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Europas Sammlermagazin
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Bauhaus Technik
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MODE 20
DAS KünStLERKLEiD thERESiA PEtERS
„Auf Freiheit zugeschnitten – das Künstlerkleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft“ heißt eine Ausstellung, die noch bis zum 24. Februar im Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld gezeigt wird. Die Schau stellt das künstlerische Reformkleid als Sinnbild eines umfassenden gesellschaftlichen Wandels vor, an dem Künstlerinnen und Künstler maßgeblich mitwirkten. Als teil der idee eines Gesamtkunstwerks reflektieren die gezeigten Entwürfe das damalige Frauenbild in all seinen Facetten – so als dekoratives Objekt, als Künstlerin oder emanzipierte Unternehmerin. Mit dem künstlerisch gestalteten Kleid verbinden sich zudem neue Strategien der inszenierung und Vermittlung, die innovative Medien wie Fotografie und Modezeichnung nutzten und entwickelten.
Kleidung und Gesellschaft Kleidung spiegelt die Gesellschaft auf vielfältige Weise wider. Sie transportiert Vorstellungen und Wertesysteme und ist das wichtigste Werkzeug, um Körperbild und Körperverständnis zu formen und zu verändern. Heute ist Kleidung ganz selbstverständlich Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Fast alles ist vorstellbar und wird
bestimmt von Modeströmungen, aber auch von individuellen Vorlieben, dem persönlichen Geschmack und der eigenen Kreativität. Das war jahrhundertelang anders. Die Mode war abhängig vom gesellschaftlichen Status der jeweiligen Trägerin oder des jeweiligen Trägers, was Schnitt, Material oder Farben anbetrafen. In einer Zeit, als Frauen ausschließlich in den häuslichen Bereich verbannt und der weibliche Körper in gesundheitsschädliche Korsetts gezwängt wurde, entstand
von Amerika und England ausgehend eine Reformbewegung, die körperliche Bewegungsfreiheit als Grundvoraussetzung für weibliches Wohlergehen propagierte – und damit auch die Gleichberechtigung einforderte. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Künstlerkleid somit in all seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen zu Martha Vogeler vor dem Barkenhoff in Worpswede, um 1908-1910, Fotografie: Rudolph Stickelmann, Farbpositiv: 25,8 x 19,8 x 1,8 cm (mit Rahmen); Abzug 2012: 21,8 x 15 cm, Privatbesitz Bremen Julius Klinger, Das Weib im modernen Ornament, 1902, Ein Vorlagenwerk für alle Gebiete des Kunstgewerbes, Mappe mit 30 Farblithografien, je 33 x 40 cm, Baumgärtner, Leipzig, o. J., Kunstmuseen Krefeld 01 / 19
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MODE 21 Künstler wie Heinrich Vogeler, Henry van de Velde, Josef Hoffmann oder Sonia Delaunay dokumentieren einerseits dieses moderne Verständnis zur Rolle der Frau und andererseits eine ganz neue Ästhetik. Zentrales Anliegen der jungen Avantgarde war nämlich eine Kunst, die auf Ausdruck und Emotionen basierte, wobei Farben und Formen Gefühle spiegeln sollten. Kleidung war zwar noch Teil des gesamtkünstlerischen Gestaltungsansatzes, aber nicht mehr Teil der häuslichen Ausstattung. Vielmehr war sie nun ein unabhängiges Kunstwerk, um Gefühle in den Raum zu übertragen.
Künstlerische Reformkleider „Von heute an sind Ausstellungen von Damen-Kleidern in die Kategorie der KunstAusstellungen eingereiht“, verkündete etwa Henry van de Velde als ein Vertreter einem Kristallisationspunkt für die umfassenden europäischen Erneuerungsbewegungen. Die junge Avantgarde, die Ausdruck und Emotion als Essenz der Kunst deklinierte, erklärte das selbst entworfene Kleid nun zum autonomen Kunstwerk, das Empfindungen als Bewegung in den Raum übertrug.
Kleiderfragen um 1900 Die Frage nach dem Kleid um 1900 konnte gerade deshalb eine so große Wirkung entfalten, weil sie emanzipatorische Anliegen verdeutlichte. Als Ausdruck von Individualität und Persönlichkeit verstanden, wurde Mode um 1900 nun zur Ausdrucksform für die körperliche wie gesellschaftliche Emanzipation der Frau und avancierte gleichzeitig zum Gegenstand künstlerischen Interesses. Die neuen Ideen führten jahrhundertealte Wertesysteme und Rollendefinitionen ad absurdum. Die damit verbundenen Vorstellungen bedeuteten zudem eine radikale Kritik an der Gesellschaft wie auch an der Kunst. Auch die Erneuerungsbewegungen im Kunstgewerbe – Arts and Crafts, Art Nouveau und Jugendstil – lösten den historischen Pluralismus von Stilen und Vielfalt durch eine zweckdienliche, moderne Formgebung ab. Zahlreiche Kleiderentwürfe bekannter Frances Macdonald Macnair, Spring, 1900-1905, Aquarell auf Leinen, 83 x 124 cm, the hunterian, University of Glasgow Maximilian Snischek, Modeentwurf Mantel, 1914, Bleistift und Aquarell auf Papier, 38,3 x 30,2 cm, MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst Foto: MAK 01 / 19
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MODE 22 den Jahrzehnten zuvor für eine Reform der Frauenkleidung und Frauenkultur gekämpft, die sich vor allem mit dem „Für und Wider“ des Korsetts beschäftigte, so kam nun ein grundlegend neuer Aspekt hinzu: Frauenmode sollte nicht länger nur bequem und gesund sein, wie es dem damaligen Grundgedanken der Lebensreform entsprach, sondern darüber hinaus durch Künstler und Künstlerinnen auch eine ästhetisch anspruchsvolle Gestaltung erfahren. Schönheit wurde zur „Waffe“, und das Kleid Teil der gesamtkünstlerischen Gestaltung aller Lebensbereiche.
Krefelder Ausstellung
dieser neuen Richtung. Und in Krefeld fand bereits im August 1900 die erste Ausstellung künstlerischer Reformkleider in Deutschland statt. Wie viele andere Persönlichkeiten war der Gründungsdirektor des Kaiser Wilhelm Museums, Friedrich Deneken, aktiv in die Reformbewegung in Industrie und Kunstgewerbe involviert. Sein Name ist untrennbar mit Jugendstil und Japonismus verbunden. Angeregt von Deneken wurden damals erstmals im Kaiser Wilhelm Museum im Rahmen der Ausstellung Kleiderentwürfe vieler renommierter Künstlerinnen und Künstlern gezeigt – darunter Henry van de Velde, Alfred Mohrbutter, Richard Riemerschmid und Margarete von Brauchitsch. Hatte man schon in
Die aktuelle, anschauliche Schau im Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld vereint Bestände der eigenen Sammlung mit zahlreichen hochkarätigen Leihgaben aus dem In- und Ausland zu einer opulenten Inszenierung. Damit werden erstmals die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Kunst, Mode, Fotografie und Tanz im Kontext der Reformbewegung zwischen 1900 und 1914 untersucht und dargestellt. In den Fokus rücken dabei auch die europäischen Netzwerke der Reformerinnen und Reformer. Über die GesamtkunstwerkEntwürfe des Jugendstils, der Wiener Werkstätte und der Expressionisten, den Ausdruckstanz bis zu neuen Medien der Inszenierung und Verbreitung wie Fotografie, Plakat und Modezeichnung spannt sich der ausführliche Bogen der frühen Moderne. Der Wunsch nach einer Einheit von Kunst und Leben, nach der die Reformbewegungen um 1900 strebten, inspi-
rierte die Künstler, auch mit Frauenbekleidung gestalterisch zu experimentieren. Die Kunstschaffenden definierten sich nicht mehr als Maler, sondern als Gestalter. Und so schufen sie gleichermaßen Gemälde wie keramische Kacheln, Geschirr, Plakate, Fenster, Paravents, Bühnenräume oder eben Kleider. Vorgestellt werden Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler Léon Bakst, Giacomo Balla, Vanessa Bell, Edward Burne-Jones, Walter Crane, Sonia Delaunay, Clotilde von Derp, Isadora Duncan, Emilie Flöge, Mariano Fortuny, Josef Hoffmann, Ludwig von Hofmann, Wassily Kandinsky, Gustav Klimt, Mela Köhler, Frances Macdonald MacNair, August Macke, Ditha Moser, Koloman Moser, Gabriele Münter, Anna Muthesius, Else Oppler, Paul Poiret, Johan Thorn Prikker, Richard Riemerschmid, Dante Gabriel Rossetti, Emmy Schoch, Henry und Maria van de Velde, Heinrich Vogeler, Edouard Vuillard und anderer.
henry van de Velde, teekleid, um 1896, (Ausführung: Maria van de Velde), in: Album moderner, nach Künstler-Entwürfen ausgeführten Damen-Kleider, ausgestellt auf der Großen Allgemeinen Ausstellung für das Bekleidungswesen, Krefeld 1900, Friedrich Wolfrum Verlag, Düsseldorf, o. J., 32 x 26 cm, Kunstmuseen Krefeld Foto: Kunstmuseen Krefeld © VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Paul Poiret, Mantel, 1913, Graue Wolle, schwarze Seide, getragen von Madame Poiret, Stiftung August Ohm hamburg Foto: Kunstmuseen Krefeld Ausstellungsansicht „Auf Freiheit zugeschnitten. Das Künstlerkleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft", Kunstmuseen Krefeld, Kaiser Wilhelm Museum Foto: Dirk Rose 01 / 19
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MODE 23
Mäntel und teekleid Ausgestellt wird auch ein Teekleid von Henry van de Velde, das 1896 von Maria van de Velde ausgeführt wurde. Es stammt aus dem Album moderner, nach KünstlerEntwürfen ausgeführter Damen-Kleider und wurde im Rahmen der großen Allgemeinen Ausstellung für das Bekleidungswesen in Krefeld bereits im Jahre 1900 erstmals gezeigt. Von Paul Poiret stammt ein Mantel aus dem Jahr 1913, der aus grauer Wolle und schwarzer Seide besteht. Das Stück wurde von seiner Frau, Madame Poiret, persönlich getragen. Ein Modeentwurf für einen Mantel aus dem Jahr 1914, den das Österreichische Museum für angewandte Kunst „MAK“ Wien zur Verfügung gestellt hat, stammt von Maximilian Snischek. „Le Papillon de Nuit“ heißt die Reproduktion einer Fotografie aus dem Jahre 1912 von Loïe Fuller, die in Fantasio, Band zwei, im Dezember 1912 veröffentlicht wurde.
Katalog Zur Ausstellung ist in Deutsch und Englisch ein reich bebilderter Katalog im Hirmer Verlag erschienen, herausgegeben
Loïe Fuller, Le Papillon de nuit, 1912, Reproduktion einer Fotografie, in: Fantasio, Bd. 2, Dezember 1912, 19,5 x 28 cm, Kunstmuseen Krefeld Foto: Kunstmuseen Krefeld Sonia Delaunay, Simultankleid (Robe simultanée), 1913, Patchwork aus unterschiedlichen Stoffen, L 145 cm, B 47 cm, Privatsammlung © Pracusa 2018652
von Ina Ewers-Schultz und Magdalena Holzhey. Das Katalogbuch beleuchtet die Aspekte in vier großen Kapiteln und thematisiert auf 300 Seiten anhand von rund 400 Abbildungen Kleidung als Befreiung aus gesellschaftlicher Konvention während der Reformbewegung. Mit einer umfassenden Darstellung wird in dem aufwändigen Bildband auch das Zusammenspiel von Kunst, Mode, Fotografie, Tanz und Werbung aufgezeigt, ebenso wie das Netzwerk, das sich von den Zentren des künstlerischen Aufbruchs in Deutschland über Belgien, Holland, Wien und Paris bis nach England und Glasgow spannte. Die interdisziplinäre Fragestellung und jüngste Forschungsergebnisse ermöglichen bei der Lektüre neue Perspektiven auf eine
spannende Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914. ISBN 978-3-7774-3113-0 (dt. Ausgabe), ISBN 978-3-7774-3112-3 (engl. Ausgabe).
Ausstellung „Auf Freiheit zugeschnitten – das Künstlerkleid, um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft“, noch bis 24. Februar im Kaiser Wilhelm Museum Krefeld, www.kunstmuseenkrefeld.de Fotos: wie angegeben
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65_67_Literatur
06.12.2018
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72_75_Micky_Kamera.qxp_A Tibet 06.12.18 16:02 Seite 2
TEcHNIK 72
KAMErA Für MIcKy MäusE KlAus-PETEr HuscHKA
Im armen Nachkriegsjapan waren Kleinstkameras mit minimalen Ausstattungsmerkmalen ein großer Verkaufserfolg. Obwohl fast nur ein spielzeug, war es direkt nach dem Krieg für viele Japaner der einzig erschwingliche Weg, Fotos zu machen. Dutzende Fotofirmen in Japan bauten diese Kameras mit minimalen Variationen aus gepresstem Messingblech und später auch aus Plastik. Auch in Deutschland wurden ähnliche Modelle gefertig.
Walter Kunik Ab 1950 exportierte man die Kameras der Firma „Hit“ auch in die USA und dort wurden sie so erfolgreich, dass man heute die Klasse der Kleinstkameras auch mit dem Begriff „hit-type-cameras“ bezeichnet. Der Erfolg dieser Kameras blieb dem Frankfurter Kaufmann Walter Kunik nicht verborgen. Er sah ähnlich gute Verkaufschancen auf dem europäischen Markt. Allerdings wollte er nicht einfach die Kameras aus Japan importieren. In den 1950er-Jahren gab es in Deutschland noch große Vorbehalte gegenüber japanischen Produkten. Und deutsche Fotoapparate galten als führend auf dem Weltmarkt. Den guten Ruf von „Made in Germany“ wollte sich Kunik zunutze machen, und so beauftragte er verschiedene deutsche Hersteller mit der Planung und Herstellung einer Kleinstkamera. Die Kameras sollten im Gegensatz zu den japanischen Produkten, die ein Filmformat von 17,5 mm benutzten, das 16-mm-Format verwenden, weil dies auch bei Filmkameras gebräuchlich war und daher leichter zur Verfügung stand. Auf den ersten Filmpackungen war die Filmempfindlichkeit noch in Scheiner-Graden angegeben (nach dem Physiker Julius Scheiner), anstelle der später üblichen Bezeichnungen DIN, ASA und ISO. Das Filmformat war 14 x 14 mm. Für diese Kameras gab es mindestens zwei verschiedene Filme: In roter Faltschachtel wurde ein Film mit 27 Scheiner und in grüner Faltschachtel mit 30 Scheiner angeboten. Der Schwarzweißfilm kostete 1,25 DM, die Farbvariante war für 3,45 DM zu haben. Anleitung für die PETIE-Kamera Micky-Werbefigur, MM-Heft Nr. 18/1958, Design der Filmschachteln
01 / 19
72_75_Micky_Kamera.qxp_A Tibet 06.12.18 16:03 Seite 3
TEcHNIK 73 ter ein Achromat von Röschlein Kreuznach 1:9,0/25mm, Fixfokus, optischer Durchsichtsucher, Ganzmetallgehäuse. Die einfache Ausführung fällt durch schwarzen Kräusellack und verchromte Ober- und Unterteile auf, die hochwertigere Version mit dem Röschlein-Objektiv erschien in grauem Look mit goldfarbenen Teilen (Neugold). Kunik nannte sein Produkt PETIE in Anlehnung an das französische Wort petit für klein. Der Name „Walter Kunik KG, Frankfurt/M.“ tauchte nur auf den Filmschachteln auf. Kunik war demnach kein Hersteller, wie vielfach angenommen, sondern nur eine Vertriebsfirma. Deutsche Fotokonsumenten galten im Gegensatz zu japanischen oder amerikanischen als anspruchsvoller. In den USA wurden manche Kleinstbildkameras sogar für nur einen Dollar aus dem Kaugummiautomaten verhökert. Zubehör gab es nicht. Anders verhielt es sich bei Kunik.
Um den Kamerazwergen einen Hauch von Ernsthaftigkeit zu verleihen, konnte sie der Kunde mit einigen Zubehörteilen ausstatten. Für die Kamera alleine musste der Käufer 14,70 DM auf den Tisch legen. Dazu gab es ein Set bestehend aus einem Gelbfilter, einer Nahlinse und einer Objektivabdeckung für 6,90 DM, das Tischstativ kostete 15,00 DM und die lederne Bereitschaftstasche war für 3,50 DM zu haben. Das Käuferinteresse in Deutschland indes blieb eher verhalten. Daher versuchte Kunik durch verschiedene Gimmicks, wie man heute sagen würde, das Kaufinteresse zu steigern. Für Damen gab es die Kamera eingebaut in eine Puderdose mit Lippenstift und Spiegel, Herren konnten mit ihrem Fotoapparat auch Zigaretten oder Zigarren anzünden. Da die Fotofunktion auf den ersten Blick nicht ersichtlich war, wurden diese Kamerawinzlinge im Volksmund auch gerne als „Spionagekameras“ bezeichnet.
Das 16-mm-Format verwendeten auch andere Hersteller, jedoch sind nicht alle Filme kompatibel, da sie jeder Hersteller anders konfektionierte. Das Filmmaterial unterschied sich zum Beispiel durch verschiedene Perforationen für den Filmtransport.
PETIE Die Kunik-Kamera wies folgende Merkmale auf: 5,5 cm breit, ca. 4 cm hoch, ca. 3 cm tief, Negativformat: 14 x 14 mm – 16 Aufnahmen auf 16-mm-Rollfilm. Einfacher Verschluss: 1/50 Sekunde. Objektiv: zunächst eine einfache Meniskuslinse, späMicky-Werbefigur, MM-Heft Nr. 18/1958, Design der Filmschachteln rückseite mit Durchsichtssucher und Filmtransportfenster Eine comicfigur wurde zum Namensgeber für die Kunik-Kamera PETIE-Kamera mit Filmtransportrad und schraube am Kameraboden zum Öffnen des Gehäuses 01 / 19
72_75_Micky_Kamera.qxp_A Tibet 06.12.18 16:03 Seite 4
TEcHNIK 74 Weiterhin versuchte Kunik mit nicht alltäglichen Werbeaktionen die Umsätze anzukurbeln. Für die Zeitschrift „Neue Illustrierte“ wurde ein spezielles Set mit Kamera und zwei Filmen produziert. Heute würde man es wohl als „Limited Edition“ bezeichnen. Auf der Kameratasche war das Logo der Zeitschrift geprägt. Bestandteil des Sets waren auch zwei Fotoabzüge, einer in Originalgröße und eine Vergrößerung 4 x 4 cm. Damit wollte man die Leistungsfähigkeit der kleinen PETIE demonstrieren. Die Fotos zeigten eine junge Frau im Badeanzug am Strand – aufgenommen bei Sonnenschein, also unter Lichtbedingungen, bei der die Kamera einigermaßen zufriedenstellende Aufnahmen liefern konnte. Möglicherweise war die Sonderanfertigung als Gewinn für ein Preisausschreiben gedacht oder als Belohnung für eine Abo-Werbung.
Klein wie eine Maus Trotz aller Bemühungen wurden die winzigen Miniaturkameras von den Erwachsenen aber immer noch nicht als vollwertiger Fotoapparat anerkannt. Wer sich keine teure Kamera leisten konnte, griff lieber zu den preiswerten Boxkameras. Diese verfügten zwar nur über eine Minimalausstattung, aber aufgrund des großen Negativformates lieferten sie dennoch erstaunlich gute Bilder. Das spielzeughafte Aussehen der PETIE brachte Kunik schließlich auf die Idee, das Kameramodell speziell für Kinder und Jugendliche anzubieten. Und wo könnte man dies besser tun als in einer Zeitschrift für jugendliche Leser? Unangefochtener Marktführer war auf diesem Gebiet das wöchentlich erscheinende Heft der „Micky Maus.“ Und die Assoziation „Maus“ und „klein“ lag sowieso auf der Hand. So kam es zur Zusammenarbeit zwischen Kunik und dem Ehapa-Verlag, in dem die Micky Maus erschien.
Zusammenarbeit mit Ehapa In den fünfziger Jahren gab es im Bildungsbürgertum noch große Vorbehalte gegen die bunten Comics. Deshalb enthielt das Micky Maus-Heft neben den Bildgeschichten einen Magazinteil mit „pädagogisch wertvollen“ Berichten aus Wissenschaft, Technik, Geschichte oder mit Nachrichten aus aller Welt. Gleichzeitig bot dies dem Herausgeber auch eine Möglichkeit, das dünne Micky Maus-Heft mit preiswertem Agenturmaterial „zu strecken“. Im Sinne der Leser-Blatt-Bindung wurden die Käufer des Heftes zur Gründung eines sogenannten Mick MausKlubs animiert. Und schon im Jahre 1958 erhielt das einhundertzehntausendste Mitglied, ein Mädchen namens Margot W. aus Elmshorn, seinen Mitgliedsausweis. Die Micky Maus sollte zum Gesprächsthema auf den Schulhöfen werden. Es war dem Ehapa-Verlag natürlich bewusst, dass der Verkaufspreis von 75 Pfennigen für das Heft ziemlich hoch war. Ein Arbeiter verdiente damals einen Stundenlohn von etwa 1,50 DM. Für 75 Pfennige hätte man sieben Kugeln Eis und einen Brausewürfel bekommen. Oder sieben
Wundertüten, und die achte hätte man schon zu 50 Prozent finanzieren können. Ein Wiking-Auto gab es für 60 Pfennige und eine bemalte Ritterfigur von Merten erhielt man für 50 Groschen. Daher kam es dem Ehapa-Verlag keineswegs ungelegen, wenn mehrere Klubmitglieder ge-
meinsam ein Heft kauften und lasen. In einem Preisausschreiben wurden die „Klubfotografen“ sogar aufgefordert, den Moment im Bild zu zeigen, wenn die Klubmitglieder zum ersten Mal das neue Heft in Händen halten. In diesem Zusammenhang konnte man dann auch die sogenannte Micky Maus-Kamera „ins Spiel bringen.“ Das Kameramodell ähnelte einer PETIE, war aber in einem „kindgerechten“ roten Farbton gehalten. Seltene Varianten gab es auch in Grau mit goldfarbenen Teilen. „schleichwerbung“ im Micky Maus-Heft Geöffnete Kamera zum Einlegen des Films Kamera mit ledertasche im Größenvergleich 01 / 19
72_75_Micky_Kamera.qxp_A Tibet 06.12.18 16:03 Seite 5
TEcHNIK 75 Auf dem gelben Objektivring stand unten der Schriftzug „Mickey Mouse Camera“ und oben „Copyright Walt Disney Prod.“ Die englische Schreibweise „Mickey Mouse“ deutet darauf hin, dass die Kamera auch exportiert werden sollte. Es gab Kameras ohne und mit Ösen zur Befestigung des Kameragurtes. Zur Präsentation im Fotogeschäft wählte man eine Micky Maus-Figur aus Pappe, welche eine Kamera in Händen hielt. In den Micky Maus-Heften wurde kräftig die Werbetrommel gerührt. Es wurden Anzeigen geschaltet und darüber hinaus war die Kamera Thema in den Klubnachrichten. In der Ausgabe Nr. 18 vom 10. Mai 1958 erfuhren die Leser unter der Überschrift „Micky Maus-Kamera: klein, aber oho!“, wie der MMK Hurrleshausen (den Ort gibt es genauso wenig wie Entenhausen) zu seiner neuen Kamera kam: „Mit feierlicher Miene“ hatte der Klubvorsitzende Erich die Zigarrenkiste geöffnet und viele kleine Münzen auf den Tisch geschüttet. Die „Micky-Mäuse“ hatten unter Verzicht auf Süßigkeiten eifrig für die neue Kamera gespart. Danach, beim „Fotohändler am
Markt“, hätte man „eine Stecknadel fallen hören können“, weil die Micky-Mäuse so gespannt auf die kleine Kamera starrten. Der Fotohändler klärte die zukünftigen Hobbyfotografen auf: „Ihre größte Schärfe liegt bei 2 ½ Meter Entfernung. Nur wackeln dürft ihr nicht. Aber ihr müsst achtgeben, dass ihr den Film immer an einem schattigen Ort wechselt, damit er nicht fehlbelichtet wird.“ Natürlich fehlte nicht der Hinweis, dass es die Kamera in jedem Fotogeschäft zu kaufen gab. MM-Kamera mit Ösen für den Tragegurt Petitax, Petie mit röschlein-Objektiv und Kamera aus Japan 16 mm-rollfilm von Kunik
Abschließend wünschte die MM-Redaktion den Lesern „Gut Licht“ und war gespannt auf deren neue Bildreportagen.
„Fummeliger” Filmwechsel
Flaggschiff war die Tuximat, die sogar über einen eingebauten Belichtungsmesser verfügte. Anfang der 1970er-Jahre war die Zeit der Kunik-Minikameras aber endgültig vorbei. Kodak hatte 1972 erfolgreich seine Pocketkameras auf den Markt gebracht. Diese verwendeten zwar auch 16 mmFilme, aber diese waren in einer Kassette untergebracht, was den Filmwechsel erleichterte und einen ungewollten Lichteinfall auf den Film vermied. Der „fummelige“ Filmwechsel bei den Kunik-Kameras, die bescheidene Bildqualität und die Tatsache, dass die Kleinstbildfilme nicht immer beim Händler vorrätig waren, führte dazu, dass die Kameras nicht so häufig benützt wurden, so dass man sie heute noch in gutem Zustand auf Börsen bekommen kann. Eine Ausnahme bildet die Micky Maus-Kamera. Erstaunlicherweise ist das Thema „Minikameras“ in Deutschland nicht so präsent wie im Ausland. Einen ausführlichen Überblick über die Kleinst- oder Subminiaturkameras findet man auf englischsprachigen Internetseiten: www.submin.com oder www.camerasdownunder.com. Fotos: Klaus-Peter Huschka, Holger Schult (3)
Die Micky Maus-Kamera verschwand aber bald wieder aus dem Programm. Sammler vermuten, dass das Produkt überhaupt nicht von Disney lizensiert worden war. Man könnte sich aber auch vorstellen, dass sich eine Verlängerung des Lizenzvertrages nicht weiter gelohnt hat, als der Absatz der Kamera zurückging. In den 1960er-Jahren wurden die Kunik Kleinstbildkameras ständig verbessert und kamen unter den Namen Petitux, Petitax, Ompex 16 und Tuxi auf den Markt. 01 / 19
77_Onlinetipp.qxp_Onlinetipp.qxd 06.12.18 16:04 Seite 3
ONLINETIPP 77 n Der bedeutende Chemiker Justus Freiherr von Liebig hat wahrscheinlich nicht daran gedacht, dass er viele Jahrzehnte nach seinem Tod hauptsächlich mit Sammelbildern, die in vielen Ländern Käufer von Liebigs Fleischextrakt erhielten, in Erinnerung bleiben würde. Von 1872 bis 1975 erschienen über 11.000 dieser Liebigbilder, die nicht nur hervorragend gestaltet waren, sondern auf den Rückseiten noch Kochrezepte und reichlich Wissenswertes boten. Jahrzehnte wurden sie deshalb gern als Ergänzungen für Schulbücher und in vielen Familien sogar als Lexikonersatz genutzt. Neben den bekannten Bildern entstanden bei Liebig aber auch andere sammelwürdige Objekte, von denen ebenfalls einige im Internet präsentiert werden.
LIEBIG n Staatsbibliothek Göttingen Als virtuelle Führung „Von der Werbung für Fleischextrakt zur Schulbuchergänzung" wird hier kompetent und informativ mit vielen Beispielen und ausgezeichnetem Bildmaterial die Geschichte der Liebig-Sammelbilder, ihre Themenvielfalt u.a.m. präsentiert. webdoc.sub.gwdg.de/ebook/ga/2003/papier/ html/fsliebig.htm
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ler erheblich mehr als nur bunte Bilder. So wird auch über Liebig-Haushaltskalender, -Sammelpunkte, -Aktien und historische Dokumente informiert. Da auf dieser Seite Suchergebnisse zusammengestellt werden, finden sich einige Liebig-Objekte zwischen ganz anderen Informationen. Deshalb sollte die Darstellung bis zum Ende betrachtet werden und zwischendurch tauchen auch immer wieder reichlich Sammelbilder auf. moopenheimer.wordpress.com/tag/liebig
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€ 70-100 Franz Katzentod „Katzentot 7 Inch”, erschienen 1979 auf Audiorecord BRD, Nr. „AR 547708. „Punkrock”-Band aus Lahnstein/Koblenz, bekannt für ihren Schlachtruf „Mensch und Tier erleiden Not, denn jetzt spielt Franz Katzentot!”
€ 40-60 Sonic Youth (1981-2011) „Sister LP”, veröffentlicht 1987 in der BRD auf Blast First/Recordvox, No. „BFFP 20”. New Yorker „Noise-Rock”-Band um das ehemalige Ehepaar Kim Gordon und Thurston Moore, Ex-„Glenn Branca”-Gitarist Lee Ranaldo und Drummer Steve Shelley. Sonic Youth waren zusammen mit The Swans, Big Black, Butthole Surfers etc. die Speerspitzen der „amerikanischen 80ties-Noise”-Bewegung und Live ein mehr als lautstarker Urknall
€ 90-120 Neil Young & Crazy Horse „Weld DO-LP LP”, 1991 Europe, No. „759926671-1”. Live gespielte „Rock”-Klassiker im Krachgewand vom Paten des „Grunge”
€ 30-40 Various Artists „Die Rocky Horror Show (Live in deutscher Sprache) LP”, erschienen 1980 auf Ariola Germany, Nr. „202146”. Das moderne Kasperletheater startete in Deutschland Anfang 1980 unter Walter Bockmayers Freak-Show-Regie am Essener Stadttheater
€ 30-50 Manowar „Warriors Of The World Untied 12 Inch”, Nuclear Blast BRD 2002, No. „NB 698-1”, red Vinyl. „True Metal” mit „Wagnerischen” Wunschvorstellungen zwischen 115 bis 120 Dezibel € 50-70 Spencer Davis Group „Beat With Soul LP”, veröffentlicht 1966 in Deutschland auf Fontana/Stern Musik, Nr. „886187TY”. Compilation LP der Birminghamer „Rock”-Band um den Waliser Spencer Davis, Schlagzeuger Pete York und den beiden Winwood-Brüdern Muff (Bass) und Steve (Gesang, Orgel) € 30-50 Stranglers „Nice ‘n’ Sleazy 7 Inch”, erschienen 1978 in Deutschland auf United Artists Records, Nr. „36379 AT”. Single-Auskopplung aus der „Black & White LP”, hier mit rarem deutschen Band-Cover (englische Pressung mit „Victim Of The Boston Strangler”-Cover) € 250-350 Soul Caravan (1967-69) „Get In High LP”, 1968 auf SABA BRD, Nr. „SB 15158ST”. Debüt-LP der Wiesbadener „Soul- & R&B”-Band, die aus US-Amerikanern & Deutschen bestand. Als Xhol Caravan mit der „Electrip LP” gefeierte „Krautrock”-Pioniere (besonders in England)
Alle angegebenen Schallplattenpreise verstehen sich als ungefähre Richtpreise, die bei Internet-Auktionen, Schallplattenbörsen, Sammler-Foren, Festpreislisten, Privatverkäufen etc. erzielt oder angeboten wurden. Die Preise gelten in der Regel für Mint/Mint- Exemplare (neuwertig bzw. minimale Gebrauchsspuren).
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