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Trödler 08/2019

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Europas Sammlermagazin

08/2019 64419

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Cloisonné Porzellan


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08.07.2019

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inhaLt 3

trÖdLer

ISSN 1863-0340

VerLag

GEMI Verlags GmbH Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen Tel. 08441 / 4022-0 Fax 08441 / 71846 Internet: http://www.gemiverlag.de eMail: info@gemiverlag.de

geschÄftsfÜhrer

Gerd Reddersen Rudolf Neumeier

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Nicola Fritzsch eMail: nicola.fritzsch@gemiverlag.de

redaktion

Joscha Eberhardt, Karin Probst, Helene Stümpfle-Wolf

autoren dieser ausgabe

Heidrun Th. Grigoleit, Theresia Peters, Ludger Spielberg

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Anette Wagner, Tel. 08441/4022-35 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34 eMail: termine@gemiverlag.de

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druck

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Leserforum n Expertenauskünfte

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magazin n Ausstellungen – Messen – Märkte

sPieLzeug

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n Jahrmarkt als Gesellschaftsspiel / Teil 1

PorzeLLan

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n Neue Formenwelt

auktionen

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n Berichte – Preise – Termine

onLinetiPP

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n Websites für Sammler

kunsthandwerk

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n Cloisonné

schaLLPLatten

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n Schwarzes Gold für Sammler

fundstÜcke

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n Flohmarktpreise

termine und anzeigen erscheinungsweise

monatlich

n antikmarkttermine

titeLfotos

Ludger Spielberg; Museum angewandte Kunst Frankfurt, Uwe Dettmar

n sammLerbÖrsentermine

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fallen die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM. Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/11 (Preise gültig seit 01.08.2006)

n ausLandstermine n regeLmÄssige termine n fLoh- und trÖdeLmarkttermine n krammarkttermine n kLeinanzeigen in der sammLerbÖrse 08 / 19


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MAGAZIN 6

AUSSTELLUNGEN n Gut in Form Mit über 300 Objekten besitzt die Neue Sammlung in München eine der weltweit größten und bedeutendsten Sammlungen von Thonetmöbeln, die damit nicht nur die Entwicklung von Sitzmöbeln spiegeln, sondern vor allem auch ein wichtiges Kapitel europäischer Unternehmensgeschichte repräsentieren. Anlässlich des 200-jährigen Bestehens des Unternehmens Thonet hat Die Neue Sammlung – The Design Museum den Münchner Produktdesigner Steffen Kehrle eingeladen, in einer Neuinszenierung eine Ausstellung von Thonetmöbeln zu entwickeln. Die Ausstellung wird die Thonetschen Pionierleistungen auf dem Gebiet der Entwicklung von Bugholzmöbeln und Stahlrohrmöbeln repräsentieren, aber auch einen Fokus auf die Entwürfe seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts legen und vor allem die jüngeren Modelle vorstellen. Wegbereiter der Bugholzmöbel war Michael Thonet (1796-1871). Der aus dem rheinischen Boppard stammende, seit 1842 in Wien lebende Schreinermeister setzte bleibende Maßstäbe für die Formgebung des Maschinen- und Industriezeitalters. Während seine Konkurrenten mit Hilfe von Drechsel- und Schnitzmaschinen historische Formen nachahmten, ging Thonet einen völlig neuen Weg. Er schuf sein fundamental modernes Formenreper-

Michael Thonet, Stuhl Nr. 14., circa 1856, Gebrüder Thonet, Wien: Ehemals Königshaus Hannover; Die Neue Sammlung, München Foto: Die Neue Sammlung – The Design Museum 08 / 19

Eddie (Edelhard) Harlis, Stuhl ST 664, 1954, Gebrüder Thonet, Frankenberg; Die Neue Sammlung, München Foto: Die Neue Sammlung – The Design Museum (A. Laurenzo)

Verner Panton, Freischwinger Nr. 275, 1956. Firma August Sommer, Plüdershausen für Gebrüder Thonet AG, Frankenberg. Ausführung ab 1967; Die Neue Sammlung, München Foto: Die Neue Sammlung – The Design Museum (A. Laurenzo)

toire aus den von ihm selbst entwickelten neuen technologischen und produktionstechnischen Möglichkeiten. Thonet verwirklichte ein zukunftweisendes Prinzip: Form als Ergebnis industrieller Fertigungsmethoden. Die grandiose Leistung Thonets bestand in einem Verfahren, Buchenholzstäbe unter Dampfeinwirkung und Druck in geschwungene Formen zu biegen – ein Verfahren, das sich bestens für die Serienproduktion eignete. Neu war auch, dass die Einzelteile nicht mehr verleimt, sondern geschraubt wurden. Dadurch ließen sich die Stühle zerlegt verschicken. In eine Kiste mit einem Volumen von einem Kubikmeter passten 36 Stühle des Modells Nr. 14. Die weitblickende kaufmännische Strategie und Vertriebspolitik machten das Unternehmen Thonet zu einem in seiner Zeit einzigartigen Phänomen. Nahezu jährlich erschienen umfangreiche Kataloge. Thonet exportierte in alle Welt. Bis zum Ersten Weltkrieg kamen über 1.400 verschiedene Modelle auf den Markt. Trotz der Fülle an Modellen besaßen viele Möbel standardisierte Elemente; Typisierung und Serienproduktion erlaubten erschwingliche Preise. Das Konzept war überaus erfolgreich – der berühmte „Konsumsessel“ Nr. 14 wurde bis 1910 über 50 Millionen Mal verkauft. Mit dem Aufkommen der Stahlrohrmöbel Ende der Zwanzigerjahre ging die Vorherrschaft der Bugholzmöbel zunächst zu Ende, aber Thonet konnte auch in diesem neuen Bereich wieder erfolgreich produzieren. In den 1930er-Jahren war das Unternehmen der weltweit größte Produzent von Stahlrohrmöbeln, die unter anderen von den berühmten Bauhäuslern wie Lud-

wig Mies van der Rohe oder Marcel Breuer stammten. Diese Möbel stehen für eine Abkehr vom Dekor, für eine schmucklose Formensprache, deren Klarheit die Zweckmäßigkeit des Objektes betont. Die Einfachheit der rechtwinkligen Konstruktionen stellen ihre Funktionalität, Ergonomie und Ökonomie in den Vordergrund. In Abwendung von den Formen der Gründerzeit und des Jugendstils stehen sie mit ihrer industriell geprägten Formensprache für eine neue Zeit und eine Haltung, die die Gesellschaft positiv verändern wollte. Die Zeit ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist geprägt durch Designer wie Eddi Harlis und Verner Panton oder in der jüngeren Zeit durch Entwürfe von Norman Foster, Konstantin Grcic, Stefan Diez oder Sebastian Herkner. Für die Ausstellungsinszenierung plante Steffen Kehrle einen hellen und klaren Raum, der sich durch weite Blicke und eine sachliche Präsentation der Exponate auszeichnet. Der in München lebende Steffen Kehrle ist in den Bereichen Industrie-, Ausstellungs- und Interiordesign tätig und gründete 2009 das ASK (Atelier Steffen Kehrle). Mit einfachen Mitteln entwickelt er für seine Produkte eine charakteristische Gestalt, die selbsterklärend ist und selbstverständlich erscheint. Seine Suche nach neuen Typologien führte auch zu einem Entwurf für Die Neue Sammlung – The Design Museum. Steffen Kehrle hat für das Museum die sogenannte DNSChair-Reihe konzipiert, deren verschiedene Entwicklungsstufen in der Ausstellung auch gezeigt werden. Bei der DNS-ChairReihe steht die Funktion im Fokus der Gestaltung. Denn die Idee für diese Reihe entwickelte sich einerseits aus einem Man-


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MAGAZIN 7

n Bauhaus verpackt

Pop-up-Vögel; Museum Zirndorf gel an Besucherstühlen im Designmuseum und andererseits aus der Zielsetzung, einen mobilen Stuhl mit einer besonderen Form auch für private und andere öffentliche Zwecke nutzen zu wollen. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation bei Koenig Books. (Bis 2. Februar 2020)

den. Hierbei ist für Überraschung gesorgt. Man weiß nie, was passiert. (Bis 22. September) Telefon: 0911/960605913 Webseite: www.zirndorf.de/museum

Als der Architekt Walter Gropius vor hundert Jahren im thüringischen Weimar das „Bauhaus“ begründete, entstand eine wirkungsreiche Kunstschule, die binnen weniger Jahre die europäische Avantgarde vernetzte. Die von hier ausgehenden Einflüsse prägten außer der Kunst die Architektur und das Möbeldesign nachfolgender Generationen. So gewann das Bauhaus einen starken Einfluss auf unsere ästhetische Wahrnehmung und das Wohngefühl der „Moderne“. Beides wirkt bis heute fort. Eine Frage jedoch blieb unbeantwortet. Wurde auch das Marken- und Verpackungsdesign vom Bauhaus geprägt? Reicht der Einfluss der „Bauhäusler“ bis in die Gestaltung des Produktauftritts kommerzieller Erzeugnisse hinein? Gab es Konsumgüter wie Zigaretten, Kaffee oder Tee, die ihren Benutzern einen Bezug zum Bauhaus attestierten? Dieser Frage geht erstmals eine Ausstellung nach, die bis Ende Dezember im Deutschen Verpackungs-Museum Heidelberg gezeigt wird. „bauhaus popular. Vom Bauhaus ins Kaufhaus: Die Neue Typographie und ihr Einfluss auf das Markendesign” präsentiert neben bereits bekannten Klassikern (wie etwa den Entwürfen El Lissitzkys für „Pelikan“ oder dem legendären „BauhausSchach“), auch eine Fülle überraschender Entdeckungen. Im Mittelpunkt steht die von László Moholy-Nagy propagierte

Telefon: 089/2727250 Webseite: www.die-neue-sammlung.de

n Gut gefaltet Von außen wirken sie wie ganz normale Bücher, doch beim Aufklappen entspringen ihnen Tiere und fantastische Figuren, setzen sich Maschinen in Bewegung oder es entfalten sich dreidimensionale Märchen-, Zirkus-, Burgen- oder Piratenwelten. Diese Pop-up-Bücher, auch bekannt als Klapp-, Zieh-, Aufstell- oder Verwandlungsbücher, beinhalten die unterschiedlichsten Elemente und Mechanismen. Bereits im Mittelalter waren Bücher mit beweglichen Teilen zu Lehrzwecken im Gebrauch. Die ersten Ausgaben für Kinder erschienen ab 1850. Heutige Exemplare richten sich vermehrt an Erwachsene mit Themen zur Kunst, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte und sind teilweise mit Musik- und Lichteffekten ausgestattet. Genau dieser Buchform widmet das Museum Zirndorf jetzt seine Sommerausstellung. Eine Privatsammlung ermöglicht es, die kulturhistorische Entwicklung und die Vielfalt der Papierfalttechniken von Pop-upBüchern zu bestaunen. Einige dieser Klappwunder können auf Monitoren in Bewegung betrachtet werden, andere liegen zum Ausprobieren bereit. Da können beispielsweise Türen geöffnet, an Papierlaschen gezupft oder durch Umknicken neue Figuren und Motive entdeckt wer-

„Lustige Sieben“, geprägte Kappenschachtel für 25 Zigaretten der Haus Bergmann Zigarettenfabrik, Dresden, Entwurf Wilhelm Poetter, D um 1924; Deutsches Verpackungs-Museum Heidelberg Foto: Deutsches Verpackungs-Museum, Heidelberg 08 / 19


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MAGAZIN 8 „Neue Typographie“, die formale Erscheinung und den grafischen Stil der Auslobung von Markenbildern revolutionierte. Auch den Nachwirkungen wird Aufmerksamkeit geschenkt. Denn das 1933 von den Nazis geschlossene Bauhaus hatte nach dem Zweiten Weltkrieg erst so richtig „Konjunktur“. „Weniger ist mehr“: Nach dieser überraschenden Logik präsentierten sich bald diverse Markenprodukte mit Erfolg – von „Chanel No. 5“ über „WMF“ und „Braun“ bis zum „iPhone“ unserer Tage. Der Besuch der Sonderausstellung im Deutschen Verpackungsmuseum in Heidelberg verändert den Blick auf altbekannte Marken und deren Designsprache, und er macht verständlich, wie sich die Bewegung der künstlerischen Moderne in unserem Alltag etablieren konnte. (Bis Ende Dezember). Ein ausführlicher Beitrag folgt!

Teeschale (chawan) mit Berg Fuji Akahada, erste Hälfte 19. Jahrhundert, Steinzeug, H 8 cm, D 10 cm; Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Foto: Jörg Arendt, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Telefon: 06221/21361

n Unter Freunden Japanische Teekeramik ist Kunst, die auch benutzt wird. Herausragende Stücke erhalten sogar von ihren Herstellern, noch häufiger aber von ihren Besitzern einen Namen. Im ritualisierten Umgang mit einzelnen Gefäßen entsteht eine sehr persönliche Beziehung der so genannten Teemenschen (chajin) zu ihren Objekten. Auch die Begeisterung für diese sehr besondere Kunstform verbindet Keramikliebhaber miteinander, so etwa im regelmäßigen Einüben der Teezeremonie (chanoyu, wörtlich „heißes Wasser für Tee“). Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) setzt in der Ausstellung „Unter Freunden. Japanische Teekeramik” einen Schwerpunkt auf die persönlichen Beziehungen, die sich um diese einzigartigen Keramiken entflechten. Die Ausstellung zeigt rund 100 herausragende Teekerami-

Teeschale (chawan) mit Dekor von Suzuki-Gräsern und Vollmond, Ninsei-Stil, 19. Jahrhundert, Steinzeug mit Emailfarben, Gold und Silber, H 8,5 cm, D 9,6 cm; Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Foto: Jörg Arendt, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg 08 / 19

ken aus der Ostasiensammlung des MKG, darunter Teeschalen, Vasen, Kaltwassergefäße und weitere Tee-Utensilien. Über 50 Objekte erwarb Gründungsdirektor Justus Brinckmann (1843-1915) während seiner Amtszeit (1877-1915) vom Kunsthändler und Sammler Samuel Bing (18381905), mit dem er einen intensiven Austausch über japanische Kunst pflegte. Zu sehen ist auch eine Objektgruppe im Stil des berühmten japanischen Keramikers Ogata Kenzan (1663-1743), die Brinckmann besonders schätzte, sammelte und als Erster wissenschaftlich diskutierte. Er war es, der den Japonismus nach Deutschland brachte, dessen Vermarktung beförderte und eine Begeisterung auslöste, die bis heute anhält. Eine zeitgenössischen Perspektive auf die Sammlung japanischer Teekeramik im MKG nehmen der Keramiker Jan Kollwitz und der Schriftsteller Christoph Peters ein. Das MKG lädt die befreundeten Experten für japanische Teekeramik ein, die Präsentation – auch unter Einbeziehung ihrer eigenen Werke – mitzugestalten. Unter Freunden stellt anhand ausgewählter Exponate die 700 Objekte umfassende Werkgruppe japanische Teekeramik vor, die im Rahmen eines von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius geförderten Projektes wissenschaftlich erschlossen werden konnte. Die Ausstellung erstreckt sich über ausgewählte Räume der Ostasien-Präsentation. Ein Bezugspunkt ist das 1978 von der in Kyoto ansässigen Teeschule Urasenke in der ersten Etage des MKG errichtete Teehaus Shōseian (Hütte der reinen Kiefer). Hier finden seit über vierzig Jahren mindestens einmal die Woche Unterricht im japanischen Teeweg (chadō) und im monatlichen Rhythmus öffentliche Teevorführungen statt. Die japanische Teezeremonie chanoyu rund um den grasgrünen Pulvertee Matcha hat eine Vielzahl an Gerätschaften hervorgebracht, die nur im Teeraum zur Anwendung kommen. Hervorzuheben sind hier die Teeschalen selbst, aber auch das Kaltwassergefäß, Vasen

und die vielen verschiedenen Teller, Platten und Schalen für das Essen (kaiseki) während einer Teezusammenkunft. Die Ausstellung stellt einzelne Gerätschaften und ihre Funktion bei einer Teezusammenkunft vor. Ein weiteres Kapitel der Ausstellung beleuchtet die Sammlung japanischer Teekeramik aus unterschiedlichen Perspektiven und zeichnet nach, nach welchen Kriterien Justus Brinckmann diese Sammlung aufgebaut hat. Eine wichtige Rolle spielte hier der Sammler Samuel Bing, von dem Brinckmann über 50 Keramiken erwarb. 1838 als Siegfried Bing in Hamburg geboren, ließ sich der Kunsthändler 1876 als Samuel Bing in Frankreich einbürgern, wo er ab 1878 eine Galerie für Ostasiatika betrieb. Seine 1895 eröffnete zweite Galerie Maison de l‘Art Nouveau gab dem französischen Jugendstil seinen Namen. Vermutlich konnte Brinckmann die meisten Stücke aus der Sammlung Bing erwerben, als dieser sich von der japanischen Kunst ab- und der Glas- und Keramikproduktion des Jugendstils zuwandte. Die Freunde Jan Kollwitz (*1960) und Christoph Peters (*1966) verbindet die gemeinsame Leidenschaft für Teekeramik. Jan Kollwitz brennt seit über 30 Jahren seine Keramik in einem japanischen anagama-Holzbrennoffen in Cismar in Schleswig-Holstein. Gelernt hat er die aufwändige Technik in Echizen, einem der sogenannten Sechs alten Öfen Japans. Kollwitz‘ Keramiken folgen formell und technisch den japanischen Vorbildern. Kollwitz bringt seine Keramiken mit Stücken aus der Sammlung des MKG in einen Dialog. Christoph Peters praktiziert chanoyu, sammelt japanische Teekeramik und erzählt von seinen umfangreichen Erfahrungen mit Tee in all seinen Facetten in dem Werk „Diese wunderbare Bitterkeit. Leben mit Tee” (2016). (Bis 23. Februar 2020) Telefon: 040/428134550 Webseite: www.mkg-hamburg.de

Teeschale (chawan) mit Kranich und Schildkröte, Schwarzes Raku im Stil des Nin’ami Dōhachi (1783-1855), 19. Jahrhundert, glasierte Irdenware, H 9 cm, D 9,2 cm; Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Foto: Jörg Arendt, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg


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MAGAZIN 9

Brigitta Garcia Lôpez (*1967), Diverse Skulpturen, 1997-2016, Knetmasse (Fimo), Maße variabel; Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg © Brigitta Garcia Lôpez

n Ästhetik des Knetens Knete – kaum ein anderes Material entfaltet so viel kreatives Potenzial wie dieses aus Wasser, Öl, Stärke, Wachs und Farbpigmenten. Weich und mühelos formbar ist die Modelliermasse (auch Plastilin genannt) nicht nur für Kinderhände gemacht, sie spielt auch in vielen gestalterischen Bereichen eine bedeutende Rolle. Die Ausstellung „Alles kneten. Metamorphose eines Materials” widmet sich dem faszinierenden Werkstoff in Film, Kunst und Design von den 1950er-Jahren bis in die zeitgenössische Popkultur. Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) präsentiert über 60 internationale Arbeiten, darunter Animationsfilmklassiker, Publikumslieblinge wie Shaun das Schaf oder Nightmare before Christmas nach einer Idee von Kultregisseur Tim Burton, legenäre Musikvideos wie Peter Gabriels Sledgehammer, Experimental-, Kurz- und Werbefilme sowie Computerspiele. Überraschende Plastiken, Installationen und Fotografien zeigen die Bedeutung der Knete für die zeitgenössische Kunst. Die vielseitige Verwendung dieses wandelbaren Materials in der angewandten Kunst dokumentieren Exponate aus dem Modellbau, dem Produktdesign und der Maskenbildnerei. Knete bietet aufgrund ihrer Materialeigenschaften viele Gestaltungsmöglichkeiten für Figuren, Gegenstände und Kulissen. Animationstechniken wie das Stop-Motion-Verfahren erwecken die unbewegten Bilder zum Leben. Die Ausstellung versammelt zahlreiche Filme, die auf diese Weise entstanden sind – allen voran Klassiker der Animationsgeschichte, die schon früh die besondere Ausdruckskraft von Knete würdigten wie Closed Mondays

(1974) der Regisseure Will Vinton und Bob Gardiner, Dimensions of Dialogue (1982) von Jan Švankmajer oder Bruce Bickfords Prometheus‘ Garden (1988). Die beliebten Charaktere Wallace & Gromit (ab 1993, Nick Park) und Shaun the Sheep (2007, Richard Goleszowski) aus der britischen Kreativstätte Aardman Animations prägen Kindheitserinnerungen ganzer Generationen – ähnlich wie die schweizerische Animationsserie Pingu (ab 1986, Otmar Gutmann). Bedeutende Kurz- und Experimentalfilme wie Harvie Krumpet von Adam Elliot (2003), Hasta los Huesos (2001) von René Castillo und Animationen einer jüngeren Generation wie Liebling (2013) von Izabela Plucinska zeigen das ganze Spektrum des Materials Knete abseits der gängigen Konventionen. In Musikvideos verleiht Knete der visuellen Sprache eine neue Dimension und macht Klänge, Melodien und Rhythmen sichtbar. Bereits Art Clokeys frühe Animationsstudie Gumbasia (1955) erprobt den Gleichklang von Musik und Form, den Bruce Bickford gemeinsam mit Frank Zappa im Musikfilm Baby Snakes (1979) später experimental interpretiert. Die im Strata-Cut-Verfahren hergestellten Videos und Einspieler von David Daniels prägten im Zuge der Etablierung des Musikfernsehens durch den Sender MTV um 1980 mehrere Generationen von Musikfans. Bei dieser Technik werden die Bildideen vorab in Plastilinblöcke eingearbeitet und später im Querschnitt abgetragen. Die farbigen Schnittflächen weisen daher geringe Abweichungen auf, die als Einzelbild aufgenommen und in der Abfolge animiert werden. Die Knet-Ästhetik findet sich bis heute im Genre des Musikvideos, das vom wegweisenden Clip zu Peter Gabriels Sledgehammer (1986, Aardman Animations) bis zu her-

ausragenden zeitgenössischen Arbeiten wie Forest (2009) von Allison Schulnik für die Band Grizzly Bear eindrucksvolle Kompositionen hervorbringt. Formbare Materialien haben in der Entstehung von Kunstwerken eine lange Tradition, beim Modellieren wird die Masse durch Auf- und Abtragen manuell bearbeitet. Mit der Ende des 19. Jahrhunderts von Franz Kolb entwickelten „dauerplastischen Modelliermasse“ Plastilin kommt mit der Verformbarkeit eine weitere Qualität hinzu. Die haptischen Eigenschaften von Knete wecken Lust am Formen und Gestalten und ermöglichen sofortige Korrekturen, die Zugabe von Farbpigmenten erlaubt eine Art dreidimensionale Malerei. Das moderne Spektrum der künstlerischen Ausdrucksformen beschränkt sich nicht nur auf das Erarbeiten vollplastischer Figuren oder Reliefs, sondern weitet sich auch auf andere Disziplinen aus. Der Künstler Marlin van Soest verarbeitet seine Studien zur Hamburger Flint Werft zunächst in Illustrationen und Fotografien, bevor er sie maßstabsgetreu in ofenhärtendes Plastilin überträgt. In Design, Handwerk und Technik sind Modelliermassen wie Plastilin oder Industrie-Clay trotz der inzwischen etablierten 3D-Drucktechnik als manuelle Entwurfs- und Gestaltungsverfahren noch immer weit verbreitet. Die in der Ausstellung präsentierten Modelle und Vorstudien der Auto- und Spielzeugindustrie sowie der Maskenbildnerei demonstrieren die Bedeutung des Materials in der gewerblichen Verwendung. Im Animationsdesign ist Knete aufgrund ihrer typisch „handgemachten“ Ästhetik beliebt. So stehen die Arbeiten von Brigitta Garcia López beispielhaft für die innovative Verwendung der Modelliermasse im Bereich der Illustration und des Grafikdesigns. Werbeclips für große, internationale Konzerne wie Coca Cola und Anwendungen aus dem Gamedesign zeigen die Spielarten des Materials in weiteren Kontexten. (Bis 3. November) Telefon: 040/428134550 Webseite: www.mkg-hamburg.de

Computerspiel „Sprechendes ABC”, 2018, Entwicklerstudio: Hey Clay, Plattform: iOS; Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg © Hey Clay 08 / 19


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MAGAZIN 10

BÜCHER n Mit Caraco Szeibert, Rita: Meisterstücke zwischen Mode und Tracht – Caraco und Spenzergewand, 162 Seiten, zahlreiche Abbildungen in Farbe, Hirmer Verlag, München, 2017, Preis: 34,90 Euro. Nein, dieses Mal handelt es sich nicht um einen Schreib- oder Tippfehler. Der Caraco hat mit dem ursprünglich aus dem Spanischen entlehnten, derben Schimpfwort carajo, der jener bekannten Redewendung „mit Karacho” zugrunde liegt, auch rein gar nichts gemeinsam. Geschwindigkeit und ein Caraco oder der sich daraus entwickelte, spätere Spenzer, das verträgt sich in keinster Weise: Zum Einen erlaubt es dieses Kleidungsstück seiner Trägerin nicht, sich besonders schnell oder gar sportlich zu bewegen, zum Anderen musste sich eine Interessentin in Geduld fassen, bis sie ein nämliches Oberteil überhaupt erst tragen konnte, da die Herstellung überaus aufwändig und zeitintensiv war. Hergestellt wurden diese spezifischen Bekleidungsteile im 18. und 19. Jahrhundert und wurden somit ausschließlich per Hand gefertigt. Wer sich jemals mit Nähen befasst hat, selbst mit Einsatz moderner Nähmaschinen, kann bestens nachempfinden, wieviele Stunden an den teilweise doppellagig gesteppten Jacken mit Borten, Spitzen, Rüschen, Falbeln, Blüten etc. verzierten Oberteilen gestichelt werden musste. Die Stücke sind wirklich eine Augenweide. Über die schönen Objektabbildungen – vieles, auch was die Schnitttechnik anbelangt, wird zudem im Detail gezeigt – freuen sich mit Sicherheit (Hobby-)Schneiderinnen, doch tatsächlich ist diese Publikation an eine breitere

Leserschaft adressiert. Getragen wurden diese Schoßjacken nämlich in der Hauptsache von stolzen Bürgerinnen als eine Art Statussymbol, so fließen hier außerdem interessante sozial- und kulturgeschichtliche Aspekte mit ein.

ten, zu kaufen oder zu tauschen. Zinnfigurenliebhaber aus aller Welt können sich in Kulmbach treffen und ihrer Leidenschaft zu fröhnen. Bei der großen Vielfalt der angebotenen Figuren fällt die Wahl nicht leicht. Unentbehrlich für alle interessierten Börsenbesucher und Sammler ist der jeweils zur Börse erscheinende Almanach des Deutschen Zinnfigurenmuseums. Darin kann man sich über wesentliche Neuerungen informieren, die das Deutsche Zinnfigurenmuseum betreffen. Außerdem erhält man einen Überblick über Hersteller sowie Händler und deren Sortimente. Anlässlich der Zinnfigurenbörse findet in Zusammenarbeit mit dem Förderverein für das Deutsche Zinnfigurenmuseum e. V. und der KLIO – Deutsche Gesellschaft der Freunde und Sammler kulturhistorischer Zinnfiguren e. V. – wieder ein Figuren- und Dioramenwettbewerb statt. Telefon: 09221/804571 Webseite: https://plassenburg.de/de/ zinnfigurenboerse

ISBN: 978-3-7774-2929-82

BÖRSEN/MESSEN/MÄRKTE n Vielfalt in Zinn Alle zwei Jahre wird Kulmbach zum Mekka der Liebhaber und Sammler von Zinnfiguren aller Art – in diesem Jahr vom 9. bis 11. August. Während der Zinnfigurenbörse hat man die Möglichkeit, Dioramenbauer kennenzulernen, namhafte Zinnfigurenverleger zu treffen, Zinnfiguren anzubie-

US-Car Treffen am Technik Museum Sinsheim

n Chrysler und Cadillac

Zinnfigurenbörse in Kulmbach © Frankentourismus 08 / 19

„Während sich die deutsche Mittelschicht in den 50er-Jahren lediglich mit einer BMW Isetta, einem VW Käfer und Co. den Traum vom Auto erfüllen konnte, gehörte in den USA eine Klimaanlage, Servolenkung sowie ein leistungsstarker V8-Motor bereits zur Serienausstattung. Am 3. und 4. August rollen eben diese prachtvollen Straßenkreuzer, aber auch Muscle- sowie Custom-Cars und noch viele mehr auf das Gelände des Technik Museum Sinsheim zum bereits neunten US-Car-Treffen. Am ersten Augustwochenende verwandelt sich der Museumsplatz in ein Eldorado für die Halter und Fans historischer als auch aktueller US-Automobile. Prächtige Cadillacs sowie Chrysler mit den obligatorischen Weißwandreifen lassen auf dem Museumshof eine Zeit wieder aufleben, in


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MAGAZIN 11

n Ein Kaktus für Veronika Das Team des Int. Phono + Radio-Museums Dormagen, Bahnhofstr. 2-4, lädt am Sonntag, dem 4. August von 11 bis 17 Uhr zu einer Grammofon-, Schellack- & Vinyl-, Radio- und Fifties-Börse ein. Standplätze können sowohl drinnen als auch draußen bei Volkmar Hess gebucht werden. Für Museums- und Börsenbesucher wird kein Eintritt erhoben. E-Mail: volkmar@grammofon.de Telefon: 02162/45128

n Uhrenbörse Furtwangen

Grammofon-Restaurator Volkmar Hess im Int. Phono+Radio-Museum Dormagen am Rhein Foto: Alice Hess

Einst war Furtwangen eines der Zentren der Schwarzwälder Uhrmacherindustrie mit Firmen wie BADUF, LFS oder Union Clock, um nur drei zu nennen. Und vor dieser Zeit waren viele Tüftler in ihren Werkstätten und Schwarzwaldhöfen zugange, um die weltbekannten Schwarzwälder Schilder-, Flöten- oder Kuckucksuhren anzufertigen.

der der Sprit fast umsonst war und die Meinung vorherrschte, Coca-Cola schade der Figur nicht. Doch es wird mehr zu sehen geben als blankpolierte Straßenkreuzer. So zum Beispiel Chevrolet Corvettes, häufig im Zweifarben-Look, welche damals den europäischen Sportwagen in nichts nachstanden. Oder aber die lässigen Ford Mustang Fastbacks, die geradezu perfekt waren, um sich gegen die „spießigen Eltern aufzulehnen“. Schon lange in der Szene beliebt und immer häufiger zu sehen und kaum zu überhören, sind die hubraumstarken Vorkriegswagen, die sogenannten Hot und Rat Rods. Alles überflüssige Blech abgeflext und jeden Luxus beseitigt, bleibt zwischen dem Fahrersitz und dem Asphalt ein Hauch von Nichts. Als Basis diente hierfür häufig ein Ford Model A – die Chancen stehen gut, beim US-Car Treffen das ein oder andere original Model A und gar Model T zu entdecken. Dass USModelle immer noch heiß begehrt sind, wird auch an den unzähligen Neuzeitmodellen auf dem Gelände deutlich. Die Organisatoren erwarten hunderte bunte Straßenkreuzer, faszinierende Restaurierungen sowie vor Kraft strotzende Boliden der Neuzeit. Während der Museumshof für die klassischen Heckflossen-Riesen reserviert ist, stehen Flächen für außergewöhnliche US Rat- und Custom Cars, kuriose Umbauten aber auch für die New Age Modelle zur Verfügung. Doch was wäre ein US-Car-Treffen ohne das passende Rahmenprogramm? Neben einer bunten Händlermeile sorgen die Live-Bands „NightHawks“ sowie „Betty Sue & the Hot Dots“ dafür, dass die bauschigen Petticoats schwingen. Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt – am Samstag sogar bis in den Abend hinein. Anmeldung unter:

Heute zeugt Deutschlands größtes Uhrenmuseum mit vielen Exponaten von dieser einstmals glanzvollen Zeit. Doch einmal im Jahr erwacht die einstige Uhrenmetropole wieder zu neuem Leben. Denn regelmäßig am letzten August-Wochenende öffnet die Internationale Antik-Uhrenbörse in Furtwangen in den Räumen der Hochschule Furtwangen ihre Pforten. Groß ist der Andrang besonders am Samstag, denn da findet traditionell noch einer der größten Flohmärkte in Südbaden mit mehr als 300 Ständen statt. Die 35. Antik-Uhrenbörse findet vom 23. bis 25. August in der Hochschule Furtwangen statt. Der 23. August ist den Fachbesuchern vorbehalten.

Webseite: www.technik-museum.de/uscar

US-Car-Treffen am Technik Museum Sinsheim

n Porzellan-Party Noch bis zum 18. August feiert Selb die Wochen des Weißen Goldes. Die Ausstellung „Weißes Gold – Porzellan erleben” im Rosenthal-Theater wird von einem vielseitigen Programm begleitet, so dass auch 2019 von einem „Sommerloch” nichts zu spüren sein wird. Auch das „Staatliche Beruflich Schulzentrum für Produktion und Prüftechnik” zeigt in einer Sonderausstellung die Arbeiten der Absolventen 2019 der Staatlichen Fachschule für Produktdesign. Mit zu den Höhepunkten zählt das Fest der Porzelliner vom 1. bis 5. August. Telefon: 09287/883119 Webseite: www.selb.de

Internet: www.antik-uhrenboerse.eu

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SPIelZeUG 14

JAHRMARKT AlS GeSellScHAfTSSPIel / 1 lUDGeR SPIelBeRG

Jahrmarkt- bzw. Kirmesspielzeug zählte viele Jahrzehnte zu den beliebtesten Spielwaren und wurde von der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 1960er-Jahre hinein vorwiegend aus Holz und Blech gefertigt. Ganze Rummelplätze mit Schaukeln, Riesenrädern, Schieß- und losbuden, kleinen luftballon-, eis- und Spielwarenverkäufern, Karussells usw. verließen als fein bemalte Holzarbeiten die Werkstätten des erzgebirges, und vorwiegend aus Nürnberg und Umgebung eroberten zahllose mechanische fahrgeschäfte aus Blech, einige sogar für den Antrieb durch Dampfmaschinen geeignet, die Kinderzimmer in aller Welt. Interessante Stücke gab es auch aus Zinn, Pappe und Papier, doch inzwischen ist Kirmesspielzeug nur noch in wenigen Spielwarenläden zu finden und dann vorwiegend aus Kunststoff.

Im Hobbykeller Achterbahnen, Schießbuden, Karussells, Riesenräder und die vielen neu entwickelten Fahrgeschäfte üben heute aber auch eine große Faszination auf Modellbauer aus, die Dank elektronischer Steuerungen und zahlreicher akustischer und optischer Effekte Jahrmarktatmosphäre in den

Hobbykeller zaubern oder die Modelleisenbahnanlage damit bereichern können. Auch das Angebot mit Nostalgieartikeln in Form blecherner Karussells, Schiffschaukeln und Riesenräder speziell für Sammler ist noch recht beachtlich. Die Verwendung dieser als Spielzeug zur Einzelbeschäftigung konzipierten Sachen bleibt den Kindern oder Sammlern überlassen. Sie können nur aufgestellt oder in eine größere Szene integriert werden, bei

den mechanischen Artikeln lassen sich die stets gleichen Bewegungsabläufe betrachten oder mit Phantasie ist auch ein Bummel über den selbst gestalteten Kirmesplatz mit Fahrgeschäften und Buden möglich. Der Spielplan für das Jahrmarkts-Spiel von Brückner aus stabiler Pappe. Größe 51 cm x 34,5 cm Detail des Spielplanes für das Jahrmarkts-Spiel von Brückner. Oben rechts das Tropenwunder; wahrscheinlich eine Schaubude, die für den Spielverlauf aber keine Bedeutung hat 08 / 19


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Schattendasein Als typische Gesellschaftsspiele, also mit vorgegebenen Regeln, Spielplänen usw. führten Rummelplätze zwischen den vielen Strategie-, Reise-, Lern-, Märchen-, Lotto- und Rennspielen nur ein Schattendasein und wurden auch nur von wenigen Spieleverlagen angeboten. Bei diesen entstanden vorwiegend Brettspiele mit einem Kurs über einen bunten Kirmesplatz und den zur jeweiligen Zeit üblichen Attraktionen, aber auch einige andere Laufspiele, bei denen z. B. nur ein einzelnes Fahrgeschäft im Mittelpunkt stand. Ausnahmen waren Spiele, die nicht auf einem Spielbrett durchgeführt wurden, sondern mit Buden und Fahrgeschäften frei gestaltet und nach Belieben aufgebaut werden konnten. Spielregeln dafür gab es natürlich auch, doch konnten diese wegen unterschiedlicher Aufgabenstellungen sehr verschieden sein. Mal entschied das Würfelglück, bei der nächsten Herausforderung war vielleicht Geschicklichkeit gefragt und dann reichte eventuell das Kirmesgeld nicht mehr für die weitere Teilnahme aus.

Brückner-Spiele Das Jahrmarkt-Spiel von Brückner-Spiele mit 50 Feldern führt über einen dörflichen Kirmesplatz mit den für die 1940er- und 50er-Jahre typischen Attraktionen. Für das leibliche Wohl können während des Bummels über das attraktiv gestaltete Spielfeld Gebäck, Eis, Kaffee und Kuchen, Bratwürste, Fisch, Türkischer Honig, Pfefferkuchen und im Bierzelt Getränke genossen werden. Das an mehreren Ständen zu erwerbende Warenangebot richtet sich mit Töpfen und Tellern, Spiel- und Emaillewaren, Wäsche und Luftballons an große und kleine Besucher. Für Belustigung und Unterhaltung sorgen ein Kasperl-Theater, das Hippodrom, der Zirkus und die Tierschau, ein nicht näher definiertes Tropenwunder sowie als Fahrgeschäfte zwei Karussells und ein Riesenrad. 24 der 50 Fel-

der lösen Ereignisse aus und führen zu Folgen, wie sie auch von vielen anderen Brettspielen bekannt sind: Die Spielfiguren rücken ein paar Felder vor, müssen wieder zurück oder eine Runde aussetzen. Die Vorkommnisse sind nicht spektakulär, sondern so, wie Kinder sie auf einem Jahrmarkbesuch erleben. Ein paar Beispiele aus den Spielregeln: Feld 3, „Sieht dem Kasperltheater zu, setzt einmal mit dem Würfeln aus." Feld 7, „Kauft einen Luftballon, derselbe entfliegt und wird auf Nr. 25 eingefangen, spielt weiter auf Nr. 25." Feld 15, „Hat Durst bekommen und geht auf Nr. 13 zurück". Feld 43, „Geldbörse verloren, geht zurück auf Nr. 34". Einige Felder haben keinen Bezug zum Spielplan und sind für einen Rummelplatz ungewöhnlich, denn Feld 29 befindet sich nur auf dem Weg zwischen Kettenkarussel und Ballonverkäuferin, wird in den Regeln aber als „Zeppelin-Reitschule" ausgewiesen, von wo es gleich zur Nr. 43 geht. Ähnlich sieht es mit dem in den Regeln als „Raketenund Tunnel-Bahn" aufgeführten Feld 23 aus, von dem der Weg zur Belohnung gleich auf das Feld Nr. 26 führt. Das Spiel endet bei Feld Nr. 50. „Wer hier ankommt ist Sieger und darf sich ausruhen."

noch mindestens zwei geänderte Versionen mit dem leicht modifizierten Titel „Jahrmarkt-Spiel“. Der Spielverlauf, die Anzahl der Felder und die Regeln blieben gleich, aber Schachteln, Spielbretter und Figuren wurden neu und deutlich schlichter gestaltet. Die Schachteldeckel wurden wie ein Teil des Spielplanes gestaltet und als Figuren wanderten bunte Holzsäulen über die Felder. Alle Varianten dieses Spiels werden heute im spezialisierten Sammlerhandel und bei Auktionen noch gelegentlich angeboten.

„Jahrmarkt-Spiel” Die ersten Brückner-Spiele entstanden Ende des 19. Jahrhunderts in Chemnitz. Produziert wurden u. a. Klassiker wie „Die fliegenden Hüte" und das „Gänsespiel", auch mehrere Reise- und Märchenspiele. 1952 wurde das Unternehmen enteignet und Bestandteil des VEB Kartonagen und Bürobedarf Karl-Marx-Stadt (inzwischen wieder Chemnitz). Die erste Ausführung des Jahrmarkts-Spiels entstand wahrscheinlich um 1948, wenig später gab es

Das Jahrmarkts-Spiel von Brückner in der schön bedruckten Verpackung. Größe 37,5 cm x 27 cm Mit bemalten Holzfiguren waren die Teilnehmer des Jahrmarkts-Spiels von Brückner unterwegs. Höhe 4 cm Das Jahrmarkt-Spiel von Brückner in einer kleinen und schlichten Version. Der Spielplan misst nur 44 cm x 29,5 cm und das Deckelbild des Kartons ist identisch mit der inneren Abbildung, trägt aber zusätzlich am oberen Rand den Schriftzug „Jahrmarkt-Spiel“. Die Spielregeln unterscheiden sich nicht von der größeren und wahrscheinlich etwas älteren Ausführung 08 / 19


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Porst Der Name Hanns Porst wird häufig mit der Fotobranche verbunden, denn sein Unternehmen „Photo-Porst“ mit einer Ladenkette und dem Versandhandel genoss mehrere Jahrzehnte einen sehr hohen Bekanntheitsgrad. Seltener hingegen erscheint der Name im Zusammenhang mit Gesellschaftsspielen, denn Porst wurde in dieser Hinsicht zu einem unrühmlichen Teil der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Der weltweit bekannte Nürnberger Spieleverlag Spear & Söhne wurde 1938 zwangsweise durch Druck der Nationalsozialisten von seinen jüdischen Eigentümern verkauft – und erworben wurde der Verlag vom Photounternehmer Hanns Porst. (vgl. Wikipedia) Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zur Rückgabe des Verlages an die Familie Spear und vielen neuen Spear-Spielen. Die Marke Spear blieb

nach der Übernahme durch Porst zunächst noch erhalten. 1941 erfolgte die Umbenennung in „Porst-Spiele“ und einer Militarisierung des Sortimentes mit Spielen wie „Das große Belagerungsspiel“ oder „Bomben auf England“.

Karussellspiel Mit der Porst-Kennzeichnung erschien als Artikel Nr. 20561 mit Jahrmarktsbezug auch ein „Karussellspiel“. Das Brettspiel besteht aus dem Spielplan, einem Würfel, sechs bemalten Zinnfiguren und den im Kartoninnendeckel enthaltenden Regeln mit einem Vorwort des Verlegers: „Liebe Kinder! Klinge-linge-ling! Es geht los auf dem Karussell! Wer fährt mit? Bitte einsteigen Ihr kleinen Leute zu sausender Fahrt hoch in der Luft, immer schneller und schneller, bis es nicht mehr höher geht.

Haltet Euch aber ja recht fest, damit Ihr nicht plötzlich unsanft auf dem Boden landet und obendrein noch ausgelacht werdet. Aber bitte, keine Sorge, gerade die, die am lautesten lachen, kommen meist zuerst an die Reihe und dann lachen die andern. Es wird sicher einen Riesenspaß mit dem Karussell-Spiel geben. Und mehr wollt Ihr doch nicht, als tüchtig lachen und Euch fröhlich die Zeit vertreiben.“ Es folgen die Spielregeln und danach, wie bei etlichen Porst-Spielen, ein Gruß des Firmeninhabers Hanns Porst: „Viel Glück und Freude zur fröhlichen Karussell-Fahrt wünscht Euch Euer Onkel Hanns“. Mitspielen können zwei bis sechs Personen, von denen jede eine der bemalten Zinnfiguren erhält. Gestartet wird auf dem roten Punkt in der Mitte des Spielfeldes, von wo es über 88 Spielfelder vom inneren bis zum äußeren Kreis des Spielfeldes geht, danach in umgekehrter Richtung wieder zurück zum Feld Nr. 1. Abhängig vom Würfelglück kann die Karussell-Fahrt ganz gemächlich und ohne Unterbrechungen zum Ziel führen. Bei einigen Feldern ist jedoch, je nach deren Farbe, auch ein schnelleres Vorankommen möglich. Wer z. B. unterwegs auf ein dunkelblaues Feld trifft, darf den Weg abkürzen und gleich auf den äußeren Kreis springen. Ein rotes Feld bedeutet einen Neustart, auf dem Rückweg sogar das endgültige Ausscheiden. Bei einigen anderen Feldern darf mehrmals nacheinander gewürfelt werden und es geht rascher auf dem Spielfeld voran. Ansonsten sind besondere Ereignisse, Der Spielplan des Karussellspiels von Porst. Größe 36 cm x 36 cm. Ungewöhnlich sind die unterschiedlichen Größen der beiden Teile, denn faltbare Spielpläne bestehen meistens aus Teilen gleicher Größe Die Zinnfiguren des Karussellspiels von Porst sind unterschiedlich geformt und bemalt. Höhe ca. 35 mm Der bedruckte Kartondeckel des Karussellspiels von Porst. Größe 38 cm x 27,5 cm. Unten rechts das Markenzeichen „Porst-Spiel“, bis auf den Schriftzug dem Spear-logo recht ähnlich

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SPIelZeUG 17 Diese Gaudi wird gern in Gruppen unter dem Gejohle und den Anfeuerungsrufen vieler Zuschauer durchgeführt.

ABc Verlag Der ABC-Verlag Tietz & Pinthus machte aus der alten Jahrmarkt-Attraktion um 1925 ein kleines Gesellschaftsspiel für den Hausgebrauch, bestehend aus einer blechernen Lukas-Figur, einem Holzhammer, mehreren Bällen und einem Spielfeld für die Wertung; alles verpackt in einer ansehnlichen Schachtel. Die einfachen Regeln erklärt ein Aufkleber unter dem Kartondeckel: „Wer hat auf den Volksfestplätzen noch nicht die hohe Säule gesehen, vor der ein großer Holzblock steht? Wer hat

noch nicht die starken Männer bewundert, die mit einem großen Holzhammer durch gewaltigen Schlag auf den Holzblock einen kleinen Keil an der Säule in die Höhe treiben? Ihr alle kennt das für jeden Zuschauer und Mitwirkenden gleich große Vergnügen und stets habt ihr vor diesem Riesenspielzeug, das allgemein 'Haut den Lukas' heißt, gestanden und gedacht: 'Wenn ich doch auch einmal so kräftig wäre wie die starken Männer!' Hier habt ihr den 'Lukas'. Natürlich nicht gerade so hoch und gewaltig, aber doch so, dass ihr jetzt auf ungefährliche Art 'Haut den Lukas' spielen könnt. Schiebt den 'Lukas' über den weißen Pappsteg, der einige Zentimeter vom Kastenrand entfernt ist, legt einen kleinen Ball auf das Schüsselchen und schlagt dann mit dem Holzhammer auf den seitlich angebrachten kleinen Amboß. Ihr sollt einmal sehen, wie der Ball dann in

wie bei vielen anderen Laufspielen üblich, nicht vorgesehen und mehr als einige Umkreisungen eines Mittelpunkts wurden von einem Karusselspiel wohl auch nicht erwartet. Andererseits ähnelt der Spielverlauf, bei dem ja ein Sieger ermittelt wird, wiederum sehr den vielen Wettrennen. Die Karusselfahrzeuge und -figuren auf dem Spielplan sind ohne Bedeutung für den Ablauf des Spiels.

Haut den lukas Porst-Spiele sind heute nicht mehr häufig zu finden, da während der Kriegszeit wohl nur geringe Auflagen entstanden. Der „Haut den Lukas", auch als Kraftmesser oder Schlaghammer bezeichnet, ist auf den meisten Kirmesplätzen spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts hauptsächlich bei starken Männern beliebt. Bekanntlich wird mit einem kräftigen Hammerschlag auf eine Art Wippe ein Gegenstand an einer Schiene oder in einer Röhre in die Höhe katapultiert und das Ergebnis der Anstrengung optisch oder akustisch gemeldet. So kann jeder Teilnehmer feststellen, ob seine Schlagkraft z. B. der eines Pantoffelhelden, Schlappschwanzes, Holzfällers oder Weltmeisters entspricht. Die Blechfigur wird auf den Rand des Spielfeldes für den „Haut des lukas“ gesteckt. Anschließend wird durch einen Hammerschlag der Teller mit dem Ball in die Höhe befördert und die Kugel fällt auf das Spielfeld. Mit Geschicklichkeit und Glück lassen sich auf diese Weise unterschiedlich hohe Punktzahlen erzielen Viele Deckelbilder der Spiele von Tietz & Pinthus sind sehr attraktiv gestaltet, auch das des „Haut den lukas" 08 / 19


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SPIelZeUG 18 die Höhe fliegt und nach vorn auf das Spielfeld fällt. Das Spielfeld besteht aus einer Anzahl runder Löcher unter denen Zahlen stehen. Ihr verabredet nun vor dem Spielanfang, wie oft jeder Mitspieler schlagen darf. Fliegt der Ball in ein Loch, wird die darunter befindliche Zahl aufgeschrieben. Natürlich dürfen nur dann die Zahlen aufgeschrieben werden, wenn der Ball richtig in einem Loch liegt. Am Schluß werden die Zahlen für jeden Spieler zusammengezählt und wer dann die höchste Summe hat ist Gewinner." Es handelt sich im Prinzip also um eines der bekannten Hütchenspiele („Fliegende Hüte“, „Hüpf mein Hütchen“ usw.) in einer originellen Jahrmarktvariante. Kraftanstrengungen sind für diesen „Haut den Lukas" nicht erforderlich, eher führen Fingerspitzengefühl und etwas Glück beim Hammerschlag zu hohen Punktzahlen.

Unterschiedliche lieferanten Spieleverlage stellten ihre Produkte nicht immer komplett selber her und bezogen Einzelteile auch von Fremdfirmen. Die Figur für den „Haut den Lukas" fertigte der Blechspielwarenfabrikant Georg Levy aus Nürnberg für Tietz & Pinthus an; für sein eigenes Sortiment als Fingerspielzeug ohne Schüssel für die Ballauflage. Unter der Bezeichnung „Die Kraftprobe“ erschien um 1910 im Verlag Werner & Schumann, Berlin, ein „Haut den Lukas“ als reines Laufspiel mit einem simplen Spielverlauf. Zu dem Spiel gehören ein schön gestalteter Spielplan, ein Würfel, acht Orden und eine Beschreibung, in der es heißt: „Dieses Würfelspiel kann von einer beliebigen Anzahl Personen gespielt werden. Die in Betracht kommende Spiellinie stellt einen sog. ‚Kraftmesser’ dar, dessen Scala in 30 Grade zerfällt; an ihr laufen die Spielfiguren je nach dem Ergebnis des Würfelns in die Höhe. Wer zuerst Feld 30 erreicht, hat

gewonnen oder zeigte – nach der Idee des Spieles – die gewaltigste Probe von Körperkraft. Nun wäre es ein leichtes Spielen, wenn es keine schattierten Felder gäbe! Diese unterliegen folgender Regel: Kommt eine Figur auf einem schattierten Grad zu stehen, so muss sie, anstatt höher zu gehen, auf das Anfangsfeld zurückkehren, d. h. von vorn anfangen. Natürlich passiert es häufig, dass einer oder der andere zurückgeworfen wird, aber schließlich erreicht doch einer Feld ‚30’. Wem dies zuerst gelingt, erhält einen Orden und die Kraftprobe beginnt von neuem.“ Der bedruckte Spielplan zeigt eine Stadtansicht mit typischen Jahrmarktszenen wie Buden, Karussell, vielen Besuchern usw. Mitten durch das Bild verläuft vom unteren bis zum oberen Rand des faltbaren Plans die aus 30 Feldern bestehende Spiellinie, durch einen daneben stehenden Mann mit einem großen Hammer in der Hand als „Haut den Lukas“ erkennbar. Mit anderer Spielfeldgestaltung und leicht abweichender Beschreibung hätten aus dieser Idee auch einige andere Würfelspiele entstehen können, z. B. Hindernisrennen.

Rummelplatz Als „Rummelplatz" erschien um 1965 ein sehr vielseitiges Kirmesspiel, welches sowohl als Beschäftigungsspiel für ein Kind und auch als Gesellschaftsspiel für mehrere Personen verwendbar ist. „Wer wagt 08 / 19

gewinnt! Die Kugel rollt und haut den Lukas, wie Ihr wollt! Hereinspaziert, Ihr lieben Leute, denn Kirmesrummel gibt es heute!" lautet das den Spielerläuterungen vorangestellte Motto. Ein Spielbrett gibt es nicht, aber etliche Einzelteile, die komplett als Kirmesplatz aufgebaut werden können und mit denen auch separat gespielt werden kann. Wenn mit mehreren Teilnehmern gespielt wird, kann bei jedem Einzelspiel ein Sieger und nach Abschluss einer kompletten Runde mit ausgewählten oder allen Spielern ein Gesamtsieger ermittelt werden. Für eine größere Spielerzahl schlagen die Regeln die Wahl eines Veranstalters vor, der das Geld einkassiert und auch die Gewinne ausgibt. Das aus rund 50 Einzelteilen bestehende Spiel enthält einen Haut den Lukas, eine Schießbude und andere Schießspiele, je ein Wurfund Angelspiel, Ringe- und Pfeil-Werfen, Kegelbahn, Glücksrad und Scherzspiele, bei denen ebenfalls Punkte zu erzielen Das Glücksrad des Rummelplatzspiels. Höhe 24 cm. Unten kleine Plastikfiguren als Gewinne Der Kartondeckel des Rummelplatzspiels ist auch an den Seiten bedruckt. Schachtelgröße 41 cm x 17 cm x 4 cm Die Schießbude des Rummelplatzspiels, hier bestückt mit vier Zielen. länge 15,5 cm. Im Vordergrund eine Plastikpistole und eine Dose mit Munition


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SPIelZeUG 19 Zielfiguren der Schießbude durch andere Gegenstände der Spielepackung auszutauschen, einen Parcour zwischen den einzelnen Buden anzulegen, der dann wie bei Brettspielen mit den im Karton enthaltenen Würfeln bewältigt werden kann oder die Drehscheibe des Glücksrades liegend zu verwenden und damit bei einer vorher festgelegten Konstellation Punkte zu erzielen. Einen Hinweis auf den Hersteller oder das genaue Erscheinungjahr enthält das Spiel nicht.

Achterbahn Den denkbar größten Kontrast zu dem mit viel Aufwand und Phantasie produzierten Rummelplatz bildet das wohl in den 1940er-Jahren entstandene „Hurra! Die Achterbahn" für zwei bis vier Personen, das nur aus einem 21 cm x 15 cm großen Papierbogen mit aufgedrucktem Spielplan und den Regeln besteht. Das erfor-

derliche Zubehör, Würfel und Spielfiguren, ist nicht dabei. Es wurde wohl vorausgesetzt, dass derartige Utensilien in jedem Haushalt vorhanden waren oder auch, wie in den Spielregeln empfohlen, mit Knöpfen oder getrockneten Erbsen gespielt werden konnte. Bei einem Achterbahn-Spiel könnte ein rasanter Spielverlauf erwartet werden, doch die Regeln lassen eher einen Marsch im Schneckentempo über die 50 Spielfelder erahnen. Die Spieler dürfen die Augenzahl ihres Wurfes nämlich nicht sehen, sondern müssen die Zahl zunächst erraten und können erst dann bei einem richtigen Ergebnis die entsprechende Felderzahl vorrücken. Diese, für ein Achterbahnspiel doch recht ungewöhnlich erscheinende Regel bremst den Spielverlauf ständig und führt zum häufigen Stillstand. Das simple Spiel ohne Hinweis auf den Hersteller dürfte wohl nicht im Handel gewesen sein und gelangte wahrscheinlich als Zeitschriftenbeilage oder Zugabeartikel in Kinderhände. Fortsetzung folgt! Fotos: Ludger Spielberg

sind. Als Zubehör sind etliche Kleinteile wie Kegel, Bälle, Ringe, Reifen, Scheiben, Flaschen, Kugeln, Angel, Wurfpfeil, Würfel u.a.m. vorhanden. Sogar ein Luftballon, als Dekoration oder Zielscheibe verwendbar, gehört dazu. Die auf Rummelplätzen beliebten Fahrgeschäfte sind zwar auf der Verpackung abgebildet, im Spiel selbst aber nicht vorhanden. Ähnlich vielfältig wie die Spielmöglichkeiten sind die Materialien aus Pappe, Holz, Plastik, Gummi, Metall und Papier. Einen exakten Spielverlauf geben die Regeln nicht vor, es können nämlich alle Spiele oder nur ausgewählte Teile eingesetzt werden. So lassen sich z. B. nur Geschicklichkeits- oder Glücksspiele bzw. Kombinationen davon auswählen. Auch eine bestimmte Reihenfolge ist nicht vorgegeben. Die Erläuterungen und das Regelwerk enthalten 20 Spielmöglichkeiten und damit, je nach Teilnehmerzahl, unterhaltsamen Zeitvertreib für mehrere Stunden. Anders als bei den meisten Brettspielen ist der jeweilige Spielstand mit den Erfolgen der einzelnen Teilnehmer bei fortschreitendem Spielverlauf nicht mehr erkennbar, weshalb es sinnvoll ist, nach jedem beendeten Einzelspiel den Punktestand zu notieren. Jedenfalls dann, wenn ein Gesamtsieger ermittelt werden soll, was bei diesem Spiel die Regeln aber nicht zwingend vorgeben. Mit etwas Phantasie sind die im Regelwerk aufgeführten Möglichkeiten auch noch zu erweitern oder veränderbar, z. B. die vorgegebenen Das simple Achterbahnspiel mit schlichten Regeln besteht nur aus diesem Papierbogen ohne weiteres Zubehör Geschicklichkeit statt Kraft erfordert der „Haut den lukas" des Rummelplatzspiels. Um Punkte zu erzielen, muss mit Hilfe einer Wippe das Hütchen durch die Öffnung geschleudert werden. Höhe 15,5 cm 08 / 19


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AUKTIONSPREISE 28

SPACE AGE DESIGN – TEIL 2

€ 2.500,Sechs Sesselmodule (drei abgebildet) des Sesselprogramms „620“, Entwurf Dieter Rams (geb. 1932 Wiesbaden), 1962, Ausführung Vitsoe, Deutschland, 1960er-Jahre, cremefarbene Kunststoffschalen, die in 6 steckbare Module unterteil- oder kombinierbar sind, 4 davon mit Armlehnen, Polsterung aus schwarzem Leder mit Kissenauflagen, auf verchromten Rollen, Maße 65 x 216 x 78 cm SIE

€ 2.750,„Temoin“-Tisch- bzw. Sitzobjekt, Entwurf nach Man Ray für die Ultramobile-Serie von Simon Gavina, Italien, um 1965/1970, Bodenplatte mit Siebdruck auf Mettacrylat, Pappelschichtholz, weißes Kunstleder, Maße 70 x 150 x 42 cm DOR

€ 2.500,Zwei Wire Cone Chairs, Entwurf Verner Panton, 1958, für Plus Linje, Dänemark. Stahldraht, gepolstertes Sitz- und Rückenpolster, Plastikfüße, Maße 74 x 65 x 61 cm, Sitzhöhe 41 cm DOR

€ 2.750,„Capitello“-Sitzobjekt, Entwurf von Studio 65, 1971, für Gufram, Italien, kaltgeschäumtes Polyurethan, Höhe ca. 80 cm, Tiefe ca. 125 cm, Breite ca. 120 cm, Literatur: „Gufram Katalog, Mai 1972 – Domus, Juli 1972“ DOR

€ 3.000,Paar „Florence“Schubladenkästchen, Entwurf und Ausführung off objects (Albrecht Krafft von Dellmensingen & Susanne Hochstetter), Österreich, 2014, Metallkorpus, rot und weiß lackiert, Metallbeschläge, rote und weiße Lackstiefel, stabilisiert, Maße 114,5 DOR x 28/56 x 40,5 cm

€ 3.000,Armsessel Mod. „4801“, Entwurf Joe Colombo, 1963, für Kartell, Italien, geformtes Schichtholz, orangefarbene Lackierung, Höhe ca. 58 cm, Breite ca. 72 cm, Tiefe ca. 65 cm, Sitzhöhe ca. 35 cm DOR

€ 2.500,Tischleuchte „Cactus“, Entwurf von Giovanni & Gianpiero Bassi, 1969, Ausführung Studio Luce, Pistoia, Italien, Metallblech, verchromt, Plexiglas, neonpink, Gesamthöhe 55,5 cm, Durchmesser 24 cm QUI

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AUKTIONSPREISE 29

€ 3.000,„Shell Fun 0 DM“-Hängelampe, Entwurf Verner Panton, 1965, für J. Lüber, Basel, Schweiz, Muschelplättchen, Metallringe, verchromt, Höhe 85 cm, Durchmesser 54 cm DOR

€ 3.300,„Wendeplastik 4“, Friedrich Gräsel (1927 Bochum-2013 Osnabrück), 1968, rote PVCRohre, zusammenmontiert, monogrammiert und datiert auf einer der Schmalseiten „FG 68.“, 70 x 42,5 x 56 cm VHA

€ 3.300,Sitzgruppe „Model No. 1725 A“, Entwurf Warren Platner (1919 Baltimore-2006 New Haven), 1966, Ausführung Knoll International, 1970er/80er-Jahre, vernickeltes Stahlgestell, Tisch mit Glasplatte, drei Armlehnstühle und Hocker, Sitzfläche, Rücken- und Armlehnen mit Schaumstoffpolsterung mit rotem Bezug, Maße 70/104 (Tisch), 75/71 (Sessel), 53/47 cm (Hocker) SIE

€ 3.800,Sessel „Tube chair“, Entwurf Joe Colombo (1930-1971), 1969, Ausführung Flexform, Meda Mailand, PVC weiß, Polyurethan, gelber Kunststoffbezug, sechs Stahlmanschetten mit Gummiabschluss, Leinensack, Maße zusammengebaut 73 x 62 x 99 cm QUI

€ 3.600,Zwei Sessel „Joker“, Entwurf Eugen Schmidt, Darmstadt, Stahlrohrgestell, verchromt, Kunststoff weiß, Textilbezug mit floralem Muster, Maße 69 x 87,5 x 72,5 cm QUI

€ 3.750,Sofa und Sessel (nur Sofa abgebildet) aus der Serie „fg 2001“, nach einem Entwurf von Dieter Rams (geb. 1932 Wiesbaden), 1962, Ausführung von Wolfgang Feierbach, Konstruktion aus Fiberglas auf Rollen, hellbrauner Lederbezug, Maße des Sofas 80 x 154 x 80 cm, Maße des Sessels 80 x 86 x 80 cm DOR

€ 4.000,Sessel „Ovalia“ und Hocker, Entwurf von Henrik Torlan Thor-Larsen, 1968, Ausführung Staffanstorp, Schweden, fiberglasverstärktes Polyester, Aluminiumguss, orange-gold-brauner Textilbezug, eingebaute Lautsprecher, Sesselmaße 132 x 90 x 94 cm, Hockermaße 41,5 cm, Durchmesser 59 cm QUI

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AUKTIONSPREISE 30

€ 5.000,Sitzmöbelsystem „Malitte“, Entwurf Roberto Sebastian Matta, 1966, für Gavina, Bologna, 1966-1968, und Knoll International, New York, 1968-1974, aus fünf Sitzelementen gebildet, die einzeln variabel zu verwenden sind, geformter Polyurethanschaum, schwarzer und grüner Strechstoff, Maße160 x 160 x 63 cm DOR

€ 6.000,„Sunball“, Entwurf von Günther F. Ris (1928-2005) & Herbert Selldorf (1929-2012), 1969, Ausführung Rosenthal, kugelrundes orangefarbenes Gehäuse aus Fiberglas, auf Rundsockel, stufenlos zu öffnende Schale, innenseitig mit schwarzem Griff, innen braune Samtpolsterung mit Seitenkissen und Nackenrollen zur Liege ausklappbar, mit schwenkbarem rundem Tisch mit integriertem Aschenbecher, über Rückenlehne Lichtkasten mit Druckknopf, Gebrauchsspuren, Maße 170 x 175 cm SIE

€ 5.200,Vier Stühle und ein Tisch „Scimitar“, Boris Tabacoff, um 1970, Hersteller Mobilier Modulaire Moderne, Frankreich (zugeschrieben), Bandstahl, verchromt, weißes Leder (erneuert), farbloses Glas, Stuhl 77 x 62 x 57 cm, Tischhöhe 70 cm, D 120 cm QUI

€ 6.875,Paar „Elda“-Sessel, Entwurf Joe Colombo, 1963, für Comfort, Italien, Polyesterschale mit Fiberglas verstärkt, weiß lackiert, Polsterung, schwarzes Leder, Höhe 78 cm, Breite 92 cm, Tiefe 76 cm, Sitzhöhe 51 cm, Lit. Joe Colombo „Die Erfindung der Zukunft“, Vitra Design Museum, Weil am Rhein 2005, S. 144/145 DOR

€ 6.600,Satz von 6 frühen Fiberglassesseln „DAR-1“, Charles & Ray Eames, Entwurf um 1950 für Hermann Miller Collection, Michigan, Ausführung 1959/73 durch Vitra/Fehlbaum, Weil am Rhein, Fiberglassessel mit A-Schale, R-Gestell (Rod Base), auch „Eiffelturm-Untergestell“ genannt, aus Stahldraht mit Kunststoffgleitern, dunkelblaue STA Kunstleder-Polsterung, Herstelleretikett, 83 x 65 x 43 cm

€ 9.000,Elf Sitzelemente „Pantonova – 100“, Entwurf von Verner Panton (ursprünglich für das Restaurant Varna in Arhus), 1971, Ausführung Fritz Hansen, Allerod, Metallstäbe, vernickelt, orange-roter Textilbezug, Höhe 73 cm, Durchmesser insgesamt ca. 325 cm, Einzelteile Maße 73 x 80 x 66 cm QUI

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AUKTIONSPREISE 31

€ 7.000,Fünf Bodenleuchten „Pillola“, Entwurf von Cesare Casati, Emanuele Ponzio, Studio D.A. Casati, 1968, Ausführung Nai Ponteur, Bergamo, ABS-Kunststoff und Acryl, Farben: grün, blau, gelb, dunkelrot und weiß, Maße 55 x 13 cm QUI

€ 10.000,Sideboard „Pointe de Diamant“, Entwurf von Antoine Philippon & Jacqueline Lecoq, 1962, Ausführung Behr, 1970er-Jahre, Teakholz, furnierter Korpus, die Innenwände sind mit Ahorn furniert, zwei Tablettauszüge in Ahornholz, die Türen konkav in Quadratform gestaltet, auf Metallgestell, mit Label, Breite 240 cm, Höhe 80 cm, Tiefe 52 cm SIE

€ 10.000,„TV-Relax“-Sessel, Entwurf von Luigi Colani (geb. 1928 Berlin, als Lutz Colani), 1969, Ausführung Kusch & Co, Deutschland, organisch geformter Schaumgummi mit Stretchstoff bezogen, Höhe 78 cm, Breite 78 cm, Tiefe 110 cm, Sitzhöhe 39 cm DOR € 12.500,Kombinations-Tonmöbel „Kuba Komet“, Entwurf von Gerhard Kubetschek (1909 Breslau-1976 Wolfenbüttel), 1957, mit Radio, Fernseher, Plattenspieler sowie Lautsprechern, für Kuba-Imperial Rundfunk- und Fernsehwerk GmbH, Wolfenbüttel, 1950er-Jahre, kastenförmige, vierbeinige Konstruktion aus Riegelahorn, Wenge und Polyester, Ausmaße 168,5 x 220 x 65 cm DOR

€ 12.500,„Gli Amici“ („Die Freunde“)-Sitzobjekt, Entwurf Gaetano Pesce, 2009, für Meritalia, Rahmen aus Holz und Stahl, Tiere aus Polyurethan, bezogen mit digital bedrucktem Baumwollstoff, bezeichnet „Gaetano Pesce by Meritalia“, die 5 einzelnen Teile in Form von verschiedenen Tieren können auch separat verwendet werden, DOR Höhe 140 cm, Breite 130 cm, Tiefe 125 cm

€ 12.500,Chaiselongue bzw. Liege Mod. „Rio“, Entwurf von Oscar Niemeyer (1907-2012 Rio de Janeiro), um 1970, für Fasem International srl., Vicopisano, Italien, Konstruktion aus schwarz gebeiztem Eschenholz, gepolsterte Auflage und höhenverstellbare Nackenrolle, beide mit schwarzem Nappa-Lederbezug, Maße 82 x 173 x 57 cm DOR

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AUKTIONSPREISE 32

€ 13.750,„TV-Relax“-Sessel, Entwurf von Luigi Colani, 1969, Ausführung Kusch & Co (Teil der „Meereskollektion“), Deutschland, organisch geformter Schaumgummi mit orangem Stretch-Stoff bezogen, Maße 78 x 78 x 110 cm, Sitzhöhe ca. 39 cm DOR

€ 31.250,Paar „Galaxy 1“ Armsessel, Entwurf von Walter Pichler, 1966, für R. Svoboda & Co, Österreich, Aluminiumblech, Seidenglanzschliff, natureloxiert, Sitz Federbespannung (Sitzfedern des Citroen 2CV), Polsterkissen mit schwarzem Leder bezogen, Höhe 69 cm, Tiefe 86 cm, Breite 92 cm, Sitzhöhe 39 cm DOR

€ 17.000,Stickbild mit Buchstaben „Normale e anormale“, Alighiero e Boetti (1940 Turin-1994 Rom, Künstler der Arte Povera), 1977, flächendeckendes, haptisches Stickbild auf Baumwollnessel, auf Holzpatte montiert, signiert & nummeriert „25“, Maße 17,5 x 19 cm SIE

€ 30.000,„Boomerang“-Schreibtisch, Entwurf Maurice Calka, um 1970, für Edition Leleu-Deshays, Frankreich, organisch geschwungene Konstruktion aus Glasfaser und Polyester, Front mit einer großen und 3 kleineren Schubladen, rücks. gemarkt, 185 x 112 x 74 cm DOR

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€ 56.250,„Elledue“-Doppelbett, Entwurf Ettore Sottsass (Teil der „Mobili Grigi“-Serie, die eine Schlaf- und Wohnraum-Einrichtung mit Staumöbeln, Tisch, Stühlen, dem großen Wandspiegel „Ultrafragole“ und Lampen „Bruco“, „Cometa“ umfasste), 1970, für Poltronova, Italien, vakuum-geformtes Fiberglas, H 70 cm, 247 x 217 cm DOR

BLO DAN DOR DOR FRA KUK MEH PEE QUI QUI SHA SHU SIE SIE STA VHA ZEL

BLOSS | Merzhausen, 10.-12. September 2018 DANNENBERG | Berlin, 09./10. Dezember 2016 DOROTHEUM | Wien, 14. März + 06. Juni + 07. November 18 DOROTHEUM | Wien, 20.05. + 04.11.15 + 03.11.16 + 02.11.17 FRANKE | Nürnberg, 06.-08. April 2017 KUNST & KURIOSA | Heidelberg, 15. September 2017 MEHLIS | Plauen, 23.-25. August 2018 PEEGE | Freiburg, 29. März + 29. Juni 2017 QUITTENBAUM | München, 21.09. + 06.12.16 + 27./28.06.17 QUITTENBAUM | München, 26./27. Juni 2018 SCHLOSS AHLDEN | Ahlden, 06./07. Mai 2017 SCHULER | Zürich, 18.-22. September 2017 SIEBERS AUKTIONEN | Stuttgart, 28. Oktober 2016 SIEBERS AUKTIONEN | Stuttgart, 20.-24. Febr. + 12. Okt. 2017 STAHL | Hamburg, 23. September 2018 VAN HAM | Köln, 31. Mai 2017 ZELLER | Lindau, 05.-07. April + 30. Juni + 29. September 2018

aus SAMMLER JOURNAL 07 / 2019


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ONLINETIPP 33

n Seit etwa 150 Jahren sind Bierflaschen mit aufgeklebten Etiketten bekannt. Die genaue Anzahl der bisher weltweit entstandenen und unterschiedlich gestalteten Exemplare wird sich nie ermitteln lassen, denn es werden etliche Millionen sein. Also mehr als genug für den Aufbau von Sammlungen, die durch ihre schiere Menge beeindrucken, aber auch für Spezialisierungen, die sich auf Regionen, Brauereien oder Biersorten beziehen. Einige Sammler haben umfangreiche Archive geschaffen und stellen diese auch Online der recht großen Sammlerszene zur Verfügung.

BIERETIKETTEN n Bieretikettenkataloge Hier wird ein riesiges „Verzeichnis und Bieretikettenkatalog aller Länder" vorgestellt. Schon die nach rund 200 Ländern und Regionen geordnete Übersicht ist außerordentlich beeindruckend, wie auch der Hinweis auf die über 170.000 präsentierten Etiketten. Diese sind fast alle im Kleinformat in Galerien, aber auch einzeln im Großformat zu sehen. Bei Ländern mit vielen Biersorten sind wiederum Unterteilungen nach Brauereien und Städten vorhanden. In Anbetracht der gewaltigen Menge erweist sich die Suchfunktion, mit der u. a. nach Brauereien, Marken, Städten usw. gesucht werden kann, als äußerst nützlich. www.brauwesen-historisch.de/Allelander.html

n Archiv deutscher Bieretiketten Ein umfassendes Archiv wird hier mit Informationen über seine Entstehung und den Aufbau vorgestellt. Zu finden sind u. a. ein nach Städten sortiertes Brauereiregister und Angaben zur Menge der im Archiv enthaltenen Etiketten je Bundesland. Bildmaterial wird nur sehr spärlich geboten, aber der Sammler hat Tauschobjekte, beantwortet Fragen und ist an Kontakten interessiert.

men gelangt man zunächst zu Übersichten mit kleinen Vorschaubildern, die dann zu den großen Abbildungen führen. Dazu sind noch Erläuterungen zu den jeweiligen Getränken und Datierungen der Stücke vorhanden. www.akustisch-nicht-verstanden.de/bier/index.htm

n DDR-Katalog Diese beeindruckende und sehr gut präsentierte Sammlung beschränkt sich auf die ehemalige DDR bis 1990 und bietet rund 35.000 Abbildungen sowie umfassende Informationen. Die Bilddateien sind nach Orten und dort wiederum nach Brauereien sortiert. Dazu kommen noch Galerien mit Etiketten, die zu bestimmten Anlässen herausgegeben wurden. Der Katalog, der ständig erweitert wird und an dessen Bearbeitung sich auch gern andere Sammler beteiligen können, steht auch auf einer DVD zur Verfügung. Mehr dazu findet sich in der Rubrik „Mitarbeit". www.bieretikettenkatalog.de

n Bieretiketten aus aller Welt Nach Angaben des Sammlers ist seine Kollektion mit fast 600.000 Etiketten die größte der Welt und so auch als Guiness world record anerkannt. Natürlich wird diese enorme Menge nicht vollständig mit Bildmaterial präsentiert, doch in einer alphabetisch nach Ländern geordneten Liste wird zumindest von jedem Land ein Etikett vorgestellt. Nach Orten aus dem Osten Deutschlands sortiert bietet eine weitere Liste auch noch reichlich Bilder. www.hendrikthomann.de/privat/index.htm

www.speer-fuchs.de

n Thüringer Bieretiketten Dass auch eine kleinere Sammlung sehr attraktiv sein kann, zeigt diese Homepage mit Etiketten aus Thüringen. In vier Galerien werden ca. 500 Exemplare von 48 Brauereien vorgestellt, jeweils mit Vorschaubildern und großen Fotos. www.holmar.de

n Bieretiketten-Sammlung Fast 2.500 Etiketten werden mit gutem Bildmaterial vorgestellt. Über die Sortierungen nach Ländern, Brauarten und Na08 / 19


40_Abo

08.07.2019

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08.07.2019

11:25 Uhr

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SCHALLPLATTEN 80

.. SCHWARZES GOLD FUR SCHALLPLATTEN-SAMMLER RARE RECORDS & BANDS FROM THE NETHERLANDS

€ 300-500 After Tea „Same LP”, erschienen 1970 in den Niederlanden auf Negram Records, No. „NELP 076”, Gatefold Cover. After Tea endstanden 1967 aus der Delfter „Nederbeat”-Band Tee Set nach einem Rechtsstreit mit ihrem Manager. Die LP geht musikalisch eher in die Richtung „Blues-Rock”

€ 100-150 Cuby & Blizzards „Soul (in NL als Groeten Uit Grollo erschienen) LP”, auf Philips Germany, Nr. „844054 PY”. Die „Bluesrock”-Band um Harry „Cuby” Muskee (1941-2011), der in NL auch bekannt durch seine Tätigkeit beim Radiosender „RTV Drenthe” war, feierte 2006 ihr 40-jähriges Bandbestehen

€ 200-300 Fragile „Same LP“, 1976 als Privatpressung erschienen, No.„7629”. Die 1972 gegründete „Heavy-Rock”-Band nahm ihre einzige Platte schon 1974 im Flower Tree Studio auf. Kurz darauf wurde ihr komplettes Equipment zerstört

€ 400-600 Golden Earrings „Miracle Mirror LP”, 1968 auf Polydor NL, No. „184120”. 1961 gegründete Band aus Den Haag, die mit „Radar Love” einen Welthit landeten € 300-400 Ahora Mazda (1965-1971) „Same LP“, 1970 Niederlande auf Catfish, No. „5C-054-24184. Aus der „Freejazz”-Band Free Art Group hervorgegangen, wurden die Lichtgötter damals zur festen Institution des Amsterdamer „Cosmic Psychedelic Centre Fantasio”

€ 600-900 The Diamond Five „Brilliant! LP”, veröffentlicht in den Niederlanden 1964 auf Fontana Records, No. „650520 TL”. Das niederländische „Bebop”-Quintett unter der Leitung des Pianisten Cees Slinger gründete sich 1957 als Hausband des berühmten Amsterdamer Jazzclubs „Sheherezade”. Sie jammten dort bis 1964 mit zahlreichen internationalen Größen des „Jazz” wie Quincy Jones, Roy Eldridge, Jay Jay Johnson, Elvin Jones etc. € 250-300 The Ex „All Corpses Smell The Same 7 Inch”, erschienen 1980 auf ihrem Eigenlabel He Records, No. „EX 001”, Booklet, 500 Copies. Die Amsterdamer „Anarcho-Punk”-Band mit ungezügelter musikalischer Experimentierwut, totaler Autonomie, unbedingter AntikapitalismusEinstellung und gegen jede Art des Rassismus spielt vom Punk, über Free Jazz, afrikanische Rhythmus-Strukturen bis hin zu osteuropäischen Melodien jenseits aller musikalischer Grenzen ihr eigenes Ding

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€ 300-500 Group 1850 „Agemo’s Trip To Mother Earth LP”, 1968 auf Philips NL, No. „844063 PY”, 3D-Foldout-Cover. „Acid Psych”-Klassiker mit abgedrehten Sounds, trippigen Gitarrenklängen, spacigen Vocals und zahlreichen Orgelgewittern. Ihre Debüt-Single erschien 1966, 1968 spielten sie mit Pink Floyd im Paradiso


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SCHALLPLATTEN 81

€ 500-700 Outsiders (1965-1969) „C.Q. LP”, 1968 in den Niederlanden auf Polydor, No. „236803”, circa 1.000 Copies. „PsychGarage-Rock”-Band aus Amsterdam um den Sänger „Wally” Tax (1948-2005), der Anfang der 70er-Jahre mit „Buzz” Busch darauf die Band Tax Free gründete

€ 150-200 Pantheon „Orion LP”, 1972 auf Vertigo Swirl Netherlands, No. „6360850”. Den Haager Band aus der niederländischen „Canterbury Scene”, die nur zwei Singles und eine LP veröffentlichten

€ 250-350 Reality „Same LP”, veröffentlicht im Jahr 1972 in den Niederlanden auf Blue Elephant Records, Number „855.012-H”. „Funk/Soul”-Projekt von 8 Musikern, die ursprünglich aus Surinam, Curcao und Aruba stammten

€ 80-120 Zen (1965-1970) „Hair LP”, 1969 auf Philips NL, No. „XPY 855821”. Amsterdamer „Rock”-Band um Siegfried „Siebe” de Jong und Dirk van der Ploeg. Mit der Single-Auskopplung „Hair” landeten sie 1968 in den Dutch Top 40 auf Platz 1

€ 150-250 Sam Dice „Dutch Disease LP”, veröffentlicht 1978 in den Niederlanden auf Ivory Tower Records, No. „SRL 910.025”, 1.000 Copies. Lokale „Rock”Band mit „Psychedelic/Blues”-Einflüssen aus dem NL/BRD-Grenzgebiet bei Kloosterhaar, die größtenteils damals in örtlichen Jugendclubs auftraten

€ 400-600 Zmiv „Banzai! Here’s Zmiv Beware! 7 Inch EP”, 1982 Privatpressung in NL No. „Z23662”, Inlet mit Fotos, 300 Copies. „Hardcore/Punk”-Band aus Meppel, die von 1979 bis 1984 existierte

€ 100-150 Supersister „To The Highest Bidder LP”, erschienen 1971 auf Polydor NL, No. „2925002”, Gatefold-Cover. In England wurde die Den Haager „Progrock”-Band von Radio-Legende John Peel (1939-2004, BBC Radio 1) gepusht, der die LP auch auf seinem Label Dandelion Records veröffentlichte. Supersister starteten ihre Karriere 1965 am Grotius College in Den Haag mit dem Bandnamen The Blubs, später als The Q-Provocation und ab 1967 als „Sweet Okay Supersister” mit dann vermehrt psychedelischen Sounds € 500-800 Q 65 (1965-1971) „Afganistan LP”, erschienen 1970 auf Negram Records Niederlande, No. „NELP 075”, Foldout-Cover. Den Haager „Nederbeat”Band, die auf ihrer letzten LP eher Richtung „Psychedelic-Rock” tendiert

Alle angegebenen Schallplattenpreise verstehen sich als ungefähre Richtpreise, die bei Internet-Auktionen, Schallplattenbörsen, Sammler-Foren, Festpreislisten, Privatverkäufen etc. erzielt oder angeboten wurden. Die Preise gelten in der Regel für Mint/Mint- Exemplare (neuwertig bzw. minimale Gebrauchsspuren).

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82_Fundstuecke.qxp_Trödler Rubriken 08.07.19 12:47 Seite 2

FUNDSTÜCKE 82

FLOHMARKTPREISE n Spielzeug „Porsche 911“, Hersteller Bandai (gegründet 1950), made in Japan, zweite Hälfte 1960er-Jahre, Batterieantrieb mit Kabelbedienung, Länge circa 20 cm. Zwei-Türer-Coupé, cremefarbene Lackierung, rot gestreifte Sitzbänke, Kunststoff-Lenkrad, verchromte Stoßstangen, MotorhaubenEmblem, Kofferraumlüfter, blau eingefärbte Windschutzscheiben, hinten Nummernschild mit Aufdruck „1967“, schwarze Vollgummireifen etc. Die kleinere „911“-Version wurde damals von der Firma Bandai im Doppelpack als „Inter-Changeable European Car Set Porsche And Volkswagen“ angeboten. Der ferngesteuerte Motor war austauschbar und einsetzbar für beide Modelle. Der Einzelpreis für den Porsche dürfte knapp über 150 Euro liegen, mit beiden Fahrzeugen zusammen im OriginalKarton könnten 400 Euro erzielt werden. Flohmarktpreis: 150 Euro

n Reklame Garderobenschild „Herold-Versicherung, Deutscher Herold, Volks- und Lebensversicherungs-AG Berlin SW 48 Friedrichstraße 219/220““, wohl 1930er-Jahre, Maße 50 x 25 cm. Sechs Haken (alle vorhanden), links oben „Herold“-Wappen, goldfarbene Beschriftung, oben zwei Befestigungshaken, seitlich abgekantet, leichte Altersspuren. Der Deutsche Herold wurde 1922 in Berlin vom dortigen Verband der Bestattungsunternehmer unter dem Namen Deutscher Begräbnis-Versicherungsverein als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit gegründet, um die Kosten für die Bestattung als Versicherungsleistung zu ermöglichen. Sie ging 2006 in die Zurich Gruppe Deutschland auf. Mehr als 70 Euro dürften für dieses Werbeobjekt kaum zu erzielen sein. Flohmarktpreis: 50 Euro

n Reklame Werbeaufsteller „HB-Männchen Bruno“, 1970er-Jahre, Kunststoff, Gewicht circa 20 kg, Höhe 160 cm. „Bruno“ der Zeichentrickheld („Halt, mein Freund, wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zur HB, dann geht alles wie von selbst.“) 08 / 19

war in den 1960er-Jahren die populärste Kunstfigur der Bundesrepublik mit einem Bekanntheitsgrad von 96 Prozent bei den Bundesbürgern. Er überstieg damit sogar die Bekanntheit des Bundeskanzlers Adenauer. „Bruno“ wurde von Roland Töpfer (Hustinetten-Bär, Meister Proper, EssoTiger etc.) entworfen und erschien ab 1958 „auf der fünften Wand“ (Fernsehen) der Bundesbürger. Mit dem Werbeverbot für Zigaretten im deutschen Fernsehen verabschiedete sich Bruno 1972 (im Kino bis 1984 tätig). Gut erhaltene Exemplare aus dieser Epoche dürften ungefähr bis zu 100 Euro einspielen. In den 1960er-/ 70er-Jahren waren sie allerorts als Fahrradständer ein Markenzeichen für Zeitschriften- und Tabakläden. Flohmarktpreis: 60 Euro

Erscheinungstermin September-Ausgabe: Abo-Versand 16.08.2019 Erstverkaufstag Handel 22.08.2019


65_Gold_Silber

06.06.2019

15:42 Uhr

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U4_Kuengverlag

08.07.2019

12:16 Uhr

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www.kuengverlag.de


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