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Zwischen Caravaggismus und Anmut
Lange unterschätzt, setzt sich heute die Malerei einer der größten Malerinnen des 17. Jahrhunderts auf dem Markt der Alten Meister durch. Auktionsrekorde, bedeutende Museumserwerbungen und internationale Retrospektiven verdichten sich zu einem klaren Befund: Der Kunstmarkt hat die kunsthistorische Neubewertung eingeholt.
Vor einem Jahrhundert zirkulierte der Name Artemisia Gentileschi allenfalls in engen Fachkreisen und unter wenigen Kennerinnen und Kennern der Kunst. Heute steht der Name Artemisia Gentileschi bei den Altmeisterauktionen gemeinsam mit Michelangelo und Rembrandt an der Spitze. Am 4. Februar 2026 wurde bei Christie's in New York ihr „Selbstporträt als heilige Katharina von Alexandrien“ für 5,69 Millionen Dollar versteigert. Für mehr als das Doppelte der durchschnittlichen Schätzung. Am selben Tag kündigte die National Gallery of Art in Washington den Erwerb ihres Gemäldes „Maria Magdalena in Ekstase“, entstanden um 1625, an. Das erste Werk von Artemisia Gentileschi, das in die Sammlungen des amerikanischen Nationalmuseums aufgenommen wurde. Zwei Ereignisse an ein und derselbe Tag mit einem unmissverständlichen Signal: Die Kunst von Artemisia Gentileschi erlebt derzeit eine historische Phase, und die Marktbewertung für ihre Werke dürfte weiter steigen.
Malerin des 17. Jahrhunderts, Karrierephänomen des 21. Jahrhunderts
1593 als Tochter von Orazio Gentileschi (1563-1639), einem führenden Maler, Freund und Mitarbeiters von Caravaggio geboren, zeigt Artemisia schon in ihrer Jugend ein selten kraftvolles malerisches Temperament. Ein dramatischer Hell-Dunkel-Kontrast verbindet sich in ihrer Malerei mit einem intensiven Realismus und einer eindringlichen körperlichen Präsenz der Figuren. Im Alter von 17 Jahren signiert sie „Susanna und die Alten“, ein Werk von erstaunlicher Reife. Als sie 18 Jahre ist, erleidet sie eine Vergewaltigung von Agostino Tassi, einem Maler und Lehrer und Vertrauter ihres Vaters. Daraufhin wird im Jahr 1612 ein mehrmonatiger öffentlicher Prozess geführt, der demütigend und zermürbend und prägend für sie ist. Das Leben von Artemisia Gentileschi erscheint wie eine künstlerische Gegenbewegung zu der erfahrenen Gewalt und ihrer öffentlichen Verhandlung: eine kompromisslos verfolgte Laufbahn und ein Œuvre, das sich auf weibliche Protagonistinnen wie Judith, Maria Magdalena, Bathseba konzentriert, deren Stärke und Würde sie mit einer malerischen Intensität fasst, die im zeitgenössischen Kontext außergewöhnlich bleibt. Auch der weitere Werdegang von Artemisia Gentileschi bleibt für eine Künstlerin ihrer Epoche singulär. Als eine der ersten Frauen in die Accademia delle Arti del Disegno in Florenz aufgenommen, steht sie im Dienst der Medici, bewegt sich in gelehrten Zirkeln und wirkt an den europäischen Höfen, darunter am Hof Karls I. von England. In Neapel etabliert sie schließlich ein dauerhaftes Atelier mit arbeitsteilig organisierter Produktion und zahlreichen Mitarbeitern, was die gelegentlich diagnostizierten qualitativen Differenzen innerhalb des Œuvres erklärt. Gentileschi behauptet sich damit in einem kul-
turellen Umfeld, das Künstlerinnen grundsätzlich skeptisch bis ablehnend gegenüberstand. Artemisia Gentileschi starb um 1653/54, womit sich ihre Spur verliert; es folgt eine jahrhundertelange Phase des Verstummens, bevor ihr Werk in der kunsthistorischen Forschung des 20. Jahrhunderts wieder sichtbar wird.
Vom Museum ins Auktionshaus: eine gemeinsame Neubewertung
Doch seit einigen Jahren greifen Markt und Institutionen ineinander, um das Werk Artemisia Gentileschi gemeinsam neu zu positionieren und sichtbar zu machen. 2018 räumte das Museum der Schönen Künste in Gent ihr eine zentrale Rolle in einer großen Ausstellung zu den Malerinnen des italienischen Barock ein. Bereits im Jahr darauf wurden für ihr Gemälde „Lucretia“ bei Artcurial 5,25 Millionen US-Dollar erzielt, ein Vielfaches der zuvor angesetzten Schätzung von 880.000 Dollar. Ein Rekord, der nicht nur eine neue Marktgröße markierte, sondern auch die ökonomische Anerkennung der Künstlerin sichtbar machte.
Seitdem hat sich diese Dynamik weiter verdichtet. 2020 widmete die National Gallery in London ihr eine umfangreiche monografische Retrospektive, die erste, die dort in 196 Jahren einer Künstlerin gewidmet wurde. 2021 setzte das Rijksmuseum Twenthe mit „Artemisia. Vrouw & Macht“ den Impuls fort. Eine Gegenüberstellung von rund 20 Werken Gentileschis mit Arbeiten ihrer männlichen Zeitgenossen, in der bis heute größten Präsentation ihres Œuvres in den Niederlanden. Nur wenige Wochen vor dem Ende dieser richtungsweisenden Schau wurde am Markt ein weiteres Signal gesetzt. Bei Sotheby’s in New York wurde „Susanna und die Alten“ für 2,1 Millionen Dollar versteigert, nach einem Vorverkaufspreis von rund 300.000 Dollar im Jahr 1995. Eine Versiebenfachung, die exemplarisch für die rapide Neubewertung ihres Werks steht.
4. Februar 2026: ein Wendepunkt
In der New Yorker Auktion „Alte Meister“ von Christie’s am 4. Februar 2026 wurde ein Gesamtergebnis von 54,3 Millionen Dollar erzielt und damit der höchsten Umsatz einer Auktion dieser Kategorie in New York seit mehr als einem Jahrzehnt. Das zentrale Werk war Artemisia Gentileschis „Selbstbildnis als heilige Katharina von Alexandrien“ aus der Zeit um 1613, ein kleines Tafelbild von 32,3 auf 24,6 Zentimeter, entstanden in Florenz, als die Malerin etwa 20 Jahre alt war. Es zählt zu den nur fünf heute bekannten authentischen Selbstporträts und gilt vermutlich als das früheste innerhalb dieser Werkgruppe. Artemisia Gentileschi inszeniert sich darin als heilige Katharina von Alexandrien mit Märtyrerpalme, königlicher Krone und dem zerbrochenen, mit Nägeln gespickten Rad in einer zugleich frommen wie programmatischen Geste der Selbstvergewisserung als Künstlerin in einem männlich dominierten Umfeld. Gerade in Florenz, so die vielzitierte Formulierung des Kunsthistorikers Keith Christiansen, vollzieht sich jener Prozess, in dem Artemisia „zur Artemisia wird“: zur eigenständigen, gebildeten und entschlossenen Malerin, die sich aus dem Schatten ihres Vaters löst. Das Gemälde gilt als das früheste und intimste Zeugnis dieser Emanzipation. Drei der fünf bekannten Selbstporträts befinden sich bereits in Museums-

sammlungen. Das am 4. Februar versteigerte Werk ist zugleich das bislang teuerste Gemälde der Künstlerin in einer Auktion. Zwischen 2022 und 2025 war es als Leihgabe im Nasjonalmuseet in Oslo zu sehen; zudem liegt bereits eine Anfrage vor, es in die große Retrospektive „Artemisia Gentileschi: The Triumph of Painting“ aufzunehmen, die 2028 in der Nivaagaard Collection in Dänemark geplant ist.
Was der Markt signalisiert, bestätigen die Zahlen
Die Preisdynamik, die für die Werke von Artemisia Gentileschi verzeichnet wird, folgt einer strukturellen Logik, die sich aus den Marktdaten klar herauslesen lässt. An erster Stelle steht die außergewöhnliche Seltenheit ihres Œuvres. Der Bestand ist begrenzt, der überwiegende Teil befindet sich in Museen, und nur wenige Werke gelangen überhaupt auf den Sekundärmarkt. Hinzu tritt die intrinsische Werthierarchie, also der im Werk selbst begründete Wert. Besonders gefragt sind die Selbstporträts sowie Darstellungen starker weiblicher Figuren aus der florentinischen und römischen Phase, in denen sich die künstlerische Identität Artemisia Gentileschis sehr deutlich verdichtet. Die großformatigen, in Neapel entstandenen Kompositionen mit monumentaler Anlage stoßen demgegenüber auf vergleichsweise geringe Nachfrage. Bemerkenswert ist dabei eine historische Verschiebung. Zu Lebzeiten wurde Artemisia für großformatige Auftragsarbeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich besser entlohnt als für ihre kleinen Selbstbildnisse, die sie häufig als strategische Geschenke zur Gewinnung von Auftraggebern und Mäzenen einsetzte. Gerade für diese intimen Formate werden heute jedoch die höchsten Preise erzielt. Entscheidend bleibt schließlich das institutionelle Signal, das den Markt maß-

geblich in Bewegung setzt. Nahezu jeder bedeutende Museumsankauf oder jede große Retrospektive ging in der Vergangenheit einem Preisanstieg voraus oder fiel mit ihm zusammen. Das Zusammentreffen am 4. Februar 2026 –Rekordergebnis im Auktionssaal bei gleichzeitiger musealer Erwerbung – gilt in dieser Hinsicht als Paradebeispiel.
Was 2026 und 2028 noch erwarten lassen
Die Ausstellung „Naples to Beirut“ im Columbus Museum of Art in Ohio, die von Oktober 2025 bis Mai 2026 stattfand, beleuchtete die neapolitanische Schaffensphase von Artemisia Gentileschi anhand restaurierter Hauptwerke und außergewöhnlicher Leihgaben. Dazu zählt unter anderem das Gemälde „Herkules und Omphale“, eine Leihgabe des Getty Museums und ein Werk, das lange als verschollen galt, nach der Hafenexplosion in Beirut 2020 aber wieder aufgefunden wurde. Für 2028 setzt die Nivaagaard Collection in Dänemark mit der Retrospektive „The Triumph of Painting“ einen weiteren Höhepunkt im Ausstellungszyklus zu Artemisia Gentileschi. Institutioneller und Marktkalender greifen damit zunehmend synchron ineinander. Für Sammler und Sammlerinnen wie auch für kundige Beobachterinnen und Beobachter des Marktes mit Altmeisterwerken verdichtet sich daraus ein klares Bild. Die als gesichert geltenden Werke von Artemisia Gentileschi, per se selten, erleben derzeit eine kontinuierliche Wertsteigerung, deren Dynamik sich sowohl aus der jüngeren Marktentwicklung als auch aus der verstärkten institutionellen Aufmerksamkeit speist und daher klar über kurzfristige Schwankungen hinausweist.

QUELLE | www.artprice.com

Bis 7. Juni
Armin Rohde zeigt seine Gesichter des Reviers im Ruhr Museum, Essen
Im Herzen des Ruhrgebiets, dort, wo industrielle Vergangenheit und gesellschaftlicher Wandel seit jeher eng miteinander verwoben sind, entfaltet sich derzeit eine Ausstellung, die den Blick auf die Region neu justiert. Im Ruhr Museum präsentiert die Brost-Stiftung unter dem Titel „Gesichter des Reviers – Vom Ankommen und Dazugehören“ eine eindringliche fotografische Annäherung an das Leben im Revier. Im Zentrum stehen die großformatigen Porträts des Schauspielers und Fotografen Armin Rohde. Bekannt für seine prägnante Bühnen- und Leinwandpräsenz, richtet Rohde seinen Blick hier auf 16 Menschen, deren Lebens- und Arbeitswege das Ruhrgebiet in seiner heutigen Vielfalt widerspiegeln und ein vielschichtiges Bild der Region als Raum von Wandel, Vielfalt und Zusammenhalt zeichnen. Professor Bodo Hombach, Vorsitzender des Vorstands der Brost-Stiftung, betont im Rahmen seines Grußwortes: „Armin Rohde sieht genauer hin – er entdeckt Würde, wo andere nur Etiketten sehen. Seine Fotografien laden zum zweiten Blick ein und erzählen von Lebenswegen, die nicht bequem waren, aber stark gemacht haben.“ Rohdes künstlerischer Ansatz verweigert sich der Oberflächlichkeit. Stattdessen lädt er zum Innehalten ein, zum zweiten Blick, der hinter die sichtbaren Konturen führt. Es ist ein Blick, der Würde sichtbar macht und Biografien als das zeigt, was sie sind: komplexe, oft widersprüchliche Wege, geprägt von Herausforderungen und Errungenschaften gleichermaßen. Gerade in dieser Vielschichtigkeit liegt die emotionale Kraft der Ausstellung, die Vergangenheit und Gegenwart in einen stillen, aber eindringlichen Dialog bringt. Dass dieser Dialog nicht nur im Bild raum verbleibt, zeigte sich bereits bei der Eröffnung. Alle Porträtierten waren anwesend und verwandelten die Ausstellung in einen lebendigen Begegnungsort. Im Austausch mit den rund 160 Gästen entstand eine Atmosphäre, in der
Kunst und Leben unmittelbar ineinandergreifen. Auch Persönlichkeiten aus Politik und Kultur, darunter der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen und der stellvertretende Museumsdirektor Dietmar Osses richteten, unterstrichen in ihren Grußworten die gesellschaftliche Relevanz des Projekts. Ein begleitendes Bühnengespräch vertiefte die in den Fotografien angelegten Themen. Gemeinsam mit Professor Ali Canbay, Direktor der Medizinischen Klinik am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum und Talentscoutin Milica Zajac diskutierte Rohde unter der Moderation der WDR-Journalistin Désirée Rösch über individuelle Lebenswege, strukturelle Herausforderungen und die Bedeutung von Arbeit als Motor von Zugehörigkeit. Dabei wurde deutlich, wie sehr das Ruhrgebiet von Geschichten des Ankommens lebt und wie diese Geschichten bis heute fortgeschrieben werden.
Die Ausstellung ist Teil des Projekts „Wege ins Revier“, mit dem die Brost-Stiftung die Migrationsgeschichte der Region in den Fokus rückt. Es ist ein Projekt, das nicht nur dokumentiert, sondern auch verbindet: Vergangenheit mit Gegenwart, individuelle Erfahrung mit kollektiver Erinnerung. „Gesichter des Reviers“ ist damit mehr als eine fotografische Schau. Sie ist ein Plädoyer für Differenzierung in einer Zeit der schnellen Zuschreibungen und eine Einladung, das Ruhrgebiet als das zu begreifen, was es ist: ein Raum der Vielfalt, der Brüche und des Zusammenhalts.
Ausstellung: Gesichter des Reviers – Vom Ankommen und Dazugehören, Fotografien von Armin Rohde, Ruhr Museum, 24-Meter-Ebene, UNESCO-Welterbe Zollverein, Essen. Bis 7. Juni 2026
WEBSEITE | www.ruhrmuseum.de

Bis 20. September
Anton Corbijn im Fotografiska Berlin
Der Niederländer Anton Corbijn ist für seine Fotografien, Musikvideos, Filme, Grafikdesigns und Werbeaufnahmen bekannt. Große Bekanntheit erlangte er für seine Porträts einiger der größten Künstler und Künstlerinnen unserer Zeit. Nachdem er im vergangenen Jahr seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, blickt der Niederländer auf ein umfassendes Werk zurück. Dieses ist in über fünf Jahrzehnten entstanden und reicht von Fotografien über Musikvideos bis zu Spielfilmen. Die Ausstellung „Corbijn, Anton“ im Fotografiska Berlin feiert bis 20. September sein 50-jähriges Schaffen und versammelt mit etwa 150 Fotografien wichtige Momente seiner Karriere: ikonische Porträts von Legenden wie Depeche Mode, Tom Waits, U2, den Rolling Stones, Martin Scorsese, Clint Eastwood, Gerhard Richter, Ai Weiwei und Marlene Dumas sowie Ikonen wie Nina Hagen, Herbert Grönemeyer und Wim Wenders. Corbijns Markenzeichen: ein körniges Schwarzweiß, das die unverwechselbare Bildsprache seiner Arbeiten prägt. „Stil ist im Grunde die Unfähigkeit, es anders zu machen. Ich habe keinen bestimmten Stil verfolgt, als ich anfing, Fotos zu machen. Ich konnte es einfach nicht anders,“ sagt Anton Corbijn. Seine Geschichte beginnt auf einer kleinen und ruhigen niederländischen Insel. Dort wuchs er als Sohn eines Pfarrers auf. Für den jungen Corbijn war Musik ein Zufluchtsort, in den er in jeder freien Minute eintauchte. Er fand in der Kamera ein Werkzeug, das sein ständiger Begleiter wurde. Sie half ihm, seine Faszination für Musik auszudrücken und vor allem, seine eigene Schüchternheit zu überwinden. Als Corbijn 1979 nach London zog, pulsierte die musikalische Szene der Stadt mit Bands wie The Clash, The Jam und Joy Division. Bereits zehn Tage nach seiner Ankunft fotografierte er Joy Division. Er behauptete, er sei im Auftrag eines großen niederländischen Magazins unterwegs, obwohl er keinen offiziellen Auftrag hatte. „Die Kamera ist ein wunderbares Werkzeug, um mit Menschen in Kontakt zu treten. Sie gibt dir eine Rolle, die dir erlaubt, andere anzusprechen. So habe ich das als junger Mensch erlebt, der extrem schüchtern war. Der Wunsch, die Kamera einzusetzen, war stärker als meine Schüchternheit,“ sagt Corbijn. Corbijns Fotografie zeichnet sich dadurch aus, dass er das Wesentliche einfängt. Für ihn ist die Kamera nicht nur ein Werkzeug, sondern eine Brücke. Sie hilft ihm, vertrauensvolle und langfristige kreative Partnerschaften aufzubauen. Sinnbildlich dafür sind seine jahrzehntelangen Kollaborationen, bei denen ikonische Portraits, wegweisende Musikvideos und unverwechselbare visuelle Iden-
titäten entstanden sind. Unter seiner künstlerischen Leitung haben Bands wie Depeche Mode ihre Bildsprache entwickelt. Als Fotograf von U2 prägt er seit über vier Jahrzehnten ihre visuellen Auftritte. Statt Künstler zu dokumentieren, schafft Corbijn einen andauernden Dialog. Er baut Beziehungen auf, die in jedem Bild spürbar sind. „Corbijn, Anton wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler kuratiert. Die Ausstellung zeigt nicht nur seine bekanntesten Bilder, sondern auch eine persönliche, selten gesehene Auswahl seiner Lieblingswerke. Über fünf Jahrzehnte hinweg hat Corbijn legendäre Persönlichkeiten aus Musik und Film festgehalten. Damit prägt er, wie wir viele kulturelle Ikonen unserer Zeit sehen,“ erläutert Johan Vikner, Global Director of Exhibitions bei Fotografiska. Ab Anfang der 1980er-Jahre hielt Corbijn Künstlerinnen und Künstler nicht mehr nur fotografisch, sondern auch in Musikvideos fest. Seitdem hat er über 80 Videos für Musiker und Musikerinnen und Bands wie U2, Johnny Cash, Arcade Fire, Depeche Mode, Nirvana, Metallica, Nick Cave, Coldplay und The Killers gedreht. Als Art Director ist er für das visuelle Erscheinungsbild von Depeche Mode verantwortlich. Für U2 hat er seit über vier Jahrzehnten die wichtigsten Promo-Fotografien geschossen. 2006 drehte Corbijn mit „Control“ seinen ersten Spielfilm über das Leben und Sterben von Ian Curtis, dem Sänger von Joy Division. Der Film gewann weltweit Preise, darunter fünf BIFAs (British Independent Film Awards) und die Caméra d’Or – Mention spéciale der Fimfestspiele von Cannes. Es folgten „The American“ mit George Clooney (2010), „A Most Wanted Man“ nach einem Roman von John le Carré mit Philip Seymour Hoffman (2014) und „Life“ über James Dean und den Fotografen Dennis Stock mit Robert Pattinson und Dane DeHaan (2015). 2023 erschien Corbijns erster Dokumentarfilm „Squaring The Circle“ über das legendäre Grafikdesing-Studio Hipgnosis, das für surreale Plattencover bekannt war. 2025 führte er bei seinem fünften Spielfilm „Switzerland“ mit Helen Mirren in der Hauptrolle Regie.
Ausstellung: Anton Corbijn, Corbijn, Anton, Fotografiska, Berlin. Bis 20. September 2026
WEBSEITE | https://www.berlin.fotografiska.com/

von Anja Iwa
Henri Émile Benoît Matisse war ein bedeutender französischer Maler, Grafiker, Zeichner und Bildhauer des 20. Jahrhunderts und einer der führenden Vertreter des Fauvismus.

Henri Matisse (1869-1954) war bekannt für seine lebendige Farbgebung, seine innovativen Techniken und auch für seine Scherenschnitte. Zusammen mit Pablo Picasso zählt Matisse heute zu den wichtigsten Künstlern der klassischen Moderne und gilt zudem neben André Derain als bedeutsamer Wegbereiter des Fauvismus, welcher die Loslösung vom Impressionismus propagierte und somit die erste künstlerische Bewegung des 20. Jahrhunderts darstellt. Das Werk von Matisse ist geprägt von einer spannungsreichen Linienführung sowie von einer flächigen Farbigkeit. In den 1940er-Jahren entstanden die berühmten Scherenschnitte (gouaches découpées) –ein Beispiel hierfür ist sein Künstlerbuch „Jazz“, und mit ihnen schuf Matisse ein Spätwerk, das mit seiner Ornamentik und Farbigkeit als Höhe punkt seines künstlerischen Schaffens gilt. Henri Matisse ist eine zentrale Figur der Kunstgeschichte, dessen innovative Ansätze und Techniken die Grenzen der Malerei neu definierten.
BIOGRAFIE
Henri Matisse wurde 1869 in Le Cateau-Cambrésis in Frankreich geboren. Er wuchs in einer bürgerlichen Familie auf und besuchte von 1882 bis 1887 das Henri-Martin-Gymnasium in Saint-Quentin. Danach studierte er zunächst für zwei Jahre Rechtswissenschaften in Paris, wandte sich jedoch bald der Kunst zu, nachdem er während einer längeren Krankheit mit dem Malen angefangen hatte. Ab 1889 begann er ein Kunststudium, zunächst an der École des Beaux-Arts in Saint-Quentin, dann an der Académie Julian zusammen mit Gabriel Ferrier und
Henri Matisse, Asia, 1946, Öl auf Leinwand, 116,2 × 81,3 cm
Foto © Kimbell Art Museum, Fort Worth, Texas/ Art Resource, NY/Scala, Florence