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kult! 18 (2-18)

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kult! 60er · 70er · 80er

www.goodtimes-kult.de

D:  6,50

Österreich  7,50 Luxemburg  7,50 Schweiz CHF 12,70 Ausgabe 2/2018 (Nr. 18)

mit

P os t e r

UNTER DER

SONNE KALIFORNIENS

TV-Shows A–Z · Udo Jürgens · Honda CB 750 Four · Traumfrauen der 60er · DC-3 · Lee van Cleef · Das Jahr 1968


Vorhang auf

für das

Der beliebte Klassiker

JETZT ÜBER ALL AUF DVD ERHÄLTLICH


IMPRESSUM Anschrift:

NikMa Verlag Fabian Leibfried Eberdinger Straße 37 71665 Vaihingen/Enz Tel.: 0 70 42/37660-160 Fax: 0 70 42/37660-188 E-Mail: goodtimes@nikma.de www.goodtimes-kult.de www.facebook.com/goodtimeskult

Herausgeber und Chefredakteur: Fabian Leibfried

mit

Mitarbeiter:

Norbert Arndt, Matthias Auer, Matthias Bergert, Jens-Uwe Berndt, Horst Berner, Kathrin Bonacker, Lothar Brandt, Susanne Buck, Petra Czerny, Marco Frömter, Michael Fuchs-Gamböck, Hans-Jürgen ­Günther, Thorsten Hanisch, Christian Hentschel, Michael Klein, Andreas Kötter, Madita ­ icolas von Leibfried, Niklas Leibfried, N ­Lettow-Vorbeck, Kati Naumann, Hans-­ Joachim Neupert, ­Markus Nöth, ­Helmut Öl­schlegel, Thorsten Pöttger, Sven Rachner, Malte Ristau, Philipp Roser, Roland Schäfli, Thorsten Schatz, Ulrich Schwartz, Christian ­ li ­Simon, Alan Tepper, Claudia Tupeit, U Twelker, Thomas Wachter, Jürgen Wolff

Abonnements, Shop, Social Media: Andrea Leibfried – goodtimes@nikma.de

Grafische Gestaltung:

Andrea Zagmester – kult@nikma.de Kathleen Müller – grafik@nikma.de

Anzeigenverkauf:

Petra Czerny – anzeigen@nikma.de

Vertrieb:

IPS Pressevertrieb GmbH Postfach 1211 53334 Meckenheim Tel: 0 22 25/88 01-0

Druckerei:

Dierichs Druck + Media GmbH & Co. KG Frankfurter Str. 168 34121 Kassel

Erscheinungsweise:

2x jährlich

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Einzelheft: 6,50 € (Preis inkl. 7% MwSt.)

Abonnement: siehe Seite 43

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P os t e r

kult!

Willkommen bei

E

rinnern Sie sich noch daran, welche Süßigkeiten Sie sich als Kind oder Teenager am liebsten im Mund zergehen ließen? Haben Sie vielleicht (mehr oder weniger heimlich) Jerry Spring"-Comics oder Karl-May-Filmfotoromane " verschlungen?­Sind Sie in Spielen mit Freunden und Freundinnen am liebsten in die Rolle von Robin Hood geschlüpft? Dann dürfte Ihr Herz bei der Lektüre dieser kult!-Ausgabe höher schlagen, sind diesen Themen doch eigene Geschichten gewidmet. Aber wir erinnern auch an kultige Schauspielerinnen wie Karin Dor oder Vivian Ventura, an musikalische Kultfiguren wie Heintje, der aktuell sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feiert, oder Udo Jürgens, die Rocky Horror Show" und Saturday Night " " Fever" samt Disco-Roller-Mode. Motorradfans (speziell solche der Honda CD 750 Four) kommen ebenso auf ihre ­Kosten wie Anhänger von Kinospezialitäten wie Star Wars". Erinnert wird an be" sondere TV-Highlights – und an prägende Kultgegenstände, deren Bedeutung im Rückblick nicht zu unterschätzen ist: In welchem Kinderwagen haben Sie denn beispielsweise Ihre ersten Ausflüge unternommen? Wie war die Wohnung Ihrer ­Eltern eingerichtet? Oder welche Art von Kirmes/Volksfest haben Sie später erlebt? ­Unser Themenbogen ist wieder einmal weit gespannt, reicht von einer Chronologie der wichtigsten Ereignisse des Jahres 1968 bis zum Fußball, wo wir anlässlich des 50-jährigen Meisterschaftsjubiläums des 1. FC Nürnberg zu ergründen versuchen, warum es in Franken heißt: Der Club is ä Debb." " Viel Spaß beim Schmökern und Schwelgen in Erinnerungen wünscht Ihnen

Titelfoto:

John Travolta: Douglas Kirkland

GoodTimes kult! ist auf umweltfreundlichem, chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt! Weiterverwendung aller in GoodTimes kult! erschienenen Artikel, Interviews, Fotos, Rezensionen etc. nur mit der Zustimmung des Herausgebers gestattet. Gerichtsstand: Stuttgart

­Fabian Leibfried -Herausgeber/Chefredakteur-

amam 26.10.2018 erscheint 20.4.2018 kult! Nr.Nr.1918erscheint GoodTimes

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kult! 60er · 70er · 80er

Ausgabe April 2018 2/2018 (Nr. 18)

INHALT RUB RIKE N 3 Editorial/Impressum 4 Inhaltsverzeichnis 5 Meine erste LP/MC/CD Mitarbeiter & Prominenz 6 News from the past

16

10

76

Altes neu ausgepackt

39 kult! Shop 41 kult! Abo-Bestellschein 91 kult! Rätsel 91 kult! Verlosung 47 Nur Samstag Nacht/Deep Purple

66

36

Riesenposter

UNTER DER

10 Karin Dor

SONNE

Zwischen Deutschland und Hollywood

12 Robin Hood

Der König der Diebe

KALIFORNIENS

16 Saturday Night Fever

40 Jahre – Wer tanzt wie John Travolta?

20 Jerry Spring

12

30

Vorreiter der europäischen Western-Comics

22 Discoroller

Wie eine ganze Generation ins Rollen kam

66 Rocky Horror Show

24 TV-Shows von Kuli bis Kerkeling

Reis im Haar, Wahnwitz in der Birne, Feuchtigkeit im Höschen

Das war Spitze!

30 Edel-Seifenopern der 80er Jahre – Serie (Teil 4)

68 Kino-Bösewichte – Serie (Teil 6)

Unter der Sonne Kaliforniens

Lee van Cleef

36 Japanische Monsterfilme

70 Heintje

Im Bann von Gummischildkröte & Co.

50 Jahre Liebling aller Muttis und Omis

94

40 TV-Charaktere – Serie (Teil 6)

72 Kinderwagen

Victoria Barkley

Schubkarre – Autonachbau – Panoramablick

42 Pop Art von Warhol bis Lichtenstein

Leuchtende Kritik und Collagen mit Kellogg's

75 Mackintosh's Quality Street

44 Viviane Ventura

Süßes Allerlei aus der Dose

42

Schach mit Anthony Quinn, Politik mit Mandela

76 Kult-Bücher

46 Traumfrauen der 60er Jahre

Geschätzt, geliebt, gelobt

Minirock, Schminkstift und jede Menge Sex-Appeal

78 Star-Wars-Spielzeug

56 Udo Jürgens

Sternenkrieger fürs heimische Kinderzimmer

Ein Lächeln als Belohnung

58 DC-3

80 Spirou

80

Der spätere Rosinenbomber" " revolutioniert die Luftfahrt

80 Jahre – Abenteuer, Action, Spannung & Humor!

60 Das Jahr 1968

82 Kirmes

Politische Radikalisierung, sexuelle Revolution & Heintje

Kindheitsparadies Rummelplatz

84 Das Interieur der 70er Jahre – Serie (Teil 2)

64 Karl-May-Filmfotoromane

Pierre Brice & Lex Barker sind zurück!

Sarah Kay" auf braunem Breitcord "

88 Plattencover 92

22

78

Albumhüllen zwischen Promotion und Provokation

92 Werbe-Ikonen – Serie (Teil 6)

Käpt’n Nuss – gibt Kraft und Mumm

94 1. FC Nürnberg

50 Jahre Titelgewinn

70

96 Honda CB 750 Four

Das Motorrad des Jahrhunderts

98

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4

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GoodTimes

2/2018

98 Aktenzeichen XY ... ungelöst Verbrecherjagd vom heimischen Sofa aus


kult!

Meine erste (selbst gekaufte) Langspielplatte bzw. MC/CD Sweet Sweet Fanny Adams

David Hasselhoff Looking For Freedom Matthias Bergert

Roland Schäfli

Various Artists Black Gold (The Greatest Hits Of Black Music)

Erasure Wonderland Andrea Leibfried

Beatles Help!

Thorsten Schatz

Deep Purple Shades Of Deep Purple

Soundtrack König der Löwen Nicolas von Lettow-Vorbeck

Horst Berner

Ulrich Schwartz

Wilson Phillips Shadows And Light

Mike Oldfield Platinum

Lords Shakin´ All Over

Kathleen Müller

Kathrin Bonacker

Christian Simon

Pink Floyd Ummagumma

Mike Oldfield Incantations

Status Quo Live! Alan Tepper

Hans-Joachim Neupert

Susanne Buck

Bananarama True Confessions

Uriah Heep Salisbury Petra Czerny

Spice Girls Spice Claudia Tupeit

Markus Nöth

Led Zeppelin Led Zeppelin

Helloween Walls Of Jericho

Duran Duran Rio Andrea Zagmester

Sven Rachner

Michael Fuchs-Gamböck

Stevie Winwood With The Spencer Davis Group The Best Of

Betty Boo Boomania Thorsten Hanisch

Ray Dorset

(Mungo Jerry)

Malte Ristau

Slade Old New Borrowed & Blue

Hörspiel Winnetou Michael Klein

Soundtrack Alamo

Various Artists K-Tel´s Music Power Andreas Kötter

Fabian Leibfried

Mitarbeiter & Prominenz

Gary U.S. Bonds Twist Up Calypso

Philipp Roser

GoodTimes

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Bücher & Comics GANDHI – SEIN LEBEN Von Pramod Kapoor

2017, edel Books ISBN 978-3-84190-539-0 328 Seiten; 29,95 €

Natürlich sind schon zahlreiche Publikationen zu einer der wohl bedeutendsten Lichtfiguren des 20. Jahrhunderts erschienen, doch die von Pramod Kapoor – einem der wichtigsten Verleger Indiens, der hier erstmalig als ­Autor in Erscheinung tritt – setzt Maßstäbe. Das ­Leben und das Wirken von ­Mahatma Gandhi wird mit Hilfe von vielen Fotos und eines ­dokumentarischen Texts in Szene gesetzt, wobei auch Abbildungen von Briefen das Gesamtbild vervollständigen. Abgesehen vom Lebenslauf beeindruckt das Buch auch durch ein plastisches Bild Indiens, das zu Zeiten Gandhis überhaupt nicht mit dem heutigen Land zu vergleichen war. Dem Thema angemessen erscheint der Band in einer Hardcover-Ausgabe, die den Gesamteindruck positiv unterstreicht.

DAS SCHÖNSTE MÄDCHEN DER WELT Von Michel Birbæk

2018, Blanvalet Verlag ISBN 978-3-76450-642-1 352 Seiten; 20,00 €

Der in den 80er Jahren populär gewordene, viel zu früh verstorbene Sänger Prince ist das große Idol von Leo Palmer, der Hauptfigur in Michel Birbæks neuem Roman. Wegen Prince wird Leo zum Musiker. Aber auch die Liebe ist der Soundtrack seines Lebens. Angelehnt an Princes Megahit "The Most Beautiful Girl" erzählt der Autor die Liebestragikomödie von Leo, die im Jahr 1988 ihren Anfang nimmt. Leicht zu lesen und sehr unterhaltsam, ist dieser Roman ein echter Tipp – nicht nur für Prince-Fans.

PORSCHE-MODELLAUTOS

70 JAHRE SPORTWAGEN-HISTORIE Von Jörg Walz

2018, Delius Klasing Verlag ISBN 978-3-66711-247-7 320 Seiten; 39,90 €

Eine tolle Idee für einen außergewöhnlichen Bildband über die beliebte Automarke Porsche wurde hier von Jörg Walz verwirklicht. Mit dem iPhone hat er über 1000 Sportwagen-Modellautos im Maßstab 1:43 an Originalschau-

N from the past

plätzen wie Paris, dem Nürburgring, Hongkong und anderen Orten dieser Welt fotografiert. Dies ist ihm so gut gelungen, dass man auf den ersten Blick nicht bemerkt, dass es sich nur um Miniaturen handelt. Zum Teil mit Nummernschildern versehen, scheinbar in voller Fahrt oder vor prominenten Gebäuden wirken die Modelle auf den Fotos wie echte Sport- und Rennwagen. Nebenbei hat Walz die 70-jährige Geschichte der PorscheSportwagen eingefangen. Eine tolle Ergänzung für das Bücherregal jedes Porsche-Fans.

RUDI DUTSCHKE DIE BIOGRAPHIE

Von Ulrich Chaussy 2018, Droemer ISBN 978-3-42627-752-2 528 Seiten; 26,99 €

Beim Thema Rudi Dutschke oder allgemein der Studentenbewegung schalten viele Leser schnell ab, da es oftmals schwerfällt, den Theorien – die im pragmatischen Bezug meist schnell nachvollziehbar sind – zu folgen. Ulrich Chaussy ist es mit seiner vorzüglichen Biografie gelungen, den Menschen angemessen zu porträtieren und auch seine Wünsche, Träume und Visionen verständlich darzustellen – ein sicherlich nicht einfaches Unterfangen. Zudem stimmt die Taktung" der " chronologisch strukturierten Dokumentation, da der Autor Dutschkes Kindheit und Jugend gebührend wertet und somit die Zeit seines Wirkens bis zum Attentat und im Exil erklärt und belegt. Somit wird ein immens wichtiges Kapitel der deutschen Geschichte lebendig aufgearbeitet, womit zugleich an den scheinbar verlorengegangenen Typus" des Idealisten er" innert wird. Empfehlung.

ICH, SERGEANT PEPPER

NIEMAND IST TOT, SOLANGE JEMAND LEBT, DER AN IHN DENKT Von Fred Reber

2017, Epubli ISBN 978-3-74509-658-3 528 Seiten; 14,95 €

Schon auf den ersten Seiten wird man von diesem Roman über Jugend, Liebe, Musik und Geheimnisse gefesselt. Er nimmt den Leser nicht nur auf eine Zeitreise in die 60er Jahre mit, sondern versetzt ihn auch in die eigene Jugend zurück. Wer damals aufgewachsen ist, erkennt sich selbst in den Erlebnissen des zehnjährigen Patrick wieder. Inspiriert von den Beatles und seinem Vorbild John Lennon gründet Patrick mit vier anderen Jungs eine Band. Einer davon Seite

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ist Kevin, Sohn eines amerikanischen Soldaten, mit dem ihn ein dunkles Geheimnis verbindet. Patricks Jugendliebe Julia will dieses nach vielen Jahren lüften. Kann Patrick dies verhindern? Diesen spannenden Roman wegzulegen, bevor die letzte Seite gelesen ist, fällt schwer. Fred Rebers Erstlingswerk ist gelungen und uneingeschränkt empfehlenswert.

VOLKSWAGEN KÄFER Von Nicolas Rosenow

2018, Motorbuch Verlag ISBN 978-3-61304-078-6 144 Seiten; 16,95 €

Und er lief und lief und lief ... Wer erinnert sich nicht gerne an den VW Käfer, mehrere Jahrzehnte lang das Einsteigerauto für Fahranfänger? Zwar dauerte es bei eisigen Temperaturen schon mal eine halbe Stunde, bis sich die Heizung bemerkbar machte, aber die Unkaputtbarkeit" der Karosse beruhigte, " und wenn dann mal der Ölwechsel vergessen wurde, konnte man trotzdem noch tausende Kilometer fahren. Nicolas Rosenow erzählt in seinem mit vielen Fotos geschmückten Band die Geschichte des Käfers, beginnend 1938 mit dem sogenannten Brezelkäfer bis zu den letzten, in Brasilien gebauten Modellen. Dabei liefert er technische Details und erklärt anschaulich die Unterschiede zwischen den Modellen. Als Schmankerl sind dann noch einige alte Anzeigen zu sehen (Mädchen in Bikini – Vorsicht: heute politisch nicht mehr korrekt!). Eine empfehlenswerte Arbeit, bei der man auch an die alten Trendfarben erinnert wird (Quietschgelb, Orange, Knallrot).

DAS BRAVO STARSCHNITT BUCH Von Susanne Kilian-Müller 2018, Bravo Archiv ISBN 426-0-47799-345-8 142 Seiten; 29,95 €

Wer erinnert sich nicht an die Bravo" und ihre le" gendären Starschnitte, die, um die Vollständigkeit zu erhalten, den Kauf jeder Ausgabe notwendig machten? Dieser Schachzug des Verlags war erfolgreich, denn das Idol in Lebensgröße war bei den Teenagern sehr begehrt. Das Buch zeigt komplett alle 118 Bravo"-Starschnitte von 1959 "


NEWS from the past bis heute in brillanter Farbqualität. Brigitte Bardot war der Auftakt dieser Erfolgsreihe, die im Jahr 2004 mit Michael Bully" " Herbig – vorläufig? – endete. In chronologischer Reihenfolge mit Jahr, Namen und Starschnitt-Nummer versehen, bietet dieser Bildband mehr als nur eine Auflistung: eine Reise in die Jugendzimmer der vergangenen Jahrzehnte!

1968 – DER LANGE PROTEST BIOGRAFIE EINES JAHRZEHNTS Von Richard Vinen

2018, Piper Verlag ISBN 978-3-49205-833-9 458 Seiten; 25,00 €

Der Titel mag zuerst wie ein Widerspruch erscheinen, doch er ist klug gewählt, denn das hier als Schwerpunkt dargestellte Jahr 1968 hatte schon zu Beginn der Sechziger seine Wurzeln, und auch die Folgen sind einer Betrachtung würdig. Zudem zeichnet sich Richard Vinens Analyse durch den Blick des Engländers aus und ist dementsprechend breiter angelegt als vergleichbare Publikationen deutscher Autoren, die verständlicherweise die immens einflussreiche Studentenbewegung hierzulande dokumentieren. Vinen beschreibt die Universitäten, das Aufbegehren in Ländern wie den USA, Frankreich, natürlich auch Deutschland, aber auch bedeutende Themen wie die sexuelle Revolution, die Arbeiter und die Eskalation der Gewalt am Beispiel der Black Panther und der RAF. Ein sicherlich nicht immer einfach zu lesendes Buch, dessen Lektüre sich aber angesichts des nachhaltigen Wissensgewinns lohnt.

MEINE TAUSEND LEBEN DIE AUTOBIOGRAFIE

Von Jean-Paul Belmondo 2018, Heyne ISBN 978-3-45320-195-8 320 Seiten; 22,00 €

Der 1933 in Neuilly-sur-Seine geborene Schauspieler Jean-Paul Belmondo zählt in Deutschland neben Alain Delon zu den bekanntesten und beliebtesten französischen Leinwandstars. Allein der Film Cartouche, " der Bandit" aus dem Jahr 1961, in dem er neben Claudia Cardinale glänzte, hat ihm hierzulande ein cineastisches Denkmal gesetzt. Doch nicht nur die leichte Muse war sein Metier, wie das Drama Und dennoch leben " sie" mit Sophia Loren belegt. In seiner exzellent übersetzten und flüssig zu lesenden Autobiografie erzählt Belmondo von den Wirren

des Krieges, den er ja noch selbst miterlebte, der Zeit auf der Schauspielschule und dann seiner populären Ära, in der er beinahe 100 Filme in diversen Genres und mit ganz unterschiedlichen Regisseuren, wie zum Beispiel auch denen der Nouvelle Vague, abkurbelte. Und dann waren da ja noch die Frauen, mit denen er vor der Kamera stand, die er begehrte und liebte – und die ihm manchmal das Herz brachen. Der größte Pluspunkt des Buches liegt aber in der Bodenständigkeit des Stars, der seine Leser wie ein ganz normaler Mann von nebenan anspricht.

in der Nachkriegszeit aus der Motorölmarke Motanol und der Benzinmarke Leuna, profitierte Gasolin vom großen Boom des Wirtschaftswunders. Der Tankstellenservice von Gasolin ist legendär: Tankwarte, die unaufgefordert Windschutzscheiben säuberten und auf Wunsch den Ölstand und Reifendruck kontrollierten – und den Handkuss für die Dame gab es noch dazu. Wer eine Zeitreise in die Vergangenheit antreten und mit den 278 farbigen Fotos in der heilen Welt von damals schwelgen will, sollte sich diesen Band unbedingt zulegen.

FORD MUSTANG

STREIFZÜGE DURCH DEUTSCHLAND

DAS SCHNELLSTE PONY DER WELT – SEIT 1964 Von Dani Heyne

2018, Delius Klasing Verlag ISBN 978-3-66711-065-7 176 Seiten; 29,90 €

Dieser mit zahlreichen zeitgenössischen Fotos ausgestattete Bildband über das schnellste Pony der Welt lässt die Herzen aller Mus­ tang-Fahrer und -Fans höher schlagen. Mit viel Liebe und beeindruckendem Fachwissen erzählt Dani Heyne die Geschichte dieser amerikanischen Auto-Ikone. Dabei bedient er sich nicht einer verstaubten Typenkunde, sondern spiegelt neben der Entstehungsgeschichte das damalige Zeitgeschehen (Musik, Film, Mode) wider. Dazu hat Heyne MustangFreunde und Besitzer der einzelnen Jahrgänge interviewt und mit ihren Ponys im Buch verewigt. Viel Lesespaß bereitet auch die Kaufberatung – welcher Mustang passt zu mir? – am Ende des Buchs, die den Leser zu seinem TraumMustang begleitet. Ein absolut gelungenes Buch für jeden Mustang-Enthusiasten!

GASOLIN

NIMM DIR ZEIT – UND NICHT DAS LEBEN Von Ulrich Biene

2018, Delius Klasing Verlag ISBN 978-3-66711-246-0 112 Seiten; 16,90 €

Der neueste Band aus der beliebten Buchreihe Bewegte Zeiten" des Delius Klasing " Verlags widmet sich einem vergessenen Kapitel westdeutscher Automobilgeschichte. Die Tankstellenmarke Gasolin hat sich mit dem Slogan Nimm Dir Zeit – und nicht das Le" ben" unsterblich gemacht. Hervorgegangen GoodTimes

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Von Mary Shelley

2018, Morio Verlag ISBN 978-3-94542-465-0 200 Seiten, 19,95 €

Mary Shelley hat nicht nur den Bestseller Frankenstein" geschrieben, sondern veröf" fentlichte auch die Notizen zu ihren beiden Deutschlandreisen in den Jahren 1840 und 1842. In 14 Briefen schildert sie die auf weiten Wegstrecken genutzten, oft unbequemen Fortbewegungsmittel wie Kutsche, Ruderboot, Dampfschiff und Eisenbahn – mit noch offenen Waggons! Als Zeitzeugin vermittelt

kult!

Unsere Gewinner der Verlosung aus kult! Nr. 17 – 1/2018 Lösung: Southfork Ranch DVD The Time Tunnel: Wolfgang Ilk, Bottrop Klaus Hyden, Judenburg (Österreich) Klaus-Dieter Hoffmann, Braunschweig Lustiges Taschenbuch: Paul Stockhammer, Saaldorf-Surheim Stefan Schaper, Bad Harzburg Bernd Mannhof, Neu Wulmstorf Matthias Bubel, Pohlheim Hans Schwarz, Karlsruhe CD Nena: Simon Küppers, Berlin Stefan Grunwald, Wallenhorst Jochen May, Lehrte Marion Schardt, Bonn Matthias Scharschmidt, Leichlingen

Herzlichen Glückwunsch!


sie dem Leser einige hochinteressante his­ torische und kulturelle Beobachtungen und schwärmt von einzigartigen Landschaften. Jedoch hält sie in ihren Briefen auch mit Kritik nicht hinter dem Berg. Viele Gasthöfe entsprachen nicht den Ansprüchen der englischen Lady, und auch die Menschen und das Essen in Deutschland waren teilweise gar nicht nach ihrem Geschmack. Mary Shelleys Reisebericht ist in diesem Band hervorragend übersetzt und lässt sich sehr leicht lesen. Daher eine echte Empfehlung für alle Reisebegeisterten.

EINSTEIN, FREUD & SGT. PEPPER Von John Higgs

2018, Suhrkamp ISBN 978-3-51846-839-5 380 Seiten; 12,00 €

Mit dem Untertitel Eine andere Geschich" te des 20. Jahrhunderts" hat John Higgs ein überaus dichtes, humorvolles und spannendes Geschichtsbuch" verfasst, das sowohl in den " Bereichen Unterhaltung als auch Wissen überzeugt. Von Einsteins Relativitätstheorie (einfach und witzig erklärt) über den Surrealismus und die Psychoanalyse bis hin zur Globalisierung und Vernetzung zum Ende des Millenniums reicht das Sammelsurium an Themen. Das Weltraumprogramm, die Erfindung" des Teenagers, " Popmusik, philosophische Strömungen, die Chaos-Theorie und Wirtschaft sind ergänzende Wissensbereiche, die er mühelos vermittelt. Durch die Präsentation und Darstellung werden diverse Fachgebiete stärker als bei anderen Publikationen gewichtet und heben sich somit von einer nüchternen Geschichtsstunde ab. Wunderbar.

70 JAHRE PORSCHE SPORTWAGEN Von Dr. Josef Arwick und Christina Rahmes 2018, Delius Klasing Verlag ISBN 978-3-66711-297-2 300 Seiten; 39,90 €

Durch das auffallende Design des Einbands vermittelt dieses Buch über das Porsche-Jubiläum einen sehr hochwertigen Eindruck, der auch beim Weiterlesen bestehen bleibt. Gegliedert in sieben Kapitel wird die Geschichte von sieben Jahrzehnten PorscheSportwagen lebendig. Dabei werden nicht

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nur die einzelnen Modelle in Wort und Bild aufgelistet, sondern auch den Menschen und ihren Emotionen rund um diese Automarke wird Tribut gezollt. So begegnet man Prominenten wie James Dean, Herbert von Karajan sowie allen bisherigen Porsche-Chefs. Auch der Motorsport erfährt eine Huldigung. Mit 222 Fotos und Abbildungen brilliert dieses Buch auch in Sachen Unterhaltungswert und bietet somit selbst dem Nicht-Porsche-Fan Lesespaß.

ne Macher und seine aufregendsten Storys vorzulegen. Chronologisch nach Jahrzehnten sortiert, im Original-Layout reproduziert und historisch eingeordnet, geben diese wieder, was die Gemüter in Deutschland erregte und für Gesprächsstoff sorgte – ob Liebes- und Leidensgeschichten aus der Welt des Adels, Zeitgeist-Phänomene, Sporthelden oder Politiker-Homestorys. Dieser Bildband ist ein Streifzug durch die letzten 70 Jahre deutscher Geschichte – geradezu ein historisches Erlebnis für Jung und Alt.

SO FUHR DER OSTEN

ERZÄHLUNGEN

PKW, LKW, BUSSE, BAHNEN: TECHNIK- UND DESIGN-IKONEN DES OSTBLOCKS Von Klaus Schameitat 2018, Prestel Verlag ISBN 978-3-66711-231-6 224 Seiten; 34,90 €

Wer immer noch der Meinung ist, dass der Trabi das Bild der ostdeutschen Straßen geprägt hat, wird mit diesem Buch eines Besseren belehrt. Welche Vielfalt an Automobilen der Ostblock – und auch alle anderen Staaten Osteuropas – zu bieten hatte, ist indes nur wenigen bekannt. Auf den über 800 Fotos begleitet Klaus Schameitat den Leser auf eine Entdeckungsreise in die letzten 40 Jahre des Ostens. Dabei überraschen nicht nur imposante Limousinen im Look amerikanischer Straßenkreuzer, sondern auch die breite Palette von Pkw, Lkw, Bussen und Bahnen von über 60 Fahrzeugherstellern. Ein sehr informativer Bildband, der nicht nur eingefleischte Autofanatiker staunen lässt.

70 JAHRE IN BESTER GESELLSCHAFT

Es gibt nur wenige Zeitschriften, die die bewegte Geschichte Deutschlands ab dem Ende des Zweiten Weltkriegs so begleitet und gespiegelt haben wie die Illustrierte Bunte". " 2018 jährt sich der Termin ihrer Erstveröffentlichung zum 70. Mal – Anlass, einen Jubiläumsband mit einer Gesamtschau auf das legendäre Blatt, seiGoodTimes

In diesem sehr gelungen übersetzten Band liegt eine Auswahl von 15 Erzählungen aus insgesamt neun Büchern von James M. Barrie vor. Kaum jemand vermutet, dass dieser Autor einst die weltweit bekannte Kindergeschichte Peter Pan" veröffentlicht hat. Die hier vorlie" genden, teilweise zum ersten Mal auf Deutsch erschienenen Erzählungen bestätigen, dass Barrie ein wahrer Meister der Prosa ist. In fast allen – meist mythischen – Erzählungen gibt es autobiografische Hintergründe, neben tiefernsten Themen kommt aber auch der Humor nicht zu kurz. Das sehr informative Nachwort James M. Barrie – ein melancho" lischer Humorist" von Michael Klein rundet diesen Band ab und verspricht Lesespaß vom Anfang bis zum Ende.

TRUE ORIGINALS

2017, Seltmann + Söhne ISBN 978-3-94668-817-4 196 Seiten; 39,55 €

2017, Prestel Verlag ISBN 978-3-79138-393-4 336 Seiten; 29,95 €

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2017, Morio Verlag ISBN 978-3-94542-445-2 192 Seiten; 19,95 €

Von Marlon Knispel

Von Patricia Riekel

8

Von James M. Barrie

AN OG ADIDAS SELECTION BY A FAN 1970–1993

BUNTE REPUBLIK DEUTSCHLAND

Seite

WIE MEINE MUTTER IHR SANFTES GESICHT BEKAM

2/2018

Diese englische Veröffentlichung ist eine Hommage an die ursprünglichen Adidas Basketball-, Tennis- und Laufschuhe der 70er bis 90er Jahre. Neben den zahlreichen Fotos hat Marlon Knispel Anekdoten, Geschichten, Insiderwissen und technische Fakten zusammengetragen. Das Ergebnis ist ein Bildband, in dem Turnschuhe sowie legendäre Sportler und Musiker, denen Adidas mit eigenen Schuhmodellen ein Denkmal setzte, vorgestellt werden. Interviews mit zeitgenössischen Sneakerheads, Sammlern und Händlern zeigen exemplarisch, welch geradezu magische" "


NEWS from the past Bedeutung die Marke mit den drei Streifen zu jener Zeit entwickelte. Dabei erhebt das Buch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es zeigt eine Auswahl der Modelle und Persönlichkeiten, die aus Knispels Sicht wesentlich für die Entwicklung der Marke Adidas waren und Vorbilder der heutigen Retrowelle sind. Dank dieser bewusst begrenzten Auswahl zeigt sich deutlich, was im Rahmen einer umfassenderen Darstellung verlorengehen würde: Es gibt eben Turnschuhe ... und es gibt Legenden.

DVDs + BLU-RAYs DER LANDARZT STAFFEL 1–4

Die langlebigste Arztserie im deutschen Fernsehen erzählt seit 1987 die Geschichte des örtlichen Landarztes der fiktiven Gemeinde Deekelsen in Schleswig-Holstein. Erster Bewohner des Landarzthauses war bei Serienstart Dr. Karsten Mattiesen (Christian Quad­flieg), der in dem Haus aufwuchs ist und dessen resolute Mutter Olga sich um Haus und Hof kümmerte und ihn als Sprechstundenhilfe unterstützte. Mattiesen pendelte zu Beginn noch zwischen Deekelsen und seiner Hamburger Wohnung, entschloss sich aber dann, seine zerrüttete Ehe zu beenden und auf dem Land ein neues Leben zu beginnen. Seitdem kümmerte er sich aufopferungsvoll um die Sorgen und Krankheiten der dortigen Menschen. Der Landarzt" ist eine Familienserie, " bei der man sich nach den ersten Folgen wie zu Hause fühlt und mit einer gewissen Spannung Anteil an der Fortentwicklung der Geschichte nimmt. (Studio Hamburg Enterprises)

FORSTHAUS FALKENAU STAFFEL 1–4

Im März und April 2018 sind, neu überarbeitet auf DVD, die ersten vier Staffeln der TV-Serie Forsthaus Falkenau" erschienen. " Die Episoden im Forsthaus Falkenau erzählen, wie die großstadtgewohnte Familie Rombach sich in der Einsamkeit des Bayerischen Waldes zurechtfindet, wie Vater Martin Rombach (Christian Wolff), der durch einen Unfall seine Frau verloren hat, seine drei Kinder alleine großzieht und schließlich eine neue Lebens-

gefährtin findet. Zu den familiären Sorgen des Försters kommt der tägliche Kampf für den Erhalt des Waldes, für Artenschutz, gegen Wilderei und Umweltverschmutzung. Ein Wiedersehen mit einer der großen Kultserien des ZDF! (Studio Hamburg Enterprises)

GREASE + GREASE 2

Es ist kaum zu glauben: Der Kult-Film ­ Grea­se" feiert in diesem Jahr sein 40. Ju" biläum! Aus diesem Anlass veröffentlicht Universal Pictures Germany diesen Klassiker in überarbeiteter Fassung. Die Verfilmung des gleichnamigen Musicals im Jahr 1978 füllte damals die Kinokassen, und John Travolta – mit Olivia Newton-John an seiner Seite – wurde zum Superstar. Mit Grease 2" erschien vier Jahre später " eine Fortsetzung mit Maxwell Caulfield und Michelle Pfeiffer in den Hauptrollen, die jedoch nicht ganz an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen konnte. Beide Filme lassen den Zuschauer tief in die 50er Jahre eintauchen und hauchen dem Highschool-Szenario einer amerikanischen Kleinstadt neues Leben ein. Im Mittelpunkt steht jeweils eine Liebesgeschichte voller Wirrungen und Eifersüchteleien, wobei die Schülergangs T-Birds und Pink Ladies eine wichtige Rolle spielen. Gespickt mit dem tollen Soundtrack und genialen Tanzeinlagen sind beide Filme immer wieder das Anschauen wert. (Universal)

DIE FRITZ LANG BOX

Den Anfang einer Kooperation der FriedrichWilhelm-Murnau-Stiftung mit Universum Film machte bereits am 23. Februar 2018 Die " Fritz Lang Box". Enthalten sind alle sieben stilbildenden Stummfilme Langs aus der Periode 1921 bis 1929: Die Nibe" lungen", Teil 1 und Teil 2, Der müde Tod", Dr. Ma" " buse: Der große Spieler", Teil 1 und Teil 2, Frau im " Mond", Metropolis" und " Spione". Alle Filme werden durch umfang" reiches Bonusmaterial ergänzt, und jeder ist mit einem umfassenden Booklet ausgestattet, in welchem der Film, die Restaurierung, die Filmmusik und natürlich alle Mitwirkenden von Cast und Crew beschrieben werden. Weitere Meisterwerke folgen im Laufe des Jahres 2018 und dann 2019. Die Produkte werden GoodTimes

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ebenfalls mit umfangreichem Bonusmaterial und Booklets auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich sein. (Universum Film)

DAS TRAUMSCHIFF FOLGE 1–6

Als überarbeitete DVD und Blu-ray sind aktuell die ersten Folgen der bekanntesten KultSerie des ZDF erschienen. Das Traumschiff" ist eine " Legende der deutschen Fernsehunterhaltung. Mit Starbesetzung und besten Autoren wie Regisseuren ausgestattet, steuert das Kreuzfahrtschiff seit 1981 die schönsten Urlaubsziele an. Ob seine Passagiere an Bord die Flitterwochen verbringen, die große Liebe suchen oder jemand als vermeintlicher Juwelendieb unterwegs ist – bei der Crew und ihrem Kapitän sind sie alle in den besten Händen. Denn das Personal des Traumschiffs kümmert sich um jegliche Art von Turbulenzen an und unter Deck. Und so werden die Reisen in die Karibik, zu den Jungferninseln oder in die Dominikanische Republik zu unvergesslichen Abenteuern. Die norwegische Vistafjord ist hier in diesen sechs Folgen als Traumschiff zu erleben. Wer von Anfang an mit dabei sein will, kann auf diese DVD-Box nicht verzichten! (Studio Hamburg Enterprises)

Konzerte DA CAPO UDO JÜRGENS

ANDY RÜHL & BIG BAND OTTI BAUER

Schon als er begann, als Noch-nicht-mal-Teen­ ager selbst am Piano Musik zu machen, entdeckte der heute 56-jährige Andy Rühl Udo Jürgens für sich. Früh fing er an, seine Stimme auf die Klangfarbe des unvergessenen und wohl bedeutendsten deutschsprachigen Entertainers zu trainieren. Mit seiner Bigband und dem Programm Da " Capo – Udo Jürgens" erinnert Rühl, ein staatlich geprüfter Kirchenorganist, nun an den am 21. Dezember 2014 verstorbenen Superstar. Nicht nur stimmlich interpretiert der singende Multi-Instrumentalist sein Idol originalgetreu. Jürgens selbst lobte ihn zu Lebzeiten als seinen einzigen legitimen Interpreten. Mit Da " Capo" und den Liedern von Udo Jürgens ist Rühl im September in Neu Isenburg (21.9. Hugenottenhalle), München (22.9. Gasteig) und Berlin (24.9. Admiralspalast) live zu erleben.


Nachruf Karin Dor

Von Christian Simon

Es war im Dezember 1962. Ich war elf Jahre alt und kann mich noch sehr gut an diesen Tag erinnern: Es war kalt, und leichter Schnee bedeckte die Straßen der Innenstadt von Duisburg. Meine Eltern hatten mir erlaubt, ins Kino zu gehen. Im Europa-Palast lief der erste Karl-May-Film mit dem Titel Der Schatz im Silbersee". Der Kinovorhang öffnete sich, und da " waren sie: Winnetou und Old Shatterhand. Die Filmstars meiner Jugend waren geboren – Pierre Brice, Lex Barker und … Karin Dor. Genau 50 Jahre später sollte ich ihr persönlich begegnen. Ich war Redakteur bei Frank Elstners TV-Talkshow Menschen der Woche", und Karin Dor war zu Gast in der Sendung. Für mich war es eine große Freude, sie kennenzu" lernen, denn ich bin bis heute ein Freund der Karl-May- und Edgar-Wallace-Filme, in denen sie mehrfach mitspielte.

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och beginnen wir chronologisch. Karin Dor erblickte am 22. Februar ist ihm vor Schreck beinahe das Lenkrad aus der Hand gerutscht. Er hatte 1938 in Wiesbaden das Licht der Welt. Sie wuchs in gutbürgerden Charme aber auch wirklich mit Löffeln gefressen. Was mich sehr lichen Verhältnissen auf. Schon als 17-jährige Gymnasiastin besuchte beeindruckte: Er wusste auf alles eine Antwort. Er konnte mir jede Frage sie die Schauspielschule und übernahm kleine Karin Dor mit Pierre Brice beantworten. Harald war ein sehr interessanter Statistenrollen in Spielfilmen. Ihre erste Rolle, Mann, ich habe ihn sehr geliebt!" in der sie nur einen einzigen Satz zu sprechen Damals war Karin Dor knapp 17, er fast 30 Jahre hatte, bekam sie 1954 in dem deutschen Kinofilm älter. Auch dank seines Einflusses – Reinl feierte „Rosen-Resli". Trotzdem war Regisseur Harald besonders in den 60er Jahren als Regisseur große Reinl so von ihr angetan, dass er ihr nicht nur eine Erfolge – machte Karin Dor schnell Karriere wichtige Rolle in seinem Film „Der schweigende beim deutschen Film. Engel" gab, sondern sie im selben Jahr auch Bis heute ist sie unverheiratete. „Er hat mir noch vor dem ersten Kuss gessen als Ribanna, den Antrag gemacht", erzählte mir Karin Dor im Winnetous große Liebe Baden-Badener E-Werk, wo die Elstner-Sendung in „Winnetou II". Und aufgezeichnet wurde. „Harald hatte mich an auch in den Edgareinem Sonntag zu einer Autofahrt entlang des Wallace-Filmen sorgte Rheins eingeladen. Irgendwie kam die Rede aufs sie für erotisch-gruselige Heiraten. Ich sagte ihm, dass auch ich schon Schauer, zum Beispiel in einmal einen Heiratsantrag bekommen hätte. Daraufhin fragte er mich, „Der unheimliche Mönch" oder in „Der grüne was ich denn sagen würde, wenn er mir nun einen Antrag mache. Es Bogenschütze". 1966 erlangte Karin Dor dann entstand eine kurze Pause, dann antwortete ich: Ich würde ja sagen. Da Weltruhm: Sie wurde das erste und bisher einSeite

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Traurig war letztlich auch das Aus der Ehe mit Harald Reinl. Die Ehe hielt 14 Jahre, bis 1968. Die Scheidung von Reinl und eine Krebserkrankung setzten ihr ziemlich zu. Doch sie fing sich, psychisch und in gesundheitlicher Hinsicht, und begann wieder mit Dreharbeiten. Im US-Fernsehen sah man sie 1970 in der Krimireihe „Der Chef" mit Raymond Burr, und 1971 spielte sie in der englischen Serie „Ihr Auftritt, Al Mundy" mit Fred Astaire und Robert Wagner. „Robert hat großen Wert darauf gelegt, dass ‚Wagner' auf Deutsch ausgesprochen wurde, und Fred war um die 70 und ein Schatz!" Ihre zweite Ehe mit dem Kaufmann Günther Schmucker wurde 1974 schon nach nur zwei Jahren wieder geschieden. In den USA fand sie dann ein neues privates Glück. 1988 heiratete sie in dritter Ehe ihren langjährigen Freund, den amerikanischen Stuntman, Filmproduzenten und Millionär George Robotham. Karin Dor pendelte jahrelang zwischen Beverly Hills und Deutschland. Als ihr Mann an Alzheimer erkrankte, zog sie 2005 auch wegen der besseren Behandlungsmethoden wieder in ihre Heimat. Zwei Jahre später starb Robotham im Alter von 86 Jahren. „Er war intelligent, charmant und kräftig. Seinen Verfall zu erleben, physisch und psychisch, war unglaublich schmerzhaft. Zu dieser Zeit hatte ich ein Engagement in Bonn – tagsüber war ich bei ihm, abends auf der Theaterbühne", erinnerte sich Karin Dor. Nach seinem Tod lebte sie in einem kleinen Haus im niederbayerischen Prienbach. Sie spielte viel Theater. Oft Boulevardkomödien wie „Der Neurosenkavalier", mit dem sie weit über 500 Mal auftrat, oder „Pythonee" nach dem Buch „Der dressierte Mann" von Esther Vilar. Gelegentlich wirkte sie auch noch in Fernseh- und Kinoproduktionen mit. Auch im „Traumschiff" und bei

zige deutsche Bond-Girl an der Seite von Sean Connery in „Man lebt nur zweimal". Hierzu erzählte sie mir eine kleine Anekdote: „Das war vor Drehbeginn. Meine Agentin und ich wohnten im Dorchester, damals das beste Hotel in London. Wir warteten auf meine Arbeitsgenehmigung. Gleichzeitig lief das WM-Endspiel England – Deutschland mit dem umstrittenen Tor. Zu dieser Zeit gab es noch keine Fernsehapparate in den Suiten. Connery wusste das und fragte uns, ob wir uns das Spiel anschauen wollten. Natürlich wollten wir das! Sean brachte uns einen tragbaren Fernseher ins Hotel und schloss ihn an. In der Türe drehte er sich noch einmal um und meinte: Aber eins sage ich euch, wenn die Deutschen gewinnen, kriegt Karin nie eine Arbeitsgenehmigung. England wurde Weltmeister, zwei Tage später hatte ich die Genehmigung." Doch es sollte nicht bei dieser einen internationalen Filmproduktion bleiben. 1969 gab Alfred Hitchcock ihr eine Hauptrolle in dem Spionage-Thriller „Topas". Karin Dor erinnerte sich: „Ich bekam morgens um vier einen Anruf von meinem amerikanischen Agenten: Nimm die nächste Maschine, Hitchcock will dich treffen. Ich wusste, dass Hitchcock schon über 90 Schauspielerinnen für die Rolle der Juanita de Cordoba zu Probe-Aufnahmen eingeladen hatte. Es hieß immer, er hasse alle Schauspielerinnen. Sogar Rock Hudson hat mich vor ihm gewarnt. Aber wir hatten gleich einen guten Draht zueinander. Ich wurde in sein Büro zu Universal bestellt, das ein Esszimmer mit großem Salon war. Wir haben zu Mittag gegessen, unterhielten uns und kamen vom Hundertsten ins Tausendste. Er war hinreißend! Plötzlich fragte er mich: Kennen Sie Miss Edith Head? Sie war die Schneiderin

© Pressefotos

"Topas"

seiner Filme, und ich antwortete ihm: Wer kennt sie nicht, mit all ihren Oscars? Und er darauf: Ich glaube, es wäre eine gute Idee, wenn Sie zu ihr gehen würden und an sich Maß nehmen ließen. Das war seine Art, mir zu sagen, dass ich die Rolle hatte. Ich habe einen Jubelschrei losgelassen. Dann habe ich ihm gesagt, dass ich nur einen kleinen Koffer mitgenommen hätte und noch einmal nach Deutschland zurückfliegen müsse, um Garderobe und diverse Dinge zu holen. Er meinte nur: ‚Was brauchen Sie denn?' ‚Na ja, was eine Frau so braucht …' Und Hitchcock darauf: ‚Dann gehen Sie einkaufen, und die Rechnung geht an Universal.' Ich habe sein großzügiges Angebot gerne angenommen, aber nicht ausgenutzt. Übrigens schon beim ersten Treffen in seinem Büro schilderte er mir ganz genau, wie er sich den Filmtod von Juanita vorstelle. Bei den Dreharbeiten kam er dann oft nachmittags mit seiner Sekretärin und seinen beiden Hunden zu mir in den Wohnwagen, in dem ich frisiert und geschminkt wurde. Ich musste ihm dann genau erklären, wie man Königsberger Klopse oder Kohlrouladen macht. Es war eine wunderbare Zeit!" Trotz Hitchcock und James Bond hat es dann aber mit der ganz großen Hollywood-Karriere nicht geklappt. Das sah auch Karin Dor so: „Das große Hollywood-Ding war damals schon zu Ende. Es war schon zu spät, es wurden keine großen Filme mehr gemacht. Man begann, an Originalschauplätzen zu drehen. Die riesigen Universal-Studiohallen wurden nur noch für Fernsehproduktionen genutzt. Das war sehr traurig!" GoodTimes

"James Bond 007 – Man lebt nur zweimal"

einigen Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen sahen wir sie. Ihr Comeback auf der Leinwand hatte sie 2006 mit dem Film „Ich bin die Andere", in dem sie eine alkoholkranke Mutter spielte. Seit 2008 stand sie in dem für sie geschriebenen Stück „Man liebt nur dreimal" oder in „Die Katze" auf der Bühne der Komödie im Bayerischen Hof in München. Trotz eines schweren Sturzes 2016 trat sie " Das Traumschiff" dort dann zwar wieder auf, erholte sich aber nicht mehr von dessen Folgen. Sie starb am 6. November 2017 im Alter von 79 Jahren in einem Münchner Pflegeheim. Mit ihr ging eine der großen Schauspieler­in­ nen des deutschen Films der 60er und 70er Jahre. Karin Dor begleitete Millionen Kinobesucher und schenkte ihnen unvergesslich spannende, unterhaltsame Stun­ den. In ihren Filmen lebt sie weiter.

Foto: © Christian Simon Productions

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Karin Dor mit Christian Simon bei Frank Elstners TV-Talkshow "Menschen der Woche".


Von Malte Ristau

grünes Outfit – komplett war die Ausrüstung für das Spiel draußen. is heute sind sich die Sachverständigen nicht einig darin, ob es ihn Verzichten musste ich drinnen noch auf eine entsprechende wirklich gegeben hat, den grün gekleideten Meisterschützen aus Spielzeugfigur, die erst 1965 im Rahmen einer Ivanhoe-Serie in die dem Mittelalter. Immerhin aber wählte ihn der angesehene englische Kinderhände gelangte. Es war die Historiker Eric Hobsbawm zum Prototyp Firma Heinerle, die auf der Suche nach eines historischen Phänomens, das er in zugkräftigen Themen den populären Stoff mehreren Büchern als Sozialbanditentum für ihre massenhaft vertriebenen klassifizierte. Damit sind die entscheidenWundertüten aufbereitete. Robin war dabei den Stichworte gefallen zu dem bemerTeil einer achtteiligen Gruppe in sechs kenswerten Helden, der den Armen gab, Zentimeter Größe aus Weichkunststoff. In was er den Reichen nahm. Ende der 1950er einer größeren Tüte wurde parallel eine bis Anfang der 70er Jahre dürfte es wenige Ritterburg zum Zusammenstecken vertrieJungen gegeben haben, die Robin Hood ben. Der geheimnisumwobene Sherwood nicht kannten. Zum ersten Mal begegnet Forrest ließ sich durch Laub- und ist er mir in einem bekannten Buch von Tannenbäume aus anderen Sortimenten Mark Twain, als Tom Sawyer und Huck von Heinerle simulieren. Spätere Jahrgänge Finn empathisch verkündeten, dass sie lieErrol Flynn (Mitte) setzte 1938 als Titelheld Maßstäbe konnten seit 1964 auf Bausätze von Airfix ber ein Jahr vogelfrei in Sherwood Forrest der Unterhaltung und prägte Vorstellungen nachhaltig. oder ab 1973 auf Spielfiguren der Firma leben wollten, als für immer Präsident der Heimo zurückgreifen. Letztere richteten sich an jüngere Kinder, indem sie Vereinigten Staaten zu sein. Das musste was Tolles sein! die Darstellungen eines Disney-Films mit Tierfiguren aufgriffen. In den Achtzigern folgten ngespornt durch diverse Modelle von Lego Medien haben denn sowie ab 2000 von auch die Babyboomer und Playmobil. Auch in manchmal ihre Söhne Robins den Überraschungs­ Abenteuer begeistert nacheiern von Ferrero gespielt. Ein Flitzebogen, als gab es eine Zeit lang Langbogen deklariert, ein Spielfiguren von Heinerle 1965: 1. von Heimo präsentierte 1973 ein Figurenset einige Motive. Holzschwert, ein irgendwie links Robin Hood, 4. von rechts Ivanhoe zum Disney-Film Seite

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NGesellen 1962 über eine Jugendbuchausgabe äher kennengelernt hatte ich Robin und seine

eines berühmten Romans, die im Engelbert-Verlag erschienen war: Zurückgekehrt von einem Kreuzzug setzt sich darin Ritter Ivanhoe, an seiner Seite ein Geächteter namens Robin von Locksley, für die Rückkehr des in der Fremde gefanPlaymobil erfreute 2000 mit einer Robin-Hood-Gruppe

gen gehaltenen Königs Richard Löwenherz ein. Ihre eindrucksvollen Gegenspieler waren Finsterlinge wie namentlich Prinz John sowie der Sheriff von Nottingham. Ohne große Umstände stellten wir im Freundeskreis fest, dass es über das Buch hinaus weitere anregende Drehbücher für unsere Spielwelten gab. Gleich zwei in jenen Jahren erfolgreiche Comic-Verlage, Lehning und BSV, hatten Entsprechendes in ihren Programmen. In den 70ern produzierte schließlich der Bastei-Verlag mehrere Dutzend Hefte. So erschloss sich für uns und die uns folgenden Jahrgänge ein bunt besetzter Kosmos. Wir lernten Maid Marian kennen, die eigensinnige, kluge und hübsche junge Dame, in die sich Robin nachhaltig verliebte. Wichtiger für die Dramaturgie unseres Spiels freilich waren die handfesten Gesellen, die Robin zur Seite standen: der opulente Mönch Bruder Tuck, der Spielmann Allen a Dale, der ambivalente Will Scarlett und der schlagkräftige Little John. Jede dieser Personen verband eine eigene Geschichte mit dem Haupthelden.

Gedächtnis wie die überraschenden Überfälle auf Steuergeldtransporte oder auf Schergen des Sheriffs aus den Baumkronen dichter Wälder herab. Robin griff schützend ein und machte Unrecht wieder gut, das in Hab- und Machtgier wurzelte. Bei seinen häufig riskanten Unternehmungen hatte er Erfolg, weil er der beste Bogenschütze, ein hervorragender Schwert- und Stabkämpfer sowie ein Meister der Verkleidung wie der List war. Wir konnten nun die Begeisterung von Tom Sawyer und Huck Finn nachvollziehen.

Idie Story über nun mehr n ihren Grundzügen ist

700 Jahre hinweg unverändert geblieben. Gelebt hat Robin, wenn es ihn Illustrierter Klassiker denn gab, um 1200 im von BSV, frühe 60er Nordosten Englands. Sein Mythos speiste sich ähnlich dem von König Artus aus vielen Quellen der Volksüberlieferung. Fiktive und realhistorische Details tets konnten Robin mischten sich im Laufe der und seine Getreuen Jahrhunderte und ergaben mit der Unterstützung der schließlich einen wunderBauern und Bürger rechbaren Stoff für Medien aller nen, die ihre Aktivitäten Art. Das erste schriftliche bewunderten. Es waren in Zeugnis über Robin ist 1377 zu verorten, als der Perspektive der Geschichten diverse nores in einer volkstümlichen Geschichte hieß: Lehning veröffent­ mannische Barone, Bischöfe und Äbte, die noch 150 Jahre nach der Anfang der 60er „Ich kenne das Vaterunser nicht so vollkommen lichte Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer die einfachen Leute eine aus Frankreich ... aber ich kenne Verse von Robin Hood." In überwiegend angelsächsischer Herkunft drangsalierten und viele eingekaufte Reihe der mündlichen Überlieferung, in Liedern und zu Geächteten machten. Daraus ergab sich der Rahmen für spanBalladen, war die Gestalt wohl schon eher nende Abenteuer, die zum Kernbestand der Traumwelten mehrerer präsent. Im Mittelalter galt er den Engländern, Jungengenerationen gerieten. Der edle Räuber besonderer Art operierte einfachen wie hochgestellten, als realhistorische mit einer Schar Vogelfreier und Rebellen vom Sherwood Forrest aus. Persönlichkeit. Seit dem 15. Jahrhundert wurZu den unvergesslichen Requisiten gehörten die mächtige Eiche im den in den ländlichen Regionen Englands Robin-Hood-Spiele veranstaltet, eine Mischung aus Karneval und Sportfest. Chronikalische wie literarische Zeugnisse, Gedichte, Lieder oder Theaterstücke, häuften sich im 15. und 16. Jahrhundert. Bastei setzte Anfang Die erste bildliche Darstellung, der 70er mit Erfolg auf Die eindrucksvolle Robin-Hood- ein Holzschnitt, wird auf 1510 eine Robin-Hood-Serie Die Burg Bodiam Castle aus dem 13. Jahrhundert Eiche im Sherwood Forrest war mehrfach Schauplatz von Verfilmungen datiert. Einige Jahre zuvor wohl ist eine Textsammlung entstanden, die alles seinerzeit Bekannte über den Rebellen zusamWaldversteck, unter der sich die grüngekleideten Merry Men trafen, mentrug. Shakespeare variierte später den Stoff in seinem Stück genauso wie die wuchtigen Zwingburgen der Normannen. Szenen „Wie es euch gefällt". Im späten 17. Jahrhundert war Robin Hood so wie der Wettkampf der besten Bogenschützen blieben ebenso im

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Richard Green (Mitte)

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gerichtet. Eine regelrechte RobinHood-Welle war 1955 vor allem in den angelsächsischen Ländern durch die erfolgreichs­ te von insgesamt elf Fernsehserien ausgelöst worden. In 143 Folgen der Adventures Of Robin Hood, verkörperte Richard Greene den Titelhelden. Der Titelsong wurde in den USA ein Hit, und auch bei uns erinnert sich noch mancher gerne an die unübertroffenen Verse, die zu Beginn jeder der halbstündigen Folgen zu einer eingängigen Melodie geschmettert wurden: „Robin Hood, Robin Hood reitet durch die Lande. Voller Stolz und Wagemut folgt ihm seine Bande. Die Bösen sind ihm bös; die Guten sind ihm gut. Robin Hood, Robin Hood." Denn auch bei uns war eine synchronisierte Fassung mit einiger Verspätung ab März 1971 von der ARD an Sonntagnachmittagen ausgestrahlt wor-

populär, dass sogar – wieder wie im Falle König Artus – ein auf ihn ausgewiesener Grabstein gefälscht wurde.

ndgültig Eingang in die Weltliteratur fanden die Motive, als Walter Scott unseren Helden 1822 an der Seite von Ritter Ivanhoe im gleichnamigen Roman für das Gute streiten ließ. Dieser Roman fand zahllose Auflagen und Bearbeitungen, zuerst in Groschenheften und später in Bildgeschichten. Einem gebildeten angelsächsischen Publikum wurde Robin Ende des 19. Jahrhunderts romantisierend über Russel Crowe (Robin) und Cate Blanchet (Marian) waren 2010 die Hauptdarsteller eines Kinofilms Sammlungen der alten Balladen nahegebracht. Nach der Etablierung des Kinos wurden Robins Taten bis heute rund 80 Mal verfilmt; darunter sind viele Nullitäten, aber eben auch einige Glanzstücke. In Letzteren setzten, periodisch wiederkehrend, zeitgenössische Superstars wie Douglas Fairbanks (1922), Errol Flynn (1938), Sean Connery (1975), Kevin Costner (1991) oder zuletzt Russell Crowe (2010) eindrückliche Akzente, die jeweils an Facetten der Überlieferung ansetzten und Robin Hood zielt auf die Burg des Sheriffs in Nottingham Themen der Zeit spiegelten. Neben Audrey Hepburn & Sean Connery den. Ich war mittlerweile 17 Jahre alt, Klassikern des Abenteuer-Genres hat das Motiv im Laufe der Zeit und über mehrfache Wiederholungen auch eigentümliche Deutungen erfahren. Die Spannbreite reicht von freuten sich spätere Jahrgänge. Seit einiZeichentrickfilmen bis zu einer Parodie, die Mel Brooks verantwortegen Jahren ist die deutsche Version in te. Den Haupthelden verkörperten drei Boxen wieder zugänglich, die insgein ansonsten belanglosen Streifen samt 27 Folgen à 30 Minuten offerieren. unter anderem Lex Barker sowie Die TV-Serie sorgte vor 60 Jahren in Pierre Brice, die in anderen Rollen vielen Ländern für Anschlussprodukte. stärker fesselten. Robins charakteDazu gehörten neben neuen Büchern, ristisches Kapuzenoutfit und seine häufig Bearbeitungen des Romans von Bogen wurden überdies stilbildend Scott, und vielen Comics auch diverses für so unterschiedliche Figuren Spielzeug, Hörspiele auf Schallplatten wie Peter Pan oder Green Arrow. oder Kassetten sowie im Karneval ein Eine besondere Kultgestalt der passendes Kostüm. Babyboomer, gemeint ist die von Diana Rigg verkörperte Emma Diane Rigg als Peel, beeindruckte in einer er England mit genügend Zeit ausgestattet bereist, sollte einen Emma Peel im Robin-HoodParaderolle in einem RobinAbstecher in die Grafschaften Nottinghamshire und Yorkshire Kostüm in Hood-Kostüm. In der bis vorsehen, wo Robin Hood als Touristenattraktion gegenwärtig ist. einer Folge von heute beliebten TV-Serie Lohnenswert in der Stadt Nottingham sind insbesondere ein Mit Schirm, "Charme und „Mit Schirm, Charme und Besuch im Erlebniszentrum Tales Of Robin Hood sowie im ältesten Melone", 1967 Melone" wurde Pub Englands, dem Ye Olde Trip To Jerusalem, in dem seit 1189 nämlich im August 1967 eine Folge ausgestrahlt, tatsächlich heimgekehrte Kreuzritter eingekehrt sind die den deutschen Titel „Robin Hood spielt mit" trug. und möglicherweise auch Robin, verkleidet sicherDie Referenzen an typische Topoi aus dem Klassiker sind lich, ein leckeres Bier getrunken hat. Die trutzige nachdrücklich, und Emma Peel wie John Steed treten, beide Burg von Nottingham, ehemals Sitz des Sheriffs, beeindruckt weitkostümiert, dem Geiste Robins angemessen auf. hin sichtbar oberhalb der Stadt. Am Fuße ihrer Mauern findet man ein Bronzestandbild dort, wo Robin die besten Bogenschützen Englands in einem spannenden Wettkampf bezwang. Nicht weit erstärkt an ein junges Publikum hatten sich schon Anfang von der Stadt liegt der Forst von Sherwood, der zwar auf sieben des 20. Jahrhunderts Bearbeitungen des Stoffes Seite

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Quadratkilometern Fläche arg geschrumpft ist, aber doch reichlich Atmosphäre bewahrt hat. In seiner Mitte findet man unweit des Touristenzentrums die uralte Major Oak, deren Umfang über zehn Meter misst. Der Besucher assoziiert beim Anblick dieser weitausladenden Eiche unweigerlich Robin und seine Gesellen, die ein Hornsignal herbeigelockt hat.

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ei mir war spätestens in diesem Moment die aus der Kindheit vertraute Begeisterung wieder da, die mich sogar veranlasste, 1978 als ein mündliches Examensthema den Sozialbanditen Robin Hood zu wählen. Eine Verfilmung mit Kevin Costner variierte 1991 die Geschichte mit düsteren Akzenten

Die ursprünglich skeptischen Professoren zeigten sich dann so interessiert, dass der folgende Prüfling warten musste. Zwischenzeitlich ist das Thema auch in Deutschland wissenschaftsfähig geworden. Für Historiker wie Literaturwissenschaftler bleibt Robin freilich genauso schwer fassbar, wie er es schon für seine Gegenspieler war. In der neuesten deutschsprachigen Veröffentlichung, 2015 erschienen und überaus lesenswert, urteilt die Autorin Judith Klinger von der Uni Potsdam, dass es angesichts der Wirkung gar nicht zähle, ob es überhaupt ein Original gegeben habe. Wie positiv Robin jedenfalls eingestuft wird, zeigt nicht zuletzt die Namensgebung einer weltweit aktiven Naturschutzorganisation: Robin Wood jedenfalls machte mit der Namensgebung aus dem Sozi einen Grünen, aus dem Rächer der Unterdrückten einen Rächer der Entlaubten.

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Wer tanzt wie John Travolta?

1978 kam "Saturday Night Fever" in die bundesdeutschen Kinos: Hauptdarsteller John Travolta tanzt darin wie ein junger Gott zu den perfekten Discohits der Bee Gees. Er wurde zum Idol, und der Film entfachte wie überall auf der Welt eine unentrinnbare Disco-Euphorie. Zum 40-jährigen Jubiläum des deutschen Kinostarts blickt kult! zurück und lässt sich noch einmal vom "Saturday Night Fever" anstecken.

Von Thorsten Schatz

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ie Geschichte von „Saturday Night Fever” beginnt mit der Entstehung der Discokultur Anfang der 70er Jahre in der Schwulenszene New York Citys. Damals eröffneten etliche Discotheken – kurz Discos – für Homosexuelle, nachdem das Tanzverbot für gleichgeschlechtliche Paare aufgehoben worden war. Allerdings drangsalierte die Polizei Schwule und Lesben weiterhin etwa durch Razzien in den Gay-Clubs. Abhilfe schuf der

DJ David Mancuso, der seit 1970 in seinem privaten Loft Tanzpartys veranstaltete, wo Homosexuelle unbehelligt blieben. Das fand schnell Nachahmer in Form anderer Partys und privater Discotheken. Dort trafen sich aber nicht nur Gays, sondern auch Heteros, Weiße und Minderheiten wie Schwarze, Latinos, Italo-Amerikaner, die ihren von Diskriminierung verdunkelten Alltag vergessen wollten. Sie tobten sich in Seite

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Foto: Bildarchiv Hallhuber

Foto: Bildarchiv Hallhuber

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Harte Konkurrenz beim Tony ist ein Frauentyp, behandelt der Disco auf der Tanzfläche aus, Tanz-Contest seine Verehrerinnen aber respektlos, nahmen Drogen und hatten Sex. wie beispielsweise Annette, seine Die Dancetracks dazu lieferte die ihn anhimmelnde Tanzpartnerin, schwarze Musikszene, die eine neue die er ständig abweist. Als er die Musikrichtung entwickelte, indem ältere Stephanie kennenlernt, will sie Funk und Soul mit Hard-Rock, er lieber mit ihr als mit Annette Reggae und eingängigen Melodien einen Tanzwettbewerb bestreiten. anreicherte. Heraus kamen enorm Tony möchte Stephanie erobern, die tanzbare Stücke, denen man, da sie lässt ihn aber abblitzen, weil sie aufauf den Discotheken-Einsatz zugesteigen will und er dafür nicht die schnitten waren, seit etwa 1972 die geeignete gesellschaftliche Herkunft Bezeichnung „Disco” anheftete. hat. Die US-Mainstream-Musikindustrie Die beiden gewinnen den ersten witterte einen neuen Trend und Preis. Allerdings meint Tony, ein schickte ab 1974 mit internationalen Konkurrenzpaar habe ihn mehr verdient, ihn aber wegen seiner puerHits wie z.B. ”Never Can Say Goodbye” von Gloria Gaynor, ”Rock Your toricanischen Herkunft von der Jury nicht bekommen. Wütend gibt er Baby” von George McCrae, ”The Hustle” von Van McCoy & The Soul dem anderen Paar die Trophäe, verlässt mit Stephanie die Disco – und City Symphony, ”That's The Way (I Like It)” von KC & The Sunshine versucht, sie zu vergewaltigen, was jedoch misslingt. Band, ”Love Hangover” von Diana Ross oder ”You Should Tony ist danach mit seinen Freunden und Annette Be Dancing” von den Bee Gees die erste Discowelle um Vortänzer zusammen, die aus Liebeskummer wegen Tony betrundie Welt. Die Europäer schlossen sich ab 1975 mit gloJohn Travolta ken ist. Tony will sie wegbringen, doch seine Freunde balen Disco-Erfolgen wie ”I'm On Fire” von 5000 Volts hindern ihn mit Gewalt daran. Dann vergewaltigen zwei (1975), ”I Love To Love” von Tina Charles (1976) oder Abbas der Männer Annette. ”Dancing Queen” (1976) an. Aus der Bundesrepublik kamen Kurz darauf stirbt Tonys Freund Bobby bei einer Mutprobe. Discohits wie Boney M.s ”Daddy Cool” (1976), produziert von Zuvor hat er Tony erklärt, dass er sich von ihm im Stich gelasFrank Farian, oder der streicherbetonte Munich Sound, vertreten sen fühle, weil er ihm nicht beigestanden habe, als ihn die durch Silver Conventions ”Fly, Robin, Fly” (1975) und DiscoEltern seiner ungewollt schwangeren Freundin zu einer Heirat Queen Donna Summer, deren erste Welterfolge (u. a. ”Love To Love zwingen wollten. You Baby”, 1975) Giorgio Moroder und Pete Bellotte produzierten. Angeekelt von sich selbst fährt Tony daraufhin durch die Nacht, geht zu Stephanie, bittet sie um Entschuldigung und "Saturday Night": Die Entstehung der Filmstory versöhnt sich mit ihr. Als die erste Discowelle 1976 langsam wieder John Travolta ist zu dick: abflaute, beauftragte das „New York Magazine” die Dreharbeiten den bekannten nordirischen Pop-Autor Nik Cohn, der 1975 in die USA gekommen war, einen Artikel Robert Stigwood war Produzent des Films, der erst den über den New Yorker Disco-Underground zu schreiben. Titel des Cohn-Artikels trug, dann aber zu „Saturday Der Tänzer Tu Sweet führte Cohn durch New Yorker Night” gekürzt wurde. Er holte sich als Regisseur John Clubs, doch dem blieb die Discoszene fremd. Und da nun auch Avildsen, der zu dem Zeitpunkt mit dem Boxerdrama noch die Redaktion drängelte, erfand der Autor in seiner Not „Rocky” Erfolg hatte. Als Tony Manero verpflichtete Stigwood den Discotänzer Vincent. Dazu inspiriert wurde er durch einen einen 23-jährigen TV-Jungstar: John Travolta. auffällig gekleideten jungen Mann, der ihm in einer Disco aufgefalDer 1954 geborene Schauspieler und Sänger italienisch-irischer len war und Chris ähnelte, einem britischen Mod – und mit dieser Herkunft aus New Jersey hatte bereits Bühnenerfahrungen in Musicals Subkultur kannte sich Cohn bestens aus. Beide verknüpfte er zur wie „Grease” und „Over Here!” gesammelt. Er spielte in TV-Serien wie Figur Vincent. Dessen Leben in der Brooklyner Discoszene beschreibt „Emergency!” und in einer kleinen Rolle im Stephen-King-Schocker Cohn in dem am 7. Juni 1976 im „New York „Carrie” (1976) mit. 1975 wurde Travolta als Magazine” erschienenen Artikel „Tribal Rites Vinnie Barbarino in der Sitcom „Welcome Of The New Saturday Night” („Stammesriten Back, Kotter” zum Teenie-Schwarm. Mit dem der neuen Samstagnacht”). Den las auch Song ”Let Her In” gelang ihm 1976 sogar ein Robert Stigwood, der erfolgreiche Manager Top-Ten-Hit in den US-Charts. Kurz darauf von Bands wie Blind Faith, Cream und den Bee stand er als Tony Manero zusammen u.a. mit Gees sowie Produzent von Musicals und deren Karen Lynn Gorney als Stephanie Mangano Verfilmungen wie „Jesus Christ Superstar” und Donna Pescow als Annette vor der Kamera. (1973) und „Tommy” (1975). Stigwood sah in John Travolta hatte wenig Probleme, die Rolle dem Cohn-Text eine Story fürs Kino, kaufte eines enthusiastischen Tänzers zu spielen. die Filmrechte und ließ Norman Wexler aus Schon mit fünf Jahren bewegte er sich vor dem Artikel ein Drehbuch schreiben. dem Fernseher zu Tanzszenen in alten Filmen Wexler machte aus Vincent den 19-jährigekonnt im Rhythmus mit. Das setzte sich fort, gen Tony Manero, einen italo-amerikanischen als er fasziniert den Tanzstil der Schwarzen Verkäufer in einem Haushaltswarenladen, der verinnerlichte, wenn er sich die Blackin bescheidenen Verhältnissen in Brooklyn Music-TV-Show „Soul Train” ansah. Diese lebt. Dessen streng katholische Eltern sind Tanzbegeisterung machte es Travolta leichter, stolz auf seinen Bruder, einen Priester, lehnen sich mehrere Monate mit den Choreografen aber Tonys Liebe zum Discotanz ab. Den zeleDeney Terrio und Lester Wilson auf den Dreh briert er immer samstagnachts in der Disco vorzubereiten. 2001 Odyssey. Dort tanzt er wie kein anderer Der junge Mime machte seine Sache gut. Aber und ist der Discokönig. Außerhalb des Clubs Regisseur Avildsen mäkelte herum, dass er zu zieht Tony mit Freunden umher, die gern dick sei, und verordnete ihm ein Training, das Machosprüche abfeuern und sich mit anderen Travolta in Form brachte. Allerdings nörgelte John Travolta mit Karen Lynn Gorney Gangs prügeln. Avildsen weiter, dass Travolta eigentlich kein

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Tänzer sei und lieber einen Maler spielen solle … Da platzte Robert Stigwood der Kragen. Er warf Avildsen raus und engagierte stattdessen – drei Wochen vor Drehbeginn am 14. März 1977 – als Regisseur John Badham (der später Kinohits wie „Wargames” und „Nummer 5 lebt” inszenierte).

Die Dreharbeiten in Brooklyn wurden für Travolta schwierig, weil er vor Tausenden seiner Fans abgeschirmt werden musste. Dazu kam der Tod von Diana Hyland, einem Soap-Opera-Star, mit der John Travolta in dem Fernsehfilm „The Boy In The Plastic Bubble” gespielt hatte und mit der er liiert war. Sie litt an Brustkrebs und starb in seinen Armen während der „Saturday Night”Dreharbeiten. Als die geschafft waren, ging es an die Nachbearbeitung und die Fertigstellung des Soundtracks. Bis dahin hatte Travolta zu Songs von Stevie Wonder und Boz Scaggs getanzt. Doch es fehlten ein paar speziell für den Film aufgenommene Songs. Wer die einspielen könnte, war Stigwood schnell klar: die Bee Gees.

Die Welt im "Night Fever"

Die Gibb-Brüder hatten nach einem kurzen Karrieretief seit 1975 ihren Sound sehr erfolgreich in Richtung Soul und Funk geändert und waren 1976 mit dem US-Charttopper ”You Should Be Dancing” bei Disco gelandet – genau richtig für den „Night Fever”-Soundtrack. Stigwood überzeugte die Bee Gees als ihr Manager, Songs für den Film zu schreiben, obwohl er ihnen nur eine Inhaltsskizze gab und sie bloß ungefähr ahnten, worum es ging. An nur einem Wochenende schrieben sie fünf Songs ohne große Motivation, weil sie lieber an ihrem neuen Album arbeiten wollten. Die Stücke waren zwar nicht auf die Handlung abgestimmt, aber Stigwood und Bill Oakes, der Musical Supervisor des Soundtracks, meinten euphorisch, dass die Songs absolutes Hitpotenzial hätten. Sie änderten wegen des Tracks ”Night Fever” sogar den Filmtitel zu „Saturday Night Fever”, weil das den Geist der Story besser einfing. Und die beiden behielten Recht. Die Soundtracksongs der Bee Gees – ”How Deep Is Your Love”, ”Stayin' Alive” und ”Night Fever” – schossen alle in den USA auf Platz 1 und beherrschten die oberen

Immortality: eine kurze Geschichte der Bee Gees Die Brüder Barry, Robin und Maurice Gibb wurden als Bee Gees zum sechsterfolgreichsten Popact der Musikhistorie (nach Elvis, den Beatles, Michael Jackson, Garth Brooks und Paul McCartney). 1955 fingen sie als Skifflegruppe Rattlesnakes in Großbritannien an. Sie wanderten nach Australien aus, wurden Teenie-Stars, gingen 1967 nach Großbritannien zurück, benannten sich in Bee Gees um und wurden zu Weltstars. Sie verkauften bis heute über 220 Millionen Platten. Zur langen Liste ihrer Hits von den 1960ern bis in die 2000er Jahre gehören u.a. "Massachusetts", "Stayin’ Alive", "You Win Again", "Secret Love", "This Is Where I Came In". All ihre Erfolge schrieben und performten die Brüder selbst. Sie komponierten daneben Charttopper für andere Künstler wie Barbra Streisand ("Woman In Love"), Dionne Warwick ("Heartbreaker"), Kenny Rogers und Dolly Parton ("Islands In The Stream"), Diana Ross ("Chain Reaction") oder Celine Dion ("Immortality").

Überschattet wurde das Leben der Gibb-Brüder von tragischen Todesfällen. So starb 1988 ihr jüngster Bruder Andy, der Ende der 70er Jahre einige große Hits hatte (z.B. "I Just Want To Be Your Everything", 1977) mit 40 Jahren an einem Herzleiden. Ihm folgte Maurice 2003 mit 53 Jahren, der nach einer Operation einen Herzstillstand erlitt. 2006 wurde das Ende der Bee Gees bekanntgegeben, obwohl Barry und Robin noch weiter unter dem Namen auftraten – bis Robin 2012 an Krebs starb. Barry Gibb ging 2016 noch einmal allein auf Tournee und brachte das in Europa erfolgreiche Album IN THE NOW heraus.

Tony Manero nachdenklich am Ende der Saturday Night

Chartränge rund um den Globus. Auch ihre Komposition ”If I Can't Have You”, gesungen von Yvonne Elliman, war eine US-Nummer-1. Genauso kamen danach weitere Songs des Soundtracks, der ein Doppelalbum war, in die internationalen Charts: ”Boogie Shoes” von KC & The Sunshine Band, ”Disco Inferno” von The Trammps und das BeeGees-Stück ”More Than A Woman”, gesungen von Tavares. Der mit fünf Grammys dekorierte Soundtrack (u.a. 1978 für das „Beste Album des Jahres”) verkaufte sich bis heute 20,6 Millionen Mal. Er galt lange Zeit als bestverkauftes Album weltweit (1983 abgelöst von Michael Jacksons THRILLER) und als bestverkaufter Soundtrack (1992 abgelöst von THE BODYGUARD). Stigwood veröffentlichte das Doppelalbum am 15. November und den Film am 14. Dezember 1977. Diese Reihenfolge war ein Novum, mit dem Stigwood das CrossMarketing erfand: Die Musik machte den Film populär und umgekehrt – was funktionierte, denn auch der Film wurde ein Riesenerfolg. Bei einem Budget von 3,5 Millionen US-Dollar spielte „Saturday Night Fever” in den USA in den ersten elf Tagen elf Millionen und danach weltweit 237,1 Millionen Dollar ein. Von Anfang an war „Saturday Night Fever” ein enormer Publikumsrenner. Als das klar war, versuchten die Produzenten, noch mehr Zuschauer ins Kino zu bekommen, indem sie den Film entschärften. So kam 1978 eine Neuveröffentlichung ohne die Vergewaltigungsszene, mit weniger Gewaltszenen und abgemilderter Sprache heraus. Damit konnte der von 118 auf 113 Minuten gekürzte Streifen von einer Freigabe ab 16 auf eine ab zwölf Jahren herabgestuft werden. Die Rechnung ging auf, das jüngere Publikum sorgte für noch vollere Kassen. Auch die Kritiker waren begeistert. Sie lobten die Tanzszenen und die realistische Darstellung des New Yorker DiscoUndergrounds. Der Film war für etliche Preise u. a. bei den Golden Globes nominiert. John Travolta gewann 1977 als bester Hauptdarsteller den National Board Of Review Award und war sogar ein OscarKandidat. Hinzu kam eine späte Ehre: 2010 nahm man „Saturday Night Fever” in die National Film Registry auf, in dem kulturell, historisch oder ästhetisch bemerkenswerte und erhaltenswerte US-Filme eingetragen werden.

Nur Samstag Nacht": "deutsches Discofieber Am 13. April 1978 startete „Saturday Night Fever” unter dem Titel „Nur Samstag Nacht” (erst seit 2002 ist die deutsche Fassung „Saturday Night Fever” betitelt) in

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der entschärften Version in den bundesdeutschen Kinos. In der DDR wurde der Film nicht gezeigt. Die Kritiker lobten Travoltas Tanzen, die Musik und den Realismus. Und das Publikum bevölkerte die Lichtspielhäuser, bis der Film 1978 die Goldene Leinwand für mehr als drei Millionen Zuschauer erhielt. Auch die Soundtrackmusik räumte ab. ”Stayin‘ Alive” und ”Night Fever” erreichten beide Platz 2 der bundesdeutschen Charts. Das Album kam auf Platz 1 und verkaufte sich mehr als 1,5 Millionen Mal, was ihm eine Platin-Schallplatte als Auszeichnung bescherte. Das ausgebrochene deutsche „Saturday Night Fever” sorgte dafür, dass neue und alte Discotheken mit Discokugeln, Lichtshow und Nebelwerfern wie im Film ausgestattet wurden. Die „Fever”-Fans kleideten sich für die Disco wie die Filmprotagonisten, und auf dem Dancefloor tobten sich etliche TravoltaKlone aus. Discotanzkurse wurden in jeder größeren Stadt angeboten – und genauso Wettbewerbe mit Slogans wie „Wer tanzt wie Travolta?”

Der Absturz geschah weltweit, auch in der Bundesrepublik. Hierzulande rümpften vor allem beinharte Rockfans bei Discomusik die Nase.

"Stayin' Alive": der Nachfolger

© Pressefotos

Foto: Bildarchiv Hallhuber

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Disco war tot, „Saturday Night Fever” aus den Kinos raus. Doch das konnte nicht alles gewesen sein, dachte sich Robert Stigwood und sorgte 1983 für eine Fortsetzung des Films. Regie führte „Rocky” Sylvester Stallone, der mit Norman Wexler das Drehbuch für den Nachfolger „Stayin' Alive” schrieb. Darin gelingt Tony Manero, der sich sechs Jahre als Tanzlehrer und Kellner durchgeschlagen hat, durch eine Rolle in einer DanceProduktion der Durchbruch am Broadway. John Travolta spielte wieder Tony Manero. Er konnte den Film aber nicht retten und kickte sich damit fast ins Karriere-Aus, denn die Kritiker verrissen „Stayin’ Alive” total als blutleeres, realitätsfernes Drama mit lahmen Tanzszenen. Dennoch war „Stayin’ Alive” an der Kinokasse ein Erfolg. Er spielte bei 22 Millionen US-Dollar Produktionskosten weltweit 127 Millionen US-Dollar ein. Das alte Fieber entfachten jedoch weder Flucht in die Samstagnacht der Film noch der zur Hälfte von den Bee Gees bestückte Soundtrack. Der kam in den „Saturday Night Fever” war zur globalen USA auf Platz 6, in der Bundesrepublik auf Popmode geworden. Aber warum? Was machRang 8 und verkaufte sich weltweit „nur" te die Faszination aus? Ein Grund ist natürlich 4,5 Millionen Mal. Auch die ausgekoppeldie Musik. Die Bee-Gees-Songs sind bestes ten Singles ”Far From Over” von Sylvester Songwriting mit Ohrwurmharmonien und Stallones Bruder Frank Stallone (USA: Platz einem funky Beat, der auf die Tanzfläche treibt 10, Bundesrepublik: Platz 11) und ”The – damals schlicht der perfekte Discosound. Der Fortsetzungsflop "Stayin' Alive" Woman In You” von den Bee Gees (USA: Platz Darüber hinaus zog der Film das Publikum 24, Bundesrepublik: Platz 23) zündeten nicht. hautnah in die Discowelt, die sich als Fluchtraum vor frustrierenden oder gar bedrohlichen Lebensumständen anbot. Und: Das Disco40 Jahre danach: "Saturday Night Fever" heute Erlebnis offerierte Verlockungen – Spaß beim Tanzen, Flirten mit der Aussicht auf Sex, das Sich-Berauschen an der Musik, Alkohol oder Der „Stayin’ Alive”-Film war schnell vergessen – „Saturday Night anderen Drogen. Fever” aber nicht. In den 90er Jahren sorgten Bands wie Jamiroquai Das vermittelte der Film – und die Geschichte oder Incognito mit ihren Funksongs und speDisco-König des Tony Manero zudem eine Botschaft, die John Travolta ziell N-Trance mit europaweit sehr erfolgreiweltweit ankam: Du kannst auch als kleiner chen Neuauflagen alter Discohits (u. a. ”Stayin’ Angestellter, Arbeiter, Schüler Anerkennung Alive”, 1995) für ein Revival der Discomusik bekommen, indem du dich selbst verwirklichst. der 70er, die sich zu Dance-Pop, Techno und House weiterentwickelt hatte. Der Absturz: " Disco sucks" Im Zuge des Revivals wurde „Saturday Night Fever” als Musical erneut zum Leben erweckt. Die Musikindustrie wollte natürlich vom Beginnend 1998 im Londoner West End, phänomenalen Erfolg von „Saturday Night ging die Aufführung in einer völlig entFever” profitieren und veröffentlichte rasend schärften Fassung mit wechselnden Ensembles schnell unzählige Discotracks. Doch die Musik um die Welt, bejubelt von Millionen Fans. war nicht nur beliebt. Es gab konservative Auch in Deutschland gastierte das Musical Discohasser, die es anwiderte, dass Disco (1999 in Köln, 2004 deutschlandweit, 2013 in aus der Homosexuellenszene entstanden war Frankfurt/Main). und viele Musiker und Partygänger schwarz Daneben erinnern sich die Medien zu den runwaren. Der Drogenkonsum und der Sex auf den Geburtstagen des Kinostarts an den Film, den Partys, die oft sexuelle Note der Songs, und die Plattenfirma bringt Spezialeditionen das alles war für sie höchst unmoralisch. heraus. So veröffentlichte Capitol Records Feministinnen stimmten mit ein und meinzum 40-jährigen Jubiläum des US-Kinostarts ten, Disco würde Frauen diskriminieren. Und 2017 nur in den USA eine Remaster-DeluxeRockfans verachteten Disco als unmännlich. Version mit dem Original-Soundtrack auf So formierte sich die Gegenbewegung „Disco zwei LPs und zwei CDs mit vier Remix-Tracks, sucks” (dt.: „Disco ist scheiße”) 1977, als das dem Film auf Blu-ray-Disc plus Bonus-Film„Saturday Night Fever” begann. Ihr Höhepunkt Material, einem 24-Seiten-Buch und diversem Artwork. war die „Disco Demolition Night”, in der Radio-DJ Steve Dahl am 12. Sieht man den Film heute, ist der Blick zurück in die Discoszene der Juli 1979 bei einem Baseball-Spiel im Comiskey Park in Chicago eine 70er Jahre immer noch unterhaltsam. Und selbst wenn das Thema Kiste mit Disco-Alben in die Luft sprengte. Das hatte er zuvor seinen der Selbstverwirklichung mittlerweile etliche Male filmisch verarbeiHörern angekündigt, die nur deswegen zahlreich ins Stadion geströmt tet wurde, wirkt die Entwicklung von Tony Manero auch heute noch waren. spannend. Dazu kommen die Tanzkünste des jungen John Travolta, Die Bewegung hatte Erfolg, denn zu dieser Kritik kam, dass selbst die nach wie vor mitreißen – genau wie die groovenden Songs, die den Discofans der Overkill zu viel wurde. So gingen die Verkäufe ab auch 40 Jahre nach dem ersten „Saturday Night Fever” jede Tanzfläche 1980 rapide zurück, auch für die Bee Gees, die erst 1989 wieder einen füllen. US-Top-Ten-Hit verbuchen konnten. GoodTimes

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Von Roland Schäfli

Die erste Szene des allerers­ Jerry- Spring -Aben teuers ten beginnt an einem Lager feuer – Ausga ngspu nkt so vie­ ler Helde ngesc hichte n. Ein Mexikaner denkt sich: "Ein Reiter kommt über den Fluss." Man sieht dann den nahen ­ den Mann als Silhouette beim Durch quere n des Wasse rs, wie er dem Pferd gut zuredet: Ruhig, Ruby!" Das Reittier ist " die zuverlässige rote Stute Ruby, der Mexikaner ist der komi­ sche Pancho, der Reiter natür­ lich Jerry Spring. In der schwarz getuschten Nacht ist erst nur sein weißer Stetson zu erken­ nen. Sein Ritt sollte schließlich 23 Jahre dauern ...

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evor dieser Jerry das erste Mal aufsatteln konnte, war sein Schöpfer auf einem ganz anderen Ritt, quer durch die wildromantischen Landschaften der Staaten, in einem gebrauchten Hudson. Die Reise sollte legendär werden. Am Steuer Joseph Gillain, von allen Jijé genannt. Als Beifahrer die Jungtalente Morris und Franquin. Für die Comiczeichner waren die unberührten Landstriche wie ein weißes Blatt, eine unbemalte Landschaft. Morris würde nach diesem Trip „Lucky Luke" schaffen. Franquin würde als Schöpfer von „Gaston" Berühmtheit erlangen. Und Jijés Schicksal? Das wurde gleich nach seiner Rückkehr vom französischen Verleger Dupuis bestimmt: Die US-Serie „Red Ryder", an der Jijé ebenfalls mitgearbeitet hatte, wurde abgesetzt, und Dupuis brauchte Ersatz. Nach dem Krieg fluteten US-Comics den Markt. Dupuis wollte aber ein einheimisches Produkt schaffen. Das Jahr war 1954, der Western stand in voller Blüte. Die Fernsehprogramme Seite

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waren voll mit Wildwest, im Kino hatten die Herren Wayne, Stewart und Randolph Scott die Zügel fest in der Hand. Ein Western-Comic war also nicht gerade eine bahnbrechende Idee – ein franko-belgischer Western hingegen doch ein gewagtes Experiment.

Wie ein Schlafwandler Aus Spaß sagte Jijé zu. „Und außerdem zeichne ich gerne Pferde." Dazu sollte er nun mehr als genug Gelegenheit haben. Woche für Woche beackerte er seine Parzelle im Comic-Magazin „Spirou". Es waren weniger die Standardhandlungen, die überzeugten. Vielmehr waren es die atmosphärischen Bilder, die den Leser sofort in ihren Bann schlugen. Jijé war vollgesogen von den Landschaften; die Sandstein-Tafelberge des Monument Valley tauchten regelmäßig in seinen Hintergründen auf. Er plante die Handlungen kaum voraus, ließ sich von den Figuren gern selbst mitreißen. So kam es mitunter zu spannenden Wendungen. Als Autor war Jijé trivial, im besten Sinn des Wortes. „Ich habe damals gearbeitet wie ein Schlafwandler", erinnerte er sich, „darin bestand ja meine Genialität!" GoodTimes

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Ein Freigeist wie Pancho Seine Figur des Jerry Spring war ein Konglomerat der damals noch gängigen, ungebrochenen Westernhelden. So aufrecht war er, mitunter tatsächlich „ein Strich in der Landschaft". Die rabenschwarzen Haare glänzten pomadisiert. Das Hemd wurde in der Signalfarbe Gelb koloriert – diese Arbeit überließ der ungeduldige Jijé gern anderen Auftragszeichnern, er begeisterte sich mehr für die eigentliche Kreation, das Zeichnen mit Bleistift. Die Bilder wirkten unverkrampft, eben nicht, als hätte er sich sonderlich anstrengen müssen – genau der Effekt, den Jijé beabsichtigte. Da die Hauptfigur wenig Humor verbreitet, musste ein klassischer „Sidekick" her: der Mexikaner Pancho, Jerrys Amigo, der sich immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Mit diesem unbesorgten Freigeist hatte der Schöpfer des Duos mehr gemein als mit dem perfektionistischen Marshal. Jijé führte mit seiner Familie ein Zigeunerleben, wollte sich erst in Spanien niederlassen, zog dann durch Frankreich. Schließlich wurde er in einem Pariser Vorort sess­haft.

Ein Christ durch und durch

Das Häuschen, in dem er in ständigem Chaos lebte und in dessen Garten er eine Palme aufzuziehen versuchte, war Anlaufstelle für viele Zeichner. Der Verlag schickte ihm die Nachwuchstalente, damit sie ihm zur Hand gehen konnten und im Gegenzug das Handwerk erlernten. Hubinon etwa, der durch „Buck Danny" später zum festen Begriff in der

Seine Fertigkeit am Schießeisen beweist der Westmann erstmals auf Seite 5 des ersten Bandes: Er schießt einem Gegner den Revolver aus der Hand, und zwar aus der Hüfte – ohne zu ziehen, direkt durchs Holster geschossen. Ganze 15 Jahre, bevor solche Schießkünste im Spaghetti-Western in Mode kamen. Doch Spring schießt nie, um zu töten. Als aufrechter Marshal in einer Comic-Welt kann er es sich leisten, Gnade walten zu lassen. In diesen hehren Tugenden ist deutlich Joseph Gillains Wertekodex zu sehen. Der christliche Humanismus prägte sein Werk. Aufgewachsen in einer schwer katholischen Familie – zwei Brüder waren Priester, zwei Schwestern Nonnen –, erhielt er seine Schulbildung auf einer katholischen Privatschule. Zweifellos war für ihn vorgesehen, nach der Lehre als Goldschmied Objekte für den religiösen Gebrauch herzustellen. Dazu sollte es indes nicht kommen. Er wählte eine anfangs wenig vielversprechende Laufbahn und hielt sich mit Kalenderzeichnungen und Werbe-Illustrationen über Wasser. Dabei muss man verstehen, dass Comic-Künstler in jenen Tagen Hungerkünstler waren, von ihren Verlegern kurzgehalten, stets die Deadline für die Ablieferung der nächsten Seiten im Nacken. Dass jemand wie Jijé, der es zur grafischen Meisterschaft brachte, unter solchen Umständen arbeiten musste, erstaunt heute, wo Kenner für Originale hohe Summen hinblättern.

Comic-Welt wurde, fand in ihm einen strengen, aber großzügigen Mentor. Morris verbeugte sich vor seinem Meister, indem er Jerry Spring in seiner Lucky-Luke-Serie einen Gastauftritt absolvieren ließ (1960, in „Den Daltons auf der Spur"). Der frühere Schüler fing in seiner Karikatur präzise die Merkmale von Jerry Spring ein: So steif ist er, dass sogar sein Rücken unmenschlich durchgebeugt ist, die pomadisierte Tolle ragt derart weit vor, dass sein Gesicht in ständigem Schatten liegt (wie auch Jijé seine Figur gern mit Schattenwurf tuschte). Jijé brachte seinen Aspiranten den „Blick" bei; seine bevorzugte Übung: nur aufs Modell zu blicken, nicht aufs Zeichenblatt. Sein wichtigster Schüler war jedoch Jean Giraud, der dann 1963 „Blueberry" erfand, einen direkten Nachfolger von Jerry Spring. Zwar sollte Giraud bald aus Jijés Schatten treten, doch der erste Blueberry-Zyklus, die Kavallerie-Western, verraten noch Gillains Einfluss. Tatsächlich trug Jijé das Seine zu Blueberry bei, indem er seinem Ex-Schüler einmal bei einigen Seiten aushalf, als dieser in Zeitnot geriet.

Schon als dann Fotoromane aufkamen, geriet der realistische Comic in Bedrängnis. Doch spätestens, als der vorbildliche Held zu Beginn der 60er Jahre als passé galt, waren Jerrys Tage endgültig gezählt. Der Anti-Held stand auf der Schwelle. Derselbe Verleger, der die Serie lanciert hatte, diktierte auch ihr Ende. Jerry Spring sollte nicht mehr in Albenform herausgebracht werden. Den Vorschlag, ihn innerhalb des Blattes zur Fortsetzungsserie zu machen, schlug der stolze Jijé aus. Nach 25 Alben war definitiv Schluss. Wie so oft bei deutschen Veröffentlichungen erlebte der deutsche Leser die Serie unvollständig. 1971 brachte Bastei 16 Bände heraus. Die Leserschaft, von Bastei Fließbandheftchen gewohnt, nahm die Qualität (auch des hochwertigen Papiers) schnell zur Kenntnis; „Jerry Spring" war sogar mit klassisch anmutenden neuen Covern ausgestattet worden. 1984 übernahm dann der Condor Verlag, stellte die Serie aber nach zwei Jahren ein. 1987 versuchte sich der Carlsen Verlag am heimatlosen Gesetzeshüter, gab jedoch nach zehn Bänden auf. Erst 2010 brachte der Ehapa Verlag eine Gesamtausgabe auf den Markt – in Schwarzweiß. So hätte Jijé sich das gewünscht. „Ich habe Schwarzweiß immer bevorzugt", sagte Zwei treue er einmal. Doch als die Amigos: Jerry Gesamtausgabe erschien, und Pancho war der legendäre Comic-Zeichner, dessen Jerry Spring der Vorreiter für alle ernstzunehmenden Edelwestern war, schon seit 30 Jahren tot.

Die Schule berühmter Zeichner

Das Ende – und ein Neuanfang

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