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Trödler 06/2019

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inhaLt 3

trÖDLer

ISSN 1863-0340

VerLag

GEMI Verlags GmbH Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen Tel. 08441 / 4022-0 Fax 08441 / 71846 Internet: http://www.gemiverlag.de eMail: info@gemiverlag.de

geschÄftsfÜhrer

Gerd Reddersen Rudolf Neumeier

chefreDaKtion

Nicola Fritzsch eMail: nicola.fritzsch@gemiverlag.de

reDaKtion

Joscha Eberhardt, Karin Probst, Helene Stümpfle-Wolf

autoren Dieser ausgabe

Reinhard Bogena, Heidrun Th. Grigoleit, Theresia Peters

reDaKtionsassistenz

Heike Genz

termine

Anette Wagner, Tel. 08441/4022-35 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34 eMail: termine@gemiverlag.de

Lithos, satz, hersteLLung

Westner Medien GmbH (Anschrift siehe Verlag)

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Markus Westner, Tel. 08441/4022-13 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34

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Heike Genz, Tel. 08441/4022-18 Marlene Westner, Tel. 08441/4022-12

Vertrieb

Gerd Reddersen

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marKtVertrieb

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Leserforum n Expertenauskünfte

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magazin n Ausstellungen – Messen – Märkte

sPieLzeug / grafiK

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n Faller / AMS

auKtionen

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n Berichte – Preise – Termine

fiLm

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n Die UFA

techniK

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n Musikautomaten

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n Websites für Sammler

schaLLPLatten

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n Schwarzes Gold für Sammler

funDstÜcKe

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n Flohmarktpreise

termine unD anzeigen erscheinungsweise

monatlich

n antiKmarKttermine

titeLfotos

Reinhard Bogena, M. Wenzel

n sammLerbÖrsentermine n ausLanDstermine

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fallen die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM. Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/11 (Preise gültig seit 01.08.2006)

n regeLmÄssige termine n fLoh- unD trÖDeLmarKttermine n KrammarKttermine n KLeinanzeigen in Der sammLerbÖrse 06 / 19


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LESERFORUM 4

EXPERTISEN

zug „Elba“. Auf der Rückseite ist ein Aufkleber mit dem Schriftzug TALLER D´ARTE Y EN MARCACION. Über eine Auskunft zu dem Bild und eine Wertangabe würde ich mich sehr freuen. M. Herrenschmidt, o.O.

■ Salz und Pfeffer

!

Wie Sie bereits festgestellt haben, handelt es sich um eine Kopie des Gemäldes „Adam and Eve“ von Tamara de Lempicka. Der Kopist hat die Volumina gut wiedergegeben, aber auf einige Details verzichtet, z. B. fehlen die Hochhäuser rechts oben und einige Details in den Gesichter oder in Evas Frisur. Der Kopist hat versäumt, das Bild als „Kopie nach Lempicka“ zu kennzeichnen und stattdessen mit dem Namen „Elba??“ signiert. Der Hinweis auf die Rahmenwerkstatt „atelier d´arte y enmarcación“ führt leider nicht weiter. Ich vermute, es handelt sich um eine relativ junge Kopie aus einer Malfabrik in Dafen, China. Ähnliche Kopien ohne Rahmen sind für unter 50 Euro zu kaufen.

?

Dieses Salz-und-Pfeffer-Gefäß ist 8 cm lang, 5 cm breit und 4 cm hoch, das Mittelteil ist 9 cm hoch. Ich habe es vor circa 30/40 Jahren geschenkt bekommen. Können Sie anhand des Stempels auf dem Boden zu dessen Herkunft, Alter und Hersteller Angaben machen? Was glauben Sie, ist das gute Stück wert? Außerdem würde mich interessieren, ob solche Gefäße jemals gebräuchlich waren in Privathaushalten oder in der Gastronomie? Gabi Kühn, o.O.

!

Der dekorative Salz & Pfeffer-Behälter mit dem hübschen Seeweibchen-Dekor hat kein historisches Vorbild. Der italienische Hersteller hat sich bemüht, dem

Klaus Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg

ganzen einen antiken Anschein zu geben, der scharf geschnittene Dekor ist jedoch modern, die Typographie verweist auf die 1970er-Jahre, die Patinierung des eigentlich hellen, fast reinen, Zinns ist gleichfalls ein Versuch, Alter vorzutäuschen. Die Zinnmarke „Rein Zinn etain pur 95 %“ ist eindeutig in die Zeit nach 1970 zu datieren, als Sammler bereit waren, sehr hohe Preise für Zinngegenstände zu bezahlen. Derzeit ist der Wert dieses Stückes leider nur mit rund 10 Euro zu veranschlagen. Klaus Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg

■ Adam und Eva

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Als langjähriger Abokunde und treuer Leser habe ich jetzt doch einmal eine Bitte an Sie. Durch Zufall bin ich in den Besitz dieses schönen Bildes gekommen. Es handelt sich um eine Kopie des Bildes „Adam und Eva“ von Tamara de Lempicka von 1932. Ich nehme an, dass es ein Ölbild auf Leinwand ist. Es misst 100 x 67 cm ohne Rahmen. Rechts unten ist ein Schrift-

■ In dieser Rubrik beantworten unsere Experten Ihre Fragen zu dem einen oder anderen guten Stück. Doch leider sehen wir uns außerstande, ganze Nachlässe oder sämtliche sich in Ihrem Haushalt befindlichen Trouvaillen bewerten und schätzen zu lassen. Auch bitten wir um Verständnis, wenn es mit der Bearbeitung länger dauert. Senden Sie uns also Ihre Anfrage nur zu einem zu bestimmenden Objekt – mit detaillierter Beschreibung und gutem Foto, auf dem das Objekt ganz abgebildet ist. Noch ein Hinweis zu den Preisen, die von Fall zu Fall von unseren Experten genannt werden: Hierbei handelt es sich um Richtwerte, die anhand von Fotos allein getroffen werden und je nach Zustand des Objekts nach oben oder nach unten korrigiert werden können. Ihre Anfrage schicken Sie bitte an: Gemi Verlags GmbH Redaktion Leserforum Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen

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LESERFORUM 5 wesen sein. Ihr „Verband-Schrank“ dürfte vielleicht aus dem Inventar der Firma stammen. Er könnte in der 1930er-Jahren hergestellt worden sein. Für Sammler der Heimatgeschichte Ilmenaus dürfte der Schrank mit der dekorativen Emailplakette „Hygia“ nicht uninteressant sein. Auch der Erhaltungszustand scheint ansprechend zu sein. 150 bis 250 Euro sollten somit erzielbar sein. Joscha Eberhardt, Redaktion

■ Anhänger

geschliffen worden zu sein, der umlaufende Rahmen auf der Rückseite wurde anschließend aufgelötet, um der Struktur Festigkeit zu geben. Es handelt sich offenbar um eine versilberte galvanoplastische Reproduktion aus jüngerer Zeit. Authentische Broschen oder Anhänger der Rebajes-Werkstatt werden im Bereich 50 bis 150 Euro verkauft. Dem Anhänger in Ihrem Besitz würde ich leider nur einen sehr hohen sentimentalen Wert zusprechen. Klaus Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg

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Ich habe meiner Frau zu Weihnachten ein außergewöhnliches Schmuckstück geschenkt: Ein ungemarkter Anhänger, versilbert oder reines Silber, der mich sehr an die Objekte von Tony Cragg erinnert. Meine Frage dazu wäre nun: Sind solche Schmuckstücke von Cragg lizensiert oder hat der Anhänger einen anderen künstlerischen Ursprung? Er misst 4 auf 5,4 cm. Erhard Klages, o.O

! ■ Verbandsschränkchen

Der Anhänger im Stil des Art déco wurde nach 1941 hergestellt. Entworfen wurde er von Francisco (Frank) Rebajes (1905-1990 Suizid), der in den 1930erJahren nach New York kam und als Autodidakt Reliefs aus Metall schuf. Sein erster

?

Dieses Verbandsschränkchen ist 50 cm hoch, 26 cm breit und 15 cm tief. Es wurde aus Weichholz gefertigt. Der Hersteller war Hugo Wernicke in Ilmenau, Thüringen und laut Emailleschild auf der Vordertür heißt die Marke „Hygia“. Können Sie feststellen, wie alt dieses Schränkchen wohl sein mag und mir außerdem seinen ungefähren Wert nennen? W. Arnold, Bremen

■ Radierung

!

?

Die Firma Hugo Wernicke wurde 1907 in Ilmenau gegründet. Sie handelte mit Glaswaren, Armaturen, Thermometern, Laboratiumsbedarf sowie Maschinenzubehör. In der Waldstraße in Ilmenau befand sich das Kontor der Firma mit Versandhandel und einer Druckerei für Etiketten und Kataloge. Bis mindestens in die 1950er-Jahre dürfte die Firma aktiv ge-

Mir werden eine Reihe von Original-Radierungen mit Motiven von Heidenheim an der Brenz angeboten. Leider ist mir die Signatur des Künstlers nicht bekannt. Meine Anfrage beim Direktor des hiesigen Kunstmuseums hat nur ergeben, dass es sich um keinen der regionalen Künstler handelt. Kennen Sie die Signatur und können mir Weiteres darüber mitteilen? Eine Einschätzung des Wertes wäre auch sehr hilfreich. R. Hedtke, o.O.

! Angestellter Otto R. Bade, geb.1921, entwickelte basierend auf diesen Entwürfen kleine Pins, Anhänger oder Broschen. Die Broschen wurden in der Regel aus Kupferblech hergestellt und dann etwas patiniert und mit Zapponlack überzogen. Es gibt auch Varianten in Bakelit und Sterling Silber. Alle Teile aus der Rebajes-Werkstatt tragen das Firmenzeichen, bzw. auch den Vermerk „Sterling“, wenn es sich um Objekte aus Silber handelt. Der Anhänger in Ihrem Besitz ist nicht bezeichnet, die Rückseite sieht außerdem etwas krisselig, körnig aus, an den Rändern scheint ein Zuviel an Material mit einem Werkzeug ab-

Die dekorative Radierung mit dem pittoresken Heidenheim-Motiv ist mit der Ortsangabe „Heidenheim“ sowie „orig. Radierung“ und der Signatur des Künstlers „M. Reiter“ versehen. Augenscheinlich führten Reiters künstlerischen Ausritte in jeden dekorativen Winkel Deutschlands, aus hunderten von Städten im deutschsprachigen Raum sind Stadtveduten bekannt. Der Künstler war wohl nach 1950 bis in die 80er-Jahre aktiv. Kleine Rahmenhandlungen hatte seine Radierungen im Programm. Leider finden sich keinerlei Informationen zu seiner Biografie. Seine dekorative Gebrauchsgrafik bleibt unter dem Radar der Kunstgeschichte. Die Preise für Grafiken von seiner Hand sind auch moderat, meist liegen sie zwischen 5 bis 20 Euro.

Klaus Dieter Müller, Kunstsachverständiger Lüneburg

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VORBERICHTE n Wormser Spielzeug-Auktion, Worms Mit fast schon traditionell mehr als 4.000 Positionen ist die 125. Wormser SpielzeugAuktion ein weiteres Mal sehr gut bestückt. In allen Bereichen rund ums antiquarische Spielzeug kann der interessierte Sammler besonders bei den Eisenbahnen wieder viele schöne und hochwertige Highlights finden. Auch für den kleinen Geldbeutel gibt es schöne Stücke, um die eigene Sammlung zu erweitern. Beliebt ist vorherrschend alles, was sich um Modelleisenbahnen und das passende Zubehör dreht. Die Wormser Spielzeug-Auktion führt sowohl die bekannten als auch die weniger prominenten Hersteller in den Spuren Z bis IIm. Highlights gefällig? Wie wäre es denn bei Märklin in H0 mit einem dreiteiligen Elektro-Triebzug ST 800 Typ 2 (Ausrufpreis 2.700 Euro)? Oder soll es lieber die SLR-800-D-Zug-Startpackung (2.850 Euro) oder gar die E-Lok „Krokodil“ CCS 800 Typ 2 der SBB (3.750 Euro) sein? In Spur 0 setzt sich das Highlight-Feuerwerk fort mit einer Märklin-Startpackung des Personenzugs R 66/12920/31/3 der DRG (2.000 Euro) und einer Märklin USSchlepptenderlok AD 1020 (2.300 Euro). Auch in Spur 1 finden sich einige hochwertige und seltene Stücke, allen voran eine Gotthard-E-Lok der FS (13020), die erst ab stolze 14.000 Euro zu haben ist. Aber auch die E-Lok „Krokodil“ (5756) der SBB von Märklin (1.650 Euro) und die Bahnhofshalle 2078/1 von Märklin in Spur 1 (1.200 Euro) stehen ihr nur wenig nach. Beim Blechspielzeug kommen auch die Dampfmaschinen nicht aus der Mode. Zwei liegende Dampfmaschinen von Bing, die Nr. 1019/1 (250 Euro) und die Nr. 130/381, sind diesmal mit von der Partie. Viele weitere schöne Sammlerstücke mehr runden das Angebot ab.

Märklin, E-Lok CCS 800 Typ 2„Krokodil“ der SBB, H0 (Ausrufpreis 3.750 Euro). Wormser Spielzeug-Auktion, Worms, 31.05./01.06.2019

n Plückbaum, Bonn Das traditionsreiche Auktionshaus Plückbaum feiert in diesem Jahr sein 90-jähriges Geschäftsjubiläum. Dem Anlass angemessen präsentiert sich am 31. Mai und am 1. Juni einmal mehr das umfangreiche Angebot in den Sparten Gemälde, Skulpturen, Barock- und Biedermeier-Möbel, Teppiche und Kunstgewerbe. Auf großes Interesse für Liebhaber von Altmeistern dürfte das Gemälde der „Muttergottes mit Kind“ stoßen, welches aufgrund des Stils und der Darstellung für eine Entstehung im Umkreis des bedeutenden Antwerpener Manieristen Pieter Coecke van Aelst spricht. Die prächtige Tafel zeigt ein mit einem Vogel spielendes Jesuskind auf dem Schoß seiner Mutter, im Hintergrund öffnet sich der Blick auf eine weite flämische Landschaft (3.500 Euro). Darüber hinaus kommt in der umfangreichen Gemäldeofferte ein seltenes pointillistisches Gemälde von Carl Schmitz-Pleis zum Aufruf, das eine träumende, am Fens-

Pieter Coecke van Aelst, Umkreis, Muttergottes mit Kind (3.500 Euro). Plückbaum, Bonn, 31.05./01.06.2019 ter sitzende junge Frau mit Ausblick auf einen Park zeigt (2.800 Euro). Ebenfalls aus langjährigem Privatbesitz stammen zwei russische Triptychen des 17. Jahrhunderts, darunter eine Darstellung Johannes des Vorläufers mit verschiedenen Szenen aus seiner Lebensgeschichte (2.800 Euro).

Telefon: 06247/90460 Webseite: www.wormser-auktionshaus.de

Telefon: 0228/6883820 Webseite: www.plueckbaum.de

n Henry’s, Mutterstadt

Märklin, D-Zug-Startpackung SLR 800, H0 (Ausrufpreis 2.850 Euro). Wormser Spielzeug-Auktion, Worms, 31.05./01.06.2019 06 / 19

Carl Schmitz-Pleis, Dame am Fenster (2.800 Euro). Plückbaum, Bonn, 31.05./01.06.2019

Am 8. Juni präsentiert Henry’s die nächste große Spezialauktion für Sammlerteppiche. Das Angebot umfasst hochwertige antike und dekorative Sammlerteppiche, Kelims und Tapisserien. Zum Aufruf gelangen über 300 Stücke aus allen bedeutenden Knüpfländern wie Persien, der Türkei, dem Kaukasus, Turkmenistan, China und Tibet. Aus verschiedenen Privatsammlungen bietet das Auktionshaus unter anderem auch prominente, publizierte Stücke an wie eine Auswahl von Nomadenstü-


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AUKTIONEN 21 cken aus Anatolien, Persien, Kaukasus und Turkmenistan an. Das Highlight ist die Sammlung von Koos de Jong mit einigen sehr frühen chinesischen Sattelteppichen und tibetischen Teppichen. Die von Koos de Jong zusammengetragenen Stücke sind ethnologisch äußerst selten und waren schon auf verschiedenen Ausstellungen zu sehen. Besonders erwähnenswert ist ein großer Khotan-Saf-Gebetsteppich. Die Sammlung ist zum Teil in dem von ihm verfassten Buch „Horse and Dragon“ publiziert. Des Weiteren gelangen hochwertige und seltene Bildteppiche zum Aufruf wie ein Kirman-Bildteppich aus den Meisterwerkstätten mit der Abbildung von Houshang Shah. Eine Reihe an authentischen Kaukasen kommt ebenfalls zum Aufruf, so ein wiesengrüner KaratchopKasak mit äußerst brillanten Farben, ein Tschelaberd-„Adler-Kasak“ in bemerkenswerter Qualität sowie ein früher Pinwheel-Kazak. Eine kleine Auswahl an bedeutenden Großformaten aus Heriz und Bakhschaisch runden das interessante Angebot ab. Telefon: 06234/80110 Webseite: www.henrys.de

n Thies, Kirchheim unter Teck Die 67. Auktion im Auktionshaus Andreas Thies findet am 29. Juni statt. Zu den Höhepunkte zählen einer der wenigen, heute noch existierenden, original in Gold gefertigten Ordenskollanen des preußischen Schwarzen-Adler-Ordens im Originaletui, getragen vom General der Kavallerie und Ritter des Pour le Mérite Gustav von Alvensleben, zwei originale, verliehene Exemplare des Großkreuzes des Eisernen Kreuzes von 1870 und 1914, das aus einem bedeutenden Fürstenhaus stammende sowie das mit Brillanten und 40 Karat Smaragden besetzte Kleinod des Ordens vom Goldenen Vlies. Ein Exemplar aus dem Hause Bourbon Parma erzielte vor kurzem in Genf 1,4 Millionen Schweizer Franken. Telefon: 07022/36666 Webseite: www.andreas-thies.de

NACHBERICHTE n Eppli, Leinfelden-Echterdingen Albert Weisgerber war am 26. April mit einem Spitzenzuschlag von 28.000 Euro der Star der Versteigerung des Stuttgarter Auktionshauses Eppli. Das Bietgefecht war fast so spannend wie die Geschichte des Gemäldes „Rast im Walde“. „Aufenthaltsort unbekannt“ steht im Werkverzeichnis von Saskia Ishikawa-Franke aus dem Jahre 1978, während das Werk bis

Otto Pippel, In Monte Carlo, Öl auf Leinwand, 73 x 83 cm (Aufruf 1.200 Euro/Zuschlag inkl. Aufgeld 14.000 Euro). Eppli, Leinfelden-Echterdingen, April 2019 1938 in der Sammlung Max Meirowskys verzeichnet war und danach in Familienbesitz schlummerte. Auch die Datierung des Gemäldes konnte mit dem Jahr 1914 geklärt werden. Ein süddeutscher Telefonbieter kann nun Bild und Geschichte übernehmen. Gefolgt wurde dieses Ergebnis von Otto Pippels Caféhausszene „In Monte Carlo“ mit einem Zuschlag (ebenfalls inklusive Aufgeld) von 14.000 Euro, um das sich allein 15 Bieter mit telefonischem und schriftlichem Vorgebot bewarben. Auch in den weiteren Sparten wurden die besten Zuschläge der rund 400 verkauften Lose für namhafte Objekte erzielt. Für den bronzenen Sisyphus von Wilhelm Julius Frick kämpften die Interessenten bis 1.600 Euro. Beim Porzellan waren wie so oft die Stücke aus Meißen die Interessantesten. Elf der begehrten Prunkschalen mit reichen Zierden und Vergoldungen konnten für Hammerpreise bis 700 Euro zugeschlagen werden. Auch feines Kunsthandwerk in Metall wurde hoch geschätzt. Fünf asiatische Figuren im Konvolut steigerten die Bieter von 400 auf 1.400 Euro – sicher eine kleine Entdeckungsreise. Mit 2.000 Euro schlossen die Gebote für einen silbernen Schwan – eine seltene Schale einer deutschen Silberschmiede mit Blauglaseinsatz. Nach fast 600 aufgerufenen Kunstwerken und Antiquitäten lag der höchste Zuschlag in der Sondersparte Sammlung religiöser Prachtschriften bei 1.300 Euro für zwei Faksimilebände mit historischer Bedeutung und reichen Illustrationen.

Paar Ohrstecker mit Brillanten, 18 kt Gold WG 750/000 (Limit 3.300 Euro/Zuschlag 6.944,00 Euro). Henry’s, Mutterstadt, April 2019 um 1830, die mit einem Limitpreis von 450 Euro starteten und für 3.720 Euro (inklusive Aufgeld) zugeschlagen wurden. Auch für eine Prunkpendule mit der Signatur des Uhrmachers und des Ebenisten, Ludwig XV. aus Frankreich aus der Zeit um 1760 wurde der Limitpreis fast verdoppelt. Das Ergebnis lautete 5.084 Euro. Schmuckliebhaber interessierten sich vor allem für einen 14-karätigen Goldring mit Brillant (Zuschlag 6.200 Euro) und ein Paar 18karätige Goldohrstecker mit Brillanten (6.944 Euro). Ein schlanker, eleganter Spiegel aus Frankreich aus den Jahren 1810/20 ließ die mindestens gewünschten 850 Euro ebenfalls weit hinter sich. Knapp 4.000 Euro wurden schlussendlich dafür bezahlt. Telefon: 06234/80110 Webseite: www.henrys.de

Telefon: 0711/2209087 Webseite: www.eppli.com

n Henry’s, Mutterstadt Henry’s konnte für seine Auktionen Ende April mit modernem Schmuck, Taschen und Accessoires sowie moderne und zeitgenössische Kunst, Glas, Porzellan, Keramik, Antiquitäten und Sammlerstücke einige erfreuliche Ergebnisse erzielen. Den höchsten Sprung machten drei Biedermeier-Ansichtenteller der KPM aus der Zeit

Prunkpendule mit Signatur des Uhrmachers und des Ebenisten, Ludwig XV., Frankreich um 1760 (Limit 2.800 Euro/Zuschlag 5.084,00 Euro). Henry’s, Mutterstadt, April 2019 06 / 19


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FILM 78

DIE UFA HEIDRUN TH. GRIGOLEIT

Der Bildband „Die Ufa – Geschichte einer Marke der Deutschen Kinemathek“, erschienen im Kerber Verlag, widmet sich auf 200 Seiten und mit 166 farbigen und 80 SchwarzweißAufnahmen den ökonomischen und ästhetischen Strategien des Medienkonzerns Universum Film AG (UFA) seit seiner Gründung im Jahr 1917.

Unternehmensgeschichte In drei Essays werden Unternehmens- und Markengeschichte skizziert und zugleich die Entwicklung der audiovisuellen Medien in Deutschland reflektiert. Anhand einer Vielzahl von Exponaten, die von der Stummfilmzeit der Filmtheater über das Aufkommen des Fernsehens bis hin zu aktuellen Innovationen der heutigen UFA reichen, lassen sich die Reaktionen des Unternehmens auf gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen sowie die Marktmechanismen der jeweiligen Epoche nachvollziehen. Der Band erschien begleitend zu einer Ausstellung, die letztes Jahr in der Deutschen Kinemathek, Museum für Film und Fernsehen Berlin, gezeigt wurde.

Über 100 Jahre UFA Die Geschichte der UFA ist auch die Geschichte der audiovisuellen Medien: Technische Neuentwicklungen mussten von dem Konzern durch die Jahrzehnte genauso bewältigt werden wie dramatische politische Umbrüche im Ersten und Zweiten Weltkrieg, der Nachkriegszeit und Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Die Geschichte der UFA ist aber nicht nur die Geschichte von politischer Einflussnahme und technischen Innovationen, sondern auch die spannende Geschichte von kreativen und ideenreichen Regisseuren und natürlich von berühmten, talentierten und unvergessenen Schauspielerinnen und Schauspielern: etwa Zarah Leander, Marlene Dietrich, Hans Al-

bers, Hardy Krüger, Ilse Werner, Hildegard Knef, Inge Meysel, Dieter Hallervorden, Heino Ferch, Veronica Verres, Yvonne Catterfeld, Angelica Domröse oder Götz George – um nur einige zu nennen. Links: Verleihkatalog der Ufa für die Saison 1925/26 Quelle: Deutsche Kinemathek – Schriftgutarchiv Foto: Marian Stefanowski / Deutsche Kinemathek Plakat zu „Die Ehe im Kreise” (Originaltitel: The Marriage Circle, USA 1924, Regie: Ernst Lubitsch), Grafik: Julius Kupfer-Sachs, 1924 Quelle: Deutsche Kinemathek – Grafikarchiv Verleihprogramm der UFA-Tochtergesellschaft Alliance Cinématographique Européenne (ACE), Paris, für „Le Chemin du paradis” (D 1930, Regie: Wilhelm Thiele, Max de Vaucorbeil) Quelle: Deutsche Kinemathek – Schriftgutarchiv 06 / 19


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FILM 79

Wechselvolle Geschichte Jedenfalls gibt es keine durchgängige Kontinuität dieser Filmfirma, sondern deren Weg zeigt sich in den über hundert Jahren als äußerst wechselvoll – von den Anfängen im Ersten Weltkrieg als Propagandainstrument bis hin zum heutigen „Content-Produzenten“ für audiovisuelle Plattformen. Der Bildband untersucht dabei die Frage, wie man die Geschichte und die Entwicklung der UFA trotz aller Brüche als die einer Marke mit einem sich herausbildenden Image verstehen kann: Es war zweifellos kein gerader Weg von Lubitschs „Madame Dubarry“ (1919), dem ersten großen Auslandserfolg der Ufa nach Französisches Plakat von Münchhausen (D 1943, Regie: Josef von Báky), Grafik: Jean René Poissonnié Quelle: Deutsche Kinemathek – Grafikarchiv Morgenmantel von Lola Lola (Marlene Dietrich), „Der blaue Engel” (D 1930, Regie: Josef von Sternberg), Entwurf: Tihamér Varady Quelle: Deutsche Kinemathek – Marlene Dietrich Collection Foto: Marian Stefanowski / Deutsche Kinemathek Zarah Leanders Kostüm für ihre Rolle als Maria Stuart in „Das Herz der Königin” (D 1940, Regie: Carl Froelich), Kostümbildner: Herbert Ploberger Quelle: Filmmuseum Potsdam Foto: Marian Stefanowski / Deutsche Kinemathek

Kriegsende, zu Helmut Käutners 1944 gedrehtem Film „Unter den Brücken“, der spätestens dann dem Nationalsozialismus und dessen stilistischen Präferenzen keine Zugeständnisse mehr entgegenbrachte. Wandlungen aber auch Kontinuität der berühmten Marke stehen im Fokus der Essays.

Gründung Universum-Film AG Die Gründung des großen deutschen Filmkonzerns 1917 ging von der Obersten Heeresleitung und insbesondere vom Ersten Generalquartiermeister Erich Ludendorff aus. Das ehrgeizige Gründungsziel wird anhand der Handelsregistereintragung vom 14.2.1918 deutlich: „Universum-Film Aktiengesellschaft Berlin. Gegenstand aller Zweige des Filmgewerbes, insbesondere der Filmfabrikartion und Handel jeder Art, der mit dem Film und Lichtbildgewerbe im Zusammenhang steht. Innerhalb dieser Grenzen ist die Gesellschaft zu allen Geschäften und Maßnahmen berechtigt, die zur Erreichung des Gesellschaftszwecks notwendig oder nützlich erscheinen.“ Mit einem Anfangskapital von etwa 25 Millionen Reichsmark konnte die neue UniversumFilm AG sehr aktiv agieren. Anspruch war von Anfang, „der“ deutsche Filmkonzern zu sein, der nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Eben große Bedeutung haben wollte. Entstanden durch die Übernahme der Nordik Film, der Messter-Gesellschaft und der ProjektionsAG „Union“ gehörten dem neuen Konzern damit auch die bereits bestehenden Pläne für Produktionen. Diese wurden von den besten Fachleuten des deutschen Films umgesetzt – u. a. von Schauspielern wie Ernst Lubitsch, Pola Negri oder Emil Jannings. In Szene gesetzt wurden die Akteure von hervorragenden Drehbuchautoren wie Hans Kräly sowie erfahrenen Kameramännern und Technikern, soweit diese nicht zur Front eingezogen wurden. Ohne

dieses „humane Anfangskapitel“ an Spezialisten wären die Erfolge der Ufa wohl so nicht möglich gewesen.

UFA-Logo Die eingeführten Marken verhinderten anfangs jedoch ein einheitliches Erscheinungsbild, also eine „Corporate Identity“. So gab es zuerst eine ganze Reihe von Plakatmotiven, auf denen sich das UfaLogo gleichberechtigt mit den bekannten Signets der im Konzern aufgegangen Firmen findet. Andere Filmplakate warben überhaupt nicht mit der Produktionsgesellschaft, sondern etwa mit dem Ausführungsort oder einem Kino. Aber auch markante Hauptpersonen der Filme wurden gerne und äußerst wirkungsvoll plakativ in Szene gesetzt: Bei „Carmen“ (1918), „Madame Dubarry“ (1919) und „Sumurun“ (1920) feierte man die Schauspielerin Pola Negri als quasi ersten Ufa-Film-Star auf den Bannern. Das Ufa-Logo veränderte sich in den kommenden Jahren dann einige Male in der Typografie – mal fett mal mager, groß oder klein – bis 1929 eine farbige Variante aufkam, die heute als das Ufa-Logo für die erste Phase des Konzerns gilt.

Tonfilme Ab 1929 stellte die Ufa die gesamte Produktion dann vollständig auf den Tonfilm um. Einige Plakate zu berühmten Tonfilmoperetten wie „Die Drei von der Tankstelle“ (1930), „Der Kongress tanzt“ (1931) und 06 / 19


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„Der Blaue Engel“ (1930) mit der legendären Marlene Dietrich waren die ersten Werbemedien, auf denen die neue LogoFarbversion auftauchte. Zu Beginn der 1930-Jahre agierte die Ufa trotz Weltwirtschaftskrise und dramatischer Massenarbeitslosigkeit durchaus erfolgreich, denn wie die oben genannten Tonfilmoperetten boten auch andere Ufa-Unterhaltungsfilme dem Publikum kleine Fluchten aus dem beschwerlichen Alltag. Daneben produzierte man auch konservative Preußen-Fil-

me und nationale Filme. Auf der Premiere von „Hitlerjunge Quex (1933) war Adolf Hitler anwesend, und auf die diktatorische Herrschaft der Nazis reagierte man angepasst und schnell mit der Entlassung von jüdischen Mitarbeitern. 1937 wurde der Konzern verstaatlicht und Propagandaminister Goebbels fasste die gesamte deutsche Filmindustrie unter dem Namen Ufa Film GmbH (Ufi) zusammen. In den folgenden Kriegsjahren produzierte man neben linientreuen Propagandafilmen auch weiterhin Unterhaltungsfilme mit beliebten Stars wie etwa Zarah Leander. Sie verließ 1943 Deutschland nach ihrem letzten Film „Damals“ – aus „Angst“, wie sie in ihrer Autobiographie schreibt. Als letzte Großproduktion der Ufi im Krieg entstand 1944 der Durchhaltefilm „Kolberg“ von Veit Harlan.

Nachkriegsjahre Ein Jahr nach Kriegsende wurde in der sowjetisch besetzten Zone die deutsch Film AG DEFA gegründet, während die westlichen Alliierten das Wiederaufleben der Ufa im Westen zu verhindern versuchten – ohne Erfolg. Stattdessen kam es auf Intervention der von Konrad Adenauer geführten Regierung 1956 zur Neugründung und Reprivatisierung der Universum Film AG, die erneut Kinofilme produzierte und nun den Rhombus als Logo nutzte: Nach dem Krieg setzte man vor allem auf zeitgenössische Themen mit jungen Schauspielern – etwa die junge Sabine Sinjen in der Komödie „Stephanie“. Götz George und Johanna von Koczian waren dann das Erfolgsduo in den Hauptrollen von „Jaqueline“ (1959). Trotz vieler Umstrukturierungen war die Kino-Branche in den späten 1950er-Jahren nicht sehr erfolgreich, denn das neue Leitmedium war inzwischen das Fernsehen geworden: Im Jahre 1958 gab es bereits zwei Millionen Fernsehgeräte in der Bundesrepublik, die 06 / 19

Lichtbildtheater mussten einen Besucherschwund von bis zu 35 Prozent verkraften und die Kino-Krise nahm ihren Lauf. Die Großdokumentation „Schwarzer Kies“ mit einem kritischen Blick auf die deutsche Nachkriegsgesellschaft und einigen Figuren mit antisemitischer Haltung stieß auf Ablehnung und wurde teilweise missverstanden. Es war die letzte Produktion der 1956 reprivatisierten Universum-Film AG und die Spielfilmproduktion kam 1961 zum Erliegen. Zwei Jahre danach übernahm die Bertelsmann-Gruppe Aktien der Universum-Film AG, erwarb damit auch das Recht am Namen und der Marke UFA und nutzte nun die Lizenzen der UFA-Musikverlage und UFA-Tonfilm durch die Bertelsmann-Tochter Ariola.

Fernsehproduktionen Die UFA-Fernsehproduktion bot dann zwischen 1970 und 1989 alle gängigen und möglichen Unterhaltungsgenres und Plakat zu „Stefanie” (BRD 1958, Regie: Josef von Báky) Quelle: Deutsche Kinemathek – Grafikarchiv Plakat zu „Jacqueline” (BRD 1959, Regie: Wolfgang Liebeneiner), Grafik: Robert Hoffmann Quelle: Deutsche Kinemathek – Grafikarchiv Plakat zu „Schwarzer Kies” (BRD 1961, Regie: Helmut Käutner) Quelle: Deutsche Kinemathek – Grafikarchiv Claudia Michelsens Kostüm für die Rolle der Caterina Schöllack in „Ku’damm 59” (ZDF 2018, Regie: Sven Bohse), Kostümbild: Maria Schicker Quelle: FTA Film- und Theater-Ausstattung Foto: Marian Stefanowski / Deutsche Kinemathek


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FILM 81 -formen an – von der Musikschau bis zur Romanverfilmung, vom Zeitstück bis zur Familienserie. Für sie arbeiteten auch ein knappes Dutzend ostdeutscher DEFAStars, die nach der Ausbürgerung von Liedermacher Wolf Biermann ebenfalls die DDR verlassen wollten oder mussten. Währenddessen entwickelte der Berliner Kabarettist Dieter Hallervorden SlapstickKomödien fürs Kino: Nach seinem großen Erfolg wurde die UFA-Filmproduktion GmbH gegründet, fünf weitere „Didi“-Filme produziert und insgesamt zehn Millionen zahlende Zuschauer wieder in die Kinos gelockt. Die Erfindung des privaten Rundfunks 1984 zahlte sich für den Medienkonzern aber erst zeitversetzt aus, als die UFA in den 90er-Jahren tägliche Serien für den Privatsender RTL herstellte und für Sat 1 eine neue Form von Event-Mehrteilern entwarf. Daneben bot sich reichlich Gelegenheit für Geschäfte mit ARD und ZDF sowie eine nachhaltige Expansion in den europäischen Fernsehmarkt. Den Kinomarkt bediente die UFA in dieser Zeit quasi nebenbei – etwa mit dem Fernsehfilm „Die Polizistin“ (2000), der ein Jahr nach der Ausstrahlung im WDR im Kino „zweitverwertet“ wurde. Beliebte Vorabendserien wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (2002) reflektierten immer auch den Zeitgeist der Jugendkultur. Dadurch etablierte sich auch eine Zusammenarbeit mit dem Musikgeschäft – etwa mit Castingshows. Im Herbst 2005/06 bediente die UFA-Tochter teamWorx dann gleich drei deutsche Fernsehsender mit Ge-

schichts-Melodramen, die sich an das kollektive Gedächtnis der Zuschauer richteten: „Die Sturmflut“, „Dresden“ und „Die Luftbrücke“ erinnerten an dramatische Ereignisse der Nation. Auch „Die Flucht“ (ARD 2007) folgte einem historischen Vorbild am Berliner Grenzübergang „Checkpoint Charlie“, wobei Veronica Verres in der Hauptrolle glänzte.

Neue Medien Logo der UFA Film & TV Produktion GmbH, 1991 bis 2013 Quelle: UFA GmbH Foto: Marian Stefanowski / Deutsche Kinemathek Götz George, Grit Böttcher und Folker Bohnet (von oben), Schüler des UFA-Nachwuchsstudios Ende der 1950er-Jahre Quelle: Deutsche Kinemathek – Fotoarchiv

Im neuen Jahrtausend bestimmen nun neue sozialen Medien die Kultur. Und die UFA LAB betreibt bei Facebook einen „Foodchannel“, bei dem es um Kochrezepte und Esskultur geht. Im Herbst 2017 hatten mehr als 200.000 Facebook-User die Seite abonniert. Heute produziert die UFA – inzwischen selbst Teil eines weltweit agierenden Medienkonzerns mit potentiellen Kunden wie Netflix, Amazon oder You-

Tube – immer mehr in Hinblick auf den internationalen Markt. Gleichzeitig zeigt man sich auch wieder traditionsbewusst, und bei „UFA-Filmnächten“ werden alte Stummfilmklassiker unter freiem Himmel in Berlin und anderen Städten präsentiert.

Literatur Peter Mänz, Rainer Rother und Klaudia Wick (Hrsg.), Die UFA – Geschichte einer Marke, Kerber Verlag, 2017, 200 Seiten, 166 farbige und 80 Schwarzweiß-Abbildungen, Textbeiträge von Rolf Aurich, Karin Herbst-Meßlinger, Peter Mänz, Rainer Rother, Annika Schaefer, Jörg Schöning, Vera Thomas, Nils Warnecke, Maximilian Weinberg und Klaudia Wick, Hardcover, gebunden, 36 Euro, ISBN 978-3-73560421-7. Fotos: wie angegeben und Kerber Verlag

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TECHNIK 82

MUSIKAUTOMATEN THErESIA PETErS

Leipzig erlebte zwischen 1880 und 1930 eine außergewöhnliche und in Mitteleuropa einmalige Blütezeit im Musikautomatenbau. Dazu ist im Kamprad Verlag der Band von Dr. Birgit Heise mit dem Titel „Leipzig als Zentrum des Musikautomatenbaus von 1880 bis 1930“ erschienen. Auf 432 Seiten und mit zahlreichen Abbildungen wird die Musikwerke-Produktion als damaliger bedeutender Industriezweig der Stadt Leipzig beschrieben.

Gattungen und Typen Einzelne Gattungen und Typen von automatischen Musikautomaten werden in dem Werk nach Kapiteln geordnet detailliert behandelt – Automatische Organetten, Handharmonikas, Harmoniums, Kammzungen-Spielwerke, Zithern, Schlaginstrumente, selbstspielende Klaviere und Vorsetzer, Klavier-Orchestrions, Flötenwerke und Streichinstrumente. Auch auf die Musik aus den Automaten, Tonvorrat, Repertoire, die Arrangeure, Standorte sowie die Kunden geht die Autorin umfassend und ausführlich ein. Zum Abschluss behandelt Birgit Heise den Wirtschaftsfaktor Musikautomatenbau als damals drittgrößten ortstypischen Industriezweig in der Stadt. Auch die Anzahl der Betriebsstätten, der Arbeitsplätze sowie Patente

und Gebrauchsmuster werden aufgeführt. Im lexikalischen Teil des Bandes sind dann alle Leipziger Firmen im Musikautomatenbau von A bis Z aufgelistet, es werden die wichtigen Persönlichkeiten der Musikwerke-Industrie sowie Register der Warenzeichen vorgestellt.

Über hundert Firmen Heute zeugt nur noch das ehemals größte Werk für Klavierautomaten Ludwig Hupfeld am westlichen Stadtrand vom einstigen Ruhm der Stadt in der MusikwerkeProduktion. Denn zwischen 1880 und 1930 hatte sich Leipzig besonders auf dem Sektor des Klavier- und Blasinstrumentenbaus als traditionsreiche Hochburg etabliert und war weltbekanntes Zen-

trum für die Herstellung selbstspielender Musikinstrumente. Bei Hupfeld arbeiteten vor dem Ersten Weltkrieg an die 1500 Arbeiter und Angestellte. Und in über 100 weiteren Firmen wurden bis zu 5000 zusätzliche Arbeiter in der boomenden Branche beschäftigt. An die 52.000 mechanische Musikinstrumente wurden allein im Jahr 1887 in den größten Leipziger Werken gebaut, die Hälfte davon ging im Export in alle Welt. Dafür wurden mehr als 700 Modelle von Musikautomaten auf der Grundlage von über 1000 Patenten und Gebrauchsmustern in der Messestadt entwickelt. Damals waren Musikautomaten beliebte Gebrauchsgegenstände, die nicht nur zur Links: Vorsetzer für Klaviere mit Ariston-Platte, von Ludwig Hupfeld AG, Leipzig um 1895. Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig Oben: Chordephon Nr. 16 von Fabrik mechanischer Zithern Chordephon Claus & Co., Leipzig um 1900. Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig

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Ausstattung einer Gaststätte, sondern auch in gutbürgerliche Wohnungen gehörten. Es waren akustische Instrumente, die mit Hilfe von Handkurbel, Gewichtsaufzug, Uhrwerk, Federwerken, Tretbälgen oder auch mit Elektrizität von alleine Musik spielten. Diese Automaten gab es in riesigen Stückzahlen und in den unterschiedlichsten Modellen und Modellvarianten vom Einzelinstrument bis hin zu kompletten Ensembles – einfache LochplattenGeräte ohne Dynamik mit einer kurzen Spieldauer von etwa einer Minute und einem Preis von etwa 11 Mark, Klavierautomaten mit Stiftwalze oder gar aufwändige Jazz-Band Orchestrions, die 15 Minuten unaufhörlich musikalische Unterhaltung boten und an die 12.000 Mark und mehr kosteten.

Harmonika gleichermaßen. Es handelt sich dabei um eine Art Leierkasten mit Zungenstimmen zum Kurbeln. Bei vielen Typen und Modellen ist das Prinzip der Organette immer das gleiche: Beim Kurbeln betätigt der Spieler Blasebälge und bewegt Toninformationsträger wie Lochplatte, Lochband oder Stiftwalze. Auf unterschiedlichen mechanischen Übertragungswegen werden sodann die gewünschten Tonkanzellen geöffnet und geschlossen, so dass die Tonzungen erklingen. Das erlaubt Musikhören ohne eigene Noten- oder Spielkenntnisse. Die Organetten boten aber nur die immer gleichen auf der Walze gespeicherten Melodien. So kam dem Klavierbauer Paul Ehrlich die Idee, die Stiftwalze zu ersetzen und er entwickelte eine Mini-Drehorgel mit gelochten Papierstreifen, für die er 1877 das erste deutsche Patent erhielt. In Leipzig wurden Organetten mit Lochplatten zwischen 1882 bis 1925 dann zu Tausenden in etwa 70 völlig unterschiedlichen Modellen pro-

duziert was Größe, Anzahl der Tonzungen und Material betrafen. Zudem wurden auch Kombinationen mit anderen Klangkörpern ausprobiert.

Automatische Handharmonikas Neben automatischen Handharmonikas stellte man in Leipzig auch Akkordeons, Bandonions und Konzertinas her. Die frühesten Erfindungen waren Ziehharmonikas mit Lochplatten und unterschiedlichen Platten-Antrieben. Hier bestand das Problem, dass der Spieler keine Hand frei hatte, um eine Handkurbel zu drehen – musste doch der Balg gezogen und gedrückt werden. So schlugen Johann Matthias Grob und Karl Kretschmar jeweils Lösungen vor, die die Platten beim Ziehen und Drücken des Balges automatisch in Gang setzten – mittels einer Kette mit

Automatische Organetten Sogenannten Organetten bedienten sich einiger Eigenschaften von Drehorgel und Oben links: Happy Jazz-Orchestrion von Popper & Co., Leipzig 1920er-Jahre, Aufsatz nachgebaut von T. richter, Privatbesitz T. richter Oben Mitte: Ariston, von Fabrik Leipziger Musikwerke vormals Paul Ehrlich & Co. AG, Leipzig um 1885. Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig Oben rechts: Orchestrionette, von Fabrik Leipziger Musikwerke vormals Paul Ehrlich & Co. AG, Leipzig um 1880, Privatbesitz D. Kolwig Unten: Ziehharmonika Euphonika, von Leipziger Musikwerke Euphonika AG, Leipzig um 1890, Privatbesitz r. Smolne 06 / 19


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TECHNIK 84 pneumatischen Reproduktionsharmonium vollzog sich parallel zu selbst spielenden Klavieren. Automatische Harmoniums wurden zwar nicht in so großer Anzahl gebaut wie pneumatische Klaviere, erfreuten sich aber dennoch ziemlicher Beliebtheit.

Selbstspielende Klaviere

Schneckenrad oder einer Zugschnur, die im Innern an die Balg-Bewegung gekoppelt waren.

Automatische Harmoniums Das Harmonium zählte um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert neben dem Klavier zu den beliebtesten Tasteninstrumenten. Es kam nicht nur als Orgelersatz in Kirchen, sondern auch in Konzertsälen zum Einsatz und wurde auch für den privaten Hausgebrauch gerne angeschafft. Vorteil der Instrumente war, dass deren Anschaffungspreis weit geringer waren als für wesentlich größere Klaviere. Trotzdem eigneten sich Harmoniums hervorragend für Haus- und Kammermusik. Auf die Idee, automatische Harmoniums zu bauen, ka-

men allerdings nicht erst die Leipziger. Überregionale Verbreitung erfuhr auch die amerikanische Orchestrelle von Aeolian Comp. sowie die Scheola der Stuttgarter Firma J.&P. Schiedmayer. Aus zehn Leipziger Werken stammen insgesamt 14 verschiedene Typen automatischer Harmoniums, darunter drei Klavier-Harmoniums. Das sogenannte „Daimonium“ von Paul Ehrlich aus dem Jahr 1888 war dann eine Kombination von mechanischem Klavier und Harmonium. Dafür bediente er sich einer Ariston-Lochplatte mit insgesamt 36 Tonstufen. Zwei seitlich angebrachte Züge ermöglichten einzelnes wie gemeinsames Spiel von Drehpiano und Harmonium. Ehrlich ließ sich insgesamt vier mechanische Patente zu mechanischen Harmoniums schützen. Gute Harmoniums gab es in Leipzig dann in allen Preislagen u. a. bei den Firmen Mannborg, Hörügel und Hofberg. Der Entwicklungsweg vom ersten Modell bis hin zum technisch ausgereiften

Selbstspielende Klaviere mit Handkurbel und Stiftwalze hatte es im 19. Jahrhundert bereits gegeben. Sie erinnern an Drehorgeln, da auch diese Pianos nur die immer gleichen Musikstücke spielen konnten. Leipzig war für international gefragte Flügel und Pianos bekannt. Auch Paul Ehrlich, der Erfinder der Lochplatte, hatte seine Lehrjahre in der Klavierbauer-Branche absolviert. Zwischen 1887 und 1930 gehörten dann auch automatische Klaviere zu den Erfolgsprodukten, die in großer Zahl in Leipzig hergestellt wurden. Zu unterscheiden gilt es hier zwischen Klavierspiel-Apparaten (Vorsetzern) und Klavierautomaten, die es jeweils als mechanische und pneumatische Varianten gab. In Leipziger Werken entstanden etwa zehn mechanische und 50 pneumatische Klavier-

Oben links: Monopol Nr. 20, kleinste Plattenspieldose, von Fabrik Leipziger Musikwerke vormals Paul Ehrlich & Co. AG, Leipzig um 1900, Privatbesitz E. Bundle Oben rechts: Obstschale, drehbar, mit SymphonionSpielwerk innen, von Fabrik Lochmannscher Musikwerke AG, Leipzig ca. 1905. Privatbesitz P. H. Wirtz Unten links: Klavierautomat Welt-Piano-Konzertist von Popper & Co., Leipzig ca. 1923. Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig Oben: Vorsetzer „Phonola“ von Ludwig Hupfeld AG, Leipzig um 1905. Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig 06 / 19


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TECHNIK 85 automaten sowie drei mechanische und dreizehn pneumatische Vorsetzer-Modelle. Die rein mechanisch funktionierenden Geräte setzten mit einer dynamisch eintönigen Klanggebung das Prinzip von Spielautomaten fort. Das Klavier mit pneumatischer Steuerung und gelochten Papierstreifen klang hingegen wesentlich abwechslungsreicher. Automaten dieser Art wurden in Leipzig als „Kunst-Spielklaviere“ bezeichnet, denn das Abspielen der Papierrollen erforderte auch musikalische Talente, da Tempo und Intensität des Anschlags der Tretbälge und Schieberegler individuell beeinflusst werden konnten. Gleichzeitig kamen pneumatische Klaviere auf, die bequem mit einem Elektromotor angetrieben wurden. Auf der Notenrolle fanden sich hierzu extra Spuren für Dynamik und Pedal, so dass man der Musik nur noch lauschen musste. Um 1905 entwickelten sich daraus vollautomatische Klaviere, bei denen jeder Pianist sein ganz individuelles Spiel auf Notenrollen „speichern“ konnte, um dies dann später wieder abspielen zu können. So konnte man quasi zeitversetzt aber wie „live“ dem Auftritt bekannter Pianisten lauschen. Der hohe Preis für solche vollautomatischen Stücke war wohl auch dafür verantwortlich, dass sich diese Instrumente nicht im großen Stil durchsetzen konnten.

Klavier-Orchestrions Zwischen 1900 und 1930 avancierte Leipzig dann zum Zentrum der Produktion von Klavier-Orchestrions. Das sind Automaten, die ein kleines bis mittelgroßes MusikEnsemble ersetzen können. Basis war das selbstspielende Klavier. Die Automaten hatten ein schlankes hohes Aussehen fast wie von großen Wandschränken, in denen sich genügend Platz für den zusätzlichen Einbau von Orgelpfeifen zur Imitation von Streichern, Bläsern und Schlagzeugen aller Art befand. Mit großer Präzision steuerte eine einzige Walze, Lochplatte oder Papierrolle das Zusammenspiel der verschiedenen Instrumente. Die meisten Konstruktionen kamen aus den Unternehmen Hupfeld, Popper, Polyphon, Symphonium und Original. Viele der Erfindungen erwiesen sich jedoch als kompliziert oder zu teuer, um tatsächlich in Serie zu gehen.

Automatische Streichinstrumente Die Konstruktion von selbstspielenden Geigen oder Streichzithern war dann eine große technische Herausforderung, denn die differenzierte Führung eines Streichbogens erwies sich als sehr schwierig in der Umsetzung. In Leipzig gelang der Durchbruch erst 1908 mit der Hupfeld´schen Violina, die dann weltweit verkauft wurde.

Wirtschaftsfaktor Mit der Branche des Musikautomatenbaus schaffte Leipzig den Aufsprung auf eine bereits begonnene Mode, die in einer seit Jahrzehnten anhaltenden Klavierbegeisterung lag. Beginnend mit dem amerikanischen Pianola setzte sich der beispiellose wirtschaftliche Erfolg der Selbstspiel-

klaviere weltweit durch. Denn damals gehörte ein Klavier oder gar Flügel in jeden kultivierten Haushalt. In den 1920-Jahren erfuhr die Branche einen letzten Aufschwung. Ein übersättigter Markt, Geschmackswandel und die Weltwirtschaftskrise waren Gründe für den Niedergang der Musikautomatenproduktion. Spätestens auf der Leipziger Messe von 1936 waren Musikautomaten „out“ und es wurden dort überhaupt keine mechanischen Instrumente mehr ausgestellt.

Literatur Birgit Heise, Leipzig als Zentrum des Musikautomatenbaus von 1880 bis 1930, 432 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Verlag Klaus-Jürgen Kamprad 2018, ISBN 978-395755-631-8. Alle Fotos: M. Wenzel

Oben links: Mechanisches Orchestrion Original Nr. 475 von Original Musikwerke Paul Lochmann, Zeulenroda ca. 1908. Privatbesitz J. Petschat Oben rechts: Symphonion „rococo“ Nr. 25 c von Fabrik Lochmannscher Musikwerke AG, Leipzig ca. 1890. Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig Unten: Phonoliszt-Violina Modell B von Ludwig Hupfeld AG, Leipzig um 1920. Privatbesitz J. Wendel 06 / 19


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ONLINETIPP 87 n Alte Blechdosen, die viele Jahrzehnte als Verkaufs- und Transportverpackungen dienten und nach der Entleerung oft noch lange Zeit zur Aufbewahrung verschiedenster Dinge genutzt wurden, sind heute ein sehr beliebtes und unüberschaubares Sammelgebiet. In vielen Sammlungen befinden sich bunte Mischungen verschiedenster Objekte, die ganz nach dem persönlichen Geschmack ausgewählt wurden. Davon werden heute einige vorgestellt. In einem späteren Onlinetipp werden Sammlungen mit Dosen zu ausgesuchten Themen, Herstellern usw. präsentiert.

BLECHDOSEN n Blechdosen In neun Kategorien werden hier fast 200 Blechdosen unterschiedlichen Alters mit Thumbnails und großen Abbildungen geboten. Ein paar interessante Stücke sind dabei, doch fehlen jegliche Informationen zu den Exemplaren. www.bergmann-hans.de/blechdosen/html/index.htm

n Historische Blechdosen Ca. 250 historische Blechdosen, sortiert in acht Kategorien und dort jeweils als Gesamtübersicht mit Vorschaubildern dargestellt, präsentiert hier ein Sammler. Über die Vorschauen gelangt man für jede Dose zu einer eigenen Seite mit einem Großbild und ergänzenden Beschreibungen. Die Betrachtung der Sammlung ist auch sortiert nach dem Alter der Stücke und den Herstellern der Objekte möglich. Zu jedem Exemplar können Kommentare abgegeben werden und der Sammler ist auch am Ankauf weiterer Dosen interessiert.

n Der Dosensammler Ausführlich wird hier ein Sammler vorgestellt, der über die beachtliche Kollektion von etwa 10.000 Dosen aus der Zeit von ca. 1870 bis 1930 verfügt. Neben etlichen Bildern bietet der Zeitschriftenartikel reichlich interessante Informationen über die Geschichte der Blechdosen und die Sammlerszene. www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2015/daz52-2015/der-dosensammler

n Oldfashioned Sammlerseite Diese umfangreiche und schön gestaltete Präsentation beschäftigt sich mit verschiedensten Sammlerobjekten und bietet in sieben, schon auf der Startseite aufgeführten, Kategorien auch reichlich Blechdosen aller Art. Das Bildmaterial ist vorbildlich gut und bei vielen Objekten sind auch kurze Beschreibungen vorhanden. oldfashioned.jimdo.com

n Meine Blechdosen In zehn Kategorien wird hier eine Sammlung mit einigen Dutzend alter Blechdosen

präsentiert. Neben Vorschaubildern sind von allen Objekten auch große Fotos vorhanden, allerdings ohne Textinformation. www.porzellanpuppen.at/hp-familie/altesachen/blechdosen/blechdosen.htm

n 5.000 Blechdosen Die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) bietet aktuell einen Bestand von fast 25 Millionen Objekten, von denen sehr viele auch für Sammler höchst interessant sind. Das Suchwort „Blechdose" führt mit fast 5.000 Ergebnissen zu einer schon zeitlich kaum zu bewältigenden Menge. Deshalb werden auch mehrere Suchfilter geboten, mit denen z. B. nur Objekte aus bestimmten Zeiten oder Orten gelistet werden. Spezifizierte Suchworte grenzen die Suche ebenfalls ein. Nach eigenen Angaben stellt die DDB „nur Informationen zu sorgfältig und fachkundig aufbereitetem Material zur Verfügung. Nutzerinnen und Nutzer können sich der Authentizität der Inhalte sicher sein. Die auffindbaren Informationen tragen das Gütesiegel deutscher Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen." www.deutsche-digitale-bibliothek.de

www.dosenpapst.de

n Blechdosensammlung In gut 40 Kategorien werden rund 250 Dosen ausführlich und oft mit mehreren Bildern vorgestellt. Zu fast allen Exemplaren sind ausführliche und interessante Beschreibungen vorhanden. Auch in den Blog-Archiven früherer Jahre sind viele Bilder und Informationen zu finden. blechdosensammlung.blogspot.de

n Blechdosen-Museum Unter „Exponate" werden vier Galerien mit Vorschaubildern geboten, die zu größeren Abbildungen führen. Nähere Informationen zu den Objekten sind nicht vorhanden. Allgemeine Angaben zur Entstehung und Verbreitung von Blechdosen sind jedoch unter „Geschichte" zu finden. In speziellen Kategorien werden Dosen der Firma Underberg vorgestellt. www.blechdosenmuseum.de

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SCHALLPLATTEN 88

.. SCHWARZES GOLD FUR SCHALLPLATTEN-SAMMLER POLISH RARE RECORDS & BANDS

€ 30-50 Breakout (1969-1982) „Na Drugim Brzegu Teczy LP”, 1969 in Polen auf Pronit, No. „XL 0531”, Mono, blaues Label, Gatefold-Sleeve. Die „Blues-Folk-Rock”-Band landete mit dem Song „Gdybys Kochal, Hey” schon 1969 einen Nr. 1 Hit in Polen. Wegen „pro-westlicher Haltung” zeitweise mit Rundfunk- und Auftrittsverbot belegt

€ 60-80 Dezerter „Kolabracja („Collaboration”) LP”, auf Klub Plytowy Razem 1987 in Polen, No. „RLP 020“, 5.000 Copies. Gegründet 1981 in Warschau als Sektor A und dann SS-20 (Sowjet-Raketen). Polnische „Punkrocker” der ersten Stunde, die teils in Englisch oder Polnisch kritisch dem System gegenüber standen

€ 70-100 Klan „Mrowisko LP“, veröffentlicht auf Polskie Nagrania Muza 1971, No. „XL 0756”, Mono. Die Warschauer „Jazzrock”-Band Klan existierte von 1969 bis 1971 und veröffentlichte nur „Mrowisko” („Ameisenhaufen”) und eine EP

€ 300-400 Krzysztof Knittel „Lapis/Low Sounds LP”, 1987 Alma Art, No. „009”, 800 Copies. Experimentelle Moog Synthesizer Sounds, Flute & Percussion, aufgenommen 1985. B-Seite „Low Sounds” von 1978 € 70-100 Brygada Kryzys (Crisis Brigade) „Same LP“, 1982 in England, No. „Fresh LP 13”. Die Warschauer „Punk/New Wave”-Band tourte 1981 mit TV 21, nahm 1981 ihre erste LP illegal in GB auf, die u.a. Rebellion gegen das kommunistische Regime beinhaltete und auch erzeugte

€ 150-250

Jubileuszowa Orkiestra Helmuta Nadolskiego „Same LP”, veröffentlicht in Polen auf Alma Art, No. „001“, handmade Art Edition Gatefold Cover, Inserts, 200 Copies Kunstauflage, 800 Copies regulär. Auf der A-Seite Live-Aufnahme des „Free-Jazz”-Kollektivs während des 25-jährigen Jubiläumsfestivals „Jazz Jamboree 83” mit einem Sharp RT 10 Kassettendeck, B-Seite Aufnahme im Studio Eksperymentalne Polskiego Radia 1981-83 € 100-150 KAT („Henker”) „Oddech Wymarlych Swiatow LP”, erschienen 1989 (Aufnahme von 1987 in den Exodus Studios Warschau) auf Pronit Polen, No. „PLP 0111”, Kattowitzer „Speed-/Trash-Metal”Band, die sich schon um den Jahreswechsel 1979/1980 gründete, ihre erste LP „666” 1984 aufnahm (in Belgien erschienen), 1985 mit den Hanoi Rocks in Polen tourte und oftmals durch ihre Kirchenkritik bedingt, Auftrittsverbote erwirkte

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€ 100-150 Kult „Posluchaj To Do Ciebie LP”, 1987 PL auf Klub Plytowy Razem, No. „RLP 015”, Club Edition, 5.000 Copies. Die „New Wave”-Band wurde 1982 aus der Vorläufer-Band Novelty Poland gegründet und setzte sich oftmals kritisch mit dem sozialistischen System auseinander


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09.05.2019

13:44 Uhr

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SCHALLPLATTEN 89

€ 100-150 Andrzej Kurylewicz Quintet „10+8/Ten + Eight LP”, 1967 auf Polskie Nagrania Muza Vol. 14”, No. „XL 0439”. Kurylewicz (1932-2007) zählt zu den Pionieren des polnischen „Jazz” und der „Klassik,“ bekannt u. a. als Musik-Autor für die Fernsehserien „Polskie Drogi” (1977), „Lalka” (1978), „Nad Niemnem“ (1988)

€ 150-200 Jerzy Milian Trio „Baazaar Vol. 17 LP”, 1969 auf Polskie Nagrania Muza, Stereo. Beteiligt waren noch J. Bednarek (Kontrabass), G. Gierlowski (Schlagzeug) sowie Mitglieder von NOVI

€ 80-120

Novi (New Original Vocal Instruments „Singers) „Bossa Nova LP”, erschienen 1967 auf Polskie Nagrania Muza Vol. 13, No. „XL 0415”, Mono. Das polnische Vocalensemble mit dem „Scat”Gesang wurde 1964 von fünf Studenten in Warschau gegründet. Bekannt wurden sie in Deutschland durch den von Joachim Ernst Berendt produzierten Film „Jazz in Poland” und durch die westdeutsche Fernsehserie „Jazz, gehört und gesehen”

€ 50-80 Nurt (1971-1977) „Same LP”, veröffentlicht 1973 auf Polskie Nagrania Muza, No. „SXL 0944”. „Heavy Prockrock”-Band, die bei einem Wettbewerb 1972 eine Recording Session beim Warschauer Radio Studio M 1 gewann und dort sechs Songs für die Radiosendung „Studio Rytm” einspielten

€ 100-150 V.A. (Orkiestra PR I W Lodzi, Henryk Debich) „String Beat LP”, 1975 auf Polskie Nagrania Muza, No. „SX 1276”. „FusionSound” anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Radio- & Fernsehorchesters Lodz

€ 150-200 V.A. „Miedzynarodowy Festival Of Contemporary Music Warsaw 8 LPBox”, 1981 auf Polskie Nagrania Muza, No. „SX 2311-2118”. Zum 25-jährigen Jubiläum des „Int. Warsaw Autumn” Festivals mit Aufnahmen von 1956 bis 1980

€ 100-150 Andrzej Trzaskowski (19331998) Sextet Featuring Ted Curson „Seant Polish Jazz Vol. 11 LP”, auf Polskie Nagrania Muza, No. „XL 0378”, Mono. Trzaskowski ist als Pianist, Musikwissenschaftler, Komponist, Pädagoge, Theoretiker und Kritiker neben Komeda eine der wichtigsten polnischen Jazzkünstler

€ 30-40 Niebiesko-Czarni (Die BlauSchwarzen) „Mamy Dla Was Kwiaty LP”, 1968 Pronit, No. „XL 0481”. Wohl die erste „Rock”-Band, die über 3.000 Konzerte (auch außerhalb des Ostblocks) spielten

Alle angegebenen Schallplattenpreise verstehen sich als ungefähre Richtpreise, die bei Internet-Auktionen, Schallplattenbörsen, Sammler-Foren, Festpreislisten, Privatverkäufen etc. erzielt oder angeboten wurden. Die Preise gelten in der Regel für Mint/Mint- Exemplare (neuwertig bzw. minimale Gebrauchsspuren).

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90_Fundstuecke.qxp_Trödler Rubriken 09.05.19 13:11 Seite 2

FUNDSTÜCKE 90

FLOHMARKTPREISE n Reklame Werbeschild „Falkensteiner Bier“, bezeichnet „Imoglas-Plakatefabrik Wuppertal-Barmen“, wohl Ende 1930er-Jahre, leicht gewölbt, Aufhängelöcher, Maße 45 x 31,5 cm. Die Brauerei Falkenstein Karl Schreider in Oberfranken wurde 1709 gegründet und erlosch 1968. Den Namen Falkensteiner übernahm dann die Ludwigstadter Jahns Bräu und später die Weismainer Pils. Unter Imoglas versteht man eines der frühen Kunststoff-Überzugsmittel zum Schutz von Metall- und Papieroberflächen, z. B. wie hier bei Reklameschildern. Das Imoglas genannte Herstellungsverfahren imitiert ein gewölbtes Hinterglasbild und damit eine höhere Materialwertigkeit. Farbenprächtiges und unbeschädigtes Schild, welches bei Bierfreunden mit circa 100 Euro gehandelt wird. . Flohmarktpreis: 40 Euro

n Spielzeug Tischspielzeug „Tipp Kick Patent Made In Germany“, Hersteller Firma Mieg, Schwenningen, wohl 1930er-Jahre. Komplett mit zwei Torhütern, zwei Toren, zwei Bällen, ausrollbarem Spielfeld, Verpackung und Spielanleitung. Erfunden wurde das Tipp-Kick-Spiel vom Stuttgarter Möbelfabrikanten Carl Mayer, der das Spiel 1921 zum Patent anmeldete. Exportkaufmann Edwin Mieg aus Schwenningen erwarb die Lizenz 1924, in den 1930erJahren wurde das Spiel ein Verkaufsschlager. Seit 1959 werden alle zwei Jahre Deutsche Einzelmeisterschaften ausgespielt, ab 1974 in jährlicher Austragung. Tipp-Kick wird aktuell in Ligen (1. & 2. Bundesliga, Regional- und Verbandsligen)

gespielt. Die mehr als 500 aktiven TippKicker aus Deutschland sind im Deutschen Tipp-Kick-Verband (DTKV) organisiert. Komplette Spiele aus dieser Epoche werden in der Regel zwischen 30 bis 60 Euro gehandelt. Flohmarktpreis: 30 Euro

n Technik Heizkissen „B mit dem Kind“, Franz Baumgartner, Bad Blankenburg, wohl Ende 1930er-Jahre, komplett, Heizkissen unbenutzt, Bakelitschalter. Die Firma startete ihre Heizkissen-Produktion und für elektrische Apparate Anfang der 1930er-Jahre. Nach dem Krieg firmierte sie unter dem Namen „VEB Kombinat Elektro-Heiz-Gerä-

te, Spezialfabrik für Heizkissen und Heißluftduschen, Bad Blankenburg Thüringer Wald“. 1912 erfand der amerikanische Arzt Dr. Sidney I. Russel die erste elektrische Heizdecke. In Deutschland führte die Firma Breuer Ulm die Heizdecke in Deutschland ein. Die Heizkissen mit der gleichbleibenden wohligen Wärme lösten schnell die gefährlichen und unpraktischen Bettpfannen und Wärmesteine ab und waren schon in den 1930er-Jahren ein Verkaufsschlager. Heute eher als nostalgisches Relikt zu sehen und kaum mehr als 20 Euro wert. Flohmarktpreis: 10 Euro

Erscheinungstermin Juli-Ausgabe: Abo-Versand 17.06.2019 Erstverkaufstag Handel 21.06.2019 06 / 19


U3_Muenzenrevue

09.05.2019

14:00 Uhr

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www.battenberg-gietl.de


U4_Loesch

09.05.2019

14:01 Uhr

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www.wormser-auktionshaus.de www.lot-tissimo.de


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