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Korkenzieher Hedwig Bollhagen
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05.09.2019
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KOrKENZIEHEr SUSANNE BUCK
„Haben Gegenstände eine Seele?“, fragte ein Filmteam im Frühjahr 2016 den Theologen Prof. Dr. Josef Freitag von der Universität Erfurt. Seine Antwort war eindeutig: Nein, denn nur Lebewesen können eine Seele haben. Gegenstände haben jedoch Eigenarten. Sie werden von Menschen benutzt und sie wurden von Menschen hergestellt, die ihre Arbeit, ihren Kunstsinn und ihre Ästhetik in die Dinge hineingelegt haben. Deshalb kann Gegenständen auch ein gewisser Geist innewohnen. Darüber hinaus haben Sammelobjekte und Erinnerungsstücke eine besondere Eigenschaft: „Sie erinnern oft an eine konkrete Wirklichkeit. Sie gewinnen eine Ausdruckskraft und beginnen zu sprechen (...). Und hier wird diese Frage eigentlich tragfähig. Dort, wo Dinge für Menschen zu sprechen anfangen, da gehören sie zu ihnen.“
Mit Seele Für die Sammler von Korkenziehern hat die Frage nach der Seele ihrer Lieblingsobjekte noch eine ganz andere Dimension. Sie unterscheiden nämlich zwischen Korkenziehern mit und solchen ohne See-
le. Damit ist nicht das innere Wesen des Sammelobjekts, sondern der Wendel der Spirale gemeint, der sich in den Korken dreht. Der Begriff Seele bezeichnet den leeren Bereich in der Mitte des Korkenzie-
Korkenzieher mit Griff aus Bein und Pinsel. Er wurde um 1880 in England (vermutlich in Sheffield) gefertigt und beruht auf dem ersten Patent aus dem Jahre 1795, das jemals für einen Korkenzieher vergeben wurde. Samuel Henshalls englisches Design Patent Nr. 2061. Es bezieht sich auf die Scheibe – der sogenannte Henshall Button – zwischen der Spirale und dem Schaft hers, um den die gewendelte Spirale gedreht ist. Bei einem Korkenzieher mit Seele – man spricht auch vom Typ Rundgewinde – befindet sich dort ein Hohlraum, in den man ein Streichholz oder einen Zahnstocher stecken kann. Korkenzieher ohne Seele haben dagegen ein Scharfgewinde. Sie ähneln einer Holzschraube oder einem Bohrer und drehen sich gerade in den Korken hinein. Ob das Vorhandensein der
Unten: Zweiteiliger Korkenzieher, so genannte Burgunderzange. Diese ist eine typisch englische Entwicklung, die erstmals 1854 in London patentiert wurde, und funktioniert folgendermaßen: Man dreht die Spirale in den Korken, setzt den halbrunden Kragen der Zange auf den Flaschenhals und hakt den Hebel in die Öse über der Spirale. Dann drückt man die Zangenarme zusammen, und der Korken wird aus der Flasche gezogen
Oben: Verschiedene Federzungen-Korkenzieher. Der erste zum Patent angemeldete Korkenzieher dieser Art war Patent Nr. 16 und wurde am 3. Juli 1877 für Benjamin Loew aus Tilsit registriert. In der Patentschrift heißt es: „Der vorliegende Pfropfenzieher vermeidet, von einem neuen Prinzip ausgehend, das Anbohren indem er, den Kork fest umfassend, das unbeschädigte Herausziehen desselben gestattet.“ Das Besondere des „Pfropfenziehers“ lag an der „Anwendung zweier den Kork umfassender Schenkel (...) von denen einer verschiebbar“ war. „Durch Hochziehen und gleichzeitiger Drehung des Pfropfenziehers kann (...) der Kork ohne Beschädigung leicht entfernt werden.“ 10 / 19
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Seele Auswirkungen auf die Qualität des Korkenziehers hat, ist unter Fachleuten umstritten. Korkenzieher mit Seele bohren sich leichter in Naturkorken, ohne dass diese bröseln, außerdem kann die Spirale Oben von links nach rechts: Thüringer Seitenwindenkorkenzieher. Funktionsweise: Der mit einer Zahnstange versehene Schaft wird über ein kleines Zahnrad (ritzel) mit dem Windenarm nach oben bewegt. Der Krätzer wird mit dem Griff eingeschraubt und durch Drehen des Windengriffes über eine Zahnstange mit samt dem Korken herausgehoben. Seitenwindenkorkenzieher sind Erfolgsmodelle nach englischem Vorbild, die in Deutschland (Thüringen) von ca. 1880 bis in die 1930er-Jahre gefertigt wurden Korkenzieher mit Federglocke und Werbung für Lauchstädter Heilbrunnen (Thüringen, 1930er-Jahre). Ein Stift im Schaft verhindert, dass die Federglocke nach oben verdreht wird Grafik: Lauchstädter Heilbrunnen Werbung. Im Jahre 1703 bescheinigte der hallesche Professor Friedrich Hoffmann dem Lauchstädter Brunnen mit seinem hohen Mineralgehalt heilsame Wirkung. Er bereitete so den Weg für den Aufstieg des Dorfes zum Kurbad Bad Lauchstädt. Das Wasser, das 1922 den Status als Arzneimittel erhielt, sollte gegen rheumatismus, Gicht, Blutarmut, Frauenkrankheiten und Nervosität wirken. Da der Kurbetrieb zu dieser Zeit schon merklich nachgelassen hatte, gründete der Unternehmer Fritz Lauterbach einen Brunnenversand. Das Wasser wurde abgefüllt, und die Flaschen wurden bis zur Einführung des Schraubverschlusses mit Korkstopfen versehen, die mit einem Korkenzieher extrahiert werden mussten
kürzer sein, so dass der Korkstopfen nicht komplett durchbohrt werden muss. Bei Korkenziehern ohne Seele wird mehr Kraft direkt auf den Korken übertragen, wodurch auch besonders fest sitzende Korken aus Kunststoff gelöst und herausgezogen werden können.
Ähnlichkeit mit Spindelbohrern Die Form des Gewindes und dessen Vorund Nachteile ist jedoch nur eines unter vielen Details und technischen Raffinessen, mit denen sich Korkenzieher voneinander unterscheiden. Seit ihrer Erfindung wurde eine Unzahl an Modellen produziert, die Korken mittels Hebelwirkung, sanfter Drehung oder manueller Geschicklichkeit aus dem Flaschenhals befördern sollen. Die Ähnlichkeit vieler Modelle mit Spindelbohrern ist nicht zufällig. Höchst wahrscheinlich entstanden Korkenzieher aus solchen Bohrern, mit denen Soldaten im 18. Jahrhundert eingeklemmte Kugeln oder andere Fremdkörper aus den Läufen ihrer Vorderlader entfernten.
Das erste Patent auf einen Korkenzieher wurde 1795 von dem englischen Geistlichen Samuel Henshall (1765-1807) aus Oxford angemeldet; ein Stangenkorkenzieher mit Rundgewinde, Schaft und Holzgriff mit Bürste. Die Bürste diente dazu, Verschmutzungen, Staub oder Schimmel aus dem Weinkeller vor dem Öffnen von der Flasche zu entfernen. Das Patent betraf übrigens nicht den gesamten Korkenzieher, sondern nur die runde Scheibe, die zwischen Spirale und Schaft liegt. Dieser so genannte „Henshall Button“ verhindert, dass die Spirale zu tief in den Korken eindringt, zwingt den Korken zum Drehen und unterbricht so die Haftung zwischen dem Korken und dem Hals der Flasche.
Dom Pérignon Korkenzieher wurden zu Samuel Henshalls Zeiten nicht nur für Weinflaschen genutzt. Jahrhundertelang verschloss man nahezu alle Flüssigkeiten, die in Behältern gelagert wurden, mit einem Stopfen. So zum Beispiel Bier, Most, Öl, Wein
rechts: Zweiarmiger Hebelkorkenzieher der (Wort) Marke Goliath, Patentanmelder Geha (= Gerhard Hausmann), Patent 1902. Das Patent wurde 1903 an Paul Honigbaum in Landshut verkauft. Funktionsweise: Der Schaft mit samt dem Korken wird mit zwei Hebelarmen angehoben 10 / 19
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der ab 1668 in der Abtei Hautvillers mit der Herstellung von Champagner betraut war. Dabei experimentierte der fromme Ordensbruder mit Flaschenverschlüssen aus Naturkork, die mit Kordeln am Flaschenhals gesichert wurden. Dom Pérignon soll auch für das weit verbreitete Flaschenfüllvolumen von 0,7 Liter verantwortlich sein, da er genau diese opulente Menge als durchschnittliche Portion für männliche Erwachsene zum Abendessen veranschlagte.
Luxusartikel
und Parfüm. Das Material Naturkork, das aus der Rinde der Korkeichen gewonnen wird, kam erst Ende des 17. Jahrhunderts zum Einsatz. Auch hierbei hatte ein Geistlicher seine Finger im Spiel: Angeblich war es der französische Mönch Dom Pérignon, 10 / 19
Flaschen mit größerer Füllmenge waren zu dieser Zeit noch echte Luxusartikel. Generell setzten sich Aufbewahrungsgefäße aus Glas erst im 17. Jahrhundert durch. Zwar hatte es in Ägypten schon zu Zeiten der Pharaonen Glasfläschchen gegeben, diese waren aber nur faustgroß und äußerst mühselig in der Herstellung. Um 200 v. Chr. erfanden syrische Handwerker eine Technik, die es ermöglichte, größere Gefäße herzustellen. Entscheidendes Werkzeug hierfür war ein Rohr, mit dem die zähflüssiges Glasmasse zu einem Hohlkörper aufgeblasen werden konnte: die Glasmacherpfeife. Nach diesem Prinzip arbeiten einige Maschinen noch heute. In Europa war die Kunst, Flaschen mit der Glasmacherpfeife herzustellen, lange unbekannt. Erst im 16. Jahrhundert kam die Produktion mundgeblasener Behälter langsam in Schwung. Zunächst waren es meist kleine Flaschen, und da sie sehr teuer waren, wurden sie bis ins 19. Jahrhundert nur für edle Liköre, Parfüm oder Medizin verwendet. So ließ zum Beispiel der Parfümhersteller Johann Maria Farina in Köln seine Düfte in mundgeblasene, so genannte Rosolien abfüllen. Dies waren kleine, sehr schlanke Glasflakons mit Korkverschluss, für die es spezielle MiniKorkenzieher gab. Prominentester Kunde des Hauses Farina war Kaiser Napoleon, der sich vom Schuster die Schäfte seiner Stiefel so zuschneiden ließ, dass immer eine Rosolie nebst Korkenzieher darin Platz fand. Korkenzieher für Parfümflaschen, deren Griffe aus Perlmutt oder Elfenbein
bestanden, waren außerdem häufig in Maniküre-Sets für Damen enthalten.
Erfindung der Glasmaschine Zum Massenprodukt und Standardbehälter für Getränke aller Art wurden Glasflaschen Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Erfindung der vollautomatischen Glasmaschine. Michael Joseph Owens stellte 1903 in den USA ein Modell vor, mit dem vier Flaschen pro Minute gefertigt werden konnten. Henry W. Ingle und Charles Links von oben nach unten: So genannter Teilzieher mit Werbeaufdruck für Fritz Handrich & Sons New York City. Anfänglich in Thüringen hergestellt, wurde dieses Modell später auch in den USA patentiert und hergestellt. Georg (Fritz) Friedrich Handrich, der wahrscheinlich aus dem rheinland stammte (geboren 1899 in Haßloch), betrieb in New York ein restaurant und einen Weinhandel ZIG ZAG, Gliederkorkenzieher mit Ziehharmonika-Mechanismus, Federrückstellung und Kapselheber. Das Modell wurde am 17. Februar 1928 in Frankreich für Marie Jules Leon Joseph Bart patentiert und – da es sehr funktional war – bis in die 1950er-Jahre hergestellt Gliederkorkenzieher Ideal Brevète (= patentiert). Dieses Modell wurde von Ernest Martenet entworfen und von 1930 bis etwa 1939 hergestellt. Durch das Scherenprinzip und seine Hebelwirkung können auch festsitzende Korken mit Leichtigkeit gezogen werden Gliederkorkenzieher aus Frankreich, 1930er- bis 1950er-Jahre. Funktionsweise: Der Schaft wird mit dem Korken mit mehreren hintereinander wirkenden Hebelarmen angehoben Oben rechts: Französischer Glockenkorkenzieher mit Spindelschraube. Funktionsweise: Die Spindel wird in einer sich über der Glocke drehenden Schraube mit Muttergewinde angehoben. Hergestellt 1930er- bis 1950er-Jahre
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UTENSILIEN 17 Goodwin Smith entwickelten das System weiter und ließen sich 1927 eine vollautomatische Maschine patentieren. Sie trägt die Bezeichnung „IS-Maschine“, wobei IS für Individual Section, aber auch für Ingle und Smith steht. In modernisierter Form ist sie bis heute die gebräuchlichste Maschine zur Flaschenherstellung.
Patentschutz Nicht nur die Flasche, auch der Korkenzieher wurde nach Erfindung des „Henshall Button“ stetig weiterentwickelt. Im 19. Jahrhundert explodierte die Anzahl neuer Modelle geradezu, nachdem 1877 in Deutschland ein neues Patentgesetz verabschiedet worden war. Dieses Gesetz machte es Tüftlern deutlich einfacher, eine Erfindung zum Patent anzumelden. Vorher waren die unterschiedlichen Gesetze und Vorgaben von insgesamt 25 Kleinstaaten im Deutschen Kaiserreich gültig gewesen. Zudem existierte kein Schutz gegen Nachahmungen, so dass Fabrikanten Produkte und Maschinen einfach von anderen Herstellern abkupfern konnten. Nach neuer Gesetzgebung und Einrichtung des deutschen Patentamts im Juli 1877 galt nun ein Schutz für Erfindungen nach einheitlichen Grundsätzen, ganz egal, ob der Erfinder sie im Fürstentum SchaumburgLippe oder im Königreich Sachsen anmeldete. Die Zahl ambitionierter Bastler, die eine Erfindung zum Patent anmeldeten, nahm stetig zu. Im zweiten Halbjahr 1877 wurden 3.212 Patente angemeldet und 190 Patente erteilt. 1890 waren es bereits 11.882 Patentanmeldungen (von denen 4.680 ein Patent erhielten). Der erste Korkenzieher war Patent Nr. 16 und wurde am 3. Juli 1877 für Benjamin Loew aus Tilsit registriert. Benjamin Loews Erfindung war ein Modell, das heute als Federzungen-Korkenzieher bezeichnet wird und unter vielen Weinkennern als das ideale Gerät zum Entfernen von zerbrechlichen Korken aus wertvollen alten Jahrgangsflaschen gilt. Auf den ersten Blick würde kein Laie dies Gerät für einen Korkenzieher halten. Er hat zwei Federstahlzinken, die parallel zueinander an einem Griff berechts von oben nach unten: Ob Colmar oder Bad Orb – Korkenzieher als reisesouvenir gibt es seit den 1950er-Jahren in jeder Andenkenbude zu kaufen Korkenzieher und Brieföffner als Schwert. PHV (Paul und Herbert Vitz), Velbert, und ein Korkenzieher als Schlüssel. Modelle wie diese wurden vor allem in den 1950er-Jahren massenhaft hergestellt und als Andenken verkauft Fisch, Messingguss, wahrscheinlich aus Israel Verschiedene Modelle als Katzen
festigt und in einem Abstand eingestellt sind, der ungefähr dem Durchmesser des Korkens entspricht. Zuerst wird der längere der beiden Zinken zwischen Kork und Glas geschoben, gefolgt von dem kürzeren auf der gegenüberliegenden Seite des Korkens. Beide werden dann mit sanfter Kraft zwischen Korken und Flaschenhals nach unten gedrückt, wobei der Kork zwischen den beiden Zinken eingeklemmt wird. Am Griff kann der Korken nun vorsichtig gedreht und aus der Flasche gezogen werden. In den USA wurde der Federzungen-Korkenzieher 1879 patentiert, obwohl er wahrscheinlich schon 1864 in Deutschland erfunden worden war. Den Namen „Butlers Friend“ bekam er, weil es dem Butler erlaubte, den Korken zu entfernen, den Wein probieren, und die Flasche spurlos wieder zu verschließen, wenn er dem Hausherren oder Gästen eine Flasche Wein zum Abendessen servierte.
Pfropfenzieher
ten Erfinder und Unternehmer Heinrich Ehrhardt (1840-1928). Von ihm wurden nicht weniger als 128 Patente registriert, die zum Teil noch heute in der Industrie angewendet werden, darunter das „Ehrhardt'sche Press- und Ziehverfahren“ zur
Bereits zehn Tage nach Benjamin Loew ließ Friedrich Wilhelm Schäfer in London unter der Nummer 98 einen „Pfropfenzieher“ mit mehreren Spirale patentieren: „Der Vortheil, die Oeffnung einer Flasche durch fortgesetzte Drehung des Pfropfenziehers zu bewirken, wird bei dieser Erfindung erreicht, indem der Pfropfenzieher mit zwei oder mehr Spiralen, ohne oder mit Mittel-Spirale versehen ist“, heißt es in der Pantentschrift. „Fig. 3 stellt einen Pfropfenzieher dar, dessen Spirale C lang genug ist, um durch einen Kork von gewöhnlicher Länge hindurch gehen zu können, bei dem aber die Spirale B kürzer, als C ist. Der Zweck dieser Abänderung ist der, dass sehr schlechte Korke, welche beim Andrehen brechen könnten, durch die über B hinaus verlängerte Spirale gehalten werden und so in ihrer ganzen Länge der fortschreitenden, aufwärts gerichteten Bewegung folgen müssen.“
Der Tüftler Ob die zum Patent angemeldeten Erfindungen tatsächlich funktionierten, war übrigens für die Erteilung der Patentschrift nicht von Interesse. Geprüft wurde lediglich, ob für das vorgelegte Objekt bereits ein Patent existierte. Paradoxe Auswirkung: Je skurriler, abstruser und ausgefallener eine Erfindung war, desto größer war die Chance, dass ein Patent dafür erteilt werden konnte. Und desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass sich tatsächlich ein Fabrikant fand, der sich für die Herstellung und Vermarktung der sensationellen Neuheit interessierte. So mancher ambitionierte Bastler musste am Ende feststellen, dass kaum Hoffnung bestand, durch die neu patentierte Erfindung reich zu werden. Genau umgekehrt erging es dem bekann10 / 19
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UTENSILIEN 18 Fabrikation nahtloser Rohre sowie das „Ehrhardt'sche Loch-Pressverfahren“ für die Munitionsherstellung. Die erste Erfindung des gelernten Büchsenmachers war ein Korkenzieher mit Schraubenspindel und Drehhülse am Griff, die er sich für einen geringen Betrag von dem geschäftstüchtigen Kaufmann namens Georg Reissmann aus Zella abschwatzen ließ. Reissmann ließ den Korkenzieher auf seinen Namen patentieren und verdiente damit ein kleines Vermögen, was Heinrich Ehrhardt im Nachhinein ziemlich wurmte.
Multifunktionswerkzeug Viele der unzähligen Korkenzieher-Erfindungen sind Objekte, die einen Doppelnutzen haben. Herren, die zum Glas Wein eine Zigarre genießen wollten, konnten zum Beispiel einen Korkenzieher mit Zigarrenabscheider im Griff erwerben, wie ihn sich Arthur Griep aus Solingen im März 1949 patentieren ließ. Eher bodenständig mutet die Kombination von Korkenzieher und Dosenöffner an, die Richard Wielpütz – ebenfalls aus Solingen – im März 1924 zum Patent anmeldete. Anhaltender Beliebtheit erfreut sich bis heute die Kom-
bination aus Korkenzieher und Bierflaschenöffner. Wer unterwegs eine Weinflasche öffnen möchte, braucht einen Korkenzieher, der keine Löcher in die Taschen bohrt. Die einfachste Lösung ist ein Modell, bei dem die Spirale in den Griff geklappt wird. Angler und Outdoor-Fans schätzen als Multifunktionswerkzeug das Schweizer Taschenmesser, das Ende des 19. Jahrhunderts für die Soldaten der Schweizer Armee entwickelt wurde. Die meisten Modelle sind mit einem Korkenzieher ausgestattet, so auch das Taschenmesser der Bundeswehr, das 1976 in Deutschland eingeführt wurde. Manche Korkenzieher und Taschenmesser sind mit einem so genannten Champagnerhaken ausgestattet. Er dient zum Durchtrennen der Sicherung vor der Extraktion des Korkens. Zu Zeiten Dom Pérignons verwendete man Kordeln, später wurden Sekt- und Champagnerkorken mit Draht gesichert.
Kellnerbesteck In der Gastronomie wird heute fast ausschließlich mit dem Kellnermesser oder Sommeliermesser gearbeitet, einer Erfin-
dung, die sich der Deutsche Carl F. A. Wienke bereits 1883 patentieren ließ. An einem Ende des Griffs hat dieser Korkenzieher einen Hebel, am anderen ein kleines Messer, mit dem zuerst die Kapsel vom Flaschenhals abgetrennt wird. Danach setzt man die Spindel in einem leichten Winkel in der Mitte des Korkens an, richtet sie auf und dreht sie dann so weit wie möglich in den Korken hinein. Nun wird der Hebel am Flaschenhals angesetzt, so dass der Korken durch die Hebelwirkung aus der Flasche befördert wird.
Souvenirs Bei vielen Korkenziehern ist die gewundene Spirale auch in einer Hülse untergebracht, welche vielerlei Gestalt annehmen kann. Als Schlüssel, Schwerter oder Anker getarnt, kamen solche Modelle in den 1950er- und 1960er-Jahren in Mode und bevölkern seitdem Souvenirgeschäfte und Andenkenbuden in der ganzen Welt. BeLinks: Kombi-Dame zum Öffnen von Wein- und Bierflaschen, möglicherweise von einem Tüftler zusammengebastelt Anker, hergestellt von der Firma Monopol Usbeck & Söhne, Marburg, ca. 1970. Nachdem die Produktion in dem Traditionsunternehmen eingestellt wurde, hat Famos-Westmark die Patente, den Markennamen sowie die Maschinen und Werkzeuge gekauft und in Wittelsberg im Ebsdorfer Grund eine kleinere Version des Marburger Betriebs aufgebaut Oben: Seitenwindenkorkenzieher, Italien, 1960erJahre mit Spindelschraube 10 / 19
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liebte, nicht immer funktionale Souvenirs sind auch Korkenzieher mit Tiermotiven wie Katzen, Hunde, Fische, oder mit Teilen echter Tiere (Geweihe oder Zähne) am Griff. Oft wurden Korkenziehergriffe auch aus Bein oder Knochen gedrechselt. Ein Evergreen bei der Gestaltung sind auch erotische Motive wie wohlgeformte Frauenbeine oder weibliche Körper. Manche Objekte dürften eher Scherzartikel als Gebrauchsgegenstand sein, zum Beispiel die Kombination mit einem Stempel, einer Notbremse oder einem Griff aus Stacheldraht.
rituelle Handlung Bei all den Erfindungen und Versionen stellt sich natürlich die Frage: Welcher Korkenzieher ist der beste und löst den KorVon links nach rechts: Englischer Hebelkorkenzieher aus den 1930er-Jahren Scherz-Korkenzieher aus Stacheldraht – wohl für Abstinenzler gedacht. Wahrscheinlich stammt das Modell von der Firma Harlekin-Geschenke in Wiesbaden Korkenzieher aus Italien, hergestellt in den 1970erJahren. Korkenzieher mit Armen, die beim Eindrehen der Spirale nach oben gehen und zum KorkEntfernen wieder nach unten klappen, wurden im Volksmund aufgrund dieses Bewegungsablaufs auch nach dem französischen General „de Gaulle“ genannt. Ein ähnlicher Korkenziehers wurde am 4. Mai 1901 für Bernhard Lindner in Hannover patentiert: „Soll nun ein Kork herausgezogen werden, so setzt man die geschlossene Vorrichtung auf, und schraubt durch Drehen des Korkziehers denselben vollständig in den Kork hinein. Dabei nehmen die Kniehebel infolge der Annäherung des Drehpunktes c an den ring die aus Fig. 2 ersichtliche Stellung ein. Es ist ohne Weiteres klar, dass ein auf die freien Enden der Hebel a ausgeübter Druck ein Herausziehen des Korks aus dem Flaschenhals bewirken muss.“
ken am saubersten und bequemsten aus der Flasche? Für ältere Menschen, Personen mit körperlichen Einschränkungen oder Faule empfiehlt sich ein elektrischer Korkenzieher, der den Korken automatisch und ohne Kraftanstrengung aus der Flasche holt. Eines der ersten Modelle dieser Art brachte die Firma Philips im Mai 1985 auf den Markt. Wer hingegen sein Talent als Weinkenner in Szene setzen und sich nicht beim ungeschickten Hantieren mit einem Kellnermesser blamieren möchte, hat die Qual der Wahl zwischen unzähligen Modellen in fast allen Preisklassen. Jeder hat seine Vor- und Nachteile, den „idealen“ Korkenzieher gibt es nicht, auch wenn in Fachkreisen heftig über eventuelle Korkstückchen im Wein, Gefahren für den edlen Tropfen durch zu plötzliches Öffnen der Flasche oder Berührung mit Metall debattiert wird. Für den Hausgebrauch hat sich das Problem längst erledigt: Immer mehr Weinflaschen kommen mit Schraubverschluss auf dem Markt. Zwar war es mancherorts noch bis vor kurzem undenkbar, eine Weinflasche ohne Weinkorken auszustatten, inzwischen sind sich Fachleute darüber einig, dass die Lagerung von Weinen in Flaschen mit Schraubverschluss dem Wein durchaus zuträglich und daher auch gesellschaftsfähig ist. Manche Länder – zum Beispiel Neuseeland – liefern ihre Weine sogar ausschließlich mit Schraubverschlüssen aus. Hat also für den Korkenzieher bald das letzte Stündlein geschlagen? Glücklicherweise nicht. So mancher Genießer möchte auch künftig nicht auf das schöne Ritual des Entkorkens verzichten. „Ohne Korkenzieher ist der Weintrinker nur ein halber Mensch; ohne ein anständiges Glas ist er verloren“ soll Wolfram Siebeck einmal gesagt ha-
ben. Und dann gibt es ja auch die Pomelkophilen (abgeleitet von „poma“ = Stöpsel, „elken“ = ziehen; „philos“: freundlich), für die Korkenzieher längst zu Sammelund Kultobjekten geworden sind. Renommierteste Korkenzieher-Sammlerorganisation der Welt ist die International Correspondence of Corkscrew Addicts (ICCA), die am 1. Oktober 1974 gegründet wurde. Der erste deutsche Verein für Korkenziehersammler, „Verein Korkenzieherfreunde“, ist seit 1996 aktiv. Gegründet wurde er in Steinbach-Hallenberg, einem der traditionsreichsten Orte deutscher Korkenzieher-Herstellung. Mindestens zweimal im Jahr erscheint die Vereinszeitschrift „Der Krätzer“, in der über Forschungsergebnisse, Korkenziehersammlungen und Ähnliches berichtet wird. Natürlich haben die Pomelkophilen den Urvater des Korkenziehers, Pastor Samuel Henshall, nicht vergessen. Im August 2009, 202 Jahre nach seinem Tod, versammelten sie sich an seinem letztem Wirkungsort, der Londoner Bow Church, und errichteten ihm dort eine Gedenktafel. Die feierliche Zeremonie wurde vom amtierenden Pfarrer Michael Peet geleitet. Er äußerte seine Freude darüber, dass seine Kirche mit einem so edlen Instrument wie dem Korkenzieher in Verbindung steht, und schlug scherzhaft vor, der Erfinder des Schraubverschlusses möge in die Hölle verbannt werden. Technische Beratung: Reinholdt Bernd Zum Weiterlesen empfohlen: www.korkenzieherfreunde.de Fotos: Susanne Buck
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KeRaMiK 80
Hedwig BollHagen THeReSia PeTeRS
Hedwig Bollhagen (1907-2001) gehört zweifellos zu den bedeutendsten deutschen Keramikerinnen des 20. Jahrhunderts, gerade was den Bereich der seriell produzierten Keramik betrifft. eine Sonderausstellung im internationalen Keramik-Museum weiden (Zweigmuseum der neuen Sammlung München) zeigt noch bis zum 10. november eine Vielzahl an Muster- und einzelstücken aus dem Bestand ihrer HB-werkstätten in Marwitz.
Über 100 objekte Das Spektrum der über 100 Ausstellungsobjekte reicht von historischen Keramiken bis hin zu Stücken aus der aktuellen Produktion, die die Aktualität der Entwürfe von Hedwig Bollhagen veranschaulichen. Zur Ausstellung ist ein Katalog der Neuen Sammlung – Design Museum München erschienen. Konzeption von Ausstellung und Katalog gehen auf den dortigen Konservator Dr. Josef Straßer zurück, der damit eine weitere wichtige Monografie der bedeutenden Keramikdesignerin Hedwig Bollhagen präsentiert.
70 Schaffensjahre In den rund 70 Jahren ihres Schaffens hat die begabte Künstlerin unzählige Höhen und Tiefen erlebt. Im Jahr 1934 gründete sie ihre HB-Werkstätten in Marwitz bei Berlin, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Nach dem Krieg erfolgte der Wiederaufbau des Betriebs, der sich nun in Ostdeutschland befand und dort enteignet wurde. Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten bekam Bollhagen ihren Betrieb zurück, den sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2001 weiterführte. In all den Jahren hat die Keramikkünstlerin
eine beeindruckende Vielzahl an zeitlosen Formen und Dekoren geschaffen, die bis heute die Vorstellung von gut gestaltetem Gebrauchsgeschirr prägen. Zu verdanken ist dies ihrer einzigartigen Begabung, sich immer wieder neu zu erfinden und zeitgemäße Formen und Dekore zu entwickeln. Ihre Gebrauchskeramiken mit grafischen Dekoren, Linien, Punkten oder Kreisen haben die Tischkultur vieler Haushalte geprägt. oben: Hedwig Bollhagen, Vase 1047, dekor 1047, 1935/36 links: Hedwig Bollhagen, dosen, verschiedene Modelle und dekore, 1950er- bis 1990er-Jahre 10 / 19
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KeRaMiK 81 Drehscheibe. Im Frühling 1925 besuchte Bollhagen dann kurz die Kasseler Kunstakademie, bevor sie im Sommersemester des selben Jahres zur Keramischen Fachschule Hör im Westerwald wechselte. Die Semesterferien nutzte die Studentin für Praktika bei Gertrud Kraut in Hameln und in der Fürst Adolf Werkstätte für Kunstkeramik in Bückeburg. Mit erst 19 Jahren wurde die junge Keramikerin bereits nach dem fünften Semester angeworben und in der Steingutfabrik Velten-Vordamm als Leiterin der Mal-Abteilung und Entwerferin im Werk Velten eingestellt. Damit unter-
stellte ihr der Direktor und Besitzer der Fabrik, Hermann Harkort, an die hundert Malerinnen, was sicherlich einen großen Vertrauensbeweis darstellte. Die Steingutfabrik Velten-Vordamm war damals einer der größten Betriebe dieser Art in Deutschland und erwies sich künstlerisch modernen Strömungen gegenüber aufgeschlossen. Auch mit dem Staatlichen Bauhaus in Weimar bestand eine Zusammenarbeit. Neuzugänge in der Firma waren Theodor Bogler, der 1924 von der Dornburger Bauhaus-Werkstatt kam und etwas später Werner Buri. Auch der Bauhaus-Künstler
werdegang Das Leben der 1907 in Hannover geborenen Hedwig Bollhagen spiegelt fast ein Jahrhundert deutscher Geschichte wider. Als junge Frau war es für Bollhagen trotz des 1918 eingeführten Wahlrechts für Frauen nicht leicht, eine Lehrstelle zu finden und sich eine berufliche Position zu erarbeiten. In einer biografischen Aufzeichnung berichtet sie, wie schwierig die damaligen Zeiten für Mädchen und Frauen waren: „Eine Stelle als Lehrling oder Volontär in einer Töpferei zu bekommen war in einer Zeit, in der sich Industrie und Handwerke von den Wirkungen des Krieges und den darauffolgenden Jahren noch nicht erholt hatten, sehr schwer.“ (Quelle: Ausstellungskatalog, Dr. Josef Straßer). Es gelang der jungen Frau dennoch im Jahr 1924, ein Praktikum in der hessischen Bauerntöpferei in Großalmerode zu bekommen. Dort erlangte sie erste Erfahrungen im Töpferhandwerk an der ganz oben: Hedwig Bollhagen, Kaffeekanne und gießer 1065, dekor „Kartoffelkäfer”, 1946-52 oben: Hedwig Bollhagen, Keksdose 1108, dekor 2000, 1936 Rechts oben: Hedwig Bollhagen, Service 501, dekor 121 „Zittermuster”, 1934 Rechts unten: Hedwig Bollhagen, obstschale „S 266, dekor F 311” mit Siebeinsatz, 1929 10 / 19
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KeRaMiK 82 Gerhard Marcks lieferte Entwürfe für die Steingutfabrik. Bollhagen hatte also Kontakte zu verschiedenen Künstlern, während sie selber ihr Können auf dem Gebiet der Dekormalerei verbesserte.
wanderjahre Leider musste die Steingutfabrik VeltenVordamm während der Weltwirtschaftskrise 1931 Konkurs anmelden und Bollhagen eine neue Arbeitsstätte finden. Sie sammelte danach für mehrere Monate Erfahrungen in Karlsruhe bei der dortigen Majolika-Manufaktur und wechselte dann ins Rosenthal Zweigwerk Neustadt bei Coburg. Eine weitere berufliche Station war eine Anstellung in der Töpferwerkstatt Wilhelm Kagels in Garmisch-Partenkirchen. Nachdem Bollhagen im Jahr 1932 nach Berlin umzog, arbeitet sie dort zunächst in der Verkaufsgalerie „Kunst und Handwerk“ als sogenanntes „Ladenmädchen“. Im Jahr 1933 wirkte sie danach noch für ein halbes Jahr als Leiterin der Malabteilung in Frechen in der Keramikwerkstatt „Ooms“ der Steinzeugwerke Kalscheuer & Cie. Nach all diesen Erfahrungen strebte Bollhagen an, als selbstständige Töpferin zu arbeiten. Als die HaelWerkstätten für künstlerische Keramik in Marwitz bei Berlin durch die Weltwirtschaftskriese stark angeschlagen zum Verkauf anstanden, erwarb Bollhagen den brandenburgischen Betrieb mit ihrem Teilhaber Heinrich Schild im Jahr 1934. Die ehemaligen Besitzer waren die Bauhausschüler Margarete Heymann und ihr Ehemann Gustav Loebensein. Dieser war 1928 bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Am 1. Mai 1934 nahmen die „HBWerkstätten für Keramik“ die Produktion auf. Die neue Besitzerin Bollhagen kümmerte sich in der Firma um die künstlerischen Belange, ihr Teilhaber Schild war zuständig für die geschäftlichen Angelegenheiten.
HB-werkstätten für Keramik In den rund 70 Jahren ihres Wirkens kreierte Hedwig Bollhagen eine äußerst beeindruckende Anzahl an Formen und Dekoren, denn während ihrer Ausbildung und ihren verschiedenen beruflichen Stationen und den anschließenden „Wanderjahren“ hatte sie die unterschiedlichsten Strömungen der zeitgenössischen Keramik kennengelernt. Und sie hatte so viele Erfahrungen gesammelt, dass sie nun auf verschiedene Stile und Techniken für ihr eigenes Werk zurückgreifen konnte: Sie beherrschte nicht nur die strengen und geometrischen Formen, Elemente und
Dekore der 1920-Jahre, die vom Bauhaus geprägt waren, sondern auch die weich fließende Formgebung der 1930er-Jahre. Obwohl Bollhagen Unikate, Zier-, Bauund Gartenkeramik in großer Bandbreite entwarf, zeigt sich ihre bodenständige und bescheidene Einstellung zu ihrer Arbeit besonders deutlich an folgendem Ausspruch: „Kunst? Ach Gott man nennt es oft so. Ich mache Teller, Tassen und Kannen“. oben: Hedwig Bollhagen, apfelsinenschalen 198 a-b, verschiedene dekore, um 1955 Mitte: Hedwig Bollhagen, Henkelschalen 800, verschiedene dekore, Muster- und einzelstücke, 1950/52 Unten: Hedwig Bollhagen, Teekannen 575, verschiedene dekore, 1966 10 / 19
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KeRaMiK 83 1960-Jahren durch zylindrische Objekte. Ihr Schaffen bezeichnete sie selbst als „Vollendung des Einfachen“.
„Vollendung des einfachen” Befruchtet wurde sie künstlerisch u. a. durch die Zusammenarbeit mit Künstlern wie den Bauhausschülern Werner Buri, Charles Cordel und Heidi Manthey sowie Waldemar Grzimek, Frauke Gerhard oder Rudolf Perschel. Die Baudenkmalpflege wurde dann in den 1950er-Jahren ein weiteres Betätigungsfeld der vielseitigen Künstlerin, die zu den wenigen Frauen und Unternehmerinnen in der Geschichte des Manufakturwesens gehörte. Geehrt wurde sie im Laufe der Jahre mit zahlreichen nationalen und internationalen Ehrenurkunden und Medaillen und erhielt 1997 den Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Hedwig Bollhagen starb 94-jährig im Jahr 2001. Das Hedwig Bollhagen Museum wurde 2015 in Velten eröffnet und ihr Nachlass zur „nationalen Kunst“ erklärt. Dass ihr Erbe nicht in Vergessenheit gerät, ist auch den heutigen HB-Werkstätten zu verdanken, die ganz in Hedwig Bollhagens Sinn ihr Werk weiterführen.
ausstellungen und Katalog „Hedwig Bollhagen und die HB-Werkstätten, Musterstücke und Serienobjekte“ im Internationalen Keramik Museum Weiden, noch bis zum 10. November, www. die-neue-sammlung.de. Ausstellungskatalog deutsch/englisch mit Essays von Angelika Nollert und Josef Straßer, Preis 15 Euro, ca. 120 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abbildungen. Fotos: Christoph Sillem, Die Neue Sammlung München
Ihre Vorliebe gehörte also der Gebrauchskeramik. Davon hatte sie sehr genaue Vorstellungen und entwarf innerhalb kurzer Zeit mehrere Geschirre, die bis heute produziert werden. Im Laufe der Jahre entwickelte Bollhagen dann immer wieder neue Formen mit passenden farbigen Dekoren und ergänzte ihre bis dahin überwiegend runden Objekte in den 1950- und oben: Hedwig Bollhagen, Vasen, einzel- und Musterstücke, 1960er- bis 1970er-Jahre Mitte: Hedwig Bollhagen, Vasen, verschiedene dekore, aktuelle Produktion, 1962-1982 Unten: Hedwig Bollhagen, gießkannen 766, verschiedene dekore, aktuelle Produktion, 1955 10 / 19
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€ 15-20 David Bowie „Christiane F. - Wir Kinder Vom Bahnhof Zoo LP”, 1981 auf RCA/Victor BRD, Nr. „BL 43606”. Als Projekt des Regieseurs Roland Klick begonnen, wurde die Filmbiografie schließlich von Uli Edel inszeniert. Bowie unterstützte das Projekt durch sein Mitwirken in nachgedrehten Szenen seines Berliner Konzerts
€ 15-20 Christian Bruhn (geb. 1934) „Timm Thaler Original Filmmusik Aus Der TV-Serie LP”, 1977 auf WEA, Nr. „58097”. Die Serie avancierte nach der Erstausstrahlung 1979 zum Straßenfeger und machte den jungen Schauspieler Thomas (Tommi) Ohrner zum Kinderstar und stärkte Horst Franks Reputation nachhaltig. Die einprägsame und sehr atmospherische Filmmusik sorgt über die ganze Serie hinweg für eine beklemmende Stimmung
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€ 15-20 Ingfried Hoffmann „Robbi, Tobbi Und Das Fliewatüüt LP”, 2002 auf Diggler Records, Nr. „DIG 005 LP”, Klappcover. Armin Maiwald („Die Sendung Mit Der Maus”) inszenierte die vom WDR produzierte Marionettentheater-Serie für Kinder
€ 5-10
Udo Lindenberg & Das PanikOrchester „Ich Träume Oft Davon, Ein Segelboot Zu Klau’n 7 Inch”, Telefunken 1976. Filmdrama, das das Lebensgefühl heranwachsender Jugendlicher „ohne Liebe” thematisiert. Regie: Hark Bohm
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€ 40-60 Orchester Joe Jerkins „Der Kommissar 7 Inch”, 1969 auf Metronome, Nr. „M 25407”. Von 1969 bis 1979 wurden insgesamt 97 Folgen der in München in S/W gedrehten Serie im ZDF gezeigt. Erik Ode agierte als Kommissar Herbert Keller
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€ 20-30 Peter Thomas Sound Orchester „Verräter 7 Inch”, auf Philips 1967, Nr. „346 056 PF”. Mono-Pressung, blaues Label. Die dreiteilige Fernsehserie über das Geschwisterpaar Clare und Peter Linton wurde 1967 im ZDF ausgestrahlt
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€ 10-15 Peer Raben (1940-2003) „Berlin Alexanderplatz LP”, 1980 auf RCA BRD, Nr. „PL 28393”. Die 14-teilige TV-Serie von Rainer Werner Fassbinder (19451982), nach einem Roman von Alfred Döblin, handelt vom Leben des Ex-Sträflings Franz Biberkopf (Günter Lamprecht), der im Berlin der ausgehenden 20er-Jahre vergeblich versucht, ein „anständiges Leben zu führen”. Die Serie steht auf der „All Time 100 Movies”-Liste des US-amerikanischen Time Magazines
€ 60-100 Gerd Wilden (1917-2015) „Schulmädchen-Report”, 1970 auf Orange. Nr. „45-1010”. Der „Aufklärungsfilm” gilt mit weltweit 100 Mio. Zuschauern als bisher erfolgreichste deutsche Kino-Produktion
€ 10-15 Tangerine Dream „Das Mädchen Auf Der Treppe 12 Inch”, Super Sound Single von 1982 auf Virgin Germany, Nr. „600 651-213”. Der Titeltrack aus der gleichnamigen „Tatort”-Episode erschien unter dem Titel „White Eagle” auf dem gleichnamigen TD-Album. Für Horst Schimanski (Götz George) und Christian Thanner (Eberhard Feik) ist es ihr vierter Fall € 35-45 Popol Vuh „Aguirre LP”veröffentlicht als deutsches Reissue von 1982 bei Kosmische Musik BRD, Nr. „KK 20 21275-8”. Soundtrack zum 1972 im Amazonas-Gebiet inszenierten Werner Herzog-Films „Aguirre, Der Zorn Gottes” mit Klaus Kinski in der Titelrolle
Alle angegebenen Schallplattenpreise verstehen sich als ungefähre Richtpreise, die bei Internet-Auktionen, Schallplattenbörsen, Sammler-Foren, Festpreislisten, Privatverkäufen etc. erzielt oder angeboten wurden. Die Preise gelten in der Regel für Exemplare in Mint/Mint- (neuwertig bzw. minimale Gebrauchsspuren).
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90_Fundstuecke.qxp_Trödler Rubriken 05.09.19 17:03 Seite 2
FUNDSTÜCKE 90 Häuser, Burgen, Bauernhöfe etc. mit einigen Holztieren, Modellentwürfen und Bauplänen, Maße 43 x 31 x 6 cm. Marke nach Vorlagen von Kunstmaler und Eigentümer Karl Throll (1873-1952 München). Die Firma gründete Throll mit seinem Kompagnon Josef Kopf 1905 in München. Baukästen waren damals oftmals auch als Architektur-Lernkästen gedacht. Circa 100 Euro können für einen kompletten und gut erhaltenen Kasten aktuell noch erzielt werden.
FLOHMARKTPREISE n Keramik Wandteller aus der Serie „Masken“, Ruscha, Rudolf Schardt, Keramische Werke Rheinbach, 1950er-Jahre, verso bezeichnet Nr. „71712“, Ruscha handpainted Foreign“ & Künstlersignet „Hanns Welling“, mit Wandaufhängung, Durchmesser 27 cm. In der Stadt Rheinbach wurden schon seit 1743 Kannenbäcker aus dem Westerwald angesiedelt, die Terrakottafabrik Klein & Schardt wurde 1903 in Rheinbach gegründet, aus der nach dem Zweiten Weltkrieg die Ruscha Keramik entstand. Mit dem Firmeneintritt des Keramik-Ingenieurs Otto Gerharz als Betriebsleiter im Jahr 1951, wendete man sich vermehrt künstlerisch gestalteter Keramik zu. Mit gewagteren Formen und Farbmustern (Kurt Tschörner, Adele Bolz, Cilli Wörsdorfer, Hanns Welling, Heinz Siery etc.) sowie hippen italienischen und französischen Motiven startete der Keramik-Boom und die damit erfolgreiche Massenproduktion der 50er-Jahre in Rheinbach. Dementsprechend sind die Preise für Wandteller
Flohmarktpreis: 35 Euro
aus dieser Epoche eher im unteren Bereich anzusiedeln. Kaum mehr als 30 bis 40 Euro dürften zu erzielen sein. Flohmarktpreis: 20 Euro
n Spielzeug „Münchner Kindl-Baukasten D.R.G.M.“, Hersteller Münchener Kindl-BaukastenFabrik Pasing vor München, 1910er-/20erJahre, Sperrholzkasten, Holzklötze lackiert, Papier bedruckt. Enthält Steine zum Bau der unterschiedlichsten Schlösser,
n Reklame Blechdose „Ronnefeldt Ihr Tee“, Frankfurt, wohl 1950er-Jahre, Maße circa 30 x 37 x 21 cm. Lithografiertes Blech, cremefarben, umlaufend Firmenschriftzüge, frontseitig Öffnungsknauf. Das Teehaus Ronnefeldt wurde schon 1823 von Johann Tobias Ronnefeldt in Frankfurt gegründet. 1904 entwarf der berühmte JugendstilKünstler Hans Christiansen ein Werbeplakat für die Firma mit einem Drachenkopf als Symbol für chinesischen Tee. Das Unternehmen Ronnefeldt existiert noch heute und hat in Frankfurt weiterhin seinen Hauptsitz mit einem internationalen Vertriebsnetzwerk weltweit in über 70 Ländern. Eher schlicht gestaltete Aufbewahrungs-Blechdose der Nachkriegszeit, die bei Sammlern mit circa 50 bis 70 Euro zu bewerten ist. Flohmarktpreis: 30 Euro
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