetta, der – wie man in Temeswar erzählte – auf den Tischen im Lloyd-Restaurant tanzte. Die Franzosen waren sehr anspruchsvoll, beschlagnahmten Gebäude, Internate und Schulen. In der Spiritusfabrik wollten sie Wohnungen räumen lassen, um ihre Pferde unterzubringen. Nachdem General Gambetta mit seiner Truppe nach Arad verlegt wurde, übernahm seine Stelle in Temeswar General Farett, dessen Besatzungstruppe aus 15.000 Soldaten bestand. Aufgrund des Friedensvertrages mussten die Serben den Rumänien zufallenden Teil räumen, wobei sie bei ihrem Abzug Wertsachen aus staatlichem und privatem Besitz wegschafften. Selbst Maschinen aus Fabriken sollten demontiert und mitgenommen werden. Aus der Temeswarer Zigarettenfabrik an
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Offizielle Begrüßung der rumänischen Soldaten auf dem Domplatz, der seither Platz der Vereinigung heißt. Reproduktion einer Illustration aus der seinerzeitigen rumänischen Presse Dr. Aurel Cosma, der erste rumänische Präfekt des Banats der rechten Bega-Zeile sollten die abmontierten Maschinen per Schiff auf der Bega nach Serbien transportiert werden. Um das zu verhindern, wurde in Costei das Wasser der Bega über die dortigen Schleusenanlagen durch den Verbindungskanal in die Temesch abgeleitet, so dass der Schiffsverkehr auf der Bega unterbunden und der Abtransport der Industrieanlagen verhindert wurde. Die serbische Besatzung Temeswars endete am 27. Juli 1919. Am 28. Juli 1919 übernahm der vom Rumänischen Regierungsrat (Consiliu Dirigent) in Hermannstadt ernannte Rechtsanwalt Dr. Aurel Cosma als erster rumänischer Präfekt die Verwaltung im Banat. Von Arad aus kommend, trafen die ersten rumänischen Soldaten am 2. August 1919 in Temeswar ein und ein Tag später fand auf dem Domplatz ein großes Begrüßungszeremoniell statt, an dem sich auch der damalige Bürgermeister Josef Geml beteiligte. Der Domplatz führt seit dann die offizielle
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Rückblick
Militärangehörige, darunter auch Billeder, in der Zeit des Ersten Weltkrieges. Foto: Archiv Bezeichnung Piata Unirii (Platz der Vereinigung). Infolge des Friedenvertrages von Trianon mit den Ungarn, des Friedensvertrages von Neuilly mit Bulgarien, der Eingliederung Bessarabiens und der Bukowina hat sich das Staatsgebiet Rumäniens mehr als verdoppelt und die Bevölkerungszahl hat sich verdreifacht. (In Altrumänien lebten 6 Millionen Menschen, im neuen Großrumänien 18 Millionen.) Das große Ziel, alle Rumänen in einem Staat zu vereinen, war nach dem Ersten Weltkrieg erreicht. Jedoch wurde dadurch Rumänien kein einheitlicher Nationalstaat, weil der Anteil der Nichtrumänen relativ hoch war. Welche Vor- und Nachteile die neuen Grenzen der deutschen Bevölkerung im Banat und im restlichen Teil des Landes brachten, welche neuen Probleme hinzukamen, hat der Verlauf der Geschichte gezeigt. Besonders die Nichtbeachtung vieler der Karlsburger Beschlüsse seitens des rumänischen Staates wirkte sich ungünstig auf die Entwicklung der nationalen Situation der Deutschen in der Zwischenkriegszeit aus.
Abschließend ist festzustellen, dass der Friedensvertrag von Trianon ein Diktat der Siegermächte war. Der aufgezwungene Friedensschluss nahm keine Rücksicht auf die Bevölkerung und deren Belange und ignorierte das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Quellen • Valentin, Anton: Die Banater Schwaben, München 1959 • Weresch, Dr. Hans: Banatia, Freiburg i.Br. 1976 • Marin, William: Kurze Geschichte der Banater Schwaben, Temeswar 1980 • HOG Temeschburg: Temeswar-Temeschburg, eine südosteuropäische Stadt im Zeitenwandel, Karlsruhe 1994 • Völkl, Ekkehard: Rumänien, Regensburg 1995 • Greffner, Dr. Otto: Das Banat und die Banater Schwaben, Weil am Rhein 1996 • Weber, Richard: Die Turbulenzen der Jahre 1918-1919 in Temeswar, Karlsruhe 2005 Bildmaterial aus dem Archiv von W. Weber
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Erlebnisse einer Zwangsarbeiterin
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Teil 2
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ie Sowjetunion verlangte von den von ihr besetzten Ländern Arbeitskräfte. Diese: Jugoslawien, Rumänien, Ungarn usw. lieferten ihnen ihre Volksdeutschen aus; Rumänien etwa 80.000. Überall wo wir hinkamen, wohin wir verschleppt wurden, sagte man uns, das hätten die Deutschen mit ihren Leuten auch gemacht. Vergebens erklärten wir ihnen, dass wir nicht aus Deutschland seien. Nur wenige verstanden dies. Wir wurden nach Russland zur Arbeit verschleppt, unsere Banater Landsleute wurden 1961 in der Baragan-Steppe auf freiem Feld „ausgesetzt“. So hat mancher Volksdeutsche bis zu 10 Jahre und mehr als Kriegsgefangener oder Deportierter verbracht. Es ging um Leben und Tod; Familien wurden auseinander gerissen Als sich die Gerüchte um mögliche Verschleppungen immer mehr verdichteten - es war inzwischen schon viel rumänisches Militär im Ort - versteckte ich mich abends bei anderen Verwandten, bei Hahns. Sie wohnten eine Straßenseite weiter. Es war schon fast Mitternacht, als es auf einmal an der Haustüre klopfte. Während der Hausherr zum Öffnen vorausging, liefen wir, die Jungen, durch das nächste Zimmer und die Küche in die angrenzenden Stallungen und wollten dort durch die Stalltür hinaus ins Dunkle. Vorne an der Haustür verhandelte unser Verwandter mit zwei Soldaten. Wir öffneten im Stall die Tür und standen einem Soldaten mit Gewehr gegenüber, der uns ins Haus zurückdrängte. Sogleich kamen die anderen Soldaten hinzu. Wir mussten unsere Ausweise zeigen und sie erklärten, dass wir sofort mitgehen müssten. Das war am 15.01.1945. Ich war vollkommen geschockt und sprach kaum mehr etwas. Man brachte uns in die Schule. Dort verbrachten wir mit noch anderen die Nacht. Von Schlaf war natürlich keine Rede. Meine Mutter brachte mir am Morgen etwas zum Essen.
Gleichzeitig brachte sie mir einen normalen groben, dichten Sack mit Lebensmitteln für die Fahrt, etwas Wäsche und ein paar Gegenstände, die ich mitnehmen sollte. Im Laufe des Tages wurden noch einige „Gefangene“ gebracht. Nachmittags mussten wir uns auf der Straße vor der Schule versammeln. Viele Landsleute, Soldaten und Gendarmerie umringten uns. Jemand sprach ein paar Worte. Dann gingen wir, eine Gruppe von etwa 20-25 Leuten - mit Bewachung an der Spitze und am Ende - durch die Straßen nach der Hauptgasse, rechts durch das ganze Dorf, Richtung Alexanderhausen. Alle Gefangenen trugen einen Sack oder Koffer. Meine Mutter ging mit mir, auch andere Frauen und Männer begleiteten ihre Angehörigen auf diesem schweren Weg. Wir waren die ersten von Billed, denen noch viele folgen sollten. Meine Mutter weinte still vor sich hin. Ich war wie erstarrt, ich konnte nicht weinen, aber auch nicht sprechen. Auf der Landstraße kam uns auf einmal ein Fuhrwerk entgegen mit einigen russischen Soldaten. Wir mussten anhalten. Zwei Russen nahmen einigen Leuten das Gepäck weg. Die Leute protestierten, aber auch die Begleitpersonen, die rumänischen Soldaten, konnten nichts machen. Die Russen waren schwer bewaffnet. Drei russische Soldaten umkreisten auf einmal mich, ich sollte auf ihren Wagen steigen und mitkommen. Meine Mutter war bei mir stehen geblieben und weinte laut. Ich weigerte mich und wehrte ab und sagte immer wieder „Nein, ich komme nicht mit“. Sie richteten ihre Gewehre auf mich und drohten. Als auch das nichts nutzte, sagten sie mir, „Du wirst es gut haben. Du brauchst nicht nach Russland und Deine Mutter darf auch mitkommen!“ „Wir erschießen Dich, wenn Du nicht kommst.“ Das waren die Aussagen der mich umstehenden Soldaten. - „Das wäre ein schnelles Ende“ - und „Russland überlebe ich
70 doch nicht.“, waren meine Gedanken. - Unsere Gruppe war inzwischen weitergegangen, samt rumänischen Soldaten. Während die Russen noch mit mir verhandelten, sah ich, dass bei unserer Gruppe ein großer Lkw mit Russen stehen geblieben war. Unsere Leute gestikulierten und wiesen auf uns hin. Dann kam der Lkw auf uns zugefahren. Es war offenbar eine Gruppe illegaler Russen, die mit mir verhandelten. Die legalen auf dem Lkw holten sie ein, holten das Gepäck vom Fuhrwerk herunter und gaben es den Leuten wieder zurück. Dann fuhren sie mit den anderen Russen davon. - Ich hatte mich gewehrt, weil ich keinen Sinn mehr sah, weiter zu leben. Ob ich hier sofort oder später in Russ land sterben sollte, war mir damals gleich. Ich konnte nicht weinen, nicht schreien. Ich war ganz ruhig, ich wehrte mich nur. 16.01.-17.01.1945. Wir zogen nun weiter nach Alexanderhausen und übernachteten wieder in der Schule auf dem Fußboden. Am nächsten Morgen wurden wir einzeln verhört und warteten dann auf den Weitertransport. Am 19.01.1945 ging es zu Fuß nach Perjamosch, einem Kreisvorort, wo wir spät abends im Dunkeln ankamen. Die Viehwaggons standen offen, bereit, uns wegzufahren. Am Bahnhof war eine große Menschenmenge versammelt aus vielen Orten hatte man die Leute hierhergebracht, um sie einzuladen. Hier in Perjamosch hätte ich irgendwie fliehen können. Es war ein großes Durcheinander, es war Nacht, Begleiter neben Gefangenen. Die Soldaten hatten sicher keine Übersicht mehr, wer zu welcher Gruppe gehörte. Aber wohin flüchten, zu wem? Wie geht es dann weiter, wer kommt an meine Stelle? Und die schwarzen, leeren Waggons warteten... Ist das wirklich wahr? Muss ich wirklich nach Russland? Was habe ich denn - was haben wir - verbrochen, dass wir das durchmachen müssen?! Wir waren listenmäßig erfasst. Es mussten ja alle Frauen zwischen 17 - 35 Jahren und Männer zwischen 17 - 45 Jahren zur Arbeit in die Sowjetunion - moderne Sklaverei. Es hat wohl
Rückblick schon immer Sklaven gegeben, nun waren wir an der Reihe. 20.01.1945: Etwa um Mitternacht wurden wir in die Waggons getrieben. Für wen war es schwerer - für die Gefangenen oder für die Daheimbleibenden? Was wird aus meiner Mutter? Eine letzte Umarmung, ein letzter Händedruck, ein letzter Blick. Im Waggon war es eisig. Wir platzierten uns, so gut wir konnten. Wir waren viel zu viele in einem Waggon, Frauen und Männer zusammen. Wie gut für die, die noch einen Familienangehörigen dabeihatten, denn unter den Deportierten waren auch Geschwister oder Vater mit Tochter oder Sohn. Aber so allein, hoffnungslos. In der Mitte des Waggons war eine Öffnung im Boden, das sollte das Klo werden. Nicht weit davon stand ein kleiner eiserner Ofen, aber es gab kein Brennmaterial. Das sollten wir unterwegs bekommen. - Ein letztes Rufen, Klagen, Schreien von überall, dann wurde die Waggontür zugeschlagen. Nun war es still und der Zug fuhr an. Wir wurden über Bukarest nach Cernauti gefahren, um dort in andere Waggons umzusteigen. In unserer Gruppe war auch eine Frau aus Amerika, die bei ihren Eltern im Banat einen Besuch gemacht hatte und die auch in die bestimmten Jahrgänge gehörte und gefangen genommen wurde. Sie hatte sich schon vorher überall beschwert, sie sei amerikanische Staatsbürgerin, man dürfe sie nicht mitnehmen und sie verlange, mit dem Konsulat zu sprechen. Da kam ein russischer Kommisar zu ihr und fragte sie ganz ruhig, ob sie Deutsche sei. „Ja, aber amerikanische Staatsbürgerin.“ Er fragte weiter: „Vater und Mutter sind auch Deutsche? Und die Großeltern auch?“ „Ja.“ „Dann sind Sie Arierin und müssen mit!“ Ich glaube aber, die Frau hatte Glück. Nach Bukarest habe ich nichts mehr von ihr gehört. Auch Männer, die in der kommunistischen Partei waren, zeigten vergeblich ihren Mitgliedsausweis, auch sie mussten mit. Rumänien hatte eine bestimmte Anzahl Arbeiter zu stellen - man sprach von 80.000, da musste die Anzahl erreicht werden. In Cernauti kauften sich viele noch mit rumä-
Rückblick
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Jahrgang 1927 in der 2. Klasse mit Lehrer Franz Höckl im Jahre 1936 Einsender: Angela Karl, geb. Scholz (Freilassing) nischem Geld Schnaps, er sei gut gegen Durchfall. Auch ich kaufte mir eine Flasche, obzwar ich noch nie Schnaps getrunken hatte. Rumänisches Geld wollte in Russland niemand haben. Nur nach Gold fragte man. Neben unserem stand noch ein Waggon mit Leuten aus Temeswar. Wir riefen uns zu, ein entfernt Verwandter namens Götter war auch dabei, ich kam aber nicht zum Fenster durch. Ein Bahnarbeiter aus Billed, ein großer, starker Mann, entsetzte sich so über alles, bekam Durchfall und starb nach einigen Tagen. Er war unser erster Toter. Beim nächsten Halt des Zuges wurde er von Soldaten hinaus in den Schnee gelegt. So geschah es auch mit den nächsten Toten. Zwischendurch, wenn der Zug mal stand, brachten uns die Soldaten einige Bretter, die sie von irgendwoher holten; so war es möglich, uns gelegentlich im kleinen Ofen ein Feuerchen zu machen. Denn es war sehr kalt, eisig. Wir waren doch fast drei Wochen unterwegs, bis wir an Ort und Stelle waren. Eines Nachts wachte ich mit starken Schmerzen auf und es war mir nicht möglich, mein linkes Bein zu bewegen, es war ganz steif. Es war wie eine Lähmung. Und als wir
wieder in einen anderen Waggon wechselten, trugen mich die Soldaten hinüber. Sie meldeten es weiter, man brachte mir Tabletten und nach einigen Tagen konnte ich das Bein wieder bewegen. Wir saßen und lagen im Waggon, so wie wir eben Platz hatten. Es war ja nicht möglich, sich viel zu bewegen. Etwas Warmes zum Essen gab es nicht. Hie und da wurde uns ein warmer Ceai-Tee gereicht, wenn der Zug hielt, hie und da gab es etwas Brot. Nach langer Zeit hielt der Zug endgültig. Nach langem Warten kam der Befehl: Alles aussteigen. Wir konnten erstmals unsere Beine bewegen. Es lag überall hoher Schnee, weit und breit kein Fahrzeug. Jeder musste sein Gepäck selbst tragen. Ich zog meinen Sack über die Schulter und wir marschierten angeblich 20 km - ich kann es nicht mehr genau sagen. Dann kamen wir in unserem ersten großen Mutterlager - in Stalino - an. Arbeitslager Stalino, 06.02.-08.04.1945: Wir wurden in einer riesig großen Halle untergebracht. Sie war unterteilt, überall standen Pritschen, Doppelbetten - neben -und übereinander. Bis sich das Lagerleben eingespielt hatte,
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Erste hl. Kommunion des Jahrgangs 1927 im Jahr 1936. Kaplan Nikolaus Wagner, Lehrer Franz Höckl. Einsender: Angela Karl, geb. Scholz (Freilassing) kümmerte sich ein russischer Kommissar nebenbei um unsere Gruppe. Er kam immer wieder, fragte uns nach allem aus. Er war aber sehr freundlich, besonders zu mir; so dass ich mich oft schlafend stellte, um nicht schon wieder von ihm ausgefragt zu werden. Wir mussten uns ja erst zurechtfinden, wussten ja nicht, was uns bevorstand. Nach einigen Tagen wurde ich zur Nachtschicht eingeteilt. Vor der Schicht, etwa um 23 Uhr, bekamen wir eine Portion kleine Silberfische, saure grüne Tomaten oder Gurken, 1 Scheibe Brot und Tee. Die meisten von uns bekamen Durchfall, auch ich. Wir wurden in Gruppen eingeteilt und mussten dann hinaus zur Arbeit, auch wenn es schneite. Es war ja Februar. Zuerst mussten wir Schutt wegräumen, d.h. große Steinhaufen von Schnee, Eis und Mörtel frei klopfen, die Steine dann mit Nasilkas (das sind Tragen mit 4 Griffen, an denen immer 2 Personen zusammen arbeiten) transportieren und an einem bestimmten Platz aufschichten. Wir standen und gingen im Schnee, die Füße waren bald nass und steif. Am Morgen wurden wir von der Morgenschicht abgelöst. Das gan-
ze Gelände war nachts stark beleuchtet. Das Klo war in der freien Natur, alles nass, kalt, die Hände eisig. Nur neben dem Lager waren noch Klos, wo man sich draufstellen musste. Erst nach einiger Zeit bekamen wir Arbeitshandschuhe. Oft hieß es, wir hätten die Norm nicht erfüllt und bekamen dann kein Brot. Hier in Stalino konnte man sich anmelden, um eventuell später an einem Russisch-Kurs teilzunehmen. Auch ich tat es, wir wurden aber kurze Zeit später in ein anderes Lager (Smoleanka) verlegt. Manche hatte viele Lebensmittel mitgebracht, die warfen oft das harte, schlechte Brot weg, das wir hier bekamen. Ich selbst hatte ja nur wenig Lebensmittel mitnehmen können, die waren nun aufgebraucht. So lebte ich nur von dem, was wir zugeteilt bekamen. - Es wurde immer schlimmer mit meinem Durchfall, bald folgten Schleim und Blut; dann kam Fieber dazu. Im Krankenrevier wurde man erst krank geschrieben, wenn man zur Zeit der Untersuchung 38° hatte. Endlich kam ich in die Krankenstation, ich hatte etwa 6 Wochen Durchfall gehabt, Fieber bis 40° und man
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Jahrgang 1927 in der 3. Volksschulklasse mit Lehrerin Olga Constantinovici im Jahr 1937. Einsender: Angela Karl, geb. Scholz (Freilassing) gab mich eigentlich schon auf, weil ich sehr schwach war. Doch ich erholte mich langsam wieder. Dann wurde ich wieder ins Lager entlassen, zur Nachtschicht. Mit dem Durchfall wurde es allmählich besser. Ich hatte ja von daheim nicht viel mitnehmen können, wir hatte doch auf der Flucht alles verloren. Auch Wäsche und Kleidung hatte ich wenig zum Wechseln. Mein Glück war ein mit Lammfell gefütterter grüner Stoffmantel. Der ließ mich zwar immer dick erscheinen, aber er hat mir mein Leben gerettet. Mein Vater hatte ihn mir Monate zuvor beim Schneider machen lassen. Er war noch so froh darüber gewesen, ein so schönes Lammfell gefunden zu haben. Dazu zog ich mir meine warme Trainingshose an und meine hohen braunen Sportschuhe. Als die Schuhe durchgelaufen waren, bekam ich die üblichen Stoffschuhe mit Holzsohlen, in denen wir Lappen um unsere Füße wickeln mussten. Im Schnee wurden sie aber immer nass und trockneten weder tagsüber noch bis zum nächsten Morgen. Erst sehr viel später bekamen wir Wattehosen und -jacken, also Bekleidung, wie sie auch die Russen trugen.
Wir lagen auf Holzpritschen, ohne Matratzen, ohne Kopfkissen (manche hatten sich welche mitgebracht). Ich lag auf einer braunen Decke, die mir eine Bekannte noch in Perjamosch mitgegeben hatte und deckte mich mit meinem Mantel zu. 08.04.1945-08.04.1946 Arbeitslager Smoleanka: Nach einigen Wochen mussten wir unsere Sachen packen und zu Fuß nach Smoleanka gehen. Es hieß, wir wären für ein Jahr dorthin verpflichtet. Smoleanka war eine Koks-chemische Fabrik. Unser Lager war einige Kilometer außerhalb der Fabrik gelegen. Etwa um 5 Uhr aufstehen, waschen (soweit Wasser vorhanden war). Dann in Marschkolonne (wir mussten immer antreten und abzählen!) über den Schlackenberg (alles schwarz, kein Gras, kein Grün, keine Blumen) hinein in das Fabrikgelände. Neben einem kleinen Schulgebäude lag unsere Küche mit Essraum. In der Schule lernten die Kinder auch Deutsch. Sie riefen uns oft einige Wörter zu und waren freundlich, und wir sprachen oft einige Sätze miteinander. Frühstück: Tee und Brot. Besteck mussten wir immer mitbringen. In Smoleanka bekamen
74 wir anfangs gutes Essen: Mittags Krautsuppe, sogar mit Kartoffeln, und abends wieder Suppe mit Brot. Die meisten bekamen 300-600 g Brot, nur wir - die Schwerarbeiter - erhielten 1 kg Brot. Es musste für den Tag reichen und eventuell für die Nacht, deshalb teilten wir uns das Brot gut ein. Wir hatten doch immer Hunger und schnippelten oft am Brot herum. Manchmal schmeckte es ganz gut, meistens war es feucht, klebrig, schwer oder hart. Leider dauerte die gute Lebensmittelversorgung nicht lange. Die Suppe wurde mit der Zeit immer dünner. Immer wieder - seit wir in Russland waren - sagte man nur: „Skoro domoj!“ (Bald nach Hause). Obzwar es doch unglaubhaft war, dass man uns nur irrtümlich oder nur für ganz kurze Zeit hierher gebracht hatte, so hielten diese zwei Worte unsere Hoffnung aufrecht. Wir in der Transportabteilung hatten einen sehr schlechten Natschalnik (Aufseher) und verdienten entweder gar keine oder nur wenige Rubel. Manchmal wollte man uns die Brotration kürzen, um noch mehr Leistung herauszupressen. Hie und da konnte ich mir zusätzlich etwas Öl (1/8 l) oder Milch (1/4 l) kaufen, auch manchmal einen kleinen auf dem Herd gebratenen Maisfladen. Eigentlich wollte ich mich auch einmal fotografieren lassen, wie es viele taten. Aber dann war es mir doch zu teuer und ich kaufte mir lieber ein Brot oder sonst etwas zum Essen. Ich wollte, wenn möglich, überleben, ich wollte nicht dort sterben. Abends, nach dem Essen, marschierten wir zurück ins Lager, matt, müde und hungrig. Dann begann das Waschen – wenn Wasser da war – und das Entlausen. Wir hatten alle Läuse, oft auch in den Haaren. Das Entlausen war unsere größte Freizeitbeschäftigung. Von Zeit zu Zeit wurden wir offiziell entlaust: In einem großen Raum mussten wir alles ausziehen, und unsere Wäsche und Anzüge wurden entlaust. Bis dahin konnten wir uns duschen und die Haare waschen. In einem kalten Raum warteten wir dann, bis wir unsere Sachen wieder bekamen. Anschließend mussten wir gleich mit noch feuchter Haut
Rückblick und nassen Haaren wieder zur Arbeit hinaus. Wir arbeiteten bis minus 35° C, die Russen bis minus 30 Grad Celsius. Mund, Nase und Augenbrauen waren von der Kälte angeraut, und so banden wir uns Tücher um Mund und Kopf. Wanzen krochen überall herum und an manchen Sonntagen, an denen wir nicht in der Fabrik arbeiteten, sorgte die Lagerleitung für Bewegung: Wir mussten alles hinaustragen, die Pritschen abwaschen, die Wände wurden getüncht usw. Aber es half nichts, das Ungeziefer war auch im Gras. Doch in Smoleanka wurden wir wenigstens gegen Pocken und Paratyphus geimpft. Im Lager Smoleanka hatten wir keine Strohsäcke. Wir lagen auf zweistöckigen Holzpritschen, sehr eng aneinander liegend. Ich hatte eine leichte Decke als Unterlage und deckte mich mit meinem Mantel zu. Am Kopfende lag der Sack mit meinen Habseligkeiten: Besteck, Topf zum Essen und Trinken, Wäschereste, Seife, Kamm. Ich stieg lieber in den oberen Stock, hoffte oben mehr Luft zu haben. Oft hatte ich auch das Gefühl, ersticken zu müssen an dieser ausweglosen Situation. Die wenigen Fenster konnte man nicht öffnen. Frische Luft kam nur durch die Tür herein, sommers wie winters. Das Licht brannte - einfache Glühbirnen - Tag und Nacht. In Smoleanka (und Makeevka) war unser Klo außerhalb des Lagers: Bretter, auf die man sich stellen musste, mit einem Loch in der Mitte. Die Klos wurden aber manchmal nicht geleert und waren dann so voll, dass man überall in Exkremente trat. Einmal rutschte ich so unglücklich aus und fiel in die Masse hinein, dass alles verschmiert war. Zum Glück funktionierte gerade die „Banja“, das Bad. Die ganze Bekleidung wurde hineingesteckt, auch die Kufaika (Wattejacke), und gereinigt. Ich musste warten, bis alles wieder trocken war. Hie und da wurden wir auch zur „Waldputzete“ (reine Arbeitsbeschaffung) eingesetzt. Es war ein weiter Weg und wir waren schon müde, als wir ankamen; zu Fuß ging‘s auch wieder
Rückblick zurück. 2 - 3 mal insgesamt war in Smoleanka auch „Kultura“ angesagt: Zu Fuß in eine kleine Stadt, wo ein Film vorgeführt wurde. Dort schliefen wir vor Müdigkeit ein und trabten dann wieder zurück ins Lager. Doch alle mussten mit, nur die Schwerkranken durften im Lager bleiben. Nichtteilnahme wurde mit Essensabzug oder sonst was bestraft. Die meisten von uns arbeiteten beim Schutträumen, wie schon zuvor in Stalino. Andere arbeiteten in der Kolchose; denen ging es am besten: Da kamen schon viele Kartoffeln nicht in die Erde, sondern wurden ins Lager gebracht. Und erst recht bei der Ernte: Da gab es Möhren, Rüben, Kartoffeln... Facharbeiter wie Elektriker, Schneider, Friseure etc. und manche besonders Begünstigte verdienten einige hundert Rubel, sie wurden gut bezahlt und manche, die noch nebenbei bei Offizieren und deren Anhängsel arbeiten konnten, verlangten an Lohn, was sie wollten. Sie hatten es natürlich leichter. Wir dagegen bekamen hie und da als Belohnung 2 Esslöffel Kascha (-Brei) mit ein Paar Tropfen Öl darauf; öfters erhielten wir auch geraspelte, angedünstete rote Rüben. Ich arbeitete mit noch drei oder vier Siebenbürger Sächsinnen und drei Banaterinnen in der „Transport-Abteilung“. Ein kleiner, agiler russischer Natschalnik, ich glaube, er hieß Hiero oder so, hatte uns ausgesucht. Manchmal arbeiteten wir dann auch mit einer russischen Frauen- und Männerbrigade zusammen. In der Holzhandlung: Bretter sortieren und transportieren, auch Holzstämme. Holzwaggons ausladen: Dies nur mit Hilfe der russischen Brigade. Beim Gleisbau: Schienenteile tragen, stapeln, verlegen usw., Waggons ein- und ausladen: Alle Arten von Kohle, feste und Staubkohle. Manche Waggons konnte man mit Nasilkas entladen, die meisten mussten mit Schaufeln geleert (selten beladen) werden. Ich konnte die Arme beim Schaufeln wechseln, also nach rechts und links schaufeln, das hat mir die Arbeit erleichtert. Es war auch gut, dass ich früher viel Sport getrieben hatte. Im Pech gearbeitet:
75 Das Pech wurde in flüssigem Zustand in große Bassins geleitet (großen Bade-Bassins ähnlich). Wenn es kalt und erstarrt war, wurde es mit Spitzhacken in möglichst großen Blöcken herausgebrochen. Das war deshalb wichtig, weil es beim Verladen dann größere Zwischenräume gab, so dass seitens der Aufseher eine Normerfüllung vorgetäuscht werden konnte, da nach Waggons gezählt wurde. Auch Holz oder andere Artikel mussten so eingeladen werden. Mit Nasilkas trugen wir die Pechklötze in die Waggons. An den Öffnungen der Waggons waren Bretter hingelegt, auf denen wir hinauf- und hinunterlaufen mussten. Die russischen Arbeiter machten uns aufmerksam, wir sollten von der Lagerleitung Schutzbrillen verlangen. Denn bei starkem Licht oder Sonne greift das Pech die Augen an; es kann zu brennenden, entzündeten Augen und vorübergehender Nachtblindheit führen. Leider bekamen wir die Brillen nicht immer, und wir hatten oft Beschwerden. Unsere Gesichter schwollen an und das Pech grub sich in die Falten ein, wenn die Schwellung zurückging. Oft konnten wir uns abends mangels Wasser nicht waschen - dann waren wir schwarz und faltig. Landsleute, die zu Besuch in unser Lager kamen, erkannten mich deshalb nicht; mein Gesicht war ganz haarig, runzelig und schwarz von Kohle und Pech. Wir selbst hatten von unserer Lagerleitung keine Erlaubnis, das Lager zu verlassen oder ein anderes Lager zu betreten; in anderen Lagern war die Regelung viel freier und leichter. Verstohlen bin ich auch mal auf den Basar gegangen. Die Bevölkerung in unserer Nähe war arm, lebte in kleinen Hütten und alles war vernachlässigt. Ihre Ziege oder Kuh mussten sie im Winter verkaufen, weil sie dann kein Futter mehr hatten. Dann versoffen sie das Geld und wieder war nichts da. In den Städten war es anders, aber da kamen wir nicht hin. Einige Male konnte ich mir etwas Milch und ein kleines Glas Öl kaufen. Die Bäuerin lebte in einem großen vernachlässigten Raum, kaum Möbel. Sie war aber sehr freundlich zu
76 uns, es ging ihr ja kaum besser als uns, doch sie war frei. Als ein Landsmann einmal einige Rubel verdient hatte, ging er auf den Basar und aß sich so richtig satt. Er hat es zu gut gemeint, er wurde sehr krank und starb kurz danach. Vielleicht zweimal hatte ich mir den Mut und die Kraft genommen, etwas weiter von unserem Lager entfernt in eine kleine russisch-orthodoxe Kirche zu gehen (Es war ja für uns alles verboten, aber wir riskierten es doch). Es war mehr ein Betraum als Kirche. Es war alles sehr armselig. Außer alten Frauen und Männern waren auch einige junge Leute da. Sie sangen mit schönen Stimmen ihre alten Lieder. Auch während meiner Arbeit mit unserer russischen Transportbrigade erlebten wir einmal etwas Besonderes. Während einer Pause fingen einige junge Frauen an zu singen, Kirchenlieder, und alle hörten ihnen zu. Nach einer Weile hörten sie auf und lachten, so als hätten sie nur zum Spott gesungen. Die jungen Frauen und Männer waren meist kräftig gebaut und hatten wunderschöne weiße Zähne. Die Russinnen trugen große Wolltücher um Kopf und Nacken geschlungen. Oft sah man alle Russen herumeilen mit rohen, grünen Tomaten oder Gurken, oder an gelben Rüben knabbernd. Ein anderes Mal sah man sie mit Sauerkraut in einer Schüssel. So konnte man sehen, welcher Lebensmittelsilo/-bau gerade aufgemacht wurde und was darin gelagert war. Ununterbrochen aber knackten sie Sonnenblumenkerne. Das ging so schnell! Mit der einen Hand warfen sie die Kerne in den Mund - dabei redeten sie auch noch, - und schon spuckten sie die leeren Hülsen aus. Wir versuchten es einmal vergeblich; das mussten wir lange üben. (Fortsetzung folgt)
Rückblick
Johann Slavik Nr. 468 kurz vor Kriegsende 1918. Foto: Archiv
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Für Angler bot der an der Sauerländer-Brücke zu einem Teich erweiterte Jer-Bach gute Fangmöglichkeiten für Weißfische wie Rotfeder, Rotaugen, Barsche, Karasse, Zwergwelse. Hechte konnte man mehr im rückwärtigen Teil fangen, wo sie versteckt auf Kleinfische lauerten. Aquarell unseres Heimatmalers Franz Ferch
Das Anglereldorado an den Billeder Gewässern
Wilhelm Weber
I
n zwei unserer Heimatblättern beschäftigte ich mich mit einem Thema, das mir als Naturfreund und Angler sehr am Herzen lag. Auch jetzt, nach gut 30 Jahren, muss ich eingestehen, dass die Fotos von den Billeder Gewässern in mir eine Sehnsucht und unvergessliche Erinnerungen an die schönen, erholsamen Stunden in freier, damals noch unzerstörter Natur wecken. Leider bestehen diese vielen, in ihren Uferzonen mit Schilfgürteln und Röhricht bewachsenen Teiche in der unmittelbaren Umgebung Billeds und im Großen Ried zwischen Billed und Knees nur noch auf Fotos und in meiner Erinnerung. Infolge der Kanalisierungsarbeiten am Jer-Bach und dem Warjascher Graben in den Jahre 1972 und 1973 wurden beide Bachläufe in vertiefte und enge Bachbette gezwängt und das Wasser aus allen ihnen entlang liegenden – meist sehr fischreichen – Teichen abgeleitet und so zum Austrocknen gebracht.
Naturfreunde, Jäger und Angler hatten ihre Freude an den zahlreichen Gewässern und fanden Erholung vom Alltag bei ihrem schönen und gesunden Zeitvertreib. Um zu verstehen, warum es gerade im Großen Ried noch so viele Teiche und Wasserstellen gab, muss in die Geschichte zurückgeblendet werden. Nachdem das unwirtliche und von großen Sumpfflächen bedeckte Banat von Prinz Eugen und seinen kaiserlich-österreichischen Truppen von der 164 Jahre währenden Türkenherrschaft rückerobert war und 1716 die damals türkische Festung Temeswar kapituliert hatte, wurde 1727 unter dem ersten Gouverneur des Banats Graf Mercy mit der Entsumpfung der „Großen Moräste“ begonnen. Durch ein weitverzweigtes, von Ing. Fremaut projektiertes Kanalsystem an der Bega konnten diese Entwässerungs- und Trockenlegungsarbeiten verbessert und ausgedehnt werden. Der im Laufe dieser
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Der rückwärtige Teil des Teiches an der Sauerländer-Brücke (1957)
Der Wasserspiegel der fischreichen RiedTeiche war oft der Erdoberfläche gleich, man brauchte Gummistiefel. (1968) .In meiner Freizeit verbrachte ich – oft auch schon frühmorgens – viele Stunden an diesen herrlichen Gewässern, die mir wie das Donaudelta vorkamen. Oft saß ich auch nur im Kahn, bewunderte diese Naturschönheiten, das Gezwitscher der Wasservögel, das durch die Bewegung der Wassertiere verursachte Plätschern. (Großes Ried 1968)
Rückblick wassertechnischen Arbeiten entstandene BegaKanal und sein Kanalsystem trugen wesentlich dazu bei, dass die meisten Sümpfe, die bis dann eine Besiedlung der Banater Heide nicht zuließen, trockengelegt wurden und damit die Besiedlung dieser entwässerten Heidelandschaft ermöglichte. So konnte in den Jahren 1765-66 unsere Heimatgemeinde Billed auf dem „praedium Billiet“ genannten Weidegrund erbaut und besiedelt werden. Die Sümpfe in Tälern und Bodensenken – wie die im Großen Ried – blieben zum Großteil erhalten. Erst die Kanalisierungsarbeiten an dem dieses Ried durchfließenden Jer-Bach ermöglichten 1972-73 die Trockenlegung der dort befindlichen Teiche und versumpften Stellen wie auch ein Absenken des sehr hoch liegenden Grundwasserspiegels. Wenn ich nach starken Regenfällen zum Angeln unten im Ried war, brauchte ich unbedingt Gummistiefel, weil an vielen Stellen das Grundwasser bis an die Erdoberfläche angestiegen war und auf gleicher Höhe mit dem Wasserspiegel der Teiche stand. Obwohl der vermutlich 1912 angelegte sogenannte „Walegrawe“ den Lauf des Jer-Baches vom Eichenwäldchen bis zur „Schließ“ begradigte, aber das ursprüngliche Bachbett nicht trockenlegte, verblieb dieses und bildete einen Altarm (Toter Arm) des Jer-Baches. Dieser Wasserarm schlängelte sich entlang eines Teils des östlichen Gemeinderandes an den Gartenenden der sich dort befindlichen Häuserreihe vorbei. Er verbreiterte sich dann auf der Hutweide zu einem U-förmigen Teich, der sich - je Wasserstand – auch bis zur Landstraße ausdehnte. Nachdem der sogenannte „Warjascher Graben“ die Gemeinde im Süden umfloss, unter der Eisenbahnbrücke und der Landstraßenbrücke hindurchfloss, mündetet er in diesen Teich auf der Hutweide. Dieser hatte mittels eines breiten Betonrohres an der ehemaligen Wassermühle eine Verbindung zum Hanfwasser, das sich bis zum Damm des „Walegrawes“ hinzog. Dem gegenüber bildete der sich verzweigende JerBach nach Osten fließend die „Schließ“ und
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Hier fing ich die meisten Hechte (1970) nach Norden das sogenannte „Hufeisen“, das in einem Bogen die „Schließ“ umrundete, um sich danach wieder zum Jer-Bach zu vereinigen ( früher auch Schwarzes Wasser) und östlich, Richtung Kleinbetschkerek, weiterzufließen. Mittels eines von Hand ausgehobenen Kanals hatte der Teich auf der Hutweide nach der „Schließ“ eine Verbindung mit dem Jer-Bach, den man auch „Marasch“ nannte. Sowohl der Altarm des Jer-Baches entlang der Gartenenden wie auch das „Hufeisen“ und besonders der damit verbundene „Potescher Lake“ bildeten ein ergiebiges Betätigungsfeld für Angler und Jäger. Die freie Wasseroberfläche des von Schilfgürteln und Röhricht umgebenen „Poteschen Lakens“ konnte man nur mit einem in Billed „Schinakel“ genannten Kahn erreichen, um angeln zu können. Wie in allen Billeder Gewässern fühlten sich auch hier Hechte, Karpfen, Karauschen, Giebel (Karasse), Schleien, Barsche, Zwergwelse, Rotfedern,
Rotaugen (Plötzen) wie auch verschiedene Arten von Wildenten, Bisamratten, Fischotter und anderes Wasser- und Sumpfgetier in ihrem Element. Am Jer-Bach, wo dieser beiderseits der Sauerländer-Brücke zu Teichen verbreitert war, standen Fischreiher im seichten Uferwasser, fingen Fische und Frösche. Neben dem schon erwähnten gefiederten Wild war es am interessantesten, den sich im Wasser tummelnden Bisamratten und dem Spiel ihrer Jungen zuzusehen, ohne dass diese sich vor dem Menschen fürchteten, da er ihnen nicht zu nahe kam. Diese friedliche Idylle veränderte sich, als die Felle dieser Tiere bei den staatlichen Aufkaufsstellen DCA gut bezahlt wurden. Damen-Mäntel und -Jacken aus Bisamfell wurden zu Modeartikeln. So begann eine Hetzjagd auf diese Tiere und viele von auswärts kommende Jäger füllten sich ihre Rucksäcke mit den von ihnen erlegten Bisamratten. Und so plötzlich wie die Bisamratten an unseren Gewässern auf-
80 Der Jer-Bach zwischen Billed und Knees mit den beangelbaren Teichen in der Umgebung Billeds und im Großen Ried vor den Kanalisierungsarbeiten, die 1972 begannen. (1970)
Die drei ersten in Billed gefangenen Hechte nach der Baragan-Deportation ( Sept. 1956)
Rückblick getaucht waren, so schnell sind sie auch wieder verschwunden bzw. ausgerottet worden. Ich erinnere mich noch genau an eine Begegnung mit dem damaligen Nachtwächter der KollektivGärtnerei Kiraly. Der war auch Jäger und hatte morgens, als er aus seiner Nachtschicht kam und ich mit dem Fahrrad zum Angeln fuhr, seinen Rucksack mit erlegten Bisamratten vollgestopft. Ähnlich wie die Bisamratten verschwanden auch die Fischotter. Nicht nur im Jer-Bach, wo meistens mit verbotenen Reusen gefischt wurde, in den letzten Jahren auch keine Hebnetze mehr zugelassen waren, sondern auch in den fischreichen Teichen bis hinunter ins Große Ried wurde von autorisierten Anglern, aber noch viel mehr von Schwarzanglern geangelt. Nachdem dieser Fischreichtum bei den Temeswarer Anglern bekannt wurde, kamen diese mit Motorrädern, Autos und per Eisenbahn massenweise an unsere Gewässer, zerstörten rücksichtslos die an den Uferzonen wachsenden Schilfgürteln und trampelten das Röhricht nieder, um so überall und leichter ans freie Wasser zu gelangen. Unverantwortliche Elemente stahlen mehrmals die Bretter und Bohlen der Weingärten-Brücke im Großen Ried. Für den mit einfachem Angelgerät – der sogenannten Stippangel – Fischenden bildeten Karauschen, Giebel (Karasse), Rotfedern, Rotaugen (Plötzen), kleinere Barsche, gefräßige Kaulbarsche und der immer beißlustige Sonnenbarsch eine ergiebige Beute. Zu einer gewissen Zeit tauchten auch Zwergwelse in den Gewässern auf. Für die mit technisch entwickelteren Geräten Angelnden bildeten Hechte den Hauptteil ihrer Beute. Zuletzt angelte ich mit hochwertigen Angelgeräten DAM (Deutsche Angelgeräte Manufaktur) aus Gunzenhausen und Berlin, mit Stationärrollen, Vollglas- und Hohlglasruten, Kunstfaserschnüren usw. Das sogenannte Spinnangeln mit solchen Angelgeräten auf den räuberischen Hecht bildete für mich den interessantesten und erholsamsten Zeitvertreib, obwohl man dabei immer in Bewegung war. Erlebnisse, dass ein Hecht wie ein Torpedo aus
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Foto links: Anglerglück im Großen Ried 1970: 6 Hechte an einem Tag! Foto Mitte: Manchmal musste man auch nur mit einem Hecht zufrieden sein. (1957) Foto rechts: Die 3 Jahre alte Tochter Grete fürchtete sich nicht vor dem ansehnlichen Hecht. (1957) Foto unten links: Der kapitalste Hecht von 6 ½ Kilo, 1970 aus dem Kahn im hinteren Teil des Teiches an der Sauerländer-Brücke geangelt. Foto unten rechts: Drei Anglerkollegen an der Sauerländer-Brücke v. l.: Pfarrer I. Perian, Lehrer W. Weber und Lehrer I. Ardelean (1958)
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Der „Walegrawe“ und dessen Mündung in die „Schließ“, wo eine Schülergruppe unter der Aufsicht des Lehrers Wilhelm Weber badet. (1957) dem Schilfdickicht schießt und auf den vor ihm durchs Wasser geführten taumelnden Blinker oder Spinner, der ihm ein krankes Fischlein vortäuscht, zubeißt und dadurch an dem Drillingshaken (dreifacher Angelhaken) hängenbleibt, kann man kaum vergessen. So was bildet die Faszination am Angeln. Gute Ergebnisse waren auch mit dem sogenannten System mit totem Köderfisch und beim Posenangeln mit lebendem Köderfisch zu erreichen. Fangerfolge waren außer vom geeigneten Angelgerät auch vom jeweiligen Wetter, von der Jahres- und Tageszeit abhängig. Der Angler musste sich darauf einstellen und – wie überall – spielte auch die Erfahrung eine Rolle. Nach den Kanalisierungsarbeiten und der Trockenlegung der Teiche musste man mit dem Angeln aufhören, weil es kein Angelgewässer mehr gab. Diese Entwässerungsarbeiten sind auf Anregung der damaligen Kollektivwirtschaftsleitung und vor allem auf Bemühen und Betreiben des Chefingenieurs Geambazu in die Wege geleitet worden. Weil die Wirtschaftserfolge der Kol-
lektivwirtschaft im steten Fallen waren, meinte man, dass sich dann, wenn man mehr Ackerland hat, die landwirtschaftlichen Erträge vermehren. Dem war aber nicht so. Brauchbares Ackerland wurde damit nicht gewonnen, denn nach jedem ergiebigeren Regen füllten sich die ehemaligen Teiche mit Wasser und, wenn es auch verdunstete, blieb der Boden doch aufgeweicht und verhinderte so seine Bearbeitung. Jetzt, wo es die Kollektivwirtschaft nicht mehr gibt und kaum noch jemand an diesen entwässerten Flächen Interesse hat, könnte es möglich sein, dass sich die Natur das zurückholt, was man ihr vor mehr als 30 Jahren genommen hat, und sich renaturiert, wo sie damals geschändet und vernichtet wurde. Traurig stimmt es mich, sollte es sich so zutragen, dass andere Leute und Generationen davon profitieren und wir der Umstände halber diese Naturschönheiten auf ehemals heimatlichem Boden nicht mehr genießen können. Bildmaterial – aus dem Archiv von W. Weber
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Die Gräber schweigen
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Berichte von der blutigsten Grenze Europas Ein neues Buch von Johann Steiner
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enn sich die Sonne in den 1970er und 1980er Jahren im Westen neigte, haben viele rumänische Staatsbürger, aber auch manch ein Deutscher aus der DDR, die Flucht über die Westgrenze Rumäniens gewagt. Stacheldraht und Wasser, die Donau, Schießbefehl und Folter haben sie nicht abgeschreckt. Der Drang nach Freiheit war so groß, dass sie ihr Leben riskierten. Die knapp 1000 km lange Westgrenze Rumäniens ist in den 1980er Jahren zur blutigsten in Europa geworden. Vermutlich sind an dieser Grenze mehr Menschen ums Leben gekommen als an der innerdeutschen. Doch das ist unbekannt. Denn von den Untaten der Soldaten an der Grenze zu Ungarn und Jugoslawien hat nur selten ein Journalist berichtet. Rumänien war ausschließlich von kommunistischen Staaten umgeben. Selbst die Presse im relativ liberalen Jugoslawien musste auf die Befindlichkeiten des nördlichen Nachbarn Rücksicht nehmen. 17 Jahre nach dem Sturz des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu sind die Gräueltaten an diesem Teil des Eisernen Vorhangs unbekannt. Die Archive sind noch immer unzugänglich, die Behörden verhindern Recherchen. Zeugen oder Familienangehörige von Ermordeten, die in Rumänien leben, wollen nicht sprechen. Einfacher hingegen ist die Recherche in Deutschland, wo viele der Flüchtlinge oder deren Angehörige leben. Ein Teil von ihnen kommt in diesem Buch zu Wort. Der Band ist ein Versuch, ein wenig Licht in dieses dunkle Kapitel europäischer Geschichte zu bringen. Denn Ceausescus Grenzer haben willkürlich geschossen, sie haben gefasste Flüchtlinge totgeprügelt, in der Donau ertränkt oder mit Schnellbooten überfahren. Viele Opfer sind am serbischen Donau-Ufer begraben worden, wo es auf jedem Friedhof wenigstens
eine Reihe von Gräbern gibt, in denen Opfer des unmenschlichen Grenzregimes ihre letzte Ruhe gefunden haben. Auf den inzwischen verfaulten Holzkreuzen stand einst auf Serbisch: „Name unbekannt“. Auch der Billeder Hans Wolz ist wahrscheinlich an dieser Grenze ums Leben gekommen. Dieses Buch berichtet aber nicht nur von Mord, Totschlag und Folter, sondern auch von Erfolgen. Flüchtlinge haben sich stets etwas einfallen lassen, nicht nur jene, die die innerdeutsche Grenze überwinden wollten. Zu Wort kommen Deutsche, sowohl aus dem Banat als auch aus Siebenbürgen, Rumänen und Ungarn. Auch dem Zigeunerkönig von Hermannstadt ist eine Geschichte gewidmet. Grenzen haben die Länder Europas getrennt, sie fallen der Reihe nach oder verlieren immer mehr an Bedeutung, was die Herausgeber in diesem Buch beweisen: Doina Magheti und Johann Steiner legen darin die Ergebnisse langer Recherchen vor, ihre Gespräche mit Menschen in Rumänien und mit Grenzgängern in Deutschland als eine grenzüberschreitende Arbeit. Doina Magheti war in Rumänien unterwegs, Johann Steiner in Deutschland und Serbien. Und das Buch war noch nicht im Handel, da wurden schon Rufe nach einem zweiten Band laut. Er wird kommen. In Vorbereitung ist bereits eine Übersetzung ins Rumänische. Mit dem Band „Die Gräber schweigen“legt Johann Steiner sein drittes Buch vor, nach „Handball- Geschichte(n)“ und „Hansi Schmidt. Weltklasse auf der Königsposition“. Aus Billed, das 1940 noch mehr als 3600 deutsche Einwohner hatte, sind von 1969 bis 1989 laut Herbst-Statistik 95 Personen ohne Wiederkehr über die Grenze: 27 sind nach Besuchsreisen im Westen geblieben, 13 sind
84 mittels des kleinen Grenzverkehrs über Jugoslawien in den Westen geflüchtet, über Jugoslawien und Ungarn sind 55 geflohen... Verschwunden: Hans Wolz Es gibt keinen Friedhof am serbischen Donauufer, auf dem nicht rumänische Staatsbürger bestattet sind. Es sind Grenzgänger, die in der Zeit des Kommunismus auf der Flucht aus Rumänien ums Leben gekommen sind, entweder ertrunken oder von rumänischen Grenzern ertränkt, erschossen oder mit Schnellbooten absichtlich überfahren. Manch einer hat im Winter das serbische Ufer schwimmend erreicht und ist erfroren. Ein serbischer Grenzer begrüßt eines Tages einen Siebenbürger Sachsen nach dem Durchschwimmen der Donau mit den Worten: „Ihr Rumänen seid verrückt. Geht und schaut euch einmal auf den Friedhöfen um, wie viele Tote dort begraben sind.“ Ein Beispiel ist der Friedhof von Novi Sip, ein Ort im Nationalpark Eisernes Tor, der nach dem Bau der Staumauer am Durchbruch der Donau durch die Karpaten in den 1970er Jahren neu angelegt wurde. Bei einem Besuch Anfang 1990 habe ich an den Gräbern jener rund 35 Männer gestanden, deren Leichen in 19 Jahren ans serbische Ufer bei Novi Sip geschwemmt wurden. Sie haben die Freiheit gesucht, sind jedoch ums Leben gekommen. Kein Pfarrer und kein Angehöriger hat am Grab dieser Unbekannten gestanden. Wie viele tote Grenzgänger auf dem Friedhof des in den Fluten des Stausees am Eisernen Tor untergegangenen alten Sip begraben sind, weiß keiner. Die Toten von Novi Sip sind Opfer der gestürzten kommunistischen Diktatur in Rumänien. Identifiziert werden sie wohl nie. Fotografiert wurden die Leichen nicht – und die Gräber schweigen. Auch auf der rumänischen Seite liegen Grenzgänger begraben und zwar auf dem Orschowaer Friedhof auf der Sternwaldwiese. Die Kreuze mit der Aufschrift „Unbekannt“
Rückblick sind inzwischen verschwunden, die kleine Schlucht, in der die Ermordeten liegen, ist mit Müll verfüllt worden. Für die geknechteten Rumänen war Jugoslawien das Tor zur Freiheit – oder zur Hölle. Wer serbischen Boden betreten hatte, war noch lange nicht frei. Tausende haben die Sperranlagen überwunden, Tausende sind über die Donau geschwommen oder gerudert: Rumänen, Ungarn, Deutsche, Zigeuner, Serben. Viele von ihnen leben längst als freie Menschen im Westen. Aber für einen Großteil von ihnen wurde das Freiheitstor zur Todesfalle. Die Serben haben auch Tausende Flüchtlinge entsprechend einer bilateralen Vereinbarung an Rumänien ausgeliefert. Für sie hat die Hölle an der Grenze mit Prügel und Folter begonnen. Die an der Donau Bestatteten sind nur ein Teil der Opfer an der rumänischen Westgrenze. An der grünen Grenze haben ebenfalls viele Menschen ihr Leben verloren. Manch einer soll direkt an der Grenze verscharrt worden sein. Was an der innerdeutschen Grenze geschehen ist, dürfte weitgehend geklärt sein. Wie die private Initiative „Arbeitsgemeinschaft 13. August“ ermittelt hat, sind von 1946 bis 1989 an der Grenze 1008 Personen ums Leben gekommen. Dazu zählen auch Unfälle und Selbstmorde, ferner Todesfälle, wenn die Flucht über ein anderes Land - wie beispielsweise Rumänien oder Bulgarien erfolgen sollte. 270 Personen sind durch Gewalteinwirkung an der Berliner Mauer getötet worden. Die innerdeutsche Grenze galt als die gefährlichste überhaupt, weil sie die am besten gesicherte im kommunistischen Lager war. Mehr als 1000 Tote – das ist eine hohe Zahl. Die rumänische Grenze war nach der innerdeutschen die wohl am besten bewachte im Ostblock, vor allem der Abschnitt im Südwesten zu Jugoslawien. Dort haben besonders viele die Flucht gewagt, weil sie ab Mitte der 1950er Jahre nicht mehr vermint war und Selbstschussanlagen fehlten. Wie viele Tote es dort gegeben hat, ist unbe-
Rückblick kannt, vielleicht sogar mehr als an der innerdeutschen Grenze. Über dieses dunkle Kapitel der kommunistischen Vergangenheit in Rumänien ist wenig veröffentlicht worden. Dazu gehört das viersprachige Buch „Die Grenze“ der Temeswarer Schriftstellerin und Journalistin Doina Magheti, Mitherausgeberin dieses Buches, die sich mit dem Thema seit dem Fall des Kommunismus in Rumänien beschäftigt. Eigene Erlebnisse, einschließlich Foltermethoden, schildert der aus dem Banater Wiesenhaid stammende Journalist und Schriftsteller Siegfried Chambre in seinem autobiographischen Roman „Auf und davon oder Der Traum vom Roten Flugzeug“. Wie auch Unschuldige zu Grenzgängern gestempelt wurden und was sie in Gefängnissen erwartete, beschreibt der aus Großkomlosch stammende Journalist und Schriftsteller William Totok in seinem Buch „Die Zwänge der Erinnerung. Aufzeichnungen aus Rumänien“. Über seine Flucht aus Rumänien berichtet Ludwig Höcher aus Dognatschka im Banater Bergland in dem Band „Seitenwechsel mit Schicksalskorrekturen. Die seltsamen und abenteuerlichen Erlebnisse in einer bewegten Zeit des 20. Jahrhunderts“. Der Kronstädter Karl-Rudolf Brandsch beschreibt seinen Fluchtversuch ebenfalls in einem Buch; gegenwärtig verarbeitet der Temeswarer Schriftsteller Daniel Vighi seine Erfahrungen literarisch, die er binnen weniger Wochen während seiner Studentenzeit Mitte der 1970er Jahre an der grünen Grenze gesammelt hat. Es gibt bisher lediglich eine veröffentlichte Statistik über illegale Grenzübertritte zur Zeit des Kommunismus.Sie ist zu finden in einem Referat, das Doina Magheti für die Gesellschaft für Bürgerrechte von Marmarosch-Siget verfasst hat. Diese Statistik stützt sich auf Zahlen, die ihr offiziell zur Verfügung gestellt wurden. Den Angaben zufolge sollen binnen 10 Jahren (1980-89) rund 16.000 rumänische Staatsbürger versucht haben, über die Westgrenze zu fliehen, davon sollen 12.000 gefasst worden sein.
85 Nach intensiven dokumentarischen Untersuchungen hat Dr. Stelian Mandrut, Hauptmitarbeiter am Institut für Geschichte in Klausenburg, nur die Beiträge von Doina Magheti in der historischen Bibliographie Rumäniens nach 1989 gefunden.Mandrut hat in zweiwöchiger intensiver Recherche für dieses Buch eine Liste mit den Namen von mehr als hundert Geflüchteten zusammengestellt. Sie sind Sammelbuch-Enzyklopädien entnommen. Dazu gehört die Publikationsreihe „Wo sind die, die nicht mehr sind? Katalog der in kommunistischen Gefängnissen Ermordeten“, in der die Namen der Opfer alphabetisch genannt werden, ferner die inzwischen bis zum Buchstaben R gewachsene Reihe „Die Opfer des kommunistischen Terrors“ von Cicerone Ionitoiu.Es ist fast nichts über Mord und Totschlag an der rumänischen Westgrenze dokumentiert: Grenzsoldaten und ihre Vorgesetzten führten den Schussbefehl gnadenlos aus; sie prügelten die gestellten Grenzgänger mit Gewehrkolben und Gummiknüppeln, manchmal auch bis zum Tod. Es war Methode, nicht die Klügsten einzusetzen an der 994 km langen Westgrenze – 448 km zu Ungarn und 546 km zu Serbien, davon 290 km Donauverlauf. Diese Gräueltaten der Grenztruppen, die dem Geheimdienst Securitate unterstellt waren, sind auch deshalb weitgehend unbekannt, weil Rumänien – zum Unterschied von der DDR – ausschließlich von kommunistischen Staaten umgeben war. Selbst im etwas liberaleren Jugoslawien hatte die Presse unter Tito Rücksicht auf die Nachbarn und ihre Befindlichkeiten zu nehmen. Über Mord und Totschlag an dieser Grenze konnte kaum einer berichten. Auch heute sind die Archive in Rumänien für Recherchen dieser Art unzugänglich. Das hat im Sommer 2007 die Societetea Timisoara (Gesellschaft Timisoara) erfahren, die sich vorgenommen hat, die Schandtaten des Kommunismus aufzudecken und die dafür Verantwortlichen anzuzeigen und anzuklagen. Im Frühjahr 2007 hat sie begonnen, in
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Letzter Schultag der 4. Klasse am 4. Juni 1960. Lehrerin Anna Divo (verstorben am 16. März 1982) hat die 28 Schüler des Jahrgangs 1949 von der 1. bis zur 4. Klasse unterrichtet. Die Grundschule beendet haben: Untere Reihe v.l.n.r. : M. Balla, K. Pitzer, J. Mirsch, K. Schönberger, Lehrerin A. Divo, E. Slavik, R. Werle, E. Schulz, M. Nagy. Mittlere Reihe: M. Nartea, S. Guiu, A. Mumper, M. Ortinau, R. Simion, J. Slavik, M. Pritz, J. Hipp, A. Schiller, A. Reichel. Obere Reihe: H. Haupt, M. Hahn, K. Jobba, G. Karl, A. Schwarz, J. Mann, E. Welter, J. Gehl, E. Mann, M. Mutter .Eins. M. Weber (Divo) den Archiven des Geheimdienstes Securitate und der Militärstaatsanwaltschaft Beweise zu suchen für diese Verbrechen, die bis zum Sturz Ceausescus (1989) im Grenzabschnitt Hatzfeld begangen wurden. Bis zum Herbst 2007 sollten Ergebnisse vorliegen. Das Vorhaben ist gescheitert: „Die Ergebnisse unserer Nachforschungen sind regelrecht entmutigend“, schreibt der Vizepräsident der Societatea Timisoara, Doru Botoiu. Er nennt die Gründe: Die Archive sind verstreut, ein guter Teil der Unterlagen wurde zerstört, sogar legal, und zwar wegen angeblichen Raummangels in den Archiven. Die Taten sind nach 15 Jahren verjährt. Die Informationsquellen sind uneinsehbar; Behörden verhindern Nachforschungen auf verschiedene Weise. Doch das Überra-
schende ist, dass fast keins der Opfer über sein Schicksal sprechen will. Die Ursachen sind vielfältig und komplex, aber die Hauptursache ihr Überdruss. Die meisten wollen ganz einfach vergessen. Ich selbst habe ähnliche Erfahrungen gemacht, doch ich hatte es anscheinend leichter mit meinen Recherchen, weil meine Gesprächspartner in Deutschland leben. Weil über Flucht, Schießbefehl, Folter, Totschlag und Mord an der rumänischen Grenze sehr wenig erschienen ist, stellt dieses Buch den Versuch dar, ein wenig Licht in all das zu bringen, was an der gutbewachten Westgrenze Rumäniens in der Zeit des Kommunismus geschehen ist. Es kommen Leute zu Wort, denen die Flucht gelungen ist, aber auch Geschla-
Rückblick gene, Gefolterte und Erniedrigte. Inzwischen muss bezweifelt werden, dass jemals annähernd aufgeklärt werden kann, was an Grausamkeiten an der Grenze und danach in den Gefängnissen geschehen ist. Wer 1944 auf der Flucht vor den Sowjets, aber auch in den darauffolgenden Jahren in die Hände der Partisanen in Jugoslawien fällt – egal ob Deutscher oder Rumäne – findet meistens in den Vernichtungslagern Titos den Tod, in denen all die Jugoslawien-Deutschen festgehalten werden, denen die Flucht vor dem Einmarsch der Sowjetarmee nicht gelungen ist. Zu den ersten Fluchtopfern, die der Klausenburger Historiker Dr. Stelian Mandrut in rumänischen Verzeichnissen gefunden hat, gehören Hans Bohn (geb. 1910) und Jani Braun (1904) aus der Banater Gemeinde Billed. Serbische Partisanen haben sie auf der Flucht abgefangen und am 28. Okt. 1944 in Großbetschkerek erschossen. Aus der Gemeinde Billed, die 1940 noch mehr als 3.600 deutsche Einwohner hatte, sind von 1969 bis 1989, so eine Statistik von Josef Herbst von der Heimatortsgemeinschaft, 95 Personen über die Grenze in den Westen geflüchtet oder nach Besuchsreisen im Westen geblieben: In Deutschland geblieben sind 27 Personen, 13 haben Jugoslawien-Besuche innerhalb des sogenannten kleinen Grenzverkehrs zur Flucht nach Deutschland genutzt und über Jugoslawien und Ungarn sind 55 geflohen. Nach Fluchtversuchen verurteilt wurden 8 Billeder, einer wegen Fluchthilfe. Vermisst wird seit 1960 Hans Wolz. Nachdem bekannt worden war, dass Jugoslawien keine Deutschen aus Rumänien mehr zurückschickt, ist die Flüchtlingszahl sprungartig gestiegen: Die Billeder Statistik verzeichnet für 1975 und 1976 keine Flucht, 1977 fliehen 2 Personen, ein Jahr darauf 11, 1979 schon 15; 1980 sinkt die Zahl auf 10, 1981 steigt sie auf 20. Danach sinkt sie rapide, weil sich inzwischen immer mehr
87 Rumäniendeutsche mit DM und US-Dollar freikaufen und dadurch das hohe Risiko, erschossen zu werden, vermeiden können. 1982 und 1983 fliehen je 4 Billeder, ein Jahr darauf 6, 1985 einer, in den 3 folgenden Jahren je 2 und 1989 waren es 9. Anfang der 1960er Jahre verschwindet aus der Großgemeinde Billed Hans Wolz. Seine Mutter und die Schwester wissen nicht, was mit ihm geschehen ist. Sie können nur vermuten, dass er ums Leben gekommen ist beim Versuch, seinen Traum von der Flucht in die Freiheit zu verwirklichen. Von dem am 1. April 1935 in Billed geborenen Wolz fehlt auch heute jede Spur. Wie Grete Lenhardt, seine Schwester, sagt, hat die Securitate sie zusammen mit ihrer Mutter kurze Zeit nach dem Verschwinden des Bruders vorgeladen, um herauszufinden, was die beiden Frauen wissen. Weil sie ahnungslos waren, hat die Securitate sie danach in Ruhe gelassen. Vielleicht gehört Hans Wolz zu jenen, die an der grünen Grenze zu Jugoslawien oder in der Donau ums Leben gekommen sind. Vielleicht ist er aber auch erschossen worden, ein Fall also, der wahrscheinlich nie aufgeklärt wird. Hermine Breitenbach: Der Fluchthelfer von Possessena „Tut es nicht.“ Hermine Breitenbachs Tante kniet vor der Nichte und versucht, sie und ihren Mann von ihrem Fluchtvorhaben in letzter Minute abzuhalten. Das hohe Risiko lohne sich nicht, sagt die aus Deutschland zu Besuch gekommene Tante. Das Abenteuer Flucht über die Donau sei viel zu gefährlich. Doch Hermine und Jakob „Buck“ Breitenbach - beide Jahrgang 1950, sie stammt aus Guttenbrunn, er aus Billed im Banat - lassen sich von dem Vorhaben durch nichts mehr abbringen. Freunde und Bekannte, Nachbarn und Arbeitskollegen verlassen inzwischen scharenweise das Banat. Das Ausreisefieber grassiert 1981 nicht nur in
88 den westlichen Teilen Rumäniens. Es hat auch andere Landesteile, und schon seit langem die Breitenbachs erfasst. Bekannte haben ihnen den Weg zum richtigen Fluchthelfer geebnet. Es ist ein Serbe aus Possessena (Pojejena). Vor den Breitenbachs hat er schon wenigstens drei Dutzend Leuten zur Flucht über die Donau verholfen. Auch sein Sohn ist Fluchthelfer, doch der hält sich etwas zurück, er hat wohl etwas Angst. Hermine Breitenbach beschreibt ihren Fluchthelfer, der inzwischen gestorben ist, als einen großen, nervösen Mann, der wohl absichtlich ungepflegt in Erscheinung tritt. Als Hermine ihn im März 1981 zum ersten Mal sieht, sagt sie nur, „Oh, Gott, mit diesem Mann sollen wir durchbrennen“. Hermine will von dem Mann wissen, was sie anziehen sollte, denn es könnte sein, dass das Schlauchboot kentert. Darüber brauche sie sich keine Gedanken zu machen, meint der Fluchthelfer, denn dann gebe es keine Rettung in dem eiskalten Donauwasser. Jedes Mal, wenn der Serbe aus Possessena auftaucht, lädt er seine Kunden in die besten Restaurants in Temeswar ein. Er ist großzügig, zahlt die Zeche, denn Geld hat er wie Heu. Der Mann aus Possessena ist selbständiger Böttcher. Er kommt zu neuen Kunden, selbst wenn sie ihm nur eine Postkarte schicken, mit dem Hinweis, sie hätten Holz zur Fassherstellung für ihn. Am Tag, als die Breitenbachs über die Donau in einem von deutschen Touristen am Schwarzen Meer erstandenen Schlauchboot paddeln sollen, erhalten sie eine Absage. Hansi Hubert aus Perjamosch ist zusammen mit einem Freund vor ihnen auf der Kundenliste. Ihn und seinen Freund kann der Fluchthelfer am geplanten Tag nicht unbemerkt nach Possessena schleusen. Grenzsoldaten haben Hubert und seinen Freund bei der Routinekontrolle im Auto des Fluchthelfers gesehen und ihre Namen aufgeschrieben. Die beiden müssen am nächsten Tag wieder Possessena verlassen, damit die Grenzsoldaten keinen Verdacht schöp-
Rückblick fen. Sie registrieren, dass die beiden Possessena wieder verlassen haben. Hubert und sein Freund gelten als Gäste des Fluchthelfers. Der schleust sie erneut an dem Tag nach Possessena ein, an dem die Breitenbachs eigentlich flüchten sollten. An diesem Tag erleben Harro Hames, der Bruder Hermine Breitenbachs, und ein Vetter am serbischen Ufer bange Stunden. Sie warten vergebens. Die beiden sind speziell aus Deutschland angereist, um Hermine und Jakob Breitenbach nach Belgrad zu fahren und sie vor einer eventuellen Festnahme und Haft in Jugoslawien zu bewahren. Sie schreien sich die Kehlen aus dem Hals. Doch das Rufen nach Hermine und Jakob hilft nicht. Die beiden Wartenden befürchten Schlimmes und reisen zurück nach Deutschland. Am 2. Dezember 1981, einem Montag, ist es dann doch soweit. Hermine und Jakob Breitenbach, die in Temeswar leben und als Mathematiker im Rechenzentrum arbeiten, bringen Tochter und Sohn zu den Großeltern nach Billed. Sie holen Hermine Breitenbachs Vater, der Busfahrer ist, in Guttenbrunn ab und fahren mit dem eigenen Pkw nach Orawitz im Banater Bergland, wo der Fluchthelfer sie in einer Gaststätte abholen soll. Die Fahrt wird ein kleines Abenteuer, denn es schneit und die Straßen sind glatt. Jakob Breitenbach und sein Schwiegervater lösen einander am Steuer ab. Jeder meint, der andere könnte besser steuern. Um 17 Uhr erreichen sie die vereinbarte Gaststätte in Orawitz, eine Stunde später ist der Fluchthelfer dort. Hermine Breitenbachs Vater übernachtet wegen des Schneefalls in einem Hotel und fährt erst am nächsten Tag nach Hause. Der Fluchthelfer nimmt Hermine und Jakob Breitenbach in seinem Wagen mit. Es ist 21 Uhr. Das Schlauchboot hat der Serbe schon vorher anlässlich eines Besuchs in Temeswar mitgenommen. Die Grenzer bemerken die beiden auf der Hinterbank im Wagen nicht, denn bei der Ankunft in Possessena ist es schon
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Paddelübungen an der Marosch bei Guttenbrunn: Hermine und Jakob Breitenbach bereiten sich auf die Flucht vor. stockdunkel. Der Fluchthelfer bringt die beiden in einem Raum unter, der eigens für Flüchtende mit Tisch, Stühlen, Bett und Schrank eingerichtet ist und früher einmal Werkstatt oder Stall war. Er serviert ihnen Wurst mit Brot und Rotwein. Um Mitternacht fordert der Fluchthelfer Hermine und Jakob auf, das Boot aufzupumpen. Er öffnet das Tor, vergewissert sich, dass niemand auf den Straßen ist, zeigt ihnen die Gasse, die zwischen ein paar Häusern hinunter zum Donauufer führt, und rät ihnen, das Gebell der Hunde einfach zu ignorieren. Hermine und Jakob Breitenbach sehen Schatten vor sich. Doch sie stammen von alten Weiden. Sie erreichen das Ufer, lassen das Boot zu Wasser. Jakob schaufelt mit dem Paddel Wasser auf Hermine, die zu schimpfen beginnt. Dann paddeln sie richtig, wie sie es unzählige Male geübt haben, orientieren sich an einem Licht und erreichen das rettende serbische Ufer. An
einem Maislaubschober entledigen sich die beiden ihrer Gummistiefel und ziehen Schuhe an. Es begint zu regnen. Sie erreichen morgens ein Dorf, wo ein Bus abfahrtbereit steht. Die Leute um sie herum sprechen alle Rumänisch. Mit dem Bus gelangen sie nach Belgrad. Als sie dem Mitarbeiter der deutschen Botschaft sagen, es habe sie niemand gesehen, sagt er ihnen, dass sie Ersatzpässe bekämen und ihnen die Haft und das UNO-Lager erspart blieben. Eine Familie aus einem Nachbarort bei Guttenbrunn bezeugt in der Botschaft, dass beide Deutsche seien. Das Ehepaar ist nach Belgrad gekommen, weil es erkunden will, wo ein junger Mann geblieben ist, der einen Fluchtversuch unternommen hat, aber verschwunden ist. Hermine und Jakob Breitenbach telegraphieren von Belgrad nach Hause: „Wir sind auf dem Weg nach Deutschland“. Sie fahren los in Richtung Nürnberg, ändern jedoch ihr Ziel. Sie wollen nach Stuttgart in die Weißenburgstraße,
90 wo eine Tante wohnt. Dort angekommen, steht das Essen schon bereit. Die Tante hat gekocht und die beiden erwartet. Ein halbes Jahr später dürfen Hermine und Jakob Breitenbach ihre Kinder auf dem Flughafen in Frankfurt am Main in die Arme schließen. Der Empfang fällt nicht wie erwartet aus: Die vier Jahre alte Heike und der sechs Jahre alte Christian haben die Eltern fast schon vergessen. Das Eis ist aber rasch gebrochen. Als die Kinder in einem Schaufenster im Flughafen die vielen Spielsachen sehen, entfährt es Heike auf rumänisch: „Te doare capul“ - das hältst du im Kopf nicht aus. Als die Breitenbachs den Raum zur Unterbringung der Flüchtlinge in Possessena betreten, hat der Fluchthelfer längst Geld wie Heu. Das Geschäft läuft schon seit einigen Jahren. Schon zwei Jahre davor können sich Marianne und Dietmar Messmer, beide Jahrgang 1950 - sie geboren in Perjamosch, er in Sackelhausen, davon überzeugen. Als sie den Schrank in dem Raum öffnen, liegen vor ihnen Bündel mit 100-Lei-Banknoten. „Soviel Geld auf einem Haufen habe ich seither nicht mehr gesehen“, sagt Marianne Messmer, die Schwester Hansi Huberts. Der erste ihr Bekannte, der den Weg über Possessena und die Donau in die Freiheit gewählt hat, ist der Mann einer Cousine ihrer Schwiegermutter. Er kommt im August 1977 mit dem Boot ans serbische Ufer. Im November 1977 folgen ihm Frau und Tochter auf demselben Weg in die Freiheit. Hansi Hubert, Marianne Messmers Bruder, wäre schon gerne sofort der Schwester in die Freiheit gefolgt, überlegt es sich aber, denn er hat noch vier Semester zu studieren. Er will das Elektronikstudium in Temeswar zu Ende bringen und dann erst flüchten. Er hält in den zwei Jahren den Kontakt zu dem Fluchthelfer aus Possessena aufrecht. Er geht in unregelmäßigen Abständen mit ihm in Temeswar ins „Lloyd“ oder „Continental“, um zu essen. Doch bevor er das Studium beendet hat, ruft ein Vetter Hermine Breitenbachs in Düsseldorf bei den Messmers an. Er möchte wissen, ob ihr
Rückblick Fluchthelfer derselbe Mann ist, mit dem die Breitenbachs Kontakt aufgenommen haben. Die Breitenbachs wissen nicht, ob sie dem Mann trauen können. Marianne Messmer bittet ihren Bruder, er möge die Breitenbachs im Rechenzentrum in Temeswar suchen. Doch Hansi Hubert verwechselt Jakob „Buck“ Breitenbach mit Heinz Buschbacher, der ebenfalls im Rechenzentrum arbeitet und vorher mit den Breitenbachs und Marianne Messmer Mathematik an der Universität in Temeswar studiert hat. Buschbacher klärt Hubert über den Irrtum auf und schickt ihm Jakob Breitenbach. Hansi Hubert beruhigt Jakob Breitenbach, es handle sich um denselben Fluchthelfer. Während den Breitenbachs die Haft in Jugoslawien erspart bleibt, verrät eine alte Frau Hansi Hubert und dessen Fluchtgefährten, so dass die beiden nach Hermine und Jakob Buck Breitenbach in Deutschland ankommen. Der freundliche Fluchthelfer Wenn einige der acht Mann aus der Billeder Flüchtlingsgruppe zusammensitzen und Erinnerungen austauschen, kommt ab und an die Geschichte des Jakob Lenhardt auf die Tagesordnung. Und dann haben wieder einmal alle etwas zu lachen. Als die Acht aus der Banater Gemeinde im Südwesten Rumäniens am Morgen des 7. August 1981 zusammen mit weiteren 20 Frauen und Männern über die rumänisch-jugoslawische Grenze laufen, ist Lenhardt gut gerüstet. Von seinem nach dem Krieg in Deutschland gebliebenen Vater hat er Motorradhandschuhe mitgebracht. Sie reichen bis an die Ellenbogen und gehören genauso zu seiner Fluchtausrüstung wie ein zünftiges Fleischermesser. Damit, so seine damalige Vorstellung, hätte er die scharfen Hunde der Grenzsoldaten abwehren können. Die Handschuhe sollten Schutz gegen Bisse bieten, mit dem Messer wollte er die Hunde abschlachten. Die Ausrüstung hat Lenhardt nicht gebraucht. Gott
Rückblick sei Dank, sagt Josef (Sepp) Herbst (geboren 1933), der ebenfalls zu der Gruppe gehört. Alle 28 sind durchgekommen, manche mit kleinen Blessuren. Darunter ist eine Frau, die wegen Grenzübertritts verurteilt und erst vor zwei Wochen zur Entbindung in Hafturlaub geschickt worden ist. Dabei sind außerdem eine im sechsten Monat Schwangere und eine Frau mit ihrem zwölfjährigen Sohn. Diese Flucht und eine Reihe von weiteren illegalen Grenzübertritten haben Fluchthelfer von April bis Oktober 1981 ermöglicht in einem Grenzabschnitt bei Tschawosch. Vermutlich Verrat setzt dem Ganzen ein Ende. Hauptfluchthelfer Basilius K. (Name geändert) kommt ins Gefängnis. Er bricht aus, flieht nach Serbien und gelangt nach Italien. Von dort holen ihn einige der Flüchtlinge, die 1981 mit seiner Hilfe Rumänien verlassen haben, nach Deutschland. Mathias (Matz) Hell (geboren 1933) sammelt Geld und schickt es Basilius. Inzwischen hat sich die Spur des freundlichen Fluchthelfers verloren. Basilius, der angeblich Baptist ist, kassiert im Sommer 1981 von jedem Flüchtling 20 000 Lei. Eine Vierzimmerwohnung wechselt in jener Zeit in Rumänien den Eigentümer für rund 120 000 Lei. Mehr oder weniger Eingeweihte wollen wissen, dass Basilius seinen Anteil an dem Schlepperlohn nicht für sich behalten, sondern der Baptistengemeinde in der Banater Hauptstadt Temeswar gespendet hat. Über ihn sprechen die meisten seiner Kunden mit Respekt, manche nennen ihn sogar den freundlichen Helfer. Von den Grenztruppen ist mindestens ein Offizier als Helfer tätig, wahrscheinlich aber mehrere. Eingeweiht sind außerdem Peter Stein (1933-1987) als Vermittler zwischen Fluchthelfer und Fluchtwilligen, ferner ein Treckerfahrer. Peter Stein aus dem Dorf Denta ist Nachtwächter und Basilius Baggerführer auf einer Kanalbaustelle an der serbischen Grenze. Deshalb kennt sich Basilius dort aus wie in seiner Westentasche. Als Entwässerungska-
91 nalbauer an der Grenze lernt er, ob er will oder nicht, die Grenzer kennen. Rudolf Kastel (geboren 1940 in Temeswar), der Basilius über die Frau seines geflohenen Arbeitskollegen Karl Loth (geboren 1942 in Temeswar) kennen lernt, beschreibt den Fluchthelfer als dunklen, kräftigen Mann mit Narben im Gesicht, die er anfangs als Folge von Schlägereien deutet. Wie er später erfährt, sind es Spuren von Misshandlungen bei Polizeiverhören. Als Reaktion darauf hilft er Auswanderungswilligen, illegal die Grenze zu passieren. Basilius ist zu jener Zeit etwa 30 Jahre alt und ein kräftiger, sportlicher Typ, sagt Hans Hahn senior aus Billed. Basilius versucht stets, ein Vertrauensverhältnis zu seiner Kundschaft aufzubauen. Er erzählt beispielsweise Rudolf Kastel, wie er seinem Bruder zur Flucht nach Kanada verholfen hat und von dessen illegalem Besuch über die grüne Grenze beim schwerkranken Vater in Rumänien. Zusammen mit Kastel fährt er mit dem Auto ins Grenzgebiet, um die Aufstellung der Soldaten nach Einbruch der Dunkelheit zu beobachten. Mit einem kanadischen Militärnachtsichtgerät kann er auf zwei Kilometer Entfernung jede Bewegung wahrnehmen. Basilius lehrt Kastel, Geräusche zu deuten, ferner, wie man sich am besten bewegt und welche Kleidung am besten tarnt. Die Fahrt zur Grenze erfolgt jedes Mal anders. Die Flüchtlinge steigen immer in wechselnden Orten um oder starten in Temeswar mit einem anderen Verkehrsmittel. Basilius ist vorsichtig. Auf der Fahrt zur Grenze bekommt Kastel auch das mit: Nach Einbruch der Dunkelheit entfernen sich die Soldaten etwa zwei Kilometer von der Grenze und postieren sich an bestimmten Plätzen entlang einer Zickzack-Linie in Form des Buchstaben W. Sie verfügen über Suchscheinwerfer und Spürhunde. Jeder Grenzerstützpunkt ist für einen Abschnitt von etwa 7,5 Kilometer zuständig. Flüchtende müssen zwischen zwei Posten auf Hochständen durchschleichen. Die Bewässerungs- und Ent-
92 wässerungskanäle in diesem Grenzabschnitt führen zu einem großen Sammelkanal, der auf serbischer Seite in die Temesch mündet; die Temesch fließt bei Belgrad in die Donau. Die Kanäle werden periodisch mit Löffelbaggern vom Schlamm gesäubert. Die Baggerfahrer kennen alle Kanäle und wissen, an welchem Kanal nachts Posten stehen und welcher nahe der Grenze mit einem Drahtverhau verschlossen ist. Ein Kanal ist etwa fünf Meter breit und drei Meter tief. Er hat einen Böschungswinkel von 45 Grad. Wasser und Schlamm bedecken seine Sohle. Basilius‘ Wissen und das seiner Mittelsmänner sind Voraussetzung für das Gelingen der Flucht. Und noch etwas ist wichtig: Die Flüchtenden müssen südwärts gehen. Basilius sagt seinen Kunden stets, sie sollten darauf achten, dass keiner nach Überschreitung der Grenze von der vorgegebenen Himmelsrichtung abweicht, weil dann die Gefahr bestehe, wieder in Rumänien zu landen. Deshalb besorgt sich Kastel eine serbische Militärkarte des Grenzgebiets und einen Nachtkompass, der der 28 Mann starken Gruppe tatsächlich von Nutzen sein wird. Auf welche Weise Basilius zum Fluchthelfer wird, berichtet Marlene Nagy (geboren 1957) aus Kleinbetschkerek, die inzwischen ein zweites Mal verheiratet ist, damals aber die Schwiegertochter Peter Steins war. Am 2. Februar nutzt Marlene Nagys Mutter einen Besuch in Jugoslawien zur Flucht nach Deutschland: Susanne Paul (geboren 1937) ist im Besitz eines Passes für den sogenannten kleinen Grenzverkehr, der ihr erlaubt, nach Serbien zu fahren, um einzukaufen und kleine Geschäfte abzuwickeln, sie aber auch verpflichtet, noch am selben Tag heimzukehren. Nach der gelungenen Flucht sucht Marlene Nagys Vater, Franz Paul, eine Möglichkeit, um seiner Frau nach Deutschland folgen zu können. Über den Schwiegersohn, Johann Stein (geboren 1954), kommt die Verbindung zu Mitvater Peter Stein und zu Basilius zustande. Peter
Rückblick Stein will allerdings lediglich Franz Paul, seinem Mitvater, helfen. Er will eigentlich nicht, dass sein Sohn mit dem Schwiegervater flüchtet. Wenn er das gewusst hätte, wäre er nie mit dem Vorschlag an Franz Paul herangetreten - wird er später seinem Sohn sagen. Den ersten Schub schafft Basilius am 6. April 1981 über die Grenze bei Tschawosch: Franz Paul, dessen Tochter Hannelore (geboren 1961), Johann Stein, Franz Hoffner, Johann Paul, der allerdings nicht mit Franz Paul verwandt ist, und einen unbekannten Rumänen. Aus Franz Pauls Familie bleiben lediglich Tochter Marlene wegen ihrer beiden Kinder und die Oma daheim in Kleinbetschkerek, der Rest folgt Basilius zur Grenze. Zweieinhalb Jahre dauert es, bis Marlene Nagy zusammen mit ihren beiden Töchtern und der Oma die Ausreisegenehmigung erhalten werden. Doch auch nur deshalb, weil es ihr Anfang September 1983 gelingt, dem rumänischen Staatschef Nicolae Ceauşescu bei einem Besuch in der Banater Hauptstadt Temeswar einen Brief mit ihrem Anliegen zu überreichen. Ihre vorhergehenden Anträge sind angeblich stets verlorengegangen. Um den Brief überreichen zu können, mischt sich Marlene Nagy mit ihrer drei Jahre alten Tochter auf dem Arm unter die zum Jubeln zusammengetriebene Menschenmenge am Straßenrand. Nach der geglückten Übergabe führen Mitarbeiter des Geheimdienstes Securitate Marlene Nagy und ihre Tochter ab in eine Schule in der Stadtmitte, wo sie zusammen mit vielen Gleichgesinnten den ganzen Tag festgehalten und verhört wird, allerdings ist der Umgangston ausnahmsweise höflich. Nachdem Ceauşescu seine Rede gehalten hat, lässt der Geheimdienst die Festgehaltenen laufen. Als Marlene Nagys Eltern zum ersten Mal nach der Flucht nach Rumänien fahren, lässt der Geheimdienst sie spüren, wie er mit Leuten wie ihnen umzugehen pflegt. Grenzbeamte schikanieren sie, die Mutter muss sich ganz ausziehen. Weil die Grenzer ihre Pässe nicht abstempeln, schicken die ungarischen Kollegen die beiden
Rückblick zurück nach Rumänien. Die beiden geraten in Panik, denn sie wissen nicht, weshalb die Ungarn sie zurückgewiesen haben. Im Mai 1981 organisiert Basilius den zweiten Grenzübertritt und danach den dritten mit Matz Hell, seiner Frau Anna aus Kleinbetschkerek, mit Peter Dietz aus Sankt Andreas, Anna Kilzer aus Jahrmarkt (geboren 1937) und Karl Loth aus Temeswar. Diese dritte Flucht unter Basilius‘ Regie hat Anna Kilzer am 27. August 1982, ein Jahr nach der Ankunft in Deutschland, in Schönstatt auf‘m Berg aufzuschreiben begonnen. Am 27. Juni führt Basilius 16 Frauen und Männer an die Grenze. Zu ihnen gehören auch Anna und Matz Hells Töchter mit den Schwiegersöhnen: Anni (1953) und Hans Krier (1951), Katharina (geboren 1958) und Hans Szabo (geboren 1952), ferner Magdalena und Toni Szabo aus Überland. Auch Krier schildert Basilius als vorsichtigen Mann. Die Leute, die er über die Grenze schleust, sucht er stets selbst aus. Von denen, die er akzeptiert, darf keiner auf eigene Faust jemanden mitbringen. Das verbietet er jedem. Über das Zusammenwirken von Basilius mit Grenzoffizieren berichtet Hans Krier: „Kurz vor der Grenze standen wir plötzlich im Scheinwerferlicht. Doch passiert ist nichts. Ich bin mir sicher, die haben uns gezählt, damit sie wussten, welchen Anteil sie von Basilius zu bekommen hatten.“ Am 3. September 1981 führt Basilius 18 Frauen und Männer an die serbische Grenze. Dabei ist auch Johann Pauls Familie: seine Frau Anna und die Töchter Sieglinde und Inge. Und dann, am 29. September, dem Tag, als die Securitate Basilius verhaftet, geht die Erfolgsgeschichte zu Ende; sie hat lediglich einen Sommer gewährt. Ein Bündel Hunderter für den Treckerfahrer Eigentlich wären die beiden Töchter des Ehepaars Hell und ihre Männer am liebsten gemeinsam mit den Eltern geflüchtet. Doch Basilius lehnt diesen Wunsch im Mai ab. Er vertröstet sie
93 auf das nächste Mal. Leicht ist es Anna und Hans Krier nicht gefallen, Kleinbetschkerek zu verlassen. Sie lassen ihre fünf und sieben Jahre alten Kinder zurück. Das Haus ist frisch renoviert. Kaum sind Anna und Mathias Hell zwei Wochen von zu Hause weg, kommt Hans Kriers Schwager eines Abends mit Basilius im Trabant vorgefahren. Basilius will seine nächsten Kunden kennen lernen. In einem ersten Gespräch will er erkunden, ob er ihnen vertrauen kann. Er schärft ihnen ein, dass sie mit niemandem über das Vorhaben sprechen dürfen, aber auch keinen Unangemeldeten am Fluchttag mitbringen dürfen. Basilius behält es sich vor, die Kunden selbst auszusuchen. Ein zweites Mal sieht Krier den Fluchthelfer am 26. Juni in dessen Wohnung in Temeswar. Dabei ist ein Verwandter. Basilius teilt den beiden mit, dass es am nächsten Tag losgeht. Als Krier Basilius‘ Wohnung verlässt, hat er noch ein ungutes Gefühlt. Er weiß nicht, ob er und seine Frau mitgehen sollen. Denn sie wissen noch immer nicht, ob die Eltern in Sicherheit sind, entweder in Jugoslawien oder in Deutschland. Doch zu Hause empfängt ihn seine Frau mit einem Telegramm in der Hand und der Nachricht, dass die Schwiegereltern gut in Nürnberg angekommen sind. Hans und Anna Krier fassen neuen Mut, sie werden am nächsten Tag die Flucht antreten. An diesem 26. Juni fragt eine Nachbarin Anna Krier in der Dorfbäckerei: „Und wann brennt ihr durch?“ Anna Krier antwortet ihr: „Morgen.“ Als sie nach Hause kommt und ihrem Mann das sagt, meint er nur: „Du hast recht. Morgen gehen wir.“ Basilius hat den 27. Juni, einen Samstag, als Fluchtdatum festgelegt. Anna und Hans Krier lassen die beiden Kinder bei den KrierGroßeltern zurück und wagen die Flucht. Am Sonntag beim Kirchgang fragen die Kinder die Oma, wo denn die Eltern seien. Die Oma greift zu einer Notlüge und macht den Kindern weis, sie wären in den Banater Wallfahrtsort MariaRadna gefahren und werden bald mit einem großen Ball als Geschenk zurückkehren. Anna und Hans Krier fahren am Fluchttag mit
94 verschiedenen Zügen nach Temeswar, damit niemand Verdacht schöpfen kann. Nach der Geldübergabe lädt Basilius die beiden, ferner Anna Hells Schwester und Schwager in seinen Trabant und fährt in Richtung serbischer Grenze. Er lässt sie in einem Maisfeld aussteigen, wo sie warten müssen, bis er wiederkommt und den Start zur eigentlichen Flucht gibt. Vor Anbruch der Dunkelheit ist Basilius da und bittet die inzwischen eingetroffenen 16 Frauen und Männer, auf den hinter einen Trecker gespannten Anhänger zu steigen. Hans Krier sieht, wie Basilius dem ziemlich verängstigten Treckerfahrer ein Bündel Hundert-Lei-Scheine als Beruhigung in die Hand drückt. Danach geht es los bis zu dem Weg, wo eine in die Flucht nichteingeweihte Patrouille vorbeikommen soll. Dort lässt er den Treckerfahrer absteigen und setzt sich selbst ans Steuer. Er fährt querfeldein, bis es nicht mehr weitergeht. Alle 16 auf dem Anhänger wissen, dass sie bis spätestens 3 Uhr an der Grenze sein müssen. Wenn sie es nicht schaffen, müssen alle zurück. Das hat ihnen Basilius eingeschärft. Zu Fuß geht es durch Sonnenblumenfelder, durch Mais. Ab und an müssen sich alle zu Boden werfen, warten, dann wieder einmal stehen bleiben. Sie warten auf ein Zeichen mit der Taschenlampe. Es bedeutet, dass die Luft rein ist und keine Gefahr besteht. Sie erreichen einen Kanal, müssen jetzt auf dem schräg abfallenden Ufer marschieren, die Schuhe haben sie in den Händen. Basilius läuft oben am Ufer und nimmt ab und an einen Schluck aus der Whisky-Flasche. Sie bleiben ein letztes Mal stehen und warten auf zwei Mann, die mit einem Motorrad kommen und laut singen sollen, als Zeichen, dass die Flucht fortgesetzt werden kann. Dann taucht ein Grenzoffizier in Zivil auf. Er hat zwei Mann bei sich, die zu der Flüchtlingsgruppe stoßen. Sie haben freies Feld vor sich, Scheinwerfer erleuchten es hell wie ein Fußballstadion. Es ist der Augenblick, den Krier auf dem zweiten Grenzgängertreffen in Ulm beschrieben hat. Die am Geschäft beteiligten Grenzoffiziere
Rückblick zählen die Schäfchen, sie wollen nicht betrogen werden. Dann geht es durch einen letzten Kanal. Sie durchschwimmen ihn und passen auf, dass ihre Taschen mit der sauberen Kleidung nicht durchnässt werden. Die Flüchtlinge müssen noch eine Stunde durchhalten, dann sind sie in Serbien und folgen dem Bersau-Damm. Einheimische verraten sie an die Grenzer. Ein Richter verurteilt sie in Setschan zu 20 Tagen Gefängnis wegen illegalen Grenzübertritts, die sie in Großbetschkerek im Gefängnis absitzen müssen. Über das Gefängnis Padinska Skela geht es weiter nach Belgrad ins UNO-Büro, wo ihnen Olga nach drei Tagen gültige provisorische UNO-Flüchtlingsausweise ausstellt. Als sie in der deutschen Botschaft ankommen, fragt ein Beamter, ob sie die sieben Personen seien, die Olga angekündigt hat. Mit Ersatzpässen kehren sie zurück ins UNO-Büro, Olga besorgt ihnen in der österreichischen Botschaft Durchreise-Visa. Mit Geld von der deutschen Botschaft, das sie wie alle Flüchtlinge in den nächsten zwei Jahren zurückzahlen müssen - dazu haben sie sich schriftlich verpflichtet - kaufen sie sich bis Nürnberg gültige Einsenbahnfahrkarten und treten die Reise in Richtung Westen an. Anna und Hans Kriers Kinder treffen am 20. Dezember, ein halbes Jahr später, in Deutschland ein. 28 Mann in einem Schub Anfang Juli 1981 kommt Sepp Herbst von der Arbeit heim nach Billed und will sich den Schweiß abduschen, den der heiße Sommertag ihm aus den Poren getrieben hat. Der Rettungsfahrer will auf dem Weg ins Badezimmer noch die Tür an der Bibliothek schließen, weil sein Sohn Hans dort mit Freunden sitzt. Er will nicht stören. Dann fällt das Wort Grenze. Das macht ihn hellhörig. Entgegen seiner Art lauscht Josef Herbst. Jetzt möchte er genau wissen, was sich sein Sohn, dessen Vetter Helmut Lay, Hans Hahn junior und Horst Lenhardt zu sagen haben. Denn inzwischen wird auch in
Rückblick Billed in der Banater Heide fast nur noch über Auswandern oder Flucht gesprochen. Der Auswanderungsgedanke hat sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt. Sie sehen, wie ihre Nachbarn und Freunde das Land verlassen. Die Letzten der rund 300 000 Deutschen, die noch an eine Zukunft in Rumänien geglaubt haben, sind inzwischen auch bereit, nach Deutschland umzusiedeln. Viele sind zu allem entschlossen. Denn seit Spätsommer 1980 sind die Läden im ganzen Land leer. Der Strom ist rationiert und in den meisten Ortschaften zwischen 20 und 22 Uhr komplett abgeschaltet. Die Leute sitzen zu Hause bei Kerzenlicht und warten auf bessere Zeiten. Ceauşescu verkauft alles ins Ausland, um Rumäniens Schulden zu begleichen, auch seine Deutschen. Die Juden sind längst an Israel verkauft. Die Lebensmittelknappheit, die Mangelwirtschaft tragen dazu bei, dass sich immer mehr Manschen in Rumänien mit dem Gedanken tragen, das Land zu verlassen, koste es, was es wolle. Wer als Deutscher legal ausreisen will, muss Schmiergeld zahlen, will er vor anderen den Pass in der Hand halten. Mittelsmänner sammeln das Geld und liefern es in Bukarest an höchster Stelle ab. Wer jedoch keine Verwandten im Westen hat, muss sich etwas anderes einfallen lassen. Da bleibt meist nur der illegale Grenzübertritt übrig. Selbst Personen aus der DDR tauchen an der rumänisch-jugoslawischen Grenze auf, haben aber mangels Ortskenntnissen kaum eine Chance zu fliehen. Über die Not, die inzwischen im Rumänien Ceauşescus herrscht, gibt Hans Hahns Tagebuch Auskunft. Der am 9. Januar 1962 in Billed geborene Hahn notiert unter Freitag, 3. Juli 1981: Nach Temeswar gefahren, kleine Einkäufe gemacht, die bis zum Schluss wirklich klein blieben. Von der Josefstadt bis ins Neubauviertel Circumvalaţiunii kaufte ich nur zwei Kilogramm Tomaten. Nur um eine Einkaufstasche zu bekommen, lief ich eine halbe Stunde. Mal hatten sie kein Wechselgeld, mal keine Taschen. Wollte einkaufen: Butter, Zucker, Kaffee, Fleisch, Käse, Margarine, Ho-
95 nig, Milchpulver, Toilettenpapier, Schokolade, doch leider war von all dem in ganz Temeswar nichts zu finden. Heißer Julitag. Heute weiß Hans Hahn noch genau Bescheid, wie es damals war: „Normalerweise standen auf meiner Einkaufsliste auch Bestellungen der Nachbarn, die keine Zeit hatten, ins 25 Kilometer entfernte Temeswar zu fahren, um einzukaufen. Ich fuhr gewöhnlich mit einem Bummelzug um 5 Uhr los und war gegen 6 Uhr auf dem Hauptbahnhof in Temeswar. Die Zeit bis zum Schulbeginn um 8 Uhr verbrachte ich mit Schlangestehen vor Kaufhäusern, für manchmal 250 Gramm Butter.“ Sepp Herbst duscht vorerst nicht, geht in den Garten, um mit seiner Frau über das zu sprechen, was er eben gehört hat. Elisabeth und Sepp Herbst kommen zu dem Schluss, dass sie mit den Eltern der drei anderen Jugendlichen sprechen müssen. Josef Herbst macht die Runde im Dorf. In der Altgasse hat Hans Hahn senior einen Tipp: Ein Verwandter seiner Frau, der im Nachbarort Kleinbetschkerek zu Hause ist, kennt einen Ausweg. Katharina Hahn sucht ihren Verwandten auf, der Peter Stein aus Denta kennt, der als Nachwächter auf der Kanalbaustelle an der serbischen Grenze arbeitet. Peter Stein stellt die Verbindung zu Fluchthelfer Basilius her. Sepp Herbst besucht Basilius in Temeswar in einem Wohnblock neben dem Pulverturm. Basilius nennt ihm den Preis: 20.000 Lei für jeden Flüchtling. Sepp Herbst lädt die vier fluchtwilligen Jugendlichen und deren Väter zu sich nach Hause in die Vertgasse ein. Sie werden sich rasch einig. Alle wollen mit, lediglich Horst Lenhardt nicht. Er will nicht ohne seine Freundin weg. Es steht nun fest: Zur Flucht bereit sind Josef und Hans Herbst (geboren 1963), Hans Hahn senior (1931) und Hans Hahn junior (1962), Matthias (1931-2003) und Helmut Lay (1961) - jeweils Vater und Sohn-, Jakob Lenhardt (1937), und als Achter stößt Josef Stadtfeld (1946) dazu. Als Patenonkel will Josef Herbst Stadtfeld die Fluchtchance bieten.
96 Von der Möglichkeit, das Land illegal verlassen zu können, erfährt Hans Hahn junior am 21. Juli 1981. Die Tagebucheintragung an jenem Dienstag beginnt folgendermaßen: Eine großartige, sensationelle Nachricht. Marlene Paul, eine entfernte Verwandte aus Kleinbetschkerek, erzählte Mutter, dass es einen Mann gebe, der Personen nach Jugoslawien schmuggle. Wenn einer von unserer Familie mitmachen möchte, soll er sich bei ihr melden, denn vor dem 1. August wird gestartet. Jetzt gibt es noch Zwistigkeiten bei uns: Ich will allein fahren, und Vater will auch mitkommen, aber was wird aus den anderen? Die Schwester muss zur Schule, Mutter kocht und pflegt Oma und Opa. Und wer arbeitet? Je Person sind 25.000 Lei zu zahlen, also ein Spottpreis gegen andere, die 60.000 bis 100.000 Lei zahlen. Ich kann mein Gefühl gar nicht ausdrücken, wenn ich denke, nur noch einige Tage in Rumänien bleiben zu müssen. Mittwoch, 22. Juli 1981: Nichts Wichtiges getan. Nachts konnte ich gar nicht richtig einschlafen, und morgens war ich schon um 7 Uhr wach, obwohl Schulferien sind. Ich fahre noch zu meinem Freund Horst, der hat, glaube ich, Dinar, mit denen kann man sich in Serbien gut durchschlagen und wird vielleicht nicht von der Polizei gestellt. Donnerstag, 23. Juli 1981: Unsere Nachbarin, die Leni-Tant, wird schon in Deutschland sein. Sie ist Mittwochmorgen legal abgereist - nach mindestens fünf Generationen Nachbarschaft steht das Haus nun leer. Samstag, 25. Juli 1981: Das Tagebuch ist 10 Monate alt. Morgen ist in Kleinbetschkerek Kirchweih, dann fahren Schwester, Mutter und Vater hin und hören gleichzeitig, wann die Abfahrt geplant ist. Heute regnet es. Mittwoch, 29. Juli 1981: Gestern Abend war auf Jugoslawien II die Show mit John Denver und seiner berühmten Country-Musik. Die ganze Band bestand eigentlich aus ihm, dann Johnny Cash, Glenn Travis Campbell und Roger Miller. Die Show dauerte 50 Minuten. Heu-
Rückblick
In der Durchgangsstelle für Aussiedler in Nürnberg angekommen sind: (von links) Josef Herbst, Matthias Lay, Jakob Lenhardt, Josef Stadtfeld, Hans Hahn junior, Rudolf Kastel, Hans Hahn senior, Helmut Lay und Hans Herbst. Foto: Peter Krier te war den ganzen Tag über miserables Wetter. Donnerstag, 30. Juli 1981: Einer der schönsten Tage dieses Jahres und überhaupt vielleicht. Ein Mann brachte uns die Nachricht. Sie lautet: Abfahrt nächste Woche. Ich fuhr angeln. Also noch einige Tage in Rumänien. Herrlich ist das… Heute Abend sagte mir Mutter noch, dass die Abfahrt Montag, 3. August, oder Dienstag, 4. August, erfolgt. Sepp Herbst ist mit Lenhardt und dem Nachrichtenüberbringer nach Temeswar gefahren, um Genaues zu erfahren. Sie werden bald zurück sein. (Fortsetzung folgt) Das Buch „Die Gräber schweigen“ kann bestellt werden beim Verlag Gilde & Köster, Am Wassergraben 2, 53842 Troisdorf, Telefon 0175/6094431 und 02246/2166, E-Mail verlaggilde@web.de, ferner im Buchhandel; Preis 22 Euro, einschließlich Versandkosten, ISBN: 978-3-00-024991-4 Die Billeder Landsleute gratulieren dem Buchautor Johann Steiner, bekannt für seine unermüdlichen Recherchen bezüglich der Banater Geschehnisse, zu diesem aufschlussreichen, mutigen Buch und wünschen weiterhin Erfolg und viele interessierte Leser.
Dichtung - Dialekt
Da waren Deutsche auch dabei
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Konrad Kress ( geb. 1828 in Landau, gest. 1897 in Milwaukee) Als Bettler sind wir nicht gekommen Und was die Kunst und Wissenschaften aus unserem deutschen Vaterland. euch hier verlieh‘n an Kraft und Stärk‘, Wir hatten manches mitgenommen, es bleibt der Ruhm am Deutschen haften, was hier noch fremd und unbekannt. das Meiste war der Deutschen Werk. Und als man schuf aus dichten Wäldern, Und wenn aus vollen Tönen klinget aus öder, düstrer Wüstenei ans Herz des Liedes Melodei, den Kranz von reichen Feldern, ich glaub‘, von dem, was ihr da singet, da waren Deutsche auch dabei. ist vieles Deutsche auch dabei. Gar vieles, was in früheren Zeiten ihr kaufen musstet überm Meer, das lehrten wir euch selbst bereiten, wir stellten manche Werkstatt her. Oh, wagt es nicht, dies zu vergessen, sagt nicht, als ob das nicht so sei. Es künden‘s tausend Feueressen, da waren Deutsche auch dabei.
Drum steh‘n wir stolz auf festem Grunde, den unsre Kraft der Wildnis nahm. Wie wär‘s mit eurem Staatenbunde, wenn nie zu euch ein Deutscher kam? Und wie in Bürgerkriegestagen, ja schon beim ersten Freiheitsschrei? Wir dürfen‘s unbestritten sagen: Da waren Deutsche auch dabei!
Entwicklung Ich suche nicht, ich finde. Suchen, das ist ausgehen von alten Beständen und ein Finden-Wollen von bereits Bekanntem im Neuen. Finden, das ist das völlig Neue, das Neue auch in der Bewegung. Alle Wege sind offen und, was gefunden wird, ist unbekannt. Das ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer. Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur die auf sich nehmen, die im Ungeborgenen sich geborgen wissen, die in die Ungewissheit, in die Führerlosigkeit geführt werden, die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen, die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht menschlich beschränkt und eingeengt das Ziel bestimmen. Dies Offen-Sein für jede neue Erkenntnis, für jedes neue Erlebnis im Außen und Innen: Das ist das Wesenhafte im modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade des Gehalten-Seins im Offen-Werden neuer Möglichkeiten erfährt.
Pablo Picasso
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Mensch und Schöpfung
Dichtung - Dialekt Margarete Grün
Ewig sein wird nur die Schöpfermacht, wenn der Mensch von heut‘ auch drüber lacht. Er hat alles, Meer und Weltall, fast besiegt; er vermeint, dass alles seinem Können unterliegt. Ja, der Menschengeist hat viel geschaffen! Er erfand der Technik Wunder und grausame Waffen! Sein Erfindergeist kann große Macht ihm leih‘n, er vermeint, schon Herr des Alls zu sein. Und doch ist klein der Mensch und vergänglich nur, ist ein Staubkorn in der großen Weltenuhr. Sein Leben, es ist bloß ein Kommen und Vergehen und ewig bleibt die Schöpfung und der Schöpfer nur bestehen.
Augenblicke Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, im nächsten Leben würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen. Ich würde nicht so perfekt sein wollen, ich würde mich mehr entspannen. Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich es gewesen bin, ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen. Ich würde nicht so gesund leben. Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen, Sonnenuntergänge betrachten, mehr bergsteigen, mehr in Flüssen schwimmen. Ich war einer dieser klugen Menschen, die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;
freilich hatte ich auch Momente der Freude, aber wenn ich noch einmal anfangen könnte, würde ich versuchen, nur noch gute Augenblicke zu haben. Falls du es noch nicht weißt, aus diesen besteht nämlich das Leben, nur aus Augenblicken. Vergiss nicht den jetzigen! Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich von Frühlingsbeginn an bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen. Und ich würde mehr mit Kindern spielen, wenn ich das Leben noch vor mir hätte. Aber sehen Sie...Ich bin 85 Jahre alt und weiß, dass ich bald sterben werde.
Dichtung - Dialekt
Serenade für den großen Wagen
Serenade für den großen Wagen, der abends zwischen den Wolken erscheint, beladen mit Sehnsüchten und Träumen, sachte wandernd über schöne Blumen, öffnend einen Weg für tapfer Wandernde. Serenade auch für klare Wege, erleuchtet durch tausend Sterne, leuchtend über die Kinder dieser Welt, die ständig träumen von Galaxien, die durch Generationen im Universum rotieren und immer wieder andere Generationen hervorbringen, Welle um Welle. Serenade für fruchtbare Felder, die gedeihen aus kleinem Samen, Blumen von seltener Schönheit,
99 Karl Balogh
die immer fremder werden für uns. Serenade für die im Raume, die diese fremden Blumen suchen, mit anderen auch befreundet sind. Für andere, die uns ähnlich sind, offen für Konstellationen, die noch zu entdecken sind. Und wenn wir zu den Sternen reisen in des großen Wagens Silberschein, ordnet zwischen diesen Sternen alles, was man heute weiß. Denn sie werden weiter funkeln, all die Sterne groß und klein wie weiße Tauben im Sonnenschein.
Weihnachtsüberraschung von Chris Denkt euch, ich habe das Christkind geseh‘n! Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee. Mit rot gefrornem Näschen taten ihm die kleinen Hände weh. Es trug einen Sack, der war gar schwer; es schleppte ihn polternd hinter sich her. Was drin war, möchtet ihr wissen?
Für Mama und Papa Karl und Chris Balogh Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack! Denkt ihr gar, er wäre offen der Sack? Zugebunden bis oben hin, doch gewiss ist was Schönes drin! Es riecht doch nach Äpfeln und Nüssen und nach anderen Leckerbissen. Ob wir artig waren oder nicht, das Christkind kennt Unterschiede nicht, für es sind alle Kinder gleich, egal ob arm oder reich.
Mutters Gesicht Der Mond ist am Zaun gefangen, das Kind ist aufgewacht, versucht mit einem Stock die Sonne im Teich aufzulösen. Es sterben alle Zecken. Ich irre im Hause umher mit einer Lampe, versuche sie einzufangen: die Wolke, den Nebel. Der Gedanke aus der Ferne
Karl Balogh ließ mir unter den Blättern einige Zeilen. Und ich schreibe meiner Mutter eine Postkarte. Und die Sonne über mir strahlt wie ein alter Mann, der im Stadtgarten spielt; allein die Sonne scheint durch vertrocknetes Laub. Im vollen Licht, durch trockenes Laub kann ich erkennen Mutters Gesicht.
Dichtung - Dialekt
100
Kirchweih 20. Okt. 1948 - Einladung von Pfarrer Josef Wild im Kirchengarten. Foto: Archiv Bei der Heirat bekommt man nicht nur einen Ehepartner, sondern gewöhnlich auch eine Schwiegermutter. Dass diese meist besser sind als ihr Ruf, veranschaulicht folgendes Gedicht:
Zum Lobe der Schwiegermütter
Als der Herr am siebten Tage mit der Schöpfung fertig war, überblickte er das Ganze, ob auch alles klipp und klar.
Und ein Glück ist es gewesen, dass der Herr sie nicht vergaß, weil das Unglück, wenn sie fehlten, übersteiget jedes Maß.
Plötzlich runzelt er die Stirne, sprach nachdenklich: So, aha, hätte beinah ich geschaffen keine Schwiegermamama.
Läg‘ das Kindlein in der Wiege? Säß‘ der Kaiser auf dem Thron? Fehlten uns die Schwiegermütter, gäb‘s dann einen Schwiegersohn?
Sprach‘s und schuf aus bestem Stoffe einige Dutzend allzugleich: Schwarze, Blonde und Melierte, an Gemüt und Schönheit reich.
Wärt ihr hier, ihr lieben Leutchen? Tränken heut‘ wir Hochzeitswein? Küsst‘ der Bräut‘gam heut‘ sein Bräutchen? Ohne Zweifel, sicher: Nein!
„Gehet hin“, sprach dann der Schöpfer zu der Schwiegermütter Heer. „Blühet, wachset und vermehret euch so wie der Sand am Meer.“
Sie versüßen unser Leben, sind mit ihrem Rat zur Hand, Recht muss ihnen stets man geben in dem jungen Ehestand.
Und sie gingen und sie taten nach des Schöpfers weisem Spruch, denn man findet allerorten Schwiegermütter nun genug.
Hoch darum die Schwiegermütter! Uns zum Segen sind sie da. Wer noch ledig, suche schleunigst eine Schwiegermamama.
Dichtung - Dialekt
101
Bauer, o Bauer..
Erwin Csonti
Bauer, o Bauer, dei Lewe is sauer. Von der Feldmaus iwer die Woo bis zu Bank all sauge dei Blut aus, mache dich schwach on krank. Bauer, o Bauer, dei Lewe is sauer, was dei Aarweit bringt is sieß, die ganz Welt dervon genießt. Du bescht von jedem Volk die Worzel, wo du verschwindscht, de Stamm de porzelt.
Ich bleib e Schwob
Stefan Michael Müller
Mei Zung, die is mer schwowisch gwaxe uner Schwowe vun de Heed, doch sin ich xund, han grade Haxe un so tut‘s mer gar net leed.
Un wors aa gschriewe in de Sterne, wie mei Weiche were gstellt, so sellt ich Herrisch trotzdem lerne, herrisch werd regiert die Welt!
Als Kind do han se mich verstann, so die Kleene wie die Groß‘, wann schwowisch ich gepappelt han, niemand hat sich an dem gstoß.
So is es gang die ganze Johre, lern jetz Deitsch zum dritte Mol, Die Zeit wor awer net verlore, geb ich zu ganz unverhohl.
Doch allzu lang hat‘s net gedauert, frieh wor‘s aus mit meiner Ruh, dass ich mich schon selbscht bedauert weger em: „Net so, mei Bu.“
Uf Hochdeitsch, Fränkisch zu parliere is mer gfalle net so schwer, doch, ob se mich schon akzeptiere, des bezweifel ich noch sehr.
De Schunge heßt uf Herrisch „Schinken“, de Worscht, des is uf Herrisch „Wurst“ un trenke saat mer wedrum „trinken“, is mer dorschtrich, hat mr „Durst“.
Die Bayre, Phälzer oder Saxe im Geringschte stert‘s die net, die mache niemols große Faxe, anzupasse ihre Red.
Sie tun es Herrisch eschtemiere, unser bessri Schwoweleit, es schwowisch Rede tut scheniere besonders vor de Owrichkeit.
E Schwob zu sin, tut mich net stere, nor als Schwob fiehl ich mich wohl, ich mecht aa net zu anre ghere, derft ich lewe noch emol. (Nürnberg, 22. Dezember 1997)
102
Kretsche, damols un heit
Die Kretsch, seit jeher em Bauer sei Ploch, frieher hat’n se ausgetränkt aus manchem Loch; oft awer hat ne se gaar net gfun, well die Viecher waare aach net so dumm. Die han sich verstohl ganze Speichre angeleet, vom Bauer seiner Frucht, noch eh’ se gemäht. For Zeide, wo die Not aarich groß, wann alle Flure ruhe em Wender seim Schoß. Dann wer’n die Viecher richtich munter unrem Schnee, em Erdreich tief drunner un genieße, was se em Sommer verscharrt, fresse sich rond un dick, han de Bauer vernarrt. Un heit hat e Hamster so manches Kend als Haustier em Zimmer un schmust met’m blend. Geht met’m spazeere dorchs ganze Haus, die Oma kritt ball de blanke Graus -
Dichtung - Dialekt Werner Tobias
kennt sie noch die Zeide, wo jede em Ort gsaat hat: „Geh mr bloß met dem Ungeziwer fort!“ Sie schennt met de Eltre: „Wie kennt dr das losse? Holt dem das Viech weg, drmet treibt mr kä Posse!“ Et es halt ganz annerscht en dr heidiche Zeit, wo de Umweltschutz so aarich vill bedeit. En mancher Gemein losst mer sich et was koschte, tut meh for die Tiere, wie for Sonderposchte... En Mainz, es et seit Letschtem allseits bekannt, hat mr gaar zwaa Millione genn aus dr Hand. Well dort jetz e nei Siedlung waar planifizeert, hat mr siewe Kretschefamilie schnell umkoloniseert. Die Viecher fiehle sich aarich gut en dr nei Parzell, nor for e Kennergaarte es em Moment graad kä Geld!
Aussprüche / Sinnsprüche • Uns selbst anzulügen ist tiefer in uns drin als andere anzulügen. Fjodor M. Dostojewski • Glück und Unglück nehmen den Menschen die Maske ab. Sprichwort aus Indien • Sag, was du zu sagen hast , und nicht, was du sagen solltest! Henry David Thoreau • Ausgerechnet der Mensch ist unmenschlich. Thomas Bernhard • Mittelweg ist ein sicherer Steg. (unbekannt) • Geduld ist etwas wie „praktische Liebe“. Walter Hilsbecher • Aufrichtigkeit ist eine Tugend, die ihren Lohn schon im Namen mit sich führt: Sie richtet auf! Edna Ferber • Verschiedenheit muss kein Grund für Rivalität sein, sondern Ermutigung, am eigenen Weg nicht stehen zu bleiben. Theresia von Lisieux • Eine Rede wird durch Gleichnisse schön. Sprichwort aus Russland • Nur der verwandte Schmerz entlockt uns die Träne und jeder weint eigentlich für sich selbst. Heinrich Heine • Das Wertvollste aller Talente besteht darin, niemals zwei Wörter zu benutzen, wenn eines ausreicht. Thomas Jefferson • Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein. Eduard Mörike • Die Erinnerungen verschönern das Leben, aber das Vergessen allein macht es erträglich. Honore‘ de Balzac • Der Mensch rechnet immer das, was ihm fehlt, dem Schicksal doppelt so hoch an, wie das, was er besitzt. Gottfried Keller • Courage ist gut, Ausdauer ist besser. Theodor Fontane • Nichts zu tun zu haben hat den Nachteil, dass man keine Ruhepausen machen kann. F. J. • Was du nicht hergeben kannst, besitzt du nicht. Es besitzt dich. I. B. • Die Vernunft enttäuscht uns oft, das Gewissen nie. Jean Jacques Rousseau
Begegnungen
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20-jähriges Jubiläumstreffen „Billeder un‘r sich“ - 2008
Johann Gehl
Z
u den beiden diesjährigen Seniorentreffen kamen viele Landsleute, die schon von Beginn an dabei waren, aber auch jüngere Rentnerinnen und Rentner, die im Laufe der Zeit dazugekommen sind. So waren es im April 43 und beim Herbsttreffen 47 Billeder Senioren, die in gemütlicher heimatlicher Stimmung mit Nachbarn und Freunden ihr Beisammensein feierten. Auch diesmal gab es in gewohnter Umgebung wie immer frische Bäckkipfel und viel hausgemachten Kuchen. Dazu servierten die Hauswirte Getränke aller Art und Kaffee. Beim Apriltreffen trug Sepp Kupi eine Beschreibung des Ulmbacher „Jahrmarkt“ vor, wobei sich alle Billeder erinnerten, wie sie als Kinder oder Jugendliche den damaligen Billeder „Große Mark uf de Hutwed“ beim Dorfeingang erlebt haben. Anschließend erinnerte J. Gehl, Initiator der Billeder Seniorentreffen, in einem kurzen Rückblick an die Begegnungen in diesen 20 Jahren und kündigte zum Herbsttreffen die Übergabe der Organisationsaufgaben an einen jüngeren Landsmann an. Im ersten, dem kulturell-geschichtlichen Teil des Septembertreffens, wurde das Gedicht des Alt-Bebaer Lyrikers Klaus Günther (1920-1982) „Maria Theresia an ihren Sohn Josef“ mit vorherigen Erläuterungen zu den 3 Schwabenzügen vorgetragen. Danach wurde das zeitlich in 3 Bildern gebundene Triptychon “Herbst“ des Landsmannes Karl-Hans Groß (*1926 + ) aus Lenauheim-Hatzfeld präsentiert. In seinem Abschiedswort gedachte J. Gehl all der vielen Billeder Senioren, die von Anfang an bei diesen Treffen dabei waren und in den 20 Jahren verstorben sind sowie aller Billeder Toten in der alten Heimat und weltweit und schloss mit den Worten: „O Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und lass sie ruhen in Frie-
den!“ Denen jedoch, die aus Krankheits- oder Altersgründen nicht mehr dabei sein können, wünschte er im Namen aller Anwesenden Gesundheit und Zufriedenheit im Kreise ihrer Familien. Anerkennung und Dank ging an die Frauen, die immer für die frischen Bäckkipfel und die hausgemachten Kuchen sorgten, wofür sie als „Dankeschön“ eine kleine Süßigkeit erhielten. Besonderer Dank ging an die Bedienerinnen Leni Braun, Regina Braun und Elisabeth Gehl, denen für ihre lobenswerte Mitarbeit ein Buchgeschenk überreicht wurde. Auch den gewesenen Hauswirten Josef Blum und Hans Bors sowie dem gegenwärtigen Hauswirtehepaar Krisch wurde gedankt für die gute Bewirtung und an Frau Krisch ging auch ein Buchgeschenk. Anerkennung gab es auch für Sepp Herbst, der jedesmal über die aktuellen Aktivitäten der Billeder HOG berichtete. Humorvoll war das Lob an alle Männer gerichtet, weil sie sich solch fleißige und tüchtige Frauen gefunden haben. Im 2. Teil der Begegnung lobte Werner Gilde, der Vorsitzende der HOG Billed, in seiner Ansprache die Initiative dieser Zusammenkünfte der Senioren sowie ihr 20-jähriges Bestehen und überreichte J. Gehl die Ehrenurkunde der HOG-Billed für die unermüdlichen Bemühungen im Dienste seiner Landsleute: • 10 Jahre (1987-1997) Kassenwart und Vorstandsmitglied der HOG Billed • 3 Jahre Redakteur des Billeder Heimatblattes und Mitarbeiter an den folgenden Ausgaben • Initiator und 20 Jahre Organisator der Seniorentreffen „Billeder un‘r sich“ • Mitorganisator der Billeder Heimattage und Festlichkeiten am Billeder Denkmal (Allerheiligen, Russlandverschleppung u.a.) • Beihilfe und Beratung für Anträge an verschiedene Ämter u.a. Die Fortführung der Seniorentreffen „Billeder
104 un‘r sich“ übernimmt für die nächsten Jahre Landsmann Jakob Muttar, der auch Kassenwart und Vorstandsmitglied der HOG Billed ist. Für 2009 wurden folgende Termine festgelegt: Mittwoch, den 22. April 14 Uhr und Mittwoch, den 16. September 14 Uhr jeweils im Haus der Heimat. Zum Abschluss wünschte der HOG Vorsitzende, dass auch weiterhin viele Billeder Landsleute zu diesen traditionellen Seniorentreffen kommen werden.
Begegnungen
Klassentreffen der Jahrgänge 1960-1965 am 14. Juni 2008
Elfriede Mumper
B
ei freundlichem Wetter trafen ca. um 15 Uhr die meisten Teilnehmer unseres Treffens ein. Schon vor dem Frankenthaler Donau-schwabenhaus wurde man von Bekannten und vermeintlich Unbekannten begrüßt. Im Saal mit den schön dekorierten Tischen ging das allgemeine Rätseln, Fragen und Forschen los. Wer bist du? Hatte man das Quiz gelöst, war man erstaunt, überrascht, erleichtert; Erinnerungen kamen auf. Mit der Schulglocke hat Werner Gilde den offiziellen Beginn unseres Treffens eingeläutet. Da war es selbstverständlich, dass alle Gespräche verstummten und sich jeder an einen Platz, heute nicht in der Schulbank, sondern an seinen Jahrgangstisch setzte. Werner Gilde, der Vorsitzende der Heimatgemeinschaft Billed e. V. und Vorsitzender des Kreisverbandes der Banater Schwaben aus Karlsruhe, ergriff das Wort, indem er uns alle recht herzlich willkommen hieß. Ganz besonders begrüßte er die anwesenden Lehrerinnen Frau Slavik und Frau Schaljo und dankte für ihren Einsatz und ihre Mühe während ihrer Tätigkeit, stellvertretend auch
für alle unsere gewesenen Lehrerinnen und Lehrer. Aus Respekt und zum stillen Gedenken standen wir alle auf und gedachten mit einer Schweigeminute all der Lehrer und Schüler, die schon verstorben sind. Ein Dankeschön ging auch an alle, die bei der Organisation dieses Klassentreffens mitgearbeitet haben, dem wir alle mit einem kräftigen Applaus beipflichteten. Die Idee dieses Treffens wurde 2007 beim Schlachtfest in einer netten Gesprächsrunde geboren. Das sehr ansprechende Einladungsschreiben bringt diese Idee auf den Punkt: „Liebe Kolleginnen und Kollegen, ‚Nimm dir Zeit für deine Freunde, sonst nimmt die Zeit dir deine Freunde’, heißt ein Sinnspruch eines unbekannten Dichters. Wenn wir das Wort „Freunde“ dann noch zweimal durch das Wort „Erinnerung“ ersetzen, so haben wir mindestens zwei gute Gründe, uns zu einem mehrere Jahrgänge umfassenden Klassentreffen zu sehen. Damals: Wir waren noch jung, unsicher, picklig, wollten die Welt verändern.
Begegnungen
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Treffen der Billeder Jahrgänge ’60-65 im Frankenthaler Donauschwabenhaus Heute: Wir wissen, wo’s im Leben langgeht, die Haare werden heller, die ersten Falten sichtbar. Na und? Dazwischen: Ist viel passiert! Auch deshalb wollen wir uns treffen!“ Werner Gilde hat als Vorsitzender der HOG Billed darauf hingewiesen, dass wir doch auch unser Heimatortstreffen nutzen sollten, um Gemeinschaft zu erfahren, zu erleben und als Gemeinschaft von den Politikern wahrgenommen zu werden. „Wir haben nun alle ein Alter erreicht, wo sich die Frage stellt, ob wir uns zu der Gemeinschaft dazugehörig fühlen. Wenn ja, dann sollten wir mit unserem Mitmachen und Kommen zeigen, dass wir dazu gehören. Zu einer Gemeinschaft, die uns geprägt hat, die uns sehr viel Positives auf unseren Lebensweg mitgegeben hat. Darum geht jetzt schon die Einladung an alle, nächstes Jahr bei unserem Pfingsttreffen dabei zu sein.“ Um das Weiterbestehen unseres jährlich erscheinenden Heimatblattes zu gewährleisten, hat uns Werner Gilde dazu ermutigt, unsere Erinnerungen als gebürtige Billeder oder Banater aufzuschreiben und den Beitrag der Nachwelt im Heimatblatt zur Verfügung zu stellen. Denn manch Interessantes kann man nur so erfahren,
wo doch selbst Nicht-Billeder unser Heimatblatt sehr gerne lesen. Dieser Aufruf wurde mit dem von unserem Redner im Internet gefundenen Gedicht unterstrichen: „Erinnert eich mol! Wie des war, als ihr noch kleeni Kinner wart? Es gab oft sonderbare Sache, die mer heit , gar nimmi kann mache. Mir ware bade in der Kaul un reite mit`m nochbersch`Gaul, im Dreck un barfuß han mer gspielt un ware gar net oft verkielt. Als Halberwachsne kam oft dann die Kerweihzeit un‘s Hausball dran, des gibt`s so kaum noch, schaad is`s drum, die Jugend, die war so schnell rum. Des neie Lied war Heirat dann, do hat mer sich was angfang! Un Kinner gab’s gewiss schon bald, so war de Brauch im Lewe halt. Es gab noch viele scheeni Sache, die mer im Banat konnt mache. Schreibt se uf, mir bitte drum, dass jede uf sei Koste kummt.
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Leistung und Würdigung
Franz Tröster und Horst Reiter heizten uns richtig ein, es wurde „gezäppelt“, „gefetzt“, was das Zeug hielt! ... denn unsere Musiker spielten uns unsere Lieblingslieder auf Wunsch. Ihr kennt bestimmt, so manche Gschichte, die kennt ihr uns gleich do berichte. Un jede derf was derzu saan, jetz huckt eich hin, un fangt gleich an! Eine weitere Leistung der HOG Billed ist die neue CD „Heimatklänge“ der Trachtenblasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen, die beim Treffen zum Verkauf angeboten wurde, da sie sich auch als Geschenkidee sehr gut eignet. Jeder Jahrgang machte mindestens ein Gruppenfoto, wobei wir acht des Jahrgangs 1961, dank einer Nachzüglerin, eine 2. Chance zum Fotoshooting bekamen. Für das leibliche Wohl sorgte das eingespielte Küchenteam des Donanauschwabenhauses Frankenthal zum Kaffee und dem einladend hergerichteten Kuchen-Tisch. Die zahlreichen Kuchenspenden verwöhnten unsere Gaumen, wobei uns manches Rezept stark an unsere Jugend erinnerte (z.B. Dobosch). Zum Abendessen gab es leckere „Krautknödel“ oder das bewährte „Schnitzel mit Pommes“ mit Salat. Freundliche Helfer sorgten dafür, dass jeder sein Getränk nach Wunsch bekam, was bei insgesamt über 100 Teilnehmern auch mal anstehen bedeutete. Die Zeit haben viele dabei mit
„Verzähle“ überbrückt, so dass das Anstehen recht schnell verging. Mit der Musik kam dann eine lockere Atmosphäre auf, nachdem wir uns anfangs eher austauschen und erinnern wollten.Wir haben alte Geschichten ausgekramt und unsere Schulzeit mit Wehmut und Wohlwollen eher verklärt betrachtet... Aber Franz Tröster und Horst Reiter heizten uns richtig ein, es wurde „gezäppelt“, „gefetzt“, was das Zeug hielt! Manch einer kam so richtig auf seine Kosten, denn unsere Musiker spielten uns unsere Lieblingslieder auf Wunsch. Da wurde mitgesungen, getanzt, geklatscht und dirigiert. Bei der Polonaise blieben nur noch wenige auf ihren Stühlen sitzen. War das eine tolle Stimmung! Um ca. 3:30 Uhr morgens hat uns das Il Silentio dann klar gemacht, dass unser Treffen dem Ende zugeht. Schon im Aufbruch begriffen, haben wir noch gemeinsam das Lied „Wahre Freundschaft“ gesungen. An dieser Stelle möchte auch ich ein herzliches „Danke“ an die Ideengeber, Organisatoren, Helfer und Spender aussprechen. Das war ein schönes Klassentreffen, das bestimmt für alle eine Bereicherung war!
Leistung und Würdigung
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Die Erwachsenen-Tanzgruppe aus Karlsruhe. Foto: Cornel Gruber
Billeder in Ulm 2008
W
enn man von etwas redet, sollte man es gesehen haben: Ulm ist immer eine Reise wert. Wer sie mit dem Pfingstwochenende verbinden konnte, hat was gesehen und einiges erlebt, so auch ich, als Lissi und Mischko mich zum Heimattag der Banater Schwaben mitgenommen haben. Schon auf der Böfinger Straße waren wir nicht mehr die einzigen Billeder. Gefreut habe ich mich auf das Wiedersehen mit Jakob und er war da , mit Familie. Auch er war nicht der einzige Billeder, der sich mit 80 und mehr auf den Weg gemacht hatte zum Sehen, Erleben, Erinnern. Beeindruckend war für mich jeder Billeder Händedruck. Viele junge Hände, die ich zum erstenmal als Billeder Hände erkennen und fühlen durfte, machten mich glücklich. Finden konnte ich sie beim geselligen Beisammensein in der überlauten Halle 1. Davor gab‘s jedoch noch den Festgottesdienst in der Donauhalle, die politische Kundgebung, bei der unser Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner zum „Komprimieren der Ansprachen“ riet, damit die Ehrengäste und Gäste noch vor dem freudig erwarteten Volkstumsnachmittag auch auf ihre knurrenden Mägen achten könnten. Der Festgottesdienst, festlich, glanzvoll, gut besucht, wirkte wirklich heimatlich auf die
Peter Neumann
Gemüter durch die vertrauten Lieder. „Schon bal wie drhem.“ Aus der Festrede des saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller: Nach wie vor ist Deutsch die meistgesprochene Muttersprache in Europa; die Partnerschaft zwischen dem Max-Planck-Gymnasium in Saarlouis und dem Lyzeum in Lugosch als Beispiel vielschichtiger Zusammenarbeit zwischen dem Saarland und dem Banat; in Bezug auf das Ausnahmewetter – Ulm ist für seine Nebel bekannt – meinte er, „Die Sonne scheint auf die Banater Schwaben!“ Wie lange noch, wollte ich von meinem Nachbarn wissen. Ein Windstoß brachte die Jalousien der Donauhalle zum Erzittern: Hoffentlich keine Antwort auf meine Frage! Aus der Lebensweisheit seines Großvaters zitierte Peter Müller: “Bub, wenn du was zu reden hast, stell dich so, dass man dich sieht, rede laut, dass man dich hört und hör schnell uff, damit man dich erträgt!“ Der Reschitzer Dr. Zeno Pinter, Staatssekretär in Bukarest, stellte fest: „Die Banater trennen keine Grenzen, nur Entfernungen.“ Vielleicht auch Welten, könnte man meinen. Wenn man den Erfahrungen des Aussiedlerbeauftragten der Bundesregierung Dr. Christoph Bergner mit den rumänischen Behörden lauscht, weiß man sofort, dass man dieses Land
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Begegnungen
Das Überreichen der höchsten Auszeichnung des Verbandes, der Prinz-Eugen-Nadel, an Peter Krier als Würdigung seiner jahrelangen verdienstvollen Arbeit als Funktionsträger der Landsmannschaft. kennt. Wenn er erklärt, dass der rumänische Staat aus deutschen Hilfen für Altenheime in Rumänien fiskalischen Nettogewinn schlägt, überrascht das nur ihn. Es geschieht zu Lasten der Erlebnisgeneration in diesen Heimen. Er sprach auch das Fremdrentengesetz an – ein bisschen Wahlkampf. Unser Bundesvorsitzender Bernhard Krastl meinte, den Staub an den Schuhen, mit denen man seine Heimat verlässt, schüttle man niemals ab: So mancher versuchte es, so mancher versucht es. Seine wohl schönste Amtshandlung hier war das Überreichen der höchsten Auszeichnung des Verbandes, der Prinz-EugenNadel, an Peter Krier als Würdigung seiner jahrelangen verdienstvollen Arbeit als Funktionsträger der Landsmannschaft. Und das Publikum klatschte, als wären nur Billeder im Saal! Peters Dankeswort war schlicht und aussagekräftig, mit Seitenhieb an Mitstreiter. Er habe nur das getan, was seine Eltern ihn gelehrt haben: Als Schwob gelebt und gehandelt – So ehrt man Eltern. Es war die kürzeste und gehaltvollste Ansprache der Veranstaltung, was auch der Beifall bezeugte. Die Billeder sind stolz! Die Festlichkeit des Vormittag-Programms bestimmten die Jugend- und Trachtengruppen mit: Als Ehrengarde vor der Bühne waren sie in ihren bunten Trachten eine schmucke Zierde, lebende Blumengirlanden, die alle im Saal beeindruckten.
„Heimat im Herzen“ hieß die Ausstellung der Banater Laienkünstler im Foyer der Messehallen, wohin viele kamen, um dem Trubel zu entfliehen, Kunst zu bewundern, zu verinnerlichen, allein zu genießen. Die Billeder kamen auch beim gelungenen Volkstumsnachmittag so richtig zur Geltung, als „Heiderose“ mit Leiterin Edith Bartha, als Kinder- oder Erwachsenen-Tanzgruppe aus Karlsruhe, als Trachtenblasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen – sie gaben alles und wurden gefeiert. Ganz groß kamen wieder die Kleinen aus Karlsruhe raus, schwungvoll beim Tanzen, beherzt beim Gedichtvortrag. Werner Gilde überzeugte als Großvater, er kann‘s eben. Die „dick Tromml“ und das „Juxe der Kerweihbuwe“ machten auf die 11 Kerweihpaare der Karlsruher Trachtengruppe aufmerksam, die alle Zuschauer von den Stühlen rissen. Auf der Bühne wurde traditionell der Strauß lizitiert und zwar in Lei. Bis spät spielte die Kapelle in Halle 1 und konnte so für ihre frischaufgenommene CD werben. Zur Freude aller haben die Karlsruher Trachtengruppen noch einmal ihr Können gezeigt und sich unter Applaus dem Blitzlichtgewitter der Kameras gestellt. Die Dezibel hat niemand gemessen, doch gespürt, viele wurden dabei heiser. Ein Tag mit Billedern: Wie sie feiern, tanzen, toben, laufen, schnaufen, s...
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Der Höhepunkt des Abends war der unerwartete Auftritt der Trachten-Tanzgruppe aus Karlsruhe unter der Leitung von Heidi Müller und Werner Gilde.
Stimmungsvolles Herbstfest in Nürnberg
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m 13. September ab 14 Uhr sorgte die Billed-Alexanderhausener Blaskapelle im Genossenschaftssaalbau in der Nürnberger Bauernfeindsiedlung für tolle Stimmung, obwohl am Anfang nicht der Eindruck erweckt wurde, dass sich der Saal füllen werde. Doch die Landsleute kamen – nicht nur die Billeder und Alexanderhausener, sondern auch Blasmusikfreunde aus anderen Heimatgemeinden des Banats, ja sogar Siebenbürger Sachsen – und der Saal füllte sich, es wurde wieder ein Erfolg. Die selbstgebackenen Kuchen, Torten und Kipfel, gespendet von den Nürnberger Billedern, warteten einladend und schmeckten – wie immer – hervorragend. Flott wurde bis in die späten Abendstunden das Tanzbein geschwungen und man konnte weder bei Alt noch Jung Anzeichen von Müdigkeit erkennen. Es wurde gejuchzt, gestampft, mitgesungen, auch marschiert wie einst im Billeder „Camin“ (Kulturheim), die Stimmung war einfach phantastisch. Es folgte eine Zugabe nach der anderen, es blieb nur wenig Zeit, um sich eine Pause zu gönnen,
Renate Frombach
denn die Musik riss einfach mit. Der Höhepunkt des Abends war der unerwartete Auftritt der Trachten-Tanzgruppe aus Karlsruhe unter der Leitung von Heidi Müller und Werner Gilde, durch deren tolle Tänze, die viel Applaus ernteten, wir uns sehr geehrt fühlten und uns dafür herzlich bedanken. Um 24 Uhr sollte das stimmungsvolle Fest enden, doch dann gab es noch eine Polka, eine Zugabe und noch eine Zugabe und noch ein allerletzter Marsch. Alle marschierten oder klatschten mit und damit war Schluss für dieses Jahr. Für das nächste wird bereits geplant. Ausdrücklichen Dank an die Organisatoren E. Follmer, H. Preisach, Hedi und Johann Grapini, Fam. Pritz für die zahlreich gespendeten Torten, Kuchen und Kipfel und an all jene, die bei der Organisation geholfen haben. Wem es gefallen hat, möge im nächsten Jahr wieder kommen, Freunde und Bekannte mitbringen, wenn es am 19.09.2009 heißt: „Es ist Herbstfest in Nürnberg“ und es spielt die Billed-Alexanderhausener Blechmusik!
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Organisatoren und Helfer nach dem Parteitag der Deutschen Volkspartei Rumäniens in Billed 21. – 22. August 1937. Einsender: Angela Karl, geb. Scholz (Freilassing)
Schlachtfest bei der Trachten-Blasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen
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m 25. Oktober war wieder Schlachtfest im Donauschwabenhaus in Frankenthal: Die Mannschaft um Sepp Dinjer, Franz Klein und Hans Muhl hat ihr Bestes gegeben, um dieses Fest wieder so richtig schön werden zu lassen und es hat alles bestens geklappt. Das „SauerEssen“ hat hervorragend geschmeckt und die Schlachtplatte am Abend erst recht. Dazwischen gab es Kaffee und Kuchen. Den Kuchenspendern herzlichen Dank, auch Johann Tobias von den Helferinnen für die Dobosch, die er schon seit Jahren liefert; ebenso den Dinjers für den schon traditionellen „Griewekuche“. Dabei war diesmal wieder die Tanzgruppe der Banater Schwaben aus Karlsruhe, geleitet von Heidi Müller und Werner Gilde, die die Zuschauer sehr begeisterten und tosenden Applaus ernteten. Zu Gast hatten wir diesmal unseren Bundesvorsitzenden Bernhard Krastl und Ehefrau, der froh war, mal mit uns zu feiern und keine
Adam Tobias
großen Reden schwingen zu müssen. Richard Hummel, dem zweiten Vorsitzenden des Vereins Freundeskreis Donauschwäbischer Blasmusik – dem wir auch angehören – hat es bei uns auch sehr gut gefallen. Als offizieller Akt ehrte Werner Gilde für ihren langjährigen Einsatz beim Schlachtfest Maria Muhl mit einer Urkunde, auch Jakob Groß sen. für die vielen Jahre, die er Musik gemacht hat, davon etliche als Kapellmeister. Unser Fan-Club hat uns wieder eine 1m-Dobosch und eine beachtenswerte Geldsumme zukommen lassen, dafür besten Dank, auch für die Geldspenden von Josef Hipp, Franz Tobias und Johann Mathis danken wir. Erst nach dem Abendessen wurde die sehnlichst erwartete Tombola verlost; wir spielten dann bis 23 Uhr, danach ließ Gerry Kegler bis in die Morgenstunden die Puppen tanzen. Nächstes Jahr, am 17. 10. 2009, gibt es in Frankenthal ein Jubiläums-Schlachtfest!
Leistung und Würdigung
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Der von Franz Tobias und Franz Herrenreich im Namen der HOG Billed niedergelegte Kranz als Zeichen unserer hohen Wertschätzung und tiefen Trauer anlässlich des Hinscheidens unseres Landsmannes Franz Klein
Trauer-Rede für FRANZ KLEIN
von Dr. Hans Dama, Wien
Werte Familie, liebe Trauergemeinde, wenn man einen geliebten Menschen für immer verliert, sind Trauer und Schmerz der empfindsame Ausdruck für die Wertschätzung des Heimgegangenen. LIEBER FRANZ, Dein letzter Weg – ohne Rückkehr – ist der schwerste für uns alle, für mich besonders, denn wir sind über drei Jahrzehnte unseres Lebens zahlreiche gemeinsame Wege miteinander gegangen, haben interessante und anregende Gedanken ausgetauscht, haben vieles geteilt. Du warst mir ein väterlicher Freund: Verbunden hat uns nicht NUR unsere gemeinsame Heimat – das Banat – jenes einstige Kronland der Habsburger, dem wir entstammen und als Altösterreicher in Wien eine neue Heimat gefunden haben und uns dieser neuen Heimat historisch verbunden wie verpflichtet fühlen. Du hast in Billed, nahe der Banater Hauptstadt Temeswar – auch Klein-Wien genannt
- das Licht der Welt erblickt, warst stets Deinem Banater Schwabenvölkchen – sowohl in der alten als auch in der neuen Heimat - mit all Deiner Kraft zugetan, hast nach dem Zweiten Weltkrieg in Wien eine Familie gegründet und sie mit viel Liebe und Hingabe umsorgt. In gleichem Maße hast Du Dich seit 1945 in Österreich für Deine Landsleute engagiert, sie vereinsmäßig durch 17 Jahre als Obmann angeführt und den Verzweifelten Mut und Zuversicht vermittelt. Deine selbstlose Hilfsbereitschaft, Dein bedingungsloser Einsatz waren einmalig – vor allem als Du nach den Dezemberereignissen 1989 in Temeswar und im Banat Hilfsgüter organisiert und diese vor Ort den Bedürftigen persönlich überreicht hast, den aus dem Banat und Siebenbürgen Ausreisenden nach Deutschland über Monate täglich am Wiener Westbahnhof mit Rat und Tat behilflich gewesen bist. Jahrzehntelang hast Du einen Großteil Deiner Freizeit in Archiven und Bibliotheken verbracht: Die Früchte dieser Forschungsarbeit
112 liegen in Deinen Büchern verankert, fanden Anerkennung in universitären Fachkreisen auf der ganzen Welt. Höchste Stellen haben Deine Tätigkeit mit dem Verdienstkreuz in Gold und Silber der Republik Österreich sowie mit anderen hohen Auszeichnungen geehrt. All das hinterlässt Du Deinen Lieben: Wir können Dich nur so der Erde zurückgeben, wie Du sie am 17. 10. 1919 betreten hast. Dein Geist aber wird stets unter uns weilen, unser Handeln und Denken beseelen. Doch in Gottes Händen
Leistung und Würdigung und in seinem Reich der Ewigkeit wird Deine Seele, vom irdischen Leiden befreit, die sanfte Ruhe finden. Auf diesem Wege möchte ich Deiner Familie auch im Namen der Banater Schwaben Österreichs unser aufrichtiges Beileid und tiefes Mitgefühl aussprechen. Wir fühlen und trauern mit ihr um einen guten Menschen sowie einen lieben Weggefährten, den wir stets in ehrbarer Erinnerung behalten werden. Gott gebe Deiner Seele, lieber Franz, den ewigen Frieden!
Beileidsschreiben
an die Angehörigen des verstorbenen Obmanns der Banater Schwaben in Österreich Bürgermeister Ing. L. Duta, Forumsvorsitzender A. Csonti, Pfarrer B. Dumea
M
it großer Betroffenheit haben wir die Nachricht vom Tode unseres Landsmannes, des langjährigen Obmanns der Banater Schwaben in Österreich, FRANZ KLEIN erhalten. Er war ein verdienter Sohn unserer Gemeinde Billed. Schon in seinen Jünglingsjahren hat er sich für die Jugend seiner Heimatgemeinde eingesetzt und sie fürs Wandern und den Sport begeistert. Der Zweite Weltkrieg veränderte auch sein Leben: Nach Kriegsende ließ er sich in Wien nieder, wo das Schicksal der Flüchtlinge aus seiner Heimatgemeinde und aus anderen Orten der Banater Heide im Herbst 1944 seine Kräfte mobilisierte. Uneigennützig stellte er sich in ihren Dienst und ging ihnen mit Rat und Tat zur Hand. Für die in Österreich verbliebenen Banater Schwaben gründetet er die „Landsmannschaft der Banater Schwaben in Österreich“. Er vergaß auch seine in der alten Heimat verbliebenen Landsleute nicht und half ihnen mit Lebensmitteln und Medikamenten. So lebte er ein praktizierendes Christentum nach den Worten Christi: „Ich war hungrig und ihr habt mich
gespeist, ich war krank und ihr habt mir geholfen.“ Für sein Heimatdorf schuf er ein bleibendes geistiges Denkmal: „Billed Chronik einer Heidegemeinde im Banat in Quellen und Dokumenten 1765-1980“, wofür er mit einem Bienenfleiß sondergleichen die Wiener Archive durchforstet hatte. Sein Werk wurde Vorbild für viele andere Ortsmonographien der Banater Schwaben. Schon kurz nach der Wende erkannte der Ortsvorstand von Billed das bedeutende Wirken von FRANZ KLEIN an und ernannte ihn am 27. April 1990 zum ersten Ehrenbürger der Gemeinde. Zu seinem Hinscheiden drücken ihr tiefstes Bedauern das Rathaus, das Ortsforum der Banater Schwaben aus Billed und das röm.-kath. Pfarramt aus. Er bleibt in unseren Herzen lebendig. Gott schenke IHM den ewigen Frieden!
Leistung und Würdigung
Hans Sieber-Brach achtzig
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Peter Krier/ Adrian Nuca-Bartzer
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aum hat man sich an die Zehnerzahl sieben bei der Angabe des Lebensalters gewöhnt, ist schon die acht da und es scheint, dass die Zeit rasend schnell vergangen ist. Achtzig Jahre sind am durchschnittlichen Menschenleben gemessen eine lange Zeit. Allerdings erfüllt nicht die Zeit alleine das Leben, sondern es kommt darauf an, wie wir die uns gegebene Lebenszeit ausfüllen, wie wir unsere Begabungen, Fähigkeiten, Talente und Chancen nutzen, um unser Leben auszufüllen. Ein Rückblick auf das Leben von Hans Sieber-Brach, der seinen 80. Geburtstag feiern konnte, zeigt, dass der bekannte Banater Sänger und Chordirigent seine Fähigkeiten und Chancen im Leben genutzt hat und auf ein erfülltes Leben zurückblicken kann. Dabei waren die Begleitumstände seines Lebensweges streckenweise ungünstig und schwierig. Wie die meisten seiner Altersgruppe blieb er von den Erschwernissen, der Härte und Not nicht verschont, die Mitte des vergangenen Jahrhunderts über unsere Heimat kamen. Als persönliches Schicksal kam für den am 11. Januar 1928 in Billed geborenen Hans Sieber-Brach noch hinzu, dass er schon im frühen Kindesalter seinen Vater verloren hat. Von der Schulbank weg wurde er an seinem 17. Geburtstag zur Zwangsarbeit nach Russland verschleppt. Nach 5 harten, entbehrungsreichen Jahren kam er wieder heim, doch eine seinem Talent und seinen Wünschen entsprechende Ausbildung war in der damals verarmten Heimat nicht möglich. Es galt, Brot zu verdienen. Erst nachdem er einen Beruf erlernt hatte und Geld verdiente, konnte er Gesangunterricht nehmen und in fünfjähriger intensiver Arbeit seine Stimme in klassischem Gesang ausbilden. Allmählich wurde er in Temeswar ein erfolgreicher Sänger, sang im Rundfunk und Fernsehen, wurde Solist der Staatsphilharmonie und des Schubert-Chors, besang Schallplatten
und erwarb sich einen klangvollen Namen im Banater Kulturleben. Unvergessen sind seine Auftritte in den 70er Jahren bei der aufsehenerregenden SchwabenShow neben Hans Jung und bei den mehrfach veranstalteten „Schwowische Owede“, bei denen er nicht nur als Sänger von Volks- und volkstümlichen Liedern, sondern gelegentlich auch schauspielernd in Sketchen auftrat. Seine große Liebe galt jedoch dem Kunstlied. In unzähligen Konzerten des Schubert-Chores, dem er von Anfang an angehörte, brachte er seinen Landsleuten durch seine stilreinen, tiefempfundenen Interpretationen vor allem Lieder von Franz Schubert und Robert Schumann zu Gehör, die ihm besonders am Herzen lagen. Es war seine wunderschöne, warm klingende Baritonstimme, sein künstlerisches Potential, das die Zuschauer fesselte und berührte. Seine Begabung als Maler hingegen ist der Öffentlichkeit weitgehend verborgen geblieben. Das Malen war ihm Entspannung und Erbauung, aber auch eine willkommene Möglichkeit, in seiner Heimatgemeinde Billed bei der Renovierung der Kirche maßgebend mitzuwirken. Trotz seiner Vielseitigkeit und Flexibilität konnte er sich dem herrschenden Regime nicht anpassen. Nach langen Bemühungen gelang ihm – zusammen mit seiner Frau Gerda – die Ausreise in die USA, von wo sie nach kurzer Zeit nach Deutschland kamen und in Gögglingen bei Ulm eine neue Heimat fanden. Obwohl Hans Sieber-Brach bis zu seiner Pensionierung in seinem Beruf als Maschinenbautechniker arbeitete, wirkte er im Raum Ulm auch als Dirigent dreier großer Chöre, die unter seiner Stabführung ein hohes Niveau erreichten und viele Erfolge erzielen konnten. Diese
114 Tätigkeit regte ihn auch zum Komponieren an. Es entstand eine Reihe geistlicher und weltlicher Chorkompositionen, darunter ein „Ave Maria“, eine Messe, eine Kantate zu Tellerinschriften, auch das tiefempfundene „Winter“, das von der Singgruppe des Schubert-Chores auf CD aufgenommen wurde, worauf der Jubilar auch als Solist des Volksliedes „Schau, schau mal wie‘s regnet“ zu hören ist. Durch sein musikalisches Können, seine beispielhafte Gewissenhaftigkeit, seinen humorvollen Charme und sein gewinnendes Wesen prägte er den Schubert-Chor und verkörpert in besonders hohem Maße die künstlerischen Ideale dieser Singgemeinschaft. Verständlich, dass der Chor ihm ein Ständchen brachte, als er krank war, und er dem Chor ein zusammen mit seiner Frau gemaltes Portrait Franz Schuberts schenkte, das seither die Bühne bei den ChorAuftritten schmückt.
Leistung und Würdigung In Ingolstadt wurde er durch den Kulturreferenten der Landsmannschaft Peter Dietmar Leber gewürdigt und vom Publikum durch langanhaltenden Applaus geehrt. Was den Jubilar ebenfalls auszeichnet, ist seine Verbundenheit mit unserer Heimat, mit unserer Gemeinschaft: der Landsmannschaft und der Heimatgemeinschaft Billed. „Ich bin ein Billeder Schwob“ zitierte ihn die NBZ 1973, als er an der Renovierung der Billeder Kirche mitgewirkt hat, und das ist auch so geblieben. Als Bestätigung und Anerkennung seines erfolgreichen Wirkens kann auch das Geburtstags-Ständchen der Chorvereinigung Gögglingen und des Gesangvereins Mähringen zum 80. gewertet werden. Voller Dank für den bescherten Kunstgenuss wünschen auch wir Gesundheit und noch viele schöne Lebensjahre.
Eher ein Mann der Tat
ADAM CSONTI kandidiert für das Bürgermeisteramt in Billed Balthasar Waitz - ADZ - 21. Mai 2008
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ch betrachte mich eigentlich nicht als Politiker, sondern als Vertreter der Zivilgesellschaft.“ Das sind erstaunliche Worte eines rumänischen Bürgermeister-Kandidaten. Sie kommen aus dem Munde eines Banater Schwaben. Adam Csonti heißt der Mann aus Billed/Biled, ein waschechter Sohn seiner Heimatgemeinde. 1957 in Billed geboren, war und ist Adam Csonti weniger durch seine Worte, sondern eher als Mann der Taten bekannt und allgemein geschätzt. Während andere nach der Wende ausgewandert sind, ist Csonti gegen den Strom geschwommen. Seit 1975 ist er unentwegt als Schneider in Billed tätig. Mit der Gründung des Ortsforums am 26. Februar 1990 hat Csonti ent-
scheidend zur Bewahrung der deutschen Gemeinschaft beigetragen. „Ich hänge zu viel an allem“, belächelt er oftmals selbst seine hartnäckige Art und Weise, das Leben auf dem Lande und noch dazu als Mitglied einer Minderheit zu meistern. Wenn man jedoch heute in der Gemeinde herumhört, wenn man den schmucken Forumssitz mit Sozialstation im Gemeindezentrum besucht, wenn man die Billeder beim jährlichen Kirchweihfest oder dem im Banat einmaligen Dorffest, dem „Pipatsch“-Handballturnier, erlebt, versteht man vollauf die lokale Rolle dieses Forumsmannes. Viele Billeder betrachten den DFD-Vorsitzenden ohne Zweifel als „richtigen Mann am richtigen Ort“, auch als Mitglied des
Leistung und Würdigung
Gemeinderats, ein Amt, das er als Forumsvertreter schon seit 1990 innehat. Die ehemalige banatschwäbische Mustergemeinde (27 km von Temeswar) hat nach der Wende kein leichtes Schicksal gehabt. Heute hat Billed etwas über 3.500 Einwohner, davon 3.000 Rumänen und kaum 120 Deutsche, vertreten sind noch weitere 20 Volksgruppen, die alle Schwierigkeiten einer heterogenen Gemeinschaft mit sich bringen. Hinzu kamen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, das jahrelange Gerangel um die Rückerstattung des nationalisierten Privateigentums usw. Es ist verständlich, dass die Gemeinde nach der Wende kaum zur Ruhe gekommen ist. Und der Wahlkampf alle vier Jahre spitzt die Lage noch mehr zu. Bekanntlich geriet Billed vor Kurzem arg in die Schlagzeilen: Gegen den gesamten Billeder Kommunalrat läuft nämlich eine kollektive Strafverfolgung wegen Steuerhinterziehung und dienstlicher Fahrlässigkeit. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, das Image der Kommunalverwaltung ist jedoch arg angeschlagen. Kurz vor dem
115 Start des Wahlkampfes sprang der amtierende Bürgermeister Leontin Duta (PNL) in das PDL-Boot. Die bevorstehenden Kommunalwahlen stellen zugleich auch die Wahl des 92. Bürgermeisters in der bewegten 243-jährigen Geschichte der Gemeinde dar. Nach der Wende waren in Billed 6 Bürgermeister im Amt. Leontin Duta (damals PNL) wurde 2005 Bürgermeister , nach dem Rücktritt des 2004 gewählten Bürgermeisters Sorin Supuran. Der Gemeinderat war in den letzten Jahren klar eine Hochburg der Rechten: Die 15 Abgeordneten gehören der PNL (6), der PNTCD (3), dem DFD (1), der PSD (4) und der PRM (1) an. Als aussichtsreichste Kandidaten werden der amtierende Bürgermeister Leontin Duta (PDL), Constantin Glodeanu (PSD) und Adam Csonti (Allianz für Temesch-DFD) betrachtet. Laut einer Meinungsumfrage steht der von der „Allianz für Temesch“ nominierte Csonti selbst ohne Allianz-Unterstützung mit 17% der Wählerstimmen ganz vorn im Rennen. Gemäß seiner gesunden Lebensphilosophie – Ein Billeder Sprichwort sagt: „Schuster, bleib bei deim Lääschte!“ - betrachtet Adam Csonti selbst eine Wahlniederlage nicht als Malheur. Das Wichtigste bzw. der Einzug in den Gemeinderat ist auf jeden Fall sicher. Und doch hofft er , als Bürgermeister sämtliche Prioritäten der Gemeinde auf ernste Art und Weise angehen zu können: die Modernisierung der Straßen (nur 25% sind asphaltiert), Kanalisation, Kläranlage, effiziente Müllabfuhr. Sein großer Traum ist die Errichtung einer Sporthalle, was Billed auch verdienen würde. Ob Bürgermeister oder nicht, eng am Herzen liegt Csonti wie stets das Schicksal der deutschen Gemeinschaft, die Bewahrung ihrer Traditionen und vitalen Institutionen. Anm. d. Red.: Die Untersuchungen und die Strafverfolgung des Kommunalrates verliefen sich nach den Wahlen im Sand, Ing. L. Duta wurde im zweiten Wahlgang wieder zum Bürgermeister gewählt.
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Leistung und Würdigung
Abschied mit Wehmut und Freude
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ach 24 Jahren ist in Karlsruhe die Ära Bürgermeister Ullrich Eidenmüller beendet, Jahre, in denen er für unterschiedliche Aufgaben zuständig war, zuletzt war er Dezernent für Kultur, Bauen und Planen sowie Gesundheit mit Städtischem Klinikum. 250 Gäste – berufliche Wegbegleiter und Freunde – waren gekommen, um den dienstältesten Bürgermeister zu verabschieden. Für Heinz Fenrich ist Eidenmüller der Mann, der „sehr begeistert sein kann und auch begeistern kann“, denn er wolle „stets etwas bewegen“. Er habe sich zum bundesweit anerkannten Fachmann im Gesundheitswesen gemausert, sei sympathisch, auf die Menschen zugehend, charmant, aber auch hart in der Sache.“ Seit 1972 Mitglied der FDP freut er sich nach 3 Amtsperioden als Bürgermeister, in denen er „gekämpft, gestritten und gelenkt“ hat, auf ein „Stück zunehmender persönlicher Freiheit“, obwohl er auch gerne „Teil der Öffentlichkeit“ war. Der 58-Jährige will diese neue Freiheit als Rechtsanwalt für Gesundheitsrecht nutzen, außerdem Vorstandsvorsitzender einer Aktiengesellschaft zur Beratung von Krankenhäusern werden. Ullrich Eidenmüller hat nicht nur für die Karlsruher gewirkt, sondern auch im Sinne der Billeder. Darüber berichtet er selbst im Heimatblatt 2004, quasi über seine Beziehung zu Billed und zu den Billedern. Als Friedhofsdezernent der Stadt Karlsruhe fiel 1987 die Einweihung des Billeder Denkmals auf dem Karlsruher Hauptfriedhof in seine Amtszeit und seit dann übernahm er auch mit großer Freude alle 2 Jahre die Schirmherrschaft über die Pfingsttreffen der Billeder in Karlsruhe. Jedoch im Frühjahr 2004, anlässlich einer Temeswar-Reise, hatte er auch Gelegenheit, Billed zu besichtigen.(Temeswar sollte damals die Partnerstadt Karlsruhe in der Be-
Ullrich Eidenmüller bei seiner Ansprache als Schirmherr beim Billeder Heimattreffen 2007 werbung zur Kulturhauptstadt Europas 2010 unterstützen.) „Und nach einer ¾ Stunde lag es vor mir, das Dorf, das ich nach den Bildern sofort wieder erkannte...Langgezogene Straßen, niedrige Häuser, klar aufgeteilte Grundstücke...Adam Csonti war da, der Vertreter der Deutschen, mir vertraut von manchen Pfingsttreffen...Er führte uns durch ein Dorf, das Schlichtheit atmet, aber gleichzeitig was zutiefst Menschliches ausstrahlt... In eine andere Welt aus längst vergangenen Zeiten waren wir für 2 Stunden eingetaucht...Ich kann den Zusammenhalt der Billeder gut nachfühlen“, schloss Eidenmüller seine persönlichen Eindrücke von Billed. Dafür und für alles, wodurch er die Billeder unterstützt hat, danken sie ihm und wünschen ihm auch weiterhin viel Schaffensfreude und ein erfülltes, glückliches Leben.
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Das „Billeder Heimatblatt“
rundsätzlich wird das „Billeder Heimatblatt“ allen Landsleuten kostenlos zuge stellt. Da wir jedoch für den Druck und den Versand je Buch 7 EURO leisten mussten, bitten wir Sie, soweit es möglich ist, eine Spende auf das Konto der HOG Billed Nr. 111 791 Volksbank Karlsruhe Bankleitzahl 66190000 zu überweisen. Einen entsprechenden Überweisungsschein für dieses Büchlein ist beigelegt. Wir erwarten keine Spende von Landsleuten mit geringer Rente, von Arbeitslosen, Spätaus siedlern der letzten zwei Jahre und von den Landsleuten aus Billed. Wir freuen uns, dass wir Ihnen unser „Heimatblatt“ als Zeichen unserer Verbundenheit übermitteln können. Wir bitten jedoch um Verständnis dafür, dass wir wohlsituierten Landsleuten ohne Gegenleistung die nächste Ausgabe nicht mehr senden können. Da viele Überweisungen auf unser Konto oh ne Absender aufgegeben wurden, konnte unser Kassierer Jakob Muttar bei vielen den Absender nicht feststellen. Unsere Bitte: Schreiben Sie auf den Überweisungsschein Vorname (auch der
In eigener Sache
Ehefrau), Familienname und Ortschaft, Zweck. Neuangekommene und Landsleute, deren Anschrift sich geändert oder in deren Familien ein Ereignis (Geburt, Hochzeit, Todesfall) stattgefunden hat, bitten wir um Mitteilung an Josef Herbst Freiligrathweg 14 76571 Gaggenau Telefon 07225/76041 Ihre Meinungen und Äußerungen zum „Heimatblatt“, ihre Vorschläge und Ideen richten sie bitte an die Redaktion: Elisabeth Martini Kronenstraße 36 76133 Karlsruhe Telefon 0721/379214 Druckfehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Autorenbeiträge sind namentlich gekennzeichnet und die inhaltliche Verantwortung liegt bei diesen. Die Redaktion dankt allen diesjährigen Mitarbeitern für ihre Beiträge und Bilder und möchte gleichzeitig alle Landsleute auffordern, Artikel bzw. Anregungen für das „Heimatblatt“ auch im nächsten Jahr zu senden.
Der Vorstand der HOG Billed
Gewählt am 28. Mai 2007 bei der Hauptversammlung in der Rintheimer Sporthalle in Karlsruhe Ehrenvorsitzender Peter Krier Vorsitzender Werner Gilde Tel. 0721-863891 Stellvertreter Josef Herbst Tel. 07225-76041 Alfred Herbst Tel. 0721-867834 Schriftführer Adelheid Müller Tel. 0721-1331547 Kassenwart: Jakob Muttar Tel. 0721-784177 Beisitzer: Elisabeth Martini Tel. 0721-379214 Johann Rothgerber Tel. 0721-9613750 Jakob Martini Tel. 0721-563997 Hans Herbst Tel. 07225-77233 Adam Tobias Tel. 0721- 867548
In eigener Sache
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Weihnachtsgedanken
aben Sie schon einmal eine leere Weihnachtskarte bekommen? Eine völlig unbeschriebene? Die Mehrzahl unter Ihnen wird dies verneinen. Auch ich kann mich anschließen. Ich freue mich sowohl über Karten mit den Standardwünschen für ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr zum Bespiel, als auch über solche mit besonderen Wünschen, aus denen man herauslesen kann, dass der Absender sich besonders bemüht hat. Im ersten Fall sind es die Karten, über die man sich freut, dass jemand überhaupt an einen gedacht hat, im zweiten jene, dass einer sich für uns besonders viel Zeit genommen hat, wenn wir die Zeit als eines unserer kostbaren Güter betrachten. Wie dem auch sei, ob die Karten nun bunt, glitzernd, filigran oder in modernem, abstraktem Weihnachtsdesign gehalten sind, einen vorgedruckten oder handgeschriebenen Text gibt es immer. Nun stellen Sie sich einmal vor: Sie erhalten eine völlig unbeschriebene Karte, vielleicht nur mit dem winzigen Hinweis: Überlege du selber, was du dir zu Weihnachten und für das kommende Jahr wünschst, jenseits von den manchmal unnützen Geschenken im Überfluss? Was würden Sie sich denn wünschen? Auch das neue Jahr ist wie eine leere Karte. Es
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steckt noch voller ungeahnter Möglichkeiten und wartet darauf, von uns beschrieben zu werden. Wir dürfen gespannt sein, womit wir die Karte im Laufe des nächsten Jahres füllen werden. Ich freue mich, dass ich mitwirken kann, auch wenn ich meine Karte des Jahres nicht allein gestalten werde. Ein ganz erheblicher Anteil daran wird meine Familie haben, aber auch meine Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen, nicht zuletzt meine Mit-menschen. Sorgsam will ich darauf achten, wer mitschreibt und seine Spuren hinterlassen wird. Ich will auf alle Fälle neugierig bleiben und nie das Interesse an dem verlieren, was die Zukunft noch verbirgt. Ich wünsche mir, dass ich offen bleibe für meine Mitmenschen, offen auch für die Veränderung in ihrem und meinem Leben. Wie wäre es, wenn wir zu Weihnachten gemeinsam den Vorsatz fassen würden, in Zukunft unsere Nächsten wie eine unbeschriebene Karte anzusehen? Mit der Chance auf (Ver) Änderung und dem Mut, allem Neuen unbefangen entgegenzusehen? Ungewohntes als Bereicherung begrüßen? Ich wünsche Ihnen zu Weihnachten ein paar Minuten Zeit, um über diese ungewohnte Karte nachzudenken. Und in diesem Sinne auch ganz untraditionell: viele leere Karten, von Ihnen selbst zu beschriften.
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort Außenrenovierung unserer Kirche abgeschlossen, Peter Krier Liste der Spender für die Renovierung der Billeder Kirche Bürgermeisterwahl in Billed Billeder Schüler: Fußball-Landesmeister! Deutsches Haus im Temeswarer Freilichtmuseum eröffnet, Iulia Sur Eine unvergessliche Reise ins Banat, Reinhard Kaiser Der Priester als Werkzeug Gottes, Katharina Senn (Jobba) Die ersten eineinhalb Jahre als Referendarin, Agathe Hehn (563) Eindrucksvolle Reise in die Bundeshauptstadt Berlin, Irmgard Triess Heimatblätter als Teil unseres geistigen Raumes, Elisabeth Martini Präsentation der „Heimatklänge“, Werner Tobias / Mainz Maiandacht wie sie mal war ..., Kathi Keller (Lichtfusz) Allerheiligen 2008, Ansprache von Werner Griebel, HOG Lenauheim Bauernregeln im Jahreskreis Suppepanz un Rakiknopp, Erika Weith geb. Leidecker Rege Aktivität des Billeder Banater Deutschen Frauenvereins Berlin - Billed - Reise Sommer 1939, Harry Paschke, Berlin Brutaler Gattenmord eines 71-jährigen Billeders, Temeswarer Zeitung Bildergalerie Wenn Grenzen sich verschieben, Wilhelm Weber Erlebnisse einer Zwangsarbeiterin, Das Anglereldorado an den Billeder Gewässern, Wilhelm Weber Die Gräber schweigen, Ein neues Buch von Johann Steiner Da waren Deutsche auch dabei, Konrad Kress Entwicklung, Pablo Picasso Mensch und Schöpfung, Margarete Grün Augenblicke; Serenade; Weihnachtsüberraschung; Mutters Gesicht, Karl Balogh Zum Lobe der Schwiegermütter Bauer, o Bauer.., Erwin Csonti Ich bleib e Schwob, Stefan Michael Müller Kretsche, damols un heit, Werner Tobias Aussprüche / Sinnsprüche 20-jähriges Jubiläumstreffen „Billeder un‘r sich“ - 2008, Johann Gehl Klassentreffen der Jahrgänge 1960-1965 am 14. Juni 2008, Elfriede Mumper Billeder in Ulm 2008, Peter Neumann Stimmungsvolles Herbstfest in Nürnberg, Renate Frombach Schlachtfest bei der Trachten-Blasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen, Adam Tobias Trauer-Rede für Franz Klein, Dr. Hans Dama Beileidsschreiben Hans Sieber-Brach achtzig, Peter Krier/ Adrian Nuca-Bartzer Eher ein Mann der Tat, Balthasar Waitz Abschied mit Wehmut und Freude Statistik unserer Billeder Landsleute in Rumänien, Josef Herbst Statistik unserer Landsleute weltweit, Josef Herbst Dem Alter die Ehre 2008, Josef Herbst Das „Billeder Heimatblatt“; Der Vorstand der HOG Billed Weihnachtsgedanken, Hermine Schnur
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Bild oben: „Kiehhalt“ vor der Sauerländer Brücke auf dem Weg zu den Weideflächen. Bild unten: Heimatstube in Billed. Fotos: Werner Gilde
Lesen Sie auf den Seiten 83 - 96 Auszüge aus dem neuen Buch von Johann Steiner „Die Gräber schweigen“, die unser Landsmann unserem Heimatblatt zur Verfügung gestellt hat.
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Billeder Heimatblatt 2008
Billeder Heimatblatt 2008
Herausgegeben von der HOG Billed
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