Andreas Felger · Andreas Kopp
FESTZEITEN SINNBILDER RUND UMS KIRCHENJAHR
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Inhalt Das Kirchenjahr: „Heilsame Relecture“ der Zeit................... 6 Advent ................................................................................................... 8 Weihnachten ...................................................................................... 16 Jahreswechsel .................................................................................... 24 Karfreitag.............................................................................................. 30 Ostern ................................................................................................... 38 Hirtensonntag ................................................................................... 46 Christi Himmelfahrt ....................................................................... 52 Pfingsten .............................................................................................. 60 Trinitatiszeit ........................................................................................ 76 Ewigkeitssonntag ............................................................................. 84 Quellen- und Bildnachweise ....................................................... 92 Viten ...................................................................................................... 93
Das Kirchenjahr: „Heilsame Relecture“ der Zeit Liebe Leserinnen, liebe Betrachter dieses Buches, ein wenig aus dem Takt unserer normalen Zeitrechnung ist es, das Kirchenjahr. Schulkinder staunen immer wieder, dass es nicht am 1. Januar sondern mit der Adventszeit beginnt. Manchmal ist es wichtig, ein wenig „aus dem Takt“ zu kommen, den schnellen Eilschritt des Alltags zu unterbrechen, um Besinnung zu finden über das, was wichtig ist, uns daran zu erinnern, was Gott uns aufgetragen hat, und aus dem zu schöpfen, womit wir beschenkt sind. Ja, ganz bewusst auch einen anderen Takt einzunehmen, ab und zu „off beat“ zu sein, und einen neuen Blick zu werfen auf den Alltag, die Rhythmen und Ordnungsprinzipien unseres Jahreslaufs. Das Kirchenjahr deutet auf eine Wirklichkeit hin, die in unser Leben eintreten will. In die Sprache, die Gespräche unseres Alltags hinein, klingen Worte der Verheißung aus Liedern und Liturgien der Feste. Bilder einer anderen Welt leuchten auf inmitten des Bildrauschens, das uns umgibt, lassen Farben der Hoffnung aufscheinen. Die biblischen Geschichten erzählen die Welt noch einmal neu, noch einmal ganz anders. Ihre Impulse verändern unseren Blick auf unsere Jahreszeiten. Wie an Weihnachten, wo das Winterdunkel uns den Blick auf den Stern des ankommenden Hei-
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lands ermöglicht. Oder an Ostern, wenn das Erwachen der Natur zum Bild wird für den Sieg der Liebe Gottes über den Tod. Das Kirchenjahr, das Gottes Geschichte mit den Menschen und der Welt erzählt, eröffnet neben unserem Alltagskalender eine zweite Erzählebene, schärft unseren Blick für das Andere Gottes, schenkt uns geistliche Resonanzräume. Es lädt ein, seinem Rhythmus zu folgen und uns von einer neuen, nämlich von Gottes Lesart unserer Zeit durchs Jahr begleiten zu lassen. Diese neue Lesart stellt die Zeit in den Horizont der Verheißung Gottes, eröffnet neues Denken und Handeln. Zu dieser heilsamen Relecture unserer Lebenszeit, im Rhythmus des Kirchenjahres, ermuntert dieses Buch. Mit leuchtenden Farben malt Andreas Felger uns Sinnbilder der neuen Zeit Gottes in den Kalender; Predigten von Andreas Kopp geben Anregungen, wie die biblischen Festzeiten unseren Alltag heute bereichern, hinterfragen, verändern können. Eine gesegnete (Re-)Lektüre und eine gute Zeit aus Gottes Händen Wünscht Ihnen Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July
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Advent Der dritte Advent ist der Tag des Johannes des Täufers. Am dritten Adventssonntag ist er das eigentliche Thema. Er, der Vorläufer und das Hinweisschild auf Jesus. Er, der Jesus den Weg bahnte, die Menschen auf ihn vorbereitete. Einer, der fest im Sattel des Glaubens saß und die Menschen zur Umkehr rief. Aber saß er wirklich fest im Sattel des Glaubens? Johannes der Täufer war Jesus begegnet und hatte ihn sogar getauft, obwohl ihm bewusst war, dass nicht er Jesus taufen müsste sondern anders herum. Er erlebte, dass der Geist Gottes wie eine Taube auf Jesus herabkam und dabei eine Stimme zu hören war: Dies ist mein geliebter Sohn! Johannes hatte also gesehen, was Jesus tat und gehört was Jesus sagte. Und dennoch bleibt bei alledem die Frage, ob Johannes tatsächlich so fest im Sattel des Glaubens saß. Denn wenn wir folgende Bibelstelle lesen, können wir auch anderes vermuten. Da wird deutlich: Der große Johannes der Täufer, er war einer wie Sie und ich. Da aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger und ließ ihn fragen: Bist du, der da kommen
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soll, oder sollen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.1 Johannes der Täufer – einer wie Sie und ich. Da hat es ihn erwischt. Gesehen und gehört hatte er Jesus, und doch kamen nun Zweifel auf. Ein Prophet Gottes und doch einer wie Sie und ich. Einer, der es bezweifelt. Einer, der es wissen will. Einer, der eine Antwort bekommt. Einer, der es bezweifelt. Johannes hatte seine Erfahrungen mit Jesus gemacht und trotzdem kam der Zweifel auf. Aber warum? Wir können nur darüber spekulieren, doch legt der Text eines nahe: Johannes saß im Gefängnis. Plötzlich war Zeit zum Nachdenken und es gab keine speziellen Begegnungen mehr mit Jesus. Keine Blicke, keine Möglichkeiten mehr, Jesus zu hören. Vielleicht hat ihn auch jene Situation im Gefängnis zermürbt, hat für ihn Jesus als Messias in Frage gestellt. Aber es ist doch so: Perspektivlosigkeit im Leben lässt Gott manchmal aus dem Blickfeld eines Menschen verschwinden. Wir könnten weiter spekulieren, warum Johannes zweifelte, aber ist nicht folgende Frage viel wichtiger: Warum passiert uns dies ab und zu? Warum kommen wir manchmal einfach nicht aus unseren Zweifeln heraus?
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Und da entdecke ich bei Johannes etwas, was uns alle betrifft: Hören und Sehen! Ja, wenn wir Jesus sehen könnten, dann hätten wir keine Zweifel. Ja, wenn Jesus so direkt zu uns sprechen würde, dann wäre dies kein Problem, dann würden wir an seine Existenz glauben. Ja, wenn Jesus greifbarer wäre, dann wäre er auch begreifbar. Aber stimmt das wirklich? Bei Johannes war es nicht so. Er hatte Jesus gesehen, er hatte ihn gehört, und trotzdem kamen die Zweifel auf. Auch wir haben Jesus in unserem Leben auf bestimmte Art und Weise schon gehört und vielleicht auch gesehen, wie er handelt in unserem oder im Leben von anderen Menschen, und trotzdem kommen manchmal die Zweifel auf. Einfach so. Es gibt Situationen, da zieht es uns einfach den Boden unter den Füßen weg. Und dann sitzen wir auch wie Johannes in einer Art Gefängnis, zermürbende Gedanken im Kopf: Kann das wirklich sein mit diesem Gott? Ist er wirklich da? Ist er für mich da oder habe ich mir alles nur eingebildet? Diesen Zweifeln im Leben gilt es sich immer wieder zu stellen. Man kann ihnen nicht einfach so entrinnen. Es ist vielleicht auch gut so. Deswegen gut so, weil sie letztlich unseren Glauben stärken. Wer nie gezweifelt hat, weiß vielleicht noch gar nicht, wie der Glaube wirklich ist. Aber eines scheint gegen die Zweifel zu helfen: Darin nicht nur zu versinken, sondern zu einem zu werden, der es wissen will. So wie Johannes eben auch. Einer, der es wissen will Johannes ist einer, der es wissen will. Er macht es richtig. Er bleibt
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nicht einfach stecken in seinen Zweifeln, nein, er will es wissen. Darum gibt es für ihn auch nur eine Möglichkeit, nämlich hingehen zu dem, von dem er eine Antwort braucht. Nun kann er es leider nicht selbst, er sitzt im Gefängnis. Aber er kann seine Mitstreiter zu Jesus schicken. Und das tut er. Wenn auch uns solche Zweifel begegnen, dann gibt es nur eine Möglichkeit, wir müssen hin zu dem, an den wir unsere Fragen, unsere Anfragen haben: hin zu Jesus Christus selbst. Machen Sie es wie Johannes, gehen Sie hin zu Jesus! Nun wird vielleicht der eine oder andere sagen: „Alles schön und gut, aber wie soll ich das machen? Wie soll ich zu Christus gehen und ihn direkt fragen?“ Auch hier haben wir etwas gemeinsam mit Johannes dem Täufer. Auch hier sitzen wir, wie er, in einer Art Gefängnis. Oder besser gesagt, in einer Situation, in der wir nicht direkt mit Jesus sprechen können. Dennoch meine ich, dass wir das können. Dennoch meine ich, dass auch wir Mitstreiter haben. Mitstreiter, die für uns fragen können, oder die wir direkt fragen können, die vielleicht selbst schon vieles gehört und gesehen haben, und die uns genau davon berichten können. Manchmal brauchen wir den Bruder und die Schwester genau aus diesem Grund. Damit sie berichten von ihren Erfahrungen mit Gott. Damit sie berichten von ihren Erlebnissen in ihrer persönlichen Beziehung mit Jesus Christus. Oft sind sie auch die Menschen, die dann mit uns direkt zum Sohn Gottes gehen, im Gebet. Die uns direkt dorthin bringen. Sicher können Sie dies auch alleine tun. Gott alleine begegnen, ihm selbst sagen, wo sich Ihre Zweifel breit machen, wo so vieles
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Ihr Leben gerade überschattet, dass Sie kaum noch das leuchtende Licht aus der Ewigkeit sehen können. Aber manchmal ist es eben eine große Hilfe, es nicht alleine tun zu müssen, sondern sich mit anderen auf die Suche zu machen. Jemanden zu haben, der mal für uns betet, uns im Gebet Mut zuspricht und mit uns gemeinsam Gott (auf)sucht. Ich möchte Ihnen Mut machen dazu, sich in Zeiten des Zweifels Mitstreiter zu suchen, die Ihnen Gott wieder neu vorstellen können, weil sie Erfahrungen gemacht und Gutes gehört haben. Oder weil sie so im Wort Gottes gefestigt sind, dass sie auch für Sie Gott wieder neu aufleuchten lassen können. Ich möchte Ihnen Mut machen dazu, sich in Zeiten des Zweifels direkt an diesen Jesus zu wenden und ihn zu fragen: Bist du es? Bist du es, der mein Leben behutsam in seinen Händen hält? Bist du es, der mir den Weg zum Vater frei gemacht hat? Bist du es, der mein Dunkel erhellen kann? Wenn Sie einer wie Johannes sein wollen, einer, der es wissen will, dann müssen Sie hin zu Jesus, direkt zu ihm! Johannes hat eine Antwort bekommen. Einer, der eine Antwort bekommt Ich bin mir nicht sicher, ob Johannes genau diese Antwort haben wollte, die Jesus ihm da mitgab. Ob er nicht lieber eine Auskunft bekommen hätte, die eindeutiger gewesen wäre. Ein klares „Ja“ oder „Nein“. Das hätte ihm vielleicht besser geschmeckt. Aber er musste die Antwort von Jesus akzeptieren. Jesus sagte den Jüngern: Geht hin und sagt Johannes, was ihr gesehen und gehört habt. Berichtet ihm von den Wundern, die ihr seht.2
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