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Emmi: Aufregung im Kindergarten - 9783957341709

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Bärbel Löffel-Schröder

ten für Kinder h ic h c s e g ch a m t u M

Aufregung im Kindergarten


Die Mutprobe

Emmi fühlt sich ein bisschen komisch. Klar, sie möchte Räuberprinzessin sein. Sie möchte auch gern mitspielen. Aber vor allem will sie den Jungs zeigen, dass sie mutig ist. Deshalb wird sie es wirklich tun. Sie wird das Armband von Ronja wegnehmen und es in die Räuberhöhle bringen. Im Geheimen nennt sie sich Emmi, die Räuberprinzessin. Der Name gefällt ihr. Sie läuft durch den großen Gruppenraum. Heute ist ganz schön was los. Der kleine Henry schreit nach seiner Mama. Lukas versucht ihn zu trösten. Janina, die andere Erzieherin in Emmis Gruppe, bastelt mit einigen Kindern Fensterbilder. Emmi guckt in den Waschraum. Er ist ganz leer. Sie schaut sich nach allen Seiten um. Niemand ist zu sehen. Tapp, tapp, tapp. Mit leisen Schritten läuft Emmi in den Waschraum. Da liegt ja Ronjas Armband auf dem

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Waschbecken. Jetzt schnell. Emmi streckt ihre Hand aus und steckt das Armband in die Tasche ihrer Jeans. Sie überlegt. Ist das Klauen, wenn sie das Armband mitnimmt? Aber als Räuberprinzessin muss sie den Jungen ja einen Schatz bringen. Oder? Ben und Max schauen Emmi gespannt an, als sie zurück in den Wölkchen-Raum huscht. „Und? Hast du das Armband?“, fragt Max. Er redet ein bisschen zu laut. „Pssst, sei doch still“, ermahnt ihn Emmi. Sie zieht das Armband aus der Tasche. Ben und Max nicken. „Cool“, meint Ben. „Du hast die Mutprobe bestanden.“ „Ja“, stellt Max fest, „jetzt gehörst du zu unserer Räuberbande.“ Alle drei Kinder krabbeln unter den Tisch und schauen ihre Schätze an. Ben kichert. „Buhuuu, schöne Räuberschätze.“ Max nickt. „Wir sind eine obercoole Bande.“ Plötzlich hört Emmi ihren Namen. Sie guckt unter dem Tisch hervor. Oh Schreck, da steht ja Ronja. Genau vor ihrer Räuberhöhle. Emmi sieht gerade noch, wie Ben das Armband von Ronja hinter seinem Rücken versteckt. Sie krabbelt aus der Höhle heraus. „Was ist denn, Ronja?“, fragt sie. Ronja guckt gar nicht fröhlich. „Emmi, kannst du mir helfen?“ „Helfen? Wobei denn?“, fragt Emmi. Aber eigentlich weiß sie es schon. Bestimmt sucht Ronja ihr Armband. Ja, so ist es.

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In Ronjas Augen blitzen ein paar Tränen. „Emmi, mein Armband ist weg. Ich hatte es im Waschraum abgemacht und jetzt wollte ich es wiederholen. Und da war es auf einmal nicht mehr da.“ Emmi spürt, wie es in ihr heiß wird. Oh Schreck, was soll sie nur sagen? Sie guckt hinter sich. Ben und Max schütteln den Kopf und gucken Emmi sehr streng an. Sie soll nicht verraten, dass das Armband in der Räuberhöhle ist. Was soll sie nur tun? Wenn sie Ronja sagt, wo ihr Armband ist, werden Ben und Max sich ärgern. Und dann darf Emmi bestimmt keine Räuberprinzessin mehr sein. Und wenn sie nichts sagt? Ronja fasst nach Emmis Hand. „Emmi, das Armband hab ich von Oma und Opa bekommen. Bestimmt sind sie traurig, wenn es weg ist. Hilfst du mir beim Suchen? Sie zieht Emmi hinter sich her. Die beiden Mädchen laufen Hand in Hand in den Gruppenraum. Jetzt weint Ronja sogar ein bisschen und sagt: „Hoffentlich finden wir es. Im Waschraum ist es wirklich nicht. Da hab ich schon überall geguckt.“ Plötzlich hört sie auf zu weinen. „Ach, vielleicht habe ich es in der Puppenecke verloren. Komm, wir suchen zusammen.“ Die beiden Mädchen laufen in die Puppenecke. Ronja schaut überall nach. Im Puppenbett, im Arztkoffer, sogar im Kinderherd. Klong, klong. Sie nimmt sogar die Deckel von den Töpfen hoch. Auf einmal sagt sie: „Ach, Emmi,

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vielleicht ist mein Armband ja in der Butterbrottasche. Ich gucke mal nach.“ Emmi bleibt allein zurück, als Ronja in ihrer Tasche wühlt. Ihr ist so komisch zumute. „Lieber Jesus“, betet sie leise. „Das ist jetzt schwierig. Wenn ich Ronja verrate, wo das Armband ist, kann ich nicht mehr Räuberprinzessin sein. Denn dann sagen Ben und Max, dass ich nicht mutig genug bin. Was mache ich nur?“

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Emmis Gedanken wirbeln wild durcheinander. Doch auf einmal weiß sie es. Es ist kein richtiger Mut, etwas wegzunehmen. Oder es heimlich zu verstecken. Richtig mutig ist es, wenn Emmi Ronja sagt, wo das Armband ist. Auch wenn sie dann keine Räuberprinzessin mehr sein kann. Emmi will das Richtige tun. Sie wird Ronja das Armband zurückgeben. Sie läuft in den Wölkchen-Raum und krabbelt unter den Tisch. Dabei muss sie sich an Ben und Max vorbeidrängeln. „Was machst du denn, Emmi?“, fragt Max. „Wenn du das Armband zurückgibst, dann bist du nicht mutig. Dann bist du ein Angsthase.“ Emmi schüttelt den Kopf. „Quatsch, Max. Ich bin kein Angsthase. Ich bin sogar sehr mutig. Denn ich gebe was zurück, was mir nicht gehört. Damit du’s weißt.“ Sie fühlt sich gut, als sie mit dem Armband in der Hand auf Ronja zuläuft. Die Freundin schaut sie verwundert an. „Emmi, wo hast du denn mein Armband her?“ Emmi guckt auf den Boden. „Öhm, Ronja, wir hatten es in unserer Räuberhöhle.“ „Ach so“, meint Ronja. „Warum hast du das denn nicht gleich gesagt? Danke, Emmi.“ Emmi freut sich. Es war schön, Räuberprinzessin zu sein. Aber noch schöner ist es, mutig das Richtige zu tun.

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