Judith MacNutt
fĂźr dich hat er seine
Engel gesandt Wahre Geschichten, die Mut machen
Aus dem Englischen von Marion Achenbach
FĂźr Rachel und David, meine geliebten Kinder.
Inhalt Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Die Schutzengel der Kinder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Engel sollen uns beschützen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 Engel trösten uns . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 Engel als Boten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85 Engel ermutigen uns zur Anbetung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 Engel am Sterbebett . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 Jesus und die Bedeutung der Engel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157 Engel im Leben Jesu . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167 Engel während der Verkündigung des Evangeliums . . . . . . 195 Schlussbemerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 217
Einfßhrung Mach dich mit den Engeln vertraut und betrachte sie häufig im Geiste; denn auch wenn man sie nicht sieht, sind sie doch bei dir. Franz von Sales
N
ach viel Gebet und reiflicher Überlegung packten meine Freundin Lynne Sunderland und ich – sie ist ebenfalls Psy chotherapeutin – alle unsere Habseligkeiten zusammen und zo gen nach Jerusalem, wo wir ein Haus des Gebets eröffnen woll ten. Wir wollten in Jerusalem ein Zentrum eröffnen, in dem Juden und Araber Jesus begegnen können. Eine christliche Organisa tion stellte uns dafür für einige Jahre eine hübsche, arabische Vil la kostenlos zur Verfügung. Das Haus war von früh bis spät ge öffnet, und jeder Besucher, der zu uns kam und Hilfe brauchte, wurde mit Worten aus der Bibel, mit Gebet und etwas zu essen versorgt. Während dieser Zeit hatte Lynne eine erstaunliche Begegnung mit einem Engel. Wir beide waren Mitte zwanzig und lebten da mals in Ostjerusalem im Kloster Ecce Homo an der Via D olorosa. Wir waren begeistert von unserem Glauben und hatten ein star kes Verlangen, anderen Menschen von Jesus zu erzählen. Aller dings bekamen wir keine regelmäßige Unterstützung von Chris ten aus unserer Heimat, den USA. Doch irgendwie hat Gott uns trotzdem immer mit allem versorgt, was wir brauchten, wenn auch nicht im Überfluss. Und so mussten wir sparsam mit unse ren wenigen finanziellen Mitteln umgehen. Es war ein großer Segen, dass wir in einem Kloster wohnen durften, denn dort lebten wir sicher, sauber, preiswert und in einer wunderbaren Atmosphäre. Die Nonnen gaben uns das Ge fühl, Teil ihrer liebevollen Gemeinschaft zu sein. Das bedeutete uns sehr viel, da wir keiner Missionsgesellschaft angehörten. All mählich lernten wir auch noch andere Christen kennen und un ser Freundeskreis wurde größer. 10
Zu unseren ganz besonderen Freunden gehörte Floride, eine ältere Missionarin, die uns gleich zu Anfang unter ihre Fittiche nahm. Bis zum heutigen Tag danke ich Gott für ihre warmher zige und fürsorgliche Art, mit der sie sich um uns kümmerte. Durch ihre unerschütterliche Ermutigung und ihren radikalen Glauben machten wir rasch geistliche Fortschritte. Während eines interkonfessionellen Anbetungsgottesdienstes erlebten wir, wie ein junger Mann nach vorne ging und um Ge bet für seine immer schlechter werdende Sehkraft bat. Er sehnte sich nach Heilung. Nachdem für ihn gebetet worden war, beug ten Floride und ich uns zu Lynne vor, die ohne Brille ebenfalls nicht gut sehen konnte, und forderten sie heraus, Gott um Hei lung für ihre Augen zu bitten. Lynne sah uns daraufhin überrascht an und antwortete dann etwas spöttisch: „Wenn Gott meine Augen heilen möchte, kann er ja meine Brille zerbrechen und mir das auf diese Weise mit teilen.“ Am selben Abend, als wir wieder im Kloster angekommen wa ren, hielten wir vor dem Zubettgehen noch eine kurze Andacht miteinander und gingen dann in unsere getrennten Schlafzim mer. Kurz bevor unsere Wege sich trennten, fragte ich Lynne er neut, ob ich noch für ihre Augen beten solle. Doch sie schüttelte den Kopf. Aber als sie sich umdrehte und in ihr Zimmer ging, hatte ich den starken Eindruck, dass schon bald etwas Wunder volles geschehen würde. Unsere Zimmer waren sehr klein und nur mit einem Einzel bett und einem Nachttisch ausgestattet. Sie befanden sich neben dem offenen Klosterhof, der von einer hohen Mauer umgeben war. 11
Was dann geschah, berichtet Lynne hier mit ihren eigenen Worten:
Ich schloss meine Zimmertür von innen ab, machte mich fürs Bett fertig und las wie üblich noch einen Psalm. Dann legte ich meine Brille auf den kleinen Nachttisch neben meinem Bett. Ich knipste das Licht aus und schlief auch schon bald ein. Am nächs
ten Morgen tastete ich nach meiner Brille, um sie aufzusetzen. Zuerst war ich verwirrt, dann überrascht, als ich feststellte, dass
beide Brillengläser zerbrochen waren. Auf jeder Seite befand sich von oben bis unten an exakt derselben Stelle ein Riss. Ich
redete mir ein, dass ich die Brille in der Nacht wahrscheinlich ver
sehentlich heruntergeworfen und dann im Schlaf wieder auf
gehoben hatte. Rasch zog ich mich an und lief zu Judiths Zimmer hinüber.
An jenem Morgen wurde ich in aller Frühe durch ein Klopfen an meiner Tür aus dem Schlaf gerissen. Ich sprang aus dem Bett und fragte mich, was passiert war. Als ich öffnete, stand Lynne vor mir. In der Hand hielt sie ihre Brille, die offensichtlich kaputt war. „Was ist denn passiert?“, fragte ich sie. Sie berichtete aufgeregt, wie sie die zerbrochenen Gläser ge funden hatte und fragte mich, ob ich in der Nacht in ihrem Zim mer gewesen sei. Ich verneinte: „Wie hätte ich denn hereinkommen sollen? Du hattest doch die Tür von innen verschlossen.“ 12
Langsam dämmerte uns, dass es ein übersinnliches Wesen ge wesen sein musste, das Lynne in dieser Nacht einen Besuch abge stattet hatte. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Dieser Gedanke war für uns beide nur schwer zu begreifen. Wie konnte irgendein Wesen durch eine verschlossene Tür gehen und anschließend mit kör perlicher Gewalt die Gläser einer Brille zerbrechen? Doch dann erinnerte ich mich an Lynnes Witzelei während des Gottesdiens tes: „Wenn Gott meine Augen heilen will, soll er zuerst mal meine Brille kaputt machen.“ Ohne Brille war Lynne aufgeschmissen, aber sie hatte auch nicht die Mittel, sich eine neue zu kaufen. Deshalb kam sie klein laut zu mir und bat mich, dafür zu beten, dass Gott entweder ihre Augen heilen oder ihr eine neue Brille besorgen würde. Wir fin gen an, täglich für ihre Heilung zu beten. Fast zwei Wochen vergingen, in denen sie nicht lesen konnte. Durch die Überanstrengung ihrer Augen war sie von dauerhaften Kopfschmerzen geplagt. Ihr blieb keine andere Wahl, als zu war ten, zu beten und Gott zu vertrauen. An einem Sonntagmorgen saßen Lynne und ich in einem An betungsgottesdienst am Grab Jesu und hörten auf die Predigt. Plötzlich ergriff Lynne meinen Arm und stammelte: „Ich kann sehen! Ich kann sehen!“ Ich sah sie an. Ihr Gesicht strahlte vor Begeisterung und Trä nen standen in ihren Augen. Da erkannte ich, dass Gott ganz be wusst diesen Zeitpunkt ausgewählt hatte, um in ihrem Leben ein Wunder zu tun. Lynne berichtet:
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Während des Gottesdienstes war ich vom Anblick des wunder schönen Gartens abgelenkt und ich konnte der Predigt nicht
wirklich zuhören. Mein Blick streifte durch den Garten. In einem
Moment sah ich verschwommen die Farben der Blumen, im nächsten Moment erblickte ich in kristallklarer Schrift die Worte auf einem Schild. Es hing an einem Baum am andern Ende des
Gartens. Ich nahm mein Liederbuch in die Hand und stellte fest, dass ich die Worte klar und deutlich lesen konnte. Der Gottes
dienst neigte sich gerade dem Ende zu, als ich nach Judiths Arm griff und ihr von dem Wunder erzählte. Während wir uns noch über Gottes Güte freuten, kam Mrs Dobbie, die Organistin, auf uns zu.
Sie fragte: „Was habt ihr grade mit Gott erlebt?“
Dann erklärte sie uns, dass sie während des gesamten Gottes
dienstes einen Lichtschein um Judith und mich gesehen hätte, und sie hatte sofort gewusst, dass es Gott war, der in diesem Mo ment irgendetwas tat.
Einige Tage später erfuhr Dr. Robert Lindsey, unser Pastor von der Baptistengemeinde in der Narkis Street, von Lynnes Heilung. Er nahm sie mit zu einem Augenarzt, damit dieser ihre Augen untersuchte. Nach der Untersuchung konnte der Arzt es nicht fas sen, dass sie jemals eine Brille getragen hatte. Ihre Sehkraft war perfekt. Lynne berichtet:
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Irgendwann später erfuhr ich, dass der junge Mann, für den bei dem Gottesdienst um Heilung für seine Augen gebetet worden war, nicht gesund geworden war. Das machte mich traurig.
Betroffen fragte ich Gott: „Warum ich, Herr? Ich verstehe nicht,
warum du meine Augen geheilt hast und seine nicht.“
Ich saß still da, und dann hörte ich Gottes leise Stimme, die mir
erklärte, dass er nicht nur „so sehr die Welt geliebt hat“, sondern
dass ich vielmehr auch verstehen und erfahren sollte, wie sehr er mich persönlich liebt.
Ich weiß nicht, ob ich jemals einen Engel gesehen habe. Aber
ich weiß, dass mich Engel im Auftrag meines himmlischen Vaters besucht haben. Auch in jener Nacht, als ich schlief, ist ein Bote
Gottes in mein Zimmer gekommen und hat meine Brille zerbro
chen, damit ich eindeutig sehen konnte, wie sehr Gott mich liebt.
Lynnes Sehkraft blieb zu meiner Freude so lange geheilt, bis sie in das Alter kam, wo die meisten von uns eine Brille brauchen. Wir sind umgeben von einer für uns unsichtbaren Dimension. Hin und wieder gestattet uns Gott einen flüchtigen Blick in diese Welt und lässt es zu, dass wir Engel sehen, hören oder von ihnen berührt werden. Vielleicht riechen Sie mitten in einer kalten, un gemütlichen Umgebung plötzlich den Duft von Blumen, oder Sie hören den wunderschönen Gesang eines Chores mit Liedern, die nicht von dieser Welt sind. Es kann sein, dass Sie eine t röstende Hand auf Ihrer Schulter spüren. Sie drehen sich um, aber da ist niemand. Einige sehen vielleicht sogar einen hell leuchtenden Engel, der ihnen in einer schwierigen Lebensphase Gottes tiefe 15
Liebe und Fürsorge offenbart. Diese Begegnungen fordern uns heraus, unsere Herzen für die herrliche Tatsache zu öffnen, dass es Engel wirklich gibt. Ich glaube, dass sich mitten unter uns Engel befinden, die uns Trost, Stärke, Heilung und Freiheit übermitteln und, was am wichtigsten ist, die uns der Realität von Gottes Königreich näher bringen. In meinem vorigen Buch Wesen und Wirken der Engel ( Glory World-Verlag) habe ich die Eigenschaften von Engeln genauer beschrieben – wie sie aussehen, was ihre Aufgaben und was ge fallene Engel sind. Das vorliegende Buch enthält Berichte über die Hilfeleistungen von Engeln, unfassbare, wahre Geschichten von Engeln, die überall auf der Welt Menschen aus allen Gesell schaftsschichten begegnet sind. Wenn Sie diese Berichte lesen, werden Sie merken, wie Ihr Vertrauen in Gottes Liebe und Für sorge wächst, mit denen er Sie auf Ihrem Weg zur Ewigkeit hin begleitet. Ich hoffe, Sie werden entdecken, dass diese mächtigen Engel Ihre irdischen Begleiter sind, Freunde auf Ihrem Lebens weg. In herausfordernden Situationen werden Sie von ihnen ge tröstet, gewarnt, beschützt und geliebt. Sie erhellen Ihren Geist mit Gottes Wahrheit und Führung und sie helfen Ihnen, den richtigen Weg zu finden. Während Gott Sie mit der Wirklichkeit der geistlichen Welt immer mehr vertraut macht, wird Ihnen mehr und mehr bewusst werden, dass diese himmlischen Wesen ständige Begleiter auf Ihrem persönlichen Weg, in Ihrer Familie und in der Gemeinde sind. Sie sind nie allein; Gott sorgt für Sie. Jedes Mal, wenn Sie die Orientierung verloren haben, ängstlich, verwirrt oder verzwei felt sind, liegt Ihr Fokus wahrscheinlich auf Ihrer Situation und 16
nicht auf Gott. Wenn Sie sich dann Hilfe suchend an Gott wen den, schickt er Ihnen seine mächtigen Engel, damit sie auf über natürliche Weise eingreifen und Ihnen helfen. Ich bete, dass Gott dieses Buch und die Berichte von Begeg nungen mit Engeln gebrauchen wird, um Sie in Ihrem Alltag mit all seinen Lasten zu ermutigen, zu trösten und Ihnen Heilung zu schenken.
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