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kult! 16 (2-17)

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kult! 60er · 70er · 80er

www.goodtimes-kult.de

D:  6,50

Österreich  7,50 Luxemburg  7,50 Schweiz CHF 12,70 Ausgabe 2/2017 (Nr. 16)

mit

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Das Jahr 1967 · Percy Stuart · Yul Brynner · Wencke Myhre · Manfred Krug · Christopher Lee · Dino Riders


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Ran ans Mik o!

Yps 1280 mit dem Bausatz fĂźr ein echtes Mikroskop. Jetzt im Handel und im


IMPRESSUM

Willkommen bei

kult!

Anschrift:

NikMa Verlag Fabian Leibfried Eberdinger Straße 37 71665 Vaihingen/Enz Tel.: 0 70 42/37660-160 Fax: 0 70 42/37660-188 E-Mail: goodtimes@nikma.de www.goodtimes-kult.de www.facebook.com/goodtimeskult

Herausgeber und Chefredakteur: Fabian Leibfried

Mitarbeiter:

Norbert Arndt, Matthias Auer, Matthias Bergert, Jens-Uwe Berndt, Horst Berner, Kathrin Bonacker, Kirsten Borchardt, Lothar Brandt, Susanne Buck, Petra Czerny, Michael Fuchs-Gamböck, Hans-Jürgen Günther, Thorsten Hanisch, Christian Hentschel, Teddy Hoersch, Michael Klein, Andreas Kötter, ­ Madita Leibfried, Niklas Leibfried, Nicolas von Lettow-Vorbeck, Bernd Matheja, Kati Naumann, Hans-Joachim Neupert, Markus ­ Nöth, Helmut Ölschlegel, Thorsten Pöttger, Alexander Querengässer, Sven Rachner, Malte Ristau, Philipp Roser, Roland­ Schäfli, Thorsten ­ Schumacher, Ulrich Schwartz, Schatz, Lars ­ Christian Simon, Alan Tepper, Jörg Trüdinger, Claudia Tupeit, Uli Twelker, Thomas Wachter, Jürgen Wolff

s passiert eher selten, dass sich "Objekte" unserer Berichterstattung im Nachhinein persönlich melden,­ ob mit Lob oder Kritik. Umso überraschender war die Post, die aus Frankreich in die Redaktion flatterte.­ Keine Geringere als Brigitte Bardot bedankte sich höchstpersönlich und handschriftlich für die Geschichte über sie in der letzten kult!-Ausgabe! Was uns natürlich stolz macht, und diese Freude w ­ ollen wir auch optisch mit Ihnen teilen. Ebenso wie die Freude, dass GoodTimes,­ gewissermaßen das kult!Mutterblatt, 25-jähriges Jubiläum feiert – aus ­diesem Anlass haben zahlreiche Musiker in ihren­ Erinnerungen gekramt und verraten, welche Musikzeitschriften­sie einst­ gelesen­haben und welche Bedeutung diese für sie hatten und haben.

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Abonnements, Shop: ­

Andrea Leibfried, goodtimes@nikma.de

Grafische Gestaltung:

Andrea Zagmester, kult@nikma.de Kathleen Müller, grafik@nikma.de

Anzeigenverkauf:

Petra Czerny, anzeigen@nikma.de

Vertrieb:

IPS Pressevertrieb GmbH Postfach 1211 53334 Meckenheim Tel: 0 22 25/88 01-0

Einen bunten "Blumenstrauß" an Erinnerungen haben wir auch diesmal wieder für Sie ­gebunden: Wir erinnern an musikalische Größen wie Abba und Falco und skizzieren die Geschichte der Superhelden von der Antike bis zu modernen Comics. Wir erinnern an legendäre Filme ebenso wie an kultige Motorräder und Mode sowie an die wichtigsten Ereignisse des Jahres 1967.

Druckerei:

Dierichs Druck + Media GmbH & Co. KG Frankfurter Str. 168 34121 Kassel

Erscheinungsweise:

2x jährlich

Copypreis:

Einzelheft: 6,50 € (Preis inkl. 7% MwSt.)

Abonnement: siehe Seite 41

Mittlerweile ist die zweite Ausgabe ­ unser monothematischen Sonderheftreihe kult! Edition erschienen. Alles zum Thema­ TV-Western-Serien. 100 Seiten geballter ­Lesestoff – Bonanza, Rauchende Colts, High Chaparral, Big Valley, Die ­Leute von der Shiloh Ranch, Am Fuß der blauen Berge ... Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen.

Anzeigen:

Für gewerbliche Anzeigen bitte Preisliste Nr. 01 (inkl. Mediadaten) anfordern.

Kontoverbindung:

NikMa Verlag Kreissparkasse Ludwigsburg

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Schmökern – und wenn Sie ein Kult-Thema vermissen, lassen Sie es uns wissen.

Neu

IBAN: DE38 6045 0050 0000 1082 94 BIC: SOLADES1LBG Paypal-Adresse: info@nikma.de

Titelfoto:

Marilyn Monroe: Bildarchiv Hallhuber Abba: © Bubi Heilemann GoodTimes kult! ist auf umweltfreundlichem, chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt! Weiterverwendung aller in GoodTimes kult! erschienenen Artikel, Interviews, Fotos, Rezensionen etc. nur mit der Zustimmung des Herausgebers gestattet. Gerichtsstand: Stuttgart

­Fabian Leibfried -Herausgeber/Chefredakteur-

kult! Nr. 17 erscheint am 20.10.2017 GoodTimes

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kult! 60er · 70er · 80er

Ausgabe April 2017 2/2017 (Nr. 16)

INHALT RUB RIKE N

mit

Poster

3 Editorial/Impressum 4 Inhaltsverzeichnis 5 Meine erste Single Mitarbeiter & Prominenz 6 News from the past Altes neu ausgepackt

39 kult! Shop 41 kult! Abo 98 kult! Verlosung 98 kult! Rätsel 47 Winnetou und Old Shatterhand/ Falco Riesenposter

10

10 Nostalgie

Ein Gefühl mit vielen Gesichtern

12 Karl-May-Comics

Winnetou, die Babyboomer und ein neues Medium

16 Marilyn Monroe

Blondine mit Anspruch sucht Rollen

20 Das Jahr 1967

Krieg in Vietnam, ein Sergeant namens Pepper & Fernsehen in Farbe

62 Manfred Krug

24 Die Welt der Superhelden

Mensch (,) Manne!

Von A bis Z

64 Kultbücher

30 Schokoriegel und ihre Werbung

Geschätzt, geliebt, gelobt

Einfach aufreißen und genießen!

34 VEB Defa

12

Kultstreifen made in GDR

16

66 Kino-Bösewichte – Serie (Teil 4) Christopher Lee

68 Peeping Tom (Augen der Angst)

36 CD-Player Sony CDP-X 777 ES

Wie ein Skandalfilm beinahe Karlheinz Böhms Karriere ruinierte

24

Meisterwerk der Technik!

38 Werbe-Ikonen – Serie (Teil 4)

70 Dino Riders

40 Unvergessene TV-Charaktere – Serie (Teil 5)

73 Wencke Myhre

Saurier zu den Waffen!

Die Odyssee des Camel-Manns

Kesse Abgründige aus Norwegen

Percy Stuart

30

42 Endzeitfilme

Die Verfalldaten der Apokalypsen

44 Klaus Fischer

Die Welt hinter den Bildern

76 Stricken in den 80ern

34

Das Tor des Jahrhunderts

74 Blow Up

46 Die Biene Maja

Abhängen mit Wolle und Wildkirschtee

96

Das ewige Summen für Jung und Alt

78 Abba

1977 – Als die Welt durchdrehte

55 Die Kuschelbären

82 Suzuki GT 750

Wie das Plüsch im Walde

46

56 Alf

86

Außerirdisch humorvoll!

58 Edel-Seifenopern der 80er Jahre – Serie (Teil 3)

Der Wasserbüffel" "

84 Yul Brynner

Der Mann, der König sein wollte

86 Kampfstern Galactica

Falcon Crest

Flucht ohne Ende

78

70

88 Falco – zum 60.

90

Schrill, zerrissen, nachdenklich

90 Pokémon

Schnapp sie dir!

92 Charms

58

Die faszinierende Welt der kleinen Schmuckstücke

94

94 Märklin

56

Der ungebrochene Mythos der Modelleisenbahn-Romantik

96 60 Jahre Gaston

Einfälle und Reinfälle am Fließband Seite

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GoodTimes

2/2017


Meine erste Single

Jens-Uwe Berndt

“Video Killed The Radio Star“ Buggles

“Rasputin“ Boney M.

“A Hard Day’s Night“ Beatles

Markus Nöth

“Der Räuber und der Prinz“ DAF Susanne Buck

Horst Berner

“Wicked Game“ Chris Isaak

“Angie“ Rolling Stones

Thorsten Pöttger

Michael Fuchs-Gamböck

Lothar Brandt

“Merry X-Mas Everybody“ Slade

“Metal Guru“ T. Rex

“Alt wie ein Baum“ Puhdys

Philipp Roser

“Better World“ Rebel MC Thorsten Hanisch

Christian Hentschel

“Flaming Star“ Elvis Presley

“San Francisco“ Scott McKenzie

Roland Schäfli

“I’d Love You To Want Me“ Lobo Michael Klein

Malte Ristau

“Wide Boy“ Nik Kershaw

“More Than A Woman“ Aaliyah

Thorsten Schatz

“Der Puppenspieler von Mexico“ Roberto Blanco Andreas Kötter

Claudia Tupeit

“Mighty Quinn“ Manfred Mann’s Earth Band

“Yes Sir, I Can Boogie“ Baccara

Ulrich Schwartz

Andrea Leibfried

Petra Czerny

“I Want To Hold Your Hand“ Beatles

“Too Shy“ Kajagoogoo

“Kyrie“ Mr. Mister

Christian Simon

“My Heart Will Go On“ Céline Dion Nicolas von Lettow-Vorbeck

Sven Rachner

“Planet Earth“ Duran Duran

“Stiletto Heels“ Sailor Alan Tepper

Andrea Zagmester

“Looking For Freedom“ David Hasselhoff

“Yes Sir, I Can Boogie“ Baccara Kati Naumann

“Charlie Gute Nacht/ Hallo Leute“ Prinzip

Hans-Joachim Neupert

Kathrin Bonacker

Mitarbeiter & Prominenz

“Raumpatrouille“ Peter Thomas Sound Orchester

“Little Willy“ Sweet Fabian Leibfried

kult!

“My Generation“ The Who

Matthias Bergert

GoodTimes

Jim Lea (Slade)

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Bücher & Comics VIEL ZU LERNEN DU NOCH HAST Von Catherine Newmark (Hrsg.) 2016, Rowohlt ISBN 978-3-49963-234-1 256 Seiten; 12,99 €

Der bahnbrechende Erfolg von Star Wars" hat mannigfaltige " Gründe, die sich natürlich im Zeitgeist und dem Reiz der Fortsetzungen begründen. Aber es bestehen durchaus auch tieferliegende Zusammenhänge, die in diesem mit dem Untertitel Star Wars und die Philosophie" erscheinenden " Buch erläutert oder angerissen werden. Der Heldenmythos, die geheimnisvolle Macht, der Jediismus, Feminismus, aber auch Aspekte des Kapitalismus und – das interessiert natürlich die Fans – Bezüge zu älteren Kinoklassikern gehören zu den Themen, die hier meist leicht verständlich diskutiert werden. Man erfährt aber nicht nur Wissenswertes zu der Kultreihe, sondern auch zu allgemeinen Themen wie Weltanschauung, Ökonomie oder diversen politischen Strömungen. Niveauvolle Unterhaltung.

DER FALL OSCAR SLATER Von Arthur Conan Doyle 2016, Morio Verlag ISBN 978-3-94542-427-8 176 Seiten; 19,95 €

Am 6. Mai 1909 wird vor dem Hohen Gericht im schottischen Edinburgh der deutsch-jüdische Einwanderer Oscar Slater zum Tode verurteilt. Er soll im Dezember 1908 bei einem Raub­ überfall eine alte Dame namens Marion Gilchrist grausam ermordet haben. Arthur Conan Doyle – der Schöpfer des berühmten Detektivs Sherlock Holmes, der in der Lage ist, aus der Summe feinster, von allen anderen übersehener Details komplexe, verblüffende, aber richtige Schlussfolgerungen zu ziehen – hat den damaligen Prozess mit größtem Interesse verfolgt. Er ist erschüttert und setzt sich publizistisch vehement für den Verurteilten ein. Mit dem Scharfsinn und der Kombinationsgabe, die nicht nur seinen Romandetektiv auszeichnen, legt Doyle dar, warum Oscar Slater nicht der Täter sein kann, ja, warum es sogar ausgeschlossen ist, dass er der Täter ist, und welche logischen Fehler die Glasgower Polizei und die schottische Justiz in ihren Ermittlungen und ihrem Urteil begangen haben. Der Fall Oscar " Slater" schildert präzise den wahren Fall und ist zugleich Arthur Conan Doyles faszinierendste

N from the past Non-Sherlock-Holmes-Kriminalerzählung, in der er das Beweismaterial Schritt für Schritt in Stücke reißt und einen komplett neuen Lösungsansatz vorbringt.

BALLVERLIEBT

Von Jochen Raiß und Jochen Schmidt 2017, edel Books ISBN 978-3-84190-508-6 208 Seiten; 18 €

HARLEY MANIA: A WAY OF LIFE

Ein kleiner Junge kickt alleine im Hof. Ein paar Frauen, die gut gelaunt ein Tor anstreichen. Ein feiner Herr in Anzug und Hut, der im Mittelkreis den Anstoß ausführt. Eine Gruppe ausgelassener, nackter Männer beim spontanen Fußballspiel am Strand. Ein grauer Torwart im freien Flug: Das ist nur eine kleine Auswahl der Schnappschüsse aus Ballverliebt", allesamt historische " (Moment-)Aufnahmen mit dem alles verbindenden Oberthema Fußball. Die insgesamt 84 Fotos des gerade erschienenen Buches sind durchweg Flohmarktfunde, die Fotografen weitgehend unbekannt, Orte und Umstände ebenfalls. Manchmal ist eine Jahreszahl auf der Rückseite notiert, manchmal auch ein Name, meistens aber nichts. Die von Jochen Raiß über viele Jahre gesammelten Amateuraufnahmen bieten natürlich Raum für Geschichten, die unmittelbar im Kopf des Betrachters entstehen. Jochen Schmidt, Meister der Beschreibung, ließ sich von den Fotografien zu Texten anregen, in denen er mit dem ihm eigenen, beharrlich-naiven Blick Skurrilität und Schönheit unterschiedlichster Phänomene freilegt. Er schreibt in kurzen Texten über die Fußballkindheit in der DDR, über das Verhältnis von Zugfahren und Fußball, über die Einsamkeit der Torhüter und das Älterwerden. Ohne Frage ein wunderschönes, poetisches Buch für alle Literatur- und Fußballliebhaber.

1967: DAS JAHR DER ZWEI SOMMER Von Sabine Pamperrien 2016, dtv ISBN 978-3-42328-127-0 382 Seiten; 24 €

Eine unterhaltsame Lektüre, bei der man zugleich sein Wissen erweitern kann, ist immer willkommen. Gegenüber ähnlichen Titeln, die in diesem Jahr publiziert werden, legt Sabine Pamperrien den Schwerpunkt nicht auf die Musik. Sie bietet dem Leser vielmehr einen allgemeinen Rundumschlag, bei dem die Themen Politik, Studentenunruhen, sozial-ökonomische Aspekte, Mode, Sport und die Geschichte des Seite

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GoodTimes

sprichwörtlichen kleinen Mannes" miteinan" der verknüpft werden. Neben einigen Fotos und Textauszügen von in dem Jahr wichtigen Songs tragen der Weitblick, der von Deutschland ausgeht und auch andere Länder berücksichtigt, zur Wissensfülle bei. Sauber recherchiert und trotz der Komplexität locker-flockig geschrieben.

2/2017

Von Jean Savary

2016, Delius Klasing ISBN 978-3-66710-699-5 340 Seiten; 49,90 €

Es gibt weltweit kein einziges Motorrad, das so ein hohes KultPotenzial hat wie eine Harley Davidson. Das begründet sich nicht nur in den zahlreichen Filmen, in denen die Böcke auftauchen, sondern auch in der Mentalität ihrer Besitzer, die es meist ruhig angehen lassen. Jean Savary erzählt die Geschichte des Donnerhobels anhand von Fotos und fundierten Texten. Seine Schilderung beginnt im Jahr 1900 und reicht bis in die Jetztzeit, wobei die Besonderheiten der Jahrzehnte, die Modeströmungen im Motorradbau und die technologischen Entwicklungen herausgestellt werden. Nach der Geschichte werden natürlich auch die Aspekte Technik, Design und Lebensstil zur Geltung gebracht. Ein schönes Hardcoverbuch, das sich nicht nur an Biker richtet, sondern auch an allgemein Interessierte.

DAS TAGEBUCH DER PRINZESSIN LEIA Von Carrie Fisher

2017, Hannibal ISBN 978-3-66710-699-5 242 Seiten; 19,90 €

Im Dezember letzten Jahres verstarb die Schauspielerin Carrie Fisher an einem Herzinfarkt im Alter von nur 60 Jahren. Fisher hatte durch ihre Rolle als Prinzessin Leia in Star Wars" " Weltruhm erlangt und war sicherlich nicht unverantwortlich für den nun schon Jahrzehnte andauernden Kult-Rummel. In ihrem letzten Werk schildert sie lustige Anekdoten von den Dreharbeiten des ersten Teils, vermittelt aber auch Einblicke in das Leben einer Berühmtheit. Brisant ist die Enthüllung einer Liebesaffäre mit Harrison Ford, die all die Jahre unter dem Deckmäntelchen der Verschwiegenheit gehalten wurde und damals in ihrem lyrisch angehauchten Tagebuch Niederschlag fand, dessen Auszüge sie als eine sensible, nachdenkliche und verletzte (sehr junge) Frau zeigen. Unterhaltung – Tiefgang – und Emotionen: Was will man mehr?


NEWS from the past VERLORENE WELTEN

GREAT TURNTABLES

Von Aram Mattioli

LEGENDARY AMPLIFIERS

EINE GESCHICHTE DER INDIANER NORDAMERIKAS 2017, Klett-Cotta ISBN 978-3-60894-914-8 464 Seiten; 26 €

Als Karl-May-Fan hat man sich immer gefragt, wie zutreffend die Schilderungen des Autors wirklich waren. Eine Antwort findet sich in diesem vorzüglichen Band, der die Geschichte der Ureinwohner der USA zwischen den Jahren 1700 und 1900 in hochkomprimierter Form erzählt. Das setzt konzentriertes Lesen voraus, denn der Autor präsentiert einen Fundus an Informationen, die in dieser Form und Güte auf dem deutschen Buchmarkt so noch nie zu finden waren. Allein das Literatur- und Quellenverzeichnis nimmt 30 Seiten ein, womit die gründliche Recherche-Arbeit belegt wäre. Die Lektüre lohnt sich, da neben den reinen Infos auch die Zusammenhänge der verschiedenen Entwicklungen, die wechselseitigen Bedingungen bei der Besiedlung durch die Weißen und die chronologische Aufarbeitung stimmen. Lobenswert!

SIGURD

DER FLUCH VON ROTHENSTEIN Von Gerhard Förster, Martin Frei 2016, Edition Sprechblase ISBN 978-3-95035-880-3 96 Seiten; 22,90 €

Die Abenteuer des Ritters Sigurd gehören zu den berühmten deutschen Comic-Serien von Hans Rudi Wäscher aus den 50er und 60er Jahren. Sigurd – Der Fluch von Rothenstein" wur" de von Gerhard Förster, der die Idee und den Text dazu lieferte, zunächst als Fortsetzungsserie in seinem Comic-Nostalgie-Magazin Die Sprechblase" angelegt. Die Zeichnungen " stammen von Martin Frei. Beide haben diesen Klassiker, der in einer limitierten Sammlerauflage erscheint, für die neue Generation gelungen aufbereitet. Die Geschichte: Ritter Sigurd zieht mit seinen Freunden Bodo und Cassim durch die Lande. Dabei bestehen sie jede Menge Abenteuer. In Rothenstein begegnen sie einem kopflosen Reiter, höllischen Bestien, einer verängstigten Dorfbevölkerung, ausgebeuteten Minenarbeitern, einer eigenwilligen Fürstin und deren Soldaten und vielen anderen. Am Ende siegt selbstverständlich die Gerechtigkeit, und Sigurd kann mit seinen Freunden weiterreiten. Nicht nur für jahrzehntelange Sigurd-Fans eine Empfehlung.

DIE BESTEN PLATTENSPIELER DER WELT DIE BESTEN VERSTÄRKER DER WELT

LEGENDARY LOUDSPEAKERS

DIE BESTEN LAUTSPRECHER DER WELT Von Robert Glückshöfer Michael E. Brieden Verlag 200 – 288 Seiten; je 48,80 €

Mit gleich drei großformatigen und sehr hochwertigen Bildbänden bringt Robert Glückshofer Klangdynamik in die heimischen Gefilde. Die Auflistung der besten Plattenspieler, Verstärker und Lautsprecher der Welt lassen Hifi-Träume wahr werden. Im Band Great " Turntables" stellt Glückshofer über 40 Plattenspieler vor, erzählt von prägenden Klassikern, erläutert aktuelle Konstruktionen und gibt einen Einblick in den Stand der Technik. Gleich 50 Verstärker warten im Band Legendary Amplifiers" auf " den HiFi-Fan. Ausführlich werden Klangcharakter, Technik, Design und Konstruktion beschrieben sowie auch die Geschichten der Menschen und Firmen, die hinter den Geräten stehen. Legendary Loudspeakers" " – der dritte Band im Bunde – lässt die Herzen aller Klangfreunde höher schlagen. In diesem Buch finden sich alle Größen, Formen und Preisklassen der bes­ ten Lautsprecher. Alle drei Bände vereinen HiFi-Technik vom Feinsten – für den kleinen und großen Geldbeutel. Die Papierqualität und die hochqualitativen Fotos machen diese Prachtexemplare zu echten Hinguckern und mit Sicherheit auch zu begehrten Sammlerstücken.

WALTER UND ICH

RÖHRL UND GEISTDÖRFER – DAS DREAMTEAM DES RALLYESPORTS Von Christian Geistdörfer 2016, Delius Klasing ISBN 978-3-66710-696-4 228 Seiten; 39,90 €

2/2017

FAKT AB!

DIE UNGLAUBLICHSTEN GESCHICHTEN AUS DER WELT DES FILMS Von David Hain

2016, Ullstein ISBN 978-3-96017-002-0 190 Seiten; 14,99 €

Der Berliner Autor David Hain hat mit diesem Band einen informativen und kenntnisreichen Überblick über die neueren Kultfilme verfasst, wobei er sich hinsichtlich des Schwerpunkts mit dem Kino ab 1980 beschäftigt. Zu jedem

kult!

Unsere Gewinner der Verlosung aus kult! Nr. 15 – 1/2017: Brettspiel:

Stefan Schoper, Bad Harzburg Daniel Staffhorst, Heemsen Jenna Kühn, Schafflund

Udo-Jürgens-Fan-Paket: Petra Wisst, Rechberghausen

Blu-ray Die Klapperschlange": " Roland Hartmann, Ostercappeln Jennifer Vuraf, Essen Falcon Crest, Drage-Elbe

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Lucky Luke"-Edition:

Peter & Ellen Tschaudi, Graz (Österreich) Rolf Labonde, Kaarst Bianca Polke, Freden Martin Gäßler, Lahr Werner Huter, Nürnberg

Buch Zitroneneis": "

Christian Geistdörfer, der von 1977 bis 1987 als Beifahrer der Mann an Walter Röhrls Seite war, nimmt den Leser mit auf eine spannende Zeitreise in den historischen Rallyesport. Dabei lässt er tief hinter die Kulissen blicken. GoodTimes

Detaillierte technische und organisatorische Probleme, überraschend unterschiedliche Teamstrukturen, ganz legale Tricks eines kreativen Rallye-Fahrers (die manchmal auch hart an der Grenze zum Reglementverstoß waren), Unfälle und Glücksfälle geben dem Leser eine einzigartige Perspektive aus der ersten Reihe. Geistdörfer vermittelt einen mit zahlreichen Anekdoten gespickten Rückblick auf eine vielfältige Karriere im Rallyesport. Seine Geschichte und rund 150 überwiegend farbig und teilweise großformatige Fotos, die zum Teil erstmals veröffent­ licht werden, machen dieses Buch zu einem der Bestseller über den Rallyesport, der nicht nur hartgesottene Fans interessieren wird.

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Norbert Gerlach, Frankfurt/M. Werner Achsnich, Dortmund André Lingelbach, Bonn Gerd Kreucher, Übach-Palenberg

Herzlichen Glückwunsch!


N from the past Streifen werden die Entstehungsgeschichte, Wirkung und Kritik aufgelistet, gefolgt von den Fakten. Neben mehrteiligen Verfilmungen ( Rambo", Batman", Alien") kommen Ein" " " zelwerke zur Geltung ( Braveheart", Der " " Soldat James Ryan"), aber auch Genres (zum Beispiel Horrorfilme), bei denen der angegebene Zeitrahmen gesprengt wird. Besonders humorvoll: das Kapitel Arnie-Klassiker", in " dem Schwarzenegger-Streifen wie Herkules " in New York" (Boooah!), Red Sonja" oder " Terminator" angesprochen werden. Klasse " Idee und gelungene Umsetzung.

DIE TOUR DE FRANCE

DEUTSCHE PROFIS UND IHRE ERFOLGE Von Jürgen Löhle

2017, Delius Klasing ISBN 978-3-66710-922-4 160 Seiten; 29,90 €

Neben der Darstellung aller deutschen Teilnehmer und deren Erfolge gibt Jürgen Löhle einen umfassenden Überblick über das größte Radrennen der Welt. Dabei zeigt er Szenen aus der Geschichte der Tour de France auf, die man so nicht kennt und die nur jemand weiß, der wie er live dabei war. Auch die Schattenseiten des Dopings werden nicht verschwiegen. Zusammen mit vielen starken Sportfotos ist dieser Band ein gelungener Streifzug durch die erfolgreichen Auftritte deutscher Profis bei der Tour.

VW BUS

T1 IM DETAIL (1950 BIS 1967) Von David Eccles

2016, Heel ISBN 978-3-95843-362-5 96 Seiten; 19,99 €

Die Geschichte und viele Hintergrundinformationen des nach dem Zweiten Weltkrieg boomenden VW Bus T1 werden in diesem Buch von David Eccles, VW-Bus-Kenner und erfolgreicher Fachbuchautor, ausführlich behandelt. Er beschreibt detailliert sämtliche Änderungen, die während der Produktion zwischen 1950 bis 1967 vorgenommen wurden. Umfangreiche Listen aller angebotenen Sonderausstattungen und Extras sowie umfassende Farblisten helfen jedem, der sich einen Überblick über die Modellvielfalt des Kult-Transporters verschaffen möchte. Allen Restaurierern und Kaufinteressenten, aber auch Besitzern eines T1 werden wertvolle Informationen vermittelt, ­

anhand derer sie überprüfen können, ob sich das betreffende Fahrzeug wirklich im Originalzustand befindet und ob sich eine Restaurierung lohnt. Ausreichend bebildert, lässt er den Leser in Nostalgie schwelgen und entfacht die Liebe zum Fahrzeug mit jedem Satz neu. Ein Muss für alle Bulli-Verrückten!

UNSERE FUSSBALLHELDEN DIE LEGENDÄRSTEN SPIELER DER WELT Von Alfred Draxler

2017, Delius Klasing ISBN 978-3-66710-930-9 200 Seiten; 14,90 €

In diesem ausgezeichnet illustrierten Bildband werden die bekanntesten Fußballspieler von 1930 bis heute vorgestellt. Auch wer sich beim Fußball nicht so gut auskennt, wird bei den Namen Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Diego Maradona hellhörig und sich gerne in die faszinierende Welt des Fußballs entführen lassen. Dabei fehlen weder die Kurzbiografien der Fußballstars noch all die unvergessenen Momente ihrer Triumphe. Fast 100 Jahre Fußballgeschichte mit den bekanntesten Ballkünstlern, Torjägern und Torhütern fasst der Delius Klasing Verlag in Kooperation mit Sport Bild" in diesem aktu" ellen Band zusammen – und verdient sich damit einen Platz im Regal vieler Fußballfans.

DAS GROSSE ALFA-SPIDERBUCH Von Lucas Cellini

2016, Heel ISBN 978-3-95843-211-6 202 Seiten; 29,95 €

Nicht nur wegen des Großformats und der faszinierenden Illustrationen sucht dieser Bildband seinesgleichen unter den Alfa-Spider-Büchern. Lucas Cellini versteht es wie kein anderer, die Geschichte dieser Cabrio-Legende minutiös und packend aufzuzeichnen. Alle Alfa-Spider-Typen wie Giuletta, Duetto, Fastback, Spoiler ... sind hier genau beschrieben und durch eine ausführliche Kaufberatung ergänzt. Auch die Macher" " hinter dem Mythos Spider und die Geschichte des Spider im Rennsporteinsatz kommen nicht zu kurz. Das Standardwerk von Cellini erschien bereits 1992 und wurde im Laufe der Jahre immer wieder ergänzt und verbessert, so dass es an Aktualität nichts verloren und an Informationsfülle für alle Liebhaber dieses Cabrio-Klassikers einiges zu bieten hat. Seite

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GoodTimes

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DVDs + BLU-RAYs OTTO LIVE

HOLDRIO AGAIN Wer kennt ihn nicht? Otto ist einer der erfolgreichsten Vertreter des deutschen Humors, und das generationsübergreifend. Aber auch als Musiker, Autor, Synchronsprecher, Regisseur oder Schauspieler ist er bekannt. Die DVD OTTO LIVE – HOLDRIO AGAIN beinhaltet eine Liveshow im Essener ColosseumTheater inklusive eines gemeinsamen Songs "Dr. U und Dr. O" mit seinem Kollegen Udo Lindenberg. Die Show ist nicht nur auf die erwachsenen Fans zugeschnitten, auch Kinder kommen mit einem eigenen Programmabschnitt auf ihre Kosten. Dabei ist er auf der Bühne immer noch voller Tatendrang, indem er herumspringt, rennt und singt, was für zusätzliche Lacher sorgen mag. Außerdem enthalten ist exklusives Bonus-Material mit den besten Showopenern aus den vergangenen 20 Jahren des lustigen Ostfriesen, wobei seine schärfsten Kritiker Dings & Bums natürlich nicht fehlen dürfen. (Rüssl Musikverlag, 2016, 104 Min.)

DIE HAUSMEISTERIN Die bayrische Kult-Serie Die Hausmeisterin" " kann nun wieder gemütlich auf der Couch vor dem Fernseher genossen werden. Knapp 30 Jahre nach der Auftaktfolge So ist halt’s Leben" " (1987) wurde die Serie zum ersten Mal komplett digital remastert (DVD und Blu-ray). Inhaltlich versprüht die Serie Menschlichkeit, einfach ein Leben von ganz normalen Menschen und ihren Alltagsproblemen, wie sie jeder selbst kennt. Die 50-jährige Martha Haslbeck (Veronika Fitz) ist Hausmeis­ terin im Münchner Stadtteil Haidhausen und frisch von ihrem Mann Josef (Helmut Fischer) geschieden. Dieser hat zwar inzwischen wieder geheiratet, seine Businessfrau Ilse-Hasi". " Jedoch steht er immer wieder im Konflikt, ob er sich nicht doch nach dem bodenständigen Leben mit seiner Ex-Frau sehnt, von der er sich noch gerne bekochen lässt und sich den einen oder anderen Rat holt. Aber auch die gemeinsame Tochter Christa (Bettina Redlich) sorgt für viel Aufregung in der Serie. (Eurovideo, 1987–1992, 6 CDs bzw. 4 Blu-rays)


NEWS from the past RETTE MICH, WER KANN Kult-Serien wie Rette mich, wer kann" (1986) " veranlassen einen schnell, die allbekannte Floskel Früher war doch alles besser" in " den Raum zu werfen. Ob dies stimmt, muss zwar jeder selbst für sich entscheiden, jedoch ist eines sicher: Die alltäglichen Katastrophen der Protagonisten bringen jeden zum Lachen. Die sechsteilige Komödie, welche erstmals komplett digital remastert als DVD und Bluray veröffentlicht wird, zeigt die Abenteuer des frisch verlassenen Münchner Bestattungsunternehmers Oskar Schatz (Helmut Fischer) und seines Kumpels Hansi Wagenpfeil (Kurt Sowinetz). Dieser ist bereits fünffach geschieden und bezeichnet sich selbst als Profi-Frauenkenner. Sie beschließen, eine Wohngemeinschaft zu gründen und erstmal Abstand zu den Frauen zu nehmen, was ihnen aber nicht so ganz gelingen mag. (Eurovideos, 1986, 6 Folgen/258 Min.)

FASSBINDER EDITION + ACHT STUNDEN SIND KEIN TAG Rainer Werner Fassbinder prägte wie kein anderer Regisseur den Neuen Deutschen Film, innerhalb von nur 16 Jahren schuf er ein Werk von insgesamt 44 Filmen, die auch 35 Jahre nach seinem frühen Tod weder an Relevanz noch an Lebendigkeit verloren haben. Fünf seiner markantesten Werke sind in der nun veröffentlichten FASSBINDER EDITION vereint, womit drei der fünf enthaltenen Filme ihre Blu-ray-Premiere erleben. Neben Welt am " Draht", Angst essen Seele auf", Fontane Effi " " Briest", Die Ehe der Maria Braun" und Lola" " " gibt es auch Einiges an Zusatzmaterial: die Dokumentationen Fassbinder" aus dem Jahr 2015, " Fassbinders Welt am Draht – Blick voraus ins " Heute", Rainer Werner Fassbinder, 1977"; " seine Kurzfilme Das kleine Chaos" und Der " " Stadtstreicher", die Doku Todd Haynes über " Fassbinder und das Melodram" sowie eine Fotogalerie und ein Wendecover. Wie viele Stun" den bleiben nach einem achtstündigen Arbeitstag, die nicht von beruflichen, politischen und familiären Problemen bestimmt sind?", dieser Frage widmete sich Rainer Werner Fassbinder vor über 40 Jahren mit seiner fünfteiligen Fernsehserie Acht Stunden sind kein Tag". Erst" mals erscheint sie nun restauriert auf DVD und Blu-ray, ergänzt um die Dokumentation Acht " Stunden sind kein Tag: Eine Serie wird zum

Familientreffpunkt" von Juliane Lorenz. Völlig ungewöhnlich wurde damals eine Familienserie im Arbeitermilieu angesiedelt, sozialpolitische und ökonomische Aufklärung wurden verbunden mit Alltagsgeschichten voller Spannung und Unterhaltungswert. Fassbinder rückte Diskussionen über Mitbestimmung und Solidarität am Arbeitsplatz, hohe Mieten, antiautoritäre Erziehung und vieles mehr in den Mittelpunkt. Eine hochklassige Alternative zum Heile-Welt-Fernsehen der 70er Jahre, mit der Fassbinder die kleinen Leute", wie er sie selbst " nannte, direkt erreichen wollte, noch dazu von Schauspielern wie Hanna Schygulla, Irm Hermann, Gottfried John, Luise Ullrich und Werner Finck genial umgesetzt – und heute, nach über 40 Jahren, immer noch zeitlos aktuell! (Studiocanal, 5 Discs, 673 Min. + 2 Discs 478 Min.)

CDs WENCKE MYHRE

SINGEN … GROSSE ERFOLGE & RARITÄTEN Im Februar konnte Wencke Myhre ihren 70. Geburtstag feiern, zu diesem Anlass erschien mit SINGEN … GROSSE ERFOLGE & RARITÄTEN nun eine ganz besondere Veröffentlichung. Die erste CD des Doppelpacks liefert eine bunte Reise durch die lange und erfolgreiche musikalische Karriere des Showstars aus Norwegen, beginnt mit "Ja, ich weiß wen ich will", ihrer Debütsingle aus dem Jahr 1964 sowie ihrem ersten deutschen Top-Ten-Hit "Beiß nicht gleich in jeden Apfel". Natürlich dürfen mit "Er hat ein knallrotes Gummiboot", "Baden mit und ohne" und "Er steht im Tor" die großen Schlagerhits der frühen 70er Jahre nicht fehlen, geht es über "Reden ist Silber – Küssen ist Gold" und "Das wär' John nie passiert" bis zu "Neue Schuhe" aus dem Jahr 2010. Das Sahnehäubchen dieser digital remas­ terten Zusammenstellung dürfte dann aber für viele Musikfreunde die zweite Disc sein, hier gibt es alle dazugehörigen B-Seiten, also zahlreiche Raritäten, die nun erstmals ihren Weg auf eine CD finden. Als Bonus-Tracks sind vier Songs – A- und B-Seiten von zwei Singles aus den Jahren 1967/1971 – in englischer Sprache mit dabei, bestens abgerundet wird die DoppelCD von einem zwölfseitigen Booklet mit vielen Fotos aus allen Schaffensphasen der Sängerin, dazu Abbildungen von Autogrammkarten, TiGoodTimes

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telbilder der Jugendzeitschrift Bravo" sowie " ein persönlicher Text von Wencke Myhre. (Universal, 2017, 2 CDs)

ORCHESTER MARTIN BÖTTCHER

DIE GROSSE KARL MAY SOUNDTRACK BOX + DIE SCHÖNSTEN ORIGINALMELODIEN AUS DEN KARL MAY FILMEN

HEIKO MEILE

WINNETOU – DER MYTHOS LEBT

Mit der Neuverfilmung der legendären Winnetou-Filme hatte sich RTL fraglos eine große Aufgabe vorgenommen, an Weihnachten 2016 wurden die drei 90-minütigen Teile ausgestrahlt, prominente Schauspieler wie Wotan Wilke-Möhring (als Old Shatterhand), Jürgen Vogel und Mario Adorf waren mit dabei. Die stimmungsvolle Filmmusik der Neuauflagen hat Heiko Meile komponiert und mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg eingespielt. Meile schrieb schon Musiken für diverse Tatort"" Episoden und für den Kinofilm Die Welle", in " den 80er Jahren galt seine Band Camouflage mit Hits wie "Love Is A Shield" und "The Great­Commandment" als die deut" schen De­peche Mode". Mit dem Titel WINNETOU – DER MYTHOS LEBT kann man den Soundtrack nun auch auf der heimischen Stereo-Anlage genießen, mit der Einbeziehung von Originalfilmmusik-Motiven von Martin Böttcher gelang Meile der Spagat zwischen Tradition und Moderne. Für Nostalgiker und Freunde kultigen Fernsehvergnügens wurden jetzt auch die originalen Soundtracks neu veröffentlicht. Mit dem Titel DIE SCHÖNSTEN ORIGINALMELODIEN AUS DEN KARL MAY FILMEN wurden Auszüge aus Winnetou I – III", Der Schatz " " im Silbersee", Unter Geiern", Der Ölprinz", " " Old Surehand", Winnetou und das Halbblut " " Apanatschi" sowie Winnetou und Shatterhand " im Tal der Toten" komprimiert auf einer CD zusammengefasst. Wem das zu wenig ist, für den gibt es auch noch DIE GROSSE KARL MAY SOUNDTRACK BOX. Sie präsentiert auf drei digital remasterten Discs alle fünf originalen Langspielplatten der WinnetouReihe, die das Orchester Martin Böttcher zwischen 1963 und 1968 einspielte. Zweifellos eine wunderbare Reise zurück in die 60er Jahre, die sich auch ohne die begleitenden Fernsehbilder lohnt. (Polydor/Universal, 2017, 5 CDs)


NOSTALGIE

Von Nicolas von Lettow-Vorbeck

Ein Gefühl mit vielen Gesichtern

Früher, in der guten alten Zeit

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war alles viel besser

as sagen einem bekannten Klischee zufolge vor allem ältere Menschen in nahezu jedem zweiten Satz. In der Realität unterhalten sich aber auch jüngere Zeitgenossen äußerst gerne und sehr ausgiebig über vergangene Zeiten. Diese werden natürlich immer in Bezug zur eigenen Lebensperspektive betrachtet: Für den Oberschüler mag die Erinnerung an die gemütliche Grundschulzeit anheimelnd erscheinen. Der Student entsinnt sich gerne seines geregelten Schulalltags. Der Werktätige denkt mit Freude an die süßen Jahre der Ausbildung. Und der Pensionär sehnt sich nach der motivierenden Schaffensfreude seines Berufslebens zurück. Nostalgie ist immer eine Frage der eigenen Perspektive und wird im Duden definiert als eine „vom Unbehagen an der Gegenwart ausgelöste, von unbestimmter Sehnsucht erfüllte Gestimmtheit, die sich in der Rückwendung zu einer vergangenen, in der Vorstellung verklärten Zeit äußert". Und tatsächlich ist im Nostalgie-Cocktail auch immer ein guter Schuss Wehmut enthalten. Eine greifbare Traurigkeit darüber, dass bereits so viel eigene Lebenszeit verstrichen ist. In Bezug zur Endlichkeit des menschlichen Daseins ohne Frage keine sonderlich erbauliche Erkenntnis. So leitet sich auch die Herkunft des Wortes Nostalgie von den griechischen Wörtern nóstos (Rückkehr bzw. Heimkehr) und álgos (Schmerz) ab. Wer Nostalgie verspürt, empfindet demSeite

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nach eine Art von Heimweh nach einer verflossenen Zeit. Dem Heimweh nach realen Orten – wie der Straße der eigenen Kindheit, einem früheren Wohnort oder einem Urlaubsland – können wir vergleichsweise einfach nachgeben. Züge, Autos oder Flugzeuge bringen uns zuverlässig an diese Sehnsuchtsorte, unser Heimweh kann gestillt werden. Was die Nostalgie angeht, gestaltet sich die Angelegenheit aber ungleich schwieriger, denn die Vergangenheit ist unwiderruflich verschwunden. Kein Zug, kein Auto und noch nicht einmal eine Weltraumrakete könnten uns wieder zurück in die geliebten, längst vergegangenen Zeiten katapultieren. Wie schön wäre da eine Zeitmaschine! Im Film und in der Literatur wurde oft über derartige Gerätschaften spekuliert, die Wissenschaft ist sich über ihre Realisierbarkeit jedoch noch sehr uneinig. Wahrscheinlich ist die Sehnsucht nach der Vergangenheit aber auch kein technisches Problem. Denn selbst eine leibhaftige Zeitreise könnte unsere Nostalgie, bei Lichte betrachtet, nur äußerst unbefriedigend erfüllen. Denn um so zu empfinden wie etwa als Grundschüler von sieben Jahren müsste man sich auch wieder auf den geistigen Stand eines Siebenjährigen downgraden. Es reicht nicht aus, die vertraute Umgebung und Epoche mit einer Zeitmaschine zu erreichen, wir müss­ ten uns auch von vielen Lebenserfahrungen – guten wie schlechten – verabschieden, um wieder wie damals zu empfinden. Dies würde in letzter Konsequenz bedeuten, einen großen Teil unseres heutigen Ichs auszulöschen. Da niemand dies ernsthaft wollen würde, werden nostalgische Zeitreisen somit immer aus der Perspektive der Gegenwart unternommen. Wie wir die Vergangenheit heute wahrnehmen, sagt jedoch viel mehr über unsere Gegenwart aus als über die Vergangenheit: Wer im Hier und Jetzt beruflich sehr eingespannt ist, dem leuchtet die damalige Freiheit als Student in den schillerndsten Farben. Wer heute

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Nostalgie ist eine charmante Lügmerin

davor. Sie ist oft eng mit geheimen, mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hat, unausgesprochenen, verleugneten, denkt mit Seufzen an die Kinderzeit versteckten oder gefühlsbeladezurück, in der man wie ein König schlemnen Erinnerungen verstrickt. Diese men durfte. schönen Erinnerungen sind unbeZusätzlich trumpft die Nostalgie zahlbar, und sie machen uns dankbar. mit einem weiteren Ass auf: mit totaler Vielleicht sogar demütig. Besonders Sicherheit. Denn die Vergangenheit ist wie wichtig sind nostalgische Erinnerungen ein Film, dessen Ende wir schon längst dann, wenn sie eine Verbindung zu geliebkennen. Ein Film, den wir schon dutzenten Menschen herstellen, die nicht mehr unter de Male gesehen haben und um dessen uns weilen. Ein bestimmter Song, ein Oldtimer, Happy End wir wissen. Auch meinen wir – ein Kultfilm, eine Süßigkeit oder ein regioaus heutiger Warte – in der Vergangenheit nales Gericht. Diese stets einen roten und ähnliche Dinge Faden erkennen rufen uns (längst) zu können. Alles lief scheinbar auf den „einen" Verstorbene auf liebePartner oder den „einen" Job hinaus. Gerne vervolle Weise wieder in gessen wir dabei, wie chaotisch oder schwierig Erinnerung. Auf einmal sich die Vergangenheit anfühlte, als sie noch wirkt alles nur einen Tag weit Gegenwart war. Die Vergangenheit bietet also entfernt. Wir spüren liebe Menschen wieder in wohlige Sicherheit, da sich zwangsläufig keine unserer Nähe, die Trennlinie zwischen Leben anstrengenden Überraschungen mehr ergeben. und Tod scheint durchlässiger als sonst. Diese Vergangenheit gedanklich zu bereisen, Apropos „durchlässig": Natürlich ist unser liefert uns einen beschaulichen Gegenentwurf Gehirn darauf ausgelegt, gute Erinnerungen zum Alltag, der ja ständig neue und komplexe mehr in den Vordergrund zu stellen als Entscheidungen von uns verlangt. schlechte. Nostalgie zeichnet die Dinge weich. Ist Nostalgie dementsprechend vielleicht eine Unsere Erinnerung gaukelt uns vor, dass Art Wellness für unser Gehirn? Ein alles damals genau so war, wie wir es im Kurzurlaub von der Gegenwart? Kopf abgespeichert haben. „Nostalgie ist die „Wie still war damals doch die Welt, Vorstellung einer Vorstellung, die so nie erinnern sich die Leute. Die Hunde stattgefunden hat", bemerkt der deutsche haben zwar gebellt, doch nicht so laut Früher wollten wir ganz schnell erwachsen werden! Schriftsteller Erhard Blanck. Unser Gedächtnis wie heute", spottet der Autor ist keine Speicherkarte, unsere Augen sind keine Kameralinsen. Die evoFrantz Wittkamp. Fest steht: Nostalgie ist ein extrem lutionären Gründe für unsere rosarote vielschichtiges und äußerst persönliches Gefühl. Sie Nostalgiebrille liegen auf der Hand: ist so eng mit der eigenen Biografie verbunden, Menschen mit guten Erinnerungen dass sie mitunter nur bedingt mitteilbar ist. sind glücklicher und lebensfäNatürlich kann Opa von früher erzählen, doch ist higer. „Nostalgie ist eine chardie Gefühlslage von damals den Nachgeborenen nur mante Lügnerin", sagt der schwer zu vermitteln. Nostalgie ist immer gefühls- und Volksmund. nie faktenorientiert. So werden beispielsweise unzählige Problematisch wird die Menschen gerne an 1976 und den großen Erfolg Nostalgie freilich, wenn sie von Abba in diesem Jahr zurückdenken. Die beginnt, die Gegenwart konkreten Erinnerungen, die "Dancing zu überdecken. Nur Queen" in jedem dieser Menschen wachfür die Vergangenheit ruft, sind aber äußerst verschieden. Für kann niemand leben. einen damals Elfjährigen mag es der Das längst Vergangene sollte nieSound einer Kinderfreizeit gewesen sein. mals zum goldenen Zeitalter oder Ein Teenager lernte bei "Dancing Queen" zum verlorenen Paradies verklärt vielleicht seine erste (und unglückliche) Liebe werden. Denn jede Zeit hat ihren kennen. Ein Mittdreißiger tanzte zu diesem Lied eigenen Zauber, ihre eigenen im Straßenkarneval. Freuden und ihre eigenen Nostalgie ist kollektiv – und individuProbleme. Auch in der Gegenwart ereignen sich ständig denkell zugleich. Nostalgie bringt die Menschen würdige und zauberhafte Dinge. Und die Gegenwart von heute zusammen, schafft Gemeinsamkeit, liefert spanist die Nostalgie von morgen. Hoffentlich! Nostalgie ist weder immer nende Gesprächsthemen und definiert Generationen. gut noch immer schlecht, weder stets hilfreich noch stets kontraproEin Heft wie kult! beweist eindrucksvoll, dass man duktiv. Nostalgie passt in keine Schublade. Nostalgie ist ein wichtiger mit sehr persönlichen, nostalgischen Erinnerungen Teil unseres menschlichen Wesens. Sie komplett zu leugnen, wäre Abertausende von Men­ zynisch und gegen unsere Natur. Denn unsere Vergangenheit macht schen begeistern und uns einzigartig. Sie ist wie unser Fingerabdruck: unverwechselbar. zusammenbringen kann. Sich nostalgisch zu erinnern, bedeutet, im Nostalgie ist wie ein wärBuch des eigenen Lebens zu blättern. mendes Lagerfeuer, Und das darf – ja das sollte – lustvoll um das sich ganze vonstattengehen! Dieses liebevolle Heerscharen versamErinnern hat die Kraft, das Früher meln. Und Nostalgie zu feiern, das Heute zu ist gleichzeitig eine bejahen und uns kleine Schatztruhe gleichzeitig Mut mit einem für die Zukunft dicken zu machen. Schloss GoodTimes

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• Karl-May-Comics •

Winnetou, die Babyboomer und ein neues Medium

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Das Jahr 1963 ließ sich wunderbar an für die damals jungen Fans von Old Shatterhand und Winnetou. Im Kino sahen wir ein zweites oder gar drittes Mal Der Schatz im Silbersee"; am Kiosk enthielten die Heinerle" Wundertüten Karl-May-Figuren – und dann lockte auch noch die Ausgabe 377 eines geschätzten Comics mit der Ankündigung: Ab heute Winnetou." Ein Schriftsteller aus dem 19. Jahrhundert war in der Konsum- und Medienwelt der " Moderne angekommen. Heute würde man von einer Version Karl May 2.0" sprechen. "

ieben Jahrzehnte nach seinen ersten Erfolgen wurden bei den Babyboomern, der eigentlichen „Generation Karl May", die Eindrücke der Bücher ergänzt und vielfach überlagert von Bildern im weiteren Sinne. Die Kinofilme sind in erster Linie gemeint, aber auch Freilichtspiele und das in Deutschland damals junge Medium der Comics. Bedingt durch den Nationalsozialismus kamen die aus den USA stammenden Bildgeschichten hier verspätet an. Das Niveau der im Vergleich inhaltlich hausbackenen und handwerklich schlichten Unternehmungen deutscher Verlage wurde nicht zuletzt mit Rückgriff Seite

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auf Karl May gehoben. Befördernd wirkte sich aus, dass mit Ablaufen der Schutzfristen für dessen Originaltexte 1962 viel Fantasie für Geschäftsideen freigesetzt wurde. So partizipierten auch die ComicWelten an der vor allem durch die Kinofilme angetriebenen Karl-MayBegeisterung und verstärkten diese wiederum. Einschränkend muss hier allerdings der Hinweis gegeben werden, dass es sich um ein westdeutsches Phänomen handelte. In der DDR war der Schriftsteller zwar in der Bevölkerung angesehen, bei den Mächtigen aber verpönt. Insofern fanden sich östlich der Elbe lediglich in den Wild-West-Episoden der

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Comic-Serie „Digedags" 1969 bis 1974 diverse May-Anleihen.

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m Westen bildete eine gute Voraus­ setzung, dass der Autor bei Großeltern und Eltern wohlgelitten war. Den mobilisierenden Erstkontakt für viele lebenslange Karl-May-Fans löste im Dezember 1956 die Weihnachtsausgabe der Zeitschrift „Hörzu" aus, die damals in jedem vierten Haushalt geleMecki trifft Winnetou sen wurde. Cover des Magazins „Hörzu" Gemeint ist (Dezember 1956) die augenfällige Ankündigung eines Comic-Buches, in dem der beliebte Mecki den Wilden Westen bereiste. Mecki schloss à la Old Shatterhand Freundschaft mit Winnetou und erlebte aufregende Abenteuer „... bei den Indianern". Es war der erste Auftritt von Winnetou in einem Comic, und es blieb nicht der Die „Digedags" waren letzte. Einige Jahre später setzte die erste die populärste Serie von große Welle an May-Comics im eigentlichen Bildergeschichten – so Comics genannt – in der DDR Sinne ein, als Bildstreifen in Zeitungen und vor allem mit Heften in einschlägigen Verlagen. Während Marktführer Ehapa mit der Micky Maus mit Fotobildgeschichten nach den Kinofilmen antrat, starteten zwei Konkurrenten Anfang 1963 vortreffliche Serien mit gezeichneten Bildern, denen heute von Comic- wie Karl-MayExperten gleichermaßen eine für deutsche Verhältnisse erstaunliche Qualität Ein Clubausweis zeichnete bescheinigt wird. Die Nase Winnetou-Freunde bei Lehning aus (1963) knapp vorne hatte im Februar der Verlag Lehning; bei ihm lautete der Serientitel zuerst „Winnetou nach Karl May", ab Heft neun lapidar „Karl May".

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besonders deutlich, worin der Charme einer gelungenen Wort-BildKombination bestehen kann. Insofern war es bedauerlich, dass schon 1964 der zwischenzeitlich an einem bedeutenden New Yorker Museum tätige Nickel und der Verlag im Unfrieden schieden. Als Nachfolger wurde Harry Ehrt eingesetzt, aus dessen Feder die einzige Interpretation des sechsteiligen Orient-Zyklus von Karl May stammte, die abgeschlossen wurde. Ehrts Fortsetzung der Winnetou-Saga bot solide Handwerkskost, konnte die Bilanzen bei Lehning indes nicht verbessern. Ein knappes Jahr vor dem finanziell bedingten Verlagsende wurde 1966 die KarlMay-Serie eingestellt. Der Winnetou von Nickel

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wei Jahre danach beendete auch die orientierte sich an der ersten Buchausgabe Konkurrenz nach einem zweiten, diesmal von 1894 kurzlebigen Versuch ihre von 1963 bis 64 erfolgreiche Reihe erneut. Die Rede ist vom Studio Kauka, in dessen wöchentlichem Magazin „Fix und Foxi" ab März 1963 in guter Druckqualität und Kolorierung mehrere May-Romane verarbeitet worden waren. Mit dem Projekt war Walter Neugebauer beauftragt worden, dem von ComicSachverständigen ebenfalls die Qualitäten eines Klassikers bescheinigt werden. Dieser zweite Glücksfall aus Sicht der Karl-May-Begeisterten zeichnete in flottem Stil, aktionsbetonter und kantiger als Nickel, aber doch ebenfalls nahe bei Karl May. Seine Motive wurden damals als derart attraktiv eingestuft, dass sie bald entsprechende Brettspiele und Tonträger anderer Firmen schmückten. Bei Kauka wie bei Lehning betrugen die Auflagen jeweils zwischen 90.000 und 250.000. Hochgerechnet auf mehrere hundert Nummern sowie einige Nachdrucke, bei Kauka zuletzt als Taschenbücher 1979/80, ergibt sich eine stattliche Größenordnung. Hinzu gesellten sich 1965/66 Comic-Strips in allgemeinen Medien von der „Neuen Welt am Sonnabend" über die „Lüneburger Landeszeitung" bis hin zur Programmzeitschrift „Gong". Der Boom bei den Comics war aber 1967 vorerst unterbrochen, zumindest in Deutschland.

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is vor wenigen Jahren unbekannt blieb hier zu Lande, dass in anderen Ländern West- wie Osteuropas schon ab 1948 die bunte Abenteuerwelt Karl Mays im zeittypischen Genre der Comics kräftig ausgeweidet wurde. Beispielhaft sei hier auf Belgien hingewiesen, wo ab 1962 eine Serie im seinerzeit größten europäischen ComicStudio, Vandersteen, zuerst als Zeitungsstrip und dann in Heftform produziert wurde. Zumindest die ersten 16 Hefte gerieten überzeugend. Die folgenden Nummern, insgesamt wurden es 88, hatten aber nur noch Titel und Personal mit den Fantasiewelten des Schriftstellers gemein. Kurioserweise wurden in Deutschland schon ab 1967 viele Episoden nachgedruckt, freilich umgestrickt zu

s handelte sich um preiswerte Ware, was sich in der Qualität von Papier, Druck und Farben niederschlug. Für die jungen Kunden der 14-tägig erscheinenden Reihe stellte ein Fanclub Anstecker und Clubausweis, Postkarten und Wimpel bereit, die mit Konterfeis von Winnetou und Kara Ben Nemsi warben. Bedeutsamer im Rückblick war jedoch die Handschrift von Helmut Postkarte für die Nickel, der als einer der bedeutendsten deut- Clubmitglieder – Lehning schen Comic-Künstler gilt und gewisserma- warb mit Kara ben Nemsi (Ehrt, April 1963) ßen Graphic Novels schuf. Der Ursprung aus den Romanen blieb bei dem ausgewiesenen Karl-May- und IndianerKenner stets kenntlich: in Schlüsselszenen, beim Profil der Personen und ihren textgetreuen Dialogen. Winnetou zum Beispiel sieht tatsächlich so aus, wie ihn sein Erfinder für die erste Buchausgabe 1894 autorisiert hatte. Manches in der Handlung wirkt sogar stringenter oder auch sprachlich flüssiger als im Original. Bei der Betrachtung der Landschaften mit Hintergründen, Totalen Comic-Strips in Zeitungen wie der „Neuen Welt" zeichneten Schauspieler und Hervorhebungen wird Kinofilmen nach – Man erkennt Pierre Brice und Götz George (Februar 1965) GoodTimes

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manchmal im Tarzan-Look oder auch mit großem Federschmuck, und Old Shatterhand führte sich wie ein Revolverheld auf. Trash pur lieferte ein Heft, in dem sich die Helden angesichts des Furors eines aggressiven Flugsauriers beweisen mussten. Auf der Habenseite der 70er Jahre, wenn auch mit weniger Auflage als die Konkurrenz, stehen andererseits sieben Alben mit Orientmotiven bei Unipart. Zwei Spanier, Edmundo Maraleta und Francisco Jou, besorgten 1974 bis 1976 diese Ausgabe mit hartem Strich, aber passabler Atmosphäre und ordentlichen Texten. Eine angekündigte achte Nummer erschien nicht mehr. Das war es dann, in Westdeutschland.

Ausgaben einer „Bessy" genannten Reihe. Aus Old Shatterhand wurde Andy, Winnetou geriet zum „Schwarzen Hirsch", und der Hund Bessy wurde einfach hineinmontiert. Die umfangreichste Serie nach Karl May wurde für deutsche Leser in ihrer ursprünglichen Version erst 1999 bis 2007 von Wick Comics gewissermaßen nachgereicht. Andere Bildergeschichten aus dem Ausland fanden über Lizenzen ihren Weg nach Deutschland, als 1972 eine zweite Hochphase des Themas einsetzte, die bis 1979 andauerte. Dieses Intervall brachte überhaupt einiges Bemerkenswerte rund um Karl May hervor. Das ZDF strahlte eine vielteilige Orient-Serie aus, Hörspiele auf Tonkassetten und Schallplatten fanden reißenden Absatz, und Pierre Brice beeindruckte bei den Freilichtspielen in Elspe.

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nerwartet bescherte in der Spätphase der DDR die „Trommel" mit einer Vorankündigung zu Weihnachten 1982 Die späteren Blutsbrüder im Zweikampf: Winnetou und den Lesern eine Überraschung. Kurz nach Old Shatterhand (Nickel, März 1963) der Erstausstrahlung der westdeutschen as die Co­­ Winnetou-Filme im DDR-Fernsehen und noch vor Erscheinen der m­ ics angeht, realisierten gleich fünf ersten Bücher bei „Neues Leben" druckte die Wochenzeitschrift Verlage – die großen Bastei und Moewig der Jungen Pioniere ab Januar 1983 einen Winnetou-Comic nach, sowie die kleineren Gevacur, Condor und der 1957 in Ungarn Unipart – Unternehmungen mit zum Teil entstanden war. Eine hohen Auflagen. Die Mehrzahl von mehreren Wiederveröffentlichung Dutzend Geschichten mit vielen Folgen hatte endete 1990 ebenso abrupt ihren Ursprung in Westeuropa, ins­besondere mit dem Ende der DDR bei der spaniDer geheimnisvolle Geist des schen Comicwie eine zweite WinnetouLlano Estacado aus „Unter Serie, die 1989 in der Fabrik Bruguera, Geiern" (Vandersteen, 1962) FDJ-Kinderzeitschrift die seit 1971 „ABC" gestartet worden Karl May als Steinbruch nutzte. Als Ergebnis war. Immerhin setzten preiswerter Einkaufspolitik produzierten Winnetou muss seine Freunde vor einem Flug­ sich die beiden ostdeutdie Verlage deutlich mehr Ramsch als die schen Veröffentlichungen saurier retten – Trash pur von Condor (1977) Vorgänger in den 60ern: Zu Recht lange im Gedächtnis fest, waren sie doch jeweils in Hunderttausenden von unbekannte Texter, von rührigen Forschern Exemplaren vertrieben worden. Der in Sachen Karl May engagierte seit 2012 identifiziert, pflanzten in ihre geleVerlag Neues Leben setzte schließlich 1995 den bisherigen Schlusspunkt gentlich abstrusen Geschichten Helden Mays für Neuerscheinungen. Das ausgesprochene Experiment mit dem Titel willkürlich ein und setzten ihnen seine geläu„Greenhorn" war mit seinen karikierenden Zügen aber weder zeitgemäß figen Titel auf. Es gab aber auch noch über- Bei Bastei erschienen 27 für Heranwachsende noch attraktiv für ältere Sammler. Es gelangte zeugende Bildgeschichten, vor allem vom Taschenbücher - mit dabei: nicht in den regulären Verkauf, und es gab folgerichtig auch keine Spanier Juan Arranz. Seine schon in den „Das Versteinerte Gebet" aus Nummer zwei. 60ern in den Niederlanden erstveröffentlich- dem Alterswerk Karl Mays ten Comics wurden 1973 bei Moewig und 1975 bei Gevacur gedruckt. Sie sind im Ablauf ammler allerdings konnten schon seit Ende der 80er Jahre stimmig, atmosphärisch dicht und vor allem Originale aus den frühen Jahren durch passable Nachdrucke ergängut gezeichnet. Zwar modernisierte Arranz zen, realisiert von den Verlagen Splitter und Hethke. Besonders erfreut Old Shatterhand zu einem Westernhelden à la reagierten sie auf sorgfältig kolorierte und montierte Nachdrucke Lex Barker, aber die Besetzung hatte ja in den herausragender Alt-Reihen bei Comicplus. Seit 2012 sind dort im Filmen durchaus seinen Reiz bewiesen. grünen Erscheinungsbild der klassischen May-Bücher hochwertige Editionen zu Nickel und Arranz erschienen, und ein ähnliches Projekt für Neugebauer ist seit einiger Zeit angekündigt. In den Medien der nsgesamt 27 Titel im Pocketformat, mögComic- wie der Karl-May-Freunde wurde ausführlich dokumentiert licherweise in Frankreich eingekauft, publiund analysiert. Dass Mays Helden und Abenteuer nach wie vor über zierte mit starken Qualitätsschwankungen kleine Szenen hinaus präsent sind, liegt an den Babyboomern. Die Zeit der Bastei-Verlag ab 1972 in seinen „Feuerwerk"-Sammelbänden. Die ihres Aufwachsens, Ende der 50er meisten der Geschichten hatten bis Ende der 70er, fällt zusammen mit Karl May so wenig zu tun mit den goldenen Jahren für Karl wie manche Inszenierungen auf May. Viele Angehörige der starken der Bühne in Elspe. Nur in diesem Jahrgänge haben ihren Winnetou Programm waren Titel aus dem über das für sie typische Medium Alterswerk Karl Mays vertreten, Comics schätzen gelernt, wie sie das den meisten unbekannt ist. überhaupt die Ersten waren, die Als Tiefpunkt gilt die Mehrzahl Karl-May-Abenteuer in großem der insgesamt 35 Hefte „nach Maßstab nicht nur lesen, sondern Karl May", die Condor 1976 bis eben auch ansehen, hören und 1978 mit häufig banalen Dialogen mit Figuren nachspielen konnten. und hanebüchenen Handlungen Mit dieser Ankündigung in der FDJ-Zeitschrift „Trommel" setzte das Malte Ristau offerierte. Winnetou überraschte kulturelle Tauwetter für Karl May in der DDR ein (Dezember 1982)

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Marilyn Monroe Blondine mit Anspruch sucht Rollen Ein Foto sorgte jüngst für Furore in den bunten Medien: Unter dem engen Dress der koketten Blondine wölbt sich ein Bäuchlein. Ist sie etwa schwanger? Stellung beziehen kann die gezeigte Schauspielerin zu dem Gerücht nicht mehr – sie ist diesen August bereits seit 55 Jahren tot. Das Interesse an Marilyn Monroe aber scheint dennoch ungebrochen. Weniger im Hinblick auf ihr schauspielerisches Können – viel lieber wird über ihre Affären, ihren Charakter, ihr Leben spekuliert. Am liebsten jedoch über die Umstände ihres Todes. Von Claudia Tupeit

Foto: Bildarchiv Hallhuber Fluss ohne Wiederkehr" "

vor allem zwischen 1950 und 1953 etliche Streifen abgedreht, die teils zu Unrecht heute – vor allem in Europa – kaum oder gar keine Beachtung finden. Bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges, als Marilyn Monroe noch Norma Jeane Dougherty hieß, blutjung erstmals mit dem fünf Jahre älteren Jim verheiratet war und unblondiert als Fotomodell und Pin-up vor Kameras stand, bekam sie die Chance auf eine Laufbahn an Filmsets. Ein Vorsprechen bei Ben Lyon, der vom Filmstudio Fox rekrutiert wurde, um neue Talente zu finden, verschaffte ihr einen Halbjahresvertrag mit einer wöchentlichen Bezahlung von etwa 70 Dollar – ob sie nun arbeitete oder nicht. Er sah in ihr die nächs­te Jean Harlow. Also eine Frau, die auf der Leinwand eine solch erotische Ausstrahlung rüberbrachte, dass sie auch hätte stumm bleiben können.

exbombe, Präsidentengeliebte, Vamp, Vorzeigeblondine: Für Marilyn Monroe gibt es so viele Bezeichnungen, die die Aktrice nur allzu gern auf ihr Erscheinungsbild und das (sexuelle) Privatleben reduzieren. So, als ob ihre Rollen nebenbei erledigt wurden, um sich die Zeit etwas zu vertreiben. Dabei war sie nicht nur sehr ambitioniert, sondern auch talentiert. Dass sie mehr als die naiven Blondchen in seichten Komödchen mimen wollte, zeigt ihr unbändiger Wille, „spielen" wirklich zu lernen. So besuchte sie die Schauspielschule The Actors Studio von Lee Strasberg und probte oft zusätzlich mit dessen Frau Paula in Drehpausen in ihrer Garderobe. In 32 Filmen hat die Monroe bis zu ihrem Tod am 4. August 1962 mitgespielt. Wenngleich sie erst Mitte der 1950er Jahre mit erfolgreichen Produktionen durchstartete, so hat sie

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Foto: Bildarchiv Hallhuber Ich tanze in dein Herz" "

fasst hat (erschienen 1993), waren Und ob sie nun wollte oder nicht: Sie hatte diese Aus­ die Carrolls auch dafür bekannt, strahlung tatsächlich. Aber sie besaß auch jede Menge sich fürsorglich um Starlets zu Ehrgeiz, um eben nicht mehr nur barbusig, sondern kümmern. Zwar vermittelte Ryman durch schauspielerisches Können auf sich aufmerksam zu Marilyn keinen Vertrag bei MGM, machen. Nur nett lächelnd hinter großen Schauspielern dafür holte sie sie aber sprichwörtdurch die Kulissen zu trippeln, hätte vielleicht den lich von der Straße. Nach mehStudiobossen genügt, aber nicht Norma Jeane. Zunächst reren übereinstimmenden Quellen allerdings muss­te ein neuer Name her. Einer, der sich leichscheint es glaubhaft – und so soll ter aussprechen ließ, der gut zu merken war. Und Norma es Marilyn auch selbst den Carrolls Jeane hätte sich keine schönere Forderung wünschen könerzählt haben –, dass sie auf dem nen, wollte sie ihr altes Leben doch nur zu gern abstreifen Hollywood Boulevard anschaffen und ganz neu anfangen. Monroe als Nachname fiel ihr ging. Das Geld reichte nämlich selbst ein, da es der echte Nachname ihrer Vorfahren mütgerade für Miete und Auto, nicht terlicherseits war – und sie sich zumindest bei denen sicher aber für etwas zu essen – und das sein konnte, wirklich mit ihnen verwandt zu sein. Und was ließ sie sich offenbar als Callgirl einen passenden Vornamen betraf, so hatte Talentjäger Ben Marilyn mit Johnny Hyde von ihren Freiern bezahlen. Lyon prompt eine Idee: Marilyn, so wie die Schauspielerin Marilyn durfte im Carroll'schen Stadthaus dann mietfrei wohnen, Marilyn Miller, die er mochte, mit der er einst sogar zusammen war. bekam monatliche Zuwendungen des Ehepaares, selbst als sie schon Welch böses Omen: Marilyn Miller konnte wie ihre neue Namensvetterin bei Columbia als Schauspielerin unter Vertrag war. Es galt schließeinen schwer zu ertragenlich, eine ganz neue Ausgabe regelmäßig begleichen zu können: den Stiefvater vorweifür p ­rivate Unterrichtsstunden mit der Studio-Schauspiellehrerin sen, der den Platz des Natasha Lytess, einer Deutschen, die in die USA emigriert war Vaters eingenommen und nach einer gescheiterten Bühnenkarriere nun aufstrebende hatte, nachdem dieser Schauspieler malträtierte. Sie sah in Marilyn Potenzial und verdie Familie früh verlassuchte, ihr eine klare und deutliche Aussprache beizubringen. Und sen hatte. Sie war in den sie verliebte sich in diese zurückhaltende, aber willensstarke junge 1920ern ein Musicalstar, Frau. hatte dann kurzzeitig Marilyn jedoch war – nach einigen anderen Affären mit wichtigen Filmerfolge – und starb Herren aus dem Filmbusiness – dem Agenten Johnny Hyde zugein den 30ern mit nur 36 tan. Er war über 30 Jahre älter als die 22-Jährige, nur 1,50 Meter (!) Jahren nach drei (!) groß, unattraktiv, ein verheirateter Familienvater – besaß aber viel gescheiterten Ehen ... Einfluss in der Szene. Er verfiel ihr auf einer Silvesterparty, verließ 1947 hatte Marilyn zwar einige Monate später seine Familie für sie, zog mit ihr zusammen, von Fox schauspielerisch wollte sie heiraten, doch Marilyn hatte ihre Karriere im Blick. Sie wenig zu tun bekom- Hochzeit mit Joe DiMaggio gab selbst später an, dass sie nie in Hyde verliebt gewesen sei und men, dafür umso mehr im Januar 1954 ihn daher nicht habe heiraten wollen. Erst recht nicht, da er sie – im „Actors Lab". Diese wie schon ihr erster Ehemann – sexuell nicht befriedigte. Vereinigung war ein Ableger der New Yorker Schauspielschule um Doch anders als Vorgänger-Agent Harry Lipton schien Hyde für ihre Lee Strasberg in L.A. Und für Marilyn wurden die Proberäume zum Filmkarriere der richtige Mann zu sein. Die Columbia hatte sie inzwizweiten Zuhause. Anspruchsvoll und dramatisch waren die Stücke, die schen wieder gefeuert, jedoch prägte deren Boss Harry Cohn ihren Marilyn sich von den anderen Schauspielern ansah – und deren Skripte Look maßgeblich: Er hatte sie sie letztlich selbst in die Hände nahm und einstudierte. Es aufgefordert, ihren Haaransatz waren klassische Theaterwerke, die ihr auch klarmachten, durch Elektrolyte dauerhaft entwie anstrengend die Schauspielerei sein kann. Doch sie fernen zu lassen, damit sie eine hatte Durchhaltevermögen. Im Nachhinein erzählte das hohe Stirn bekam. Außerdem „Actors Lab"-Mitglied Phoebe Brand, dass Marilyn bei war er für den wasserstoffblonden anderen Schauspielern keinen bleibenden Eindruck den Haarschopf verantwortlich. hinterlassen habe, weil sie zu schüchtern gewesen sei und Hyde machte sich überall für kaum jemanden an sich herangelassen habe. Sie bedauerte seine Marilyn stark und bekniete jedoch später, dass ihr deren Witzigkeit und komödiantiBosse und Regisseure nahezu, sches Talent entgangen seien. sie in Filmen einzusetzen. In Die andere Seite der Schauspielerei – bei der es nicht „Asphalt Dschungel" („Asphalt um Ruhm, Glanz und Gloria, sondern ums Texte lernen Jungle", 1950) hatte sie kurze und aufwendiges Üben von Szenen ging – schreckte Auftritte, die sie jedoch zum Marilyn keineswegs ab. Wenn sie etwas wirklich wollErstaunen aller am Set sehr gut te, so war es, Rollen in Filmen zu ergattern. Allerdings meisterte. Mit ein paar Minuten nicht mehr bei Fox. Ihr Vertrag lief aus, und es war klar, in einem zweistündigen Film dass der Filmvertrieb ihn nicht verlängern würde. Ihre konnte sie sich plötzlich in Beziehung war sozusagen im Nichts verlaufen. Quasi als der Branche empfehlen. Nun Abschiedsgeschenk schickte Fox sie allerdings auf den brauchte sie nur noch publiGolfplatz. Und etwas Besseres hätte der ambitionierkumswirksamere Rollen. ten Jungschauspielerin gar nicht passieren können: Als Mit ihrem – ebenfalls noch kleiTrägerin der Golfschläger von Schauspieler John Carroll nen – Auftritt in „Alles über Eva" machte sie nicht nur ihn, sondern auch dessen Frau Lucille („All about Eve", 1950) kam sie Ryman auf sich aufmerksam – natürlich zunächst durch ihrem Ziel noch näher. Sie spielte eine ambitionierte Schauspielerin, die ihr hautenges Oberteil und die aufreizenden Bewegungen, mit denen sich bei Produzenten anbiederte, um ihre Karriere voranzutreiben. Sie sie auch die anwesenden Fotografen auf den Plan rief. Lucille war bei war damit ein gelungener Kontrast zu den beiden Schauspielerinnen den MGM Studios die weibliche Ben Lyon: ein Talente-Scout. Anne Baxter und Betty Davis. Doch im Vorspann tauchte ihr Name Laut Donald Spoto, der die wohl beste, tiefgründigste und wahrheitsgeimmer noch nicht auf. treueste Biografie über Marilyn Monroe auf detaillierten 577 Seiten verGoodTimes

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Foto: Bildarchiv Hallhuber

Foto: Bildarchiv Hallhuber Blondinen bevorzugt" "

Foto: Bildarchiv Hallhuber Blondinen bevorzugt" "

Das änderte sich erst, als sie eine weitere Minirolle ergatterte: Die einer Sekretärin, die den Männern den Kopf verdreht. „As Young As You Feel" (1951) sollte allerdings ein wichtiger Film für sie werden. Das Set besuchte kein Geringerer als Elia Kazan, damals mit 42 Jahren bereits ein gestandener, gebuchter Marilyn mit Arthur Miller gut Akteur. Nachdem Johnny Hyde im Dezember 1950 gestorben war, konnte sie Abwechslung gebrauchen: Mit Kazan verband sie nicht nur eine kurze, wenngleich innige Sommerromanze – die erste echte Liebesbeziehung, an der auch sie Spaß hatte –, durch ihn begegnete sie auch dem Autor Arthur Miller. Bevor dieser naturverbundene, zurückhaltende und Hollywood hassende Schriftsteller schließlich Marilyns dritter Ehemann wurde, verstrichen allerdings noch fünf weitere Jahre. Sehr turbulente Jahre, in deren Verlauf sie zum gefeierten Star wurde und endlich in den Olymp der Hauptdarstellerinnen aufstieg – und in denen sie einen Rentner heiratete, der trotz dieses Berufsstatus' noch nicht mal 40 Jahre alt war. Joe DiMaggio hatte seine Profi-Baseballkarriere gerade beendet, als sie sich Anfang 1952 kennen lernten. Mit 37 Jahren war er nicht mehr der von Spielzeiten und Wettkämpfen abhängige Sportler. Er konnte sich nun auf das Wesentliche konzentrieren, und das war in seinem Falle kurvig, platinblond und schwer in ihn verliebt. Marilyn und er heirateten im Januar 1954 in San Francisco. Als sie zum zweiten Mal ewige Treue schwor, konnte sie inzwischen einige illustre Streifen in ihrer Filmografie vorweisen. 1952 hatte sie zwar – immer noch in Nebenrollen besetzt – in Komödien ihr seichtes Image zeigen müssen, dafür verschafften die ihr aber endlich ausreichend Popularität. „Wir sind gar nicht verheiratet" („We're Not Married!") ist als eine Art Episodenstück angelegt, in der Marilyn eine von fünf Ehefrauen mimt, die mit ihrem Mann nicht legal verheiratet ist – unverschuldet. Denn als der gerade ernannte Friedensrichter an Weihnachten in einer Kleinstadt fünf junge Paare traut, ist er offiziell noch gar nicht in Amt und Würden ...

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Und Marilyn spielte eine Rolle, die aus ihrem eigenen Leben hätte sein können: Am Anfang der Ehe noch unterwürfig, tingelt sie zweieinhalb Jahre später erfolgreich von Schönheitswettbewerb zu Schönheitswettbewerb, während ihr Mann mit dem kleinen Sohn zu Hause bleibt. An der Seite von Cary Grant ist sie in „Monkey Business" wiederum eine Sekretärin, die sich mehr als nur einen Nachmittag mit dem Womanizer erhofft, als dieser als Chemikant ein Verjüngungselixier an sich selbst erfolgreich testet und sich plötzlich wie ein Teenie fühlt. Als verrückte Babysitterin in einem Hotel bekam sie anschließend die Möglichkeit, ins ernste Fach zu wechseln. Bei „Versuchung auf 809" („Don't Bother To Knock", 1952) – ein völlig irreführender deutscher Titel – schafft sie es als Nell, ihre Rolle so glaubhaft psychisch krank zu spielen, dass der Zuschauer vor dieser Figur regelrecht erschrickt. Und gleichzeitig Mitleid bekommt. Was zunächst harmlos damit beginnt, dass sie als extrem schüchternes Mädchen in einem Hotelzimmer die teuren Klamotten und Accessoires ihrer Auftraggeberin überstreift, endet schließlich in einem Rausch. Am Ende fürchtet man nicht nur um ihr Leben, sondern auch um das des Kindes, das sie beaufsichtigen soll. Bereits kurze Zeit später durfte sie dann in dem berühmten „Niagara" (1953) beweisen, dass die erns­ te, dramatische Rolle kein Glückstreffer war. Denn so viel Hinterlist und Mordlust hätte man dem naiven Blondchen gar nicht zugetraut: Als Rose schmiedet sie mit ihrem Geliebten einen fast perfekten Plan, ihren Ehemann zu töten – vor naturgewaltiger Kulisse. Doch alles gerät außer Kontrolle, als dieser sich zu wehren weiß. Im selben Jahr entstanden auch die beiden Kultkomödien „Blondinen bevorzugt" („Gentlemen Prefer Blondes"), aus dem die Szene stammt, in der Marilyn im pinkfarbenen Satinkleid die Diamanten als beste Freunde eines Mädchens besingt, und „Wie angelt man sich einen Millionär?" („How To Marry A Millionaire?"). Als sie zielstrebig den Olymp als Schauspielerin erklomm, zog sie gleichzeitig einen Schlussstrich unter die Ehe mit Joe DiMaggio – nicht mal ein Jahr nach der Hochzeit. In einem Interview hat Marilyn selbst einmal gesagt, dass sie erstaunt gewesen sei, sich in Joe verliebt zu haben. Er wollte sie auf Händen tragen, aber nicht mit Hollywood teilen müssen, sondern mit ihr häuslich werden im kühlen San Francisco. Und reagierte, als sich dieser Traum nicht erfüllte, anscheinend mit Gewalt. Was ihre Karriere betraf, so legte sie sich selbst Steine in den Weg – wieder einmal. Ihr Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad war zwar enorm gewachsen, doch das verschaffte ihr keinen Freifahrtschein hinter den Kulissen. Sie galt unter Filmemachern als schwierig. Als unzuverlässig, launisch, kränklich, unpünktlich. Ihr Ruf war schnell zementiert. Und tatsächlich hatte sie ja bekanntlich so einige Laster aus Kindheit und Jugend mit sich herumzuschleppen, die sie zeitlebens stark beeinflussten. Dennoch: Ein Filmset ist ein Arbeitsort, eine Film­ crew kein Psychiaterteam. Wem war es zu verübeln, dass er keine Lust auf Verzögerungen und Total­­

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Foto: Bildarchiv Hallhuber Machen wir's in Liebe" "

Foto: Bildarchiv Hallhuber Der Prinz und die Tänzerin" "

Foto: Bildarchiv Hallhuber Das verflixte 7. Jahr" "

ausfälle hatte bei den Dreharbeiten, weil der neue Star Marilyn Monroe nicht mit seinem Leben zurechtkam? Und eigentlich auch nicht mit seinem Status. Dass sie so manches Mal nicht oder viel zu spät am Set erschien, war ihren immensen Selbstzweifeln geschuldet, nicht etwa einem divenhaften Verhalten, wie sie selbst, aber auch Mentorin, Schauspiellehrerin und enge Vertraute wie Natasha Lytess offenbarte. Das Gefühl, nicht gut genug für eine Rolle zu sein, begleitete sie in jeder Minute des Drehs. Der Erfolg bei den Zuschauern und gute Kritiken schienen diese Angst nur noch zu schüren. Und tatsächlich war an den Gerüchten, sie hätte ein Suchtproblem entwickelt, etwas dran: Alkohol vertrug sie nur in geringen Mengen, Beschwipste-Marilyn-Fotos auf Premierenfeiern waren also leicht zu bekommen. Ihre Sucht nach Schlaftabletten nahm zumindest aus einem nachvollziehbaren Grund ihren Anfang: Sie flog oft zwischen der Ost- und Westküste der USA hin und her und entwickelte daher Schlafprobleme. Zeitsprung. Am 1. Juni 1962, ihrem 36. Geburtstag, hatte Marilyn Monroe ihren letzten Tag an einem Filmset. In „Something's Got To Give" spielte sie eine Ehefrau, die nach einem Unglück als verschollen galt und für tot erklärt wurde, jedoch Jahre später wieder in ihrem alten Zuhause auftaucht. Weder ihr wiederverheirateter Mann noch die beiden Kinder erkennen sie zunächst – nur der Hund scheint sich über das Wiedersehen mit seinem Frauchen zu freuen. Den letzten Drehtag hatte sie jedoch damals nicht etwa, weil der Film fertig war, sondern weil sie mit ihren ständigen Krankschreibungen und der Unpünktlichkeit das Budget der Produktion so in die Höhe getrieben hatte, dass die Produktionsfirma sie rausschmiss. Marilyn sah das als Möglichkeit, sich neu zu orientieren. Während sie zwischen 1947 und 1954 in 30 Produktionen aufgetreten war, so hatte sie von '55 bis '62 nur noch in fünf mitgewirkt. Sie war allerdings nicht spielfaul, sondern nur anspruchsvoll und nicht (mehr) bereit, schlechte Drehbücher anzunehmen. Immerhin hatte sie mittlerweile solche Klassiker wie „Manche mögen's heiß" („Some Like It Hot", 1959) und „Misfits – Nicht gesellschaftsfähig" (1960) vorzuweisen. Ebenso übrigens eine weitere gescheiterte Ehe, diesmal mit dem Schriftsteller Arthur Miller, mit dem sie vier Jahre verheiratet war. Und dann gab es da auch noch die „Sache Kennedy", die nach rein logischen, aber auch unter nachweisbaren Gesichtspunkten nicht im Entferntesten derart romantisch gewesen sein konnte, wie die Medien sie gern dargestellt haben. Zu diesem Schluss kommt Monroe-Biograf Donald Spoto und bezieht sich dabei nicht nur auf etliche Aussagen dazu aus John F. Kennedys und Marilyns Umfeld, sondern auch auf Regierungsdokumente. GoodTimes

Gerüchte gab es zudem über eine angebliche Affäre mit dem damaligen Justizminister und späteren Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy, dem Bruder Johns. Doch der einzige Kennedy, mit dem sie nachweislich im Bett landete, war John Fitzgerald, der Präsident der Vereinigten Staaten. Und es sei genau einmal passiert, rekonstruierte Spoto. Es habe überhaupt auch nur vier Treffen mit ihm gegeben – zwischen 1961 und schließlich dem berühmten Geburtstagsständchen Marilyns im Mai 1962 im New Yorker Madison Square Garden. Da soll der Akt bereits stattgefunden haben: 1961 nämlich, bei einer Feier von Freunden in Palm Springs. Richtig war indes, wenn im Freundesund Kollegenkreis über ihre starke Medikamentenabhängigkeit der Kopf geschüttelt wurde. Mittlerweile brauchte sie neben Schlaf- auch Beruhigungsmittel. Und da hatte sie zwei Ärzte, die sie fleißig mit entsprechenden hochwirksamen Mitteln versorgten. Ihren Psychiater Ralph Greenson sieht Biograf Spoto als den Hauptschuldigen an Marilyns viel zu frühem und „unnötigem" Tod am Abend des 4. August 1962 an. Spotos Schlussfolgerungen zu den Todesumständen ergeben mehr als Sinn: Einerseits habe Greenson sie von den Beruhigungsmitteln wegbekommen wollen und ihr stattdessen als Schlafmittel Chloralhydrat verabreicht, andererseits sei genau das in jener Nacht der fatale Fehler gewesen. Marilyn hatte sich anscheinend zur Beruhigung doch wieder Nembutal von ihrem Internisten geben lassen – dieser wiederum rückversicherte sich aber nicht bei Greenson, ob das in Ordnung sei. Sie nahm also das Medikament, es war später in ihrem Körper nachweisbar. Ist Nembutal jedoch noch nicht ausgeschieden aus dem Körper und trifft auf das Schlafmittel, kann das tödliche Folgen haben ... Eine Schlüsselfigur in der Causa Marilyn war auch ihre Haushälterin Eunice Murray, die sich bei Befragungen und auch in Interviews Jahrzehnte später in heftige Widersprüche verwickelte – denen Greenson unter Berufung auf die Schweigepflicht entgehen konnte. Laut Spoto ist es wahrscheinlich, dass Murray ihrer Chefin die tödliche Dosis Schlafmittel verabreicht habe, in rektaler Form, also mit einem Klistier, was für damalige Zeiten üblich war. Ebenso üblich ist es laut Spoto gewesen, dass Psychiater weiblichen Patienten so etwas nie selbst verabreicht haben ... Irgendwann zwischen 19 und 20 Uhr muss das Verhängnis dann seinen Lauf genommen haben. Das zumindest lassen zwei Anrufe vermuten: Der Sohn von Joe DiMaggio hatte um kurz nach sieben noch mit einer fröhlichen, wachen Marilyn telefoniert. Mit ihrem Freund Peter Lawford telefonierte sie wenig später – und befand sich da bereits in einem Delirium-artigen Zustand. Zwischen diesen beiden Anrufen, so vermutet Donald Spoto, muss Marilyn das für sie tödliche Klistier eingeschoben worden sein. 2/2017

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Das Jahr 1967

Von Matthias Bergert und Michael Fuchs-Gamböck

t n ea g er S n ei , m a tn ie V in g ie Kr namens Pepper & Fernsehen in Farbe

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1967 ist ein aufregendes Jahr – und das beileibe nicht nur für die Alternativkultur, wenngleich es als Initialzündung der innovativen Pop- und Rockmusik in die Annalen eingehen wird. Es entstehen Meilensteine, zumeist Debütalben, von so unterschiedlichen Bands und Künstlern wie Velvet Underground & Nico, Cream, Jimi Hendrix Experience, Procol Harum, Leonard Cohen, Pink Floyd und den Doors. Über allem strahlt der Stern von SGT. PEPPER'S LONELY HEARTS CLUB BAND, dem unsterblichen Meisterwerk der Beatles. Doch während die Hippies weltweit den Summer Of Love" propagieren, tut " sich auch politisch jede Menge. Anlässlich einer linken Demonstration gegen den Schah erschießt der Polizist Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg und wird vom

Gericht freigesprochen, was zur Radikalisierung der Studentenbewegung führt. Im Nahen Osten sorgt der Sechstagekrieg zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten für Zündstoff. Einer der kubanischen Revolutionsführer, Che Guevara, wird von der bolivianischen Armee regelrecht gemeuchelt und avanciert nach seinem Tod zur Stilikone unter politisch Andersdenkenden. Die Zuspitzung des US-Einmarsches in Vietnam führt schließlich dazu, dass sich immer weniger Amerikaner mit dem Krieg in dem asiatischen Land identifizieren. In der Tat ist 1967 ein turbulentes Jahr, das bis heute seine Spuren hinterlassen hat. Es ist ein Jahr des Aufbruchs, allerdings in die unterschiedlichsten Richtungen. So viel positive wie hektische Energie wie 1967 gab es danach nie mehr.

1967

Radikalisierung der westdeutschen Studentenbewegung, da Ohnesorgs Mörder freigesprochen wird. *** Im Nahen Osten sorgt der Sechstagekrieg (5.–10.6.) zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten (Ägypten, Jordanien, Syrien) für Spionageschiff Zündstoff. Am 10.6. kommt es zu einem USS Liberty Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien, nachdem Israel Teile des Berges Hermon und die Golanhöhen besetzt hat. *** Israelische Kampfflugzeuge greifen am 8.6. das US-amerikanische Spionageschiff USS Liberty an. Dabei kommen 34 Navy-Angehörige ums Leben. *** Am 20.6. wird der Boxer Muhammad Ali verurteilt, weil er den Kriegsdienst in Vietnam verweigert hatte. Seine Strafe: fünf Jahre Gefängnis (die er gegen Kaution aber nicht antreten muss), $10.000 Geldbuße und der Einzug seines Reisepasses; außerdem darf er drei Jahre lang nicht an Boxkämpfen teilnehmen. *** Am 24.6. verübt eine bolivianische Militäreinheit im Zinnbergwerk Siglo ein Massaker an Bergleuten und Zivilisten. Außerdem wird das Zinnbergwerk Catavi besetzt. Etwa 20 Menschen sterben, 70 werden verletzt. *** Pünktlich zum „Independence Day" tritt in den USA der Freedom Of Information Act in Kraft (4.7.). Ab sofort hat jeder das Recht, Auskunft über Dokumente von staatlichen Behörden zu erhalten. Allerdings entschärft Lyndon B. Johnsons Regierung das Gesetz so weit, dass es de facto kaum Auswirkungen hat. *** Am 6.7. beginnt in Nigeria der Biafra-Krieg, da sich das nigerianische Gebiet Biafra von der Bundesrepublik Nigeria abspalten will. Im Laufe der dreijährigen Auseinandersetzungen werden mehrere hunderttausend Menschen getötet. Weitere drei Millionen Menschen sterben infolge einer Hungerkatastrophe im Kriegsgebiet. Biafra kapituliert schließlich im Januar 1970 und wird in den nigerianischen Staat eingeglie-

Zeitgeschehen

Bundespräsident Heinrich Lübke hebt in seiner Neujahrsansprache den Willen des deutschen Volkes zur Wiedervereinigung hervor. Dagegen präsentiert der SED-Vorsitzende Walter Ulbricht in seiner Ansprache ein Zehn-Punkte-Programm, das die Bundesregierung erfüllen soll, um die friedliche Koexistenz der beiden deutschen Staaten zu garantieren. *** Wirtschaftsminister Karl Schiller (SPD) startet am 14.2. die erste konzertierte Aktion zur Überwindung der Wirtschaftskrise. *** Lateinamerika und die Karibik werden am 14.2. zur atomwaffenfreien Zone erklärt (Vertrag von Tlatelolco). Kuba wartet mit der Ratifizierung bis 2002. *** Umbruch in Indonesien: Präsident Sukarno (der eigentlich auf Lebenszeit gewählt ist) tritt am 22.2. zurück und wird unter Hausarrest gestellt. Sein Nachfolger wird General Suharto. *** Am 12.4. geht das Kernkraftwerk Gundremmingen als erstes deutsches Groß kernkraftwerk in Betrieb. *** In Griechenland kommt es am 21.4. zu einem Militärputsch der faschistischen Obristen gegen König Konstantin II. Dessen Gegenputsch am 13.12. scheitert. Die Militärjunta bleibt sieben Jahre an der Macht, bricht aber 1974 im Zuge der Zypernkrise zusamMohammed Reza Pahlavi men. *** Am 22.4. beschließt der VII. Parteitag der SED die Einführung der Fünf-Tage-Woche in der DDR. Im Gegenzug werden fünf Feiertage gestrichen. *** Am 2.6. sorgt der Staatsbesuch des iranischen Schahs Mohammed Reza Pahlavi in Berlin für Wirbel. Es kommt zu Demonstrationen und schweren Ausschreitungen. Außerdem wird der Student Benno Ohnesorg vom West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen. Der Regierende Bürgermeister Heinrich Albertz und der gesamte Senat treten daraufhin zurück (26.9.). In der Folgezeit kommt es zu einer Seite

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dert. *** In Newark, New Jersey, beginnen am 12.7. die schwersten Rassenunruhen, die es in den USA bis dahin jemals gegeben hatte und die sich bald auch auf die Südstaaten ausweiten. Am 23.7. kommt es auch in Detroit zu brutalen Rassenunruhen. *** Am 8.8. wird die Asean (= Vereinigung südostasiatischer Staaten) gegründet. Ziel ist die Verbesserung der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Zusammenarbeit, später auch die Lösung von Sicherheits-, Kultur- und Umweltfragen. *** Schweden steigt am 3.9. von Links- auf Rechtsverkehr um – der letzte große Umstieg dieser Art. *** Am 9.9. wird Che Guevara, einer der Anführer der kubanischen Revolution (1956 –1959), von einem Feldwebel der bolivianischen Armee ohne Gerichtsverhandlung Che Guevara erschossen. Das Bild des toten Che trägt später entscheidend zu seinem legendären Ruf bei. *** In Persien finden am 26.10. die Krönungsfeierlichkeiten von Mohammed Reza Pahlavi und seiner Ehefrau Farah Pahlavi statt. Der Schah hatte darauf bestanden, dass seine Frau als Vizekönig regieren solle – ein Novum in der Geschichte des Irans. *** Am 12.12. kursiert die Meldung, dass die DDR-Währung am 1.1.1968 umbenannt werden soll: von „Mark der Deutschen Notenbank" in „Mark der Deutschen Demokratischen Republik". *** In den USA wird am 15.12. der Age Discrimination in Employment Act beschlossen. Laut diesem Gesetz dürfen Personen über 40 Jahre bei der Einstellung und Entlassung aufgrund ihres Alters nicht gegenüber jüngeren Personen benachteiligt werden.

Sport

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Beim Versuch, seinen eigenen Motorboot-Weltrekord von 440 km/h zu brechen, verunglückt der britische Motorboot- und Automobilrennfahrer Donald Campbell am 4.1. auf dem englischen Conistonsee tödlich. Das Rennboot des Abenteurers hatte sich überschlagen. Campbell wurde nur 45 Jahre alt. *** In West-Berlin wird am 8.1. die 15-jährige Monika Feldmann aus Frankfurt/Main deutsche Eiskunstlaufmeisterin. Auch ein Jahr später gelingt dem Teenager dieser Coup. Bei den Olympischen Winterspielen 1968 landet sie allerdings nur auf Platz 10. *** Am 15.1. wird in Los Angeles zum ersten Mal das AFL/NFL-Championship Game ausgetragen, das als Super Bowl in die American-FootballGeschichte eingehen wird und bis heute eines der größten Sportereignisse weltweit ist. In den USA erreicht das Spektakel regelmäßig die höchs­ ten TV-Einschaltquoten des Jahres. Ach ja: Die Green Bay Packers besiegten 1967 die Kansas City Chiefs mit 35:10. *** In der Festhalle in Frankfurt/Main besiegt Karl Mildenberger am 1.2. nach 15 Runden den Italiener Piero Karl Mildenberger Tomasoni und wird Europameister im Schwergewichtsboxen. Der damals 29-Jährige aus Kaiserslautern wird im selben Jahr zum Weltranglistenersten gekürt, nachdem Muhammad Ali jener Titel wegen seiner Wehrdienstverweigerung am 9.5. aberkannt worden war.*** Durch ein 1:0 gegen die Glasgow Rangers gewinnt der FC Bayern München am 31.5. den Europapokal der Pokalsieger. Das Spiel im ausverkauften Nürnberger Stadion am Dutzendteich wird ein harter Fight und erst in der Verlängerung entschieden, als Franz Roth in der 108. Minute den Ball ins Tor schiebt. *** Nach Jahren der Abstinenz vom Siegerpodest gewinnt am 2.7. mit Alwin Schockemöhle auf dem Pferd Pesgoe ein bundesdeutscher Reiter das Meisterspringen des Internationalen Aachener Reitturniers. Ein Jahr später erringt der Meppener Springreiter bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt eine Bronzemedaille. *** Durch ein 6:3, 6:1, 6:1 bezwingt der Australier John Newcombe am 7.7. den Mannheimer Tennisspieler Wilhelm Bungert und gewinnt dadurch den begehrten Wimbledon-Cup. Bungert war nach Gottfried von Cramm erst der zweite Deutsche, der ins Finale des Prestige-Turniers eingezogen war. *** Der britische Radrennfahrer Tom Simpson stirbt am 13.7. auf der 13. Etappe der Tour de France an einem Herzstillstand. Spätere polizeiliche Ermittlungen ergeben, dass Simpson gedopt war. *** Der Weltfußballverband Fifa bestimmt am 2.8. in einer Neuregelung, dass GoodTimes

ein Team bei Länderspielen nicht mehr wie bislang nur aus elf, sondern aus 16 Spielern bestehen darf, fünf davon auf der Ersatzbank, von denen maximal zwei zur Einswechslung bereitstehen. Begründung der Fifa: „Im Falle der Verletzung eines Spielers darf ein neuer aufs Feld kommen." *** Der 22-jährige Belgier Eddy Merckx wird im niederländischen Heerlen auf einem Rundkurs von 13,259 Kilometern Länge zum neuen Straßenweltmeister der Radprofis gekürt. *** Als erste Frau der Welt wirft die Leverkusenerin Liesel Westermann den Diskus über 60 Meter – die gemessene Weite beträgt 61,26 m. Liesel Westermann Diesen Weltrekord stellt sie am 5.11. bei einem Leichtathletikwettbewerb im brasilianischen São Paulo auf. *** Im Fußball-Länderspiel gegen Albanien (17.12.) kommt das deutsche Team nicht über ein 0:0 hinaus. Dadurch scheidet es aus dem weiteren Wettbewerb um die Europameisterschaft frühzeitig aus. In FußballfanKreisen ist bis heute von der Schmach von Tirana" die Rede, weil " das Spiel im Stadion der albanischen Hauptstadt über die Bühne ging.

Funk & Fernsehen

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Kurz nach Jahreswechsel startet der Bayerische Rundfunk am 2.1. ein revolutionäres Projekt namens Telekolleg". Dieses " TV-Studienprogramm führte seine regelmäßigen Teilnehmer bis zur Fachhochschulreife. Dieses vom bayerischen – und mittlerweile auch brandenburgischen – Kultusministerium unterstützte Format existiert bis heute, allerdings wurde es 2002 durch das „Telekolleg MultiMedial" abgelöst. Über 60.000 Zuschauer haben bis heute die Mittlere Reife oder die Fachhochschul­ reife erlangt. *** Großer Auflauf in München am 21.1.: Anlässlich der Bambi-Verleihung werden damalige Stars wie Liselotte Pulver, Heinz Rühmann, Sophia Loren, Pierre Brice oder Gert Fröbe mit dem begehrten Rehkitz ausgezeichnet. Das kleine goldene Tier wurde 1948 von der Publikumszeitschrift „Film-Revue" ins Leben geholt, 1962 wurde es vom Burda-Verlag adoptiert, der bis heute die Rechte daran besitzt. *** Am 5.2. wird in der ARD die erste Folge der TV-Serie Cartoon" ausgestrahlt. Durch die Sendung führt " Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot. Der Humorist stellt bis zur Einstellung des Formats 1972 internationale Zeichentrickfilme vor, zudem interviewt er auf einem heutzutage legendären „Roten Sofa" Karikaturisten aus der ganzen Welt. *** Kaum ist Gerd Bacher am 9.3. zum Generalintendanten des ORF bestellt worden, fällt am 1.10. der Startschuss für die Rundfunkreform in Österreich. An diesem Tag werden die drei bisherigen Hörfunkketten in Ö1 (Kultur, Klassische Musik), Ö3 (Popwelle) und ÖR (Unterhaltung, regionale Berichterstattung) umbenannt. *** Am 21.4. verbannt die griechische Junta vorübergehend Rock- und Popmusik aus den griechischen Radioprogrammen. Sie wird durch Militärklänge ersetzt. *** Trauriger Abschied für Millionen von Fans: Nach über sieben Jahren Ausstrahlung und 51 Folgen ist am 7.6. Schluss mit der beliebten TV-Serie Die Firma Hesselbach". Die " Reihe zeigte perfekt den Alltag einer deutschen Durchschnittsfamilie, gelegentlich etwas altbacken und bieder, aber stets sympathisch. In den Hauptrollen zu sehen war das Ehepaar Karl „Babba" und Marie „Mamma" Hesselbach alias Wolf Schmidt Die Firma " Hesselbach" und Liesel Christ. *** Der auch in Deutschland beliebten griechischen Schauspielerin Melina Mercouri, die in der BRD etwa durch den Spielfilm „Sonntags … nie!" bekannt wurde, wird wegen kritischer Äußerungen, die sie in einer Fernsehsendung über die neue Militärregierung in ihrer Heimat gemacht hatte, am 21.6. die griechische Staatsbürgerschaft aberkannt. Mercouri, die zu jener Zeit im französischen Exil lebt, hat bis zum Ende der Diktatur 1974 große 2/2017

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