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Europas Sammlermagazin

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Schweiz CHF 8,50 | Österreich € 5,00

Reklame Modellautos


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INHALT 5

TRÖDLER

ISSN 1863-0340

VERLAG

GEMI Verlags GmbH Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen Tel. 08441 / 4022-0 Fax 08441 / 71846 Internet: http://www.gemiverlag.de eMail: info@gemiverlag.de

GESCHÄFTSFÜHRER

Gerd Reddersen Rudolf Neumeier

CHEFREDAKTEUR

Karl Ruisinger eMail: karl.ruisinger@gemiverlag.de

REDAKTION

Nicola Fritzsch, Joscha Eberhardt Karin Probst, Helene Stümpfle-Wolf

AUTOREN DIESER AUSGABE

Dr. Graham Dry Reinhard Bogena Heidrun Th. Grigoleit Kathrin Bonacker

REDAKTIONSASSISTENZ

Heike Genz

TERMINE

Anette Wagner, Tel. 08441/4022-35 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34 eMail: termine@gemiverlag.de

LITHOS, SATZ, HERSTELLUNG

Westner Medien GmbH (Anschrift siehe Verlag)

ANZEIGEN

Markus Westner, Tel. 08441/4022-13 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34

KLEINANZEIGEN

Heike Genz, Tel. 08441/4022-18 Marlene Westner, Tel. 08441/4022-12

VERTRIEB

Gerd Reddersen

ZEITSCHRIFTENHANDEL

VU Verlagsunion KG

MARKTVERTRIEB

Jörg Kirschbaum Mobil 0172/4436638

ABOVERWALTUNG

Gemi Verlags GmbH Postfach 85291 Reichertshausen Tel: 08441/4022-0 Fax: 08441/71846 eMail: info@gemiverlag.de

DRUCK

westermann druck Gmbh

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LESERFORUM ■ Expertenauskünfte

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ONLINETIPP ■ Websites für Sammler

MAGAZIN

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■ Ausstellungen – Messen – Märkte

MODELLAUTOS

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■ Eko

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BLICKPUNKT ■ Französische Kunst-Keramik

AUKTIONEN

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■ Berichte – Preise – Termine

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SCHALLPLATTEN ■ Schwarzes Gold für Sammler

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KUNSTHANDWERK ■ Gürtelschmuck aus Japan

REKLAME

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■ Schokolade

FUNDSTÜCKE

114

■ Flohmarktpreise

TERMINE UND ANZEIGEN ERSCHEINUNGSWEISE

monatlich

■ ANTIKMARKTTERMINE

TITELFOTOS

© Linden-Museum, Stuttgart / Anatol Dreyer www. kabinettstueckchen.de

■ SAMMLERBÖRSENTERMINE ■ AUSLANDSTERMINE ■ REGELMÄSSIGE TERMINE

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fallen die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM.

■ FLOH- UND TRÖDELMARKTTERMINE ■ KLEINANZEIGEN IN DER SAMMLERBÖRSE

Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/11 (Preise gültig seit 01.08.2006)

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ONLINETIPP 9

■ Oldtimerbesitzer interessieren sich auch fast immer für passende Dokumente zu ihren Fahrzeugen, z. B. Bedienungsanleitungen, Preislisten, Presseberichte und historische Prospekte. Diese werden auch von zahlreichen Sammlern gesucht, die sich ihren Traum auf vier Rädern nicht in die Garage stellen können. Beliebt sind auch Spezialsierungen auf Prospekte bestimmter Hersteller oder Zeiträume.

AUTOPROSPEKTE

■ Porsche Prospektsammlung Der Schwerpunkt dieser umfangreichen Präsentation besteht aus Porsche-Prospekten, die sich mit Hilfe einer Suchfunktion nach Jahrgängen und Prospektarten aufrufen lassen. Zusätzlich zum Bildmaterial werden zu den Dokumenten auch Informationen wie Größenangaben, Umfang u.a.m. mehr geboten. Dazu kommen noch zahlreiche Sonderdrucke verschiedener Automobilzeitschriften zum Thema Porsche. Wie auf vielen Sammlerseiten stehen auch einige Tauschobjekte zur Verfügung. www.ruedigerkohl.de

lung und zum Informationsaustausch ist der Sammler auch an Kontakten interessiert. www.autoprospekte-online.de

■ DKW-Autos Zahlreiche Prospekte von Personen- und Lastkraftwagen aus den 1950er- und 60erJahren werden hier vollständig und mit großformatigem Bildmaterial präsentiert, darunter auch der Geländewagen „Munga" und ein Elektrofahrzeug mit 200 km Reichweite. Dazu kommen noch Zubehörprospekte und einige Zeitschriftenanzeigen. www.dkw-autos.de/verschiedenes/prospekte_ main.htm

■ Automobilia Club Denmark Der dänische Club für Sammler von Automobilprospekten stellt, sortiert nach Ländern aus aller Welt, gut 600 Prospekte vor; allerdings nur mit kleinformatigen Titelbildern. Außerdem gibt es Hinweise auf Sammlertreffen und es können auch Kontakte zu Tauschpartnern vermittelt werden. www.a-c-d.dk

■ Archives Catalogues Automobiles In dem sehr umfangreichen Archiv werden Prospekte zahlloser Fahrzeuge aus aller Welt vorgestellt, darunter auch von heute kaum noch bekannten Herstellern. Allerdings wird nur kleinformatiges Bildmaterial geboten, versehen mit Datierungen sowie Angaben über Größe und Umfang. Besonders umfangreich sind französische Hersteller vertreten. www.bunnik.perso.sfr.fr

■ Autoprospekte Von rund 50 Herstellern werden hier in Listenform Prospekte der 1970er- bis 90erJahre mit Kurzinformationen und Preisangaben aufgeführt. Mangels Bildmaterial dürfte diese Präsentation nur für Sammler interessant sein, die sich einen Überblick über das Preisgefüge verschaffen möchten. www.auto-prospekte.de

■ Autoprospekte online In Bildergalerien werden, alphabetisch sortiert nach Herstellern aus aller Welt, über 3000 Prospekte vorgestellt. Zum umfangreichen Bildmaterial werden noch Kurzinformationen mit Angaben zum Erscheinungsjahr, Größe, Umfang usw. geboten. Mit einer Suchfunktion lassen sich Automobilmarken und -modelle rasch finden. Für den weiteren Ausbau der Samm10 / 16


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MODELLAUTOS 16

EKO REINHARD BOGENA

Eine Wiking-Konkurrenz aus Spanien

Im Visier von Sammlern Was wäre eine Modelleisenbahn ohne Landschaft und Ausschmückung – wobei Autos zum unverzichtbaren Bestandteil gehören. Obwohl es schon in früheren Zeiten einige Hersteller gab, die passende Modelle im Maßstab 1:87 produzierten, wird in diesem Zusammenhang sofort der Name „Wiking” genannt. Zahlreiche Generationen erfreuten sich an den kleinen Autos aus Berlin, die auch unabhängig von einer Eisenbahnanlage zum Spieleinsatz kamen. Später gesellten sich Herpa dazu, Praliné, Roskopf/Roco und Rietze: Alle versuchten sie, den Platzhirsch in Originaltreue ebenso wie in Qualität und Moschen sind sie ins Visier von Sammlern geraten.

„Schönheitsfehler” Auf den ersten Blick macht die „großartige Modellautoserie aus Kunststoff" den Eindruck einer billigen Kopie des WikingVorbilds, darunter Mercedes-Modelle der 50er-Jahre, Opel Rekord P1, natürlich der VW-Käfer (auch mit Wohnwagen), Lastwagen wie Magirus-Rundhauber und ein frühes Ford-Modell (Typ FK 3500), jeweils in verschiedenen Ausführungen. Andererseits aber gibt es zahlreiche Fahrzeuge, Opel P1 Rekord von Eko. – Saab 96: ein seltenes Modell im H0-Maßstab. – Renault 4CV und Fiat 600. – Zwei Exoten: Citroen Ami 6 und Ford Anglia dellauswahl zu übertreffen und zu ergänzen. Ein weiterer Hersteller führte da eher ein Mauerblümchendasein – und war plötzlich vom Markt verschwunden: Eko. Ein Brand in der Fertigungshalle um 1980 soll das Ende des spanischen Herstellers (ursprünglich Blasco Industries) markiert haben. Dessen Autominiaturen waren bereits früher nicht überall erhältlich, inzwi10 / 16


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MODELLAUTOS 17 Seat 1400 Kombi und (farblich bearbeitete) Limousine. – Eines der gelungenen und seltenen Eko-Modelle. – Eko führte auch Straßenkreuzer wie diesen im Programm. – Ford Anglia mit schräg gestellter Heckscheibe nachdem erst zu jener Zeit das Sammeln von Modellautos populär wurde und diese nicht mehr allein als Spielzeug dienten. Eigentlich wurden Eko-Autos ebenso wie die der Konkurrenten bis dahin vorwiegend für Kinder hergestellt. Bei zahlreichen Eko-Fahrzeugen fallen einfache, schmale und gefühlsmäßig unpassende Räder auf, die im Einzelfall an Karosserie oder Chassis streifen und einen „Freilauf” verhindern. Darüber hinaus wirkt das Plastikmaterial eher dünn, filigran, ja manchmal fast durchsichtig und nicht immer so glatt wie bei Wiking. Man muss kein Perfektionist sein, um an manchen Stellen die Prägung und selbst die Form zu kritisieren, die maßstäblich nicht immer korrekt wiedergegeben ist, z. B. der Bereich um die Scheinwerfer am alten Ford-Lastwagen und beim Citroen DS (über den wir vielleicht besser ganz den Mantel des Schweigens legen). Auch die Renault Dauphine scheint vom optischen Eindruck her im Bereich der Frontpartie ein wenig zu lang geraten zu sein, bei anderen können wir zu große Spalte zwischen Karosserie und Chassis bemängeln. Die Fehler bewegen sich meist im kleinsten Millimeterbereich, stören jedoch das Auge des Kenners. Überhaupt schienen sich die Spanier mit dem Maßstab nicht so sicher die Wiking nie produziert hatte, darunter Lkws von GMC, die aber jenen von Roco sehr nahe kommen, einem österreichischen Hersteller. Wieder andere Modelle übernahm Eko von Anguplas (Mini-Cars), Barcelona. Dieser Name ist bei uns weithin unbekannt, obwohl die Firma später mit Preiser (u. a. bekannt durch Figuren für die Modelleisenbahn) agierte. Wer die Eko-Autos in den 70er-Jahren entdeckte, fragte sich meist erst einmal überrascht: „Oh, was ist das denn?” – und man meinte damit die im Vergleich zur gewohnten Wiking-Qualität eher mäßige Verarbeitung und Detailtreue. Dabei heißt es im zeitgenössischen Prospekt: „... in speziell für Deutschland gefertigter Qualität!” Zu dieser Aussage sah man sich wohl genötigt, zu sein: 1:86 steht auf der Bodenplatte einiger Modelle eingeprägt, während sie der Katalog als 1:87 ausgibt – was letztlich nur ein „Schönheitsfehler” ist. Und dennoch – besonders im direkten Vergleich mit den entsprechenden Wiking-Modellen wirken die Eko-Pendants eher wie eine Vorserie, die es in einzelnen Partien noch zu überarbeiten gilt. Das mag auch der Grund sein, weshalb viele Sammler sie mit mehr oder weniger Geschick nach eigenem Gusto bearbeitet bzw. „gesupert” haben, wie es in der Insidersprache heißt. Doch sollte man wissen, 10 / 16


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Mercedes 300. – Vergleich der Opel-Bodengruppe: Eko / Wiking. – Bei der Kastenente von Eko lassen sich sogar beide Hecktüren öffnen. – Stillleben mit Eko-Modellen. – Fiat 1800 Krankenwagen. – Ford FK 1000. – Ford FK 1000 von Wiking (links) und Eko (rechts); in der Mitte ein bearbeitetes Eko-Modell dass schon ab Werk einige Einzelheiten (Rückleuchten, Scheinwerfer) handbemalt wurden. Wie bei Wiking wurden auch Kataloge bzw. Prospekte herausgegeben. Deren Qualität bleibt leider ebenso hinter der des Konkurrenten zurück, obwohl sie Ende der 70er-Jahre erschienen waren, zu einer Zeit, in der man Besseres hätte erwarten können. Immerhin geben sie einen 10 / 16


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Mercedes Luxus-Bus von Wiking (links) und Eko. – DKW Schnelllaster von Wiking (links) und Eko. – VW Cabrio von Wiking (links) und Eko. – Selten: der MGA-Roadster von Eko. – Hübsches Kleinwagenidyll von Eko. – Opel Kapitän von Eko, rechts farblich bearbeitet. – Seltene Eko-Prospekte Überblick über das, was von Eko produziert wurde.

Exotische Modelle Wer heute diese Modelle sammelt, tut das, weil er entweder schon alles hat oder persönliche Erlebnisse früher Jahre damit verbindet. Oder man möchte seine Sammlung um Fahrzeuge ergänzen, die es seither von keinem Hersteller in diesem Maßstab gab. Im Gegensatz zu den 70er-Jah10 / 16


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MODELLAUTOS 20 ren, als noch keine Computertechnik die Produktion erleicherte, tummelt sich heute eine unglaubliche Vielzahl von Automodellen am Markt. Und wenn man früher nicht zufällig beim freundlichen Spielwarenladen um die Ecke fündig wurde, dann entdeckte man den spanischen Hersteller vielleicht in einem Katalog vom Importeur Model International Duve & Schultz oHG,

1:87-Sammler sonst lange suchen müsste. Da nahm (und nimmt) man es einfach in Kauf, dass einzelne Stellen der Plastikkarosserie vielleicht etwas zusammengezogen wirken und die Passgenauigkeit verbesserungswürdig ist. Das könnte eine Folge des Produktionsprozesses sein oder des verwendeten Kunststoffes. All die Kritik heißt jedoch nicht, dass es auch ein paar besonders gut gelungene Modelle gab. Der Fiat 850 gehört dazu, ein in den 60er-/70er-Jahren sehr populärer Kleinwagen, den vielleicht Onkel Hans oder Tante Ruth fuhr. Auch der Citroen Ami 6 und der Ford Anglia (im Katalog als „Consul Classic” bezeichnet), beide mit schräg gestellter Heckscheibe, können sich seWalldorf. Wollte man so etwas Exotisches wie einen Studebaker Avanti, eine Rover Limousine, den grimmig dreinblickenden Renault 8 oder etwa einen Fiat 600 Multipla aus den 60er-Jahren? Hätte man gerne ein BMW 700 Coupé auf der Modellbahnanlage stehen gehabt, den Volvo Sportwagen P1800, eine Renault Floride? Bei Eko wurde man fündig. Auf dem LkwSektor finden wir Exoten wie die spanischen Pegaso und Barreira, wonach der 10 / 16

Farblich bearbeitete Modelle von Eko. – Kleine EkoPalette. – Dekorativ: Citroen 2CV Kasten-Ente. – Renault Dauphine. – Fiat 124. – Überarbeiteter EkoTankwagen (Ford) hen lassen; das große Vorbild des englischen Ford erlangte durch die Harry-Potter-Verfilmung wieder Populartität. Ob die ein oder andere Preisforderung gerechtfertigt ist, muss der Sammler entscheiden. Die meisten Modelle sind derzeit noch für kleines Geld (unter 10 Euro) zu haben – und auf jeden Fall trotz der beschriebenen Unvollkommenheiten eine schöne Ergänzung zur Wiking-Sammlung. Fotos: Reinhard Bogena


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BLICKPUNKT 21

KERAMIK

■ Französische Kunst-Keramik Der Fachautor Dr. Horst Makus hat Anfang des Jahres ein neues, wichtiges und umfangreiches Werk über Keramik im Ernst Wasmuth Verlag herausgegeben: Auf 583 Seiten behandelt der Keramikexperte ausführlich und detailliert „Französische Kunst-Keramik, 1860-1920". Für die zahlreichen farbigen und teils großformatigen Abbildungen standen überwiegend unveröffentlichte Objekte aus privaten und öffentlichen Sammlungen zur Verfügung. Mit vielen fundierten Publikationen zum Themenbereich „Keramik” hat sich Makus seit 1981 in Sammlerkreisen einen Namen gemacht. Sein neuestes Werk enthält im Hauptteil biografische und werksgeschichtliche Beiträge zu über 550 Keramikern, Malern und Bildhauern und ihren Mitarbeitern und in vielen Fällen die überwiegend farbig abgebildeten keramischen Werke der genannten Künstler: Von A wie Arnaul, B wie Baudin, über G wie Gallé und Greber werden die Künstler in alphabetischer Reihenfolge bis Z wie Zumbo beschrieben und eingeordnet. Horst Makus untersucht dabei auch bisher weniger be-

Amalric Walter, großer Wandteller, Fayence, Ø 58 cm, um 1898. HLM (Foto: Jürgen Heise)

achtete oder unbekannte Aspekte des Schaffens bekannter oder weniger bekannter Keramiker, Werkstätten oder Manufakturen und fasst nicht nur den aktuellen Wissensstand zusammen, sondern geht auch auf die Firmengeschichte der Werkstätten, Manufakturen und Fabriken

Eugène Collinot, Cachepot, Fayence, H 23,5 cm, Ø 43,0 cm, um 1878. HLM (Foto: Jürgen Heise)

ein. Außerdem informiert er detailliert über Galerien, Handelshäuser, Ausstellungen und Salons. Ausführlich werden in dem Werk zusätzlich an die hundert wichtige Sachbegriffe der Materie erklärt und erörtert. Unter „Episoden, Entwicklungen und Eindrücke" führt der Autor in sein MammutWerk ein. Zudem sind in dem Bildband mit Namensregister auch Marken und Signaturen dokumentiert und beschrieben. Bei der Mehrzahl der abgebildeten Objektkennzeichnungsnummern, Signaturen, Beschriftungen, Marken und Aufkleber handelt es sich um fotografische Wiedergaben von Originalvorgaben. Das Buch eignet sich mit 14 Seiten, die allein Signaturen und Marken gewidmet sind, insbesondere für Sammler als Nachschlagewerk. Horst Makus verwendet den Begriff „Kunst-Keramik" in einem umfassenden Sinn. Deshalb berücksichtigt er in seiner Veröffentlichung auch häufig vernachlässigte, große Hersteller ungeachtet der im Titel angegebenen zeitlichen Eingrenzung. Selbst bei wenig bekannten Namen kann der Autor mit bislang unbekannten Informationen und neuen Ergebnissen aufwarten. So werden etwa auch die Keramikerzeuger Denbac, Méténier oder Pierrefonds ausführlich behandelt, die den Stil des Art Nouveau popularisierten und noch bis in die Mitte des Jahrhunderts transportierten, obwohl dieser Stil bei vielen Kritikern längst verpönt war. Den ausführlichen Artikel „Französische KunstKeramik 1860-1920” (acht Seiten, 26 Abbildungen) von Heidrun Th. Grigoleit finden Sie in der aktuellen Oktober-Ausgabe der Zeitschrift „Sammler Journal” (ab 27. September im Handel erhältlich)

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Neuheiten: Bücher für Münzsammler

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REKLAME 102

SCHOKOLADE KATHRIN BONACKER

Süßwaren sind Luxusartikel – und das Nicht-Notwendige ist von Beginn an besonders intensiv beworben worden, um den Bedarf zu wecken. So gab es auch schon früh wunderschöne und pfiffige Schokoladen-Reklame, lange bevor lila Kühe oder Tricks mit Knicks erfunden wurden. Die Werbebilder zeigen Schokolade als Verführung für Zunge, Herz und Seele. Sie richten sich dabei an jene, die die Leckereien schenken und mit Süßwaren Freude bereiten wollen. Besonders gelungen ist die Reklame dann, wenn uns beim Betrachten schlicht das Wasser im Munde zusammen läuft. Und für Sammler gibt es herrliche Serien!

Geschichte und erste Vermarktung Eine ganze Abteilung des Kölner Schokoladenmuseums widmet sich der Werbung für dieses Objekt der Begierde, und so bietet sich hier ein erster Einblick in die Geschichte der Schokoladen-Reklame. Das Museum wurde von dem damaligen Besitzer der Firma Stollwerck, Dr. Hans Imhoff, gegründet, 1993 eingeweiht und kooperiert seit 2006 mit der Firma Lindt & Sprüngli. Es gehört zu den zehn meistbesuchten Museen in Deutschland. Beide genannten Träger-Firmen, also Stollwerck und Lindt, können schon auf lange Traditionen zurückblicken. Stollwerck wurde 1839 zunächst als Konditorei mit Bonbon-Fabrik gegründet und hatte ab 1860 auch Schokolade im Programm. Die 1906 eingeführte „Alpia"Schokolade wurde ein Schlager. 1964 kaufte Imhoff für Stollwerck die „Alprose"Fabrik in der Schweiz, die seit 1957 zunächst unter dem Namen „Titlis-Chocolat" produzierte. 1969 übernahm Stollwerck dann auch die Firma Hildebrand in Berlin, Deutschlands älteste Schokoladenfabrik, „Gala" von Peter, 1903. – „Cailler’s”, Bergsteiger in den Alpen, 1903. – „Velma" von Suchard mit alpiner Landschaft, 1914 10 / 16


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den als Schokoladen-Spezialitäten, die oft als besondere Geschenke gedacht sind, in der Werbung eine eigene Gattung und werden hier daher nicht mit betrachtet. Zu den ersten Schokoladenanbietern gehörten auch die Halloren Schokoladenfabrik in Halle (seit 1804) und Felix & Sarotti in Berlin. „Felix & Sarotti" war der Fantasiename des Gründers Heinrich Neumann für seine „Confiseur-Waaren-Handlung", die im September 1852 eröffnet wurde. Im Inserat in der Vossischen Zeitung hieß es werbend: „Im Chocoladenfache haben wir uns die ausgedehnteste Vielfältigkeit zur Aufgabe gestellt. Wir unterhalten ein umfangreiches Hauptdepot der wohlrenommirten Trink-, Dessert- und Figuren-Chocoladen von Jordan Timaeus in Dresden. Wir führen ein vollständiges Assortiment der köstlichen Chokoladen von Masson in

Lobeck, Kuh, 1922. – Tobler, Schneealpen, 1965. – „Alpia" von Stollwerck, ein „Tell" vor dem Vierwaldstätter See, 1979. – Stollwerck, Phonograph, 1903. – „Tell"-Schokolade, 1910 Paris, so wie uns endlich die berühmten Fabriken von Guerin-Boutron und von Mennier & Co in Paris den ausschließlichen und alleinigen Debit ihrer vortrefflichen Chocoladenfabrikate übertragen haben." Ab 1881 wurde hier aber nicht mehr nur gehandelt, sondern auch selbst produziert. Seit 1894 ist der Name „Sarotti" als Marke angemeldet. Der bekannte Sarotti„Mohr" allerdings kam erst seit 1918 zum Werbeeinsatz. Insgesamt beruht die deutsche Schokoladenproduktion also in der Regel auf Gründungen des 19. oder frühen 20. Jahr-

deren Anfang 1817 Theodor Hildebrand, ein Konditor und „Pfefferküchler" gemacht hatte. Bei Hildebrand wurde seit 1935 auch „Scho-ka-kola" hergestellt, die bis heute in Achtelstücken (doppelt geschichtet in runden Dosen) gehandelt wird. 1976 erwarb Stollwerck dann obendrein Waldbaur aus Stuttgart (seit 1858 im Geschäft) und 1979 auch Sprengel in Hannover, gegründet 1851, sowie 1998 Sarotti. Seit 2011 gehört Stollwerck zur belgischen Unternehmensgruppe Baronie, einem 1920 gegründeten Süßwarenunternehmen. Lindt & Sprüngli wiederum entstand 1898 aus dem Zusammenschluss zweier Schweizer Schokoladenfabriken in Kilchberg. Die Erfindung des speziellen Schokoladenrührwerks „Conche" von Rodolphe Lindt 1879, durch die eine besondere Cremigkeit der Schokolade erreicht wird (die bis dahin eher bröselig bis brüchig war), begründete den Ruhm dieser Produktionsstätte. Zu Ostern 1952 wurde dann obendrein der bekannte „Goldhase” auf den Markt gebracht. Diese Saisonwaren (desgleichen nämlich die Schokoladenweihnachtsmänner) sowie Pralinen bil10 / 16


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REKLAME 104 Stollwerck, Schützengraben, 1915. – Stollwerck, Christkind, 1929. – Stollwerck, Weihnachtslied, 1930. – Stollwerck, Herrenschokolade milchfrei, 1963. – „Tell", Picknick, 1921 hunderts, die inzwischen in mehr oder weniger großen Konzernen zusammengeschlossen sind. Nur noch wenige Familienbetriebe existieren, darunter die Alfred Ritter GmbH & Co. KG, die seit 1932 die „Ritter Sport"-Schokolade produziert. In

jüngster Zeit erobern aber auch FairtradeSchokoladen und Bio-Produktionen den Markt, so dass die Traditionsfirmen hier gezwungen sind nachzurüsten.

Werbemotive und -strategien In der Werbung gibt es mehrere Elemente der Schokolade, die für die Bilder, die sich hier finden, bestimmend sind. Da ist zunächst die Milch. In der frühen Schokoladenproduktion war es noch betonenswert, dass eine Schokolade, also ein KakaoProdukt „zum Rohessen" geeignet war, also nicht erst gekocht als Stärkungsgetränk serviert wurde wie etwa Kaffee oder gar Koka. Mit der Erfindung des Milchpulvers durch Henri Nestlé 1867 und dessen Verwertung durch den Chocolatier Daniel Peter wurde 1875 in der Schweiz die erste Milchschokolade hergestellt. Damit waren die Kuh als Lieferantin der Milch und die Schweizer Alpenwelt als Werbemotive quasi gesetzt. Schneebedeckte Gipfel und friedlich grasende Rinder sowie Menschen in Schweizer Trachten finden sich seither immer wieder. Auch der sagenumwobene Freiheitskämpfer Wilhelm Tell, dem Schiller auf der Bühne zu internationalem Ruhm verholfen hat, ist nicht nur Bildmotiv, sondern auch Namensge10 / 16

ber einer Schokolade der Firma Hartwig & Vogel geworden, wie auch die „Rigi", das bekannte Bergmassiv des Kantons Schwyz. 1981 nutzte auch die Schweizer Fluggesellschaft „Swissair” die Popularität der Süßwaren und betitelte eine doppel-

seitige Anzeige: „Man sollte ab und zu ein bisschen Schweizer Schokolade essen". Die deutsche Firma Stollwerck hat dagegen mit ganz anderen Methoden gearbeitet und später sogar mit der „Herrenschokolade" wieder ganz provokativ auf Milch


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verzichtet. Die Bekanntschaft des Stollwerckchefs mit Thomas Alva Edison, dem Vater der Elektrifizierung und der Tonaufnahmen, hatte um die Jahrhundertwende eine besonders kuriose Werbestrategie zur Folge: 1903 wurden für das Weihnachtsgeschäft Schokoladentafeln in Mini-Schallplattenform verkauft, die sich mit einem speziellen Phonographen abspielen und Lieder sowie Geschichten erklingen ließen. Dieses Blechspielzeug war zwar nicht besonders stabil und auch die Klangqualität ließ wohl etwas zu wünschen übrig, aber die Jugendstilästhetik der ornamental verzierten, wenigen erhaltenen Objekte macht diese doch zu begehrten Sammlerstücken, die zwischen 200 und

500 Euro gehandelt werden. Der Brüchigkeit der Schokolade (die natürlich außerdem gegessen werden sollte) waren sich die Produzenten wohl immerhin bewusst, so dass zusätzlich abspielbare Metallplättchen mitgeliefert wurden, und ein Jahr später kam eine mit Holz verstärkte, verbesserte Version des Gerätes auf den Markt. Parallel gehörte Stollwerck neben dem Fleischextrakt-Hersteller Liebig und auch der Konkurrenz Suchard zu den erfolgreichsten Sammelbild-Produzenten. Den Lindt, vornehme Welt, 1930. – Mauxion, Dame im Pelz, 1925. – Mauxion, Dame an der See, 1925. – GEG, Schokofabrik, 1931. – „Hansi" von Rüger, 1922 Schokoladentafeln lagen bunte, nummerierte Bildchen verschiedenster MotivSerien bei, die sich in Alben einkleben ließen. Inhaltlich hatten diese Bilder, die sich mit Architektur, historischen Ereignissen, Volkskunde oder Landschaften befassten, nichts mit Schokolade zu tun. Sie erhöhten lediglich den Kaufanreiz. Im Ersten Weltkrieg warb Stollwerck dann intensiv im Feldpostsektor: Schokolade als Liebesgabe, die an die Front geschickt werden konnte. Bei den Motiven, die Soldaten im Einsatzbereich zeigen, wird wenig beschönigt. Die Betrachtenden daheim bekamen die Adressaten der Süßwaren direkt im Schützengraben vorgeführt. Wie beschaulich und friedlich wirken dagegen dann die Weihnachtsszenen der 1920er-Jahre, in denen die Kinder beschenkt werden! Die Erwachsenen-Freuden dieser Jahre, Picknick oder Urlaub, wurden in zeittypi10 / 16


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land am Ende nur noch für die Wehrmacht: Die „Scho-ka-kola"-Dosen jener Zeit (von der Firma Hildebrand, als „Militaria" einzeln gehandelt für derzeit mehr als 100 Euro!) sind als Stärkungsrationen für die Soldaten, speziell die Flieger reserviert gewesen. Manche „Wehrmacht-Packung" war sogar mit Eichenlaub und Jahreszahl bedruckt.

Kinder und lustige Kühe Erst die Wirtschaftswunderzeit brachte ein Wiedererstarken der Schokoladenproduktion in Deutschland. Vorwiegend Kinder wurden jetzt als Zielgruppe dargestellt. Bereits in den 1920er-Jahren hatte sich „Hansi", mit dem Schulranzen als fleißig „Babette" von der GEG, 1963. – „Kinderschokolade” von Ferrero, 1967. – „Milka" von Suchard mit Schwarzwaldmädel, 1966. – „Milka" von Suchard mit Rinderrassen, 1979. – „Milka" von Suchard, Almabtrieb, 1980 schen Grafiken präsentiert, für die zum Beispiel Mauxion unterschiedliche Künstler verpflichten konnte. Schokolade wurde als Teil des gehobenen Lebensstils gezeigt, während die Wirtschaftskrise nahte und die Arbeitslosigkeit stieg. Wer Fabrikarbeit hatte, konnte sich glücklich schätzen. Die Würdigung der Arbeit gab es in den 1930er-Jahren durch die GEG (Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Consumvereine), die zum Ziel hatte, der Arbeiterschaft erschwingliche Lebensmitteleinkäufe zu ermöglichen. Hier wurden oft in der Werbung nicht nur die Produkte, sondern auch deren Fabrikation gezeigt. Diese sonst eher unübliche Darstellung wirk10 / 16

te als Gütezeichen, denn es ging um Identifikation mit dem Produkt. Die NS-Zeit findet sich in der Schokoladenreklame dann vertreten durch markige deutschnationale Auftritte. Speziell Sarotti, dessen Produktionsstätte 1943 in Berlin unbeirrt mit dem „Mohren” ihre 75-JahrFeier beging, war dabei extrem angepasst. Auf der Werkszeitung hieß es 1940 martialisch „Mit unsern Fahnen ist der Sieg!" und noch drei Jahre später zierte ein Bild des reitenden kleinen Turbanträgers mit Fahne das gleiche Blatt unter dem Slogan „Allen andern zuvor der Sarotti-Mohr!" Offenbar war der junge Ost-Afrikaner nicht der „Arisierung” zum Opfer gefallen. Allerdings hatten zunächst die 1942 erfolgte Rationierung von Schokolade pro Person auf 30 Gramm jährlich sowie das Verbot von Kakaoverarbeitung generell für die nächsten Jahre ein fast komplettes Erliegen der Produktion zur Folge. Schokolade gab es im Zweiten Weltkrieg in Deutsch-


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„Milka" von Suchard, „Mona Lila", 1989. – Cailler, Dame in Blau, 1963. – Cailler, Dame in Rot, 1963. – „Scho-ka-kola", Mann im Wald soll gedopt werden, 1969. – Lindt, Porzellancellist, 1976 und belohnenswert charakterisiert, an der Süßigkeit erfreut, nun kamen extra kindlich präsentierte Tafeln wie „Babette" und 1967 auch die „Kinderschokolade" von Ferrero auf den Markt; auch Suchards „Milka" hatte kurzfristig Schwarzwald-Puppen-Motive im süßen, selbst gebastelt wirkenden Stil der Mitte des Jahrhunderts. Dann gelang Suchard ein ungeahnt langlebiger Streich in der Reklame: Die lila Kuh wurde erfunden. Zwar gab es bereits einige Auftritte lila gefärbter Kühe in der Werbung, aber erst ab 1972 basierte eine ganze Kampagne der Firma Young & Rubicam (Y&R) darauf, das Violett der Verpackung auf das Tier zu übertragen. Diese war seither – nur kurz in den 1980er-Jahren unterbrochen – extrem erfolgreich. In ländlichen Gebieten geht sogar inzwischen die Mär, dass Stadtkinder gar nicht wüssten, dass Kühe normalerweise nicht lila sind. Und wie es einen als „Nivea”-Blau bezeichneten Farbton gibt, so ist auch das „Milka”-Lila von enorm hohem Bekanntheitsgrad.

wusste, was er zu tun hatte! „Scho-ka-kola” dagegen setzte auf die Jugend der End-Sechziger, die nicht nur psychedelische Musik hörte, sondern auch dem Thema Drogen sehr unbefangen gegenüber stand, und witzelte frech: „SCHO-KA-KOLA... die gesunde Art zu dopen”. Knallrote Anzeigen präsentierten dabei verrückte Szenen aus dem Alltag. Lindt wiederum zeigte sich Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre konservativ und edel: Die Schokoladen und Pralinen wurden jeweils Stillleben-artig mit offensichtlich kostbaren alten Porzellanfiguren in Szene gesetzt – die Schlagzeile hieß dabei immer „Es ist Ihr Recht, von Lindt Besonderes zu erwarten." Diese Anzeigenserie lief mehr als fünf Jahre lang. Sprengels Serie der End-Achtziger führte dann mit etwas anderen Mitteln fort, was

Cailler Anfang der Sechziger begonnen hatte: Der Wunsch nach einer bestimmten Sorte stand im Mittelpunkt einer Reihe von Anzeigen. Jeweils vor einer stark farbigen Mustertapete platziert, posierten ein gut gekleideter einzelner Mann (arrogant, ja, beinahe schmollend im Ausdruck), eine sehr selbstbewusste einzelne Frau mit langen, roten Handschuhen oder gar ein Paar, bei dem die dominante Frau den Herrn am Ärmel zog. Im Vordergrund prangte die orangefarbene Sprengel-Tafel. Der Slogan hieß einfach „Ich will Sprengel." Der Bekanntheitsgrad dieser frechfröhlichen Serie zeigte sich auch in ihrer Aufnahme durch das konsumkritische Milieu: 1999 erschien eine Sammlung von Plakaten autonomer Bewegungen als Buch und enthielt das Bild einer der Sprengel-Damen, betitelt mit dem Satz „Ich will SprengeN" (wobei das „N" ein Symbol der Hausbesetzer-Szene war).

Tolle Serien Viele Ideen prägten seither die Schokoladenwerbung. Besonders hübsch und sammelwürdig ist sicher die Cailler-Damen-Serie; die traditionsreiche Schweizer Firma (1929 fusioniert mit Nestlé) handelt seit 1819 mit Schokolade. Vornehme Frauenporträts mit Hut, gemalt in gefälligen Farben, wurden auf den Bildern ergänzt von einer Tafel Schokolade im Vordergrund und dem schlichten Slogan „Damen lieben Cailler, Herren wissen das!". Wer also 1963 ein Frauenversteher sein wollte, 10 / 16


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REKLAME 108 Sprengel, Frau mit Mann will…, 1989. – Sprengel, Frau will…, 1989. – Sarotti-„Mohr" als Weihnachtswichtel unterwegs, 1927. – „Miss Mauxion", 1969. – Ritter „Sport", westafrikanischer Kakao-Arbeiter, 1983 ten die Fair-Trade-Produzenten der jüngsten Zeit mit ihren Reklamebildern anknüpfen: Sie müssen zeigen, dass auf einer Ebene und nicht in Kolonialstrukturen gehandelt wird, daher ist der sympathische Handelspartner aus der Dominikanischen Republik auf dem Rapunzel-Werbefoto 2005 ein gebildeter Agraringenieur. Dieses Bewusstsein ist aber noch sehr jung. Erst ab 1988 wurde überhaupt BioSchokolade produziert, und die „Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH" (GEPA), 1975 gegründet, erklärt auf ihrer Website, dass die erste fair gehandelte Bio-Schokolade ab dem Jahr 2000 in Deutschland hergestellt wurde („Fairena Bio"). Die neueste Werbestrategie ist also das Erzeugen eines guten Gewissens. Weitere Reklamewirkung hatten über die Jahre auch Verpackung und Form der Schokolade. Die Umhüllung aus Papier, oftmals mit Goldprägung oder Firmensie-

Kolonialware Kakao Der Sarotti-„Mohr" ist seit 1918 sowohl eine sehr erfolgreiche als auch vermutlich die umstrittenste deutsche Markenfigur. Er ist zu Beginn ein Sinnbild der Herrschaftsverhältnisse gewesen, die lange Zeit den Kolonialwarenhandel, also auch den Handel mit Kakao, bestimmt haben. Es war in adeligen und später auch begüterten bürgerlichen Kreisen zwischen 1700 und 1900 schick, dunkelhäutige Dienstboten zum Servieren zu haben. „Mohren" standen für das erstrebenswerte Fremde, den Orient als Märchenwelt, und der kleine Junge mit Turban, Jäckchen und Pluderhose, den Sarotti fortan als Werbeträger ins Feld schickte, wirkte sowohl süß als auch extrem exotisch. Bis heute serviert er daher die Schokolade von Sarotti. Inzwischen ist er vielleicht für uns als Relikt aus 10 / 16

alten Tagen leichter erträglich als für die Kolonialismus-kritische Generation der 70er, die auch in ihren eigenen Tagen Rassismus bekämpfen musste. Wenn Mauxion noch 1969 eine Nigerianerin als Werbeträgerin einsetzte, hatte das eben nicht nur mit ihrer Schönheit zu tun. „Miss Mauxion" wollte sehen, so der Text dabei, was aus den Kakaobohnen wird, die „ihre Leute" nach Europa schicken: Der Handelsweg ist der gleiche wie zur Geburtsstunde des Sarotti-Knaben, nur die Miss transportiert den exotischen Reiz mit einem Schuss Erotik der 1970er-Jahre. Die Firma Ritter, sich dieser Problematik bewusst, setzte in den 1980er-Jahren auf möglichst realistische Fotos aus der Handelswelt und zeigte nicht nur den KakaoLieferanten aus Westafrika im weißen Feinripphemd, sondern auch den HaselnussLieferanten aus der Türkei, den Winzer aus Kalifornien, der die Rosinen verlädt, und einen Italiener mit den Mandeln. Hier konn-


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REKLAME 109 zum Horizont reichende Schokoladenplatte montiert. Eine ganz neue Umsetzung des sprichwörtlichen Weges, der das Ziel ist – eben „unendlich gut”. Ob seinen Weg auch keiner aus den Augen verloren hat, der in den letzten Jahren in den großen Fernbahnhöfen unterwegs war, kann ich nicht sagen: Denkbar wäre es, denn die überdimensionalen Plakate von Ritter haben detailgetreu all ihre Sorten von Schokoladen gezeigt. Deren Marzipan-, Nougat- oder Sahneanteile hatten quasi hypnotische Wirkung, so nah erschienen sie Auge und Gaumen. Wer Schokoladenwerbung sammelt, muss wohl ein sehr entspanntes Verhältnis zu seinem Körpergewicht haben...

Literatur zum Weiterlesen

Ritter „Sport", türkischer Nuss-Händler, 1983. – Rapunzel, Agraringenieur im Fair Trade, 2005. – Ritter „Sport", Trick mit dem Knick, 1977. – „Toblerone", ideales Dreieck, 1994. – Wissoll, Nuss-Schokolade, 1956 gel versehen und somit kostbarer in der Erscheinung, wurde auch in der Reklame hervorgehoben. So konnte „Milka" in den frühen Fünfzigern mit einer neuen Innenverpackung punkten: „Ihr zartes Aroma macht sie überall in der Welt beliebt und begehrt. Suchard's neue Hermetik-Packung läßt nichts mehr zu wünschen übrig: auch bei langer und ungünstiger Lagerung bleibt sie fabrikfrisch, die SUCHARD MILKA". Und bei Ritter hieß es 1977 „Der Trick mit dem Knick und die Masche mit der Tasche" über die Verpackung, die das Brechen der Schokolade bereits vor dem Herausnehmen ermöglichte. Bereits 1971 hatte Ritter mit „Quadratisch. Praktisch. Gut." einen genialen Coup gelandet, ist es doch der Traum jedes Werbetexters, mit einem Slogan sprichwörtlich zu werden! Dabei war die Form im Verhältnis zu den klassischen Rechtecken ja gar nicht so stark verändert, wie in anderen Fällen: Die Blechdosen mit den geschichteten Dreiecken der „Scho-ka-kola" wurden von Toblerone mit der dreieckigen Form noch überboten. 1981 warb SchwanStabilo für seine Textmarker mit dem Bild eines gelben „Stabilo BOSS" neben einer angebrochenen Tafel „Toblerone" mit der Schlagzeile: „Manche Produkte erkennt man an der Form." Der 1990er-Jahre-Slogan „Heute schon gedreieckt?" konnte an diesen hohen Bekanntheitsgrad anschließen und ein völlig neues Verb machte plötzlich Sinn. Einfach nur angebrochene Schokolade mit pfiffigem Text reichte dabei, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die Firma Wissoll hatte bereits in den 1950ern auf die Wirkung der Schokolade an sich gesetzt und alle Einzelmotive ihrer langlebigen Kampagne (vom Schulkind bis zum Knusperhäuschen) auf eine bis

Immer interessant, aber natürlich mit Vorsicht zu genießen sind Werke wie „100 Jahre Stollwerck-Geschichte 1839-1939" von Bruno Kuske (Köln, Stollwerck, 1939). Aber jede Festschrift birgt eben auch eine Fülle von Informationen, wie zum Beispiel „75 Jahre Ritter 1912-1987. Festschrift zum 75. Firmenjubiläum der Firma Alfred Ritter GmbH & Co. KG Schokoladefabrik Waldenbuch" (Heidelberg 1987). Von Sammlerobjekten als solchen erzählen Volker Ilgen und Dirk Schindelbeck in „Jagd auf den Sarotti-Mohr. Von der Leidenschaft des Sammelns" (Frankfurt am Main, Fischer-Taschenbuch-Verlag 1997), und weitere Details bieten Rita Gudermann und Bernhard Wulff in „Der SarottiMohr. Die bewegte Geschichte einer Werbefigur" (Berlin, Christoph Links Verlag, 2004). Hier findet sich auch der vollständige Text der oben zitierten Eröffnungsanzeige von 1852. Alle Anzeigen stammen aus dem Archiv der Autorin (www.kabinettstueckchen.de).

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FUNDSTÜCKE 114

FLOHMARKTPREISE

■ Reklame Werbefigur „Müller-Lüdenscheidt“, im Boden eingepresste Signatur „Loriot“ (bürgerlich: Bernhard-Victor Christoph-Carl von Bülow, 1923 Brandenburg/Havel bis 2011 Ammerland/Starnberger See), hergestellt wohl in Deutschland, Ende 70er-/ Anfang 80er-Jahre, schwarz-weiß lackierter Kunststoff, 23 x 28 x 35 cm. Kultfigur aus dem Zeichentricksketch „Herren im Bad“ mit den Protagonisten Müller-Lüdenscheidt und Dr. Klöbner plus Quietschentchen in der Hotel-Badewanne, der erstmals am 15. Juni 1978 im Rahmen der Sendung „Loriot V“ von Radio Bremen ausgestrahlt wurde. Werbefigur mit heute noch immer hohem Bekanntheitsgrad („Die Ente bleibt draußen!“, „Aber ich kann länger als Sie!“), die im guten Erhaltungszustand in der Regel für 150 bis 200 Euro den Besitzer wechselt. Flohmarktpreis: 50 Euro

■ Literatur „Das Weib im Leben der Völker. Zweiter Band Asien“ von Albert Friedenthal (18621921), Verlagsgesellschaft für Literatur und Kunst Berlin Grunewald, 1911. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage (11.000-22.000) mit Geleitwort von Ferd. Frhr. v. Reitzenstein. Leinen gebunden, Deckelillustration (gemalt von Kunstmaler Schulz-Wedel in Friedenau), mit 1140 Abbildungen im Text, 48 farbigen Beilagen und einer ethnografischen Karte, Sachverzeichnis, Seitenzahl 307-664. Die „Anthropologien der Frau“ trugen damals der deutschsprachigen Ethnologie den Ruf ein, eher pornografischen als wissen-

schaftlichen Interessen zu dienen. In zahlreichen Fotografien wurden „nackte und wilde Frauen“ aus aller Welt gerne darge-

stellt. Die Frau als primitives „Natur- & Gattungswesen“, der (bürgerliche) Mann im Unterschied dagegen als „Individuum und Subjekt“. Im Fordergrund solcher Lektüre standen oftmals Darwinistische Prinzipien wie „geschlechtliche Zuchtwahl“, Antifeminismus, generalisierter Rassismus etc. Beide Bände erschienen damals in recht hoher Auflage und sind auf Flohmärkten gelegentlich auffindbar. Die Marktpreise variieren nach Zustand zwischen 20 bis 40 Euro für einen Einzelband. Flohmarktpreis: 30 Euro

Erscheinungstermin November-Ausgabe: Abo-Versand 17.10.2016 Erstverkaufstag Handel 21.10.2016

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Preise pro Termin Grundgebühr pro Stand 5€ Trödel, je Meter 10 € Neuware, je Meter 20 € Mindeststandgröße 2 Meter.

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