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VOICE

Uranabbau auf indigenem Land Verseucht, vertrieben, verschaukelt − Profit auf dem Rücken der Indigenen.


Editorial Atomstrom sei eine saubere Energie, machen uns die Stromproduzenten Glauben. In der Schweiz stehen verschiedene kantonale Abstimmungen zur Atomenergie bevor, und wohl 2013 wird das Schweizer Volk über den Bau von neuen Atomkraftwerken entscheiden (Seite 4). Ein Problemkreis geht in der Debatte meist unter: Woher kommt das Uran, und welche Folgen hat sein Abbau auf Mensch und Umwelt? Was auffällt: In den meisten Regionen, wo Uran abgebaut wird, geschieht dies auf dem Land von Indigenen. Im Niger erfolgt der Uranabbau im Lebensraum der Tuareg, welche grosse Landstriche nicht mehr beweiden können und deren Wasserquellen und Dörfer verseucht sind (Voice 3/2010). In den USA leiden überdurchschnittlich viele Sioux an Lungenkrebs – seit fast 70 Jahren wird dort Uran abgebaut (Seite 5). In Australien liegen die Uran-Vorkommen auf dem Land der Aborigines (Seite 6). Und auch in Indien ist v.a. die indigene Bevölkerung der Adivasi von den verheerenden Folgen des Uranabbaus betroffen, wie der Aktivist Punit Minz uns berichtete (Seite 8 ff.). Allen Fällen ist gemeinsam, dass die Indigenen weder umfassend über die Gefahren des Uranabbaus aufgeklärt worden sind noch ihre Einwilligung zur Nutzung ihres Landes gegeben haben. Solange dies nicht der Fall ist und solange mit dem Uranabbau derartige Schädigungen von Mensch und Umwelt einher gehen und die Firmen die Folgen nicht beheben, lehnt die GfbV die Nutzung der Atomenergie ab. Gerne informiere ich Sie hier auch kurz über interne Entwicklungen: Wir sind Ende Dezember in ein neues Büro in Ostermundigen umgezogen. Wie Sie an dieser Voice sehen, haben wir auch ein neues Logo. Und gerne möchte ich Sie zu unserer Mitgliederversammlung am 12. Mai 2011 einladen (Seite 10).  Christoph Wiedmer, Geschäftsleiter

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist eine internationale Menschenrechtsorganisation, die sich für verfolgte Minderheiten und indigene Völker ­einsetzt. Sie dokumentiert Menschenrechtsverletzungen, informiert und sensibilisiert die Öffentlichkeit und nimmt die Interessen der Betroffenen gegenüber Behörden und Entscheidungsträgern wahr. Sie unterstützt lokale Bemühungen zur Stärkung der Menschenrechte von Minderheiten und indigenen Völkern und arbeitet national und international mit Organisationen und Per­sonen zusammen, die ähnliche Zielsetzungen verfolgen. Die GfbV hat beratenden Status beim Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) der UNO und beim Europarat.

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Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz


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Uranabbau mit verheerenden Folgen

Leben nebem dem Atommüll

Überlebende der Vergewaltigungslager

Für ihre Atomreaktoren beziehen Schweizer Atomkraftwerke den Brennstoff Uran aus dem Ausland. Welche massiven Gesundheits- und Umweltschädigungen der Uranabbau dort bewirkt, ist in der Kampagne der Schweizer Atomindustrie für neue AKW kein Thema.

Punit Minz, Angehöriger der indigenen Adivasi, setzt sich für eine Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen in indischen Uranminen ein und fordert eine angemessene Entschädigung derer, die von ihrem Land vertriebenen wurden.

Während des Krieges in BosnienHerzegowina wurden über 20 000 meist bosniakische Frauen von Karadzics Soldaten, serbischen Nachbarn und Bekannten vergewaltigt und oft monatelang in Konzentrationalagern festgehalten. Ihr Leiden droht in Vergessenheit zu geraten.

Inhaltsverzeichnis

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Uranabbau mit verheerenden Folgen

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Kurzinfos

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Ohne Einverständnis der Indigenen

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GfbV-Projekte und -Kampagnen

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Uranindustrie zerstört Lebensraum der Aborigines

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Überlebende der Vergewaltigungslager

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Interview mit Punit Minz

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Service Bücher, Filme, Ausstellungen

Herausgeberin: Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz, Schermenweg 154, CH-3072 Ostermundigen, Tel. 031 939 00 00, Fax 031 939 00 19, ­E-Mail: info@gfbv.ch, Web: www.gfbv.ch, Spendenkonto: BEKB: IBAN CH05 0079 0016 2531 7232 1  Redaktion: Verantwortlich: Franziska Stocker, Mitarbeit: Rahel Zürrer  Gestaltungskonzept/Layoutsupport: Clerici Partner AG, Zürich  Layout: Franziska Stocker  Titelbild: Yvonne Margarula, Stammesälteste der Mirrar, kämpft seit Jahren gegen den Uranbergbau in Australien (Foto: Dominic O'Brien)  Bild Rückseite: Asurini-Indianer, betroffen vom Bau des geplanten Belo Monte-Staudamms im brasilianischen Amazonas (Foto: Rebecca Sommer)  Erscheinungsweise: vierteljährlich  Auflage: 8200 Exemplare  Abonnement: CHF 30.–/Jahr, Insertionstarif auf Anfrage  Nächste Ausgabe: Jun. 2011, Redaktions- und Inserateschluss: 1. Mai 2011  Copyright: © 2011 Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz. Die Wiedergabe von Artikeln ist bei Angaben der Quelle und Belegexemplaren an die Herausgeberin erlaubt  Druck: gdz AG, Zürich, gedruckt auf FSC-Papier  ZEWO: Die GfbV trägt das ZEWO-Gütesiegel für gemeinnützige Institutionen. Es steht für einen zweckbestimmten und transparenten Umgang mit Spenden.

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4 Uranabbau mit verheerenden Folgen Für ihre Atomreaktoren beziehen Schweizer Atomkraftwerke den Brennstoff Uran aus dem Ausland. Welche massiven Gesundheits- und Umweltschädigungen der Uranabbau dort bewirkt, ist in der Kampagne der Schweizer Atomindustrie für neue AKW kein Thema. Atomkraftwerke werden mit Uran betrieben. Das chemisch und radiologisch giftige Schwermetall wird vorwiegend im Tagebau in Minen abgebaut. U-235, das spaltbare Uranisotop, kommt nur in äusserst geringer Konzentration in den Gesteinsschichten vor. Für ein Kilo reaktorfähigen Materials müssen in der Regel über zwei Tonnen Gestein abgebaut werden. Zurück bleiben 99 Prozent giftige Abfälle, die oft die Umwelt belasten und die Lebensgrundlage der ansässigen Bevölkerung bedrohen.

Sanierung nicht einberechnet Müsste die Atomindustrie für diese Umweltfolgen aufkommen, wäre sie längst

des Uranbergbaus zeigen sich heute in besonders drastischer Weise am Beispiel von Wismut (Ex-DDR, heute Bundesland Sachsen): Bis Ende 2007 kosteten Sanierungsmassnahmen den deutschen Bundeshaushalt insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Für noch ausstehende Aufgaben und die Langzeitüberwachung sind nach Schätzung der Bundesregierung weitere 1,3 Milliarden Euro notwendig. Seit Beginn des Uranerzbergbaus in Sachsen und Thüringen (1946 bis 1999) wurden bereits rund 7700 Lungenkrebsfälle als beruflich bedingt anerkannt (vor allem durch Aufnahme von Radon − einem Zerfallsprodukt von Uran). Uran wird nach Herauslösen des Erzes mit Säuren zu so genannten Yellow Cake und anschliessend in einem komplexen Prozess zu spaltbarem, reaktorfähigen Brennstoff angereichert. Weil diese Technologie identisch ist mit jener zur Produktion von Atombomben, kam es in jüngster Vergangenheit wiederholt zu internationalen Konflikten. In Indien, Pakistan und Nordkorea führte der Weg zur Atombombe über den Handel von Anlagen und Kernmaterialien für vermeintlich zivile Zwecke. Das iranische Atomprogramm ist den Atommächten seit Jahren ein Dorn im Auge.

Foto: © Greenpeace/Fojtu

Radioaktive Gewässer

Atomkraftwerk Gösgen

bankrott. In den USA − vor allem den Gebieten der indigenen Bevölkerung − wurden mehrere Hundert Minen nie saniert (siehe auch Seite 5). Die Folgen VOICE | 1-2011

Die Schweiz benötigt für ihre fünf Atomreaktoren Brennstoff, der rund 350 Tonnen reaktorfähigem Uran entspricht. In den AKW Gösgen und Beznau werden neben plutionumhaltigen Brennstäben vorwiegend solche aus russischer Produk­ tion eingesetzt. Ein Teil des darin enthaltenen Alturans stammt aus der berüchtigten Wiederaufbereitungsanlage Majak im Südural. Durch schwere Unfälle und Freisetzung von Radioaktivität in die Gewässer mussten dort Tausende von Menschen evakuiert werden. Ver-

bliebene Anwohner leiden weiter unter Krebskrankheiten und erhöhten Risiken. Leibstadt und Mühleberg setzen Brennstäbe mit Natururan ein, dessen Herkunft unklar ist. Mühleberg hat bis zum heutigen Tag als einzig gesicherten Herkunftsort die Ranger Mine in Australien genannt (siehe auch Seite 6). Leibstadt setzt in Zukunft auf russische Lieferanten, wobei die Herkunft auch hier nicht restlos geklärt ist. Deshalb fordern Umweltorganisationen wie Greenpeace volle Transparenz und eine Herkunftsdeklaration zum verwendeten Uran sowie den Nachweis, dass bei seinem Abbau weder die Umwelt zerstört noch Menschenrechte verletzt werden. Auch wenn die verbleibenden Uranreserven unterschiedlich beurteil werden: die «fetten» Uranquellen mit hohen Konzentrationen sind praktisch ausgeschöpft. Je niedriger die Konzentrationen, desto teurer und energieaufwändiger der Gewinnungsprozess. Und desto massiver die Umweltschäden. Die Rohstoffkonzerne werden neue Quellen in neuen Ländern erschliessen − mit neuen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen.

Millionenkampagne für AKW Ungeachtet dieses düsteren Bildes rührt die Schweizer Atomindustrie mit Millionenbudgets die Werbetrommel für neue AKW. Bereits wurde die Berner Stimmbevölkerung zur Atomfrage befragt, es folgen im Mai Jura und Waadt. Voraussichtlich 2013 wird das Schweizer Volk das letzte Wort haben über den Neubau von AKW in der Schweiz und hoffentlich mit einem klaren Nein die einzige Antwort geben, die eine nachhaltige Energieversorgung möglich macht: Die Zukunft ist erneuerbar. Stefan Füglister, Atomexperte für Greenpeace

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5 Ohne Einverständnis der Indigenen

Vor der Entstehung der USA und Kanadas lebte die Great Sioux Nation im Herzen des nordamerikanischen Kontinents. Ihr ursprüngliches Territorium erstreckte sich über vierzehn US-Bundesstaaten und Teile von drei kanadischen Provinzen. Anfangs des 17. Jahrhunderts handelten die Sioux erste Abkommen mit Frankreich aus. Der letzte Vertrag wurde 1868 mit den USA am Fort Laramie (heute Wyoming) abgeschlossen. Der Vertrag legte ein bestimmtes geographisches Gebiet für die «uneingeschränkte und unbehelligte Nutzung und Besiedelung» durch die Great Sioux Nation fest. Anfangs der 1940er-Jahre wurde in den heutigen US-Bundesstaaten Montana, Wyoming, North und South Dakota − also im vertraglich zugesicherten Gebiet der Sioux − mit dem Uranabbau begonnen. Dies ohne das Einverständnis der Great Sioux Nation. Bis in die 70er Jahre hinein wurde Uran abgebaut − dann sank der Uranpreis, und 2885 Tagebau-Uranminen und Schürfschächte wurden stillschweigend stillgelegt. Radioaktiver Staub und kontaminiertes Wasser verschmutzen nun schon seit bald 70 Jahren dieses Gebiet. Viele der Flüsse, die durch die Reservate laufen, gehören zu den Trinkwasserquellen der Sioux.

Kein Halt vor heiligen Orten Wiederum ohne das Wissen und das Einverständnis der Great Sioux Nation wurden zwischen den späten 70er- und den frühen 80er-Jahren in den Black Hills über 7000 tiefe Explorationsbohrungen nach Uran durchgeführt. Die Black Hills sind ein heiliger Ort mit vielen Gebetsstätten, indigenen Medizinpflanzen, anderer weltweit einzigartiger Flora und Fauna, und ausserdem beherbergen sie die sterblichen Überreste der Vorfahren der Sioux. Es ist bis heute nicht bekannt, wie viele Grabstätten, heilige Orte und Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz

Foto: Chairmaine White Face

Überdurchschnittlich viele Sioux leiden an Lungenkrebs − wohl als Folge von fast 70 Jahren Uranabbau auf ihrem Land. Die Sioux-Aktivistin Charmaine White Face erklärt, dass ihr Volk weder um ihr Einverständnis gebeten noch über die Risiken des Uranabbaus informiert wurde.

«Achtung: Kein Camping». Nicht länger als einen Tag pro Jahr darf man sich in dem radioaktiv verseuchten Gebiet aufhalten.

Grundwasserleitern durch die über 7000 Explorationsbohrungen beschädigt oder zerstört wurden. Diese Bohrlöcher wurden weder markiert noch abgedeckt − manche sind so gross, dass ein Mensch hineinstürzen könnte, und einige der Bohrlöcher sind bis zu 250 Meter tief. Durch die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung und den daraus resultierenden Krankheiten droht der Great Sioux Nation Völkermord. Die Lungenkrebs rate der indigenen Bevölkerung in den Northern Plains ist mehr als doppelt so hoch wie jene an der Ost- oder Westküste, und sie liegt 30 Prozent über der Rate der gesamten US-amerikanischen Bevölkerung. Lungenkrebs ist einer der Hauptindikatoren für radioaktive Verseuchung. South Dakota und Wyoming erlauben gegenwärtig Uranabbau-Firmen erneut, in das den Sioux vertraglich zugesicherte Gebiet einzudringen und nach Uran zu bohren. Auch dies geschieht wieder ohne Zustimmung der Sioux. Ausserdem sind gegenwärtig sowohl in Wyoming als auch in Nebraska Uranminen in Betrieb.

Die Sioux geben nicht auf Die einzige Forderung der Great Sioux Nation ist die Einhaltung des Vertrags

von 1868. Es darf nicht zugelassen werden, dass die USA ihre genozidale Politik gegenüber den Sioux fortsetzen. Das Gebiet muss von sämtlicher radioaktiver Verschmutzung der Luft, des Bodens und des Wassers gereinigt werden. Die Repräsentanten des Sioux Nation Treaty Council haben sämtliche Rechtsmittel ausgereizt und sie haben seit 1984 ihre Forderungen der UNO immer wieder unterbreitet, ohne dass daraus jemals eine Resolution hervorgegangen wäre. Dennoch werden sie nicht aufgeben und ihre Botschaft weiterhin in die Welt tragen, in der Hoffnung, Gehör zu finden, bevor es zu spät ist: bevor die Great Sioux Nation ausgelöscht ist. Auch die Defenders of the Black Hills, eine Non-Profit-Organisation, die sowohl mit indigenen als auch mit nicht-indigenen Gruppierungen zusammenarbeitet, macht mit Aktionen und Kampagnen auf nationaler und internationaler Ebene auf die verheerende Umweltzerstörung aufmerksam. 2007 wurde der Organisation der Nuclear-Free Future Award in der Kategorie Widerstand verliehen. Chairmaine White Face, Koordinatorin von Defenders of the Black Hills

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6 Uranindustrie zerstört Lebensraum der Aborigines Etwa 30 bis 40 Prozent aller weltweiten Vorkommen lagern in Australiens Böden, ein Grossteil davon im Norden des Landes, dem Northern Territory, wo beinahe jeder dritte der etwa 200 000 Einwohner einem Aborigine-Stamm angehört. Die Ranger-Mine ist die zweitgrösste aktive Uranmine der Welt und liegt im australischen Gebiet Northern Territory. In den letzten 20 Jahren kam es dort immer wieder zu Vorfällen, wo radioaktiv verseuchtes Wasser in die Flüsse gelang. Die Mine wurde gegen den Willen der Mirrar-Aborigines gebaut, welche diese nördliche Gegend Australiens seit Jahrtausenden bewohnen. Yvonne Margarula, Stammesälteste der Mirrar, kämpft seit Jahren gegen den Uranbergbau auf ihrem Land: «Die Regierung hat unsere Wünsche ignoriert und die Ranger-Mine wurde gegen unseren Willen gebaut. Der Uranbergbau hat uns nicht nur unser heiliges Land weggenommen, sondern es auch zerstört.»

weiter. Bereits sind neue Uranmineprojekte auf ihrem Land geplant. Auch wird im Northern Territory immer wieder nach geeigneten Orten für ein Endlager gesucht. Dave Sweeney von der Umweltschutzorganisation Australian Conservation Foundation findet dieses Verhalten bezeichnend: «Natürlich passiert es da, wo die Menschen einen schlechten Zugang zu Internet, modernen Kommunikationsmitteln und den Medien haben.» Neben der Ranger-Mine gibt es derzeit zwei weitere aktive Uranbergwerke in Australien: Olympic Dam und Beverley, beide im Bundesstaat Südaustralien und beide auf Land, welches ebenfalls den Aborigines gehörte.

Jabiluka-Mine gestoppt

Zahlreiche Probleme bestehen bei der Olympic Dam-Mine: Die Absetzbecken, wo 70-80 Mio. Tonnen Abraum gelagert wird, sind schlecht gewartet. Es gibt keinerlei Pläne, was in weiterer Zukunft mit diesem radioaktivem Abfall geschehen soll. Zudem benötigt die Mine täglich 30 Mio. Liter Wasser, welches vom Grossen Artesischen Becken, dem grös-

Foto: Alberto Otero Garcia

Vor zehn Jahren jedoch durften die Mirrar einen Erfolg feiern: Sie verhinderten den Bau der Jabiluka-Mine, die ebenfalls auf ihrem Land hätte entstehen sollen. Die erfolgreiche Kampagne der Mirrar erhielt Unterstützung von Umweltschutzorganisationen und Tausenden Aktivisten. Der Kampf der Mirrar geht jedoch

Irreparable Schäden

Ranger-Mine: von hier stammt das Uran für das Schweizer AKW Mühleberg.

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sten unterirdischen Wasserreservoir der Erde, bezogen wird. Ein einzigartiges, fragiles Ökosystem droht somit zerstört zu werden. Die Beverly-Mine nahm 2001 ihren Betrieb gegen den Willen der indigenen Bevölkerung, der Adnyamathanha, auf. Der Konsultationsprozess wird von Adnyamathanha-Sprecherin Jillian Marsh als unfair bezeichnet. Heathgate Resources, die Firma welche die Mine betreibt, hätte versucht, ihre Gemeinschaft zu spalten, um sie zu schwächen und die kritischen Stimmen verstummen zu lassen. Die Beteuerung seitens der Regierung und der Minenbetreiber, die Region werde nach Beendigung der Minentätigkeiten wieder saniert, ist aus indigener Sicht wertlos, erklärt Marsh: «Für uns Adnyamathana gibt es im Grunde keine Sanierung, denn sobald etwas gestört oder zerstört worden ist, ist es in seiner Urform verschwunden, wie das Land, dem man das Uran auf so drastische Weise entzogen hat. Eine spirituelle und physische Einheit, deren Ganzheit ruiniert ist, kann nie mehr ganz werden.»

Zivilbevölkerung skeptisch Seitdem sich im Jahr 2007 auch die Australian Labor Party positiv gegenüber neuen Uranminenprojekten geäussert hat, ist es für Indigene und Umweltorganisationen zunehmend schwierig, gegen neue Minenprojekte vorzugehen. Die Aborigines beobachten aber, dass sie nicht mehr allein sind mit der Sorge um ihr Land: Statistiken zeigen, dass sich mittlerweile fast 70 Prozent aller Australier gegen die Errichtung neuer Uranminen äussern. Im Gegensatz zur politischen Elite scheint die Zivilbevölkerung nicht mehr bereit zu sein, die Uranindustrie auf Kosten der Aborigines und der Umwelt weiter voranzutreiben.  Rahel Zürrer, GfbV Schweiz Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz


7 Film «Auf Augenhöhe»: Indigene über den Uranabbau Im Kurzfilm berichten fünf indigene Uran-Aktivistinnen aus Niger, Namibia und den USA über ihr Leben mit den tödlichen Hinterlassenschaften des Atombrennstoffs Uran. Der Kurzfilm zeigt Indigene, die alle eine Gemeinsamkeit teilen: Sie bewohnen Gebiete, in denen Uran abgebaut wird und sie setzen sich dafür ein, die Folgen des Uranabbaus publik zu machen und die Schäden zu begrenzen.

«Bei uns fliesst Blut − für das Licht anderer Leute.» Das erzählen zum Beispiel die Tuareg Aghali Mahiya und Azara Jalawi aus dem Niger. Seit mehr als 40 Jahren baut dort der französische Grosskonzern Avera Uran ab. Die Interviewpersonen im Film reden in aller Ruhe über ihre Lage − dabei ist sie erschreckend. Die Minenarbeiter wissen oft nicht, weshalb viele von ihnen krank werden, berichtet die Sprecherin der African Uranium Alliance, Hilda Shindondola-Mote aus Namibia. Manuel F. Pino, Vertreter der Pueblo-Indianer,

spricht über «Umweltrassismus» in den USA: Die Indigenen müssten in den verseuchten Gebieten leben. USA, Niger, Namibia − wo auch immer Uran abgebaut wird, die Folgen sind fatal. Radioaktiver Staub in der Luft verursacht Atemwegserkrankungen, Uran kann in Flüsse gelangen und das Wasser verseuchen. Der Kurzfilm ist eine Produktion der Initiative Strahlendes Klima. Den Film ansehen oder eine DVD bestellen: www.strahlendesklima.de 

Rahel Zürrer, GfbV Schweiz

Interna: Tschüss und Willkommen...

Kaspar Haller

Regula Hafner

Nur ungern haben wir uns Ende 2010 von unseren drei langjährigen Mitarbeitenden Kaspar Haller, Regula Hafner und Nadia Imgrüt verabschiedet. Kaspar Haller war seit Juli 2005 Leiter des Bereichs Politik und Mitglied der Geschäftsleitung. Geprägt hat er insbesondere die GfbV-Kampagnen und -Projekte für Minderheiten im Irak, Iran und der Türkei. Seine fundierten Kenntnisse des Schweizer Politsystems und seine hervorragenden Kontakte kamen ihm hier zupass. In bester Erinnerung bleiben werden uns auch seine überzeugenden Analysen und seine Debattierlust. Regula Hafner, Projektleiterin und Campaignerin seit August 2007, prägte insbesondere unsere Aktivitäten in Afghanistan und im der demokratischen Republik Kongo (DRC).

Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz

Nadia Imgrüt

In Afghanistan unterstützte sie mit viel Beharrlichkeit ein Netzwerk von Menschenrechtsorganisationen beim Aufbau einer tragfähigen Struktur. Mit internationalen Firmen, NGO und Indigenenvertretern verhandelte sie in der DRC erfolgreich über ein verbessertes Mitentscheidungsrecht für Indigene bei der Waldnutzung. Wir werden nicht nur ihre ausgezeichneten Projektmanagement-Kenntnisse, sondern auch ihr sonniges Gemüt vermissen. Nadia Imgrüt schliesslich, seit Oktober 2008 zuerst als Praktikantin, sodann als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der GfbV, verhalf unserer RomaKampagne im Kosovo zum Durchbruch. Unermüdlich setzte sie sich dafür ein, dass rund 200 Roma-Familien, die in einem bleiverseuchten Flüchtlingslager lebten, endlich umgesiedelt wer-

Angela Mattli

Eva Schmassmann

den konnten. Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei Kaspar, Regula und Nadia für ihre hervorragende Arbeit bedanken und wünschen ihnen alles Gute für ihre Zukunft. Wir freuen uns sehr, dass wir im Februar 2011 mit Angela Mattli und Eva Schmassmann zwei neue, äusserst motivierte Mitarbeiterinnen begrüssen durften. Angela Mattli, Politikwissenschaftlerin, NGO- und Politaktivistin, ist Leiterin des neu geschaffenen Bereichs Kampagnen und Projekte. Eva Schmassmann, mit einem Abschluss in internationalen Beziehungen und einem wissenschaftlichen und NGOHintergrund, wird uns als Campaignerin unterstützen. Wir wünschen Angela und Eva viel Erfolg. 

Franziska Stocker, GfbV Schweiz

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8 Leben neben dem Atommüll Punit Minz, Angehöriger der indigenen Adivasi, setzt sich für eine Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen in den indischen Uranminen ein und fordert eine angemessene Entschädigung derer, die von ihrem Land vertriebenen wurden.

Foto: James Albert/GfbV

Herr Minz, Sie setzen sich im indischen Bundesstaat Jharkhand für eine Verbesserung der Situation der indigenen Adivasi ein, welche dort unter den Folgen des Uranabbaus leiden. Wie würden Sie die Situation beschreiben? Im indischen Bundesstaat Jharkhand gibt es heute sieben Uranminen. Neben den Minen gibt es zusätzlich fünf Absetzbecken (Seite 10), wo der giftige Abraum der Minen gelagert wird. Vor allem in der Gegend um die Mine in Jadugoda, die vor 40 Jahren ihren Betrieb aufgenommen hat, gibt es sehr viele Menschen, die an Krankheiten leiden und Kinder, die mit deformierten Körperteilen zur Welt kamen. Man muss wissen, dass es sich um einen langsamen Prozess handelt. Die radioaktive Strahlung zeigt ihre Auswirkung normalerweise nicht nach ein oder zwei Jahren. Deshalb leiden auch in Jadugoda mehr Menschen an solche Krankheiten als bei den andern Minen, die

Arbeiter, die in der Turamdih-Uranmine arbeiten. Sie leben unmittelbar neben den Uranabbaugebieten und Atommülldeponien.

es noch nicht so lange gibt. Ärzte und Wissenschaftler haben Untersuchungen gemacht, aber die Uranium Corporation of India Limited (UCIL), welche für die Minen verantwortlich ist, verneint die Resultate unserer Untersuchungen und unsere Forschungsergebnisse. Das UCIL-Management sagt, dass die VOICE | 1-2011

Werte der radioaktiven Strahlung so gering seien, dass sie keinen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen hätten. Inwiefern leiden Adivasi speziell unter dem Uranabbau? Alle Uranminen in Jharkhand befinden sich auf Land der Adivasi. Jedes Mal wurden heilige Orte der Adivasi zerstört. Laut den Zahlen in einem Bericht der indischen Regierung und gemäss UCIL sind 95 Prozent aller Arbeiter, die in der Uranindustrie arbeiten, Indigene. Meistens haben sie keine dauerhafte Anstellung, sondern arbeiten in befristeten Arbeitsverhältnissen und werden somit zusätzlich ausgebeutet. Besonders im Gebiet der Turamdih-Minen waren Sie in den letzten Jahren mit Ihrer Organisation aktiv. Seit wann wird dort Uran abgebaut? Die UCIL begann 1983/1984 Verhandlungen mit der lokalen Bevölkerung über die Nutzung des Landes. Aber erst seit 2000 ist die Mine vollständig in Betrieb. Am 20. Oktober 2010 organisierte die UCIL und das Departement für Umweltschutz eine öffentliche Anhörung, da die Aufbereitungsanlage in Turamdhi vergrössert werden sollte. Die Adivasi protestierten jedoch derart massiv, dass die Anhörung abgesagt wurde. Der Hauptgrund für diesen heftigen Protest war eine Übereinkunft zwischen der lokalen Bevölkerung und der UCIL von 1983. Dazumal wurde den Adivasi versprochen, dass jeweils zwei bis drei Personen jedes Hauses, das wegen der Turamdhi-Mine abgerissen wurde, eine Arbeitsstelle erhalten würden, sozusagen als Kompensation. Schlussendlich hielt sich die UCIL jedoch nicht an dieses Versprechen. Längst nicht alle Adivasi wurden entschädigt und es wurde auch nicht dafür gesorgt, dass sie in eine sichere Entfernung umgesiedelt wurden. Gibt es positive Entwicklungen, die man dem Uranabbau zurechnen kann? Das hängt davon ab, wie man Entwicklung definiert. Die indische Regierung spricht von Entwicklung, wenn sich Menschen ein TV-Gerät oder ein Motorfahrrad kaufen können. Früher hatten die Menschen keine Motorfahrräder. Dies hat sich geändert. Die indische Regierung misst den Fortschritt also daran. Für uns ist Entwicklung jedoch etwas anderes. Entwicklung findet dann statt, wenn mehr Adivasi ausgebildet werden oder dauerhafte Arbeitsstellen haben. Das ist für uns Entwicklung und davon gibt es keine. Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz


Foto: BIRSA

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Punit Minz, Kampagnenkoordinator der Organisation Bindrai Institute for Research Study and Action (BIRSA)

Welches sind die Hauptprobleme der Adivasi im Zusammenhang mit dem Uranabbau? Oft spricht man über einen Mangel an Informationen, wie beispielsweise über die gesundheitlichen Risiken von radioaktiver Strahlung. Es ist jedoch nicht so, dass die Adivasi nicht wissen, dass radioaktive Strahlung ungesund oder gefährlich ist. Als vor 40 Jahren die Jadugoda-Mine ihren Betrieb aufnahm, da wussten die Menschen noch nichts über die Risiken von Uran. Dazumal waren die Menschen nicht informiert. Heute jedoch wissen die Menschen, was ein Absetzbecken ist. Sie wis-

«Die Leute haben keine andere Wahl, als in den Uranminen zu arbeiten.» sen, dass das Wasser in diesen Absetzbecken radioaktiv ist. Heute sind sie also informiert über die Risiken, die mit Uran verbunden sind, sie haben jedoch keine Wahl. Wenn sie nicht in den Minen arbeiten, haben sie nichts zu essen. Dazu kommt, dass die Absetzbecken zu nahe an den Dörfern gelegen sind. Die Dorfbewohner müssen in diesen Dörfern leben, da sie oftmals weder eine Entschädigung erhielten noch vernünftig umgesiedelt wurden. In Jharkhand haben wir während der Monsunzeit heftige Regenfälle. Folglich überschwemmen diese Absetzbecken und das kontaminierte Wasser verschmutzt die Felder und das Grundwasser, welches die Dorfbewohner benutzen. Gibt es eine Entschädigung für die Adivasi, wenn sie ihre Häuser wegen einem Uranmineprojekt verlassen müssen? Als die Arbeiten für die Turahmdi-Mine 1983 begannen, erhielten einige Bewohner noch eine Entschädigung. Nach einigen Jahren jedoch wurden an Menschen, die erneut umgesiedelt werden mussten, keine Entschädigung mehr ausbezahlt. Wichtig im Zusammenhang mit Kompensationen ist auch die Frage, wie die Beträge festgelegt werden. Die Entschädigungsbeträge wurden 1983 fixiert. Wir leben jetzt aber in einer anderen Zeit. Wenn Menschen heute umgesiedelt werden, sollten sie eine angemessene Entschädigung aufgrund der Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz

heutigen Lebenskosten erhalten. Die Entschädigungsbeiträge der UCIL variieren zudem je nachdem, ob das Land für landwirtschaftliche Zwecke benutzt wird oder als reine Wohnfläche gilt. Falls das Land als landwirtschaftliche Nutzfläche deklariert wird, sind die Entschädigungsbeiträge relativ hoch. Wo dies nicht der Fall ist, sind sie tief. Aber wie entscheidet die UCIL, ob Land zu landwirtschaftlichen Zwecken benutzt wurde oder nicht? Das Land bildete immer schon die Lebensgrundlage der Adivasi. Sie sind davon abhängig. Welches sind die Forderungen Ihrer Organisation? Für uns ist klar: Internationale Normen und Standards betreffend der Entsorgung von radioaktivem Abfall müssen eingehalten und von unabhängiger Stelle überprüft werden. Mit dieser Forderung haben wir uns mehrfach an das UCIL-Management gewendet. Sodann müssen die Menschen, welche in der Umgebung von Atommülldeponien oder Absetzbecken leben, in sichere Entfernung umgesiedelt werden und eine angemessene Entschädigung erhalten. Zuletzt, und dies ist vielleicht unsere Fortsetzung Seite 10

Wer sind die Adivasi? Indiens Ureinwohner, die Adivasi, stellen mit mehr als 95 Mio. Menschen die grösste indigene Gruppe weltweit. Indiens Urbevölkerung hat von der Unabhängigkeit des Landes nicht profitiert. Die meisten Adivasi leben unterhalb der Armutsgrenze und werden im Alltagsleben trotz anders lautender Gesetze systematisch diskriminiert und marginalisiert. Grossprojekte, wie der Bau von Staudämmen sowie Berg- und Stahlwerke haben zur Vertreibung hunderttausender Adivasi geführt. Systematisch werden ihre traditionellen Landrechte von den Behörden und Grossunternehmen ignoriert und verletzt. Der Bundesstaat Jharkhand ist mehr als doppelt so gross wie die Schweiz. Die 30 verschiedenen Adivasi-Gruppen stellen 27 Prozent der 30 Mio. Bewohner. Vor der Unabhängigkeit Indiens waren die Adivasi mit mehr als 50 Prozent der Einwohner die grösste Bevölkerungsgruppe in Jharkhand. Sie leben in der Region seit mehr als 2500 Jahren.

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10 Minderheiten und 1

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Fortsetzung von Seite 9

wichtigste Forderung, müssen Kultstätten und heilige Orte der Adivasi erhalten bleiben und dürfen nicht durch Minenprojekte zerstört werden.  Interview: Rahel Zürrer, GfbV Schweiz

Hochgiftige Absetzbecken Der Abraum in den Absetzbecken − künstlich angelegten Teichen − enthält noch 80 Prozent der ursprünglichen Radioaktivität des Erzes. Hinzu kommen die Rückstände der Säuren, mit denen das Uran ausgewaschen wurde. Die Becken sind meist weder eingezäunt noch abgedeckt. So verdunstet im Verlauf der Trockenzeit das Wasser und der Wind kann den giftigen Staub in die Umgebung verteilen. Während der Monsunzeit laufen die Becken häufig über, so dass sich ihr Inhalt in den nächstliegenden Fluss ergiesst. Da der Boden der Absetzbecken nicht abgedichtet ist, können die Giftstoffe ausserdem ins Erdreich sickern. Nach dem indischen Atomgesetz sind Siedlungen innerhalb eines Radius von fünf Kilometern um Atommülldeponien und Absetzbecken mit nuklearem Abraum nicht erlaubt. Dies wird aber oftmals nicht eingehalten. So befinden sich zum Beispiel in Jadugoda sieben Dörfer innerhalb eines Umkreises von 1,5 Kilometern.

Kurzinfos Einladung zur Mitgliederversammlung Wir möchten die Mitglieder der GfbV herzlich zur Mitgliederversammlung 2011 und zu einem anschliessenden Apéro in unserem neuen Büro in Ostermundigen einladen. Traktanden: 1. Begrüssung durch GfbV-Präsidentin Ruth-Gaby Vermot-Mangold 2. Genehmigung des Protokolls der Jahresversammlung 2010 3. Kenntnisnahme des Jahresberichts 2010 4. Rückblick und Ausblick durch Geschäftsleiter Christoph Wiedmer 5. Genehmigung der Jahresrechnung 2010 6. Vorlage des Revisionsberichts 2010, Décharge des Vorstands und Auftrag zur Erstellung des Revisionsberichts 2011 7. Wahlen des Vorstands/Präsidiums

Foto: Tirthraj Biruly/BIRSA-MMC,

Wir bitten die Mitglieder, sich bis zum 5. Mai zur Jahresversammlung anzumelden. Alle nötigen Unterlagen senden wir Ihnen dann gerne per Post oder E-Mail. Weitere Informationen zum Rahmenprogramm entnehmen Sie bitte zu einem späterem Zeitpunkt unserer Website. Tamilische intern Vertriebene im Lager «Menik Farm», Distrikt Vavuniya, Sri Lanka, April 2009.

Datum: 12. Mai 2011 Zeit: 19.00 Uhr, Ort: Geschäftsstelle der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Schwermenweg 154, 3072 Ostermundigen. Anmeldung: info@gfbv.ch, Tel. 031 939 00 00

Talsa-Absetzbecken bei den Turamdih-Minen.

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China: Uigure in Foltergefahr Ablikim Abdiriyim, Sohn der uigurischen Menschenrechtlerin Rebiya Kadeer, wird Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz


11 indigene Völker in aller Welt 3

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1. Tuareg, Mali (Foto: Emilia Tjernström) 2. Kurdin, Türkei (Foto: Antonio Perez Rio) 3. Quechua, Peru (Foto: Nathan Gibbs) 4. Tibeterin, China (Foto: Mike Chan)

laut Angaben seiner Familie in einem Gefängnis in der Autonomen Uigurischen Region Xinjiang gefoltert. Seinen Aussagen zufolge wurde er am 3. November 2010 in Einzelhaft überführt, nachdem er Zeuge eines Vorfalls wurde, den die Behörden geheim halten wollten. Seither verschlechtert sich sein gesundheitlicher Zustand zunehmend. Ablikim Abdiriyim wurde im April 2007 wegen der «Anstiftung zu und Beteiligung an separatistischen Aktivitäten» zu neun Jahren Haft verurteilt. Grund war die Verbreitung von Artikeln über das Internet. Laut Informationen der staatlichen Medien waren seine Rechte während des Verfahrens geschützt. Ausserdem soll er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe gestanden haben. Seine Familie bestreitet jedoch diese Angaben und erhebt den Vorwurf, dass jegliche «Geständnisse» wahrscheinlich durch Folter erzwungen wurden.

setz gibt der Schweiz grössere Kompetenzen, diese schwersten aller Straftaten zu ahnden, selbst wenn sie im Ausland ausgeführt worden sind. Quelle: GfbV Schweiz

Quelle: OSCE Mission in Kosovo, Municipal responses

Kosovo: Roma-Rückkehr überfordert Gemeinden und Städte Die «freiwillige» oder erzwungene Rückkehr von Tausenden von Roma aus westeuropäischen Ländern (besonders Frankreich und Deutschland) stellt den Kosovo vor grosse Probleme. Eine Studie der OSZE-Mission zeigt, dass die lokalen Behörden (sog. municipalities) im Kosovo für Reintegration und Rückkehr nur sehr mangelhaft gewappnet sind. Die grössten Schwächen sind ungenügender politischer Wille, die Minderheitsangehörigen überhaupt reintegrieren zu wollen, fehlende Planung und Finanzen sowie Mangel an Koordination und Zusammen-

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Foto: Göpf Berweger

Quelle: Amnesty International

Schweiz: Neue Gesetzgebung erlaubt Kampf gegen Straflosigkeit Seit dem 1. Januar 2011 verfügt die Schweiz über eine neue Gesetzgebung, die es ihr erlaubt, Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen wirksam zu ahnden. Das Gesetz verankert namentlich den Tatbestand der Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Schweizer Strafgesetzbuch, es präzisiert die Definition von Kriegsverbrechen und es beauftragt die Schweizer Staatsanwaltschaft, diese Verbrechen zu verfolgen. Das neue Ge-

gungsmöglichkeiten gibt und dass sie zu Gesundheitsdiensten, Unterstützungsund Bildungsmöglichkeiten nur schwer zugelassen werden. Dazu kommen Sicherheitsängste und eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit.

arbeit zwischen den Instanzen. Dies alles auf dem Hintergrund, dass die RomaRückkehrerInnen nur sehr begrenzten Zugang zu (Grund-)Eigentum haben, da viele ihrer Häuser im Krieg zerstört wurden, dass es für sie kaum Beschäfti-

to displacement and returns in Kosovo, Prishtina, November 2010

USA: Protest gegen neue Uranminenprojekte am Grand Canyon Die Denison Mines Corporation, ein kanadischer Bergbaukonzern, plant drei weitere Uranminen in der Nähe des Grand Canyons. Trotz Protesten der indigenen Bevölkerung der Region, nahm dort bereits im Jahr 2009 die Arizona-1Mine ihren Betrieb auf. Der Grand Canyon gilt als traditionelles Stammesgebiet der Havasupai und der Hualapai. Obwohl beide Indianervölker in ihren Reservaten den Uranbergbau verboten haben, können die US-Behörden Uranbergbaulizenzen in den Nachbargebieten vergeben. Die Navajo-Indianer in New Mexiko leiden bis heute unter den Folgen des Uranbergbaus, der in ihren Gebieten in den 1940er-Jahren startete. Ungefähr 30 Prozent aller Navajo haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Betroffene Indigene kämpfen nun gegen die geplanten Uranminen und erwarten von den amerikanischen Behörden, Mensch und Umwelt vor wirtschaftliche Interessen zu stellen und keine weiteren Uranminenprojekte nahe des Grand Canyons zu erlauben. Quelle: Indigenous Action Media

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GfbV-Projekte

Foto: GfbV/Dzafer Buzoli

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Brasilien: Recherchen der GfbV und der brasilianischen Umweltorganisation Kanindé deckten im Herbst 2010 auf, dass mit dem geplanten Bau des Megastaudamms Belo Monte eine gewaltige Industrialisierungswelle im Herzen des Amazonas eingeleitet werden soll, welche sowohl die in Reservaten lebenden Indigenen wie auch unkontaktierte Indigene bedroht. Die GfbV und Kanindé, unterstützt von 12 weiteren Nichtregierungsorganisationen, reichten deshalb im Dezember 2010 eine Beschwerde bei der brasilianischen Bundesanwaltschaft ein. Darin forderten sie diese unter anderem auf, den Bau des Belo Monte-Staudamms bis auf weiteres zu sistieren.

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Foto: GfbV/Flavia Fries

Foto: Rebecca Sommer

Kosovo: Jugendliche Roma sind im Nachkriegs-Kosovo besonders stark von Armut und Perspektivenlosigkeit betroffen. Ihre speziellen Bedürfnisse und Anliegen werden jedoch oft nicht wahrgenommen. Im November 2010 führte die GfbV mit neun jugendlichen Roma aus den fünf Haupt­ regionen Kosovos, welche sich als Lehrer, Jugend- und Sozialarbeiter bereits seit längerem für ihre Gemeinschaften engagieren, einen Workshop durch. Ziel war es, sie untereinander zu vernetzen und mit Know-How zu unterstützen. Als junge Leader könnten sie künftig eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Roma-Gemeinschaften spielen. Am Workshop ist die Idee entstanden, eine nationale Jugendorganisation zu gründen, welche sich für die Belange von jugendlichen Roma in Kosovo einsetzen könnte.

Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz


Foto: GfbV/Rahel Zürrer

und -Kampagnen

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Iran: Zahlreiche iranische Minderheiten haben 2005 eine gemeinsame Initiative zur besseren Integration von Minderheiten in einem künftigen Iran gestartet. Im Rahmen dieser Initiative organisierte die GfbV im Dezember 2010 ein Seminar am Institut für Föderalis­‑ mus in Fribourg, an welchem zwölf Vertreterinnen und Vertreter verschiedener iranischer Minderheiten (da‑ runter Kurden, Belutschen und Araber) das schweizerische Föderalismusmodell näher kennenlernen konnten. Ziel des Seminars war es, über mögliche föderalistische Modelle für einen künftigen Iran zu diskutieren.

Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz

Foto: UNHCR/B. Alaj

China: Seit Anfang 2011 verhandelt die Schweiz mit China über ein Freihandelsabkommen. Die GfbV verlangte im November 2010 gemeinsam mit weiteren Organisationen sowie der bekannten uigurischen Menschenrechtlerin Rebiya Kadeer vom zuständigen Bundesrat Schneider-Ammann, dass dieses Abkommen die Menschenrechte respektiert und fördert. Schweizer Unternehmen dürfen nicht von den tiefen Menschenrechtsstandards in China profitieren. Denn das Freihandelsabkommen soll nicht nur ein Erfolg für die Schweizer Wirtschaft werden, sondern muss auch zur Verbesserung der Menschenrechtssituation in China beitragen.

Sri Lanka: Die GfbV forderte im Dezember 2010 in einer Eingabe an die UNO-Expertenkommission ­ für Sri Lanka eine unabhängige Untersuchung der Kriegsverbrechen, welche von Seiten der srilankischen Streitkräfte sowie der Tamil Tigers begangen worden sind. Die Expertenkommission soll UNOGeneralsekretär Ban Ki Moon beim weiteren Vorgehen bezüglich der mutmasslichen Verletzungen des humanitären Völkerrechts in der letzten Phase des srilankischen Bürgerkriegs beraten. Die GfbV ist davon überzeugt, dass genügend Beweismaterial vorliegt, um eine Untersuchung einzuleiten.

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14 Überlebende der Vergewaltigungslager Während des Krieges in Bosnien-Herzegowina wurden über 20 000 meist bosniakische Frauen von Karadzics Soldaten, serbischen Nachbarn und Bekannten vergewaltigt und oft monatelang in Konzentrationalagern festgehalten. Ihr Leiden droht in Vergessenheit zu geraten. Zahlreiche Frauen wurden in Vergewaltigungslagern wie in Foca, Sokolac, Visegrad, Brcko, Vlasenica, Vogosca und Prijedor getötet oder erlagen schweren Verletzungen. Andere wurden durch die wiederholten Vergewaltigungen in den Lagern schwanger. Bei ihrer Freilassung waren die Schwangerschaften oft schon weit fortgeschritten, so dass ein Schwanger­schaftsabbruch nicht mehr möglich war. Viele dieser Kinder wurden zur Adoption freigegeben.

Vergessene Opfer

Foto: Yvonne Bangerr/GfbV

Die überlebenden Vergewaltigungsopfer gerieten nach dem Krieg weitgehend in Vergessenheit. Erst die 1999 gegründete Frauensektion vom Verband der ehemaligen Lagerinsassen im Kanton Sarajevo durchbrach das Schweigen um die Opfer der systematischen Vergewaltigungen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat uns bei dieser wichtigen Arbeit besonders unterstützt. Sie setzte sich gemeinsam mit anderen Organisationen in Bosnien-Herzegowina für eine rechtliche Anerkennung der Vergewaltigungsopfer ein. Denn als zivile Opfer des Krieges wurden ihre Leiden lange in keinem Gesetz berücksichtigt. Sie erhielten weder Unterstützung noch staat-

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liche Subventionen. 2006 wurden daraufhin die Vergewaltigungsopfer zumin­dest in einem Teil des Landes, der Föderation Bosnien und Herzegowina, als zivile Kriegsopfer gesetzlich anerkannt. Ein Teil der Frauen erhielt wegen ihrer Arbeitsunfähigkeit von da an auch eine monatliche Rente.

Täter bleiben oft unbestraft Auf Landesebene dauert der Kampf für diese Anerkennung jedoch noch immer an. Besonders schwierig ist die Situation für die Vergewaltigungsopfer, die in die Republika Srpska − den serbisch kontrollierten Teil Bosniens − zurückgekehrt sind: Ihnen fehlt noch immer jegliche Hilfe. In der Republika Srpska bekommen nur serbische Kriegsopfer finanzielle Unterstützung. Unter anderem deshalb ist eine Rückkehr für die meisten nicht-serbischen Frauen in ihre Heimatorte unvorstellbar. Zudem wohnen dort noch immer die Peiniger der Frauen. Sie leben auf freiem Fuss und einige von ihnen führen wichtige Ämter bei Gemeinden, der Polizei oder im Justizwesen aus. Die serbischen Vergewaltiger und Folterer wurden für ihre Verbrechen meist nicht bestraft und damit das so bleibt, bedrohen sie ihre früheren Opfer

Nähkurse als Therapie: Beim Nähen können sich die Frauen über ihre Erfahrungen austauschen und Traumata verarbeiten.

massiv, sobald sie sich in ihre einstige Heimat zurückwagen. Deshalb leben die meisten Vergewaltigungsopfer als Vertriebene in Sarajevo und anderen Städten Zentralbosniens − meist in provisorischen Wohnverhältnissen. Etwa 80 Prozent der betroffenen Frauen haben ihre Ehemänner oder andere männliche Verwandte im Krieg verloren. Sie sind zu 90 Prozent arbeitslos und haben mehrheitlich kein regelmässiges Einkommen. Und trotz der schweren Traumata, unter denen fast alle Frauen leiden, erhalten sie weder eine angemessene psychotherapeutische Behandlung noch sind sie in der Lage, die medizinische Betreuung selbst zu finanzieren.

Gegenseitige Unterstützung In der Frauensektion vom Verband der ehemaligen Lagerinsassen haben sich etwa 1000 Frauen zusammengeschlossen, die alle Opfer von Vergewaltigung, Folter und Misshandlung waren. Den traumatisierten Frauen ist es eine grosse Hilfe, sich in unseren Räumen regelmässig treffen und über ihre Leiden während des Krieges sowie heutige Probleme sprechen zu können. In diesem Kreis ist es uns möglich, ohne Scham über das Erlebte zu sprechen, uns auszuweinen und Ratschläge und Erfahrungen auszutauschen. Wir bieten den Frauen unter anderem einen Näh- und Schneiderkurs an, um sie zu beschäftigen und ihnen langfristig eine Perspektive zu ermöglichen. Unsere gemeinsamen Aktivitäten haben sich als wahre Therapie erwiesen, denn diese Momente erinnern die Betroffenen an Zeiten, als sie noch glücklich und sorgenlos mit ihren Liebsten zusammenlebten. Enisa Salcinovic, Präsidentin der Frauensektion beim Verband der ehemaligen Lagerhäftlinge und Mitglied des Vorstandes der GfbV Bosnien.

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15 Service Schweiz: «Jung und Jenisch» Ein Dokumentarfilm über junge Schweizer Jenische, die trotz vieler Hindernisse ihre Kultur leben. Er geht der Frage nach, warum immer mehr junge Schweizer Fahrende wieder unterwegs sind und wie ihre Zukunft aussieht. Der Film begleitet Pascal, Miranda, Jeremy und Franziska. Sie sind zwischen 17 und 25 Jahre alt und in eigenen Wohnwagen unterwegs.

Karoline Arn,

der Schweiz und besonders Geschichten von Menschen, die in mehreren Welten leben. In seinem neuen Roman «Der Hochzeitsflug» trifft die traditionelle Welt des Dorfes in der Heimat der Eltern auf die Welt eines jungen Mannes namens Beyto in der Schweiz. Beyto hält seine Liebesgeschichte mit Manuel vor seinen Eltern geheim. Als er mit seiner Cousine verheiratet werden soll, spitzt sich das Drama zu. Yesilöz erzählt von Beytos Einsamkeit im Strudel der Gefühle, zwischen Respekt gegenüber den Eltern und Auflehnung, mit Sympathie für die Cousine und konfrontiert mit den Erwartungen seines Schweizer Geliebten.

Schweiz, 2010.

Yusuf Yesilöz: Der Hochzeitsflug, Limmat Verlag,

DVD erhältlich bei

März 2011.

www.praesensfilm.ch

Lesung: 9. März 2011, 20 Uhr, ONO Bühne, Bern,

Georgien: «The Other Bank» Seit Beginn des georgisch-abchasischen Krieges ist Tedo von seinem Vater getrennt, langsam hat der 12jährige genug davon, das Leben eines Flüchtlings zu führen. Er arbeitet hart in einer Autowerkstatt bei Tiflis − trotzdem reicht das Geld nicht, das er und seine Mutter, eine Verkäuferin, verdienen. Als er entdeckt, dass seine Mutter sich aus Geldnot Fremden anbietet, reicht es ihm: Tedo begibt sich ins gefährliche Krisengebiet Abchasiens, um seinen Vater zu suchen und überschreitet auf seiner Reise nicht nur politische, sondern auch emotionale Grenzen.

Eintritt: CHF 15.-/10.-

The Other Bank, George Ovashvili, Georgien, 2010.

Jung und Jenisch, Martina Rieder und

temtier, ab 10. Februar 2011. Museum NONAM, Seefeldstrasse 317, Zürich.

Filmstart: 17. März 2011.

Landstrasse zum Sprecher der Fahrenden − Das Schicksal des Robert Huber. Orell Füssli Verlag, 2010.

Kurdistan/Schweiz: Lesung von Yusuf Yesilöz «Der Hochzeitsflug» Yusuf Yesilöz erzählt Geschichten aus der Türkei, aus Kurdistan und

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Sibirien: «Die Frau am See − Ein Liebesmärchen aus der Tundra» Gatle und Lollo erkennen schon als Jungs, welches der bedeutendste Teil ihres Körpers ist − und brennen darauf, ihn einzusetzen. Bald ist kein weibliches Wesen der Tundra vor ihnen sicher. Da erteilt ihnen der Schamane Tschenko eine Lehre: Er verstösst sie aus der Siedlung und macht sie zu Männlein, kaum grösser als das letzte Glied des kleinen Fingers. Der Autor Juri Rychtëu ist der erste Schriftsteller des Volkes der Tschuktschen mit zwölftausend Menschen und wurde zu einem berufenen Zeugen einer bedrohten Kultur.

indigene Nordamerika in seiner kulturellen Vielfalt näher gebracht. Denn von der Eiswüste im Norden bis zu den Sandwüsten im Südwesten leben Indianer, Inuit und Métis unter äusserst unterschiedlichen topografischen und klimatischen Bedingungen. Diese bestimmen ihr Leben und prägen ihre Kulturen. Dauerausstellung: Von Lachsmenschen und Regenmachern. Sonderausstellung: Von Lebertran bis To-

Cover: Unionsverlag

Willi Wottreng: Zigeunerhäuptling: Vom Kind der

Nordamerika: «Von Lachsmenschen und Regenmachern» In der Dauerausstellung des Zürcher Nordamerika Native Museums (NONAM) wird den BesucherInnen das

Bild: NONAM

Schweiz: «Zigeunerhäuptling: Vom Kind der Landstrasse zum Sprecher der Fahrenden» Robert Huber war ein Opfer der «Aktion Kinder der Landstrasse», wie eines der dunkelsten Kapitel der jüngeren Schweizer Geschichte bezeichnet wird. Von 1926 bis 1972 entriss die Stiftung Pro Juventute Hunderte Kinder ihren Eltern, um sie der Kultur der Fahrenden zu entfremden. Robert Huber ging daran nicht zu Grunde, sondern fand schrittweise den Weg zurück zu seinen Wurzeln. Seine Lebensgeschichte steht stellvertretend für die Geschichte der Jenischen und ihres erwachenden Selbstbewusstseins in der Schweiz.

Juri Rychtëu: Die Frau am See − Ein Liebesmärchen aus der Tundra. Unionsverlag, 28. Februar 2011.

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Eine Stimme für Verfolgte. www.gfbv.ch

Ja, ich möchte die Gesellschaft für bedrohte Völker unterstützen. Ich werde Mitglied und erhalte die Zeitschrift «Voice» (Mitgliederbeitrag ab CHF 60.–) Ich möchte meine Mitgliedschaft mittels Lastschriftverfahren begleichen. Bitte senden Sie mir ein entsprechendes Formular. Ich möchte der GfbV eine Spende überweisen. Bitte senden Sie mir einen Einzahlungsschein. Ich möchte die Zeitschrift «Voice» abonnieren (Jahresbeitrag CHF 30.-) Meine Adresse: Vorname Name Strasse PLZ/Ort Telefon E-Mail Bitte Talon abtrennen und zurücksenden an: Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Schermenweg 154, CH-3072 Ostermundigen T +41 (0)31 939 00 00, F +41 (0)31 939 00 19, E-Mail info@gfbv.ch, www.gfbv.ch, Spendenkonto: Berner Kantonalbank (BEKB): IBAN CH05 0079 0016 2531 7232 1

Voice 1/2011  

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